Griechischer Zauber Sophie Love Die Liebe auf Reisen #5 DAS FESTIVAL DER LIEBE erschafft eine Welt voll Emotionen und Aufregung. Wir tauchen ein in die Gedanken einer jungen Frau (Keira) und ihre Bemühungen, Karriere und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Sophie Love hat eine natürliche Begabung fürs Geschichten erzählen. DAS FESTIVAL DER LIEBE ist sehr gut erzählt und ich kann es nur jedem empfehlen, der sich ein Wochenende lang von einer Romanze verzaubern lassen will. Books and Movie Reviews (Roberto Mattos) GRIECHISCHER ZAUBER (Die Liebe auf Reisen – Buch #5) ist das 5. Buch der neuen Romantikserie von Bestsellerautorin Sophie Love. Die Serie beginnt mit DAS FESTIVAL DER LIEBE (Buch #1), welches als gratis Download erhältlich ist! Keira Swanson, 28, verbringt ein magisches Weihnachtsfest mit ihrem neuen Freund und dessen Familie in Schweden. Wie wird ihre Beziehung enden?Keira kehrt nach New York zurück und erfährt, zu ihrem Entsetzen, dass sie einen neuen Dating Trend gestartet hat, der das Land im Sturm erobert – Skandinavische Romantik – und sie dadurch zu einer Berühmtheit wird. Noch verwirrender ist, dass ihre Schwester sich verlobt und Keira andauernd Ratschläge erteilt. Überwältigt von allem, findet Keira Trost, als Cristiano anruft und überrascht sich selbst, als sie zustimmt, sich eine Woche frei zu nehmen und ihn auf neutralem Boden zu treffen: in Griechenland. Ihr Magazin ist begeistert und sie möchten dies zu ihrem neuen Auftrag machen: Kann die Liebe beim zweiten Anlauf funktionieren, zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort, wenn man ihr eine weitere Chance gibt? Griechenland ist spektakulär, gefüllt mit Sonne, Meer, Ruinen und Romantik. Es ist einer der schönsten Orte, den sie je besucht hat. Aber nichts kann Keira auf ihr Zusammentreffen mit Cristiano vorbereiten – und auf die Überraschung, die dann folgt. Eine ereignisreiche romantische Komödie, die genauso tiefgründig wie witzig ist – GRIECHISCHER ZAUBER (Die Liebe auf Reisen – Buch #5) ist das 5. Buch einer schillernden neuen Romantikserie, die Sie zum Lachen und Weinen bringen und Sie bis spät in die Nacht hinein an sich fesseln wird – Sie werden sich aufs Neue in die Romantik verlieben. Buch #6 ist in Vorbereitung. Sophie Loves Fähigkeit, bei ihren Lesern Magie zu bewirken, zeigt sich in ihrem höchst inspirierenden Ausdruck und den lebendigen Beschreibungen … ist der perfekte Liebes- oder Strandroman, der sich von anderen abhebt: seine mitreißende Begeisterung und die wunderschönen Beschreibungen machen deutlich, wie komplex die Liebe und auch die Gedanken der Menschen sein können. Dieses Buch ist perfekt geeignet für Leser, die nach einem Liebesroman mit Tiefgang suchen. Midwest Book Review (Diane Donovan über Für jetzt und für immer) G R I E C H I S C H E R Z A U B E R (DIE LIEBE AUF REISEN—BUCH 5) S O P H I E L O V E Sophie Love #1 Bestsellerautorin Sophie Love ist die Autorin der Liebesroman Reihe DIE PENSION IN SUNSET HARBOR, die bislang sieben Bücher umfasst (und fortgesetzt wird), und die mit FÜR JETZT UND FÜR IMMER (DIE PENSION IN SUNSET HARBOR - BUCH 1) beginnt. Sophie Love ist auch die Autorin der Debüt-Liebesroman Reihe DIE LIEBE AUF REISEN, die mit DAS FESTIVAL DER LIEBE beginnt (DIE LIEBE AUF REISEN – BUCH 1). Sophie würde sich freuen, von Ihnen zu hören. Besuchen Sie deshalb bitte ihre Webseite www.sophieloveauthor.com (http://www.sophieloveauthor.com/), um ihr eine E-Mail zu schreiben, in den E-Mail-Verteiler aufgenommen zu werden, kostenlose E-Books sowie die neuesten Nachrichten zu erhalten und um mit ihr in Kontakt zu bleiben! Copyright © 2018 von Sophie Love. Alle Rechte vorbehalten. Vorbehaltlich der Bestimmungen des US-amerikanischen Urheberrechtsgesetzes von 1976 darf kein Teil dieser Veröffentlichung in irgendeiner Form oder auf irgendeine Weise reproduziert, verteilt oder übertragen werden oder in einer Datenbank oder einem Abrufsystem ohne vorherige Zustimmung des Autors gespeichert werden. Dieses E-Book ist nur für Ihren persönlichen Gebrauch lizenziert. Dieses E-Book darf nicht weiterverkauft oder an andere Personen weitergegeben werden. Wenn Sie dieses Buch mit einer anderen Person teilen möchten, erwerben Sie bitte für jeden Empfänger eine zusätzliche Kopie. Wenn Sie dieses Buch lesen und es nicht gekauft haben oder es nicht nur für Ihre Verwendung gekauft wurde, geben Sie es bitte zurück und erwerben Sie eine eigene Kopie. Vielen Dank, dass Sie die harte Arbeit dieses Autors respektieren. Bei dem Buch handelt es sich um Fiktion. Namen, Charaktere, Unternehmen, Organisationen, Orte, Ereignisse und Zwischenfälle sind entweder das Produkt der Fantasie des Autors oder werden fiktiv verwendet. Jegliche Ähnlichkeit mit tatsächlichen lebenden oder toten Personen ist völlig zufällig. Umschlagbild Copyright vvita, verwendet unter Lizenz von Shutterstock.com. BÜCHER VON SOPHIE LOVE DIE PENSION IN SUNSET HARBOR FÜR JETZT UND FÜR IMMER (Buch 1) FÜR IMMER UND EWIG (Buch 2) FÜR IMMER MIT DIR (Buch 3) WENN ES DOCH NUR FÜR IMMER WÄRE (Buch 4) FÜR IMMER UND EINEN TAG (Buch 5) FÜR IMMER UND NOCH EINEN TAG (Buch 6) FÜR DICH, FÜR IMMER (Buch 7) FÜR IMMER WEIHNACHTEN (Buch 8) DIE LIEBE AUF REISEN DAS FESTIVAL DER LIEBE (BUCH #1) ITALIENISCHE NÄCHTE (BUCH #2) L'AMOUR IN PARIS (BUCH #3) EINE LIEBE IM SCHNEE (BUCH #4) GRIECHISCHER ZAUBER (Book #5) INHALTSVERZEICHNIS KAPITEL EINS (#uc54e4d72-b2fe-55e7-9521-99c3b365ffae) KAPITEL ZWEI (#u878e0471-bac9-506e-aefe-b23d732653b4) KAPITEL DREI (#ud9697eac-e72b-54d7-8c1c-2ec82a377106) KAPITEL VIER (#ua66ee36a-fae9-5734-9dca-79ccd3090f25) KAPITEL FÜNF (#u12e63aa1-bf17-5643-b3ce-7874630afcc7) KAPITEL SECHS (#ud217b85e-acad-5aff-9468-1459ea44225a) KAPITEL SIEBEN (#u99a12585-b260-5ed6-b939-07ce3e6cf883) KAPITEL ACHT (#litres_trial_promo) KAPITEL NEUN (#litres_trial_promo) KAPITEL ZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL ELF (#litres_trial_promo) KAPITEL ZWÖLF (#litres_trial_promo) KAPITEL DREIZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL VIERZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL FÜNFZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL SECHZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL SIEBZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL ACHTZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL NEUNZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL ZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL EINUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL DREIUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL VIERUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL SECHSUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL ACHTUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL NEUNUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL DREISSIG (#litres_trial_promo) KAPITEL EINUNDDREISSIG (#litres_trial_promo) KAPITEL EINS Keira schnupperte. Schinken. Sie konnte definitiv Schinken riechen. Sie öffnete ihre Augen und es dauerte einen Moment, bis sie sich an das helle Tageslicht, welches von den zartblauen Wänden reflektiert wurde, gewöhnt hatte. Milos Zimmer. Sie lächelte in sich hinein. Erneute Duftschwaden kochenden Essens erreichten ihre Nase. Yolanta und Nils, Milos Eltern, bereiteten wahrscheinlich unten in der Küche die Weihnachtsgerichte vor. Ihr lief bei dem Gedanken das Wasser im Mund zusammen. Keira drehte sich um und sah den noch schlafenden Milo an. Die letzten paar Tage in Schweden mit ihm waren wundervoll gewesen. Magisch. Es hatte begonnen zu schneien und die Berghütten lagen nun unter einer dicken weißen Schneedecke. Sie hatten die Tage mit Wandern, Eisfischen und Schlittschuhlaufen auf dem gefrorenen See verbracht. Es hatte sich für Keira wie ein Traum angefühlt, fast so, als wäre sie die Heldin in einem Fantasy-Film. Die wunderschöne Umgebung wurde sogar noch besser, wenn sich der Abend näherte und die Nordlichter begannen, sich wellenartig am Himmel auszubreiten. Keira wünschte, dass es nicht enden musste. Aber sie wusste, sie konnte nicht für immer in Schweden bleiben. Für morgen hatte sie einen Flug zurück nach Hause, nach New York City, gebucht. Es machte sie traurig, wenn sie daran dachte, diesen Ort, Milo und seine Familie hinter sich zu lassen. Die ganze Erfahrung war so erfrischend für sie gewesen. Verjüngend. Auch die Beziehung hatte sich wie eine willkommene Befreiung vom Stress ihrer letzten romantischen Unterfangen angefühlt. Es war das erste Mal, dass Keira sich wirklich dazu in der Lage fühlte, im Jetzt zu leben. Zu wissen, dass weder sie noch Milo irgendwelche Erwartungen hatten, keine unrealistischen, überambitionierten gemeinsamen Zukunftspläne (so wie es mit Shane gewesen war), kein Druck zu heiraten (wie es mit Cristiano gewesen war). Sie bemerkte, dass dies das erste Mal war, dass der Gedanke in die Abreise nicht herzzerreißend war. Sie war einfach nur traurig, nicht so, als würde die ganze Welt und ihr ganzes Herz daran hängen, wie diese Beziehung zu Ende ging. In dem Moment wachte Milo auf. Er sah zu ihr hinüber und lächelte. „Fröhliche Weihnachten.“ Keira lehnte sich hinunter und küsste ihn sanft. „Fröhliche Weihnachten.“ Milo lehnte sich gegen sein Kissen zurück und blinzelte ein paar Mal mit seinen Augenlidern, fast so, als wäre er noch nicht vollständig wach. „Ich kann Schinken riechen“, sagte er verschlafen. Keira kicherte. „Ich auch. Ich vermute, deine Eltern sind in der Küche.“ „Natürlich“, sagte er und gähnte. „Schwedische Weihnachten sind immer eine Zeit des Überflusses. Sie werden den ganzen Tag mit dem Kochen verbringen.“ „Wir sollten ihnen helfen“, schlug Keira vor. Milo schüttelte den Kopf. Seine Augen waren wieder zu. Er war ganz offensichtlich noch nicht bereit völlig aufzuwachen. Keira blickte in sein Gesicht, so gutaussehend und friedlich. Sie würde das hier sehr vermissen, die Nähe, die Leichtigkeit von allem. Noch nie zuvor hatte sich etwas so richtig zwischen ihr und einem Mann angefühlt, so ganz ohne Reibungspunkte und ohne Unsicherheiten. Milo öffnete ein einzelnes Auge. „Was schaust du dir denn an?“, fragte er mit einem Grinsen. Keira seufzte. „Nur dein wunderbares Gesicht.“ Er verzog das Gesicht und berührte sanft ihren Arm. „Warum so melancholisch?“ Er lächelte sanft und beruhigend. „Niemand darf an Weihnachten traurig sein.“ Keira lachte, fühlte aber trotzdem ein Ziehen in der Magengegend. „Du weißt schon, warum“, sagte sie, während sie tief ausatmete. Milo drückte sich auf seinen Ellenbogen hoch, wobei die Bettdecke hinunterrutschte und seinen schön geformten Oberkörper enthüllte. „Du denkst an morgen“, kommentierte er. „Daran, abzureisen. Und an die Zukunft. Und daran, was als Nächstes kommt.“ Sie nickte und blickte auf die Bettdecke hinunter. Milo lehnte sich zu ihr hinüber, schlang seine Arme um sie und zog sie nah an seine warme Brust. „Alles wird gut werden“, sagte er zu ihr. „Wir können die Zukunft nicht voraussagen, aber was auch immer passiert, wir werden okay sein. Jede Beziehung, romantisch oder nicht, lehrt uns etwas. Über die Liebe, über Freundschaft, über die menschliche Psyche, über uns selbst. Kein Moment, in dem du dir selbst erlaubst, dich völlig hinzugeben, ist jemals verschwendet. Und das hast du getan. Du hast Weihnachten in einem fremden Land weit weg von deiner Familie verbracht und das zum ersten Mal in deinem Leben. Die Zukunft ist nichts, worum wir uns Sorgen machen müssen. Du schaffst das.“ Keira fühlte, wie er einen Kuss auf ihre Stirn drückte. Seine positive Herangehensweise an das Leben und an Beziehungen beruhigte sie und sie war froh, dass er nichts Übertriebenes gesagt hatte, so wie es ihre Ex-Freunde getan hätten. Es gab keinerlei Heuchelei, keine Versprechen, nur das Jetzt. Sie versprach sich selbst, den Tag zu genießen, genauso wie Milo es vorgeschlagen hatte. „Komm schon“, sagte sie und entzog sich seiner warmen, starken Umarmung. „Lass uns nachsehen, was deine Leute da kochen. Ich möchte noch ein paar mehr verrückte schwedische Rezepte kennenlernen.“ Milo kicherte. „Hausgemachte Leberpastete? Glaubst du wirklich, du bist bereit dafür?“ Keira grinste und spannte ihre Muskeln an. „Ich wurde bereit geboren!“ * Unten in der Küche trafen sie Milos Eltern, Nils und Yolanta, und seine Schwester Regina, die alle geschäftig hin und her wuselten. Anders als bei ihrer eigenen Familie zu Hause, schien die Nilson Familie es zu lieben, beschäftigt zu sein. Wäre dies die Küche ihrer Mutter, mit Mallory und Bryn darin, gäbe es mindestens eine verschüttete Pfanne auf dem Fußboden, einen ausgetrockneten, zu lange gekochten Schinken, der im Ofen schwelte und ein unachtsam zur Seite geworfenes Geschirrhandtuch, welches an der Flamme des Herdes Feuer fing. „Guten Morgen!“, rief Nils quietschvergnügt mit seinem niedlichen schwedischen Akzent. „Seid ihr hier, um kochen zu helfen?“, fragte Regina. Von allen Familienmitgliedern war sie diejenige, die am unentspanntesten war, dachte Keira. Sie schien es zu genießen, Stress zu verbreiten und alle herumzukommandieren, während ihre Eltern alles wesentlich leichtherziger angingen. „Oh, Regina, lass sie in Ruhe“, sagte Yolanta. „Keira ist unser Gast, darf ich dich daran erinnern? Und außerdem haben wir sie nur noch für einen weiteren Tag. Sie rührt auf gar keinen Fall einen Finger.“ Keira lächelte über den süßen Kommentar, aber fühlte, wie ihre Melancholie wuchs. Yolanta hatte den Fakt erwähnt, dass sie sich dem Ende des Countdowns näherten und dass ihre Zeit hier fast vorüber war. „Aber Milo muss helfen“, sagte Regina. „Das würde ich liebend gern tun, liebste Schwester“, witzelte er und schlang seinen Arm um sie. „Womit kann ich behilflich sein?“ „Du kannst mit der Leberpastete beginnen“, sagte sie und zeigte auf ein Brettchen auf der anderen Seite des Küchentischs. Daneben lag ein Haufen von furchterregend aussehendem Fleisch. Keiras Magen drehte sich um. Milo drehte sich zu ihr und wackelte mit den Augenbrauen. „Habe ich dir doch gesagt.“ Die Familie begann zu kochen und Keiras Versuche dabei zu helfen, wurden immer wieder abgewehrt. Am Ende beschäftigte sie sich damit, den Tisch für das Frühstück zu decken und gab sich ganz besonders viel Mühe dabei. Sie zog die kitschige, mit Rentieren bedruckte, Tischdecke gerade und stellte die ausladenden silbernen Kerzenhalter und Weihnachtsmannfiguren darauf. Dann begann sie das Zimmer aufzuräumen und alle Bilder an den Wänden geradezurücken. Gestern Abend hatten sie einen fröhlichen Abend damit verbracht, das gesamte Haus mit weihnachtlicher Kunst zu verschönern – mit seltsamen Bildern, die winterliche Waldnymphen zeigten. Man hatte ihr versichert, dass sie auch etwas traditionell Schwedisches waren. Während sie half den hohen dicht gewachsenen Weihnachtsbaum mit schwedischen Flaggen, Girlanden, farbigen Weihnachtskugeln und elektrischen Lichtern zu dekorieren, lernte Keira, dass die Weihnachtszeit in Schweden eine fröhliche, lebhafte und oft bizarre Angelegenheit war. Aber sie fand es überhaupt nicht seltsam. Es gab den gewöhnlichen Überfluss an gutem Essen – den klassischen Weihnachtsschinken, gemeinsam mit anderen schwedischen Delikatessen, sowie einem Mix aus Eiern und Anchovis, Hering (eingelegt, als Pastete und in Salatform), Roggenbrot, Kartoffeln, Fleischbällchen, Rote-Bete-Salat, Leberpastete und ein Fischgericht, welches Lutefisk hieß. Obwohl die Tage kurz waren, war der Himmel immer blau gewesen, die Sonne hatte geschienen und der Schnee unter den Füßen glitzerte weiß. Wenn die langen dunklen Abende anbrachen, zündete Yolanta die Kerzen an und man fühlte sich bei ihrem warmen Schein ganz wohlig. Es gab immer frische Hyazinthen, die das Haus mit ihrem starken Duft erfüllten. In dem Moment hörte Keira ein Klappern hinter sich und drehte sich zu der Familie um, die mit voll beladenen Armen mit Gerichten und Tabletts hereinkam, und begann, diese auf dem Tisch auszubreiten. Der Überfluss an Essen, den es zum Weihnachtsfrühstück gab, war sogar noch leckerer, als der der letzten Tage. Keira leckte sich voll Vorfreude ihre Lippen. Alle setzten sich und begannen Essen auszuteilen. Keira füllte ihren Teller mit Brot und Käse und nahm dankbar eine Tasse des besonders starken, frisch gebrauten Kaffees entgegen. „Weißt du bereits, was dein nächster Auftrag sein wird, Keira?“, fragte Yolanta, als sie ihr eine Schüssel mit geschnittenen Tomaten reichte. Keira nahm die Schüssel und füllte ihren Teller mit einigen Tomatenscheiben. „Noch nicht“, sagte sie. Dann fügte sie kleinlaut hinzu: „Genau genommen, habe ich den, an dem ich im Moment arbeite, noch nicht einmal beendet.“ „Nicht?“, fragte Nils. Keira schüttelte ihren Kopf. Sie wollte nicht an die Arbeit denken, die ihr noch immer im Nacken saß. Aber die Dinge waren mit Viatorum, dem Magazin, für welches sie schrieb, etwas angespannt geworden und das Ende für ihre Geschichte, nach dem sie verlangten, war nicht das gewesen, welches sie geliefert hatte. Sie war noch immer dabei, darüber zu verhandeln, wie viel Freiheit ihr in ihrer Arbeit zustand. Aber sie wusste auch, dass sie es vor sich herschob, um lieber jeden Moment zu genießen, anstatt sich über ihren Job Sorgen zu machen. Der Genuss würde zu einem abrupten Ende kommen, wenn sie nach New York City zurückkehrte. „Ich hoffe, das nächste Mal fährst du an einen warmen Ort“, kommentierte Nils. „Du solltest die Bahamas verhandeln. Oder Neuseeland. Es ist ein wunderschöner Ort.“ Keira lächelte, als sie sich erinnerte, wie weitgereist Milos Vater war. Er war in der Tat das komplette Gegenteil seines Sohnes. Milo hatte ihr gestanden, dass er nur selten sein Heimatland verließ, weil er Flugangst hatte und außerdem unter schrecklichem Heimweh litt. „Wir müssen anstoßen“, sagte Yolanta plötzlich und hielt ihre Kaffeetasse hoch. „Auf Weihnachten!“ Lachend hob Keira ihre eigene Tasse und stieß nacheinander mit allen Familienmitgliedern an und wünschte jedem von ihnen ebenfalls fröhliche Weihnachten. Als sie die Familie um den Tisch herum anblickte, fühlte Keira einen Schwall der Liebe für sie alle. Sie hatte die Zeit, die sie mit ihnen verbrachte, wirklich geliebt und würde sie für immer in ihrem Herzen tragen. Man hatte ja nicht jeden Tag die Gelegenheit, eine solch warme, freundliche, liebevolle Familie zu treffen, die einen mit offenen Armen und offenem Herzen über die Weihnachtszeit empfing. Sie würde sie, nachdem sie Schweden verlassen hatte, ganz schmerzlich vermissen. „Können wir jetzt die Geschenke öffnen?“, fragte Regina, sobald die Teller leer waren. Nils kicherte: „Im Herzen ist sie noch immer eine Siebenjährige. Wenigstens schaffen wir es inzwischen, zuerst zu frühstücken. Damals mussten wir mit ihr verhandeln, dass sie uns etwas länger als bis fünf Uhr morgens schlafen ließ!“ Yolanta lachte: „Kommt, wir setzen uns um den Baum.“ Alle standen auf, ließen die Unordnung auf dem Frühstückstisch für später zurück und gingen ins Wohnzimmer. „Ich kann es nicht erwarten, Keira ihr Geschenk zu geben“, sagte Yolanta, während sie zum Wohnzimmer gingen. „Es ist etwas ganz Besonderes.“ Es berührte Keira sehr, zu wissen, welchen Aufwand Milos Familie für sie betrieben hatte. Bevor sie zugestimmt hatte, noch über Weihnachten zu bleiben, hatten sie ihr bereits alle ihre Geschenke gegeben, um sie mit nach New York zu nehmen und sie war bereits damals von Dankbarkeit überwältigt gewesen. Aber dann hatte es sich so ergeben, dass sie noch blieb und die Geschenke hatten sich unter dem Weihnachtsbaum multipliziert, zu einer Menge, die Keira peinlich berührte. Sie fühlte sich nicht, als verdiene sie so viel Güte. Im Vergleich zu Weihnachten bei ihr zu Hause, fühlte sie sich extrem verwöhnt. „Ich habe ebenfalls etwas ganz Besonderes für Keira“, sagte Milo. Sie errötete. Sie murmelte ihm leise zu: „Du weißt, ich hatte keine Zeit, etwas zu besorgen.“ Milo lachte. „Das wissen wir. Es macht niemandem etwas aus. Wir verschenken nichts mit der Erwartung, dafür im Gegenzug auch etwas zu erhalten. Das würde den Zweck des Schenkens verfehlen.“ „Ich weiß“, sagte Keira, „aber ich fühle mich so schuldig. Alle sind so unglaublich zuvorkommend.“ „Mach dir nicht so viele Sorgen“, kicherte Milo. „Deine Anwesenheit ist uns Geschenk genug!“ Keira rollte wegen des kitschigen Spruchs mit ihren Augen, fühlte sich aber ein bisschen besser. Sie betraten das Wohnzimmer und setzten sich alle hin. Nils setzte sich auf den Fußboden und machte sich bereit Geschenke auszuteilen. Er hob das erste Geschenk hoch. Es war in wunderschönem, silbern glänzendem Papier eingewickelt. „Dieses hier ist für Keira“, sagte er, als er ein Kärtchen in Schneeflockenform vorlas. „Es ist von Yolanta.“ Er gab es zunächst Yolanta, die es dann an Keira weiterreichte, offensichtlich einem Familienritual folgend. Keira nahm die große rechteckige Box entgegen und fühlte noch immer ein wenig Restschuld, darüber, dass sie nichts im Gegenzug geben konnte. Um das wunderschöne Papier nicht zu zerreißen, bemühte sich Keira sorgfältig, das Klebeband zu entfernen als sie ihr Geschenk auspackte. Die Kiste, die nun zum Vorschein kam, war weiß und hatte einen schwedischen Markennamen aufgedruckt, den Keira nicht lesen konnte. Aber der Rest der Familie machte ein Geräusch, was darauf schließen ließ, dass sie alle genau wussten, was sich darin befand. Keira hob den Deckel und faltete das weiße Füllpapier zurück. Zu ihrem Schock und ihrer Freude befand sich darin ein kompletter Schneeanzug. Bis jetzt hatte sie sich einen Ersatzanzug von Yolanta ausgeliehen, der ihr viel zu groß gewesen war, und außerdem leuchtend rot. Dieser hier war dunkel, elegant geschnitten und die richtige Größe. „Wundervoll“, sagte Keira. „Der sieht so bequem aus. Ich werde ihn so viel tragen.“ Aber sie fühlte, wie sich ihre Brust zusammenzog, als sie sich daran erinnerte, dass sie es vielleicht nicht tun würde. Ihre Tage in Schweden waren fast vorbei. „Für deinen nächsten Besuch“, beruhigte Yolanta sie, als hätte sie intuitiv die leichte Veränderung in Keiras Stimmung bemerkt. „Vielen Dank“, sagte Keira mit tiefer Dankbarkeit. Nils zog ein weiteres Geschenk unter dem Baum hervor, welches, via Regina, an Milo gereicht wurde, der es öffnete und eine neue Uhr herauszog. „Danke, Schwesterherz“, sagte er und bewunderte die Uhr an seinem Arm. „Das nächste Geschenk“, sagte Nils von seinem Platz am Fußboden umgeben von Tannennadeln, „ist für … Keira. Von Milo.“ Er gab das flache rechteckige Geschenk an Milo, der es dann an Keira weiterreichte. Keira hob eine Augenbraue. Sie hatte keine Ahnung, was es sein könnte. Sie begann es auszupacken und erkannte dann, dass es eine Art Gemälde war. Schnell zog sie den Rest des Papiers herunter und drehte das Rechteck herum, sodass es richtig herum vor ihr lag. Was sie sah, verschlug ihr den Atem. Die darauf gemalte Landschaft war eine Szene des gefrorenen Sees mit Schlittenhunden, die darüberfuhren. Es war wunderschön und so unglaublich gedankenvoll. „Das ist der gleiche See, auf dem wir Eisfischen waren“, erklärte Milo. „Es wurde von einem berühmten schwedischen Maler gemalt. Ich dachte, es würde dir helfen, dich an Schweden zu erinnern.“ Keira stiegen die Tränen in die Augen, so gerührt war sie von der Geste. Sie warf ihre Arme um Milo. „Es ist wundervoll!“, rief sie und drückte Küsse auf seine Wangen. Nils verteilte weitere Geschenke, gab eines an Yolanta für Regina und ein anderes an Regina, die es ihm direkt wieder zurückgab. „Was ich dir wirklich schenken wollte“, sagte Milo in Keiras Ohr, als seine Familie mit ihren Geschenken beschäftigt war, „war eine richtige Fahrt mit den Schlittenhunden.“ Keira lachte. „Leider haben wir nicht genug Zeit dafür“, fuhr er fort. „Also habe ich dir das hier gekauft.“ Er zog etwas hinter seinem Rücken hervor. Keira hielt die Luft an, geschockt, dass es noch ein weiteres Geschenk für sie gab und davon, dass es nicht den offiziellen Nilson-Familienweg gegangen war. „Ein geheimes Geschenk?“, fragte sie in einer witzelnden, verschwörerischen Stimme. Milo nickte. „Mach es auf“, drängelte er. Tief bewegt, entfernte Keira vorsichtig das Papier. Sie hielt eine kleine schwarze rechteckige Schachtel in der Hand und konnte bereits erkennen, dass es sich um Schmuck handelte. Sie klappte das Kästchen auf und hielt die Luft an. Darin befand sich eine Kette aus Weißgold verziert mit hellen Saphiren. „Oh, Milo, sie ist wunderschön“, sagte sie atemlos. Sie griff danach, hob die Kette an ihren Hals und legte das delikate Schmuckstück über ihre Schlüsselbeine. „Lass mich dir helfen“, bot er an. Sie drehte sich, strich ihr Haar über eine Schulter und Milo schloss den kleinen Verschluss. Seine Finger fühlten sich warm auf ihrer Haut an und ein Kribbeln breitete sich durch ihren ganzen Körper aus. „Obwohl wir hunderte Kilometer entfernt voneinander sein werden“, flüsterte er ihr ins Ohr, „hast du jetzt etwas von mir und von Schweden, das immer bei dir sein kann.“ Keira drehte sich zu ihm um. Sie war zutiefst berührt. „Ich werde sie, wie einen Schatz hüten“, sagte sie und blickte in seine Augen. „Vielen Dank, dass du dies zum besten Weihnachten überhaupt gemacht hast.“ „Nein, ich danke dir“, sagte Milo bedeutungsvoll. Dann lachte er und zog sie in seine Arme, während die Familie um sie herum weiterhin Geschenke öffnete. * Der Rest des Tages war eine geschäftige und fröhliche Angelegenheit und doch war Keira erleichtert, als sie sich am Ende des Abends auf der Veranda wiederfanden, mit Milos gesamter Familie schon im Bett, und es waren nur noch sie beide. So sehr sie seine Familie auch liebte, war es doch wichtig, dass sie ein paar wertvolle Momente nur für sie beide allein hatten. Sie saßen nebeneinander, teilten sich eine Flasche wärmenden Likörs und schauten über die Berge. Es würde für Keira das letzte Mal sein. Wie traurig, dass der erste Moment, den sie heute allein verbrachten, auch ihr letzter gemeinsamer Moment für eine unbestimmte Zeit sein würde. Der Nordstern schien hell über ihnen und wegen der dicken Schneedecke sah es so aus, als würden all die kleinen Berghütten, die überall am Hang verteilt lagen, tief im Schnee versinken. Am Waldesrand sah Keira die dunklen Tannenbäume, die so majestätisch in ihrer natürlichen Umgebung von tiefem, tiefem Schnee standen. Milo griff nach Keiras Hand. Sie sah zu ihm hinüber und sein Gesicht war genauso atemberaubend wunderschön wie die Umgebung, von der sie ihre Augen soeben abgewandt hatte. Sie fühlte, wie seine warmen Finger ihre drückten. „Ich hätte niemals gedacht, dass ich mich so schnell in jemanden verlieben könnte“, sagte er mit seiner gewöhnlichen offenen Art. „Ehrlich gesagt, dachte ich immer, dass Liebe auf den ersten Blick nur ein Mythos sei; dass die Leute Liebe und Lust verwechselten.“ Keira errötete. Sie hatte das mit Sicherheit auch schon getan. Aber sie hatte außerdem auf ihrer Reise der Selbstfindung akzeptiert, dass „Lust auf den ersten Blick“ eine genauso echte Erfahrung sein konnte wie ihre Cousine, die Liebe. Nicht jede Beziehung sollte für immer sein, aber das war noch lange kein Grund, den Möglichkeiten, die einem das Leben präsentierte, den Rücken zuzukehren. „Du hast mich eines Besseren belehrt“, vor Milo fort. „Es ist real. Und es ist mir passiert.“ Sie lächelte ihm zärtlich zu und nickte zustimmend. Es sollte nicht bedeuten, dass er ihre Meinung über das Sich-Verlieben geändert hatte – sie wusste sehr genau, dass sie sich in der Vergangenheit sehr leicht verliebt hatte – aber in Zustimmung dessen, dass es die Liebe auf den ersten Blick wirklich gab. Dieser Gedanke erinnerte sie plötzlich daran, dass, obwohl sie in diesem Moment fühlte, dass Milo der Richtige war, sie die Erfahrung gelehrt hatte, dass es auch ganz einfach falsch sein könnte. Und dieser Gedanke führte sie zu einem Weiteren. Zum ersten Mal freute sich Keira sogar darauf, nach Hause zu fahren, zu ihrer eigenen kleinen neuen Wohnung. So sehr sie es geliebt hatte, in Schweden und mit Milo zusammen zu sein, wusste sie doch, dass dieser Moment in ihrem Leben zu Ende gehen musste. In dem Augenblick bemerkte Keira, dass Milo sie erwartungsvoll ansah. Sie war zu lange still gewesen. Er hatte ihr seine Liebe gestanden und alles was sie getan hatte, war zu nicken! „Woran denkst du?“, fragte er mit einem niedergeschlagenen Ausdruck. „Um ehrlich zu sein, denke ich an morgen“, gab sie zu. „Daran, dass ich abreisen werde.“ Er atmete tief aus. „Das dachte ich mir schon.“ Sie drückte seine Hand, die noch immer ihre festhielt. „Es tut mir leid, wenn dich das enttäuscht.“ „Nein“, sagte Milo schnell und sah ihr tief in die Augen. „Ich würde niemals wollen, dass du dich schuldig fühlst, dafür, dass du abreist oder dafür, dass du es willst. Ich weiß selber, dass es enden muss. Es ist nur eine so magische Erfahrung gewesen. Du hast mich so viel über die Liebe und über mich selbst gelehrt.“ Keira lehnte sich vor und küsste ihn zärtlich. „Ich fühle genauso.“ KAPITEL ZWEI Am nächsten Morgen wurde Keira von einem schrillen, unerwünschten Alarm geweckt. Im Versuch ihn zu ignorieren, zog sie ihr Kissen über den Kopf, konnte aber schon bald fühlen, wie Milo sanft ihren Ellenbogen anstupste. Sie zog das Kissen langsam von ihrem Gesicht und schaute darunter hervor. Es war noch nicht einmal richtig hell. Milo lächelte zu ihr hinunter, aber sie konnte auch Sorgen in seinen Augen sehen. „Es ist an der Zeit“, sagte er. Keira resignierte stöhnend, zog das Kissen nun vollständig von ihrem Gesicht und setzte sich auf. Sie sah, dass Milo bereits angezogen war. Neben ihr auf dem Nachttisch stand ein Tablett mit Kaffee und Frühstück. „Hast du das für mich gemacht?“, fragte sie bewegt. „Ich wollte nicht, dass du hungrig ins Flugzeug steigst“, sagte er mit einem schüchternen Schulterzucken. Keira lehnte sich vor und strich ihm sanft über die stoppelige Wange. Sie küsste ihn zärtlich. „Vielen Dank“, sagte sie mit tiefer Hingebung. Der Anflug von Trauer, den sie seit gestern gefühlt hatte, war wieder da. Die Emotionen schnürten ihr die Kehle zu, als ihr wirklich klar wurde, dass heute alles für sie beide enden würde. Sie schob schnell die Bettdecke zur Seite und versuchte nicht vor Milo zusammenzubrechen. Sie wirbelte im Zimmer herum, um ihre auf dem Fußboden verstreuten Kleidungsstücke einzusammeln. „Keira“, sagte Milo mit seiner freundlichen, vorsichtigen Stimme. „Was?“, antwortete sie, ohne ihn anzusehen und versuchte dabei ihre Stimme ruhig zu halten. „Dein Frühstück.“ Keira griff ihre Waschtasche vom Schrank und warf sie schnell in ihren Koffer. „Ich muss packen.“ „Es gibt keinen Grund zur Eile“, sagte er. Seine Stimme war ruhig wie immer, was das genaue Gegenteil von dem war, wie Keira sich fühlte. „Wir haben genug Zeit uns hinzusetzen und einen Kaffee zu trinken.“ „Ich möchte das hier lieber zuerst machen“, antwortete Keira und hörte, wie ihre Stimme kippte. Hinter sich hörte sie, dass Milo aufstand. Er kam zu ihr hinüber und griff nach ihren Schultern. Sie zuckte zusammen, ängstlich, in ihrem emotional verletzbaren Zustand nicht in der Lage zu sein, mit seiner Liebe umzugehen. Aber es war zu spät. Nur das Gefühl, ihn hinter sich zu spüren, ließ ihre Fassade bröckeln. Die Tränen begannen aus ihren Augen zu fließen. Sie drehte sich um und fiel in Milos Umarmung. Sie standen für eine lange Zeit so da und Keira ließ den aufgestauten Emotionen endlich freien Lauf. Zu ihrer Überraschung fühlte sie, dass, wenn sie sich selbst erlaubte, verletzbar zu sein und die Tränen laufen zu lassen, dies ihre Macht über sie bereits schmälerte. Sie riss sich zusammen, viel schneller als sie es normalerweise könnte und fühlte sich bereits wesentlich besser. „Kaffee?“, fragte sie und löste sich aus Milos Umarmung. Er nickte und sie saßen zusammen auf seinem Bett und tranken gemeinsam einen letzten Kaffee. Die Tränen auf Keiras Wangen waren getrocknet. „Ich freue mich nicht darauf, deiner Familie auf Wiedersehen sagen zu müssen“, gab sie zwischen den Schlucken zu. „Ich meine, ihr alle fühlt euch jetzt wie meine Familie an. Ich werde eine heulende Idiotin sein.“ Milos Lippen zuckten. „Es wird schon gehen. Es ist ja nicht für immer. Oder zumindest muss es das nicht sein.“ Keira blieb stumm und wälzte viele Gedanken. Sie war sich noch nicht sicher, was sie wollte und wie ihre Geschichte weitergehen würde. Ob es überhaupt eine Geschichte für sie beide geben würde. Milo musste ihr Zögern bemerkt haben. „Aber wir müssen nicht jetzt darüber reden“, sagte er und sein Blick schweifte ab. Nachdem sie ihr Frühstück und den Kaffee beendet hatte, ging Keira ins Bad, um sich zu waschen und sich für den langen Flug, der vor ihr lag, entsprechend zu kleiden. Normalerweise graute ihr vorm Reisen, aber sie hatte sich so sehr daran gewöhnt, dass es ihr fast nichts mehr ausmachte. Wie schnell sie sich an ihren neuen Jetsetter-Lebensstil gewöhnt hatte. Sie dachte mit einem Funken der Aufregung daran, dass in New York City eine neue Wohnung auf sie wartete; ihr erster richtiger Schritt in Richtung vollständiger Unabhängigkeit. Als ihre Taschen vollständig gepackt waren, gingen sie und Milo die Treppen hinunter. Die Familienmitglieder hatten sich in der Küche versammelt und waren alle selbst mitten beim Frühstück. Keira wusste, dass sie extra den Aufwand betrieben hatten, früher aufzustehen, nur um sich von ihr zu verabschieden und war gerührt von der Geste. Regina war die Erste, die aufstand. Sie kam zu ihr hinüber und umarmte Keira fest, wobei ihr sonst so ernsthafter Ausdruck wesentlich weicher wirkte. „Ich werde es vermissen, noch eine Frau hier im Haus zu haben“, sagte sie. „Es war schön, für eine Woche eine Schwester zu haben.“ „Ich bin nur einen Telefonanruf entfernt“, erinnerte Keira sie. Nils nahm jetzt Reginas Platz ein und stand mit seinen fast zwei Metern Größe direkt vor Keira. Er klopfte ihr fest auf die Schulter. „Du bist hier jederzeit herzlich willkommen“, sagte er. „Wirklich jederzeit.“ „Vielen Dank“, antwortete Keira. Dann zog er sie in eine unbeholfene Halbumarmung. Keira fühlte sich in seinen großen Armen wie ein Kind. Sie löste sich aus der Umarmung und wandte ihre Aufmerksamkeit Yolanta zu. Während ihres Aufenthaltes war ihr Milos Mutter am meisten ans Herz gewachsen und von den Dreien würde es ihr am schwersten fallen, sich von ihr zu verabschieden. Yolanta nahm Keiras Gesicht in einer sehr mütterlichen Geste zwischen ihre Hände. „Wunderschönes, talentiertes Mädchen“, sagte sie. „Du kommst wieder, um uns zu besuchen, nicht wahr?“ Keira errötete. „Das werde ich.“ Yolanta nickte zufrieden und die zwei umarmten sich fest. „Wir sollten lieber losgehen“, sagte Milo, der hinter ihnen stand. Keira löste sich aus Yolantas Armen und sah ihn über ihre Schulter hinweg an, wie er dort an der Tür mit all ihrem Gepäck zu seinen Füßen dastand. Sie sah zurück zur Familie. „Ich vermute, es ist soweit“, sagte sie mit einem schweren Seufzen. „Ich werde euch vermissen. Vielen Dank für eure Gastfreundlichkeit. Es war das beste Weihnachtsfest, das ich je hatte. Ich werde diese Erinnerungen für immer in meinem Herzen tragen.“ „Es war uns eine Freude, dich hier zu haben“, sagte Nils. „Komm wieder, wann immer du willst“, fügte Regina hinzu. „Wir werden dich schon bald wieder sehen“, sagte Yolanta mit Betonung auf bald. Keira nickte. Sie drehte sich von ihnen weg, ging zu Milo hinüber und griff nach einer ihrer Taschen. Milo öffnete die Tür und ein kalter Stoß schwedischer Winterluft blies hinein und ließ sie erschauern. Milo ging hinaus in den kalten Wintertag und lief in Richtung Auto. Keira schluckte den Kloß in ihrem Hals hinunter, als sie der Familie hinter sich ein letztes Mal winkte. „Auf Wiedersehen!“, sagten alle gleichzeitig. Dann folgte Keira Milo und schloss sanft die Tür hinter sich. Sie lief den verschneiten Pfad im Garten entlang und genoss noch einmal die Aussicht auf die Berge. Keira versuchte, den Anblick in ihrer Erinnerung einzubrennen. Sie wollte diese Aussicht niemals vergessen, diesen Ort und diese Familie. Jedes Detail sollte sicher in ihren Gedanken gespeichert wurde. Sie hob ihre Tasche in den Kofferraum und stieg auf der Beifahrerseite in Milos kleines Auto ein. Er startete den Wagen. „Fertig?“, fragte er. „Fertig“, antwortete sie mit einem endgültigen Nicken. Als er losfuhr, sah sie noch einmal über ihre Schulter zurück und machte ein letztes geistiges Foto. Gerade als das Haus aus ihrer Sicht verschwand, hörte Keira, wie ihr Handy piepste. Sie angelte es aus ihrer Tasche und sah, dass sie eine Textnachricht von Elliot erhalten hatte. Sie runzelte die Stirn. Es sah Elliot gar nicht ähnlich, eine SMS zu schreiben. Normalerweise hielt er die Dinge zwischen ihnen eher förmlich. Sie öffnete die Nachricht und las. Fröhliche Weihnachten, Keira! Ich hoffe, du hattest dein Happy End … Sie lächelte, berührt davon, dass Elliott ihr eine persönliche Nachricht schrieb. Aber dann las sie den Rest: Nur eine Erinnerung, dass morgen der Abgabetermin für deinen Artikel ist. Du hattest bereits eine Verlängerung, dies ist also endgültig. Sie stöhnte. Elliott wusste, wann ihr Flugzeug heute losfliegen würde und hatte trotzdem gewählt, sie jetzt zu kontaktieren, auf die direkteste und persönlichste Art und Weise, anstatt ihr, wie sonst, eine E-Mail zu schicken. Er versuchte, das wenige bisschen Zeit, das sie mit Milo noch hatte, von ihr zu nehmen. Sie schaltete ihr Handy aus und warf es zurück in ihre Tasche. „Ist alles in Ordnung?“, fragte Milo. „Ja“, sagte Keira mit einem schnellen Lächeln. Aber in Wirklichkeit fühlte sie sich, als hätte die Realität sie mit einem plötzlichen Blitz wieder eingeholt. Ihre Fantasiereise war vorbei. Es war an der Zeit, in die reale Welt zurückzukehren. * Keira und Milo standen Hand in Hand nebeneinander am Ausgang zum Flugsteig für ihren Flug. Die Flugnummer begann im selben Moment auf dem Bildschirm zu blinken, als eine Stimme über den Lautsprecher ertönte: „Dies ist der Aufruf zum Boarding für Swedish Air 145 von Stockholm nach New York. Wir möchten alle Passagiere bitten, sich zum Ausgang zu begeben.“ Keira drehte sich zu Milo. „Das bin ich“, sagte sie. Er nickte. Sein Gesichtsausdruck war griesgrämiger als je zuvor, als er sich vorbeugte, um sie auf die Stirn zu küssen. „Viel Glück bei allem, Keira“, sagte er. „Das klingt so endgültig“, antwortete sie murmelnd. „Entschuldige“, antwortete Milo. „Ich habe schon den ganzen Morgen das Gefühl von dir bekommen, dass es, sobald du abreist, zwischen uns vorbei sein wird.“ Keira zog ihre Augenbrauen hoch. Es erschien etwas ungewöhnlich für den sonst so geradeheraus sprechenden Milo, sich von seinem Gefühl leiten zu lassen. Aber er hatte nicht Unrecht. Sie seufzte. „Es ist einfach nicht praktisch“, sagte sie. „Das weißt du, oder? Du willst nicht fliegen oder Schweden verlassen und ich möchte nicht aus New York wegziehen. Das ist einfach, wie es ist. Es ist nicht meine Absicht, so kalt zu sein.“ „Nein, es ist in Ordnung“, sagte Milo mit einem Nicken. „Du weißt, wie sehr ich Ehrlichkeit schätze. Es ist einfach nur schade. Wir hatten so viel Spaß zusammen.“ „Es soll ja nicht so klingen, als würden wir nie wieder miteinander sprechen“, sagte Keira und schenkte ihm ein halbes Lächeln. „Wir können noch immer Freunde sein.“ Milos besorgte Miene erhellte sich ein bisschen. „Okay. Ja. Das würde ich gern.“ „Gut“, antwortete Keira mit einem erleichterten Seufzen. Sie konnte den Gedanken, dass er komplett aus ihrem Leben verschwinden würde, einfach nicht ertragen, obwohl sie sehr wohl verstand, dass sie sich romantisch gesehen voneinander lösen mussten. Einladend öffnete Keira ihre Arme für eine Umarmung und Milo nahm sie an. Sie hielten einander für eine lange Zeit fest. Erst als die Stimme zum zweiten Mal aus dem Lautsprecher erklang, die die Passagiere bat, das Flugzeug zu besteigen, lösten sie sich wieder voneinander. „Ich gehe jetzt besser“, sagte Keira. Sie sah ihm tief in die Augen. „Auf Wiedersehen, Milo.“ Er hielt ihre Hand fest, in einem Versuch die Zeit noch hinauszuzögern. „Ich weiß, das ist vielleicht etwas Seltsames zu sagen … aber, ich danke dir. Ich bin sehr glücklich, dich getroffen zu haben.“ Keira lächelte. „Es geht mir genauso.“ „Auf Wiedersehen, Keira.“ Als ihre Hand sich von Milos löste, drehte Keira sich weg und ging los. Als sie den Flugsteig erreichte und dem Mann dort ihre Bordkarte und ihren Pass reichte, sah sie ein letztes Mal zurück. Milo stand noch immer dort, wo sie ihn soeben zurückgelassen hatte. Sie winkte mit einem Anfall von Trauer in der Brust. Er winkte zurück. „Bitte schön, Fräulein Swanson“, sagte der Mann und gab ihr ihre Dokumente zurück. „Danke schön“, sagte sie und nahm sie entgegen. Sie drehte sich nicht noch einmal um. * Keira begab sich zu ihrem Sitzplatz im Flugzeug. Obwohl sie ein bisschen traurig über das Ende der Dinge zwischen ihr und Milo war, fühlte sie sich ebenso energiegeladen. Ihre ganze Erfahrung in Schweden hatte sich wie eine Vorbereitung auf ihre neu gefundene Unabhängigkeit angefüllt. Sie sah sich um und betrachtete die anderen Leute im Flugzeug. Auf den Plätzen links neben ihr saß ein sich küssendes Pärchen, ein bisschen weiter vorn eine Familie mit Kindern, die herumsprangen, während die Eltern versuchten, sie zum Hinsetzen zu bewegen. Zum ersten Mal war Keira nicht neidisch. Stattdessen fühlte sie eine neue Freiheit und Trost in ihrer Unabhängigkeit. Ihr Leben war anders, als das all dieser anderen Leute und sie würde es nicht anders wollen. Mit einem ermutigten Gefühl zog Keira ihren Laptop aus ihrer Handgepäcktasche und begann an ihrem Artikel zu arbeiten. Sie wählte dieses Mal eine andere Herangehensweise, als sie es in ihren vergangenen Artikeln getan hatte und schrieb über die Freiheit des Ungebundenseins. Von nun an, wenn ich liebe, werde ich es auf die skandinavische Art tun. KAPITEL DREI Am nächsten Morgen erwachte Keira mit Rückenschmerzen. Sie blinzelte und sah sich desorientiert um. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie verstand, wo sie sich befand. Nicht in Milos oder ihrem eigenen Zimmer bei ihrer Mutter, sondern in ihrer ganz neuen eigenen Wohnung. Leider war das Einzige, was sich gegenwärtig darin befand, eine Matratze. Noch nicht einmal ein Bettgestell, deshalb auch die Rückenschmerzen. Keira schaffte es, sich aus dem Bett zu hieven. Die einzigen Kleidungsstücke in ihrem neuen Apartment waren die in ihrem Koffer. Glücklicherweise hatte Yolanta darauf bestanden, während der Weihnachtsferien alle ihre Sachen zu waschen, sodass sie jetzt wenigstens saubere Kleidung hatte, die sie tragen konnte. Sie wählte das arbeitstechnisch passendste Outfit aus ihrer Auswahl von Wollröcken und bequemen Jeans und ging dann hinaus auf die Straßen von New York City. Sobald ihre Füße den Gehweg berührten, überkam sie ein Gefühl von Heimat. Sogar der Geruch der Luftverschmutzung beruhigte sie, obwohl es ein völliger Kontrast zu der klaren, sauberen Bergluft war, die sie in Schweden geatmet hatte. Sie ging zu einem Kaffeewagen an der Straßenseite und reihte sich in die Schlange verschlafen aussehender Arbeiter ein, die alle auf ihre Telefone starrten. „Ich nehme einen doppelten Espresso“, sagte sie zu dem Mann, als sie endlich an der Reihe war. Dann hielt sie inne. Sie hatte wochenlang den extra starken schwedischen Kaffee getrunken. Vielleicht war es an der Zeit für eine Veränderung. „Moment, kann ich bitte doch lieber einen Karamell Latte mit Sahne haben?“ Der Mann schenkte ihr einen müden, unbeeindruckten Blick und Keira grinste. „Ich bin gerade aus dem Urlaub zurück. Ich möchte, dass mein Kaffee wie zu Hause schmeckt.“ „Gut für dich“, sagte er in einer trockenen, unbewegten Stimme. Als sie auf ihren Kaffee wartete, bewegten sich die Leute, die auf der anderen Seite des Wagens Zucker zu ihrem Kaffee hinzufügten, etwas zur Seite. Zum ersten Mal bemerkte Keira, dass es dort einen Stand mit Zeitungen und Magazinen gab und mitten drin, lag die letzte Ausgabe von Viatorum. Genau wie Nina es erklärt hatte, war das Titelbild geändert worden und es zeigte jetzt eine der originalen Aufnahmen des Models, die sie von Anfang an geplant hatten zu benutzen. Es war eine Erleichterung zu wissen, dass man ihr zugehört hatte, aber sie fühlte einen Anflug der Angst, weil sie wusste, dass sie heute ihren schwedischen Artikel abgeben würde. Sie hatte keinerlei Ahnung, wie Elliot auf das Ende reagieren würde. Nachdem Keira ihren Kaffee ausgetrunken hatte, begab sie sich in Richtung U-Bahn. Glücklicherweise war ihre neue Wohnung vom Büro aus gut erreichbar und es war keine lange Fahrt. So dicht an dicht mit so vielen Menschen zusammengepresst zu sein, sorgte sie daher nicht so sehr, als wenn sie von der Wohnung ihrer Mutter aus fahren musste. Sie schaffte es zur anderen Seite und lief die kurze Distanz zum Viatorum Hauptsitz. Gerade als sie das Bürogebäude sah, hörte Keira, wie ihr Telefon mit einer SMS-Nachricht piepste. Sie sah nach und die Nachricht war von Bryn. Kannst du heute zum Abendessen zu Mom kommen? Felix und ich möchten ein paar Neuigkeiten teilen. Keiras Mund öffnete sich, als ihre Gedanken sofort zum Thema Heirat schweiften. Ihre Schwester würde doch sicherlich nicht so schnell diesen Schritt mit Felix gehen? Sie waren doch buchstäblich gerade eben erst zusammengezogen! Keira tippte schnell ihre Antwort, die lautete, sie würde da sein. Dann steckte sie ihr Telefon weg – gemeinsam mit all den Gedanken, welches wohl Bryns Neuigkeiten sein könnten – und begab sich ins Büro. Es war bereits sehr geschäftig darin. Seitdem Lance begonnen hatte, haufenweise neue Studenten und Praktikanten einzustellen – etwas, dass Elliott nicht sonderlich gefiel – war das Büro zunehmend geschäftiger geworden. Aber weil es sich in einem großen, offenen, umgebauten Lagerhaus befand, wurde der Geräuschpegel noch zehnfach verstärkt. „Hallo Keira“, rief jemand und sie sah hinüber zu Meredith, die ihr zuwinkte. Keira hatte Merediths Versuch, ihr heimlich ihren letzten Auftrag zu stehlen noch nicht vergessen, also begrüßte sie sie etwas eisig: „Guten Morgen.“ Sie suchte zwischen den Gesichtern nach jemandem, den sie kannte und sah Nina. Aber noch bevor sie die Chance hatte zu ihrer alten Freundin hinüberzugehen, stürmte Elliot aus seinem Büro. Er trug einen leuchtend roten Anzug und seine Stirn lag in tiefen Falten. „Endlich!“, brüllte er, lief schnurstracks auf Keira zu und zog sie an ihrem Ellenbogen. Das gesamte Büro drehte die Köpfe, um zu sehen, wie Keira von Elliot in sein Büro geschoben wurde. Ihre Wangen brannten so rot wie sein Anzug. „Endlich was?“, fragte Keira aus ihrem Mundwinkel, als er sie halb durch den Türrahmen zog. „Endlich bist du hier!“, rief Elliot. Sie kamen zu seinem Büro und er knallte die Tür hinter ihnen zu. „Was ist mit der Regel, die Türen offenzulassen?“, stichelte Keira. Es war eine von vielen lockeren Regelungen, die Lance eingeführt hatte, als er das Magazin gekauft hatte. „Vertraue mir, du wirst froh sein, dass die Tür zu ist“, schimpfte Elliot. „Bin ich in irgendwelchen Schwierigkeiten?“, fragte Keira und verschränkte ihre Arme. Sie genoss es wirklich nicht, so durchs Büro geschoben zu werden und sie konnte den Ton in dem Elliot mit ihr sprach definitiv nicht leiden. Er drehte sich ihr mit verschränkten Armen zu. „Ich habe dir doch gesagt, der Abgabetermin ist endgültig. Und trotzdem gehst du zu weit. Versuchst du mir eine Lungenembolie zu verpassen?“ „Ich gehe zu weit? Was meinst du denn damit?“, antwortete Keira verwirrt. „Du hast mir bis heute Zeit gegeben. Und es sei denn, ich täusche mich hier irgendwie, ist heute heute!“ Elliots Grimasse verzog sich sogar noch mehr. „Bitte werde nicht frech, Keira. Du weißt ganz genau, dass die Drucker den Artikel spätestens um neun Uhr haben müssen. Und es ist viertel vor neun.“ Keira schnappte nach Luft. Sie hatte nicht gewusst, dass Elliot mit endgültigem Abgabetermin meinte, dass es direkt in den Druck ging! Normalerweise würden ihre Artikel mindestens durch zwei Runden Nachbearbeitung von Nina gehen, bevor sie gedruckt wurden. „Es tut mir leid“, stammelte sie. „Ich habe es missverstanden.“ Elliots Augenbrauen waren zusammengezogen. Er wollte es nicht hören. Er streckte seine Hand mit der Handfläche nach oben zu ihr aus. „Gib mir den Artikel. Der sollte besser gut sein. Denn jetzt liegt alles an dir, Keira. Hundertprozentig nur deine Worte. Hundertprozentig deine Verantwortung.“ Sie schluckte, als das Gewicht davon einsank. Könnte sie wegen dieses Artikels gefeuert werden? Könnte dieser Artikel das Magazin ruinieren? Keira wühlte schnell in ihrer Tasche und zog den Ausdruck des Artikels heraus, gemeinsam mit dem USB-Stick, auf dem sie das Original gespeichert hatte. Elliot griff nach dem Ausdruck ihres Artikels und ließ sich in seinen Stuhl sinken. Keira sah ihm nervös zu, wie er ihre Worte las. Die Zeit schien sich ins Unendliche auszudehnen. Keira blickte über ihre Schulter und sah, dass die restlichen Leute im Büros zu ihr hinüberschauten, manche von ihnen mit zurückhaltenden Blicken von ihren Schreibtischen aus, andere gafften schamloser, wie sich alles entwickelte. Ihr Magen war aufgewühlt. In seinem Bürostuhl, ein Bein steif über das andere geschlagen, die Augenbrauen zusammengezogen, blätterte Elliot nun auf die letzte Seite. Dies war der Teil, den außer Keiras Augen, bisher noch niemand gesehen hatte, der Teil, an dem sie auf ihrem Rückflug von Schweden gearbeitet hatte. Elliots Augen flogen von links nach rechts. Keiras Unbehagen wuchs mehr und mehr und Elliots Kiefer wurde immer angespannter. Endlich blickte er mit geweiteten Nasenlöchern auf. „Was zum Teufel ist das!“ Keira schreckte hoch. Sie hätte sich keine schlimmere Sache vorstellen können, die er dazu sagen könnte. „Was stimmt damit nicht?“, fragte sie und versuchte in Gedanken, irgendwelche offensichtlichen Fehler zu finden. Hatte sie aus Versehen einen falschen Ländernamen benutzt: Schweiz, vielleicht, anstelle von Schweden? „Was damit nicht stimmt?“, wiederholte Elliot und wurde noch irritierter. „Was nicht stimmt, ist, dass du eine Romantik-Autorin bist, die kein verdammtes romantisches Ende schreiben kann! Julia hat Romeo nicht verlassen! Lizzy Bennet hat Mr. Darcy nicht am Flughafen zurückgelassen! Und Catherine hat es mit Heathcliff nicht einfach im Sande verlaufen lassen!“ „Man muss fairerweise sagen, dass keines dieser speziellen Beispiele besonders gesunde romanti –“ „Das ist mir egal!“, schnappte Elliot und unterbrach sie. „Ich weiß nicht, ob es dir aufgefallen ist, aber Romantik ist nicht unbedingt meine starke Seite. Aber sogar ich weiß, dass die zwei Hauptfiguren nicht einfach reif miteinander Schluss machen! Bei Shane gab es die ganze Geschichte mit dem toten Vater. Gold! Cristiano war der verschmähte Schürzenjäger! Zauberhaft! Aber Milo? Milo … was … driftet einfach davon?“ Keira musste hart schlucken. Sie konnte sich nicht wirklich selbst verteidigen. „Ich weiß nicht, was ich dir sagen soll. Es ist die Wahrheit und ich denke, meine Leser wissen das zu schätzen. Ich konnte nicht lügen, wie die Skandinavier ihre Beziehungen angehen oder darüber, was ich gelernt habe, als ich dort war.“ Elliot schüttelte den Artikel. „Du hast buchstäblich hier geschrieben, dass das, was du mit Milo hattest, nicht mit Worten beschrieben werden kann! Keira, dein ganzer Zweck ist es, über Beziehungen zu schreiben und du nennst es noch nicht einmal beim Namen!“ Er atmete tief durch und sein Kopf versank in seinen Händen. „Die Leser werden es hassen.“ „Ich stimme dir nicht zu“, antwortet Keira mutig. „Ich habe meine Leser überall auf der Welt getroffen. Sie wollen die Wahrheit. Sie respektieren meine Ehrlichkeit.“ Aber Elliot hört nicht zu. „Wir haben keine Zeit, es umzuschreiben. Wir sind zum Scheitern verurteilt.“ „Ich kenne meine Leser“, sagte Keira noch einmal intensiver. „Du wirst mir vertrauen müssen.“ Und als sie sah, dass Elliot noch immer vor sich hin murmelte und ihr keinerlei Beachtung schenkte, haute sie mit ihrer Faust auf den Tisch. Er zuckte erschrocken zusammen. „Vertraue mir“, sagte Keira noch einmal ernst durch ihre Zähne. „Ich weiß, was ich tue.“ Elliot starrte sie eine lange Zeit still an. Endlich sagte er etwas: „Hoffentlich hast du recht.“ KAPITEL VIER Später an diesem Abend klingelte Keira an der Wohnungstür ihrer Mutter. Einen Moment danach wurde die Tür geöffnet. Aber es war nicht Mallory, die dort stand. Sondern es war Bryn. „Ich bin VERLOBT!“, kreischte Bryn. Keira blinzelte, als ihre Schwester ihre linke Hand hochhielt und einen riesigen, glitzernden Diamantring vorzeigte. Ihr Grinsen war größer als je zuvor, als sie gespannt dort stand und darauf wartete, dass Keira etwas sagte. Aber Keira blinzelte immer noch. „Oh“, war alles, was sie hinkriegte. Bryns Gesichtsausdruck veränderte sich vom Hochgefühl zu Schmerz, als die Tür vollständig geöffnet wurde und Felix hinter ihr erschien. Er rollte mit seinen Augen. „Sie sollte das eigentlich beim Abendessen verkünden“, sagte er und lächelte Bryn mit einer liebevollen und gleichzeitig väterlich ernsthaften Art an. „Ich konnte einfach nicht abwarten“, antwortete Bryn und sah ihn mit ihren großen Kulleraugen an. Keira runzelte die Stirn. Felix wandte seine Aufmerksamkeit nun wieder Keira zu. „Willkommen zurück“, sagte er. „Komm rein und raus aus der Kälte.“ Keira trat ein. Aus der Küche konnte sie hören, wie Mallory rief: „Ist das Keira?“ „JA!“, rief Bryn laut über ihre Schulter, bevor sie sich sofort wieder ihrer Schwester zuwandte: „Also? Willst du gar nichts sagen?“, forderte sie testend. „Herzlichen Glückwunsch, zum Beispiel?“ „Natürlich“, sagte Keira, die sich aus ihrem verblüfften Tagtraum zurück in die Gegenwart holte. „Herzlichen Glückwunsch, für euch beide.“ Sie küsste sie nacheinander auf die Wangen. „Ich bin nur so geschockt. Es kommt so … plötzlich.“ Bryn kniff die Augen zusammen. „Sagt das Mädchen, das sich jeden Monat neu verliebt.“ „Sei nett“, warnte Felix sie. Er wandte sich an Keira und fügte hinzu: „Ich weiß, es sieht etwas überstürzt aus, aber ich werde ja nicht jünger.“ Das kannst du laut sagen, dachte Keira. In dem Moment kam Mallory mit einer großen Auflaufform aus der Küche. Ihre Haare waren ein wildes Durcheinander und sie sah genauso zerstreut aus wie immer. „Abendessen“, erklärte sie. „Setzt euch bitte alle hin.“ Keira legte schnell ihre Jacke ab und setzte sich an ihren Platz an den Tisch. Mallory schob einen Teller mit Nudeln mit Käsesauce, Salat und Knoblauchbrot in ihre Richtung. „Danke, Mom“, sagte Keira und nahm ihren Teller. „Und, hallo.“ „Ja, ja, hallo, mein Schatz“, antwortete Mallory und ihre Aufmerksamkeit galt bereits der nächsten Portion Essen, die sie für Felix auftat. „Große Neuigkeiten, hey? Ich hätte nie gedacht, dass deine Schwester zuerst heiraten würde.“ „MOM!“, riefen beide Swanson Schwestern gleichzeitig laut. „Nun, ihr könnt mich nicht beschuldigen“, antwortete Mallory und fuhr in ihrer normalen abrupten, taktlosen Art fort. „Keira war immer mehr der häusliche Typ und sie war ja auch lange genug mit Zach zusammen. Ich dachte, Bryn, dass du nicht heiraten wolltest, wegen der Dinge, die zwischen mir und eurem Vater passiert sind.“ „Oh, Mutter, bitte“, schnauzte Bryn und nahm den Teller, den Mallory ihr hinhielt. „Wir werden das Abendessen zu Ehren meiner Verlobung nicht zu einer Mitleidsparty für deine Scheidung machen.“ Mallory stieß ein erbärmliches Seufzen aus. „Ich denke, was Bryn sagen möchte“, sagte Felix in seiner ruhigen väterlichen Art, „ist, dass wir sehr glücklich sind, mit euch beiden zu feiern und dass wir hoffen, dass ihr unsere Freude und Aufregung mit uns teilen könnt.“ Keira konnte nicht anders, als ein Prusten des Spottes auszustoßen. Sie hatte nichts gegen Felix als Person, aber der Fakt, dass er mit ihrer Schwester ausging – nein, sie sogar heiratete – einem Mädchen, das nur halb so alt war wie er, minderte definitiv ihren Eindruck von ihm. Wenn man dann Bryns offensichtliche Vater-Probleme mit in den Mix warf, wurde Keira von der Sache noch schlechter. „Ja“, stimmte Bryn zu und wandte ihre Aufmerksamkeit an Keira: „Und ich habe gehofft, dass du meine erste Brautjungfer wirst.“ Keira erstickte fast an ihrer Gurke. „Wirklich?“ „Wen würde ich sonst fragen?“, antwortete Bryn. Keira war ehrlich gerührt, dass ihre Schwester sie als ihre erste Brautjungfer haben wollte. Sie entschied sich, ihre eigene Meinung beiseite zu legen und sich für Bryn zu freuen. Es war schließlich ihr Leben. Wenn Sie es wirklich mit einem über sechzigjährigem Vater-Ersatz verbringen wollte, dann ging es wirklich nur sie selbst etwas an. „Das würde ich liebend gern tun“, sagte Keira zu ihr. „Vielen Dank.“ Bryn lächelte, offensichtlich glücklich, dass Keira akzeptiert hatte. Dann schaltete sie sofort in ihren herumkommandierenden Modus um: „Also, du musst deiner Arbeit sagen, dass du vorläufig für keine weiteren Aufträge reisen kannst. Du kannst nicht alle fünf Minuten das Land verlassen. Ich brauche meine erste Brautjungfer zum Anprobieren von Kleidern, zum Kuchen testen und Veranstaltungsort buchen. Ich werde nicht zulassen, dass du meine Hochzeit ruinierst.“ Sie zwinkerte, aber Keira wusste, dass es nur ein halber Witz war. „Wo wir gerade von Aufträgen sprechen“, sagte Mallory, „wie war deine letzte Reise? Dein schwedisches Weihnachtsfest?“ Keira bemerkte einen Anflug von Unzufriedenheit in der Stimme ihrer Mutter. Die Tatsache, dass Keira das Weihnachtsfest im Ausland verbracht hatte, musste ihr mehr ausgemacht haben, als sie zugeben wollte. „Es war wirklich großartig“, erzählte ihr Keira. „Ich hatte eine fantastische Zeit.“ „Nun, dann muss er wohl der Richtige sein, wenn er dich an Weihnachten von deiner armen Mutter fernhalten kann“, sagte Mallory mit ihrer wehleidigen Stimme. Keira stocherte mit ihrer Gabel in ihrem Essen herum. „Ehrlich gesagt … haben wir Schluss gemacht.“ „Was?“, rief Mallory überrascht. „Aber ich dachte … ,aber du warst …“ Endlich legte sie ihre Gabel hin. Sie stieß dabei gegen das Porzellan. „Oh, großer Gott, Keira. Wann wirst du mit all dieser Dummheit endlich aufhören?“ „Entschuldige bitte?“, fragte Keira überrascht. „Ich möchte nur, dass du endlich jemanden findest“, antwortete Mallory. „Du triffst andauernd diese fantastischen Männer, aber es ist niemals wirklich richtig. Niemals gut genug. Wann wirst du dich endlich niederlassen? Das ist doch, was alle tun.“ Keira schüttelte ihren Kopf. Ihre geschiedene Mutter war wirklich nicht die beste Person, von der sie Rat für Beziehungen annehmen sollte. Aber Mallorys kleine Tirade war noch nicht vorbei. Sie wandte sich an Felix. „Hast du irgendwelche Single-Freunde für meine Tochter?“, fragte sie. „Jetzt, da es so gut bei euch Beiden geklappt hat.“ „MOM!“ heulte Keira und spuckte fast einen Mund voll Essen aus. „Mein Trauzeuge ist alleinstehend“, sagte Felix und seine Augen glitzerten frech. „Wir sind Freunde seit der Oberschule.“ Es war Keira klar, dass er sie nur aufziehen wollte und nur zum Spaß auf Mallorys Vorschlag einging, aber sie konnte nicht anders, als eine gewisse Abscheu bei dem Gedanken zu fühlen. „Seit der Oberschule?“, wiederholte sie. „Also für die letzten einhundert Jahre, mehr oder weniger?“ Felix nahm die Spöttelei leichten Herzens hin und kicherte ein bisschen. Von der anderen Seite des Tisches blitzte Bryns Handy. Keira sah zu ihr hinüber. „Hast du gerade ein Foto von mir gemacht?“, wollte sie wissen. „Du siehst gut aus“, antwortete Bryn und zuckte mit den Schultern. „Ich dachte, ich könnte es zu Nathan schicken, Felix Trauzeuge.“ „Wage es ja nicht!“, schrie Keira und sprang vom Tisch auf, um Bryns Handy zu greifen. Aber ihre Schwester schützte es mit ihrem Körper und ließ Keira wild um sich schlagen. „Ich gehe auf keine Verabredung mit einem Opa!“ Der leichtfertige Moment endete mit Keiras Worten. Bryn räusperte sich und sah unbeeindruckt aus. „Ich habe nur Spaß gemacht.“ Mallory rutschte verlegen auf ihrem Sitz hin und her. An der anderen Seite des Tisches konnte Felix den Ausdruck der Beleidigung auf seinem Gesicht nicht verbergen. „Es tut mir leid“, sagte Keira und sank zurück auf ihren Stuhl. „Das ging zu weit. Das habe ich nicht gemeint. Ich bin im Moment nur ein bisschen empfindlich, wenn es darum geht, dass Leute mir mein Liebesleben diktieren wollen.“ Sie dachte an Elliot und seine offenkundige Missbilligung darüber, wie sie die Dinge mit Milo beendet hatte und nicht zuletzt an Mallorys bizarren Ausbruch ein paar Minuten zuvor. Es machte sie traurig, dass ihre eigene Mutter so besorgt darüber war, dass sie sich niederließ und dass Elliot so überzeugt davon schien, dass ihre Leser es hassen würden, wie sie die Dinge mit Milo im Sand verlaufen ließ. Sie war so selbstsicher und so selbstbewusst in ihren Handlungen gewesen, aber die Meinungen all derer um sie herum, begannen sie langsam zum Wanken zu bringen. Sie erinnerte sich daran, dass jede Beziehung anders war und dass jedermanns Reise der Liebe anders aussah. Am Tisch herrschte eine lange unangenehme Stille und alle stocherten finster in ihrem Essen herum. „Wie ist die Wohnung?“, fragte Bryn endlich. Keira war dankbar für die Rettungsleine, die ihre Schwester ihr zuwarf. „Beflügelnd“, antwortete sie. „Ehrlich gesagt, leer, wäre eine akkuratere Beschreibung. Ich habe es nur geschafft, eine Matratze anliefern zu lassen, während ich weg war. Der Rest meiner Kisten und Sachen ist noch hier.“ „Brauchst du Möbel?“, fragte Bryn. „Ich bin jetzt eine Expertin beim Möbel kaufen und würde dir gerne helfen.“ „Das würdest du tun?“, fragte Keira, froh, dass ihre Schwester nicht nachtragend war. Sie ließ sie ziemlich ungeschoren davonkommen und Keira fragte sich, ob sie wohl in der Zukunft noch eine Standpauke erwarten würde. „Das wäre wirklich schön.“ „Cool. Lass uns morgen nach der Arbeit in ein Geschäft gehen“, sagte Bryn. Keira nickte. „Danke dir, Schwesterherz.“ „Kein Problem“, antwortete Bryn, „und keine Sorge, mein Geschmack ist sehr modern. Sehr jung. Nicht altmodisch. Nicht veraltet. Nichts annähernd Großväterliches an meinem Geschmack.“ Keira zog ihre Wangen ein und atmete tief durch. Natürlich. Das war Bryn. Sie würde Keira nicht einfach so mit dem Opa-Kommentar davonkommen lassen. KAPITEL FÜNF Anstatt von ihrem Wecker wurde Keira am nächsten Morgen von ihrem Handy geweckt, das unaufhörlich klingelte und sie aus ihrem Schlummer riss. Sie drehte sich auf der Matratze um und griff nach ihrem Telefon, welches auf dem Fußboden neben ihr lag und ans Ladegerät angeschlossen war. Elliots Name blinkte vor ihr auf. Es war schon wieder ein persönlicher Anruf, nicht von der Viatorum Büroleitung, sondern von seiner privaten Nummer. Keira stöhnte, als sie sah, dass es noch nicht einmal sechs Uhr morgens war. Sie war daran gewöhnt früh zu arbeiten, insbesondere wenn sie unterwegs auf Reisen war, aber Elliot schien die professionellen Grenzen mehr und mehr zu überschreiten. Keira drückte den grünen Knopf. „Warst du heute schon online?“, fragte Elliot sofort, bevor Keira überhaupt eine Chance hatte zu sprechen. „Ich habe noch nicht einmal meine Vorhänge geöffnet“, antwortete Keira trocken, „also, nein, noch nicht. Warum?“ Elliots Stimme klang laut durch die Leitung, schnell und irgendwie manisch. „Es ist dein Artikel, Keira. Die online Version ist um Mitternacht live gegangen. Es ist ein Hit! Was sagen die Leute heutzutage … Es ist wie ein Lauffeuer!“ Keira setzte sich in ihrem Bett auf. Sie war jetzt hellwach. „Wirklich?“ „Ich hätte dich niemals anzweifeln sollen“, fuhr Elliot fort. „Du kennst deine Leser wirklich. Ich vermute die heterosexuelle, weibliche, fünfundzwanzig-plus Demografie ist heutzutage nicht mehr so geradeheraus, wie es einmal war.“ Keira musste sich zurückhalten, nicht zu sagen: „Das habe ich dir doch gleich gesagt“. Aber selbst wenn sie es gewollt hätte, sie hätte keine Chance gehabt; Elliot sprach immer noch rasend schnell. „Ich möchte, dass du zusagst, einige extra Stunden zu arbeiten. Wir haben einen wirklich anspruchsvollen Zeitplan. Keine Sorge. Ich werde dich großzügig dafür belohnen. Wir können über eine Gehaltserhöhung sprechen, wenn sich die Dinge ein bisschen gelegt haben, aber für den Moment reiten wir erst einmal die Welle, in Ordnung?“ „Welche Welle?“, fragte Keira mit gerunzelter Stirn. „Die Medien haben deinen Artikel aufgegriffen. Sie lieben den Romantik-Guru. Alle wollen die echte Person hinter den Geschichten kennenlernen. Das Telefon hat nicht aufgehört zu klingeln. Talkshows wollen dich buchen, deshalb rufe ich dich auch von meiner privaten Nummer an; ich will die Büronummer nicht blockieren.“ Keira schüttelte ihren Kopf und rieb sich mit den Händen über die Augen. „Meinst du das ernst?“, fragte sie. Wie immer war ihr erster Instinkt Angst. Wenn Elliot Chancen und Möglichkeiten sah, sah sie Scheinwerfer und Prüfstand. „Wenn es um Viatorum geht, mache ich keine Witze“, antwortete Elliot. „Kannst du bitte so schnell wie möglich ins Büro kommen? Wir haben so viel zu tun. Heather organisiert gerade die Pressetour.“ Keira war sprachlos. Es sah nicht so aus, als hätte sie sehr viel Wahl in dieser Angelegenheit und vielleicht war das auch gut so. Wenn ihr Instinkt ihr sagte wegzurennen, dann musste sie dies wirklich bekämpfen. Es gab keinen besseren Weg, ihre Unabhängigkeit zu erreichen, als allein vor der Welt zu stehen und ihre Geschichte zu erzählen! Außerdem, sollte sie jemals von der Firma weggehen und es allein versuchen wollen, würde sie wesentlich erfolgreicher sein, wenn sie bereits eine große Fangemeinschaft und einen größeren Bekanntheitsgrad hatte, als würde sie einfach kündigen. Und außerdem, dachte Keira ein wenig gerissen, konnte sie dies als Druckmittel benutzen, um in der Zukunft ihre Gehaltserhöhung durchzusetzen. „Ich bin gleich auf dem Weg“, sagte sie zu Elliot. Sie legte auf, sprang von ihrer Matratze auf und eilte hinüber zu ihrem Koffer, der noch immer alle ihre Sachen beinhaltete. Ohne Schubfächer oder einen Schrank, in den sie irgendetwas hineinlegen konnte, wollte Keira gestern Abend nichts ihrer Dinge von Mallory mitnehmen, sondern hatte sich entschieden, dass dies bis nach ihrer Einkaufstour mit Bryn warten konnte. Jetzt bedauerte sie es ein bisschen. Sie hatte nichts wirklich Geschäftsmäßiges zum Anziehen. Selbst wenn sie nur in ihr normales Büro an ihren normalen Schreibtisch zu ihren normalen Kollegen gehen würde, wollte sie sich heute doch ein bisschen besser präsentieren als sonst. Vielleicht würde sie heute Abend mit Bryn nicht nur Möbel, sondern auch ein paar neue Outfits kaufen. Sobald sie angezogen war, eilte sie zur Tür. Als sie losging, begann ihr Telefon mit Textnachrichten von Freunden und Familie zu piepsen. Sie mussten alle gerade aufgestanden sein und bemerkt haben, dass sie auf allen sozialen Medien vertreten war. Wann bist du denn berühmt geworden?, kam eine SMS von Shelby. Schwester, du bist ein Star!!, schrieb Bryn. Gefolgt von: Stiehl mir lieber nicht die Show auf meiner eigenen Hochzeit!! Keira lächelte in sich hinein, als noch mehr Nachrichten ankamen. Das ist es also, was ich falsch gemacht habe? Ich hätte es auf die „skandinavische Art“ machen sollen?, schrieb Maxime. Skandinavische Liebe klingt großartig und alles, aber ich möchte irgendwann Enkelkinder haben, mein Schatz, es muss also irgendwann auch mal eine feste Bindung geben, schrieb Mallory. Keira rollte mit den Augen und lachte in sich hinein. Sogar Felix schrieb eine unterstützende Nachricht, obwohl Keira vermutete, dass er nicht einmal ein Profil in einem sozialen Netzwerk hatte und Bryn ihn gedrängt hatte, er solle dies tun. Sie lächelte, als sie aus ihrer Wohnung hinaus in Richtung U-Bahn eilte. „Hallo! Romantik-Guru!“, rief jemand. Sie drehte sich um und sah den Kaffeeverkäufer in seinem kleinen Wagen. „Ich habe deinen Kaffee für dich fertig! Karamell Latte mit Sahne!“ Er winkte ihr mit einem extra großen Kaffeebecher zu. Keira grinste und ging zu ihm hinüber. „Danke“, lachte sie und griff in ihre Tasche, um ihr Geld herauszuholen. „Der geht aufs Haus“, sagte er mit einem Augenzwinkern. „Erzähle einfach allen, dass du deinen Kaffee bei Bobby holst, in Ordnung?“ „Das werde ich“, sagte Keira und nahm den Kaffee. Wenn sie nur einen einzigen Vorteil aus dieser ganzen Berühmtheit haben würde, war kostenloser Kaffee nichts, worüber man sich beschweren könnte. Keira ging mit ihrem Kaffee in der Hand in Richtung U-Bahn. Endlich hatte sie die Möglichkeit, selbst auf ihrem Telefon nachzusehen, was alle über sie gelesen hatten. In allen ihren sozialen Netzwerken gab es positive Bemerkungen über ihren Artikel. Sie alle hatten tausende und tausende von Kommentaren darunter von Frauen, die von ihrer Geschichte inspiriert und ermutigt worden waren. Frauen, die dafür belächelt worden waren, ihre Verlobung zu beenden, manche, die ihren Partner wegen eines Jobs verloren hatten, wegen der Entfernung, wegen Unstimmigkeiten über Geld und Karriere. Sie hatte keine Ahnung, dass sich so viele Menschen wegen ihres Pechs in der Liebe isoliert fühlten und dass sie unbeabsichtigt eine Gemeinschaft geschaffen hatte, in der sie sich in der Lage fühlten, miteinander darüber zu sprechen und ihre Geschichten zu teilen. Als sie ihre Arbeits-E-Mails prüfte, war sie schockiert zu sehen, dass einige Journalisten es geschafft hatten, sie direkt zu kontaktieren, anstatt über Heather, die Sekretärin zu gehen und sie hatte eine Reihe von Anfragen für Auftritte und Ratschläge. Immer wieder tauchte der Begriff „die skandinavische Art“ überall auf. Alle taten so, als hätte sie die Glühbirne erfunden und sie wollte keine Anerkennung für etwas bekommen, dass sie einfach nur beobachtet hatte. Es war nicht ihre Absicht gewesen, einen Trend zu starten oder berühmt zu werden. Während sie in der U-Bahn hin und her geschubst wurde, konnte Keira kaum glauben, was sie las oder was passierte. Sie war gerührt und überwältigt von allem. Und nur um die Dinge noch emotionaler zu machen, als sie ohnehin schon waren, kam jetzt auch noch eine Nachricht von Milo auf ihrem Telefon an. Sie zögerte nicht eine Sekunde, bevor sie sie öffnete. Großartiger Artikel! Ich bin so stolz auf dich! Keira grinste in sich hinein. Nicht weil Milo stolz auf sie war, sondern weil sie zwar froh war, dass er ihre Arbeit mochte, aber weil es sich zum ersten Mal, nachdem sie einen Mann getroffen hatte und mit ihm Schluss gemacht hatte, nicht so anfühlte, als würde ihr Herz brechen, wenn sie eine Nachricht von ihm las. Sie schrieb schnell zurück, Danke dir! Habe im Moment viel zu tun, melde mich bald. Dann fuhr sie weiter bis zur Arbeit; ihr Kopf rauchte vor Aufregung. * Keira betrat das Büro und fand Hektik vor. Das Telefon klingelte ununterbrochen und überall liefen Leute hin und her. Elliot kam sofort grinsend aus seinem Büro und führte Keira in den Konferenzraum, noch bevor sie eine Chance hatte durchzuatmen. Sie ging hinein und sah, dass der Raum voll von Menschen war, die sie nicht kannte. „Oh … Hallo“, sagte sie zögerlich, als Elliot einen Stuhl für sie heranzog. „Keira, wie wunderbar Sie kennenzulernen“, sagte ein Mann mit kastanienbraunem Haar. „Ich bin Rick, Ihr neuer Pressesprecher. Das ist Sally.“ Er zeigte auf eine Frau mit lockigem Haar und leuchtend rotem Lippenstift, die neben ihm saß. „Sie ist meine Assistentin und wird Ihren Zeitplan managen.“ „Wirklich schön Sie kennenzulernen“, sagte Keira und schüttelte nacheinander ihre Hände. „Und alle anderen?“ „Das neue Editorenteam!“ Elliot strahlte und breitete seine Arme weit aus. „Team?“, fragte Keira. Bis jetzt war Nina die Editorin für Viatorum gewesen, als die Dinge dann besser liefen, hatte sie eine Gruppe von Praktikanten gehabt, die ihr assistierten, aber nichts wie das hier, nichts Professionelles. Dann bemerkte Keira, dass Nina nicht mit dem Rest des Editorenteams um den Tisch saß. „Wo ist Nina?“ „An ihrem Schreibtisch“, sagte Elliot einfach, fast so, als wäre es eine sehr bizarre Frage zu stellen. „Aber sie ist immer noch Editorin, nicht wahr?“, fragte Keira. Der Gedanke, dass ihre Freundin wegen ihres Erfolges degradiert werden könnte, war ihr eher unangenehm. „Selbstverständlich“, sagte Elliot. „Sie ist die Editorin für die gedruckte Variante des Magazins. Welche inzwischen nur noch 10 % unserer Verkaufszahlen ausmacht. Alles dreht sich jetzt um das Internetteam, die Online-Abos und die Artikel im Format passend für soziale Netzwerke. Das ist es, worum sich das neue Team von jetzt an kümmern wird.“ Keira sah zwischen den ihr unbekannten Gesichtern hin und her. Es fühlte sich seltsam an, dass Elliot nicht daran gedacht hatte, irgendjemanden von den Leuten, die er bereits im Büro hatte, zu befördern oder Nina das Online-Editorenteam leiten zu lassen. Es fühlte sich unfair an. Sie verstand, dass Elliot die besten und klügsten Leute haben wollte, die Geld kaufen konnte, aber sie wäre niemals so weit gekommen, hätte nicht jemals jemand ein Risiko mit ihr auf sich genommen. Rick räusperte sich: „Sollen wir uns an die Arbeit machen? Sally, können Sie Keira bitte eine Übersicht über ihre öffentlichen Auftritte geben?“ Sally wirkte wie eine noch effizientere Version von Heather, wenn eine solche Person überhaupt existieren konnte, denn sie schien Ricks Frage geahnt zu haben und wandte ihre Aufmerksamkeit jetzt einem ordentlichen Notizblock, der vor ihr lag, zu. „Breakfast New York, News 24, Daily Roundup, Good Morning USA, Helen & Phil am Morgen, Katie & Joe am Abend …“ Als sie Sally zuhörte, wie sie die Aufzählung herunterrasselte, wurde Keira immer verwirrter. Alle diese Talkshows und neuen Organisationen wollten, dass sie bei ihnen auftrat? Ihre Nerven lagen blank. „Sind Sie gut mit Pressearbeit?“, fragte Rick, als Sally endlich fertig war, die Fernsehauftritte aufzulisten. „Ich habe keine Ahnung“, antwortete ihm Keira. „Ich war noch nie im Fernsehen.“ „Das macht nichts“, sagte Rick mit seinem sachlichen, geschäftlichen Tonfall. „Ich bringe es Ihnen bei. Sally, buchen Sie Keira für morgen früh bei „Helen und Phil am Morgen“ ein. Es ist eine großartige Anfängershow. Die Interviews sind kurz und ziemlich locker. Und was am wichtigsten ist, sie werden aufgezeichnet. Also eine WIN-WIN-Situation. Wir werden live gehen, wenn wir wissen, wie Sie sich dort geschlagen haben, also Sally, buchen Sie die Nachmittagstermine entsprechend.“ Sally verschwendete keine einzige Sekunde. Sie hatte sofort ihr Handy am Ohr und begann nach wenigen Momenten schnell hinein zu sprechen. Keira konnte kaum fassen, wie schnell alles auf einmal passierte. Sie sah zu Elliot hinüber, der wie eine Grinsekatze aussah und ganz offensichtlich den plötzlichen Anstieg an Tempo und Druck liebte. Anders als Keira, blühte er mit dieser Art Dingen auf. Aber Keira fühlte sich ein bisschen wie ein Spielball in einem Spiel. Sie fühlte sich immer so, wenn es um Viatorum ging, sogar schon vorher, als es nur Elliot und Nina gewesen waren, die die Entscheidungen trafen. Aber jetzt hatte sie ein ganzes Team von Leuten, die ihr Leben planten und das fühlte sich noch schlimmer an. „Wir beginnen lieber gleich mit dem Training“, sagte Rick dann, klappte seine Papiere zu und stand auf. „Ich muss heute um fünf Uhr los“, platzte Keira plötzlich heraus. „Ich habe vor, mit meiner Schwester einkaufen zu gehen.“ Alle hielten inne und sahen sie misstrauisch an. „Oh, ja, natürlich“, sagte Rick und strich seine Jacke glatt. Keira erkannte sofort, dass sie alle erwartet hatten, dass sie ihre komplette Freizeit aufgab und dass sie keinerlei Gedanken daran verschwendet hatten, was sie vielleicht wollte. Sie waren einfach alle davon ausgegangen, dass sie mitmachte, ihren Anweisungen folgte und keinerlei eigenen Input haben würde. Rick sah Sally an. „Stellen Sie sicher, dass wir um fünf Uhr fertig sind.“ Sally nickte. Da die Versammlung vorbei war, stand das neue Editorenteam auf, um den Konferenzraum zu verlassen. Keira wollte auch gerade gehen, als Elliot sie ansprach: „Kann ich einen Moment deiner Zeit stehlen, Keira? Privat?“ Keira sah Rick an, der die Person zu sein schien, die hier neuerdings die Entscheidungen traf. „Natürlich“, sagte er sogar noch steifer als vorher, als sie gesagt hatte, dass sie um fünf Uhr gehen wollte. Alle verließen den Raum und es waren nur noch Elliot und Keira übrig. „Was ist los?“, fragte sie ihn. „Ich weiß, es ist alles ein bisschen viel“, begann Elliot. „Dein Artikel hat ein bisschen für Aufruhr gesorgt.“ „Unter den Mitarbeitern?“ „Oh, das ist mir egal“, sagte Elliot. „Eifersucht kann eine tolle Motivation sein. Nein, ich meine Aufruhr unter unseren Werbekunden.“ „Oh“, sagte Keira ein kleines bisschen verwirrt. „Was soll das heißen?“ „Es heißt, dass sie gewillt sind, wesentlich größere Summen zu zahlen, um in Viatorum zu erscheinen als bisher. Ich meine, es gibt einen Gebote-Krieg für Werbeplatz in unserer nächsten Ausgabe und auf unserer Webseite. Wir bekommen sehr viel Aufmerksamkeit.“ „Das ist großartig“, sagte Keira. „Was hat das mit mir zu tun?“ Elliot lachte. „Du bist nicht sonderlich geschäftstüchtig, nicht wahr, Keira?“ Sie zuckte mit den Schultern. „Das ist ein Grund, warum ich Autorin geworden bin.“ „Das stimmt wohl.“ Er kicherte wieder. „Keira, was ich sagen will, ist, du bringst erhöhten Umsatz in die Firma. Du verdienst eine Belohnung.“ Es begann, zu ihr durchzusickern. „Du meinst so etwas wie einen Bonus?“ „Das ist genau, was ich meine.“ Er griff in seine Tasche und zog ein Stück Papier hervor, welches er dann über den Glastisch zu Keira schob. Sie griff danach. Es war ein Scheck. Keira lass die Summe. „Fünfhundert Dollar? Danke, das wird meine neuen Möbel bezahlen.“ Elliot runzelte die Stirn. „Nein, Keira. Es sind fünftausend Dollar.“ Keira verschluckte sich fast. Sie musste den Scheck ein zweites Mal ansehen. In der Tat war die Summe, die darauf stand Fünftausend, nicht Fünfhundert. „Wow. Nun … Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Vielen Dank.“ Elliot nickte. „Wenn du weiter so machst, Keira, gibt es haufenweise mehr davon, dort wo der hier herkam.“ Triumphierend faltete Keira den Scheck und schob ihn in ihre Tasche. Vielleicht war es gar nicht so schlecht, ein Lauffeuer gestartet zu haben. Obwohl der Gedanke im Fernsehen aufzutreten, Angst in ihr auslöste, schaffte es der Scheck in ihrer Tasche mit Sicherheit, sie ein kleines bisschen zu mildern. KAPITEL SECHS Der Rest des Tages war für Keira wie verschwommen. Sie hatte Übungen für die Interviews mit Rick und Sally (die sich mehr wie Verhöre anfühlten), lernte neue engagierte Editorenteam-Mitarbeiter kennen, deren Namen Keira in dem Moment vergaß, als sie ihr genannt wurden und stürmte von einem Meeting zum anderen. Sie hatte nicht einmal eine Mittagspause oder die Chance mit Nina zu sprechen. Sobald es fünf Uhr war, verließ Keira das Büro und ging nach Hause. Sie konnte noch immer nicht glauben, was passierte und ihr Kopf war völlig durcheinander. Niemals in ihrem Leben hätte sie gedacht, dass ihre Schreibkarriere sie in diese Richtung führen würde. Als sie mit der U-Bahn in die Richtung ihrer neuen Wohnung fuhr, stellte sie ironisch fest, dass sie heute nicht eine einzige Zeile geschrieben hatte. Erst als sie zurück in ihrer neuen, leeren Wohnung war, hatte Keira die Chance, wirklich durchzuatmen. Sogar die Dunkelheit, die dadurch verursacht wurde, dass sie keinerlei Lampen hatte, war irgendwie beruhigend, fast so, als würde es helfen die pochenden Kopfschmerzen, die der geschäftige Tag verursacht hatte, zu betäuben. Sie zog ihre Schuhe aus, rieb sich die schmerzenden Fußgelenke und lehnte dann ihren Kopf gegen die Rückseite ihrer Eingangstür. Langsam schloss sie ihre Augenlider und ging in einen, von der Erschöpfung hervorgerufenen, halbwachen Zustand über. Sie stand noch immer gegen die Eingangstür gelehnt, als die Klingel neben ihr plötzlich ertönte. Schlagartig kam sie zurück zu Bewusstsein und erinnerte sich, dass sie Pläne mit Bryn gemacht hatte. Pläne nach der Arbeit waren bisher noch nie ein Problem gewesen, aber Keiras Körper fühlte sich nach dem langen Tag schwer und müde an und sie verfluchte sich jetzt selbst, dass sie überhaupt zugesagt hatte. Sie drehte sich um und öffnete die Tür für Bryn. Ihre Schwester hielt eine Topfpflanze hoch. „Einweihungsgeschenk!“, erklärte Bryn. Keira lächelte. „Komm rein“, sagte sie und winkte sie hinein. Es war das erste Mal, dass ihre Schwester ihre Wohnung sah. Bryn kam herein und schaute sich vorsichtig um. „Oh, sie ist … niedlich“, kommentierte sie und stellte die Pflanze auf den Küchentisch. Keira wusste, dass sie sich zurückhielt, nicht winzig zu sagen, aber es war ja schon ein Schritt in die richtige Richtung, dass Bryn sich überhaupt auf die Zunge biss. So wie sie Bryn kannte, dachte sie wahrscheinlich, dass die Wohnung eine Bruchbude war. Sie versuchte nett zu sein, was an und für sich für Bryn schon eine riesige Sache war! „Wow, du kannst fast den ganzen Central Park sehen“, fügte Bryn hinzu, als sie zum Fenster hinüberging und hinaussah. „Ja fast“, antwortete Keira. „Es ist eine großartige Aussicht“, sagte Bryn nickend. Zumindest damit hatte sie recht, dachte Keira. Bryn drehte sich vom Fenster um. „Also gut, wir sollten lieber loslegen“, sagte sie. Sie ließ ihre Tasche auf den Fußboden fallen, bückte sich hinunter und holte dann ein Maßband aus der Tasche. Sie zog das Maßband und hielt es hoch. „Wir müssen alles abmessen. Wände. Fenster. Alles.“ Keira hob eine Augenbraue. „Das ist aber etwas über-gründlich, denkst du nicht auch?“ „Ganz genau“, antwortete Bryn. „Ich möchte, dass diese Wohnung so perfekt wird, wie sie nur sein kann. Ich habe bereits eine Vision. Du weißt, wie sehr ich das Dekorieren liebe.“ Keira lachte laut. „Das ist in Ordnung. Aber vergiss nicht das es meine Wohnung ist, also spiele nicht zu verrückt.“ Aber man konnte Bryn nichts sagen. Sie war bereits mit dem Maßband unterwegs und summte vor sich hin. Eine Frau mit einer Mission. * Sobald Bryn alle detaillierten Maße genommen hatte, die sie für nötig hielt, gingen sie hinaus zu Bryns Auto und fuhren zu einem Möbelgeschäft. Bryn tanzte geradezu hinein und war ganz offensichtlich im Himmel, als sie durch die Regalreihen lief. Sie begannen in der Abteilung für Esszimmer. „Ich habe noch gar nicht gefragt“, sagte Bryn, als sie zwischen den Reihen von Tischen und Stühlen umherlief. „Wie viel möchtest du denn für deine neue Wohnung ausgeben?“ Keira dachte an den Scheck von Elliot, der sich noch immer in ihrer Tasche befand. Wenn er wirklich meinte, dass da noch mehr kommen würde, dann könnte sie theoretisch alles ausgeben. Aber Keira war dafür viel zu vernünftig. Außerdem war sie so daran gewöhnt, dass ihr der Boden unter den Füßen weggezogen wurde, dass sie sich niemals so gehen lassen könnte. Das letzte Mal als sie eine größere Summe an Geld hatte, war es alles verschwendet worden, als Shane seine Reise nach New York City storniert hatte. „Mmhh, ich habe ein paar Ersparnisse“, sagte Keira und wählte die Halbwahrheit. „Aber ich würde es bevorzugen, nicht zu viel davon auszugeben. Lass uns einfach vernünftig bleiben.“ „Sicher“, sagte Bryn gedankenversunken, deren Aufmerksamkeit inzwischen schon auf einem schlanken Glas-Bistrotisch und zwei passenden Stühlen aus Glas und Metall gerichtet war. Ganz offensichtlich stand Keiras Budget nicht an erster Stelle in Bryn Gedanken. „Ist der nicht wunderschön?“, sagte Bryn und wandte sich mit einem breiten Grinsen an Keira. „Und es sind die perfekten Maße für das Fenster. Stell dir vor, mit einem Glas Wein in deiner Hand deine Aussicht zu genießen.“ Keira streckte die Zunge heraus und verzog das Gesicht. „Das klingt mehr nach dir als nach mir. Der Tisch ist ein bisschen zu modern für meinen Geschmack. Du weißt doch, ich mag Vintage.“ „Denke nur, der wird eines Tages Vintage sein“, versuchte Bryn sie zu überreden. „Irgendwann.“ Keira kicherte. „So funktioniert das nicht und du weißt es selbst. Ich bevorzuge einen Sessel mit einem Hocker am Fenster, mit einer karierten Decke darauf und gemischten blumigen Kissen. Ein Ort, wo ich sitzen und lesen kann, nicht um Weinflaschen zu leeren.“ Dieses Mal runzelte Bryn die Stirn. „Das ist der Grund, warum ich deine Wohnung einrichte. Wenn man dich dir selbst überlassen würde, würdest du wahrscheinlich Stoffe an die Wand hängen, einen Haufen Kissen auf den Boden werfen und das war’s dann.“ Keira reagierte auf Bryns übertriebene Vorstellung mit einem Augenrollen. „Komm schon, Schwester. Ich weiß, was ich tue“, fuhr Bryn fort. „Und dieser Tisch ist absolut perfekt für meine Vision.“ Sie legte ihre Hände auf die Glasplatte. „Er spricht zu mir. Du musst ihn kaufen.“ Keira schüttelte ihren Kopf und seufzte. Einkaufen mit Bryn war wesentlich anstrengender, als sie erwartet hatte. In dem Moment eilte eine Frau von der anderen Seite der Regalreihen auf sie zu. Sie hatte einen angespannten Ausdruck auf ihrem Gesicht. Keiras erster Gedanke war, dass sie eine Verkäuferin sein musste, die ausschließlich auf Kommissionsbasis bezahlt wurde und ihnen nun alles über ihre fantastischen Angebote erzählen würde, die sie auf gar keinen Fall verpassen dürften. Aber die Frau sagte etwas, dass Keira komplett aus der Bahn warf. „Entschuldigen Sie, dass ich Sie unterbreche, aber sind Sie Keira von Viatorum?“, fragte sie. Keira starrte sie schockiert an. Obwohl sie schon früher manchmal in der Öffentlichkeit erkannt worden war, war es normalerweise immer im Ausland gewesen. Die Tatsache, dass es in ihrer eigenen Nachbarschaft passierte, während sie etwas so Normales tat wie einzukaufen, machte die ganze Sache noch unangenehmer. „Ja, das bin ich“, sagte sie und fühlte, wie sich ihre Wangen röteten. „Ich bin ein riesiger Fan“, sagte die Frau schwärmend. „Würde es Sie stören, wenn ich ein Foto mache?“ Keira sah Bryn an, die breit grinste. Schließlich zuckte Keira mit den Schultern. „Warum nicht. Sicher.“ „Ich mache das Foto“, bot Bryn ohne zu zögern an. „Dann können Sie auch mit darauf sein.“ Die Frau bedankte sich, legte einen Arm um Keiras Schultern und drückte für das Foto ihre Wange gegen Keiras. Es war unangenehm nah und vertrauensvoll und Keira fühlte sich sehr unbehaglich. „Können Sie meine Ausgabe von Viatorum signieren?“, fügte die Frau hinzu. „Ich habe die alte, bevor das Titelblatt geändert wurde.“ Keira tat ihr Bestes, ihre Grimasse zu verstecken, aber es gab ihr immer einen kleinen Stich, wenn sie mit dem Bild von sich und Cristiano konfrontiert wurde, in Filmstar-schwarz-weiß, küssend auf den Dächern von Paris. Sie kritzelte schnell ihren Namen über das Magazin und verdeckte dabei Teile ihres Gesichts. „Fantastisch, vielen Dank“, sagte die Frau. „Ich bin nur wegen ein paar neuen Badehandtüchern hier. Meine Freundinnen werden so neidisch sein!“ Sie eilte davon und ließ die unbeholfen dreinschauende Keira mit Bryn zurück. „Oh. Mein. Gott“, sagte Bryn. „Du bist jetzt buchstäblich ein Superstar.“ Keira rollte mit ihren Augen. „Wohl kaum. Ein paar Leute erkennen mich, das ist alles.“ Dann dachte sie an ihren geplanten Fernsehauftritt am nächsten Morgen. Danach würden sie noch viel mehr Leute erkennen. Wenn sie bereits so oft von einem Schwarzweißfoto auf einem Titelblatt erkannt wurde, würde es nur noch schlimmer werden, sobald sie in voller Farbe beim Frühstücksfernsehen erschienen war. „Du siehst besorgt aus“, sagte Bryn und griff nach ihrem Arm. Sie begannen durch die Regalreihen zu laufen. „Es ist eben nur, dass sich so viel auf Arbeit ändert“, sagte Keira. „Meine Karriere verläuft anders, als ich es gedacht hätte.“ „Weil du die Möglichkeit hast im Fernsehen aufzutreten?“, fragte Bryn ungläubig. „Ich habe ja nicht gesagt, dass es schlecht ist“, korrigierte sie Keira. „Nur anders. Ich meine, ich bin introvertiert und ein Bücherwurm. Du bist die laute, selbstsichere Person von uns beiden. Wenn von uns beiden eine im Fernsehen sein sollte, dann bist du es.“ Bryn machte ein pfeifendes Geräusch. „Mach dich nicht lächerlich. Schwimm einfach mit dem Strom, Schwester. Und genieße die Reise.“ Sie kamen in den Wohnzimmerbereich, wo alle Gänge mit Sofas gefüllt waren. „Ich versuche es ja“, erzählte ihr Keira. „Du weißt, wie schnell ich gestresst werde. Wie angespannt ich sein kann. Mich zu entspannen, fällt mir wirklich nicht leicht.“ „Du würdest dich leichter entspannen, wenn du diesen entzückenden Zweisitzer kaufen würdest“, sagte Bryn und zeigte auf eine leuchtend rote, Samt-bezogene Couch. Keira lachte. „Das kommt überhaupt nicht in Frage!“ Bryn seufzte nur. „Du verstehst meine Vision nicht“, sagte sie theatralisch. Sie hakte sich wieder bei Keira ein und sie gingen weiter. „Glaubst du wirklich all die Dinge, die du geschrieben hast?“, fragte Bryn Keira nebenbei. „Deine Theorie über die Liebe und keinerlei Bindungen zu haben? Darüber unabhängig zu sein?“ Keira fragte sich, ob sie diese Frage in Bezug auf ihre kürzliche Verlobung stellte. Gerade in dem Moment, als Keira herausgefunden hatte, dass Liebe nicht unbedingt heißen musste, dass zwei Leben so miteinander verbunden waren, dass sie in eine einzige Einheit verschmelzen mussten, hatte Bryn ihren eigenen Stil komplett auf den Kopf gestellt, um sich niederzulassen. „Du hast auch immer so gedacht“, erinnerte sie Keira. Bryn zuckte mit den Schultern. „Ich weiß. Aber es ist eine einsame Daseinsform. Ich war immer neidisch auf das, was du mit Zach hattest.“ Das waren Neuigkeiten für Keira. „Wirklich?“, fragte sie. „Aber du hast mich ununterbrochen deswegen gehänselt. Gesagt, dass ich zu früh zu alt gewesen wäre.“ „Ich dachte, ich hätte alle Antworten“, erklärte Bryn. „Aber in Wirklichkeit hatte ich nur Angst davor mich festzulegen. So sehr ich es hasse, es zugeben zu müssen, aber unsere Mutter hat recht bezüglich dessen, dass ihre Scheidung mir das Heiraten vermiest hat. Ich wollte mich nicht auf irgendjemanden verlassen, nachdem ich gesehen hatte, was ihr passiert war. Aber jetzt kann ich sehen, wie toll es ist, einen Mann um sich zu haben, zu jemandem nach Hause zu kommen, sich auf jemanden zu verlassen. Dieser ganze skandinavische Trend, den du gestartet hast, erscheint mir so einsam. Zu beiläufig. Wo ist denn da die Sicherheit?“ Keira war überrascht so viel Grübelei von Bryn zu hören. Ihre Schwester handelte eigentlich mehr, als zu denken und sie war schockiert zu hören, wie tiefgründig sie darüber nachgedacht hatte. Sie schafften es in die Lampenabteilung. Bryn hielt ihre Hand hoch zu einem Kristallkronleuchter, dessen Licht ihren Verlobungsring glitzern ließ. „Ich möchte, dass du dieses Gefühl auch hast“, sagte Bryn zu Keira. „Ich bin so glücklich.“ Keiras erster Gedanke war: Wer ist diese Frau? Ihre Schwester hatte sich in sehr kurzer Zeit so sehr verändert, dass es genug war, um ihr Kopfschmerzen zu bereiten. Aber insgesamt war sie froh, sie so zufrieden zu sehen. „Ich freue mich für dich“, sagte Keira zu ihr. „Aber wir haben verschiedene Pfade. Hätte ich mich mit Zach niedergelassen, hätte ich niemals das gehabt, was sich mit Shane hatte. Ohne Shane hätte es keinen Cristiano gegeben und keinen Milo. Alle diese Beziehungen waren mir wichtig. Ich hätte wirklich nicht eine von ihnen missen wollen.“ Gerade als sie das sagte, konnte sie nicht anders, als an den Ring zu denken, den Cristiano herausgezogen hatte, als er ihr einen Heiratsantrag gemacht hatte. Eine Welle der Einsamkeit überkam sie. Sie hätte sich so leicht mit ihm niederlassen können. Sie hätte ihn dann und dort wählen können. Aber was dann? Sie hätte niemals Milo kennengelernt, niemals den Artikel über Skandinavien geschrieben, der jetzt ihr Leben veränderte. Alles passierte aus gutem Grund. Sie glaubte wirklich fest daran. Wenn einer der Männer, mit denen sie bisher zusammen gewesen war, der Richtige für sie gewesen wäre, dann hätte ihr das Universum doch irgendeine Art Zeichen gegeben. „In Ordnung, Schwester, ich habe es!“, erklärte Bryn und unterbrach damit ihre Träumerei. Keira sah auf und sah ihre Schwester an einem wunderschönen Schreibtisch mit Stuhl stehen. Es gab eine kleine Schreibtischlampe und ein Bücherregal für Bücher, das daran befestigt war. Er hatte sogar eine kleine flache Schublade für Stifte. Dieses Mal hatte Bryn das Richtige gewählt. „Der ist perfekt“, schwärmte Keira. Sie rannte hinüber zu ihrer Schwester und strich mit den Fingerspitzen über den hübschen Tisch. „Siehst du?“, sagte Bryn. „Ich habe es dir doch gesagt. Ich habe eine Vision. Du musst mir nur Vertrauen.“ Keira lachte. „Gut. Ich übergebe mich dem Bryn-Prozess vollständig. Mach, was du willst!“ KAPITEL SIEBEN Zwei Stunden später und zweitausend Dollar ärmer kam Keira wieder zu Hause an. Bryn in einem Möbelgeschäft losziehen zu lassen, war vielleicht nicht die vernünftigste aller Ideen gewesen, aber sie war zu müde gewesen, um sich zu wehren und es war eine Erleichterung, für einen Moment die Kontrolle abzugeben. Der Nachteil der Einkaufstour war, dass Keira nun auf die meisten größeren Gegenstände warten musste, bis sie angeliefert wurden, was bedeutete, dass sie noch immer keine Couch, kein Bett und keinen Schreibtisch hatte. Alles, was sie bereits mit nach Hause nehmen konnte, waren ein paar Lampen, Bettwäsche und ein Werkzeugkasten mit einem Hammer und Schraubenziehern auf den Bryn bestanden hatte, jetzt da sie unabhängig lebte. Als Keira die Inhalte ihrer Taschen auf dem Küchentisch ausbreitete, bemerkte sie, dass ihr Werkzeugkasten sofort eingesetzt werden konnte. Sie hatte noch immer das Gemälde, das Milo ihr zu Weihnachten geschenkt hatte, in ihrem Koffer. Sie eilte zum Koffer und zog es unter den Kleidungsstücken hervor, die darauf lagen. Als sie dies tat, bemerkte sie die kleine schwarze Schachtel und erinnerte sich an die wunderschöne Halskette, die Milo für sie gekauft hatte mit dem speziellen Zweck, dass sie ihn nicht vergessen würde. Sie hatte sie seit ihrer Rückkehr nach New York City nicht getragen und dachte nun einen Moment darüber nach, warum nicht. Sie konnte es nicht genau sagen. Aus irgendeinem Grund fühlte es sich einfach nicht richtig an, dieses Erinnerungsstück an eine frühere Beziehung um ihren Hals zu tragen. Sie schüttelte die Gedanken ab und suchte weiter nach dem Bild. Sie hatte den perfekten Platz gefunden, wo sie es aufhängen wollte; direkt dort, wo ihr neuer Schreibtisch stehen würde, sobald er angeliefert wurde. Sobald sie es gefunden hatte, eilte sie zurück in den Wohnbereich und holte ihr neues Werkzeug-Set. Es war das allererste Mal, dass sie sich selbst handwerklich betätigte und obwohl es nervenaufreibend war, fühlte es sich wirklich gut an, einen Hammer zu schwingen. Einen Nagel in die Wand zu hauen, war auch irgendwie befreiend. Sie konnte sich an dieses Unabhängigkeitsding mit Sicherheit gewöhnen! Als der Nagel in der Wand steckte, hing Keira das Bild auf und trat dann einen Schritt zurück, um es zu bewundern. Es war ein solch inspirierendes Bild und es erinnerte sie daran, wie wundervoll ihr Weihnachtsfest in Schweden gewesen war. In dem Moment wünschte sie, sie könnte wieder dort sein, zurück in der Zeit, als die Dinge noch ruhig und entspannt waren. Bevor diese ganze Verrücktheit begonnen hatte. Конец ознакомительного фрагмента. Текст предоставлен ООО «ЛитРес». Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию (https://www.litres.ru/pages/biblio_book/?art=43697815) на ЛитРес. Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.