Blutsbande
Amy Blankenship


Blutsbundnis #5
Als der Blutszauber gebrochen war, grub Kane sich aus dem Boden hervor und suchte nach der Seelenfreundin, die ihn befreit hatte, aber erkannte, dass sie verschwunden war. Mit nichts mehr zu verlieren und voller Rachegelüste begann er einen Krieg. Das Letzte, was er erwartete, war, die Seelenfreundin, die ihm immer wieder aus den Fingern entwischte, mitten im Weg der Zerstörung, die er verursacht hatte. Er wird schnell von ihr besessen, beobachtet sie, wenn sie nicht aufpasst, hört zu, wenn er nicht eingeladen ist und verfolgt jede ihrer Bewegungen… und die Dämonin, die ihn heimsucht, weiß, dass sie seine Schwäche ist. Um sie zu beschützen schwört Kane, dass er sie ihn hassen lassen würde, selbst wenn er sich auf die Seite der Dämonen schlagen muss, um das zu erreichen. Aber wie kann er sie vor dem größten aller Feinde beschützen, wenn er selbst dieser Feind ist?







Blutsbande

BlutsbÃ¼ndnis-Serie Buch 5



Amy Blankenship, RK Melton

Translated by Martina Hillbrand (https://www.traduzionelibri.it/profilo_pubblico.asp?GUID=fed007dfaf061d98c1cfff6a25035574&caller=traduzioni)



Copyright Â© 2012 Amy Blankenship

Ins Deutsche Ã¼bersetzt von Martina Hillbrand

Zweite Auflage herausgegeben von TekTime

Alle Rechte vorbehalten.




Kapitel 1


Die Stadt Los Angeles erstreckte sich vor ihm wie ein Kaleidoskop blinkender Lichter und Farben. Die entfernten GerÃ¤usche des Stadtlebens ertÃ¶nten in seinen Ohren, aber Syn schenkte ihnen keine Aufmerksamkeit, lauschte stattdessen dem FlÃ¼stern einer sanften Brise, die Ã¼ber ihn floss. Er stand am hÃ¶chsten Punkt des hÃ¶chsten GebÃ¤udes der Stadt, balancierte auf der Spitze des Turms.

Syn hatte seine HÃ¤nde in seinen Hosentaschen vergraben, wÃ¤hrend sein langer Mantel wie ein Umhang hinter ihm flatterte und dabei zu verschwinden und wieder zu erscheinen schien, als wÃ¤re er lebendig. Sein langes, dunkles Haar wurde aus seinem Gesicht zurÃ¼ck geweht, wodurch eine alterslose SchÃ¶nheit sichtbar wurde, wie sie auf dieser Welt kaum einmal gefunden werden konnte.

Er hatte aus Vorsicht seine Aura vor allen Kreaturen, die ihn spÃ¼ren kÃ¶nnten, verborgen, aber er konnte all ihre Auren weit unter ihm wahrnehmenâ¦ wie sie sich zwischen den Menschen bewegten, in ihrem alltÃ¤glichen Leben, als hÃ¤tten sie keine Sorge auf der ganzen Welt.

Als er senkrecht nach unten sah, auf den Balkon, der direkt unter ihm war, grinste er, als er hÃ¶rte, wie Damon Alicia den Blutstein gabâ¦ ihn in ihr vergrub, sodass sie immer vor dem gefÃ¤hrlichen Sonnenlicht geschÃ¼tzt sein wÃ¼rde, das ihre neue Existenz bedrohte. Syn war stolz darauf, eine solche Schwiegertochter zu haben, jemanden, der Damon auf Trab halten wÃ¼rde, und ihn auf jegliche Art herausfordern wÃ¼rde, wo es wichtig war.

Sein Grinsen wurde breiter, als ihre Schmerzensschreie bald von den Ausrufen ihrer Leidenschaft gefolgt wurden, und er nickte zustimmend. Er konnte es nicht erwarten, sie kennenzulernen.

Syn konzentrierte den Blick aus seinen violetten Augen wieder auf die Stadt und sah die bÃ¶sen Schatten selbst in den Gegenden, die hell erleuchtet warenâ¦ Dinge, die andere nicht sehen konnten. Er konnte nicht verstehen, wieso seine Kinder sich entschieden hatten, in diesem Kampf gegen die DÃ¤monen teilzunehmen. In seinen Augen hatten die DÃ¤monen ungefÃ¤hr dieselbe Bedeutung wie die Menschenâ¦ sie waren ihm eigentlich ziemlich egal. Doch seine Kinder und seine eigenwillige Seelenfreundin hatten beschlossen, sich ihnen entgegen zu stellenâ¦ hatten entschieden, dass sie die beschÃ¼tzen wollten, die sich in so einem Krieg nicht selbst beschÃ¼tzen konnten.

Ein leises LÃ¤cheln erschien auf seinem Gesicht, als er sich an seine Frau erinnerteâ¦ seine Seelenfreundin. Sie hatte schon immer auf der Seite der SchwÃ¤cheren gestanden, hatte sich immer fÃ¼r die eingesetzt, die sie als schwach ansah. Er musste davon ausgehen, dass nicht viel in ihr sich seit ihrer frÃ¼heren Leben verÃ¤ndert hatteâ¦ die Seele war dieselbe, egal wie oft sie wiedergeboren wurde. Sie hatte ihn einst als Feind angesehen, einfach weil seine Macht viel grÃ¶Ãer war, als die der meisten anderen in ihrer Weltâ¦ er hatte Jahre gebraucht, um sie umzustimmen.

Die Sonne schielte gerade Ã¼ber den Horizont und Syn hob sein Gesicht, um sie zu begrÃ¼Ãen, lieÃ das Licht sich Ã¼ber ihn ergieÃenâ¦ fÃ¼hlte die riesige Menge an Energie und fÃ¼llte seinen KÃ¶rper damit. Syn wusste, dass seine Kinder ein menschliches Leben gewÃ¤hlt hattenâ¦ etwas, das er frÃ¼her noch nie ausprobiert hatte. Die Andeutung eines weiteren LÃ¤chelns Ã¼berzog seine perfekten Lippen, als ihm eine interessante Idee kam.

Ja, es kÃ¶nnte richtig lustig sein, sich ihnen anzuschlieÃen, nachdem seine Seelenfreundin auch dachte, dass sie einfach ein Mensch war, und nach deren Regeln lebte. Er wÃ¼rde es ihnen gleichtunâ¦ ihr nÃ¤herkommen und sie Ã¼berzeugen, dass sie ihm gehÃ¶rte und er nicht ihr Feind war. Dieses Mal wÃ¼rde er den GroÃteil seiner Macht vor ihr verborgen halten, damit sie sich durch ihn nicht so bedroht fÃ¼hlte. Er wÃ¼rde ihr Mitstreiter werden, ihr Freund, und dann wiederâ¦ ihr Partner.



*****



Misery saÃ auf einem Felsen, lieÃ ihr Beine vorwÃ¤rts und rÃ¼ckwÃ¤rts baumeln, sodass ihr lockiges, blondes Haar bei jeder Bewegung hÃ¼pfte. Sie war diese Woche sehr fleiÃig gewesen, hatte DÃ¤monen fÃ¼r ihre wachsende Armee versammelt. Auch jetzt waren einige davon in der Dunkelheit, die sie umgab, verstecktâ¦ beobachteten sie neugierig.

Die meisten der DÃ¤monen, die sie gesammelt hatte, waren schwach und hatten nicht wirklich erwÃ¤hnenswerte MÃ¤chte, aber das war es ja, was einen Soldaten ausmachte: Wenn er alleine kÃ¤mpfte, war er nur ein SchwÃ¤chling. Aber wenn man sie zusammenrief, um eine Armee aufzustellen, konnten sie die stÃ¤rksten Feinde niedermetzeln, ohne sich darÃ¼ber Gedanken machen zu mÃ¼ssen, wie viele von ihnen dabei verlorengingen.

Heute Nacht hatte Misery die Macht einer uralten Aura in dem Wald, der eine Seite der Stadt begrenzte, gefÃ¼hlt, und war ihr bis in eine tiefe HÃ¶hle gefolgt. Die bÃ¶sartige Energie hatte sich gegen sie erhoben, wollte sie aus ihrem Zuhause vertreiben, aber Misery hatte der Versuch nur belustigtâ¦ zumindest so lange, bis die Macht sie kÃ¶rperlich weggeschleudert hatte.

Als sie sich wieder aufrichtete, um den DÃ¤mon von Angesicht zu Angesicht zu bekÃ¤mpfen, war alles, was sie sehen konnte, eine KrÃ¤he mit zerzausten FlÃ¼geln. Als sie deren schwarze Seele durchsuchte, beruhigte sich Misery wieder, denn sie erkannte, dass der Vogel einer der antiken Meister war, die vergessen worden waren, als die Gefallenen Engel die anderen in die Unterwelt vertrieben hatten.

Dieser DÃ¤mon hatte sich gut an seine Umgebung angepasst und hatte sich ein Zuhause errichtet. Die Eingeborenen-StÃ¤mme dieses Landes hatten den DÃ¤mon als einen groÃen Geist angesehen, der angebetet und verehrt werden musste, und durch dieses Anhimmeln war der dÃ¤monische Meister stÃ¤rker geworden.

Misery konnte den Zorn, den dieser DÃ¤mon gegen die bleichgesichtigen Menschen hegte, die sich frei in diesem Land bewegten, schmecken und wollte sie zu ihrem Vorteil nutzen. Sie war einen Handel mit dem DÃ¤mon eingegangen, anstatt gegen ihn zu kÃ¤mpfenâ¦ ein Kampf, von dem sie nun wusste, dass sie ihn verloren hÃ¤tte. Dem Alten schien ihre Idee zu gefallen, ihre Artgenossen aus ihrem dimensionalen GefÃ¤ngnis zu befreien und er hatte ihr, bevor er in den Wald davongeflogen war, aufgetragen, ein Blutopfer zu bringenâ¦ eines der Werkzeuge, die er brauchen wÃ¼rde, um ihr zu helfen.

Als Misery mit zwei Vampiren und einem verzauberten, halb bewusstlosen Mann zur HÃ¶hle zurÃ¼ckkam, wartete der bÃ¶se Geist schon. Die roten, perlenartigen Augen der KrÃ¤he warfen ihr einen stechenden Blick zu, ehe der Vogel wegflog. Misery folgte ihm tief in den Wald hinein, bis zum Rand des Schutzgebiets. Sie betrat eine kleine Lichtung und war Ã¼berrascht, dort einen alten Mann neben einem groÃen Lagerfeuer sitzen zu sehen.

âMan nennt mich Schwarze KrÃ¤heâ, erklÃ¤rte der alte Mann.

Misery nickte respektvoll. Sie erinnerte sich an die heilige Art, wie man mit einem DÃ¤mon umzugehen hatte, dessen Macht grÃ¶Ãer war, als die ihre. âIch heiÃe Misery.â

Schwarze KrÃ¤he lachte spÃ¶ttisch. âWas weiÃt du schon von wahrer Misere?â

Misery erwiderte nichts, biss sich auf ihre Zunge, um zu vermeiden, in StÃ¼cke gerissen zu werden. Sie hatte Macht und er wusste esâ¦ sie war sich sicher, dass er sie ebenso fÃ¼hlen konnte, wie sie ihn.

Schwarze KrÃ¤he stand auf und kam auf sie zu. Sie betrachtete seine menschliche Gestalt und konnte nicht verstehen, wieso jemand, der so mÃ¤chtig war, einen so zerbrechlichen KÃ¶rper wÃ¤hlen sollte. Er sah uralt aus, alt und runzelig, mit langem, weiÃen Haar, und trug dunkle Hosen aus Hirschleder. Sein Hemd war aus demselben Leder gemacht und mit Perlen und Federn geschmÃ¼ckt. Ein kleiner Beutel hing an seiner HÃ¼fte und weitere Federn waren Ã¼ber einem Ohr in sein Haar geflochten worden.

Schwarze KrÃ¤he streckte plÃ¶tzlich die Hand aus und packte den menschlichen Mann am Haar, sodass er in sein Gesicht sehen konnte. âDieser wird genÃ¼genâ, erklÃ¤rte er und ging zurÃ¼ck zum Lagerfeuer.

âWas soll ich tun?â, fragte Misery.

âWir mÃ¼ssen wartenâ, meinte Schwarze KrÃ¤he und legte mehr Holz ins Feuer.

Misery lieÃ zu, dass ihr Ãrger sichtbar wurde. âWorauf warten, alter Mann? Ich habe keine Ewigkeit Zeitâ¦ mein Krieg wird mit oder ohne dir stattfinden.â

Sie ignorierend legte Schwarze KrÃ¤he noch mehr Holz ins Feuer und begann zu singen. Misery wollte gehen, aber erkannte, dass sie wie angewurzelt war. Sie konnte fÃ¼hlen, wie ihre Macht aus ihr floss und ihre kindliche Gestalt begann zu verrotten. Dies war nicht das Resultat ihrer Leichengestaltâ¦ ihrem gesamten Sein wurde langsam die Macht, die sie den Menschen gestohlen hatte, entzogen.

âDein Plan ist ohne mich zum Scheitern verurteiltâ, sagte Schwarze KrÃ¤he herablassend. âDeine Existenz ist mein Eigentum geworden, als wir unseren Handel eingegangen sind. Du bist schwach und hast keine Macht Ã¼ber mich, denn du besitzt nichts, was ich will.â

Misery wurde plÃ¶tzlich freigelassen, aber starrte ihn wÃ¼tend an, wÃ¤hrend sie auf dem groÃen Felsen sitzenblieb und auf weiÃ Gott was wartete. Schwarze KrÃ¤he hatte stÃ¤ndig neues Holz ins Feuer gelegt und die Flammen waren zu einer erstaunlichen HÃ¶he gewachsen. Der alte Mann stand auf und ging zur anderen Seite der Lichtung zu einem alten Mammutbaum, den Misery vorhin nicht bemerkt hatte.

Schwarze KrÃ¤he kniete sich neben den riesigen Wurzeln hin und hob eine Handvoll Erde auf. Dann kam er zurÃ¼ck zum Feuer und sein Gesang wurde sehr laut und rhythmisch, ehe er die Erde ins Feuer warf. Das Feuer spuckte Funken und loderte noch hÃ¶her, als der Staub auf die Flammen traf. Sein KÃ¶rper bewegte sich wie bei einem Kriegstanz und sein Sprechgesang wurde noch lauter.

Die Schatten um sie dehnten sich aus, bis nur noch Schwarze KrÃ¤he von ihnen unberÃ¼hrt blieb, wÃ¤hrend er innerhalb eines perfekten Kreises tanzte. PlÃ¶tzlich blieb er stehen und griff nach den Schatten zu seinen FÃ¼Ãen. Die tintenartige Dunkelheit schien von seiner Hand angezogen zu werden, suchte die warme BerÃ¼hrung, die Schwarze KrÃ¤he ausstrahlte, ehe er die Schatten aus dem Boden zog. Auch sie trafen auf die Flammen und ein Funke entstand, der schnell zu einer Explosion wurde, sodass Misery ihre Hand hob, um ihre Augen zu beschatten.

Ein unmenschliches Heulen erfÃ¼llte die Lichtung und Misery beobachtete, wie der Schatten Ã¼ber die Flammen nach oben kroch, wobei er vor Hitze rot glÃ¼hte. Er flog Ã¼ber die Lichtung zurÃ¼ck dorthin, wo Schwarze KrÃ¤he die Erde geholt hatte, und verschwand dort im Boden. Wenige Augenblicke spÃ¤ter begann die Erde sich zu bewegen, als wÃ¼rde sie atmen und zwei verwitterte, knochige Arme wuchsen daraus hervor.

Schwarze KrÃ¤he ging direkt zu dem Blutopfer, das Miserys Vampire aufgesammelt hatten, und riss den Mann aus deren Griff los.

Der junge Mann, ein Student der lokalen Ã¶ffentlichen UniversitÃ¤t, erwachte aus der Gedankenkontrolle der Vampire, als Schwarze KrÃ¤he ihn Ã¼bernahm. Immer noch desorientiert, wusste er nicht, was geschah, bis er die lange Klinge sah, die sich seinem Hals nÃ¤herte. Noch ehe er etwas dagegen unternehmen konnte, hatte sich die Klinge durch sein Fleisch gebohrt und sein Schrei war still.

Blut spritzte in die Flammen, wodurch das Lagerfeuer zu zischen begann, und weitere Funken sprÃ¼hte. Die Arme, die aus dem Boden gestoÃen waren, zogen nun den Rest ihres KÃ¶rpers hinaus in die dunkle Nacht. Langes, tiefes StÃ¶hnen erklang aus seiner Kehle, begleitet von hungrigem Grunzen, als sich der KÃ¶rper auf den sterbenden Mann zu bewegte.

Knochige Finger packten das Hemd des Mannes und die Kreatur senkte ihren Kopf zu der offenen Wunde, labte sich an dem Blut und dem Fleisch. WÃ¤hrend sie fraÃ, begannen Muskeln und Fleisch um ihre Knochen zu wachsen und Misery verfolgte die Szene gebannt. Sie konnte ihren Blick nicht von dem Kunstwerk von Schwarzer KrÃ¤he losreiÃen und klatschte freudig in die HÃ¤nde.

âEr wird mehr brauchen, von denen er sich ernÃ¤hren kann, ehe er wieder vollstÃ¤ndig wiederbelebt istâ¦ aber fÃ¼r jetzt wird dieser hier genÃ¼genâ, sagte Schwarze KrÃ¤he mit einem Anflug von Langeweile in seiner krÃ¤chzenden Stimme.

âKÃ¶nnen wir mehr machen?â, fragte Misery, wÃ¤hrend sie beobachtete, wie das Blut und die Leichenteile im Licht des Feuers glitzerten.

âIch kann esâ, sagte Schwarze KrÃ¤he einfach und Misery wusste, was er damit sagen wollteâ¦ er konnte es tun, und sie nicht.

âUnd jetzt, junge DÃ¤moninâ¦ zeige mir deine Machtâ, befahl Schwarze KrÃ¤he.

Misery lÃ¤chelte und berÃ¼hrte das Abbild der Spinne, die um ihren Hals hing. Die Spinne zerfiel augenblicklich in Tausende ihrer kleinen GegenstÃ¼cke, ehe sie sich wieder versammelten. Schwarze KrÃ¤he sah zu, als zwei der Krabbeltiere Ã¼ber ihre Beine hinunterkletterten und Ã¼ber den Boden liefen. Die Kreaturen blieben etwa auf halbem Wege zwischen ihm und Misery stehen, ehe sie sich in der Erde vergruben.

Schwarze KrÃ¤he stand still, als der Boden sich bewegte, und ein dÃ¼nner, blutroter Riss den Grund spaltete und ein schwaches Erdbeben zu fÃ¼hlen war. Die BÃ¤ume raschelten und Schreie der Waldtiere ertÃ¶nten, als der Boden verÃ¤rgert brummte. FÃ¼nf SchattendÃ¤monen flogen aus der Ãffnung und drehten eine Runde auf der Lichtung. Ihre Schreie, die fast wie ein Kreischen klangen, lieÃen die Nacht singen. Sie nÃ¤herten sich dem Lagerfeuer und umkreisten es fliegend, kamen noch nÃ¤her, ehe sie sich in letzter Sekunde zurÃ¼ckzogen.

Dies setzte sich fort, bis den DÃ¤monen das Spiel langweilig wurde, und sie in der Finsternis des Waldes verschwandenâ¦ in Richtung der Stadt flogen, wo sie ihre Beute fÃ¼hlen konnten. Schwarze KrÃ¤he starrte auf den Riss zur Unterwelt, sein Gesichtsausdruck unleserlich. Aber als er sich dem gezackten Spalt nÃ¤herte, trat er darauf und schloss ihn wieder, wodurch er verhinderte, dass weitere DÃ¤monen entkommen kÃ¶nnten.

âEin guter Versuchâ, erklÃ¤rte Schwarze KrÃ¤he. âAber du bist jung und dumm. So ein dÃ¼nner Riss zwischen den Welten ermÃ¶glicht es nur einfachen SchattendÃ¤monen, in diese Welt zu kommenâ¦ und unsere wahren VerbÃ¼ndeten sind immer noch auf der anderen Seite gefangen. Du wirst mehr Macht brauchen, als diese!â Seine Stimme wurde lauter und dann wieder ruhiger. âWÃ¤hrend du diese Macht gewinnst, werde ich deine Armee erzeugenâ¦ aber sie folgen letztendlich meinem Kommando.â

Misery hatte keine andere Wahl, als ehrfÃ¼rchtig und ergeben mit dem Kopf zu nicken. Als sie sich umdrehte, verzogen sich ihre kindlichen Lippen zu einem gemeinen Grinsen. Der alte DÃ¤mon hatte vÃ¶llig recht: sie brauchte mehr Machtâ¦ und sie wusste genau, wie sie sie bekommen konnte.

Indem sie die Dunkelheit in sich dazu brachte, sich auszubreiten, eilte sie zurÃ¼ck in die Stadt und Ã¼berlieÃ es ihren Untergebenen, ihr zu folgen. Sie heckte einen Plan aus und sie musste das DÃ¤monenkind suchen, das ihr helfen konnte. Sie wÃ¼rde ihren verbliebenen Vorrat an Kanes Blut aufgeben mÃ¼ssen, aber das Ziel heiligte die Mittelâ¦ es wÃ¼rde das Opfer wert sein.

Sie schwebte Ã¼ber die Stadt auf die Slums zu, wo sie ihr vorÃ¼bergehendes Zuhause gefunden hatte. Dort wanderte sie durch die StraÃen und versuchte, den Geruch dessen, den sie suchte, aufzuspÃ¼ren. Das Problem mit diesem DÃ¤mon war, dass er seine dÃ¤monische Aura verstecken konnte. FÃ¼r alle, die ihn jagten, wÃ¼rde er einfach wie ein Mensch erscheinen, und das war die grÃ¶Ãte LÃ¼ge von allen.

Nicht lange nachdem sie ihre Suche begonnen hatte, fÃ¼hlte Misery den Hybriden Skye, der ihr folgte. Er mischte sich nicht in ihre Angelegenheiten ein und er kam ihr nicht nÃ¤her, aber sie konnte fÃ¼hlen, wie er sie auf Schritt und Tritt verfolgte. Vermisste er es, mit ihr in der HÃ¶hle gefangen zu sein? Sie wÃ¼rde ihm einen Auffrischungskurs geben, wenn er versuchen sollte, ihre PlÃ¤ne zu durchkreuzen. Es war schon schlimm genug, dass die beiden Gefallenen Engel ihn Ã¼berhallhin verfolgtenâ¦ er wÃ¼rde sie nur auf ihre Spur bringen, wenn er so weitermachte.

Der Tagesanbruch stand kurz bevor, als sie endlich den kleinen DÃ¤mon fand, den sie suchte. Er kam aus den Schatten und eilte Ã¼ber die StraÃe in eine andere Seitengasse. Misery war aus reinem Zufall ein paar Tage zuvor Ã¼ber ihn gestolpert und hatte ihn fÃ¼r einen Menschen gehaltenâ¦ bis er ihre Vampir-Gefolgschaft, die ihn angegriffen hatte, dezimierte.

Von auÃen sah der DÃ¤mon nach nicht mehr aus, als nach einem achtjÃ¤hrigen StraÃenjungen. Sein schulterlanges, dunkles Haar hing in verfilzten, fettigen StrÃ¤hnen um sein Gesicht, das blass war, aber sonst sÃ¼Ã, fast engelhaft erschien. Das unterstrich seine menschliche Verkleidung nur noch, wenn er die Herzen und Geister seiner Opfer anziehen wollte. Seine Kleider waren zerfetzt und er hatte keine Schuhe. Als er seinen Kopf hob, um auf die StraÃe hinter ihm zu sehen, glitzerten seine Augen wie schwarze Diamanten.

Misery glitt Ã¼ber ihm die kleine StraÃe entlang, ehe sie sich direkt vor dem anderen DÃ¤mon vom Himmel fallen lieÃ, und wÃ¤hrend des Falls, die Gestalt des kleinen, blonden MÃ¤dchens annahm. Sie landete in der Hocke vor ihm, ehe sie sich aufrichtete, und ihr RÃ¼schenkleid abstaubte.

âHallo Miseryâ, sagte der Junge und Misery lÃ¤chelte Ã¼ber seine leise Stimme.

âHallo Cyrusâ, entgegnete Misery ebenso.

âDu warst diejenige, die all die Menschen dazu gebracht hat, einander umzubringen, in jenem Bus, vor ein paar Tagenâ, flÃ¼sterte der Junge.

Misery lÃ¤chelte stolz. âJa, das war ich und ich brauche das, was du tun kannst.â

Cyrus hielt seinen Kopf schrÃ¤g. âWas kann ich, was du noch nicht kannst?â

Misery kicherte und nahm die Spinnenhalskette ab, in der der Rest von Kanes Blut festsaÃ, und hÃ¤ngte sie um seinen Hals.

âDu wÃ¼rdest dich wundern, Kleinerâ, flÃ¼sterte sie.

âWerde ich spielen kÃ¶nnen?â, fragte der Junge, wodurch Misery klar wurde, wie jung der DÃ¤mon wirklich war.

âOh ja, du wirst so viel spielen kÃ¶nnen, wie du willstâ, antwortete Misery.

Die Dunkelheit in den Augen des Jungen dehnte sich aus, fraÃ jede Farbe auf, bis sie aussahen wie zwei bodenlose Gruben aus Nichts.

âIch mag spielenâ, sagte der Junge und ein gemeines LÃ¤cheln erschien, wÃ¤hrend seine Finger mit der Spinne spielten, die an der Halskette hing.



*****



Kriss lag im Bett in der groÃen Wohnung im obersten Stockwerk in einem der luxuriÃ¶seren Wohnbauten im Zentrum von Los Angeles. Er hatte hier einen Zufluchtsort gefunden, um Tabatha und seinen wachsenden GefÃ¼hlen fÃ¼r sie aus dem Weg zu gehen.

In seinem Kopf blitzten Erinnerungen daran auf, wie er sie zum letzten Mal gesehen hatte. Er hatte starrsinnig mehrere Tage lang Abstand von ihr gehalten, ehe die Trennung zu schmerzhaft fÃ¼r ihn geworden war. Seine Brust hatte zu schmerzen begonnen, weil er nicht in ihrer NÃ¤he war, und als er ihre Wohnung betrat und sie schlafend vorfand, mit getrockneten TrÃ¤nen, die ihre Wangen verunziertenâ¦ war sein einziger Gedanke gewesen, sie festzuhalten, um es alles wiedergutzumachen.

Er war unter ihre Decke gekrochen, hatte nicht bemerkt, dass sie nackt war, bis er sich in einer schÃ¼tzenden Umarmung um sie schlang. In dem Moment war er erstarrt, wollte gleichzeitig zu ihr hin und von ihr weg. Sie hatte sich im Schlaf zu ihm umgedreht und einen Arm um ihn gelegt, um sich an ihn zu kuscheln, wie sie es oft mit Kissen tat. Als ihre BrÃ¼ste sich an ihn drÃ¼ckten, war die Selbstkontrolle, auf die er immer so stolz gewesen war, zerrissen.

Monatelang waren seine Gedanken immer weiter in die Richtung gedriftet, wie er Dinge mit ihr machteâ¦ Dinge, die er nicht tun durfte, egal, wie sehr er sie liebte und wollte. Aber in diesem Augenblick wollte er so sehr in sie hinein, dass er riskiert hatte, die Frau zu tÃ¶ten, die er liebte. Er hatte seine Erektion pochen gefÃ¼hlt, und sie an ihrer weichen Haut gerieben.

Als ein wÃ¼tender Schatten Ã¼ber das Bett gefallen war, war Kriss erstarrt und hatte langsam seinen Kopf gedreht, um in Deans anschuldigende, silberne Augen zu sehen. Er wusste, dass er die Grenze zwischen Freundschaft und Gefahr Ã¼berschritten hatte, als er diesen Ausdruck auf dem Gesicht seines Liebhabers sah.

Er war in jener Nacht mit Dean gegangen, wollte keinesfalls dieselben SÃ¼nden begehen wie sein Vater. Er fÃ¼hlte, wie es zwischen seinen Beinen wieder pochte, als er nur daran dachte. Bis er diese Emotionen unter Kontrolle hatte, hatte Dean rechtâ¦ er musste sich von Tabatha fernhalten.

Als weitere VorsichtsmaÃnahme hatte er seinen Job im Silk Stalkings gekÃ¼ndigt, nur fÃ¼r den Fall, dass sie ihn dort suchen kommen wollte. Er hatte alles getan, um sicherzustellen, dass Tabatha so weit wie mÃ¶glich von ihm entfernt blieb, aber diese Trennung schmerzte ihn, wie ihn nichts zuvor je geschmerzt hatte. Wenn ein Gefallener Engel jemanden liebteâ¦ war das einen Stufe weiter, als das, was Menschen Liebe nannten, und der Wahnsinn, den das GefÃ¼hl in Menschen verursachte, wenn sie denjenigen, den sie liebten, nicht haben konnten, war bei einem Gefallenen Engel mindestens zehnmal so schlimm.

Kriss riss noch einmal an der Fessel, die sein Handgelenk festhieltâ¦ er hatte Dean dafÃ¼r gehasst, dass er ihn festgebunden hatte. Aber Kriss wusste auch, was beinahe passiert wÃ¤re. Wenn er der Lust nachgegeben hÃ¤tteâ¦ hÃ¤tten der Schmerz, Dean zu verlieren und gleichzeitig Tabatha zu tÃ¶ten, seinen Geist zerstÃ¶rt.

Er schloss seine Augen, als eine kÃ¼hle Brise durch die offene TerrassentÃ¼r Ã¼ber seinen nackten KÃ¶rper strich. Obwohl die Fessel ihm erlaubten, sich in der riesigen Wohnung frei zu bewegen, hatte er sich schon vor Stunden hingelegt, ohne schlafen zu kÃ¶nnen, wie das verworrene KnÃ¤uel aus Bettlaken am Boden bezeugen konnte. Kriss lag nun auf seinem Bauch, ein Knie in die Matratze gebeugt und das andere Bein war noch bedeckt von einer Ecke eines Lakens.

Ein weiterer Lufthauch zog durch das Fenster und brachte einen vertrauten Geruch mit sich. Kriss Ã¶ffnete seine Augen und betrachtete die Schatten der dÃ¼nnen VorhÃ¤nge auf der Wand vor ihm. Als ein geflÃ¼gelter Schatten sich zu ihnen gesellte, blieb Kriss still und erwartungsvoll.

Dean war auf dem Dach gewesen, hatte seiner dÃ¤monischen Beute und einem flÃ¼chtigen Hybriden fÃ¼r den Rest der Nacht ihre Ruhe gelassen. Er lieÃ sich von der Dachkante auf die Terrasse darunter fallen und stand in der offenen TÃ¼r, betrachtete Kriss. Das weiÃe Bettlaken war zur Seite getreten worden, sodass sein nackter KÃ¶rper dem Leuchten des Mondes ausgesetzt war. Dean fÃ¼hlte die Einsamkeit, die Kriss in seinem Herzen trug, und wusste, dass die einzige MÃ¶glichkeit, einen solchen Schmerz zu heilen, war, sich lange genug von Tabatha fernzuhalten.

Sein Blick fiel auf die Ã¼bernatÃ¼rliche Fessel, die Kriss davon abhielt, die Wohnung wÃ¤hrend seiner Abwesenheit zu verlassen. Er wollte Kriss nicht auf diese Art verletzen, aber er konnte fÃ¼hlen, dass Krissâ Liebe fÃ¼r Tabatha jeden Tag wuchs. Er hatte Kriss daran erinnert, dass, mit einer Frau dieser Welt zu schlafen, dasselbe bedeuten wÃ¼rde, wie sie zu tÃ¶ten und er hatte nicht gelogenâ¦ der Same des Gefallenen Engels wÃ¼rde sogar in einer unfruchtbaren Frau Wurzeln schlagen. Er wÃ¼rde die Unfruchtbarkeit heilen, um Leben zu erzeugen, wenn es sein mussteâ¦ aber dieses Leben wÃ¼rde die Frau umbringen, die es in sich trug.

Dean hatte Kriss die Wahrheit Ã¼ber seine eigenen SÃ¼nden erzÃ¤hltâ¦ als eine sichere Methode, um Kriss davon abzuhalten, sich mit Tabatha zu vereinigen. Als er gerade erst auf diese Welt geschickt worden war, war er dem Charme eines jungen MÃ¤dchens ungefÃ¤hr in Tabathas Alter erlegen. Er hatte zu viel Zeit mit ihr verbracht und eine Sache hatte zur nÃ¤chsten gefÃ¼hrtâ¦ er hatte sich in die menschliche Frau verliebt.

Er hatte gedacht, dass der Fluch ihn nicht verfolgt hÃ¤tteâ¦ gemeint, dass, so sehr, wie er sie liebte, sie einen Engel als Kind haben wÃ¼rdenâ¦ und hatte seiner Lust nachgegeben. Sie hatte ihn dazu aufgefordert, denn sie hatte ihn ebenso sehr gewollt. Sie zu lieben war der Himmel gewesen, aber es hatte nur Stunden gebraucht, ehe sich der DÃ¤mon in ihr voll entwickelt hatte. Als sie ihn spÃ¤ter in derselben Nacht mit ihren Schreien aufgeweckt hatte, hatte er sein eigenes Kind tÃ¶ten mÃ¼ssen, als es begann, sie von innen zu fressen.

Kriss hatte sich selbst belogenâ¦ dachte, dass er jede Nacht bei Tabatha schlafen konnte, ohne Sex zu haben, aber Dean wusste, dass das eine LÃ¼ge warâ¦ eine gefÃ¤hrliche. Kriss wÃ¼rde nie mit seiner Schuld leben kÃ¶nnen, wenn er Tabathas Todesurteil mit dem Samen seiner Liebe unterzeichnete.

Die Gefallenen Engel sehnten sich nach Liebe, aber waren in eine Welt gesandt worden, wo sie die Frauen nicht anfassen durftenâ¦ sie hatten nur einander. Krissâ SchÃ¶nheit hatte Dean schon immer beeindruckt, ihn selbst verzaubert, und er wusste, wiesoâ¦ Kriss war ein adeliger ihrer Art. Er hÃ¤tte nie geschickt werden sollen, um die DÃ¤monen hier zu bekÃ¤mpfen. Er fragte sich manchmal, wie lange es gedauert hatte, ehe die KÃ¶nige bemerkt hatten, dass ihr Prinz verschwunden war. Kriss hÃ¤tte verwÃ¶hnt, geliebt und verehrt werden sollen.

Als er in den Raum trat, bewegte sich Dean langsam und achtete darauf, dass sein Schatten auf der Wand blieb, sodass Kriss sehen konnte, was er machte, und ihn rechtzeitig aufhalten kÃ¶nnte, wenn er es wollte.

âDie DÃ¤monen in der Stadt sind heute Nacht ruhelosâ¦ kannst du sie fÃ¼hlen?â Dean sprach mit ruhiger Stimme, erwartete keine Antwort. Seine Lippen Ã¶ffneten sich leicht, als Krissâ melancholische Stimme ein leises Echo durch den Raum schickte.

âLass sie kommen.â

Dean zog die Jacke von seinen Schultern und warf sie auf einen Stuhl, der an der Wand stand. Danach kam sein Hemdâ¦ er knÃ¶pfte es auf und lieÃ es von seinen Schultern in ein HÃ¤ufchen Baumwolle zu Boden sinken. Er Ã¶ffnete seinen Hosenknopf und zog langsam den ReiÃverschluss auf, wollte beinahe grinsen, als Krissâ Atem stockte. Nachdem er seine Schuhe und Socken ausgezogen hatte, schob Dean seine Hose hinunter und lieÃ sie am Boden liegen.

Er ging zum Bett und hielt sich einen Moment an einem der Bettpfosten fest, wÃ¤hrend er auf Kriss hinuntersah, ehe er sich neben ihn legte. Dean rollte Kriss auf seine Seite und legte sich neben ihn, zog Krissâ RÃ¼cken an seine Brust und gab der Eifersucht nach, die in seinem Herzen schmorte.

Er wusste, dass Krissâ Traurigkeit von seiner Liebe fÃ¼r Tabatha stammteâ¦ er hatte eine Vorahnung der Gefahr schon gespÃ¼rt, in jener Nacht, als Tabatha und Kriss sich kennengelernt hatten. Darum hatte er Tabatha auf dem Parkplatz des Silk Stalkings angegriffen. Er hatte sie vor der Gefahr warnen wollen, aber Kriss hatte ihn aufgehalten, seinen KÃ¶rper als Schutzschild gebrauchtâ¦ Deans Besessenheit gegen ihn verwendet.

Kriss rollte sich auf seinen RÃ¼cken und drehte seinen Kopf, um Dean zu betrachten. Ihre Blicke trafen sich scheinbar fÃ¼r eine Ewigkeit, ehe Dean schnell den Abstand zwischen ihnen Ã¼berbrÃ¼ckte und seine Lippen sinnlich Ã¼ber die von Kriss streifte.

Als Kriss scharf einatmete, nutzte Dean das aus und vertiefte den Kussâ¦ machte ihn fordernder. Er hatte es satt, jede Nacht neben Kriss zu liegen und zuzusehen, wie er um ein MÃ¤dchen trauerte, das er nie haben konnte. Wenn er es kÃ¶nnte, wÃ¼rde er einfach Krissâ Schmerz in sich aufsaugen und mit der wilden Liebe der Gefallenen Engel ersetzen.

Kriss fÃ¼hlte, wie das Feuer sich langsam durch seine Adern ausbreitete, aber seine SchuldgefÃ¼hle brachten ihn dazu, sein Gesicht wegzudrehen und den Kuss zu beenden. Er kuschelte sich in Deans Arme, schlang seine eigenen Arme um Deans KÃ¶rper, ehe er dasselbe mit ihren Beinen machte.

Dean starrte schweigend auf Krissâ Scheitel hinunter und seufzte innerlich. Die Tatsache, dass Kriss sich so fest an ihn klammerte, war das einzige, was ihn beruhigte. Er konnte fÃ¼hlen, wie seine Trauer ein wenig schwÃ¤cher wurde, ehe sie zurÃ¼ckkam. Er hatte schon entschieden, dass er Kriss von seinen Fesseln befreien wollte, wenn der Morgen kam, aber nach Krissâ Ablehnung glÃ¼hten Deans Augen und die Fessel verschwanden.

PlÃ¶tzlich bewegte sich Kriss, packte Deans Handgelenke und drÃ¼ckte sie fest in die Matratze.

Dean starrte ruhig in die beunruhigten, silbernen Augen und fragte sich, was Kriss jetzt, wo er die Freiheit hatte, zu Tabatha zurÃ¼ckzukehren, tun wÃ¼rde. Als Kriss ihn einfach nur festhielt, hob Dean seinen Kopf vom Bett und strich mit seinen Lippen sanft Ã¼ber Krissâ SchlÃ¼sselbein und Halsbeuge. Er wurde mit einem Zischen und seiner Freiheit belohnt.

Mehrere Stunden spÃ¤ter lagen sie eng umschlungen, als die Sonne aufging. Dean wusste, ebenso wie Kriss, dass er da sein wÃ¼rde, wenn Kriss spÃ¤ter am Morgen erwachteâ¦ er wÃ¼rde immer da sein.



*****



Kane ging durch die StraÃen der Stadt, versuchte, wieder einen klaren Kopf zu bekommen, nach allem, was wÃ¤hrend der letzten Wochen geschehen war. Er hatte sogar gefÃ¼hlt, wie seine alte PersÃ¶nlichkeit manchmal wieder kurz an die OberflÃ¤che kamâ¦ meistens, wenn er mit Michael war. Er musste zugeben, dass er den Jungen richtig gern hatte.

Die strenge Kontrolle, die er Ã¼ber die letzten zehn Jahre Ã¼ber all seine Emotionen gehabt hatte, begann sich aufzulÃ¶sen und er vermisste schon die Sicherheit, die die imaginÃ¤ren WÃ¤nde ihm geboten hatte. Er war sicher, dass irgendein gut bezahlter Typ, der sich als Psychiater ausgab, sagen wÃ¼rde, dass das gut war, aber er war ebenso sicher, dass er ihn sehr schnell eines Besseren belehren kÃ¶nnte.

Er nutzte die Taubheit, die er mit aus dem Grab genommen hatte, wie einen Schutzschildâ¦ der ihn halb tot hielt und die Leute in seiner Umgebung in Sicherheit. So, wie die Dinge standen, kostete es ihm jedes Bisschen seiner Selbstkontrolle, um seine GefÃ¼hle fÃ¼r Tabatha in sich verborgen zu behalten und sie damit vor Misery zu schÃ¼tzen.

Noch immer lief ihm ein kalter Schauer Ã¼ber den RÃ¼cken, wenn er daran dachte, dass Michael schlieÃlich herausbekommen hatte, dass es Tabatha gewesen war, die ihn aus seinem Grab befreit hatte. Wenn er klar denken hÃ¤tte kÃ¶nnen, hÃ¤tte er eine MÃ¶glichkeit gefunden, Scrappy noch eine Weile von Tabatha fernzuhalten, wÃ¤hrend er sich Ã¼berlegte, wie er ihr alles erzÃ¤hlen sollteâ¦ wenn er es ihr Ã¼berhaupt erzÃ¤hlte.

Seiner Meinung nach, sollten einige Geheimnisse besser solche bleiben. In Wahrheit hatte er nie vorgehabt, es Tabatha zu erzÃ¤hlen.

Kane knurrte verÃ¤rgert, als seine Gedanken unterbrochen wurden. Er konnte dÃ¤monische Blicke auf sich fÃ¼hlen, wÃ¤hrend er gingâ¦ jede seiner Bewegungen wurde beobachtet. Er fragte sich, ob Misery sie geschickt hatte. Er konnte sie nicht unter ihnen fÃ¼hlen, was natÃ¼rlich sehr viel Sinn ergab. Wieso sollte die Schlampe ihm nachlaufen, wenn sie ihren Untergebenen auftragen konnte, das fÃ¼r sie zu erledigen? Die Stadt war nun Ã¼berlaufen von ihrem Gefolgeâ¦ dunklen Kreaturen, die zu erschaffen er geholfen hatte.

Er ging schneller bis er so schnell lief, dass die Scheinwerfer der Autos, die auf ihn zukamen, sich plÃ¶tzlich hinter ihm von ihm entfernten. Das rote Leuchten der RÃ¼cklichter erhellte die StraÃe fÃ¼r wenige Sekunden, ehe auch das verschwand. Er war frÃ¼her nie so schnell gewesen, aber mit der Laune, in der er sich in letzter Zeit befunden hatte, hatte er den Anstieg seiner Macht einfach ignoriert.

Im Moment wollte er einfach nur alleine in seiner eigenen Blase sein und nicht in Michaels Gegenwart und auch nicht mit wem auch immer sein bester Freund SchrÃ¤gstich Bruder an seiner Seite hatte. Er war nicht sicher, ob er es schaffen wÃ¼rde, seine âIch bin wieder bei Verstandâ-Maske zu tragenâ¦ nicht heute Nacht. Sein wahres Ich war nahe an der OberflÃ¤che und das war etwas, was Michael nicht zu sehen brauchte.

Kane steckte seine HÃ¤nde in seine Taschen und versuchte weiterhin, die spionierenden Mistkerle, die ihm folgten, zu ignorieren. Er hatte eine gehobene Gegend der Stadt erreicht und nÃ¤herte sich dem Teil, wo die meisten Clubs waren. Er brauchte etwas zu trinken und vielleicht eine kleine SchlÃ¤gerei, auch wenn er sie selbst beginnen musste. Die Clubs wÃ¼rden ihm die hirntÃ¶tende FlÃ¼ssigkeit liefern und es sollte einfach sein, ein Vampirnest zu finden, wo er das Andere bekommen konnte.

Als er um eine Ecke auf eine belebte StraÃe bog, fing Kane einen sÃ¼Ãen Geruch im Wind auf und blieb stehen, lieÃ die Anblicke und die GerÃ¤usche der Stadt wieder auf sich wirken. Er konnte sie ganz in seiner NÃ¤he riechen und sah sich suchend um, um herauszufinden, wo sie war. Er atmete tief ein, wollte mehr von ihr, dann fragte er sich, ob er ein Masochist war, dass er sich selbst so quÃ¤lte.

Er wusste, dass er ihr fernbleiben sollte, nachdem er wie ein Leuchtturm, der den Weg zum Heimathafen anzeigte, auf DÃ¤monen zu wirken schien, aber seine andere Seite warf sofort ein, dass seine Seelenfreundin ziemlich gut dabei war, auch selbst Probleme zu finden. Wenn sie verrÃ¼ckt genug war, hier zwischen all den DÃ¤monen herumzulaufen, dann sollte er vielleicht ihre Erinnerungen wieder auffrischen, damit sie nicht vergaÃ, was fÃ¼r eine dumme Idee das wirklich war.

Sein scharfer Blick landete auf einem Club, der Silk Stalkings hieÃ, und er runzelte die Stirn, wusste, dass dort der Gefallene Engel, Kriss, als TÃ¤nzer arbeitete. Es war ein interessanter Beruf fÃ¼r einen Gefallenen Engel, aber Kane urteilte nicht schnell Ã¼ber Leute. Resignierend seufzend Ã¼berquerte Kane die StraÃe und betrat den Club, damit er Tabatha nach Hause bringen konnte, ehe sie noch mehr Probleme bekam.




Kapitel 2


Tabatha trat durch den Eingang des Silk Stalkings und sah sich um. Sie war hergekommen, um Kriss zu suchenâ¦ und betete, dass sie ihn finden wÃ¼rde. Er war vor ein paar Tagen verschwunden und hatte nicht einmal angerufenâ¦ und er war ihr schon davor aus dem Weg gegangen. Sie vermisste ihn und begann, sich Sorgen zu machen. In der Vergangenheit hatte er zumindest immer angerufen, um ihr zu sagen, dass es ihm gut ging, wenn er lÃ¤ngere Zeit weggegangen war.

Wenn sie nur einen kurzen Blick auf ihn erhaschen kÃ¶nnte, wÃ¼rde das ihre Angst, dass Misery ihn gefressen oder irgendwo in eine HÃ¶hle gesperrt hatte, beruhigen.

Sie setzte sich an einen der hohen Tische und sah der Vorstellung zu, hoffte, dass Kriss kommen wÃ¼rde, und seine eigene Show abziehen wÃ¼rde. Fast eine Stunde war vergangen, ehe ihr klar wurde, wie spÃ¤t es war, und dass Kriss schon lÃ¤ngst auftreten hÃ¤tte mÃ¼ssen. Einer der Kellner ging an ihr vorbei und berÃ¼hrte sie vorsichtig am Arm, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen.

âBrauchen Sie etwas, FrÃ¤ulein?â, fragte er.

Tabatha lÃ¤chelte. âIch hoffe, dass Sie mir helfen kÃ¶nnen. Ich suche Kriss Reed. KÃ¶nnen Sie mir sagen, wann er wieder zum Arbeiten eingeteilt ist?â

Der Kellner seufzte und schÃ¼ttelte seinen Kopf. âSie sind schon die sechste Frau diese Woche, die nach ihm fragt. Leider hat er vor einigen Tagen gekÃ¼ndigt und niemand hat ihn seither gesehen.â

Tabatha fÃ¼hlte sich, als hÃ¤tte jemand sie ins Gesicht geschlagen. Ihr Herz sank mehrere Zentimeter tiefer und ihr Magen verkrampfte sich unangenehm, sie senkte ihren Kopf, um die TrÃ¤nen zu verbergen, die sich in ihren Augen sammeltenâ¦ sie hatte ihren besten Freund verloren.

âGeht es Ihnen gut?â, fragte der Kellner leise.

Tabatha hob den Kopf und lÃ¤chelte ihn an, wischte die Feuchtigkeit weg, die ihre Wimperntusche ruinieren wollte. âJa, alles in Ordnung. Aber kÃ¶nnen Sie mir einen Malibu mit Ananas bringen?â

Der Kellner sah sie fragend an, ehe er seufzte und zurÃ¼ck zur Bar ging. Er erkannte Tabatha als eine von Krissâ engen Freundinnen und nahm an, dass Kriss die Stadt verlassen hatte, ohne ihr Bescheid zu sagen. Welche Schandeâ¦ sie schien ein nettes MÃ¤dchen zu sein, und dass Kriss sie verlassen hatte, hatte sie offensichtlich verletzt.

Tabatha nahm sich viel Zeit um ihr kleines SchminktÃ¤schchen aus ihrer Handtasche zu holen und ihr Make-Up zu betrachten. Er hatte sie verlassen, ohne auch nur TschÃ¼ss zu sagenâ¦ als sie mit Devon und Envy nach Florida geflogen waren, hatte er versprochen, dass er sie nie verlassen wÃ¼rde. Sie waren einander nach ihrer EntfÃ¼hrung sogar noch nÃ¤her gekommenâ¦ so viel nÃ¤her.

âBitte sehrâ, sagte der Kellner, als er ihr GetrÃ¤nk vor sie stellte.

Tabatha senkte ihren Spiegel und lÃ¤chelte ihn an. âSie kÃ¶nnen schon einmal eine Rechnung beginnenâ¦ ich werde eine Weile bleiben.â

Der Mann nickte und bediente wieder die anderen GÃ¤ste, stellte sicher, dass alle alles hatten, was sie wollten, wÃ¤hrend er regelmÃ¤Ãig zu seinem neusten Gast blickte, um rechtzeitig einschreiten zu kÃ¶nnen, bevor die Frau sich um den Verstand trank.

Tabatha leerte ihr Glas schnell und stellte es wieder ab. Wieso machte sie sich Ã¼berhaupt Sorgen? Kriss war ein Gefallener Engelâ¦ er hatte bessere Dinge zu tun, als sich mit Menschen abzugebenâ¦ und erst recht Menschen, die seine Freunde waren. Oh Mann, sie hasste es, gleichzeitig verÃ¤rgert zu sein und zu schmollenâ¦ es erzeugte ein verstÃ¶rendes GefÃ¼hl.

Ein weiteres GetrÃ¤nk erschien vor ihr und sie leerte auch dieses schnell. Nach etwa sechs weiteren GlÃ¤sern war sie schÃ¶n beschwipst. Sie schielte zur BÃ¼hne und schmollte, als sie einen neuen Typen sah, der auf die BÃ¼hne kam, bekleidet nur mit einem silbernen Tanga und FlÃ¼geln. Sie fragte sich, wo der weinende, betrunkene Guru war, wenn man einen brauchte und ihre Augen wurden schmal vor Hass auf den TÃ¤nzer, der sie unwissend verspottete.

âNoch einer, und dann gehe ich?â, fragte sie den Kellner, der seit sie sich gesetzt hatte, in ihrer NÃ¤he geblieben war.

Der Kellner lÃ¤chelte freundlich und schÃ¼ttelte den Kopf. âIch denke, Sie hatten schon mehr als genug. Soll ich Ihnen ein Taxi rufen?â

âNeinâ, sagte Tabatha, griff nach ihrer Handtasche und stand auf. âKÃ¶nnen Sie Kriss ausrichten, dass er mich anrufen soll, falls er sich daran erinnert, wer seine Freunde sind.â

NatÃ¼rlich meinte sie es nicht so, aber im Moment war sie richtig wÃ¼tend auf Krissâ¦ verletzt, dass er ihre Freundschaft nicht einmal genug schÃ¤tzte, um ihr zu sagen, dass er weggingâ¦ oder entfÃ¼hrt wurde. Sie Ã¶ffnete ihre Handtasche, nahm ihre Geldtasche heraus und wollte ihre GetrÃ¤nke bezahlen, aber der Kellner schÃ¼ttelte wieder den Kopf.

âIhre Rechnung wurde schon bezahltâ, sagte er. âJetzt gehen Sie nach Hause, und schlafen Sie sich den Rausch ausâ¦ ich bin sicher, er wird bald anrufen.â

Tabatha holte ihre AutoschlÃ¼ssel hervor und lieÃ sie zu Boden fallen. âVerdammt!â, zischte sie, denn sie wollte dringend hier raus, ehe sie etwas Dummes tat, wie in der Ãffentlichkeit zu heulen.

Sie bÃ¼ckte sich, um sie aufzuheben, aber eine andere Hand kam ihr zuvor. Tabathas Blick folgte der Hand zu einem Arm und einer Schulter. Ihre Augen weiteten sich, als sie auf Kanes schÃ¶nem Gesicht landeten.

âKomm, Lieblingâ, sagte er, als er sah, wie sich das Licht in ihren hellblauen Augen brach. Sie war kurz davor zu heulen. Scheinbar war er nicht der einzige, der heute Nacht schlecht gelaunt war. âWir bringen dich nach Hause.â

Tabathas Unterlippe zitterte, als sie zu ihm hochsah und sie hÃ¤ngte sich an seinem Arm ein, fÃ¼hlte sofort seine Kraft. Ihr gutaussehender Stalker war gekommen, um sie zu holen, und ausnahmsweiseâ¦ war sie froh darÃ¼ber.

Kane nickte Ã¼ber Tabathas Kopf dem Kellner zu, ehe er sie aus dem Club fÃ¼hrte. Er knurrte innerlich, denn er wusste, weshalb sie diesen Club gewÃ¤hlt hatte. Sie wollte den Gefallenen Mistkerl finden, der sich vor ihr versteckte.

War es Kriss denn egal, was seine VernachlÃ¤ssigung mit Tabatha anstellte, oder hatte er sich selbst zu ihrem potentiellen Feind anstelle ihres besten Freundes ernannt? Kane legte einen Arm um Tabathas Schultern und hielt ihren anderen Arm fest umklammert, als sie in ihren StÃ¶ckelschuhen beinahe stolperte.

âHast du ihn gesehen?â, fragte Tabatha und sah hoch zu Kane.

Kane schÃ¼ttelte traurig seinen Kopf. âNein, habe ich nicht.â Er verzichtete darauf, ihr zu sagen, dass das letzte Mal, wo er Kriss Ã¼ber den Weg gelaufen war, er Dean auf ihm riechen hatte kÃ¶nnenâ¦ dem Gefallenen Engel ging es gut.

âEr ist weg.â Tabatha wischte auf kindische Art eine TrÃ¤ne weg, die schlieÃlich doch entkommen war. âWas, wenn Misery ihn gefressen hat?â

Kane versuchte bei dieser betrunkenen, aber ehrlich besorgten Frage nicht zu kichern. âMisery meint, dass die Gefallenen Engel ekelig schmeckenâ, wiederholte er Miserys eigene Worte.

âWieso hat er sich dann nicht verabschiedet?â Tabatha senkte ihren Blick zum Boden, wÃ¤hrend sie gingen.

Kane antwortete nicht, sondern half Tabatha einzusteigen und ging zur Fahrerseite herum. Bilder davon, wie er diese seidigen, weichen FlÃ¼gel von Krissâ RÃ¼cken riss, liefen in seinem Kopf Amok, aber Kane schob sie zur Seite. Rache konnte wartenâ¦ im Moment musste er seinen persÃ¶nlichen Engel sicher nach Hause bringen, ehe die DrehtÃ¼r seiner PersÃ¶nlichkeit seine dunkle Seite zum Vorschein befÃ¶rderte.

Tabatha verhielt sich still, wÃ¤hrend sie fuhren. Das blaue Licht des Armaturenbretts tauchte das Innere des Autos in ein sanftes Licht, als wollte es sie herausfordern, den Mann am Steuer zu betrachten. Sie war nie jemand gewesen, der eine Herausforderung abgelehnt hÃ¤tte und obwohl sie Alkohol besser vertrug als die meisten Frauenâ¦ halfen die GetrÃ¤nke, eine gesunde Angst zu unterdrÃ¼cken.

Langsam drehte sie ihren Kopf und starrte mutig genau auf Kane. âWieso meinte Misery, dass ihr dir gehÃ¶rte?â

Kanes Kopf wirbelte schnell herum und er spieÃte sie mit seinem Blick auf. Sie hÃ¤tte sich nicht daran erinnern sollen, was in jener Nacht passiert warâ¦ er hatte ihr diese Erinnerungen genommen. Wie, zum Teufel, konnte sie sich an etwas erinnern, was sie vergessen hÃ¤tte sollen? Als er Scheinwerfer sah, die genau auf ihr Gesicht schienen, schielte er schnell zurÃ¼ck auf die StraÃe und riss das Auto gerade noch rechtzeitig herum, um dem entgegen kommenden Auto auszuweichen.

Ihre Hand legte sich instinktiv auf den TÃ¼rgriff, als sie seine Reaktion auf ihre Frage sah, aber sie hielt sich zurÃ¼ck. Sie war noch nicht betrunken genug, um aus einem fahrenden Auto zu springen. Die Angst, die Ã¼ber ihren RÃ¼cken krabbelte, verstÃ¤rkte nur ihren Mut bis zu einem Punkt der Dummheit.

âBleib auf einer Spur!â Tabatha grinste und blinzelte, wollte sich selbst ohrfeigen. âVerdammtâ, dachte sie innerlich. âGroÃartig, du Dummkopf, verÃ¤rgere den Typen mit den spitzen ZÃ¤hnen.â

âDu erinnerst dich an jene Nacht?â, fragte Kane, konnte sich nicht davon abhalten.

âNa und?â, fragte sie und zuckte leicht die Schultern. âWas ist schon dabei, dass ich mich erinnere? Nunâ¦ an das Meiste zumindest. Vielleicht bist du nicht so gut dabei, Leute zu verzaubern, wie du meinst.â

âVielleicht werde ich nÃ¤chstes Mal nicht so sanft seinâ, warnte Kane und sah, wie sie bei seinen finsteren Worten zitterte.

Tabatha richtete ihren Blick auf seinen stoischen Gesichtsausdruck. Wie konnte er es wagen, ihren gespielten Mut in Frage zu stellen?

âNun, bevor du deine GehirnwÃ¤sche wieder an mit probierst, wie wÃ¤re es, wenn du mir die Antwort auf Miserys RÃ¤tsel sagst?â, forderte sie und verschrÃ¤nkte ihre Arme vor ihrer Brust, obwohl ihr bewusst war, dass sie ihren Ãrger darÃ¼ber, dass Kriss sie sitzengelassen hatte, an Kane auslieÃâ¦ aber vielleicht verdiente Kane ihn auch. Sie wusste nicht einmal, ob nicht Kane vielleicht sogar derjenige war, der Kriss gefressen hatte.

âEntweder du erzÃ¤hlst mir, was sie gemeint hat, oder ich schwÃ¶re, ich werde ein groÃes, saftiges Kuhherz um meinen Hals hÃ¤ngen und mich auf die Lauer legen bis Misery mich findet, damit ich sie selbst fragen kann.â

Sie schrie leise auf und hielt sich schnell am Armaturenbrett fest, als Kane das Auto herumriss, sodass es von der StraÃe in den StraÃengraben fuhr. Er trat fest auf die Bremse und sie schleuderten ein StÃ¼ck Ã¼ber den Schotter neben der StraÃe, wobei das Auto sich einmal um die eigene Achse drehte, ehe es stehenblieb.

Kane beugte sich Ã¼ber sie, ehe das Auto zum Halten kam. Tabatha konnte sich nicht davon abhalten, in sein Gesicht zu sehen und die geraden ZÃ¼ge seines starken Kiefersâ¦ die violette Farbe seiner Augen zu bewundern. Ihr Blick senkte sich zu seinen perfekten Lippen und sie fragte sich, ob sie eiskalt oder heiÃ wie Feuer waren.

Kane war mehr als nur wÃ¼tend und wollte die Frau erwÃ¼rgen dafÃ¼r, dass sie an so eine Sache auch nur dachte. Er biss sich auf seine eigene Zunge, bis er sein Blut schmecken konnte, ehe er Tabathas Lippen in einen heiÃen Kuss einfing. Unter normalen UmstÃ¤nden wÃ¼rde er tÃ¶ten, um dies tun zu kÃ¶nnenâ¦ aber sie musste nÃ¼chtern sein, damit es zÃ¤hlte. Der einzige Grund, weshalb er sie jetzt so tief kÃ¼sste, war, um die gefÃ¤hrlichen PlÃ¤ne aus ihrem Kopf zu vertreiben, die der Alkohol dort hinterlassen hatte.

HeiÃ, seine Lippen waren heiÃ und diese kÃ¶stliche Hitze wirbelte durch sie, ehe sie sich zwischen ihren Beinen sammelte. Tabatha fÃ¼hlte plÃ¶tzlich die Angst, die ihr vor wenigen Augenblicken gefehlt hatte. Sie spÃ¼lte in wilden Wellen Ã¼ber sie und sie fÃ¼hlte, wie ihre Zehen sich verkrampften, als sich Panik in ihrem Magen breitmachte. Ihre Gedanken Ã¼bergaben sich der Angst und sie drÃ¼ckte so fest sie konnte gegen ihn. Leider hatte das denselben Effekt, als wenn sie ein Haus aufheben hÃ¤tte wollen.

Kane fÃ¼hlte ihre HÃ¤nde, die in seine Brust drÃ¼ckten, aber wenn dies ihr letzter Kuss sein wÃ¼rde, dann wÃ¼rde er ihn noch einen Augenblick lÃ¤nger genieÃen. Er atmete ihren warmen Atem ein, als sein Kuss weicher wurde, ehe er ihn schnell wieder vertiefte.

Tabatha wurde Ã¼berwÃ¤ltigt von dem sÃ¼Ãen, salzigen Geschmack von Kanes Blut und das dringende BedÃ¼rfnis, tief in ihn zu klettern, verdrÃ¤ngte die Angst. Dieses BedÃ¼rfnis wurde nur noch stÃ¤rker, als seine Hand sich um ihre HÃ¼fte schloss und sie von ihrem Sitz hob und sie in dem engen Auto fest an sich drÃ¼ckte. Ihre Oberschenkel gingen in Flammen auf und ehe sie sich aufhalten konnte, krabbelte eine ihrer HÃ¤nde Ã¼ber seine Brust hoch und kam zu seinem Hals, wo sie sein schneeweiÃes Haar fest umklammerte.

Kane zitterte, als er ihre NÃ¤gel Ã¼ber seine sensible Haut kratzen fÃ¼hlte, sodass sich seine HÃ¼ften reflexartig beugten und ein Knurren sich tief in seiner Brust aufbaute. Er wollte sieâ¦ oh Gott, er wollte sie so sehr. Ein Hupen ertÃ¶nte und Kane erinnerte sich plÃ¶tzlich wieder daran, wo sie waren. Es kostete ihm mehr Kraft, als er gedacht hatte, dass er besaÃ, ihren KÃ¶rper wieder loszulassen und sich selbst praktisch in den Fahrersitz zu schmeiÃen.

âUnd, bist du jetzt wieder nÃ¼chtern?â, fragte er. Die Muskeln in seinem Kiefer waren mehr als nur angespannt und seine FingerknÃ¶chel wurden weiÃ, weil er das Lenkrad so fest umklammerte, um seinen Hunger zu bÃ¤ndigen.

Tabatha hob ihre Hand zu ihrem Mund, als sie Ã¼ber die komische Frage nachdachte. Nach ein paar Sekunden nickte sie mit gerunzelter Stirn. âJa, was bist du, LÃ¶skaffee?â

âWas bist du?â, imitierte Kane sie spÃ¶ttisch. âVÃ¶llig verrÃ¼ckt bist duâ¦ redest von Kuhherzen und DÃ¤monen.â

Tabathas Augen wurden groÃ, als ein Blitz ihre Aufmerksamkeit auf die StraÃe lenkte, die er erhellte. Sie leckte Ã¼ber ihre Unterlippe, schmeckte das Blut dort und schaute dann an sich hinunter, um sicherzugehen, dass ihre Oberschenkel nicht wirklich brannten. Wieder zuckte ein Blitz durch die Nacht und sie beugte sich nach vor, um den Himmel sehen zu kÃ¶nnen, suchte Gewitterwolken. Als sie keine sehen konnte, blickte sie zurÃ¼ck zu Kane und ihr wurde klar, dass er fÃ¼r die Blitze verantwortlich war.

âIch denke, du solltest dich wieder beruhigen. Ich lag falschâ¦ du bist nicht LÃ¶skaffee, du bist ein Wirbelsturmâ, sagte sie und richtete sich im Autositz auf. Es war ihr vorhin nicht aufgefallen, aber als Kane sich Ã¼ber sie gebeugt hatte, war ihr Kleid so weit nach oben gerutscht, dass die SpitzenrÃ¤nder ihrer Unterhose beinahe sichtbar wurden.

Kane rieb sich mit den Fingern die SchlÃ¤fen und schloss seine Augenâ¦ musste es tun. âTu mir nur einen Gefallenâ¦ halte dich von Misery fern.â

âHast du mich deshalb in Warrens BÃ¼ro geheilt?â, flÃ¼sterte Tabatha, irgendwie wusste sie, dass sein Blut gerade jeden Tropfen Alkohol, den sie heute Nacht getrunken hatte, ausgelÃ¶scht hatte. Sie vermisste schon die Sorglosigkeit, die er ihr gegeben hatte, aber sie wÃ¼rde ihn keinen Spielverderber nennen, in der Laune, in der er war. Dennoch musste sie zugeben: wenn er den Kuss nicht abgebrochen hÃ¤tte, hÃ¤tte er zu anderen Dingen gefÃ¼hrt.

Zu behaupten, dass er instabil war, war wohl eine grobe Untertreibung, wenn man nach der Art, wie er das Lenkrad umklammerte, urteilen konnte. Nach dem, was sie gerade tun hatte wollenâ¦ waren sie vielleicht beide instabil.

Als er ihr nicht antwortete, sondern einfach nur geradeaus starrte und die Schulter zuckte, wurde Tabatha wieder wÃ¼tend. âIn Ordnung, bring mich einfach nur nach Hauseâ¦ oder noch besser: verschwinde aus meinem Auto. Ich kann jetzt selbst fahren.â

Tabatha wurde unsanft in ihren Sitz gedrÃ¼ckt, als Kane das Auto wieder startete, den Motor aufheulen lieÃ und wieder auf die StraÃe fuhrâ¦ zum GlÃ¼ck war um diese Zeit nicht viel Verkehr.

âVielleicht solltest du gehen und das Vogelnest suchen, wo auch immer Kriss sich versteckt, und dich zu ihm setzen, nachdem es euch beiden offensichtlich SpaÃ macht, Geheimnisse vor mir zu haben!â, sagte sie sarkastisch.

âHat dir noch nie jemand gesagt, dass es keine gute Idee ist, einen Vampir herauszufordern?â, fragte Kane mit trÃ¼gerisch ruhiger Stimme, aber weigerte sich, sie anzusehen.

âIch lebe nochâ, stellte Tabatha fest.

âNochâ, log Kane, aber fÃ¼hlte sich zufrieden, als der Rest der Fahrt in unruhigem Schweigen absolviert wurde.

Tabatha lehnte sich in den Beifahrersitz zurÃ¼ck und verschrÃ¤nkte die Arme vor ihrer Brust. Sie weigerte sich strikt, an den Kuss zu denken und sie wollte schon gar nicht daran denken, wie sexy er ausgesehen hatte, wie er sich Ã¼ber sie gebeugt hatteâ¦ wÃ¼tend oder nicht.

Sobald Kane das Auto in ihrer Einfahrt geparkt hatte, seufzte er und fuhr sich mit einer Hand durch sein Haar, als sie aus dem Fahrzeug sprang und weglief, als wÃ¤re sie gebissen worden. Der Gedanke erschien ihm recht ironisch, angesichts der Tatsache, dass er sie schon frÃ¼her einmal gebissen hatte. Er stieg aus dem Auto und folgte ihr leise, wusste, dass das die falsche Entscheidung war.

Tabatha schlug die AutotÃ¼r hinter sich zu und rannte zu ihrer WohnungstÃ¼r. Sobald sie die TÃ¼r sicher hinter sich geschlossen hatte, drehte sie sich um und verbrachte die nÃ¤chsten Sekunden damit, alle vier SchlÃ¶sser zu verriegeln, ehe sie das Licht im Wohnzimmer anschaltete.

âTschÃ¼ss, Arschloch!â erklÃ¤rte sie mit einem bÃ¶sen Blick auf die TÃ¼r, fÃ¼hlte sich triumphierendâ¦ bis sie sich umdrehte. Tabatha kreischte, als sie Kane auf dem Sofa sitzen sah, als wÃ¼rde er hier wohnen und sie warf ihre Handtasche nach ihm.

âDu bist nicht eingeladen!â, tobte sie, dann wartete sie, um zu sehen, ob er sich in Rauch auflÃ¶sen und verschwinden wÃ¼rde. Es war sogar gut, dass er das nicht machte, denn sie hÃ¤tte sich mit dem hysterischen Lachen, das davon gekommen wÃ¤re, verletzt.

âVerdammt, wieso bist du noch hier?â, fragte sie scharf, schÃ¼ttelte ihre StÃ¶ckelschuhe ab und schleuderte sie mit den FÃ¼Ãen in seine Richtung. Sie freute sich kurz Ã¼ber ihren Erfolg, als er ein Bein bewegen musste, um ihnen auszuweichen.

Zu ihrer Verwunderung saÃ Kane einfach nur da und starrte sie mit diesem Gesichtsausdruck an, der wie eine Mischung aus Belustigung und Ãrger aussah, und sie auf die Palme bringen wollte. Er flimmerte und verschwand einen Augenblick lang, dann hÃ¶rte sie ein leises Pochen, als etwas die TÃ¼r auf beiden Seiten von ihr traf. Tabatha konnte sich nicht bewegen, da er sie an das Holz hinter ihr drÃ¼ckte. Sie hÃ¶rte Donner drauÃen und fÃ¼hlte, wie ihre Angst bei dem GerÃ¤usch zunahm.

Kane lehnte sich ein wenig nach vorne, bis seine Wange beinahe ihre berÃ¼hrte und atmete den Geruch ihrer Angst vermischt mit Wut ein. Er wirkte auf ihn wie ein Aphrodisiakum und erinnerte ihn daran, wieso er seine Seelenfreundin nicht genommen hatte, sobald er sie gefunden hatte. TatsÃ¤chlich kÃ¤mpfte er gegen den Drang an, sie hier gleich an der TÃ¼r zu nehmenâ¦ schnell und kraftvoll.

Die GÃ¶tter hatten sie vielleicht aneinander gekuppelt, aber sie hatten falsch gelegen in ihrer Wahl. Um ihretwillenâ¦ war es falsch. Als er sich weit genug zurÃ¼cklehnte, um ihr Gesicht zu sehen, war er froh, dass die Wut und Angst dort noch immer waren.

Tabatha fÃ¼hlte, wie ihre Stirnfransen sich bei jedem seiner AtemzÃ¼ge bewegten, wÃ¤hrend er sie mit diesen hitzigen Augen anstarrte. Sie wurde verzaubert, als sie beobachtete, wie seine violetten Pupillen sich vergrÃ¶Ãerten und fÃ¼hlte, wie EnttÃ¤uschung durch sie brannteâ¦ sie wollte es nicht vergessen.

âBevor du mich verzauberstâ¦ sag mir eine Wahrheitâ, flÃ¼sterte sie. âEine echte, vÃ¶llig ehrliche Wahrheit.â

âEine Wahrheit, Liebling?â Kane senkte seinen Blick auf ihre Lippen und senkte seinen Kopf, bis seine Lippen beinahe die ihren berÃ¼hrtenâ¦ nicht ein Kuss, sondern etwas viel Intimeres. âIch bin fÃ¼r dich viel gefÃ¤hrlicher, als es ein DÃ¤mon je sein kÃ¶nnte.â

Tabatha blinzelte in das Sonnenlicht, das durch das Fenster strahlte, und setzte sich im Bett auf. Sie zog ihre Knie an und schlang ihre Arme um ihre Beine. Sie schenkte dem Tageslicht, das sie scheinbar verspotten wollte, einen bÃ¶sen Blick. Knurrend schnaubte sie und blies ihre Stirnfransen in die Luft.

âGefÃ¤hrlich, ja klarâ, brummte sie. âEr ist so gefÃ¤hrlich, dass er mich noch ins Bett gesteckt und zugedeckt hat, bevor er ging.â



*****



Zachary betrachtete die Stadtkarte an der Wand und legte seinen Kopf zur Seite. Sie hatten eine Stecknadel an jeden Ort gesteckt, wo sich in den letzten paar Monaten ein merkwÃ¼rdiger Vorfall ereignet hatte, um zu sehen, ob sie ein Muster feststellen konnten. Sie hatten mit nur wenigen farbigen StecknadelkÃ¶pfen begonnen, aber als mehr Berichte kamen, hatten die Stecknadeln begonnen, ein Muster zu ergeben.

Angelica nahm einen schwarzen Filzstift und zeichnete einen Kreis um die Slums und deren direkte Umgebung. âMisery hat in dieser Gegend ihr Unwesen getriebenâ, erklÃ¤rte sie. âDie anderen VorfÃ¤lle scheinen andere DÃ¤monen zu sein, die mutig werden und aus ihren Verstecken kommen.â

âWas ist mit dem, was im Love Bites geschehen ist?â, fragte Trevor. âDas war nicht wirklich ihre Ã¼bliche Vorgehensweise.â

âWir mÃ¼ssen die Region vielleicht bald ausweitenâ, bemerkte Chad. âUnd was ist mit der Leiche, die wir heute Morgen gefunden haben?â

Sie alle erschauderten, als sie sich an den Tatort erinnerten. Sie hatten einen Anruf von der Polizei Ã¼ber die Leiche eines jungen Mannes bekommen, da sie meinte, dass sie das sehen sollten. Der Mann war etwa zwanzig Jahre alt und trug die Ãberreste eines T-Shirts mit dem Namen der lokalen UniversitÃ¤t.

Als sie dort angekommen waren, hatte die Polizei die gesamte Umgebung in etwa hundert Metern Umkreis abgesperrt. Chad war das komisch vorgekommen und er war gegangen, um mit ein paar seiner Kumpels aus der Truppe zu reden. Als er zurÃ¼ckgekommen war, war seine Gesichtsfarbe deutlich blasser geworden.

âWas ist los?â, fragte Zachary.

âSie sagten, dass wir es selbst sehen musstenâ¦ es ist mindestens so schlimm, wie das, was ihr von dem Bus letztens erzÃ¤hlt habt.â

Als sich die vier nÃ¤herten, musste Trevor durch den Mund atmen, um zu verhindern, dass er sich durch den Geruch Ã¼bergeben musste. Das schlimmste war, dass er den bitteren Geruch sogar schmecken konnte, und das war mindestens genauso schrecklich. Zach gab ihm einen Mundschutz aus seiner Jackentascheâ¦ er hatte immer ein paar bei sich, fÃ¼r genau solche Situationen. Als sie die Leiche sahen, musste sogar Zachary wegsehen und ein paarmal tief durchatmen.

Der KÃ¶rper war buchstÃ¤blich auseinandergerissen worden und alles, was drinnen gewesen war, war drauÃen. Das Schlimmste war, dass sie alle sehen konnten, wo etwas tatsÃ¤chlich Teile gefressen hatte, wo ganze StÃ¼cke Fleisch herausgerissen worden waren. Lange Spuren von Klauen waren in dem Bisschen Fleisch, das noch Ã¼brig war, und an den Knochen zu sehen, einige Knochen waren gebrochen und standen in absurden Winkeln ab.

Die AugenhÃ¶hlen waren das Schlimmste, denn sie starrten geradewegs zu ihnen hochâ¦ die Augen waren herausgenommen worden. Ein Teil des Skalps war weggerissen worden und der SchÃ¤del durchlÃ¶chert, wo Teile des Gehirns noch aus dem Loch tropften. Der Mund war geÃ¶ffnet worden und die Zunge war ebenfalls verunstaltet.

Ein GroÃteil der Innereien lag Ã¼ber den KÃ¶rper verteilt und der Magen war weit geÃ¶ffnet. Angelica drehte sich von der Leiche weg und drÃ¼ckte ihre Hand auf den Mund, um die Ãbelkeit zu unterdrÃ¼ckenâ¦ es half nichts.

âArmer Kerlâ, flÃ¼sterte Zachary und kniete sich neben den Jungen. Die letzte Woche erschien ihm wie ein einziges Chaos aus dÃ¤monischer AktivitÃ¤t und es schien nicht so, als wÃ¼rde es bald anders werden. âWas sagt der offizielle Bericht?â

âDie Polizei sagt, dass es ein tierischer Angriff warâ, antwortete Chad.

Angelica schÃ¼ttelte ihren Kopf. âNein, das war kein Tierâ, sagte sie mit rauer Stimme und ging zurÃ¼ck zum Auto. âEs war das Grab.â

Zachary schÃ¼ttelte die Bilder aus seiner Erinnerung ab und sah von dem Stadtplan zu Angelica. âWas hast du gemeint, als du sagtest, es war das Grab?â

Angelica runzelte die Stirn. âDas war alles, was ich von der Leiche fÃ¼hlen konnte. Die Wunden waren fast zu alt, sodass ich sie kaum spÃ¼ren konnte. Ich weiÃ nicht, wie ich es besser beschreiben soll, als, dass das Grab ihn getÃ¶tet hat.â

Zachary trat an den Kaffeetisch, wo sein Laptop stand. Er stellte eine Verbindung mit dem TEP-Netzwerk her und schickte Storm eine Nachricht, in der er die letzten VorfÃ¤lle beschriebâ¦ die Antwort kam sofort.

âEs scheint, dass Storm die groÃen Spieler des TEP in den Fall holtâ, erzÃ¤hlte Zachary den anderen, dann hielt er inne, ehe er zu seinen Kollegen hochsah. âEr hat den fabelhaften Ren hergeschicktâ¦ er ist schon hier.â

Trevor erzitterte sichtbar, als Rens Name erwÃ¤hnt wurde. Ren war schon immer das Phantom der Gruppe gewesenâ¦ mehr eine Legende als eine echte Person, denn Storm war der einzige, der ihn je getroffen hatte. Er hatte Storm einmal gefragt, wer das mÃ¤chtigste Mitglied des TEP war, und Storm hatte keine Sekunde mit seiner Antwort gezÃ¶gert. Aber wenn Storm seinen Stellvertreter schickte, dann bedeutete das, dass er direkt dahinter eine Armee sandte.

Zachary und Trevor wussten beide, was das bedeuteteâ¦ der Krieg begann.




Kapitel 3


WÃ¤hrend seiner Jugendjahre hatte Ren es sich angewÃ¶hnt, sich in die Datenbank des Teams fÃ¼r Ermittlungen Ã¼ber Paranormales einzuloggen, um am Laufenden zu bleiben. Er war auch klug genug, um dann den Computer, den er verwendet hatte, zu zerstÃ¶ren, damit sie ihn nicht aufspÃ¼ren konnten. Es war ein Nervenkitzel gewesen, die Schutzschilde zu durchbrechen, die eine Abteilung der Regierung errichtet hatte, die angeblich nicht einmal existierte.

Das Team fÃ¼r Ermittlungen Ã¼ber Paranormales, auch genannt T.E.P., wusste, dass Ren ihre FÃ¤lle verfolgte und ihre verschlÃ¼sselten Informationen heraussaugte, aber sie hatten ihn nie schnappen kÃ¶nnen und sie hatten keine Schutzschilde gefunden, die dicht genug gewesen wÃ¤ren, um ihn aus ihrem privaten System drauÃen zu halten. Er stahl nicht nur ihre Daten, sondern Ren lieÃ noch Daten von seinen eigenen paranormalen Ermittlungen zurÃ¼ck.

Nach mehreren Jahren, hatte der Chef des TEP begonnen, Ren Nachrichten hinter den dicksten, am besten verschlÃ¼sselten digitalen Schutzmauern zu hinterlassen, die Ren je gesehen hatte. Hinter diesen WÃ¤nden hatte Ren sich im Geheimen dem so schwer aufspÃ¼rbaren TEP-Team angeschlossen, aber nur zu seinen eigenen Bedingungenâ¦ dass er alleine arbeitete.

Wer auch immer hinter dieser Mauer war, wusste nicht nur seinen Namen, sondern auch einige andere Dinge Ã¼ber ihn, die sonst niemand wussteâ¦ etwa die Tatsache, dass er nicht ganz menschlich war. Erst nachdem er einen DÃ¤mon der Klasse sieben angegriffen hatte, der einen menschenfressenden Kult im Kongo initiiert hatte, wobei er schwer verletzt worden war, hatte der Chef des TEP ihn schlieÃlich aufgespÃ¼rt.

Ren war mitten im Kampf gegen den Haut-DÃ¤mon, und zwar gerade dabei, zu verlieren, als eine Hand seine Schulter packteâ¦ und ehe er sichâs versah, war er auf einer kleinen, privaten Insel mitten im Meer. Ren hatte sich umgedreht und war dem Mann, der hinter den verschlÃ¼sselten Schutzschilden stand, von Angesicht zu Angesicht gegenÃ¼ber gestandenâ¦ Storm.

Ren schÃ¼ttelte seinen Kopf, als er sich an diese ersten kurzen Augenblicke erinnerte. Storm sah aus, als hÃ¤tte er der SÃ¤nger einer Rockband aus den Achtzigern sein sollen und nicht das Gehirn hinter der geheimnisvollsten Gruppe der Welt.

Storm hatte nur gelÃ¤chelt und die Hand zurÃ¼ckgezogen, die noch immer Rens Schulter festhielt. âVersuchst du, auf die grobe, schnelle Art aus dem TEP auszusteigen? Wieso bleibst du nicht noch eine Weile? Ich wÃ¼rde es richtig schade finden, meinen besten Freund zu verlieren, bevor wir auch nur die Chance bekommen, Freunde zu werden.â

âWas?â Ren zog den Kopf ein und hielt seine Hand Ã¼ber seine Brust, wo der DÃ¤mon versucht hatte, sein Herz herauszukrallen.

âTut mir leidâ, seufzte Storm und griff wieder nach ihm. Sie waren plÃ¶tzlich in der Einrichtung, die halb unter Grund und halb unter Wasser, tief unter der Insel war. âEs ist niemand mit der Macht zu heilen hier, aber ich kann dich jederzeit zu jemandem bringen, wenn dir das lieber ist.â

âNeinâ, knurrte Ren praktisch. âWenn du mir eine Nadel und einen Faden gibst, glaube ich, dass ich es ertragen kann, fÃ¼r ein paar verdammte Minuten an einem Ort zu bleiben.â Er lehnte sich zurÃ¼ck gegen einen Tisch, um Storms Hand auszuweichen. âUnd wenn du mich noch einmal anrÃ¼hrst, wirst du deine Hand verlieren.â

Storm lachte und Ã¶ffnete einen der oberen SchrÃ¤nke, dann zeigte er mit der Hand auf all die medizinischen Utensilien dort. Sein LÃ¤cheln verschwand, als Ren sein Hemd aufknÃ¶pfte und Storm die tiefen Wunden sah, die der Haut-DÃ¤mon hinterlassen hatte. Nur wenige Sekunden spÃ¤ter und Ren wÃ¤re verloren gewesen.

âIch denke, nachdem du so auf DÃ¤monen stehst, dass du vielleicht noch ein wenig mehr Ã¼ber sie lernen solltest, bevor du den nÃ¤chsten zum Kampf herausforderst.â Storm schaute von den Wunden weg, wissend, wie die Narben aussehen wÃ¼rden. Er kannte Ren schon langeâ¦ die Freundschaft war nur einfach noch nicht entstanden.

Ren streckte die Hand nach dem offenen Schrank aus und nahm etwas heraus, das ihm nach einem sterilisierten NÃ¤hkÃ¶fferchen aussah, dann ging er zu dem Spiegel an der Wand. âWenn du einen DÃ¤mon getroffen hast, hast du sie alle getroffenâ¦ nicht wahr?â Er konnte den Sarkasmus nicht aus seiner Stimme verdrÃ¤ngen, wÃ¤hrend er innerlich versuchte, den Schmerz zu ignorierenâ¦ es funktionierte nicht.

âFalschâ, korrigierte Storm. âDu weiÃt nur, was ich in die Datenbank hochladen habe lassen.â Er setzte sich auf das Krankenbett in der Mitte des Zimmers.

Ren sah durch den Spiegel auf den Mann hinter ihm. Die Dinge, die in der Datenbank versteckt waren, genÃ¼gten, um die Welt in Flammen aufgehen zu lassenâ¦ es war genug, sodass es schon gefÃ¤hrlich war, die Datenbank Ã¼berhaupt zu haben. Es war schwer zu glauben, dass da noch mehr warâ¦ aber andererseits: er wusste einige Dinge, die nicht einmal in der Datenbank waren.

âIch hÃ¶re.â Und er hÃ¶rte zuâ¦ wochenlang.

Storm hatte recht damit, die Information, die er mit Ren teilte, nicht in die Archive zu lassen, aus denselben GrÃ¼nden, weshalb der Vatikan das Zeug in ihren geheimen Kellern versteckte. Wenn auch nur ein Teil dieser Information die normale BevÃ¶lkerung erreichen sollte, wÃ¼rde das das Ende der Welt, wie wir sie kennen, bedeuten.

Ren wusste ohne jeglichen Zweifel, dass ihm der Mann noch immer Informationen vorenthielt, denn welche GÃ¶tter ihm auch die Macht gegeben hatten, in Raum und Zeit zu springen, hatten es auch gefÃ¤hrlich fÃ¼r ihn gemacht, jemandem etwas zu erzÃ¤hlen, was Ã¼ber das Jetzt hinausging. Er kÃ¶nnte der beste Geschichtslehrer der Welt seinâ¦ aber wenn Storm versuchen wÃ¼rde, jemandem von der Zukunft zu erzÃ¤hlen, kÃ¶nnte das die Raum-Zeit-Verbindung zerreiÃenâ¦ und diese Verbindung war Storm selbst.

Er hatte auch recht, was ihre Freundschaft betraf. Sie waren vom ersten Tag an Freunde gewesen und das sagte viel, denn sie beide waren nicht die Art Person, die jemandem vertraute. In Wahrheitâ¦ Ã¤hnelten sie einander in vielfÃ¤ltiger Art und Weise.

Storms kleine Erholungsinsel war tatsÃ¤chlich irgendwo in der Vergangenheit, aber Storm hatte sie mit allen Annehmlichkeiten einer modernen Villa ausgestattet. Eine Seite des GebÃ¤udes erzeugte in Ren ein GefÃ¼hl, als wÃ¤re er in einer riesigen GlasschÃ¼ssel, wÃ¤hrend die andere Seite in das harte Gestein der Insel gebaut worden war. Das Beste daran war die vÃ¶llige Einsamkeit. Dies war der eine Ort, an den Ren kommen konnte, wo nichts Paranormales ihn berÃ¼hren konnte, abgesehen von Storms FÃ¤higkeit in der Zeit zu reisen.

Zuerst hatte er gedacht, dass Storm Mitte zwanzig war, aber nachdem er ihn seit mehr als zehn Jahren kannte und Storm keinen Tag Ã¤lter geworden war, fragte er sich, wie lange Storm schon auf der Welt war. Selbst Ren alterte nun weniger schnell, da er so viel Zeit in der NÃ¤he von Storm und seiner Macht verbrachte.

Ren zuckte zusammen, als eine Stimme ihn aus seinen Gedanken riss.

âIch habe dich gerade zum stolzen Besitzer eines der Ã¤ltesten HÃ¤user von LA gemachtâ, verkÃ¼ndete Storm, als er auf dem langen Landesteg erschien, der sich vor der Insel erstreckte. Er grinste, als er sah, dass Ren vor Schreck fast aus der Haut fuhr.

âVerdammt, kannst du vielleicht ein GerÃ¤usch machen, wenn du so aus dem Nichts springst?â Ren drehte sich um und lehnte sich an das GelÃ¤nder, wÃ¤hrend er den zufriedenen Ausdruck auf Storms Gesicht betrachtete.

âHast du jemand anders erwartet?â Storm lachte.

Ren schenkte ihm nur einen bescheuerten Blick, denn kein anderer hatte je einen FuÃ auf die Insel gesetzt. âOkay, ich beiÃe an. Wieso hast du mir eine alte, heruntergekommene HÃ¼tte gekauft? Es ist noch nicht einmal mein Geburtstag.â

Ohne Vorwarnung griff Storm nach Rens Schulter und der Ozean kippte weg und plÃ¶tzlich standen sie auf einem Rasen direkt vor einem GebÃ¤ude, das als eine moderne, gotische Villa aus dunklem Stein durchgehen kÃ¶nnte. Als er Wellenschlag hÃ¶rte, sah Ren nach rechts und erkannte das Meer. Er drehte sich einmal im Kreis und runzelte die Stirn, als er erkannte, dass die Zufahrt so weit war, wie er sehen konnte, und auf der linken Seite war nichts als dichter Wald.

âNicht so schlecht fÃ¼r eine heruntergekommene HÃ¼tte.â Storm nicke in Richtung des Hauses. âZwanzig Hektar am Meer und mit jedem modernen Luxus ausgestattet. Es ist schwer zu glauben, dass dies frÃ¼her ein kleines Schloss war.â

âNicht so schwer.â Ren wandte sich Storm zu. âWo ist der Haken?â

âLA braucht dich.â Storm zuckte die Schultern und ging los. âKannst du es nicht fÃ¼hlen?â

Ren antwortete nicht, als er Storm ins GebÃ¤ude folgte. In Wahrheit sagte ihm sein Spinnensinn, dass er so schnell er konnte davonrennen sollte. Los Angelesâ¦ bisher klang es mehr wie ein aufgezwungener Urlaub.

Einmal drinnen fand er sich in einem riesigen, runden Raum mit einer offenen Wendeltreppe wieder, die zur nÃ¤chsten Etage fÃ¼hrte, die in zwei FlÃ¼gel unterteilt war. Storm ging auf die groÃe DoppeltÃ¼r auf der rechten Seite zu, also seufzte Ren und folgte ihm.

âNa, das ist mehr mein Stilâ, meinte Ren erleichtert, als er die Ãberwachungsmonitore sah, die die gesamte Wand bedeckten und einen Glasschreibtisch, in den ein Computer eingebaut war.

âIch dachte mir, dass dir das gefallen wÃ¼rde.â Storm machte es sich auf dem Sofa gemÃ¼tlich, das einsam in einer leeren Ecke des riesigen Zimmers stand. Er beobachtete Ren, als dieser sich an den Schreibtisch setzte und begann, die Steuerungselemente zu erforschen. âNiemand kann dich hier aufspÃ¼ren, auÃer dirâ¦ und zum GlÃ¼ck zÃ¤hlst du nicht.â

Storm sah, wie die Augen seines Freundes leuchteten, als Rens Finger Ã¼ber der Tastatur schwebten. Es war eine merkwÃ¼rdige Macht, die er hatte, und er kannte sonst niemanden, der es tun konnte, aber so konnte Ren die SchutzwÃ¤nde des TEP durchbrechen, die noch hundert Jahre moderner waren, als die der Regierung. Er saugte buchstÃ¤blich all die Information aus diesem Computer und wer weiÃ, vielleicht fÃ¼tterte er ihm sogar noch mehr.

Es war lustig, denn Ren sah nicht wie ein Ã¼blicher Computer-Nerd ausâ¦ sein Aussehen war recht auffÃ¤llig. Er hatte gesehen, wie Frauen beinahe Ã¼ber ihre eigenen FÃ¼Ãe stolperten, wenn sie ihn erblickten.

Sein Haar war ein wenig mehr als schulterlang, nachtschwarz mit blauen StrÃ¤hnen, wenn die Sonne es im richtigen Winkel traf. Aber sogar ohne die Sonne konnte man die dicken, silbernen StrÃ¤hnen nicht Ã¼bersehen, die Ren mehr wie ein wildes Kind aussehen lieÃen. Dazu kam das Kreuz, das von seinem Ohr baumelte und die Tatsache, dass er immer schwarz gekleidet war, was eine ziemlich beeindruckende Kombination ergab. Um den Effekt noch zu verstÃ¤rken, waren Rens Iris wie poliertes Silber mit blauen Flecken und ein pechschwarzer Ring umgab sie. Er hatte aufgrund dieser Besonderheit immer Sonnenbrillen bei sich.

Was ihn an Ren am meisten verwunderte, war, dass Computer eine Sache waren, die Ren glÃ¼cklich machten, was seine Macht betraf. Ren war auf jede Art ein Sukkubus. Wenn er in der NÃ¤he eines Computers war, dann ernÃ¤hrte er sich von der Energie des Computers, fast als wÃ¼rde er sie herunterladenâ¦ aber seine Art von Sukkubus erlaubte es ihm auch, jedermanns Macht zu nehmen und sie fÃ¼r sich selbst zu nutzen.

Zum Beispielâ¦ wenn er in der NÃ¤he eines Formwandlers war, konnte er sich verwandeln. Wenn er in der NÃ¤he eines DÃ¤mons war, hatte er jede Macht, die diese Art von DÃ¤mon hatte, aber der Nachteil davon war, dass es war, als wÃ¼rde er einen Spiegel verwenden. Er konnte dem DÃ¤mon seine Macht nicht wegnehmen. Beide Seiten hatten dann dieselbe Macht, und das war nicht immer eine Situation, von der beide Seiten profitiertenâ¦ vor allem, wenn dein Gegner die Macht schon lÃ¤nger hatte, und besser wusste, wie er sie verwenden konnte.

Eine Art, auf die Ren dies zu seinem Vorteil nutzen konnte, war, wenn es mehr als eine paranormale Macht in der Reichweite seines Sukkubus gabâ¦ denn musste man sich in Acht nehmen, denn er konnte sie alle zu seinem Vorteil verwenden.

Ein weiterer Nachteil war, dass Ren kein guter Teamspieler war, also weigerte er sich, mit anderen zusammenzuarbeiten, was ewig schade war. Storm hÃ¤tte ihn gemeinsam mit mÃ¤chtigen Leuten arbeiten lassen kÃ¶nnen, und er hÃ¤tte all ihre MÃ¤chte nutzen kÃ¶nnen. Selbst jetzt, wenn Ren sich um die halbe Welt und fÃ¼nfzig Jahre in die Vergangenheit teleportieren wollte, dann kÃ¶nnte er es. Zum GlÃ¼ck hatte er kein Interesse an derartigen Dingen. Er beobachtete, wie das Licht in Rens Augen erlosch, als er aus der Welt des Cyberspace zurÃ¼ckkam.

Ren blinzelte und zog seine HÃ¤nde von der Tastatur zurÃ¼ck, als er sich in seinen Drehstuhl zurÃ¼cklehnte. âNiemand weiÃ, dass ich hier bin?â

âNur Zacharyâ, gab Storm zu, obwohl er wusste, dass er hierÃ¼ber eine schwere Diskussion mit Ren fÃ¼hren wÃ¼rde mÃ¼ssen. âIch werde Zachary die meisten derjenigen, die schon hier sind, beaufsichtigen lassen.â

âWieso gefÃ¤llt mir nicht, wie das klingt?â Rens Augen wurden schmal, aber er hatte das GefÃ¼hl, dass er diesmal verlieren wÃ¼rde. âWas ist mit der Villa und all dem hier? Wieso willst du mich bestechen?â

Storm hob eine Augenbraue. âEs ist irgendwie schwierig, jemanden zu bestechen, der zu jedem beliebigen Geldautomaten gehen und Geld herausholen kann.â

âDu weichst meiner Frage ausâ, bemerkte Ren.

âIch habe bisher zugelassen, dass du dich vor den Teams fÃ¼r paranormale Ermittlungen versteckst, und verdammtâ¦ ich habe deine Einsamkeit Ã¶fter mit dir verbracht, als ich es tun hÃ¤tte sollen.â Storm hob seine Hand, als Ren ihm widersprechen wollte. âDu hast immer behauptet, dass du mir etwas schuldestâ¦ ich bitte dich jetzt, deine Schuld zu bezahlen.â

âUnd zwar wie?â Rens Stimme hatte aus Respekt ihre SchÃ¤rfe verloren. Storm hatte rechtâ¦ er schuldete ihm sein Leben und Storm wÃ¼rde ihn nicht fÃ¼r eine Kleinigkeit holen.

Storm ging vor dem Schreibtisch auf und ab. âDie einzige echte Antwort, die ich dir im Moment geben kann, ist, dass du hier bist, um mir im Kampf zu helfen. Ich fordere hier eine Menge Schuldzahlungen ein. Ich hole die besten TEP-Teams in die Stadt und du bist nun zu meinem Stellvertreter befÃ¶rdert worden.â

âVielen Dank.â Die Tatsache, dass dies ohne jegliche Emotion gesagt wurde, wurde von beiden ignoriert.

âZachary wird die Verantwortung haben, wenn uns etwas zustÃ¶Ãtâ, fÃ¼gte Storm betont hinzu. âUnd frÃ¼her oder spÃ¤ter werdet ihr beide Informationen austauschen mÃ¼ssenâ¦ besonders, wenn ich nicht erreichbar bin.â

âNa, das klingt nicht gut.â Ren runzelte still die Stirn und fragte sich, wieso Storm nicht schon die Antworten auf seine eigenen Fragen hatte. FÃ¼r jemanden, der in die Zukunft springen konnte, war es komisch, dass er nicht wusste, wer eine Schlacht gewinnen wÃ¼rde.

âIch werde eine Weile lang nicht oft hier sein, weil ich all die Teams finden muss. Obwohl sie in Zweierteams arbeiten, haben sie eine Ã¤rgerliche Angewohnheit, einfach zu verschwinden und ihre eigenen AuftrÃ¤ge zu kreieren, wenn ihnen etwas Ã¼ber den Weg lÃ¤uft.â Er fuhr mit den HÃ¤nden durch sein Haar. âEs wird selbst fÃ¼r mich schwierig werden, sie aufzuspÃ¼ren.â

âUnd wenn du sie hier ablieferst, darf ich KindermÃ¤dchen spielen?â, fragte Ren, der noch nicht ganz verstanden hatte.

âNein.â Storm schÃ¼ttelte seinen Kopf, aber lÃ¤chelte Ã¼ber die Vorstellung. âDiese Leute sind keine Kinder. Ihr Auftrag ist derselbe wie deinerâ¦ die Stadt zu schÃ¼tzen. Ob ihr miteinander kommuniziert, liegt an dir. Aber mit deiner Macht kannst du ein Raster Ã¼ber die Stadt zeichnen und ihnen sagen, wo alle wichtigen Punkte sind. Dies ist vorerst einfach nur die Basis. Du und Zachary, ihr werdet die einzigen sein, die mich kontaktieren kÃ¶nnen, wenn ich nicht hier bin.â

âWirklich?â Ren schaukelte in seinem Stuhl, denn all die Geheimnisse faszinierten ihn. âUnd ich dachte, dass ich der Asoziale von uns beiden warâ, bemerkte Ren. âHast du vor zu verschwinden?â Es hÃ¤tte ein Scherz sein sollen, aber als er erkannte, wie Storm zuckte, hÃ¶rte er auf zu schaukeln.

Storm rieb sich den Nacken, wÃ¤hlte seine Worte sehr sorgfÃ¤ltig. âIch kann in dieser Dimension durch die Zeit reisen, aber wenn es eine Gegend gibt, wo die dimensionalen WÃ¤nde rissig geworden oder durchbrochen sindâ¦ wird sie meine Macht verweigern.â Das war noch milde ausgedrÃ¼ckt.

Zwischen Storms Zeilen zu lesen war eine Wissenschaft fÃ¼r Ren geworden und plÃ¶tzlich verstand er, wieso Storm nicht wusste, wer die Schlacht gewinnen wÃ¼rde. âIch folge dir nochâ, bemerkte er.

Storm ging zu dem riesigen Fenster hinÃ¼ber, das auf das Meer hinausblickte und klopfte gegen das Glas. âDieses Glas ist mehr als nur kugelsicher.â Er seufzte, als er sich wieder umdrehte und seinen RÃ¼cken an die Scheibe lehnte. âAber es ist nicht undurchlÃ¤ssig fÃ¼r das BÃ¶se.â Er nickte in Richtung des Sofas, das er eben erst verlassen hatte und flÃ¼sterte Worte, die in der Geschichte lÃ¤ngst vergessen waren.

Ren atmete scharf ein, als an der Decke und am Boden rechts im Zimmer ein groÃer Kreis aufleuchtete, das Sofa genau in dessen Mitte. Er konnte sogar die flimmernde Schutzmauer sehen, die sich zwischen den Kreisen vom Boden zur Decke zog.

âWas ist das?â Er versuchte, die Bewunderung nicht in seiner Stimme zu zeigen, aber er schaffte es bei Weitem nicht.

âFÃ¼r Laienâ¦ ist es eine DÃ¤monenfalleâ, antwortete Storm, sonnte sich in der Tatsache, dass er offiziell Rens Bewunderung hatte, was sehr schwer zu erreichen war. âKommâ¦ geh durch die Wand. Es tut nicht weh.â

Ren streckte seine Hand aus, aber hielt inne, ehe er den Schild berÃ¼hrte. âErwarte ich einen dÃ¤monischen Besucher?â

Storm legte seinen Kopf zur Seite. âLass mich dich an etwas erinnern: Wenn ein Kind der Gefallenen Engel in deine NÃ¤he kommt, dann wirst duâ¦ der DÃ¤mon.â Er senkte seine Stimme, sodass sie gespenstisch klang, als er âder DÃ¤monâ sagte. Er und Ren waren sich Ã¼ber diese Sache nicht ganz einig. Ren hatte immer noch Vorurteile gegen alles, was er nicht verstand.

Ren machte einen Schritt zurÃ¼ck, als er das, was Storm gesagt hatte, verarbeitete. Er brauchte sogar mehrere Sekunden, bis ihm eine gute Entgegnung einfiel. âZumindest werde ich derjenige sein, der weiÃ, wo der SchlÃ¼ssel fÃ¼r den KÃ¤fig ist. Die Frage istâ¦ wie bringen ich ihn hier herein? Soll ich DÃ¤monen-Leckereien auf das Sofa legen?â

Storm lÃ¤chelte und schob Ren in den Kreis.

Ren wirbelte herum und wollte wieder zu Storm zurÃ¼ckgehen, aber rannte in etwas, das ihn an einen Eisblock erinnerte. Er machte einen Schritt zurÃ¼ck und drÃ¼ckte seine HandflÃ¤chen fest dagegen, blinzelte, als er sah, wie die WÃ¤nde der Barriere Wellen schlugen, als wÃ¤ren sie aus Wasser.

Nachdem er noch einmal dagegen geschlagen hatte, knurrte er: âIch bin kein DÃ¤mon!â

Storm hob eine Augenbraue. âNun, ich bin froh, dass wir das geklÃ¤rt haben.â

Ren schlug die Wand vonâ¦ was auch immer.

âEntspanne dich, ich habe den Zauber so gestaltet, dass er alles einsperrt, was nicht menschlich ist, und nachdem du ein Sukkubus bist und ich in deiner NÃ¤he binâ¦â Er lÃ¤chelte wieder, wusste, dass dies eine Lektion war, die Ren lernen musste. âEs sein denn, du willst mich einen DÃ¤mon nennen?â

âIch habe es verstanden. Wirf das Ding in den Kreis und tritt nicht in meine eigene Falle. Jetzt lass mich raus.â

Storm sagte den Zauber wieder, beinahe die gleichen Worte wie vorhin, nur ein paar Silben waren anders.

Ren lernte schnell und hatte schon beide ZaubersprÃ¼che behalten, ehe er wieder sicher hinter seinem Schreibtisch saÃ. Die Stille dehnte sich aus, ehe Storm fÃ¼hlte, wie die Laune des Moments verflog und er wieder sprach.

âDieses Schloss war frÃ¼her in Schottland. Ich habe es wÃ¤hrend der Landnahme Ziegel fÃ¼r Ziegel hierherbringen und wiederaufbauen lassen, aber die neueren Einrichtungen sind modern. Es gibt in fast jedem Zimmer eine DÃ¤monenfalle und du bist der einzige, der sie auslÃ¶sen kann.â

âEs ist sehr schÃ¶n.â Ren nickte, fragte sich, was Storm ihm sagen wollte. Manchmal waren seine Geschichten lÃ¤nger als die eines alten Mannes, wenn er durch seine zeitlosen Erinnerungen forstete. Er durfte so viel Ã¼ber die Vergangenheit erzÃ¤hlen, wie er wollte, es war nur gefÃ¤hrlich, etwas Ã¼ber die Zukunft zu sagen.

Er hatte Storm einmal gefragt, wieso er seine Zeit nicht damit verbrachte, in der Zeit zurÃ¼ck zu reisen und die Fehler der Menschheit zu korrigieren, etwa Hitler aus dem Weg zu schaffen. Da hatte dieser ihm erzÃ¤hlt, dass seine Macht Grenzen hatteâ¦ scheinbar war das VerÃ¤ndern der Geschichte der Menschheit eine davon.

âDieses Schloss war ein Hochzeitsgeschenk fÃ¼r einen meiner sehr engen Freunde.â Storm sah durch das Fenster, von dem aus er die Wiese Ã¼berblickte, die bis zum Meer fÃ¼hrteâ¦ es war wirklich ein atemberaubender Anblick. Er schluckte, schob die beunruhigende Erinnerung weg.

Als er zurÃ¼ck auf Ren starrte, wurde Storm klar, dass ausnahmsweise noch jemand auÃer ihm einen Hinweis darauf brauchte, was kommen wÃ¼rde. Nachdem seine Macht mit einigen ziemlich Ã¤rgerlichen Regeln kam, die ihn davon abhielten, die wichtigsten Dinge zu sehen und es ihm nicht erlaubten, sich in Herzensangelegenheiten zu mischen, wÃ¼rde er einen sehr guten Grund fÃ¼r Ren finden mÃ¼ssen, um ihn dazu zu bewegen, dass er bleiben wollte.

Er konnte schon den Schmerz fÃ¼hlen, der durch sein Herz stieÃ, aufgrund der Regeln, die er brechen wÃ¼rde, aber ignorierte ihn.

âDieser Ort wird nicht mehr lange hier sein, es sei denn, ich kann die Zukunft verÃ¤ndern.â In seiner Stimme war die Wut zu hÃ¶ren, die er fÃ¼hlte, als er gegen den Schmerz kÃ¤mpfte. âEhe ich beschloss, dich hierher zu bringen, bin ich mehrmals in die Zukunft gegangenâ¦ nur ein paar Jahre. Jedes Mal war das Ergebnis ein anderes, aufgrund einer Verschiebung in den Dimensionenâ¦ oder viele davon, die genau hier in LA passieren.â

Storm wischte das Blut weg, das aus seinen Augen und seiner Nase zu tropfen begann. âDas letzte Mal, wo ich versucht habe, hierher zu kommenâ¦ war ein Teil des Schlosses eingestÃ¼rzt und die WÃ¤nde, die noch standen, waren voller Blut, das die Sonne in den Stein gebacken hatte.â

âHalt den Mund.â Ren sah ihn bÃ¶se an, denn es gefiel ihm nicht, wie die Farbe aus Storms Gesicht verschwunden war, als die Blutungen begannen. Storm hatte immer Scherze darÃ¼ber gemacht, dass er niemandem von der Zukunft erzÃ¤hlen konnteâ¦ es zu tun wÃ¼rde ihn umbringen, aber Ren fand es nicht mehr lustig, als er die Wahrheit sah. âIch habe die Quintessenz verstanden und den Rest werde ich schon selbst herausfinden.â

Storm stolperte zu dem Stuhl, hielt seinen Kopf fest. âIch versuche, unsere Chance zu erhÃ¶hen, indem ich so viele von uns nach LA bringe, wie ich kann.â

Ren stand auf und ging um den Tisch herum, ergriff Storms Schulter und einen Lidschlag spÃ¤ter waren sie wieder zurÃ¼ck auf der Insel. âWenn du noch einmal versuchst, mir von der Zukunft zu erzÃ¤hlen, werde ich dir einen Arschtritt verpassen.â

Bevor Storm wieder klar genug sehen konnte, um zu erkennen, wo er war, war Ren verschwunden. Als er die schrecklichen Kopfschmerzen fÃ¼hlte, von denen er wusste, dass sie wahrscheinlich Tage anhalten wÃ¼rden, lÃ¤chelte er, denn er wusste, dass es das wert gewesen war. Ren war auf seinem Platz und jetzt, wo Angelica auch in der Stadt war, sollte sie eine weitere versteckte Macht anziehen, die das GlÃ¼ck wieder auf ihre Seite bringen konnteâ¦ sie brauchten die GÃ¶tter auf ihrer Seite.



*****



Ren hatte die letzte Woche damit verbracht, durch die StraÃen der Stadt zu spazieren und die AktivitÃ¤tszentren in seiner eigenen Karte einzutragen. Er wusste von den Dokumenten, die er aus der TEP-Datenbank heruntergeladen hatte, wo einige der Nicht-Menschen waren, aber als er wanderte oder auf seinem Motorrad fuhr, konnte er eine Macht fÃ¼hlen, die nicht zu den Dingen auf jener Liste gehÃ¶rten.

Er schaltete den riesigen Bildschirm an, der eine ganze Wand seines Arbeitszimmers bedeckte, und Ã¶ffnete die Stadtkarte, dann lehnte er sich in seinem Stuhl hinter dem Schreibtisch zurÃ¼ck. FÃ¼r jeden anderen erschien die Karte ein wenig wie Weihnachtsbeleuchtung, denn sie war voller StecknadelkÃ¶pfe und Lichtern in verschiedenen Farben.

Jetzt waren es die Farben, die er studierte. Er konnte genau sehen, wo die Formwandler warenâ¦ er hatte sogar den Moon Dance und das Night Light besucht. Seine Mundwinkel zuckten bei der Erinnerung daran. Er hatte den Fehler gemacht, Heat zu bestellen, und es war ihm gut gegangen, bis er schlieÃlich nach Hause gegangen war. Auf halbem Weg zu seinem Haus war er lÃ¤ngst auÃerhalb der Reichweite der Formwandler und stockbesoffen gewesen.

Die Reviere der Formwandler wurden vor allem mit grÃ¼nen Lichtern markiert, mit ein paar roten und blauen Markierungenâ¦ blau war das TEP-Team, das in der Gegend stationiert war, und alles, was dort passierte, Ã¼berlieÃ er ihnenâ¦ dasselbe galt fÃ¼r das Wolfsrudel.

Michael, Damon und Kane waren in seinen Augen allesamt tickende Zeitbomben, womit sie gelbe FÃ¤hnchen verdienten, und ihre seelenlosen Nachkommen, die in den Schatten der Stadt lauerten, trugen ein geschmackvolles Blutrot. Zumindest war diese feige Gruppe nett genug, sich tagsÃ¼ber zu verstecken und sie blieben auf nachts meist in Gruppen zusammen, wodurch es einfacher wurde, ihre NahrungsgrÃ¼nde zu lokalisieren.

Die Gefallenen Engel, auf der anderen Seite, waren ein anderes Thema. Sie waren anfangs schwer aufzuspÃ¼ren gewesen, aber mittlerweile waren sie so instabil, dass er es aufgegeben hatte, obwohl er wusste, wenn sie in der NÃ¤he warenâ¦ konnte er sie fÃ¼hlen. Er erinnerte sich an den Geschichtsunterricht, den er von Storm bekommen hatte.

Die Kurzfassung war, dass die Gefallenen Engel ihre eigene Welt beinahe zerstÃ¶rt hatten, indem sie in unsere Dimension eingebrochen und einige unserer Frauen gestohlen hatten, weil sie sie schÃ¶n fanden. Menschen zu stehlen war nur der erste Fehler gewesen. Als sie wieder zurÃ¼ck auf der anderen Seite des Wurmlochs waren, hatten sich die Gefallenen Engel mit den gestohlenen Frauen gepaart.

Das Problem warâ¦ die Kinder, die aus diesen Vereinigungen entstanden, waren nicht, was sie erwartet hatten, und die Geburt fÃ¼hrte immer zum Tod der menschlichen Frauen.

Nur ein kleiner Teil der Kinder wurde als vollblÃ¼tige Gefallene Engel geboren und nur einer von hundert war weiblich. Die anderen waren als DÃ¤monen bekanntâ¦ Hybriden, die Ã¼berhaupt nichts VollblÃ¼tiges waren. Die meisten Hybriden waren das, was die Menschen Monster nannten. Als sich diese Monster gegen ihre eigenen SchÃ¶pfer wandten, begannen die Gefallenen Engel die Hybriden in ihrer Welt auszulÃ¶schen, unabhÃ¤ngig davonâ¦ ob sie Monster waren, oder nicht.

Als sie mit ihrem Genozid fertig waren, erkannten sie, dass es nun mehrere Dutzend MÃ¤nnchen fÃ¼r jedes Weibchen in ihrer Welt gab. Also waren die Idioten zurÃ¼ck durch das Wurmloch gekommen und diesmal lieÃen sie ihre SchÃ¶pfungen auf unserer Seite, als sie sich mit so vielen Frauen paarten, wie sie nur konntenâ¦ so schnell sie konnten.

Als die Kinder geboren wurden und die MÃ¼tter starben, nahmen die Gefallenen Engel jeden vollblÃ¼tigen Gefallenen und brachten ihn zurÃ¼ck in ihre Welt, lieÃen die Hybriden zurÃ¼ck. Nachdem sie die mÃ¤nnlichen Kinder, die geboren wurden, nicht brauchten, lehrten sie sie, ihre Hybrid-Geschwister zu bekÃ¤mpfen.

Kurz bevor jene Knaben in die PubertÃ¤t eintraten, schickten die AnfÃ¼hrer der Gefallenen Engel sie hierher zurÃ¼ck und verschlossen das Wurmloch zwischen den beiden Dimensionenâ¦ Ã¼berlieÃen all die Kinder hier ihrem Schicksal, abgesehen von den weiblichen Gefallenen Engeln, fÃ¼r die sie so viele Leben geopfert hatten.

Die Geschichte hatte damit nicht geendet. Diese jungen Krieger waren erzogen worden, um dasselbe zu tun, was ihre VÃ¤ter getan hattenâ¦ LÃ¶cher in die WÃ¤nde zu den angrenzenden Dimensionen zu reiÃenâ¦ nur nicht zu ihrer Heimatwelt. Diese neue existierte so nahe, dass sie nur einen Atemzug entfernt war. Man konnte nur annehmen, dass daher die Theorie der HÃ¶lle kam. Sie war so nahe, dass Menschen mit scharfen Sinnen sie manchmal fÃ¼hlen konnten.

Als die Krieger Jagd auf die Hybriden machten, mussten sie erkennen, dass viele ihrer Rivalen ebenso mÃ¤chtig waren, wie die vollblÃ¼tigen Gefallenen Engel. Das BlutvergieÃen traf beide Seiten und es gab sogar Berichte darÃ¼ber, dass einige der Engel in die andere Dimension zu den Hybriden gezerrt worden waren.

Die mordenden AnfÃ¼hrer, die ihre Kinder hierhergeschickt hatten, hatten gewusst, dass es ein Todesurteil war. Sie hatten sich darauf verlassen, dass ihre Nachkommen einander umbringen wÃ¼rden, und das Chaos beseitigen, das sie hinterlassen hatten.

Nur eine Handvoll dieser Knaben war noch auf der Erde und die meisten waren jÃ¼nger als die erste Gruppe, waren angekommen, nachdem der Krieg beendet war und die Ã¼berlebenden Hybriden sich versteckt hatten. Nach Rens Meinung war das der Moment, wo alles verworren wurde. Nicht alle Hybriden waren das, was man dÃ¤monisch nennen wÃ¼rdeâ¦ und wenn sie nicht erkannt wurden, dann konnten sie gÃ¤nzlich wie Menschen oder Tiere wirkenâ¦ und Jahrtausende lang wieder Hybriden erzeugen.

Das groÃe Geheimnis, das Storm schÃ¼tzte, war die Tatsache, dass die meisten der paranormalen Kreaturen, Formwandler und Wertiere und auch Menschen mit nur der kleinsten abnormalen FÃ¤higkeit hÃ¶chstwahrscheinlich Nachkommen eines dieser Hybriden warenâ¦ auch die Sukkubus-MÃ¤chte, die er verwendet hatte, um sie aufzuspÃ¼ren und sie dann gegen sie zu verwenden. Es erzeugte immer noch ein unangenehmes GefÃ¼hl in Ren, wenn er bedachte, dass er teilweise ein Hybrid war.

Zu seiner Verteidigung war Ren ziemlich sicher, dass die DÃ¤monen, die er in der Vergangenheit getÃ¶tet hatte, nicht von der harmlosen Sorte warenâ¦ entweder das, oder er konnte es Selbstverteidigung nennen, denn sie hatten auf jeden Fall versucht, ihn umzubringen.

Um alles noch schlimmer zu machen, musste Storm auch noch die Bombe platzen lassen, dass einige der ursprÃ¼nglichen Hybriden nicht bÃ¶se waren, obwohl sie dieselbe Aura ausstrahlen, wie ein DÃ¤mon einer hohen Klasse. Und wenn das noch nicht genug Kopfschmerzen verursachte, dann kam noch die Tatsache dazu, dass Vampire gar keine Hybride warenâ¦ sondern etwas vÃ¶llig Anderes, das sich auf der Erde niedergelassen hatte.

Ren rieb Ã¼ber seine linke SchlÃ¤fe, wÃ¤hrend er auf den Stadtplan sah. Alle Gegenden, wo er einen Machtschub gefÃ¼hlt hatte, wurden mit schwarzem Licht beleuchtet und angesichts der Tatsache, dass Misery sich nicht lange an einem Ort aufhieltâ¦ war das fast die ganze Stadt. Aber wenn man bedachte, dass sie in die seelenlosen Vampire vernarrt war, konnte er ihr nur die Gebiete zuschreiben, die in der NÃ¤he der Vampirnester waren.

Damit blieb noch eine Menge Macht Ã¼brig, die niemandem auf seiner Liste zuzuschreiben war, und irgendwo dahinter steckte der Grund fÃ¼r Storms blutige Prophezeiung. Apropos Storm: er hatte ihn nicht mehr gesehen, seit er seinen wahrsagerischen Hintern zurÃ¼ck auf die Insel geschickt hatte, und bisher war niemand aufgetaucht, der behauptete, zum TEP zu gehÃ¶ren.

Ren grinste, wusste genau, wie er Storms Aufmerksamkeit bekommen konnte. Er hatte sich so gut an das hochmoderne Computersystem angepasst, dass er nichts mehr zu tun brauchte, als nur noch im selben Zimmer zu sein. Er beobachtete, wie der Bildschirm aufblitzte, als er eine Verbindung mit dem Hauptsystem des TEP herstellte, dann verschob er den Stadtplan hinter die dicken SchutzwÃ¤nde, die nur er und Storm durchbrechen konnten.

Es brauchte normalerweise nur ein paar Minuten, ehe Storm antwortete, oder aus dem Nichts auftauchte, also wurde Ren langsam besorgt, als die Minuten vergingen. Dann blinkte der Bildschirm.

Storm erschien am Monitor, sodass Ren ihn sehen konnte, und er senkte ein blutrot geflecktes Tuch von seiner Nase, ehe er sich in seinem Stuhl zurÃ¼cklehnte und Ren Ã¼ber die Kamera ansah.

Ren runzelte die Stirn, aber konnte auch sehen, dass Storm zu Hause auf der Insel war. âEs erstaunt mich, dass du nicht selbst gekommen bistâ¦ aber so wie es aussieht, hast du wieder die Regeln gebrochenâ, schalt Ren ihn mit gehobener Augenbraue.

âDie ZeitstrÃ¶me in deiner Gegend halten mich davon ab, dorthin zu kommen und bereiten mir hÃ¶llische Kopfschmerzenâ, erklÃ¤rte Storm und ballte seine Faust um die blutigen TaschentÃ¼cher.

âDann versuch es nicht wieder.â Ren schenkte ihm einen strengen Blick.

Storm nickte. âWir werden auf diese Art in Kontakt bleiben mÃ¼ssen, bis sich die Dinge auf deiner Seite beruhigen. Inzwischen hast du TEP-Teams, die kommen, und es wird Zeit, dass du um aller Willen lernst, wie du mit ihnen zusammenarbeiten kannst. Nachdem du ein fotografisches GedÃ¤chtnis hast, und ihre Dokumente gelesen hast, bin ich sicher, dass du mehr Ã¼ber sie weiÃt, als sogar sie selbst wissen.â

âAlso stellst du mich schlieÃlich doch in die Mitte einer Menge von Leuten mit MÃ¤chten? Ist das schlau? Was, wenn ich es nicht kontrollieren kann?â, fragte Ren, dem die Aussicht darauf, mit jemand anders als Storm zu arbeiten, nicht gefiel.

Storm grinste und hob seine Schultern. âÃbung macht den Meister, Ren, und du wirst einen Crashkurs in sozialen Umgangsformen bekommen. Zachary und Angelica werden bei dir einziehen, damit sie Zugang zu der Datenbank und all der AusrÃ¼stung haben, die ich im Schloss gelagert habe. Sie werden auch die meisten der TEP-Teams koordinieren, die kommen. Was dich betrifft: deine Aufgabe ist es, herauszufinden, was, zum Teufel, diese ZeitstrÃ¶me erzeugt und mich davon abhÃ¤lt, in die Gegend zu kommen.â

Er hielt einen Augenblick inne und beugte sich nach vor zu seinem Monitor. âMach die TÃ¼r auf.â

Die Videoverbindung wurde abrupt unterbrochen, und Ren starrte mit gehobenen Augenbrauen auf den leeren Bildschirm. Ein lautes Klopfen an der TÃ¼r erregte seine Aufmerksamkeit und er warf dem Monitor noch einen letzten wÃ¼tenden Blick zu.

âIch hasse es, wenn er das machtâ, brummte Ren, stand von seinem Stuhl auf und griff nach seinen Sonnenbrillen, um seine Augen zu verbergen.

Ren ging durch die DoppeltÃ¼r, die ins Foyer fÃ¼hrte und Ã¶ffnete die HaustÃ¼r. Er starrte auf seine Besucherâ¦ bald Mitbewohner.

Zachary lÃ¤chelte, als er den jungen Mann auf der anderen Seite der TÃ¼r stehen sah. âEs ist schÃ¶n, endlich das wirkliche âAss im Ãrmelâ kennenzulernen, von dem Storm schon redet, seit ich ihn kenne.â

Ren knirschte mit den ZÃ¤hnen, aber ergriff Zacharys ausgestreckte Hand und nickte Angelica zu, ehe er einen Schritt zur Seite machte, und sie einlieÃ. Er kannte die Gesichter eines jeden Mitglieds des TEP und wusste, was ihre FÃ¤higkeiten waren. Er hatte sich alle Profile gemerkt, bald nachdem Storm ihn angestellt hatte.

Storm hatte in den geheimen Teil der Profile Bemerkungen geschrieben und Ren hatte auch diese in sein Gehirn kopiert. Storm hatte rechtâ¦ wahrscheinlich wusste er mehr Ã¼ber sie, als sie selbst.

Zachary war ein bisschen ein wilder Junge mit etwas, was Storm als PersÃ¶nlichkeitsspaltung beschriebâ¦ in einem Augenblick machte Zachary Scherze und im nÃ¤chsten war er so tÃ¶dlich wie eine wÃ¼tende Kobra. Er hatte die Nachrichten Ã¼ber das Feuer gesehen, das das Haus des Mafiabosses vor Kurzem vernichtet hatte, und all die UmstÃ¤nde schienen TEP, genauer noch Zachary, als Namensschild zu tragen. Am nÃ¤chsten Morgen hatte Zachary einen Bericht in das System des TEP hochgeladen und Rens Vermutungen bestÃ¤tigt.

Angelicas Macht war ein wenig komplizierter, sie konnte DÃ¤monen mit der Magie, mit der sie geboren worden war, tÃ¶ten. Storm hatte sie einmal ihren SchlÃ¼ssel genannt, aber nie gesagt, was, zur HÃ¶lle, sie damit aufsperren konnten.

Ihre Akte war dicker als die von allen anderenâ¦ es war, als hÃ¤tte Storm jede ihrer Bewegungen seit ihrer Geburt dokumentiert. Ren hatte keine Ahnung, wiesoâ¦ und es war ihm im Moment auch herzlich egal. Ohne ein Wort schloss er die TÃ¼r und ging in das Zimmer, das er als BÃ¼ro nutzte. Er hatte irgendwie gewusst, dass sie ihm folgen wÃ¼rden.

âAlsoâ, sagte Zachary nach weniger als einer Minute peinlichen Schweigens. âWohnst du hier alleine?â

âNeinâ, sagte Ren. âIch habe neue Mitbewohner.â

Angelica grinste Ã¼ber den bescheuerten Ausdruck, der auf Zacharys Gesicht erschien. âIch glaube, er versucht, das Eis zu brechen.â

âEr macht es nicht besonders gutâ, sagte Ren, der schon Platzangst bekam.

âIch weiÃâ, beruhigte Angelica, die einen stillen EinzelgÃ¤nger erkannte, wenn sie einen traf.

Zachary warf Angelica einen gespielt wÃ¼tenden Blick zu. âHe, du solltest doch auf meiner Seite sein.â

âWieso?â Angelica lachte. âOb du es glaubst, oder nicht, manche von uns kÃ¶nnen tagelang durchhalten, ohne den Mund zu Ã¶ffnen. Duâ¦ ich muss mich schon glÃ¼cklich schÃ¤tzen, wenn du mal zwei Sekunden lang dich nicht Ã¼ber irgendwas beschwerst.â

âIch kann still sein!â, rief Zachary. âSchau!â

Zachary ging zu dem Sofa und lieÃ sich in die weiche Polsterung sinken, verschrÃ¤nkte seine Arme vor der Brust und presste seine Lippen fest aufeinander. Angelica verdrehte sie Augen, ehe sie nÃ¤her an das Computersystem trat, das Storm installiert hatte.

Ren beobachtete sie genau, war bereit, jegliche Fragen zu beantworten, die sie haben kÃ¶nnte und schielte kurz hinÃ¼ber zu Zachary. Aus irgendeinem Grund schien der andere Mann etwas sehr Spannendes an seinen HemdknÃ¶pfen gefunden zu haben. Innerlich zÃ¤hlte Ren von fÃ¼nf rÃ¼ckwÃ¤rts, ehe die unausweichliche Explosion kam.

âUAH!â, rief Zachary. âIch halte das nicht aus.â

Ren lachte, so dass Angelica und Zachary ihn Ã¼berrascht ansehen. Es dauerte nicht lange und Ren fuhr sich mit der Hand durch sein Haar, ehe er die anderen betrachtete. âIhr kÃ¶nnt das Schloss erkunden, es gibt eine Menge Schlafzimmerâ, sagte er, als alle Spuren von Humor aus seinem Gesicht verwunden waren.

Angelica nickte. âIch hole meinen Koffer.â

Als sie weg war, sah Ren zu Zachary hinÃ¼ber und fand sich Angesicht zu Angesicht mit der anderen Seite der PersÃ¶nlichkeit des Feuermannes. âIch bin neugierigâ¦ welche Macht hast du?â

âDeine.â Ren grinste. âUnd Angelicasâ¦ und die von allen anderen, die in die Reichweite meines Sukkubus kommen.â

Zachary hielt seine HandflÃ¤che geÃ¶ffnet hoch und schien erleichtert, dass seine Macht noch da war.

âIch habe nicht gesagt, dass ich deine Macht weggenommen habe.â Ren zuckte die Schultern, weigerte sich, kleine Zaubertricks zu spielen, um zu beweisen, was er sagte. Er hielt Zachs Blick fest und sah den verstÃ¶rten Mann hinter der Maske. âIndem du in meine NÃ¤he kommst, gibst du mir dieselbe Machtâ, sagte er zur Klarstellung.

âIch kÃ¼mmere mich um Angelica, wÃ¤hrend sie hier istâ, erklÃ¤rte Zach zusammenhanglos.

âIch bin kein KindermÃ¤dchen und du kannst dich um alle kÃ¼mmern, die auftauchenâ, korrigierte Ren. âDas ist nicht meine Aufgabe.â

Zach nickte, als hÃ¤tte er gerade eine strategische Schlacht gewonnen. âIch weiÃ, Storm stellte eine Armee auf.â

Ren nickte. âJa.â

âEr wird eine brauchen.â Zach rieb seine HÃ¤nde Ã¼ber seine Hosenbeine und stand auf. âWen hat er sonst noch gerufen?â

âFast alle, soweit ich weiÃâ, antwortete Ren. âAber es gibt ein paar, die er nicht aufspÃ¼ren hat kÃ¶nnen.â

âKann ich irgendwie behilflich sein?â, fragte Zach.

Ren nickte in Richtung des Computers. âFinde die, die Storm nicht erreicht. Er hat eine Liste von allen gemacht, die noch fehlen.â

Zach grinste und ging zum Computer hinÃ¼ber. âLass uns sehen, wen der AllmÃ¤chtige nicht finden kann.â

Ren sah zu, war vÃ¶llig in den Bann gezogen von der vÃ¶lligen VerÃ¤nderung seiner PersÃ¶nlichkeit. Er wusste nicht, welche Seite er lieber mochteâ¦ aber er wusste, welcher er mehr vertraute.




Kapitel 4


Angelica lag auf dem Bett, ein paar Kissen gegen das Kopfbrett gelehnt und versuchte, nicht einzuschlafenâ¦ ihre neue LieblingsbeschÃ¤ftigung. Kaum, dass sie mit ihrem Koffer zurÃ¼ckgekommen war, wusste sie, dass Zachary vor Ren seinen kleinen Schalter umgelegt hatte, als sie den anderen Mann am Sofa sitzen und ihn anstarren sah. Zachary hatte ihr gesagt, dass sie gehen und ein Schlafzimmer suchen und schlafen sollte, also hatte sie mit der grÃ¶Ãten Freude so getan, als wÃ¼rde sie genau das tun wollen.

Sie war eine kurze Weile durch die langen GÃ¤nge spaziert, ehe sie per Zufall eine TÃ¼r auswÃ¤hlte und sie Ã¶ffnete. Als sie das Innere des Zimmers sah, lÃ¤chelte sie und stellte ihren Koffer auf das Bett. Der Raum war in verschiedenen violetten TÃ¶nen mit goldenen Akzenten und helleren LilatÃ¶nen gestaltet.

Das Bett war riesig, wahrscheinlich kaiserlich, ein Himmelbett mit goldenen und violetten Kissen und einer Tagesdecke. Die Laken waren lila und sie kicherte beinahe, als sie die goldenen Quasten an den Ecken sah.

Ein groÃer Schrank stand auf der anderen Seite des Zimmers. Als sie ihn Ã¶ffnete, erwartete sie fast, dort altmodische Ballkleider zu sehen. Zu ihrer EnttÃ¤uschung war er leer. An der gegenÃ¼ber liegenden Wand stand ein antiker Schminktisch mit einem groÃen Spiegel.

Neben dem Bett stand ein Schreibtisch mit einem Vorrat an Kugelschreibern und Papier, ebenso wie ein Zettel mit der Nachricht, dass der Anschluss fÃ¼r ihren Laptop an der Wand unter dem Tisch war. Angelica hÃ¤tte beinahe gelacht, als sie das las, aber sie beugte sich hinunter, um nachzusehen. Und da war der Anschluss und sie kramte sofort ihren Laptop aus ihrem Koffer, um ihn anzustecken.

Von ihrer faulen Position auf dem Bett aus hatte sie einen perfekten Ausblick durch die BalkontÃ¼ren auf das Mondlicht, das auf das Meer schien. Sie lÃ¤chelte, denn es war ein echter Balkon.

Die meisten Leute, die sie kannten, wÃ¼rden denken, dass sie sich nichts aus derart mÃ¤dchenhaften Dingen machteâ¦ aber alle kleinen MÃ¤dchen hatten den Traum davon, eine Prinzessin in einem Schloss zu sein, und sie war nicht anders. Sie hatte sogar gespielt, dass sie Aschenputtel oder DornrÃ¶schen war und darauf gewartet, dass ihr Prinz kam und sie mitnahm.

Zu dumm, dass sie nicht mehr an die Vorstellung eines Ritters in glÃ¤nzender RÃ¼stung glaubte, der sie vor den groÃen, bÃ¶sen DÃ¤monen rettete, die das Schloss umzingelten.

Mit einem Seufzen schaute Angelica hinunter auf ihre Zeichnung und fÃ¼gte noch ein paar Striche hinzu, ehe sie den Bleistift wieder auf das NachtkÃ¤stchen neben ihr legte. Sie legte das Papier in ihren SchoÃ und hob ihre HandflÃ¤che vor ihr Gesicht, studierte das Symbol, das dort eingebrannt war. Es war keine Verbrennung oder eine TÃ¤towierung oder Ãhnlichesâ¦ es war einfach nur da.

Sie hob das Bild von Syn, das sie gezeichnet hatte, wieder auf, und fÃ¼gte das Symbol in die rechte untere Ecke des Blattes ein. Sie blinzelte, als die Zeichnung verschwamm und senkte sie wieder in ihren SchoÃ, schloss ihre Augen einen Moment lang, um das Brennen zu stoppen.

Syn erschien an Angelicas Bett, kaum dass sie eingeschlafen war. Er hatte sich still einen Weg durch das Schloss und die Stadt gebahnt und in die Gedanken von allen gesehen, die mit ihr Kontakt gehabt hatten. Er musste mehr Ã¼ber ihr Leben erfahren, damit er genau wusste, womit er es zu tun hatte. Bisher war die interessanteste Information aus Zacharys Kopf gekommen.

Der blonde Mann war scharf wie eine Rasierklinge, aber er versteckte diese Tatsache unter vielen Schichten. Als Hybrid hatte er auch seine eigene Macht. Zachary war als ihr Aufpasser eingeteilt worden und nahm diese Aufgabe sehr ernst. Syn wusste, dass Zachary seine Verliebtheit in Angelica schnell loswerden wÃ¼rde mÃ¼ssenâ¦ der Hybrid konnte sie nicht haben.

Zachary hatte ihre Akte gelesen, die das TEP Ã¼ber sie besaÃ, die alles von ihrer Geburt bis jetzt auflistete. Die Details waren sehr genau und als er diese Informationen aus Zacharys Gedanken saugte, wusste Syn, dass es mehrere Menschen in ihrer Vergangenheit, ihrer Kindheit genau genommen, gab, die spÃ¤ter ein sehr unglÃ¼ckliches Schicksal treffen wÃ¼rde.

Syn schwor sich im Stillen, dass er ihre Leben auslÃ¶schen wÃ¼rde, ohne dass sie davon wusste. Sie wÃ¼rde nie wieder den Schmerz der ZurÃ¼ckweisung oder Gewalt in irgendeiner Form erfahren.

Syn hatte durch Zacharys Augen die Erinnerungen gesehen, wie Angelica die Monster dieser Welt bekÃ¤mpfte, und wusste, dass sie von GlÃ¼ck sprechen konnte, dass sie noch am Leben war. Er war sicher, dass sie selbst das auch wusste, obwohl sie, mit ihrer interessanten Sichtweise, das nie zugeben wÃ¼rde. Sein Blick wanderte zu ihren Lippen, wusste den wahren Grund, weshalb er heute Nacht zu ihr gekommen war.

Indem er sich Ã¼ber sie beugte, stÃ¼tzte Syn seine HÃ¤nde sanft zu beiden Seiten ihres Kopfes in die Kissen und lieÃ seine Lippen verfÃ¼hrerisch nahe Ã¼ber ihren schweben. Als sie in ihrem Schlaf tief einatmete, Ã¶ffnete sich sein Mund leicht und er blies sanft. Er beobachtete die silbernen FÃ¤den der Macht, die von seinen Lippen in ihre flossen. Es war sein Versprechenâ¦ das Geschenk eines Sonnengottes, der seiner Partnerin seinen Lebensatem schenkte, um sie zu schÃ¼tzen. Von jetzt an wÃ¼rde jede Verletzung, die sie erlitt, ebenso schnell heilen, wie sie entstandâ¦ und sie wÃ¼rde nicht mehr altern.

Er richtete sich wieder auf und sah mit liebevollem Blick auf sie hinunter. Ihr dunkelbraunes Haar lag verworren Ã¼ber dem Kissen, glÃ¤nzte leicht im Mondlicht. Die edlen Kissen erinnerten ihn daran, wie sie ausgesehen hatte, als er sie zum letzten Mal beim Schlafen auf ihrer Heimatwelt beobachtet hatte.

Ihre rechte HandflÃ¤che war nach oben gedreht, sodass die Markierung sichtbar war, die er dort hinterlassen hatte. Sie hatte schon ihre Wirkung gezeigt, ihre MÃ¤chte erweckt, und bald wÃ¼rde ihre Sehnsucht nach ihm folgen.

Er versuchte noch einmal, in ihre Gedanken zu blicken, aber ihre FÃ¤higkeit, ihn abzuwehren war in diesem Leben ebenso stark, wie sie in der Vergangenheit gewesen war. Er fÃ¼hlte, wie Eifersucht sein ganzes Sein ausfÃ¼llte, weil Zachary ihre Gedanken lesen konnte, und er nicht. Er wunderte sich darÃ¼ber, aber entschied, dass es mit Vertrauen zu tun haben musste. Sie vertraute Zachary genug, um ihre Schutzschilde in seiner Gegenwart abzuschaltenâ¦ er hatte vor, ihr Vertrauen ebenfalls zu gewinnen.

Wenn sie ihm je etwas gelehrt hatte, dann war es, eine obszÃ¶ne Menge an Geduld zu haben, und ihm wurde klar, dass er diese gerade dabei war, zu verlieren. In diesem Moment waren ihre mentalen Schutzschilde voll intakt, aber er freute sich darauf, daran zu arbeiten und sie davon zu Ã¼berzeugen, ihn wieder in sie eindringen zu lassen. Jetzt, wo sie durch seine Macht geschÃ¼tzt wurde, wÃ¼rde er alle Zeit haben, die er brauchte.

Syn setzte sich auf die Bettkante und hob den Notizblock auf, um zu sehen, woran sie gearbeitet hatte. Eine Ã¼berwÃ¤ltigende Ruhe Ã¼berkam ihn, als er sein Ebenbild auf dem Papier sahâ¦ sie suchte schon nach ihm und wusste es noch nicht einmal.

Angelica fÃ¼hlte, wie sich etwas neben ihr bewegte und Ã¶ffnete ihre Augen, dachte, dass es Zachary war. Nur er wÃ¼rde den Nerv haben, in ihr Zimmer zu kommen, wenn sie schlief.

Sie blinzelte, als sie den dunkelhaarigen Mann sah, den sie gerade gezeichnet hatte, der nun auf ihrer Bettkante saÃ und die Zeichnung hielt, an der sie gearbeitet hatte. Angelica reagierte instinktiv, warf sich auf ihn, ihre Hand ausgestreckt, um ihn auszutreiben, so wie sie es mit jedem anderen DÃ¤mon machen wÃ¼rde.

âHallo Partnerin.â Syn packte ihr Handgelenk, ohne von dem Bild hochzusehen und betrachtete es noch weiter, ehe er den Blick aus seinen dunklen, violetten Augen zu ihrem hob.

Angelica spannte ihren Ellbogen an, sodass ihr Arm steif wurde. Sie hob eine elegante Augenbraue und ignorierte, dass er sie Partnerin genannt hatteâ¦ DÃ¤monen waren trÃ¼gerisch.

Syn zog sie plÃ¶tzlich zu ihm, sodass sie nur noch ein paar Zentimeter voneinander entfernt waren, nahe, aber nicht so, dass sie einander berÃ¼hrten. Er lieÃ ihr Gesicht nie aus den Augen, als er ihre HandflÃ¤che zu seinen Lippen hob und das nun leuchtende Symbol kÃ¼sste.

Angelica hielt mehrere Sekunden lang den Atem anâ¦ sie hatte das GefÃ¼hl, als wÃ¼rden Flammen in ihr toben, nach seiner einfachen und verfÃ¼hrerischen Bewegung.

âDu bist ein ziemlich dummer DÃ¤monâ, sagte sie, versuchte, das GefÃ¼hl seiner Lippen auf ihrer HandflÃ¤che loszuwerden.

âIch bin kein DÃ¤monâ, erklÃ¤rte Syn. âUnd deine Magie wird an mir nie funktionieren.â Er lieÃ ihr Handgelenk los, als ihr Arm sich unter seinen Fingern entspannte.

Angelica zog langsam ihre Hand zurÃ¼ck. âNur weil du das sagst, bedeutet das noch nicht, dass es wahr ist.â Sie umklammerte mit ihren eigenen Fingern ihr Handgelenk, um das GefÃ¼hl seiner warmen Haut auf ihrer zu vertreiben. âWer bist du?â

âDu darfst mich Syn nennen.â

Angelica fÃ¼hlte eine GÃ¤nsehaut, die sich Ã¼ber ihren RÃ¼cken ausbreiteten, als sie hÃ¶rte, was der Name implizierte. Sie konnte sich schon viele Arten Ã¼berlegen, wie der Name zu ihm passte. âGut, Syn, wieso bist du hier?â

âIn deinem Traumâ¦ oder in deinem Bett?â, fragte Syn, der Hauch eines LÃ¤chelns streichelte seine perfekten Lippen.

Ja, sie hatte recht gehabt. Er war vÃ¶llig sÃ¼ndhaft. Als sie sich daran erinnerte, dass all ihre anderen TrÃ¤ume AlbtrÃ¤ume gewesen waren, sah sich Angelica langsam im Zimmer um und blickte dann wieder auf ihn. âIch trÃ¤ume nichtâ¦ ich habe deine BerÃ¼hrung gespÃ¼rtâ¦ ichâ¦ ich habe deine Lippen auf meiner Hand gefÃ¼hlt.â

âNur weil du trÃ¤umst, bedeutet das noch nicht, dass es nicht wahr istâ imitierte Syn charmant ihre Feststellung von vorhin.

Angelicas Augen wurden schmal, als er das Bild, das sie gerade gezeichnet hatte, aus ihrem Notizbuch riss. Er rollte es sorgfÃ¤ltig zusammen, anstatt es zu falten und steckte es tief in die Tasche seines Mantels. Sie konnte ihren Blick nicht von seinen HÃ¤nden losreiÃen. Sie sahen so glatt und unberÃ¼hrt ausâ¦ so wie GeschichtsbÃ¼cher Adelige beschrieben. SchlieÃlich schielte sie wieder hoch zu seinem Gesicht und runzelte die Stirn, als sie den Anflug eines LÃ¤chelns erkannte.

âWieso bist du wirklich hier?â, fragte sie scharf.

âUm die AlbtrÃ¤ume abzuhalten, wÃ¤hrend du schlÃ¤fstâ, antwortete Syn und lehnte sich an den Bettpfosten hinter ihm. âRuhe dich heute Nacht aus, Angelica, keine AlbtrÃ¤ume oder DÃ¤monen werden dich im Schlaf heimsuchen.â

Angelica fuhr aus ihrem Bett hoch, als die Sonne durch die BalkontÃ¼r strahlteâ¦ es war Morgen. Als sie zum FuÃ des Bettes sah, lehnte sie sich nach vor und betastete die Stelle, wo Syn gesessen hatte. Es gab keine Spur, die bezeugte, dass er da gewesen war und Angelica holte tief Luft. Es war doch nur ein Traum gewesen.

Als sie ihre Beine vom Bett schwang und aufstand, hÃ¶rte sie, wie etwas zu Boden fiel. Sie hob ihr Notizbuch auf und wollte es gerade schlieÃen, als sie sich an den Traum erinnerte.

Sie Ã¶ffnete das Buch wieder und blÃ¤tterte es durch, dann hielt sie inne, als sie feststellte, dass die Zeichnung, die sie letzte Nacht angefertigt hatte, weg war. An ihrer Stelle fand sie eine liebevoll gefertigte Zeichnung von sich selbst, wie sie in diesem Bett schlief. Sie war ebenso detailliert wie die, die sie von ihm gemacht hatte. In der Zeichnung war ihre Hand entspannt neben ihrem Gesicht und sie bemerkte das Symbol, das er dort gezeichnet hatte. Direkt unter der Zeichnung stand das Wort âSynâ in eleganter Handschrift.



*****



Tabatha parkte ihr Auto im VIP-Bereich des Moon Dance und stieg aus. Sie zog ihr kurzes Kleid zurecht, steckte ihre SchlÃ¼ssel in ihre Handtasche und ging zur EingangstÃ¼r. Sie hatte es satt, sich in der einsamen Wohnung zu verstecken und darauf zu warten, ob Kriss je zurÃ¼ckkommen wÃ¼rde. Die freudige Erregung der Menge zu sehen, besserte ihre Stimmung schon ein wenig.

Nick lÃ¤chelte, als er sah, wie sie sich nÃ¤herte, und nahm das Seil zur Seite, um sie vor allen anderen, die darauf warteten, eingelassen zu werden, durchzulassen. Er machte es nicht, weil die Partnerin seines Bruders ihre beste Freundin warâ¦ er machte es, denn ohne Tabathaâ¦ hÃ¤tten sie Micah nicht rechtzeitig gefunden, um ihn zu retten.

Sein Blick traf ihre nackte Schulter. Das letzte Mal, wo er sie gesehen hatteâ¦ hatte eine ziemlich schlimme Wunde auf dieser Schulter geprangt, aber nun war sie vÃ¶llig makellos. Scheinbar hatten sie eine heilende Fee, die durch die Stadt wanderte, denn dasselbe war auch mit Micahs Wunden geschehen.

âWie geht es dir heute Abend?â, fragte er neugierig, als er eine Spur von Traurigkeit in ihren Augen sah.

Tabatha schenkte ihm ein leises LÃ¤cheln. âGeht schon.â

âHat dir schon einmal jemand gesagt, dass du zum Fressen lecker aussiehst?â, fragte er mit funkelnden Augen. Es war die schnellste Methode, eine Frau aufzuheiternâ¦ er musste es wissen, er war jede Nacht von ihnen umgeben.

Tabatha schÃ¼ttelte ihren Kopf und lÃ¤chelte. âDu bist unverbesserlich.â

âJa, bin ichâ, stimmte Nick zu. âAlso bedeutet das, dass ich dich heute Nacht mit nach Hause nehmen darf?â

âKeine Chance!â, erwiderte Tabatha schnell, dann grinste sie und fÃ¼gte hinzu: âAuÃerdem, nachdem du direkt Ã¼ber der TanzflÃ¤che wohnst, wÃ¤re das viel zu einfach.â

Nick legte eine Hand auf sein Herz und stolperte theatralisch rÃ¼ckwÃ¤rts. âTabby KÃ¤tzchenâ¦ du verletzt mich. Meine Gedanken waren vÃ¶llig unschuldig.â

âBestimmt.â Tabatha lachte, dann zwinkerte sie ihm zu. âAber vielleicht werde ich dich spÃ¤ter um einen Tanz bitten.â

Nick beugte sich zu ihrem Ohr hinunter, als er ihr die TÃ¼r aufhielt. âIch kÃ¶nnte darauf zurÃ¼ckkommen.â

Tabatha ging hinein und atmete tief durch, genoss die bekannte AtmosphÃ¤re. Ihr letztes Treffen mit Kane war schon mehrere Tage her und sie hatte noch immer kein Wort von Kriss gehÃ¶rt. Ihre Sorge war weg und war ersetzt worden von einer leichten Depression, von der sie wusste, dass nur Kriss sie vertreiben konnte.

Das DrÃ¶hnen der Musik hÃ¤mmerte durch ihren KÃ¶rper, als sie zum GelÃ¤nder ging, damit sie die TanzflÃ¤che sehen konnte. Es war schon spÃ¤t in der Nacht, beinahe Mitternacht, und der Club war zum Bersten voll. KÃ¶rper bewegten sich zum Rhythmus der Techno-Musik, die aus den Lautsprechern drÃ¶hnte, und die Bar war fast voll. Tabatha sah sich um, fragte sich, was sie zuerst tun sollte. Sie hatte es satt, alleine zu sein, und nahm an, dass dies genau das war, was sie brauchte, um ihre Laune zu bessern.

Tabatha ging zur Bar und klatschte ihre kleine Handtasche auf die Theke. âWas muss eine Frau tun, um hier etwas zu trinken zu bekommen?â, fragte sie laut.

âMich beiÃenâ, rief Envy und stellte ein Glas vor sie hin. âKann ich sonst noch etwas fÃ¼r Sie tun, FrÃ¤ulein?â

âJaâ, sagte Tabby. âIch muss dich noch beiÃen.â

âSei vorsichtigâ, sagte Envy. âIch beiÃe zurÃ¼ck.â

Tabatha hob das Glas auf und trank die HÃ¤lfte davon auf einen Zug aus, als sie sich plÃ¶tzlich an die GetrÃ¤nke erinnerte, die sie vor ein paar Tagen im Silk Stalkings konsumiert hatte, und an die Art, wie Kane sie wieder nÃ¼chtern gekÃ¼sst hatte. Was sie am meisten nervte war, dass jedes Mal, wenn sie daran dachte, ein heiÃes GefÃ¼hl durch ihren KÃ¶rper nach unten zu ihrem Bauch und ihren Oberschenkeln wirbelte. Sie zuckte zusammen, als sie es wieder fÃ¼hlte.

Envy betrachtete Tabatha und wusste, dass etwas mit ihrer Freundin nicht in Ordnung war. Sie hatten schon zu viel gemeinsam durchgemacht, als dass Envy es nicht bemerkt hÃ¤tte. Sie schenkte Tabatha ein neues GetrÃ¤nk ein, als sie sah, wie ihre Freundin ein leeres Glas auf die Bar stellte.

Als sie das zweite GetrÃ¤nk vor Tabatha schob, erkannte sie, dass Tabby nicht wirklich aufpasste, sondern sich stattdessen unruhig unter den anderen Leuten, die ihren SpaÃ hatten, umsah.

Kat arbeitete ein StÃ¼ck von Envy entfernt und betrachtete Tabatha aus dem Augenwinkel. Sie bemerkte, dass Tabatha unruhig aussah und fragte sich, was in den letzten Tagen geschehen war, was diese Unruhe hervorrief. Sie griff nach einer Flasche Heat, traf Envys Blick und zeigte auf die Flasche, ehe sie mit ihrem Kopf Richtung Tabatha nickte.

Envy schielte hinÃ¼ber zu ihrer Freundin, ehe sie Kat zustimmend zunickte. Kat bereitete ein weiteres GetrÃ¤nk zu und goss ein Bisschen von dem starken Alkohol in die Mischung, ehe sie das Glas an Envy weitergab.

âDankeâ, sagte Envy und trug das GetrÃ¤nk zu Tabatha. âHier hast du, Tabby, das geht aufs Haus.â

Tabatha schaute auf das Glas hinunter und lÃ¤chelte. âDanke!â

âAlsoâ, begann Envy und lehnte sich an die Theke. âWieso so missmutig?â

âNicht so wichtig, schÃ¤tze ichâ, antwortete Tabatha.

âJa, klarâ, rief Kat und kam nÃ¤her. âWenn dein Gesicht noch lÃ¤nger wÃ¤re, wÃ¤re dein Kinn noch zu Hause vor dem Fernseher.â

âIch bin nur sauer auf Krissâ, sagte Tabatha nach ein paar Sekunden. Wenn sie es ihrer besten Freundin nicht erzÃ¤hlen konnte, dann konnte sie gleich nach Hause gehen und dort bleiben. âEr war noch nie so lange weg, ohne anzurufen. Er hat vor ein paar Tagen seine Arbeit im Silk Stalkings gekÃ¼ndigt und seither hat ihn niemand mehr gesehen.â Sie erzÃ¤hlte nicht, dass sie das GefÃ¼hl hatte, als wÃ¤re sie sitzengelassen wordenâ¦ ihre Brust schmerzte schon seit Tagen durchgehend.

Kat nahm eine Serviette von hinter der Bar und hielt sie Tabatha hin, als TrÃ¤nen zu fallen begannen. Wenn sie es nicht besser wÃ¼sste, hÃ¤tte sie geschworen, dass dies die Reaktion einer Liebhaberin war, deren Herz gebrochen worden war. Envy hatte ihr gesagt, dass Kriss schwul war, aber Kat fragte sich, ob etwas zwischen Kriss und Tabatha gelaufen war, von dem Envy nicht wusste.

âWieso ist er gegangen, ohne sich zu verabschieden?â, fragte Tabatha leise und tupfte mit der Serviette die Feuchtigkeit von ihren Wangen. Die Wut half ihr, mit dem Weinen aufzuhÃ¶renâ¦ sie hasste Weinen. âIch dachte, dass ich zumindest einen Abschied verdienen wÃ¼rde.â

Envy presste ihre Lippen aufeinanderâ¦ Kriss wÃ¼rde so etwas nie ohne guten Grund tun. Himmel, sie wusste, dass Kriss Tabatha liebte, aber er liebte auch Dean. Ihre HÃ¤nde ballten sich zu FÃ¤usten auf der Bar, als ihr klar wurde, weshalb Kriss sich von ihr fernhieltâ¦ Dean.

âIch bin sicher, dass er zurÃ¼ckkommen wirdâ, sagte Kat. âDu bist eine gute Freundin und verdienst es, die Wahrheit zu hÃ¶ren.â Sie schielte hinÃ¼ber zu Envy. âNicht wahr?â

âGanz genauâ, sagte Envy und schob ihre Wut zurÃ¼ck in ihre Magengrube. âWeiÃt du, was wir tun sollten? Das Federtier finden und ihn auf einen Ameisenhaufen binden, nachdem wir ihn mit Honig eingeschmiert haben, und ihn dann dort lassen. Dann wird er lernen, dass er nÃ¤chstes Mal besser anrufen sollte.â

Tabatha hob ihre Augenbrauen Ã¼ber die Rothaarige. âOkay.â

âOh, ohâ, sagte Kat aufgeregt. âNoch besser, wir werden ihn ausziehen und ihn zusammenschnÃ¼ren wie einen Truthahn, dann lassen wir ihn bei der Biker-Bar am anderen Ende der Stadt. Einige dieser Typen sind richtig beÃ¤ngstigend.â

Envy schÃ¼ttelte ihren Kopf. âNein, das wÃ¼rde ihm auch noch gefallen.â

âIch habâs!â, rief Kat, als sie sah, dass Tabathas Lippe bei ihren Witzen zu zucken begann. âWir schlagen ihn k.o. und halten ihn in Tabathas Schlafzimmer gefangen und geben ihm nur Brot und Wasser, bis er verspricht, fÃ¼r alle Ewigkeit Tabathas Sexsklave zu sein.â

Envy legte ihren Kopf zur Seite und lÃ¤chelte. âNa, diese Idee gefÃ¤llt mir.â

âIch habe eine Frage fÃ¼r euch, zu einem anderen Themaâ, sagte Tabatha und zog damit ihre Aufmerksamkeit auf sich. âWas wisst ihr Ã¼ber Kane?â

Kat zuckte die Schultern. âEr ist ein Vampir, hÃ¶llisch sexy und mit einem groÃartigen Sinn fÃ¼r Humor.â

Die drei Frauen begannen zu lachen, aber hielten inne, als Devon hinter Envy auftauchte und einen Arm um ihre HÃ¼fte legte.

âIch werde dir hÃ¶llisch sexy zeigenâ¦ tanz mit mirâ, flÃ¼sterte Devon laut genug, sodass die anderen Frauen es hÃ¶ren konnten.

Envy grinste ihre Freundinnen an, ehe sie sich von Devon von der Bar weg und hinunter zur TanzflÃ¤che fÃ¼hren lieÃ. Sie konnten die Menge jubeln hÃ¶ren, als sich die TÃ¼r des KÃ¤figs schloss und Tabatha lÃ¤chelte.

Tabatha stand auf, ging hinÃ¼ber zum GelÃ¤nder und sah hinunter auf Envy und Devon, wie sie im KÃ¤fig tanzten. Sie konnte sehen, wie sich ihre Lippen bewegten, aber konnte nur raten, worÃ¼ber sie redeten.

Envy lehnte sich zurÃ¼ck, ihre Arme Ã¼ber ihrem Kopf und hielt sie sich an den KÃ¤figstangen fest. Devon hatte ihre Beine um seine HÃ¼fte geschlungen und rieb sich an ihr. Eine Hand lag auf ihrem Hinterteil, hielt sie hoch, wÃ¤hrend die andere Hand auf ihren Rippen lag, direkt unter ihrer Brustâ¦ drohte, sie zu berÃ¼hren, aber es nicht wirklich tat.

Devon grinste und zog Envy von den Stangen weg, fing sie auf, ehe sie nach hinten fallen konnte, und stellte sie auf ihre FÃ¼Ãe. Er wirbelte sie schnell herum, sodass ihr RÃ¼cken an seine Brust gedrÃ¼ckt wurde, seine HÃ¤nde glitten Ã¼ber ihre Rippen nach oben, ergriffen die Unterseite ihrer Brust, neckten sie.




Конец ознакомительного фрагмента.


Текст предоставлен ООО «ЛитРес».

Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию (https://www.litres.ru/amy-blankenship/blutsbande/) на ЛитРес.

Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.


