Unsere Leser werden bemerken, mit welcher Sorgfalt wir sie durch unbekannte Gegenden und Persönlichkeiten hindurchführen, um unseren Erzählungen gleichzeitig die Festigkeit des Ganzen und die bunte Abwechslung der Einzelheiten zu bewahren.
Wir sind dadurch ganz natürlich zu einigen Weitschweifigkeiten verleitet worden, welche nun nicht mehr vorkommen werden, denn bis auf nur wenige Individualitäten, denen wir noch begegnen werden, stehen unsere sämtlichen Personen nun auf der Bühne und haben, so viel als es in unserer Macht gestanden, ihren Charakter durch ihr eigenes Handeln entwickelt.
Uebrigens sind nach unserer Meinung Länge oder Kürze einer Sache nicht einem materiellen Maß unterworfen. Ist ein Werk interessant, so wird es, selbst wenn es zwanzig Bände hätte, dem Publikum kurz erscheinen. Ist es dagegen langweilig, so wird der Leser, und wenn es blos zehn Seiten zählte, es fortwerfen, noch ehe er damit zu Ende gekommen ist.
Was uns betrifft, so haben in der Regel unsere längsten Bücher, das heißt die, in welchen es uns gestattet gewesen, die Charaktere genau zu entwickeln, und eine längere Reihe von Ereignissen vorzuführen, das meiste Glück gemacht und sind am begierigsten gelesen worden.
Unter den dem Leser schon bekannten Personen, oder solchen, denen wir nur noch einige Pinselstriche zu geben brauchen, knüpfen wir daher jetzt unsere Erzählung wieder an, welche für den ersten Blick von ihrem Wege abgewichen ist, um unserem Gesandten und dem Grafen Ruvo nach Rom zu folgen, eine, wie man später sehen wird, ganz nothwendige Abweichung —um acht Tage später, nach der Abreise Hektors Caraffa nach Mailand und des Bürgers Garat nach Frankreich, wieder nach Neapel zurückzukehren.
Wir befinden uns daher gegen zehn Uhr Morgens auf dem Kai Margellina. Wir sehen auf demselben ein buntes Gewimmel von Fischern und Lazzaroni, so wie von allerhand Leuten aus dem Volke, welche, mit Köchen aus vornehmen Häusern untermischt, nach dem Markte eilen, welchen seinem Casino gegenüber der König Ferdinand eröffnet hat, der, als Fischer gekleidet, hinter dem mit Fischen bedeckten Tische stehend, das Ergebniß seines Fischfangs selbst verkauft.
Trotz der Aufregung, in welche ihn die politischen Angelegenheiten versetzt, trotzdem, daß er jeden Augenblick die Antwort seines Neffen, des Kaisers, erwartet, trotz der Schwierigkeit, die es ihm macht, die von Sir William Hamilton unterschriebene und von Nelson im Namen Pitt’s endossirte Tratte schnell in klingende Münze zu verwandeln, hat er doch nicht seinen beiden Lieblingsvergnügungem dem Fischfang und der Jagd, entsagen können.
Gestern hat er in Persano gejagt, heute Morgen hat er in Pausilippo gefischt.
Unter der Menge, welche durch dieses häufige, für das Volk von Neapel aber stets neue Schauspiel herbeigelockt wird, würden wir uns versucht fühlen, unsern alten Freund Michele, den Narren, zu suchen, welcher, wie wir uns zu sagen beeilen, mit dem Michele, welchen wir nach Peppinas Ermordung in das Gebirg entfliehen gesehen, nichts gemein hat, sondern unsern Michele, welcher, anstatt wie die Andern den Kai weiter hinaufzugehen, an der kleinen Thür jenes unsern Lesern schon bekannten Gartens stehen bleibt.
Allerdings steht an der Thür dieses Gartens an die Mauer gelehnt und mit den Augen in dem Azur des Himmels, oder vielmehr in den Regionen ihrer Gedanken umherschweifend, ein junges Mädchen, welcher wir in Folge ihrer untergeordneten Stellung bis jetzt nur eine Aufmerksamkeit zu widmen vermocht, welche eben so untergeordnet gewesen ist, wie die Stelle dieser Person selbst.