Eine Liebe im Schnee 
Sophie Love


Die Liebe auf Reisen #4
DAS FESTIVAL DER LIEBE erschafft eine Welt voll Emotionen und Aufregung. Wir tauchen ein in die Gedanken einer jungen Frau (Keira) und ihre Bemühungen, Karriere und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Sophie Love hat eine natürliche Begabung fürs Geschichten erzählen. DAS FESTIVAL DER LIEBE ist sehr gut erzählt und ich kann es nur jedem empfehlen, der sich ein Wochenende lang von einer Romanze verzaubern lassen will. Books and Movie Reviews (Roberto Mattos) EINE LIEBE IM SCHNEE (Die Liebe auf Reisen – Buch #4) ist das 4. Buch der neuen Romantikserie von Bestsellerautorin Sophie Love. Die Serie beginnt mit DAS FESTIVAL DER LIEBE (Buch #1), jetzt als gratis Download! Keira Swanson, 28, hat der Liebe abgeschworen. Nach den Trennungen von Cristiano und Shane ist ihr Herz noch angeschlagen. Daher will sie nicht noch einmal zulassen, dass das Magazin sie für ein weiteres Liebes-Experiment benutzt. Das ist der Redaktion durchaus recht, denn dieses Mal hat man etwas ganz anderes für Keira im Sinn: Sie wollen beweisen, dass jemand, der unter einer Trennung leidet, sich nicht gleich Hals über Kopf in eine Affäre stürzt, um die verlorene Liebe zu vergessen und sich umgehend neu zu verlieben. Um das zu betonen, stellen sie ihr dieses Mal keinen Reisebegleiter an die Seite. Stattdessen soll Keira nach Skandinavien reisen und sich ganz allein dort zurechtfinden. Keira ist von dem neuen Auftrag begeistert. Sie wünscht sich nichts mehr als ihre Ruhe. Eine Reise in den Norden, wo sich ihr Gemüt ein wenig abkühlen kann und sie sich garantiert nicht neu verlieben wird, ist ihr sehr recht. Aber Keira hat weder mit der Schönheit von Kopenhagen und Stockholm (dem Paris des Nordens) gerechnet noch mit der beeindruckenden Gastfreundschaft der Skandinavier. Als Weihnachten vor der Tür steht, muss sie erkennen, dass es schwieriger als erwartet ist, einer neuen Liebe aus dem Weg zu gehen …Eine turbulente und humorvolle Romanze, mit Tiefgang und Witz, das ist EINE LIEBE IM SCHNEE, Band 4 der bezaubernden neuen Serie, die dich zum Lachen und Weinen bringen wird, mit der du dir die Nächte um die Ohren schlägst und die dich mit ihrer Romantik die Liebe neu entdecken lässt. Buch 5 ist in Vorbereitung. Sophie Loves Fähigkeit, bei ihren Lesern Magie zu bewirken, zeigt sich in ihrem höchst inspirierenden Ausdruck und den lebendigen Beschreibungen …  ist der perfekte Liebes- oder Strandroman, der sich von anderen abhebt: seine mitreißende Begeisterung und die wunderschönen Beschreibungen machen deutlich, wie komplex die Liebe und auch die Gedanken der Menschen sein können. Dieses Buch ist perfekt geeignet für Leser, die nach einem Liebesroman mit Tiefgang suchen. Midwest Book Review (Diane Donovan über Für jetzt und für immer)







E I N E L I E B E I M S C H N E E



(DIE LIEBE AUF REISEN – BUCH 4)



SOPHIE LOVE


Sophie Love



#1 Bestseller-Autorin Sophie Love ist die Schöpferin der romantischen Comedy-Reihe, DIE PENSION IN SUNSET HARBOR, die aus 8 Bänden besteht und welche mit Band 1 beginnt FÜR JETZT UND FÜR IMMER (DIE PENSION IN SUNSET HARBOR – BUCH 1).

Sophie Love ist außerdem die Autorin einer neuen humorvollen Romantik-Reihe, DIE LIEBE AUF REISEN, die 5 Bände enthält (weitere in Arbeit) und mit DAS FESTIVAL DER LIEBE (DIE LIEBE AUF REISEN – BUCH 1) beginnt.

Sophie würde sehr gern von Dir hören, also besuche sie doch auf ihrer Webseite: http://www.sophieloveauthor.com (http://www.sophieloveauthor.com).

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Copyright © 2018 by Sophie Love. Alle Rechte vorbehalten. Außer, wie gemäß dem U.S. Copyright Gesetz von 1976 ausdrücklich erlaubt, darf kein Teil dieser Veröffentlichung ohne vorherige Erlaubnis der Autorin vervielfältigt, verbreitet oder in irgendeiner Weise oder in irgendeiner Form übertragen, in einer Datenbank oder in einem Datenabfragesystem gespeichert werden. Dieses E-Book ist nur für den persönlichen Gebrauch zugelassen. Dieses E-Book darf nicht weiterverkauft oder an andere Personen weitergegeben werden. Wenn Sie sich dieses E-Book mit einer anderen Person teilen möchten, kaufen Sie bitte eine zusätzliche Kopie für jeden weiteren Empfänger. Wenn Sie dieses Buch lesen, es jedoch nicht selbst gekauft haben und es auch nicht ausschließlich für Ihren eigenen Gebrauch gekauft wurde, dann geben Sie es bitte zurück und erwerben eine eigene Kopie. Vielen Dank für Ihren Respekt für die harte Arbeit dieser Autorin. Bei diesem Buch handelt es sich um Fiktion. Namen, Charaktere, Unternehmen, Organisationen, Orte, Veranstaltungen und Vorkommnisse sind entweder das Produkt der Fantasie der Autorin oder sind fiktiv eingesetzt. Jede Ähnlichkeit mit real existierenden Personen, lebend oder tot, ist reiner Zufall. Umschlagbild Copyright vvita, unter der Lizenz von shutterstock.com.


BÜCHER VON SOPHIE LOVE



DIE PENSION IN SUNSET HARBOR

FÜR JETZT UND FÜR IMMER (Buch #1)

FÜR IMMER UND EWIG (Buch #2)

FÜR IMMER MIT DIR (Buch #3)

WENN ES DOCH NUR FÜR IMMER WÄRE (Buch #4)

FÜR IMMER UND EINEN TAG (Buch #5)

FÜR IMMER UND NOCH EIN TAG (Buch #6)

FÜR DICH, FÜR IMMER (Book #7)

FÜR IMMER WEIHNACHTEN (Book #8)



DIE LIEBE AUF REISEN

DAS FESTIVAL DER LIEBE (BUCH #1)

ITALIENISCHE NÄCHTE (BUCH #2)

L'AMOUR IN PARIS (BUCH #3)

EINE LIEBE IM SCHNEE (BUCH #4)

GRIECHISCHER ZAUBER (Book #5)


INHALTSVERZEICHNIS



KAPITEL EINS (#u85fa59af-efe3-5b18-bf51-60ff34698923)

KAPITEL ZWEI (#ubed23d0e-4504-51bc-b29c-c611ee798da8)

KAPITEL DREI (#ucb1bedf2-f3f4-5650-9744-bc95c9aedb05)

KAPITEL VIER (#ub2796ada-e719-5d00-840c-0b083e041013)

KAPITEL FÜNF (#u597123ba-a1e1-563f-84c5-5c7a2b7d9e51)

KAPITEL SECHS (#u8bc52019-d66a-5f5f-ad7a-de73365e104c)

KAPITEL SIEBEN (#u2a2b9858-7752-5ac4-b77b-0da30da1b1f5)

KAPITEL ACHT (#litres_trial_promo)

KAPITEL NEUN (#litres_trial_promo)

KAPITEL ZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL ELF (#litres_trial_promo)

KAPITEL ZWÖLF (#litres_trial_promo)

KAPITEL DREIZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL VIERZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL FÜNFZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL SECHZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL SIEBZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL ACHTZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL NEUNZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL ZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL EINUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL DREIUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL VIERUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL SECHSUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL ACHTUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL NEUNUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL DREISSIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL EINUNDDREISSIG (#litres_trial_promo)




KAPITEL EINS


Keira öffnete ein Auge. Während ihr Gehirn langsam vom Schlaf in den Bewusstseinszustand überging, dämmerte ihr, wo sie sich befand. Bryns Couch. Immer noch. Genau wie gestern und den Tag davor und den Tag davor.

Sie stöhnte, kniff die Augen wieder zu und versuchte wieder einzuschlafen. Wenn sie schlief, verschwanden all die Dinge mit Cristiano. Sie konnte so tun, als hätte sie ihm nie das Herz gebrochen, als wäre sie niemals von der möglicherweise besten Liebe ihres Lebens davongelaufen. In ihren Träumen konnte sie auch so tun, als hätte sie ihr Leben unter Kontrolle, dass sie nicht noch immer auf Bryns Couch schlafen würde, ihre Tage damit verschwendete, Reality-TV zu schauen, die Anrufe ihrer Freunde ignorierte und noch immer die Bitte ihres Bosses Elliot, doch endlich den Ort für ihre nächste Reise auszusuchen, hinauszögerte.

Das Zimmer war dunkel im schwachen Licht des frühen Dezembers. Als sie dort auf der Couch lag und die Decke anstarrte, hörte Keira das Geräusch von fließendem Wasser. Die Dusche. Bryn musste schon wach sein, was wirklich ungewöhnlich war, wenn man bedachte, dass es ein Samstagmorgen war und Bryn bislang an jedem Samstagmorgen ihres Erwachsenenlebens verkatert gewesen war.

Verwirrt setzte Keira sich auf, die alte Couch knarrte unter ihr und sie konnte das Gurgeln der Kaffeemaschine hören. Sie konnte den Duft des Kaffees jetzt auch riechen. Bryn war wach und machte Kaffee? Das klang überhaupt nicht nach ihrer Schwester! Irgendetwas war los. Bryn war die Chaotin von ihnen beiden, aber in letzter Zeit war es Keira, die den ganzen Tag herumhing und nichts auf die Reihe brachte. Aber sie konnte nicht anders. Nach allem, was mit Cristiano passiert war, war sie einfach nicht bereit, sich der Welt zu stellen.

Keira hörte das Klicken des Schlosses der Badezimmertür, gefolgt vom Geräusch von Bryns Schritten, als sie den Flur entlang hüpfte. Keira konnte sie eine eintönige Melodie pfeifen hören. Sie kam um die Ecke. Sie war in ein gelbes Handtuch gewickelt und hatte ein weiteres Handtuch als Turban auf ihrem Kopf.

&bdquo;Oh, du bist wach“, sagte Bryn, blieb stehen und grinste breit. &bdquo;Ich habe Kaffee gemacht, möchtest du welchen?“

Keira runzelte misstrauisch ihre Stirn. &bdquo;Warum hast du so gute Laune? Es ist Samstagmorgen. Warum bist du überhaupt wach?“

Bryn lachte. &bdquo;Ich hatte einen ruhigen Abend zu Hause. Es stellt sich heraus, dass, wenn deine Leber nicht damit beschäftigt ist, Gifte aus deinem Körper zu filtern, man sich sogar ziemlich gut fühlt.“

&bdquo;Ich habe schon seit Jahren versucht, dir das zu verklickern“, murmelte Keira. Sie sank zurück auf die Couch und starrte wieder die Decke an. Eine Sekunde später erschien Bryn Gesicht über ihr. Wasser tropfte von ihren nassen Haarsträhnen hinunter auf Keiras Gesicht.

&bdquo;Du lieferst eine ziemlich überzeugende Darstellung einer Leiche ab“, sagte Bryn zu ihr.

Keira verschränkte beleidigt ihre Arme und drehte sich von ihrer Schwester weg.

&bdquo;Das ist ja noch besser!“, witzelte Bryn.

Keira ignorierte sie einfach. Sie hörte, wie Bryn sich wegbewegte und zurück in ihr Zimmer ging, um sich für den Tag fertig zu machen. Keira fühlte sich schlecht, dass sie so schnippisch zu ihrer Schwester gewesen war, insbesondere in Anbetracht dessen, dass diese ihr einen riesigen Gefallen tat, sie kostenlos in ihrer Wohnung wohnen zu lassen. Aber dann erinnerte sie sich an die unzähligen Male, die Bryn zu ihr schnippisch und undankbar gewesen war und entschied, dass ein wenig vertauschte Rollen gar nicht so schlimm waren.

Sie hörte, wie Bryn zurück ins Wohnzimmer kam. &bdquo;Ich gieße dir einen Kaffee ein“, teilte sie mit. Keira seufzte und setzte sich auf. &bdquo;Ich will keinen Kaffee“, sagte sie. &bdquo;Ich will überhaupt nichts, was meinen Schlaf unterbricht. Ich will einfach für immer schlafen.“

Sie sah hinüber zu Bryn, die ihre Aussage einfach ignorierte und ihr einen Kaffee, in der größten Kaffeetasse im Haus, eingoss. Sie kam hinüber und reichte ihn Keira.

&bdquo;Ich werde dich nicht noch einen Tag auf dieser Couch verschwenden lassen, mit Netflix und Selbstmitleid“, sagte sie, als sie ihr die Tasse reichte. &bdquo;Trink. Wache auf. Wann hast du dich das letzte Mal geduscht?“

Keira zog eine Grimasse, als sie die heiße Tasse nahm. &bdquo;Donnerstagabend.“

Bryn rollte mit den Augen. Sie wirbelte zurück zum Küchentisch und goss sich ebenfalls eine Tasse Kaffee ein.

&bdquo;Warum bist du überhaupt so früh wach?“, murmelte Keira und nippte an ihrem Kaffee. Er war brühend heiß. Sie stellte ihn auf den Kaffeetisch.

&bdquo;Weil...“ sang Bryn, während sie sich auf ihre Zehenspitzen stellte, um eine neue Flasche ihres Lieblingskaramellsirups vom Küchenschrank zu greifen. &bdquo;Felix und ich Pläne haben.“ Sie landete wieder auf ihren Füßen, Sirup in der Hand und grinste Keira triumphierend an.

Felix. Felix. Felix. Das war alles, worüber Bryn seit einiger Zeit überhaupt noch sprach. Sie war von einer Serien-Femme Fatale zu einer treuen Freundin geworden. Unter normalen Umständen wäre Keira außer sich vor Freude für ihre Schwester gewesen, dass diese sich endlich in eine feste Beziehung eingelassen hatte, aber Felix war im gleichen Alter wie ihre Mutter und Keira konnte sich nicht helfen, dies etwas unheimlich zu finden. Für sie klang es mehr, als hätte Bryn Vaterkomplexe entwickelt. Der Fakt, dass ihr eigener Vater sie verlassen hatte, als sie noch Babys waren, untermauerte die Wahrscheinlichkeit dieser Theorie stark.

&bdquo;Welche Art Pläne?“, fragte Keira.

Sie sah, wie eine eindeutige Röte Bryns Hals hinaufschoss. Sie zuckte mit den Schultern, in einer Art, die Keira sofort als einen Versuch, lässig zu wirken, durchschaute. &bdquo;Oh, wir wollen nur ein paar Einrichtungsgegenstände einkaufen.“

Keira kniff ihre Augen zusammen. Warum würde dies Bryn erröten lassen? Vielleicht, weil es eines dieser Dinge war, die Erwachsene taten und Bryn hatte, ähnlich wie Peter Pan, geschworen niemals erwachsen zu werden. Oder vielleicht war es ihrer Party-liebenden Schwester peinlich, zuzugeben, sie könnte genauso viel Spaß dabei haben, mit ihrem Liebhaber Lampen auszuwählen, wie damals, als sie noch die Nächte in New Yorker Nachtclubs durchtanzte. Oder...

&bdquo;Wenn du Einrichtung sagst, meinst du keine dekorative Porzellankatze für den Kaminsims, oder?“, fragte Keira und drehte ihren Kopf, um einen besseren Blick auf Bryns Gesicht zu bekommen.

&bdquo;Nein“, antwortete Bryn in ihrer gleichen Sing-sang-Stimme. &bdquo;Ich meine eher Möbel.“

Keira schnappte nach Luft. &bdquo;Warum suchst du Möbel mit Felix aus?“

Bryns Gesicht färbte sich sofort in einen tieferen Ton von Rot. &bdquo;Er hat eine neue Wohnung, das ist alles. Es bedeutet überhaupt nichts. Höre auf mich so anzugucken!“

&bdquo;Ziehst du bei ihm ein?“, forderte Keira mit einer weiteren schnellen Frage an ihre strauchelnde Schwester.

&bdquo;Ich weiß es nicht“, lachte Bryn. &bdquo;Wer weiß?“ Sie vergrub ihr Gesicht hinter der Kaffeetasse, in einem Versuch ihr Grinsen zu verstecken, aber sie versagte kläglich. Es gab keine Kaffeetasse auf der Welt, die groß genug wäre, um Bryns breites Grinsen hinter sich zu verstecken.

Keira war erstaunt. Sie konnte einfach nicht glauben, was sie da hörte. Ihre Schwester war endlich gezähmt worden. Die Dramatik war fast einen ihrer Artikel wert!

&bdquo;Aber egal, höre auf zu versuchen, das Thema zu wechseln“, sagte Bryn plötzlich. &bdquo;Wir sprachen über dich und darüber, dass du zum Stubenhocker wirst. Du kannst nicht noch ein Wochenende zu Hause verbringen. Bitte geh raus und unternehme etwas. Es ist wirklich nicht gut für dich, den ganzen Tag drinnen herumzusitzen.“

&bdquo;Es ist kalt draußen“, stöhnte Keira.

&bdquo;Und?“, antwortete Bryn. &bdquo;Setze eine Mütze auf! Du wurdest in New York City geboren und bist hier aufgewachsen, du kannst die Kälte ab!“

Keira kaute auf ihrer Lippe. Sie erinnerte sich an eine Nachricht, die sie gestern Abend von Shelby erhalten hatte. Sie hatte ihr noch nicht geantwortet, aber ihre Freundin hatte sie zu einer Party am Samstagabend eingeladen, was heute war.

&bdquo;Ich gehe heute Abend übrigens aus“, erzählte Keira Bryn in einem selbstgefälligen Ton.

&bdquo;Wirklich?“, fragte Bryn und zog mit offensichtlichem Unglauben eine Augenbraue hoch.

&bdquo;Ja“, antwortete Keira unverblümt. &bdquo;Ich gehe zu einer Party. Ich wollte dich fragen, ob du mitkommst.“

&bdquo;Das freut mich zu hören. Aber ich kann nicht. Felix und ich werden einen ruhigen Abend haben.“

Keira lachte laut los: &bdquo;Wer bist du?“

Bryn lachte. Mit einem leichten Schulterzucken sagte sie: &bdquo;Menschen ändern sich.“

Als Keira mit nicht mehr als einem kleinen Grunzen antwortete, setzte sich Bryn neben sie hin und streichelte ihr über den Rücken. Es war ungewöhnlich für Bryn, so fürsorglich zu sein.

&bdquo;Ich weiß, dass dein Herz schmerzt“, sagte sie in einer beruhigenden, mütterlichen Stimme. &bdquo;Aber im Schmerz zu versinken, wird dir nicht helfen zu heilen. Du musst aufstehen und dem Tag ins Auge sehen. Eine Dusche wird dir guttun.“

&bdquo;In Ordnung“, grummelte Keira. &bdquo;Ich habe schon verstanden.“

Sie stand von der Couch auf. Ihre Muskeln schmerzten. Und ihr verspannter Hals wurde langsam zu einer permanenten Angelegenheit.

&bdquo;Ich werde schon weg sein, wenn du fertig bist“, sagte Bryn.

&bdquo;Okay, viel Spaß wünsche ich dir“, sagte Keira. &bdquo;Sag Hallo zu Felix von mir.“

Bryn wurde sofort wieder rot.

Keira ging ins Badezimmer und schüttelte ihren Kopf, erstaunt über die komplette Verwandlung von Bryn. Es war außerordentlich, wie sehr die Liebe eines Mannes ihre Schwester verändert hatte, dachte sie, während sie ihren schmuddeligen Schlafanzug auszog und das Wasser in der Dusche aufdrehte. Sie stieg in die Kabine und schloss die Tür hinter sich.

Als das Wasser über ihre Haare und Haut lief, staunte sie über den Rollentausch, durch den sie und ihre Schwester gingen. So viel Bryn sich zum Besseren gewandelt hatte, fühlte Keira sich, als hätte sie sich zum Schlechteren verändert. Das Ende der Beziehung mit Cristiano hatte sie wie ein Blitz getroffen. Es hatte sogar einen schlechten Einfluss auf ihre Arbeit. Elliot wollte sie unbedingt wieder auf Reisen schicken, für ihren nächsten Auftrag, aber sie hatten bereits drei Mal deswegen zusammengesessen und jedes Mal hatte Keira eine Ausrede gefunden, sich nicht auf einen Ort festlegen zu müssen. Wenn er drängelte, erinnerte sie ihn daran, wie er ihr nach dem letzten Auftrag mehr kreative Freiheit versprochen hatte und das würde ihn für einen Moment zum Schweigen bringen. Aber es konnte nicht für immer so weitergehen, das wusste sie. Genau wie in Bryns Wohnung zu wohnen und auf ihrer Couch zu schlafen, keine Dauerlösung war. Keira würde sich früher oder später zusammenreißen müssen.

Sie spülte den Schaum aus ihren Haaren und realisierte, dass Bryn recht gehabt hatte. Eine Dusche war genau, was sie brauchte, um ihren Geist in Schwung zu bringen. Vielleicht würde es gut für sie sein, heute Abend auf eine Party zu gehen, selbst wenn sie sich nicht danach fühlte. Manchmal sind, was du willst und was du brauchst, zwei verschiedene Dinge, sagte sie zu sich selbst. Diese Worte waren zu ihrem persönlichen Motto geworden, wann immer sie sich selbst wegen der Dinge, die mit Cristiano passiert waren, fertig machte. Nur weil sie ihn wollte, hieß das nicht, dass er der Richtige für sie war. Und dennoch, manchmal war es leichter, ihren eigenen Worten zu glauben, als denen von anderen.

Sie stieg aus der Dusche und wickelte sich in frische Handtücher ein. Sie ging zurück ins Wohnzimmer, um ein paar frische Sachen für den Tag zu finden. Alle ihre Sachen waren noch in Kisten und Koffern, aber sie hatte sich jetzt an diese Art zu leben so sehr gewöhnt, dass sie wusste, wo sie die meisten Dinge finden konnte. Das Oberteil, welches sie suchte, würde sich im Schuhkarton unter dem Kaffeetisch befinden. Sie hockte sich hinunter um heranzukommen. Als sie dies tat, fiel ihr Blick auf ihr Handy.

Sie bekämpfte den gewöhnlichen Drang nachzuschauen, ob Cristiano sich gemeldet hatte und griff stattdessen nach der Kiste und wühlte darin nach dem Oberteil, das sie wollte. Als sie es herauszog, erinnerte sie sich an das letzte Mal, als sie es getragen hatte: Paris, während einem ihrer romantischen Spaziergänge durch die verregnete Stadt. Ihr Herz schmerzte spürbar und sie ließ das Oberteil fallen und griff nach ihrem Handy, alle Willenskraft war plötzlich verschwunden.

Sie hatte keine Benachrichtigungen, aber prüfte jede App einzeln nur für den Fall, dass er sich entschlossen hatte, sie auf eine etwas unauffälligere Art zu kontaktieren, wie beispielsweise ein &bdquo;Gefällt mir“ auf einem ihrer Fotos zu hinterlassen oder durch das Teilen eines Links zu einer relevanten Nachrichtenmeldung auf ihrer Pinnwand. Mit einem traurigen Seufzen merkte Keira, dass da nichts war. Cristiano hatte keinen Versuch unternommen, sie zu erreichen, nicht einmal ganz dezent, seit sie die Beziehung am Charles de Gaulle Flughafen beendet hatte.

Das unangenehme Gefühl in Keiras Brust ließ Keira realisieren, wie sehr sie es brauchte, ihre Freundinnen heute Abend zu sehen. Eine Party war vielleicht nicht die beste Umgebung für sie im Moment, aber Zeit mit Maxine und Shelby zu verbringen, würde ihr guttun. Zum ersten Mal seit langer Zeit konnte sie fühlen, dass sie sich auf menschliche Gesellschaft freute.



*



Keira eilte die Treppenstufen zu Shelby und Davids Haus hinauf. Es war eiskalt und sie trug nur in ein fast nicht existierendes, kleines schwarzes Kleid. Sie zitterte auf der Treppe, als sie immer wieder die Türklingel drückte, ungeduldig, dass jemand die Tür für sie öffnete.

Endlich öffnete sie sich und ließ Licht, Musik und Geschnatter hinaus zu Keira strömen. Sie rieb sich ihre Arme und sah hinauf zu Rob, Davids Bruder, der dort in der Tür stand.

&bdquo;Hallo“, sagte er und sah an ihr hinauf und hinunter. Dann zeigte sich ein amüsiertes Stirnrunzeln zwischen seinen Augenbrauen. &bdquo;Keira Swanson? Bist du es wirklich?“

&bdquo;Ja“, antwortete Keira. &bdquo;Kann ich hereinkommen? Ich bin am Erfrieren!“

&bdquo;Natürlich!“, antwortete Rob und ging einen Schritt zur Seite. Keira eilte an ihm vorbei, aus der Dunkelheit hinein in den hell beleuchteten Flur. Er schloss die Tür hinter ihr. &bdquo;Ich habe dich nicht erkannt. Du hast dich verändert.“

&bdquo;Ich bin keine einundzwanzig mehr, falls es das ist, was du meinst“, antwortete Keira, als sie ihre Jacke auszog.

Rob nahm ihre Jacke ab und hängte sie auf einen freien Haken. &bdquo;War das, als wir uns das letzte Mal gesehen haben?“

Keira nickte. &bdquo;Ja. College Abschlussfeier.“ Die Hitze der Wohnung begann sie aufzuwärmen und sie hörte auf, ihre Arme so heftig zu rubbeln. &bdquo;Also, wie geht es dir?“, fragte sie Rob in einem Versuch freundlichen Small Talk zu führen.

&bdquo;Mir geht’s großartig“, antwortete er strahlend. &bdquo;Ja, alles ist gut.“ Er kratze seinen Kopf, offenbar unsicher, was er sagen sollte. &bdquo;Ähem, warum kommst du nicht rein?“

&bdquo;Klar“, sagte Keira.

Mit einladender Handbewegung deutete er auf die Küchentür. Keira folgte den Geräuschen in Richtung Küche. David und Shelby hatten ein schönes Haus, insbesondere wenn man in Betracht zog, dass niemand sonst in ihrem Freundeskreis in der Lage war, bereits ein eigenes Haus zu kaufen. Zur Hölle, Keira konnte noch nicht einmal genug Geld zusammenkriegen, um die Kaution für eine Mietwohnung zu bezahlen!

Sie fand die anderen in der Küche, wo Shelby neben der großen Kücheninsel hockte und mit einigen Leuten redete, die Keira nicht kannte. Arbeitskollegen, schlussfolgerte Keira. Sie sahen alle hübsch zurechtgemacht aus mit ordentlichen Haaren, trendigen Outfits und selbstbewussten Lächeln. Keira fühlte sich plötzlich sehr unwohl in der Gegenwart dieser offensichtlich ruhigen, gefassten anderen Freunde von Shelby.

&bdquo;Keira!“, rief Shelby aus, als sie Notiz von ihr nahm. &bdquo;Du bist gekommen!“ Sie stellte ihr Glas klirrend auf die Küchenbank und wankte zu ihrer Freundin, ganz offensichtlich war sie schon etwas angetrunken. &bdquo;Oh mein Gott, ich hätte nie gedacht, dich jemals wiederzusehen“, übertrieb sie und warf ihre Arme um Keiras Hals, um sie zu drücken.

Keira strich über den Arm, der sie würgte. &bdquo;Sei nicht albern“, quietschte sie. &bdquo;Ich habe mir nur eine Auszeit gegönnt.“

Shelby löste sich aus der engen Umarmung und sah an ihr auf und ab. &bdquo;Wow, du siehst umwerfend aus!“ Sie zupfte das Material von Keiras Kleid mit den Fingern und ließ es zurück gegen ihre Hüfte schnippen. Dann drehte sie sich um und wandte sich an die Freunde im Raum. &bdquo;Seht mal, wie umwerfend meine Freundin Keira aussieht!“, rief sie aus. &bdquo;UND sie ist SINGLE!“

Keira errötete sofort. &bdquo;Bitte, Shelby“, stotterte sie aus dem Mundwinkel. Sie fühlte sich nicht sonderlich attraktiv, insbesondere dank der extra Kilos, die sie in der letzten Zeit zugelegt hatte.

&bdquo;Was denn?“, kicherte Shelby. &bdquo;Du bist wieder zu haben und ich habe einige sehr gutaussehende Freunde. Und Süße, dein Hintern sieht fantastisch aus.“

&bdquo;Es gibt einen Unterschied zwischen fantastisch und fett“, stammelte Keira. &bdquo;Und ich bin noch nicht für etwas Neues bereit. Das ist buchstäblich mein erster Abend seit über zwei Wochen, an dem ich nicht Trübsal blase.“

&bdquo;Okay, okay“, antwortete Shelby und rollte mit ihren Augen. &bdquo;Ich werde dich nicht drängen. Aber ich hole dir ein Glas Wein.“ Sie grinste verschmitzt.

&bdquo;Nein!“, protestierte Keira. Sie wusste nur zu gut, was für eine hemmungslose Betrunkene sie sein konnte und wie sie viel zu leicht zu viel trank, besonders, wenn sie so emotional war. Alkohol war das Letzte, was sie jetzt brauchte.

Aber es war zu spät. Ein überfülltes Glas mit Weißwein wurde durch die Menge zu ihr gereicht. Sie nahm es aus einer ausgestreckten, körperlosen Hand und versuchte durch die Lücke zwischen den Köpfen zu sehen, wer es war, der es ihr reichte.

&bdquo;MAX!“, heulte Keira, als sie endlich bemerkte, dass die Hand zu ihrer anderen besten Freundin gehörte.

Max drückte sich durch eine kleine Lücke zwischen zwei Typen hindurch, die großgewachsen und unbeweglich dort standen und umarmte Keira.

&bdquo;Hallo Fremde“, sagte sie. &bdquo;Es ist so schön dich zu sehen.“ Sie lösten sich voneinander und Maxine lächelte sie an, ihre dunklen Augen glitzerten mit Fürsorge. &bdquo;Ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht, ich habe sogar eine Nachricht an deine Schwester geschickt.“

Keiras Augenbraue zog sich hoch. Maxine und Bryn konnten sich nicht ausstehen. Irgendein unerklärlicher Streit, an dessen Anfang sie sich beide nicht erinnern konnten, ließ ihre Beziehung im besten Fall frostig erscheinen.

&bdquo;Davon hat sie mir nichts gesagt“, sagte Keira.

&bdquo;Natürlich hat sie das nicht“, antwortete Maxine und rollte mit den Augen. &bdquo;Egal, ich freue mich, dass du jetzt hier bist. Jetzt kann ich dir persönlich ins Gesicht sagen, dass du eine starke, mächtige, wundervolle Frau bist, die nicht von einem Mann definiert wird.“

Keira lachte. Es fühlte sich an, wie das erste echte Lächeln, das sie seit Tagen gelächelt hatte.

&bdquo;Danke, Max“, sagte sie und stupste ihre Freundin an.

Sie fühlte sich ein wenig glücklicher und nippte an ihrem Wein. Er war gut, mit einem delikaten, leichten Geschmack. Sofort konnte sie sich Cristianos Stimme in ihrem Kopf vorstellen, wie er ihr sagte, der Wein würde wunderbar zu Meeresfrüchten passen. Sie fühlte einen Anfall von Verlust über sich kommen.

&bdquo;Hast du bemerkt, dass Rob dich anstarrt?“, fragte Maxime plötzlich und unterbrach ihre Gedanken.

&bdquo;Nein“, sagte Keira und sah hinüber zu ihm. Er stand auf der anderen Seite der Küche und lehnte sich gegen den Kühlschrank. Er sah sofort weg.

&bdquo;Du solltest mit ihm reden“, drängte Maxine. &bdquo;Er scheint dich zu mögen.“

Keira schüttelte den Kopf. &bdquo;Ich bin nicht im richtigen Zustand im Moment, um gemocht zu werden. Cristiano war meine Ablenkung von Shane, erinnerst du dich? Und schau, wie das geendet ist.“

&bdquo;Shane war die Ablenkung von Zach“, erinnerte sie Maxine. &bdquo;Und das war die beste Entscheidung, die du in einer Weile für dich getroffen hast.“

Keira schüttelte wieder ihren Kopf. Sie sprach mit leiser Stimme: &bdquo;Kann ich bitte nur einen Abend haben, ohne an irgendwelche Beziehungen denken zu müssen?“

Maxine stieß ein zögerliches Seufzen aus. &bdquo;Also gut. Aber unter einer Bedingung.“ Sie nahm Keiras Hand. &bdquo;Du tanzt den ganzen Abend mit mir!“

Keira atmete geräuschvoll aus, aber wehrte sich nicht übermäßig, als Maxine sie in die Mitte des Wohnzimmers schob. Die Sofas waren an die Wand geschoben worden, der Kaffeetisch an die Seite und es gab bereits einige andere Leute, die in dem Bereich in der Mitte tanzten. So mitten im Raum zu stehen, war bestimmt nicht Keiras erster Gedanke, wenn sie an Spaß dachte, aber alles war besser, als dazu gezwungen zu werden, mit jemandem zu flirten.

Shelby kam zu ihnen hinüber und warf ihre Arme um sie beide, Keira und Maxine.

&bdquo;Meine Liebsten!“, heulte sie. &bdquo;Habe ich euch in letzter Zeit mal gesagt, wie sehr ich euch liebe?“

Keira lachte.

&bdquo;Jemand ist betrunken“, kommentierte Maxine.

&bdquo;Ja!“, bestätigte Shelby. Dann erhob sie ihre Stimme und rief laut, um die Musik zu übertönen: &bdquo;Und es fühlt sich fantastisch an!“

Sie begannen zusammen zu dem Song zu tanzen, mit albernen übermäßig enthusiastischen Tanzbewegungen. Keira ließ sich in den Moment fallen. Sie trank noch mehr von ihrem Wein und erlaubte sich selbst Spaß zu haben und sich ein bisschen gehen zu lassen. Mit ihren besten Freundinnen an ihrer Seite konnte sie die Zügel etwas lockerer lassen.

Ihr Glas war leer, als Shelby plötzlich lauf ausrief: &bdquo;Oh mein Gott! Wann war das letzte Mal, dass wir gemeinsam Shots getrunken haben?“

Sie griff nach ihren Händen und sah sie beide mit erwartender Aufregung an, als hätte sie soeben die beste Idee auf der Welt gehabt.

&bdquo;Auf gar keinen Fall“, sagte Keira und schüttelte ihren Kopf. Sie hatte bereits ein sehr großes Glas Wein getrunken. Da noch Shots hinzuzufügen, könnte gefährlich werden.

&bdquo;Komm schon!“, sagte Shelby beleidigt. Sie sprang aufgeregt hoch und runter. Ihr Gesichtsausdruck und ihre zierliche Bauweise ließen sie ein bisschen wie eine launische Fee wirken. &bdquo;Wir haben Tequila!“

Keira erinnerte sich, wie sie zusammen mit ihren beiden Freundinnen bei College Partys immer Tequila Shots getrunken hatte, es war fast wie ein Ritual gewesen, wenn sie zusammen ausgingen und sie erinnerte sich, wie viel Spaß sie immer gehabt hatten.

&bdquo;Um der alten Zeiten willen?“, sagte Maxine und stieß sie an.

Einer kann vielleicht nicht schaden, dachte Keira.

&bdquo;Okay, okay“, sagte sie endlich und gab zum wiederholten Male an diesem Abend dem Gruppenzwang nach.

Shelby griff Keiras Schultern und schob sie in Richtung Küchentresen. Maxine folgte ihnen im Gänsemarsch. Dort stand David, der mit einer Gruppe seiner männlichen Freunde sprach. Rob war ebenfalls dort.

&bdquo;Schatz, wir trinken Tequila“, lallte Shelby, legte einen Arm um seine Schulter und gab ihm einen betrunkenen Kuss auf den Hals. Ihr Verlobungsring glitzerte unter dem hellen Licht.

David sah sie verliebt an und Keira musste wegsehen, als sie einen Anflug der Eifersucht tief in ihrem Magen spüren konnte. Als sie ihren Blick abwandte, sah sie unbeabsichtigt direkt in Robs Augen. Er schien den gleichen Ausdruck in seinem Gesicht zu zeigen, wie sie selbst, so als würde er den Neid zurückhalten müssen. Sie fragte sich, ob auch er gerade, so wie sie selbst, mit den Auswirkungen einer gescheiterten Beziehung zu tun hatte.

&bdquo;Natürlich, mein Schatz“, sagte David zu Shelby und küsste ihre Nase.

Sie löste ihre Arme von seinem Hals und ging hinüber zu den Schränken und sammelte alles zusammen, was sie brauchen würden – die Tequila Flasche, Salz und Shot Gläser.

&bdquo;Rob, kannst du bitte die Limetten holen?“, wies Shelby ihn an und deutete mit dem Finger auf den Kühlschrank, an den er sich lehnte.

Keira sah ihm zu, wie er eine Tüte mit Limetten aus dem Kühlschrank angelte. Er kam hinüber zum Tresen und legte sie dort hin.

&bdquo;Ich trinke auch so einen“, sagte er und deutete auf die Reihe von Shot Gläsern, die David vor sich aufstellte.

&bdquo;JA VERDAMMT!“, rief Shelby aus.

Sie griff nach einem Messer, um zu beginnen, die Limetten zu schneiden und sofort nahm Maxine es ihr aus der Hand.

&bdquo;Lass mich das machen, okay, Süße?“, sagte Max mit einem Kichern.

Shelby nickte.

Sobald alles fertig war und die Shot Glaeser gefüllt waren, positionierten sich David, Rob, Keira, Maxine und Shelby vor ihnen und machten sich bereit für den Countdown.

&bdquo;Drei, zwei, eins!“, rief Shelby aus.

Keira trank den Shot in einem Zug. Der Likör brannte sofort in ihrem Hals. Der Geschmack war intensiv und sie schluckte ihn schnell hinunter und fühlte, wie die Hitze in ihrer Speiseröhre brannte. Schmerzverzerrt leckte sie schnell das Salz, griff dann nach einem Stück Limette und saugte daran.

Mit tränenden Augen sah sie hinüber zu ihren Freunden. Shelby zog die Limette aus ihrem Mund und warf sie auf die Küchentresen, bevor sie plötzlich würgte. Dann drehte sie sich um und übergab sich ins Spülbecken.

David brach in Gelächter aus und eilte dann hinüber, um sie zu trösten. Maxine folgte ihm, warf ihre Limette weg und kicherte laut.

Keira war mit Rob zurückgeblieben. Sie sah zu ihm hinüber. Er lachte mit seiner Limette noch immer im Mund.

&bdquo;Shelby ist so ein Fliegengewicht“, sagte er, als er sie endlich aus dem Mund nahm.

Keira nahm ihre eigene Limette aus ihrem Mund. Als der Tequila ihren Magen erreichte, breitete sich Wärme in ihrem Körper aus.

&bdquo;Es liegt nicht an ihr“, sagte sie mit einem Lächeln. &bdquo;Es gibt nicht viele Frauen um die 1,50 m und 50 Kilo, die viel Alkohol vertragen.“

&bdquo;Dir scheint es zu bekommen“, kommentierte er.

Keira strich sich über ihren neuen runden Bauch, als wäre der die Erklärung dafür.

&bdquo;Also, Rob“, sagte sie. &bdquo;Was hältst du von deinem Shot?“

&bdquo;Es war okay“, sagte Rob und zuckte beiläufig mit den Schultern. &bdquo;Aber ich muss zugeben, ich bin eher ein Biertrinker. Aber ich dachte, ich probiere es mal aus.“

&bdquo;Wie lobenswert“, antwortete Keira.

Sie konnte fühlen, wie ihre Wangen von der Mixtur aus Wein und Tequila warm wurden. Zum ersten Mal seit Tagen fühlte sie sich gewillt und in der Lage eine Unterhaltung zu führen.

&bdquo;Also Rob, erzähle doch mal, was hast du die letzten...“, sie zählte in ihrem Kopf, &bdquo;...sieben Jahre so gemacht?“

&bdquo;Jede Zelle in meinem Körper regeneriert“, sagte er.

Keira verzog verwirrt ihr Gesicht. &bdquo;Hä?“

&bdquo;Sieben Jahre. Das ist, wie lange es dauert, bis sich jede Zelle deines Körpers regeneriert hat“, erklärte er. &bdquo;Es gibt die Theorie, dass dies der Grund ist, warum es in Beziehungen das ‚verflixte siebte Jahr’ genannt wird.“

&bdquo;Aha“, sagte Keira. &bdquo;Ich glaube nicht, dass ich es jemals zu sieben Jahren in einer Beziehung schaffen werde.“

Rob lachte. &bdquo;Nein. Ich auch nicht. Ich kann eins. Manchmal zwei. Aber alles darüber hinaus ist unerforschtes Gebiet.“

&bdquo;Genau wie bei mir“, sagte Keira. Sie merkte schon, dass der Alkohol ihre Zunge etwas gelöst hatte. Es fühlte sich gut, wieder einmal eine Unterhaltung genießen zu können. Sie griff nach dem Tequila. &bdquo;Noch einen?“

Rob hob seine Augenbrauen. &bdquo;Klar.“

Keira goss ihnen beiden noch einen Shot ein. Nacheinander streuten sie sich gegenseitig Salz auf ihre Hände und dieses Mal zählte sie: &bdquo;Drei, zwei, eins!“

Gemeinsam tranken sie den Tequila, knallten ihre Gläser gleichzeitig auf den Tisch, leckten das Salz von ihren Händen und griffen nach den Limetten. Sie griffen beide nach dem gleichen Stück und Keira schob verspielt seine Hand weg und stahl das Stück Limette. Sie saugte daran, lachte und nahm es dann aus ihren Lippen.

&bdquo;Das hat Spaß—“, begann sie, aber ihr Satz wurde unterbrochen, als Rob sich plötzlich vorbeugte und sie küsste. Keira schob ihn von sich, sie war außer sich. &bdquo;HEY!“, schrie sie ihn an. &bdquo;Was zum Teufel war das denn?“

Rob sah geschockt aus. &bdquo;Was meinst du denn?“, fragte er. &bdquo;Du hast mit mir geflirtet.“

&bdquo;NEIN, habe ich nicht!“, erwiderte Keira. Schlimmer noch, als die Lippen eines Fremden ohne ihr Einverständnis auf ihren eigenen zu spüren, war die Anschuldigung, dass sie ihm auf irgendeine Art grünes Licht dafür gegeben hätte, wenn dies ganz definitiv nicht der Fall gewesen war.

&bdquo;Oh, ich bitte dich“, antwortete Rob empört. &bdquo;Warum hast du mich dann die ganze Zeit angeschaut? Warum hast du mir noch ein Getränk angeboten?“

&bdquo;Seit wann ist Angucken mit Flirten gleichzusetzen?“, antwortete Keira.

&bdquo;Ähem, seit den Zeiten, als unsere Spezies klar unterscheidbare männliche und weibliche Körperteile entwickelt hat?“, erwiderte Rob.

Er sah wütend aus. Keira merkte, dass er tatsächlich ganz schön betrunken war. Er hatte es vorher nicht gezeigt, aber mit den zwei Tequila Shots in kürzester Zeit nacheinander, war er offensichtlich über die Grenze hinausgegangen, was sein Körper vertragen konnte und er sah plötzlich ziemlich zerzaust aus.

Keira drehe sich weg, sie war definitiv nicht bereit, mit einem betrunkenen Idioten die Nuancen des Flirtens zu diskutieren. Aber als sie von ihm fortlief, griff Rob plötzlich nach ihrem Arm und versuchte sie aufzuhalten.

&bdquo;Hey“, sagte er. &bdquo;Du solltest dich entschuldigen.“

&bdquo;Wie bitte?“, wetterte sie und der Tequila in ihrem Magen verlieh ihr Selbstvertrauen. &bdquo;DU solltest dich entschuldigen. Ich habe nichts gemacht.“

&bdquo;Du hast mir etwas vorgemacht!“

Keira fühlte, wie die Wut sie übermannte. &bdquo;Du bist ein Schwein!“, kreischte sie und griff nach dem nächsten Glas mit Alkohol. Sie fand ein stehengelassenes, volles Weinglas und schüttete den Inhalt in Robs Gesicht.

Sie eilte los, griff nach ihrem Mantel und verließ hastig das Haus, bevor irgendwer sie stoppen konnte. Sie wollte nicht von Maxine oder Shelby verfolgt werden, die versuchen würden, sie zu trösten. Alles was sie wollte, war einfach nur nach Hause zu gehen.

Als sie die Straße hinuntereilte, kam ihr glücklicherweise ein Taxi mit erleuchtetem Schild entgegen. Sie winkte dem Fahrer. Er hielt an der Bordsteinkante an und sie sprang hinein und gab dem Fahrer Bryns Adresse. Als sie davonfuhren, sah sie Maxine und Shelby zur Ausgangstür eilen und sich suchend umsehen. Sie winkte ihnen schwach von der Rückbank des Taxis aus zu, als sie am Haus vorbeifuhren und kauerte sich dann in ihren Sitz.

Ihre Wangen brannten vor Beschämung. Sie wühlte in ihrer Handtasche und griff nach ihrem Handy, um Shelby eine Entschuldigung zu schicken. Aber anstelle ihrer Freundin zu schreiben, schrieb sie stattdessen eine Nachricht an Cristiano. Drei kurze Worte.

Ich vermisse dich.




KAPITEL ZWEI


Als Keira am nächsten Morgen aufwachte, wurde sie von einem Gefühl der Demütigung erfasst. Erinnerungen an die Party kamen zu ihr zurück, an die Tequila Shots mit ihren Freunden und die ganze unangenehme Erfahrung mit Rob, der sie geküsst hatte und wie sie ihm dann den Wein ins Gesicht geschüttet hatte. Aber das war nicht das Schlimmste gewesen. Das Schlimmste, was passiert war, war, dass sie Cristiano eine Nachricht geschrieben hatte.

Sie schob ihre Decke weg, verhedderte sich jedoch darin, als sie eilig versuchte, ihr Handy zu finden und fiel schnurstracks hinunter auf ihr Hinterteil. Vom harten Fußboden aus stöhnte sie und griff nach dem Kaffeetisch, um sich daran hochzuziehen.

Als sie endlich ihr Handy in der Hand hielt, hatte sie zu viel Panik um nachzusehen. Sie zögerte mit ihrem Daumen über dem Knopf, bevor sie endlich ihre Angst überwand und den Daumen hinunterdrückte.

Sofort sah sie, dass sie mehrere Benachrichtigungen über SMS Nachrichten hatte. Ihr Herz schlug bis zum Hals. Könnte eine von ihnen von Cristiano sein? Sie drückte auf das Symbol.

Die erste Nachricht war von Maxine, die fragte, ob sie okay war. Die nächste; nochmal Maxine, in der sie bat, sie wissen zu lassen, ob sie gut nach Hause gekommen war. Dann mehrere von Shelby, mit einem Strom von nicht miteinander verbundenen Worten mit Rechtschreibfehlern, noch eine von Maxine von heute Morgen, in der sie schrieb, wenn Keira sich bis Mittag nicht gemeldet hatte, würde sie die Polizei rufen und schlussendlich eine Nachricht von ihrer Mom, die fragte, ob sie jemals Kokosnussmilch in ihrem Milchkaffee probiert hatte. Aber nichts von Cristiano.

Ihr Herz sank und Enttäuschung machte sich tief in ihrer Brust breit. Aber sie wurde schnell von einem anderen Gefühl ersetzt: Erleichterung. Sie hatte den ersten Schritt getan und die Wand der Stille zwischen ihnen eingerissen und Cristiano hatte gewählt, ihr nicht zu antworten. Wenigstens wusste sie jetzt, wo sie stand. Sie musste sich nicht mehr fragen. So schwer es auch war zu wissen, dass es wirklich vorbei war, war sie doch froh, dass sie es nun mit Sicherheit wusste.

Sie sah wieder auf Maxines Nachrichten und nun, nicht länger von den Gedanken an Cristiano abgelenkt, schenkte sie ihrer Freundin die Aufmerksamkeit, die sie verdiente.

Bist du okay, Süße? Die Sache mit Rob tut mir so leid! Was für ein Trottel. Ich kenne dich gut genug, um zu wissen, dass es dir wahrscheinlich peinlich ist, aber du bist jetzt gerade buchstäblich meine Heldin!

Sie lächelte zu sich selbst, ihre Demütigung und das Gefühl, dass sie einen Narren aus sich gemacht hatte, lösten sich langsam auf. Sie tippte eine Antwort.

Es tut mir leid, dass ich mich nicht früher gemeldet habe. Ich muss sofort eingeschlafen sein, als ich nach Hause kam. Natürlich ist es mir peinlich, aber wenigstens bist du stolz auf mich.

Sie schickte die Nachricht ab und wollte ihr Handy zur Seite legen, änderte dann aber ihrer Meinung und schickte noch eine Nachricht an ihre Mom, Mallory. Ja. Und es schmeckt lecker.

Sie hörte das Geräusch eines Schlüssels in der Tür und sprang vor Überraschung auf. Als sie sich umdrehte, um über ihre Schulter zu gucken, sah sie, wie Bryn in die Wohnung kam, gekleidet in Sportsachen, pink gefärbte Wangen, verschwitzter Haaransatz und ein breites Grinsen im Gesicht. Dann bemerkte Keira, dass sie nicht alleine war. Felix war im Schlepptau. Für einen älteren Herren sah er auf jeden Fall ziemlich gut aus in seiner Sportbekleidung. Er erinnerte sie ein wenig an ein ‚Vorher Modell’ für eine Werbung für Haarfarbe für Männer.

&bdquo;Du bist wach“, sagte Bryn zu Keira und lächelte. &bdquo;Wie war die Party?“

&bdquo;Hätte besser sein können“, murmelte Keira als Antwort. &bdquo;Wo wart ihr beiden denn?“

Bryn ging hinüber zur Spüle, um ihre leere Wasserflasche wieder aufzufüllen. Es war Felix, der Keiras Frage beantwortete.

&bdquo;Wir waren gerade joggen“, sagte er.

Keira musste sich selbst stoppen zu fragen: &bdquo;In deinem Alter?“ Stattdessen schaffte sie es, sich zurückzuhalten und fragte: &bdquo;Zu dieser Zeit am Morgen?“

&bdquo;Es ist die beste Zeit dafür“, antwortete Felix. Er hob eines seiner Beine, lehnte es auf einen der Hocker in der Küche und dehnte sich, um seine Zehen zu erreichen.

Er war fitter als Keira, so viel war offensichtlich. Sie hatte sich diesbezüglich komplett gehen lassen und ihre Hüfte begann langsam darunter zu leiden. Es war alles schön und gut nach Herzenslust zu essen und zu trinken, als sie noch die italienischen Berge hinauf und hinunter gewandert war, aber jetzt, da ihre Abende aus Dauerfernsehen und Brezeln bestanden, war das keine so gute Idee. Sie kniff sich in den Bauch. Der war definitiv weicher als früher. Sie würde bald etwas dagegen unternehmen müssen.

Bryn drehte sich um und nahm einen großen Schluck Wasser aus ihrer Flasche. &bdquo;Hast du von Mom gehört?“

&bdquo;Nur eine unwichtige Nachricht über Kokosnussmilch im Milchkaffee“, antwortete Keira.

Bryn lachte: &bdquo;Sie verliert ihren Verstand. Sie sollte dir wegen des Abendessens heute Abend Bescheid geben.“

&bdquo;Oh“, antwortete Keira.

&bdquo;Also?“, fragte Bryn. &bdquo;Was sagst du? Swanson Mädels Verabredung zum Abendessen?“

&bdquo;Ist Felix nicht eingeladen?“, fragte Keira neugierig. Mallory schien Felix zu lieben; entweder das oder sie war einfach nur sehr erleichtert, dass Bryn endlich eine feste Beziehung eingegangen war.

Felix wechselte die Position, um sein anderes Bein zu dehnen. Er blickte Keira an, seine Hände waren ausgestreckt und hielten die Spitze seiner Turnschuhe fest. &bdquo;Ich habe heute Abend Pläne mit meiner eigenen Familie. Meine Eltern haben ihren Hochzeitstag.“

Und erneut musste Keira sich auf die Zunge beißen, um sich zu stoppen, nicht etwas Gemeines herauszuprusten. Aber sie war wirklich überrascht, dass Felix Eltern gesund und munter waren. Sie mussten weit über achtzig sein, das gleiche Alter in dem Keiras Großeltern wären, wären sie noch am Leben.

&bdquo;Das ist wunderbar“, brachte sie zustande zu sagen.

&bdquo;Was soll ich Mom sagen?“, fragte Bryn.

&bdquo;Sag ihr, okay“, antwortete Keira.

Vielleicht würde ein bisschen verhätschelt zu werden, ihr helfen, sich aus ihrem Trott zu befreien. Es gab nichts Besseres, als Mallorys mütterliche Rührseligkeit, um Keira daran zu erinnern, wie wichtig ihr ihre Unabhängigkeit war. Bryn und Felix nickten sich zu und gingen dann in Richtung Tür.

&bdquo;Wohin geht ihr?“, fragte Keira.

&bdquo;Die zweiten fünf Kilometer“, antwortete Bryn.

&bdquo;Zehn vorm Frühstück war schon immer mein Motto“, fügte Felix hinzu.

Sie winkten und wirbelten zur Tür hinaus. Keira war überrascht. Es war schwer zu glauben, dass überhaupt jemand so körperlich aktiv sein konnte, ganz zu schweigen von einem Mann über sechzig. Sie fragte sich, wie lange das Training dauern würde, bis man zehn Kilometer rennen konnte und stellte fest, dass es wahrscheinlich überhaupt nicht sehr lange dauerte. Mit Sicherheit weniger, als ein Jahr. Felix könnte sein Fitnessprogramm nach seinem sechzigsten Geburtstag begonnen haben, soweit sie wusste. Es war niemals zu spät für Veränderungen.

Plötzlich realisierte sie, dass sie aufhören musste herumzusitzen und sich selbst zu bemitleiden.

Von einer Welle der Motivation beflügelt, griff Keira nach ihrer Arbeitstasche und holte ihr Notizbuch heraus. Sie schrieb eine schnelle Liste von all den Dingen, die sie in ihrem Leben verändern musste, einschließlich des Vorhabens, ein paar überflüssige Pfunde zu verlieren und ihren Haaransatz nachzufärben. Sie überflog die Liste und realisierte, dass es eine besonders wichtige Veränderung gab, die sie schnellstmöglich umsetzen musste, um ihr Leben wieder auf die Reihe zu kriegen. Das war, sich eine eigene Wohnung zu suchen. Je länger sie auf Bryns Couch schlief, desto schwieriger wurde es, sich vorzustellen, dass sie je wieder unabhängig auf ihren eigenen zwei Beinen stehen würde.

Sie griff nach ihrem Laptop und ging auf eine Immobilien Webseite. Sie hatte seit bestimmt zwei Jahren keine Wohnungspreise mehr studiert, da sie so lange mit Zach zusammen gewohnt hatte und die aktuellen Preise trieben ihr die Tränen in die Augen. Aber wenn sie ihre Arbeitsboni und die paar Tausend Dollar zusammenrechnete, die sie in den letzten Monaten gespart hatte, einfach nur deshalb, weil sie keine eigene Miete und für kein Essen zahlen musste, könnte sie vielleicht geradezu in der Lage sein, genug für eine Mietkaution zusammenzukratzen. Auf Papier sah sie wie eine sichere Sache aus, da sie eine sichere Anstellung mit gutem Einkommen nachweisen konnte. Zum ersten Mal seit Tagen fühlte sie einen Funken der Hoffnung.

Sie durchforstete die gesamte Liste der Wohnungen auf der Suche nach einer, die in ihrer Preisklasse lag. Die meisten von ihnen sahen ziemlich abgenutzt aus, aber sie mochte Heimwerkerprojekte und hatte kein Problem damit, wenn die Wohnung etwas renovierungsbedürftig war. Sie wollte nur etwas, das ihre eigenen vier Wände waren, einen Ort, den sie zu Hause nennen konnte, nachdem sie endlose Wochen in Hotelzimmern verbracht hatte.

Endlich fiel ihr eine Wohnung ins Auge. Eine Einzimmerwohnung mit Badezimmer weiter westlich von Manhattan, als sie sich normalerweise aufhielt. Nach den Fotos zu urteilen, sah sie so aus, als wäre sie die traurige, verkleinerte Mietwohnung eines Scheidungsopfers gewesen, aber Keira konnte an der faden, lieblosen Einrichtung vorbeischauen. Die Fenster waren riesig, die Decken hoch. Und ohne den grauen Teppich würde der Raum sogar noch größer wirken. Das Gebäude hatte eine Waschküche im Untergeschoss und war weniger als eine Meile von der U-Bahn-Station entfernt.

Es fühlte sich an, als sollte es sein.

Keira griff nach ihrem Handy und wählte die Nummer des Immobilienmaklers. Nachdem es ein paarmal geklingelt hatte, meldete sich die krächzende Stimme einer älteren Frau, mit einem wahrscheinlich über Jahrzehnte entwickelten, kratzigen Raucherhusten.

&bdquo;Ich rufe an, um mich nach der Wohnung auf ihrer Webseite zu erkundigen“, sagte sie und erklärte, welche Wohnung sie interessierte.

&bdquo;Oh ja, die ist ein Prachtstück“, antwortete die Frau. &bdquo;Großartige Lage. Wie groß bist du?“

Keira war etwas überrascht über diese Frage. &bdquo;Warum?“

&bdquo;Weil die letzten zwei Typen, denen ich diese Wohnung gezeigt habe, so groß wie Basketballspieler waren und sie wollten mehr Platz. Eine Zeitverschwendung für alle Beteiligten. Und Zeit ist Geld, Kind. Also? Wie groß?“

&bdquo;Ein Meter achtundfünfzig“, antwortete Keira.

&bdquo;Perfekt“, krächzte die Frau. &bdquo;Wann willst du sie dir angucken?“

Keira dachte an ihre Arbeit und die vielen Überstunden, die sie oftmals bei Viatorum arbeiten musste. &bdquo;Ein Wochenende wäre am besten.“

&bdquo;Was machst du heute?“, kam die Antwort der Frau. &bdquo;Ich hatte eine Absage, also kann ich dich dazwischen schieben.“

&bdquo;Heute?“, wiederholte Keira überrascht. Es war nicht so, dass sie irgendetwas anderes zu tun hätte. &bdquo;Okay, ja. Heute passt gut!“

Sie besprachen die benötigten Details und als Keira auflegte, fühlte sie sich fast ein wenig schwindelig von dem Tempo, in dem alles passiert war. Es fühlte sich wirklich wie Schicksal an.



*



Keira kam aus der U-Bahn-Station und fand sich in einem ihr unbekannten, aber überaus angenehmen Teil von New York wieder. Das war eines der Dinge über die Stadt, die sie so sehr liebte. Wie sie sich veränderte, wie Neues entstand und wie sie sich kontinuierlich immer weiterentwickelte, sodass sie sich immer wieder selbst neu erfand. Vor nicht allzu langer Zeit musste diese Gegend etwas heruntergekommen gewesen sein und die meisten Menschen haben die Neuentwicklung noch nicht mitbekommen, denn ansonsten gäbe es keinerlei Chance, dass sie in der Lage wäre, sich in dieser Gegend eine Mietwohnung leisten zu können!

Sie eilte den Gehsteig entlang und suchte mit den Augen, während sie lief, die Hausnummern ab, um das richtige Gebäude zu finden. Als sie der richtigen Hausnummer näher kam, bemerkte sie eine Frau, die in einiger Entfernung vor ihr stand. Sie trug einen pinkfarbenen Zweiteiler mit passenden Absatzschuhen und rauchte eine Zigarette. Das musste die Immobilienmaklerin sein, mit der sie am Telefon gesprochen hatte.

Die Frau drehte sich um, wahrscheinlich da sie Keiras Schritte hinter sich gehört hatte und warf ihre Zigarette auf den Boden. Sie drückte sie mit der Spitze ihres Schuhs aus und eilte sogleich in Richtung Tür. Sie gestikulierte in Keiras Richtung ihr zu folgen und blies, während sie lief, seitlich den Zigarettenrauch aus.

&bdquo;Lass uns hineingehen“, rief sie Keira zu, die noch einige Schritte entfernt war. &bdquo;Ich friere mir hier draußen das Hinterteil ab.“

Keira zwinkerte wieder überrascht darüber, wie schnell sich die Dinge scheinbar entwickelten. Ohne sich vorzustellen, folgte sie der Frau in das Wohnhaus.

Drinnen war es düster, genau wie Keira es erwartet hatte, aber die Treppen waren in einem Stück und der Fahrstuhl roch okay. Sie fuhren hinauf zur dreizehnten Etage und Keira war positiv überrascht darüber, dass an keiner der Wände des Flures, den sie nun betraten, irgendwelches Graffiti gesprüht war.

Die Immobilienmaklerin steckte einen Schlüssel in das Schlüsselloch einer einfachen weißen Tür und drückte sie auf.

Der Geruch von Staub kam ihnen entgegen. Es roch, als wäre die Wohnung seit Jahren nicht gesaugt worden. Sie gingen hinein.

&bdquo;Der Eigentümer hat hier für eine Weile gewohnt, bevor er woanders eingezogen ist. Er möchte diese hier jetzt vermieten. Er ist alleinstehend“, sagte die Maklerin, während sie mit ihrem Finger die Balustrade entlangstrich und dabei Staub aufwirbelte, &bdquo;wie du sicherlich sehen kannst.“

Aber Keira kümmerte die Staubschicht nicht. Es kümmerte sie auch nicht, wie viel kleiner die Wohnung in Wirklichkeit und verglichen mit den Fotos war oder dass die Tapete voll von verschmierten Fingerabdrücken war. Sie konnte über all das hinwegsehen. Die Wohnung bedeutete für sie Freiheit, Unabhängigkeit, der Beginn ihres neuen Lebens. Ein Neustart. Ein Anker.

&bdquo;Ich liebe sie!“, rief sie aus und klatschte in die Hände.

Die Maklerin schien von ihrem Ausbruch der Begeisterung unbeeindruckt. &bdquo;Gut“, sagte sie nur. &bdquo;Das Schlafzimmer ist hier drüben. Das ist der Grund, warum sie so billig ist. Es ist nicht genug Platz, um ein richtiges Doppelbett darin unterzubringen, nur für eins von denen in europäischer Größe. Aber da du klein bist, wirst du gut reinpassen.“

Keira sah ins Schlafzimmer. Es war wirklich nicht viel größer als ein Abstellraum. Aber was sonst würde sie von einem Schlafzimmer brauchen, als einen Platz zum Schlafen? Es war ja nicht so, als hätte sie einen Partner, mit dem sie ihr Bett teilen würde. Es würde ja nur sie selbst sein. Sie und vielleicht noch eine Katze...

&bdquo;Sieht groß genug für mich aus“, sagte sie. &bdquo;Ich besitze ehrlich gesagt noch kein Bett, also ist es nur ein Fall, etwas zu finden, was hineinpasst.“

Die Immobilienmaklerin nickte in ihrer charakteristischen, gelangweilten Art. &bdquo;Großartig. Willst du sie mieten?“

Keira brauchte einen Moment zum Nachdenken. Alles passierte so schnell. Sie ging zurück aus dem Schlafzimmer in den Wohnbereich und lief hinüber zu den großen Fenstern und schaute sich die Aussicht an. Sie konnte von hier sogar den Central Park sehen.

Plötzlich konnte sie sich selbst hier vorstellen, wie sie an diesem Fenster saß, auf die Straßen hinaus blickte, Kaffee trank und schrieb. Es war, wie ihr eigenes Pariser Hotelfenster. Es war perfekt für sie. Sie brauchte nichts Anderes, nicht, wenn sie sich beruflich so oft im Ausland aufhielt. Alles, was sie brauchte, war ein Ort, den sie ihren eigenen nennen konnte. Einen neuen Anfang.

Sie drehte sich zu der in pink gekleideten Immobilienmaklerin um. &bdquo;Ja, ich nehme sie.“




KAPITEL DREI


Mallory lehnte sich quer über den Tisch und füllte Keiras inzwischen leere Glas mit mehr Rosé. Keira verzog das Gesicht. Sie mochte den überaus süßen pinkfarbenen Wein, den ihrer Mutter bevorzugte, nicht, aber es gab nicht viel, was sie deswegen tun konnte. Wenn es zu Mallory Swanson kam, war Ablehnen einfach zwecklos.

Bryn sah Keira vom anderen Ende des Tisches in die Augen und grinste. Sie hasste den pinkfarbenen Wein genau wie Keira. Zumindest hatten sie dadurch einen kleinen geheimen Witz, den sie teilten.

&bdquo;Also Keira“, sagte Mallory und sprach ihre jüngste Tochter an.

Keira wand ihre Augen von Bryn ab, um Mallory anzusehen. Von der Art wie ihre Mutter ihre Augen leicht zusammenkniff und wie sie ihr Weinglas schief in ihrer Hand hielt, konnte Keira sagen, dass sie leicht angetrunken war. Was bedeutete, das sie gleich etwas sehr Persönliches fragen würde, so wie sie es immer machte, wenn sie ein Glas oder zwei getrunken hatte.

Keira bereitete sich innerlich darauf vor. &bdquo;Ja, Mutter?“

&bdquo;Hast du von Cristiano gehört?“

Da war er. Der Schlag in die Magengrube.

Bevor Keira überhaupt die Chance hatte, darüber zu stöhnen, sah Mallory Bryn mit glitzernden und zusammengekniffenen Augen an.

&bdquo;Höre auf mich zu treten, junge Frau!“, rief sie aus. &bdquo;Wenn ich nicht frage, erzählt sie es mir ja nicht. Wie sonst soll ich denn wissen, was im Leben meiner Tochter vor sich geht? Eine Minute war er Mr. Right und dann war er Mr. Weg. Und ich weiß nicht, was passiert ist.“

Bockigkeit war noch eine von Mallorys angetrunkenen Eigenschaften.

Keira seufzte: &bdquo;Es ist schon gut. Es ist an der Zeit, dass ich mal darüber spreche, was passiert ist.“ Sie stellte ihr Weinglas ab. Wenn sie diejenige war, die die Unterhaltung kontrollierte, hatte sie wenigstens eine Ausrede, nicht noch mehr von dem Rosé Wein trinken zu müssen. &bdquo;Ich habe nicht von ihm gehört, seitdem ich mit ihm Schluss gemacht habe. Ich dachte wirklich, wir würden Freunde bleiben. Es fühlte sich an, wie eine reife, einvernehmliche Trennung, weißt du? So, als wüssten wir beide, dass es nicht richtig war. Aber seitdem ist es, als wäre er vom Erdboden verschluckt. Keinerlei Kommunikation. Ich meine, bin ich die Idiotin, dass ich denke, man könnte mit seinem Ex befreundet sein? Das Gleiche ist mit Shane passiert.“

&bdquo;Oh mein Schatz, ich bin die Falsche mit dieser Frage“, antwortete Mallory. &bdquo;Du weißt doch gut genug, wie desaströs mein Liebesleben gewesen ist.“

Wenn Keira eine Bingo-Karte hätte, für Dinge, die ihre Mutter mit ihr diskutiert hatte, wenn sie getrunken hatte, hätte sie mit Sicherheit inzwischen alle Kästchen abgehakt. Karriere. Abgehakt. Schmerzhaftes, gebrochenes Herz. Abgehakt. Und jetzt die große Nummer: ihr Vater.

Keira kannte die Geschichte nur zu gut, aber das stoppte Mallory nicht, sie immer wieder anzusprechen. Er war ihre eine große Liebe gewesen, sie waren jung und dachten es könnte funktionieren, er konnte mit der Verantwortung Kinder zu haben nicht umgehen, er verließ sie, mittellos in einer großen Stadt mit zwei kleinen Kindern. Obwohl sie ihren Vater nie getroffen hatte, war Keira sich sicher, dass seine Abwesenheit eine große Rolle dabei spielte, dass sie selbst nicht in der Lage war, eine glückliche Beziehung aufrechtzuerhalten. Und er war definitiv der Grund, warum Bryn sich mit einem alten Mann eingelassen hatte.

Mallory schwenkte ihr Glass vor ihrem Gesicht hin und her und verschüttete einen Teil der pinkfarbenen Flüssigkeit auf den Tisch vor sich. &bdquo;Ich will aber eines sagen. Gebrochene Herzen, so wie gebrochene Knochen, sind stärker, nachdem sie wieder geheilt sind.“

Keira hob eine Augenbraue. Das war ehrlich gesagt recht einfühlsam, dafür dass es von Mallory kam.

&bdquo;Wen zitierst du denn damit, Mom?“, fragte Bryn. &bdquo;Oprah Winfrey?“

&bdquo;Ich weiß nicht, wen“, erwiderte Mallory schnippisch. &bdquo;Vielleicht stand es in einem Glückskeks. Ist doch egal. Der Punkt ist, du wirst darüber hinwegkommen und du wirst etwas daraus lernen und du wirst heilen und dein Herz wird weiterleben.“

&bdquo;Oh, den kenn ich. Das ist Celine Dions ‚your heart will go on’“, sagte Bryn.

Mallory sah sie an und verzog ihr Gesicht. &bdquo;Kannst du deine Witze mal lassen, Bryn! Ich versuche Keira aufzumuntern.“

&bdquo;Das tust du ja, Mom“, sagte Keira bedeutungsvoll, als sie das erste Mal seit einer Weile wieder etwas sagte. &bdquo;Du hilfst mir genaugenommen sehr, Bryn auch, auf ihre Art.“ Sie lächelte ihre Schwester an. Bryn hatte sich in den letzten Wochen mit einer Menge von Keiras Launen abgeben müssen, genau wie damit, dass sie tagelang in ungewaschener Kleidung herumlungerte und überaus reizbar gewesen war. Jetzt fühlte es sich wie ein guter Moment an, sie beide wissen zu lassen, was heute Nachmittag mit der Immobilienmaklerin passiert war. &bdquo;Um ehrlich zu sein, habe ich Neuigkeiten. Gute Neuigkeiten.“

&bdquo;Oh?“, fragten sie beide im Chor.

Plötzlich fühlte sich Keira schüchtern. Eine Wohnung zu mieten, war ein riesiger Schritt für sie, für sie alle wahrscheinlich. Es würde ein Übergang sein, endlich, von einem Mädchen zu einer Frau. Für Mallory würde es das Ende ihrer andauernden Sorge sein, wie ihre Jüngste mit der Welt zurechtkam. Für Bryn würde es bedeuten, dass sie ihre Unabhängigkeit wieder zurückbekam, weniger Verantwortung tragen zu müssen, die Last, die sie seit jeher als ältere der beiden Schwestern auf ihren Schultern trug, würde ein wenig leichter werden.

&bdquo;Ich habe eine Anzahlung für eine Kaution hinterlegt, um meine eigene Wohnung zu mieten.“

Es gab einen Moment verblüffter Stille. Dann begann Bryn zu jubeln. Mallory zeigte ein breites Grinsen.

&bdquo;Schatz, ist das wahr?“, fragte sie.

Keira lächelte schüchtern und nickte. &bdquo;Ja.“

Bryn sprang plötzlich von ihrem Stuhl auf. Sie kam herum zu Keira und warf ihre Arme um ihren Hals. &bdquo;Oh, GOTT SEI DANK!“, rief sie.

Keira musste in ihrer engen Umarmung lachen. &bdquo;Okay, okay, ich weiß, ich war nervig, aber echt mal!“

Bryn ließ etwas lockerer. &bdquo;Es ist nicht, dass du nervig warst“, sagte sie, &bdquo;es ist nur, dass Felix... nun, er hat mich gefragt, ob wir zusammenziehen wollen. Und ich habe mich etwas zurückgehalten...“

&bdquo;Ich wusste es!“, rief Keira.

Auf der anderen Seite des Tisches brach Mallory in Tränen aus. &bdquo;Meine beiden Mädchen sind so erwachsen.“

Natürlich konnte nun das letzte Kästchen auf der Bingo-Karte abgehakt werden. Weinen!



*



Keira ging hinaus in die kalte Nachtluft und zog ihren Mantel näher um sich. Das Abendessen mit ihrer Mom und Bryn war erfrischend gewesen. Sie hatte es wesentlich mehr genossen, als sie es erwartet hätte.

Bryn war auf ihrem Weg zu Felix, wo sie die Nacht verbringen wollte, also hatte Keira die Wohnung zu sich selbst. Sie war jedoch ziemlich müde und fühlte sich danach, gleich ins Bett zu gehen. Morgen würde sie wieder zurück ins Büro müssen und sie wollte sich frisch und erholt fühlen. Die letzten paar Wochen war sie so grummelig gewesen. Hoffentlich würde ihre positive Einstellung sich bis morgen halten.

Vor sich sah sie das U-Bahn-Schild. Als sie in dessen Richtung lief, konnte Keira eine Vibration in ihrer Tasche spüren. Ihr Handy. Sie griff in die Tasche und zog das Telefon heraus.

Zu ihrer Überraschung war es dieses Mal eine Textnachricht von Cristiano. Als sie sie öffnete, schien ihr Herz fast aufzuhören zu schlagen.

Wer auch immer das ist, lass Cristiano in Ruhe. Er hat ein neues Leben.

Keira starrte die Nachricht an und war schockiert. Die Nachricht war gar nicht von Cristiano, sondern von jemandem, der sein Handy benutzte. Eine neue Freundin?

Das Herz rutschte ihr in die Knie. All die gute Arbeit, die sie an diesem Abend geleistet hatte, schien sich plötzlich tief in ihr drinnen aufzulösen. Wie konnte er sich so schnell neu orientiert haben? Nach all den Gesprächen, die sie geführt hatten, darüber, dass er nur mit einer Frau ausgehen würde, wenn er sich vorstellen konnte, sie zu heiraten. Wie viele gab es davon denn für ihn, dass er innerhalb so kurzer Zeit eine Neue gefunden hatte? Heiratsmaterial in Cristianos Augen zu sein, schien offensichtlich wirklich nicht viel zu bedeuten. Hatte er Keira getäuscht?

Sie warf ihr Handy zurück in ihre Handtasche. Wütend stürmte sie die Treppe zur U-Bahn hinunter und hinein in die wartende Bahn. Sie warf sich auf einen Sitz und starrte das schwarze Fenster an.

Ihre Gedanken schienen sich schier zu überschlagen, gedanklich nahm sie all die gemeinsam verbrachten Momente auseinander und suchte nach irgendetwas Bedeutsamen, irgendwelchen neuen Hinweisen in der Zeit, die sie zusammen verbracht waren.

Aber je mehr sie darüber nachdachte, desto weniger wurde ihre Wut. Anstatt an dem schlimmstmöglichen Szenario festzuhalten, welches sich ihre Gedanken zusammenreimen konnten—das Cristiano sie angelogen hatte, darüber dass er in Herzensangelegenheiten vorsichtig war—schaffte sie es, sich selbst wieder zu Verstand zu bringen. Manchmal war eine Affäre die beste Beziehung. Er war für sie ja auch eine Affäre nach der Beziehung mit Shane gewesen und die Zeit, die sie miteinander verbracht hatten, war wundervoll gewesen. Vielleicht war diese neue Frau auch nur eine Affäre für ihn, anstatt seiner neuen Ehefrau. Vielleicht hatte er dies von Keira gelernt, dass es manchmal okay ist, mit jemandem einfach nur so zusammen zu sein, weil man es wollte und nicht weil man immer einen großen Plan im Hinterkopf haben muss.

Sie erinnerte sich an Mallorys Worte darüber, wie jede Beziehung eine Möglichkeit bot, etwas zu lernen und daran zu wachsen und dass sie vorwärts und aufwärts gehen sollte. Cristiano machte in der Tat bestimmt gerade dasselbe durch. Und Keira konnte spüren, dass auch sie da durch musste. Es war besser, als an ihrer Wut und an ihrem verletzten Ego festzuhalten und es hatte nur wenige Augenblicke der U-Bahnfahrt gedauert und sie war bereit zu beginnen es gehen zu lassen.

Sie stieg aus der Bahn aus und stieg die Treppen hinauf, bis sie wieder auf Straßenhöhe war. Sie kam aus der U-Bahn als eine weisere Frau, als welche sie eingestiegen war. Als sie in die Bahn einstieg, war sie traurig und verletzt gewesen, aber jetzt als sie ausgestiegen war, fühlte sie sich erleichtert. Dies war wirklich der Schlussstrich mit ihr und Cristiano. Es war wirklich das Ende. Es war an der Zeit vorwärts zu gehen, jetzt und für die Zukunft.




KAPITEL VIER


Keira klopfte mit dem Handrücken gegen Elliots Bürotür. Sie war offen, aber sie fühlte trotzdem, dass sie höflich sein sollte.

&bdquo;Guten Morgen, Keira“, sagte er, und drehte den Kopf über seine Schulter, um sie anzusehen. &bdquo;Komm rein, komm rein.“

Keira betrat das Büro und setzte sich auf den Stuhl ihm gegenüber. Sie fühlte sich von Elliots Büro immer eingeschüchtert, fast so, als wäre sie ein Schulkind im Büro des Direktors.

&bdquo;Alles in Ordnung?“, fragte er und hob seinen Kopf, um ihr in die Augen zu sehen.

Keira schluckte, ihre Nerven lagen immer ein klein wenig blank und sie hatte einen Frosch im Hals, wann immer sie mit ihrem Boss sprach. &bdquo;Ja, genau genommen möchte ich mich entschuldigen.“

&bdquo;Wofür?“, antwortete Elliot und zog die Stirn in Falten.

&bdquo;Für die letzten paar Wochen seit ich aus Frankreich zurück bin. Ich habe mich nicht von meiner besten Seite gezeigt.“ Jetzt, da sie begonnen hatte zu sprechen, wollte sie alles herauslassen und die Worte flossen ihr buchstäblich aus dem Mund. &bdquo;Und ich weiß, ich habe versucht zu vermeiden, einen Ort für den nächsten Auftrag auszusuchen, ich denke, ich brauchte nach Cristiano einfach ein wenig Zeit. Ich habe mir Sorgen gemacht, weißt du? Ein neuer Auftrag, ein neues gebrochenes Herz. Aber ich hätte einfach ehrlich sein sollen, anstatt das Thema komplett zu vermeiden. Es tut mir leid.“ Sie atmete tief durch und lächelte dann. Sie fühlte sich erleichtert, dass sie endlich ihren Sorgen Luft gemacht hatte.

&bdquo;Oh“, antwortete Elliot ein bisschen verständnislos. &bdquo;Um ehrlich zu sein, habe ich das gar nicht gemerkt.“

Keira verzog das Gesicht. &bdquo;Hast du nicht? Aber du hast mir fast täglich Emails geschickt, in denen du gefragt hast, wohin ich für meinen nächsten Auftrag reisen möchte.“

Elliot zuckte mit den Schultern. &bdquo;Ich schreibe eine Menge E-Mails Keira. Sieh mal, gerade jetzt schreibe ich dir auch eine. Sieht so aus, als erübrigt sich das jetzt.“ Er klickte einige Knöpfe an, faltete dann seine Arme vor der Brust zusammen und sah sie an.

Es gab eine lange Pause. Keira zwinkerte. &bdquo;Nun, worum ging es in der E-Mail?“

&bdquo;Oh ja“, sagte Elliot und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf sie. &bdquo;Es ging um deinen neuen Auftrag im Ausland.“

&bdquo;Meinen...“, Keira musste das für einen Moment sacken lassen. Sie zog die Augenbrauen zusammen: &bdquo;Du meinst, du hast entschieden, an welchem Ort?“

Sie sollten sie fragen! Das war die Vereinbarung, zu der sie gekommen waren, dass sie von jetzt an ihre eigenen Orte aussuchen würde. Elliot hatte dem zugestimmt. Wie konnte er sie jetzt einfach übergehen?

&bdquo;Nun, ich habe nach deiner Meinung und deinen Ideen gefragt“, antwortete Elliot einfach. &bdquo;Und ich habe keine Antwort erhalten, also habe ich Heather gebeten, trotzdem einfach etwas einzubuchen. Dies ist eine schnelllebige Umgebung, Keira. Wenn Leute mir nicht antworten, werde ich nicht für immer herumsitzen und warten.“

Er klang vollständig emotionslos. Aber Keira fühlte sich betrogen. Nicht nur nutzten sie ihre Herzensangelegenheiten für Unterhaltungszwecke aus, aber nun hielten sie sich noch nicht mal an ihre eigenen Versprechen? Frustration kochte in ihr hoch.

&bdquo;Wohin schickt ihr mich?“, fragte sie knapp.

Elliot sah auf seine Uhr. &bdquo;Das erzähle ich dir beim Team Meeting.“ Dann klatschte er in die Hände. &bdquo;Komm.“

Keira war von der Unterhaltung mit Elliot durcheinander. Das war überhaupt nicht so gelaufen, wie sie erwartet hatte. Sie sah, wie Elliot aus dem Zimmer tanzte, während sie noch immer in Gedanken versunken war. Hatte er ihre Vereinbarung vergessen oder war es ihm einfach egal? Und was war mit Nina? Wenigstens sie hätte es doch wissen müssen, nicht ohne Keiras Einverständnis mit dem Auftrag fortzuschreiten! Sie sollte Keiras Freundin sein, auf ihrer Seite sein, aber während ihres Aufstiegs durch die Ränge bei Viatorum begann sie mehr und mehr auf Elliots Seite zu stehen.

Verwirrt stand Keira auf und folgte Elliot aus dem Zimmer hinein in den angrenzenden Konferenzraum. Andere Autoren waren dabei ins Zimmer zu strömen. Mit Kaffees in ihren Händen nahmen sie Platz. Keira bemerkte, dass es wieder einige neue Gesichter unter ihnen gab. Sie war in den letzten Wochen in ihrem eigenen Büro so abgeschottet gewesen, dass sie nichts gemerkt hatte und sich auch nicht die Mühe gemacht hatte, mit den neuen Mitarbeitern zu sprechen. Jetzt fühlte sie sich deshalb schuldig. Es war gar nicht so lange her, dass sie selbst eine ganz neue Autorin hier gewesen war, die sich nach Bestätigung und Freundschaft gesehnt hatte. Sie nahm sich vor, sich mehr Mühe zu geben.

&bdquo;Wie geht’s uns allen denn heute?“, fragte sie in die Runde von neuen Gesichtern und sah eine junge Frau mit einem langen geflochtenen Zopf und einem Nasenring an.

Das Mädchen schaute auf und wirkte, als wäre sie geschockt, dass Keira mit ihr sprach. &bdquo;Gut“, sagte sie mit einer quietschenden Stimme: &bdquo;Heute werden die neuen Aufträge vergeben, ich bin gespannt herauszufinden, worüber ich als Nächstes schreiben darf.“

Der Rest der Gruppe nickte. Eine von ihnen wurde sogar rot. Keira hatte noch nie zuvor einen solchen Effekt auf Menschen gehabt. Es war leicht zu vergessen, dass sie sich hier in einer gehobenen Position befand, sie war eine Autorin, die man nur zu den Meetings sah und die dann wochenlang aus dem Büro verschwunden war. Sie dachten wahrscheinlich über sie in der gleichen Art, wie sie über Elliot dachte oder vor einer Weile auch über Lance. Es war ein ganz eigenartiges Gefühl.

&bdquo;Ich bin übrigens Keira“, sagte sie und streckte den Arm aus, um dem Mädchen die Hand zu schütteln.

&bdquo;Ja, das weiß ich“, sagte das Mädchen. &bdquo;Ich bin Meredith.“ Sie hatte ein warmes Lächeln.

Keira setzte sich neben sie. &bdquo;Du bist neu, nicht wahr?“



&bdquo;Na, fast neu“, antwortete Meredith. &bdquo;Ich habe angefangen, als du in Frankreich warst.“ Plötzlich sah sie ein wenig schüchtern aus. &bdquo;Dein Artikel hat mir übrigens total gut gefallen.“

&bdquo;Oh“, sagte Keira, &bdquo;danke. Ich versuche gerade, all das hinter mir zu lassen.“

&bdquo;All was? Meinst du die Romantik-Guru Artikel?“ Meredith riss die Augen weit auf. &bdquo;Das kannst du nicht! Sie sind fantastisch!“

Keira hatte keine Zeit ihr zu antworten, da Elliot das Meeting begann.

In ihrer Magengrube konnte sie fühlen, wie sich die Angst in ihr breit machte. Was auch immer sie für sie geplant hatten, sie musste stark sein. Wenn sie es nicht machen wollte, würde sie kündigen. So einfach war das. Obwohl das natürlich einfacher gesagt, als getan war.

&bdquo;Lasst uns mit einer riesigen Runde Applaus für Meredith beginnen“, begann Elliot. &bdquo;Ihr Online Artikel über die New York Graffiti Tour war ein riesiger Erfolg.“

Alle klatschten und Meredith strahlte. Keira freute sich für sie. Als sie damals bei dem Magazin angefangen hatte, stand sie unter Joshuas Aufsicht. Er hatte es immer geschafft, dass sich alle wie Versager fühlten. Die Arbeitsatmosphäre war inzwischen viel besser geworden, mit viel mehr Unterstützung.

Elliot fuhr fort. &bdquo;Als Nächstes denke ich, seid ihr bestimmt alle neugierig herauszufinden, wohin unser Romantik-Guru für unsere besondere Dezember-Ausgabe unterwegs sein wird.“

&bdquo;Lappland?“, sagte einer von den Neuen.

&bdquo;Mal sehen, ob sie den Weihnachtsmann verführen kann“, fügte ein jung aussehender Neuling hinzu.

Alle lachten. Alle, außer Keira.

&bdquo;Nein“, sagte Elliot. &bdquo;Wir haben uns für etwas ein klein wenig anderes entschieden.“

Der Moment war da. Der Moment der Entscheidung. Jeder Muskel in Keiras Körper war angespannt.

&bdquo;Wir schicken sie auf eine Kreuzfahrt nach Skandinavien. Dieses Mal geht es darum zu beweisen, dass jemand, der unter Trennungsschmerz leidet, eine unüberlegte Liebesaffäre vermeiden kann. Dieses Mal wollen wir, dass sich unser Guru nicht verliebt.“

Keira war sprachlos. Ihr lagen die Worte ‚ich kündige’ auf der Zunge, aber nun musste sie sie hinunterschlucken.

&bdquo;Unmöglich“, sagte der jung aussehende Clown von vorher. &bdquo;Sie wird sich in den Reiseführer verlieben und das wisst ihr alle.“

Er machte natürlich Witze, aber Keira stand zu sehr unter Schock, um ihm irgendwelche Aufmerksamkeit zu schenken.

&bdquo;Das ist der Grund, warum es keinen Reiseführer gibt“, fügte Elliot hinzu. Er sah Keira an. &bdquo;Du hast fünfzehn Tage. Außer der Strecke, die das Schiff fährt—welches dich durch Dänemark, Finnland und Schweden führt—ist der Rest deine Entscheidung. Du wirst dich selbstbestimmt umherbewegen.“

Keira wusste nicht, was sie sagen sollte. Als die Neuigkeiten langsam einsackten, fühlte sie, wie alle ihre Sorgen verschwanden. Es wurde nicht von ihr erwartete, dass sie sich dieses Mal ihr Herz brechen ließ! Sicher, sie musste trotzdem tief graben und den Artikel persönlich machen, aber sie musste sich dieses Mal nicht selbst aufs Spiel setzen.

Der freche Neuling hatte noch einen letzten Kommentar: &bdquo;Also genau genommen schreibt sie dann nur einen Reisebericht?“

Alle lachten. Aber Keira hatte nur eine Sache zu sagen, nur ein einziges Wort, das beschrieb, was sie sich in ihrem Kopf vorstellte: die Nordlichter, Fjorde, schneebedeckte Berge und Fleischklopse im Überfluss! Endlich gelang es ihr zu sprechen: &bdquo;Wow“, sagte sie.




KAPITEL FÜNF


Als Keira an diesem Abend nach der Arbeit zurück zu Bryns Wohnung eilte, war sie ganz kribbelig vor Aufregung. Ihre Schwester war noch nicht zu Hause, also gab es niemanden, dem sie ihre Neuigkeiten erzählen konnte. Anstatt dessen wühlte sie unter Bryns Bett auf der Suche nach ihrem vertrauten Reisekoffer. Sie war überrascht, dass sie sich so sehr freute, den Koffer erneut zu packen. Sie war felsenfest überzeugt gewesen, dass sie dies nie wieder tun wollte und doch stand sie nun hier und war überglücklich, erneut arbeitsbedingt ins Ausland zu reisen.

Ihr Handy zeigte mit einem Ton an, dass sie eine Nachricht erhalten hatte und als sie sie öffnete, sah sie eine Nachricht ihrer Mom.

Was ist der Unterschied zwischen einem Cortado und einem Cappuccino?

Keira lachte und wählte Mallorys Nummer. Sobald Mallory den Anruf beantwortete, begann sie über Kaffee zu reden. Sie nahm offensichtlich an, dass dies der Grund des Anrufs ihrer Tochter war.

&bdquo;Ich meine, es ist sicher nicht nur die Tassengröße? Es muss mehr sein als das, oder nicht?“, dachte sie laut.

&bdquo;Mom, ich reise wieder ins Ausland“, sagte Keira und kümmerte sich keineswegs um die Kaffeefragen.

&bdquo;Wirklich?“, sagte Mallory überrascht. &bdquo;Aber ich dachte, du wolltest dich durchsetzen bezüglich der Romantik-Guru Artikel?“

&bdquo;Wollte ich“, sagte Keira, die sich mit einem leichten Seufzen auf die Kante von Bryns Bett niederließ. &bdquo;Aber dieser ist anders.“

&bdquo;Inwiefern anders?“

&bdquo;Der ganze Zweck der Reise ist dieses Mal, keine Affäre zu haben. Ich meine, es ist genau, was ich brauche, meinst du nicht? Eine Chance, an mir selbst zu arbeiten. Allein zu sein. Ich bin zu lange von einem Typen zum nächsten gesprungen.“

&bdquo;Wann geht es los?“

&bdquo;Morgen. Typisch Viatorum, sie können mir nie mehr als einen Tag vorher Bescheid sagen.“

Es gab einen Moment Stille. &bdquo;Nun, ich freue mich für dich, mein Schatz“, sagte Mallory endlich.

Keira konnte den Unterton in ihrer Stimme nicht überhören. &bdquo;Was ist los?“

&bdquo;Nichts“, protestierte Mallory. &bdquo;Ich sagte doch, ich freue mich für dich.“

&bdquo;Ich kann ein aber kommen hören...“, sagte Keira.

&bdquo;Nein, stimmt nicht.“

&bdquo;Ja, es stimmt. Mom, ich bin seit achtundzwanzig Jahren deine Tochter. Ich höre es, wenn ein aber kommt.“

Mallory seufzte: &bdquo;Okay“, ich wollte nur sagen, &bdquo;was ist mit Weihnachten?’“

&bdquo;Oh“, sagte Keira erleichtert. Sie dachte, Mallory würde einen Kommentar dazu haben, wie Keira ihrem Auftrag nicht gerecht werden würde, wie sie dazu auserkoren war, sich immer in die falschen Männer zu verlieben, niemals heiraten würde, niemals eine Großmutter aus ihr machen würde und all diese Dinge. Mit einem Lachen versicherte Keira ihr: &bdquo;Ich werde bis Weihnachten wieder zurück sein.“

&bdquo;Also ist es dieses Mal nur eine kurze Reise?“

&bdquo;Knapp länger als zwei Wochen. Es gibt nichts, worüber du dir Sorgen machen müsstest. Ich werde pflichtbewusst am Heilig Abend anwesend sein, so wie immer.“

&bdquo;Gut“, antwortete Mallory. &bdquo;Also zurück zu meiner Frage. Was ist denn nun der Unterschied zwischen einem Cortado und einem Cappuccino?“

Keira lachte. &bdquo;Tschüss Mom, ich habe dich lieb.“

Sie legte auf und machte sich daran, ihren Koffer zu packen. Sie häufte alle ihre wärmsten Sachen darin auf, Pullover und Schals, extra dicke Socken und Thermoleggings. Dann packte sie ihre Schminktasche, Hygieneartikel, wasserfeste Stiefel und einen ganzen Haufen leerer Notizblöcke und Stifte.

Dann öffnete sich die Tür und sie hörte Bryn rufen: &bdquo;Ich bin zu Hause!“

Keira sprang auf und hüpfte freudig ihrer Schwester entgegen.

&bdquo;Rate mal?“, rief sie aufgeregt aus, während Bryn ihre Schlüssel in die Schüssel an der Tür warf und ihrer Schuhe auszog.

Ihre Schwester sah auf. &bdquo;Was?“

&bdquo;Ich reise durch Skandinavien! Auf einem Kreuzfahrtschiff!“

Bryn riss die Augen weit auf. &bdquo;Echt? Wow! Das ist großartig.“

&bdquo;Und ich muss mich auch nicht in irgendwen verlieben.“

&bdquo;Oh gut. Das ist genau, was du brauchst.“

Sie schien sich aufrichtig für ihre Schwester zu freuen und Keira sah einmal mehr eine reifere Seite an ihr, so als würde sich der ewige geschwisterliche Konkurrenzkampf endlich ein bisschen legen.

&bdquo;Was ist mit deiner Wohnung?“, fragte Bryn. &bdquo;Musst du nicht den Mietvertrag unterschreiben, bevor du abreist?“

&bdquo;Du hast recht“, sagte Keira und fühlte, wie die Realität sie aus ihrer Fantasiewelt zurückholte. &bdquo;Ich muss gleich die Immobilienmaklerin anrufen und das arrangieren.“

Sie ging ins Schlafzimmer, holte ihr Handy heraus und wählte dann die Nummer. Die Immobilienmaklerin antwortete mit ihrer kratzigen Raucherstimme und Keira erinnerte sich sofort an ihren pinkfarbenen Zweiteiler.

&bdquo;Mädchen, ich wollte dich gerade anrufen“, sagte sie. &bdquo;Du musst einen Termin machen, um ins Büro zu kommen, um den Mietvertrag zu unterschreiben.“

Keira lachte. &bdquo;Das ist genau der Grund, warum ich Sie anrufe. Ich muss arbeitsbedingt ins Ausland reisen, für fünfzehn Tage. Also muss ich den Vertrag entweder unterschreiben, bevor ich morgen abreise, oder es muss warten, bis ich wieder da bin.“

Die Maklerin seufzte lautstark. &bdquo;Mädchen, du bringst mich um. Willst du mir sagen, dass ich für dich alles stehen und liegen lassen muss, um das für dich zu regeln? Normalerweise brauche ich eine Woche, um den Vertrag zusammenzustellen.“

Keira fühlte, wie sich ihr Herz zusammenkrampfte. Sie fühlte sich furchtbar, der Maklerin so etwas zuzumuten, aber auf der anderen Seite war die Maklerin auch ziemlich unhöflich, es so erscheinen zu lassen, als wäre ihre Bitte völlig unakzeptabel. &bdquo;Vielleicht wäre es in diesem Fall einfacher, wenn wir warten, bis ich wieder zurück bin?“, schlug sie vor. Dann fügte sie leicht sarkastisch hinzu: &bdquo;Ich hasse es, Ihnen solche Umstände zu machen.“

&bdquo;Ich kann mit dem Vermieter sprechen“, antwortete die Frau mit einem riesigen Seufzen. &bdquo;Und sehen, was er denkt. Aber ich weiß, er wollte die Wohnung schnell vermieten und wenn es nun zu Verzögerungen kommt...“

Keira wurde nun noch frustrierter. &bdquo;Ich kann jetzt vorbeikommen und den Vertrag unterschreiben. Aber Sie sagten, sie bräuchten eine Woche um ihn vorzubereiten. Aber fünfzehn Tage ist zu lange? Es scheint, als hätten Sie einen ziemlich unflexiblen Terminplan.“

Sobald die Worte ausgesprochen waren, war Keira von sich selbst schockiert. Es passierte nicht oft, dass sie so geradeheraus mit jemandem sprach. Aber was, wenn es nicht klappte, wie groß waren ihre Chancen eine ähnliche Wohnung wie diese zu finden? Der einzige Grund, warum sie in der Lage war, sich diese zu leisten, war, weil das Schlafzimmer so klein war. Aber es gab wahrscheinlich andere kleinwüchsige Menschen, die ihr die Wohnung wegschnappen könnten, während sie im Ausland war! Sie jetzt zu verlieren, wäre ein wirklich grausamer Schicksalsschlag.

&bdquo;Also gut“, sagte die Maklerin. &bdquo;Ich tue mein Bestes, um alles fertig zu machen, bevor du auf deine Auslandsreise gehst.“ Ihre Stimme klang geringschätzend.

Durch zusammengebissene Zähne murmelte Keira: &bdquo;Danke schön.“

Sie beendete das Telefonat, gestresst von der Unterhaltung. Dann wurden ihr plötzlich Stimmen bewusst, die aus dem Wohnzimmer von Bryns Wohnung zu ihr hinüberdrangen. Jemand war dort. Sie spähte zur Schlafzimmertür hinaus.

Keiras Mund stand offen. Dort, in Bryns Küche, stand Zach. Seine Nase hatte noch immer einen Verband von dem Vorfall, als Cristiano sie gebrochen hatte und er hatte noch immer leichte blaue Flecken unter seinen Augen.

Bryn stand mit verschränkten Armen vor ihm und starrte ihn mit dem schärfsten, überfürsorglichen Schwesternblick an.

&bdquo;Sie wird dich nicht sehen wollen“, hörte Keira Bryn sagen.

Plötzlich knarrte die Schlafzimmertür und Zach und Bryn sahen zu ihr hinüber. Verlegen kam Keira ins Wohnzimmer hinüber.

&bdquo;Zach“, sagte sie kleinlaut. &bdquo;Was machst du denn hier?“

Er lächelte, als er sie ansah, obwohl seine Gesichtszüge durch den Verband überwiegend verdeckt waren. &bdquo;Was denn, keine Umarmung?“

Keira stand bewegungslos da. Es würde definitiv keine Umarmung für ihren Ex Freund geben, insbesondere nach der Aktion, die er sich in Frankreich geleistet hatte und wie er unverschämterweise ihr Geld einbehalten hatte. Bryn rollte verachtend ihre Augen.

Zachary ließ seine Arme fallen. &bdquo;Also gut“, sagte er steif. &bdquo;Ich möchte gar nicht viel von deiner Zeit beanspruchen. Ich möchte dir nur das hier geben.“

Keira sah, wie er irgendetwas aus seiner Tasche zog. Ein Stück Papier, in der gleichen Größe und Form wie ein Scheck. Sie würde sich aber nicht erlauben, zu glauben, es wäre einer. Er übergab ihr das Papier.

&bdquo;Was ist das?“, fragte sie noch immer ungläubig.

&bdquo;Deine Hälfte der Mietkaution“, erklärte er. Dann seufzte er und klang etwas angespannt. &bdquo;Ich habe mit meinem Cousin gesprochen und habe ihm gesagt, dass es nicht fair ist, dir dieses Geld abzunehmen. Und er hat zugestimmt, dir deinen Teil zurückzugeben.“

&bdquo;Wirklich?“, sagte Keira und hob ihre Augenbrauen. Endlich hob sie das Stück Papier hoch und drehte es in ihren Händen, sodass es richtig herum war. Es war in der Tat der gesamte Betrag ihres Anteils für die Mietkaution. Sie Zach wieder an. &bdquo;Wow. Danke schön. Ich weiß das wirklich sehr zu schätzen.“

Bryn sah spöttisch aus. Sie dachte ganz offensichtlich, dass Keira zu nett mit Zach umging. Keira selbst gab sogar zu, dass sie zu nett war. Aber das war nun mal ihre Art. Sie war niemand, der lange nachtragend war. Sobald etwas Falsches aus der Welt geschafft war, sah sie keinerlei Grund mehr daran noch länger festzuhalten. Es war nur eine riesige Energieverschwendung. So wie Bryn und Maxine. Niemand wusste, wann diese Feindseligkeit begonnen hatte, aber sie würden beide nicht den ersten Schritt tun, um sie aus der Welt zu schaffen.

&bdquo;Ich wollte mich auch bei dir entschuldigen“, fuhr Zach fort. &bdquo;Ich weiß, was in Frankreich passiert ist, war verrückt. Ich habe mit meiner Mutter gesprochen und mit Ruth und meinem Cousin und Shelby und David und mit meinem Therapeuten und sie sind sich alle einstimmig einig, dass ich mich wie ein Irrer aufgeführt habe.“ Er lächelte schüchtern. &bdquo;Es tut mir wirklich leid, wenn ich dir Angst eingejagt habe.“

&bdquo;Okay“, antwortete Keira. &bdquo;Ich schätze es, dass das du das sagst. Und wegen deiner Nase. Das tut mir wirklich leid.“

&bdquo;Oh Gott, ich habe es verdient“, lachte Zach. &bdquo;Wenn irgendein Typ so was gemacht hätte, während du meine Freundin warst, hätte ich genauso reagiert. Ich hoffe nur, dass sie gut heilt. Verleiht mir ein bisschen Charakter.“

&bdquo;Ich bin mir sicher, das wird sie“, stimmte Keira zu und lächelte schüchtern.

Bryn gab ein weiteres angewidertes Geräusch von sich. Ihre Arme verschränkten sich noch enger vor ihrer Brust.

&bdquo;Sind wir jetzt fertig?“, fragte sie kalt. &bdquo;Wir haben eine Menge zu tun.“

Zach löste seinen Blick von Keira und sah Bryn an. &bdquo;Fast“, sagte er zu ihr. &bdquo;Können wir bitte etwas Privatsphäre haben? Und dann lass ich euch schon in Ruhe.“

Bryn sah Keira an. Eine ihrer Augenbrauen war angehoben. Ihre Lippen waren gespitzt. Alles an ihr schien lautstark zu schreien, fall bitte nicht auf seine Tricks rein. Aber sie gab endlich nach, ging in ihr Schlafzimmer und schloss die Tür hinter sich.

Keira sah Zach an. &bdquo;Also?“

&bdquo;Also...“, begann Zach. Er klopfte mit seinen Fingern auf dem Küchentisch. Was auch immer er sagen wollte, schien ihm nicht sonderlich leicht zu fallen. &bdquo;Keira, ich weiß, ich war ein Vollidiot.“

Keira biss sich auf die Zunge, obwohl sie wirklich gern laut geschrien hätte: &bdquo;Endlich gibst du es zu!“

&bdquo;Und... die Sache ist die... ich habe mich so verhalten, weil du mir wirklich sehr viel bedeutest.“ Er sah sie an und seine Augen waren schmerzerfüllt. &bdquo;Als ich dich vor das Ultimatum gestellt habe, habe ich wirklich, wirklich nicht gedacht, dass du deinen Job wählen würdest.“

Keira erinnerte sich an das komplette Missverständnis, das darin resultierte, dass ihre Beziehung zu Zach endete. Sie hätte niemals gedacht, dass er seine Drohung in die Tat umsetzen würde, mit ihr Schluss zu machen Aber dann mit der Brautjungfer seiner Schwester zu schlafen, war wirklich der letzte Nagel im Sarg für ihre Beziehung gewesen.

&bdquo;Ich dachte nicht, du würdest sofort mit der ersten Frau schlafen, der du über den Weg läufst“, antwortete Keira knapp.

&bdquo;Ich weiß, ich weiß“, sagte Zach, schaute nach unten und stieß ein schmerzhaftes Seufzen aus. &bdquo;Ich war verletzt. Das ist alles, was ich sagen kann. Ich war so traurig, dass du etwas Anderes über mich gestellt hast, dass ich mich selbst über dich stellen wollte, meine Bedürfnisse an erste Stelle stellen wollte. Es war... nun, es war eine scheiß Art dich zu behandeln.“

Keira murmelte nur irgendwas im Einvernehmen. In ein paar Tagen, wenn sich die Emotionen etwas gelegt hatten, würde sie dankbar sein, dass Zach sich entschuldigt hatte, aber jetzt, in diesem Moment, brachte es nur eine Tonne alter Gefühle wieder hoch, für die Keira im Moment wirklich keine Zeit hatte.

&bdquo;Okay, nun, danke“, sagte sie endlich. &bdquo;Aber wie Bryn schon erwähnt hat, wir haben eine Menge zu tun.“

&bdquo;Sicher“, sagte Zach und sah hinüber zur Schlafzimmertür, die nun wieder offen stand. Bryn lauschte ganz offensichtlich ihrem Gespräch. Er sah Keira nun wieder an und platzte plötzlich lautstark heraus: &bdquo;Kannst du mir noch eine Chance geben?“

Keiras Augenbrauen schossen hinauf in Richtung Stirn. &bdquo;Was?“

&bdquo;Bitte“, sagte Zach. &bdquo;Ich will nicht betteln, aber ich werde es, wenn es sein muss. Ich weiß, ich verdiene dich nicht, besonders nach dem wie ich mich verhalten habe. Aber du machst mich verrückt, denn ich liebe dich. Ich kann das jetzt klar sehen.“

Keira war sprachlos. In den zwei Jahren, in denen sie mit Zach zusammen gewesen war, war Liebe nie wirklich im Spiel gewesen. Sie waren Freunde gewesen, Partner und Gleichberechtigte, sicher, aber tatsächlich Liebende? Sie konnte sich nicht sicher sein. Sie hatten es nie ausgesprochen, hatten nie das Bedürfnis gehabt, diese Worte zu sagen. Ihn das jetzt sagen zu hören, berührte sie.

&bdquo;Zach...“, begann Keira. &bdquo;Das ist wirklich lieb von dir, das zu sagen. Aber... ich kann nicht. Es tut mir leid.“

Sie sah, wie seine Brust in sich zusammenfiel. Wie ein Ballon, der die Luft verlor, jede Hoffnung in ihm ging verloren, als sie sprach.

&bdquo;Ich habe es wirklich vermasselt, nicht wahr?“, sagte er und klang deprimiert.

Sie schüttelte ihren Kopf. &bdquo;Das ist es nicht. Ich habe in den letzten paar Monaten eine Menge durchgemacht. Ich bin gewachsen und habe gelernt und mich verändert. Und ich weiß jetzt, was ich will.“

&bdquo;Und das bin nicht ich“, beendete er den Satz für sie.

Keira nickte traurig. &bdquo;Es tut mir leid. Nein, du bist es nicht.“

&bdquo;Also egal wie viel ich um Vergebung bettele, es wird nichts daran ändern?“, fragte Zach.

&bdquo;Nein“, sagte Keira, sanft aber nachdrücklich. &bdquo;Darum geht es nicht. Ich warte nicht darauf dir zu vergeben. Ich will nur... Ich will dich einfach nicht auf diese Art. Aber wir können Freunde sein.“

&bdquo;Sicher“, sagte Zach und schaute nach unten auf seine Füße. &bdquo;Wir können Freunde sein.“

Keira geleitete einen niedergeschlagenen Zach aus Bryns Wohnung. Selbstmitleid würde in seinem Fall wirklich nicht helfen. Sie hoffte, er würde sich schon bald erholen und lernen, dass er es nicht wirklich mit ihr vermasselt hatte, sondern, dass sie einfach nicht richtig füreinander waren und dass es irgendwo dort draußen eine andere Frau geben würde, die die Richtige für ihn sein würde.

Sobald sie die Tür geschlossen hatte, stürmte Bryn aus dem Schlafzimmer.

&bdquo;Schwesterherz!“, rief sie aus und hob ihre Hand zum Einschlagen hoch. &bdquo;Das war der Wahnsinn!“

Keira zog ihre Oberlippe hoch. Sie schlug in Bryns Hand ein. &bdquo;War es das?“

&bdquo;Ja! Du hast total deinen Mann, ähem, deine Frau gestanden.“ Bryn legte einen Arm um Keiras Schulter. &bdquo;Es wird dir bei diesem Auftrag wirklich gut ergehen, ich weiß es einfach.“

Keira lächelte und fühlte sich von Stärke und Entschlossenheit erfüllt. Bryn hatte recht. Sie würde diesen Auftrag mit Leichtigkeit meistern.




KAPITEL SECHS


Ganz früh am nächsten Morgen erhielt Keira einen grimmigen Anruf von der Immobilienmaklerin, die ihr mitteilte, dass der Mietvertrag für sie zum Unterschreiben bereitlag. Erleichtert eilte Keira zu ihrem Büro und schrieb ihren Namen unter den Vertrag, bevor sie in Windeseile zum Flughafen fuhr.

Ihr Kopf dröhnte so sehr von dem Tempo, in dem sie all die Dinge organisieren musste, dass sie erst, als sie sich in ihren Sitz im Flugzeug fallenließ, realisierte, wo sie war und was vor sich ging. Zumindest war ihr dies hier inzwischen vertraut, in einem Flugzeug zu sitzen. Es war nicht einmal annähernd so furchteinflößend, wie es einst gewesen war. Zum ersten Mal schaute Keira ihrer Zukunft optimistisch entgegen.

Sie konnte nicht anders, als sich daran zu erinnern, wie es das letzte Mal gewesen war, als sie ein Flugzeug bestiegen hatte und Cristiano im Sitzplatz neben ihr saß. Sie konnte sich noch immer an die unglaubliche Aufregung erinnern, die sie gefühlt hatte, als sie sich New York City näherten und wie er seine Augen aufgerissen hatte, als er die Millionen von Lichtern unter ihnen gesehen hatte. All dies war jetzt Vergangenheit. Alles, was sie jetzt noch hatte, waren Erinnerungen. Und zum ersten Mal seit sie mit Cristiano Schluss gemacht hatte, taten ihr die Erinnerungen an ihn nicht mehr weh. Der Schmerz, der sie umhüllt hatte und der immer wieder in ihr hochgekommen war, jedes Mal, wenn sie an ihn dachte, war endlich verschwunden.

Sie dachte an die Textnachricht von Cristianos neuer Freundin, über die sie sich solche Sorgen gemacht hatte. Es fühlte sich jetzt so dumm an, dass sie sich so verrückt gemacht hatte, darüber dass er jemand neues sehen würde. Selbstverständlich hieß das nicht, dass ihm die Beziehung mit ihr nichts bedeutet hatte, es hieß nur, dass er nun mit einem neuen Mädchen einen neuen Versuch startete.

Das Flugzeug erhob sich in die Lüfte und das Gefühl des Aufstiegs verursachte ein Kribbeln in ihrer Magengegend. So hoch über den Wolken fühlte sie sich frei, kühn und unabhängig. Sie lächelte in sich hinein und suchte in ihrer Tasche nach den Unterlagen mit den Details der anstehenden Kreuzfahrt.

Heather hatte sich dieses Mal selbst übertroffen. Der Reiseplan war einlaminiert. Wahrscheinlich in einem Versuch Keiras Tendenz vorzubeugen, ihren Kaffee zu verschütten oder von Gondeln in Kanäle zu fallen. Heather hatte die Seiten ebenfalls gebunden. Es erinnerte Keira an ein Dokument, das sie in ihrer Collegezeit erstellt hätte und sie grinste in sich hinein.

Keira blätterte schnell durch die Seiten mit wichtigen Kontaktdetails—mit einem ironischen Grinsen nahm sie Notiz davon, dass die Stelle, wo normalerweise der Name des Reiseführers und dessen Nummer stehen sollte, leer war—und blätterte schnell weiter zu den saftigen Details der Kreuzfahrt. Sie hatte kaum Zeit gehabt, sich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen, dass sie auf eine Kreuzfahrt ging und sich auf einem riesigen Schiff auf offener See befinden würde. Es würde eine komplett neue Erfahrung für sie werden. Ihr Magen kribbelte vor Vorfreude. Sie ging die Liste der Stationen durch: Kopenhagen, Dänemark. Helsinki, Finnland. Stockholm, Schweden.

Heather war nicht der ausschmückende Typ und es gab keinerlei Fotos, die Keiras Appetit weiter anregen würden—zu teuer, um in Farbe gedruckt zu werden, dachte sie mit Heathers Stimme in ihrem Kopf—also zog sie ihr Tablet aus der Tasche und begann online nach Fotos zu suchen.

Die Bilder waren unglaublich. Anders als die europäischen Städte, die sie bisher besucht hatte, waren die Gebäude in skandinavischen Ländern ganz anders, mit spitzen Dächern wie Almhütten. Und es gab weitläufige Landschaften, wunderschöne immergrüne Bäume, dunkelblaue Seen und schroffe, zerklüftete Berge. Sie konnte sich kaum den Rest des Fluges gedulden; sie wollte sofort dort sein!

Ein Nickerchen war immer eine gute Idee, sich die Zeit zu vertreiben, also machte Keira es sich in ihrem Flugzeugsitz so bequem wie möglich und schlief bald darauf ein.

Sie träumte, dass sie am Rande eines Kliffes stand und auf den Ozean hinausblickte, der dunkelblau und ruhig vor ihr lag. Durch die Wellen konnte sie eine Gruppe von Delfinen sehen, die hochsprangen und dann immer wieder untertauchten. Sie schaute ihnen mit Faszination zu, wie sie in seltsamen Formationen aus dem Wasser sprangen. Es sah fast so aus, als würden sie tanzen oder eine synchronisierte Aufführung für sie abliefern. Fast so, als würden sie versuchen, sie zu beeindrucken.

Plötzlich bemerkte Keira etwas Eigenartiges an den Delfinen, an ihren Gesichtern. Sogar aus der Entfernung konnte sie ihre seltsamerweise menschlichen Züge sehen und die verschiedenen Farben ihrer Augen. Einer hatte die gleichen stählernen blauen Augen wie Shane und sein schiefes, freches Lächeln dazu. Ein anderer hatte tiefbraune, Schokoladen-farbige Augen mit einem weichen Ausdruck, der sie an Cristiano erinnerte. Und noch ein anderer hatte einen verlorenen Ausdruck mit einem Anflug von Trauer und Bedauern in seinen Augen. Zachary.

Sobald sie diese Verbindungen erkannt hatte, wandelte sich ihr würdevoller Tanz in etwas Neues. Es war nicht länger eine koordinierte synchrone Aufführung, sondern etwas Aggressives. Ein Schauspiel von Männlichkeit. Der Cristiano Delfin rammte mit seinem Kopf den Zachary Delfin und brach ihm die Nase oder Schnauze oder wie auch immer das an einem Delfin genannt wurde. Der Zachary Delfin wehrte sich, indem er seinen Schwanz gegen Cristiano und Shane schlug. Shane schlug mit den Flossen und stand auf seiner Schwanzspitze, fast so, als wäre all dies nur ein großer Witz. Dann stürzten sie sich aufeinander und begannen sich gegenseitig in Stücke zu reißen, während sie schockiert zusah, wie sich der Ozean vor ihren Augen blutrot färbte.

Sie versuchte zu rufen: &bdquo;Stopp! Es ist kein Wettbewerb!“ Aber der Wind trug ihre Stimme fort.

Dann kam eine neue Gefahr in ihr Sichtfeld. Mit unglaublicher Geschwindigkeit bewegte sich ein riesiger Wal durch die Wellen und schwamm auf die streitenden Delfine zu. Sie wusste nicht, wer der Wal war, ein Fremder, aber er bewegte sich zielgerichtet und mit Entschlossenheit. Ihre Delfin-Ex-Freunde waren so sehr damit beschäftigt sich gegenseitig anzugreifen, dass sie nicht merkten, wie der Wal sich ihnen näherte, bis er bereits über ihnen war. Mit einem riesigen Mundvoll fraß der Wal alle drei Delfine auf. Dann verschwand er unter den Wellen, man sah nur einen Wirbel im Wasser, als er abtauchte und nichts zurückließ als blutrot gefärbtes Wasser, das bezeugte, was hier geschehen war.

Keira wachte verwirrt auf. Sie schwitzte und ihr Nacken hatte sich in einer schmerzhaften Position verkrampft. Sie rieb sich den Hals, gewöhnte sich langsam an die Helligkeit der Flugzeugkabine und an die Geräusche um sie herum; raschelnde Chipstüten, das aufgeregte Geschnatter der Reisenden, das Geräusch der kraftvollen Motoren. Endlich kam sie zu sich und musste plötzlich lachen.

Was für ein seltsamer Traum das gewesen war! Ihre Ex Freunde einfach so in Delfine zu verwandeln. Aber sie wunderte sich auch, wer wohl der Wal war. Nicht etwa ein neuer Freund versicherte sie sich selbst. Das war definitiv nicht der Plan, überhaupt nicht. Sie entschied sich, dass der Wal für ihre Karriere stehen würde, in der Art, wie sie die Arbeit an erste Stelle stellen würde und alle Sorgen über ihre Ex Freunde vergessen würde, damit sie in ihrer Karriere erfolgreich sein konnte. Es gab dieses Mal keine Liebesaffäre am Horizont. Zumindest war das der Plan...




KAPITEL SIEBEN


Keira landete in Berlin, Deutschland—von wo aus sie einen Bustransfer nach Warnemünde nehmen würde, der Ort, von dem das Kreuzfahrtschiff ein paar Stunden später ablegen würde. Sie war noch nicht ganz über den witzigen seltsamen Traum hinweggekommen, den sie im Flugzeug gehabt hatte und es strengte sie etwas an, sich auf die reale Welt um sich herum zu konzentrieren.

Sie manövrierte ihren Weg durch den Flughafen Berlin Tegel, holte ihren Koffer ab und folgte dann den Zeichen, von denen sie hoffte, sie würden sie zum Ausgang führen. Es fühlte sich gut an, dieses Mal allein unterwegs zu sein. Kein Reiseführer, der sie umher führte oder der ihr irgendwelche Verantwortungen abnahm. Dieses Mal war es nur sie selbst und sie fühlte sich stark dafür.

Sie fand ihren Weg aus dem Flughafen und ging hinüber zum Taxistand. Der Fahrer war etwa Mitte Fünfzig mit grauen Haaren und einem sehr ernsten Blick. Aber seine Art war wesentlich freundlicher, als seine ernsthafte Erscheinung es vermuten ließ. Sie erzählte ihm, dass sie zum Busbahnhof fahren wollte, um von dort aus ihren Bus nach Warnemünde zu nehmen.

&bdquo;Gehen Sie auf die skandinavische Kreuzfahrt?“, fragte er in perfektem Englisch und nur dem kleinsten Hauch eines Akzentes.

&bdquo;Ja, das ist richtig.“ Keira strahlte. &bdquo;Ich bin so aufgeregt.“

&bdquo;Eines Tages würde ich auch gerne eine Kreuzfahrt machen“, sagte er. &bdquo;Aber es ist ein bisschen zu teuer für einen Taxifahrer. Was machen Sie beruflich, wenn ich fragen darf?“

&bdquo;Oh, ich bin Autorin“, erzählte Keira. &bdquo;Die Kreuzfahrt wird von der Firma bezahlt.“

&bdquo;Sie haben aber Glück“, sagte er. &bdquo;Was schreiben Sie denn?“

&bdquo;Reiseberichte. Na ja, eine Art Reisebericht. Sie sind ein bisschen ein Mix. Reisen und Romantik.“

Von der Rückbank konnte sie im Rückspiegel sehen, wie er eine Augenbraue hochzog.

&bdquo;Reisen und Romantik?“

&bdquo;Ich weiß, es klingt seltsam. Aber es ist mehr wie persönliche Berichte über die Länder und meine Erfahrungen in ihnen, das Ausgehen, neue Dinge ausprobieren, neue Männer treffen. Es ist ein bisschen Mischmasch, aber ich habe langsam ein paar treue Fans.“

&bdquo;Komische Frage“, sagte er, &bdquo;Sie schreiben nicht etwa für dieses Magazin mit dem lateinisch klingenden Namen, oder? Viadukt oder so ähnlich?“

&bdquo;Viatorum“, sagte sie ein weinig überrascht, dass er von ihrer in New York City publizierten Arbeit, so weit entfernt wie Deutschland gehört hatte. Aber ja, es wurde ja auch online veröffentlicht und man konnte den Inhalt von überall auf der Welt online herunterladen. &bdquo;Haben Sie davon gehört?“

&bdquo;Meine Frau liebt es“, sagte er mit einem Anflug von Frustration. &bdquo;Sie sind die Frau auf dem Titelblatt, nicht wahr? Ich erkenne Ihr Gesicht jetzt.“

Das Titelblatt. Mit Cristiano. Keira stöhnte. Sie wusste bereits, als das Bild aufgenommen wurde, dass es sie eines Tages verfolgen würde, aber sie hatte Nina und Elliot machen lassen, was sie wollten. Sie bedauerte es jetzt.

&bdquo;Ja, das bin ich“, sagte sie und duckte sich abwehrend.

&bdquo;Es ist Ihre Schuld, dass ich mit ihr zu ihrem Geburtstag nach Paris fahren muss“, sagte er heiter, was in starkem Kontrast zu seinem ernsthaften Gesicht stand. &bdquo;Fantastisch, als Nächstes wird sie eine Kreuzfahrt wollen. Sie treiben mich in den finanziellen Ruin.“

&bdquo;Das tut mir leid“, murmelte Keira.

Sie starrte aus dem Fenster, um die Aufmerksamkeit ein wenig von der irgendwie eigenartigen Unterhaltung abzulenken und lieber auf die neue, fremde Stadt zu lenken, die sie dort draußen sehen konnte.

Berlin war umwerfend. Keira hatte gehört, wie sich die Stadt wandelte und weiterentwickelte und sich von der schwierigen Geschichte lossagte, aber sie hatte nicht erwartet, eine so lebhafte und künstlerische Stadt zu sehen. Sie erschien jung und weltoffen, so wie beispielsweise die ausgefallenen Teile New Yorks.

Ihr Fahrer musste ihr Starren mitbekommen haben, denn er sagte: &bdquo;Wir fahren gleich an einem Stück der ehemaligen Berliner Mauer vorbei.“

Keira war sich nicht sicher gewesen, ob sie einen Blick auf die Mauer werfen könnte. Die Mauer, die in der Vergangenheit den Osten und Westen der Stadt geteilt hatte, die Familien auseinandergerissen hatte und die die Stadt durch politische Zugehörigkeiten gespalten hatte. Sie bekam eine Gänsehaut, als die Mauer in Sichtweite kam, ein bröckelndes Überbleibsel von dem, was das deutsche Volk mit seinen eigenen Händen niedergerissen hatte. Mallory hatte dieses bedeutsame Ereignis im Fernsehen mitverfolgt und es war ein Moment des Triumphs in der Geschichte gewesen, den mitzuerleben, ein echtes Privileg gewesen war. Keira war voller Ehrfurcht, als sie die Mauer sah und machte ein Foto mit ihrem Handy, damit sie es Mallory zeigen konnte, wenn sie zu Weihnachten wieder zusammen waren.

Das Taxi fuhr weiter und kam dem Busbahnhof näher.

Ihr Fahrer fuhr in den Bereich, wo Passagiere abgesetzt wurden. Keira nahm einige Euro aus dem Umschlag, den Heather ihr gegeben hatte und reichte sie über seine Schulter.

&bdquo;Sagen Sie Hallo zu Ihrer Frau von mir“, sagte sie und fühlte sich seltsam, so etwas zu sagen.

&bdquo;Genießen Sie Ihre Kreuzfahrt“, antwortete er mit seiner warmen, nicht zum Gesicht passenden Stimme.

Keira holte ihren Koffer aus dem Kofferraum und ging hinüber zum Fahrkartenschalter, um ihr Ticket für die Busfahrt nach Warnemünde zu lösen.

Glücklicherweise musste sie nicht lange warten und bevor sie sich versah, saß sie im Bus, der sie zur Werft in Warnemünde bringen würde. Als sie die Stadt in Richtung Norden verließen, sah Keira verträumt zum Fenster hinaus. Deutschland war flach und grün und sie konnte Felder und Wiesen sehen. Noch angestrengt vom langen Flug musste sie wieder eingeschlafen sein, denn als sie das nächste Mal aufblickte, waren sie bereits kurz vor Warnemünde.

Keira sah das Schiff bereits aus großer Entfernung. Es war riesig, ein glänzendes, weißes Monstrum. In ihrer Magengrube konnte sie ein aufgeregtes Kitzeln spüren.

Sie stieg gemeinsam mit den anderen Busreisenden an der Werft aus und sah an dem riesigen Schiff hoch, welches für die nächsten fünfzehn Tage ihr neues zu Hause werden würde. Sie atmete tief durch, um ihre Schmetterlinge im Bauch unter Kontrolle zu kriegen und lief dann selbstbewusst darauf zu.



*



Das Kreuzfahrtschiff war soviel schöner, als Keira es sich vorgestellt hatte. Innen war es im Art Deco Stil eingerichtet mit lebendigen Farben, auffälligen geometrischen Formen und Ornamenten. Und noch besser als der unerwartete Glanz und Glamour war der Luxus eines Swimming Pools und Whirlpool auf dem Oberdeck. Keira hatte soviel Luxus nicht erwartet. Sie würde es lieben, dieses Schiff zu ihrem zu Hause zu machen.

Staunend sah sie sich um und wanderte in Richtung Bug. Dort gab es einen Gang, der bis ganz nach vorn zur Spitze des Schiffes führte. Es war unmöglich nicht an Jack und Rose auf der Titanic zu denken, obwohl sie wusste, dass es dieses Mal keine Liebesgeschichte für sie geben würde und sie betete, dass es ebenfalls keine Eisberge gab!

Nach einem Kurztrip über das Oberdeck ging Keira auf die Suche nach ihrer Kabine. Sie hatte erwartet, dass sie im unteren Deck danach suchen müsste, aber zu ihrer Überraschung befand sich ihre Kabine auf dem oberen Deck. Sie fand ihre Tür und ging hinein.

Die Kabine hatte ein rundes Fenster, so ein richtiges Bullauge mit Messingrand, wie man sie aus Filmen kennt und wenn man hinaussah, blickte man direkt hinaus auf den Ozean. Keira hatte eigentlich eine billige Kabine erwartet, ein kleines Loch in der Nähe der Küche, das nach Essen roch und in dem es laut war, aber das hier war das Gegenteil. Ruhig, gemütlich, luxuriös.

Ihr Bett war aus Kastanienholz gefertigt und lackiert, sodass es glänzte. Es war mit cremefarbenen Seidenlaken bezogen. Auf einem der Nachttische stand ein silberner Sektkühler, der mit Eiswürfeln und einer Flasche Champagner gefüllt war. Sie fragte sich, wer von der Zeitschrift das wohl organisiert hatte. Elliot würde an solche Nettigkeiten nicht denken und Heather würde die unnötigen zusätzlichen Kosten hassen. Sie frage sich dann, ob Nina vielleicht ihre Hände im Spiel hatte. Sie hatten sich nicht sonderlich gut verstanden seit dem Aufsehen um die Paris-Reise, als Nina so überfokussiert auf das Resultat gewesen war, dass sie vergessen hatte, dass Keira eine Person mit Gedanken und Gefühlen war. Aber dann sah sie eine kleine Karte neben dem Sektkühler. Sie griff nach der Karte und öffnete sie.

Willkommen an Bord, Keira Swanson! Ich möchte die Gelegenheit nutzen, unsere tiefste Dankbarkeit auszudrücken, dass Ihr Magazin unser Kreuzfahrtunternehmen für Ihren nächsten Artikel gewählt hat. Wir sind riesige Fans von Viatorum und können es kaum erwarten, in Ihrer nächsten Ausgabe vorgestellt zu werden.

Keira las nicht weiter und legte die Karte zur Seite. Der Champagner war überhaupt nicht von ihren fürsorglichen Arbeitskollegen, sondern von dem Kreuzfahrtunternehmen, die versuchten sich bei ihr einzuschmeicheln, damit sie nette Dinge über sie schrieb. War die ganze Tour eine Art Werbeveranstaltung? Eine Hand wäscht die andere auf Unternehmerart?

Sie holte ihr Handy heraus und schrieb eine Textnachricht an Nina.

Ist das Kreuzfahrtunternehmen einer unserer Werbekunden?

Nina antwortete schnell.

Sie finanzieren die Reise. Ich dachte, Elliot hätte dir das erzählt.

Keira seufzte. Also war ihr Artikel eigentlich nur eine große Werbekampagne? Es wäre schön gewesen, das im Vorfeld zu wissen. Aber das erklärte zumindest, warum Elliot einfach zugesagt und die Reise gebucht hatte, ohne abschließend mit ihr darüber zu sprechen, wie er es vorher versprochen hatte. Keira wollte nicht wie eine verzogene Göre klingen, aber Viatorum schien sie ganz schön zum Narren zu halten. Auf jeden Fall schienen sie mehr von ihr zu erwarten als anders herum.

Sie schickte Nina noch eine Textnachricht.

Wie soll ich denn über das Kreuzfahrtschiff schreiben? Ein Schiff ist doch kein Land.

Als Nina zurückschrieb, war Keira von der Antwort schockiert.

Du schreibst ja nicht den nächsten großen amerikanischen Roman. Und auch keinen weltberühmten Reiseführer. Schreib einfach was Nettes, damit wir alle bezahlt werden.

Keira schmollte und legte ihr Handy weg. Nina hatte eine ihrer Launen. Schon wieder. Sie wollte sich aber ihre Vorfreude nicht verderben lassen, also versuchte sie die Irritation, die sie fühlte, nicht weiter zu beachten.

In dem Moment klopfte es an der Tür. Keira verzog das Gesicht und öffnete die Tür. Vor der Tür stand ein junger Mann, der wie ein Hotelpage gekleidet war. Keira bemerkte sofort, dass er von der Kreuzfahrtleitung geschickt worden war, um ihr zu schmeicheln. Sie fühlte sich wirklich nicht in der Stimmung seinem Vortrag zuzuhören.

&bdquo;Hallo, ich bin Vince“, sagte er mit einem Lächeln und streckte seine Hand aus. Keira schüttelte sie niedergeschlagen. &bdquo;Ich bin hier, um Ihnen einige Broschüren über unser Schiff zu bringen“, fuhr er fort. &bdquo;Die Revontulet, was der finnische Ausdruck für die Nordlichter ist.“

Keira fühlte, wie ihr Lächeln zurückkam. Sie war so aufgeregt darüber, dass sie in nur wenigen Tagen das Display der berühmten Nordlichter selbst zu Gesicht bekommen würde!

Sie nahm Vince die Broschüren ab und merkte, wie sich ihre Laune erheblich gebessert hatte.

&bdquo;Danke schön. Und ebenfalls für den Champagner. Es war eine nette Geste.“

Vince nickte und sein kleiner Hut wackelte dabei. &bdquo;Ihre Minibar ist ebenfalls mit Spirituosen und Snacks gefüllt, selbstverständlich alles kostenlos.“

Keira grinste. Sie versuchten ihre Liebe durch ihren Magen zu kaufen. Es war eine ziemlich gute Strategie, soviel musste sie zugeben.

Vince stand noch immer an der Tür rum. &bdquo;Wenn Sie eine Tour durch das Schiff haben möchten, kann ich gern zu einer passenderen Zeit wiederkommen, um Ihnen alle Annehmlichkeiten und Räumlichkeiten zu zeigen.“

&bdquo;Das ist nicht nötig“, sagte Keira und lehnte sein Angebot ab. &bdquo;Ich ziehe es vor, selbst auf Erkundungstour zu gehen.“ Sie hielt die Broschüren hoch, die Vince ihr gegeben hatte und fügte hinzu: &bdquo;Und außerdem habe ich alle Informationen, die ich brauche, hier drin.“

&bdquo;Okay. Sollten Sie irgendetwas brauchen, kommen Sie einfach zum Informationsstand und fragen nach Vince.“

&bdquo;Das werde ich“, sagte Keira, obwohl sie wusste, dass sie dies höchstwahrscheinlich nicht tun würde.

Sie schloss die Tür und begann durch die Broschüre zu blättern. Darin enthalten waren alle Informationen über die Dinge, die es an Bord des Schiffes zu tun gab; Komödien Shows, LIVE Musik, Karaoke, Tanzveranstaltungen und sogar ein Kino! Es gab keinerlei Mangel an Veranstaltungen, mit denen sie sich ablenken konnte, dachte sie ironisch. An Bord der Revontulet hatte Nachdenklichkeit wahrscheinlich keinen Platz.




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