Abdahn Effendi
Karl May




Karl May

ABDAHN EFFENDI





Abdahn Effendi


Was ich heut? so ?ffentlich erz?hle, war bisher ein tiefes Geheimnis. Und dennoch war es keines, weil es sich vor allen Augen und Ohren vollzog, die sehen und h?ren wollten. Viele berufene und unberufene Menschen gaben sich M?he, das R?tsel zu l?sen, doch stets vergeblich, weil sie selbst mit im Geheimnis standen, ohne da? sie es glaubten oder wu?ten. Keiner von ihnen allen brachte es fertig, sich aus diesem Geheimnisse herauszustellen, um die ganze, unsaubere Bande zu durchschauen, die aus f?nf Personen bestand, die in Summa nur drei Namen hatten, n?mlich zwei Achmed Agha, zwei Selim Agha und Abdahn Effendi, der eigentliche Gebieter.

Die vier Agha waren Offiziere; der Effendi aber war Zivilist und zugleich der dickste Mensch, den ich in meinem Leben gesehen habe. Er betrieb die Viehzucht, die Landwirtschaft, die B?ckerei, die Fleischerei, die Fischerei, die Jagd, die Gastwirtschaft, den Binnen- und Au?enhandel und war zu gleicher Zeit der Schech el Beled, der Kadi und der Imahm (Schulthei?, Richter und Geistlicher) der weit ausgedehnten Landschaft Dschan, durch die sich die t?rkisch-persische Grenze zieht. Daher der Titel Effendi, den er von jedermann verlangte und auch wirklich zugesprochen erhielt. Dschan liegt sehr hoch, im S?den des kurdischen Gebirges. Dort ragen die Berge von Uluhm empor, zwei Reihen zum Teil scharf abgegrenzter, zum Teil auch ineinander flie?ender H?hen, die, immer parallel miteinander, von Nordwest nach S?dost verlaufen und zwischen sich ein langes, viel gewundenes, tief und steil eingeschnittenes Tal bilden, auf dessen Sohle ein sehr fischreiches Wasser flie?t. Die Fische geh?rten dem Effendi. Er behauptete das. Und er hatte gedroht, einen jeden niederzuschie?en, der sich an einer einzigen Flosse zu vergreifen wage! Die Berge von Uluhm sind, ebenso wie das zwischen ihnen liegende Tal, sehr dicht mit Busch und Wald bestanden, worin es Wild in Menge gibt. Der Effendi behauptete, da? auch dieses ihm geh?re und da? er einen jeden aufh?ngen werde, der so frech sei, auch nur eine einzige Maus oder Ratte anzutasten!

Wer die T?rkei und Persien kennt, der wei?, da? an der Grenze beider L?nder allezeit ein ebenso reger wie eintr?glicher Schmuggel betrieben worden ist. Und nie hat es eine Stelle gegeben, welche die Aufmerksamkeit der beiderseitigen Zoll- und Steuerbeh?rden in der Weise auf sich gezogen hat, wie die Landschaft Dschan, die mit ihren Bergen, Schluchten und W?ldern die Pascher geradezu herausforderte, sich hier zusammen zu ziehen.

Ein breiter Karawanenweg f?hrt, Persien mit der T?rkei verbindend, quer durch Dschan und also ebenso quer zwischen den Bergen von Uluhm hindurch. Das ist der offizielle, der befohlene Weg, den alle Personen und G?ter zu nehmen haben. Jeder andere Weg wird als Schleichweg betrachtet, und wer ihn geht, setzt sich der Gefahr aus, als Schmuggler betrachtet und behandelt zu werden, vielleicht gar als Dieb und R?uber f?r Fisch und Wild. Da, wo diese Karawanenstra?e auf der ?stlichen Seite in das Tal hinuntersteigt, befindet sich das Hauptquartier der persischen Zollbeamten. Da, wo sie auf der westlichen Seite wieder emporgestiegen ist, stehen die Geb?ude der t?rkischen Douane. Beide also hoch oben auf den beiden R?ndern des Tales, w?hrend unten, in der Mitte desselben, die Besitzung des Effendi an der ?ber das Wasser f?hrenden Br?cke liegt. Er behauptete, da? diese Br?cke ihm auch geh?re, und drohte, einen jeden einzusperren, der hin?ber- oder her?bergehe, ohne ihm den Br?ckenzoll zu entrichten! Sein Anwesen bestand aus einem nicht unbedeutenden Komplexe von H?usern, H?tten, Stallungen, Schuppen, Tennen, Winkeln und L?chern, welche alle dem Betriebe der oben erw?hnten T?tigkeiten und Berufe zu dienen hatten. Die beiden ger?umigsten unter diesen Baulichkeiten waren zwei Karawanserais, rechts an der Stra?e eines f?r die, welche von rechts her, also von Persien kamen und nach der T?rkei wollten, links an der Stra?e eines f?r die, welche von links her, also von der T?rkei kamen und nach Persien wollten. Da war den von beiden Seiten Kommenden Gelegenheit gegeben, mit ihren Tieren und Waren Unterkunft zu finden und sich auszuruhen oder gar zu ?bernachten. Im Hauptgeb?ude, in dem Abdahn Effendi selbst wohnte, gab es auch f?r vornehmere Leute Gelegenheit, zu wohnen. N?mlich zwei Zimmer ?ber dem Parterre und noch zwei Stuben, die ?ber diesen beiden lagen. Es gab also so eine Art erster und zweiter Etage, die aber beim Bau des Hauses gar nicht mit geplant worden waren. Sie bildeten vielmehr einen einfachen W?rfel von Bretterw?nden, die man erst sp?ter auf das platte Dach gesetzt hatte, um diese vier Unterkunftsr?ume zu gewinnen.

Ich war mit meinem kleinen Hadschi Halef Omar, den Scheik der Haddedihn-Araber, den jeder meiner Leser kennt, von Bagdad hier heraufgekommen, um nach Teheran zu gehen. Wir kehrten nicht in einem der beiden Serais, sondern hier im Hauptgeb?ude ein, in der Stube, die im Parterre lag und als das Zimmer f?r vornehme G?ste bezeichnet wurde. Man hielt uns sofort f?r vornehm, weil man uns nach unseren Pferden taxierte, die Araber von reinstem Blute waren und in jener kostbaren Weise aufgeschirrt, die man in Persien mit dem Namen Reschma bezeichnet. In dem Zimmer sa?en f?nf Personen, drei ?ltere und zwei j?ngere. Einer von den Alten war ungeheuer dick. Er sa? auf einem Sitz, der ganz augenscheinlich extra stark f?r ihn besonders angefertigt worden war. Sich in orientalischer Weise niederzusetzen, durfte er nicht wagen, weil es ihm in diesem Falle unm?glich war, wieder aufzustehen. Halef sagte, als er ihn erblickte, leise zu mir:

Maschallah (Wunder Gottes), was f?r ein Mensch! Wer dreimal um ihn herumgeht, mu? sich unterwegs viermal setzen, um auszuruhen!

Dieser Mann war Abdahn Effendi, der Wirt. Seine Wangen standen wie Halbkugeln und seine ?uglein verschwanden fast ganz unter oder hinter dem Fettpolster, welches sie umgab. Den Mund sah man fast nicht und der Schnurrbart war unter der dicken Rindstalgnase vor Fett ganz verd?nnt, erstickt und verk?mmert. Aber der Zug von Gutm?tigkeit, der wohlbeleibten Leuten eigen zu sein pflegt, war diesem Gesichte fremd. Die Augen schielten und wenn der Effendi sprach, so hatte seine Stimme einen au?erordentlich hochm?tigen, harten, r?cksichtslosen Klang. Eben als wir in die Stube traten, a? er. Ich habe ihn ?berhaupt fast niemals anders als essend gesehen. Von den beiden anderen Alten hatte der eine ein langes, schmales Vogel-, der andere aber ein kurzes, breites Bulldoggesicht, doch beide echt orientalisch geschnitten und in lange, dichte Vollb?rte geh?llt. Die zwei j?ngeren M?nner sahen einander ?hnlicher. Der eine l?chelte immerfort wie ein Fuchs, der einer Gans die Ehe verspricht, und der andere sa?, ging und stand ohne Unterla? geduckt wie ein Marder, der einen H?hnerstall beschleicht. Man sieht, sympathisch waren diese Leute eben nicht, aber psychologisch au?erordentlich interessant. Man f?hlte gleich beim ersten Blicke, da? mit keinem von ihnen gut Kirschenessen sei und man nicht mit ihnen anbinden durfte, au?er man w?nschte, da? irgend etwas mehr oder weniger Unangenehmes passiere. Nach altem, orientalischem Brauche sagte mir der Effendi, da? er der Wirt sei, und nannte mir denn die Namen und die Berufsstellungen der vier anderen M?nner. Sie titulierten sich gegenseitig Agha, was so viel wie Herr bedeutet und stets hinter den Namen gesetzt wird. Diese vier hatten nur zwei Namen. Die beiden ?lteren hie?en Achmed Agha und die beiden J?ngeren Selim Agha. Hierzu kam, da? zu dem gleichen Namen sich der gleiche Rang gesellte. Die beiden Achmeds standen im Oberstenrange; die beiden Selims waren Leutnants, alle vier also Offiziere. Ich fragte mich, welche Gr?nde man in Konstantinopel und Teheran wohl gehabt haben k?nne, zwei so hohe und verdiente Offiziere, wie ein Oberst doch wohl ist, in diese abgelegene Gegend zu versetzen; aber die Herren zeigten sich au?erordentlich mitteilsam; sie freuten sich sichtlich, wieder einmal mit einem gebildeten Menschen sprechen zu k?nnen, und als sie gar h?rten, da? ich Europ?er sei, schien ihnen sehr daran zu liegen, sich vor mir in gutes Licht zu stellen. Darum erz?hlten sie mir ganz ungefragt und unaufgefordert, warum und weshalb sie von Bagdad und Teheran hieher gekommen und dann hier geblieben seien.

Es war, wie sie versicherten, mit der Schmuggelei hier nicht mehr auszuhalten gewesen. Die Z?lle hatten fast gar nichts mehr eingebracht und so waren die beiden Regierungen darin ?bereingekommen, die Bewachung der Grenze der bisherigen liederlichen Aufsicht zu entziehen und in feste, milit?rische H?nde zu legen. Dies konnte aber nicht geschehen, ohne da? die betreffenden milit?rischen Personen vorher bei der jetzigen Douane eine Lehrzeit durchgemacht hatten, um ihre Pflichten kennen zu lernen und in ihren Beruf sich einzuleben. Darum wurde von beiden Seiten je ein Hauptmann, ein Oberleutnant und ein Leutnant nebst drei gew?hnlichen Soldaten zu ihrer Bedienung herauf nach Dschan geschickt. Der Erfolg war ein ?berraschend schneller. Die beiden Hauptleute und die beiden Oberleutnants wurden mit ihren Soldaten von den Paschern schnell weggeputzt. Man begrub ihre Leichen, wo man sie fand. Die beiden Leutnants aber bew?hrten sich. Sie hielten sich mit ihren zwei Soldaten. Sie schafften Wandel. Sie wiesen nach, da? die beiden bisherigen Kommandanten mit den Schmugglern gemeinschaftliche Sache gemacht und die Beh?rden um ungeheure Summen betrogen hatten. Die beiden Verbrecher wurden abgesetzt und in Ketten nach Teheran und Bagdad transportiert; ganz selbstverst?ndlich bekamen die Leutnants die freigewordenen Stellen. Sie blieben; sie blieben f?r immer, aber nur aus Pflichtgef?hl und Aufopferung, denn wenn sie gegangen w?ren, h?tte die m?hsam unterdr?ckte Schmuggelei sofort ihr Haupt von Neuem erhoben und alle bisherige M?he w?re vergeblich gewesen. Aber die vorgesetzten Beh?rden waren dankbar f?r eine so beispiellose Uneigenn?tzigkeit und Treue. Sie lie?en die Leutnants und Soldaten entsprechend avancieren. Die Leutnants hatten es, als ich nach Dschan kam, schon bis zum Obersten gebracht, und die Soldaten standen bereits im Leutnantsrang. Weil die ersteren beide Achmed und die letzteren beide Selim hie?en, alle vier aber Agha waren, konnte man sie nur dadurch auseinander scheiden, da? der Rang der beiden t?rkischen Offiziere nach t?rkischem Gebrauch, die Chargen der beiden persischen Offiziere aber in persischer Weise bezeichnet wurden. Oberst hei?t t?rkisch Mir Alai, persisch aber S?rtix. Leutnant hei?t t?rkisch M?lasim, persisch aber Na?b. Darum hie? der Alte mit dem Vogelgesicht Mir Alai Achmed Agha, der Alte mit dem Buldoggesicht S?rtix Achmed Agha, der Junge mit dem Fuchsgesicht M?lasim Selim Agha, und der Junge mit dem Mardergesicht Na?b Selim Agha.

Wir, n?mlich Halef und ich, hatten gar nicht hier bleiben, sondern nur unsere Pferde ausruhen lassen und dann weiterreiten wollen, aber der Anblick dieser f?nf M?nner erweckte den Wunsch in mir, sie kennen zu lernen. Wir a?en etwas, dann verlie? ich die Stube, um, wie es so meine Weise ist, einen kurzen Gang durch die Umgebung zu machen, um sie meiner Erinnerung einzupr?gen. Als ich nach vielleicht zwei Stunden zur?ckkehrte, sa? Halef nicht mehr an seinem Platze, sondern bei den f?nf M?nnern. Sie hatten gew?nscht, da? er bei ihnen sitze, und ihn dann ausgefragt. Wer meinen kleinen Hadschi Halef kennt, der wei?, welche Schleusen der Beredsamkeit da von ihm ge?ffnet worden waren, um unsere Erlebnisse und alle tausend Vorz?ge, die er uns andichtete, in das hellste Licht zu stellen. Ich wurde zu meinem gro?en Erstaunen mit lautem Jubel begr??t. S?mtliche Agha taten, als ob sie mich schon l?ngst gekannt und geliebt h?tten, und der dicke Abdahn Effendi bat mich inst?ndigst, so lange sein Gast zu sein, wie es mir beliebe und ohne etwas zu bezahlen; nur m?sse ich ihm den Gefallen tun, den riesengro?en, kurdischen B?r zu erlegen, der von Norden her in die Waldungen von Dschan gedrungen sei und unter dem Wildstand ungeheure Verw?stungen anrichte.

Kein hiesiger Mensch getraute sich an ihn. Meine Leser kennen diese Art des B?ren; ich habe wiederholt von ihr erz?hlt. Der kleine Halef hatte erkl?rt, da? ich diesen Wunsch wahrscheinlich erf?llen werde, weil es uns zu aller Zeit eine Freude sei, mit einem solchen Raubwilde Bekanntschaft zu machen. Ich hatte keinen Grund, anders zu denken als er, und stellte nur die Bedingung, da? uns gute Unterkunft und gutes, gesundes Futter f?r unsere Pferde geboten werde. Dieser Bescheid erregte allgemeine Freude. Die Pferde bekamen einen schnell ges?uberten Stall f?r sich allein angewiesen und so viel Gerste, gequollenen Reis und gequetschte Bohnen, da? sie f?rmlich w?sten konnten. Und was uns selbst betraf, bedeutete der ultradicke Effendi, da? er uns in eigener Person die Zimmer anweisen werde, die wir bewohnen sollten. Er bek?mmerte sich um seine G?ste nie, denn er habe keine Zeit dazu. Da? er sich mit uns jetzt diese M?he gebe, sei eine Auszeichnung, die wir dankbar anzuerkennen h?tten.

Er f?hrte uns hinaus und hinter das Haus, wo eine Holztreppe auf das platte Dach leitete. Er stieg uns da voran, langsam und schwer, ?chzend und st?hnend, hustend und pustend, pro Minute einen Schritt. Wir, die wir hinter ihm gingen, hatten das Gl?ck, den Anblick seiner unf?rmlichen Fleischmasse mit Demut und Ergebenheit zu genie?en. Das Dach war lang und breit. Es bestand aus festgeschlagenem Lehm. Man konnte mit gro?en Schritten darauf spazieren. Es b??te durch den schon erw?hnten Bretterw?rfel, der die vier Stuben enthielt und auf der Mitte des vorderen Randes stand, nur den vierten Teil seiner Oberfl?che ein. Wir bekamen die zwei Stuben, welche direkt auf den Dache standen. Man trat gleich direkt von dem letzteren durch eine T?r hinein. Zu den beiden oberen Stuben f?hrte ein schwankes, h?lzernes Mittelding zwischen Treppe und Leiter hinauf. Sie waren schon bewohnt, und zwar auch von zwei Fremden. Der eine von ihnen sei aus dem Sumpflande von Basra, also ein T?rke, der andere aus dem Fieberlande von Laristan, also ein Perser. Das Sumpffieber habe sie an den Rand des Todes gebracht und sie gezwungen, f?r einige Monate hier herauf nach Dschan zu gehen, um in der reinen, st?rkenden H?henluft zu gesunden. Sie seien schon zwei volle Wochen hier und w?rden uns nicht im geringsten bel?stigen, da sie sich w?hrend des ganzen Tages im Walde aufhielten, um guten Atem zu holen.

Unsere Zimmer gefielen uns sehr, weil sie uns einen freien Ausblick nach allen vier Himmelsrichtungen boten und weil wir nur aus der T?r zu treten brauchten, um im Freien sein zu k?nnen, ohne zu den anderen Leuten hinuntersteigen zu m?ssen. Leider waren wir aber nicht die einzigen Bewohner dieser mit Kissen, Decken und Teppichen sehr reichlich ausgestatteten R?ume. Es logierte da eine solche Menge jener kleinen, lieblich duftenden und zutraulichen Wesen, die der Araber Bakka, der Perser aber Sas oder Mill? (Wanze) nennt. Diese letztere Sorte ist ?brigens nicht ungef?hrlich, da ihr Bi? unter Umst?nden direkt giftig wirkt. Der Effendi hatte davon gesprochen, da? er keine Bezahlung von uns nehmen wolle. Mir ahnte aber, da? unser Gehen nicht so friedlich wie unser Kommen verlaufen werde, und so hielt ich es darum f?r ausgeschlossen, irgend etwas ohne Gegenleistung von ihm anzunehmen. Darum er?ffnete ich ihm jetzt, als ich mich bereit erkl?rte, die Zimmer anzunehmen, da? ich sie und alles andere bezahlen w?rde, obwohl er darauf verzichtet habe. Da gestand er mir mit fast ?berirdischer Aufrichtigkeit, da? er sich das genau so gedacht habe, wie ich es ihm jetzt sage. Ein anst?ndiger Mensch lasse sich nichts schenken, sondern er bezahle um so mehr, je weniger man verlange. Da er aber nicht nur wenig, sondern gar nichts von mir verlangt habe, so rechne er auf den h?chsten Preis, den es hier oben gebe. Als ich ihn dann aufforderte, diesen Preis zu bestimmen, sch?ttelte er den Kopf und antwortete, das ?berlasse er mir. Dann lie? er uns oben stehen und stieg wieder vom platten Dach hinab, da? alle Stufen der Treppe krachten. Halef lachte. Er sagte:

So dick und ungeschlacht er ist, so unf?rmlich ist auch diese seine Geldschneiderei! Wir werden ihn bezahlen, nicht wahr, Effendi? Nicht zu viel und nicht zu wenig!

Er zog dabei seine Kurbatsch (Nilpferdpeitsche) aus dem G?rtel, um mit einigen kr?ftigen Bewegungen des Armes die M?nze anzudeuten, in der er sich diese Bezahlung dachte. Dann folgten wir dem Effendi hinab, um das uns aufgetragene Werk sofort zu beginnen. Ich teilte den Herren Offizieren mit, da? wir im Begriffe st?nden, unsere B?rensuche anzutreten, und forderte sie auf, sich zu beteiligen. Das lehnten sie aber ganz entschieden ab. Die Kerle hatten Angst. Die einzige Hilfe, die sie uns leisteten, bestand darin, da? sie uns berichteten, was sie ?ber den B?ren, den wir erlegen sollten, wu?ten, und das war wenig genug. Bevor wir dann aufbrachen, erhielten wir von Abdahn Effendi folgende Instruktion:

Der ganze Wald ist mein und die ganze Gegend ist mein. Ihr k?nnt also ?berall hin, wohin ihr wollt. Nur vor dem S?gem?ller Ben Adl habt ihr euch zu h?ten. Der ist mein Feind. Ich verbiete euch, seine Besitzung zu betreten oder gar mit ihm zu reden. Er schie?t n?mlich jeden nieder, der es wagt, sich ihm zu n?hern! Nehmt euch also in acht!

Wo ist die M?hle? erkundigte ich mich.

Wenn ihr an diesem unseren Wasser aufw?rts geht, kommt erst ein Bach von rechts, dann einer von links, dann wieder einer von rechts. An diesem hat Ben Adl, der Schuft und Schurke, sich festgesetzt, um unser sch?nes Dschan zu verschimpfieren. Sein Vater war der hiesige Kommandant der persischen Douane. Er ist jetzt Kettengefangener. Der Vater seines Weibes war der hiesige Kommandant der t?rkischen Douane, der auch in Ketten liegt. Beide Kommandanten wurden abgesetzt und bestraft, weil sie gro?e Unterschleife und Betr?gereien begangen hatten. Sie mu?ten alles hergeben, was sie besa?en. Nur eines konnte man ihnen nicht nehmen, n?mlich das Land, welches sie direkt vom Schah gekauft hatten, um ihren Kindern ein Haus darauf zu bauen und sie dann miteinander zu verm?hlen. Aus diesem Hause ist eine Schneidem?hle geworden, in welcher diese Kinder nun als Mann und Weib wohnen, um mir meine B?ume wegzuf?llen und mich totzu?rgern.

Sie machen aus diesen B?umen Bretter, die sie ?ber das ganze Hochland bis nach Kurdasir und Feridan, sogar bis Teheran und Isfahan versenden, wo Pilgers?rge aus ihnen gezimmert werden. Dieses viele, viele Geld k?nnte ich mir selbst verdienen! Sie nehmen es mir weg! Sie bestehlen, betr?gen und berauben mich! Darum verbiete ich euch, mit ihnen zu verkehren. Wenn ihr es dennoch t?tet, w?rde meine Rache euch vernichten!

Die meine auch! rief Achmed Agha, das Vogelgesicht.

Die meine auch! drohte Achmed Agha, das Bulldoggesicht.

Die unsere auch! warnten die beiden Selim, Fuchs und Marder, zusammen.

Dann, nachdem sie ihre Pflicht hiemit getan zu haben glaubten, nahmen ihre Physiognomien sofort wieder die freundlichsten Z?ge an, und wir wurden mit dem strahlendsten Wohlwollen von ihnen entlassen.

Wir wanderten schweigend am Wasser hinauf, jeder mit seinen Gedanken f?r sich. Wir befanden uns kaum erst drei Stunden bei diesen Leuten und wu?ten trotz dieser kurzen Zeit doch schon, wie tief sie trotz des hochgelegenen Landes, in dem sie lebten, standen. Sie zu durchschauen, war freilich noch nicht m?glich, aber wir hegten beide die ?berzeugung, da? es uns wahrscheinlich beschieden sei, nichts Gutes, sondern Schlimmes aufzudecken. Nachdem wir lange Zeit so still nebeneinander hingegangen waren, fragte Halef:

Sihdi (Herr), soll ich dir sagen, was wir beide jetzt denken?

Nein, antwortete ich.

Warum nicht?

Weil ich es schon wei?.

So sage du es! Ich bin ?berzeugt, da? du genau dasselbe denkst wie ich.

Ganz richtig! Wir denken beide, da? wir nun erst recht zu Ben Adl, den S?gem?ller, gehen. Der wird h?chstwahrscheinlich ein braver Mensch sein!

Ganz meine Ansicht! Ich habe ihn jetzt schon lieb! Wen so ein dicker, schielender, habs?chtiger Abdahn ha?t, der verdient gewi?, da? man ihm Achtung und Vertrauen schenkt. Hast du gerochen, wie der Effendi stank, als er vor uns die Treppe emporstieg?

Ich nickte nur. Da fuhr er fort:

Er stank nach allen m?glichen schlechten D?ften, besonders aber nach Geist- und Seelenlosigkeit. Geh, lauf, Effendi, damit wir schneller aufw?rts kommen!

Er verdoppelte die Schritte seiner kleinen, kurzen Beine und zwang mich dadurch, auch meinerseits ein schnelleres Tempo einzuschlagen. Nach einer halben Stunde erreichten wir den ersten, von rechtsher kommenden Bach, nach einer zweiten halben Stunde den, der von der linken Seite kam und sich, wie der erstere, in das Hauptwasser ergo?. Das Tal, dem wir folgten, war oft sehr breit, zuweilen aber auch ebenso schmal, immer aber von dichtem Unterholz besetzt, aus dem die Kronen hoher B?ume ragten. Es gab da einen Holzreichtum, der f?r Persien beinahe als Wunder zu betrachten war. Es mochte bald wieder eine halbe Stunde vergangen sein, so da? wir nun anderthalb Stunden lang gegangen waren, da erreichten wir den zweiten Bach, der von rechts her m?ndete. Wir bogen in diese Richtung ein, um seinem Laufe entgegenzugehen. Der Weg wurde hier gangbarer. Er verlie? sogar zuweilen den Bach, um in gerader Richtung eine seiner Windungen abzuschneiden. Indem wir ihm aufw?rts folgten, hatten wir diese Windungen bald zur rechten, bald zur linken Seite neben und unter uns liegen. Es galt, kleine Br?cken zu ?bersteigen. Das Pl?tschern und Murmeln des Wassers erklang bald h?ben und bald dr?ben. Bei einer dieser Gelegenheiten h?rten wir nicht nur das Wasser, sondern auch menschliche Stimmen. Es schienen weibliche zu sein. Wir blieben stehen und lauschten. Der Weg lag an dieser Stelle ?ber dem Bache. Zwei Riesenbuchen standen in einiger Entfernung von ihm, und zwar genau an dem Rande, der sich zum Bache niedersenkte. Die H?lfte ihrer Wurzeln verlief nach unserer Seite in die Erde. Die andere H?lfte stieg auf der anderen Seite im Freien abw?rts, bis sie unten den Boden erreichten und in demselben verschwanden. Diese freiliegenden Wurzeln bildeten eine Art von Nische, in der zwei B?nke standen, eine niedrige und eine h?here, aus Stein und Moos gebaut. Man sah, das war zum Beten.

Um zu sehen, wer da sprach, waren wir an die Buchenst?mme getreten, knieten da leise nieder und schauten heimlich hinab. Auf der niedrigen Bank knieten zwei Kinder nebeneinander, ein Knabe und ein M?dchen. Sie hatten die H?nde gefaltet auf den Scho? einer Frau gelegt, die vor ihnen auf der h?heren sa?. Alle drei beteten, und zwar mit vereinten Stimmen. Und was sie beteten, das war nicht aus dem Kuran, sondern aus der Bibel, n?mlich das Vaterunser, nat?rlich in arabischer Sprache. Und zwar beteten sie in einer unendlich r?hrenden, gl?ubigen Weise. Die Augen der Kinder waren voll Liebe auf das Gesicht der Mutter gerichtet, und diese hatte den Blick zum Himmel erhoben, und ihre Augen ergl?nzten in heiligem Feuer. Man sah und h?rte, da? hier nicht nur drei Lippenpaare, sondern auch drei Herzen beteten, die wirklich an die Macht und an die G?te dessen glaubten, an den sie sich wendeten. Als wir zu horchen begannen, waren sie mit den ersten Bitten schon vor?ber. Nun fuhren sie fort:

Unser t?gliches Brot gib uns heute! Vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern! F?hre uns nicht in Versuchung, sondern erl?se uns von dem ?bel! Erl?se uns von Abdahn Effendi und allen seinen Freunden! Erl?se den Vater unsers Vaters und den Vater unserer Mutter von den Ketten, in die sie unschuldig gefallen sind! Du kannst sie retten, wenn du willst! Amen!

Als sie geendet hatten, dr?ckte die Mutter die K?pfchen der Kinder an ihr Herz, gab jedem einen Ku?, und dann begann es von neuem: Vater unser, der du im Himmel bist! Ich war tief ger?hrt. Ich stand auf und trat von den B?umen zur?ck. Da? wir hier lauschten, kam mir wie eine Entheiligung des Gebetes vor. Halef schien ganz dasselbe zu f?hlen. Er zog mich noch weiter fort und sagte:

Komm, wir gehen!

Erst als wir uns weit genug entfernt hatten und rings von Geb?sch umgeben waren, hielt er die Schritte wieder an. Da fragte er:

F?r wen h?ltst du diese drei Personen, Effendi?

F?r die Frau und die Kinder des S?gem?llers Ben Adl, antwortete ich.

Ich auch. Die M?hle scheint nicht mehr fern von hier zu sein, denn dieser Platz war die Kirche, war der Gebetsplatz, und den legt man sich doch so nahe wie m?glich an das Haus. Ich behaupte, da? diese Leute Christen sind, und da war es ganz richtig, da? ich sie schon liebte, ehe ich sie zu sehen bekam. Nun aber liebe ich sie doppelt. Gehen wir direkt und offen in die M?hle?

Nein. Wenigstens nicht gleich. Wir umkreisen sie erst einmal, ohne da? man uns sieht. Es ist immer vorteilhaft, ein sicheres Bild von der Wohnung zu haben, ehe man zu den Leuten geht, die sich drin befinden, nicht nur in materieller, sondern auch in anderer Beziehung.

Du meinst, da? es geraten ist, sich erst um den K?rper zu bek?mmern, ehe man sich an die Erforschung des Geistes und der Seele macht?

Ja. Nun komm!

Wir gingen weiter. Wie Halef vermutet hatte, so war es: die M?hle lag in der N?he. Wir waren noch gar nicht weit gegangen, so blieb ich ?berrascht stehen, denn ich sah ein kleines, reizendes Landschaftsbild vor mir liegen, welches von einem K?nstler nicht besser, lieblicher und traulicher h?tte angelegt werden k?nnen und mich fast heimatlich anmutete. Die bisher ganz schmale Schlucht des Baches erweiterte sich hier sehr pl?tzlich und energisch zu einem nicht ganz unbedeutenden Talkessel, der von hier gegen Morgen lag und uns gleich beim ersten Blick verriet, da? der Besitzer desselben ein flei?iger, umsichtiger und ?berhaupt intelligenter Mann sei. Der Kreis, den der Boden des Kessels bildete, war mit Feldern, Wiesen und Weiden, die vom Bach bew?ssert wurden, ausgelegt. Uns gegen?ber sah ich einen Steinbruch, in dem man arbeitete. H?ben zogen sich zwei gro?e, wohlgepflegte G?rten am Abhange des Berges hinauf. Zwischen ihnen lag die M?hle, deren Rad aber nicht durch den Bach, sondern mit Hilfe eines von weiter oben direkt herabgeleiteten Wassergrabens in Bewegung gesetzt wurde. Ihre innere Einrichtung war uns unbekannt, doch stand zu vermuten, da? sie der einer einfachen, primitiven deutschen S?gem?hle ?hnlich sei. Vor ihr waren gro?e Haufen von St?mmen, Kl?tzen und Brettern aufgestapelt. Seitw?rts stand ein zwar niedriges, aber sehr ger?umiges Geb?ude, welches jedenfalls als Unterkunftshaus diente. Daneben gab es eine H?rde, in welcher fremde Kamele, Maultiere und Maulesel standen, die f?r den Transport der Bretter bestimmt waren. ?berall sah man arbeitende Menschen. Auf den Weiden grasten Pferde, K?he, Schafe und Ziegen. Und rund um dieses sch?ne, erfreuliche Bild zog der Hochwald seinen dichten sch?tzenden Rahmen. Man konnte es verstehen, da? der dicke Abdahn Effendi sich ?ber diesen Besitz, ?ber diesen Flei? und ?ber diese unverkennbare Beh?bigkeit reichlich ?rgerte.

Wir standen am Rande des Waldes und brauchten, um in das Freie zu kommen, nur noch einige Schritte zu tun. Das Unterholz bestand hier aus dichten Jasmin- und wilden Weichselb?schen, welche in Bl?ten f?rmlich leuchteten und einen Duft verbreiteten, den dieselben Str?ucher in Deutschland nie erreichen. Eben wollte ich f?r einen Augenblick den Schutz der B?ume verlassen, um mich zu orientieren, wohin wir uns nun zu wenden h?tten, da trat ich rasch wieder zur?ck, weil aus dem einen naheliegenden Garten drei M?nner kamen, die ihre Richtung nicht nach der M?hle, sondern nach der Stelle nahmen, an der wir uns befanden. Da m?ndete ja der Weg, der wahrscheinlich nicht nur der unserige, sondern auch der ihrige war. Sie wollten vermutlich da hinunter, wo wir heraufgekommen waren. Wir verbargen uns hinter dem hellen Gr?n und duftenden Wei? der Jasmine, um sie an uns vor?bergehen zu lassen, doch kam es etwas anders, als wir dachten.

Zwei von ihnen waren bejahrte M?nner, aber noch r?stig. Ihre Bewegungen waren w?rdevoll, ihre Haltung stolz und fest, beinahe milit?risch. Sie trugen Vollb?rte. Der dritte war bedeutend j?nger als sie, stark und kr?ftig gebaut, mit einem ungew?hnlich offenen, intelligenten Gesicht, in dem er nur den Schnurrbart trug. Sein Anzug zeigte die Spuren der Arbeit, doch sah man ihm an, da? er nicht als Untergebener t?tig war. Er behandelte die beiden ?lteren M?nner mit sichtbarer Hochachtung.

Ob das etwa Ben Adl, der M?ller, ist? fragte Halef.

Sehr wahrscheinlich, antwortete ich.

Die beiden anderen sind nicht von hier, fuhr er fort. Das sind nicht M?nner, sondern Herren. Und sie kommen nach dem Wege, der hinunter in das Haupttal und dann nach uns zu Hause f?hrt. Wei?t du, Effendi, welcher Gedanke mir da annehmbar erscheint?

Der Gedanke, da? es die beiden Fremden sind, die in den Zimmern ?ber uns wohnen?

Ja, wahrhaftig, so vermute ich!

Ich auch, obwohl ich gar keine Haltepunkte hief?r habe. Wenn Abdahn Effendi uns verboten hat, hieher zu gehen, so ist wohl anzunehmen, da? er es auch den beiden anderen G?sten untersagte.

Die aber ganz so wie wir der Meinung waren, da? sie nicht verpflichtet sind, ihm zu gehorchen! Doch still! Sie sind schon da!

Wir waren der Ansicht gewesen, da? diese Leute an uns vor?bergehen w?rden. Das taten sie aber nicht, sondern sie blieben an der Stelle, wo der Weg aus dem Walde m?ndete, stehen. Wir sahen und h?rten sehr bald, warum. Wir hatten uns nicht geirrt. Sie waren die, f?r die wir sie gehalten hatten, n?mlich der S?gem?ller und die beiden Fremden aus Basra und Laristan, die gerade ?ber unseren beiden Zimmern wohnten. Sie hatten im Garten ein wichtiges Gespr?ch gehabt, nach welchem der M?ller seinen Besuch nun bis hieher begleitete, wo ihr Heimweg durch den Wald begann. Da blieben sie nun f?r einige Augenblicke stehen, um sich voneinander zu verabschieden.

Hierbei hat es also zu bleiben, sagte einer der beiden ?lteren Herren in arabischer Sprache, doch hielt ich ihn infolge seines Dialekts sofort f?r einen Perser. Es bleibt uns leider kein anderes Mittel mehr ?brig. Ist auch das ohne Erfolg, so geben wir diese Forschungen auf und kehren in unsere Garnisonen zur?ck.

Das verh?te Gott! w?nschte der M?ller, indem er die H?nde faltete.

Ein anderes bleibt uns dann allerdings nicht ?brig, best?tigte der andere ?ltere Herr, der unbedingt ein T?rke war. Wir geben zu, da? diese drei Personen im h?chsten Grade verd?chtig sind; aber wir k?nnen nichts auf sie bringen. Der Zoll bringt nichts mehr ein, und doch wissen wir, da? ganz bedeutende Mengen von Waren gerade hier durch Dschan nach beiden Richtungen gehen. Wir hofften auf dich. Du lebst ja hier und kennst die Verh?ltnisse. Du behauptest, da? dein Vater und der Vater deiner Frau unschuldig bestraft worden seien. Du hast also das gr??te Interesse daran, uns nachweisen zu helfen, was f?r Schurken die drei Kerle sind. Was aber haben wir entdeckt?

Nichts, gar nichts! antwortete der Perser schnell. Nur eins haben wir gefunden, n?mlich, da? die beiden Achmed Agha sich als Oberst und die beiden Selim Agha sich als Leutnants bezeichnen, obwohl kein Mensch daran gedacht hat, sie avancieren zu lassen. Die Achmeds sind heute noch Leutnants und die Selims heute noch gew?hnliche Soldaten. Aber das gibt keinen Grund, sie zu bestrafen. Sie w?rden einfach sagen, da? es ein Scherz sei oder da? sie diese T?uschung der Schmuggler f?r notwendig gehalten haben, um zu imponieren und sie vom Verbrechen abzuschrecken. Sie haben in ihren Berichten sich niemals als etwas H?heres bezeichnet, als sie sind, und darum k?nnte auf diese falsche Rangbezeichnung dem Zivil gegen?ber h?chstens ein Verweis erfolgen, zumal sie niemals Uniform getragen haben, am allerwenigsten diejenige einer Charge, die sie nicht bekleiden. Diese drei M?nner sind entweder so grundehrliche Leute, oder so abgefeimte Schurken, da? wir nicht die geringste Waffe gegen sie in die Hand bekommen haben, obwohl du uns hilfst und wir schon zwei Wochen lang, von ihnen unerkannt, bei ihnen wohnen und sie so scharf beobachtet haben, da? uns sicherlich nichts von dem, was w?hrend dieser Zeit geschah, entgangen ist. Nun haben wir nur noch die Wirkung unseres neuen Planes abzuwarten. Der von mir in Teheran bestellte Bote wird von heute an in vier Tagen ankommen  

Der, den ich in Bagdad bestellt habe, ungef?hr an demselben Tage, best?tigte der T?rke, indem er ihm in die Rede fiel.

Sie kommen also wohl an einem und demselben Tage nach Dschan, sagte der S?gem?ller, und die beiden sogenannten Oberste werden also zu gleicher Zeit die Meldung erhalten, da? ein persischer und ein t?rkischer hoher Adjutant kommen werde, um eine Untersuchung gegen sie einzuleiten. Da? diese beiden Adjutanten schon da sind, das wissen sie und das ahnen sie nicht. Sie werden durch diese Botschaft in eine gewaltige Aufregung versetzt werden. Sie werden hin- und herrennen. Sie werden Tag und Nacht arbeiten und alles in Bewegung setzen, die Spuren ihrer verbrecherischen T?tigkeit zu verwischen. Sie werden ihre Ruhe verlieren und weniger vorsichtig sein. Wir aber werden unsere Aufmerksamkeit verdoppeln und es sofort bemerken, wenn sie sich durch irgend etwas verraten.

Das ist es, was wir hoffen, gestand der Perser. Da? dann auch dein Vater und der Vater deines Weibes unterwegs sind, wird nicht in den Meldungen stehen. Sie werden f?rchterlich erschrecken, wenn sie beide sehen, und der Augenblick dieses Schreckes wird, so hoffe ich, sie so betroffen machen, da? sie alle ihre Geheimnisse verraten.

Und dann kommen unsere V?ter frei? erkundigte sich der M?ller.

Nur f?r den Fall, da? erwiesen wird, da? sie damals unschuldig waren. Denn was die drei Schurken nachher taten, kann eure V?ter nicht befreien.

Wir bitten Gott t?glich um Hilfe.

Das ist umsonst!

Warum? Wohl weil ich Christ bin?

O nein! l?chelte der Perser. Nicht deshalb! Ich bin Schiit; mein Kamerad hier ist Sunnit und du bist Christ. Wir sind das nur, weil unsere V?ter das waren, was wir sind. Das gew?hnliche Volk aber rechnet sich das als Verdienst an. Es verlangt f?r dieses Verdienst, da? Allah stets bereit sei, ihm zu dienen. Es betet; das hei?t, es bel?stigt ihn, es fordert von ihm Dinge, zu denen er nicht verpflichtet ist. Mein Kamerad hier ist zwar Moslem, er leugnet aber Allah ganz. Ich, der Schiit, will ihn zwar nicht leugnen, aber ich mute ihm auch nicht zu, unser Packtr?ger und Wunscherh?rer zu sein, so oft wir es von ihm verlangen. Wenn du glaubst, da? er etwas auf das Plappern und Beten der anderthalbtausendmillionen Menschen, die es gibt, achtet, so bist du unheilbar irr im Kopf!

Ich glaube es aber, versicherte der M?ller, indem er beide H?nde beteuernd auf die Brust legte.

So bist du also unheilbar, bist irr!

Nein; Ihr seid irr!

Beweise es!

Das kann ich nicht. Das kann nur Gott!

So mag er es beweisen!

Ja, das ist so die Art der Ungl?ubigen, nickte der M?ller. Erst sagen und behaupten sie, da? es keinen Gott gebe, und dann verlangen sie, da? er sie dennoch h?re und sich ihnen offenbare. Es sind also sehr schwache F??e, auf denen Euer Unglaube steht!

Spotte nicht! gebot ihm der T?rke. Du bist M?ller, weiter nichts. Du s?gst dein Holz und staubst deine Gebete wie S?gemehl in die Luft. Sie fallen ganz von selbst wieder nieder. Wir aber wissen das besser. Du behauptest, es sei ein Gott, kannst es aber nicht beweisen. Ich aber glaube, da? es gar keinen Gott gibt, und mein Kamerad, der Schiit, behauptet, da? ein Gott, selbst wenn es einen g?be, ganz unm?glich auf dein Lallen h?ren kann. Wir werden dir das beweisen. Du betest t?glich, da? der Gott der Christen euch von Abdahn Effendi und allen seinen Freunden erl?sen m?ge?

Ja.

Dein Weib und deine Kinder beten dasselbe?

Ja.

Und ihr glaubt, da? er es h?rt?

Ja.

Dann mu? er euch erh?ren, mu?, mu?, mu?! Sonst ist er ja noch schlimmer als dieser Abdahn Effendi nebst allen seinen Schmugglern, Dieben und Betr?gern! Sage ihm das! La? es ihm auch durch deine Frau und deine Kinder sagen! Und sage ihm auch noch folgendes: Wenn es wirklich einen Gott gibt, der die Gebete der Christen h?rt, so verlangen wir von ihm, da? er das eurige erf?llt, und zwar nicht durch uns, sondern eben auch durch einen Christen, und   

Und, fiel ihm der Perser in die Rede, und wir verlangen ferner vor ihm, da? Abdahn Effendi selbst zu ihm beten soll: Erl?se uns von Abdahn Effendi und allen seinen Freunden! Hast du das verstanden, Ben Adl?




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   ,     (https://www.litres.ru/karl-may-2/abdahn-effendi/)  .

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