Italienische Nächte 
Sophie Love


Die Liebe auf Reisen #2
Sophie Loves Fähigkeit, bei ihren Lesern Magie zu bewirken, zeigt sich in ihrem höchst inspirierenden Ausdruck und den lebendigen Beschreibungen…FÜR JETZT UND FÜR IMMER ist der perfekte Liebes- oder Strandroman, der sich von anderen abhebt: seine mitreißende Begeisterung und die wunderschönen Beschreibungen machen deutlich, wie komplex die Liebe und auch die Gedanken der Menschen sein können. Dieses Buch ist perfekt geeignet für Leser, die nach einem Liebesroman mit Tiefgang suchen. Midwest Book Review (Diane Donovan über Für jetzt und für immer) Ein sehr gut geschriebener Roman, in dem es um die inneren Kämpfe geht, die eine Frau durchstehen muss, um ihr wahres Ich zu finden. Der Autorin gelang die Ausarbeitung der Charaktere und die Beschreibung der Handlung wunderbar. Romantik ist zwar Teil der Geschichte, doch sie ist nicht erdrückend. Ein Lob an die Autorin für diesen wunderbaren Auftakt einer Reihe, die verspricht, äußerst unterhaltsam zu werden. Books and Movies Reviews, Roberto Mattos (über Für jetzt und Für immer) ITALIENISCHE NÄCHTE (DIE LIEBE AUF REISEN – BUCH 2) ist der zweite Band einer Serie von Bestseller-Autorin Sophie Love. Keira Swanson, 28, kehrt nach New York zurück, noch immer wie berauscht von ihrer Irlandreise und schwer verliebt in Shane. Aber durch ein überraschendes Ereignis kann es mit ihrer Beziehung schnell wieder vorbei sein. Bei der Zeitschrift, für die sie schreibt, ist sie ein Star und bekommt erneut einen traumhaften Auftrag: eine Reise nach Italien. In 30 Tagen soll sie herausfinden, was das italienische Geheimnis der Liebe ist. Von ihrem Irland-Trip sehr verwöhnt, sieht Keira ihre Erwartungen an Italien schnell zerstört. Nichts läuft anfangs so, wie geplant. Auf ihrer Rundreise durch Italien, von Neapel bis zur Küste von Amalfi, von Capri bis Rom, von Verona bis Venedig und Florenz, stellt Keira in Frage, ob die Italiener überhaupt das Geheimnis der Liebe kennen. Dann jedoch lernt sie ihren neuen Reisebegleiter kennen. Und alles, was sie bis dahin sicher geglaubt hatte, wird vollkommen auf den Kopf gestellt. Eine stürmisch-romantische Komödie, tiefsinnig und humorvoll. ITALIENISCHE NÄCHTE ist der zweite Band einer bezaubernden neuen Romance-Reihe, die dich zum Lachen und zum Weinen bringen wird und die man nicht mehr aus der Hand legen kann. Du wirst dich ganz neu in die Romantik verlieben.







ITALIENISCHE NÄCHTE



(DIE LIEBE AUF REISEN – BUCH 2)



SOPHIE LOVE


Sophie Love



#1 Bestseller-Autorin Sophie Love ist die Schöpferin der romantischen Comedy-Reihe, DIE PENSION IN SUNSET HARBOR, die bisher aus 3 Bänden besteht, weitere sind in Arbeit. Band 1 ist unter dem Titel FÜR JETZT UND FÜR IMMER (DIE PENSION IN SUNSET HARBOR – BUCH 1).

Sophie Love ist außerdem die Autorin einer neuen humorvollen Romance-Reihe, DIE LIEBE AUF REISEN, die mit DAS FESTIVAL DER LIEBE (DIE LIEBE AUF REISEN – BUCH 1) beginnt.

Sophie würde sehr gern von Dir hören, also besuche sie doch auf ihrer Webseite: http://www.sophieloveauthor.com/ (http://www.sophieloveauthor.com/)

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Copyright © 2017 by Sophie Love. Alle Rechte vorbehalten. Außer, wie gemäß dem U.S. Copyright Gesetz von 1976 ausdrücklich erlaubt, darf kein Teil dieser Veröffentlichung ohne vorherige Erlaubnis der Autorin vervielfältigt, verbreitet oder in irgendeiner Weise oder in irgendeiner Form übertragen, in einer Datenbank oder in einem Datenabfragesystem gespeichert werden. Dieses E-Book ist nur für den persönlichen Gebrauch zugelassen. Dieses E-Book darf nicht weiterverkauft oder an andere Personen weitergegeben werden. Wenn Sie sich dieses E-Book mit einer anderen Person teilen möchten, kaufen Sie bitte eine zusätzliche Kopie für jeden weiteren Empfänger. Wenn Sie dieses Buch lesen, es jedoch nicht selbst gekauft haben und es auch nicht ausschließlich für Ihren eigenen Gebrauch gekauft wurde, dann geben Sie es bitte zurück und erwerben eine eigene Kopie. Vielen Dank für Ihren Respekt für die harte Arbeit dieser Autorin. Bei diesem Buch handelt es sich um Fiktion. Namen, Charaktere, Unternehmen, Organisationen, Orte, Veranstaltungen und Vorkommnisse sind entweder das Produkt der Fantasie der Autorin oder sind fiktiv eingesetzt. Jede Ähnlichkeit mit real existierenden Personen,lebend oder tot, ist reiner Zufall. Umschlagbild Copyright solominviktor, unter der Lizenz von shutterstock.com.


BÜCHER VON SOPHIE LOVE



DIE PENSION IN SUNSET HARBOR

FÜR JETZT UND FÜR IMMER (BUCH #1)

FÜR IMMER UND EWIG (BUCH #2)

FÜR IMMER MIT DIR (BUCH #3)



DIE LIEBE AUF REISEN

DAS FESTIVAL DER LIEBE (BUCH #1)

ITALIENISCHE NÄCHTE (BUCH #2)


Inhalt



KAPITEL EINS (#ub37115c2-f207-5b9c-b1e9-de1219cb8789)

KAPITEL ZWEI (#u89ebe64e-b7ba-5e12-aa1b-5ad152763ded)

KAPITEL DREI (#u1e181bfb-a252-5232-bda2-df6204c0474d)

KAPITEL VIER (#u58fce2ed-3027-4355-ab1d-528bc30e91bc)

KAPITEL FÜNF (#u939b7988-e089-4d53-82ab-e3b12674d19c)

KAPITEL SECHS (#u3a9ab669-62f0-59f0-ac6b-25bd7d43566c)

KAPITEL SIEBEN (#u44b4c5b9-bf92-59ff-b68b-7ba20c15cf12)

KAPITEL ACHT (#litres_trial_promo)

KAPITEL NEUN (#litres_trial_promo)

KAPITEL ZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL ELF (#litres_trial_promo)

KAPITEL ZWÖLF (#litres_trial_promo)

KAPITEL DREIZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL VIERZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL FÜNFZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL SECHZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL SIEBZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL ACHTZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL NEUNZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL ZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL EINUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL DREIUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL VIERUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL SECHSUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL ACHTUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL NEUNUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL DREIßIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL EINUNDDREIßIG (#litres_trial_promo)




KAPITEL EINS


Keira erwachte auf Bryns unbequemer Couch mit einem schmerzenden Nacken und eiskalten Füßen. Die Temperaturen in New York fielen immer tiefer, der Herbst lag bereits in der Luft. Und trotz der unbequemen Couch und der Kälte, war Keira allerbester Laune beim Erwachen.

Heute, am 22. Oktober, würde Keira in die Redaktion des Viatorum-Magazins zurückkehren, aber zu einem besseren Job, mit erheblich mehr Geld. Sie freute sich darauf, Nina wiederzusehen, ihre Freundin und Lektorin im Verlag. Noch mehr freute sie sich darauf, endlich wieder zu schreiben, denn das war ihre große Leidenschaft. Zwar wusste sie noch nicht, worin ihr nächster Auftrag bestehen würde, aber sie ging davon aus, dass er nicht halb so aufregend sein würde, wie der letzte, der sie für einen ganzen Monat nach Irland geführt hatte.

Elliot würde ihr bestimmt etwas weniger Umfangreiches geben, aber das war okay für sie. Sie hatte bisher nämlich kaum Zeit gefunden, sich in New York wieder einzuleben und mit ihren Freunden und mit ihrer Mutter auf den neuesten Stand zu kommen. Außerdem würde Shane in einer Woche zu Besuch kommen und darüber freute sich Keira weit mehr als über eine exklusive Story.

Ihre ältere Schwester Bryn kam ins Wohnzimmer geeilt, die Haare wild auf dem Kopf, auf einem Bein hüpfend, weil der zweite Schuh fehlte.

&bdquo;Ich bin spät dran“, stammelte Bryn. &bdquo;Warum hast du mich nicht geweckt?“

Keira sah auf die Uhr.

&bdquo;Weil es erst sieben ist. Du hast noch eine Stunde Zeit.“ Sie lachte über ihre zerstreute Schwester.

Bryn hielt inne und starrte angestrengt auf die Uhr. &bdquo;Oh, stimmt.“ Sie zog sich den einen Schuh wieder aus und setzte sich zu Keira auf die Couch. &bdquo;Ich war fest davon überzeugt, ich käme mit dem Leben besser klar, wenn ich erst einmal dreißig bin.“

Keira grinste. &bdquo;Wohl kaum.“

Beide Swanson-Schwestern hatten es wahrlich nicht eilig, erwachsen zu werden.

Bryn beugte sich zu ihr und stupste sie in die Seite. &bdquo;Also, der erste Tag zurück auf der Arbeit nach der Pause. Wie fühlst du dich?“

&bdquo;Sehr gut. Es wird sicher eine völlig andere Stimmung herrschen ohne Joshua, der allen bloß die Laune verdirbt. Vor allem freue ich mich darauf, Nina wiederzusehen. Und natürlich bin ich sehr neugierig, was Elliot als nächstes für mich geplant hat.“

&bdquo;Wird das wieder eine Reise nach Übersee?“, fragte Bryn.

&bdquo;Das möchte ich bezweifeln. Andererseits hätte ich gegen viel Sonne nichts einzuwenden.“ Keira lachte und blickte aus dem Fenster in die trüben Wolken. New York im Oktober.

&bdquo;Und ein eigenes Bett“, scherzte Bryn und klopfte auf das Polster der Couch.

&bdquo;Ach ja, das. Also, du weißt, dass ich hier nicht ewig pennen will. Es dauert nur einfach länger als ich gedacht hatte, eine passende Wohnung zu finden. Und ich brauche den Abschlag zurück, den ich für die Wohnung mit Zach hinterlegt hatte, ohne den geht es nicht. Du weißt ja, wie zögerlich er ist.“

&bdquo;Kein Problem“, sagte Bryn und winkte ab. &bdquo;Bleib so lange es nötig ist. Aber erspare mir jeglichen Kommentar über die Männer, die ich mit nach Hause bringe.“ Sie schaute Keira finster an. &bdquo;Mir sind deine vorwurfsvollen Blicke nicht entgangen.“

Keira lachte. &bdquo;Ich meine eben, dass du mit diesen ätzenden Typen deine Zeit verschwendest, einfach nur deshalb, weil du nicht glauben willst, dass du wunderschön bist.“

Bryn rollte mit den Augen. &bdquo;Das reicht jetzt. Also, wieso denkst du, dass du nicht wieder nach Übersee geschickt wirst?“

&bdquo;Keine Ahnung.“ Keira zuckte mit den Schultern. &bdquo;Wahrscheinlich, weil es den anderen Autoren gegenüber nicht fair wäre. Es sähe nach Bevorzugung aus.“

&bdquo;Vergiss nicht, dass du auf der Karriereleiter nach oben geklettert bist. Bevorzugung klingt nach Schule. Aber hier geht es ums Geschäft. Wenn du besser bist als die anderen, dann bist du eben besser. Nimm es einfach hin.“

Keira teilte die Zuversicht ihrer Schwester nicht. Sie wand sich ein wenig voller Unbehagen. &bdquo;Nun, selbst wenn es so ein Auftrag wäre, könnte ich die Reise gar nicht antreten.“ Sie dachte an Shane und lächelte verträumt. &bdquo;Ich habe ja Pläne hier.“

&bdquo;Ach ja.“ Bryn schmunzelte. &bdquo;Der Freund. Wann wird er ankommen?“

Keira rief sich Shanes wunderbares Gesicht in Erinnerung, mit dem Drei-Tage-Bart auf dem energischen Kinn und diesen wundervollen irischen blauen Augen. Zahllose Erinnerungen strömten auf sie ein, von dem Monat, in dem sie sich ineinander verliebt hatten.

&bdquo;In einer Woche“, sagte sie, noch immer verträumt. Sie dachte an das Gefühl seiner Lippen auf ihren, die Berührung seiner Finger auf ihrer Haut. &bdquo;Das erinnert mich daran, dass ich ihn anrufen sollte.“

In Irland, wo Shane lebte, war es gleich schon Mitternacht. Es blieb ihr also nicht mehr viel Zeit, mit ihm zu sprechen, bevor er ins Bett ging. Dann würde sie eine Ewigkeit von acht Stunden ohne ihn ertragen müssen, weil er dann schlief. Keine Nachrichten, keine spöttischen SMS oder witzige Kommentare. Diese acht Stunden waren schier unerträglich, so sehr sehnte sie sich nach ihm.

&bdquo;Rufst du ihn jeden Morgen an?“, fragte Bryn erstaunt.

Keira entging der verächtliche Unterton in der Stimme ihrer Schwester nicht. Sie war überzeugte Single-Frau mit ständig wechselnden Verabredungen. Das machte sie misstrauisch allen Menschen gegenüber, die behaupteten, sie hätten die wahre Liebe gefunden.

&bdquo;Jap. Da schnarchst du meistens noch, daher ist dir das bisher nicht aufgefallen.“

&bdquo;Ich finde das irgendwie ungesund. Du bist jetzt schon viel zu abhängig von ihm.“

Keira rollte mit den Augen und stand auf. Bryn war eine absolute Besserwisserin und gleichzeitig ein wahrlich schlechtes Vorbild. Wenn sie es doch nur sehen könnte, was sie und Shane verband, dann würde sie das nicht mehr so vorschnell verurteilen.

Keira nahm ihr Handy mit ins Bad, denn nur da war sie ungestört. Bryns Wohnung war ansonsten sehr hellhörig. Sie wählte Shanes Nummer. Sofort war ihr Körper von Erregung erfüllt, während sie dem Freizeichen lauschte und sich darauf freute, Shanes wunderbare Stimme wieder zu hören. Sie konnte es kaum erwarten, ihm alles zu erzählen, was sie für seinen Besuch geplant hatte. New Yorks Sehenswürdigkeiten, von der Fressmeile über Spaziergänge am Fluss entlang, die Museen, die Parks und jede Menge Kunstgalerien. Sie hatte einen sehr engen Zeitplan erstellt und sie wusste, dass Shane sich darauf freute, sich alles von ihr zeigen zu lassen.

Endlich nahm Shane am anderen Ende ab. Aber anstatt seine übliche fröhliche Stimme zu hören, klang er irgendwie angespannt. Normalerweise begrüßte er sie mit irgendeinem albernen Spitznamen, aber heute nannte er sie einfach bei ihrem Namen.

&bdquo;Keira, hey“, sagte er müde, als habe er einen furchtbar schlechten Tag gehabt.

Keiras Hochgefühl fiel umgehend in sich zusammen. Im Hintergrund hörte sie Geräusche, Gespräche, klingelnde Telefone.

&bdquo;Was ist passiert?“, fragte sie und spürte Panik in sich aufkommen. &bdquo;Wo bist du?“

&bdquo;Im Krankenhaus.“

&bdquo;Oh mein Gott! Warum?“ Keiras Herz raste, sie malte sich sofort die schlimmsten Szenarien aus. &bdquo;Bist du verletzt? Oder krank?“

&bdquo;Nein, es geht nicht um mich“, sagte Shane. &bdquo;Mir geht es gut. Es ist mein Vater.“

Keira erinnerte sich gut an Calum Lawder. Er war einer der nettesten, süßesten Menschen, die sie je die Ehre hatte kennengelernt zu haben. Der Gedanke, dass es ihm schlecht gehen könnte, war niederschmetternd.

&bdquo;Geht es ihm gut? Was ist denn mit ihm?“

Shane seufzte schwer. &bdquo;Jetzt geht es ihm wieder besser. Er ist operiert worden.“

Keira lief es eiskalt den Rücken herunter. &bdquo;Operiert?“

&bdquo;Ich bin schon den ganzen Tag in der Notaufnahme. Er hatte einen Herzinfarkt. Sie mussten ihm einen Stent setzen. Es ist ein Wunder, dass er noch lebt. Wenn nicht zufällig heute Morgen ein Herzchirurg hier gewesen wäre, dann hätte er es nicht mehr geschafft.“

&bdquo;Oh, Shane, das tut mir ja so leid.“ Keira spürte einen Kloß im Hals. Sie wünschte, sie könnte durch das Telefon hindurch greifen und Shane in den Arm nehmen, um ihn zu trösten. &bdquo;Wie geht es deiner Mutter und deinen Schwestern?“

&bdquo;Uns geht es allen gut. Wir stehen alle noch unter Schock, um ehrlich zu sein. Vor allem Hannah.“

Keira dachte an Shanes kleine Schwester, das 16-jährige Mädchen mit den goldenen Haaren. Sie hatte sich besonders gut mit ihr verstanden. &bdquo;Armes Kind“, sagte sie. Auf einmal erschien es ihr ein unpassender Zeitpunkt, um über seine Reise nach New York zu reden. Alles, was sie sich an aufregenden Dingen vorgenommen hatten, war jetzt nicht wichtig, angesichts dessen, was Shane gerade durchmachte. &bdquo;Wie geht es Calum denn jetzt?“

&bdquo;Er ist wach und albert herum. Aber ich sehe doch, dass er nur so tut, als sei alles halb so schlimm, damit wir uns keine Sorgen machen.“

&bdquo;Es tut mir so leid, Liebling. Ich wäre so gern bei dir, um dir beizustehen. Aber ich hebe mir all die Umarmungen für nächste Woche auf, wenn du herkommst.“

Am anderen Ende der Leitung schwieg Shane. Keira konnte nichts hören außer die klingelnden Telefone des Krankenhauses, das Piepen von Maschinen und von fern das Heulen von Sirenen, eben die übliche Geräuschkulisse eines Krankenhauses.

&bdquo;Klingt ziemlich chaotisch im Hintergrund“, sagte sie, als Shane weiterhin schwieg.

&bdquo;Keira“, fiel er ihr schließlich ins Wort.

Die Art, wie er ihren Namen sagte, gefiel ihr ganz und gar nicht. Sie hatte die vage Vorahnung, dass Shane keine guten Neuigkeiten haben würde.

&bdquo;Was?“, fragte sie und klang schon vorauseilend unglücklich.

&bdquo;Ich werde die Reise absagen“, meinte Shane.

Keira konnte hören, dass ihn das auch ziemlich mitnahm.

&bdquo;Wirklich?“ Ihre eigene Stimme war voller Schmerz.

&bdquo;Es tut mir leid. Aber ich muss jetzt hier sein. Für meine Mutter und die Mädchen. Sie sind alle ganz aufgelöst. Ich käme mir wie ein Schuft vor, wenn ich nach New York abrausche und sie damit allein lasse.“

&bdquo;Aber es ist noch eine Woche bis dahin“, widersprach Keira. &bdquo;Vielleicht hat sich die Lage bis dahin entspannt? Calum wird wieder auf die Beine kommen. Und solange wärst du ja nicht weg. Nur eine Woche. Es ist ja nicht so, als würdest du einen ganzen Monat hier verbringen. Ein paar Tage werden sie sicher ohne dich zurechtkommen. Ich meine, sie kommen ja auch ohne dich aus, wenn du beim jährlichen Festival der Liebe in Lisdoonvarna arbeitest.“

Sie konnte nicht aufhören zu reden und klang schon ziemlich verzweifelt. Aber sie hatte sich so darauf gefreut, Shane wiederzusehen. Sie wollte ihm ihre Welt zeigen, so wie er ihr seine gezeigt hatte. Das Warten fiel ihr schwer, die Trennung war hart. Ganz abgesehen von den teuren Flugtickets, die sie gekauft hatte, den Veranstaltungen, die sie im Voraus gebucht hatte, die man zwar absagen konnte, aber das Geld nicht zurückbekam. Sie hätte den Bonus, den Elliot ihr gezahlt hatte, besser in eine neue Wohnung investiert, anstatt sich auf Bryns Couch den Rücken zu ruinieren. Konnte sie es sich überhaupt leisten, die Reise umzubuchen? Shane hatte nicht viel Geld und konnte nichts dazu beisteuern.

&bdquo;Mein Vater wäre fast gestorben, Keira“, sagte Shane ganz direkt. &bdquo;Das ist nicht dasselbe, wie ein Monat weg von zu Hause wegen des Festivals.“

&bdquo;Das weiß ich doch“, gab sie schnell nach. &bdquo;Ich wollte mich nicht selbstsüchtig anhören. Du fehlst mir einfach so sehr.“

&bdquo;Du fehlst mir auch“, antwortete Shane und seufzte schwer.

Keira fühlte sich hundeelend. Aber sie wollte sich nicht so runterziehen lassen, denn es war ja nicht einmal ihr Angehöriger da in der Notaufnahme. Sie entschied sich, munterer zu erscheinen als sie sich fühlte.

&bdquo;Ich schätze, da ist dann nichts zu machen“, sagte sie ruhig. &bdquo;Lass uns lieber einen neuen Termin überlegen, damit die Tickets nicht komplett verfallen. Dann kann ich wenigstens wieder anfangen, die Tage zu zählen.“ Sie kicherte und bemühte sich, so zu tun, als wäre alles halb so schlimm.

Wieder antwortete Shane nicht. Keira hörte nur eine Krankenschwester, die irgendjemanden zu Dialyse geleitete.

&bdquo;Shane?“ Sie hatte genug von der andauernden Stille.

Endlich antwortete er.

&bdquo;Ich glaube nicht, dass ich einen neuen Termin ausmachen kann“, sagte er.

&bdquo;Wegen deines Vaters? Shane, es wird ihm bald wieder besser gehen. Dann kümmert er sich wieder um die Farm. Ich wette, spätestens im November ist alles wieder wie vorher. Oder wir können auch bis Dezember warten, wenn dir das lieber ist. Das gibt ihm reichlich Zeit, sich gut zu erholen.“

&bdquo;Keira“, unterbrach Shane.

Sie klappte den Mund zu. Sie musste sich zwingen, den Wortfluss zu beenden, der unweigerlich kommen würde, weil sie nicht hören wollte, was er ohne Frage gleich sagen würde.

&bdquo;Ich werde nicht kommen“, sagte er. &bdquo;Überhaupt nicht.“

Keiras Hände begannen zu zittern. Das Telefon fühlte sich kalt an in ihrer Hand, sie hatte das Gefühl, es entgleite ihr.

&bdquo;Dann komme ich nach Irland“, sagte sie schwach. &bdquo;Es macht mir nichts aus zu reisen, wenn du gerade nicht kannst. Ich liebe Irland. Ich kann dich besuchen kommen.“

&bdquo;Das ist nicht, was ich meinte.“

Keira wusste, was er gemeint hatte, aber sie wollte es nicht wahrhaben. Sie wollte nicht, dass Shane gleich beim ersten Hindernis die Flinte ins Korn warf. Ihre Liebe war stärker als das, wichtiger. Etwas ganz Besonderes. Sie musste ihn einfach überzeugen, auch wenn das bedeutete, sich verzweifelt anzuhören oder, wie Bryn gesagt hatte, sich zu sehr von ihm abhängig zu machen.

Sie hörte, wie Shane tief durchatmete. &bdquo;Ich werde auf der Farm gebraucht. Irland ist meine Heimat. Ich kann nirgendwo anders leben.“

&bdquo;Niemand hat davon gesprochen, dass du umziehen sollst.“

&bdquo;Aber das kommt sicher bald. Wenn unsere Beziehung dauerhaft Bestand haben soll, werden wir im selben Land leben müssen. Ich kann nicht zu dir ziehen. Und du würdest nicht hierher ziehen.“

&bdquo;Ich könnte sehr wohl“, stammelte Keira. &bdquo;Ganz bestimmt. Irgendwann.“

Sie dachte an das wunderschöne Land, in das sie sich verliebt hatte. Bestimmt konnte sie da leben, wenn es bedeutete, mit Shane zusammen zu sein.

&bdquo;Auf der Farm?“

&bdquo;Sicher.“

Das niedliche Farmhaus mit der wunderbaren Familie und all der Liebe hatte ihr sehr gefallen. Ihre eigene Familie war nur in Teilen vorhanden. Bryn war ständig beschäftigt, ihre Mutter lebte weit entfernt, ihr Vater spielte in ihrem Leben nicht die geringste Rolle. Wie sollte ihr die Familie, die Shane mitbrachte, nicht gefallen?

&bdquo;Mit meiner Familie? Meinen Schwestern? Meinen Eltern?“, fragte Shane. &bdquo;Und mit all den Schafen?“

Keira erinnerte sich, dass sie knietief in Schafmist gestanden hatte. Sie dachte an seine sechs Schwestern, die alle sehr nett waren, aber auch alle noch zu Hause lebten. Es wäre ziemlich eng. Nicht gerade das Leben, dass sie sich für sich vorgestellt hatte. Aber auf Bryns Couch zu schlafen, war auch nicht Teil ihrer Träume gewesen. Wenn sie es fertigbrachte mit ihrer eigenen Schwester zusammen zu wohnen, dann sicherlich erst recht mit Shanes sechs Schwestern. Und gehörte es nicht zum Leben dazu, dass man Hindernisse überwand? Sollte man nicht alles mal mitgemacht haben?

&bdquo;Shane“, sagte Keira, bemüht, ruhig zu klingen. &bdquo;Wir müssen das doch nicht hier und heute klären. Das Leben ändert sich. Wer weiß, eines Tages heiraten alle deine Schwestern und ziehen aus. Deine Eltern entscheiden sich vielleicht, die Farm zu verkaufen und mit einer Jacht um die Welt zu segeln. Du kannst die Zukunft nicht vorhersehen, also macht es auch keinen Sinn, sich heute schon darüber zu sorgen.“

&bdquo;Bitte hör mir zu“, bat Shane. Er klang sehr mitgenommen. &bdquo;Ich versuche es jetzt schon zu beenden, weil es später nur noch viel schmerzhafter würde.“

Das Wort 'beenden' hallte in Keiras Kopf wider, wie ein Hammer auf Stahl. Sie stöhnte auf. Der dicke Kloß im Hals wurde noch dicker.

Ihr wurde da zum ersten Mal bewusst, dass Shane sich schon entschieden hatte. Er würde nicht nachgeben. Was auch immer sie sagte, es würde nichts ändern.

&bdquo;Tu das nicht“, sagte sie. Auf einmal kamen ihr die Tränen. Sie schluchzte laut und unkontrolliert, als ihr wirklich bewusst wurde, dass Shane nicht nachgeben würde. Er trennte sich gerade von ihr. Der Eine. Die Liebe ihres Lebens.

&bdquo;Es tut mir leid“, sagte er und weinte ebenfalls. &bdquo;Ich muss es tun. Bitte versteh das. Gäbe es diesen Ozean nicht zwischen uns, würde ich immer mit dir zusammen sein wollen, ich würde dich sogar heiraten wollen.“

&bdquo;Sag das nicht!“, heulte Keira. &bdquo;Du machst es doch nur noch schlimmer.“

Shane atmete laut aus. &bdquo;Ich möchte aber, dass du weißt, wieviel du mir bedeutest, Keira. Du sollst nicht denken, ich hätte einfach nur kalte Füße gekriegt oder so etwas. Wären wir nicht in dieser Situation, sähe es alles ganz anders aus. Ich möchte das eigentlich nicht tun müssen. Nicht im Geringsten. Verstehst du das?“

&bdquo;Ja“, antwortete Keira. Noch immer rannen ihr die Tränen über das Gesicht. Sie verstand es laut und deutlich. Der Mann ihrer Träume, der Mann, der sie liebte und sie zum Lachen brachte, gab sie einfach auf, weil die Lage etwas kompliziert war. Der Mann, in den sie sich in einem einzigen Monat unsterblich verliebt hatte, gab einfach an der ersten Hürde auf. Er würde keine Arbeit in ihre Beziehung investieren. Diese Gedanken kreisten in ihrem Kopf.

&bdquo;Ich nehme an, dann heißt es jetzt lebe wohl?“, fragte sie kühl.

Shane musste ihren neuen Tonfall bemerkt haben. &bdquo;Sei doch nicht so. Wir können in Kontakt bleiben. Wir können Freunde sein. Es gibt das Internet. Ich will dich nicht komplett aus meinem Leben herausschneiden.“

&bdquo;Natürlich.“ Keira wurde das Herz schwer. Sie wusste, dass aus einstigen Liebesbeziehungen niemals platonische Freundschaften wurden, egal, wie sehr man sich bemühte. So lief das einfach nicht. Sobald es mit der Liebe aus war, war es vorbei, zumindest nach Keiras Erfahrung.

&bdquo;Bist du sauer auf mich?“, fragte Shane. Er klang klein und zerbrechlich.

&bdquo;Nein“, sagte Keira und es stimmte sogar. Shanes Gründe, es zu beenden, waren anständig. Er stellte seine Familie an die erste Stelle. Das war genau die Art von Partner, die sie sich wünschte, es wäre also ziemlich unfair, ihm das jetzt vorzuwerfen. &bdquo;Ich denke, du solltest zu deiner Familie zurückkehren. Nimm sie einmal für mich in den Arm, okay?“

&bdquo;Mache ich“, versprach Shane.

Keira war sich nicht ganz sicher, aber er schien zu ahnen, dass er nie wieder mit ihr reden würde. Er war sehr niedergeschlagen.

Es entstand eine lange Pause.

&bdquo;Leb wohl, Keira“, sagte Shane schließlich.

Bevor sie antworten konnte, hatte er aufgelegt. Sie nahm das Handy vom Ohr und starrte darauf. Wie konnte so ein kleines Stück Technik ihre ganze Welt zum Einstürzen bringen? Wie konnte ein einziges Gespräche alles auf den Kopf stellen? Sie hatte das Gefühl, jedes Fünkchen Glück, das sie je empfunden hatte, sei vom Handy eingesaugt und in eine schwarze Leere gespuckt worden, auf Nimmerwiedersehen.

Und sie konnte nicht einmal richtig wütend sein. Shane war kein Widerling, wie all die anderen Typen, mit denen sie Schluss gemacht hatte. Er hatte sie nicht betrogen, nicht belogen, es gab kein Geschrei, kein absichtliches Wehtun. Vielleicht tat es deshalb nur noch mehr weh. Vielleicht, weil sie sich von dem Gedanken hatte einlullen lassen, dass Shane der Eine war, dass es überhaupt den Einen geben könnte.

Noch immer weinte sie, verließ aber das Bad und warf ihr Handy auf die Couch. Bryn stand an der Küchentheke und machte Kaffee. Sie sah überrascht auf.

&bdquo;Was ist los? Weinst du etwa?“

Keira ignorierte die Fragen und nahm ihren Terminkalender zur Hand. All die eingetragenen Termine mit Shane, die unauslöschliche Erinnerungen hätten werden sollen - sie riss die Seiten einfach heraus.




KAPITEL ZWEI


Bryn legte tröstend den Arm um Keira, während diese bitterlich weinte.

&bdquo;Du hast das ganz richtig gemacht“, sagte sie beruhigend. &bdquo;Ich weiß, das kommt dir im Augenblick nicht so vor, aber glaube mir. Du hast dich viel zu sehr da reinziehen lassen. Du bist achtundzwanzig, Keira. Da setzt man sich noch nicht zur Ruhe.“

Ihre Worte trösteten Keira nur wenig. Bryn musste gerade reden. Ihr Leben war nichts als eine Reihe von desaströsen Beziehungen. Sie hatte keine Ahnung, welch tiefe Liebe Keira und Shane gefunden und wieder verloren hatten. Keiras ganzer Körper wurde von heftigen Heulkrämpfen erschüttert.

&bdquo;Komm schon“, fügte Bryn hinzu. &bdquo;Lass uns einen Kaffee trinken gehen. Ich rufe Mom an. Du weißt, dass sie mit so etwas richtig gut umgehen kann.“

Keira wusste es besser. Im Gegensatz zu Bryn hatte ihre Mutter es sehr eilig gehabt, Keira unter die Haube zu bringen und möglichst schnell Kinder zu kriegen. Sie hatte sogar behauptet, es mache für Keira keinen Sinn, sich um ihre Karriere zu kümmern, weil sie die in ein paar Jahren sowieso aufgeben würde, um Kinder in die Welt zu setzen.

Sie schüttelte daher den Kopf. &bdquo;Ich kann nicht. Ich muss zur Arbeit.“

Bryn verzog das Gesicht. &bdquo;Schätzchen, du bist ein Wrack. In diesem Zustand wollen die dich da sicher nicht haben. So bist du niemandem eine Hilfe.“

&bdquo;Besten Dank auch“, murmelte Keira. &bdquo;Aber ich kann da nicht einfach wegbleiben. Es ist mein erster Tag nach dem Urlaub. Und in der neuen, gehobenen Position. Elliot wird auch im Büro sein. Er wird erwarten, dass ich noch eine Schippe drauflege.“

Während sie sprach, griff Bryn nach Keiras Handy und nahm es ihr einfach weg.

&bdquo;Hey!“, protestierte Keira.

Bryn tippte ein wenig und legte es dann triumphierend auf den Tisch. &bdquo;Erledigt.“

&bdquo;Was?“, rief Keira entsetzt und nahm es in die Hand. &bdquo;Hast du mich etwa krankgemeldet? Ich habe mich noch nie krankgemeldet! Das ist unprofessionell. Ich kann nicht glauben, dass du das wirklich getan hast.“

Aber als sie durchblätterte, welche Aktionen zuletzt auf ihrem Smartphone ausgeführt worden waren, sah sie, dass Bryn keineswegs die Redaktion kontaktiert hatte, sondern Nina, ihre Freundin und Lektorin des Magazins. Sie las die Nachricht, die Bryn ihr geschickt hatte.

Shane hat mich abserviert. Mein Leben ist zu Ende. Hilfe.

Keira rollte mit den Augen, vollkommen unbeeindruckt, und starrte ihre Schwester finster an. Bryn zuckte nur grinsend mit den Schultern. Eine Sekunde später summte Keiras Handy mit einer neuen Nachricht von Nina.

Das wird schon wieder. Ich sage Elliot, wir treffen uns außerhalb des Büros. Kaffee in zehn Minuten?

Keiras Gesichtsausdruck entspannte sich ein wenig. Vielleicht war Bryn doch manchmal ganz nützlich.

&bdquo;Nina kommt vorbei“, sagte sie und packte das Handy weg. &bdquo;Bist du nun zufrieden?“

&bdquo;Ja“, antwortete Bryn. &bdquo;Jetzt muss ich nur noch schnell meinem Boss mitteilen, dass ich heute nicht zur Arbeit komme.“

&bdquo;Das musst du nicht machen.“

&bdquo;Ach, bitte. Jede Ausrede ist mir recht“, meinte Bryn.

Keira gab nach. Manchmal hatte es einfach keinen Sinn, mit Bryn zu argumentieren. Auch wenn ihre Schwester vielleicht nicht die Beste zum Ausheulen war, sie dachte immer an ihren eigenen Vorteil und das half Keira hin und wieder auch mal.

Einige Minuten später verließen die Schwestern das Apartment gemeinsam, warm angezogen, und gingen die Straße hinunter zu dem Coffeeshop, wo sie Nina treffen wollten. Es war noch sehr früh. Als sie ankamen, hatte der Laden gerade erst aufgemacht. Sie waren die ersten Gäste.

Bryn bestellte einen Milchkaffee und einen Muffin für sie beide und führte Keira zu einer durchgesessenen Ledercouch. Kurz darauf traf auch Nina ein.

&bdquo;Keira“, sagte sie mitfühlend.

Sie setzte sich und umarmte Keira fest. Sofort fühlte diese sich besser. Vielleicht war es doch keine so schlechte Idee gewesen, die Arbeit heute sausen zu lassen. Aber sie ermahnte sich sogleich, das nicht zur Gewohnheit zu machen. Es war mehr als unprofessionell, auch wenn Bryn und Nina da offensichtlich anderer Ansicht waren. Keira musste sich darüber eigentlich auch gar keine Sorgen machen, denn sie war auf dem besten Wege, ein durch und durch keusches Leben zu führen. Es schien also relativ unwahrscheinlich, dass sie jemals wieder einen freien Tag brauchte wegen eines gebrochenen Herzens.

&bdquo;Ich kann nicht fassen, dass Shane so ein Idiot ist“, begann Nina.

Keira schüttelte den Kopf. &bdquo;So war das nicht.“

Nina schaute sie vielsagend an. &bdquo;Wie denn dann? Er hat dich dazu gebracht, an die große Liebe zu glauben und serviert dich eiskalt ab, eine Woche bevor ihr euch endlich wiederseht.“

&bdquo;Nun, wenn man es so formuliert“, gab Keira zu. &bdquo;Aber glaube mir, so war das nicht. Sein Vater ist krank geworden. Das hat ihn dazu gebracht, alles noch einmal zu überdenken, schätze ich.“ Sie würde gleich wieder anfangen zu heulen. Ihre Kehle war wie zugeschnürt.

&bdquo;Aber können wir das bitte sein lassen? Ich möchte nicht gezwungen sein, den Typen zu verteidigen, der mich gerade hat sitzen lassen.“

Nina hielt inne und dachte offenbar darüber nach. &bdquo;Vielleicht ist es sogar besser so“, sagte sie. &bdquo;Elliot wird dich wahrscheinlich für den nächsten Auftrag wieder nach Übersee schicken. Vielleicht lernst du wieder jemanden kennen. Einen Netteren.“

&bdquo;Das ist gerade das letzte, was ich möchte“, meinte Keira niedergeschlagen und stützte ihr Kinn auf der Hand ab. &bdquo;Ich weiß nicht, wieviel mein Herz von so etwas noch verkraften kann. Direkt von Zach zu Shane zu wer weiß wem, der mich wie ein Stück Dreck behandelt? Ich denke nicht. Ich hatte schon recht damit, mich auf meine Karriere zu konzentrieren. Der Job redet mir wenigstens nicht ein, dass er mich geheiratet hätte, wenn die Dinge nur anders gelaufen wären.“

Nina verzog das Gesicht. &bdquo;Das hat Shane gesagt?“

Keira nickte und fühlte sich noch elender und aussätziger als vorher.

Nina drückte ihr noch einmal die Schulter. &bdquo;Du bist jung. Viel zu jung, um sesshaft zu werden. Da draußen ist eine ganze Welt, von der du bisher nur einen Bruchteil gesehen hast.“

&bdquo;Danke“, sagte Bryn. &bdquo;Das habe ich ihr auch schon gesagt. Sie ist doch noch in den Zwanzigern, um Himmels willen. Warte mal ab, wenn du erst dreißig wirst.“

Nina hob eine Augenbraue. &bdquo;Oder vierzig“, sagte sie vernichtend. &bdquo;Und mehr. Ich habe es nicht eilig, mich zur Ruhe zu setzen. Egal, was die Medien mir immer wieder über meine biologische Uhr einreden wollen.“

&bdquo;Die Medien?“, fuhr Keira auf. &bdquo;Du meinst etwa Leute wie uns? Wir sind schließlich Journalisten. Es ist unser Job den Leuten einzureden, dass sie etwas haben möchten. Wie die Liebe zum Beispiel“, fügte sie bitter hinzu.

Nina lachte und Keira fühlte sich etwas besser. Sie blickte aus dem Fenster auf den New Yorker Verkehr, voller Menschen auf dem Weg zur Arbeit oder auf dem Weg nach Hause von einer durchtanzten Nacht. Menschen in teuren Anzügen, andere mit verwaschenen Slogans auf dem T-Shirt. Sie sah eine bunte Mischung von Rassen und Nationalitäten und jede nur denkbare Haartracht. Sie eilten vorbei und kämpften gegen den kalten Wind an, den der Herbst mit sich brachte.

Als sie die Szenerie beobachtete, wurde Keira bewusst, wie sehr sie ihre Stadt liebte. Sie hätte in Irland niemals dauerhaft glücklich sein können. Shane hatte in dem Punkt recht gehabt. Einfach fortzuziehen, wäre für sie nicht infrage gekommen. Sie war durch und durch New Yorkerin. Die hatte die Stadt praktisch in ihrem Blut.

Sie wandte sich wieder Bryn und Nina zu.

&bdquo;Wie hat Elliot meine Abwesenheit heute denn aufgenommen?“, fragte sie Nina. Sie wollte endlich das Thema wechseln.

Nina rührte in ihrem Kaffee. &bdquo;Um ehrlich zu sein, wirkte er heute etwas abwesend. Als ich neulich mal spät abends noch gearbeitet habe, hörte ich, wie er sich mit jemandem am Telefon gestritten hat. Ich glaube, es könnte sein, dass jemand versucht, die Zeitschrift aufzukaufen.“

Keira riss überrascht die Augen auf. &bdquo;Das würde Elliot doch nie zulassen. Er liebt Viatorum. Manchmal sogar ein bisschen zu sehr.“

Nina zuckte mit den Schultern und nippte an ihrem Kaffee. &bdquo;Manchmal geht es nicht darum, wie sehr man etwas liebt. Wenn eine der großen Firmen ein Konkurrenzblatt auf den Markt bringt, uns als Vorlage benutzt, aber all ihre Verbindungen benutzt und viel Geld in die Hand nimmt, um uns zu verdrängen, dann hat er keine andere Wahl als zu verkaufen. Manchmal können unabhängige Magazine wie Viatorum nur dann fortbestehen, wenn ein Boss wie Elliot zu Kompromissen bereit ist.“

&bdquo;Aber das wäre doch eine Degradierung für ihn, oder nicht?“, fragte Keira. &bdquo;Er würde vom Besitzer zum Manager absteigen.“

Nina legte den Kopf schief. &bdquo;So schlimm wäre das nun auch wieder nicht. Auf die Weise könnte er mehr Geld verdienen. Allerdings hätte er dann Vorgesetzte, denen er Rede und Antwort stehen müsste. Und er würde sicher seine kreative Freiheit ein Stück weit einbüßen.“ Sie zuckte erneut mit den Schultern. &bdquo;Das ist auf jeden Fall unvermeidbar.“

Keira kaute auf ihrer Unterlippe und bedachte Ninas Warnung. Warum mussten sich die Dinge nur immer so schnell ändern? Heute Morgen war sie mit einem liebenden Partner und einem tollen Job aufgewacht. Jetzt saß sie verheult und deprimiert in einem Coffeeshop, zurück auf dem Fleischmarkt und musste sich Sorgen um ihr Beschäftigungsverhältnis machen.

&bdquo;Nun, das ist immerhin hilfreich, um nicht an Shane denken zu müssen“, sagte Keira trocken.

&bdquo;Ach du meine Güte, tut mir echt leid“, meinte Nina. &bdquo;Ich wollte nicht, dass du dir Sorgen machst. Ich bin sicher, für uns beide wird sich nichts ändern, auch nicht für die Kollegen. Nur für Elliot. Ich habe schon andere Verkäufe mitgemacht, zahllose, um ehrlich zu sein. Die meisten Angestellten merken in der Regel nicht viel davon.“

Keira spitzte die Lippen. &bdquo;Wir werden sehen“, meinte sie.

Nina schaute ein wenig besorgt, fand Keira. Ihre Freundin blickte hilfesuchend zu Bryn, damit diese das Gespräch übernahm. Bryns Gesicht leuchtete plötzlich auf, als habe sie einen Geistesblitz.

&bdquo;Ich habe eine fabelhafte Idee“, sagte sie mit großen Augen.

&bdquo;Wieso habe ich das Gefühl, dass mir das nicht gefallen wird?“, meinte Keira und schaute sie aus schmalen Augen an.

&bdquo;Bei Gino steigt heute Abend diese Wahnsinnsparty. Du weißt schon, dieser super Italiener. Er hat das Motto Halloween ausgegeben. Also, streng genommen ist das Motto Allerseelen, ein italienischer Feiertag, von dem ich noch nie gehört habe. Aber es klingt total gruselig und bei Gino nimmt man das wohl sehr ernst. Es wird eine Mischung aus Maskenball und Grufti-Essen. Klingt total verrückt, aber irgendwie auch super cool.“

Keiras Augen verengten sich noch mehr. Bryn faselte. &bdquo;Und weiter?“, drängte sie ihre Schwester.

&bdquo;Es ist so“, antwortete Bryn. &bdquo;Ich bin dahin eingeladen worden, von einem Typen, mit dem ich neulich mal verabredet war. Malcolm. Er wollte dahin, weil er meinte, es klinge nach Abwechslung. Ich habe zugesagt, weil ich der Ansicht bin, man muss alles mal ausprobieren. Jedenfalls hat er mir heute mitgeteilt, dass er diesen Freund hat, der Single ist. Und er wollte wissen, ob ich nicht jemanden kenne, der als Date für diesen Freund mitkommen würde. Ich hätte Tasha gefragt, aber wieso kommst du nicht stattdessen mit? Immerhin bist du ja nun wieder zu haben.“

Keira brauchte keine Sekunde, um die passende Antwort für ihre Schwester zu haben. Sie schüttelte energisch den Kopf. &bdquo;Auf gar keinen Fall.“

Nina beugte sich vor und klinkte sich wieder in das Gespräch ein. &bdquo;Ich kenne da einen fantastischen Kostümshop“, meinte sie. &bdquo;Da kriegst du ein echtes Ballkleid, Handschuhe, eine Maske und was weiß ich noch alles.“

Keira warf ihr einen vernichtenden Blick zu. &bdquo;Wieso gehst du nicht mit, wenn du die Idee so toll findest?“

Nina schwieg. Bryn übernahm wieder.

&bdquo;Komm wenigstens wegen des tollen Essens mit“, meinte sie. &bdquo;Eine freie Mahlzeit. Sehr schickes Essen. Tanzen. Nimm es als eine gemeinsame Unternehmung von uns beiden Schwestern, die zufällig zwei Typen im Schlepptau haben, die später die Rechnung übernehmen sollen. Du musst ihnen ja nicht einmal deinen richtigen Namen nennen, wenn du nicht willst. Oder die Maske abnehmen. Könnte eine anonyme Nacht werden. Du denkst dir einfach eine neue Persönlichkeit aus.“

Keira lachte. &bdquo;Lass mich raten, du hast das schon mal so gemacht.“

Nina mischte sich wieder ein. &bdquo;Ich bitte dich, Schätzchen, jede hat das schon mal gemacht. Wenn du noch nie eine Verabredung hattest, bei der du dich als Agentin des FBI ausgegeben hast oder als reiche Erbin, dann hast du bisher nicht gelebt.“

Keira schaute kopfschüttelnd aus dem Fenster. Sie sah erneut die vielen Menschen in den Straßen. Einige Geschäfte hatten bereits Halloween-Deko in den Fenstern. Sie sah ein Grufti-Paar die Straße hinuntergehen. Die Frau trug ein schwarzes, spitzenbesetztes Kleid und einen passenden Schirm, den Mann führte sie an einer ledernen Leine mit sich. So etwas gab es nur in New York, musste sie schmunzelnd zugeben.

Man musste im Leben auch mal verrückte Sachen machen, ermahnte sie sich. Hatte sie sich das nicht erst heute Morgen selber eingeredet?

&bdquo;Na gut“, sagte sie schließlich resigniert und wandte sich wieder Bryn zu. &bdquo;Ich komme mit auf deinen Ball.“



*



Bryn hatte in einem Punkt auf jeden Fall recht gehabt, wie Keira später am Abend feststellte. Gino hatte sich mit der Deko mächtig ins Zeug gelegt. Das gesamte Restaurant sah aus wie eine gotische Burg, die Tische waren an den Rand geschoben worden, um in der Mitte Platz für die Tanzfläche zu schaffen. Durch die alte italienische Folkloremusik entstand eine gruselige Stimmung, die Kellner trugen Samtanzüge und natürlich trugen alle Masken.

Wäre sie nur mit ihrer Schwester unterwegs gewesen, hätte es ein toller Abend werden können. Aber leider mussten sie ihn auch mit Malcolm und dessen Freund Glen verbringen. Die beiden waren wahrscheinlich die mit Abstand langweiligsten Männer auf der ganzen Welt.

Keira schaufelte sich ihre Pasta rein und hatte Mühe, wach zu bleiben, während Glen in aller Ausführlichkeit seine Karriere in der Buchhaltung plante. Über die Arbeit zu reden, regte Keira sowieso schon auf, aber wenn es dann auch noch um so etwas Langweiliges ging, war sie mit ihrer Geduld am Ende. Zumal er nicht eine einzige Frage zu ihrem Job gestellt hatte.

Als das Gespräch etwas zum Erliegen kam, zuckte Keira hoch, als sei sie aus einer Trance erwacht.

&bdquo;Was machst du denn so in deiner Freizeit?“, fragte sie Glen, in der Hoffnung, er ließe sich von seinem langweiligen Job ablenken.

Glen brauchte ziemlich lange für die Antwort, was Keira als schlechtes Zeichen wertete. Wie konnte man denn nicht wissen, welche Hobbys man hatte? Oder was einem außer dem Job noch so Spaß machte?

&bdquo;Ich schaue mir Sport an“, sagte er schließlich.

&bdquo;Anschauen? Nicht spielen?“

Glen lachte. &bdquo;Himmel, nein. Ich will mich ja nicht verletzen. Ich bevorzuge die Rolle des Zuschauers.“

&bdquo;Das ist …“, Keira suchte nach den richtigen Worten. Das, was sie schließlich fand, war sicher genau das Gegenteil von dem, was sie eigentlich meinte. &bdquo;… interessant.“

&bdquo;Was ist denn mit dir?“, fragte Glen.

Es war das erste Mal, dass er ihr eine Frage stellte und Keira war fast ein wenig überrascht. &bdquo;Oh, nun, ich bin Journalistin und verbringe viel Zeit mit lesen“, fing sie an.

Glen unterbrach sie sofort. &bdquo;Ich lese auch. Vor allem das Wall Street Journal.“

Keira wurde bewusst, dass er ihr damit die Redezeit entrissen hatte. Sie ließ den Kopf hängen und widmete sich wieder ihrer Pasta. &bdquo;Cool.“

Bryn lehnte sich über den Tisch. &bdquo;Wir sprachen gerade über unsere Pläne. Was wir in fünf Jahren erreicht haben wollen. Was ist mit dir, Keira?“

Hätte Bryn sie das gestern gefragt, wäre ihre Antwort eindeutig gewesen. So viel Zeit wie nur möglich mit Shane zu verbringen. Gemeinsam ein Traumhaus zu kaufen. Vielleicht zu heiraten und Kinder zu kriegen. Aber der Traum war ausgeträumt.

Keira zuckte daher nur mit den Schultern. &bdquo;Ich reise gern. Ich möchte die Welt sehen. In fünf Jahren will ich wenigstens einmal auf jedem Kontinent gewesen sein.“

Bryn klatschte in die Hände. &bdquo;Das ist eine gute Antwort, Schwesterherz.“

Glen schnaubte verächtlich. &bdquo;Reisen wird heutzutage überbewertet. Man kann doch heutzutage alles online anschauen. Warum sollte man stundenlang eingepfercht in einer Aluminiumdose sitzen, um die halbe Welt fliegen, die Luft verpesten, wenn man sich das alles gemütlich von zu Hause aus anschauen kann? Die virtuelle Realität steckt jetzt noch in den Kinderschuhen, aber in den nächsten fünf Jahren wird sich das weiterentwickeln. Ein Gerät für fünfzig Dollar ersetzt dann einen vielfach so teuren Flug, der dann reine Geldverschwendung ist.“

Malcolm nickte zustimmend, er schien Glens Gedankengang überaus spannend zu finden. Bryn hingegen sah entsetzt aus und warf Keira einen entschuldigenden Blick zu. Keira erwiderte ihn mit einem vielsagenden Blick, als wollte sie sagen, sie hätte es ja gleich gesagt, wie furchtbar das enden würde.

&bdquo;Was ist denn dann mit dir, Glen?“, fragte Bryn, bemüht, das Gespräch am Laufen zu halten. &bdquo;Wenn du nicht gerne reist, wie sehen denn dann deine nächsten fünf Jahre aus?“

Alle schauten den Buchhalter an. Er knackte mit den Handknochen.

&bdquo;Ich habe alles ganz genau geplant“, sagte er selbstbewusst. Er hob den Zeigefinger zum Abzählen. &bdquo;Im ersten Jahr eine Frau.“ Er hob den zweiten Finger. &bdquo;Im nächsten Jahr unser Traumhaus in der Vorstadt.“ Es folgten Finger drei und vier. &bdquo;Zwei Kinder, im Abstand von achtzehn Monaten. Ein Junge, ein Mädchen.“ Schließlich hob er den Daumen. &bdquo;Und einen Hund.“

Keira seufzte schwer. Schon bevor sie Bryns Wohnung verlassen hatte, war ihr klar gewesen, dass sie hier und heute keine Romantik erleben würde. Aber ein winziges Fünkchen Hoffnung hatte sie dennoch gehabt. Die vage Hoffnung, dass es außer Shane noch andere Männer gab, der ihre Welt wie aus dem Nichts auf den Kopf stellen konnte.

Aber das hier war eine bittere Enttäuschung. Wie hatte sie nur so naiv sein können, daran auch nur zu glauben. Shane war eine absolute Ausnahme gewesen. Eins zu einer Million. Oder Milliarde. Das Date mit Glen hatte gerade ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt.

Sie würde niemals wieder eine solche Liebe finden.




KAPITEL DREI


Keira hatte keine Wahl, sie musste am nächsten Tag wieder im Büro erscheinen. Ein gebrochenes Herz war keine akzeptable Ausrede, nicht zur Arbeit zu gehen. Zwei Tage am Stück waren undenkbar. Außerdem wollte sie nicht noch einen weiteren Tag heulend in Coffeeshops verbringen. Noch weniger wollte sie von Bryn in einen weiteren ihrer dämlichen Pläne zur Ablenkung verwickelt werden. Das Date bei Gino hatte einen ziemlich faden Nachgeschmack hinterlassen.

Obwohl sie das Gefühl hatte, über ihr schwebe eine dunkelgraue Wolke, schaffte Keira es, sich anzuziehen und für den Tag fertigzumachen. Normalerweise gab es ihr ein gutes Gefühl, sich für die Arbeit zurechtzumachen. Aber heute fühlte es sich irgendwie unecht an, obwohl sie sich weniger geschäftsmäßig gekleidet hatte als üblich.

Als sie Bryns Wohnung verließ, sah sie, dass Nina ihr eine ermutigende Nachricht geschickt hatte.

Alle freuen sich darauf dich wiederzusehen.

Keira lächelte. Sie war froh, eine Freundin wie Nina zu haben. Trotz des Altersunterschieds zwischen ihnen, waren sie immer irgendwie im Einklang miteinander. Und Nina hatte eine so beeindruckende Karriere in der Branche gemacht, dass sie für Keira auch eine hervorragende Mentorin war.

Als Keira die Redaktion von Viatorum betrat, war sie erstaunt, wie sehr sich die Atmosphäre dort verändert hatte. Vorher war da immer ein Hauch von Panik spürbar, eine Art unsichtbarer Druck, der auf allen lastete. Wenn sie früher auch noch so gut gelaunt morgens reinkam, so ging sie abends doch immer müde, überlastet und erschöpft nach Hause.

Der Unterschied lang eindeutig darin, dass Joshua hier nicht mehr arbeitete. Dank Keira hatte Elliot in rausgeworfen. Es war unglaublich, welchen Unterschied das für die Arbeitsatmosphäre machte. Das Büro wirkte sogar gemütlicher, obwohl da noch immer dieselben kalten weißen Kacheln waren und das Echo nach wie vor durch das Großraumbüro hallte. Es gab nur einen optischen Unterschied, der Keira auffiel. Alle Türen, die zu den Besprechungsräumen und den kleineren Büros führten, standen offen. Sie konnte Elliots Assistentin Heather sehen, die in ihrem Büro an ihrem Computer saß und tippte. Im Konferenzraum besprachen sich ein paar Mitarbeiter und es sah so aus, als hätten sie Spaß dabei. Zu Joshuas Zeiten waren diese Türen immer alle zu gewesen, wie eine körperliche Barriere zwischen Angestellten und Vorgesetzten.

&bdquo;Keira ist da!“, rief jemand und alle Köpfe fuhren zu ihr herum.

Zu ihrer Überraschung begann jemand zu applaudieren.

Sie spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg, als immer mehr Leute sich von ihren Stühlen erhoben und in den Beifall einstimmten. Hatte sich Dorothy im Zauberer von Oz so gefühlt, nachdem sie die Hexe besiegt hatte? Immerhin hatte wegen ihr jemand seinen Job verloren, auch wenn er das wahrlich verdient hatte.

Nina kam zu ihr herüber und umarmte sie.

&bdquo;Du hast es geschafft“, sagte sie sanft. &bdquo;Ich sagte dir doch, alle freuen sich, dass du wieder da bist.“

Denise, eine der Nachwuchsautorinnen, mit der Keira bisher kaum mehr als zwei Worte gewechselt hatte, kam ebenfalls und umarmte sie. Keira war überrascht.

&bdquo;Oh, äh, hallo“, sagte sie verlegen.

&bdquo;Ich wollte mich nur bedanken“, sagte sie. &bdquo;Ich war kurz davor, wegen Joshua zu kündigen. Er gab mir das Gefühl, ich sei nutzlos, ich könnte nicht schreiben und hätte überhaupt kein Talent. Ich wollte den Journalismus an den Nagel hängen. Aber dank dir bin ich noch da und alles ist jetzt so unendlich viel besser als vorher.“

&bdquo;Gern geschehen“, sagte Keira und verspürte einen Hauch von Stolz. Sich gegen Joshua aufzulehnen war nicht leicht gewesen, aber es hatte sich gelohnt. Und es hatte mehr Leuten geholfen als ihr vorher bewusst gewesen war. Falls sie noch einen Rest von Schuldgefühlen hatte, lösten die sich in Luft auf angesichts der Wirkung, die ihr Handeln für alle hier hatte. Josh war ein erwachsener Mann und daher verantwortlich für sein Handeln. Niemand hatte ihn gezwungen, den Kollegen gegenüber wie ein Arschloch aufzuführen. Er hatte es sich nur sich selbst zuzuschreiben, dass er gefeuert worden war. Keira hatte das Ganze nur ausgelöst.

Zum ersten Mal seit Shane ihr das Herz gebrochen hatte, empfand Keira so etwas wie Zuversicht. Sie ging zu ihrem Schreibtisch, bereit, sich wieder in die Arbeit zu stürzen. Da konnte sie auf jeden Fall glänzen. Selbst wenn ihr Liebesleben mal wieder in Scherben lag, so hatte ihre Karriere wenigstens Fahrt aufgenommen und sie würde daraus das Beste machen.

Als sie an ihren Arbeitsplatz kam, fiel ihr auf, dass all ihre Sachen weg waren. Das gerahmte Foto von Bryn und ihrer Mutter, der kleine Kaktus, das gepunktete Mauspad, das sie zum Studienabschluss von Shelby geschenkt bekommen hatte, die Tasse in Katzenform, die ein Geschenk von Maxine im letzten Jahr gewesen war, alles weg. Sie hoffte inständig, dass man die ganzen Sachen nicht aus Versehen weggeworfen hatte. Es waren im Grunde wertlose kleine Dinge, aber sie bedeuteten ihr viel.

Sie schaute sich besorgt um. Dabei fiel ihr auf, dass Elliot direkt auf sie zukam.

Er blieb stehen, blickte auf sie herab und schüttelte ihr die Hand. &bdquo;Willkommen zurück. Ich habe veranlasst, dass du in das Eckbüro umziehst. Ich hoffe, das ist okay.“

Keira war vor allem erleichtert, dass ihre Sachen alle noch da waren. Dann sickerte langsam in ihr Bewusstsein, was Elliot da gesagt hatte.

&bdquo;Ich habe ein Büro?“, wiederholte sie ungläubig.

&bdquo;Selbstverständlich. Du bist jetzt eine Vorgesetzte. Alle Vorgesetzten haben ein eigenes Büro.“

Er bedeutete ihr, ihm zu folgen. Als Keira durch das Büro schritt, fing sie einen Blick von Nina auf, die ihr zuzwinkerte. Sie musste es wohl schon gewusst haben.

Sie blieben an der Tür zu einem kleinen Eckraum stehen. Keiras Name stand auf dem Schild neben dem Eingang. Ihre persönlichen Gegenstände waren auf dem Tisch angeordnet, wie sie es gewohnt war. Bloß hatte sie hier viel mehr Platz, der Raum wirkte so leer.

Keira fühlte sich leicht, als schwebe sie auf einer Wolke. Sie hatte noch nie ein eigenes Büro gehabt oder ihren Namen auf einem Türschild gelesen.

&bdquo;Ist das okay für dich?“, fragte Elliot.

&bdquo;Es ist großartig!“, rief Keira, trat ein und drehte sich um sich selbst. Der Raum war eigentlich nicht groß genug zum Tanzen, aber das interessierte Keira gerade gar nicht.

&bdquo;Wir haben inzwischen eine Regelung getroffen, dass die Türen immer auf sind“, sagte Elliot. Es sei denn, du hast eine Besprechung oder ein Telefonat. Wir haben das mehrheitlich beschlossen, während du weg warst.“

Keira schaute ihn überrascht aber auch zufrieden an.

Sie konnte sich nicht einmal vorstellen, wie eine solche Abstimmung bei Viatorum aussehen mochte. Joshua hatte immer nur Anweisungen gebrüllt und alle hielten sich dran. Wenn er einen an einem Feiertag ins Büro bestellt hatte, egal, ob Hanukkah, Weihnachten, das Opferfest, oder was man sonst so feiern konnte, dann hatte man zu erscheinen. Oder man war sofort gefeuert. Es machte Keira sehr glücklich, dass auch die Nachwuchsschreiber endlich mitreden durften.

&bdquo;Hast du Lance schon kennengelernt?“, fragte Elliot.

&bdquo;Lance? Nein. Ist das ein neuer Nachwuchsautor?“

Elliot lachte. &bdquo;Er ist dein neuer Boss“, sagte er.

&bdquo;Oh.“ Keira runzelte die Stirn. &bdquo;Ich dachte, du bist mein neuer Boss.“

Der Gedanke, jemand anderes würde nun das Sagen haben, beunruhigte Keira. Was, wenn der sich als ein neuer Joshua entpuppte? Was, wenn ihre kreativen Visionen nicht zusammenpassten?

Elliot schüttelte den Kopf. &bdquo;Ich kann ja nicht rund um die Uhr hier sein. Mal abgesehen von seinen Schwächen war Joshua aber sehr engagiert. Ich brauche jemanden, der die Stellung hält, wenn ich nicht da bin. Daher habe ich Lance eingestellt. Aber mach dir keine Sorgen, er wird dir gefallen. Er ist das genaue Gegenteil von Joshua, ich verspreche es.“

Sie folgte Elliot aus dem Zimmer in den Konferenzraum, wo besagter Lance bereits auf sie wartete. Elliot hatte recht, er war so ganz anders als Joshua, zumindest rein optisch. Er war ein kleiner, stämmiger Mann, in einem alten, schlecht sitzenden Anzug und ungekämmt. Als er Keira eintreten sah, grinste er breit. Keira hatte immer vermutet, dass Joshuas Gesichtsmuskeln dazu gar nicht in der Lage waren. Lance streckte ihr seine Hand hin und sie schüttelte sie.

&bdquo;Du bist also der Star von Viatorum“, sagte Lance. &bdquo;Die Heldin Keira Swanson.“

Keira kicherte verlegen. &bdquo;So weit würde ich jetzt nicht gehen.“

&bdquo;Ich schon“, meinte Lance und nahm wieder Platz. Mit einer Geste bat er Keira und Elliot, das ebenfalls zu tun. &bdquo;Ich habe deine bisherigen Artikel gelesen und muss sagen, dass du wirklich Talent hast.“

&bdquo;Danke“, sagte Keira und wurde rot.

Sie war es nicht gewohnt, Komplimente zu bekommen. Elliot war sehr sparsam damit, Joshua hatte so etwas gar nicht gekannt. Sie wusste gar nicht, wie sie damit umgehen sollte, wie man darauf antwortete, ohne arrogant zu wirken.

Sie schaute zu Elliot hinüber, als sie sich neben ihn setzte. Er erwiderte ihren Blick, als wollte er sagen, habe ich dir doch gleich gesagt, er ist anders.

&bdquo;Kommen wir also direkt zu den Aufträgen“, sagte Lance und klatschte in die Hände. &bdquo;Elliot hat den dicksten Batzen schon verteilt.“ Er rieb sich die Hände und grinste erwartungsvoll. &bdquo;Das wird ein harter Wettbewerb.“ Dann sprang er auf und rannte zur Tür. Mit fröhlicher Stimme rief er laut: &bdquo;Aufträge sind zu vergeben, Jungs und Mädels!“

Es gab hektisches Stühle rücken, als sich alle eilig auf den Weg in den Konferenzraum machten. Keira hatte plötzlich das Gefühl, neben sich zu stehen. Alles war auf einmal so anders. Es war immer noch hektisch und man konkurrierte immer noch im die Aufträge, aber alles fühlte sich so anders an als mit Joshua.

Als die anderen Autoren in den Raum traten, konnte Keira ihren Eifer und den Hunger nach Herausforderungen geradezu spüren. Früher war das alles unter Selbstzweifeln begraben gewesen. Ohne Joshua, der sie nur niedermachte, dafür mit Lance, der freundlich und ermutigend war, konnten die anderen Autoren bei Viatorum aufblühen und zu sich selbst finden. Keira stellte überrascht fest, dass dadurch die Konkurrenz in der Redaktion nur noch schärfer geworden war.

&bdquo;Einer von euch wird heute den besten Auftrag absahnen, den wir je hatten“, sagte Lance und grinste breit. &bdquo;Drei Woche lang durch Italien reisen. Ich rede von Florenz, der Toskana, Verona, Capri.“

Der ganze Raum schien vor Aufregung zu summen wie ein Bienenstock.

Keira rutschte auf ihrem Stuhl hin und her. Sie wollte diesen Auftrag unbedingt. Allein die Vorstellung, nach Italien zu reisen, war so unglaublich aufregend; echte Pizza zu essen, Pasta, Eis. Und nicht nur eine Kopie davon, wie sie bei Gino auf der Karte stand.

Dieser Auftrag war wie für sie gemacht. Sie war die einzige hier, die mit einem solchen Auftrag schon Erfahrung hatte. Aber natürlich wollten alle diesen Auftrag. Sie hatte sich zu sehr in Sicherheit gewähnt, mit all dem Applaus und dem eigenen Büro. Wie es aussah, hatte sich doch nicht alles geändert. Es würde ein harter Kampf werden und sie war bereit.

&bdquo;Also“, begann Lance und faltete die Hände vor sich auf dem Tisch. &bdquo;Wer von euch ist im Rennen?“

Keira hob sofort die Hand.

Die Zeiten, in denen sie darauf gewartet hatte, dass eine gute Gelegenheit ihr einfach in den Schoß fallen würde, waren unwiderruflich vorbei. Sie war hungrig nach Erfolg und würde sich diese einmalige Chance nicht durch die Lappen gehen lassen. Außerdem konnte sie die Reise wirklich gut gebrauchen, um sich von Shane abzulenken.

Zu ihrem größten Erstaunen fiel ihr auf, dass außer ihr niemand die Hand gehoben hatte. Verwirrt schaute Keira alle der Reihe nach an und stellte fest, dass ohnehin aller Augen auf sie gerichtet waren. Und alle lächelten.

&bdquo;Was ist hier los?“, fragte sie und nahm die Hand wieder runter.

Lance lachte fröhlich auf. &bdquo;Er gehört dir!“, rief er. &bdquo;Offensichtlich. Wir haben uns nur einen Spaß mit dir erlaubt.“

Alle begannen zu kichern. Keira schaute sich um, vollkommen irritiert. Seit wann wurden bei Viatorum solche Scherze gemacht?

&bdquo;Du meinst, du hattest sowieso vor, mir den Auftrag zu geben?“, fragte sie.

&bdquo;Ja!“, antwortete Lance, noch immer herzhaft lachend.

Zu Keiras größtem Erstaunen schienen alle anderen damit kein Problem zu haben. Sie freuten sich für sie. Es gab keinen Neid mehr, keine Rücksichtslosigkeit.

&bdquo;Die Anderen haben auch alle großartige Aufträge“, erklärte Lance. &bdquo;Mach dir deswegen keine Sorgen. Ich mag solches Gerangel nicht. Jeder hat seine Stärken. Und deine ist es, nach Übersee zu reisen und großartige Artikel zu schreiben.“

Keira hatte das Bedürfnis, sich zu kneifen. War das alles ein Traum? Lag sie noch immer schlafend auf Bryns Couch und träumte davon, wie der erste Arbeitstag wohl sein würde?

Aber nein, das hier war real. Ohne Joshua hatte sich Viatorum in ihren Traumjob verwandelt. Und sie hatte gerade einen traumhaften Auftrag bekommen.

&bdquo;Das ist unsere Art, danke zu sagen“, bemerkte Denise. &bdquo;Dafür, dass wir Joshua los sind.“

Keira lachte begeistert. Sie war sehr aufgeregt wegen des neuen Auftrags. Aber sie war auch ziemlich nervös. Vielleicht lag es daran, dass Joshua ihr das eingeimpft hatte. Oder es war Teil ihrer Persönlichkeit. Auf jeden Fall brachte ein neuer Auftrag für sie immer auch Nervosität und Selbstzweifel mit sich. Tief in ihr drin wusste sie nicht, ob sie dem gewachsen war, zumal die Sache mit Shane noch schwer auf ihr lastete. Aber sie wusste natürlich, dass sie das nicht ablehnen konnte. Alle schauten sie so erwartungsvoll an. Sie musste quasi zurück in den Sattel.

&bdquo;Wie wird der Artikel heißen?“, fragte sie, bemüht, sich auf die vor ihr liegende Aufgabe zu konzentrieren und nicht länger an Shane zu denken.

&bdquo;Das Land der Liebe“, sagte Lance und machte eine dramatische Geste.

&bdquo;Wieder ein Artikel über die Liebe?“, fragte Keira schockiert.

&bdquo;Natürlich!“, rief Lance. &bdquo;Genau da liegt dein Talent, Keira. Dein letzter Artikel war beeindruckend.“

&bdquo;Aber nur, weil ich mich verliebt hatte“, sagte sie.

Lance nickte eifrig. &bdquo;Genau. Das war toll. Das will ich wieder sehen. Also schicken wir dich an die romantischsten Orte überhaupt. Ich möchte, dass du dich mit dein Einheimischen unterhältst und ihr Geheimnis herausfindest. Was wissen die Italiener über die wahre Liebe? Wieso gilt Italien als so romantisch? Welche Geheimnisse der Romantik verbergen sich da?“

Er grinste breit und ermutigend. Aber bei Keira setzte Panik ein.

Wie sollte sie über die Liebe schreiben, wenn ihr Herz in tausend Stücke zersprungen war? In Irland hatte sie mit dem Auftrag zu kämpfen gehabt, weil sie naiv, dumm und unerfahren gewesen war. Dieses Mal war sie verbittert und ausgelaugt. Das würde niemals funktionieren.

&bdquo;Können wir über den Titel noch mal reden?“, stammelte sie. &bdquo;Um vielleicht den Blickwinkel zu ändern? Ich möchte nicht auf die Rolle der Liebesautorin festgelegt werden.“

Lance blickte sie amüsiert an. &bdquo;Aber genau das bist du doch, Keira. Der Guru für Romantik. Das wollen die Leute von dir lesen. Das ist dein Erfolgsgarant. Dein Alleinstellungsmerkmal.“

Sie konnte es nicht fassen.

Aber welche Wahl hatte sie denn? Lance hatte sich für sie richtig ins Zeug gelegt, damit sie diesen tollen Auftrag bekam. Sie hatte keine andere Wahl als ihn anzunehmen. Alle wollten, dass sie das tat und ihre Karriere hing davon ab. Sie musste sich irgendwie durchmogeln.

Andererseits musste sie das vielleicht gar nicht. Möglicherweise lernte sie ja jemanden kennen. Nicht einen neuen Shane, nicht jemanden, in den sie sich Hals über Kopf verliebte, aber einen leidenschaftlichen Italiener für eine stürmische Affäre. Ohne Verantwortung, keine Liebe, nur Lust.

Sie lächelte in sich hinein. Vielleicht war das ein geeignetes Gegenmittel für ein gebrochenes Herz. Die Liebe war derzeit das letzte, woran sie dachte, aber ein Flirt mit einem heißblütigen Italiener war genau das, was sie brauchte, um über Shane hinwegzukommen.

Sie schaute Lance an und hob eine Augenbraue.

&bdquo;Danke“, sagte sie. &bdquo;Wann reise ich ab?“





KAPITEL VIER


&bdquo;Morgen schon?“, rief Bryn und hockte sich auf die Armlehne des Sofas.

Keira nickte und wuselte durch die kleine Wohnung, sammelte ihre Sachen ein und warf sie in ihren Koffer. Sie war ganz hibbelig vor Aufregung.

&bdquo;Kannst du dir das vorstellen? Du hast deine Wohnung drei ganze Wochen für dich allein.“

&bdquo;Aber du verpasst Halloween“, jammerte Bryn. &bdquo;Malcolm und Glen wollten uns auf eine Party mitnehmen.“

Keira rollte mit den Augen. &bdquo;Wie bedauerlich“, sagte sie voller Sarkasmus.

Es klingelte an der Tür. Bryn ging hin, um die Gegensprechanlage zu benutzen. Dann schaute sie über ihre Schulter zu Keira, ihr Blick verfinsterte sich. &bdquo;Warum stehen Shelby und Maxine vor meiner Tür?“

Maxine und Shelby waren Keiras älteste Freundinnen, die sie auf dem College kennengelernt hatte. Bryn konnte die beiden nicht leiden, allerdings verstand Keira nicht, wieso. Vermutlich steckte Eifersucht dahinter.

&bdquo;Das hatte ich total vergessen“, keuchte Keira. &bdquo;Ich habe die beiden schon vor Ewigkeiten zu einem Drink eingeladen. Ich wollte die beiden sehen, bevor Shane meine ganze Zeit in Anspruch nehmen würde. Ist das okay?“

&bdquo;Ich habe ja offensichtlich keine Wahl“, antwortete Bryn schnippisch. &bdquo;Ist halt schade. Wir beide hätten uns einen echt netten Abend zu zweit machen können, bevor du so lange weg bist.“

&bdquo;Tut mir leid“, sagte Keira schulterzuckend. &bdquo;Ich wusste ja nicht, dass dies mein letzter Abend hier sein würde, als ich mich mit ihnen verabredete. Ich war davon ausgegangen, dass du ein Date mit irgendeinem Typen hast, wie fast jeden Abend.“

Es klopfte an der Tür und Bryn stand schnaubend auf, um zu öffnen. Kurz darauf hörte Keira die fröhlichen Stimmen von Maxine und Shelby. Sie eilte zur Tür und schaute ihre Freundinnen an, die zarte Shelby mit ihren langen, weißblonden Haaren und die super sportliche Maxine mit den kurzen schwarzen Locken und der dunklen Haut.

&bdquo;Keira!“, riefen sie und nahmen sie stürmisch in den Arm.

&bdquo;Wir haben uns ewig nicht gesehen“, sagte Maxine in ihr Ohr.

&bdquo;Ich war mir sicher, du würdest nie wieder nach New York zurückkehren“, fügte Shelby ins andere Ohr hinzu.

Keira zog sich ein Stück zurück. &bdquo;Ich weiß, es tut mir leid. Alles ging irgendwie so schnell. Die Reise nach Irland, das Ende mit Zach, der Auszug aus der Wohnung. Ich hatte kaum Zeit, meine eigenen Gedanken zu sortieren.“

Bryn, die noch immer die Tür aufhielt, fügte spitz hinzu: &bdquo;Es blieb nur Zeit für die Familie, ihr versteht das sicher.“

&bdquo;Klar“, meinte Maxine mit einem erzwungenen Lächeln.

Keira zog ihre Freundinnen hinein in die Wohnung. &bdquo;Kommt, wir trinken etwas. Und dann reden wir.“

&bdquo;Und du packst“, fügte Bryn mit besonders erwachsenem Ton hinzu.

Sie gingen hinein und plapperten alle gleichzeitig. Bryn öffnete widerwillig eine Flasche Wein für sie alle und setzte sich dann schmollend an die Küchenzeile. Sie reichte jeder ein Glas, konnte sich aber eine finstere Miene nicht verkneifen.

&bdquo;Du reist also nach Italien?“, fragte Shelby und grinste aufgeregt. &bdquo;Für wie lange?“

&bdquo;Drei Wochen.“ Keira faltete ihre Kleidung und verstaute sie im Koffer. &bdquo;Das ist in der Redaktion aktuell mein Fachgebiet. Ich reise nach Übersee und schreibe über die Liebe. Sie nennen mich den Guru für Romantik.“

Shelby und Maxine tauschten einen Blick, den Keira sofort verstand.

&bdquo;Ich weiß, ich bin ganz schlecht in Beziehungen. Zwei Trennungen in zwei Monaten, ich weiß. Aber ich kann ja so tun als ob.“

&bdquo;Du meinst lügen?“, fragte Maxine lachend.

&bdquo;Wenn es sein muss.“ Keira erinnerte sich daran, wie sehr sie mit dem letzten Artikel gerungen hatte. Damals war sie zynisch gewesen und hatte sich dagegen gewehrt, sich in Irland zu verlieben, und darüber hinaus auch in Shane. Jetzt musste sie die Sache genau anders herum angehen. Sie sollte hoffnungslos romantisch sein und sich der Liebe und der Leidenschaft ganz einfach hingeben. Sie fühlte sich wahrlich nicht danach.

&bdquo;Du musst dich einfach in einen heißen Italiener vergucken“, fügte Shelby hinzu.

Keira schmunzelte. &bdquo;Wäre doch nett, oder?“ Allerdings hatte sie das Gefühl, eine Nonne im Kloster hätte größere Chancen auf eine leidenschaftliche Affäre als sie derzeit.

&bdquo;Du wirst Halloween verpassen“, meinte Maxine niedergeschlagen.

&bdquo;Ich weiß, es ist ein Jammer“, gab Keira zu. &bdquo;Das ist mein liebster Feiertag. Aber in Italien feiert man auch so etwas. Sogar vier Tage lang, glaube ich. Totensonntag, Allerseelen, Allerheiligen. Das ist eine große Sache. Eine Riesenparty.“

Shelby verschränkte spöttisch die Arme vor der Brust. &bdquo;Du meinst also, dein Halloween wird um Längen besser als unseres?“

&bdquo;Nein“, antwortete Keira lachend. &bdquo;Na, vielleicht.“

Alle lachten, außer Bryn natürlich. Sie starrte in ihr Weinglas und schmollte.

&bdquo;Wie dem auch sei“, sagte Keira, &bdquo;wir können ja dann Thanksgiving zusammen feiern. Bis dahin bin ich längst zurück.“

Bryns Kopf ruckte hoch. &bdquo;Wir verbringen Thanksgiving dieses Jahr bei unserer Mutter, vergiss das nicht. Nur wir drei.“

&bdquo;Zum Essen“, wandte Keira ein. Sie verlor langsam die Geduld mit ihrer Schwester. &bdquo;Den Rest des Tages darf ich aber mit meinen Freundinnen verbringen, oder?“

&bdquo;Natürlich kannst du das“, maulte Bryn. Sie starrte wieder in ihr Glas.

Maxine hob fragend die Augenbrauen. Sie und Shelby waren Bryns Herumzickerei gewohnt, aber Keira verstand nicht, warum Bryn so besitzergreifend war. Sie hatte doch wohl das Recht auf andere Menschen in ihrem Leben. Bryn war selber sehr unabhängig und hatte ständig Freunde und Liebhaber, war permanent unterwegs, von einem Ereignis zum nächsten. Aber sobald Keira Zeit mit jemand anderem verbringen wollte, stellte sie sich an. Manchmal hatte Keira schon das Gefühl, sie sei die ältere der beiden. Bryn konnte sich manchmal wie eine verwöhnte Zicke aufführen.

&bdquo;Thanksgiving ist noch so weit weg“, meinte Shelby.

&bdquo;Ich weiß“, antwortete Keira. &bdquo;Ich habe auch das Gefühl, kaum in New York angekommen zu sein. Es ist, als ob ich nur auf Urlaub hier gewesen wäre. Ich dachte, ich hätte mehr Zeit, um mit allem auf den neuesten Stand zu kommen. Ich habe noch nicht mal eine neue Wohnung gefunden.“

&bdquo;Wo wir gerade von Wohnungen reden …“, sagte Bryn.

Sie schaute auf Keiras Handy, das auf dem Schrank lag. Der Bildschirm war erleuchtet, gerade war eine Nachricht eingetroffen. Zachs Name stand gut lesbar im Display.

&bdquo;Wehe, das ist nicht wegen der Kaution, die er mir schuldet“, sagte Keira.

Shelby und Maxine tauschten einen schuldbewussten Blick und Keira bekam das unbestimmte Gefühl, die beiden hätten etwas zu verbergen.

&bdquo;Was ist los?“, frage sie energisch.

Sie hatte von Überraschungen die Nase gestrichen voll.

Shelby gab schließlich alles zu. &bdquo;Ich könnte mir vorstellen, dass es mit Julia zu tun hat. Sie haben sich getrennt.“

Keira hob überrascht eine Augenbraue. &bdquo;Haben sie?“ Diese Affäre war der Grund für ihre Trennung gewesen und hatte nur ein paar Wochen angehalten?

Sie nahm das Telefon und las Zachs Nachricht. Shelbys Vermutung wurde bestätigt.

Hallo Keira. Lange nichts voneinander gehört. Ich wollte dir nur mitteilen, dass ich mich von Julia getrennt habe, bevor du es durch die Gerüchteküche hörst. Hat einfach nicht gepasst mir ihr. Frage mich, ob du Lust auf einen Drink hast? Heute? Morgen? Lass es mich wissen. X

&bdquo;Was für ein arroganter Drecksack“, murmelte Keira.

&bdquo;Was hat er denn geschrieben?“, fragte Maxine.

&bdquo;Nichts darüber, dass er meine Kaution als Geisel genommen hat“, meinte Keira angewidert. &bdquo;Er will mich auf einen Drink treffen.“

Bryn fiel die Kinnlade runter. &bdquo;Das machst du doch wohl nicht, oder?“

Keira schaute sie schockiert an. &bdquo;Natürlich nicht. Es sei denn, es ist die einzige Möglichkeit, an mein Geld zu kommen.“

Bryn schüttelte tadelnd den Kopf. &bdquo;Wenn er dich erpresst, damit du mit ihm ausgehst, dann kriegt er es mit mir zu tun.“

Shelby schaute sie irritiert an. &bdquo;Er erpresst sie doch nicht, übertreib doch nicht so.“

Bryn sah beleidigt aus. &bdquo;Entschuldige mal, wessen Freunde seid ihr doch gleich? Seine oder Keiras?“

&bdquo;Beides“, antwortete Shelby und verschränkte die Arme.

Bryn sah unbeeindruckt aus. &bdquo;Obwohl er fremdgegangen ist?“

&bdquo;Leute!“, rief Keira. Sie hatte keinen Bock auf Rumgezicke. Sie starrte noch immer auf ihr Handy.

Bryn nahm es ihr aus der Hand.

&bdquo;Denk nicht mal dran“, sagte sie streng.

&bdquo;Tue ich ja gar nicht!“, rief Keira empört.

Aber Bryn hatte recht. Ein winziger Teil von ihr hatte darüber nachgedacht. Trotz all seiner Fehler hatte Zach sie gern gehabt. Sie waren zwei Jahre zusammen gewesen, hatten zusammen gewohnt. Er war verlässlich gewesen. Und vertraut. Bloß die Tatsache, dass für sie die Karriere vor der Beziehung kam, hatte alles zunichte gemacht. Hatte einen Keil zwischen sie getrieben und ihn in die Arme von Julia.

Bryn schaute sie finster an und ließ das Handy über ihrem Weinglas baumeln.

&bdquo;Bring mich nicht dazu“, sagte sie.

Aus dem Augenwinkel konnte Keira sehen, dass Shelby und Maxine über Bryns dramatische Vorstellung den Kopf schüttelten.

Sie seufzte laut. &bdquo;Okay, okay. Ich werde mich nicht mit ihm treffen. Ist es das, was du hören willst?“

Bryn nickte zufrieden und gab ihrer Schwester das Handy zurück.

&bdquo;Jetzt löschst du die Nachricht und dann Zachs Kontaktdaten.“

Keira atmete geräuschvoll aus.

&bdquo;Das ist lächerlich“, murmelte Shelby.

Keira blickte auf das Handy und Zachs Daten. Seit Jahren waren die da gespeichert. Sie konnte das nicht einfach löschen, als habe es ihn nie gegeben.

Aber sie musste zugeben, dass Bryn durchaus recht hatte, auch wenn sie mal wieder zu sehr dramatisierte. Sich mit Zach wieder zu treffen, wäre ein Schritt zurück. Keiras Leben hatte sich in kürzester Zeit so sehr verändert, dass Zach darin wie ein Rückschritt wirkte. Sie musste nach vorn schauen. Sie musste Zach hinter sich lassen und Shane ebenfalls. Sie musste endlich lernen auf eigenen Füßen zu stehen und ihre Unabhängigkeit zu erlangen.

Entschlossen löschte sie die Kontaktdaten, sah, wie sein Name vom Display verschwand. Es fühlte sich gut an, machte sie stark. Wenn sie es jetzt noch über sich brachte, auch Shanes Daten zu löschen, dann hatte sie es geschafft. Aber dafür war der Schmerz noch zu frisch.

Keira schaute ihre Schwester an.

&bdquo;Glücklich?“

Bryn grinste. &bdquo;Sicher. Ich bin immer glücklich, wenn ich gewinne. Und ich sorge dafür, dass ich immer gewinne“, fügte sie verschlagen hinzu.

Shelby stöhnte auf. Maxine vergrub ihr Gesicht in den Händen und schüttelte theatralisch mit dem Kopf. Keira lachte einfach, glücklich und erleichtert, dass sie einen weiteren Schritt nach vorne in ihrem Leben gemacht hatte.




KAPITEL FÜNF


Keira musste schnell feststellen, dass es gar nicht so leicht war, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Und es würde weit mehr dazu gehören, als nur ein paar Kontaktdaten vom Handy zu löschen. Denn sobald sie am nächsten Morgen auf dem Weg zum Flughafen war, wurde sie von Erinnerungen an Shane und an Irland eingeholt.

Sie wurde geradezu von Nostalgie überwältigt, als sie durch die Flughafenhalle ging. Als sie ihren Bordpass überreichte, erinnerte sie sich lebhaft an all die Gefühle, die sie beim letzten Mal überkommen hatten, die Anspannung, gemischt mit Aufregung und Hoffnung. Das war noch gar nicht lange her, aber dennoch hatte sie das Gefühl, ein vollkommen anderer Mensch zu sein, trauriger und verbitterter.

Sie ging an Bord und suchte sich ihren Platz. Zum Glück saß sie am Fenster, was ihr als willkommene Ausrede diente, um nicht mit dem Passagier neben ihr ins Gespräch kommen zu müssen. Sie war nicht in der Stimmung für Geplauder. Dummerweise war der Mann aber sehr wohl in der Stimmung dafür. Sie waren gerade erst in der Luft, als er sich schon zu ihr herüber beugte und anfing zu reden.

&bdquo;Garrett heiße ich. Waren Sie schon mal in Neapel?“, fragte er und grinste gut gelaunt.

Er war ein Mann mittleren Alters, mit dem Ansatz einer Glatze. Offenbar reiste er allein. Keira bemerkte, dass er keinen Ehering trug, aber ein schmaler Streifen blasser Haut verriet, dass das erst seit kurzem der Fall war. Frisch geschieden, vermutete sie und stöhnte innerlich. Das würden verdammt lange acht Stunden.

&bdquo;Nein“, antwortete sie knapp.

&bdquo;Warum fliegen Sie heute hin? Geschäftlich oder Vergnügen?“

Keira sank tiefer in ihren Sitz. &bdquo;Geschäftlich“, antwortete sie. &bdquo;Ich …“

Sie hielt inne und erinnerte sich daran, was Bryn und Nina ihr im Coffeeshop geraten hatten. Eine falsche Identität anzunehmen. Das war jetzt genau das Richtige. Und vielleicht sogar unterhaltsam. &bdquo;Ich bin Weinkennerin“, sagte sie. &bdquo;Die Beste in der Branche. Ich bin auf dem Weg nach Italien, um ein paar besondere Flaschen aufzuspüren.“

Garrett hob überrascht die Augenbrauen. &bdquo;Das klingt nach einer Menge Spaß. Jedenfalls deutlich unterhaltsamer als mein eigener verdammter Job.“

&bdquo;Ach ja? Was machen Sie denn?“

&bdquo;Ich bin in der Buchhaltung“, antwortete er. &bdquo;Nun, nicht direkt. Es ist etwas kompliziert zu erklären. Sagen wir einfach, ich bin der Buchhalter für die Buchhalter. Macht das irgendwie Sinn?“

Keira krümmte sich innerlich.

&bdquo;Ja“, sagte sie laut.

Wie passend, dass sie ausgerechnet neben einem Buchhalter saß. Als ob das Schicksal ihr ein Zeichen geben wollte, die Suche nach Mr. Right aufzugeben und sich stattdessen mit Herrn Bilanz zufriedenzugeben.

&bdquo;Ich nehme an, du legst keinen Wert darauf, mein Gejammer über meinen Job zu hören“, fügte er Mann hinzu. &bdquo;Deiner klingt aber spannend. Wie bist du dazu gekommen?“

&bdquo;Ja, er ist spannend“, behauptete Keira. Sie war erstaunt, wie leicht es ihr fiel zu lügen und wie viel Spaß es außerdem machte. &bdquo;Mein Vater war Weinimporteur“, sagte sie. &bdquo;Er liebte seinen Job wirklich sehr, ich bin sogar auf einem Weingut gezeugt worden.“

Sie fühlte sich großartig, als ihr diese Lüge so leicht über die Lippen kam. Sie kam jetzt erst richtig in Fahrt. Ihr eigener Vater hatte sich verdrückt, als sie noch ganz klein war und spielte in ihrem Leben keine Rolle, daher war es leicht, ihn neu zu erfinden. Außerdem kam ihr diese Schönfärberei gerade recht. Immerhin würde sie für den Auftrag auch lügen und so tun müssen, als glaube sie immer noch an die Liebe.

&bdquo;Ach du meine Güte“, sagte der Mann neben ihr.

&bdquo;Ich weiß. Er hat auch da geheiratet. Aber leider ist er auch auf demselben Weingut gestorben.“ Sie seufzte theatralisch. &bdquo;Da war es naheliegend, ihn auch da zu beerdigen.“

Keira entging nicht, dass der Mann ein Stück weit von ihr abrückte. Er verlor offenbar das Interesse, mit ihr zu reden, da sie das Gespräch in Richtung Tod gedreht hatte. Sie musste innerlich lachen und versuchte, ihn für den Film, der gezeigt wurde, zu interessieren.

Das Flugzeug stieg immer höher, bald würden sie die Wolken weit unter sich lassen.

Da sie nun endlich etwas Ruhe und Frieden hatte, holte Keira den Terminplan hervor, den Heather ihr zusammengestellt hatte. Und wieder kamen damit auch die Erinnerungen an den letzten Auftrag zurück. Heather hatte hatte dieselbe Schrift, dasselbe Layout benutzt, mit denselben Überschriften. In dem einen Monat in Irland, hatte Keira das Ding komplett zerlegt, Guinness darüber gekippt und es mit Fett vom herzhaften irischen Frühstück beschmiert, welches sie mit Shane gegessen hatte. Es war unwahrscheinlich, dass ihr das dieses Mal wieder passieren würde. Schon jetzt war sie sich darüber bewusst, wie anders sich alles anfühlte bei diesem neuen Auftrag. Sie fühlte sich älter, abgestumpfter.

Und dann las sie auch noch dieses Wort auf dem Terminplan, das ihr das Herz in die Hose sacken ließ: Tourguide.

Natürlich würde sie einen ortskundigen Begleiter für die Reise haben, das hätte ihr doch klar sein müssen. Nur weil sie sich beim letzten Mal Hals über Kopf in den verliebt hatte, um sich anschließend von ihm das Herz brechen zu lassen, bedeutete das nicht, dass es dieses Mal keinen geben würde. Irgendwie fühlte sie sich bei dem Gedanken unbehaglich. Lag es daran, was beim letzten Mal geschehen war? Oder hatte sie etwa ein Fünkchen Hoffnung, dass es gar wieder geschehen könnte?

Sie schüttelte diese Gedanken ab und konzentrierte sich auf ihre Reiseziele. Sie würde in Neapel landen und dort eine Nacht verbringen, anschließend ging es per Zug weiter an die Amalfiküste. Dann die Fähre nach Capri. Eine Fahrt mit der Gondel zu einem Ort namens Blaue Grotte. Rom. Der Vatikan.

Wäre es eine Urlaubsreise, hätte Keira an diesem Terminplan ihre helle Freude. Sie betrachtete auf ihrem Tablet die Bilder der Orte, die sie besichtigen würde und alles sah atemberaubend aus. Perfekt für einen romantischen Urlaub. Aber genau da lag das Problem. Sie würde diese wunderbaren Orte besuchen, in dem romantischsten Land der Welt, aber eben ohne Shane.

Und um alles noch schlimmer zu machen, sollte sie über etwas schreiben, was sie nicht mehr empfand. Sie würde sich Tag für Tag der geballten Dröhnung Romantik aussetzen, Salz in ihre Wunden reiben, alles mit dem Wissen, ihre wahre Liebe verloren zu haben. Das war einfach nicht fair. Ausgleichende Ungerechtigkeit. Sie konnte sich einfach nicht über diese Reise freuen.

Da sie spürte, wie sie in eine depressive Stimmung verfiel, rief sie nach dem Service und bestellte einen Drink. Dann steckte sie ihre Arbeitsmappe wieder weg und warf einen Blick auf ihre sozialen Netzwerke. Damit konnte sie sich immer prima ablenken.

Man brachte ihr den Drink und sie nippte daran, während sie sich durch zahllose Katzenbilder auf Instagram scrollte, Bryns Fotos von dem katastrophalen Date bei Gino und Maxines letzten Marathon, den sie zu wohltätigen Zwecken gelaufen war. Dann bemerkte sie, dass Shelby auch etwas gepostet hatte, das mehrere tausend Mal angeklickt worden war. Es war einfach nur ein Foto ihrer Hand, mit einem Ring auf dem Ringfinger daran.

&bdquo;Wie bitte?“, rief Keira aus und verschüttete dabei beinahe ihren Drink.

Neben ihr rührte sich Garrett und schaute sie irritiert an. &bdquo;Ist alles in Ordnung?“

Keira winkte ab. Sie konnte nicht glauben, was sie da sah. Shelby hatte mit keiner Silbe erwähnt, dass eine Hochzeit bevorstand. Sie sprach dermaßen selten über ihren Lebensgefährten David, dass Keira schon manchmal den Verdacht gehabt hatte, die beiden hätten sich heimlich getrennt. Wie man sich doch täuschen konnte!

Die beiden waren seit dem College zusammen, also schon seit gut sieben Jahren. Da war eine Hochzeit durchaus naheliegend. Und dennoch versetzte es Keira einen Stich.

Sie rief noch einmal nach dem Service und bestellte einen weiteren Drink.

Sie brauchte etwas, um ihre Nerven zu beruhigen. Der Mann neben ihr schaute misstrauisch herüber. Keira blickte ihn kühl an und er wandte sich wieder dem Film zu, während er so tat, als habe er überhaupt nicht versucht, einen Blick auf ihr Handy zu werfen.

Sie schickte schnell ein paar Glückwünsche an Shelby und David, auch wenn ihr nicht nach feiern zumute war. Sie wollte nicht verbittert sein. Sie wollte sich vielmehr für ihre alte Studienfreundin freuen. Aber sie fühlte sich einfach zu elend, das Herz war ihr schwer.

Sie warf einen Blick auf ihr Handy und fragte sich, ob Shane wohl überhaupt noch versuchen würde, in Kontakt zu bleiben. Sie hatten vor wenigen Tagen das letzte Mal miteinander gesprochen und seither war Funkstille. Er hatte behauptet, sie könnten ja Freunde bleiben, aber das war wohl nur so dahingesagt. Sie bezweifelte, dass er das ernst gemeint hatte. Er hatte nicht einmal eine Nachricht geschickt, um ihr mitzuteilen, wie es Calum ging oder seinen Schwestern. So viel zum Thema Freundschaft.

Sie kippte den zweiten Drink herunter und spürte die Wirkung des Alkohols. Sie machte es sich in ihrem Sitz bequem und machte ein Nickerchen.

Sie konnte ihr Unglück auch einfach verschlafen.

Schließlich begann sie auch noch zu träumen. Da tauchten Bilder von den Orten in Italien auf, die sie eben noch betrachtet hatte. In ihrem Traum trug sie einen Sportdress und war mit Schlamm verdreckt. Sie musste einen Marathon bis zur Amalfiküste laufen, um an Shelbys und Davids Hochzeit teilzunehmen. Aber als sie da endlich ankam, total außer Atem und verdreckt, trugen alle anderen eine Maske. Als David seine abnahm, kam Shane darunter zum Vorschein. Und die Frau, die er heiratete, war Bryn.

Keira stolperte über den Strand auf sie zu.

&bdquo;Wie konntest du mich so hintergehen?“, rief sie und starrte Shane schockiert an. &bdquo;Ich dachte, dein Vater wäre krank und deshalb könnten wir nicht mehr zusammen sein.“

Er zuckte gleichgültig mit den Schultern. &bdquo;Das habe ich mir nur ausgedacht“, antwortete er kühl. &bdquo;Ich habe mir dir Schluss gemacht, weil deine Schwester viel heißer ist als du.“

Keira wandte sich zu Bryn um. &bdquo;Du hast mich die ganze Zeit angelogen! Meine eigene Schwester!“

Aber Bryn schien das gar nicht zu beeindrucken. &bdquo;Was hätte ich denn machen sollen?“, fragte sie schulterzuckend. &bdquo;Er hat einen heißen Körper.“

Von ihren Gefühlen überwältigt, schaute Keira sich verzweifelt um. Nach und nach nahmen alle anwesenden Hochzeitsgäste ihre Masken ab. Zu Keiras größtem Entsetzen, war da noch ein Shane. Und der war mit Julia da, der Frau, mit der Zach Keira betrogen hatte. Und ein dritter Shane stand an der Seite von Maxine. Und noch einer und noch einer und noch einer, Shane mit Shelby, Shane mit Tessa, dem Mädchen aus Irland, das sie von Anfang an in Verdacht gehabt hatte, dass da etwas mit Shane lief. Shane mit ihrer Mutter. Und immer noch mehr. Wohin auch immer Keira schaute, verwandelten sich alle männlichen Gäste in Shane.

Sie sank auf die Knie und begann zu weinen. Aber plötzlich packte sie jemand am Ellenbogen. Sie blickte auf, die Sonne blendete sie ein wenig. Dann schaute sie in die schönsten brauen Augen, mit den dichtesten Wimpern, die man sich vorstellen konnte.

&bdquo;Keira, weine doch nicht“, sagte der Mann mit leiser Stimme und einem melodischen italienischen Akzent.

&bdquo;Wer bist du?“, fragte sie und ließ sich von ihm auf die Füße ziehen.

&bdquo;Erkennst du mich denn nicht?“, fragte er lächelnd.

Sein Gesicht war wundervoll, perfekt, bemerkte Keira, als sie ihn genauer betrachtete. Er war so wunderbar, dass ihre Knie schon wieder weich wurden.

Er nahm sie auf den Arm. Sie schmiegte sich an seine Brust, trug sie, als wäre sie ein Fliegengewicht. Seine Füße wurden vom Meer umspült. Sie standen im Ozean.

&bdquo;Du hast mir noch immer nicht deinen Namen genannt“, sagte Keira.

Der Mann lachte, es klang wie ein Fest für ihre Ohren.

&bdquo;Das muss ich auch nicht, du kennst ihn bereits“, sagte er.

Keira dachte angestrengt nach. Dann kam ihr ein Name in den Sinn, in absoluter Klarheit.

&bdquo;Bist du Romeo?“, fragte sie ungläubig.

Der Mann lächelte, das Gesicht war so schön. &bdquo;Ja, der bin ich. Romeo. Dein Romeo.“

Er beugte sich über sie, ganz langsam. Ihre Lippen waren nur wenige Millimeter voneinander getrennt.

Plötzlich riss Keira die Augen auf. Sie schaute sich orientierungslos um und stellte fest, dass sie noch immer im Flugzeug war. Sie sanken durch die Wolken und das Signal für die Gurte leuchtete auf. Der Landeanflug hatte wohl begonnen. Sie hatte den ganzen Flug verschlafen.

Der Traum hatte sie atemlos gemacht. Sie legte eine Hand auf ihre Brust, spürte den schnellen Herzschlag unter ihrem Shirt. Ihr Kopf drehte sich noch ein wenig vom Alkohol, der noch nicht ganz seine Wirkung verloren hatte.

&bdquo;Ich glaube, du hattest einen Alptraum“, sagte Garrett.

Keira rieb sich die Schläfen und erinnerte sich an den schrägen Traum. &bdquo;Ja, ich glaube, da könntest du recht haben. Zumindest anfangs. Ich wurde von meinem Exfreund heimgesucht, der meine Schwester geheiratet hat. Und alle meine Freundinnen. Und meine Mutter.“

Der Mann blickte sie amüsiert an. Keira fragte sich, was er wohl wirklich von ihr dachte. Sie vermutete, er hielt sie für vollkommen durchgeknallt.

Das Flugzeug setzte auf und rollte die Landebahn entlang. Als es endlich zum Stehen kam, sprang der Mann neben Keira auf, sobald es erlaubt war.

&bdquo;So vermeidet man die Warteschlangen“, erklärte er verlegen.

&bdquo;Sicher.“ Keira konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Die Kabinentüren wurden geöffnet und Garrett flitzte hinaus. Keira lachte auf. Sie mochte ihre falsche Persönlichkeit. Vielleicht war Bryn doch nicht ganz so albern, wie sie bisher angenommen hatte.

Sie packte ihre Sachen zusammen, löste den Gurt und holte ihre Tasche aus dem Gepäckfach über ihr. Während sie durch den Gang ging, dachte sie darüber nach, wie sie das Spielchen mit Garrett als nächstes in die Tat umsetzen würde. In den nächsten drei Wochen würde sie vorgeben, jemand anderes zu sein. Jemand, der noch immer an die Liebe glaubte. Sie hatte das vage Gefühl, dass das weitaus schwieriger sein würde, als eine Weinkennerin zu spielen.

Sie verließ das Flugzeug und genoss das Streicheln der warmen Sonne auf ihrer Haut. Das war doch viel angenehmer, als das kalte Wetter in New York. Die Sonne machte sie immer irgendwie zuversichtlich. Alles sah netter aus. Und auch wenn sie von Italien gerade nur diesen Flughafen sehen konnte, so sahen die Berge ringsum in der Sonne doch atemberaubend aus.

Sie folgte dem Weg in die Halle, wo sie bald ihren Reisebegleiter treffen würde. Das erste Mal seit sie New York verlassen hatte, stellte sie sich vor, ihr Romeo würde sie erwarten.




KAPITEL SECHS


Als sie endlich ihr Gepäck eingesammelt hatte und in die Ankunftshalle trat, hatte sich Keiras Tagtraum ziemlich verselbstständigt. In Gedanken hatte sie den Romeo aus ihrem Traum verschmolzen mit dem Reisebegleiter, den sie gleich treffen würde. In ihrer Vorstellung würde er sich mit seiner stürmischen Leidenschaft direkt von den Füßen holen. Sie konnte es kaum noch erwarten, ihn endlich zu treffen.

Sie stand da mit ihrem Koffer und beobachtete das geschäftige Treiben des neapolitanischen Flughafens. Um sie herum standen Leute, die Namensschilder hochhielten. Auf einem las sie ihren eigenen Namen. Sofort beschleunigte ihr Puls. Der Mann, der das Schild hielt, war ein Adonis.

Keira war wie elektrisiert, als sie zu ihm hinüber eilte.

&bdquo;Hi, ich bin Keira“, sagte sie und deutete auf das Schild mit ihrem Namen.

Der Mann blickte erst sie, dann das Schild verwirrt an. &bdquo;Oh, das?“ Er fing an zu lachen. &bdquo;Das halte ich nur einen Moment für einen Typen, der mal dringend aufs Klo musste.“

In dem Moment fiel Keiras Blick auf einen Mann, der die Waschräume verließ und in ihre Richtung kam. Er war klein, rundlich und schlampig gekleidet. Das graue Shirt hatte Flecken und die Jeans saß nicht richtig. Das wenige Haar, das er noch auf dem Kopf trug, sah aus wie ein Vogelnest. Sie hoffte, er möge vorbeigehen, musste aber mit Bedauern erkennen, dass er genau auf sie zukam.

Der Adonis mit dem Schild bemerkte ihn ebenfalls. Sobald der Mann bei ihnen angekommen war, übergab der tolle Typ ihm das Schild und eilte zu einer gut aussehenden jungen Frau, die gerade die Ankunftshalle betreten hatte. Sie begrüßten sich überschwänglich. Keira verzog das Gesicht.

&bdquo;Junge Liebe, was?“, sagte der Reiseführer und kratzte sich an einer Stelle, die das Shirt nicht ganz bedeckte. &bdquo;Bist du Karla?“

&bdquo;Keira.“

Er blickte noch einmal auf sein Schild und zuckte mit den Schultern. &bdquo;Amerikanische Namen klingen alle gleich für mich.“

Während er sprach, verströmte er mit seinem Atem ein Aroma von Zwiebeln und Kaffee, was Keira Übelkeit bereitete.

&bdquo;Na, dann komm“, forderte er Keira auf. &bdquo;Der Wagen steht da hinten.“

Er drehte sich auf dem Absatz um und verschwand schnell in der Menge. Keira blieb in der Mitte des Flughafens zurück. Sie schnappte sich ihren Koffer und suchte hektisch nach dem Ausgang.

Sie fand das Schild zum Ausgang direkt über dem Reisebegleiter, der gerade dadurch verschwand. Er hatte nicht einmal nachgesehen, ob sie ihm überhaupt folgte.

Mit einer Grimasse folgte Keira dem schlampigen Kerl und zog ihren schweren Koffer hinter sich her.

Während sie ständig angerempelt wurde, löste sich ihre Hoffnung schnell in Luft auf, dass sie eine italienische Romanze über ihr gebrochenes Herz hinweg trösten könnte. Anstatt von einem gut aussehenden Mann im Sturm erobert zu werden, musste sie Zwiebelgeruch und Unhöflichkeit von ihrem Reisebegleiter ertragen.

So viel zum Thema Romeo, dachte sie mit schwerem Herzen.




KAPITEL SIEBEN


&bdquo;Weißt du, dass du zu spät bist?“, fragte Antonio, der Reisebegleiter, als er sie über den Parkplatz führte. Er runzelte die Stirn, als sei das ihre Schuld.

&bdquo;Ich musste eine Weile auf meinen Koffer warten“, antwortete Keira, noch immer angeschlagen von der Enttäuschung, dass kein Romeo auf sie wartete.

Keira fühlte sich in Antonios Gegenwart sehr unwohl, nicht nur, weil sein runder, behaarter Bauch über dem Hosenbund heraushing. Sein Benehmen war rüde. Wie ein Lehrer, bei dem man wusste, dass man es ihm nie würde recht machen können.

Die Luft war sehr warm, fast schon bedrückend. Aber das bremste ihn ihn. Sie eilten die Reihen entlang, Antonio immer ein paar Schritte vorweg. Keira hatte Mühe, mit ihrem Koffer Schritt zu halten. Langsam geriet sie ziemlich ins Schwitzen.

&bdquo;Mein Rücken ist kaputt“, sagte er, als Rechtfertigung dafür, dass er ihr nicht half.

Während sie gingen, sprach Antonio die ganze Zeit. Seine Worte kamen ohne Pause, wie Hundegebell. Keira dachte an den Romeo in ihrem Traum. Antonio war das genaue Gegenteil.

&bdquo;Einundzwanzig Tage, was?“, sagte er, noch immer vorauseilend, so dass Keira sich beeilen musste, um Schritt zu halten.

Sie begann mit Grauen daran zu denken.

Er führte sie zu einem Auto. Keira hatte ein hübsches Auto erwartet, wurde aber mit einer alten, kleinen Rostlaube konfrontiert.

&bdquo;Das ist es?“, fragte sie.

&bdquo;Auf dem Rücksitz gibt es keinen Platz für das Gepäck. Pack es in den Kofferraum“, wies Antonio sie an.

Keira öffnete die Klappe und stellte fest, dass das Auto voll mit Einkaufstüten war. Als sie ihre Sachen neben seinen Tüten verstaute, kam ihr der Geruch von Käse entgegen. Eine der Tüten ging auf und ein Pecorino fiel heraus. Keira packte ihn wieder zurück und stellte mit einer Mischung aus Neugier, Erstaunen und Ekel fest, dass alle Tüten nur Pecorino enthielten. Aß dieser Mann etwa nichts anderes? Dann wurde ihr bewusst, dass der Gestank wahrscheinlich auch in ihre Sachen ziehen würde, in ihre Kleidung. Sie würde die nächsten drei Wochen nach Käse stinken.




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