Beyträge zur Kenntniss der altdeutschen Sprache und Litteratur George Benecke Beyträge zur Kenntniss der altdeutschen Sprache und Litteratur Erster Band. Theil 1 VORBERICHT In den Anmerkungen, die GOLDAST den drey Altdeutschen Gedichten beyfügte, welche er 1604 in seinen Paraenetici veteres heraus gab, stiessen mir aus Dichtern, deren Lieder anderthalb hundert Jahre später in der Sammlung von Minnesingern erschienen, mehrere Stellen auf, die ich in dieser Sammlung vergebens suchte. Es däuchte mir der Mühe werth, nachzuforschen, woher GOLDAST diese Stellen genommen habe; und da ich überhaupt eine critische Berichtigung des Textes der Minnesinger für das erste und dringendste Erforderniss bey dem Studium derselben halte, so glaubte ich, auch die kleine Hülfe nicht verschmähen zu dürfen, die eine Vergleichung der in Bremen befindlichen Goldastischen Handschrift vielleicht darbieten könnte. Ich erbat mir daher diese Handschrift zur Einsicht, und Hr. Dr. und Prof. OELRICHS, der würdige Vorsteher der Bremischen Bibliothek, hatte die Güte, meine Bitte auf die gefälligste Weise zu gewähren, und mir jeden beliebigen Gebrauch meiner Ausbeute zu erlauben. Man würde vielleicht früher schon auf diese Handschrift aufmerksam geworden seyn, wenn nicht BODMER, in dem Vorberichte zu den Proben der alten Schwäbischen Poesie, versichert hätte, dass sie unvollständig sey, und dass die Lieder, die sie enthalte, ganz genau mit der Pariser Handschrift übereinkommen. Die Handschrift ist in Folio, auf Papier geschrieben, und der Rücken des Bandes hat die Überschrift: Hofflieder der teutschen Meistersänger. Auf dem letzten Blatte findet sich (vollkommen richtig) von H. HEISEN bemerkt, der Band sey 367 Blätter oder gedoppelt so viele Blattseiten stark. Sie ist ohne Zweifel eine Abschrift der Manessischen Handschrift, und enthält ungefähr zwey Fünftel derselben, oder erstlich alles das, was in dem Zürcher Abdrucke von S. 1 des ersten Theiles bis S. 172 befindlich ist, nur dass auf KÚNIG CHŮNRAT, KÚNIG TYRO VON SCHOTTEN UND FRIDEBRANT SIN SUN folgt, oder das Gedicht, das in dem zweyten Theile der Samml. von Minnes. von S. 248 bis S. 251 abgedruckt ist. Mit dem Worte kumberliche in der letzten Zeile der fünften Strophe der Lieder des HER BERNGE VON HORHEIN bricht die Handschrift ab. Ausser dem aber sind zweytens noch von den in dem zweyten Theile der Zürcher Ausgabe befindlichen Gedichten abgeschrieben DER TANHUSER, VON BŮCHEIN und die ersten Lieder des HER NITHART (Samml. von Minnes. Th. 2. S. 58 bis S. 72). Die letzte Zeile, womit die Handschrift endigt, ist: ‚Nu seht ob ich ze frouwen wol an ir behalten si.‘ – Das beygefügte Verzeichniss der Dichter ist mit dem in dem zweyten Theile des Zürcher Abdruckes S. 261 und 262 befindlichen vollkommen gleichlautend. Man kann, wenn ich nicht irre, in dieser Bremischen Handschrift fünferley Hände unterscheiden. Die erste geht bis zu den Liedern des Grafen CHŮNRAT VON KILCHBERG; die zweyte von da bis auf HER WALTER VON KLINGEN; die dritte bis zu der Zeile ‚Swer ane vorhte herre Got‘ (Samml. von Minnes. Th. 1. S. 128. Col. 2.); die vierte bis zu dem schon angeführten Worte ‚kumberliche‘ in den Liedern des HER BERNGE VON HORHEIN (Samml. von Minnes. Th. 1. S. 172 f.). Von der fünften Hand endlich ist abgeschrieben was im zweyten Theile der Samml. von Minnes. von S. 58 bis S. 72 steht. Die drey ersten Hände zeugen von Schreibern, die der alten Sprache kundig waren; die vierte Hand ist weit schlechter, und man sieht deutlich, dass der Abschreiber nicht verstand was er schrieb. Unter andern steht gewöhnlich nn statt m und m statt n, woraus zu schliessen ist, dass diese Buchstaben sich in der Original-Handschrift sehr ähnlich sehen müssen, um so mehr, da auch schon früher sich öfter n findet, wo der Zürcher Abdruck m hat, und umgekehrt. Diese vier ersten Hände bedienten sich durchaus der Lateinischen Buchstaben; von der fünften Hand sind die so genannten Deutschen Buchstaben gebraucht, und der Abschreiber war, wie es scheint, der alten Sprache etwas kundiger. Die einzelnen Lieder jedes Dichters sind mit Römischen Zahlen bezeichnet, die Strophen mit Arabischen. Die Reimzeilen sind abgesetzt, wiewohl nicht immer ganz richtig. Interpunction ist nur an äusserst wenigen Stellen beygefügt. Die Bremische Handschrift enthält, so weit sie geht, alles was in der Samml. von Minnes. abgedruckt ist (denn eine kleine unten S. 276 bemerkte Ausnahme kann eigentlich gar nicht als Ausnahme gelten); und sie enthält ein gutes Theil mehr. Meine Überzeugung, dass der Zürcher Abdruck lückenhaft sey, wurde durch diese Handschrift vollkommen bestätigt. Wie es aber möglich war, dass die Herausgeber vollständige Lieder in unverständliche Bruchstücke verwandelten, und wie es kam, dass sie manches schöne Lied ganz übergingen, das begreife ich nicht, und schwerlich ist jemand jetzt noch im Stande, eine befriedigende Auskunft darüber zu geben. Auf alle Fälle wünschte ich, bey der grossen Achtung, die ich für BODMER hege, dass er in seiner Vorrede zu dem zweyten Theil der Samml. von Minnes. die Stelle (S. V), in der er einiger wenigen ausgelassenen Strophen erwähnt, durchgestrichen oder weniger hochfärtig ausgedrückt hätte. Die folgenden Bogen enthalten die Ausbeute, welche die Vergleichung der Bremischen Handschrift lieferte. Abschrift und Abdruck sind mit pflichtmässiger Genauigkeit besorgt worden; da wo es mir nöthig schien, nach Vermuthung gemachte Verbesserungen in den Text aufzunehmen, habe ich, wenige unbedeutende Veränderungen ausgenommen, die Lesart der Handschrift unter dem Texte angegeben. Die beygefügte Interpunction wird, wie ich hoffe, den meisten Lesern willkommen seyn. Interpunction ist, meines Erachtens, die einzige Zuthat, die den Kenner nicht stört, und dem Anfänger das Verständniss der Überreste des Alterthums gar sehr erleichtert. Dass sie an manchen Stellen, bey der freyen Wortstellung unserer alten Sprache, Schwierigkeiten hat; dass die eingeführte Bezeichnung derselben mangelhaft ist: das kann für den Herausgeber einer alten Schrift eine Ermahnung seyn, mit gehöriger Bedachtsamkeit und mit geübtem Gefühle zu Werke zu gehen, keinesweges aber ein Grund sie wegzulassen. Auch selbst wenn er irrt, kann er wenigstens das Verdienst sich erwerben, den richtiger sehenden zu Verbesserungen zu veranlassen. Wären die frühern Herausgeber alter Deutscher Gedichte so gefällig gewesen, den von ihnen besorgten Abdrücken die bequeme, den Gebrauch erleichternde Gestalt zu geben, in der man jedes neuere gedruckte Buch zu sehen gewohnt ist: so hätten diese Gedichte schon lange eine ungleich grössere Anzahl von Lesern, auch wohl von critischen und erläuternden Bearbeitern gefunden; ihre Trefflichkeit wäre weit allgemeiner anerkannt worden, hätte weit früher auf empfängliche Gemüther gewirkt, und Früchte mannigfaltiger Art hervor gebracht. Alte Handschriften zu lesen, ist nicht jedermanns Sache, und niemand, der eine Sprache lernen will, pflegt damit den Anfang zu machen; und doch sind wir gerade bey den vorzüglichsten Werken unserer alten Litteratur auf Abdrücke beschränkt, die beynahe eben so unbehülflich sind als eine Handschrift, und oben drein noch weit unzuverlässiger und fehlerhafter. Bey so bewandten Umständen darf ich mir daher wohl mit der Hoffnung schmeicheln, durch die Herausgabe dieser Minnelieder wenigstens die erste Bekanntschaft mit den alten Denkmahlen des Deutschen Gesanges erleichtert zu haben. Zwar ist noch immer eine andere Erleichterung zu wünschen, die früher nicht gegeben werden konnte, die aber jetzt wohl bald mit Recht gefordert werden kann; ich meine die Festsetzung einer gleichförmigen alterthümlichen Orthographie. Allein diess ist ein Punct, über den erst die Stimmen gründlicher Kenner, der alten Sprache vollständig und ausführlich zu vernehmen seyn werden. Recht sehr wird es mich freuen, wenn diese meine Arbeit dazu beyträgt, die Überzeugung zu befördern, dass es durchaus nothwendig ist, eine neue sorgfältige Vergleichung der Pariser Handschrift anzustellen, und die sich daraus ergebenden Berichtigungen des Textes bekannt zu machen. Ich bin weit entfernt, das Verdienst zu verkennen, das sich seit einigen Jahren mehrere Freunde der alten Deutschen Poesie auf mancherley Weise um das Studium derselben erworben haben. Vor allen Dingen aber sollten wir doch eilen, den vorzüglichsten Gedichten, die bereits gedruckt sind, die grösste mögliche Richtigkeit des Textes zu geben, ehe vielleicht ein unglücklicher Zufall die Handschriften vernichtet, aus denen diese Berichtigungen zu nehmen sind. Wie sehr besonders die MÜLLERsche Sammlung einer solchen Nachhülfe bedarf, weiss jeder Kenner, zu seinem Leidwesen, nur zu gut. So ausgemacht es auch ist, dass die allgemeinen Grundsätze der Critik, wie sie bey den classischen Sprachen in der höchsten Periode ihrer Bildung angewandt werden, bey ihrer Anwendung auf die alte Deutsche Sprache, und die darin geschriebenen und von Abschreibern und Umarbeitern oft so willkührlich behandelten Werke, gar manche besondere und eigenthümliche Bestimmung erfordern: so wahr bleibt es doch auf der andern Seite, dass für das gründliche Studium unserer alten vaterländischen Litteratur nichts erspriesslicher seyn kann, als wenn wir uns die genaue critische Sorgfalt zum Muster nehmen, die man mit so vielem Scharfsinn und unermüdet fortgesetztem Fleisse auf die Schriften der Griechen und Römer verwandt hat. Je sorgfältiger der Acker bestellt wird, desto erfreulicher wird die Ernte seyn. Göttingen, December 1809. ERGÄNZUNGEN DER SAMMLUNG VON MINNESINGERN AUS DER BREMISCHEN HANDSCHRIFT GRAVE OTTO VON BOTTENLAUBE Von diesem Dichter enthält die Handschrift folgende mit XI. bezeichnete Zeilen, wovon sich in der Samml. von Minnesingern (Th. 1. S. 16. a Zeile 2 v. u.) bloss der Anfang befindet. Mir hat ein wib Herze und lib Betwungen und gar verhert! Dú ist so gůt, Swas si mir tůt. Wil si, so wirde ich sanfte ernert; Tůt si mir we, Doch wil ich e Betwungen sin von ir gewalt, Danne ich verber Die werden ger Und ouch die sorgen manicvalt, Die si mir machet Und git. Min froͤide swachet Iemer sit. Sweme si nu lachet Zaller zit, Des selde wachet Sunder strit; Gelúkes rat Hat in den pfat Geleret so, Das er sol ho Daruffe sweben, Mit froͤiden leben. Solde ich das sin, So muͤste, an aller sorgen schin, Das herze min Erhoͤhet werden, sunder pin. Ich, froͤide bar, Ich gedenke ie dar, (Als ich getar): Wirt si gewar, Das ich so var, Ir eigen gar; Si erzeiget ir Genade an mir Si ist ein wib, Der ie min lib Alleiner lebt, Und iemer strebt Uf den gedinge Und selchen trost, Das mir gelinge, Und werde erlost Der sorgen, dú mich twanc noh ie, Sit ich verlie Den můt an sie. Min herze jach, Sit si min ouge alrerst ersach, Sin ungemach, Das ime sit, Bi siner zit Beschach, Das were dahin, Und were ime sin Komen und gewin. Des wande ouch ich; Nu tůt si mich Gar sorgenrich, Und meret mine clage. Das verkeret Und seret Mine tage. Min gemuͤte Ist worden kranc; Ich verwuͤte Nach ir guͤte Ane allen dank; Iedoch darunder Ist ein wunder Nicht besunder, Das ich liden, Und miden Můs si, reine, Die ich meine Nicht ze cleine. Amme herzen Hab ich smerzen Und kumber (Ich vil tumber!) Manigen sumber. Warzů wart ich ie geborn, Sol ich iemer sin verlorn? Ja hat ich si mir erkorn, Das die wunden, Ungesunden, Mir verbunden[1 - In der Handschrift: Mir verkunden.] Solten werden Von der werden; Nu ist min swere Ir gar unmere, Der ich lere Wurde, ob mir dú frouwe min Tete gůten willen schin. Solde es mit ir hulden sin, Das ich sprechen Muͤste zir, Was si zechen Und rechen Wolde an mir: Sicherliche, Ob das geschiht, Imme riche Ist min geliche Danne niht. Herze, sinne, Minen můt Hat dú minne Mit gewinne Also behůt. Peir der Mere Dulde swere Dur Afrien, Sin amien, Von Navar. Plei von Lone Lie die krone Und die sinne Durch die minne Drisseg jar. Er was sorgenrich; Das was kumberlich, Doch ungelich Der swere min, Die mir tůt schin, Von der ich dulde disen pin. Es enstille Ir gůter wille In kurzen ziten Ane biten; Ich bin tot. Sol min trúwe, Ane alle rúwe, Sus ein sterben An ir erwerben; Dest ein not, Die ich gerne dol, Und liden sol; So rehte wol Stet si mir an. Ich selic man! So suͤsse not ich nie gewan. Iedoch swie gerne Ich sterben lerne Dur ir minneclichen lip (Owe, si reine, selig wib!); So denke ich doch, Das si mir noch Gerůche geben Ein senfter leben. Des valde ich ir die hende min, Das ane ir zúrnen muͤsse sin, Ob ich genende, Und ich ir sende Disen sanc. Ir lob, ir ere Ich gerne mere; In froͤmdú lant Tůn ichs erkant Mit truwen, ane valschen wanc. Wirt mir davon ein habedank, Ich singe ir das Ir lob noch bas Erhoͤhet, ob ichs e vergas. Mine frouwen Sult ir schouwen In so hoher werdekeit, Das ir sol iemer sin gereit Der eren krone, Sit vil schone Eht aller selden seldekeit Ir beide hende hat geleit Ir uf ir houbet. Das geloubet Alle mir: Ob ir si seht, Ir verjeht Tugende michels me von ir, Danne ich iu sage, Wand ichs durch klage Mines willen vil verbir. Min frouwe ist gůt; Iedoch si tůt, Das wunneklichcn froͤiden gir Mich vergat Und lat, Das mir kumberlichen stat; Wand ich pflac Manigen tag, Das min froͤide nie gelac. Owe der dinge! Ich wenne, ich ringe Uf einen wan, Den ich han, Dem ich iemer undertan Wesen můs, Dess mir bůs Niemer wirdet, untz ein gruͤs Mich enbindet; Sa verswindet Und erwindet Alles klagen. In minen tagen Was sol ich von froͤiden sagen? Sol ich heil an ir bejagen, Swie das were, Es were zit. Alle swere Ich gar verbere, Ob si den strit Genedecliche Wolde ir geben Endeliche; E ich danne entwiche, Ich ir gibe das leben. Bi dem eide Ich wil geloben: Sin enscheide Mich von leide, Ich můs ertoben. Das erwende, Selig wib, Und sende Mir das ende, Das min lib Froͤide und minne Und sinne Von dir, kúniginne, Gewinne! Darnach ich iemer ringe Und zellen ziten strebe. Uf das hoh gedinge Ich vil dicke schone lebe, Das mir an dir gelinge, Und enphahen muͤsse Suͤsser minne gebe. Wie suͤsse Ich danne singe Und erclinge, Swenne ich froͤliche ob allen froͤiden swebe! (Nun folgt unter XII. der zarte Wechselgesang: Were Cristes lon niht also suͤsse. – Samml. von Minnes. Th. I. S. 16. b.) HER GOͤTFRIT VON NIFEN Was wohl der Grund seyn mag, dass von den funfzig Liedern dieses Dichters in den Züricher Abdruck, ausser vier ganzen, nur einige aus dem Zusammenhange herausgerissene Strophen aufgenommen wurden? Dass Wahl dieser Grund nicht war, das liegt am Tage. – Jene vier von Bodmer vollständig gelieferten Lieder sind hier ausgelassen, die einzelnen Strophen konnten ohne Übelstand nicht ausgelassen werden; auch nehmen sie kaum ein Paar Seiten ein. I Owe, winter, din Gewalt Wil uns aber twingen! Heide und ouch die blůmen rot Die sint nu worden val; So klage ich den gruͤnen walt Und der vogel singen; Darzů hat vil grosse not Diu liebú nahtegal. — We, was klage ich tumber vogel swere! Ob eht ich der liebún liep in rehter liebe were, Son clagte ich niht die vogel, noch der liehten blůmen schin. Al min froͤide lit An ir, Dú wol mag vertriben Swas ich sorgen ie gewan; Der hat si gar gewalt. Si ist dú minnecliche, lieb mir Vor allen wiben. Des bin ich, vil sender man, In sorgen worden alt. Das mag dú vil kúsche wol erwenden; Wil dú gůte mir ir helferiche helfe senden, Son darf mich nicht belangen der vil suͤsse bernden zit.[2 - In der Handschrift: Son darf mich blangen der vil süsse bernden zit.] Reinú wib dú sint So gar Von der diet gescheiden, Das da heissent valschú wib; Dest min herze vro. Nu ist dú gůte valsches bar; Davon můs mir leiden Der vil valschen wibe lib. Min herze stuͤnde ho, Ob mir der vil gůten eine brehte Mit ir guͤte hohen můt. We, was ich danne gedehte Mit sange, das es erben muͤste an mines kindes kint! Frouwe Minne, tůt[3 - In der Handschrift: Frouwen minne tůt so wol.] So wol! Lat mich des geniessen, Das ich der vil gůten bin Mit stete holt, ane allen wank! Ob ich des geniessen sol, So moͤht úch verdriessen, Das si mines herzen sin An froͤiden machet krank. Si kan dehsen, swingen in der mâsse, Und wil behuͤten, das niht bestieben lâsse Ir roten munt, der mich vil dike machet hochgemůt. Dú vil here wil Mich lan Nach ir grůsse sterben, Ane aller slahte schulde gar: Des můs ich trurig sin, Und in senden sorgen stan. In kan niht gewerben, Das ir wolstenden ougen clar Iht wellen růchen min. Das clage ich dir, Minne, von der suͤssen, Sit das si mir niht enwil min sende swere buͤssen. Minne, fuͤge enzit, das es werde ein gemeines spil. (Die dritte Strophe diese Liedes steht in der Samml. von Minnesing. Th. I. S. 22.) II Summer, diner froͤidebernden wunne Froͤwet sich maniges senden herzen můt, Ob dú nahtegal iht singen kunne Gegen des wunneclichen meyen blůt. Ja si singet aber me, Sit zergangen ist der sne; Nu twinget mich min kumber aber als e. Wie moͤht ich den kumber min erliden, Ich entet es durh ein reine wib? Disen sumer můs ich froͤide miden, Es enwende ir kúscher wibes lip, Dú mich her betwungen hat, Unde mich in sorgen lat, Und doch an ir eine al min froͤide stat. Sit ich bin gebunden mit den banden, Das dú senden heissent minne bant; So mac si mich loͤsen mit ir handen, Sit si treit so helferiche hant. Frouwe ob allen frouwen min, Wendent minen senden pin! Durh úwer zuht lant mich bi froͤiden sin! Disú lied wil ich der lieben singen, Der ich lange her gesungen han. Si kan beide dehsen unde swingen. Dur ir guͤte sol si mich erlan, Das ich niht in sorgen si, Sit mir wont dú froͤide bi. Vil selig wib, nu tů mich sorgen vri! Sit an miner herzelieben frouwen Gar min heil und al min leben lit, Minne, so la dine guͤte schouwen, Und scheide disen suͤssen strit. Minne, min dich underwint, Wan ich bin der sinne ein kint! Nu bint die gůten, alde mich entbint! (Die vierte Strophe dieses Liedes steht in der Samml. von Minnesing. Th. I. S. 23.) III Wir suln aber schone enpfahen Meyen, der kan froͤide bringen Und vil maniger hande wunne, Liehte blůmen, rosen rot. Sit das uns wil froͤide nahen, So suln wir mit froͤiden singen. We im, der uns froͤide erbunne! Dem si wernde froͤide tot! Wol im, der uns froͤide mere, Sit man lútzel froͤide hat! We ime, der uns truren mere! Wol ime, der uns leit verkere, Sit dú werlt mit truren stat! Lieblich bliken von den wiben, Dar und dan, mit spilnden ougen, Das kan sende swere buͤssen, Und freut sende siechen man. Es kan sendú leit vertriben, Swa ein man sin liep siht tougen Und vil minneclichen gruͤssen, Und es lachelich sicht an.[4 - In der Handschrift:Und minneclichen gruͤssenUnd es lachelich sich an,] Lache, das mir sorge swinde, Lachelich, ein roter munt! Sit din lachen mich enbinde Von den sorgen, das ich vinde Froͤide: dast ein lieblich funt. Reinú wib, durh úwer guͤte Lant mich senden úch erbarmen, Das mich dú vil wolgetane Hat geheissen hinnanfúr. Ob mich das durh niht enmůte, Wan das man mich siht sust armen In den froͤiden, froͤiden ane, Das ist leider an mir spúr. ‚Hinnanfúr‘, das wort mir wendet Froͤide; ich bin an froͤiden tot. ‚Hinnanfúr‘, das wort mich sendet In den tot, ob es niht wendet Ir munt gar durblúhtig rot. Ich gesach von rotem munde Nie so lacheliches lachen, Als dú minnecliche lachet, Swenne si  liebe lachen wil. Bas, dan ich erdenken kunde, Kan si liebe liebi machen. Swa sis  liebe liebe machet, Da hebt sich der wunnen spil. Minne, wer, das si iht lache, Swenne ich  si mit ougen sehe! Wiltu,  das mir sorge swache, Suͤssú Minne, an ir das mache, Das si dir gewaltes jehe. Ich můs wol von schulden sorgen, Wie mir von der minneclichen, Nach der ich zallen ziten brinne, Miner swere werde bůs. Beidú abent und den morgen Sorge wil mir niht entwichen: Das clage ich der suͤssen Minne. Das die minnekliche ir grůs Mir verseite und ouch ir hulde, Das tůt minem herzen we. Wer es doch von miner schulde, Das ich kumber von ir dulde, Son geklaget ichs niemer me. IIII Selig si dú heide! Selig si dú ouwe! Selig si der kleinen vogellinen suͤsser sank! Blůmen, loub, dú heide Stant in maniger schouwe. Die der kalte winter húre mit sinem froste twank, Dien ist an ir froͤiden wol gelungen; Als moͤht ouch ich an minen froͤiden wider jungen, Troste mich ein roter munt, nach dem min herze ie rank. Mir was,  wie min swere Hete ein lieplich ende, Do mir seite ein botte, ich solde in froͤiden froͤlich sin. Ich was froͤidebere, Sorge was ellende In mime herzen, do ich wande, ir mundes roter schin Der wolde in min herze lieblich lachen. Alse kan dú Minne ein wunder an uns beiden machen.[5 - In der Handschrift, so wie in der Samml. v. Minnesing.: Ald kan dú minne…] Minne, tů mir swie du wellest! der gewalt ist din. Roter munt, nu lache, Das mir sorge swinde! Roter munt, nu lache, das mir sendes leit zerge! Lachen du mir mache, Das ich froͤide vinde! Roter munt, nu lache, das min herze fro beste! Sit din lachen mir git hohgemuͤte, Neyna, roter munt, so lache mir durh dine guͤte Lacheliche, roͤseleht! Wes bedoͤrfte ich me? Minnenklich gedinge Froͤit mich mange stunde, Das mich troͤste ein roter munt, Des ich noch nie vergas. Minnenklich  gedinge, Ob ich das da funde, So kunde mir uf erde niemer werden bas. Roter munt, hilf mir von den noͤten! Ane Got so kan dich nieman alse wol geroͤten; Got der was in froͤiden, do er dich als ebene mas. Wolde mir dú here Sende sorge ringen, Das neme ich fúr der vogel sang Und fúr der blůmen schin; Und si nach miner lere Růhte froͤide bringen Mir, so were min truren krank, Und wolte in froͤiden iemer sin. Hilf mir, helferichú, suͤsse Minne! Twinc die lieben, sam si hat betwungen mine sinne, Untz si bedenke minen senelichen pin. (Die zweyte und vierte Strophe dieses Liedes steht in der Samml. von Minnesing. Th. I S. 22; nur ist die vierte durch das Auslassen der siebenten Zeile ganz unverständlich.) V Walt, Heide, anger, vogelsingen Sint verdorben von des kalten winters zit. Da man blůmen sach ufdringen, Da ist es blos. Nu schouwent, wie dú heide lit! Das klage ich; so klage ich mine swere, Das ich der unmere Bin, der ich gerne lieb in herzen were. Frouwe Minne, das ist alles din gewalt.[6 - Durch eine eigene Künsteley schliesst jede Strophe dieses Liedes mit derselben Sylbe, mit der sie anfängt.] Bar Min herze in bernder wunne? Das was, swenne ich sach ir wunneklichen schin Und ir ougen, sam der sunne, Dur min ougen lúhten in das herze min. Darnach wart  mir leit in kurzen stunden. O we, minne wunden! Wie hast du dich min sus underwunden, Das ich sender, siecher bin noch froͤiden bar? Bant Dú Minne mich der suͤssen, Und lat die vil lieben sunder truren gan? Minne, wie wilt dus gebuͤssen? Minne, ich hans da fúr, es si niht gůt getan, Minne, hilf enzit! ich můs verderben Und an froͤiden sterben. Sol ich niht den roten kus erwerben, So ist mir froͤiden straze in rúwen pfat gebant. Los, In rehter wibes guͤte, Sach ich zeinem male ir küschen wibes lip. Davon froͤit sich min gemuͤte, Das ich dachte: ja, du reine selig wib, Du macht mir wol minen kumber wenden Und helfe senden. Frouwe Minne, troͤstent mich vil senden, Wan ich stan von úweren schulden froͤidelos. Wer Kan mich nu fro gemachen? Nieman, dan ir minneklicher roter munt. Wil mir der von herzen lachen, Davon wirde ich sender, siecher wol gesunt. Gůten wip, nu wúnschent, das dú here Mich die strasse lere, Wa ich usser leide in liebe kere. Minne! hilf, das mich dú liebe ir liebe wer. (Die dritte Strophe dieses Liedes steht in der Samml. von Minnesing. Th. I. S. 22.) VI Hy, Wie wunnenklich dú heide Sich mit manigem spehen kleide Gegen dem meigen hat bekleit! Loup, gras, blůmen, vogellin, beide Die man sach in manigem leide — Gar verswunden ist ir leit. Alsò mehte ouch mir verswinden Sorge, dú von froͤide ie swant. Wolde froͤide e sorge enbinden, Sit das froͤide ie sorge embant; So wurde ich sorgen fri.[7 - Auch dieses Lied hat sehr gekünstelte Reime. Nicht nur reimt das erste Wort der Strophe mit dem letzten; sondern der männliche Reim ist auch jedesmahl mit dem vorhergehenden weiblichen von Einem Stamme. Eine ähnliche Reimkünsteley zeichnet das XXVI. Lied aus.] Do Min ouge erkos die suͤssen, Do wart mir ein lieblich gruͤssen, Roͤseleht ein roter grůs. Do dahte ich: dú ougen muͤssen Dir vil senden kumber buͤssen; Anders dir wirt niemer bůs Sorgen, es enwende ir guͤte. Dannoch was ir guͤte gůt. Sam die rosen in touwen bluͤte, Was ir munt rot als ein blůt. O we! dannoch was ich vro. Wer Kan froͤlich fro beliben, Wan bi reinen lieben wiben? Hi, wie suͤsse name, ein wib! Wip kan sendú leit vertriben; Wol ir reinen lieben liben! Ouch si hant so lieben lip, Das mich nach in můs belangen; Bi in ist dú wile unlank. Swa liep lieb hat umbevangen, Dast ein  suͤsser umbevank, Lieplich nach der Minne ger. We Der gar verlornen stunde, Das mir senden nien enkunde Lieplich kússen werden kunt Von ir rosenvarwen munde! O we, Minne, das din wunde Mich so lange hat verwunt! Ich bin von dir ungeheilet, Ich gewan gegen dir nie heil. Minne, das du sist verteilet! Hab ouch dir der minne ein teil, Du verwundest mich niht me. Was Doug minnekliches singen? Wa sint wip, die kunnen twingen? Wa sint man, die Minne ie getwang? Wer kan stete froͤide bringen? Wer kan sorge us herzen dringen? Minne ie sorge us herzen drang, Von der wibes ougenbliken Da man sach ein suͤssen blig. Si went sich der Minne entstricken; Man sint sunder Minne strig: Welt, davon trage ich dir has! (Die zweyte Strophe dieses Liedes steht in der Samml. von Minnesing. Th. I. S. 22. 23.) VII Wer gesach ie wunneklichen me den suͤssen meigen? Wer gesach ie bas bekleit den walt und ouch die wunneklichen heide? Wer gehort ie bas dú kleinen vogellin gesingen Gegen der wunneklichen wunne in maniger suͤsser wunneklicher wise? Da gegen froͤit sich manig herze, wan das mine alleine … ......... .[8 - Die funfzehnte Zeile reimt mit der ersten, die sechszehnte mit der zweyten u. s. f. Daraus ergibt sich, dass die sechste und siebente Zeile fehlen. In der Handschrift ist dieses nicht bemerkt, sondern die sechste Zeile: O we als der Anfang der zweyten Strophe, die dreyzehnte: Ir vil wunneklichen als der Anfang der dritten Strophe angegeben.] O we trútelehter lip, sol ich alsus verderben! O we spilnder ougen schin! hei munt, gevar nach wunneklichen rosen! Herze trut, ir wuͤstet an mir úwer vriges eigen. Wie zimt wibes guͤte das, ob ich in senden sorgen sus verdirbe? Liebú frouwe, ich habe iu lange her gedienet von kinde, Des lat mich geniessen, seht, so wirde ich froͤideriche. Ob des niht geschiht, so můs min spilende froͤide ein ende han. Ir vil wunnenklichen wip, ir wolgemůten leigen, Wúnschent, das mis herzen trut mich von den senelichen sorgen scheide. So bitte ich die gůten, das sie lasse mir gelingen. Suͤsse Minne, ob das geschiht, darumbe ich dine werden tugende prise. Minne, du weist wol, es ist dú liebe, die ich da meine: Hilf, das mir dú here troͤste min gemuͤte; Ob des niht geschiht, so wirt mir sender sorgen niemer rat. O we, Minne, sol ich niht den roten kus erwerben, Und den suͤssen umbevank, darzů ir minneklichen lip, den losen? Suͤssú Minne, maht du herzeliep an mir erzeigen, Nu was treit dich fúr, ob ich nah der vil herzelieben in liebe stirbe? Minne, ich můs verderben, ob ich niht die froͤide vinde. Ach dur Got, vil selig wib, noch helfent helfeliche! Suͤssú Minne, frage si dur Got, was ich ir habe getan. VIII Nu stet dú liebe heide bar Der wunnenklichen blůmen und der liehten rosen rot; Der walt hat sich entkleidet gar, Des lident aber dú kleinen vogellin vil grosse not. — Was klage ich tumber vogelin sang? Wan klage ich niht die sweren zit, Das ich der minneklichen han gedienet alles ane dank? Si lone mir, si lone niht, So ist si doch mis herzen trost und ouch dú vrouwe min. Ich dien ouch ir, swas mir geschiht;[9 - In der Handschrift: Ich ouch ir swas mir geschiht.] Si můs dú erste und ouch min leste vnz an min ende sin. Ir ougenblik der vie mich so, Das ich von ir niht scheiden mag, Swie selten mich dú herzeliebe hat gemachet fro. Ach herre Got, wie schone ein wib! Ja milter Got, wie rehte minnenklich ist sie gestalt! Ja suͤsser Got, wie lieb ein lib Gesach in Got, der ir vil reinen libes hat gewalt! Ir spiegel lichten ougen clar, Solde ich die mit gewalt ansehen, So swuͤre ich wol, das mir gewühse niemer grawes har. Wie gar unmassen sanfte tůt Ein lieblich kússen und ein minneklicher umbevank! Si liebet lieb und hoͤhet můt; Da wirt dú sende sorge bi dem ungemuͤte krank. Swer lieb bi herzeliebe lit, E naher und e naher bas, Da můs dú sende sorge lan der froͤide gar den strit. Si ist tougen in mis herzen grunt, Die ich von erst ze herzelieben frouwen mir erkos; Davon so wirt es ungesunt. Was schat der lieben, das si schoͤner ist und dabi los? Von liebe kan ich niht gesagen, Mir wart so liebes nie niht mer; Des wolde ich uf genade gerne ein gluͤndes isen tragen. VIIII Loup, gras, blůmen, vogel singen, Vor dem walde und in den ouwen, Uf der heide rosenrot, Die der meige uns kan bringen — Da mag man den rifen schouwen. Doch klage ich ein ander not Von der minnenklichen, suͤssen, Dú mich lieplich solde gruͤssen. Minne, das solt du mir buͤssen, Sit ich mich der lieben ie ze dienste bot.[10 - In der Handschrift: Sit ich mich der lie ze dienste bot.] Sit min sendes herze weinet Nach der lieben, die ich da  meine, We, warumbe tůt es das, Und ir herze ist unvereinet, Das es nach dem min niht weine? Minne, sich, das ist din has, Den ich sender, siecher dulde Gar an alle mine schulde. Minne, hilf mir umb ir hulde, Das si mich nach wibes guͤte troͤste bas. Solde ich si vil minneklichen Sehen, als ichs zeinen male Sach, so wer min froͤide gros, Und were in seldenrichen Wan. Das mich ir minne strale[11 - In der Handschrift:Solde ich si vil minneklicheSehen als ich sie zeinen maleSach so wer min froͤide grosUnd were in seldenricheWan das mich ir minne strale.In der siebenten Zeile steht: das (wie öfter) statt dast oder das ist, und din bezieht sich mit einer nicht ungewöhnlichen Härte auf das mit strale zu Einem Worte verbundene minne.] In das sende herze schos: Das din unverheilet wunde. Ob ir trost mir die verbunde Mit ir rosenvarwen munde, Wer were an froͤiden danne min genos? Ich wene, nieman kunne erdenken Was man wunne bi den wiben Vindet; si gent hohen můt. Swer den sorgen welle entwenken[12 - In der Handschrift: Swer den sorgen welle entwichen.] Der sol stete an in beliben, Wan si sint fúr truren gůt. Swem si lieplich blikent tougen In diu herzen mit den ougen, Das weis ich wol, sunder lougen, Das es von gemůten wiben sanfte tůt. Ich han minnenklich gesungen Der vil lieben und der Minne, Doch lat si mich trurig stan. So ist mir senden niht gelungen An mines herzen kúniginne, Davon wil ich singen lan, Und wil mich nu von ir scheiden.[13 - In der Handschrift: Und wil mich von ir scheiden.] Got der gebe gelúke uns beiden! Wer aber ich ein wilder heiden, Miner trúwe solt ich bas genossen han. X Sich hat Aber dú suͤssú zit verkeret![14 - In der Handschrift: Mich hat aber] Schouwent an dú wunnenklichen heide, Die mit manigen blůmen stůnt beschoͤnet! Kleiner vogellin truren aber meret, Dien der kalte winter tůt so leide; So ist der walt mit sange niht bedoͤnet. Also můs ouch mir min froͤide entwichen, Das mir nie von der vil minnenklichen Kunde werden miner swere rat. Wie kan Iemer ieman sanfter werden, Danne der lieb dur rehte liebe minnet, Und im lieb in liebe froͤide meret? Der hat himelriche hie uf erden, Ob er sich gegen liebe wol versinnet, Und in lieb in liebe liebe leret. Minne kan sich liebe dur liebe lieben; Das tůt si niht, wan eht Minne dieben. Rehte liebe ist valscher liebe gran. Es tůt Sanfte ein lieblich umbevahen Zwein gelieben, sit dú naht so langet. Lieplich smuken nach der liebe willen — Solt ichs tůn, ich seite wol wie nahen, Sit das lieb bi liebe niht belanget Lieb kan … Mangelt ein gantz Folienblatt, welches ausgeschnitten worden.[15 - Wenn noch ein Zweifel obwalten sollte, ob die Bremer Handschrift eine Abschrift der Pariser ist, so kann dieses ausgeschnittene Blatt auf den ersten Blick die Sache entscheiden.] XI Beschiht des niht, so můs ich eine Sterben in vil kurzer vrist, Sit du bist Dú suͤsse reine, Dú mir froͤide geben sol. Hilfa, helferiches wib, E das mir der lib Verderbe! Suͤssú frouwe, so tůst du wol. XII Was vervahet Mich des wunnenklichen meigen zit, Der uns nahet, Und manigen herzen froͤide git? Blůmen und vogelsank, Der beider Trost ist, leider! Minen froͤiden alze krank. Min gemuͤte Hat betwungen ir vil suͤsser lip. So mit guͤte, So mit schoͤne, wart nie besser wip, Als mir min herze seit. Das wunder Hat besunder Got mit flisse an si geleit. Ja verkeret Mir ein wip die besten froͤide min. Der ich geeret, Von ir reinen tugenden, solde sin, Dú hat so betwungen mir Die sinne Mit ir minne, Das ich truren můs nach ir. Ich wil singen Gegen dem meigen minneklichen sang. Swere ringen Kan si, nach der min herz ie rang. Troste mich dú frouwe min, Dú gůte, Wolgemůte, Seht! so wolt ich froͤlich sin. Mit ir gruͤsse Mehte si mir wenden sweren pin; Der so suͤsse Froͤite mir das sende herze min. Roͤselechter roter munt, Scheit den strit, Und hilf enzit Mir! so bin ich wol gesunt. XIII Selig, selig si dú wunne! Selig si des wunnebernden meigen zit! Selig si der vogel singen! Selig si dú ouwe! selig si der walt! Man siht blůmen manigvalt Durh das gruͤne gras ufdringen, Mer danne ich erdenken kunne. Tanzen, springen Suln die jungen wider strit. Nieman, nieman kan erdenken Was fúr seneliches truren besser si, Danne ein kus von rotem munde Und darzů ein minneklicher umbevank. Da wirt sendes truren krank, Es froͤit uf von herzen grunde. Ermel flechten, bein verschrenken — In der stunde Wirt dú liebe sorgen fri. Wafen! wafen úber die Minne! Wafen wil ich úber si schrien iemer me. Ich was ir daher gebunden, Nu lat si mich trurekliche vor ir gan. Si hat úbel an mir getan. Si můs einem andern wunden Herze, můt und al die sinne. Wol befunden Habe ich, das si tůt so we. Frouwe, frouwe, selig frouwe, Herzen trut, ir sint mir liep fúr ellú wib, Der ich selten han genossen, Davon ich niht mere fúrbas singen wil; Es dúhte úch vil gar ein spil. Iu hat dike min verdrossen, Des ich mich vil trurig schouwe; Vor beslossen Ist mir froͤide und iuwer lip. Wol dir! Wol dir, wibes guͤte! Wol dir! das du selig iemer muͤssest sin! Wol dir! du kanst truren swachen, Swa dú Minne ein sendes herze hat verwunt. Din vil rosevarwer munt, So der lieplich wolde lachen, San der rose in touwes blůte! Froͤide machen Kan din spilnder ougenschin. XIIII Schouwent uf den anger! Winter wert niht langer, Kleine vogel twang er; Dú heide ist worden swanger, Si birt uns rosen rot; Man horet vogel singen, Man siht blůmen entspringen, Dur das gras ufdringen, Ir swere wil sich ringen, Als in dú zit gebot. Alsus enpfahen wir den suͤssen meigen. Wol uf, ir húbeschen leigen! Wir suln die froͤide heigen, Vil froͤlich tanzen, reigen. Ahi, solt ich mich zweigen Mit ir, Dú mir Mag wenden sende not! Lat mir sorge swinden, Lat mich froͤide vinden, Lat den chrieg erwinden. Ir sult úch underwinden Mis herzen, selig wip! Frouwe, ir sult mir meren Froͤide, leit verkeren, Hohgemuͤte leren. Minne, bit die heren, Das mich ir kúscher lip Troͤste: nu ist si doch min kúniginne! Vil minnenklichú Minne, Troͤste mine sinne, Sit ich nach liebe brinne! Ob ich den trost gewinne, Der tag Mir mag Wol heissen leit vertrip. Wer kan truren swachen? Wer kan froͤide machen Mit viel lieben sachen? Wer kan lieplich lachen? Ir mundes roter schin. Wer kan truren wenden? Wer kan sorge swenden, Sende not vol enden? Wer kan helfe senden? Dú vil liebe frouwe min. Dú mich hat von kinde her gebunden, Si kan min herze wunden. Das hab ich wol befunden, Das ich bin úberwunden Nu und zallen stunden. Si sol Mir wol Dur reht genedig sin. Wer kan lit vertriben? Wer kan fro beliben? Nieman, wan bi wiben. Des wol ir suͤssen liben! Si sint fúr truren gůt. Als des meigen bluͤte Froͤit ir wiblich guͤte; Si gent hohgemuͤte. Das got ir lip behuͤte! Doch mir einú tůt Selten liep, die ich mit truͤwen meine, Dú suͤsse und dú vil reine, Der helfe ist gegen mir cleine; Der ich von kindesbeine Gedienet han alleine, Das sie Noch nie Getroste mir den můt! Ach, wan solt ich schouwen Liep mins herzen frouwen! In den grúnen ouwen, In lúft und ouch in touwen, Wart liebers nie gesehen, Das so lieblich were, Gůt fúr sende swere, Sam dú seldebere. Wie wol ich das bewere, Kunde ich ze rehte spehen Ir munt, ir kel unde ouch ir wangen; Dú hant mich gevangen. Nach ir můs mich belangen; Het ich den trost enpfangen, So wer min leit zergangen. Ich han Noch wan, Das mir wil liep beschehen. XV Nu schouwent, wie dú heide Mit liehter ougenweide Sint verdorben, und der cleinen voglin sank. Das schaffent kalde winde. Der walt und ouch die linde, Die sint nu beide ir gruͤnen loubes aber worden krank. Jarlank Tete sanfte ein umbevahen, Ein lieplich druken, nahen. Ich han gedingen, das mir werde ein suͤsser umbevank. Swies mir so wol ergienge, Das si mich umbevienge, So muͤst ich von den suͤssen froͤiden sende sorge lan. Ob ich den trost da funde, Davon min leit verswunde; So wolde ich us herzeleide in herzeliebi gan. Ich han Trost, das mich ir wiplich guͤte Vor sender not behuͤte. Sus segen ich mich des morgens mit ir, so ich wil ufstan. Ein kuss von roten munde, Der von des herzen grunde Von zwein gelieben gienge, das tete innekliche wol. Swa Minne ir liebi wege Gelich, und das si pflege Froͤide, davon wurden sendú herzen froͤiden vol. Mir sol Liep ein lieplich ende machen (Davon zwei herzen erlachen, Der lieben mir, das min ir), sit ich senden kumber dol. Do ich die reinen gůten, Die suͤssen, wol gemůten Von erst ansach, darnach do wart min herze sorgen bar; Do hat ich den gedingen, Das si mich wolde dringen Hin an der froͤide stat. Das hat sie mich enterbet gar. Nim war, Frouwe Minne, wie ichs meine,[16 - In der Handschrift: Nim frouwe Minne war ichs meine.] Das si so rehte kleine Mich senden troͤstet, und ich doch mit trúwen diene dar. O we, sol ich verderben, Und in der sorge ersterben, Frouwe Minne, und ir, vil selig wib, wie stat iu beiden das? Vil minneklichú Minne, Sprich, das min kúniginne, Durch wibes guͤte, sich gegen mir ein teil bedenke bas. Nu was Toug mir gar ze langes biten? Es wer wol in den ziten, Das si mir solde lonen! – Minne treit den alten has. XVI Ich hore aber die vogel singen, In dem walde suͤsse erklingen; Dringen Siht man bluͤmen durh das gras. Was Dú sumer wunne in leide; Nu hat aber dú liebe heide Beide Blůmen und rosen rot. Meige kumt mit maniger blůt. Tůt Mir wol dú minnenkliche, Seht, so wirde ich froͤideriche, Sunder not, vil maniger sorgen fri. Gunde mir dú seldebere, Das ir trost mir froͤide bere; Swere Wolde ich sender lan. Han Ich trost, der ist doch cleine, Sin entroͤste mich alleine. Reine, Selig wib, nu troͤstet bas! Minne, hilf! es ist an der zit. Sit Min trost lit an der suͤssen, So mag si mir swere buͤssen. Nu durh was tůt si mir alse we? Ob ir roter munt mir gunde, Das ein kus die not enbunde: Wunde Von der Minne wurde heil; Heil, Gelúke, selde und ere Het ich sender iemer mere. Here, Selig wib, nu troͤstent bas! O we suͤsser, roter munt, Wunt Wart ich von dinen schulden, Do ich der lieben muͤste hulden. Das sint leit, dú mich noch machent gra. Wunder kanst du, suͤssú Minne! Minne, in diner glůt ich brinne; Sinne, Herze, můt hast du mir hin. In Min herze, sunder lougen, Sach ein wib mit spilnden ougen, Tougen: Dannoch was ich vil gemeit. Herzen trut, nu tůt so wol! Sol Ich sender fro beliben, So sult ir von mir vertriben,[17 - In der Handschrift: So sult ir von mir triben.] Selig wib, die not, so wirde ich fro. Wie zimt nu der suͤssen heren, Das si mich kan truren leren? Meren Moͤhte si wol froͤide mir. Ir Vil minnekliches lachen Kan mir sendes truren swachen; Machen Moͤhte si mich sorgen bar. Owe suͤsser, roter munt! Wunt Bin ich an hohgemuͤte. Roter munt, durh dine guͤte, Nu sprich dar! du weist wol mine bette. XVII Sumer, uns hat din schoͤne Blůmen braht und vogel doͤne. Walt, anger, heid in gruͤne stat; Die hast du braht us noͤten. Nu wil mich min frouwe toͤten, Dú mich ane trost in sorgen lat. Mich hat bevangen minnekliche ir lib. Mit lieben dingen Kan si twingen. Hilf, troͤsterinne, selig wib! Solde ich ein wib umbevahen Liplich, ich weis wol wie nahen, Mehte es so minneklich geschehen, Das mich ir trost enpfienge, Trut min liep, und das ergienge; Man muͤste mich iemer froͤlich sehen. Nu vinde ich niht, wan haslich versagen. Mir benimt ir minne Froͤide und sinne, Des můs ich senden kumber tragen. Wib und wibes guͤte Sendent werendes hohgemuͤte. Wib kunnen froͤiden wunder geben, Wib kunnen froͤide machen. Wib kunnen frúnde frúntlich lachen, Wib liebent manne lip und leben. Wib, was din trúwe wirde und ere git! Wib, du kanst wenden Leit, liep senden. Was an wiben froͤide lit! XVIII.[18 - Durch das ganze Lied sind lauter reiche Reime gebraucht.] We dir, winter ungehúre! We dir! das du sist verteilet! Heide und ouwe ist blůmen bar. Swas mit froͤiden stunt noch húre, Das hast du vil gar zerteilet. Swas der suͤsse meige bar, Das ist alles hingeleit Von den suren, kalden winden. Du wilt an uns niht erwinden: Das dien kleinen vogellin leit! We, der nahegender swere! Wenne wil si mir die ringen, Der min herze unsanfte enbirt? Si sint mir ein teil ze swere. In den sorgen můs ich ringen. Ob si dan niht froͤide birt Mir vil sendelosen man, So verdirbe ich an dem libe. Ist das ich niht fro belibe, Ratent, ob ich fúrbas man. Minne, heile minne wunden, Die ich dulde zallen malen. Wiltu, das ich sorge enber, Sit du dichs hast underwunden; Bit ir lib, den lieht gemalen, Das er mir noh froͤide ber, Sit er sich min underwant. Frouwe, suͤsse, seldebere, Iwer lon ist mir gebere, So ist ouch min dienest zú gewant. Si mag mir wol helfe senden, Sit ich lebe in maniger sende; So ist min weg hin zir gebant. Si mag troͤsten mich vil senden, Sit ich ir min herze sende, Das dú suͤsse Minne ie bant. Seht, so wurde ich noch gemeit, Were, das ich si umbevienge, Und das sis fúr gůt enpfienge, Dú durh kúsche unkúsche ie meit. Si mag sich des wol vermessen, Das so schoͤne creatúre Nie wart bi maniger zit geborn. Man sol si niht zů den messen, Den dú selbe schoͤne ist túre. Alle untugende hat si verborn, Si hat selde, si hat heil. Hei, gewunne ich noch die kúnde,[19 - In der Handschrift: Hei gewnne ich ir noch die kúnde.] Das ich si erwerben kúnde, Seht, so were min wunde heil. XIX Merkent wunder u. w. Zwey Strophen. (S. Samml. von Minnesing. Th. I. S. 23.) XX Seht an die heide! Seht an den gruͤnen walt! Liehter ougenweide, Der hant si gewalt, Blůmen, loup, dú beide: Mit manigem huͤbschen kleide So sint si bekleit. Dien tet vil leide Der lange winter kalt; Balde hinnen scheide Sin twingen manigvalt! Valwe loͤke, reide Tragent junge, stolze meide; Des sint si gemeit. Var hin verwassen, Vil gar verteilter sne! Du můst uns aber lassen Die blůmen und den kle Uf des meigen strassen; Dien tete du vil we. Da die vogel sassen, Ir sang gegen sange massen, Die froͤiwent sich als e. Mich wil betwingen, Das mich durch lieb ie twang, Das ich nu můs ringen, Darnach min herz ie rank. Ich wil aber singen Der lieben uf gedingen; Min trost an ir lit. La mir gelingen, Sit das mir nie gelang, Minne, an lieben dingen; So wirt min truren krank. Si kan swere ringen, Die sorge us herzen dringen; Mir were lones zit. Kus von ir munde, Ich wene, er sanfte tůt; Der ist zaller stunde Noch roter danne ein blůt. Eya, minne wunde! Du machest ungemůt; Ob din trost mir gunde, Das mir ein kus die bunde, So dúhte si mich gůt. Mich hat gebunden Der suͤssen Minne bant. Minnekliches wunden, Nach dir min herze ie swant. Si hat niht erwunden, Sich habe min underwunden Ir munt rosen rot. Minne und ir chunden Die sint mir wol erkant. Hette ich helfe funden, So wer min dienst bewant. Nu hat si mich funden In truren zallen stunden, Davon lide ich not. Mich hat verseret Ir liehter ougen schin. Wer hat geleret Die lieben frouwen min, Das ir guͤte meret Mir lange wernden pin? Minne, swer dich eret, Des můt wirt gar verkeret; Nu bin ich doch din. O we der swere, Die ich von Minnen han! Der ich sanfte enbere, Wand ein vil lieber wan, Der ist froͤidebere. Dabi ist mir gevere Dú Minne und ir has; Si ist mir ze swere, Davon ich trurig gan. Ob ich sinnig were, Des solt ich mich erlan. Minneclichú mere, Mir bernde froͤide bere. Nu troͤste mich bas, Lieblichú Minne! Min sendes herze ist wunt, Sit das ich brinne Nach liebe zaller stunt. Sorgen troͤsterinne, Dir ist min iamer kunt; Troͤste mine sinne, Das ich den kus gewinne! Sprich ja, roter munt! (Die erste Strophe dieses Liedes steht in der Samml. von Minnesingern, Th. I. S. 23.) XXI Lob von mangen zungen Wart dem meigen húre gesungen Von den voglin dur den gruͤnen walt: Die hat nu betwungen Und jemerlich verdrungen Rife, sne, darzů der winter kalt; Des vil manig herze truric stat. Darzů truret ouch das mine Nach dem froͤidebernden schine, Der von ir vil rotem munde gat. Mir was froͤide entsprungen; Leider, nu ist mir niht gelungen An der lieben, dú min hat gewalt. Wer min sank erklungen Ir, so muͤste ich wider jungen; Sust bin ich in sorgen worden alt. Frouwe Minne, gib mir dinen rat, Alder ich lebe in sendem pine! Frouwe, uf die gnade dine Diene ich dir, swies mir darumbe ergat. Ich han mine stunde Vil gerungen nach dem munde, Der so lieplich ist, durlúhtig rot. Das mir nie enkunde Werden heil mis herzen wunde, Davon lide ich sender sende not. Minne, sich, du last mich trurig gan. Trost, der selden úbergulde, Frouwe, gent mir iwer hulde; Wan es můs doch an iu eine stan. Ob ir trost mir gunde, Das ein kus die not enbunde, Die dú herze liebú mir gebot, Und sich underwunde Lieb, und daran niht erwunde; So geschiede ich noch von sender not, Die ich von der herzelieben han, Gar ane alle mine schulde. Frouwe, sende not ich dulde. Nu, dur Got, was han ich iu getan? (Die erste Strophe dieses Liedes steht in der Samml. von Minnesing. Th. I. S. 23., wo aber das letzte Wort der ersten Zeile ausgefallen ist.) XXII We, was wunders lit an wiben, Sit ir guͤte kan vertriben Sendem herzen sende not! Der in lieplich siht in ougen, Mit gewalte und dabi tougen, Dem ist al sin truren tot. Ist im rehtú liebi bi, So ist beiden danne wol; Minne tůt si sorgen fri, Si striket beidiu herzen in ein, und wendet kumberliche dol. Wib, din minnenklich gebaren Kan der senden herzen varen. Wip, du bist ein suͤzer name; Wib, du kanst wol froͤide meren; Wib, du kanst wol froͤide leren, Dir ist wiplich ere zame. Wib, du gist ouch hohen můt; Wib, du gist ouch froͤiden vil; Wib, du bist fúr truren gůt: Des můs ich iemer selig sin, du bist der welte wunne spil. Heide und ouwe stůnt mit bluͤte Gegen des suͤssen meigen guͤte; Die sint beide worden val. Darzů wil der winter twingen Cleiner vogelin suͤsses singen, Das si swigent úberal. Das solt ich von schulden klagen; So klage ich ein ander not. Solt aber ichs der lieben sagen, Mich iamert nach ir minne me, danne nach den liehten rosen rot. Suͤsse Minne, mine sinne Jamert nach der lieben minne. Minne, hilf!  est an der zit. Minne, du kanst truren swenden, Hohgemuͤte in herze senden; Minne, din gewalt is wit. Minne, ich bin dir undertan; Minne, wis gewaltig min! O we Minne! solt ich han Ir minneklichen wibes lip, so were min truren gar dahin. XXIII Nu siht man aber die heide val; Nu siht man valwen gruͤnen walt; Nu hoͤrt man niht der kleinen voglin singen, Die sint geswigen úberal; Ir stimme diu was manigvalt. Die nahtegal die wil der winter twingen. Der not klage ich, und dabi mine swere, Die mir dú herzeliebe tůt; Davon so bin ich ungemůt. Nu ist si doch gůt Dú liebe, unwandelbere! Wa wart ie herzen me so wol, Dan da zwei sendú herzen sint Einmuͤtig, nach der suͤssen Minne willen? Sie sint so tougen froͤiden vol, Doch machet si dú Minne blint; Si kan in beiden herzeleit wol stillen. So froͤiwent sich besamen und niht besunder. Swa herzeliep bi liebe lit, Das wunnebernde froͤide git: Dast ane strit; Da tůt diu Minne ein wunder. Sit das dú Minne wunder kan, Warumbe tůt si wunder niht An mir, und an der minneklichen suͤssen? Nu bin ich doch ir dienestman. Swie man mich in dien sorgen siht, Das mag dú minnekliche mir wol buͤssen. Vil herú Minne, twing die froͤidenriche, Das si mir ir hulde gebe … .[20 - Hier ist in der Handschrift eine Zeile ausgelassen. Fehlt sie auch in der Pariser Handschrift?] Die wile ich lebe, Ich diene ir eigenliche. Wa wart ie múndelin so rot? Wa wart ie bas gestalter lip?[21 - In der Handschrift fehlt das erste Wort dieser Zeile.] Wa wurden ie so froͤlichstendú ougen? Dú mich hant braht in grosse not. Genade, minnekliches wib! Ach hette ich úwer suͤsse minne tougen! Nu wissent, das ich gerne bi úch were. Genade, rosevarwer munt! Wan machest du mich niht gesunt? Sprich zeiner stunt: Ich wil dir buͤssen swere. Nu lache, das ich fro beste! Nu lache, das mir werde wol! Vil roter munt, nu lache lacheliche! Nu lache, das min leit zerge, So wirde ich, sender, froͤiden vol. Nu lache, das mir ungemuͤte entwiche! Nu lache, das min sendú sorge swinde! Nu lache mich ein wenig an, Sit ich dir niht entwenchen kan, Ich sender man, Sit ich dich lieblich vinde. Einmuͤtig, dast ein lieplich wort; Einmuͤtig, das der minne gir; Einmuͤtig, sendú herzen froͤide leret; Einmuͤtig, das der liebe ein hort, Swie doch dú minnekliche mir Mit wibes guͤte selten froͤide meret. Einmuͤtig, mange suͤsse fruͤde machet; Einmuͤtig, froͤit ze maniger stunt. Einmuͤtig, dast ein lieplich funt, Swa roter munt Gegen liebe lieplich lachet. XXIIII Willekomen si uns der meige, Der uns bringet mangerhande blůt, Blůmen unde manigerleige, Das dien kleinen vogelin sanfte tůt! Doch můs ich verderben in den wunnen gar, Es enwende ir munt, vil innenklichen rosevar. Wibes ougenblike in guͤte Siht vil dike in sendes herzen tor. Swie dú here min gemuͤte Also selten zuket hoh enbor, Doch hab ich gedinge, das ich noh gelebe, Das mir dú vil minnekliche ein froͤideriches ende gebe. Wil si minen kumber wenden, So bin ich an froͤiden wol gesunt, Und ir guͤtlich helfe senden, So das ir vil rosevarwer munt Spreche ein wort, davon ich iemer fro beste: Tůt si des niht, dú vil reine, seht, so ist mir iemer we. Swas ich kumbers unde swere Liden můs, des mag wol werden rat, Swie si wil dú seldenbere, Dú min sendes herze bi ir hat. Si kan tehsen, swingen, beide als si sol; Solde ich si underwilent schouwen, wie were mir so wol! XXV O we liehten tage! O we blůmen rot! O we vogel sank! O we gruͤner walt! Nu wirt aber kalt, Nu der winter lank: Das ist der vogel not, Und ir meistú klage. Noch clage ich die schulde, Das      Dú seldenbere Enterbet mich ir hulde; Das sint mine swere, Die ich von ir dulde. Minne, wende ir suͤssen has! Minne, frouwe min, Tů mir helfe kunt! Hilfe an der zit! Bit das reine wib, Das ir kúscher lib Gegen mir lasse den strit, Und ir roter munt Mir tů helfe schin. Seht, so wolde ich singen Der    Vil reinen suͤssen, Dú kan swere ringen. Kan si dabi kumber buͤssen, Sol mir wol gelingen. Minne, sich, des bist du wer. Wip, din suͤsser nam Und din werdekeit Git vil hohen můt, Dem der tugende hat, Der untugende lat. Wie wol das tůt, Der wirt tugende bereit Und dú rehtú scham. Reiner wibes guͤte Kan    Wol froͤide leren, (Si git hoh gemuͤte) Dabi froͤide meren. Got si mir behuͤte, Die, der ich wol gůtes gan! Mich hat lieber wan In die froͤide braht, Das ich wande sin Von den armen gar. Nu wirt ich gewar An der vrouwen min, Ir ist ungedaht, Si wil lones lan Mich in senden sorgen. Mir      Ist we ze můte, Iemer an dem morgen So sorge ich nah gůte. Ich můs minne borgen; Vrouwe min, wie stet das dir? XXVI Nu ist dú heide wol bekleidet Mit wunnenklichen kleiden, Rosen sint ir besten kleid; Davon ir vil sorgen leidet, Wan si was in mangen leiden; Gar verswunden ist ir leid Von des liehten meigen bluͤte, Der hat mangerhande blůt: Noch froͤit bas der wibe guͤte, Wan die sint fúr sendú leit so gůt. Swas ich je gesank von wiben, Das beschah von einem wibe, Dú ist mir lieb fúr ellú wib; Von ir mag ich fro beliben. Wil si, das ich fro belibe, Das si spreche: fro belib! So wolde ich in froͤiden singen, Als ich her in froͤiden sank. Si mag mir wol swere ringen, Nach der ie min sendes herze rank. Suͤsse Minne, maht du binden Die, von der ich bin gebunden, Dú min sendes herze bant. Lat si mich genade vinden, Die ich doch han selten funden, Sit ich si in dem herzen vant. Alse rehte minnenklichen; Si ist so rehte minnenklich! Ich wil si darzů gelichen: Si ist den lieben wiben gar gelich. XXVII Ich wolde niht erwinden u. w. Vier Strophen. (S. Samml. von Minnesing. Th. I. S. 23.) XXVIII Wol den wolgemůten wiben! Wol dien mannen, die durh wip sint hohgemůt! Sit ir guͤte kan vertriben Sende not, des mir dú here niht entůt. Nu ist sis doch dú liebe alleine, Die ich vor allen wiben meine. Frouwe, selig frouwe, reine, Troͤstent mich! nu sint ir doch so gůt! Solde ich davon froeide lassen, Sit dú welt an froͤiden wil zergan? Nein, ich wil mich sorgen massen, Dur dú lieben, der ich her gedienet han. Si hat so manges wibes guͤte, Si ist gelich des meigen bluͤte, Swie dú here min gemuͤte Lat so lange in senden sorgen stan. Willekom si uns dú wunne,[22 - In der Handschrift: Wilkome si uns du wnne.] Die der meige bringet, und dú schone zit, Bas danne ich erdenken kunne. Schouwent, wie der walt und ouch dú heide lit[23 - In d. Handschr.: Schouwent wie der walt und dú heide lit.] Mit so mangen blůmen schoͤne; Da horte ich der vogel doͤne: Darumb ich den meigen kroͤne, Sit sin kunft der welte froͤide git. XXIX Was froͤit mich der vogelin guͤte Und des wunnenklichen meigen schin? Sol min froͤiderich gemuͤte Und min spilndes herze erwendet sin, Das tet mir ein wib mit guͤte. Das got noch ir eren huͤte, Swie si mir nu treit vil senden pin! Swa mitte ich verdienen kunde Der vil schonen hulde, das tete ich, Sit das mines herzen wunde Unverheilet stent, si heile mich. Davon mich ein wort enbunde, Ob si spreche us rotem munde: Trut geselle, es ist zit lones wider dich. Mir mag sorge us herzen dringen, Roter munt, din minnenklicher grůs. Lat din lachen mir gelingen An ir minne, so ist mir swere bůs. Ir vil minnekliches twingen An die brust, das mag mich bringen An die stat, da minne mich froͤwen můs. Wer kan truren bas verswenden, Danne ein reine minnekliches wib? Trost von wiben der kan wenden Sende sorge; kúscher wibes lip Der mag mir wol helfe senden. So nige ich den lieben henden: Wib, min froͤide von der sorge trip! Kan mich ieman fro gemachen? Ja, der lieben munt durlúhtig rot. So můs al min truren swachen, Scheidet mich ir trost von sender not. Man siht mich vil froͤlich lachen,[24 - In der Handschrift: Man siht mich froͤlich lachen.] Das min herze můs erkrachen, Machet mich dú liebe in froͤiden rot. XXX Rife und anehank Hat die heide betwungen, Das ir liehter schin Ist nach iamer gestalt; Und der vogel sang, Die mit froͤiden wol sungen, Die sint nu geswin; Darzů klage ich den walt, Der ist umbekleit. Dannoch kan si fuͤgen ..  herzeleit,[25 - Die ersten zwey Sylben dieser Zeile sind in der Feder des Abschreibers geblieben; vielleicht bůs fúr.] Dú das wasser in kruͤgen Von dem brunnen treit: nach der stet min gedank. Ich brach ir den krug, Do si gieng von dem brunnen. Ich wart froͤidenriche, Do ich die lieben sach; Do si das vertrug, Mir was sorge zerrunnen. Harte minnenkliche Dú liebe do sprach: ‚Ich han erebeit, Das ist von iweren schulden; Min frouwe tůt mir leit, Das ich alles můs dulden, Dú mich gester fúnf stunt dur úwern willen slůg.‘ Nu tů den willen min, So hilfe ich dir us noͤten, Und far sant mir hinne, So bist du ane zorn. ‚Des enmag niht sin! E liesse ich mich ertoͤten. Miner frouwen minne Were iemer me verlorn. Einen schillig sol Si mir und ein hemede; Das weis ich vil wol, Das were alles mir fremede. So mir das nu wirt, so tůn ich iu helfe schin.‘ XXXI O we, winter, das din kraft An uns ist so sigehaft! O we kleiner vogilline singen! O we liehten blůmen rot, Dien der meige das gebot, Das si dur das gras uf muͤsten dringen! Nu ist der walt sis gruͤnen loubes ane. Wafena! Ja ist mir da Dike we, und anders wa: Das tůt mir dú liebe wol getane. Es ist nu vil manig jar, Das ir liehten oůgen clar In min herze lieplich blihten tougen, Und ir rosevarwer munt Gegen mir tet sin lachen kunt, Darus spilten ir wol liehten ougen.[26 - Statt spilten steht in der Handschrift spilte.] Seht, do wart ich siech von minne wunden (Wafena! Dest mir da Dike we, und anderswa), Die stant noch von der lieben unverbunden. XXXII Sumer, nu wil din Gewalt Walt, Den anger und die heide, Beide Kleiden: dast dien kleinen vogelin not. Man siht blůmen manigvalt Valt An maniger stolzen meide; Reide Loke tragentz und múndel rot. Seht, der froͤide was vil nach zergangen. Ach mis herzen! ja můs mich belangen Nach dem trútelehten libe: o we, wan wer er min! Wil si, das mich leit Verber, Ber Mir froeide von ir munde: Wunde Von der minne wirt vil schiere heil. Das ir guͤte mich gewer! Wer Ist, der mir des verbunde? Kunde Ich flůchen, dem wúnschte ich, das im unheil Were bi vil lange untz an sin ende. Suͤssú Minne, suͤsse helfe sende! Des ist not, sit ich von dinen schulden sorge ie leit. Ach wie ist sogar Liep gůt! Gůt Neme ich niht fúr die ich meine. Si eine Troͤste mich; das ist der Minne has. Ir munt, roter danne ein blůt! Blůt Des meigen froͤit mich kleine. Конец ознакомительного фрагмента. Текст предоставлен ООО «ЛитРес». Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию (https://www.litres.ru/benecke-george-fried/beytrage-zur-kenntniss-der-altdeutschen-sprache-und-l/) на ЛитРес. 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Lied aus. 8 Die funfzehnte Zeile reimt mit der ersten, die sechszehnte mit der zweyten u. s. f. Daraus ergibt sich, dass die sechste und siebente Zeile fehlen. In der Handschrift ist dieses nicht bemerkt, sondern die sechste Zeile: O we als der Anfang der zweyten Strophe, die dreyzehnte: Ir vil wunneklichen als der Anfang der dritten Strophe angegeben. 9 In der Handschrift: Ich ouch ir swas mir geschiht. 10 In der Handschrift: Sit ich mich der lie ze dienste bot. 11 In der Handschrift: Solde ich si vil minnekliche Sehen als ich sie zeinen male Sach so wer min froͤide gros Und were in seldenriche Wan das mich ir minne strale. In der siebenten Zeile steht: das (wie öfter) statt dast oder das ist, und din bezieht sich mit einer nicht ungewöhnlichen Härte auf das mit strale zu Einem Worte verbundene minne. 12 In der Handschrift: Swer den sorgen welle entwichen. 13 In der Handschrift: Und wil mich von ir scheiden. 14 In der Handschrift: Mich hat aber 15 Wenn noch ein Zweifel obwalten sollte, ob die Bremer Handschrift eine Abschrift der Pariser ist, so kann dieses ausgeschnittene Blatt auf den ersten Blick die Sache entscheiden. 16 In der Handschrift: Nim frouwe Minne war ichs meine. 17 In der Handschrift: So sult ir von mir triben. 18 Durch das ganze Lied sind lauter reiche Reime gebraucht. 19 In der Handschrift: Hei gewnne ich ir noch die kúnde. 20 Hier ist in der Handschrift eine Zeile ausgelassen. Fehlt sie auch in der Pariser Handschrift? 21 In der Handschrift fehlt das erste Wort dieser Zeile. 22 In der Handschrift: Wilkome si uns du wnne. 23 In d. Handschr.: Schouwent wie der walt und dú heide lit. 24 In der Handschrift: Man siht mich froͤlich lachen. 25 Die ersten zwey Sylben dieser Zeile sind in der Feder des Abschreibers geblieben; vielleicht bůs fúr. 26 Statt spilten steht in der Handschrift spilte.