Für Immer und Noch Ein Tag Sophie Love Die Pension in Sunset Harbor #6 Sophie Loves Fähigkeit, bei ihren Lesern Magie zu bewirken, zeigt sich in ihrem höchst inspirierenden Ausdruck und den gedankenanregenden Beschreibungen…FÜR JETZT UND FÜR IMMER ist der perfekte Liebes- oder Strandroman, der sich von anderen abhebt: seine mitreißende Begeisterung und die wunderschönen Beschreibungen machen deutlich, wie komplex die Liebe und auch die Gedanken der Menschen sein können. Dieses Buch ist perfekt geeignet für Leser, die nach einem Liebesroman mit Tiefgang suchen. Midwest Book Review (Diane Donovan zu Für jetzt und für immer) FÜR IMMER UND NOCH EIN TAG ist Buch 6 der Bestseller Liebesroman Reihe Die Pension in Sunset Harbor, die mit Buch 1 Für jetzt und Für immer beginnt - Buch 1 steht zum kostenlosen Download bereit. Die 35-jährige Emily Mitchell ist immer noch aus dem Häuschen wegen ihrer überraschenden Schwangerschaft. Frisch verheiratet, haben sie und Daniel kaum Zeit, diese Neuigkeiten zu verarbeiten, denn Arzttermine, die Vorbereitungen für die Ankunft des Babys und eine Überraschungsparty zur Bekanntgabe des Geschlechtes ihres Babys, halten sie auf Trab. Der Sommer ist endgültig in Sunset Harbor angekommen und Emily und Daniel haben alle Hände voll zu tun mit ihrer übervollen Pension, dem Umbau von Trevors Haus, dem Bau des neuen Spas und Chantelles Reaktion auf die Baby-News. Sie hatten kaum Zeit, sich als frisch verheiratetes Paar in ihrem Leben einzurichten, als Emily einen Anruf von ihrem Vater erhält: Er bat darum, dass sie ihn alle in England besuchen. Zu ihrer eignen Überraschung stimmt Emily sofort zu. Eine lebensverändernde Reise nach England gipfelt in schockierenden Neuigkeiten, die Emily erschüttert zurücklassen. Daniel zieht sich zurück und als sich der Sommer seinem Ende nähert und ihre Schwangerschaft fortschreitet, fragt sich Emily, ob sie jemals Gelegenheit haben wird, sich an ihr neues Leben zu gewöhnen. Wird Daniel jemals wieder derselbe sein? FÜR IMMER UND NOCH EIN TAG ist Buch 6 einer bezaubernden neuen Liebesroman Reihe, die Sie zum Lachen und Weinen bringen und Sie nachts vom Schlafen abhalten wird - und Sie sich wieder neu in die Romantik verlieben lässt. Buch 7 wird demnächst erhältlich sein. Ein sehr gut geschriebener Roman, in dem es um die inneren Kämpfe geht, die eine Frau (Emily) durchstehen muss, um ihr wahres Ich zu finden. Der Autorin gelang die Ausarbeitung der Charaktere und die Beschreibung der Handlung wunderbar. Romantik ist zwar Teil der Geschichte, doch sie ist nicht erdrückend. Ein Lob an die Autorin für diesen wunderbaren Auftakt einer Reihe, die verspricht, äußerst unterhaltsam zu werden. Books and Movies Reviews, Roberto Mattos (zu Für jetzt und Für immer) F Ü R I M M E R U N D N O C H E I N T A G (DIE PENSION IN SUNSET HARBOR—BUCH 6) S O P H I E L O V E Sophie Love # 1 Bestsellerautorin Sophie Love ist die Autorin der Liebesroman Reihe DIE PENSION IN SUNSET HARBOR, die sieben Bücher umfasst (und fortgesetzt wird), und die mit FÜR JETZT UND FÜR IMMER (DIE PENSION IN SUNSET HARBOR - BUCH 1) beginnt. Sophie Love ist auch die Autorin der Debüt-Liebesroman Reihe DIE LIEBES CHRONIKEN, die mit LIEBE WIE DIESE beginnt (DIE LIEBES CHRONIKEN – BUCH 1). Sophie würde gerne von Ihnen hören. Besuchen Sie deshalb bitte ihre Webseite www.sophieloveauthor.com (http://www.sophieloveauthor.com), um ihr eine E-Mail zu schreiben, in den E-Mail-Verteiler aufgenommen zu werden, kostenlose E-Books sowie die neuesten Nachrichten zu erhalten und um mit ihr in Kontakt zu bleiben! Copyright © 2017by Sophie Love. Alle Rechte vorbehalten. Außer, wie gemäß dem U.S Copyright Gesetz von 1976 ausdrücklich erlaubt, darf kein Teil dieser Veröffentlichung ohne vorherige Erlaubnis der Autorin vervielfältigt, verbreitet oder in irgendeiner Weise oder in irgendeiner Form übertragen, in einer Datenbank oder in einem Datenabfragesystem gespeichert werden. Dieses E-Book ist nur für den persönlichen Gebrauch zugelassen. Dieses E-Book darf nicht weiterverkauft oder an andere Menschen weitergegeben werden. Wenn Sie sich dieses E-Book mit einer anderen Person teilen möchten, kaufen Sie sich bitte eine zusätzliche Kopie für jeden weiteren Empfänger. Wenn Sie dieses Buch lesen, es jedoch nicht selbst gekauft haben und es auch nicht für ausschließlich Ihren Gebrauch gekauft wurde, dann geben Sie es bitte zurück und erwerben eine eigene Kopie. Vielen Dank für Ihren Respekt für die harte Arbeit dieser Autorin. Bei diesem Buch handelt es sich um Fiktion. Namen, Charaktere, Unternehmen, Organisationen, Orte, Veranstaltungen und Vorkommnisse sind entweder das Produkt der Fantasie der Autorin oder sind fiktiv eingesetzt. Jede Ähnlichkeit mit reellen Personen, lebend oder tot, ist reiner Zufall. BÜCHER VON SOPHIE LOVE DIE PENSION IN SUNSET HARBOR FÜR JETZT UND FÜR IMMER (Buch 1) FÜR IMMER UND EWIG (Buch 2) FÜR IMMER MIT DIR (Buch 3) WENN ES DOCH NUR FÜR IMMER WÄRE (Buch 4) EWIG UND DREI TAGE (Buch 5) FÜR IMMER UND NOCH EIN TAG (Buch 6) FÜR DICH FÜR IMMER (Buch 7) FÜR IMMER WEIHNACHTEN (Buch 8) DIE LIEBES CHRONIKEN DAS FESTIVAL DER LIEBE (BUCH #1) ITALIENISCHE NÄCHTE (BUCH #2) L'AMOUR IN PARIS (BUCH #3) INHALT KAPITEL EINS (#ue68de31b-ef85-5a5a-870e-1aa7c81c653e) KAPITEL ZWEI (#u64e57aa2-d508-595f-b032-e9504153e152) KAPITEL DREI (#ue512a645-dd99-53b7-888c-304362c4015f) KAPITEL VIER (#u6fbe552c-651d-5604-9c03-082768d76d07) KAPITEL FÜNF (#ub67265fa-8e21-50bc-9c6e-ed28626cbe0d) KAPITEL SECHS (#u6cc8810d-6955-5051-89c9-ae956f6a7081) KAPITEL SIEBEN (#litres_trial_promo) KAPITEL ACHT (#litres_trial_promo) KAPITEL NEUN (#litres_trial_promo) KAPITEL ZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL ELF (#litres_trial_promo) KAPITEL ZWÖLF (#litres_trial_promo) KAPITEL DREIZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL VIERZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL FÜNFZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL SECHZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL SIEBZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL ACHTZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL NEUNZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL ZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL EINUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL DREIUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL VIERZUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL SECHSUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) EPILOG (#litres_trial_promo) KAPITEL EINS Die Geräusche der geschäftigen Yacht verblassten, während sich in Emilys Kopf ihre gerade gesprochenen Worte wiederholten. „Ich bin schwanger.“ Auf den Gesichtern von Daniel und Chantelle ihr gegenüber lag ein überraschter Ausdruck. Keiner von beiden sagte ein Wort. Emily selbst war ebenfalls zu überwältigt, um etwas Anderes hervorzubringen. Erst vor knapp einer Minute hatte der Schwangerschaftstest, den sie auf der Toilette des Yachtclubs gemacht hatte, ihre neue Realität enthüllt. Sie hatte das alles noch gar nicht richtig verarbeitet. Schließlich brach Chantelle das Schweigen. Aber nicht mit Worten, sondern mit einem erfreuten Kreischen. Ihr Freudenschrei schien Daniel aus seiner Trance zu reißen. Er streckte seinen Arm über den Tisch und umschloss Emilys Hand fest. In seinen Augen glänzten Tränen. „Wirklich?“ Emily nickte, wobei ihr Blick nicht von Daniel abwich. Sie wurde von einer Welle der Emotionen überrannt. Es war nicht nur der Schock, sondern auch Aufregung, Begeisterung und Freude. In ihr wuchs ein Baby! Sie bekam ein eigenes Kind! Sie und Daniel hatten ein neues Leben geschaffen. Ihre Liebe und Hingabe hatte ihnen diesen Augenblick unsagbaren Glückes beschert. Chantelle begann, auf ihrem Stuhl auf und ab zu hüpfen. „Ich werde eine große Schwester!“, rief sie. Der intensive Moment zwischen Emily und Daniel wurde gebrochen, als sie von Chantelles Begeisterung wieder in die Gegenwart gezogen wurden. Beide lachten und Emily nickte dem Mädchen bestätigend zu. „Wann wird das Baby auf die Welt kommen?“, fragte Chantelle ungeduldig. Emily zuckte mit den Schultern, denn sie hatte immer noch Schwierigkeiten, diese neue Wirklichkeit zu akzeptieren. „Das weiß ich noch nicht.“ Sie rechnete in ihrem Kopf zurück, in dem Versuch, herauszufinden, wann sie schwanger geworden sein könnte. Doch das Baby war nicht geplant gewesen, egal, wie sehr sie sich darüber freuten. Es war ein glücklicher Unfall, der irgendwann geschehen war. Emily dachte an die seltsamen Schwindelanfälle, die sie in letzter Zeit gehabt und die sie auf Stress geschoben hatte, sowie an die zahlreichen Momente, in denen ihr übel gewesen war, was sie auf Nervosität zurückgeführt hatte. Waren das etwa schon die ersten Anzeichen der Schwangerschaft gewesen? In letzter Zeit war so viel geschehen – die Hochzeit, die Adoption, ihr Vater und Roman Westbrook – dass sie gar nicht bemerkt hatte, dass ihre Periode ausgeblieben war. Als sie so darüber nachdachte, stellte sie fest, dass sie ihre letzte Periode eine Woche vor der Hochzeit gehabt hatte. Das war schon Wochen her. Wenn sie in ihren Flitterwochen schwanger geworden war, dann hätte sie womöglich schon die Hälfte des ersten Trimesters geschafft! „Wir müssen mit einem Arzt reden“, erklärte Emily Chantelle. „Er wird dann herausfinden können, wie lange ich schon schwanger bin und wann das Baby auf die Welt kommen wird.“ „Aber das wird immer noch viele Monate dauern“, fügte Daniel hinzu. „Du musst also geduldig sein.“ Das war jedoch nicht gerade Chantelles Stärke. „Können wir einen Kalender erstellen?“, fragte sie mit großen und glitzernden Augen. „Damit wir die Tage herunterzählen können?“ Emily strahlte, berührt von Chantelles Begeisterung. „Das hört sich wunderbar an“, meinte sie. „Kann er richtig groß sein?“, fuhr Chantelle fort. „So groß wie eine ganze Wand?“ Sie streckte ihre Arme so weit sie konnte aus. Emily nickte. „Okay!“ „Mit Regenbogenfarben?“ „Wenn du das möchtest.“ „Und mit Glitzer?“ Emily lachte. „Das hört sich toll an.“ Es war solch eine Erleichterung zu wissen, dass Chantelle sich für sie freute. Sheilas Schwangerschaft hatte in Chantelle eine Welle an Emotionen ausgelöst, gepaart mit der Tatsache, dass ihr Schulfreund Toby auch bald ein großer Bruder werden würde. Emily war leicht besorgt gewesen, dass Chantelle nicht gut auf die Neuigkeiten reagieren würde. Doch bisher schien sie nur begeistert zu sein. Emily merkte sich vor, Chantelles Lehrerin Miss Glass und der Schulpsychologin Gail über die Situation Bescheid zu geben, falls Chantelle eine verspätete schlechte Reaktion auf darauf zeigte. Daniels Miene wurde für einen Moment ernst. „Chantelle, könntest du die Sache erst einmal für dich behalten?“, bat er. Das Mädchen sah ihn mit einem Stirnrunzeln an, so als ob er einen Luftballon zum Platzen gebracht hätte. „Warum denn?“ Emily wusste, warum Daniel die Sache erst einmal nicht an die große Glocke hängen wollte. Sie hatte das kritische erste Trimester noch nicht hinter sich. Dies war ihre erste Schwangerschaft und sie war nicht mehr die jüngste. Mit sechsunddreißig fiel sie in die Kategorie mit dem schrecklichen Namen der „Spätgebärenden“. Die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt war höher als unter normalen Umständen. Dieser Gedanke sandte eine Schockwelle durch ihren Körper. „Damit es unser besonderes Morey-Familien-Geheimnis ist“, erklärte Emily, während sie ihr auf die Nase tippte. „Dann macht das Ganze noch viel mehr Spaß.“ Daniel sah mit erleichterter Miene auf, vermutlich, weil Emily sich um die delikate Situation kümmerte. Chantelles Stirnrunzeln wich Misstrauen, was jedoch genauso schnell verschwand, wie es gekommen war. „Okay!“, sagte sie zustimmend, während sie die Augenbrauen hochzog. „Aber was ist mit Papa Roy? Er gehört auch zur Familie, aber er ist ein Mitchell und kein Morey.“ Emily dachte einen Moment über diese Frage nach. Was war mit ihrem Vater? Sollte sie es ihm vor dem Ende des ersten Trimesters erzählen? Sollte sie es überhaupt jemandem erzählen? Sie brauchte emotionale Unterstützung, so viel war sicher. Sie wusste einfach nicht, wer dafür am besten geeignet wäre. Ihr Vater war erst vor kurzem wieder in ihr Leben getreten. Sie wusste nicht, wie er darauf reagieren würde, Vater, Schwiegervater und nun auch Großvater zu sein! „Vielleicht in einer Weile“, sagte sie zu Chantelle. „Für jetzt ist es ein Geheimnis zwischen uns drei. Okay?“ Chantelle tat so, als würde sie sich den Mund verschließen. Dann formte sie mit den Lippen stumm die Worte: „Ich liebe dich.“ Emily lächelte in sich hinein und erwiderte die Geste. Der Augenblick war so perfekt, so wunderschön. Sie schätzte sich glücklich, dass ihre Familie so perfekt zusammengefunden hatte. * In dieser Nacht lagen Emily und Daniel zusammen im Bett. „Ich kann nicht schlafen“, gestand Emily, während sie sich auf die Seite rollte, um ihn anzusehen. Dabei spürte sie, wie sich Daniels Hand unter der Decke beschützerisch auf ihren Bauch legte. „Warum wohl?“, entgegnete er mit einem Glucksen. Emily legte ihre Hand auf seine. „Ich weiß, ich kann selbst noch gar nicht glauben, dass es wahr ist. Vielleicht glaube ich es erst, wenn ich bei einem Arzt war und ein Ultraschallbild gesehen habe.“ „Ein Ultraschallbild“, wiederholte Daniel ehrfürchtig. „Bei Chantelle hatte ich nie die Möglichkeit, all das zu erleben.“ Er tat Emily leid. Daniel hatte so viel von Chantelles frühem Leben, einschließlich ihrer Geburt, verpasst. Diesmal würden die Dinge anders sein. Er würde jeden Moment im Leben ihres Babys miterleben, das erste Lächeln, das erste Niesen, den ersten Schritt. Der Gedanke wärmte ihr Herz. „Wann werden wir also unser Baby sehen?“, fragte Daniel. „Wann ist der erste Ultraschall?“ „Ich denke bei zwölf Wochen“, antwortete Emily, die erkannte, dass sie selber nicht sonderlich viel über das wusste, was gerade geschah. Ihre Schwangerschaft war etwas, bei dem sie gemeinsam lernen würden. „Ich werde erst beim Arzt erfahren, wie weit ich bin.“ „Glaubst du, du bist in unseren Flitterwochen schwanger geworden?“, wollte Daniel wissen. „Das hoffe ich“, erwiderte Emily grinsend, während sie sich genau an ihre Liebesspiele erinnerte und wusste, dass sie ihre gemeinsame Zeit in den Flitterwochen niemals vergessen würde. Daniel wurde still. „Sollen wir es den Leuten sagen? Unseren Freunden. Den Angestellten.“ Dann fügte er mit leiser Stimme hinzu: „Unseren Müttern.“ Emily seufzte. Darüber hatte sie auch schon nachgedacht. Keine ihrer Mütter nahm aktiv an ihrem Leben teil. Beide hatten schwierige Persönlichkeiten und ihre Kinder in der Vergangenheit schwer enttäuscht, weshalb sie wohl auch als Großmütter versagen würden. Wenn sie ihre Probleme schon nicht in den Griff bekommen hatten, um zur Hochzeit ihrer Kinder zu kommen, welche Hoffnung bestand dann, dass sie im Leben ihres Enkelkindes eine aktive Rolle spielen würden? „Lass uns noch nicht darüber nachdenken“, sagte Emily. „Ich will zumindest ein paar Wochen lang glücklich sein. Schaffen wir das?“ Daniel nickte und wandte seinen Blick zur Decke. Emily hatte den Eindruck, dass er ein wenig zurückhaltend und reserviert wirkte. Sie hoffte, dass das nur mit seiner Mutter zu tun hatte, und mit nichts anderem. Trotzdem sorgte sie sich darum, dass seine Stimmung einen anderen Auslöser hatte. Vielleicht freute er sich doch nicht so über die Schwangerschaft. Immerhin hatte er ihr gemeinsames Kind planen wollen. Vielleicht war er enttäuscht, dass es einfach so passiert war? Emily beschloss, ihn erst einmal in Ruhe zu lassen. Sie hoffte, dass Daniel ihr irgendwann von alleine von seinen Problemen erzählen würde. Sie sorgte sich ja schließlich auch über ihre Muttereigenschaften, die Gesundheit des Kindes, die Zukunft und sogar über die aktuelle Lage auf der Welt, in die das Kind bald hineingeboren würde! Es gab so viele Dinge, die ihr Kopfzerbrechen bereiteten und es würde Zeit brauchen, bis sie beide damit zurechtkamen. Sie kuschelte sich unter die Decken, während sich ihre Gedanken immer noch unaufhörlich um die Zukunft drehten. Würden sie einen Sohn oder eine Tochter bekommen? Hätte das Kind blonde Haare wie Chantelle oder dunkle wie sie selbst? Es gab noch so viele Dinge zu bedenken. Sie atmete in dem Versuch, sich zu beruhigen, tief durch. Es wäre am besten, eine Hürde nach der anderen zu bewältigen. Als erstes würde sie einen Termin bei einem Frauenarzt ausmachen. KAPITEL ZWEI Emily war so nervös wie ein Kind bei seinem ersten Schultag, als sie mit schwingenden Beinen auf der Untersuchungsliege der Frauenärztin saß. Daniel, der neben ihr auf einem harten Plastikstuhl saß, sah ebenfalls so aus, als würde er sich nicht wohl fühlen. An den mintgrünen Wänden hingen ärztliche Zertifikate sowie bunte Poster, die die unterschiedlichen Phasen der Schwangerschaft darstellten, und in der Luft lag der unangenehme Geruch nach Desinfektionsmittel. In den kommenden Monaten würde sie ihn noch oft riechen! Die Tür schwang auf und Ärztin Rose Arkwright trat ein. Mit ihrem eleganten Äußeren machte sie auf Emily eher den Eindruck einer Anwältin als einer Ärztin. Allein die flachen Schuhe, der weiße Arztkittel und das Stethoskop, das um ihren Nacken hing, wiesen auf ihre eigentliche Beschäftigung hin. Sie lächelte die beiden an, während sie ihr Klemmbrett neben dem Computer ablegte und sich an den Schreibtisch setzte. „Mr. und Mrs. Morey?“, sprach sie die beiden an. „Zuerst möchte ich Sie beglückwünschen.“ Emily bemerkte ihr warmes Lächeln, als die Ärztin ihnen mit angenehmem Druck die Hand schüttelte. Emily hatte den starken Eindruck, dass Doktor Arkwright eine intelligente und schliche Frau war. Schon gleich fühlte sie sich in ihren Händen sehr sicher. „Vielen Dank“, sagte Daniel mit schüchternem Lächeln. „Wir freuen uns riesig.“ Emily stimmte es glücklich, ihn so etwas sagen zu hören, denn sie war sich nicht sicher, wie er zu der ganzen Sache stand, da er am Tag zuvor noch so schockiert und gestresst gewirkt hatte. „Sollen wir dann gleich anfangen?“, schlug Doktor Arkwright vor. Sie blätterte die erste Seite um und sah dann Emily an. „Ich muss Ihnen leider sehr viele detailreiche Fragen stellen. Formulare, Formulare und noch mehr Formulare.“ „Kein Problem“, erwiderte Emily. „Schießen Sie los.“ „Als erstes müssen wir bestimmen, wie lange Sie schon schwanger sind. Bekommen Sie Ihre Periode normalerweise regelmäßig?“ Emily nickte. „Meine letzte war erst kurz vor unserer Hochzeit. Also vor etwa acht Wochen.“ „Dann ist dies vielleicht ein Flitterwochen-Baby?“, meinte Doktor Arkwright mit einem Lächeln. „Wie romantisch.“ Emily errötete. Doktor Arkwright fuhr fort. „Wir setzen den Geburtstermin anfangs um die achtunddreißig bis zweiundvierzig Wochen nach dem Ende der letzten Periode an. Das bedeutet, dass wir uns um den elften Dezember bewegen.“ Emily und Daniel sahen sich mit großen Augen an. So nahe an Weihnachten! „Wenn Sie dann Ihr erstes Ultraschallbild haben und das Baby vermessen wurde, kann der Termin leicht angepasst werden“, fügte die Ärztin hinzu. „Können Sie mir sagen, welche Schwangerschaftssymptome Sie haben und wie lange Sie sie schon verspüren?“ „Ihr ist schwindelig und übel“, erklärte Daniel. „Eigentlich schon seit kurz nach der Hochzeit, nicht wahr?“ Er sah Emily nach Zustimmung suchend an. „Ich dachte, es liegt am Stress“, erwiderte sie. „Zu dieser Zeit war in unserem Leben so einiges los.“ Doktor Arkwright nickte. „Das sind die zwei häufigsten Symptome in der ersten Phase. Und sie werden oft mit Stress verwechselt. Aber Sie sind noch nicht ohnmächtig geworden, sondern haben nur leichten Schwindel verspürt?“ „Ja“, bestätigte Emily. Doktor Arkwright machte sich Notizen, während Sie fortfuhr. „Gut. Es ist nicht gefährlich für das Baby, wenn Sie in Ohnmacht fallen sollten, weil es momentan noch zu klein ist und sich in einem schützenden Flüssigkeitssack befindet. Aber für Sie kann das natürlich sehr erschütternd sein, vor allem, wenn Sie beim Fallen an etwas hängen bleiben. Sie sollten sich allerdings keine allzu großen Sorgen machen. Das Ganze wird in den kommenden Wochen verschwinden, nur bei wenigen Frauen bleiben die Symptome bestehen. Wenn Sie von Natur aus einen niedrigen Blutdruck haben, könnte sich das im zweiten Trimester verstärken. Gehen Sie die Dinge also ruhig an. Stehen Sie langsam auf. Essen Sie regelmäßig. Am besten haben Sie immer eine Banane in der Handtasche. Und eine Tüte Nüsse.“ „Alles klar“, erwiderte Emily, die von alldem erschlagen war. Sie wünschte sich, Notizen gemacht zu haben, und hoffte, dass sich Daniel all die Dinge gemerkt hatte, die sie in ihrem überwältigten Zustand nicht in sich hatte aufnehmen können. „Gut, dann schauen wir doch einmal“, meinte Doktor Arkwright und stand auf. Emily schwang ihre Beine herum, sodass sie mit dem Rücken auf der Untersuchungsliege lag. Daniel stand auf und stellte sich neben sie. Dann zog sich Doktor Arkwright Gummihandschuhe an. „Das fühlt sich so an, als wäre ich von Aliens entführt worden“, sagte Emily, während sie zu den anderen beiden aufsah. Daniel lachte. „Ja, Sie werden in den kommenden Monaten häufiger untersucht werden als je zuvor in Ihrem Leben“, stimmte Doktor Arkwright zu. „Am Ende der Schwangerschaft werden Sie keinerlei Probleme damit haben, sich vor anderen Menschen auszuziehen. Schamgefühle haben hierbei nichts zu suchen.“ „Ich freue mich schon auf diese Zeit“, entgegnete Emily, deren Wangen erröteten. Doktor Arkwright prüfte Emilys Becken, den Bauchraum, ihre Hüftdrehungen und die Beweglichkeit der Gelenke. Mit ihren geschickten Fingern untersuchte sie fast jeden Zentimeter von Emilys Körper. Emily kam sich wie ein Teigkloß vor, der geknetet wurde. „Ich werde ein paar Bluttests veranlassen“, erklärte die Ärztin während ihrer Arbeit. „Damit wir Ihren Rh-Status kennen. Außerdem werden wir auf Blutarmut und bestimmte Antikörper testen und sicherstellen, dass Sie immun gegen die großen Viren wie Windpocken, Röteln und Hepatitis sind.“ Bluttests gehörten nicht gerade zu den Dingen, die Emily gerne hinter sich brachte, und der Gedanke daran, dass diese Tests gemacht werden mussten, verstärkte ihre Nervosität. „Dies ist Ihre erste Schwangerschaft, nicht wahr, Mrs. Morey?“, fragte die Ärztin, während sie ein kaltes Stethoskop an Emilys Brust drückte. Emily nickte. „Ja.“ „Hatten Sie irgendwann einmal gynäkologische Probleme? Unnormale Abstrichergebnisse? Sexuell übertragene Infektionen? Irgendetwas in diese Richtung?“ Emily schüttelte den Kopf und fragte sich, ob es für Daniel wohl besser gewesen wäre, zu diesem Termin nicht mitgekommen zu sein. In ihrer Naivität war sie nicht davon ausgegangen, dass ihr gleich schon solch delikate Fragen gestellt würden. Sie würde sich daran gewöhnen müssen, alle Details über ihren Körper preiszugeben. Nichts war verboten! Doktor Arkwright nahm Emily das Stethoskop von der Brust und hängte es sich wieder um ihren Nacken. „Als Spätgebärende“, erklärte sie, während ihre Aufmerksamkeit auf Emilys Bauchraum lag, „ist es umso wichtiger, dass Sie die richtigen Vitamine nehmen, genug schlafen und Ihr Stresslevel auf das absolute Minimum reduzieren. Das empfehlen wir erwartenden Müttern in jedem Alter, aber für Sie sind sie besonders wichtig.“ „Sollten wir uns Sorgen machen?“, fragte Daniel. „Wegen Emilys Alter?“ Emily sah ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen an. Mit unverdecktem Bauch, den die beiden so unverhohlen ansahen, fühlte sie sich verletzlich und auf gewisse Weise ihrer Gnade ausgeliefert. Sie kam damit klar, wenn die Ärztin über ihr Alter sprach, aber nicht, wenn Daniel es tat! Doktor Arkwright sah Daniel kurz an und schüttelte den Kopf. „Heutzutage gründen viele Frauen erst in ihren späten Dreißigern eine Familie und die Medizinwelt hält dem Schritt. Das ist nicht mehr so ein Problem wie es früher war. Das Hauptproblem ist, überhaupt schwanger zu werden, was in diesem Fall ja nicht zutrifft. Es besteht ein leicht erhöhtes Risiko für Schwangerschaftsdiabetes, Blutdruckprobleme und einer Frühgeburt. Aber Sie sind in sicheren Händen.“ Emily fühlte sich definitiv in sicheren Händen. Sie wünschte sich nur, dass sie nicht so viele Untersuchungen hinter sich bringen musste. Das alles fühlte sich ein wenig unpersönlich an. Klinisch. Es gefiel ihr nicht, dass sie sich wie eine Babymaschine fühlte, und wäre sehr froh, wenn diese Erstuntersuchung endlich hinter ihr lag. Doktor Arkwright zog sich die Handschuhe aus. „Alles fertig. Sie sind in guter Form, Sie müssen sich in dieser Hinsicht also keine Sorgen machen. Bitte setzten Sie sich und dann sehen wir uns kurz Ihre Krankengeschichte an.“ Emily setzte sich auf und lächelte Daniel schwach an, denn sie war noch nicht bereit, ihm seinen Kommentar über ihr Alter zu verzeihen. Sie richtete ihre Kleider, zog sich die Schuhe wieder an und setzte sich dann hin. Doktor Arkwright wusch sich die Hände und setzte sich dann auf ihren Stuhl, mit dem sie sich zum Computer drehte. Anschließend las sie etwas auf dem Bildschirm. „Sie haben einen guten Gesundheitsbericht“, sagte sie, während sie sich die Daten ansah. „Als Kind hatten Sie Scharlach, jedoch sind keine Nachwirkungen aufgetreten. Sie sind Nichtraucherin, was mich sehr freut. Es gibt auch keine besonderen Gesundheitszustände aufgeführt. Keine chronischen Krankheiten. Keine dauerhafte Medizineinnahme. Sie haben zwar einen leicht erhöhten Alkoholwert, aber in den kommenden Monaten werden Sie Alkohol ja sowieso komplett aufgeben.“ Sie wandte sich wieder Emily zu. „Wir geben ihn beide auf“, sagte Emily. „Das wäre sonst nicht fair“, fügte Daniel hinzu. „Vor allem, da wir eine eigene Bar und einen wunderbaren Cocktailmixer haben.“ Doktor Arkwright lächelte. Dann stützte sie ihre Ellbogen auf den Tisch und sah Emily mit ernster Miene an. „Das nächste Thema ist vielleicht etwas schwierig zu besprechen, aber ich habe gesehen, dass Sie auf dem Anmeldeformular angekreuzt haben, dass es in Ihrer Familie mentale Gesundheitsprobleme gibt. Wenn es für Sie in Ordnung ist, würde ich Sie gerne bitten, mir ein wenig mehr darüber zu erzählen. Das kommt Ihnen nur zugute, niemand wird verurteilt. Wir möchten nur ein Auge auf bestimmte Dinge haben, während die Hormone sich im Laufe der Schwangerschaft verändern.“ Emily faltete ihre Hände im Schoß, denn sie fühlte sich nicht wohl. Sie wollte wirklich nicht über ihre chaotische Kindheit reden, schon gar nicht mit einer Fremden, selbst, wenn es sich hierbei um eine Ärztin handelte, die das wahrscheinlich alles schon gehört hatte und nun lediglich helfen wollte. Daniel streckte seinen Arm aus und legte seine Hand aufmunternd auf die von Emily. Von seiner Anwesenheit bestärkt holte Emily tief Luft. „Mein Vater hatte eine lange Zeit mit Depressionen zu kämpfen“, sagte Emily schließlich mit leiser Stimme. „Mehrere Jahrzehnte lang. Das folgte auf den Tod meiner Schwester.“ Doktor Arkwright nickte und schrieb sich die Informationen mit neutraler Miene auf. „Und Ihre Mutter?“ „Meine Mutter?“ Emily schüttelte den Kopf. „Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht einmal, was eigentlich ihr Problem ist. Es könnte etwas Mentales sein. Aber vielleicht ist sie auch einfach nur eine schwierige Person.“ „Sie ist nie untersucht oder mit etwas diagnostiziert worden?“ Emily schüttelte den Kopf. Nun fühlte sie sich gar nicht wohl. Über diese Dinge zu sprechen, löste immer eine gewisse Panik in ihr aus. Doch Doktor Arkwright schrieb diese Information ebenfalls auf, während sie so tat, als bestünde kein Grund zur Sorge. „Und was ist mit Ihnen selbst?“, fragte sie dann vorsichtig. „Hatten Sie als Kind irgendwelche Probleme?“ Emily zuckte mit den Schultern. „Ich glaube nicht. Ich meine, nach Charlottes Tod war ich natürlich am Boden zerstört. Und nachdem mein Vater…“ Sie brach ab, um ihre Gedanken zu sortieren. Mit einem tiefen Atemzug fuhr sie fort: „Ich hatte ein paar sehr schwierige Phasen in meinem Leben. Ich weiß nicht, wie gut ich mit ihnen zu der jeweiligen Zeit umgegangen bin. Ich habe Jahre gebraucht, um mit ihnen richtig abzuschließen. Und als ich damit anfing, erlebte ich all die Dinge in Flashbacks wieder.“ Daniel strich mit seinem Daumen über die Oberseite ihrer Hand, auf der sie lag. „Manchmal schaltet sie gedanklich ab“, meinte er. „Sie ist dann gar nicht mehr richtig anwesend. Aber das geschieht nun immer seltener.“ Doktor Arkwright blieb bei der ganzen Geschichte sehr professionell und nahm Emilys Geständnisse mit einem mitfühlenden Kopfnicken auf. „Es hört sich so an, als hätten Sie leichte Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung“, sagte sie. Emily erschrak. Das hörte sich so dramatisch an. Für sie selbst war das alles wie eine Art natürliche Therapie gewesen, durch die sie Erinnerungen erlangt hatte, die sie so viele Jahre lang verloren geglaubt hatte. „Machen Sie sich bitte keine Sorgen“, versicherte die Ärztin. „Das passiert häufiger als man allgemein denkt, vor allem, wenn man in der Kindheit etwas Traumatisches erlebt hat. Wir können nicht alle unsere Emotionen mit Worten ausdrücken oder sie richtig beschreiben, weshalb es ganz natürlich ist, diese zu verdrängen. Wichtig ist jedoch, zu wissen, dass Sie dadurch einem höheren Risiko für pre- oder postnatale Depressionen oder Psychosen ausgesetzt sind. Das hört sich auch wieder dramatisch an, doch mittlerweile gibt es sehr gute Behandlungsmöglichkeiten, Therapien und, wenn es nötig sein sollte, auch Medikamente. Solange wir ein Auge auf Ihre Symptome haben, besteht keinen Grund zur Sorge.“ Emily nickte und stieß den Atem aus. Doktor Arkwright beruhigte sie sehr, jedoch verspürte sie gleichzeitig eine seltsam unwohle Nervosität auf das, was wohl noch auf sie zukommen mochte. Über diese Dinge wurde nie gesprochen. Weder unter ihren Freunden noch in der Generation ihrer Eltern. Sie fühlte sich automatisch unwohl, zu wissen, dass sie einem größeren Risiko ausgesetzt war, an etwas zu leiden, das in der Gesellschaft nur wenig Verständnis fand. Doktor Arkwright lächelte und reichte Emily ein gefaltetes Hochglanzpapier. „Hier ist eine Broschüre mit Informationen zu Ernährung, Vitaminen, Sport, Dingen, die Sie bei Reisen beachten sollen, und ein paar anderen Hinweisen. Lesen Sie sie in Ruhe durch und stellen Sie mir bei unserem nächsten Termin alle Fragen, die eventuell aufkommen. In vier Wochen machen wir eine Ultraschalluntersuchung, damit Sie Ihr Baby sehen können.“ Sie wandte sich wieder an den Computer und legte einen Termin fest. Dann sah sie die beiden an. „Das wäre es für jetzt. Ich verspreche Ihnen, dass die Folgetermine nicht so lange dauern werden.“ Sie stand auf und streckte ihre Hand Emily entgegen. Diese erhob sich und schüttelte genau wie Daniel die Hand der Ärztin. Sie hatte das Gefühl, dass der Termin so schnell und verschwommen wie ein Traum an ihnen vorbeigezogen war, obwohl er in Wirklichkeit viel Zeit in Anspruch genommen hatte. Emily wusste nicht, wie viel von dem, was sie gerade gehört hatte, auch zu ihr durchgedrungen war. Es fühlte sich so an, als hätte sie fast nichts davon aufgenommen. Sie verließen die Arztpraxis und traten gemeinsam in den hellen Tag hinaus. „Konntest du dir irgendetwas davon merken?“, fragte Emily Daniel, während sie zu dem geparkten Auto liefen. „Nicht wirklich“, gestand er. „Das waren so viele Informationen.“ Als sie so nebeneinander hergingen, beobachtete Emily sein Gesicht. Er schien gestresst zu sein und sie fragte sich, welcher Teil des Termins ihn am meisten Sorgen bereitete. Waren es die Probleme wegen ihres Alters? Ihr möglicherweise erhöhtes Risiko einer postnatalen Depression? Oder doch nur die Tatsache, dass sie sich nicht jedes einzelne Wort der Ärztin hatten merken können? „Es steht ja alles in der Broschüre“, versicherte sie ihm. „Wir können sie immer und immer wieder lesen. Wenn du willst, sogar jeden Abend vor dem Schlafengehen.“ Sie lachte in dem Versuch, die Stimmung aufzuheitern. Und obwohl Daniel nickte, schien er immer noch angespannt und sein Blick leicht entrückt zu sein. Am liebste hätte Emily gefragt, was gerade durch seinen Kopf ging, doch er schien sich abgeschottet zu haben. Sie spürte, wie ihre eigene Begeisterung schwand. Daniels Einstellung schien nicht ganz zu ihrer eigenen zu passen. In seinem Gesicht lag nur Sorge, Beunruhigung und Stress. Sie steigen in den Truck und fuhren schweigend nach Hause. KAPITEL DREI Doktor Arkwrights Rat an Emily, sich zu schonen und ihr Stresslevel soweit wie möglich zu senken, flog schlichtweg aus dem Fenster, da das Wochenende um den Memorial Day immer näher rückte und die Pension voller Sportler war. Emily eilte die Treppe hinunter in den Eingangsbereich, wo die Gäste in Gruppen herumstanden. Die Pension sah dank Chantelles Dekorationen wunderschön aus. Sie hatte das ganze Haus mit Fahnen geschmückt und Poster für die Stadtparade hingen an den Wänden. Alles deutete darauf hin, dass dies das beste Ereignis des Jahres werden würde. Bürgermeister Hansen hatte sich in diesem Jahr wirklich übertroffen, indem er eine Prozession antiker Feuerwehrautos sowie eine Blaskapelle aus der High School sowie einundzwanzig Salutschüsse organisiert hatte. Emily war froh, dass er für die Männer und Frauen, die ihr Leben für die Freiheit ihres Landes gelassen hatte, solch einen großartigen Erinnerungstag arrangiert hatte. Lois und Marnie standen am Empfangstresen, wo sie hektisch Anrufe entgegennahmen und Fragen der Gäste beantworteten. Seit die Pension durch Bryonys Neugestaltung der Webseite für den gesamten Sommer ausgebucht war, hatte Emily die Pläne umgestalten müssen. Serena wollte nicht mehr so viel arbeiten, um sich mehr auf ihren Universitätsabschluss zu konzentrieren, weshalb Emily Marnie vom Zimmermädchen zur Empfangsdame befördert hatte. Als Ersatz hatte sie anschließend die von Amy für die Hochzeit herausgesuchte Reinigungsfirma Magic Elves engagiert und einen jungen Portier namens Trent eingestellt, der dafür verantwortlich war, die Taschen der Gäste beim Einchecken hinaufzutragen. Trotz der Hektik schien das System gut zu funktionieren. Zumindest für den Moment. Emily traf im Foyer auf Bryony. Auf ihren Knien lag ein Laptop und auf dem Beistelltisch vor ihr stand ein Berg halb ausgetrunkener Kaffeetassen. Normalerweise befanden sich hier nur ein oder zwei Menschen, doch heute war jeder einzelne Tisch und jedes Sofa mit Gästen besetzt, die Kaffee und Saft tranken, Zeitung lasen, Karten studierten und ihre Tagesausflüge planten. „Ich weiß, ich sage dir das jedes Mal, wenn ich dich sehe“, sagte Emily zu Bryony, als sie sich zu ihr setzte, „aber ich danke dir so sehr für all das, was du für die Pension getan hast. Ich habe sie noch nie zuvor so gesehen.“ Bryony lächelte. „Kein Problem. Ich kann es kaum abwarten, die Renovierungsarbeiten an der Erweiterung endlich zu beginnen. Das eröffnet mir so viele neue Möglichkeiten. Neue Formen. Neue Seiten.“ Ihre Augen glänzten vor Aufregung. „Du liebst diese Art Arbeit wirklich, oder?“, fragte Emily verwundert. In New York hatte sie selbst jahrelang im Marketing gearbeitet und jede Sekunde davon gehasst. Bryony wackelte mit den Augenbrauen. „Ich liebe es. Außerdem bekomme ich all diese mysteriösen Gäste, die hier buchen, zu sehen. Schau dir diesen hier an.“ Sie drehte ihren Laptop so, dass Emily die Zimmertabelle der Webseite angezeigt wurde, die sich durch die Magie eines Computercodes wie von allein füllte. „Das Kutscherhaus wurde von einem Mr. X gebucht. Ich hoffe ja, dass er ein neuer Roman Westbrook ist.“ Emily zog ihre Augenbrauchen ebenfalls begeistert hoch. „Oder ein Bösewicht von James Bond.“ In diesem Moment betrat eine Gruppe von drei Männern die Pension. Sie alle trugen beige Hosen und Poloshirts und ihr Haar strahlte in unterschiedlichen Grautönen. Emily bemerkte, dass jeder von ihnen eine große Papierrolle unter dem Arm trug und dass sie keine Art Wanderfriseure, sondern die Architekten von Erik & Sons waren und die ersten Skizzen für die Renovierung von Trevors Haus vorbeibrachten. Sie und Daniel waren auf das Unternehmen zugegangen, in der Hoffnung, bei ihm eine wohlwollendere Herangehensweise zu finden. Als sie nun so auf sie zukamen, erkannte Emily an ihrer unheimlich gleichen Erscheinung, dass es sich hierbei wohl um den „& Sons“-Teil des Unternehmens handeln musste. Sie schüttelte allen die Hand, wobei sie immer wieder blinzeln musste, denn sie hatte das Gefühl, dass es sich jedes Mal um ein und dieselbe Person handelte. „Wir sind Drillinge“, erklärte der Mann, dessen Haar im hellsten Grau erstrahlte. „Ich bin Wayne. Das ist Cain. Und das hier ist Shane. Er ist um fünf Minuten der jüngste von uns.“ „Und die Wahrscheinlichkeit, dass ich mir merken kann, wer wie heißt, ist gleich null“, gab Emily zu. „Das macht uns nichts“, fuhr Wayne Erik fort. „Wir werden schon seit fünfundfünfzig Jahren miteinander verwechselt. Wenn wir ein Problem damit hätten, dann würden wir uns nicht gleich anziehen.“ Er grinste und deutete auf die exakt gleichen, dunkelblauen Poloshirts mit der Aufschrift Erik & Sons. „Bitte“, sagte Emily“, folgt mir. Wir suchen uns einen ruhigeren Ort, an dem wir die hier ausbreiten können. Ich weiß, dass wir uns später für einen Rundgang des Hauses treffen, aber ich möchte die Pläne unbedingt schon jetzt sehen.“ Sie führte die Männer aus dem geschäftigen Eingangsbereich in das leere Esszimmer, wo die Erik-Drillinge ihre Pläne auf dem großen Walnusstisch ausbreiteten. Emily warf einen Blick auf die Entwürfe, es gab eine Papierrolle für jedes Stockwerk des Hauses. Die Pläne sahen phänomenal gut aus. Sie waren groß und sehr aufregend. Trotzdem fühlte es sich für sie ungewohnt an, Trevors Haus auf Linien und Maßangaben auf einem Blatt Papier reduziert zu sehen. Sie spürte, wie sich ein Kloß in ihrem Hals formte. „Es tut mir leid“, stammelte sie, als plötzlich Tränen in ihre Augen traten. „Das Haus gehörte einem verstorbenen Freund. Ich habe seinen Tod immer noch nicht vollständig verarbeitet.“ „Das war das Haus von Trevor Mann, nicht wahr?“, fragte Wayne mit sanfter Stimme. „Ja“, erwiderte Emily, während sie sich die Tränen mit ihrem Ärmel trockentupfte. „Kannten Sie ihn?“ „Natürlich“, bestätigte Cain. „Mr. Mann war Teil des Vermessungsausschusses, weshalb wir viel mit ihm zu tun hatten. Er war schon eine Person für sich.“ An der Art, wie er sich ausdrückte, erkannte Emily, dass er Trevors schwierige Persönlichkeit nur höflich umschreiben wollte. „Ich weiß, er war ein griesgrämiger Kauz“, sagte Emily mit einem wehmütigen Lächeln. „Am Anfang konnte er mich nicht ausstehen, doch am Ende waren wir gute Freunde.“ Die Erik-Brüder sahen sie freundlich an. „Wir lassen die Pläne bei Ihnen“, fuhr Wayne fort. „Wenn wir später das Haus begehen, können wir darüber sprechen.“ „Vielen Dank“, erwiderte Emily, froh, dass sie und Daniel dieses Unternehmen ausgewählt hatten. Es war äußerst beruhigend zu wissen, dass die Eigentümer aus der Gegend kamen und Trevor Mann gekannt hatten. Sie errötete, als sie plötzlich die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte. „Außerdem bin ich schwanger“, gab sie mit einem schüchternen Kichern zu. „Diese Hormone machen mich verrückt.“ Die Erik-Drillinge versicherten ihr, dass sie sich für nichts entschuldigen musste, bevor sie die Pläne daließen, damit sie und Daniel später einen Blick darauf werfen konnten, wenn sie nicht mehr so hormonal durcheinander war. Anschließend verabschiedeten sie sich. In diesem Moment platzte Chantelle in den Raum. Yvonne musste sie nach ihrer Übernachtung bei Bailey nach Hause gebracht haben. „Mommy!“, rief sie, während sie auf Emily zu rannte und ihr die Arme um den Hals schlang. Sie drückte Küsse auf Emilys Wangen. „Warte, warum weinst du denn?“, fragte sie und löste sich ein wenig von ihr. Emily wischte sich die Tränen von den Wangen. „Das sind nur die Schwangerschaftshormone“, erklärte sie mit einem Flüstern und legte sich einen Finger auf die Lippen. „Unser Geheimnis“, sagte Chantelle nickend. Dann sprang sie von Emilys Schoß. „Wann beginnt die Parade zum Memorial Day?“ Emily sah auf die Uhr. „Gleich. Sobald Daddy vom Einkaufen zurückkommt, können wir zusammen losgehen.“ Chantelle klatschte in die Hände. Sie liebte Paraden und jeden Grund, um Zeit mit ihren Freunden zu verbringen. Emily war ebenfalls aufgeregt. Nicht nur, weil sie die Parade liebte, sondern auch, weil Amy zurzeit ihren neuen Freund Harry, den jüngeren Bruder von Daniels Freund George, in Sunset Harbor besuchte. Bisher hatte Amy ihn komplett für sich behalten, weshalb Emily immer neugieriger wurde und ihn endlich treffen wollte. Um ehrlich zu sein, hatte sie ihn erst einmal gesehen, bevor ihr Amy gesagt hatte, dass sie mit ihm ausging, und damals hatte sie ihn auch nur flüchtig getroffen. Sie konnte sich nicht einmal mehr daran erinnern, wie er aussah. Sie wusste nur, dass er recht jungenhaft gewirkt hatte. Amy konnte offensichtlich gar nicht genug von ihm bekommen, denn sie hatte ihre Beziehung geheim gehalten, genau wie zuvor mit Fraser. Amy wollte nie, dass sich äußere Einflüsse auf ihre Beziehungsentscheidungen auswirkten. Emily hatte lange gebraucht, bis sie Amy endlich dazu überredet hatte, ihr Harry vorzustellen. Dabei hatte sie sie immer wieder daran erinnert, dass sie damals Fraser nicht hatte unter die Lupe nehmen können, weshalb die ganze Sache so schlimm ausgegangen war. Schließlich hatte Amy zugestimmt, dass die Parade eine gute Gelegenheit wäre, um sich miteinander zu unterhalten, und nun war der Moment endlich gekommen, in dem Emily den Mann, der Amys Meinung über diese Kleinstadt so vollkommen verändert hatte, kennenlernen würde. Sie konnte es kaum erwarten! Vielleicht war Harry ja der Eine für Amy? * Wie erwartet tummelten sich Einheimische und viele Touristen in der Stadt, um ihren Respekt für die alten Truppen zu bezeugen. Tatsächlich war sich Emily sogar sicher, dass sie Sunset Harbor noch nie so geschäftig erlebt hatte. Sie hatte das Gefühl, dass sich der Ort schon sehr verändert hatte, seit sie hierhergekommen war. Es war mittlerweile kein verschlafenes Nest mehr. „Geht es nur mir so oder sind hier mehr Menschen als sonst?“, fragte Daniel neben ihr, während sie Hand in Hand entlangliefen. „Ich habe gerade das Gleiche gedacht“, stimmte Emily zu, wobei sie nach Amy und Harry in der Menge Ausschau hielt. In diesem Moment entdeckte sie Karen aus dem kleinen Supermarkt vor ihr. Zusammen gingen sie auf sie zu und als sie neben sie traten, wandte sich die Frau zu ihnen um. Sie umarmte die beiden, weil sie sich wie immer sehr freute, sie zu sehen. „Es ist so viel los, nicht wahr?“, rief sie. Anscheinend hatte sie dasselbe gedacht. „Mehr als sonst“, gab ihr Emily Recht. „Das liegt an Roman Westbrook“, meinte Karen, während sie auf die andere Straßenseite deutete, wo der berühmte Sänger auf die Parade wartete. Ihre Augen glänzten vor Begeisterung, dass sich ein Popstar auf den einfachen Straßen der Stadt hier tummelte. Roman stand inmitten seiner Sicherheitsleute, etwas, das er bisher noch nicht benötigt hatte. Emily wurde klar, dass jemand den Medien von seinem Umzug hierher erzählt haben musste, und sie war enttäuscht, dass die Presse ihm so schnell auf die Schliche gekommen war. Er hatte versucht, seinen Umzug so lange wie möglich geheim zu halten, um seine Privatsphäre zu schützen. Emily, Chantelle und Daniel winkten ihm herzlich zu, als er sich umsah und sie erblickte. Karens Augen weiteten sich. „Ihr seid befreundet?“, fragte sie. Emily nickte. „Selbst berühmte Menschen sprechen mit ihren Nachbarn.“ Dann fügte sie hinzu: „Ich hoffe, dass diese Leute nicht nur hier sind, um Roman anzustarren. Es erscheint mir ein wenig…ich weiß nicht…respektlos, zu einer Ehrenparade zu kommen, nur, um einen Blick auf den eigenen Lieblingssänger zu erhaschen.“ „Das hat nichts mit Roman zu tun“, meinte Cynthia, während sie sich von ihrem Platz vor ihnen umdrehte. Irgendwie war Emily trotz Cynthias orangenem Haar entgangen, dass sie mit ihrem Sohn Jeremy vor ihnen stand. „Mit was denn dann?“, wollte Emily wissen. „Mit der Pension!“, rief Cynthia begeistert. „Das ist doch offensichtlich.“ Emily schüttelte den Kopf. „Das glaube ich nicht.“ Doch Cynthia ließ sich nicht davon abbringen. „Glaub mir. Nachdem Colin Magnus seinen Artikel über die Pension geschrieben hat, ist sie der große Hit in allen Reiseforen. Einige meinten sogar, dass das Wochenende des Memorial Day perfekt für ein Besuch wäre, weil die Parade immer so schön ist. Und siehe selbst, was sich daraus ergeben hat.“ Emily runzelte die Stirn, denn sie konnte immer noch nicht glauben, dass sich der Zuwachs an Zuschauern nur auf ihre bescheidene Pension zurückführen ließ. Es stimmte, dass sie seit Colins Artikel mehr Reservierungen erhalten hatte. Zusammen mit Bryony, der unglaublichen Marketingexpertin, könnte es aber vielleicht doch stimmen, dass ihre Pension eine solche Auswirkung auf die Stadt hatte. Emily ließ die Informationen sacken und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Es schockierte sie zwar, dass ihre kleine Pension dazu beigetragen hatte, Sunset Harbor auf der Landkarte hervorzuheben, aber es fühlte sich gut an. Sie war stolz auf das, was sie geschafft hatte. In diesem Moment erblickte Emily ein bekanntes Gesicht in der Menge. Es war Amy, die in ihrem lässigen, schwarzen Outfit umwerfend aussah. Sie hielt mit dem jungenhaft gutaussehenden Harry Händchen. Aus der Entfernung machten sie einen seltsamen Eindruck. Amy sah aus, als käme sie direkt vom Titelbild des Vogue-Magazins, wohingegen Harry bescheidener angezogen war. Trotzdem sah er wie ein Filmstar aus und Emily konnte sich vorstellen, dass die beiden in formeller Kleidung ein absolut umwerfendes Bild abgeben würden. Emily zweifelte nicht daran, dass Amy seinen Modegeschmack in nur wenigen Wochen komplett umstellen würde. „Da sind sie“, sagte sie zu Daniel, während sie aufgeregt an seinem Ärmel zog. Sie spürte, wie ihr Bauch vor Aufregung flatterte. Sie wusste nicht, warum, aber etwas fühlte sich diesmal anders an; die Lässigkeit, mit der Amy neben ihm stand; die öffentliche Liebesbezeugung durch das Händchenhalten, was Amy normalerweise nicht tat. Amy strahlte ein solches Glück aus, wie Emily es noch nie zuvor an ihr gesehen hatte. Ihre Begeisterung, dass Amy Harry kennengelernt hatte, wuchs sogar noch mehr. Auf einmal bemerkte Chantelle, auf wen Emily zeigte. „Amy!“, rief sie. Seit der Junggesellinnenfeier hatte Chantelle offensichtlich beschlossen, dass sie Amy mochte, und ihr ehr mäßig gut verlaufenes erstes Treffen überwunden, bei dem sie Amy und Jayne für hochnäsige Frauen aus New York gehalten hatte. Als Chantelle auf Amy zu rannte, drehte diese sich um und bückte sich gerade rechtzeitig, um Chantelle aufzufangen. Leicht überrascht richtete sie sich wieder auf und wirbelte das kleine Mädchen im Kreis herum, wobei sie es irgendwie schaffte, auf den eleganten schwarzen Stöckelschuhen das Gleichgewicht zu halten. Daniel und Emily bahnten sich ihren Weg durch die Menge, während Amy Chantelle wieder auf die Füße stellte. Als sie neben ihr zum Stehen kamen, lief Amy sofort rot an. Emily umarmte ihre Freundin fest. Dann, nachdem sie sich wieder gelöst hatte, fing sie ihren Blick auf und wackelte mit den Augenbrauen. Amy errötete stark. „Em, Daniel, das ist Harry. Harry, das sind meine beste Freundin Emily und ihr Ehemann Daniel.“ Daniel schüttelte Harrys Hand. „Wir kennen uns bereits“, erklärte er. „Ich bin ein alter Freund von George.“ „Natürlich!“, meinte Harry mit vor Überraschung weit aufgerissenen Augen. „Aber das ist schon lange her.“ Daniel nickte. „Ich habe ein paar Jahre in Tennessee verbracht.“ Chantelle sah zu Harry auf und strahlte dann. „Dort habe ich auch meinen Akzent her“, warf sie ein. Harry lächelte sie an, er war offensichtlich von ihrem Temperament eingenommen. Emily bemerkte, dass seine Finger mit denen von Amy verschränkt waren, und spürte, wie sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht ausbreitete. Hinter ihnen zogen die Flaggen der Parade vorbei. Anschließend begann die dreißig Mann starke Blaskapelle mit ihren Trompeten, Hörnern und Holzblasinstrumenten den Marsch „Hail to the Spirit of Liberty“ zu spielen. Die Menge stürmte nach vorne, um einen besseren Blick zu haben. „Kommst du oft zur Parade?“, wollte Emily von Henry wissen, als die Menschen an ihr vorbeiliefen. Sie wollte unbedingt mehr über ihn erfahren. „Natürlich, jedes Jahr“, erwiderte Harry. „Meine Familie hat einen militärischen Hintergrund. Sowohl mütterlicherseits als auch väterlicherseits. Das bedeutet George und mir sehr viel.“ Emily wollte sich noch weiter mit ihm unterhalten, doch die Band kam immer näher und die Lautstärke schwoll weiter an. Sie verstummte und sah der Parade zu, wobei sie an all die gefallenen Männer und Frauen dachte. Nachdem die Band vorbeigezogen war, wurde es allerdings nicht leiser, denn darauf folgte die Prozession der Feuerwehrautos, deren Glocken geschlagen wurden. Sie waren schon seltsam anzusehen, da die Gruppe nicht nur aus Feuerwehrautos bestand, sondern auch aus alten Militärpanzern, die mit ihren Rollenketten vorbeiratterten. Und gemeinsam mit der wogenden Menge entstand eine sehr laute und chaotische Atmosphäre. Emily fragte sich, ob die Überwältigung, die sie verspürte, wohl teilweise auf die Schwangerschaftshormone, die ihre Sinne verschärften, zurückzuführen war. „Jetzt müssen wir ihnen in den Park folgen“, meinte Chantelle, während sie Emilys Hand ergriff. „Dort finden die Salutschüsse statt. Schnell! Ich will sie nicht verpassen!“ Sie zog und Emily folgte ihr. Die große Menschenmenge, die der Parade zugesehen hatte, strömte in den Park. Emily hatte das Gefühl in einem Menschenfluss, der die Straßen füllte, gefangen zu sein. In ihr stieg eine leichte Klaustrophobie auf. Das einzige, was sie auf dem Boden hielt, war Chantelles Hand, die sie fest umschossen hielt. Sie sah sich suchend nach Daniel, Amy und Harry um und entdeckte sie schließlich im Gedränge. Harry sah Amy liebevoll an und hatte einen Arm um ihre Schultern gelegt. Sie hatte einen heiteren Ausdruck auf dem Gesicht, als ob sie sich in ihrem Glück verloren hätte. Emily lächelte wieder, als sie erkannte, dass es Amy bis über beide Ohren erwischt hatte. Sie konnte es gar nicht abwarten, Harry näher kennenzulernen, sobald der Lärm und die Hektik abgeebbt waren. Als die Menge den Park erreicht hatte und sich verteilte, trafen die anderen wieder zu ihnen. Sie versammelten sich um eine Gruppe Militärpersonal in Uniform, deren Gewehre zum Himmel gerichtet waren. Plötzlich verspürte Emily eine gewisse Nervosität bei dem Gedanken an die lauten Schüsse. Obwohl sie wusste, dass es vollkommen sicher war, konnte sie ihre Sorge dennoch nicht unterdrücken, da sie wusste, dass es nicht mehr nur um ihre eigenen Sicherheit ging. Der starke Mutterinstinkt, ihr ungeborenes Kind zu beschützen, überflutete sie ganz unvermutet. „Lasst uns ein wenig weiter hinten stehen“, sagte sie laut. Dabei stand sie einen Meter hinter der Menge und versuchte, rückwärts zu gehen. „Aber ich kann nichts sehen“, beschwerte sich Chantelle. Sie sprang auf ihren Zehenspitzen auf und ab und runzelte die Stirn. Offensichtlich wollte sie näher am Ort des Geschehens sein. „Daniel, kannst du mit ihr weiter nach vorne ghen?“, fragte Emily, die selber zu einigen Bänken stolperte. Sie klammerte sich an der Lehne einer Bank fest, um nicht durch das panische Gefühl, das sie durchströmte, umzufallen. „Aber ich will, dass wir alle näher herangehen“, widersprach Chantelle mit weinerlicher Stimme. Daniel kniete sich hin und sah Chantelle in die Augen. Emily hörte, wie er mit leiser Stimme sagte: „Erinnerst du dich an unser Geheimnis? Emily muss hier hinten bleiben. Deshalb kannst du entweder mit mir näher herangehen oder wir bleiben alle hier. Du kannst auf die Bank klettern oder ich nehme dich auf die Schultern, damit du besser siehst.“ Doch Chantelle ließ sich nicht überzeugen. Sie verschränkte ihre Arme und schmollte. „Ich wusste nicht, dass wir wegen dem Baby keinen Spaß mehr haben können“, grummelte sie. Emily versteifte sich. Nicht, weil sie Angst hatte, dass Harry und Amy zuhören könnten – sie war sich sogar sicher, dass sie Chantelles Stimme durch den Lärm nicht gehört hatten – sondern, weil sie Chantelles Stimmung nicht verderben wollte. Sie wollte nicht, dass es zwischen Chantelle und dem neuen Baby zu einer Art Wettstreit oder Feindseligkeit kam. Es war ihr sehr wichtig, dass sie eine glückliche Familie waren. Sie hoffte, dass dieser Moment nur eine kleine Startschwierigkeit war, die nicht weiter anwachsen würde. „Chantelle“, warnte Daniel unbeeindruckt von ihrem Verhalten. Plötzlich wurden Schüsse abgegeben. Der Lärm war unerträglich. Emily legte sich die Hände auf die Ohren, denn sie war durch die Lautstärke alarmiert und aufgeregt zugleich. Die Menge verstummte, als die explosiven Geräusche durch den Himmel krachten. Es schien, als ob die Menge in einem Zug nach Luft schnappen würde. Dann hörten die Schüsse auf und alle begannen, zu klatschen und zu jubeln. Amy wandte sich mit vor Begeisterung strahlenden Augen zu ihnen um. „Wow, das war fantastisch“, schwärmte sie. Emily nickte. Sie freute sich, dass Amy die Kleinstadtparade genossen hatte. Doch sie hatte immer noch keine Gelegenheit gehabt, mit Harry zu reden, wo sie doch unbedingt mehr über ihn erfahren wollte. „Wir sollten alle etwas Mittagessen gehen“, schlug Emily vor. Obwohl sich ihr Magen bei dem Gedanken an Essen umdrehte, wollte sie nicht, dass Amy mit Harry davoneilte, und ihr keine Chance ließ, sich richtig mit ihm zu unterhalten. Bei dem Vorschlag verbesserte sich Chantelles Laune schlagartig. Alle stimmten zu, dass es eine gute Idee wäre. Als sie die Menge hinter sich ließen und die Straßen entlangschlenderten, fragte sich Emily, wie gut sie sich beherrschen konnte, um ihrer besten Freundin nichts von der Schwangerschaft zu erzählen. Doch dann erkannte sie, dass Amy es wahrscheinlich ganz von alleine erraten würde. Nicht, weil sie eine besonders gute Intuition hatte, sondern weil Emily keinen Wein mehr trinken würde. Auf einmal stieg in ihr eine Aufregung auf, als sie erkannte, dass schon bald eine Person, die sie sehr gerne hatte, von ihren Neuigkeiten erfahren würde. Sie konnte es kaum abwarten, Amys Reaktion zu sehen. KAPITEL VIER Als Teil der Ehrenparade war ein Grillessen veranstaltet worden. Zudem waren Picknickbänke zum Essen aufgestellt worden. Emily hielt es für einen guten Test für Amy, die daran gewöhnt war, in schicken Restaurants in New York City essen zu gehen. Doch Harry war ein Kleinstadtmensch, genau wie Daniel und nun auch sie selbst und Chantelle, und ihn begeisterte die Vorstellung, draußen zu essen. Emily bemerkte, dass Amy einen verzweifelten Eindruck machte, als ihr klar wurde, dass sie nun diejenige war, die nicht dazu passte, und dass sie die anderen nicht dazu würde überreden können, woanders essen zu gehen. Sie nahmen eine der Bänke am Ende der Reihe in Beschlag, diejenige, die am weitesten von den geschäftigen Straßen, der Musik und den Feierlichkeiten entfernt und dafür ruhiger war. Daniel und Harry gingen gemeinsam los, um für alle Hotdogs und ein Getränk zu kaufen, und ließen Chantelle, Amy und Emily alleine zurück. „Ich freue mich so, dich zu sehen“, sagte Emily zu Amy. „Und natürlich dich so glücklich zu sehen“, fügte sie hinzu. Amy errötete und antwortete geziert: „Ja. Gut.“ „Und jetzt passt du auch zu den Leuten in Sunset Harbor“, meinte Chantelle mit einem Grinsen. Emily lächelte breit. „Dem stimmte ich zu. Hier ist nun dein Zuhause.“ Amy wurde puterrot. Die Situation war ihr offensichtlich unangenehm. Schon bald kamen Daniel und Harry mit dem Essen zurück, wobei sie wie alte Freunde miteinander plauderten. Sie setzten sich hin und verteilten anschließend die Pappteller mit den Hotdogs. „Also Harry“, begann Emily, erfreut, dass sie ihn jetzt endlich ausfragen und kennenlernen konnte. „Was machst du beruflich? Bist du wie George in der Restaurierungsbranche tätig?“ Aus dem Augenwinkel bemerkte sie, wie sich ein panischer Ausdruck auf Amys Gesicht legte. Emily lächelte in sich hinein. Genau solche Fragen hatte Amy all ihren vergangenen Freunden gestellt, weshalb es nur fair war, dass sie nun ebenfalls einmal diese Behandlung zu spüren bekam. Außerdem war Emily wirklich neugierig. Amy hatte sehr hohe Ansprüche, wenn es um die Auswahl ihrer zukünftigen Partner ging. Wenn Harry besser war, als die üblichen Überflieger, wie Emily vermutete, dann wäre dies ein weiterer Beweis dafür, dass sich Amy endlich verliebt hatte und ihre Beziehung nicht wie eine Geschäftspartnerschaft ansah. „Im Bauwesen“, erwiderte Harry. „Mein Unternehmen spezialisiert sich darauf, Häuser aufzupolieren. Wir modernisieren hauptsächlich alte Häuser, bevor wie sie verkaufen.“ „Dich hätte ich vor ein paar Jahren gebraucht“, scherzte Emily, während sie sich an die harte Arbeit erinnerte, die für die Restaurierung der Pension notwendig gewesen war. „Gefällt dir deine Arbeit?“, fügte sie hinzu, obwohl sie in Wirklichkeit ihre Neugier zeigen und ihn nach seinem Einkommen fragen wollte. „Ja, aber ich mache ihn nun schon eine ganze Weile und so langsam jucken mir die Füße“, meinte Harry. „Ich würde gerne meine Arbeit wechseln. Ich will mein eigener Chef sein, ein Geschäft eröffnen.“ Emily war von seinem Ehrgeiz beeindruckt. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass Amy mit einem Bauarbeiter glücklich werden könnte. Bei einem Unternehmer sah die Sache jedoch ganz anders aus. „Was denn für ein Geschäft?“, fragte Daniel neugierig. „Nun ja, mein Traum ist es, ein Restaurant zu eröffnen“, gab Harry zu. „Ich warte schon die ganze Zeit auf den richtigen Moment. An einem Ort wie Sunset Harbor sind viele Unternehmen von den Jahreszeiten abhängig. Aber das ändert sich jetzt so allmählich. Es gibt mehr Touristen und ich glaube, wir könnten noch ein Restaurant mehr vertragen.“ Emilys Augen glänzten, während sie zu Daniel hinübersah. „Ein Mitstreiter“, scherzte sie. Harry hatte gerade von seinem Hotdog abgebissen und kaute mit hochgezogenen Augenbrauen schneller. Dann schluckte er. „Ihr wollt ebenfalls ein Restaurant eröffnen?“, fragte er überrascht. Emily dippte ihren Hotdog in Ketchup. „Wir servieren in der Pension bereits Essen für die Gäste und die Flüsterstube ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Aber wir planen, über den Sommer noch weiter zu expandieren und ein größeres Restaurant zu haben, das hochklassige Abendessen serviert und das nicht nur den Gästen zur Verfügung steht. Unsere Freunde, die Bradshaws, besitzen ein Fischrestaurant in der Stadt und werden uns ein paar nützliche Ratschläge geben. Wenn du möchtest, kann ich dich mit ihnen bekannt machen.“ Harry sah begeistert aus. „Das wäre wunderbar. Danke.“ Dann sah er Amy an. „Ich wusste gar nicht, dass deine Freunde meine Geschäftsrivalen sein würden.“ Emily lachte. „Ach was. Das war doch nur ein Scherz! Wir helfen uns hier alle gegenseitig! Und jetzt ist definitiv ein guter Moment, um weitere Restaurants zu eröffnen.“ „Glaubst du, dass die Stadt so viele vertragen kann?“, fragte Harry, der sich offensichtlich sehr für Emilys Meinung bei diesem Thema zu interessieren schien. Sie war Stolz, nun anderen Ratschläge erteilen zu können, während sie vor noch gar nicht allzu langer Zeit selbst diejenige gewesen war, die Hilfe benötigt hatte. „Auf jeden Fall“, entgegnete sie. „Und wir müssen keine Rivalen sein. Wir könnten zusammenarbeiten und somit erreichen, dass die Menschen in Sunset Harbor häufiger als einmal im Monat essen gehen! Die Menschen hier in der Gegend können recht sparsam sein und essen zu gehen ist für sie Luxus. Zusammen könnten wir das ändern.“ Harry schien immer interessierter zu sein und Emily spürte, wie er ihr allmählich ans Herz wuchs. Er schien echte Begeisterung zu haben, einen Glanz in seinen Augen und einen Hunger, nach den Sternen zu greifen. Sie verstand, was Amy in ihm sah – abgesehen von seinem guten Aussehen und seinem fantastischen Körperbau, der sich vermutlich unter seinem Hemd verbarg. Neben ihm strahlte Amy vor Stolz. „Ich habe eine Idee“, meinte Daniel voller Begeisterung. „Vielleicht könntest du unser Restaurant leiten, dann müssten wir keinen Manager einstellen. Auf diese Weise könntest du Erfahrung sammeln, bevor du dich selbstständig machst.“ „Daniel“, zischte Emily leise. „Das ist ein bisschen aufdringlich.“ Doch Harry schien begeistert zu sein. „Das wäre wunderbar“, entgegnete er. „Ich bin schon so lange im Bauwesen tätig, dass ich gar nicht mehr weiß, wie ich da herauskommen und die ganze Sache angehen soll. Es wäre wunderbar, wenn es einen Job gäbe, der mich darauf vorbereitet!“ „Dann sollten wir uns diese Option offenhalten“, stimmte Emily zu. Sie wollte nichts überstürzen. Auch wenn Amy ihren Freunden ständig Stellen in ihrem Unternehmen anbot, so war Emily doch etwas vorsichtiger beim Vermischen von Freundschaft und Geldangelegenheiten. Sie hatte damit schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht, als sie Freunden Geld ausgeliehen hatte, und wollte diesen Fehler nicht mehr wiederholen. Plötzlich stieß Chantelle ein frustriertes Stöhnen aus. „Das ist langweilig!“, meckerte sie. „Können wir bitte aufhören, über die Arbeit zu reden?“ Alle lachten und Emily nickte Amy zu. „Das besprechen wir ein andermal.“ Amy lächelte. „Natürlich.“ Emily sah wieder Harry an. „Dann bist du also hier in Maine aufs College gegangen?“ „Nein, ich war im Ausland“, entgegnete Harry. „Eigentlich sollte ich einen Monat lang in Ghana Häuser bauen, aber dann bin ich ganze acht Monate lang dort geblieben.“ Emilys Augen weiteten sich. „Wie faszinierend!“ Harry lächelte. „Es war großartig. Ich liebte es, anzupacken. Es war zwar harte Arbeit, Löcher zu graben, Grundsteine zu legen und Wassertanks zu bauen, aber es erfüllte mich. Und auf diese Weise habe ich viele tolle Menschen kennengelernt. Meine Eltern hielten mich wohl für verrückt, dass ich so etwas freiwillig mache. Ich glaube, dass sie es vorgezogen hätten, dass ich wenigstens etwas Geld verdient hätte, wenn ich schon nicht aufs College ging.“ „Verstehst du dich gut mit deinen Eltern? Mit George?“ Harry nickte. „Oh ja, wir stehen uns sehr nahe. Aber manchmal sind sie recht traditionell. Sie wollten, dass wir beide aufs College gehen, sinnvolle Jobs finden, heiraten und Kinder bekommen. Bisher hat keiner von uns diesen Pfad verfolgt.“ Chantelle mischte sich nun auch in das Gespräch ein. „Wenn du Amy heiratest, dann bekommen sie ihren Wunsch.“ Emily lachte laut und Amys Blick senkte sich auf den Tisch. Doch Harry nahm Chantelles Worte mit Humor auf. Emily spürte, wie sie ihn immer lieber mochte. Sie hatte keine Zeit für Männer, die bei der leisesten Andeutung einer Bindung in Panik verfielen. Harry hatte den ersten Test mit Bravour bestanden. Amy wandte sich an Chantelle, um die Unterhaltung von ihrer erblühenden Beziehung abzulenken. „Jetzt bist du dran. Was gibt es denn bei dir Neues? Irgendwelche Geheimnisse?“ Chantelles Augen weiteten sich bei dem Wort „Geheimnisse“ und Emily wusste, dass das sie sofort an die Schwangerschaft dachte, bei der sie ihr ausführlich erklärt hatten, dass sie geheim gehalten werden musste. Von dem Essen gut gelaunt beschloss Emily, dass es gar keine so schlechte Idee wäre, Amy davon zu erzählen. Sie sah Chantelle an und wackelte mit den Augenbrauen. „Ich denke, du kannst Amy in unser Geheimnis einweihen“, sagte sie grinsend. Daniel berührte Emilys Hand über den Tisch hinweg. „Bist du dir sicher?“, fragte er. Emily nickte. Amy sah mit argwöhnischem Blick von einem zum anderen. „Sagt es mir jetzt“, verlangte sie. „Die Spannung bringt mich noch um!“ Chantelle schien wie ein Luftballon, der kurz davor war, zu zerbersten. Sie warf einen letzten Blick auf Daniel und Emily, um sicherzugehen, dass sie wirklich die Neuigkeiten verkünden durfte. Als beide nickten, sah sie wieder zu Amy, sprang in ihrem Sitz auf und ab und drückte die Hände zusammen. „Mummy ist schwanger!“, rief sie. Dann schlug sie sich die Hände auf den Mund und sah sich um, damit auch ja niemand sonst etwas gehört hatte. Auf Amys Gesicht legte sich ein euphorischer Ausdruck. „Wirklich? Oh mein Gott! Em!“ Dann brach sie in Tränen aus. Emily war überrascht. Normalerweise weinte Amy nicht einfach so. Sie nun so emotional zu sehen, machte Emily ganz sentimental. „Hör auf! Du löst nur wieder meine Hormone aus“, rief sie. Amy sprang von ihrem Sitz aus, rannte um den Tisch herum zu Emily und zog sie in eine Umarmung. „Ich freue mich ja so für dich!“, kreischte sie. Die zwei Freundinnen umarmten sich fest. Aus den Augenwinkeln sah Emily, dass Harry Daniel die Hand schüttelte. Schließlich ließ Amy sie los, riss sich wieder zusammen und wischte sich die Tränen von den Wangen. Dann umarmte sie auch Daniel. „Herzlichen Glückwunsch“, sagte sie. Schließlich setzte sie sich wieder hin und drückte Chantelle an den Schultern. „Dann wirst du also eine große Schwester?“ Chantelle nickte aufgeregt. „Aber erst im Dezember, das dauert ja noch ewig.“ Schnell rechnete Amy an ihren Fingern zurück. „Dezember? Wann bist du schwanger geworden?“ Emily errötete. „Das ist kein Stoff für gemischte Gesellschaft, Ames“, sagte sie. Amys Augen weiteten sich und dann flüsterte sie ihr stumm zu: „Hochzeitsreise?“ Emily nickte und sah nach unten. „Was sagt ihr?“, wollte Chantelle wissen, während sie zwischen den beiden Frauen hin und her sah. Dann richtete sie ihren Blick auf Daniel. „Daddy, was flüstern sie?“ Daniel lachte. „Gar nichts, meine Liebe. Das erzählen wir dir wann anders. Wenn du ein wenig älter bist.“ Chantelle verschränkte die Arme und schmollte, was die anderen zum Lachen brachte. „Oh Em“, schwärmte Amy. „Meine Wangen tun schon von all dem Lachen weh. Lässt du mich mit dir für das Baby einkaufen gehen?“ „Jetzt?“, wollte Emily wissen. „Ja!“, rief Amy. „Ich bin zu aufgeregt, um zu warten. Ich werde uns nach Bangor fahren. Dort gibt es einen wunderbaren Babyladen, in dem alles in Handarbeit gefertigt wird. Was sagst du dazu?“ Emily sah Daniel und Chantelle an. „Macht es euch etwas aus?“ „Überhaupt nicht“, erwiderte Daniel. „Ich werde Chantelle nach Hause zu ihrer Gesangsstunde bringen.“ Mit diesen Worten stand er auf und die anderen folgten seinem Beispiel. „Harry, es war schön, dich kennenzulernen“, sagte er, während er erneut Harrys Hand schüttelte. „Wir reden noch einmal über das Restaurant, okay? Vielleicht können wir uns ja auch einmal mit George treffen. Ich verzichte während Emilys Schwangerschaft auf Alkohol, aber wir können ja etwas Anderes unternehmen. Fischst du?“ „Sehr gerne“, entgegnete Harry mit einem Grinsen. „Wunderbar, dann gehen wir irgendwann einmal mit meinem Boot fischen“, meinte Daniel. Sie tauschten Nummern aus und Emily hatte das Gefühl, dass sich die beiden prächtig verstanden, was sie selbst wiederum fröhlich stimmte. Fraser und Daniel wären niemals Freunde geworden, weil sie beide aus solch unterschiedlichen Welten kamen. Aber bei Harry konnte sie es sich gut vorstellen, dass sie sich zu viert treffen, etwas trinken und gemeinsam lokale Veranstaltungen besuchen könnten. Auf einmal konnte sie sich eine Zukunft vorstellen, in der Harry und Amy verheiratet waren, in der gleichen Gegend wohnten und ihre Kinder gingen auf die gleiche Schule wie die von Emily und Daniel. Das war eine wunderbare Vorstellung! Emily verabschiedete sich von Harry und Chantelle, dann schlang Amy ihren Arm um Emily und zog sie mit lebhaften Schritten zum Auto. Dabei drückte sie auf jede nur erdenkliche Weise aus, wie sehr sie sich für ihre Freundin freute. „Kann ich Patin werden?“, fragte sie. „Vielleicht, aber das wäre Jayne gegenüber nicht fair.“ „Jayne würde keine Patin sein wollen.“ „Wahrschenlich nicht, aber sie würde sich trotzdem aufregen.“ „Na gut. Kann das Kind dann Amy genannt werden, wenn es ein Mädchen ist?“ Emily lachte und zuckte mit den Schultern. „Wir haben noch nicht über Namen gesprochen. Du weißt ja, dass Daniel genauso das Recht hat, mitzubestimmen. Und auch hier sollte ich dich darauf hinweisen, dass Jayne stocksauer wäre, wenn wir das Baby Amy nennen!“ Schnell fuhr Amy mit dem nächsten Thema fort. „Wenn er oder sie groß ist, kann das Kind ein Praktikum bei mir machen! Ich werde die coole Tante Amy mit einer Wohnung in New York sein.“ Emily nickte nur, froh, dass sich Amy so für sie freute. Sie hatten eine lange Reise hinter sich, bis Amy ihre Wut darüber, dass Emily aus New York davongelaufen war, überwunden hatte. Jetzt standen sie sich näher denn je, so als ob ihr Band unzerbrechlich wäre. Emily hoffte nur, dass sich die Beziehung zu Harry ebenfalls so gut entwickelte, dass Amy hierherzog. Dann wäre wirklich alles perfekt. KAPITEL FÜNF Wie es für Amy typisch war, schleppte sie Emily in alle teuren, luxuriösen Kinderläden. Sie alle waren mit Strandholz und pastellfarbenen Wänden dekoriert und in ihnen wurden hunderte Dollar teure Decken und tausende Dollar teure Taufgeschenke ausgestellt. Von Kleidern und Geräten bis hin zu Babymöbeln und Dekoartikeln gab es alles. „Amy, du kannst mir hier kein Geschenk kaufen“, protestierte Emily, während sie sich all die schönen Gegenstände ansah. „Warum denn nicht?“, gab Amy zurück. „Meine beste Freundin bekommt ein Baby. Ich kann dich so viel ich will verwöhnen. Also, hättest du lieber einen praktischen Kinderwagen oder etwas Üppigeres, wie diesen umweltfreundlichen Bio-Schnuller? Oh, sieh nur!“, rief Amy, die von einem anderen Regal abgelenkt wurde. „Biologisch abbaubare Windeln.“ Sie schnappte sich ein Päckchen und begann, die Rückseite vorzulesen. „Hypoallergene Materialien. Von Rainforest Alliance zertifiziert. Geringe Giftstoffe. Keine Farbstoffe.“ Emily war von der Auswahl vor ihr überfordert. Sie hatte sich über Giftstoffe oder Allergene noch gar keine Gedanken gemacht. Sie hatte noch nicht einmal einen Gedanken an Windeln und Schnuller verschwendet! Sie hatte gerade erst damit begonnen, zu verarbeiten, dass in ihrem Bauch gerade ein Baby von der Größe einer Himbeere heranwuchs. „Wie viele Sachen wird das Baby wohl brauchen?“, meinte Emily plötzlich unruhig. Amy sah ihre Freundin besorgt an. „Keine Panik.“ „Aber ich habe noch gar nicht an alles gedacht“, erwiderte Emily, die hörte, wie sich Panik in ihre Stimme schlich. Sofort wurde Amy aktiv. Sie legte einen Arm um Emilys Schulter, führte sie zu einem flauschigen Stillsessel im skandinavischen Stil – auf dem Etikett sah Emily, dass er 1.400 Dollar kostete – und setzte sie darauf. „Lass uns eine Liste schreiben“, sagte Amy. Sie ließ sich auf den dazu passenden schwarzen Fußhocker nieder. „Nichts ist besser als eine Liste, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen.“ Emily schüttelte den Kopf. „Ich brauche keine Liste“, erwiderte sie mit einem resignierten Kichern. „Ich bin nur gerade ein wenig neben der Spur. Das ist alles so neu und ungewohnt und…unerwartet.“ „Dann war es also nicht geplant?“, fragte Amy neugierig. „Ich meine das Baby?“ „Nein“, gestand Emily. „Aber wenn ich wirklich auf unserer Hochzeitsreise schwanger wurde, dann muss es in der Nacht geschehen sein, bevor Daniel mir eröffnete, dass er gerne ein Baby hätte.“ Sie kaute auf ihrer Lippe, während sie sich daran erinnerte, dass Daniel das gesamte Leuchtturm-Restaurant gebucht hatte, um das Thema in einer wunderschönen und romantischen Umgebung anzusprechen, und daran, wie schrecklich dieser Moment endete, weil sie kalte Füße bekommen hatte. „Kurz bevor ich ihm sagte, dass ich dafür noch nicht bereit bin.“ „Oh…“, erwiderte Amy und verzog die Nase. Dann wurde ihre Stimme weicher. „Dann wolltest du gar nicht, dass das passiert?“ „Doch“, sagte Emily. „Ein paar Wochen später änderte ich meine Meinung. Ich musste es nur sacken lassen. Aber zu der Zeit muss ich wohl schon schwanger gewesen sein, weshalb ich mich frage, ob meine Meinung nur durch die sich veränderten Hormone umschwenkte. Und zu diesem Zeitpunkt war der Schaden bereits angerichtet, ich meine bei Daniel. Er schien froh zu sein, als ich ihm sagte, dass ich meine Meinung geändert hätte, aber ich frage mich, ob er immer noch leicht verärgert ist.“ „Die Schwangerschaft ist für ihn nicht so eine freudige Überraschung wie für dich?“, wollte Amy wissen. Emily zuckte mit den Schultern. Ihr wurden all die Ängste, die in ihr brodelten, bewusst. „Ich war diejenige, die noch warten wollte, aber jetzt fühlt es sich so perfekt und richtig an. Aber Daniel macht einen gestressten Eindruck. Als ob es etwas gäbe, dass er mir nicht erzählt. Ich frage mich, ob es etwas damit zu tun hat, wie viel er von Chantelles frühen Jahren verpasst hat. Er verhält sich wieder einmal auf seine typische Weise, indem er nichts sagt, weshalb ich mir Gedanken mache.“ Amy tätschelte Emilys Hand. „Es tut mir leid, Em. Das hört sich hart an. Und im Moment kannst du den Stress nicht gebrauchen.“ Emily lächelte ihre Freundin an. „Jetzt, nachdem ich mit dir gesprochen habe, fühle ich mich schon viel besser. Es ist schön, dich hier zu haben.“ Sie wackelte mit den Augenbrauen. „Also, Harry. Glaubst du, er ist der Eine?“ Amy errötete, als die Unterhaltung wieder einmal im ihre aufblühende Beziehung zu Harry drehte. „Es läuft richtig gut“, gab sie zu. „Wir sind so verschieden aber ergänzen uns so vollkommen.“ Emily grinste. „Ich wusste schon immer, dass du einen jüngeren Mann brauchst.“ „Oh, erinnere mich nicht“, meinte Amy und verdrehte die Augen. „Er ist nur fünf Jahre jünger als ich, aber es fühlt sich wie eine ganze Generation an. Wenn ich ein Pop-Lied erwähne, das ich in der High School toll fand, erzählt er mir, dass er sich daran erinnert, es als Zehnjähriger gehört zu haben! Ich meine, er ist der Zwanzig immer noch näher als der Vierzig.“ „Ich glaube nicht, dass Sechsunddreißig nahe an der Vierzig ist“, entgegnete Emily, die sich daran erinnerte, selbst als Spätgebärende eingestuft worden zu sein, und welche Risiken damit zusammenhingen. Es war ihr schon immer unangenehm gewesen, wenn Leute auf ihr Alter zu sprechen kamen, selbst, wenn sie es unabsichtlich taten. „Na gut“, sagte Amy. „Aber einunddreißig hört sich für mich unglaublich jung an! Ich denke nicht gerne darüber nach. Ich werde so viel früher vierzig sein als er.“ „Denkst du schon so weit in die Zukunft?“, fragte Emily mit hochgezogenen Augenbrauen. Amy zuckte mit den Schultern. „Anscheinend. Ich kann nichts dagegen tun. Wir passen einfach so gut zusammen. Alles ist so einfach. Sogar, wenn wir uns streiten, ist es nicht so schlimm, weil ich irgendwoher weiß, dass wir es wieder ausbügeln.“ „Das ist ja wunderbar“, erwiderte Emily, während sie in sich hineinlächelte. Amys Beschreibung glich ihrer eigenen Beziehung zu Daniel. Sie war nicht einfach, es gab immer noch Herausforderungen, aber über allem herrschte eine Gewissheit, dass alles gut werden würde. „Über was streitet ihr euch?“ „Über die Zeit“, erklärte Amy. „Und natürlich die Entfernung.“ „Ja, was wirst du deswegen unternehmen?“, fragte Emily. „Glaubst du, du wirst hierherziehen? Oder Harry nach New York?“ „Ich weiß es nicht. Den Sommer über bleibe ich hier, weshalb ich erst einmal nicht weiter denke. Ich musste sowieso mal wieder aus der Stadt rauskommen. Ich schätze, ich warte ab, wie es geht, wenn ich ein paar Monate hier verbracht habe. Das Hin und Zurück war kein Spaß, aber ich frage mich, ob die lange Entfernung gar nicht mehr so problematisch sein wird, wenn die Anfangsphase vorüber ist.“ Emily lachte. „Es ist so lustig, dich so sprechen zu hören. Es gab einmal eine Zeit, in der dir ein Wochenende hier schon zu viel war.“ Amy schien das peinlich zu sein. „Naja“, meinte sie dann abwehrend, „das war ja auch damals. Jetzt ist alles anders.“ „Du bist verliebt“, stellte Emily fest. „Jetzt weißt du auch, warum ich hierbleiben musste.“ Amy nickte widerwillig. Sie hasste es, im Unrecht zu sein. In diesem Moment trat die Verkäuferin heran. „Es tut mir leid, meine Damen“, sagte sie, „aber wir schließen jetzt. Möchten Sie noch etwas kaufen, bevor ich die Kasse abschließe?“ „Nein, danke“, erwiderte Emily im gleichen Moment wie Amy „Ja“ sagte. Emily sah ihre Freundin verwirrt an. „Wir nehmen den Stillsessel“, bestimmte Amy. „Ames, auf keinen Fall!“, rief Emily. „Er ist so teuer!“ Amy schüttelte den Kopf. „Das ist schon in Ordnung. Du verdienst ihn. Und er hat für uns bereits eine Bedeutung. Wir hatten ein sehr tiefes Gespräch in diesem Sessel. Jetzt müssen wir ihn nehmen, weil er sentimentalen Wert besitzt.“ Emily hielt ihre Hände ergeben hoch. Es hatte keinen Sinn, mit Amy darüber zu streiten. Am besten sollte sie ihre Freundin einfach walten lassen. Immerhin genoss sie es, ihren Freundinnen einen Gefallen zu tun. Sie zahlten für den Sessel und luden ihn in den Kofferraum von Amys Auto. Als sie sich auf dem Beifahrersitz niederließ, sah Emily, dass sie einen verpassten Anruf der Pension hatte. Sofort hörte sie die Mailbox ab. Es war eine Nachricht von Lois. „Tut mir leid, dich zu stören, Emily, aber die Männer von Erik & Sons sind hier. Sie sagen, dass sie ein Treffen mit dir arrangiert hatten. Eine Tour von Trevors Haus. Daniel meinte, dass du die Schlüssel hättest, weshalb er die Tour nicht mit ihnen machen kann.“ „Oh nein!“, rief Emily. „Amy, gib Gas. Ich bin spät dran für ein Treffen!“ KAPITEL SECHS Das Echo in Trevors Haus ließ Emily erzittern. Es fühlte sich so leer und unbewohnt an. So menschenleer. Wayne Erik nahm Emily zur Seite. „Es ist ein wunderschönes Haus“, sagte er. „Trevor hat sich gut darum gekümmert.“ „Es war viele Jahre lang sein Sommerhaus, bevor er Vollzeit hier eingezogen ist“, erklärte Emily. „Das hat womöglich dazu beigetragen, dass es kaum Abnutzungsspuren gibt.“ Das und die Tatsache, dass Trevor eigentlich niemanden in seinem Leben gehabt hatte, weder Familie noch Freunde, die ihn hätten besuchen können. Er hatte jahrelang alleine in diesem großen Haus verbracht. Emily fragte sich, ob ihr Vater ein ähnliches Leben führte. Alt und alleine. Vielleicht hatte er Nachbarn, die dachten, dass er von seiner Familie verlassen worden wäre, die sich darum sorgten, dass er sich alleine fühlte. Der Gedanke löste ein schmerzhaftes Ziehen in ihr aus. Daniel trat zu ihr und berührte sie leicht am Ellbogen. „Geht es dir gut?“, fragte er sanft. Emily nickte. „Ich bin nur immer so traurig, wenn ich hierherkomme“, erklärte sie. Daniel legte seinen Arm um ihre Schultern. „Ich weiß. Es ist gut, dass wir das Haus umbauen, auch wenn es sich nicht immer richtig anfühlt, Trevors Note aus diesen Haus zu entfernen. Aber das Gleiche hast du auch mit der Pension getan und es war die richtige Entscheidung gewesen.“ „Du hast Recht“, stimmte Emily zu. Sie hielten sich an den Händen, während sie zusammen mit den Architekten durch das Haus gingen und hin und wieder anhielten, um einen Blick auf die Pläne zu werden und sie mit den tatsächlichen Begebenheiten zu vergleichen. Die Erik-Brüder hatten verschiedene Optionen für den Umbau des Hauses gezeichnet, je nachdem, wie viele Räume Emily und Daniel als Gästezimmer verwenden wollten, wie groß das Restaurant und die offene Küche sein sollten und wie viel sie auszugeben gedachten. Die günstigste Option beinhaltete die wenigste Arbeit und so viele der Originalinnenwände wie möglich würden bestehen bleiben, aber Emily war sich sicher, dass sie das gesamte Erdgeschoss komplett offen haben wollte. Dies war jedoch Teil des teuersten Plans. Aus unternehmerischer Sicht mussten sie auch das zusätzliche Einkommen durch die neuen, zu vermietenden Zimmer mit einrechnen, doch Emily wollte das Haus damit nicht überfüllen. Im zweiten Stock der Pension gab es bereits zahlreiche kleinere, günstigere Räume. Emily wollte diesen Teil der Pension luxuriös und teuer gestalten, etwas, das Besuchern den Atem verschlagen würde. Sie blieben in der Küche stehen und sahen sich wieder die drei Pläne an. „Ich will diesen hier für das Erdgeschoss“, meinte Emily, wobei sie auf Waynes Entwurf für die Küche und das Restaurant deutete. „Aber diesen hier für die Zimmer.“ Nun zeigte sie auf Cains Plan für den zweiten Stock. Er beinhaltete nur drei Apartment-artige Räume, in denen Familien untergebracht werden konnten, und die je genügend Platz für ein Wohnzimmer und Badezimmer boten. „Es gefällt mir, dass du sie so entworfen hast, dass jedes Apartment Meerblick hat.“ Daniel schien ihr zuzustimmen, auch wenn Emily bemerkte, dass sein Fokus mehr auf dem finanziellen Aspekt lag. Es war ihm nicht entgangen, dass sie die teuerste Option für das Erdgeschoss und die lukrativste Option für das obere Stockwerk gewählt hatte. „Und was ist mit dem ersten Stock?“, fragte Wayne Erik. „Ich kann mich einfach nicht entscheiden“, meinte Emily. Sollten es mehr Schlafzimmer nach Shanes Design werden? Oder doch lieber mehr Restaurantfläche, wie Wayne vorgeschlagen hatte? „Was wäre, wenn wir den ersten und zweiten Stock genau gleich gestalten?“, schlug sie vor. Daniel runzelte die Stirn. „Aber dann befänden im ganzen Haus gerade einmal sechs Zimmer“, warf er ein. „Ich weiß“, entgegnete Emily. „Aber ich denke an die höheren Einkünfte durch teurere Apartments. Im Moment gibt es nur einen Ort, an dem Familien übernachten können, und zwar das Kutscherhaus. Aber Bryony sagte, dass unglaublich viele Familien anfragen, den Sommer in Sunset Harbor verbringen zu können. Wenn wir dieses Haus in den familienfreundlichen Teil der Pension verwandeln, dann wären wir in dieser Hinsicht gut aufgestellt. Außerdem könnten wir dann damit werben, dass jedes Zimmer Meerblick hat! Das würde dem Preis auch nicht schaden.“ „Ich kann deine Sichtweise verstehen“, sagt Daniel, der sich kein Stück überzeugt anhörte. „Aber ich habe das Gefühl, dass der Platz auf diese Weise nicht optimal genutzt werden würde.“ „Wir bräuchten jeden Sommer nur sechs Familien, um voll ausgebucht zu sein“, widersprach Emily. „Wir wollen aber nicht von sechs Familien ausgebucht sein“, gab Daniel zurück. „Wenn es so eine große Nachfrage gibt, warum verdoppeln wir dann nicht die Anzahl der Apartments? Einnahmen von zwölf Familien wären besser als nur von sechs Stück!“ Emily rieb sich die Stirn. Sie wollte die Pension nicht bis unters Dach vollstopfen. Und je mehr Leute ein- und ausgingen, desto mehr Angestellte würden gebraucht, um sich um sie zu kümmern. Sie würden mehr Schaden anrichten und das Haus abnutzen als es Emily recht war. Die Einnahmen würden allein durch die Reinigung, die Erneuerung der Möbel und das Waschen der Handtücher aufgebraucht werden! „Wir können auch noch einmal neue Pläne entwerfen“, meinte Wayne, „und einen Kompromiss finden, der irgendwo zwischen euren beiden Ideen liegt.“ „Wie was zum Beispiel?“, fragte Emily, die sich nicht sicher war, ob es einen Kompromiss gab, der ihre Vorstellung, der Pension eine persönliche Note zu verleihen und so luxuriös wie möglich zu sein, und gleichzeitig Daniels Wunsch nach stabilem Einkommen befriedigen konnte. „Wir können im ersten Stock sechs kleinere Apartments unterbringen“, erklärte er. „Dann habt ihr auch verschiedene Preisniveaus.“ „Aber was ist mit dem Meerblick?“, fragte Emily. Sie wollte unbedingt, dass man von jedem Zimmer aus auf das wunderschöne Meer sehen konnte. „Wir könnten sie so entwerfen, dass die meisten Meerblick haben. Aber es ist unmöglich, dass das für alle klappt. Vermutlich für drei, maximal vier von ihnen.“ Emily wusste, dass dies das Buchen auf der Webseite verkomplizieren würde, doch Bryony würde sich wahrscheinlich auf die Herausforderung stürzen, weshalb das Ganze kein so großes Problem sein sollte. Wayne meldete sich wieder zu Wort. „Warum entwerfen wir in den nächsten Tagen nicht neue Pläne und dann könnt ihr entscheiden, was ihr davon haltet?“ Emily sah Daniel fragend an. Dieser zuckte jedoch nur mit den Schultern. Sie wandte sich wieder an Wayne. „Wir können uns genauso gut auch neue Pläne anschauen“, meinte sie. „Natürlich“, erwiderte er. „Die restlichen Arbeiten können jedoch sofort beginnen.“ „Was denkt ihr, bis wann alle Arbeiten abgeschlossen sind?“, wollte Daniel wissen. Wayne Erik warf einen Blick auf die Pläne, die auf dem Tisch ausgebreitet waren, und dachte nach. „Wenn man bedenkt, dass wir dieses Stockwerk neu entwerfen müssen“, sagte er mit einer Geste auf das erste Stockwerk, „können wir wahrscheinlich mit Labour Day rechnen.“ „So bald schon?“, fragte Emily überrascht. Sie hatte mit Jahren gerechnet. „Ja, für dieses Haus hier“, fuhr Wayne fort. „Der Wellnessbereich in der Pension wird vermutlich etwas länger dauern, da dort verschiedene Gewerke arbeiten werden. Schwimmbadspezialisten und so.“ Emily hatte Chantelles Plan, das leere, ehemalige Schwimmbecken in einen Wellnessbereich zu verwandeln, ganz vergessen. In diesem Moment fiel ihr auf, dass sie sich noch gar nicht die Pläne der Brüder für diesen Bereich angesehen hatten. „Können wir uns diese Pläne jetzt auch ansehen?“, fragte Emily. „Natürlich“, erwiderte Wayne. „Wir sollten Chantelle holen“, meinte Emily zu Daniel. „Es war ihre Idee, weshalb sie daran beteiligt sein sollte.“ Sie verließen Trevors Haus und holten Chantelle aus der Pension. Dann gingen sie zusammen in das dunkle, nicht verwendete Außengebäude, das sich auf dem Grundstück der Pension befand. Drinnen war es trotz des warmen Wetters kalt, dunkel und voller Schatten. Emily war für Chantelles warme Hand in ihrer eigenen froh, die ihr einen gewissen Trost gab. Die Brüder holten ihre Pläne hervor, damit Emily, Chantelle und Daniel diese ansehen konnten. Der beeindruckendste (und wieder einmal der teuerste) bestand darin, das Gebäude in einen Wellnesstempel mit Innen- und Außenbereich zu verwandeln. Die beiden Bereiche würden über eine Wendeltreppe miteinander verbunden sein und auf dem Dach würde sich ein Infinity Pool mit Meerblick befinden. „Dieser Treppe kann ich nicht widerstehen“, sagte Emily. Sie hatte sich eine solche Treppe gewünscht, seit sie im Yachtclub eine gesehen hatte. Daniel war ganz begeistert. „Wir könnten sie entwerfen. Ich meine das Team von Jack Cooper. Wir haben schon zuvor Wendeltreppen gemacht und das würde die Kosten reduzieren. Um ehrlich zu sein“ – er sah sich wieder die Pläne und Waynes handschriftliche Bemerkungen an – „könnten wir auch diese Vertäfelungsarbeiten machen. Und die Türen zum Umkleidebereich. Und den Empfangstresen.“ Er schien von der Idee richtig begeistert zu sein und Emily war froh, seine Augen wieder so glänzen zu sehen. In letzter Zeit hatte er einen gestressten Eindruck vermittelt, weshalb es schön war, ihn wieder so enthusiastisch zu sehen. „Und wenn wir Jack Cooper für die Holzarbeiten engagieren, dann werde ich vor Ort und näher an Zuhause sein“, fuhr er fort. „Ich kann das ganze Projekt leiten.“ „Das hört sich gut an“, stimmte Emily zu, wobei sie an das Baby dachte, und daran, wie viel entspannter sie wäre, wenn sie wüsste, dass Daniel in der Nähe und nicht am anderen Ende der Stadt war. Nicht, dass sie erwartete, dass die Geburt demnächst stattfand! Chantelle nickt zustimmend. „Es wäre viel besonderer, wenn du einen Teil davon selbst machst“, sagte sie. Nachdem die Entscheidung gefallen war, verabschiedeten sich die Architekten von Erik & Sons und die anderen gingen zurück in die Pension. Als sie den Rasen überquerten, hörte Emily fröhlich Chantelles und Daniels munterem Gespräch über ihre großen Ideen zu. Doch während sie so vor sich hingingen, kam Emily nicht umhin, zu bemerken, wie aufgeregt Daniel über die Renovierungsarbeiten und wie gestresst und niedergeschlagen er über das Baby zu sein schien. Als sie die Pension erreichten, war Emily so in ihren Gedanken versunken, dass sie sich vollkommen hatte ablenken lassen. Im Moment galt dem Baby all ihre Aufmerksamkeit. Es war die Hauptquelle ihrer Begeisterung, das letzte, an das sie vor dem Einschlafen, und das erste, an das sie nach dem Aufstehen dachte. Aber sie hatte das Gefühl, dass Daniel anders empfand. Er schien sich mehr über das Bauen einer hölzernen Wendeltreppe zu freuen! Ich glaube, ich ruhe mich oben ein wenig aus“, meinte Emily, die ein wenig allein sein und nachdenken wollte. Sie ging hinauf, setzte sich auf den Hocker vor dem Schminktisch und starrte ihr eigenes Spiegelbild an. Warum verhielt sich Daniel so? Amy war hundert Mal begeisterter gewesen, als sie davon erfahren hatte. Amy hatte sofort losziehen und Dinge für das Kinderzimmer kaufen wollen. Daniel hingegen hatte nicht eine einzige Sache erwähnt, die sie für das Baby brauchen würden. Selbst, wenn er in seiner praktischen, logischen und vernünftigen Art nach Kinderwägen und Autositzen suchen würde, wäre das besser, als dieser überforderte und leicht gestresste Zustand, in dem er sich allem Anschein nach gerade befand. Während sie ihren Gedanken nachhing, realisierte Emily, dass Amy und Harry abgesehen von der engsten Verwandtschaft die einzigen waren, die von dem Baby wussten. Sie hatte es einer Freundin erzählt aber noch nicht dem Menschen, dem sie es am meisten erzählen wollte, dem Menschen, dessen Reaktion die beste von allen sein würde: ihrem Vater. Sie wühlte in ihrer Schublade nach einem Stück Papier und einem Stift. Sie wusste, dass ihr Vater nur eine sehr schlechte Internetverbindung hatte und nur über eine Telefonzelle im Dorf telefonisch erreicht werden konnte. Ein Gespräch wäre nahezu unmöglich zu koordinieren und sie wusste, dass ein Brief die schnellste Möglichkeit wäre, ihm die Neuigkeiten mitzuteilen. Außerdem hatte das Briefeschreiben etwas Besonderes an sich. Er konnte ihn behalten und in der Zukunft immer wieder lesen. Immerhin war es eine der größten Freuden ihres Vaters, Papierstücke zu sammeln. Sie begann zu schreiben. Lieber Vater, Ich vermisse dich so sehr! Das Haus ist ohne dich nicht das Gleiche. Die Rückkehr aus den Flitterwochen war bittersüß, denn ich wusste, dass du nicht mehr hier sein würdest. Ich hoffe, wir können diesen Sommer, wie du vorgeschlagen hast, nach England fliegen und dich besuchen. Chantelle würde das gefallen. Sie sehnt sich nach ihrem Papa Roy! Es gibt allerdings noch einen anderen Grund, warum ich dir schreibe. Ich schreibe dir nicht nur, um dir zu sagen, wie sehr ich dich vermisse, aber auch, weil ich tolle Neuigkeiten habe. Daniel und ich haben vor kurzem herausgefunden, dass ich schwanger bin! Kannst du das glauben? Du wirst Großvater! Die Geburt findet wahrscheinlich Anfang Dezember statt. Natürlich hätte ich dir meine Neuigkeiten lieber persönlich verkündet, aber ich dachte, dass dies der beste Weg wäre, dich zu kontaktieren. Außerdem kannst du diesen Brief einrahmen und deinen Papierbergen hinzufügen. Ich weiß doch, dass du das gerne machst! Ich freue mich schon auf deine Antwort. Oder du könntest in ein Handy investieren, dann könnten wir einen Videoanruf arrangieren! Videoanrufe, Dad, kannst du das glauben? Es kommt mir so vor, als lebten wir in der Zukunft! In tiefer Liebe, für immer und ewig, Emily Jane xx Sie las sich den Brief noch einmal durch und hoffte, dass Roy ihren leicht scherzhaften Ton schätzen und sich nicht angegriffen fühlen würde. Dann faltete sie den Brief und steckte ihn in einen Umschlag. In diesem Moment hörte sie ein Klopfen an der Tür. Als sie sich umwandte, sah sie, dass Chantelle ihren Kopf um die Tür herumstreckte. „Was ist los, Mommy?“, fragte sie. „Du bist schon seit einer Ewigkeit hier oben.“ Emily bedeutete ihr, einzutreten, was das Mädchen auch schnell tat und mit weichen Schritten auf sie zukam. Als Chantelle Emily erreichte, fiel sie in ihre Arme. „Nichts ist los“, antwortete Emily. „Ich wollte nur einen Brief an Papa Roy schreiben, um ihm von dem Baby zu erzählen.“ Dabei hielt sie den verschlossenen Umschlag hoch. „Möchtest du mit mir kommen, wenn ich ihn einwerfe?“ Chantelle nickte zustimmend. Emily reichte ihr den Umschlag, den Chantelle fest in ihren Händen hielt. Dann verließen sie gemeinsam das Schlafzimmer, gingen hinunter, zur Eingangstür hinaus und liefen Hand in Hand die Straße zum Briefkasten entlang. Emily bemerkte, dass Chantelle ungewöhnlich leise war. Normalerweise hörte sie nie auf zu reden, doch seit sie die Pension verlassen hatten, hatte sie kein einziges Wort verloren. „Geht es dir gut, Liebes?“, fragte Emily, während sie die kleine Hand fest drückte. Chantelle sah mit traurigen Augen zu ihr auf und klammerte sich mit der anderen Hand an den Brief. „Ich vermisse Papa Roy“, sagte sie. „Ich auch“, meinte Emily wehmütig. „Hat Papa Roy denn kein Handy, damit wir ihn anrufen können?“, fragte Chantelle. „Wir könnten einen Videoanruf machen.“ Emily lachte und tippte auf den Umschlag. „In dem Brief habe ich ihn das Gleiche gefragt“, antwortete sie. Doch trotz ihrem Versuch, die Stimmung aufzuheitern, teilte sie Chantelles Enttäuschung. Sich ein Handy zu kaufen war das Mindeste, was ihr Vater tun könnte. „Er meinte, er würde sich vielleicht eines kaufen“, sagte Chantelle. „Weißt du noch?“ Emily nickte. Das war kurz, bevor er wieder zurück nach Martha’s Vineyard gegangen war. Sie hatte sich von ihm verabschieden wollen, was sie seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr nicht mehr gekonnt hatte, und er hatte scherzhaft gemeint, dass er sich ein Handy kaufen würde, um mit ihr in Kontakt zu bleiben. Damals war sie voller Hoffnung gewesen. Nicht, dass er sich ein Handy kaufen würde, sondern, dass sie regelmäßig Kontakt halten würden. Leider schien die Sache nicht so zu funktionieren wie gedacht. Wenn er sich schon nicht mit Briefen bei ihr melden konnte, wie standen dann die Chancen, dass er eine Lebensgewohnheit brach und sich ein Handy kaufte! „Ich werde beten, dass er sich eines kauft“, sagte Chantelle mit fester Stimme, „und dass wir dann einen Videoanruf machen können.“ Emily nickte, während sie sich ihre eigene Traurigkeit nicht anmerken ließ. „Das ist eine sehr gute Idee“, entgegnete sie. Chantelle schloss ihre Augen und Emily beobachtete voller Stolz, wie sich die Lippen des Mädchens in einem stillen Gebet bewegten. Dann öffnete es die Augen und grinste. „Amen.“ Am Briefkasten angekommen half Emily Chantelle, den Brief einzuwerfen. Während sie zurück zum Haus gingen, hörte Emily, wie eine neue Nachricht auf ihrem Handy einging. Sofort dachte sie an ihren Vater. Vielleicht war Chantelles Gebet bereits erhöht worden! Aber als sie ihr Handy aus der Tasche zog, was sie überrascht den Namen von Roman Westbrook auf dem Bildschirm zu lesen. Durch Emily fuhr ein Schock. So wollte sie nicht auf Roman reagieren. Er hatte deutlich gemacht, wie wichtig seine Privatsphäre war und wie viel es ihm bedeutete, in Sunset Harbor respektiert zu werden. Das war einer der Gründe, warum er mit Emily und dem Rest der Familie in Kontakt bleiben wollte, nachdem er sich den Ort angesehen hatte. Doch gleichzeitig konnte Emily immer noch nicht glauben, dass sich Roman Westbrook, der berühmte Sänger und Superstar in der Kontaktliste ihres Handys befand! Sie öffnete die Nachricht und schrie auf, nachdem sie sie gelesen hatte. „Was ist?“, wollte Chantelle wissen. „Roman hat ein Haus gekauft“, antwortete Emily ihr. „Hier in Sunset Harbor.“ „Cool“, meinte Chantelle. „Heißt das, dass wir eine Willkommensfeier organisieren und ihm einen Geschenkkorb richten?“ Chantelle liebte es, Päckchen für ihre Nachbarn zu richten. Sie hatte für Trevor schon mehrere Care-Pakete gepackt, als er noch am Leben gewesen war. Конец ознакомительного фрагмента. Текст предоставлен ООО «ЛитРес». Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию (https://www.litres.ru/pages/biblio_book/?art=43697855) на ЛитРес. Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.