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Die Cabane und die Sennhütte

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Alexandre Dumas
Die Cabane und die Sennhütte

Erster Band

Erstes Kapitel
Worin wir denjenigen von unseren Lesern, die es nicht wissen, sagen, was eine Cabane ist

Zu jener Zeit hatte Marseille ein malerisches und romantisches, und nicht wie heute ein grünendes und blühendes Stadtgebiet. Von der Höhe des Berges Notre Dame de la Garde war es ebenso leicht, die vereinzelten Häuser auf der Ebene und auf den Hügeln zu zählen, wie die Fahrzeuge und Tartanen, die mit ihren weißen und rothen Segeln die unermeßliche blaue Fläche übersäeten, die sich bis zum Horizonte erstreckt; keins von diesen Häusern, mit Ausnahme vielleicht desjenigen, welches man an den Ufern des Huveaume, auf den Ruinen des Schlosses Belle Ombre erbaut hatte, und welches die Enkelin der Madame de Sevigné bewohnte, keins von diesen durfte sich dieser prächtigen Platanen, dieser reizenden Gebüsche von Lorbeer, Tamarisken, Pfaffenhütchen, von in- und ausländischen Bäumen rühmen, die gegenwärtig unter der Masse ihres schattigen Laubwerks die Dächer der unzähligen marseiller Villen verbergen; die Durance floß noch nicht hier durch, rollte nicht durch diese Thäler, hatte diese Hügel noch nicht erklommen und diese Felsen befruchtet.

Damals mußte jeder Marseiller, der seine Blumen beleben wollte, wenn ihre Blätter, von der Hitze der Augustsonne verwelkt, sich zur Erde neigten, wie an Bord eines Schiffes in voller Fahrt, wie Monsieur de Jussieu es mit einer Ceder that, einen Theil des für seinen Magen bestimmten Wassers ersparen, um der armen Pflanze das Almosen einiger Tropfen zu geben.

Zu jener Zeit, schon so weit von uns, vermöge der allmächtigen Vereinigung des Wassers und der Sonne, die so schnell die Vegetation dieses Landes verwandelt hat, daß man sich selbst in Marseille nicht mehr erinnert, daß es eine Zeit gab, wo einige Fichten oder einige Olivenbäume, in der Sonne krachend, allein die Einförmigkeit des entblößten Landes unterbrachen – in jener fernen Zeit, sagen wir, bot das Dorf Montredon die vollständigste Probe der Dürre, die ehemals die Umgebung der alten Stadt der Phokäer charakterisierte.

Montredon kommt nach jener Dreiheit von Dörfern, die man Saint-Genies, Bonne-Veine und Marsargues nennt; es liegt an der Grundfläche des Dreiecks, welches sich dem Meer nähert, die Rhede vor dem Ostwinde schützt, und das Cap Croisette heißt. Es ist am Fuße dieser ungeheuren Massen von grauem und himmelblauem Kalkstein erbaut, auf deren Abhängen kaum nur ein verkrüppeltes Gestrüpp hervorsproßt, dessen grauliche Blätter die Sonne und der Staub noch weißer machen.

Nichts ist öder und trauriger, als die Ansicht dieser grandiosen Massen; es dürfte scheinen, als hätten die Menschen nie vernünftigerweise daran denken können, ihre Zelte auf diesen abgesonderten und verlassenen Stufen dieser Steinwälle aufzupflanzen, welche Gott nur dorthin gestellt, um die Küste vor dem Eindringen des Meeres zu schützen; und doch lange vor 1787 hatte Montredon außer seinen Strohhütten zahlreiche Landhäuser, wovon das eine berühmt ist, wenn nicht durch sich selbst, doch wenigstens durch den Ruf derjenigen, die es bewohnt haben.

Der prächtige Park, den die Herren Patré mit Mauern umgeben haben, schließt in seinen Raum eine bescheidene Villa, die der Familie Bonaparte als Zufluchtsort gedient hat bei dem langen Aufenthalte in Marseille während der Revolution; die Könige und Königinnen der Hälfte von Europa haben den Sand dieser Alleen betreten; und die Gastfreundschaft, die er ihnen gewährte, hat Monsieur Clary besonderes Glück gebracht; seine Kinder wurden von dem Wirbel fortgerissen, der seine Gäste zu den Thronen hintrieb, und sie haben auf den ersten Stufen Platz genommen. Es fehlte sogar wenig, daß die jüngste der Fräulein Clary berufen wurde, um das Geschick des künftigen Herrn der Welt zu theilen. Es war die Rede von einer ehelichen Verbindung zwischen ihr und dem jungen Commandeur der Artillerie; aber wie es später der Notar der Madame Beauharnais bei einer ähnlichen Gelegenheit sagte, konnte man keinen Mann heirathen, der Nichts weiter hatte, als seinen Mantel und seinen Degen.

Wir wollen hier sogleich sagen, daß wir Euch nicht mit diesen Halbgöttern von gestern zu unterhalten haben, liebe Leser. Wir haben einer Regung, des patriotischen Stolzes nicht widerstehen können; wir haben das Bedürfniß empfunden, Euch zu sagen, daß Montredon am Ende nicht so bescheiden ist, wie es das Ansehen hat; daß es, wie jede andere Stadt, ein Recht an eine Berühmtheit hat, deren sich jedes seiner Kinder rühmen darf; und dies zugegeben, wollen wir uns beeilen, Euch gewissenhaft zu benachrichtigen, daß wir hier nur eine Abschweifung gemacht haben, daß unsere künftigen Personen ganz klein, ganz bescheiden sind, daß unser Drama auf einem Sandkorn entsteht, lebt und sich entwickelt, und daß, wenn unsere handelnden Personen in dieser Welt Aufsehen gemacht haben, es gewiß auf der einen Seite nicht weiter als bis zu der alten Kapelle und auf der anderen bis Madrague, der Säule des Hercules von Montredon, gedrungen ist.

Verlassen wir also rasch die Villa Clary, folgen dem Ufer des Meeres und erreichen dieses kleine Vorgebirge, welches man die rothe Spitze nennt, wo wir im Jahre 1831, in welchem wir stehen, nur drei oder vier Häuser finden, und unter diesen Häusern die Cabane, in welcher die Geschichte vorgeht, die wir Euch erzählen wollen.

Indessen würde es selbst auf die Gefahr einer neuen Abschweifung durchaus angemessen sein, zu halten, was die Ueberschrift dieses Kapitels verspricht, Euch zu erklären, was eine Cabane ist, Euch Allen, die Ihr vielleicht nicht das Glück gehabt, in der Provençe geboren zu werden, welche jeder Marseiller als ein irdisches Paradies betrachtet.

Unter dem Worte Cabane hat Eure Phantasie sich vielleicht schon eine Hütte von Planken oder Baumzweigen vorgestellt, ein Dach von Stroh oder Rohr, mit einem Loch in der Decke, um den Rauch herauszulassen. Eure Einbildungskraft ist zu schnell gegangen.