Turandot, Prinzessin von China Friedrich Schiller Friedrich Schiller Turandot, Prinzessin von China Personen: Altoum, fabelhafter Kaiser von China. Turandot, seine Tochter. Adelma, eine tartarische Prinzessin, ihre Sklavin. Zelima, eine andere Sklavin der Turandot. Skirina, Mutter der Zelima. Barak, ihr Gatte, ehmals Hofmeister des Kalaf, Prinzen von Astrachan. Timur, vertriebener König von Astrachan. Ismael, Begleiter des Prinzen von Samarcand. Tartaglia, Minister. Pantalon, Kanzler. Truffaldin, Aufseher der Verschnittenen. Brigella, Hauptmann der Wache. Doctoren des Divans. Sklaven und Sklavinnen des Serails. Erster Aufzug. Vorstadt von Peckin. Prospekt eines Stadtthors. Eiserne Stäbe ragen über demselben hervor, worauf mehrere geschorne, mit türkischen Schöpfen versehene Köpfe als Masken und so, daß sie als eine Zierrath erscheinen können, symmetrisch aufgepflanzt sind. Erster Auftritt. Prinz Kalaf, in tartarischem Geschmack, etwas phantastisch gekleidet, tritt aus einem Hause. Gleich darauf Barak, aus der Stadt kommend. Kalaf. Habt Dank, ihr Götter! Auch zu Peckin sollt' ich Eine gute Seele finden! Barak (in persischer Tracht, tritt auf, erblickt ihn und fährt erstaunt zurück). Seh' ich recht? Prinz Kalaf! Wie? Er lebt noch! Kalaf (ernennt ihn). Barak! Barak (auf ihn zueilend). Herr! Kalaf. Dich find' ich hier? Barak. Euch seh' ich lebend wieder! Und hier zu Peckin! Kalaf. Schweig! Verrath mich nicht! Beim großen Lama, sprich! Wie bist du hier? Barak. Durch ein Geschick der Götter, muß ich glauben, Da es mich hier mit Euch zusammenführt. An jenem Tag des Unglücks, als ich sah, Daß unsre Völker flohen, der Tyrann Von Tefflis unaufhaltsam in das Reich Eindrang, floh ich nach Astrachan zurück, Bedeckt mit schweren Wunden. Hier vernahm ich, Daß Ihr und König Timur, Euer Vater, Im Treffen umgekommen. Meinen Schmerz Erzähl' ich nicht; verloren gab ich Alles, Und sinnlos eilt' ich zum Palaste nun, Elmazen, Eure königliche Mutter, Zu retten; doch ich suchte sie vergebens! Schon zog der Sieger ein zu Astrachan, Und in Verzweiflung eilt' ich aus den Thoren. Von Land zu Lande irrt' ich flüchtig nun Drei Jahre lang umher, ein Obdach suchend, Bis ich zuletzt nach Peckin mich gefunden. Hier unterm Namen Hassan glückte mir's, Durch treue Dienste einer Wittwe Gunst Mir zu erwerben, und sie ward mein Weib. Sie kennt mich nicht; ein Perser bin ich ihr. Hier leb' ich nun, obwohl gering und arm Nach meinem vor'gen Loos, doch überreich In diesem Augenblicke, da ich Euch, Den Prinzen Kalaf, meines Königs Sohn, Den ich erzogen, den ich Jahre lang Für todt beweint, im Leben wieder sehe! – Wie aber lebend? Wie in Peckin hier? Kalaf. Nenne mich nicht. Nach jener unglücksel'gen Schlacht Bei Astrachan, die uns das Reich gekostet, Eilt' ich mit meinem Vater zum Palast; Schnell rafften wir das Kostbarste zusammen, Was sich an Edelsteinen fand, und flohn. In Bauerntracht verhüllt, durchkreuzten wir, Der König und Elmaze, meine Mutter, Die Wüsten und das felsigte Gebirg. Gott, was erlitten wir nicht da! Am Fuß Des Kaukasus raubt' eine wilde Horde Von Malandrinen uns die Schätze; nur Das nackte Leben blieb uns zum Gewinn. Wir mußten kämpfen mit des Hungers Qualen Und jedes Elends mannigfacher Noth. Den Vater trug ich bald und bald die Mutter Auf meinen Schultern, eine theure Last. Kaum wehrt' ich seiner wüthenden Verzweiflung, Daß er den Dolch nicht auf sein Leben zuckte; Die Mutter hielt ich kaum, daß sie, von Gram Erschöpft, nicht niedersank! So kamen wir Nach Jaik endlich, der Tartarenstadt, Und hier, an der Moscheen Thor, mußt' ich Ein Bettler flehen um die magre Kost, Der theuren Eltern Leben zu erhalten. – Ein neues Unglück! Unser grimm'ger Feind, Der Khan von Tefflis, voll Tyrannenfurcht, Mißtrauend dem Gerücht von unserm Tode, Er ließ durch alle Länder uns verfolgen. Vorausgeeilt schon war uns sein Befehl, Der alle kleinen Könige seiner Herrschaft Aufbot, uns nachzuspähn. Nur schnelle Flucht Entzog uns seiner Spürer Wachsamkeit — Ach, wo verbärg' sich ein gefallner König! Barak. O, nichts mehr! Eure Worte spalten mir Das Herz! Ein großer Fürst in solchem Elend! Doch sagt! Lebt mein Gebieter noch, und lebt Elmaze, meine Königin? Kalaf. Sie leben. Und wisse, Barak, in der Noth allein Bewähret sich der Adel großer Seelen. – Wir kamen in der Karazanen Land; Dort, in den Gärten König Keicobads, Mußt' ich zu Knechtes Diensten mich bequemen, Dem bittern Hungertode zu entfliehn. Mich sah Adelma dort, des Königs Tochter, Mein Anblick rührte sie, es schien ihr Herz Von zärtlichern Gefühlen, als des Mitleids, Sich für den fremden Gärtner zu bewegen. Scharf sieht die Liebe, nimmer glaubte sie Mich zu dem Loos, wo sie mich fand, geboren. – Doch weiß ich nicht, welch bösen Sternes Macht Der Karazanen König Keicobad Verblendete, den mächt'gen Altoum, Den Großkhan der Chinesen, zu bekriegen. Das Volk erzählte Seltsames davon. Was ich berichten kann, ist dies: Besiegt Ward Keicobad, sein ganzer Stamm vertilgt; Adelma selbst mit sieben andern Töchtern Des Königs ward ertränkt in einem Strome. – Wir aber flohen in ein andres Land; So kamen wir nach langem Irren endlich Zu Berlas an – Was bleibt mir noch zu sagen? Vier Jahre lang schafft' ich den Eltern Brod, Daß ich um dürft'ges Taglohn Lasten trug. Barak. Nicht weiter, Prinz. Vergessen wir das Elend, Da ich Euch jetzt in kriegerischem Schmuck Und Heldenstaat erblicke. Sagt. wie endlich Das Glück Euch günstig ward? Kalaf. Mir günstig! Höre! Dem Khan von Berlas war ein edler Sperber Entwischt, den er in hohem Werthe hielt. Ich fand den Sperber, überbracht' ihn selbst Dem König – Dieser fragt nach meinem Namen; Ich gebe mich für einen Elenden, Der seine Eltern nährt mit Lastentragen. Drauf ließ der Khan den Vater und die Mutter Im Hospital versorgen. (Er hält inne.) Barak! Dort, Im Aufenthalt des allerhöchsten Elends, Dort ist dein König – deine Königin. Auch dort nicht sicher, dort noch in Gefahr, Erkannt zu werden und getödtet! Barak. Gott! Kalaf. Mir ließ der Kaiser diese Börse reichen, Ein schönes Pferd und dieses Ritterkleid. Den greisen Eltern sag' ich Lebewohl; Ich gehe, rief ich, mein Geschick zu ändern, Wo nicht, dies traur'ge Leben zu verlieren! Was thaten sie nicht, mich zurückzuhalten Und, da ich standhaft blieb, mich zu begleiten! Verhüt' es Gott, daß sie, von Angst gequält, Nicht wirklich meinen Spuren nachgefolgt! Hier bin ich nun, zu Peckin, unerkannt, Viel hundert Meilen weit von meiner Heimath. Entschlossen komm' ich her, dem großen Khan Vom Lande China als Soldat zu dienen, Ob mir vielleicht die Sterne günstig sind, Durch tapfre That mein Schicksal zu verbessern. – Ich weiß nicht, welche Festlichkeit die Stadt Mit Fremden füllt, daß kein Karvanserai Mich aufnahm – Dort in jener schlechten Hütte Gab eine Frau aus gutem Herzen mir Herberge. Barak. Prinz, das ist mein Weib. Kalaf. Dein Weib? Preise dein Glück, daß es ein fühlend Herz Zur Gattin dir gegeben! (Er reicht ihm die Hand.) Jetzt leb' wohl. Ich geh' zur Stadt. Mich treibt's, die Festlichkeit Zu sehn, die so viel Menschen dort versammelt. Dann zeig' ich mich dem großen Khan und bitt' Ihn um die Gunst, in seinem Heer zu dienen. (Er will fort. Barak hält ihn zurück.) Barak. Bleibt, Prinz! Wo wollt Ihr hin? Mögt Ihr das Aug' An einem grausenvollen Schauspiel weiden? O, wisset, edler Prinz – Ihr kamt hieher Auf einen Schauplatz unerhörter Thaten. Kalaf. Wie so? Was meinst du? Barak. Wie? Ihr wißt es nicht, Daß Turandot, des Kaisers einz'ge Tochter, Das ganze Reich in Leid versenkt und Thränen? Kalaf. Ja, schon vorlängst im Karazanenland Hört' ich dergleichen – und die Rede ging, Es sei der Prinz des Königs Keicobad Auf eine seltsam jammervolle Art Zu Peckin umgekommen – Eben dies Hab' jenes Kriegesfeuer angeflammt, Das mit dem Falle seines Reichs geendigt. Doch Manches glaubt und schwatzt ein dummer Pöbel, Worüber der Verständ'ge lacht – Darum Sag' an, wie sich's verhält mit dieser Sache? Barak. Des Großkhans einz'ge Tochter, Turandot, Durch ihren Geist berühmt und ihre Schönheit, Die keines Malers Pinsel noch erreicht, Wie viele Bildnisse von ihr auch in der Welt Herumgehn, hegt so übermüth'gen Sinn, So großen Abscheu vor der Ehe Banden, Daß sich die größten Könige umsonst Um ihre Hand bemüht — Kalaf. Das alte Märchen Vernahm ich schon am Hofe Keicobads Und lachte drob – Doch fahre weiter fort Barak. Es ist kein Märchen. Oft schon wollte sie Der Khan, als einz'ge Erbin seines Reichs, Mit Söhnen großer Könige vermählen. Stets widersetzte sich die stolze Tochter, Und, ach! zu blind ist seine Vaterliebe, Als daß er Zwang zu brauchen sich erkühnte. Viel schwere Kriege schon erregte sie Dem Vater, und obgleich noch immer Sieger In jedem Kampf, so ist er doch ein Greis Und unbeerbt wankt er dem Grabe zu. Drum sprach er einsmals ernst und wohlbedächtlich Zu ihr die strengen Worte: Störrig Kind! Entschließe dich einmal, dich zu vermählen, Wo nicht, so sinn' ein ander Mittel aus, Dem Reich die ew'gen Kriege zu ersparen; Denn ich bin alt; zu viele Kön'ge schon Hab' ich zu Feinden, die dein Stolz verschmähte. Drum nenne mir ein Mittel, wie ich mich Der wiederholten Werbungen erwehre, Und leb' hernach und stirb, wie dir's gefällt — Erschüttert ward von diesem ernsten Wort Die Stolze, rang umsonst, sich loszuwinden; Die Kunst der Thränen und der Bitten Macht Erschöpfte sie, den Vater zu bewegen; Doch unerbittlich blieb der Khan – Zuletzt Verlangt sie von dem unglücksel'gen Vater, Verlangt – Hört, was die Furie verlangte! Kalaf. Ich hab's gehört. Das abgeschmackte Märchen Hab' ich schon oft belacht – Hör', ob ich's weiß! Sie fordert' ein Edict von ihrem Vater, Daß jedem Prinzen königlichen Stamms Vergönnt sein soll, um ihre Hand zu werben. Doch dieses sollte die Bedingung sein: Im öffentlichen Divan, vor dem Kaiser Und seinen Räthen allen, wollte sie Drei Räthsel ihm vorlegen. Löste sie Der Freier auf, so mög' er ihre Hand Und mit derselben Kron' und Reich empfangen. Löst er sie nicht, so soll der Kaiser sich Durch einen heil'gen Schwur auf seine Götter Verpflichten, den Unglücklichen enthaupten Zu lassen. – Sprich, ist's nicht so? Nun vollende Dein Märchen, wenn du's kannst vor langer Weile. Barak. Mein Märchen? Wollte Gott! Der Kaiser zwar Empört' sich erst dagegen; doch die Schlange Verstand es, bald mit Schmeichelbitten, bald Mit list'ger Redekunst das furchtbare Gesetz dem schwachen Alten zu entlocken. Was ist's denn auch? sprach sie mit arger List; Kein Prinz der Erde wird so thöricht sein, In solchem blut'gen Spiel sein Haupt zu wagen! Der Freier Schwarm zieht sich geschreckt zurück, Ich werd' in Frieden leben. Wagt es dennoch Ein Rasender, so ist's auf seine eigne Gefahr, und meinen Vater trifft kein Tadel, Wenn er ein heiliges Gesetz vollzieht! — Beschworen ward das unnatürliche Gesetz und kund gemacht in allen Landen. (Da Kalaf den Kopf schüttelt.) – Ich wünschte, daß ich Märchen nur erzählte Und sagen dürfte. Alles war ein Traum! Kalaf. Weil du's erzählst, so glaub' ich das Gesetz. Doch sicher war kein Prinz wahnsinnig gnug, Sein Haupt daran zu setzen. Barak (zeigt nach dem Stadtthor). Sehet, Prinz! Die Köpfe alle, die dort auf den Thoren Zu sehen sind, gehörten Prinzen an, Die toll genug das Abenteuer wagten Und kläglich ihren Untergang drin fanden, Weil sie die Räthsel dieser Sphinx zu lösen Nicht fähig waren. Kalaf. Grausenvoller Anblick! Und lebt ein solcher Thor, der seinen Kopf Wagt, um ein Ungeheuer zu besitzen! Barak. Nein! Sagt das nicht. Wer nur ihr Konterfei Erblickt, das man sich zeigt in allen Ländern, Fühlt sich bewegt von solcher Zaubermacht, Daß er sich blind dem Tod entgegen stürzt, Das göttergleiche Urbild zu besitzen. Kalaf. Irgend ein Geck. Barak. Nein, wahrlich! Auch der Klügste. Heut ist der Zulauf hier, weil man den Prinzen Von Samarcanda, den verständigsten, Den je die Welt gesehn, enthaupten wird. Der Khan beseufzt die fürchterliche Pflicht; Doch ungerührt frohlockt die stolze Schöne. (Man hört in der Ferne den Schall von gedämpften Trommeln.) Hört! Hört Ihr! Dieser dumpfe Trommelklang Verkündet, daß der Todesstreich geschieht; Ihn nicht zu sehen, wich ich aus der Stadt. Kalaf. Barak, du sagst mir unerhörte Dinge. Was? Konnte die Natur ein weibliches Geschöpf wie diese Turandot erzeugen, So ganz an Liebe leer und Menschlichkeit? Barak. Mein Weib hat eine Tochter, die im Harem Als Sklavin dient und uns Unglaubliches Von ihrer schönen Königin berichtet. Ein Tiger ist sie, diese Turandot, Doch gegen Männer nur, die um sie werben. Sonst ist sie gütig gegen alle Welt; Stolz ist das einz'ge Laster, das sie schändet. Kalaf. Zur Hölle, in den tiefsten Schlund hinab Mit diesen Ungeheuern der Natur, Die kalt und herzlos nur sich selber lieben! Wär' ich ihr Vater, Flammen sollten sie Verzehren. Barak. Hier kommt Ismael, der Freund Des Prinzen, der sein Leben jetzt verloren. Er kommt voll Thränen – Ismael! Zweiter Auftritt. Ismael zu den Vorigen. Ismael (reicht dem Barak die Hand, heftig weinend). Er hat Gelebt – Der Streich des Todes ist gefallen. Ach! Warum fiel er nicht auf dieses Haupt! Barak. Barmherz'ger Himmel! – Doch warum ließt Ihr Geschehn, daß er im Divan der Gefahr Sich bloßgestellt? Ismael. Mein Unglück braucht noch Vorwurf. Gewarnt hab' ich, beschworen und gefleht, Wie es mein Herz, wie's meine Pflicht mich lehrte. Umsonst! Des Freundes Stimme wurde nicht Gehört; die Macht der Götter riß ihn fort. Barak. Beruhigt Euch! Ismael. Beruhigen? Niemals, niemals! Ich hab' ihn sterben sehen. Sein Gefährte War ich in seinem letzten Augenblick, Und seine Abschiedsworte gruben sich Wie spitz'ge Dolche mir ins tiefste Herz. "Weine nicht!" sprach er. "Gern und freudig sterb' ich, "Da ich die Liebste nicht besitzen kann. "Mag es mein theurer Vater mir vergeben, "Daß ich ohn' Abschied von ihm ging. Ach, nie "Hätt' er die Todesreise mir gestattet! "Zeig' ihm dies Bildniß! (Er zieht ein kleines Portrait an einem Band aus dem Busen.) "Wenn er diese Schönheit "Erblickt, wird er den Sohn entschuldigen." Und an die Lippen drückt' er jetzt, lautschluchzend, Mit heft'gen Küssen dies verhaßte Bild, Als könnt' er, sterbend selbst, nicht davon scheiden; Drauf kniet' er nieder, und – mit einem Streich — Noch zittert mir das Mark in den Gebeinen — Sah ich Blut spritzen, sah den Rumpf hinfallen Und hoch in Henkers Hand das theure Haupt; Entsetzt und trostlos riß ich mich von dannen. (Wirft das Bild in heftigem Unwillen auf den Boden.) Verhaßtes, ewig fluchenswerthes Bild! Liege du hier, zertreten in dem Staub! Könnt' ich sie selbst, die Tigerherzige, Mit diesem Fußtritt so wie dich zermalmen! Daß ich dich meinem König überbrächte! Nein, mich soll Samarcand nicht wieder sehn. In eine Wüste will ich fliehn und dort, Wo mich kein menschlich Ohr vernimmt, auf ewig Um meinen vielgeliebten Prinzen weinen. (Geht ab.) Dritter Auftritt. Kalaf und Barak. Barak (nach einer Pause). Prinz Kalaf, habt Ihr's nun gehört? Kalaf. Ich stehe Ganz voll Verwirrung, Schrecken und Erstaunen. Wie aber mag dies unbeseelte Bild, Das Werk des Malers, solchen Zauber wirken? (Er will das Bildniß von der Erde nehmen.) Barak (eilt auf ihn zu und hält ihn zurück). Was macht Ihr! – Große Götter! Kalaf (lächelnd). Nun! Ein Bildniß Nehm' ich vom Boden auf. Ich will sie doch Betrachten, diese mörderische Schönheit. (Greift nach dem Bildniß und hebt es von der Erde auf.) Barak (ihn haltend). Euch wäre besser, der Medusa Haupt Als diese tödtliche Gestalt zu sehn. Weg! Weg damit! Ich kann es nicht gestatten. Kalaf. Du bist nicht klug. Wenn du so schwach dich fühlst, Ich bin es nicht. Des Weibes Reiz hat nie Mein Aug gerührt, auch nur auf Augenblicke, Viel weniger mein Herz besiegt. Und was Lebend'ge Schönheit nie bei mir vermocht, Das sollten todte Pinselstriche wirken? Unnütze Sorgfalt, Barak – Mir liegt Andres Am Herzen, als der Liebe Narrenspiel. (Will das Bildniß anschauen.) Barak. Dennoch, mein Prinz – Ich warn' Euch – Thut es nicht! Kalaf (ungeduldig). Zum Henker, Einfalt! Du beleidigst mich. (Stößt ihn zurück, sieht das Bild an und geräth in Erstaunen. Nach einer Pause.) Was seh' ich! Barak (ringt verzweifelnd die Hände). Weh' mir! Welches Unglück! Kalaf (faßt ihn lebhaft bei der Hand). Barak! (Will reden, sieht aber wieder auf das Bild und betrachtet es mit Entzücken.) Barak (für sich). Seid Zeugen, Götter – Ich, ich bin nicht schuld, Ich hab' es nicht verhindern können. Kalaf. Barak! – In diesen holden Augen, dieser süßen Gestalt, in diesen sanften Zügen kann Das harte Herz, wovon du sprichst, nicht wohnen! Barak. Unglücklicher, was hör' ich? Schöner noch Unendlichmal, als dieses Bildniß zeigt, Ist Turandot, sie selbst! Nie hat die Kunst Des Pinsels ihren ganzen Reiz erreicht; Doch ihres Herzens Stolz und Grausamkeit Kann keine Sprache, keine Zunge nennen. O, werft es von Euch, dies unselige, Verwünschte Bildniß! Euer Auge sauge Kein tödtlich Gift aus dieser Mordgestalt! Kalaf. Hinweg! Vergebens suchst du mich zu schrecken! – Himmlische Anmuth! Warme, glühende Lippen! Augen der Liebesgöttin! Welcher Himmel, Die Fülle dieser Reize zu besitzen! (Er steht in den Anblick des Bildes verloren, plötzlich wendet er sich zu Barak und ergreift seine Hand.) Barak! Verrath mich nicht – Jetzt oder nie! Dies ist der Augenblick, mein Glück zu wagen. Wozu dies Leben sparen, das ich hasse? – Ich muß auf einen Zug die schönste Frau Der Erde und ein Kaiserthum mit ihr Gewinnen oder dies verhaßte Leben Auf einen Zug verlieren – Schönstes Werk! Pfand meines Glücks und meine süße Hoffnung! Ein neues Opfer ist für dich bereit Und drängt sich wagend zu der furchtbarn Probe. Sei gütig gegen mich – Doch, Barak, sprich! Ich werde doch im Divan, eh' ich sterbe, Das Urbild selbst von diesen Reizen sehn? (Indem sieht man die fürchterliche Larve eines Nachrichters sich über dem Stadtthor erheben und einen neuen Kopf über demselben aufpflanzen. – Der vorige Schall verstimmter Trommeln begleitet diese Handlung.) Barak. Ach, sehet, sehet, theurer Prinz, und schaudert! Dies ist das Haupt des unglücksel'gen Jünglings — Wie es Euch anstarrt! Und dieselben Hände, Die es dort aufgepflanzt, erwarten Euch. O, kehret um! Kehrt um! Nicht möglich ist's, Die Räthsel dieser Löwin aufzulösen. Ich seh' im Geist schon Euer theures Haupt, Ein Warnungszeichen allen Jünglingen, In dieser furchtbarn Reihe sich erheben. Kalaf (hat das aufgesteckte Haupt mit Nachdenken und Rührung betrachtet). Verlorner Jüngling! Welche dunkle Macht Reißt mich geheimnißvoll, unwiderstehlich Hinauf in deine tödtliche Gesellschaft? (Er bleibt nachsinnend stehen; dann wendet er sich zu Barak.) – Wozu die Thränen, Barak? Hast du mich Nicht einmal schon für todt beweint? Komm, komm! Entdecke keiner Seele, wer ich bin. Vielleicht – wer weiß, ob nicht der Himmel, satt, Mich zu verfolgen, mein Beginnen segnet Und meinen armen Eltern Trost verleiht. Wo nicht – Was hat ein Elender zu wagen? Für deine Liebe will ich dankbar sein, Wenn ich die Räthsel löse – Lebe wohl! (Er will gehen, Barak hält ihn zurück, unterdessen kommt Skirina, Baraks Weib, aus dem Hause.) Barak. Nein, nimmermehr! Komm mir zu Hilfe, Frau! Laß ihn nicht weg – Er geht, er ist verloren, Der theure Fremdling geht, er will es wagen, Die Räthsel dieser Furie zu lösen. Vierter Auftritt. Skirina zu den Vorigen. Skirina (tritt ihm in den Weg). O weh! Was hör' ich? Seid Ihr nicht mein Gast? Was treibt den zarten Jüngling in den Tod? Kalaf. Hier, gute Mutter! Dieses Götterbild Ruft mich zu meinem Schicksal. (Zeigt ihr das Bildnis.) Skirina. Wehe mir! Wie kam das höll'sche Bild in seine Hand? Barak. Durch bloßen Zufall. Kalaf (tritt zwischen Beide). Hassan! Gute Frau! Zum Dank für Eure Gastfreundschaft behaltet Mein Pferd! Auch diese Börse nehmet hin! Sie ist mein ganzer Reichthum – Ich – ich brauche Fortan nichts weiter – denn ich komm' entweder Reich wie ein Kaiser oder – nie zurück! – Wollt Ihr, so opfert einen Theil davon Den ew'gen Göttern, theilt den Armen aus, Damit sie Glück auf mich herab erflehen; Lebt wohl – Ich muß in mein Verhängniß gehen! (Er eilt in die Stadt.) Fünfter Auftritt. Barak und Skirina. Barak (will ihm folgen) Mein Herr! Mein armer Herr! Umsonst! Er geht! Er hört mich nicht! Skirina (neugierig). Dein Herr? Du kennst ihn also? O, sprich, wer ist der edelherz'ge Fremdling, Der sich dem Tode weiht? Barak. Laß diese Neugier! Er ist geboren mit so hohem Geist, Daß ich nicht ganz an dem Erfolg verzweifle. – Komm, Skirina. All dieses Gold laß uns Und Alles, was wir Eigenes besitzen, Dem Fohi opfern und den Armen spenden! Gebete sollen sie für ihn gen Himmel senden Und sollen wund sich knien an den Altären, Bis die erweichten Götter sie erhören! (Sie gehen nach ihrem Hause.) Zweiter Aufzug. Großer Saal des Divans, mit zwei Pforten, davon die eine zu den Zimmern des Kaisers, die andere ins Serail der Prinzessin Turandot führt. Erster Auftritt. Truffaldin, als Anführer der Verschnittenen, steht gravitätisch in der Mitte der Scene und befiehlt seinen Schwarzen, welche beschäftigt sind, den Saal in Ordnung zu bringen. Bald darauf Brigella. Truffaldin. Frisch an das Werk! Rührt euch! Gleich wird der Divan Beisammen sein. – Die Teppiche gelegt, Die Throne aufgerichtet! Hier zur Rechten Kommt kaiserliche Majestät, links meine Scharmante Hoheit, die Prinzeß, zu sitzen! Brigella (kommt und sieht sich verwundernd um). Mein! Sagt mir, Truffaldin, was gibt's denn Neues, Daß man den Divan schmückt in solcher Eile? Truffaldin (ohne auf ihn zu hören – zu den Schwarzen). Acht Sessel dorthin für die Herrn Doktoren! Sie haben hier zwar nicht viel zu dotieren; Doch müssen sie, weil's was Gelehrtes gibt, Mit ihren langen Bärten figurieren. Brigella. So redet doch! Warum, wozu das alles? Truffaldin. Warum? Wozu? Weil sich die Majestät Und meine schöne Königin, mit sammt Den acht Doktoren und den Excellenzen, Sogleich im Divan hier versammeln werden. 's hat sich ein neuer, frischer Prinz gemeldet, Den's juckt, um einen Kopf sich zu verkürzen. Brigella. Was? Nicht drei Stunden sind's, daß man den letzten Hat abgethan — Truffaldin. Ja, Gott sei Dank! Es geht Von statten! die Geschäfte gehen gut. Brigella. Und dabei könnt Ihr scherzen, roher Kerl! Euch freut wohl das barbarische Gemetzel? Truffaldin. Warum soll mich's nicht freuen? Setzt's doch immer Für meinen Schnabel was, wenn so ein Neuer Die große Reise macht – denn jedesmal, Daß meine Hoheit an der Hochzeitklippe Vorbeischifft, gibt's im Harem Hochzeitkuchen. Das ist einmal der Brauch, wir thun's nicht anders: So viele Köpfe, so viel Feiertage! Brigella. Das sind mir heillos niederträchtige Gesinnungen, so schwarz, wie Eure Larve. Man sieht's Euch an, daß Ihr ein Halbmann seid, Ein schmutziger Eunuch! – Ein Mensch, ich meine Einer, der ganz ist, hat ein menschlich Herz Im Leib und fühlt Erbarmen. Truffaldin. Was! Erbarmen! Es heißt kein Mensch die Prinzen ihren Hals Nach Peckin tragen, Niemand ruft sie her. Sind sie freiwillig solche Tollhausnarren, Mögen sie's haben! Auf dem Stadtthor steht's Mit blut'gen Köpfen leserlich geschrieben, Was hier zu holen ist – Wir nehmen Keinem Den Kopf, der einen mitgebracht. Der hat Ihn schon verloren, längst, der ihn hier setzt! Brigella. Ein saubrer Einfall, den galanten Prinzen, Die ihr die Ehr' anthun und um sie werben, Drei Räthsel aufzugeben und, wenn's einer Nicht auf der Stelle trifft, ihn abzuschlachten! Truffaldin. Mit nichten, Freund! Das ist ein prächtiger, Exzellenter Einfall! – Werben kann ein Jeder; Es ist nichts leichter, als aufs Freien reisen. Man lebt auf fremde Kosten, thut sich gütlich, Legt sich dem künft'gen Schwäher in das Haus, Und mancher jüngre Sohn und Krippenreiter, Der alle seine Staaten mit sich führt Im Mantelsack, lebt bloß vom Körbeholen. Es war nicht anders hier, als wie ein großes Wirthshaus von Prinzen und von Abenteurern, Die um die reiche Kaisertochter freiten; Denn auch der Schlechtste dünkt sich gut genug, Die Hände nach der Schönsten auszustrecken. Es war wie eine Freikomödie, Wo Alles kommt, bis meine Königin Auf den scharmanten Einfall kam, das Haus In vier und zwanzig Stunden rein zu machen. – Eine andre hätte ihre Liebeswerber Auf blutig schwere Abenteuer aus- Gesendet, sich mit Riesen 'rum zu schlagen, Dem Schach zu Babel, wenn er Tafel hält, Drei Backenzähne höflich auszuziehen, Das tanzende Wasser und den singenden Baum Zu holen und den Vogel, welcher redet — Nichts von dem allem! Räthsel haben ihr Beliebt! Drei zierlich wohlgesetzte Fragen! Man kann dabei bequem und säuberlich In warmer Stube sitzen, und kein Schuh Wird naß! Der Degen kommt nicht aus der Scheide, Der Witz, der Scharfsinn aber muß heraus. – Brigella, die versteht's! Die hat's gefunden, Wie man die Narren sich vom Leibe hält! Brigella. 's kann Einer ein rechtschaffner Kavalier Und Ehmann sein und doch die spitz'gen Dinger, Die Räthsel, just nicht handzuhaben wissen. Truffaldin. Da siehst du, Kamerad, wie gut und ehrlich Es die Prinzeß mit ihrem Freier meint, Daß sie die Räthsel vor der Hochzeit aufgibt. Nachher war's noch viel schlimmer. Löst er sie Jetzt nicht, ei nun, so kommt er schnell und kurz Mit einem frischen Gnadenhieb davon. Doch, wer die stachelichten Räthsel nicht Auflöst, die seine Frau ihm in der Eh' Aufgibt, der ist verlesen und verloren! Brigella. Ihr seid ein Narr, mit Euch ist nicht zu reden. – So mögen's denn meintwegen Räthsel sein, Wenn sie einmal die Wuth hat, ihren Witz Zu zeigen – Aber muß sie denn die Prinzen Just köpfen lassen, die nicht sinnreich gnug Für ihre Räthsel sind – Das ist ja ganz Barbarisch, rasend toll und unvernünftig. Wo hat man je gehört, daß man den Leuten Den Hals abschneidet, weil sie schwer begreifen? Truffaldin. Und wie, du Schafskopf, will sie sich der Narren Erwehren, die sich klug zu sein bedünken, Wenn weiter nichts dabei zu wagen ist, Als einmal sich im Divan zu beschimpfen? Auf die Gefahr hin, sich zu prostituieren Mit heiler Haut, läuft Jeder auf dem Eis. Wer fürchtet sich vor Räthseln? Räthsel sind's Gerad, was man fürs Leben gern mag hören. Das hieß' den Köder statt des Popanz's brauchen. Und wäre man auch wegen der Prinzessin Und ihres vielen Gelds daheim geblieben, So würde man der Räthsel wegen kommen. Denn Jedem ist sein Scharfsinn und sein Witz Am Ende lieber, als die schönste Frau! Brigella. Was aber kommt bei diesem ganzen Spiel Heraus, als daß sie sitzen bleibt? Kein Mann, Der seine Ruh liebt und bei Sinnen ist, Wird so ein spitz'ges Nadelkissen nehmen. Truffaldin. Das große Unglück, keinen Mann zu kriegen! (Man hört einen Marsch in der Ferne.) Brigella. Der Kaiser kommt. Truffaldin. Marsch ihr in eure Küche! Ich gehe, meine Hoheit herzuholen. (Gehen ab zu verschiedenen Seiten.) Zweiter Auftritt. Ein Zug von Soldaten und Spielleuten. Darauf acht Doctoren, pedantisch herausstaffiert; alsdann Pantalon und Tartaglia, beide in Charaktermasken. Zuletzt der Großkhan Altoum in chinesischem Geschmack mit einiger Übertreibung gekleidet. Pantalon und Tartaglia stellen sich dem kaiserlichen Thron gegenüber, die acht Doctoren in den Hintergrund, das übrige Gefolge auf die Seite, wo der kaiserliche Thron ist. Beim Eintritt des Kaisers werfen sich alle mit ihren Stirnen auf die Erde und verharren in dieser Stellung bis er den Thron bestiegen hat. Die Doktoren nehmen auf ihren Stühlen Platz. Auf einen Wink, den Pantalon gibt, schweigt der Marsch. Altoum. Wann, treue Diener, wird mein Jammer enden? Kaum ist der edle Prinz von Samarcand Begraben, unsre Thränen fließen noch, Und schon ein neues Todesopfer naht, Mein blutend Herz von neuem zu verwunden. Grausame Tochter! Mir zur Qual geboren! Was hilft's, daß ich den Augenblick verfluche, Da ich auf das barbarische Gesetz Dem furchtbaren Fohi den Schwur gethan. Nicht brechen darf ich meinen Schwur, nicht rühren Läßt sich die Tochter, nicht zu schrecken sind Die Freier! Nirgends Rath in meinem Unglück! Pantalon. Rath, Majestät? Hat sich da was zu rathen! Bei mir zu Hause, in der Christen Land, In meiner lieben Vaterstadt Venedig, Schwört man auf solche Mordgesetze nicht, Man weiß nichts von so närrischen Mandaten. Da hat man gar kein Beispiel und Exempel, Daß sich die Herrn in Bilderchen vergafft Und ihren Hals gewagt für ihre Mädchen. Kein Frauensmensch bei uns geboren wird, Wie Dame Kieselstein, die alle Männer Verschworen hätte – Gott soll uns bewahren! Das fiel uns auch im Traum nicht ein. Als ich Daheim noch war, in meinen jungen Jahren, Eh mich die Ehrensache, wie Ihr wißt, Von Hause trieb und meine guten Sterne An meines Kaisers Hof hieher geführt, Wo ich als Kanzler mich jetzt wohl befinde, Da wußt' ich nichts von China, als es sei Ein trefflichs Pulver gegen's kalte Fieber. Und jetzt erstaun' ich über alle Maßen, Daß ich so curiöse Bräuche hier Vorfinde, so curjose Schwüre und Gesetze Und so curjose Fraun und Herrn. Erzählt' ich in Europa diese Sachen, Sie würden mir unter die Nase lachen. Altoum. Tartaglia, habt Ihr den neuen Wagehals Besucht? Tartaglia. Ja, Majestät. Er hat den Flügel Des Kaiserschlosses inn', den man gewöhnlich Den fremden Prinzen anzuweisen pflegt. Ich bin entzückt von seiner angenehmen Gestalt und seinen prinzlichen Manieren. 's ist Jammerschade um das junge Blut, Daß man es auf die Schlachtbank führen soll. 's Herz bricht mir! Ein so angenehmes Prinzchen! Ich bin verliebt in ihn. Weiß Gott! Ich sah In meinem Leben keinen hübschern Buben! Altoum. Unseliges Gesetz! Verhaßter Schwur! – Die Opfer sind dem Fohi doch gebracht, Daß er dem Unglückseligen sein Licht Verleihe, diese Räthsel zu ergründen! Ach, nimmer geb' ich dieser Hoffnung Raum! Pantalon. An Opfern, Majestät, ward nichts gespart. Dreihundert fette Ochsen haben wir Dem Tien dargebracht, dreihundert Pferde Der Sonne und dem Mond dreihundert Schweine. Altoum. So ruft ihn denn vor unser Angesicht! (Ein Theil des Gefolges entfernt sich.) – Man such' ihm seinen Vorsatz auszureden. Und ihr, gelehrte Lichter meines Divans, Kommt mir zu Hilfe – nehmt das Wort für mich, Laßt' s nicht an Gründen fehlen, wenn mir selbst Der Schmerz die Zunge bindet. Pantalon. Majestät! Wir werden unsern alten Witz nicht sparen, Den wir in langen Jahren eingebracht. Was hilft's? Wir predigen und sprechen uns Die Lungen heiser, und er läßt sich eben Den Hals abstechen, wie ein wälsches Huhn. Tartaglia. Mit Eurer Gunst, Herr Kanzler Pantalon! Ich habe Scharfsinn und Verstand bei ihm Bemerkt, wer weiß! – Ich will nicht ganz verzagen. Pantalon. Die Räthsel dieser Schlange sollt' er lösen? Nein, nimmermehr! Dritter Auftritt. Die Vorigen. Kalaf, von einer Wache begleitet. Er kniet vor dem Kaiser nieder, die Hand auf der Stirn. Altoum (nachdem er ihn eine Zeit lang betrachtet). Steh auf, unkluger Jüngling! (Kalaf steht auf und stellt sich mit edelm Anstand in die Mitte des Divans.) – Die reizende Gestalt! Der edle Anstand! Wie mir's ans Herz greift! – Sprich, Unglücklicher! Wer bist du? Welches Land gab dir das Leben? Kalaf (schweigt einen Augenblick verlegen, dann mit einer edeln Verbeugung). Monarch, vergönne, daß ich meinen Namen Verschweige. Altoum. Wie? Mit welcher Stirn darfst du, Ein unbekannter Fremdling, namenlos, Um unsre kaiserliche Tochter werben? Kalaf. Ich bin von königlichem Blut, ein Prinz, geboren. Verhängt der Himmel meinen Tod, so soll Mein Name, mein Geschlecht, mein Vaterland Kund werden, eh' ich sterbe, daß die Welt Erfahre, nicht unwürdig hab' ich mich Des Bundes angemaßt mit deiner Tochter. Für jetzt geruhe meines Kaisers Gnade Mich unerkannt zu lassen. Altoum. Welcher Adel In seinen Worten! Wie beklag' ich ihn! – Doch wie, wenn du die Räthsel nun gelöst, Und nicht von würd'ger Herkunft — Kalaf. Das Gesetz, Monarch, ist nur für Könige geschrieben. Verleihe mir der Himmel, daß ich siege, Und dann, wenn ich unköniglichen Stamms Erfunden werde, soll mein fallend Haupt Die Schuld der kühnen Anmaßung bezahlen, Und unbeerdigt liege mein Gebein, Der Krähen Beute und der wilden Thiere. Schon eine Seele lebt in dieser Stadt, Die meinen Stand und Namen kann bezeugen. Für jetzt geruhe meines Kaisers Gnade Mich unerkannt zu lassen. Altoum. Wohl! Es sei! Dem Adel deiner Mienen, deiner Worte, Holdsel'ger Jüngling, kann ich Glauben nicht, Gewährung nicht versagen – Mögst auch du Geneigt sein, einem Kaiser zu willfahren, Der hoch von seinem Thron herab dich fleht! Entweiche, o entweiche der Gefahr, Der du verblendet willst entgegen stürzen, Steh ab und fordre meines Reiches Hälfte! So mächtig spricht's für dich in meiner Brust, Daß ich dir gleichen Theil an meinem Thron Auch ohne meiner Tochter Hand verspreche. O, zwinge du mich nicht, Tyrann zu sein! Schon schwer genug drückt mich der Völker Fluch, Das Blut der Prinzen, die ich hingeopfert; Drum, wenn das eigne Unglück dich nicht rührt, Конец ознакомительного фрагмента. Текст предоставлен ООО «ЛитРес». Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию (https://www.litres.ru/friedrich-schiller/turandot-prinzessin-von-china-25449460/) на ЛитРес. 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