DIR
Heinrich Vogeler




Heinrich Vogeler

DIR Gedichte





WIDMUNGE


		Herzallerliebste, denke mein,
		Wenn im Garten blühen die Blümelein,
		Wenn morgends der goldene Sonnenschein
		Schaut in Deine Fensterlein!

		Dann musst Du hinab in den Garten gehn;
		Musst liebevoll nach den Blumen sehn.
		Manch Mägdlein liess sie traurig stehn,
		Sie mussten sterben und vergehn.



		Wenn der Mond in hellen Silbernächten
		Steigt leise in Dein Kämmerlein,
		Wenn er spielt mit Deinen goldnen Flechten,
		Schaut in die Augen Dir hinein,
		Wenn er küsst Dein weiches Seidenhaar,
		Dann bringt er Dir meine Grüsse dar.



		Ihr bunten Frühlingssänger zieht
		Über Wald und Haide mit meinem Lied!
		Du wilder, rasender Frühlingswind
		Grüss' in der Ferne mein goldiges Kind!
		Braus' über die weite Haide hin;
		Grüss' meine Herzenskönigin!



		Blaue Hyazinthenblüthen
		Zittern leis im warmen Frühlingsduft.
		Wetterschwere, fahle Wolken
		Schwimmen träg in weisslich blauer Luft.
		Müde spielt die Frühlingssonne
		In dem grünenden Geäst,
		Nur die Amsel trägt geschäftig
		Reiser ins verborgne Nest.
		Langsam schleichen mir die Stunden,
		Leer stirbt mir der Tag dahin; –
		Ruhe glaubte ich gefunden,
		Da ich fern von Dir jetzt bin! –



		Auf blankem Strom
		Zwischen Schilf und Ried
		Mein gleitender Kahn zur Haimath zieht.
		Die Sonne vergoldet zum letzten Mal
		Die Gräserspitzen im schweigenden Thal.
		Es athmen die Wiesen Blumenduft,
		Die Schwalbe badet in goldener Luft.




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