Frühlings Erwachen
Франк Ведекинд




Frank Wedekind

Frühlings Erwachen: Eine Kindertragödie





Erster Akt





Erste Szene




Wohnzimmer



Wendla

Warum hast du mir das Kleid so lang gemacht, Mutter?


Frau Bergmann

Du wirst vierzehn Jahr heute!


Wendla

Hätt′ ich gewußt, daß du mir das Kleid so lang machen werdest, ich wäre lieber nicht vierzehn geworden.


Frau Bergmann

Das Kleid ist nicht zu lang, Wendla. Was willst du denn! Kann ich dafür, daß mein Kind mit jedem Frühjahr wieder zwei Zoll größer ist. Du darfst doch als ausgewachsenes Mädchen nicht in Prinzeßkleidchen einhergehen.


Wendla

Jedenfalls steht mir mein Prinzeßkleidchen besser als diese Nachtschlumpe. – Laß mich′s noch einmal tragen, Mutter! Nur noch den Sommer lang. Ob ich nun vierzehn zähle oder fünfzehn, dies Bußgewand wird mir immer noch recht sein. – Heben wir′s auf bis zu meinem nächsten Geburtstag; jetzt würd′ ich doch nur die Litze heruntertreten.


Frau Bergmann

Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich würde dich ja gerne so behalten, Kind, wie du gerade bist. Andere Mädchen sind stakig und plump in deinem Alter. Du bist das Gegenteil. – Wer weiß, wie du sein wirst, wenn sich die andern entwickelt haben.


Wendla

Wer weiß – vielleicht werde ich nicht mehr sein.


Frau Bergmann

Kind, Kind, wie kommst du auf die Gedanken!


Wendla

Nicht, liebe Mutter; nicht traurig sein!


Frau Bergmann (sie küssend)

Mein einziges Herzblatt!


Wendla

Sie kommen mir so des abends, wenn ich nicht einschlafe. Mir ist gar nicht traurig dabei, und ich weiß, daß ich dann um so besser schlafe. – Ist es sündhaft, Mutter, über derlei zu sinnen?


Frau Bergmann

Geh′ denn und häng′ das Bußgewand in den Schrank! Zieh′ in Gottes Namen dein Prinzeßkleidchen wieder an! – Ich werde dir gelegentlich eine Handbreit Volants unten ansetzen.


Wendla



(das Kleid in Schrank hängend)


Nein, da möcht′ ich schon lieber gleich vollends zwanzig sein …!


Frau Bergmann

Wenn du nur nicht zu kalt hast! – Das Kleidchen war dir ja seinerzeit reichlich lang; aber …


Wendla

Jetzt, wo der Sommer kommt? – O Mutter, in den Kniekehlen bekommt man auch als Kind keine Diphtheritis! Wer wird so kleinmütig sein. In meinen Jahren friert man noch nicht – am wenigsten an die Beine. Wär′s etwa besser, wenn ich zu heiß hätte, Mutter? – Dank′ es dem lieben Gott, wenn sich dein Herzblatt nicht eines morgens die Ärmel wegstutzt und dir so zwischen Licht abends ohne Schuhe und Strümpfe entgegentritt! – Wenn ich mein Bußgewand trage, kleide ich mich darunter wie eine Elfenkönigin … Nicht schelten, Mütterchen! Es sieht′s dann ja niemand mehr.




Zweite Szene




Sonntag abend



Melchior

Das ist mir zu langweilig. Ich mache nicht mehr mit.


Otto

Dann können wir andern nur auch aufhören! – Hast du die Arbeiten, Melchior?


Melchior

Spielt ihr nur weiter!


Moritz

Wohin gehst du?


Melchior

Spazieren.


Georg

Es wird ja dunkel!


Robert

Hast du die Arbeiten schon?


Melchior

Warum soll ich denn nicht im Dunkeln spazieren gehn?


Ernst

Zentralamerika! – Ludwig der Fünfzehnte! – Sechzig Verse Homer! – Sieben Gleichungen!


Melchior

Verdammte Arbeiten!


Georg

Wenn nur wenigstens der lateinische Aufsatz nicht auf morgen wäre!


Moritz

An nichts kann man denken, ohne daß einem Arbeiten dazwischen kommen!


Otto

Ich gehe nach Hause.


Georg

Ich auch, Arbeiten machen.


Ernst

Ich auch, ich auch.


Robert

Gute Nacht, Melchior.


Melchior

Schlaft wohl!



(Alle entfernen sich bis auf Moritz und Melchior.)



Melchior

Möchte doch wissen, wozu wir eigentlich auf der Welt sind!


Moritz

Lieber wollt′ ich ein Droschkengaul sein um der Schule willen! – Wozu gehen wir in die Schule? – Wir gehen in die Schule, damit man uns examinieren kann! – Und wozu examiniert man uns? – Damit wir durchfallen. – Sieben müssen ja durchfallen, schon weil das Klassenzimmer oben nur sechzig faßt. – Mir ist so eigentümlich seit Weihnachten … hol′ mich der Teufel, wäre Papa nicht, heut′ noch schnürt′ ich mein Bündel und ginge nach Altona!


Melchior

Reden wir von etwas anderem. —



(Sie gehen spazieren.)



Moritz

Siehst du die schwarze Katze dort mit dem emporgereckten Schweif?


Melchior

Glaubst du an Vorbedeutungen?


Moritz

Ich weiß nicht recht. – — Sie kam von drüben her. Es hat nichts zu sagen.


Melchior

Ich glaube, das ist eine Charybdis, in die jeder stürzt, der sich aus der Skylla religiösen Irrwahns emporgerungen. – — Laß uns hier unter der Buche Platz nehmen. Der Tauwind fegt über die Berge. Jetzt möchte ich droben im Wald eine junge Dryade sein, die sich die ganze lange Nacht in den höchsten Wipfeln wiegen und schaukeln läßt....


Moritz

Knöpf′ dir die Weste auf, Melchior!


Melchior

Ha – wie das einem die Kleider bläht!


Moritz

Es wird weiß Gott so stockfinster, daß man die Hand nicht vor den Augen sieht. Wo bist du eigentlich? – — Glaubst du nicht auch, Melchior, daß das Schamgefühl im Menschen nur ein Produkt seiner Erziehung ist?


Melchior

Darüber habe ich erst vorgestern noch nachgedacht. Es scheint mir immerhin tief eingewurzelt in der menschlichen Natur. Denke dir, du solltest dich vollständig entkleiden vor deinem besten Freund. Du wirst es nicht tun, wenn er es nicht zugleich auch tut. – Es ist eben auch mehr oder weniger Modesache.


Moritz

Ich habe mir schon gedacht, wenn ich Kinder habe, Knaben und Mädchen, so lasse ich sie von früh auf im nämlichen Gemach, wenn möglich auf ein und demselben Lager, zusammenschlafen, lasse sie morgens und abends beim An- und Auskleiden einander behilflich sein und in der heißen Jahreszeit, die Knaben sowohl wie die Mädchen, tagsüber nichts als eine kurze, mit einem Lederriemen gegürtete Tunika aus weißem Wollstoff tragen. – Mir ist, sie müßten, wenn sie so heranwachsen, später ruhiger sein, als wir es in der Regel sind.


Melchior

Das glaube ich entschieden, Moritz! – Die Frage ist nur, wenn die Mädchen Kinder bekommen, was dann?


Moritz

Wie so Kinder bekommen?


Melchior

Ich glaube in dieser Hinsicht nämlich an einen gewissen Instinkt. Ich glaube, wenn man einen Kater zum Beispiel mit einer Katze von Jugend auf zusammensperrt und beide von jedem Verkehr mit der Außenwelt fernhält, d. h. sie ganz nur ihren eigenen Trieben überläßt – daß die Katze früher oder später doch einmal trächtig wird, obgleich sie sowohl wie der Kater niemand hatten, dessen Beispiel ihnen hätte die Augen öffnen können.


Moritz

Bei Tieren muß sich das ja schließlich von selbst ergeben.


Melchior

Bei Menschen glaube ich erst recht! Ich bitte dich, Moritz, wenn deine Knaben mit den Mädchen auf ein und demselben Lager schlafen und es kommen ihnen nun unversehens die ersten männlichen Regungen – ich möchte mit jedermann eine Wette eingehen....


Moritz

Darin magst du ja recht haben. – Aber immerhin …


Melchior

Und bei deinen Mädchen wäre es im entsprechenden Alter vollkommen das nämliche! Nicht daß das Mädchen gerade … man kann das ja freilich so genau nicht beurteilen … jedenfalls wäre vorauszusetzen ...... und die Neugierde würde das Ihrige zu tun auch nicht verabsäumen!


Moritz

Eine Frage beiläufig —


Melchior

Nun?


Moritz

Aber du antwortest?


Melchior

Natürlich!


Moritz

Wahr?!


Melchior

Meine Hand darauf. – — Nun, Moritz?


Moritz

Hast du den Aufsatz schon??


Melchior

So sprich doch frisch von der Leber weg! – Hier hört und sieht uns ja niemand.


Moritz

Selbstverständlich müßten meine Kinder nämlich tagsüber arbeiten, in Hof und Garten, oder sich durch Spiele zerstreuen, die mit körperlicher Anstrengung verbunden sind. Sie müßten reiten, turnen, klettern und vor allen Dingen nachts nicht so weich schlafen wie wir. Wir sind schrecklich verweichlicht. – Ich glaube, man träumt gar nicht, wenn man hart schläft.


Melchior

Ich schlafe von jetzt bis nach der Weinlese überhaupt nur in meiner Hängematte. Ich habe mein Bett hinter den Ofen gestellt. Es ist zum Zusammenklappen. – Vergangenen Winter träumte mir einmal, ich hätte unsern Lolo so lange gepeitscht, bis er kein Glied mehr rührte. Das war das Grauenhafteste, was ich je geträumt habe. – Was siehst du mich so sonderbar an?


Moritz

Hast du sie schon empfunden?


Melchior

Was?


Moritz

Wie sagtest du?


Melchior

Männliche Regungen?


Moritz

M—hm.


Melchior

– Allerdings!


Moritz

Ich auch. – — – — – — – — – — – — – — – — —


Melchior

Ich kenne das nämlich schon lange! – schon bald ein Jahr.


Moritz

Ich war wie vom Blitz gerührt.


Melchior

Du hattest geträumt?


Moritz

Aber nur ganz kurz ....... von Beinen im himmelblauem Trikot, die über das Katheder steigen – um aufrichtig zu sein, ich dachte, sie wollten hinüber. – Ich habe sie nur flüchtig gesehen.


Melchior

Georg Zirschnitz träumte von seiner Mutter.


Moritz

Hat er dir das erzählt?


Melchior

Draußen am Galgensteg!


Moritz

Wenn du wüßtest, was ich ausgestanden seit jener Nacht!


Melchior

Gewissensbisse?


Moritz

Gewissensbisse?? – — – Todesangst!


Melchior

Herrgott …


Moritz

Ich hielt mich für unheilbar. Ich glaubte, ich litte an einem inneren Schaden. – Schließlich wurde ich nur dadurch wieder ruhiger, daß ich meine Lebenserinnerungen aufzuzeichnen begann. Ja ja, lieber Melchior, die letzten drei Wochen waren ein Gethsemane für mich.


Melchior

Ich war seinerzeit mehr oder weniger darauf gefaßt gewesen. Ich schämte mich ein wenig. – Das war aber auch alles.


Moritz

Und dabei bist du noch fast um ein ganzes Jahr jünger als ich!


Melchior

Darüber, Moritz, würd′ ich mir keine Gedanken machen. All′ meinen Erfahrungen nach besteht für das erste Auftauchen dieser Phantome keine bestimmte Altersstufe. Kennst du den großen Lämmermeier mit dem strohgelben Haar und der Adlernase? Drei Jahre ist der älter als ich. Hänschen Rilow sagt, der träume noch bis heute von nichts als Sandtorten und Aprikosengelee.


Moritz

Ich bitte dich, wie kann Hänschen Rilow darüber urteilen!


Melchior

Er hat ihn gefragt.


Moritz

Er hat ihn gefragt? – Ich hätte mich nicht getraut, jemanden zu fragen.


Melchior

Du hast mich doch auch gefragt.


Moritz

Weiß Gott ja! – Möglicherweise hatte Hänschen auch schon sein Testament gemacht. – Wahrlich ein sonderbares Spiel, das man mit uns treibt. Und dafür sollen wir uns dankbar erweisen! Ich erinnere mich nicht, je eine Sehnsucht nach dieser Art Aufregungen verspürt zu haben. Warum hat man mich nicht ruhig schlafen lassen, bis alles wieder still gewesen wäre. Meine lieben Eltern hätten hundert bessere Kinder haben können. So bin ich nun hergekommen, ich weiß nicht wie, und soll mich dafür verantworten, daß ich nicht weggeblieben bin. – Hast du nicht auch schon darüber nachgedacht, Melchior, auf welche Art und Weise wir eigentlich in diesen Strudel hineingeraten?


Melchior

Du weißt das also noch nicht, Moritz?


Moritz

Wie sollt′ ich es wissen? – Ich sehe, wie die Hühner Eier legen, und höre, daß mich Mama unter dem Herzen getragen haben will. Aber genügt denn das? – Ich erinnere mich auch, als fünfjähriges Kind schon befangen worden zu sein, wenn einer die dekolletierte Coeurdame aufschlug. Dieses Gefühl hat sich verloren. Indessen kann ich heute kaum mehr mit irgend einem Mädchen sprechen, ohne etwas Verabscheuenswürdiges dabei zu denken, und – ich schwöre dir, Melchior – ich weiß nicht was.


Melchior

Ich sage dir alles. – Ich habe es teils aus Büchern, teils aus Illustrationen, teils aus Beobachtungen in der Natur. Du wirst überrascht sein; ich wurde seinerzeit Atheist. Ich habe es auch Georg Zirschnitz gesagt! Georg Zirschnitz wollte es Hänschen Rilow sagen, aber Hänschen Rilow hatte als Kind schon alles von seiner Gouvernante erfahren.


Moritz

Ich habe den Kleinen Meyer von A bis Z durchgenommen. Worte – nichts als Worte und Worte! Nicht eine einzige schlichte Erklärung. O dieses Schamgefühl! – Was soll mir ein Konversationslexikon, das auf die nächstliegende Lebensfrage nicht antwortet.


Melchior

Hast du schon einmal zwei Hunde über die Straße laufen sehen?


Moritz

Nein! – — Sag mir heute lieber noch nichts, Melchior. Ich habe noch Mittelamerika und Ludwig den Fünfzehnten vor mir. Dazu die sechzig Verse Homer, die sieben Gleichungen, der lateinische Aufsatz – ich würde morgen wieder überall abblitzen. Um mit Erfolg büffeln zu können, muß ich stumpfsinnig wie ein Ochse sein.


Melchior

Komm doch mit auf mein Zimmer. In dreiviertel Stunden habe ich den Homer, die Gleichungen und zwei Aufsätze. Ich korrigiere dir einige harmlose Schnitzer hinein, so ist die Sache im Blei. Mama braut uns wieder eine Limonade, und wir plaudern gemütlich über die Fortpflanzung.


Moritz

Ich kann nicht. – Ich kann nicht gemütlich über die Fortpflanzung plaudern! Wenn du mir einen Gefallen tun willst, dann gib mir deine Unterweisungen schriftlich. Schreib mir auf, was du weißt. Schreib es möglichst kurz und klar und steck es mir morgen während der Turnstunde zwischen die Bücher. Ich werde es nach Hause tragen, ohne zu wissen, daß ich es habe. Ich werde es unverhofft einmal wiederfinden. Ich werde nicht umhin können, es müden Auges zu durchfliegen … falls es unumgänglich notwendig ist, magst du ja auch einzelne Randzeichnungen anbringen.


Melchior

Du bist wie ein Mädchen. – Übrigens wie du willst! Es ist mir das eine ganz interessante Arbeit. – — Eine Frage, Moritz.


Moritz

Hm?


Melchior

– Hast du schon einmal ein Mädchen gesehen?


Moritz

Ja!


Melchior

Aber ganz?!


Moritz

Vollständig!


Melchior

Ich nämlich auch! – Dann werden keine Illustrationen nötig sein.


Moritz

Während des Schützenfestes, in Leilichs anatomischem Museum! Wenn es aufgekommen wäre, hätte man mich aus der Schule gejagt. – Schön wie der lichte Tag, und – o so naturgetreu!


Melchior

Ich war letzten Sommer mit Mama in Frankfurt – — Du willst schon gehen, Moritz?


Moritz

Arbeiten machen. – Gute Nacht.


Melchior

Auf Wiedersehen.




Dritte Szene




Thea, Wendla und Martha kommen Arm in Arm die Straße herauf



Martha

Wie einem das Wasser ins Schuhwerk dringt!


Wendla

Wie einem der Wind um die Wangen saust!


Thea

Wie einem das Herz hämmert!


Wendla

Geh′n wir zur Brücke hinaus! Ilse sagte der Fluß führe Sträucher und Bäume. Die Jungens haben ein Floß auf dem Wasser. Melchi Gabor soll gestern abend beinah ertrunken sein.


Thea

O der kann schwimmen!


Martha

Das will ich meinen, Kind!


Wendla

Wenn er nicht hätte schwimmen können, wäre er wohl sicher ertrunken!


Thea

Dein Zopf geht auf, Martha; dein Zopf geht auf!


Martha

Puh – laß ihn aufgehn! Er ärgert mich so Tag und Nacht. Kurze Haare tragen wie du darf ich nicht, das Haar offen tragen wie Wendla darf ich nicht, Ponyhaare tragen darf ich nicht, und zu Hause muß ich mir gar die Frisur machen – alles der Tanten wegen!


Wendla

Ich bringe morgen eine Schere mit in die Religionsstunde. Während du „Wohl dem, der nicht wandelt“ rezitierst, werd′ ich ihn abschneiden.


Martha

Um Gotteswillen, Wendla! Papa schlägt mich krumm, und Mama sperrt mich drei Nächte ins Kohlenloch.


Wendla

Womit schlägt er dich, Martha?


Martha

Manchmal ist es mir, es müßte ihnen doch etwas abgehen, wenn sie keinen so schlechtgearteten Balg hätten wie ich.


Thea

Aber Mädchen!


Martha

Hast du dir nicht auch ein himmelblaues Band durch die Hemdpasse ziehen dürfen?


Thea

Rosa Atlas! Mama behauptet, Rosa stehe mir bei meinen pechschwarzen Augen.


Martha

Mir stand Blau reizend! – Mama riß mich am Zopf zum Bett heraus. So – fiel ich mit den Händen voraus auf die Diele. – Mama betet nämlich Abend für Abend mit uns....


Wendla

Ich an deiner Stelle wäre ihnen längst in die Welt hinausgelaufen.


Martha

… Da habe man′s, worauf ich ausgehe! – Da habe man′s ja! – Aber sie wolle schon sehen – o sie wolle noch sehen! – Meiner Mutter wenigstens solle ich einmal keine Vorwürfe machen können....


Thea

Hu – Hu —


Martha

Kannst du dir denken, Thea, was Mama damit meinte?


Thea

Ich nicht. – Du, Wendla?


Wendla

Ich hätte sie einfach gefragt.


Martha

Ich lag auf der Erde und schrie und heulte. Da kommt Papa. Ritsch – das Hemd herunter. Ich zur Türe hinaus. Da habe man′s! Ich wolle nun wohl so auf die Straße hinunter....


Wendla

Das ist doch gar nicht wahr, Martha.


Martha

Ich fror. Ich schloß auf. Ich habe die ganze Nacht im Sack schlafen müssen.


Thea

Ich könnte meiner Lebtag in keinem Sack schlafen!


Wendla

Ich möchte ganz gern mal für dich in deinem Sack schlafen.


Martha

Wenn man nur nicht geschlagen wird.


Thea

Aber man erstickt doch darin!


Martha

Der Kopf bleibt frei. Unter dem Kinn wird zugebunden.


Thea

Und dann schlagen sie dich?


Martha

Nein. Nur wenn etwas Besonderes vorliegt.


Wendla

Womit schlägt man dich, Martha?


Martha

Ach was – mit allerhand. – Hält es deine Mutter auch für unanständig, im Bett ein Stück Brot zu essen?


Wendla

Nein, nein.


Martha

Ich glaube immer, sie haben doch ihre Freude – wenn sie auch nichts davon sagen. – Wenn ich einmal Kinder habe, ich lasse sie aufwachsen wie das Unkraut in unserem Blumengarten. Um das kümmert sich niemand, und es steht so hoch, so dicht – während die Rosen in den Beeten an ihren Stöcken mit jedem Sommer kümmerlicher blühn.


Thea

Wenn ich Kinder habe, kleid′ ich sie ganz in Rosa. Rosahüte, Rosakleidchen, Rosaschuhe. Nur die Strümpfe – die Strümpfe schwarz wie die Nacht! Wenn ich dann spazieren gehe, laß ich sie vor mir hermarschieren. – Und du, Wendla?


Wendla

Wißt ihr denn, ob ihr welche bekommt?


Thea

Warum sollten wir keine bekommen?


Martha

Tante Euphemia hat allerdings auch keine.


Thea

Gänschen! – weil sie nicht verheiratet ist.


Wendla

Tante Bauer war dreimal verheiratet und hat nicht ein einziges.


Martha

– Wenn du welche bekommst, Wendla, was möchtest du lieber, Knaben oder Mädchen?


Wendla

Jungens! Jungens!


Thea

Ich auch Jungens!


Martha

Ich auch. Lieber zwanzig Jungens als drei Mädchen.


Thea

Mädchen sind langweilig!


Martha

Wenn ich nicht schon ein Mädchen geworden wäre, ich würde es heute gewiß nicht mehr.


Wendla

Das ist, glaube ich, Geschmacksache, Martha! Ich freue mich jeden Tag, daß ich Mädchen bin. Glaub′ mir, ich wollte mit keinem Königssohn tauschen. – Darum möchte ich aber doch nur Buben!


Thea

Das ist doch Unsinn, lauter Unsinn, Wendla!


Wendla

Aber ich bitte dich, Kind, es muß doch tausendmal erhebender sein, von einem Manne geliebt zu werden, als von einem Mädchen!


Thea

Du wirst doch nicht behaupten wollen, Forstreferendar Pfälle liebe Melitta mehr als sie ihn!


Wendla

Das will ich wohl, Thea! – Pfälle ist stolz. Pfälle ist stolz darauf, daß er Forstreferendar ist – denn Pfälle hat nichts. – Melitta ist selig, weil sie zehntausendmal mehr bekommt, als sie ist.


Martha

Bist du nicht stolz auf dich, Wendla?


Wendla

Das wäre doch einfältig.


Martha

Wie wollt′ ich stolz sein an deiner Stelle.


Thea

Sieh′ doch nur, wie sie die Füße setzt – wie sie geradaus schaut – wie sie sich hält, Martha! – Wenn das nicht Stolz ist!


Wendla

Wozu nur?! Ich bin so glücklich, Mädchen zu sein; wenn ich kein Mädchen wär′, brächt′ ich mich um, um das nächste Mal …


Melchior



(geht vorüber und grüßt)



Thea

Er hat einen wundervollen Kopf.


Martha

So denke ich mir den jungen Alexander, als er zu Aristoteles in die Schule ging.


Thea

Du lieber Gott, die griechische Geschichte! – Ich weiß nur noch, wie Sokrates in der Tonne lag, als ihm Alexander den Eselsschatten verkaufte.


Wendla

Er soll der Drittbeste in seiner Klasse sein.


Thea

Professor Knochenbruch sagt, wenn er wollte, könnte er Primus sein.


Martha

Er hat eine schöne Stirne, aber sein Freund hat einen seelenvolleren Blick.


Thea

Moritz Stiefel? – Ist das eine Schlafmütze!


Martha

Ich habe mich immer ganz gut mit ihm unterhalten.


Thea

Er blamiert einen, wo man ihn trifft. Auf dem Kinderball bei Rilows bot er mir Pralinees an. Denke dir, Wendla, die waren weich und warm. Ist das nicht …? – Er sagte, er habe sie zu lang in der Hosentasche gehabt.


Wendla

Denke dir, Melchi Gabor sagte mir damals, er glaube an nichts – nicht an Gott, nicht an ein Jenseits – an gar nichts mehr in dieser Welt.




Vierte Szene




Parkanlagen vor dem Gymnasium – Melchior, Otto, Georg, Robert, Hänschen Rilow, Lämmermeier



Melchior

Kann mir einer von euch sagen, wo Moritz Stiefel steckt?


Georg

Dem kann′s schlecht gehn! – O dem kann′s schlecht gehn!


Otto

Der treibts so lange, bis er noch mal ganz gehörig ′reinfliegt!


Lämmermeier

Weiß der Kuckuck, ich möchte in diesem Moment nicht in seiner Haut stecken!


Robert

Eine Frechheit! – Eine Unverschämtheit!


Melchior

Wa – wa – was wißt ihr denn?


Georg

Was wir wissen? – Na, ich sage dir …


Lämmermeier

Ich möchte nichts gesagt haben!


Otto

Ich auch nicht – weiß Gott nicht!


Melchior

Wenn ihr jetzt nicht sofort …


Robert

Kurz und gut, Moritz Stiefel ist ins Konferenzzimmer gedrungen.


Melchior

Ins Konferenzzimmer …?


Otto

Ins Konferenzzimmer! – Gleich nach Schluß der Lateinstunde.


Georg

Er war der letzte; er blieb absichtlich zurück.


Lämmermeier

Als ich um die Korridorecke bog, sah ich ihn die Tür öffnen.


Melchior

Hol dich der …!


Lämmermeier

Wenn nur ihn nicht der Teufel holt!


Georg

Vermutlich hatte das Rektorat den Schlüssel nicht abgezogen.


Robert

Oder Moritz Stiefel führt einen Dietrich.


Otto

Ihm wäre das zuzutrauen.


Lämmermeier

Wenn′s gut geht, bekommt er einen Sonntagnachmittag.


Robert

Nebst einer Bemerkung ins Zeugnis!


Otto

Wenn er bei dieser Zensur nicht ohnehin an die Luft fliegt.


Hänschen Rilow

Da ist er!


Melchior

Blaß wie ein Handtuch.



(Moritz kommt in äußerster Aufregung.)



Lämmermeier

Moritz, Moritz, was du getan hast!


Moritz

– — Nichts – — nichts – — —


Robert

Du fieberst!


Moritz

– Vor Glück – vor Seligkeit – vor Herzensjubel —


Otto

Du bist erwischt worden?!


Moritz

Ich bin promoviert! – Melchior, ich bin promoviert! – O jetzt kann die Welt untergehn! – Ich bin promoviert! – Wer hätte geglaubt, daß ich promoviert werde! – Ich fass′ es noch nicht! – Zwanzigmal hab′ ich′s gelesen! – Ich kann′s nicht glauben – du großer Gott, es blieb! – Es blieb! Ich bin promoviert! – (lächelnd) Ich weiß nicht – so sonderbar ist mir – der Boden dreht sich … Melchior, Melchior, wüßtest du, was ich durchgemacht!


Hänschen Rilow

Ich gratuliere, Moritz. – Sei nur froh, daß du so weggekommen!


Moritz

Du weißt nicht, Hänschen, du ahnst nicht, was auf dem Spiel stand. Seit drei Wochen schleiche ich an der Tür vorbei wie am Höllenschlund. Da sehe ich heute, sie ist angelehnt. Ich glaube, wenn man mir eine Million geboten hätte – nichts, o nichts hätte mich zu halten vermocht! – Ich stehe mitten im Zimmer – ich schlage das Protokoll auf – blättere – finde – — und während all der Zeit … Mir schaudert —


Melchior

… während all der Zeit?


Moritz

Während all der Zeit steht die Tür hinter mir sperrangelweit offen. – Wie ich heraus … wie ich die Treppe heruntergekommen, weiß ich nicht.


Hänschen Rilow

– Wird Ernst Röbel auch promoviert?


Moritz

O gewiß, Hänschen, gewiß! – Ernst Röbel wird gleichfalls promoviert.


Robert

Dann mußt du schon nicht richtig gelesen haben. Die Eselsbank abgerechnet zählen wir mit dir und Röbel zusammen einundsechzig, während oben das Klassenzimmer mehr als sechzig nicht fassen kann.


Moritz

Ich habe vollkommen richtig gelesen. Ernst Röbel wird so gut versetzt wie ich – beide allerdings vorläufig nur provisorisch. Während des ersten Quartals soll es sich dann herausstellen, wer dem andern Platz zu machen hat. – Armer Röbel! – Weiß der Himmel, mir ist um mich nicht mehr bange. Dazu habe ich diesmal zu tief hinuntergeblickt.


Otto

Ich wette fünf Mark, daß du Platz machst.


Moritz

Du hast ja nichts. Ich will dich nicht ausrauben. – Herrgott, werd′ ich büffeln von heute an! – Jetzt kann ich′s ja sagen – mögt ihr daran glauben oder nicht – jetzt ist ja alles gleichgültig – ich – ich weiß, wie wahr es ist: Wenn ich nicht promoviert worden wäre, hätte ich mich erschossen.


Robert

Prahlhans!


Georg

Der Hasenfuß!


Otto

Dich hätte ich schießen sehen mögen!


Lämmermeier

Eine Maulschelle drauf!


Melchior



(gibt ihm eine)


– — Komm, Moritz. Gehn wir zum Försterhaus!


Georg

Glaubst du vielleicht an den Schnack?


Melchior

Schert dich das? – — Laß sie schwatzen, Moritz! Fort, nur fort, zur Stadt hinaus!



(Die Professoren Hungergurt und Knochenbruch gehen vorüber.)



Knochenbruch

Mir unbegreiflich, verehrter Herr Kollega, wie sich der beste meiner Schüler gerade zum allerschlechtesten so hingezogen fühlen kann.


Hungergurt

Mir auch, verehrter Herr Kollega.




Fünfte Szene




Sonniger Nachmittag. – Melchior und Wendla begegnen einander im Wald.



Melchior

Bist du′s wirklich, Wendla? – Was tust denn du so allein hier oben? – Seit drei Stunden durchstreife ich den Wald die Kreuz und Quer, ohne daß mir eine Seele begegnet, und nun plötzlich trittst du mir aus dem dichtesten Dickicht entgegen!


Wendla

Ja, ich bin′s.


Melchior

Wenn ich dich nicht als Wendla Bergmann kennte, ich hielte dich für eine Dryade, die aus den Zweigen gefallen.


Wendla

Nein, nein, ich bin Wendla Bergmann. – Wo kommst denn du her?


Melchior

Ich gehe meinen Gedanken nach.


Wendla

Ich suche Waldmeister. Mama will Maitrank bereiten. Anfangs wollte sie selbst mitgehn, aber im letzten Augenblick kam Tante Bauer noch, und die steigt nicht gern. – So bin ich denn allein heraufgekommen.


Melchior

Hast du deinen Waldmeister schon?


Wendla

Den ganzen Korb voll. Drüben unter den Buchen steht er dicht wie Mattenklee. – Jetzt sehe ich mich nämlich nach einem Ausweg um. Ich scheine mich verirrt zu haben. Kannst du mir vielleicht sagen, wie viel Uhr es ist?


Melchior

Eben halb vier vorbei. – Wann erwartet man dich?


Wendla

Ich glaubte, es wäre später. Ich lag eine ganze Weile am Goldbach im Moose und habe geträumt. Die Zeit verging mir so rasch; ich fürchtete, es wolle schon Abend werden.


Melchior

Wenn man dich noch nicht erwartet, dann laß uns hier noch ein wenig lagern. Unter der Eiche dort ist mein Lieblingsplätzchen. Wenn man den Kopf an den Stamm zurücklehnt und durch die Äste in den Himmel starrt, wird man hypnotisiert. Der Boden ist noch warm von der Morgensonne. – Schon seit Wochen wollte ich dich etwas fragen, Wendla.


Wendla

Aber vor fünf muß ich zu Hause sein.


Melchior

Wir gehen dann zusammen. Ich nehme den Korb und wir schlagen den Weg durch die Runse ein, so sind wir in zehn Minuten schon auf der Brücke! – Wenn man so daliegt, die Stirn in die Hand gestützt, kommen einem die sonderbarsten Gedanken …



(Beide lagern sich unter der Eiche.)



Wendla

Was wolltest du mich fragen, Melchior?


Melchior

Ich habe gehört, Wendla, du gehest häufig zu armen Leuten. Du brächtest ihnen Essen, auch Kleider und Geld. Tust du das aus eigenem Antriebe oder schickt deine Mutter dich?


Wendla

Meistens schickt mich die Mutter. Es sind arme Taglöhnerfamilien, die eine Unmenge Kinder haben. Oft findet der Mann keine Arbeit, dann frieren und hungern sie. Bei uns liegt aus früherer Zeit noch so mancherlei in Schränken und Kommoden, das nicht mehr gebraucht wird. – Aber wie kommst du darauf?


Melchior

Gehst du gern oder ungern, wenn deine Mutter dich sowohin schickt?


Wendla

O für mein Leben gern! – Wie kannst du fragen!


Melchior

Aber die Kinder sind schmutzig, die Frauen sind krank, die Wohnungen strotzen von Unrat, die Männer hassen dich, weil du nicht arbeitest …


Wendla

Das ist nicht wahr, Melchior. Und wenn es wahr wäre, ich würde erst recht gehen!


Melchior

Wieso erst recht, Wendla?


Wendla

Ich würde erst recht hingehen. – Es würde nur noch vielmehr Freude bereiten, ihnen helfen zu können.


Melchior

Du gehst also um deiner Freude willen zu den armen Leuten?


Wendla

Ich gehe zu ihnen, weil sie arm sind.


Melchior

Aber wenn es dir keine Freude wäre, würdest du nicht gehen?


Wendla

Kann ich denn dafür, daß es mir Freude macht?


Melchior

Und doch sollst du dafür in den Himmel kommen! – So ist es also richtig, was mir nun seit einem Monat keine Ruhe mehr läßt! – Kann der Geizige dafür, daß es ihm keine Freude macht, zu schmutzigen kranken Kindern zu gehen?


Wendla

O dir würde es sicher die größte Freude sein!


Melchior

Und doch soll er dafür des ewigen Todes sterben! – Ich werde eine Abhandlung schreiben und sie Herrn Pastor Kahlbauch einschicken. Er ist die Veranlassung. Was faselt er uns von Opfer-Freudigkeit! – Wenn er mir nicht antworten kann, gehe ich nicht mehr in die Kinderlehre und lasse mich nicht konfirmieren.


Wendla

Warum willst du deinen lieben Eltern den Kummer bereiten! Laß dich doch konfirmieren; den Kopf kostet′s doch nicht. Wenn unsere schrecklichen weißen Kleider und eure Schlepphosen nicht wären, würde man sich vielleicht noch dafür begeistern können.


Melchior

Es gibt keine Aufopferung! Es gibt keine Selbstlosigkeit! – Ich sehe die Guten sich ihres Herzens freun, sehe die Schlechten beben und stöhnen – ich sehe dich, Wendla Bergmann, deine Locken schütteln und lachen, und mir wird so ernst dabei wie einem Geächteten. – — Was hast du vorhin geträumt, Wendla, als du am Goldbach im Grase lagst?


Wendla

– — Dummheiten – Narreteien —


Melchior

Mit offenen Augen?!


Wendla

Mir träumte, ich wäre ein armes, armes Bettelkind, ich würde früh fünf schon auf die Straße geschickt, ich müßte betteln den ganzen langen Tag in Sturm und Wetter, unter hartherzigen, rohen Menschen. Und käm′ ich abends nach Hause, zitternd vor Hunger und Kälte, und hätte so viel Geld nicht wie mein Vater verlangt, dann würd′ ich geschlagen – geschlagen —


Melchior

Das kenne ich, Wendla. Das hast du den albernen Kindergeschichten zu danken. Glaub′ mir, so brutale Menschen existieren nicht mehr.


Wendla

O doch, Melchior, du irrst. – Martha Bessel wird Abend für Abend geschlagen, daß man andern Tags Striemen sieht. O was die leiden muß! Siedendheiß wird es einem, wenn sie erzählt. Ich bedaure sie so furchtbar, ich muß oft mitten in der Nacht in die Kissen weinen. Seit Monaten denke ich darüber nach, wie man ihr helfen kann. – Ich wollte mit Freuden einmal acht Tage an ihrer Stelle sein.


Melchior

Man sollte den Vater kurzweg verklagen. Dann würde ihm das Kind weggenommen.


Wendla

Ich, Melchior, bin in meinem Leben nie geschlagen worden – nicht ein einziges Mal. Ich kann mir kaum denken, wie das tut, geschlagen zu werden. Ich habe mich schon selber geschlagen, um zu erfahren, wie einem dabei ums Herz wird. – Es muß ein grauenvolles Gefühl sein.


Melchior

Ich glaube nicht, daß je ein Kind dadurch besser wird.


Wendla

Wodurch besser wird?


Melchior

Daß man es schlägt.


Wendla

– Mit dieser Gerte zum Beispiel! – Hu, ist die zäh und dünn.




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