Gefährliche Dinge
Amy Blankenship


Blutsbundnis #3
Steven Wilder erlag der Versuchung, die mit dem Schläger schwang, auch auf andere Art, als nur, dass er vor ihr zu Boden gegangen war… er wollte sie haben. Als er herausfand, dass sie der Mafia versprochen war, fand er einen Grund, sie als Geisel zu nehmen und sie zu seiner Partnerin zu machen… natürlich zu ihrer eigenen Sicherheit.

Jeder sagt, es gibt zwei Wege im Leben, aber für Jewel Scott erschienen sie beide sehr gefährlich. Einer führte zu Anthony, einem mordenden, psychopathischen Werwolf, der auch der Anführer der Stadtmafia war, und ihr Verlobter… gegen ihren Willen. Der andere Weg führte zu Steven, einem Werpuma, den sie bei ihrem ersten Treffen mit einem Baseballschläger bewusstlos geschlagen hatte. Er zahlte es ihr zurück indem er sie als Geisel nahm und sie zu seiner Partnerin machte.

Steven Wilder erlag der Versuchung, die mit dem Schläger schwang, auch auf andere Art, als nur, dass er vor ihr zu Boden gegangen war… er wollte sie haben. Als er herausfand, dass sie der Mafia versprochen war, fand er einen Grund, sie als Geisel zu nehmen und sie zu seiner Partnerin zu machen… natürlich zu ihrer eigenen Sicherheit.

Anthony Valachi war besessen von Jewel, seit sie noch ein Kind war, und, gemäß den Regeln der Mafia, hatte er sie zu seiner zukünftigen Braut gemacht. Wenn jemand meinte, dass er sie von ihm stehlen konnte, dann lag er falsch… tödlich falsch.







GefÃ¤hrliche Dinge

BlutsbÃ¼ndnis-Serie Buch 3



Amy Blankenship, RK Melton

Translated by Martina Hillbrand (https://www.traduzionelibri.it/profilo_pubblico.asp?GUID=fed007dfaf061d98c1cfff6a25035574&caller=traduzioni)



Copyright Â© 2012 Amy Blankenship

Ins Deutsche Ã¼bersetzt von Martina Hillbrand

Zweite Auflage Herausgegeben von TekTime

Alle Rechte vorbehalten.



Kapitel 1

Envy lief in ihrem Schlafzimmer hin und her und packte einige ihrer Sachen in ihren schwarzen Lederkoffer. Sie hielt inne und starrte ihren Bruder bÃ¶se an, als sie bemerkte, dass er ihre Dinge wieder auspackte, wann immer sie ihm den RÃ¼cken zuwandte, um mehr zu holen. Sie hatte ihn am Hals seit sie nach Hause zurÃ¼ckgekommen war und langsam wurde es richtig nervig.

âHÃ¶r aufâ, sagte Envy bÃ¶se als sie ihm eine Handvoll KleidungsstÃ¼cke aus der Hand riss und sie zurÃ¼ck in den Koffer warf. Sie warf ihr langes, rotes Haar Ã¼ber ihre Schulter und schoss ihm einen warnenden Blick zu.

âAber ausziehen? Du kennst ihn doch erst seit, wasâ¦ einer Woche? Bist du sicher, dass es das ist, was du willst?â, wiederholte Chad wie ein Mantra.

âDie Antwort ist immer noch dieselbe, Chadâ, erklÃ¤rte Envy mit ruhiger Stimme und fragte sich, wie oft sie es noch sagen musste, bis er endlich auf sie hÃ¶rte. Sie suchte seinen Blick, behandelte ihn wie ein begriffsstutziges Kind und sagte sehr langsam: âIch will mit Devon zusammenziehen, und genau das werde ich tun.â

âWie kannst du sicher sein, dass er nicht in einer Woche oder einem Monat eine andere Frau findet und dich auf die StraÃe setzt?â, drÃ¤ngte Chad verzweifelt.

âWird er nicht.â Sie packte weiter, versuchte, das nagende GefÃ¼hl, dass sie ihren Bruder im Stich lieÃ, zu verdrÃ¤ngen. Er war ein erwachsener Mann, verdammt, und ein Polizist.

âAber du kannst dir nicht sicher sein. Ich meine, er tanzt jede Nacht halb nackt in einem Club und du wirst hinter der Bar festhÃ¤ngen und Perverslingen GetrÃ¤nke servierenâ, rief Chad, der sich am liebsten die Haare ausreiÃen wollte. Was er wirklich wollte, war, sie dafÃ¼r anzuschreien, dass sie sich mit so einer gefÃ¤hrlichen Sache einlieÃâ¦ so einer gefÃ¤hrlichen Person.

Envy hÃ¶rte auf zu packen und sah hoch zu ihrem einzigen Bruder, den sie aus ganzem Herzen liebte, aber den sie gerade am liebsten erdrosseln wÃ¼rde. âErstens: ich weiÃ es sicher. Zweitens: er ist vielleicht halb nackt, aber er sieht dabei fantastisch aus. Drittens: ich darf mit ihm in dem KÃ¤fig tanzen. Und viertensâ, sie beugte sich nach vor, als wollte sie ein kleines, schmutziges Geheimnis mit ihm teilen, âdu brauchst echt dringend Sex.â

Chad schenkte seiner Schwester einen bitterbÃ¶sen Blick. âIch brauche keinen Sexâ, knurrte er, als sie eine Augenbraue hob.

âDoch, tust du.â Sie riss eine Schublade auf und holte eine Handvoll sexy UnterwÃ¤sche hervor.

âNein, tue ich nicht.â Chad knallte den Deckel des Koffers zu, ehe sie sie zu dem hinzufÃ¼gen konnte, von dem er hoffte, dass es nur eine Ã¼bergroÃe Tasche fÃ¼r einen Wochenendausflug war.

âDoch, tust du.â Envy winkte mit der UnterwÃ¤sche vor seinem Gesicht, wie um ihrem Argument Nachdruck zu verleihen.

âNein, tue ich nicht.â Er riss sie ihr aus der Hand.

âNein, tust du nicht.â Sie zog ihre Augenbrauen wÃ¼tend zusammen, als sie ihn ansah.

âDoch, tue ich.â Chad hielt inne und boxte mit der Handvoll UnterwÃ¤sche in die Luft. âVERDAMMT!â

Devon war im Wohnzimmer, lehnte sich an die Wand, seine KnÃ¶chel Ã¼berkreuzt und seine HÃ¤nde in seinen Hosentaschenâ¦ versuchte, nicht laut loszulachen. Ihr Streit erinnerte ihn so sehr an seine Beziehung zu seinen eigenen, ihn liebenden, Geschwistern.

Er erkannte, dass Chad Envy wirklich liebte, und deshalb wÃ¼rde er sich ihnen nicht in den Weg stellen. Chad machte, was er am besten konnteâ¦ er war ein groÃer Bruder fÃ¼r eine feuerspeiende Rothaarige. Nein, er wÃ¼rde sich nicht einmischen, aber er wÃ¼rde viel bezahlen, nur um zusehen zu kÃ¶nnen.

Devon lachte laut und versuchte dann schnell, es mit einem Husten zu tarnen. Jemand klopfte an die TÃ¼r und seine eisblauen Augen wurden schmal als er sich fragte, wer, zur HÃ¶lle, die Geschwister vor Tagesanbruch besuchen sollte.

âDevon, kannst du nachsehen?â, rief Chad.

âKlarâ, antwortete Devon, drÃ¼ckte sich von der Wand ab und ging zur HaustÃ¼r. Als er die TÃ¼r Ã¶ffnete, konnte er ein Grinsen Ã¼ber Trevors Ã¼berraschten Gesichtsausdruck nicht unterdrÃ¼cken. âHi, Trevor. Lange nicht gesehen.â

Wie versprochen war Trevor gekommen, um mit Chad darÃ¼ber zu reden, was er in der Kirche gesehen hatte. Das Allerletzte, was er erwartet hatte, war, dass Devon Santos die TÃ¼r Ã¶ffnen wÃ¼rde. UnfÃ¤hig, seine Emotionen zu kontrollieren, hob Trevor sofort seine Faust und traf den Jaguar mitten auf der Naseâ¦ fest.

Devon stolperte ein paar Schritte zurÃ¼ck und wischte sich das Blut von der Nase. Er sah zu Trevor hoch und zeigte seine ZÃ¤hne. Ehe Trevor sich bewegen konnte, warf sich Devon auf ihn und riss ihn durch die TÃ¼r hinaus in den Vorgarten.

KleidungstÃ¼cke rissen und fielen zu Boden, als die beiden sich in ihre tierischen Gestalten verwandelten. Devon umkreiste den BraunbÃ¤ren und warf sich mit einem lauten Jaguar-Schrei auf ihn. Trevor brÃ¼llte und stieg hoch auf seine Hinterbeine, wÃ¤hrend er versuchte, den Jaguar, der sich an seinen RÃ¼cken klammerte, mit seinen Pratzen zu erwischen.

Drinnen hatten Chad und Envy Devons Schrei gehÃ¶rt und rannten durch das Haus zur EingangstÃ¼r. Sie erstarrten, als sie Devon in ihrem Garten mit einem riesigen BÃ¤ren kÃ¤mpfen sahen. Der Polizist war sofort froh darÃ¼ber, dass sie keine direkten Nachbarn hatten, die etwas sehen kÃ¶nnten.

Chad legte in seinem Kopf einen Schalter um und drehte alle Emotionen ab. Etwas in ihm machte Klick, und das half ihm immer, einen kÃ¼hlen Kopf zu bewahrenâ¦ auch mitten in einem Schussduell. Er griff nach der Pistole, die an seiner rechten HÃ¼fte hing, und schoss sie einmal in die Luft ab, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Er runzelte die Stirn, als die beiden nicht einmal zuckten, und er in den linken Arm geboxt wurde.

âSag es vorher, wenn du das Ding abfeuerst!â, rief Envy, wÃ¤hrend sie sich eine Hand Ã¼ber ihr rechtes Ohr hielt und Ã¼ber das laute GerÃ¤usch den Kopf einzog.

Zachary lieÃ das Auto stehen und seufzte tief Ã¼ber die beiden Kinder, die stritten. Wieder einmal wÃ¼rde jemand mit kÃ¼hlerem Kopf einschreiten mÃ¼ssen. Er grinste innerlich Ã¼ber den Scherz, denn niemand wÃ¼rde ihn je als kÃ¼hl beschreiben. Er hob eine Hand vor sich und schoss eine Hitzewelle auf die Formwandler ab, sodass sie beide zurÃ¼cksprangen, als eine einzige Feuerzunge durch den Garten schoss, sodass sie getrennt wurden.

âWenn ihr zwei euch nicht das Fell verbrennen wollt, dann solltet ihr euch jetzt schnell wieder in Menschen verwandeln und so tun, als hÃ¤ttet ihr noch ein wenig Verstand Ã¼brigâ, warnte Zachary, wÃ¤hrend eine weitere Flamme aus seiner ausgestreckten Hand wuchs. âWollt ihr beide euch benehmen wie Erwachsene oder wie Kinder, denn mir ist es egalâ, lÃ¤chelte er kÃ¼hl, als die Flamme hÃ¶her wurde und sich langsam auf ihr Ziel zu beugte.

Wissend, dass Zachary es tun wÃ¼rde, verwandelte sich Trevor wieder und starrte durch die Flammen auf seinen Gegner. Alleine den Mann anzustarren, der Envy von ihm gestohlen hatte, lieÃ seinen Blutdruck ansteigen, sodass er sich konzentrieren musste, nur um seine menschliche Gestalt zu behalten.

Devon verwandelte sich wieder, aber blieb immer noch angriffsbereit stehen, denn er traute Trevor kein Bisschen. Er wurde einen Augenblick lang abgelenkt von Chads lautem âGroÃer Gottâ, und sah schnell zu den Geschwistern hinÃ¼ber. Als er erkannte, wie Envy mit groÃen Augen Trevor anstarrteâ¦ der nun nackt war, knurrte Devon tief, denn er wollte ihre Aufmerksamkeit wieder dort haben, wo sie hingehÃ¶rteâ¦ auf ihm.

Envy rieb sich die Stirn, jetzt, wo beide MÃ¤nner nackt waren, zum GlÃ¼ck nur mit kleinen Verletzungen. Devon hatte ihr gezeigt, wie schnell Wertiere heilten, also wusste sie, dass es bei ihnen nicht so schlimm war, wie es aussah. Ihr Blick wanderte Ã¼ber Trevor, immer noch schockiert Ã¼ber die Tatsache, dass sie eine Beziehung mit einem verdammten BÃ¤ren gehabt hatte, ohne es zu wissen.

Trevor grinste, freute sich Ã¼ber die Tatsache, dass Devons Knurren das GerÃ¤usch reinster Eifersucht warâ¦ das geschah dem Jaguar recht.

Chad blinzelte und fragte sich, wer ihm eine Droge verabreicht hatte. Er war immer der Ruhige in schwierigen Situationen und so atmete er tief durch, drÃ¼ckte sich von der TÃ¼r ab und richtete sich zu seiner vollen GrÃ¶Ãe auf. âDies ist mein Haus, also spielen wir nach meinen Regeln. Envy bleibt hier bei mir, und alle, die keine Menschen sind, hauen ab.â Er versuchte, die TÃ¼r zu schlieÃen, aber Envy hielt ihn auf.

âNicht ohne meine Partnerinâ, knurrte Devon und versuchte, den Nachhall des Kampfes in seinem KÃ¶rper abzuschÃ¼tteln. Verdammt, wer hÃ¤tte gedacht, dass Trevor so stark war? Das Wissen gefiel ihm nicht.

âZieht euch was an!â Envy runzelte die Stirn und sah dann neugierig hinÃ¼ber zu Zachary. Es schien beinahe, als kÃ¶nnten er und Trevor BrÃ¼der sein, so Ã¤hnlich sahen sie einander. Der einzige Unterschied war, dass Zachary kurzes Haar hatte, und ein wenig grÃ¶Ãer war. âOkay, ich weiÃ, was sie sindâ¦ aber was bist du?â

Zachary verbeugte sich elegant. âDu kannst mich einfach einen BeschÃ¼tzer nennenâ, sagte er lÃ¤chelnd wÃ¤hrend die Flammen erloschen. âEin BeschÃ¼tzer sowohl der Menschen, als auch der paranormalen Wesen.â Er richtete sich wieder auf und schielte hinÃ¼ber zu Trevor. âHast du ihr nichts gesagt?â

âNein, hat er nicht.â Envy schoss Trevor den schmutzigen Blick zu, den er verdiente und richtete dann ihre Aufmerksamkeit wieder auf Zachary. âBeschÃ¼tzer? Was genau bedeutet das? Und seid ihr beide BrÃ¼der?â Sie musste einfach fragen.

âEs bedeutet, dass wir die beiden Seiten voreinander beschÃ¼tzenâ, antwortete Trevor, dann fÃ¼gte er hinzu, âund nein. Was Blutsverwandte betrifft, habe ich keine Geschwister.â

âOh, also der ist voller Informationenâ, murmelte Envy.

âIch habe versucht, es dir zu sagenâ, erinnerte Trevor, wÃ¤hrend er die Hose anzog, die Zachary ihm zugeworfen hatte. âEs ist nicht meine Schuld, wenn du nicht zuhÃ¶rst.â

Envys Lippen Ã¶ffneten sich, um ihm ihre Meinung zu sagen, aber dann hielt sie inneâ¦ erinnerte sich peinlich an die letzte Nacht, in der sie Trevor wirklich gesehen hatte. Er hatte ihr etwas von CIA erzÃ¤hlt, aber sie hatte ihm nicht geglaubt. Sie hatte ihm sogar einen Elektroschock verpasst, dafÃ¼r, dass er glaubte, dass sie dumm genug war, auf eine solch lahme LÃ¼ge hereinzufallen. Aber andererseits, wie konnte er von ihr erwarten, dass sie ihm glaubte, wenn sie ihn gerade dabei erwischt hatte, wie er eng umschlungen mit anderen Frauen getanzt hatte?

Die andere Sache warâ¦ er hatte ihr gesagt, dass es die Tarnung fÃ¼r seinen Auftrag war. Envy runzelte die Stirn Ã¼ber die Kopfschmerzen, die sich bemerkbar machten, und beschloss, dass Trevor ein noch grÃ¶Ãeres Arschloch war, als sie ursprÃ¼nglich gedacht hatte, weil sie wegen ihm darÃ¼ber nachdachte.

Chad schielte hinÃ¼ber zu dem Jaguar, ehe er wieder ins Haus ging. Er kam wenige Sekunden spÃ¤ter wieder mit einer Jeans zurÃ¼ck und warf sie Richtung Devon.

âWir brauchen deine Hilfe nichtâ, erklÃ¤rte Devon, als er die Hose anzog und dann zu Envy hinÃ¼ber spazierte und einen eifersÃ¼chtigen Arm um ihre HÃ¼fte schlang.

âOh ja? Ich habe deine Schwester gerettet, wÃ¤hrend du damit beschÃ¤ftigt warst, meine Freundin zu stehlenâ, entgegnete Trevor, ehe er einen hitzigen Blick auf Envy warf.

Envy hob ihren Blick und traf den von Trevors blau-silbernen Augen. Sie konnte noch immer den Schmerz darin sehen, und ihr Herz verkrampfte sich dadurch schmerzhaft. Sie hasste ihn wirklich nicht. Genau genommen liebte sie Trevor noch immerâ¦ nur nicht so wie Devon. Ihr Mund Ã¶ffnete sich, um zu versuchen, es zu erklÃ¤ren, aber Devon kam ihr zuvor.

âWieso bist du hergekommen? Bist du uns gefolgt?â, fragte Devon, dem es nicht gefiel, dass Trevor Envy immer wieder in die Schusslinie zog. Sie hatte ihre Wahl getroffen und Trevor musste sich mit dieser Tatsache abfinden, ehe er dadurch zu Schaden kam.

âGenau genommen kam er her, um mit mir zu redenâ, sagte Chad so ruhig er konnte. Er drehte sich zu seiner Schwester um, nahm ihre Hand und zog sanft, wÃ¤hrend er Ã¼ber ihre Schulter auf Devon blickte. âWenn es dich nicht stÃ¶rt, wÃ¼rde ich gerne kurz mit ihr alleine sprechen.â

In dem Moment, wo Devon sie loslieÃ, zog Chad sie ins Haus und schloss die TÃ¼r. Er musste sich zusammennehmen, um nicht den SchlÃ¼ssel im Schloss zu drehen. Allerdings, nach dem, was er gerade im Garten gesehen hatte, wÃ¼rde ein Schloss wohl wenig ausrichten kÃ¶nnen.

âBist du sicher, dass du nicht noch wenigstens eine Nacht hierbleiben kannst? FÃ¼r meine geistige Gesundheit?â, flehte er, obwohl er wusste, dass er schon ein paar Ausfahrten zuvor die Kontrolle Ã¼ber sein Leben verloren hatte.

Envy schlang ihre Arme um ihren Bruder und schenkte ihm die Umarmung, die er dringend brauchte, dann machte sie einen Schritt zurÃ¼ck und sah zu ihm hoch. âIch kann nicht. Du hast gesehen, was heute Nacht in der Kirche geschehen ist. Alle sind in alle Richtungen davon, also versucht Warren so bald wie mÃ¶glich eine Versammlung einzuberufen.â

Sie schielte zurÃ¼ck zur TÃ¼r, als ihr ein anderer Gedanke kam. âAuÃerdem ist es wohl das Sicherste im Moment, wenn ich bei ihnen bleibe. Obwohl, wenn ich es mir recht Ã¼berlege: ich werde dich anrufen und dir sagen, wann das Treffen stattfinden wird, und ob es im Moon Dance oder im Night Light ist. Ich mÃ¶chte, dass du mir einen Gefallen tust, und Trevor und den Flammenjungen dorthin bringst, denn, wenn es wahr ist, was ich gehÃ¶rt habeâ¦ kÃ¶nnen wir jede Hilfe gebrauchen, die wir bekommen kÃ¶nnen.â

âVampire?â, fragte Chad, dessen Polizisten-Gehirn wieder Ã¼bernahm, wÃ¤hrend er sich noch den Nacken rieb, wo einige feine Haare beschlossen hatten, sich dauerhaft aufzustellen.

Envy nickte, runzelte ihre Stirn und schÃ¼ttelte dann den Kopf. âDie Vampire, ja, aber es gibt da einen DÃ¤mon, der freigekommen ist undâ¦â

Chad streckte die HÃ¤nde aus und packte ihre Arme. âEin DÃ¤mon? Niemand sagte etwas von DÃ¤monen!â

Envy holte tief Luft und nickte dann, hoffte, dass er sich besser fÃ¼hlen wÃ¼rde, wenn sie ihm das Folgende sagte: âJa, ein DÃ¤mon. Die gute Nachricht ist: wir haben zwei Engel auf unserer Seite.â Sie schenkte ihm ein schwaches LÃ¤cheln und hoffte, dass er nicht in Ohnmacht fallen wÃ¼rde.

âEngel?â Chad lieÃ sie los und lehnte sich schwer an die Wand. âGroÃer Gott.â

âGenau.â Envy nickte und sah zu, wie er mit den Fingern durch sein Haar fuhr, als kÃ¤mpfte er gegen den Drang an, es auszureiÃen. âAlso, du kÃ¼mmerst dich um Trevor. Kannst du das fÃ¼r mich tun? Bring ihn und Zachary zu der Versammlung am Morgen.â Sie biss sich auf die Lippe, wollte nicht noch eine Szene haben. âUnd als Gegenleistung nehme ich meine Sachen heute Nacht nicht mitâ¦ wenn du dich dann besser fÃ¼hlst.â

Chad nickte und schenkte ihr ein kleines LÃ¤cheln. âAbgemacht.â

Er Ã¶ffnete die TÃ¼r und trat dann mit ihr hinaus, aber hielt inne, als er Zachary zwischen den beiden MÃ¤nnern stehen sah, eine brennende HandflÃ¤che auf jeden von ihnen gerichtet.

âOh Mann, wir gehenâ, sagte Envy und eilte zur TÃ¼r hinaus, ergriff Devons Hand und rannte geradewegs auf sein Auto zu.

Trevor wollte ihnen folgen, aber Zachary hielt ihn auf. âBleib stehen, du eifersÃ¼chtiger Junge. Wir mÃ¼ssen uns erst um den Bruder kÃ¼mmern.â

âLass uns hineingehen und ich mache uns Kaffeeâ, bot Chad an und folgte Trevor mit einem dankbaren Seufzen, als dieser sich wÃ¼tend umdrehte und ins Haus marschierte, als wÃ¤re er auf einer Mission. Er nickte, als Zachary Trevor nach drinnen folgte, dann schloss er die TÃ¼r und fragte sich, wo, zur HÃ¶lle, er nun wieder hineingeraten war.

Als die Kaffeemaschine angeschaltet war, wandte sich Chad seinen beiden GÃ¤sten zu. Im Moment hatte er mehr Fragen als Antworten, und das half nicht wirklich. âAlso was ist mit diesem DÃ¤mon, von dem Envy behauptet, dass er befreit wurde? Sie sagte auch, dass Warren am Morgen alle fÃ¼r eine Unterhaltung darÃ¼ber, was heute Nacht passiert ist, versammeln will, und sie will, dass wir drei als ÃberraschungsgÃ¤ste kommen.â

Trevor konnte das kleine LÃ¤cheln, das seine Lippen umspielte, nicht unterdrÃ¼cken. Also wollte Envy, dass er auch mitmachteâ¦ wollte, dass er in der NÃ¤he war. Er konnte es ihr nicht verÃ¼beln. So wie Devon sie beschÃ¼tzte, konnte sie sich unmÃ¶glich sicher fÃ¼hlen. Zu wissen, dass sie ihn brauchte, lieÃ den GroÃteil seiner Wut wieder in den Hintergrund verschwinden.

âWir hÃ¤tten diese kleine Party sowieso gestÃ¼rmt.â Er schielte hinÃ¼ber zu Zachary, der zustimmend nickte. Er lÃ¤chelte wieder, als ihm klar wurde, dass er Envy in ein paar Stunden wiedersehen wÃ¼rde. âIch schÃ¤tze, es wird Zeit, dass wir dir erzÃ¤hlen, was hier vorgeht.â

Er schÃ¤mte sich innerlich dafÃ¼r, wie er seine Position schon wieder benutzte, um Envy nÃ¤herzukommen. Ihm war auch sehr klar, wie es fÃ¼r alle anderen aussehen musste. Devon wÃ¼rde annehmen, dass er Envy wieder benutzte, aber das war vÃ¶llig verkehrt. Andererseits wÃ¼rde er sich durchaus dazu herablassen, ihren Bruder zu benutzen, um ihr nÃ¤herzukommen, und gleichzeitig seine Arbeit zu machen. Devon wÃ¼rde einfach lernen mÃ¼ssen, dass es im Krieg und in der Liebe keine Regeln gabâ¦ und der beste Formwandler gewinnen sollte.

âIch hÃ¶reâ, murmelte Chad und verschrÃ¤nkte seine Arme vor seiner Brust, um Trevors Aufmerksamkeit wieder zurÃ¼ckzuholen, von wo auch immer sie war. Er hatte nie gedacht, dass er Gedanken lesen konnte, aber im Augenblick hatte er eine sehr gute Vorstellung davon, was in Trevors Kopf vor sich ging.

âWir wissen nicht viel Ã¼ber den DÃ¤mon, nur, dass er ein paar Jahrhunderte lang dort gefangen gehalten wurde. Seine Existenz ist Ã¤lter als alle Akten des TEP, aber wir suchen noch weiter nach Hinweisenâ, begann Zachary und hoffte, dass Trevor gleich Ã¼bernehmen wÃ¼rde.

âAlso wusstet ihr, dass ein DÃ¤mon fÃ¼r weiÃ Gott wie lange unter dem Friedhof eingesperrt war, und ihr habt nichts dagegen getan?â, wollte Chad wissen.

Trevor hob eine Augenbraue, als er ihn ansah. âWas sollten wir tun? Ihm helfen, freizukommen? Er war dort gefangen und wir wissen nicht einmal, wie, zur HÃ¶lle, ein Gefallener Engel und ein Vampir es geschafft haben, den Zauber, der ihn festhielt, zu brechen.â

âGefallener Engel?â, fragte Chad. âAlso es gibt wirklich die Engel, von denen Envy gesprochen hat?â

Zachary nickte. âJa, von ihnen wissen wir schon lange. Wir wissen, dass es noch mehr gibt, aber wir kÃ¶nnen sie nirgendwo finden. Und scheinbar wussten die beiden, die in dieser Stadt leben, auch nichts von der Existenz eines weiteren Engels, der in der HÃ¶hle gefangen war, bis einer von ihnen dort hinuntergegangen ist.â

âWir haben auch jemanden, der mit DÃ¤monen umgehen kannâ, bemerkte Trevor. âMit ein wenig GlÃ¼ck, kann sie uns helfen, wenn wir sie herrufen.â

âEs ist noch nicht zu spÃ¤t, um einen RÃ¼ckzieher zu machenâ, sagte Zachary zu Chad. âSag es einfach, und wir werden deine Erinnerungen von allem, was geschehen ist, auslÃ¶schen.â

Chad runzelte die Stirn, nahm die Kaffeekanne und schenkte drei Tassen ein. Er war sein ganzes Leben lang Polizist gewesen, weil er etwas Gutes tun wollte. Mehr als nur einmal hatte er das GefÃ¼hl gehabt, dass er nicht genug tat. Es gab immer noch einen weiteren DrogenhÃ¤ndler, einen weiteren MÃ¶rder, eine weitere VerkehrsÃ¼bertretungâ¦ manchmal erschien es ihm, als wÃ¤re es alles die MÃ¼he nicht wert. Aber was Trevor und Zachary machten, machte wirklich einen Unterschiedâ¦ auf die Art, wie Chad es immer selbst tun hatte wollen.

Er trank einen langen Schluck Kaffee, stellte seine Tasse ab und nickte einmal. âIch bin dabei.â



*****



Angelica entschied, dass Telefone noch schlimmer waren, als DÃ¤monen, als ihres um drei Uhr frÃ¼h zu lÃ¤uten begann. Als sie auf das Display sah, wurden ihre Augen schmal und sie nahm den HÃ¶rer ab. Sie schob ihr dunkles Haar aus dem Weg und drÃ¼ckte das GerÃ¤t an ihr Ohr.

âWenn nicht die Welt auseinanderfÃ¤llt, die Meere sich rot verfÃ¤rbt haben, die zehn Landplagen von Ãgypten zurÃ¼ckgekommen sind, oder du gerade stirbst, solltest du besser einen verdammt guten Grund haben, wieso du mich aufweckstâ, knurrte sie.

âOh, komm schon Booâ¦ redest du so mit deinem Zachy-BÃ¤ren?â

Angelica legte auf und lieÃ ihren Kopf wieder auf ihr Kissen fallen. Sie war gerade wieder eingeschlafen, als das Telefon wieder klingelte. Ohne nachzusehen, wer es war, der stÃ¶rte, nahm sie ab.

âIch werde dich kriegen, Zacharyâ, murmelte sie. âDich und dein kleines HÃ¼ndchen auch.â

âOh oh, 'Zauberer von Oz'-Flashbackâ, sagte Zachary erschrocken und Angelica lÃ¤chelte insgeheim Ã¼ber seine Scherze, war froh, dass er sie nicht sehen konnte.

âWas willst du?â, sie setzte sich auf und strich wieder ihr Haar aus ihrem Gesicht.

âWir haben eine richtig BÃ¶se hier, die Misery heiÃtâ, erklÃ¤rte Zachary.

Angelica kletterte aus ihrem Bett und schaltete das Licht an. âWie groÃ?â

âIch bin mir nicht sicher, aber ich wÃ¼rde schÃ¤tzen Level sieben.â Er grinste in das Telefon, wissend, dass er damit ihre Aufmerksamkeit bekommen wÃ¼rdeâ¦ und er liebte es, Boos Aufmerksamkeit zu bekommen.

Angelica ging ins Wohnzimmer und schaltete ihren Laptop ein. Sie tippte ein paar Buchstaben ein und runzelte die Stirn.

âLevel sieben? Bist du sicher?â, fragte sie. Alles Ã¼ber Level fÃ¼nf war sehr gefÃ¤hrlich und auÃerordentlich selten.

âIch rate nurâ, antwortete Zachary. âSie schaffte es, einen der beiden Gefallenen Engel, die wir beobachten, einzuschlieÃen und scheinbar war ein anderer Gefallener Engel sehr lange dort unten mit ihr. Nachdem sie als Level sieben eingestuft werden, nehme ich an, dass etwas, das mÃ¤chtig genug ist, sie gefangen zu nehmen, ebenso stark ist.â

Angelica durchsuchte ihre Datenbank. Mehr als drei Viertel davon waren illegaler Weise aus den Kellern des Vatikans besorgt worden, aber niemand konnte ihren Ergebnissen widersprechen. Die Tatsache, dass vielleicht ein DÃ¤mon der Stufe sieben in Los Angeles entdeckt worden war, war Grund genug, nicht nur sie, sondern auch den Rest des TEP-Teams aufzuwecken.

Jeder DÃ¤mon wurde in eine Klasse von eins bis zehn eingeordnet, wobei Level zehn der Satan selbst wÃ¤re. Sie wÃ¼rde nur ungern jemandem begegnen, der genug Magie besaÃ, um einen DÃ¤mon der Stufe sieben einzusperrenâ¦ man brÃ¤uchte den Donner Gottes, um ihn loszuwerden.

âIch kann nichts Ã¼ber eine DÃ¤monin mit Namen Misery in der Gegend von Los Angeles findenâ, sagte sie nach ein paar Minuten. âLass mich meine externe Festplatte anschlieÃen und die Dateien dort durchsuchen.â

Sie hÃ¶rte, wie Zachary im Hintergrund mit jemand anders redete und nahm an, dass es Trevor war, bis sie eine weitere Stimme hÃ¶rte, die an der Unterhaltung teilnahm.

âMit wem redest du?â, fragte sie neugierig.

âMit dem neuesten Mitglied unseres Teams, Chadâ, antwortete Zachary. âEr ist hier vor Ort ein Polizist, der ein bisschen zu viel weiÃ, also haben wir ihn an Bord geholt, um die Massen zu schÃ¼tzen, und mit Massen meine ich die anderen Idioten, die mit ihm arbeiten.â

Angelica grinste. âDa drauÃen sind sie wahrscheinlich noch schlimmer.â

âNicht vielâ, sagte Zachary.

âOkayâ, sagte Angelica. âIch habe sie angeschlossen, lass mich sehen, was ich hier alles finden kann.â

âDu meinst, du weiÃ es nicht?â, fragte Zachary Ã¼berrascht.

Angelica seufzte. âDu weiÃt, wie ich bin. Ich wÃ¼rde manchmal meinen Kopf vergessen, wenn er nicht angewachsen wÃ¤re. Ich bin erst dazu gekommen, mir einen kleinen Teil dieses Ordners anzusehen.â

âJa, gut, du warst etwas in Eile, als du ihn heruntergeladen hastâ, sagte Zachary und seufzte. âDas waren schÃ¶ne Zeiten.â

Angelica klickte auf die Festplatte und gab ein Wort in den Suchmodus ein.

âIch nehme an, du hast dich nicht benommenâ, fragte Angelica und lehnte sich auf ihrem Sofa zurÃ¼ck, wÃ¤hrend sie wartete, dass der Computer seine Arbeit machte.

âNatÃ¼rlich nichtâ, lachte Zachary. âDu kannst mich nirgendwo hin mitnehmen, erinnerst du dich?â

Angelica zog den Kopf ein, als sie sich daran erinnerte, wie sie vor ein paar Monaten zu einer groÃen Gala gegangen waren. WÃ¤hrend sie einen vierjÃ¤hrigen Werwolf verfolgt hatten, der verloren gegangen war, und darÃ¼ber nicht sehr glÃ¼cklich war. Am Ende der Nacht hatte Zachary seine Hosen verloren, weil der Werwolf sich in einem kindischen Wutanfall verwandelt und sie in StÃ¼cke gerissen hatte.

Das Lustigste aber war, dass Zachary kein Wort gesagt hatte, sie einfach ausgezogen hatte und in seiner Unterhose mit Hemd und Anzugjacke herumspaziert war. Angelica hatte sich nicht entschlieÃen kÃ¶nnen, ob sie vor Scham im Boden versinken, oder laut loslachen wollte. Als sie seine Beine mit kniehohen StrÃ¼mpfen in Anzugschuhen gesehen hatte, wÃ¤re sie beinahe gestorben, als mehrere der jungen Damen sich um ihn tummelten und mit ihm tanzen wollten.

Ihr Laptop biepte und sie beugte sich nach vor, um zu sehen, was er gefunden hatte.

âEtwas gefunden?â, fragte Zachary.

Angelica Ã¶ffnete ein paar der Dateien, in denen der Computer das Wort Misery gefunden hatte, und begann zu lesen. Ihre Zigarette fiel ihr aus den Fingern, wÃ¤hrend sie las, und landete auf ihrem FuÃ.

âAutsch, verdammt!â, fluchte sie, hob die Zigarette schnell wieder auf und drÃ¼ckte sie aus.

âAlles in Ordnung?â Zachary runzelte besorgt die Stirn und hob eine Hand, als Trevor wissen wollte, was los war.

Angelica Ã¼berflog die Information, nur um sicherzugehen. âIch nehme den nÃ¤chsten Flug dort runterâ, erklÃ¤rte sie, ehe sie das Schnurlostelefon abschaltete und weglegte. Sie sah zurÃ¼ck auf den Bildschirm und kÃ¼mmerte sich nicht mehr um Zacharys Fragen. Es war nicht das, was sie gelesen hatte, was sie davon Ã¼berzeugte, dass dies gefÃ¤hrlich warâ¦ es war die Tatsache, dass der Chef des TEP sie gerade irgendwie aus der Datei ausgesperrt hatte.

Wenn Storm Geheimnisse hatteâ¦ dann wollte sie wissen, wieso.



Kapitel 2

Anthony schritt ohne Unterlass Ã¼ber den Marmorboden seines Arbeitszimmers auf und ab. Er fuhr mit einer Hand frustriert und wÃ¼tend durch sein dunkles Haar. Er wusste, dass er seine Fassung verloren hatte, als er Arthur umgebracht hatte, und jetzt hatte er sein Druckmittel verloren, um Jewel zu zwingen, ihn zu heiratenâ¦ nicht dass ihn das davon abhalten wÃ¼rde.

Er hatte gewollt, dass die Situation ruhig bliebâ¦ aber als Arthur Anthonys Vater ins Spiel gebracht hatte, hatte der Werwolf-Teil in ihm durchgedreht. Nun wÃ¼rde er eine andere Methode anwenden mÃ¼ssen, um seine flÃ¼chtige Braut zurÃ¼ckzuholen. Das Problem war, dass er sie zuerst finden musste.

Jemand klopfte an die TÃ¼r und Anthony blieb lange genug stehen, um sein Haar und seine Kleidung glatt zu streichen. Er war ein Alphamann, dazu gehÃ¶rte ein gewisses Auftreten.

âHereinâ, rief er mit kalter Stimme.

Die TÃ¼r Ã¶ffnete sich und einer seiner WÃ¶lfe trat ein und schloss die TÃ¼r hinter sich.

âWas hast du gefunden?â, fragte Anthony.

Das Rudelmitglied sah sehr nervÃ¶s aus und rÃ¤usperte sich. âIch bin dort geblieben, wie Sie befohlen haben, um zu sehen, ob der Priester zurÃ¼ck zur Kirche kommt. Ich war noch nicht lange da, als in der Kirche und auf dem Friedhof dahinter die HÃ¶lle losbrach. Leute tauchten Ã¼berall auf, die meisten aus dem Nichts.â Er hielt inne und schluckte nervÃ¶s, bevor er hinzufÃ¼gte: âDa bemerkte ich, dass Jewel bei ihnen war.â

âWo ist sie dann jetzt?â, fragte Anthony drohend, wÃ¤hrend er mit schnellen Schritten auf den Mann zukam. âWieso hast du sie nicht mitgebracht?â

Der Wolf wich zurÃ¼ck, Panik in seinen Augen, er wusste, dass es nie eine schÃ¶ne Sache war, dem Alpha schlechte Nachrichten zu bringen. âIch konnte nichtâ, sagte er zitternd.

Anthonys Hand schoss plÃ¶tzlich nach vor und er packte seinen Untergebenen an der Kehle, hob ihn in die Luft. âDu bist ein Werwolf. Wieso hast du sie nicht einfach genommen?â

âSie war von Wertieren umgebenâ¦ zu vielen davonâ, erklÃ¤rte der Wolf, wÃ¤hrend er seine HÃ¤nde hob und versuchte, ein wenig Druck von seiner Kehle zu nehmen.

Anthonys Griff wurde nur noch fester und seine Augen nahmen eine gespenstische, goldene Farbe an. Sein Bruder war endlich aus Italien zurÃ¼ckgekommen, er war sich dessen sicher. âHabe ich dir nicht beigebracht, wie du gegen ein anderes Rudel, als dein eigenes zu kÃ¤mpfen hast? Mein Bruder hÃ¤tte keine Chance gegen dich haben dÃ¼rfen.â Das war eine LÃ¼ge. Der Wolf wÃ¼rde jetzt irgendwo im StraÃengraben liegen, wenn er es gewagt hÃ¤tte, Andreas Valachi anzugreifen.

âWa-en keine WÃ¶Ã¶Ã¶lfeâ, krÃ¤chzte der Wolf, wÃ¤hrend er zu atmen versuchte.

Anthony richtete ruckartig seine Aufmerksamkeit wieder auf den Mann, den er wÃ¼rgte, und riss seine Hand weg, als er erkannte, dass er ihn schon fast umgebracht hatte. âWer war es?â, wollte er wissen, wobei die rasende Wut in seiner Stimme deutlich zu hÃ¶ren war.

Der Wolf lag in einem HÃ¤ufchen am Boden und versuchte, wieder zu Luft zu kommen. Er kam mÃ¼hsam auf HÃ¤nde und Knie hoch, ehe er seine Stirn auf den kalten MarmorfuÃboden stÃ¼tzte. Er hielt seinem AnfÃ¼hrer seinen bloÃen Nacken hin, als Zeichen seiner Unterwerfung, wÃ¤hrend er sich wÃ¼nschte, dass er davongelaufen wÃ¤re, als er die MÃ¶glichkeit gehabt hatte.

âKatzenâ¦ ich habe Katzen gerochenâ, sagte er nach ein paar Sekunden. âPumas und Jaguareâ¦ viele davon.â Er hob seinen Kopf und sah, wie Anthonys Augenbrauen sich drohend zusammenzogen. Er fÃ¼gte schnell hinzu: âEin Puma hat sie auf Schritt und Tritt verfolgt. AuÃerdem war die Gegend voller Vampire. Ein Teil der Kirche flog in die Luft, und dann kam auch noch ein Polizeiauto.â

Anthony stand da und versuchte, Herr Ã¼ber seine wachsende Wut zu werden. Aber je lÃ¤nger er da stand, umso wÃ¼tender wurde er. Sein Plan, seine flÃ¼chtige Partnerin zurÃ¼ckzuholen war nun schon mehrfach entweder durch seine eigenen Handlungen, oder durch die seiner dummen Untergebenen durchkreuzt worden.

Er bedeutete seinen LeibwÃ¤chtern, nÃ¤her zu kommen. âBringt ihn in den Keller, wo er in seinem Versagen schmoren kann.â

Der Wolf setzte sich auf seine Knie auf, ein flehender Ausdruck in seinem Gesicht. Er hatte Geschichten Ã¼ber den Keller gehÃ¶rt, und was er enthielt. Einige der WerwÃ¶lfe, die die Folter Ã¼berlebt hatten, hatten noch immer Narben davon, die sie herzeigen konnten. Er winselte mitleiderregend, als seine Arme von den Wachen gepackt wurden, und er auf die FÃ¼Ãe hochgezogen wurde.

Die WÃ¤chter sahen ihm nicht ins Gesicht, sie sagten auch nichts Beruhigendes oder Erniedrigendes. Wenn es nach ihnen ging, dann hÃ¤tten sie ihn laufen lassen. In ihren Augen hatte FrÃ¤ulein Jewel gute GrÃ¼nde, vor ihrem Alphamann wegzulaufen. Sie war unglÃ¼cklich und, trotz Anthonys BemÃ¼hungen, wÃ¼rde sie ihn nie lieben. So zu leben, sich am UnglÃ¼ck von anderen zu ergÃ¶tzen, war nicht die echte Werwolf-Artâ¦ es war die Art der Mafia.

FrÃ¼her hatten sie die Menschheit vor dem BÃ¶sen bewahrt, das drohte, die Welt zu Ã¼berwÃ¤ltigen. Jetzt, mit Ausnahme einiger Rudel, die Ã¼ber die ganze Welt verteilt lebten, waren sie das BÃ¶se. Es war kein Wunder, dass die Menschen Filme machten, die sie als tollwÃ¼tige Hunde darstellten, die es nur darauf abgesehen hatten, Tod und ZerstÃ¶rung zu verursachen.

Anthony folgte den Wachen hinunter in den Keller und grinste, als der junge Werwolf leise winselte. Das Untergeschoss der Villa war in eine groÃe, unterirdische Folterkammer verwandelt worden, die mehrere hundert Quadratmeter beanspruchte. Ketten hingen an der gegenÃ¼berliegenden Wand, mit Manschetten, die eine Person aufrecht an den kalten Stein fesseln konnten.

Zur Rechten stand ein Tisch, der bedeckt war mit Peitschen und Ruten in verschiedenen GrÃ¶Ãen. Aus einem Kessel, in dem ein Feuer brannte, ragten ein paar Eisenstangen hervor, die fÃ¼r Brandmarken benutzt wurden, die Anthony aber noch sehr selten angewendet hatte. Und schlieÃlich, an der Wand, genau gegenÃ¼ber davon, war eine Reihe von Zellen, die ein paar Insassen beherbergten.

Ein paar WerwÃ¶lfe bewegten sich in den Schatten und bereiteten noch mehr Werkzeuge fÃ¼r einen Spezialgast vor, den Anthony zu seiner groÃen Freude vor ein paar Wochen erhalten hatte. Sie blieben stehen und sahen neugierig hoch, als der Alphamann mit seinen WÃ¤chtern und einem neuen Wolf, der diszipliniert werden sollte, die Kammer betrat.

Anthony blieb stehen wÃ¤hrend die LeibwÃ¤chter den Wolf an die Wand fesselten und winkte sie dann weg, als sie fertig waren.

âWas sollen wir mit ihm tun, Herr Anthony?â, fragte der leitende Werwolf.

âIch mÃ¶chte, dass ihr ihm eine Lehre erteiltâ, antwortete Anthony. âEr hat versagt, mir meine Braut zurÃ¼ckzubringen, und er muss lernen, dass Versagen nicht toleriert wird.â

Boris schaute hinÃ¼ber zu dem Mann und seufzte innerlich. âEr ist nur ein Junge.â

âDann wird er frÃ¼h lernen.â Anthonys Stimme war vÃ¶llig emotionslos.

Boris hob eine vernarbte Hand und winkte zwei der anderen WerwÃ¶lfe herbei. Sie nÃ¤herten sich und rissen die RÃ¼ckseite des Hemds des jungen Wolfs auf. Boris hob eine der Peitschen und lieÃ sie in der Luft schnalzen. Der gefesselte Wolf zuckte zusammen, was Anthony ein Grinsen entlockte.

Boris stellte sich knapp zwei Meter hinter den Jungen und lieÃ die Peitsche nach vorn schieÃen. Der junge Wolf schrie auf, als die Peitsche sich in seinen RÃ¼cken biss. Das Schreien endete nicht, wÃ¤hrend Boris die vorhin makellose Haut auspeitschte. SchlieÃlich hÃ¶rte er auf und ein weiterer Werwolf trat nach vor mit einer groÃen SchÃ¼ssel mit Salz. Mehr Schmerzensschreie folgten, als das Salz in die blutenden Wunden geworfen wurde.

Der junge Wolf sackte an der Wand zusammen, dachte, dass die Folter vorbei war, nur um gleich wieder aufzuschreien, als die SchlÃ¤ge wieder begannenâ¦ nur diesmal mit noch zwei weiteren Peitschen dabei.

Anthony hob seine rechte Hand, um sie besser sehen zu kÃ¶nnen und runzelte die Stirn, als er sah, dass er seine NÃ¤gel schon wieder schneiden musste. Er zuckte die Schultern, wandte sich von den SchlÃ¤gen ab und nÃ¤herte sich der Zelle, die von allem am weitesten weg, am anderen Ende des Kellers war. Ein LÃ¤cheln erschien auf seinem Gesicht, als die schweren Ketten klirrten.

Der Mann in der Zelle war plÃ¶tzlich auf seinen FÃ¼Ãen und zog an seinen Fesseln, versuchte, sich auf Anthony zu stÃ¼rzen.

Anthonys schlechte Laune verflog plÃ¶tzlich, als er das stolze MÃ¤nnchen dort sah. Sein LÃ¤cheln wurde noch breiter, als er sich eine neue MÃ¶glichkeit Ã¼berlegte, Jewel wieder in seine HÃ¤nde zu bekommen, weg von den Pumas, bei denen sie Unterschlupf gesucht hatte.

âIch bin froh, dass ich nur einmal auf dich geschossen habe, Micahâ¦ ich kÃ¶nnte noch Verwendung fÃ¼r dich haben.â



*****



Tabatha sah sich in der Wohnung um, die sie mit Kriss teilte, und zitterte. Normalerweise machte es ihr nichts aus, alleine zu sein, aber aus mehreren GrÃ¼nden war es heute Nacht richtig schwierig auszuhalten. Sie sah zum Fenster hinÃ¼ber, jedes Mal, wenn sie ein GerÃ¤usch hÃ¶rte, und hoffte, dass es Kriss war, der zurÃ¼ckkam. Sie hatte gedacht, dass es ihr gut ging, als Envy und Devon sie am Weg zu Chads Haus nach Hause gefahren hatten, aber jetzt erkannte sie, wie sehr sie Gesellschaft brauchte.

Envy hatte sie gefragt, ob sie mit ihnen mitkommen wollte, nur fÃ¼r den Fall. Envy brauchte UnterstÃ¼tzung, um mit ihrem Bruder fertig zu werden. Aber Tabby hatte gedacht, dass Kriss vielleicht bald nach Hause kommen wÃ¼rde, und sie wollte ihn fragen, was passiert war, also hatte sie abgelehntâ¦ und jetzt wÃ¼nschte sie, dass sie es nicht getan hÃ¤tte.

Als sie an Kriss dachte, wanderten ihre Gedanken zu Dean und wie er sich in der Kirche benommen hatte. Sie konnte noch immer seinen Gesichtsausdruck sehen, als er Kane erblickt hatte.

Tabatha schÃ¼ttelte in einem vergeblichen Versuch, nicht an ihn zu denken, ihren Kopf, als das Bild von Kane in ihrem Kopf aufleuchtete. Ihn dort sterbend liegen zu sehen, hatte irgendetwas tief in ihrem Herzen und ihrer Seele durcheinander gebracht. Sie konnte nicht verstehen, wieso, aber bei dem Gedanken daran, dass er sterben sollte, wollte sie sich nur in einen kleinen Ball zusammenrollen.

âReiÃ dich zusammenâ, flÃ¼sterte sie, um die Stille zu brechen. âWas du brauchst, ist ein wenig Ablenkung.â

Sie nahm das Telefon in die Hand und beschloss, Jason in der Arbeit anzurufen, um zu sehen, was sie alles verpasst hatte, seit Kriss sie bis nach Florida geflogen hatte.

Das Telefon klingelte dreimal, bevor es abgehoben wurde.

âNaturschutzgebiet, Ranger Fox sprichtâ, leierte eine sexy Stimme herunter.

âHi Jason, ich bin's, Tabby.â Sie lÃ¤chelte zum ersten Mal, seit sie durch die HaustÃ¼r getreten war.

âTabby?â, rief Jason, und sie hÃ¶rte, wie etwas zu Boden fiel, vermutlich sein Stuhl, denn er schaukelte gewÃ¶hnlich in gefÃ¤hrlichem Winkel auf zwei Beinen. âWo, zur HÃ¶lle, warst du?â

âKriss hat mich und Envy sozusagen entfÃ¼hrt und fÃ¼r ein paar Tage nach Florida mitgenommenâ, antwortete Tabby. âIch bin gerade nach Hause gekommen und dachte, ich rufe mal an, um zu sehen, was ich verpasst habe.â

Jason seufzte. âAbgesehen von dem alltÃ¤glichen, verrÃ¼ckten Zeug hast du nicht viel verpasst. Das einzige Aufregende war letzte Nacht, als wir einen Anruf von einem richtig besoffenen Typen bekommen haben.â

Tabby grinste und setzte sich auf das Sofa. âErzÃ¤hl!â

âJacob und ich, wir saÃen einfach rum, es war eine langweilige Nacht, dann klingelt das Telefon. Ich hob ab und da war dieser Typ, der davon redete, dass er einen Jaguar einen Puma durch die Stadt jagen gesehen haben will â mit einem Handy an sein Bein gebunden.â

Tabatha konnte nicht anders, sie begann laut zu lachen. Wenn sie vor ein paar Wochen an Jasons Stelle gewesen wÃ¤re, hÃ¤tte sie dasselbe gedacht. âOh verdammtâ, rief sie.

âWem sagst du dasâ, meinte Jason kichernd. âJacob und ich haben Wetten darÃ¼ber abgeschlossen, ob es SMS-Nachrichten geben wird, wenn sie das Vieh finden.â

âBist du sicher, dass du nicht eine von Kats SpezialitÃ¤ten getrunken hast?â, fragte sie, noch immer lachend.

âIch trinke nicht in der Arbeitâ, rief Jason und Tabatha hÃ¶rte Jacobs Lachen im Hintergrund. âAlso, wann kommst du wieder in die Arbeit?â

Tabatha zuckte die Schultern. âIch weiÃ es noch nicht. Ich brauche noch ein paar Tage, und ich muss meine Urlaubstage aufbrauchen.â

âIn Ordnung, aber wir vermissen dich. Es ist einfach nicht dasselbe hier, wenn es kein hÃ¼bsches Gesicht gibt, das das BÃ¼ro ein wenig aufhellt. Jetzt habe ich nur Jacob und er ist nicht wirklich ein Blickfang.â

âIch habe euch auch vermisstâ, sagte Tabatha, und sie meinte es auch. âWir treffen uns mal, dieser Tage.â

Jason schwieg zwei Sekunden, und Tabatha wusste instinktiv, was kommen wÃ¼rde. âWie geht es Envy?â

âIhr geht es auch gut. So wie ich, hat sie einfach ein paar Tage Urlaub gebraucht.â Sie biss sich auf ihre Lippe, als mehrere Sekunden Stille folgten.

âIst es wahr?â, fragte Jason.

âIst was wahr?â, fragte Tabatha und versuchte, so zu klingen, als hÃ¤tte sie keine Ahnung, wovon er sprach.

âIst Envy wirklich mit Devon Santos zusammen?â Jasons KnÃ¶chel wurden weiÃ, als er den HÃ¶rer ein wenig fester umklammerte.

Tabatha seufzte, sie wusste, dass dies Jason sehr wehtun wÃ¼rde, aber bis zu einem gewissen Grad, war es auch seine Schuld. Jemand, der so sÃ¼Ã war, sollte sich nie in das MÃ¤dchen verlieben, das ihn als besten Freund und Bruder ansah.

âJa, es ist wahrâ, sagte Tabatha mit weicher Stimme. âIch weiÃ, dass sie dich nicht verletzen wollte. Sie mag dich wirklich sehrâ¦ du weiÃt schon.â

Jason atmete langsam aus und Tabatha hatte Mitleid mit ihm. Er war schon so lange hinter Envy her, dass sie die einzige Frau war, die er je angesehen hatte. Jetzt war sie auÃerhalb seiner Reichweite, aber das wÃ¼rde Tabatha ihm nicht erzÃ¤hlen. Das musste Envy selbst tun.

âIch weiÃ, dass sie das nicht wollteâ, sagte Jason schlieÃlich. âIch schÃ¤tze, ich hÃ¤tte es mir denken sollen, als sie nicht einmal bemerkt hat, dass ich mit ihr flirtete.â

âSie hat es bemerkt, Jasonâ, sagte Tabatha. âAber sie hatte Angst, dass es eurer Freundschaft schaden kÃ¶nnte.â

Jason schnaubte. âJa, ich nehme an, das hÃ¤tte es, aber man kann es einem Mann nicht Ã¼belnehmen, dass er trÃ¤umt, nicht wahr?â

âIch kann dir eine Menge Dinge Ã¼belnehmenâ, hÃ¶rte Tabatha Jacob im Hintergrund sagen.

âHalt's Maul, verdammtâ, knurrte Jason gespielt wÃ¼tend und Tabatha hÃ¶rte, wie er die Stuhlbeine schwungvoll auf den Boden setzte. âTabatha, ich rufe dich spÃ¤ter an. Das Kind hier hat beschlossen, Papierkugeln auf mich zu schieÃen.â

Tabatha kicherte und nickte. âOkay, wir reden spÃ¤ter.â

Sie beendete den Anruf und saÃ einen Augenblick lang da, bevor sie das Telefon wieder in das LadegerÃ¤t steckte. Als sie sich nun wieder in der Wohnung umsah, fÃ¼hlte sie sich nicht mehr ganz so einsam. Jason wÃ¼rde ihre Freundschaft jetzt mehr denn je brauchen, und gebraucht zu werden half ihr, sich besser zu fÃ¼hlen.

Sie stand auf, streckte ihre Arme Ã¼ber ihren Kopf in die Luft und ging zurÃ¼ck zu ihrem Zimmer. Nachdem sie sich ausgezogen hatte, zog sie eine MÃ¤nner-Boxershorts und ein Ã¤rmelloses Top an, bevor sie sich in die kÃ¼hle, bekannte Weichheit ihres Bettes sinken lieÃ.

Dieses Mal versuchte sie nicht, die Szene aufzuhalten, die sich in ihrem Kopf abspielte, als sie einschlief. SchlieÃlich musste sie herausfinden, was sie bedeutete, und sie wÃ¼rde nicht weggehen, solange sie es nicht wussteâ¦ also wieso sollte sie dagegen ankÃ¤mpfen? Sie versank in der Dunkelheit des Schlafs wÃ¤hrend sie noch immer durch die Kirche und in Kanes Augen starrte.



*****



Jewel ging in Stevens Schlafzimmer auf und ab. Ihre Arme vor ihrer Brust verschrÃ¤nkt hatte sie wieder begonnen, NÃ¤gel zu beiÃen, etwas, das sie seit ihrer Kindheit nicht mehr getan hatte.

âDies ist meine Schuldâ, sagte sie leise und versuchte, das Bild ihres Vaters, gekreuzigt Ã¼ber dem Altar derselben Kirche, die er den GroÃteil seines Lebens besucht hatte, abzuschÃ¼tteln. Wie oft hatte er dort gebetet, direkt unter dem Ort, wo er gestorben war? Sie hatte gewusst, dass Anthony gemein war, aber dies war sadistisch.

Steven sah zu, wie die Frau auf und ab lief und konnte sogar sehen, wie sich ihre Lippen bewegten, als sie gerÃ¤uschlos in ihrem Kopf Hasstiraden loslieÃ. Er streckte seine Hand aus und legte sie beschÃ¼tzend auf ihren Arm in der Hoffnung, sie zu beruhigen. âJewel, nichts davon ist deine Schuld.â

Sie zog ihre Augenbrauen zusammen, als sie auf die Hand hinunter sah, dann schenkte sie ihm einen bÃ¶sen Blick. âDu hast teilweise sogar recht. Es ist ebenso sehr deine Schuld, wie meine. Und jetzt, wo Papa tot ist, brauche ich Anthony nicht mehr zu heiraten und damit muss ich garantiert nicht mehr mit dir verheiratet bleiben.â

Jewel drehte sich von ihm weg, sodass seine Hand hinunterfiel. Das Letzte, was sie im Moment brauchte, war, von ihren SÃ¼nden reingewaschen zu werdenâ¦ sie war schuldig wie der Teufel. Sie hatte Anthony die NÃ¤gel gegeben, mit denen er ihren eigenen Vater gekreuzigt hatte.

Steven wÃ¼rde es nicht zugeben, aber ihre Worte trafen ihn hart. Er antwortete auf die einzige Art, die er sich im Augenblick vorstellen konnte, nachdem sie offensichtlich keine ermutigenden oder liebevollen Worte hÃ¶ren wollte.

âMeinst du wirklich, dass Anthony dich nicht mehr verfolgen wird, nur weil er deinen Vater umgebracht hat?â, rief Steven. Er wusste, dass er recht hatte, und dass sie nicht eine verdammte Sekunde auf ihn hÃ¶ren wÃ¼rde.

âEr hat meinen Vater getÃ¶tetâ¦ ich habe mit dem Teufel getanzt, weil ich wollte, dass mein Vater in Sicherheit und am Leben war. Wenn Anthony es jetzt wagt, in meine NÃ¤he zu kommen, werde ich ihm seinen verdammten Kopf vom Hals schlagen.â Jewel fÃ¼hlte sich so merkwÃ¼rdig. Es war, als wÃ¤re sie nach auÃen hin vÃ¶llig ruhig, wÃ¤hrend sie innerlich wie verrÃ¼ckt zitterte.

Sie hatte stundenlang geweint, aber ihre Wut hatte sie schlieÃlich wieder nÃ¼chtern gemacht. Sie hatte genug TrÃ¤nen vergossen. Jetzt war es Zeit, ihr Leben wieder zurÃ¼ckzuholen. Sie hatte sich einen Plan Ã¼berlegt, wie sie Anthony eine Falle stellen konnte, und sie hoffte, dass Steven recht hatteâ¦ dass Anthony sie holen kommen wÃ¼rde, denn sie wÃ¼rde dafÃ¼r bereit sein.

âIch kann dich nicht gehen lassenâ, erklÃ¤rte Steven. Wenn sie sich nicht selbst schÃ¼tzen wÃ¼rde, dann war es seine Pflicht als ihr Partnerâ¦ es fÃ¼r sie zu tun. Er sah zu, wie ihre rot umrandeten Augen sich auf ihn richteten, und seinen Blick auffingen.

âDann bist du um nichts besser als Anthony und ich werde dich den Rest meines Lebens hassenâ, sagte sie stur. Sie wollte, dass Steven auf sie wÃ¼tend wurde, sie hinauswarf und sich seine HÃ¤nde von ihr wusch. Wenn er das machteâ¦ dann wÃ¼rde Anthony ihn vielleicht nicht ebenso tÃ¶ten wie ihren Vater. Sie wollte nicht die Schuld an noch mehr schrecklichen Morden haben, es sei denn, das Opfer war Anthonyâ¦ sie wÃ¼rde mit Freude die Schuld daran auf sich nehmen.

Steven starrte sie eine Minute lang wÃ¼tend an, dann riss er die TÃ¼r auf und trat zur Seite. âLos dann! Ich biete dir an, dass ich deinen Hintern rette, und du willst dich dafÃ¼r mit mir anlegen? Geh schon, lass uns sehen, wie weit du kommst, gegen etwas, wovon du nicht die leiseste Ahnung hast, wie man es umbringen kann.â Steven lÃ¤chelte sie gemein an. âNur damit du es weiÃt, die Filme sind nur voller Unsinn.â

âDu musst es ja wissen!â, schrie Jewel zurÃ¼ck und machte ein paar Schritte auf die TÃ¼r zu. Wieso wollte er immer noch versuchen, sie zu retten? Verstand er nicht, dass sie nur seinen Tod bedeuten wÃ¼rde?

Steven schloss seine Augen und schaute weg. âJa, ich muss es wissenâ¦ nicht wahr?â, spottete er und Ã¶ffnete dann seine Augen wieder, als Jewel versuchte, an ihm vorbeizuschlÃ¼pfen. Panisch packte Steven sie um die HÃ¼fte und zog sie an sich. âVerdammt, warte!â, gab er endlich nach.

Jewel begann sich an ihm zu winden und zu zappeln, also zog er sie noch fester an seine Brust. âWenn du ihm eine Falle stellen willst, bitte, aber du kannst es nicht alleine. Lass uns dir helfen.â

Jewel drÃ¼ckte sich von seiner Brust ab, lehnte sich zurÃ¼ck, sodass sie zu ihm hochsehen konnte. âWieso? Damit du auch am Kreuz hÃ¤ngen kannst?â Sie wollte schreien, als das Bild sich wieder vor ihr inneres Auge schob. âIch will nicht, dass das geschieht.â

Sie wusste nicht genau, was sie fÃ¼r Steven empfand, aber der Gedanke, dass er so sterben sollte, gab ihr das GefÃ¼hl, als hÃ¤tte ihr jemand ein Messer in die Brust gerammt. âWenn du mich jetzt gehen lÃ¤sst, dann wird er keinen Grund haben, hinter dir her zu sein.â Sie packte seinen Hemdkragen mit ihren kleinen HÃ¤nden. âDu wirst in Sicherheit seinâ¦ und am Leben.â

âEr wird sowieso hinter mir her seinâ, erklÃ¤rte Steven und fuhr dann mit einem Finger Ã¼ber die Paarungsmarke, die er ihr gegeben hatte. Er lÃ¤chelte sanft, als er fÃ¼hlte, wie sie unter seiner BerÃ¼hrung erzitterte. âWie ich sagte, dies ist das echte Leben. Wenn du zu ihm zurÃ¼ckgehst und er die Paarungsmarke sieht, wird er hinter mir her sein, egal was du sagst oder machst.â

Jewel lehnte sich in die starke WÃ¤rme, die er ihr bot und schloss ihre Augen. Sie fÃ¼hlte, wie ihre Wut in der Sicherheit seiner Arme verflog und wollte frustriert mit dem FuÃ aufstampfen. Die Trauer Ã¼ber den Verlust ihres Vaters bohrte sich wieder nach oben, aber sie wollte nicht weinen.

Steven schlang beruhigend seine Arme um Jewel. Er konnte ihr nicht vorwerfen, wie sie sich benahm. Wenn Anthony gerade ihren Vater ermordet hatte, dann konnte keine Macht dieser oder der nÃ¤chsten Welt ihn zurÃ¼ckhalten.

âSchau, wie wÃ¤re es damit?â, fragte er und lehnte seinen Kopf ein StÃ¼ck zurÃ¼ck wÃ¤hrend er ihr Gesicht zu seinem hochhob. âAm Morgen gibt es ein Treffen, wo alle hingehen. Wir werden dir helfen, dir einen besseren Plan zu Ã¼berlegen, als nur, dich ihm auszuliefern. So oder so, mit uns hast du eine Armee an deiner Seite. Ohne uns wirst du alleine gegen eine Armee WerwÃ¶lfe kÃ¤mpfen mÃ¼ssen, und, egal was du tustâ¦ Anthony wird dich bekommen.â Er streichelte ihre Wange wÃ¤hrend er tief in ihre Augen sah. âUnd ich mÃ¶chte nicht, dass Anthony dich bekommt.â

Jewel senkte ihren Kopf wieder zurÃ¼ck auf Stevens Brust und holte tief, zitternd Luft. Er hatte recht. Sie wollte nirgendwo in der NÃ¤he dieses Monsters sein, nach dem, was er getan hatte. Sie drÃ¼ckte ihr Ohr an Stevens Brust und lauschte seinem starken, ruhigen Herzschlag. Wie oft hatte er sie vor Vampiren, vor Anthony und nun auch noch vor ihrem leichtsinnigen Selbst gerettet?

âHÃ¤ltst du mich heute Nacht fest?â, flÃ¼sterte Jewel, denn sie wusste, wenn er sie nun loslieÃ wÃ¼rde der Schrecken der letzten paar Stunden wieder wie ein wahr gewordener Albtraum auf sie zurÃ¼ckkommen. Sie hob ihren Blick und traf seine ruhigen Augen. Ihre Lippen Ã¶ffneten sich leicht, als eine Flamme durch das Zentrum ihres KÃ¶rpers schoss.

Wie konnte er gleichzeitig ihre Wut beruhigen und ihr das GefÃ¼hl geben, als wÃ¼rde sie glÃ¼hen? Sie schaute schnell wieder weg, denn sie wollte nicht, dass er ihre Verwirrung erkannte.

Ohne zu antworten hob Steven sie hoch, trat mit dem FuÃ nach der TÃ¼r, sodass diese ins Schloss fiel und spazierte mit ihr zurÃ¼ck zum Bett, wo er sie hinsetzte. Nachdem er ihre Schuhe ausgezogen hatte, entledigte er sich schnell seiner eigenen und legte sich mit ihr hin. Er hÃ¶rte, wie Jewel gerÃ¤uschvoll einatmete, als er sie an sich zog, damit er seinen KÃ¶rper um sie schlingen konnte. Es wÃ¼rde noch einige Zeit brauchenâ¦ aber er wollte lieber in der HÃ¶lle schmoren, als Jewel so einfach gehen zu lassen.



Kapitel 3

Kriss betrat die Wohnung, die er sich mit Tabatha teilte, und schloss die TÃ¼r hinter sich. Er hatte Ã¼berall nach Dean gesucht und hatte einfach keine Spur von ihm oder der DÃ¤monin, die er verfolgt hatte, finden kÃ¶nnen.

Eine Sache gab es an seiner Gattung: wenn sie sich verstecken wollten, dann konnten sie verschwinden und absolut keine Hinweise darauf hinterlassen, wo sie waren. Er hatte die DÃ¤monin schon vorher Ã¼berall spÃ¼ren kÃ¶nnen, aber es nie erkannt. Erst als sie befreit worden war, war ihm klar geworden, dass er schon immer ihre Anwesenheit gefÃ¼hlt hatte. Er konnte selbst in seinem Haus noch das bÃ¶swillige Vorhaben dieser dunklen PersÃ¶nlichkeit fÃ¼hlenâ¦ und es lag ihm schwer im Magen.

Kriss ging durch die dunkle Wohnung und direkt in Tabathas Schlafzimmer, wo er Ã¼ber das unschuldige MÃ¤dchen, das in ihrem Bett schlief, lÃ¤chelte. Sie war wie ein KÃ¤tzchen um ihr Lieblingsstofftier zusammengerolltâ¦ ein Yorkshire-HÃ¼ndchen, dessen Zunge heraushing. Das Stofftier war der einzige Ãberrest aus ihrer Kindheit, den sie noch hatte. Vor einigen Jahren, hatte sie endlich nachgegeben und ihm die Geschichte von Scrappy erzÃ¤hlt und wie der Hund verschwunden war, als sie das letzte Mal mit ihren Eltern auf Urlaub gefahren war.

Kriss seufzte und legte sich neben ihr ins Bett, schlang sich wie eine Schutzdecke um sie. Kaum hatte er das getan, kuschelte sich Tabatha an ihn.

âHast du Dean gefunden?â, fragte sie leise.



*****



Kane hatte es geschafft, abzuhauen, war froh, dass Warren Michaels Aufmerksamkeit lange genug beansprucht hatte, damit er das tun konnte. Was auch immer Michael und Dean getan hatten, um den Schaden, den Misery an ihm angerichtet hatte, zu reparieren, hatte in ihm einen riesigen Adrenalinschub erzeugt. Er war zappelig, und das wÃ¼rde nicht besser werden, indem er in Warrens BÃ¼ro saÃ, und Ã¼ber die Seelen-saugende DÃ¤monin nachdachte, die ihn bestimmt noch eine ganze Weile lang in seinen AlbtrÃ¤umen heimsuchen wÃ¼rde.

Er schaute hoch in die Ã¼berwÃ¤ltigende Dunkelheit des Himmels und wusste, dass die ersten Streifen des Morgenrots nicht mehr weit weg waren. Mit dem Drang, sich aus dem Stadtzentrum zu entfernen, bewegte er sich so schnell durch die StraÃen, dass, wenn jemand es beobachtet hÃ¤tte, er ihn trotzdem nicht gesehen hÃ¤tte. Der Nachteil daran war, dass er jetzt meilenweit von Michaels Zuhause weg war.

Er wollte Scrappy sehen und sich mit dem Hund am Sofa zusammenrollen, mit einer schÃ¶nen Flasche Wein, einer Ã¼bergroÃen SchÃ¼ssel Popcorn undâ¦ einem Horrorfilm? Kane schÃ¼ttelte den Kopfâ¦ was, zum Teufel, dachte er da? Scrappy wÃ¼rde hÃ¶chstwahrscheinlich den Film auswÃ¤hlen, und das konnte im Augenblick etwas Gutes oder Schlechtes verheiÃen. Ihnen beiden gefielen die Filme, in denen Tiere sprechen konnten.

Kane wurde langsamer und sah sich in seiner Umgebung um, als ihm klar wurde, dass etwas ihn in diese Richtung gesteuert hatte. Zuerst dachte er, dass Misery ihn hierher gelenkt hatte. Er schÃ¼ttelte seinen Kopf und verwarf die Idee, als ein Bild von Tabatha in der Kirche in seinem Kopf aufblitzte. Er konnte ihre Anwesenheit fÃ¼hlen, zum ersten Mal in der ganzen Nacht. Kane vergaÃ alles Ã¼ber Monster, die unter dem Bett LÃ¤rm machten, oder im Schrank polterten.

Tabatha war seine Seelenfreundin und jetzt, wo er ihr Blut getrunken hatte, war ihre Verbindung nur noch stÃ¤rker. Der einzige Grund, wieso er das vorige Woche nicht bemerkt hatte, war, weil dieser Gefallene Engelâ¦ Krissâ¦ sie so weit von ihm weggeflogen hatte, verdammter Mistkerl. Er begann sich zu fragen, ob er unter Trennungsangst litt.

Als er durch diesen Teil der Stadt wanderte, fand er sich selbst innerhalb von Minuten bei ihrem Haus wieder. Leise landete er auf dem Dach eines benachbarten Hauses, machte es sich gemÃ¼tlich und beobachtete sie durch ihr Schlafzimmerfenster. Seine scharfen Augen betrachteten ihr Haar, das Ã¼ber das Kissen ausgebreitet war, und wie ihre Lippen sich leicht Ã¶ffneten, als sie tief ausatmete. Er hatte nie einen solchen Frieden gefÃ¼hlt, wie genau jetztâ¦ als er ihr beim Schlafen zusah.

Kane fragte sich, wie er in ihren Augen aussah. Ãhnelte er den anderen Monstern, die sie getroffen, oder von denen sie getrÃ¤umt hatte? Hatte sie Ã¼berhaupt eine Vorstellung davon, wie tief seine GefÃ¼hle fÃ¼r sie gingen?

Er wÃ¤re beinahe von seinem Platz am Dach aufgestanden, bereit, zu ihr zu gehen, als er ihren Schrei in seinem Kopf hÃ¶rte. Der Laut war aus ihren TrÃ¤umen gekommen, aber der gedankliche Aufschrei lieÃ ihn zusammenzucken, denn er erinnerte ihn an die Art, wie sie als Kind vor so vielen Jahren geschrien hatte. Bis heute hatte er ihr nur Schmerzen bereitetâ¦ hatte sie zum Bluten gebracht.

Kane wandte sich gerade zum Gehen, als er sah, wie Tabathas ZimmertÃ¼r sich Ã¶ffnete. Seine Muskeln spannten sich an, bereit, den Eindringling anzugreifen, als er den Gefallenen Engel, Kriss, in Tabathas Schlafzimmer kommen und sich zu ihr ins Bett kuscheln sah. Kane erkannte, dass der Gefallene Engel beunruhigt war, aber er fÃ¼hlte, wie sich Wut in ihm aufbaute, als Kriss einen Arm um sie legte und sie wie ein Liebhaber an sich zog.

Er spÃ¼rte, wie der Friede zerbrach und noch mehr Zorn schwappte durch ihn, wÃ¤hrend er sie beobachtete. Als er sich angestrengt konzentrierte, konnte er mit seinem ausgezeichneten GehÃ¶r ihre geflÃ¼sterte Unterhaltung belauschen. Er runzelte einen Augenblick lang seine Stirn, als er erkannte, dass seine Macht grÃ¶Ãer war als frÃ¼her. Er war Ã¼berrascht und seine Stirn grub noch tiefere Furchen, als er ihre HerzschlÃ¤ge sogar auf diese Entfernung hÃ¶ren konnte.

âDean will nicht, dass ich ihn findeâ, seufzte Kriss und fragte sich, ob es die DÃ¤monin war, hinter der Dean her war, oder der andere Gefallene Engel, der mit ihr da unten gewesen war. Er wÃ¼nschte sich, dass Dean gewartet hÃ¤tte. Etwas an der Aura des anderen Gefallenen Engels lieÃ Kriss vorsichtig sein. Insgeheim hoffte er, dass Dean es nicht schaffen wÃ¼rde, einen der beiden aufzuspÃ¼ren.

âIch mÃ¶chte wissen, was geschehen istâ, flÃ¼sterte Tabby. âNach dem, was Envy und Devon gesagt haben, war Dean wohl den GroÃteil des Tages dort unten mit der DÃ¤monin gefangen und hÃ¤tte es fast nicht Ã¼berlebt.â

âIch werde ihn fragen, sobald ich ihn findeâ, erklÃ¤rte Kriss, wobei er es nicht schaffte, die Besorgnis nicht durchklingen zu lassen.

âDean liebt dichâ¦ er wird nicht lange wegbleiben.â Tabatha schloss die Augen und hoffte um Kriss' Willen, dass sie recht hatte.

âSchlaf jetztâ, flÃ¼sterte Kriss und hoffte, dass sie recht hatte, dass Dean bald zurÃ¼ckkommen wÃ¼rde. Er hatte nicht gesehen, wie der andere Gefallene Engel ausgesehen hatte, weil er sich so schnell bewegt hatte, aber er hatte ihn einen Moment lang gefÃ¼hlt, bevor die Aura der DÃ¤monin die seine Ã¼bertÃ¶nte. Wenn nur das kurze GefÃ¼hl ihn schon so verstÃ¶rte, konnte er sich vorstellen, was Dean durchmachte.

Die Gefallenen Engel waren so selten, dass es ihnen den Atem raubte, wenn sie in der NÃ¤he eines anderen waren. Die meisten dachten, dass sie die Gefallenen Engel aus der Legende waren, die auf die Erde verbannt wurden, um zu helfen, sie zu schÃ¼tzenâ¦ aber Legenden sind oft nur Halbwahrheiten, die mit den Worten von Menschen, die sich nach einem Helden, oder manchmal einem Feind, sehnen, angepasst wurden.

Die Gefallenen Engel waren aus einer anderen Dimension auf die Erde gekommenâ¦ ebenso wie die DÃ¤monen. Die Legenden nannten diese Dimension den Himmel, aber da irrten sie.

Laut dem Mythos zerstÃ¶ren sie DÃ¤monenâ¦ wieder nur eine halbe Wahrheit. Die Bibel behauptet, dass sich die Gefallenen Engel mit den schÃ¶nen Frauen auf der Erde gepaart hatten, und dafÃ¼r bestraft worden warenâ¦ und das waren von allen Worten der Propheten noch diejenigen, die der Wahrheit am ehesten entsprachen.

Der Grund, weshalb die Gefallenen Engel sich nun nicht mehr mit den Frauen der Erde paarten warâ¦ weil das Produkt einer solchen Vereinigung die Geburt von DÃ¤monen war. Es waren die Gefallenen Engel gewesen, die die DÃ¤monen erschaffen hatten.

Als die ersten Gefallenen Engel aufgetaucht waren, waren es viele gewesen, aber als die DÃ¤monen geboren worden waren, und das zerstÃ¶rten, was die Engel liebten, wandten sie sich gegen ihre eigenen Kinder und kÃ¤mpften. Die Zahlen auf beiden Seiten schrumpften und das Tor zwischen den beiden Dimensionen hatte begonnen, sich zu schlieÃen.

Einige der ursprÃ¼nglichen Gefallenen Engel waren verschwunden, es wurde angenommen, dass sie ihre Leben im Kampf gegen die DÃ¤monen, die sie erschaffen hatten, verloren hatten. Die meisten Ãberlebenden hatten sich entschieden, zurÃ¼ck nach Hause zu gehen, damit sie der VerfÃ¼hrung der Menschenfrauen nicht mehr verfallen konnten. Sie waren es gewesen, die die jungen Krieger zurÃ¼ck in diese Welt geschickt hatten, um auf sie aufzupassenâ¦ die Menschen vor den Monstern zu schÃ¼tzen.

Es gab nur eine Regelâ¦ sie durften sich nicht mit den Frauen dieser Welt paaren, auÃer, wenn sie sie danach tÃ¶teten. Ein Kind der reinen ZÃ¼chtung war auf jedem Energiepunkt der Erde positioniert worden und nur wenige hatten so lange Ã¼berlebt. Die Legenden schrieben, dass sie unsterblich warenâ¦ die Legenden irrten.

Die Gefallenen Engel waren nicht unsterblich, sie lebten nur sehr langeâ¦ Jahrtausende auf der Erde entsprachen ihrer Lebenserwartung. Sie konnten auÃerdem auch von Menschen und DÃ¤monen getÃ¶tet werdenâ¦ obwohl es fÃ¼r einen Menschen sehr schwer zu bewerkstelligen war.

Syn hatte die wahren Legenden gekannt, und sie an seine 'Kinder' weitererzÃ¤hlt. Als er sich an diese Lehren erinnerte, verstand Kane, wie sehr Kriss Tabatha liebteâ¦ genug, um sich nicht mit ihr zu paarenâ¦ und so sehr, dass er nicht zulieÃ, dass jemand, von dem er dachte, dass er wenig mehr als ein DÃ¤mon war, sie haben konnte. Scheinbar war er nicht der einzige mit dunklen Geheimnissen. Kanes Mundwinkel deuteten ein verstÃ¤ndnisvolles LÃ¤cheln an, als er sich umdrehte und wegging.



*****



Envy und Devon warteten an der Bar, als die ersten Leute fÃ¼r die Versammlung auftauchten. Sie und Kat unterhielten sich, versuchten einander noch alles zu erzÃ¤hlen, was geschehen war, wÃ¤hrend Devon und Quinn sich im Hintergrund hielten und sie mit erhobenen Augenbrauen anstarrten.

âWelche Sprache sprechen sie noch einmal?â, fragte Devon.

âSie hat keinen Namenâ, erklÃ¤rte Quinn. âEs ist ein Ritual, das Weibchen recht hÃ¤ufig durchfÃ¼hren. Es beginnt noch unschuldig und bevor wirs uns versehen sind sie unterwegs zum Shoppen und wir stehen vor den Umkleidekabinen und mÃ¼ssen ihre Handtaschen halten.â

âDu musst auch die Tasche halten, wÃ¤hrend sie in die MÃ¤dchen-LÃ¤den geht und Dessous kauft, die du bis zu eurem Hochzeitstag nicht sehen darfstâ, mischte Nick sich grinsend ein.

Warren klopfte mit der Hand auf Nicks Schulter. âGlaub mir, kleiner Bruder, du wirst mit dem grÃ¶Ãten VergnÃ¼gen diese Taschen halten, wenn es soweit ist.â

Ein Paar Arme schlang sich von hinten um Warrens Hals und Michaels Gesicht tauchte zwischen den beiden auf. âHeiÃt das, wir gehen Einkaufen?â

âNatÃ¼rlichâ, sagte Warren grinsend. âWir gehen zu dem Sex-Shop, der dir so gefÃ¤llt.â

Michaels Gesichtsausdruck wurde vertrÃ¤umt. âOh ja, Peitschen, Ketten, sexy UnterwÃ¤scheâ¦ Leder.â

âWas zurâ¦â Nick stand plÃ¶tzlich auf und entfernte sich von den beiden, sodass Devon ein Grunzen entkam.

âHomophobâ, murmelte Devon.

âHalt's Maul!â, knurrte Nick. âSie sind entweder sehr gute LÃ¼gner, oder es ist beÃ¤ngstigend wahr.â

Die TÃ¼r ging auf und Steven kam mit Alicia und Jewel herein. Alicia hatte ihren Schrank durchsucht und ein hÃ¼bsches, violettes Sommerkleid fÃ¼r Jewel gefunden, das sie nun trug, bis sie mehr Kleider kaufen konnte. Zum GlÃ¼ck hatten sie etwa die gleiche GrÃ¶Ãe, also fiel es kaum auf. Alicia hatte Steven auch gesagt, dass, bis er Jewel mehr Kleider kaufen konnte, diese gerne jederzeit ihren Schrank plÃ¼ndern konnte.

Steven trat sofort an den Tisch, wo Quinn und Devon mit Nick saÃen, direkt gegenÃ¼ber von der Bar, wo Kat arbeitete.

âIch sehe, wir sind nicht zu spÃ¤tâ, sagte Steven und lÃ¤chelte innerlich, als er sah, wie Jewel Alicia anlÃ¤chelte. Er erkannte, dass er sie bisher noch nie lÃ¤cheln gesehen hatte, und er fÃ¼hlte sofort einen schmerzlichen Verlust, als das LÃ¤cheln wieder verblasste.

Warren sah sich um. âGenau genommen, glaube ich, es sind alle hier.â

âNicht ganzâ, sagte Envy. âWir warten noch auf Chad.â

In genau diesem Moment ging die TÃ¼r auf und Chat trat ein, Trevor und Zachary im Schlepptau.

âWas, zur HÃ¶lle, macht der hier?â, wollte Devon wissen und stand auf.

âChad ist ein Polizistâ, erinnerte Envy. âEr weiÃ schon einen Teil von dem, was vor sich geht, und er hat das Ende von dem mitbekommen, was am Friedhof geschah. Er ist involviert, ob er es will oder nicht. AuÃerdemâ, fuhr sie fort, âwird er dir die Bullen einige Zeit vom Hals halten kÃ¶nnen.â

âIch meinte nicht deinen Bruder.â Devons Stimme klang gefÃ¤hrlich scharf.

Kat nickte, als sie sah, dass Envy sich bereit machte, unkluger Weise auch fÃ¼r Trevor einzustehen. Da sie nicht einen kompletten kÃ¶niglichen Kampf miterleben wollte, trat sie von der Bar weg und stellte sich selbst in die Schusslinie.

âTrevor kann auch hierbleibenâ, sagte sie streng und verschrÃ¤nkte ihre Arme vor ihrer Brust. âSchlieÃlichâ¦ spielt er auch gut mitâ, meinte Kat mit einem Augenzwinkern in Richtung des blonden Mannes, der spÃ¶ttisch salutierte.

Quinn stand von seinem Stuhl auf und ging hinÃ¼ber zu Kat, schlang einen Arm um ihre Taille und zog sie an sich. âIch werde dich im Auge behalten mÃ¼ssenâ¦ nicht wahr?â, murmelte er neckisch, aber der Ausdruck in seinen Augen erzÃ¤hlte eine andere Geschichte.

âKÃ¶nnen wir einfach beginnen?â, fragte Kane aus den Schatten.

Alle auÃer Michael zuckten erschrocken zusammen, als sie die Stimme hÃ¶rten. Er war so leise gewesen, dass niemand gewusst hatte, dass er hier war.

âDu hast rechtâ, erklÃ¤rte Warren. âIch denke, es wissen alle, wieso wir hier sind.â Er sah zu Chad hinÃ¼ber, der kurz nickte, um anzugeben, dass er alles verstand, bevor er seinen Blick auf Trevor und Zachary wandte. âBevor wir darÃ¼ber reden wollen, was am Friedhof vorgefallen ist, habe ich eine Frage an Trevor.â

Trevor zog seine Augenbrauen zusammen. âUnd zwar?â

âWas, zum Teufel, bist du?â, fragte Devon, ehe Warren wieder zu Wort kommen konnte.

âIch bin ein Formwandler wie die meisten hierâ, antwortete Trevor.

Kane grunzte in den Schatten, sodass alle in seine Richtung blickten.

âWeiÃt du etwas von ihm?â, fragte Envy. Es war ja nicht so, als wÃ¼rde sie Trevor auch nur ein Wort glaubenâ¦ er hatte schon bewiesen, wie gut er im LÃ¼gen war.

âVielleicht, aber ihr mÃ¼sstet richtig lieb zu mir sein, wenn ihr es erfahren wolltâ, sagte Kane belustigt. Er wÃ¼rde seine Laune an sich darauf schieben, dass er mit dem falschen FuÃ aufgestanden war, aberâ¦ er war ja gar nicht erst zu Bett gegangen.

Devon war auf den Beinen und hielt Kane am Kragen seines Mantels gepackt in die Luft. âIch glaube, wir haben es satt, lieb zu seinâ, knurrte der Jaguar.

Kane grinste auf den Formwandler hinunter. âOh, das ist aber schade. Ich habe meinem HÃ¼ndchen schon gesagt, was fÃ¼r ein Schatz du bist, und er hat sich so darauf gefreut, einen neuen SpielgefÃ¤hrten zu bekommen.â Sie beide wussten, wer der Sieger sein wÃ¼rde, wenn sie sich entschieden sich miteinander anzulegenâ¦ und es war nicht die Mieze Katze.

âDein HÃ¼ndchen?â, fragte Jewel und ihre Augen leuchteten auf, bei dem Gedanken an etwas SÃ¼Ães, Knuddeliges. Ihre Lippe zuckte als sie sich vorstellte, wie ein Hund sich zu all den Katzen im Raum gesellte.

âEs ist eine Ã¼bergroÃe Wollmausâ, murmelte Michael.

Warren drÃ¼ckte Daumen und Zeigefinger auf seinen NasenrÃ¼cken und Quinn kÃ¤mpfte dagegen an, Ã¼ber seinen Jaguar-Schwager zu lachen.

âDevon, lass Kane runter und begib deinen Hintern in einen Stuhlâ, brummte Warren. âWir werden die Diskussion Ã¼ber Trevor spÃ¤ter beenden.â

Nick, Devon und Kat sahen Warren alle mit groÃen Augen an. Einer normalen Person, die Warren nicht kannte, wÃ¤re es nicht aufgefallen. Warren war aufgeregt Ã¼ber die Aussicht, dass es einen neuen Formwandler in der Gegend gab, und er wollte mehr Ã¼ber die unbekannte Rasse wissen.

Devon stellte Kane wieder auf seine FÃ¼Ãe und stampfte zurÃ¼ck zu seinem Stuhl neben Warren. Die TÃ¼r ging auf und Kriss kam herein, Arm in Arm mit Tabatha. Devon lieÃ ein LÃ¤cheln um seine Lippen spielen als er zu dem blonden Vampir hinÃ¼ber starrte. Er konnte Kane vielleicht nicht auf seinen Platz verweisen, aber der Mann, der eben hereinspaziert kam, konnte es und er wusste, dass Kriss den reformierten Vampir nicht gerade liebte.

âKommen wir zu spÃ¤t?â, fragte Tabatha, die froh war, dass sie die Diskussion mit Kriss gewonnen hatte, und dass sie nun doch gekommen waren. Manchmal konnte Kriss ein bisschen Ã¼berfÃ¼rsorglich seinâ¦ ein schweres Bisschen.

âNein, ihr kommt genau richtigâ, sagte Envy. âWir haben noch nicht wirklich angefangen.â

Tabatha gesellte sich zu den Frauen an der Bar und setzte sich auf einen Hocker, wÃ¤hrend Kriss neben Chad stehenblieb.

Kanes Herz sprang bis in seinen Hals hoch, als Tabatha hereinkam und er musste gegen den Drang ankÃ¤mpfen, sie in seine Arme zu schlieÃen, und sie von hier wegzubringen. Er trat weiter zurÃ¼ck in die Schatten, sodass nur noch seine Silhouette schwach zu sehen war. Sein Blick wanderte hinÃ¼ber zu dem Gefallenen Engel und er zog innerlich den Kopf Ã¼ber den tÃ¶dlichen Blick ein, den der Mann ihm zuwarf.

âWir mÃ¼ssen mehr Ã¼ber die DÃ¤monin erfahren, die im Friedhof gefangen warâ, fuhr Warren fort. âWir mÃ¼ssen wissen, wie sie aussieht, und nachdem Dean verschwunden ist, ist Kane der einzige hier, der sie gesehen hat.â

Kane hatte eine Zigarette genommen und Ã¶ffnete sein Feuerzeug. Das Licht der Flamme erhellte einen Augenblick lang sein Gesicht, sodass sie sehen konnten, wie besorgt seine Augen waren.

Tabatha vergaÃ zu atmen, als ihr Blick auf die kleine Flamme schoss und sie Kane sah. Seine perfekten Lippen waren leicht gewÃ¶lbt, als er seine Zigarette anzÃ¼ndete und seine Augen wurden von dunklen Wimpern beschattet. Beschattet oder nicht, sie konnte seinen Blick so fÃ¼hlen, als wÃ¼rde seine Hand ihre Haut streicheln. Als sie abgelenkt wurde, durch etwas, das ihren Arm berÃ¼hrte, sah sie hoch und erkannte Kriss, der nun direkt neben ihr stand.

âIhr Name ist Miseryâ, sagte Kane nach ein paar Sekunden. âDas Problem istâ¦ ich weiÃ nicht so genau, wie sie aussieht.â

âWie kannst du nicht wissen, wie sie aussieht?â, fragte Kriss scharf, tiefe Runzeln auf seiner Stirn. âDu warst, wer weiÃ wie lange, dort unten mit Dean.â

âKannst du mich ausreden lassen, Federtier?â, fragte Kane mit sarkastischer Stimme.

Kriss' Augen wurden bei der Beleidigung schmal.

âGutâ, gab Kane zurÃ¼ck. âDer Grund, weshalb ich nicht wirklich weiÃ, wie sie aussieht, ist, weil sie ihr Aussehen immer wieder verÃ¤ndert hat. Einen Augenblick lang war sie ein hÃ¼bsches, kleines MÃ¤dchen mit einer hÃ¶llisch beÃ¤ngstigenden PersÃ¶nlichkeit, dann war sie eine verrottende Leiche, eine schwarze Rauchwolke und als letztes eine schÃ¶ne Frau. Das scheinen ihre liebsten Gestalten zu sein. Sie ist ausgesprochen mÃ¤chtig, wenn sie es geschafft hat, zwei Gefallene Engel gleichzeitig festzuhalten.â

Kriss atmete tief ein und nickte. âEinige DÃ¤monen haben wohl diese Macht.â

âWir haben eine DÃ¤monenspezialistin, die gerade am Weg hierher istâ, sagte Zachary schlieÃlich. âIhr Flug sollte innerhalb der nÃ¤chsten zwei Stunden oder so ankommen. Wenn sie hier ist, ist es wohl das Beste, wenn ihr Misery einfach ihr Ã¼berlasst.â

Kane hob eine Augenbraue. âIhr?â

âJaâ, sagte Trevor. âIhr Name ist Angelica. Sie hat Informationen von so ziemlich jeder Legende, jedem Mythos und jedem MÃ¤rchen der Welt. Wenn es auch nur irgendeine Geschichte Ã¼ber Misery gibt, dann hat sie sie auf ihrem Computer.â

Alicia seufzte frustriert. âSchÃ¶n, sie kann die DÃ¤monin haben. Ich mÃ¶chte wissen, was wir tun werden, um Micah zu finden.â

âMicah kann auf sich selbst aufpassenâ, erklÃ¤rte Quinn.

Die Wahrheit war, dass er im letzten Streit zwischen ihm und Micah, Micah befohlen hatte, sich ruhig zu verhalten und sein Bruder hatte nicht gefolgt, was nur eines bedeuten konnteâ¦ sie hatten nun zwei AlphamÃ¤nner im Puma-Klan, und das war vÃ¶llig unerhÃ¶rt. In der Vergangenheit hatte es immer zu einem Kampf auf Leben und Tod gefÃ¼hrt.

Quinn liebte Micah und war stolz auf ihn, dass er so stark fÃ¼r seine Interessen eintrat. Das Allerletzte, was er wollte, war, dass einer ihrer Streits auÃer Kontrolle geriet.

âAber er weiÃ nicht, was geschehen istâ, rief Alicia, die sich an jeden Grund klammerte, wie sie die anderen dazu bringen konnte, nach ihm zu suchen. âWas, wenn er Misery Ã¼ber den Weg lÃ¤uft und verletzt wirdâ¦ oder getÃ¶tet? Weg oder nicht, er ist Teil unseres Klans.â

âDa hat sie wohl einen Punkt, alter Jungeâ, warf Kane ein, der Quinns Gedanken gelesen hatte und ihm auf die SprÃ¼nge helfen wollte.

Alicia schielte hinÃ¼ber zu den Schatten und errÃ¶tete, ehe sie wieder wegsah. Es fÃ¼hlte sich gut an, dass endlich einmal jemand auf ihrer Seite war, und es aussprach. Was Alicia nicht wusste, war, dass ihre ganze Familie Micah immer in ihren Gedanken hatte, seit sie ihn zum letzten Mal gesehen hatten; direkt nachdem er sich mit Anthony angelegt hatte.

Kane erwiderte ihr LÃ¤cheln, obwohl sie es nicht sehen konnte. Scheinbar war sie die einzige in der Gruppe, die Mumm hatte.

âDas letzte Mal, wo wir Micah gesehen haben, hat er mit Anthony Valachi gestritten und ihn aus dem Club geworfenâ, sagte Steven leise. âDas war kurz bevor er verschwand.â

âDer Werwolf?â, fragte Trevor und legte seinen Kopf schief.

âJa, und nebenbei hat Steven sich auch noch mit Anthonys Verlobter gepaartâ, erzÃ¤hlte Quinn ihm und allen, die es noch nicht gehÃ¶rt hatten.

Jewel runzelte die Stirn, als ihr klar wurde, dass Steven ihr die Wahrheit darÃ¼ber gesagt hatte, dass Anthony vielleicht eine Spur zu seinem fehlenden Bruder sein kÃ¶nnte. Sie biss sich auf ihre Lippe und fragte sich im Stillen, ob das der einzige Grund war, weshalb Steven ihr geholfen hatte. Nein, das war dumm. Als Steven sie aus der Kirche mitgenommen hatte, hatte er noch nicht einmal gewusst, dass Anthony ihr Verlobter war.

Sie hÃ¶rte die unausgesprochene Anschuldigung in Quinns Stimme und spannte ihre Schultern an. Ein beschÃ¼tzender Instinkt bohrte sich in ihr nach vorne, und sie musste ihm Luft geben.

âSteven wusste nicht, wer mein Verlobter war, und ich hatte keine Ahnung, dass Anthony ein Werwolf warâ, erklÃ¤rte Jewel mit fester Stimme. âIch habe ihm erst von Anthony erzÃ¤hlt, nachdem wir uns gepaart hatten. Also wenn du jemandem die Schuld geben musst, dann mir.â

Quinn hatte so viel Anstand, leicht betroffen auszusehen und Kat streckte unauffÃ¤llig ihren Daumen in die Luft.

Jewel lehnte sich zurÃ¼ck an die Theke und begann wieder, an ihrer Unterlippe zu kauen. Stevens Ã¤lterem Bruder, dem Alphamann der Pumas, die Stirn zu bieten, hatte sie etwas verÃ¤ngstigt.

Sie sah hinÃ¼ber zu Steven und entspannte sich, als sie den Stolz fÃ¼r sie in seinen Augen leuchten sah. Etwas in ihr wurde weich und sie musste mit aller Kraft kÃ¤mpfen, um die Schutzmauer darum herum wieder aufzubauen. Ihr Herz begann schneller zu schlagen, und sie fragte sich, ob sie sich in ihn verliebte.

âAnthony Valachi steht schon eine ganze Weile unter Verdachtâ, meldete sich Chad zu Wort. âDie Polizei hat Grund zu der Annahme, dass er nicht nur an Menschenhandel sondern auch an Sklaverei beteiligt ist. Es gibt auch GerÃ¼chte, dass seine MÃ¤nner Prostituierte aufgesammelt und entfÃ¼hrt haben, um sie als Sexsklaven zu verkaufen.â

âWieso macht die Polizei dann nichts dagegen?â, fragte Kat.

âUns wurde befohlen, uns aus der Sache herauszuhalten, weil das FBI die Ermittlungen Ã¼bernommen hatâ, antwortete Chad. âLeider ist es so, dass, wenn das FBI auftaucht, wir kein Mitspracherecht mehr haben, und nichts tun kÃ¶nnen, als uns herauszuhalten, es sei denn, wir wollen neben den bÃ¶sen Jungs im GefÃ¤ngnis landen.â

Steven nickte und beschloss, dass es Zeit war, ihnen die ganze Wahrheit zu erzÃ¤hlen. âJewels Vater wurde vor einer Weile vom FBI festgenommen. Das war der Grund, weshalb Jewel sich Ã¼berhaupt erst mit Anthony verloben musste.â Er warf Jewel ein liebevolles LÃ¤cheln zu, ehe er sich wieder an die Gruppe wandte.

âIhr Vater war der Manager des Resorts in Palm Springs und Anthony war nicht glÃ¼cklich Ã¼ber den Durchsuchungsbefehl, den sie hatten, oder darÃ¼ber, dass Arthur sie auf das Anwesen lieÃ. Als er seinen Fehler erkannte, hat Arthur den Agenten umgebracht und wurde wegen Mordes verhaftet. Um seine Haut zu retten versprach Arthur Anthony, dass er Jewel heiraten durfte, als Bezahlung dafÃ¼r, dass er ihn da herausholte.â

âEr ist derjenige, der meinen Vater umgebracht hat. Ich weiÃ es sicherâ, sagte Jewel und ballte ihre Faust. âAlso, wann kÃ¶nnen wir ihn angreifen?â

âWir brauchen ihn nicht anzugreifenâ, erklÃ¤rte Chad. âWir werden uns einen Plan ausdenken und dann werden wir es bekanntmachen, dass du unter dem Schutz der Wilders stehst. Wenn er kommtâ¦ holen wir ihn uns.â

âIch denke, das kÃ¶nnte das Gesetz ein wenig zu sehr ausreizenâ, berichtigte Trevor. âHalte Jewel noch ein paar Tage lang geheim, und lass mich und Zachary sicherstellen, dass sich das FBI nicht einmischt, und alles in eine groÃe Katastrophe verwandelt.â

âWieso sollten sie sich einmischen?â, fragte Kat. âIhr seid doch von der paranormalen Organisationâ¦ stehen die nicht Ã¼ber dem FBI?â

âNur auf gewissen Gebietenâ, entgegnete Trevor. âDie meisten im FBI haben keine Ahnung, dass wir Ã¼berhaupt existieren. He, nicht einmal der PrÃ¤sident der Vereinigten Staaten weiÃ von uns. Wir stehen weit Ã¼ber deren KÃ¶pfen, und damit wir dieses Recht bekommen, mÃ¼ssen wir beweisen, dass da etwas Paranormales vorgeht.â

âBedeutet das, dass zumindest ein Teil der Regierung von uns weiÃ?â, fragte Nick, dem das unruhige GefÃ¼hl, das er davon bekam, nicht gefiel.

Trevor schÃ¼ttelte den Kopf. âNicht genau Ã¼ber euchâ¦ aber sie wissen, dass es da etwasâ¦ ungewÃ¶hnlichere Wesen gibt. Ihr steht unter demselben Schutz wie die Menschenâ¦ vielleicht sogar noch mehr und mit nicht so strengen Regeln, und unter dem Schutz einer kleinen, aber mÃ¤chtigen Regierung in und Ã¼ber der Regierung.â Er kratzte sich am Kopf und hoffte, dass alle seiner vagen Version der Wahrheit folgen konnten.

âMeine Sorge ist, dass das FBI sich zu weit darin vertieft und dann erst zu spÃ¤t bemerkt, dass sie sich mit WerwÃ¶lfen anlegen und nicht mit Menschen.â Chad runzelte die Stirn als er verstand, was Trevor gerade gesagt hatte, und es gefiel ihm nicht. Sollte das heiÃen, dass die Paranormalen mehr Rechte hatten, als die Menschen? Vielleicht war er ja ein wenig parteiisch, aber er war zufÃ¤llig einer dieser niedrigen Menschen.

Trevor schÃ¼ttelte den Kopf. âDie Mafia wird sich nicht gleich ein Fell umlegen und das FBI angreifen. AuÃerdem, wenn die Welt von WerwÃ¶lfen erfÃ¤hrt, dann sind sie als nÃ¤chstes dran, um auszusterben, und die WerwÃ¶lfe wissen das. Das letzte Mal, wo sie sich selbst zeigten, wurden sie fast bis zur Ausrottung verfolgt.â

âLasst mich ein paar Anrufe tÃ¤tigen und sehen ob wir alle Rechte Ã¼ber den Valachi-Fall habenâ, bot Zachary an. âWenn wir die haben, dann haben wir freie Hand und kÃ¶nnen alle rekrutieren, die wir als qualifiziert ansehen.â Er sah sich in der Gruppe um, wusste, dass das fast alle im Raum waren und sie wÃ¼rden ImmunitÃ¤t genieÃen, egal, wie die Dinge sich wenden wÃ¼rden.

WeiÃ jemand, welches Auto Micah an dem Tag, wo er verschwunden ist, gefahren hat?â, fragte Chad. âIch kann es mit meinem Streifenwagen suchen und eine Suchmeldung dafÃ¼r aufgeben.â

âSein Motorradâ, sagte Alicia schnell, dann wurden ihre Augen groÃ, als sie sich daran erinnerte, wie sie Warren gesagt hatte, dass sie im Gewitter der letzten Nacht mit demselben Motorrad gekommen war. Als sie zu ihm hinÃ¼ber schielte, seufzte sie erleichtert, als er ihr nur kurz zuzwinkerte.

Nick gab noch seinen Senf dazu. âIch bin auch dafÃ¼r, dass wir uns von Misery fernhalten, aber die Vampire pflanzen sich fÃ¼r sie fort und das kÃ¶nnen wir nicht zulassen.â

âAlle sind eingeteilt zur SchÃ¤dlingsbekÃ¤mpfungâ, stimmte Warren zu.

âNicht alle, hoffe ich.â Trevor sah hinÃ¼ber zu Envy.

Zachary trat diskret vor Trevor, um den tÃ¶dlichen Blick, den Devon seinem Freund zuwarf, abzuwehren. âIch glaube, es wird auch Zeit, dass wir ein paar GefÃ¤lligkeiten zurÃ¼ckverlangen und mehr von unserem Team herholen.â

âDu meinst es gibt noch mehr von euch?â, fragte Steven.

Zachary rammte seine HÃ¤nde in seine Hosentaschen und legte seinen Kopf schrÃ¤g. Das weiche Licht der Lampen schien in sein blondes, stacheliges Haar und er grinste. âEs tut mir leid, dass ich dich enttÃ¤uschen muss, aber es gibt nur einen von mir. Ich wollte mich klonen, aber unser Ã¤ngstlicher AnfÃ¼hrer hier lÃ¤sst mich nichtâ, erklÃ¤rte er und zeigte mit dem Daumen auf Trevor.

âHalt's Maul, verdammt und mach dich ans Telefonierenâ, rief Trevor. âWenn es noch einen von dir gÃ¤be, wÃ¼rde Angelica ihn umbringen, nur damit sie sagen kann, dass sie es endlich geschafft hat.â

Zacharys Gesichtsausdruck wurde vertrÃ¤umt. âOh, von diesen wunderbaren Doc Martin's zertrampelt zu werden, die sie in ihrem Schrank versteckt.â

Trevor machte einen aufgebrachten Schritt auf seinen Partner zu und Zachary rannte sofort durch den Raum um sich hinter Kane zu verstecken.

âGibt es einen Grund, wieso du mich als Schutzschild verwendest?â, fragte Kane.

âJaâ, rief Zachary. âLass mich kurz darÃ¼ber nachdenken, dann sag ich dir einen.â

Kane grinste. âLass mich kurz nach Hause gehen, dann suche ich meine Doc Martin's.â

Zachary machte schnell ein paar Schritte rÃ¼ckwÃ¤rts von Kane weg und hob seine HÃ¤nde. âLangsam, Mann, ich bin nicht schwul.â

âZachary!â, rief Trevor.

âOkay, okayâ, sagte Zachary und zog sein Handy heraus. âMann, ich bin umgeben von Leuten ohne jeden Sinn fÃ¼r Humorâ¦ Angelica wird diesen Haufen lieben.â



Kapitel 4

Kane lehnte an dem Kreuz wenige Meter hinter Michael und starrte hinaus auf die Stadt, fragte sich, wo Misery sich versteckte, und ob sie Ã¼berhaupt noch in der Stadt war. Es gab dort drauÃen eine ganze Welt, die sie terrorisieren kÃ¶nnte, aber das Karma war kein Wunschkonzert und seine Instinkte auch noch, und die erzÃ¤hlten ihm, dass sie nicht weit weg war.

Er verzog das Gesicht, als er sich vorstellte, wie sie als verrottende Leiche Ã¼ber den Gehsteig spazierte, dann unterdrÃ¼ckte er ein Schaudern, als das Bild von dem gespenstischen kleinen MÃ¤dchen in seinem Kopf auftauchte und er entschied, dass die Leiche weniger beÃ¤ngstigend war. Ãber die Jahrhunderte hatte er manchmal gesehen, wie erwachsene Vampire Kinder verwandelt hatten.

Was viele von ihnen nie lernten, war, dass Kinder oft viel wilder waren, als ihre erwachsenen 'Eltern'. Sie wurden dann von der Hand des Erwachsenen getÃ¶tet, oder das Kind ermordete denjenigen, der es verwandelt hatte. Er musste zugeben, dass eine Frau, die ein Buch Ã¼ber Vampire geschrieben hatte, die richtige Vorstellung gehabt hatte.

Er hoffte, dass, wer auch immer diese DÃ¤monenexpertin war, die Trevor erwÃ¤hnt hatte, wusste, was sie tatâ¦ aber er bezweifelte es.

Die Erinnerung an die DÃ¤monin hatte ihn dazu gebracht, Michael auf Schritt und Tritt zu folgenâ¦ das, und die Tatsache, dass ihn das davon abhielt, Tabatha zu verfolgen, jetzt, wo sie wieder in der Stadt war. Es brauchte eine groÃe Willensanstrengung, um es nicht zu tun. Schon alleine im selben Raum zu sein wie sie, hatte ihm kÃ¶rperliche Schmerzen verursachtâ¦ Schmerzen, von denen er gewusst hatte, dass er sie nicht viel lÃ¤nger ertragen hÃ¤tten kÃ¶nnen, wenn er geblieben wÃ¤re. Sein Blick wanderte wieder zurÃ¼ck zu seinem Freund und er lehnte sich schwerer an das Kreuz.

Er musste zugeben, wenn man alleine sein wollte, und doch von Menschen umgeben, dass das Dach der hÃ¶chsten Kirche der Stadt ein faszinierender Ort dafÃ¼r war.

MerkwÃ¼rdiger Weise wusste er, dass Michael nicht hier war, um die Stille und den Friedens des Ortes zu genieÃen. Der Vampir kam hierher, um sich Sorgen zu machen und nachzudenken. Es machte nichts aus, dass sie sich unter freiem Himmel befanden, denn Kane hatte das GefÃ¼hl, dass, wenn Misery sie finden wollte, vier WÃ¤nde sie auch nicht retten wÃ¼rden. Er hatte sich noch nie vor einem Feind versteckt, und er wÃ¼rde damit jetzt nicht beginnen. NatÃ¼rlich ging es Michael genauso.

Er grinste, als ein absurder Gedanke durch seinen Kopf ging. Sobald er Dean wiedersah, wÃ¼rde er den Gefallenen Engel um einen Gefallen bitten. Er wollte ein paar von den Federn mit was auch immer fÃ¼r einem Zauber Dean in den Katakomben verwendet hatte. Die hatten der Schlampe nicht so gefallen. Er legte seine HandflÃ¤che auf seine Schulter und erinnerte sich an all das Fleisch, das verloren gegangen und irgendwie wieder aufgetaucht war, wÃ¤hrend er bewusstlos gewesen war. Michael hatte ihm gesagt, dass Dean ihn geheilt hatte.

Kane konnte sich kaum an die Momente nach der Gefangenschaft erinnern. Er erinnerte sich daran, dass er Michaels Stimme gehÃ¶rt hatte, die ihn aus der Dunkelheit zurÃ¼ckgerufen hatte, aber sonst nicht viel. Das NÃ¤chste, an das er sich erinnerte, war, wie er in einer Kirche voll mit Leuten aufgewacht war, und Michael wie eine Glucke Ã¼ber ihm gesessen hatte.

Tabathas Gesicht blitzte wieder vor seinem inneren Auge auf. Er hatte die letzten paar Stunden damit verbracht, verzweifelt zu versuchen, nicht an sie zu denken, aber den GroÃteil der letzten paar Stunden hatte er nicht auf sich selbst gehÃ¶rt.

Michael konnte Kanes Anwesenheit irgendwo hinter sich fÃ¼hlen, aber anstatt sich Ã¼ber die unerwÃ¼nschte StÃ¶rung zu Ã¤rgern, fÃ¼hlte er sich beruhigt unter dem wachsamen Auge seines Freundes. Wenigstens wÃ¼rde Kane seine eigene Paranoia eine Weile vergessen kÃ¶nnen, wenn er sich stattdessen um ihn sorgte. AuÃerdem liebte er Kane wie einen Bruderâ¦ das Wort Bruder hallte durch seinen Kopf und seine Gedanken verfinsterten sich, richteten sich auf Damon. Wie konnten wahre BrÃ¼der sich je so in einander tÃ¤uschen?

WÃ¤hrend er versuchte, die verstÃ¶renden Erinnerungen beiseite zu schieben, legte sich Michael hin und lieÃ sich von der ErschÃ¶pfung Ã¼bermannen. Er wusste, dass er in Sicherheit schlafen konnteâ¦ Kane bewachte ihn.

Kane wunderte sich Ã¼ber Michaels geflÃ¼sterten Gedanken. Er hatte nicht gewusst, dass Michael Probleme hatte, zu schlafen. Was war es, wodurch sein Freund sich so gefÃ¤hrdet fÃ¼hlte, dass er Angst hatte, seine Augen zu schlieÃen? Er wusste, dass Schlaflosigkeit ihn langsam in den Wahnsinn treiben wÃ¼rdeâ¦ aber andererseits hatte er auch am eigenen KÃ¶rper erfahren, dass zu viel Schlaf sogar noch mehr Schaden anrichten konnte.

Er blickte Ã¼ber die StraÃe hinÃ¼ber zu Michaels Haus, das zwischen den anderen GebÃ¤uden der Stadt eingeschlossen war. Nach dem runden Raum im obersten Stockwerk zu schlieÃen, war es wohl ein Viktorianischer Baustil. Er hatte sich dazu Ã¼berreden lassen, mit Michael zusammenzuziehen, aber nun schien es so, als wÃ¼rde er Michael davon Ã¼berzeugen mÃ¼ssen, bei sich selbst einzuziehen, anstatt auf dem Dach gegenÃ¼ber zu schlafen.

Er hob eine Augenbraue Ã¼ber seinen merkwÃ¼rdigen Freund. Das Haus hatte jeden modernen Luxus, den sich jemand ausdenken konnte, der so alt war, wie sie, und dazu noch Zauber, die DÃ¤monen abhielten, also woher kam dieser plÃ¶tzliche Durst nach frischer Luft, die nach Regen roch?

Er wusste, dass Michael sich immer noch dafÃ¼r schuldig fÃ¼hlte, dass er nicht dagewesen war, als er sich selbst begraben lassen hatte. Obwohl Kane versucht hatte, nicht in seinem Kopf zu schnÃ¼ffeln, hatte er Michael noch immer nicht erzÃ¤hlt, dass, wenn er wollte, er seine Gedanken lesen konnte. Es war einfach etwas, was ein Freund nicht wirklich wissen wollteâ¦ auÃerdem hatte er das GefÃ¼hl, dass er der einzige mit dieser Macht war.

Ihn im Stich gelassen zu haben, war nicht das einzige, was Michael in dieser Nacht auf der Seele lagâ¦ es war der Grund, weshalb er das Land Ã¼berhaupt erst verlassen hatte, der seine Aufmerksamkeit auf sich zogâ¦ Damon, Michaels Bruder. Kane hatte Damon noch nicht gesehen, seit er wieder bei Sinnen warâ¦ dem, was davon Ã¼brig war zumindest, aber die Erinnerungen, die er an ihn hatte, waren groÃteils positiv. Damon hatte eine Ã¼bertrieben ausgeprÃ¤gte wilde Ader und die beiden hatten Michael verdammte Kopfschmerzen bereitet, als er versucht hatte, mit ihnen mitzuhalten.

Kane schielte hinunter auf Michael und sah, dass dieser mit dem Ring um seinen Finger spielte, wÃ¤hrend er an Damon dachte. Es dauerte nicht lange, bis der Schlaf Michael Ã¼bermannte und die lebhaften TrÃ¤ume begannen. Je lÃ¤nger die TrÃ¤ume andauerten, umso mehr lernte Kane darÃ¼ber, was Michael versteckte. Er schloss seine Augen, ignorierte die Stadt um sich und konzentrierte sich zum ersten Mal vÃ¶llig auf den Schmerz eines anderen.

Er erschrak, als er nicht nur den TrÃ¤umen zuhÃ¶rte, sondern auch visuelle Erinnerungen von vor vierzig Jahren bekam. Er sah von auÃen zu, wie sich alles zugetragen hatte, wie in einem dramatischen Film.

Michael hatte zum ersten Mal seit einem Jahrhundert den Drang gefÃ¼hlt, Damon besuchen zu gehen. Als er seinen Bruder gefunden hatte, schien alles in Ordnung. Damon hatte ein gutes Leben im sozialen Rampenlicht von London gefÃ¼hrt, und Michael hatte ihm dabei eine Weile lang Gesellschaft geleistet. Sie hatten sich groÃartig unterhalten, bis sie eine Frau getroffen hattenâ¦ Katie.

Die auserlesensten alleinstehenden MÃ¤nner waren alle zur Feier ihres achtzehnten Geburtstags eingeladen gewesen, darunter auch die beiden BrÃ¼der. Sie war eindeutig die SchÃ¶nheit des Balls. Was als einfacher brÃ¼derlicher Wettbewerb begonnen hatte, hatte sich in ein gefÃ¤hrliches Spiel der Eifersucht verwandelt. Alles schien bei ihnen zu einem Wettbewerb zu werden. Sie hatten Wochen damit zugebracht, einen stillen Krieg gegeneinander zu fÃ¼hren, um ihre Zuneigung zu gewinnen.

Damon hatte ihm gesagt, dass er gehen sollteâ¦ zurÃ¼ck Ã¼ber das Meer, aber Michael konnte nicht. Er wÃ¼rde Damon nicht gewinnen lassen, indem er weglief. Als die RivalitÃ¤t zwischen den BrÃ¼dern eskalierte gingen sie einander an die Kehlen wegen eines MÃ¤dchens. Es war nicht so, dass sie ihre Seelenfreundin war, oder so, aber beide waren von ihr verzaubert gewesen. Und wie es das Schicksal wollte, hatte Katie dasselbe Problemâ¦ sie hatte sich in beide verliebt und wollte nicht wÃ¤hlen.

Was das Liebesdreieck nur noch verworrener machte, war die Tatsache, dass Katie dachte, dass die BrÃ¼der Menschen warenâ¦ sie hatten ihr keinen Grund gegeben, etwas Anderes zu denken.

Sie hatten Katie an jenem Abend zum Tanzen ausgefÃ¼hrt, aber das war ein tÃ¶dlicher Fehler gewesen. Die Spannung zwischen den MÃ¤nnern war zu groÃ. Nach etwa einer Stunde, in der einer innerlich langsam zugrunde ging, wÃ¤hrend der andere mit ihr tanzte, hatten die BrÃ¼der schlieÃlich die Fassung verloren. Sie hatten nicht einmal bemerkt, wie sehr sie die Kontrolle verloren hatten, bis ihre Augen ihre Farbe verÃ¤nderten wÃ¤hrend sie einander die HÃ¤nde um die Kehlen schlangen und ihre FÃ¼Ãe vom Boden abhoben.

Sie hatten sie nicht einmal wegrennen gesehen. Michael und Damon waren plÃ¶tzlich wieder zu Verstand gekommen, als sie drauÃen vor dem Tanzlokal Reifen quietschen und ein metallisches Krachen hÃ¶rten. Als sie sie erreicht hattenâ¦ war sie schon tot gewesen.

Als Damon auf sie zu gerannt war, mit dem Vorhaben, sie mit seinem Vampirblut wiederzubeleben, hatte Michael ihn aufgehalten, weil sich schon eine Menschenmenge versammelt hatte. Damon hatte sich dann ernsthaft gegen ihn gewandt, hatte Michael die Schuld gegeben, weil er nicht gegangen war, als Damon es ihm aufgetragen hatte.

Sie hatten danach monatelang gekÃ¤mpftâ¦ hatten immer wieder fÃ¼r ein paar Momente Waffenstillstand geschlossen, um Ã¼ber ihre GefÃ¼hle zu reden, aber das hatte immer wieder zu einem weiteren Kampf gefÃ¼hrt. Michael wusste, dass Damon dunkler wurde und dass Damon ihn umbringen wollte. Wenn er das versuchen sollte, dann wÃ¼rde Michael sich selbst verteidigen, und einer der beiden wÃ¼rde sterben.

Daraufhin machte Michael etwas, von dem er sich geschworen hatte, dass er es nicht tun wÃ¼rdeâ¦ er ging, um Syn zu besuchen. Syn war der erste Vampir. Er war schlafen gegangen und war jahrhundertelang nicht aufgewacht, aber Syn war nicht tot, denn er konnte nicht sterbenâ¦ zumindest dachten das alle. Sie wussten nicht genau, wieso er sich entschieden hatte, die letzten paar Jahrhunderte zu schlafen, aber es schien als wÃ¼rde Syn darauf warten, dass etwas geschah.

Michael ging um die Statue herum, die Syns RuhestÃ¤tte in dem Mausoleum markierte. Er wusste, dass Syn tief unter ihm war. Er redete zu der leeren GrabstÃ¤tte, hÃ¶rte, wie seine Worte als Echo widerhalltenâ¦ manchmal als FlÃ¼stern und manchmal in ohrenbetÃ¤ubenden Schreien.

Gegen Damon zu kÃ¤mpfen machte ihn verrÃ¼ckt, er hatte nicht gewollt, dass dies so weit ging. Er war sich nicht einmal sicher, ob einer von ihnen beiden das MÃ¤dchen Ã¼berhaupt wirklich geliebt hatte. Er fÃ¼hlte, wie sein Herz sich Ã¼ber den Boden ergoss, aufgrund des Schmerzes, den er seinem Bruder bereitet hatteâ¦ und Katie. Er wusste nicht, ob Syn zuhÃ¶rte, aber es war schon genug, dass er endlich jemandem die Wahrheit erzÃ¤hlen konnte.

Die Augen der Statue bewegten sich, als sie ihn beobachtete. Sie war Syns Ebenbild, aber ohne Farben. Die Kerzen, die um ihn herum brannten, leuchteten, wurden schwÃ¤cher und flackerten dann hoch auf, als sich die Statue bewegte. GeflÃ¼sterte Worte in einer lÃ¤ngst vergessenen Sprache schwebten aus dem Boden hoch.

Die Stille, die daraufhin folgte, war wie ein beruhigender Donner und Michael wusste, dass Syn ihm vergeben hatte, auch wenn Damon es nicht getan hatte. Er rieb sich mit seinen HÃ¤nden Ã¼ber seine Arme und versuchte, die GÃ¤nsehaut zu vertreiben. Syn war ein Mann der Magie und Michael fragte sich, welcher Zauber jetzt durch ihn krabbelte.

Er richtete sich wieder auf und trat aus dem Mausoleum hinaus, nur um vor dem Eingang Damon stehen zu sehen, der auf ihn wartete. Wieder folgten weiche, gefÃ¼hlvolle Worte, aber es dauerte nicht lange, bis die Unterhaltung hitzig wurde. Michael wollte einfach, dass alles aufhÃ¶rteâ¦ wollte seinen Bruder umarmen und von vorne beginnen.

Damon hatte den ersten Teil seiner Gedanken wÃ¶rtlich genommen und ehe Michael ihn aufhalten konnte zog er einen Holzspeer aus seiner Jacke. Michael fÃ¼hlte, wie das Holz sein Herz durchbrach und fiel auf seine Knie. Er sah zu Damon hoch und Ã¶ffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber alles, was herauskam, war ein Gurgeln.

Michael fiel zur Seite, fÃ¼hlte, wie das Blut in seinen Adern stehenblieb und sich in Asche verwandelte, als sein Sichtfeld sich schwarz verfÃ¤rbte.

Mit TrÃ¤nen in seinen Augen stolperte Damon weg, wusste, dass er nun verdammt war. Syns Stimme erklang in seinem Kopf und er schrie. Er griff nach seinem Kopf und beugte sich nach vorne, versuchte, die Stimme zum Schweigen zu bringen, aber man konnte Syn nicht zum Schweigen bringen.

In diesem Moment erwachte etwas in Michael brÃ¼llend zum Leben. Als er den schrecklichen Schmerz in seinem Herz fÃ¼hlte, griff er nach dem Holzpfahl und zog ihn heraus. Es schmerzte ebenso sehr, ihn herauszuziehen, wie es geschmerzt hatte, als er hineingetrieben worden war.

âDamon!â, schrie Michael und kam schwankend wieder auf die Beine um seinen Bruder suchen zu gehen. Es war den ganzen Schmerz wert, wenn er den Ausdruck auf Damons Gesicht sehen durfte, wenn dieser erkannte, dass Michael noch am Leben war.

Michael lieÃ das blutige Holz aus seinem Ãrmel gleiten und stach damit auf Damon ein. âDas sollst du fÃ¼hlen, Bruder!â, schrie er, als er es ihm heimzahlte. Ein Teil von ihm ging innerlich zugrunde, als er es tat, aber er musste dies irgendwie beenden.

Als Damon wiederauferstand, setzte Michael sich auf den Boden, um wieder zu Atem zu kommen. Er verstand nun, was Syn getan hatteâ¦ was die Worte in der Luft des Mausoleums gewesen waren. Es war ein Zauber, den nur Syn erzeugen konnte, und der es unmÃ¶glich machte, dass Michael und Damon einander umbrachtenâ¦ vielleicht machte er es ihnen sogar unmÃ¶glich Ã¼berhaupt zu sterben. Oh, sie konnten einander umbringenâ¦ aber es wÃ¼rde nur wehtun.

Sie waren nach jener Nacht noch mehrfach gestorben, immer durch den anderen ermordet worden. Michael hatte schlieÃlich aufgegeben und war nach Hause gekommen, lieÃ seinen Bruder am anderen Ende der Welt zurÃ¼ck. Er wusste, dass es sinnlos war, zu versuchen, sich mit seinem Bruder zu versÃ¶hnen, und obwohl sein Herz ihm lautstark mitteilte, dass noch nicht alles verloren war, war Michael immer noch unsicher.

Kane war schlau genug, sich still zu verhalten, als Michael aus dem erinnerten Albtraum hochfuhr. Er blinzelte und fragte sich, ob die Tatsache, dass er so tief in seine Gedanken eingedrungen war, Michael dazu gebracht hatte, die Erinnerungen so deutlich wiederzubeleben. Wenn es so warâ¦ dann hatte er sofort ein schlechtes Gewissen, als er Salz in der Luft roch. Er verschwand bevor Michael sich umdrehte, um das Kreuz anzusehen, gerade als die Sonne aufging.



*****



Alicia trug noch mehr Lippenstift auf, um das unschuldige Gesicht, das ihr aus dem Spiegel entgegensah zu entfernen. Sie war wÃ¼tend, nicht auf Kane, der ihr das Zauberspruchbuch weggenommen hatteâ¦ schlieÃlich war es seines. Aber sie war wÃ¼tend auf alle anderen, weil sie sie behandelten wie ein Baby. Sie lebte in einem Nachtclub, verdammt.

Sie war vielleicht in einem Internat gewesen, aber das war auch keine Kinderkrippe gewesen. Sie war schlieÃlich ein Puma und konnte sehr gut auf sich selbst aufpassen. Aufgrund der strengen Regeln und der aufmerksamen Augen ihrer Lehrer war Alicia zu einer Meisterin geworden, wenn es darum ging, auszubrechen und ihre Freiheit zu gewinnen. Ihrer tierischen Seite hatte es nie gefallen, eingesperrt zu sein.

Jetzt wo sie zu Hause war, und ihre Familie Schutz brauchte, war es nicht fair, dass sich alle anderen Partner suchten und sie heraushielten. Wenn Micah hier gewesen wÃ¤re, hÃ¤tte er ihre BedÃ¼rfnisse verstanden und so fÃ¼rsorglich, wie er war, hÃ¤tte er nie versucht, ihre Freiheit wegzunehmen. Das war eindeutig etwas, was sie an Kane schÃ¤tzteâ¦ er hatte ihr heute beigepflichtet, als wÃ¼rde er verstehen, was sie durchmachte.

Darin lag auch das grÃ¶Ãere Problem. Micah war weg und sie wÃ¼rde ihn, verdammt noch mal, finden, und wenn sie gegen jedes paranormale Wesen der Stadt kÃ¤mpfen musste, um zu ihm zu gelangenâ¦ von Vampiren und WerwÃ¶lfen angefangen.

Sie runzelte die Stirn, als sie sich selbst im Spiegel betrachtete, wusste, dass sie alles verdorben hatte, als sie den Zauber auf dem Friedhof hatte anwenden wollen. Bis dahin hatte sie nicht verstanden, dass es zwei sehr unterschiedliche Arten von Vampiren gab.

WÃ¤hrend ihrer kurzen Besuche zu Hause war sie Michael nie Ã¼ber den Weg gelaufen, und auch keinem anderen Vampir, und der einzige, der regelmÃ¤Ãig gekommen war, um sie in der Schule zu besuchen, war Micah. Er war gekommen und hatte die Erlaubnis geholt, sie fÃ¼r Wochenenden und die Ferien mitzunehmen. Dann waren sie in den Wald gefahren, wo er sie gelehrt hatte, mit und ohne Waffen zu kÃ¤mpfen.

Wenn sie nicht trainierten, dann verwandelten sie sich und rannten, genossen ihre Freiheit. Durch Micahs FÃ¼rsorglichkeit war sie klÃ¼ger, schneller und stÃ¤rker als die meisten weiblichen Formwandler. Micah war immer ihr Held gewesen und er war der einzige in der Familie, der nicht meinte, dass Frau sein eine Behinderung war.

Sie erinnerte sich noch an das erste Mal, wo Micah sie fÃ¼r ein Wochenende aus dem Internat geholt hatte. Sie waren in den Wald gefahren und hatten ein Zeltlager errichtet, ehe Micah ihr gesagt hatte, dass sie rennen wollten. Alicia hatte davor noch nie eine solche MÃ¶glichkeit gesehen und war so aufgeregt gewesen, dass sie, nachdem sie sich verwandelt hatte, mit HÃ¶chstgeschwindigkeit dreimal um die gesamte Lichtung gerannt war.

Als sie stehenblieb sah sie hinÃ¼ber zu Micah, der sich den Bauch hielt vor Lachen. Zuerst hatte sie gedacht, dass er sie auslachte, aber es hatte sich herausgestellt, dass er darÃ¼ber lachte, wie dumm der Rest der Familie gewesen war. Niemand hatte sich je die MÃ¼he gemacht, sie ihr Puma-Erbe ausleben zu lassen, oder ihr die Chance gegeben, zu rennen. Alleine die Vorstellung, die sie mit ihrer Freiheit darbot, zu sehen, hatte ihm den Eindruck eines KÃ¤tzchens gegeben, das zum ersten Mal drauÃen spielte.

Sie war in dem Glauben aufgewachsen, dass Vampire Monster waren, denn das war es, was Nathaniel seinen Kindern gelehrt hatte. Nathaniel hatte sich getÃ¤uscht. Wenn Kane nicht aus dem Grab befreit worden wÃ¤re, in das ihr Vater ihn verbannt hatte, dann wÃ¤re sie in der letzten Nacht am Friedhof garantiert getÃ¶tet worden.

Sie war dankbar dafÃ¼r, dass Kane dagewesen war, um sie zu retten, aber sie wÃ¼rde sich nicht davon abhalten lassen, ihren geliebten Bruder weiterhin zu suchen. Sie wÃ¼rde diesmal vorsichtiger sein. Sie konnte Kane auch fÃ¼r noch eine andere Sache dankenâ¦ wegen ihm hatte Michael sie gekÃ¼sst. Sie fragte sich, ob Michael nur ein Kind in ihr sah. Aber irgendwie bezweifelte sie das. Sie lÃ¤chelte sich selbst im Spiegel zu. Es war ein verdammt guter Kuss gewesen.

Sie drehte sich vor dem Spiegel im Kreis um sicherzugehen, dass sie nicht wie das Kind aussah, fÃ¼r das sie alle hielten. Der schwarze Lederrock hatte einen ReiÃverschluss vom unteren Saum zwei Handbreit Ã¼ber dem Knie bis ganz nach oben und sie hatte ihn absichtlich halb offen gelassen. Das schwarze Hemd war groÃteils aus dÃ¼nnem, durchsichtigem Stoff gefertigt, mit einem sehr dÃ¼rftigen, bauchfreien Top darunter.

Sie steckte ein paar blonde StrÃ¤hnen, die sich selbststÃ¤ndig gemacht hatten, zurÃ¼ck unter die Kleopatra-PerÃ¼cke, die sie unter den Halloween-KostÃ¼men am Dachboden gefunden hatte. Sogar sie selbst musste zugeben, dass sie mit ihrem aufreizenden Outfit hÃ¶llisch sexy aussah.

Sie wÃ¼rde Geld darauf verwetten, dass, wenn Quinn oder sonst jemand, der sie kannte, sie jetzt sah, sie keine Ahnung haben wÃ¼rden, dass sie es war. Quinn war so sehr damit beschÃ¤ftigt, Kat hinterherzujagen und zu versuchen so zu tun, als wÃ¼rde er es nicht machen, dass er Alicia Ã¼berhaupt keine Aufmerksamkeit mehr gewidmet hatte. Jetzt wo er mit Kat zusammen warâ¦ hatte er all seine Aufmerksamkeit auf seine Partnerin gerichtet. Das einzige, was er noch getan hatte, war, zwei Formwandler-WachmÃ¤nner um Alicia zu positionieren und ihr zu befehlen, sich nicht zu zeigen, bis er beschloss, dass es sicher genug fÃ¼r sie war, um wieder drauÃen zu spielen.

Ihre LeibwÃ¤chter waren dumm wie Stroh, nur Muskeln und kein Gehirn. Es wÃ¼rde nicht schwierig sein, sie auszutricksen und aus ihrem kleinen GefÃ¤ngnis zu entkommen. Sie wÃ¼rde heute Nacht Micah suchen gehen, mit oder ohne die Zustimmung der anderen.

Quinn hatte ihr gesagt, dass Micah sie auf seinen eigenen FÃ¼Ãen verlassen hatte, und den Weg zurÃ¼ck kannte, aber sie wusste, dass Micah nicht einfach so weglaufen wÃ¼rdeâ¦ zumindest nicht, ohne sie mitzunehmen. Micah war in Schwierigkeiten geratenâ¦ sie konnte es fÃ¼hlen. Alicia straffte ihre Schultern und hob ihr Kinn herausfordernd.

Mit all der nackten Haut wÃ¼rde sie hoffentlich wie eine Prostituierte aussehen, die die WerwÃ¶lfe entfÃ¼hren wollten, oder wie das Abendessen fÃ¼r einen ahnungslosen Vampir. Sie war sicher, wenn sie Werwolf oder Vampir im Kampf eins gegen eins gegenÃ¼berstand, dass sie ihn dazu kriegen konnte, ihr Informationen zu geben, bevor sie ihn umbrachte.

Sie hatte genug spioniert, um herauszufinden, was wirklich vorging, und sie machte Kane Ã¼berhaupt keine VorwÃ¼rfe. Solange der Vampir nicht Michael oder Kane war, war er Freiwild. Und was die WerwÃ¶lfe betrafâ¦ wenn sie in den Sklavenhandel verwickelt waren, oder Micah gefangen genommen hatten, dann waren sie um nichts besser als die seelenlosen Vampire.

Sie hÃ¤ngte den herzfÃ¶rmigen Kristall um ihren Hals. Es war mehr als nur ein einfaches SchmuckstÃ¼ck. Sie hatte seit jeher Magie studiert und der Kristall wÃ¼rde es diesmal unmÃ¶glich machen, dass ein Vampir sie seiner Gedankenkontrolle unterwarfâ¦ sogar ein mÃ¤chtiger Vampir wie Kane oder Michael. Und sie hatte sich ein paar der einfachen Zauber aus dem Buch gemerkt, das Kane ihr weggenommen hatte.

Heute Nacht wÃ¼rde sie herausfinden, was es wirklich bedeutete, Teil dieser Familie zu seinâ¦ sie wÃ¼rde in diesem Krieg kÃ¤mpfen, egal ob ihren BrÃ¼dern oder den Jaguaren das gefiel, oder nicht.



*****



Damon lehnte sich in dem weichen Polstersessel zurÃ¼ck und starrte in den Kamin, beobachtete die Flammen, wie sie sich innerhalb ihres GefÃ¤ngnisses mit den Schatten vereinigten. Er hob sein Glas mit rotem Wein hoch und beobachtete die FlÃ¼ssigkeit, wÃ¤hrend er das Glas leicht schwenkte, und fÃ¼hlte, wie seine vÃ¶llige Ruhe verflog. Er konnte Syn wieder zu ihm flÃ¼stern hÃ¶ren.

WÃ¤hrend das Glas an den Ziegeln des Kamins zerbrach, drÃ¼ckte er seine Finger in seine linke SchlÃ¤fe, wusste, dass er gerade seinen Mitternachtssnack aufgeweckt hatte.

Die kÃ¶stliche BrÃ¼nette setzte sich am Bett zu seiner Linken auf und schmollte, als sie sah, dass sie alleine unter der Decke lag. Sie kroch unter dem Laken hervor und krabbelte theatralisch sinnlich Ã¼ber die Matratze auf ihn zu, aber er lieÃ ihr nicht die Zeit, zu denken, dass es funktionieren wÃ¼rde. Schneller als das menschliche Auge sehen konnte, war Damon neben dem Bett und hatte seine Finger fest um ihre Kehle geschlungen.

Er wollte nicht an ihrer SchÃ¶nheit kratzen oder sie verletzen, es war nur, um sie ruhig zu halten, wÃ¤hrend seine Pupillen sich vergrÃ¶Ãerten und er sie vÃ¶llig seiner Gedankenkontrolle unterwarf. Bisher hatte er noch keinen Grund gehabt, das zu tun. Sie war eine sehr willige Partnerin gewesen, aber es war nun an der Zeit, ihre liebliche Beziehung zu beenden. Langsam Ã¶ffnete er seinen Mund und zeigte seine scharfen FangzÃ¤hne. Er wusste nicht, wieso er es machte, Frauen reagierten darauf immer gleich.

Ihre Augen weiteten sich vor Schreck und er erstickte schnell den Schrei, der sich einen Weg aus ihrem benebelten Kopf bahnen wollte. Sterbliche Frauen waren nutzlosâ¦ ebenso wie Katie es gewesen war. Er konnte noch immer das metallische Krachen hÃ¶ren, und das verfinsterte seine Stimmung.

âIch werde dir einen Gefallen tun, Liebling.â Einer seiner Mundwinkel hob sich zu einer Andeutung eines sarkastischen LÃ¤chelns. âDu bist nach LA gekommen, um ein Modell zu sein, aber diese Stadt ist voller anderer hÃ¼bscher Frauen, die dasselbe wollten, also das wirst du tun. Vertrau mirâ¦ es ist nur zu deinem Besten.â




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