Ritter, Thronerbe, Prinz 
Morgan Rice


Für Ruhm und Krone #3
Morgan Rice hat eine brillante neue Fantasy-Serie geschaffen, die uns in das Reich von Ehre, Mut und Magie entführen wird. Morgan ist es gelungen eine neue Generation von Charakteren zu schaffen, die uns auf jeder Seite in Atem halten wird.. Eine Empfehlung für alle Leser, die gut geschriebene Fantasy zu schätzen wissen. Books and Movie Reviews, Roberto Mattos (zu Aufstand der Drachen) Nach dem ersten Buch SKLAVIN, KRIEGERIN, KÖNIGIN ist RITTER, THRONERBE, PRINZ das dritte Buch der Bestseller Fantasy-Reihe FÜR RUHM UND KRONE von Morgan Rice. Die siebzehnjährige Ceres, ein schönes aber armes Mädchen aus der Reichsstadt Delos, treibt auf offener See in Richtung der geheimnisvollen Insel jenseits des Nebels, um dort auf ihre bisher unbekannte Mutter zu treffen. Sie ist bereit, noch mehr über ihre Kräfte zu lernen und ihrer Vorbestimmung, Kriegerin zu werden, zu folgen. Doch wird ihre Mutter dort wirklich auch sie warten? Wird sie ihr alles Notwendige beibringen? Und wird Ceres erfahren, wer sie wirklich ist?In Delos glaubt Thanos unterdessen, dass Ceres Tod sei und findet sich verheiratet an der Seite Stephanias wieder. Er verstrickt sich immer mehr in die Machenschaften eines Hofes, dem er nicht entkommen kann und in die Intrigen einer Familie, die er verabscheut. Schließlich findet er sich inmitten der ausbrechenden Revolution wieder, die in einem gewagten Angriff auf das Stadion mündet. Er ist der einzige, der sie entweder aufhalten oder zum Erfolg führen kann und so muss er entscheiden, ob er sein Leben aufs Spiel setzen will. Durch den fortschreitenden Zusammenbruch des Reichs tauchen auf allen Seiten Feinde auf. Mordversuche bei Hofe sind an der Tagesordnung und Thanos weiß nicht, wem er noch trauen kann. Er ist gefangen in einem Spiel aus Bauernopfern und Königen, aus Verrätern und Königinnen und wieder könnte es Ceres sein, die dazu bestimmt ist, all das zu verändern. Doch nach einer Reihe tragischer Missverständnisse scheint ihnen ihre schicksalhafte Liebe durch die Finger zu rinnen. RITTER, THRONERBE, PRINZ erzählt die heldenhafte Geschichte von tragischer Liebe, Rache, Betrug, Ehrgeiz und Schicksal. Dank seiner unvergesslichen Charaktere und der nervenzerreißenden Action entführt uns auch Buch 2 in eine Welt, die wir nie wieder vergessen werden und durch die wir uns wieder neu in das Fantasy-Genre verlieben werden. Eine mit Spannung geladene Fantasy die mit Sicherheit Fans früherer Morgan Rice Romane sowie des Vermächtnis-Zyklus von Christopher Paolini gefallen wird. Anhänger der Jugendliteratur werden dieses neuste Werk von Rice verschlingen und nach mehr verlangen. The Wanderer, A Literary Journal (in Bezug auf Der Aufstand der Drachen) Buch 4 aus der FÜR RUHM UND KRONE Reihe erscheint bald!







RITTER, THRONFOLGER, PRINZ



(FÜR RUHM UND KRONE – BUCH 3)



MORGAN RICE


Morgan Rice



Als Autorin von Fantasy-Epen wie der siebzehn-bändigen Reihe DER RING DER ZAUBEREI; der zwölf-bändigen Bestseller Serie DER WEG DER VAMPIRE; der bisher zwei-bändigen post-apokalyptischen Bestseller Serie DIE TRILOGIE DES ÜBERLEBENS; der sechs-bändigen epischen Fantasy Serie VON KÖNIGEN UND ZAUBERERN und dem neuen Fantasy-Epos Serie FÜR RUHM UND KRONE gehört Morgan Rice zu den Bestsellern in ihrem Genre. Morgans Bücher sind als Hör- und Printbücher in mehr als 25 Sprachen erhältlich.

Morgan würde sich freuen von Ihnen zu hören. Besuchen Sie deshalb gerne ihre Homepage www.morganricebooks.com (http://www.morganricebooks.com) und registrieren Sie sich für ihre E-Mail-Liste. Sie erhalten dafür ein kostenloses Buch und Extra. Downloaden Sie auch die kostenlose App und erhalten Sie die neusten Neuigkeiten über Facebook und Twitter!


Ausgewählte Kritiken zu Morgan Rice



&bdquo;Wenn Sie geglaubt haben nach dem Ende von DER RING DER ZAUBEREI nicht weiterleben zu können, dann haben Sie sich geirrt. Mit DER AUFSTAND DER DRACHEN hat Morgan Rice eine brillante neue Serie geschaffen, die uns in das Reich von Trollen und Drachen, von Ehre, Mut und Magie entführen wird. Morgan ist es gelungen eine neue Generation von Charakteren zu schaffen, die uns auf jeder Seite in Atem halten wird... Eine Empfehlung für alle Leser, die gut geschriebene Fantasy zu schätzen wissen.“

--Books and Movie Reviews

Roberto Mattos



&bdquo;Ein Action-geladenes Fantasy Abenteuer das nicht nur allen Morgan Rice Fans gefallen wird sondern auch Anhängern von Christopher Paolinis DAS VERMÄCHTNIS DER DRACHENREITER... Fans von Fiction für Jugendliche werden dieses Werk von Rice verschlingen und um eine Fortsetzung betteln.“

--The Wanderer, A Literary Journal (bezugnehmend auf Der Aufstand der Drachen)



&bdquo;Ein lebhaftes Fantasy-Abenteuer das auch durch seine mysteriösen Elemente und sein Intrigenspiel besticht. In QUESTE DER HELDEN geht es um Mut und darum einen Sinn im Leben zu finden. Die Helden und Heldinnen reifen, wachsen über sich hinaus und leisten dabei Außergewöhnliches... Alle die ein bissiges Fantasy-Abenteuer suchen, werden bei diesen Protagonisten und dieser Action fündig werden. Vor einer lebhaften Kulisse wächst das verträumte Kind Thor zu einem jungen Erwachsenen heran, das es mit lebensbedrohlichen Herausforderungen aufnehmen muss... Dieser Band verspricht der Anfang einer epischen Serie für Jugendliche zu werden.“

--Midwest Book Review (D. Donovan, eBook Reviewer)



&bdquo;DER RING DER ZAUBEREI hat alle Zutaten für einen Bestseller: die Handlung, die Gegenhandlung, viel Geheimnisvolles, wackere Ritter und sich entfaltende Beziehungen voll von Herzschmerz, Betrug und Täuschung. Es wird Ihnen sicherlich keine Minute langweilig sein. Für jedes Alter geeignet, darf es in keiner Fantasy-Buchsammlung fehlen.”

--Books and Movie Reviews, Roberto Mattos



&bdquo;In diesem Action-geladenen ersten Buch der epischen Fantasy-Reihe Der Ring der Zauberei – die momentan 14 Bände umfasst – stellt Rice ihren Lesern den 14-jährigen Thorgin &bdquo;Thor“ McLeod vor, dessen Traum es ist in die silberne Legion – der Eliteritter-Einheit des Königs – aufgenommen zu werden... Rices Schreibstil ist solide und ihre Handlung faszinierend.“

--Publishers Weekly


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EHRE WEM EHRE GEBÜHRT (Buch 1)



FÜR RUHM UND KRONE

SLAVIN, KRIEGERIN, KÖNIGIN (Buch 1)

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RITTER, THRONFOLGER, PRINZ (Buch 3)



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DER AUFSTAND DER DRACHEN (Buch 1)

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DIE SCHMIEDE DES MUTS (Buch 4)

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DER RING DER ZAUBEREI

QUESTE DER HELDEN (Buch 1)

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FESTMAHL DER DRACHEN (Buch 3)

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RITUS DER SCHWERTER (Buch 7)

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DER EID DER BRÜDER (Buch 14)

DER TRAUM DER STERBLICHEN (Buch 15)

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DAS GESCHENK DER SCHLACHT (Buch 17)



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ARENA EINS: DIE SKLAVENTREIBER (Buch 1)

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VOR DEM MORGENGRAUEN (Buch 1)



DER WEG DER VAMPIRE

GEWANDELT (Buch 1)

VERGÖTTERT (Buch 2)

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BESTIMMT (Buch 4)

BEGEHRT (Buch 5)

VERMÄHLT (Buch 6)

GELOBT (Buch 7)

GEFUNDEN (Buch 8)

ERWECKT (Buch 9)

ERSEHNT (Buch 10)

BERUFEN (Buch 11)

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Hören Sie die DER RING DER ZAUBEREI


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Copyright © 2016 durch Morgan Rice. Alle Rechte vorbehalten. Außer wie gemäß unter dem US Urheberrecht von 1976 ausdrücklich gestattet, darf kein Teil dieser Veröffentlichung auf irgendwelche Weise oder in irgendeiner Form sei es elektronisch oder mechanisch kopiert, reproduziert, verteilt oder angezeigt werden ohne die ausdrückliche Erlaubnis des Autoren eingeholt zu haben. Dieses Ebook ist nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt. Dieses Ebook darf kein zweites Mal verkauft oder an andere Personen weitergegeben werden. Wenn Sie dieses Buch an andere Personen weitergeben wollen, so erwerben Sie bitte für jeden Rezipienten ein zusätzliches Exemplar. Wenn Sie dieses Buch lesen ohne es käuflich erworben zu haben oder es nicht für Ihren alleinigen Gebrauch erworben wurde, so geben Sie es bitte zurück und erwerben Sie Ihr eigenes Exemplar. Vielen Dank, dass Sie die harte Arbeit des Autors respektieren. Es handelt sich um eine fiktive Handlung. Namen, Charaktere, Geschäftsangelegenheiten, Organisationen, Orte, Ereignisse und Zwischenfälle entspringen der Fantasie der Autorin oder werden fiktional benutzt. Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Personen, ob tot oder lebendig, sind zufälliger Natur. Die Bildrechte des Bildbandes liegen bei Captblack76 und werden unter der Lizenz Shutterstock.com verwendet.


INHALTSVERZEICHNIS



KAPITEL EINS (#u470334da-950f-50d8-baf9-dd17e02690e9)

KAPITEL ZWEI (#uee5466f1-2c5d-5c7c-bb99-c3cea3098cf0)

KAPITEL DREI (#u0da743ce-e8e8-5d79-9c77-afc40f4c84a0)

KAPITEL VIER (#u50e28c93-01b4-5803-90e2-40be38d32536)

KAPITEL FÜNF (#u4e5dc5c0-b540-5d98-8f55-bcf8bcc07707)

KAPITEL SECHS (#u5218e9bc-88e8-5f3a-991f-9c238add0647)

KAPITEL SIEBEN (#u48ad39bd-30dc-597a-abfa-0d2e2b2a96ee)

KAPITEL ACHT (#litres_trial_promo)

KAPITEL NEUN (#litres_trial_promo)

KAPITEL ZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL ELF (#litres_trial_promo)

KAPITEL ZWÖLF (#litres_trial_promo)

KAPITEL DREIZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL VIERZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL FÜNFZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL SECHSZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL SIEBZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL ACHTZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL NEUNZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL ZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL EINUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL DREIUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL VIERUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL SECHSUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL SIEBUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL ACHTUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL NEUNUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)






KAPITEL EINS


Auch wenn nicht alle Augen Delos’ auf ihn gerichtete gewesen wären, hätten Thanos’ Nerven an seinem Hochzeitstag blank gelegen. Er stand neben dem Altar, den man in dem größten Festsaal des Schlosses aufgebaut hatte. Auf wundersame Weise schaffte er es, stillzustehen – doch letztlich hatte er dies wohl seiner Soldatenausbildung zu verdanken, denn dort hatte er gelernt, keine Angst zu zeigen. Er spürte, wie sich sein Magen verkrampfte beim Anblick all der Menschen vor ihm.

Thanos ließ den Blick über den Menschen schweifen während er auf seine Braut wartete. Die Festhalle quoll nur so vor weißer Seide über, Diamanten blitzten und es gab kaum einen Fleck, der nicht glitzerte. Selbst die Bediensteten des Adels trugen Kleider, die die meisten Kaufmänner hätten vor Neid erbleichen lassen. In Samt und Seide gehüllt und mit Gold und Silber behangen wirkten die Adligen selbst wie einer Heldendichtung entsprungen.

Thanos war das alles zu viel; doch hatte er sich in die Vorbereitungen nicht einmischen dürfen. Der König und die Königin hatten entschieden, dass Delos’ Adel die Hochzeit bekommen sollte, die er brauchte und ein Weniger an Perfektion wäre eine Beleidigung gegenüber der Braut gewesen. Er blickte zu ihnen hinüber: König Claudius und Königin Athena saßen auf ihren aus Eisenholz geschnitzten und in Blattgold gefassten Thronen. Sie strahlten vor Stolz und waren offenkundig erfreut, dass er ihre Brautwahl akzeptiert hatte.

Der Hohepriester in seinem goldenen Gewand, das die Sonnenstrahlen zurückwarf, stand neben ihm. Er schien ein freundlicher Mann zu sein und Thanos, der sich noch nie so einsam vorgekommen war, hätte ihn am liebsten zur Seite genommen, um ihn zu fragen: Was tun, wenn man sich nicht sicher ist, wohin man gehört?

Doch das konnte er nicht.

Es war nicht nur die Hochzeit, die Thanos Unbehagen einflößte. So viele andere Dinge kamen noch hinzu. In Haylon verließen sich die Rebellen darauf, dass er ihnen helfen würde, das Reich zu befreien. Dieser Gedanke brachte seine Entschlossenheit zurück, denn er würde ihnen helfen, was auch immer es kostete. Doch gerade stand er hier inmitten des feindlichen Lagers in dieser Halle.

Außerdem stand Lucious in einer der Ecken. Er war in königliches Violett und Silber gekleidet und grinste lüstern beim Anblick der Dienerinnen. Thanos musste sich zusammenreißen, nicht zu ihm hinüberzustürmen und ihn mit bloßen Händen zu erwürgen.

Und dann war da noch ein Gedanke, der ihn nicht in Ruhe lassen würde:

Ceres.

Selbst jetzt noch versetzte der Gedanke an sie ihm einen Stich, der so gewaltig war, dass er das Gefühl hatte, er würde seine Brust sprengen. Er konnte noch immer kaum glauben, dass sie tot war und niemals wiederkommen würde, dahingerafft auf einem Gefangenenschiff während er auf Haylon gewesen war. Der bloße Gedanke daran drohte ihn zurück in die Dunkelheit zu reißen, die ihn umgeben hatte, als er diese Nachricht empfangen hatte.

Stephania hatte ihn zurückgebracht. Sie war ihm ein helles Licht gewesen, die einzige Person in Delos, die ihm Freude gebracht hatte als für ihn alles zu Ende gewesen war und er sich kein Leben ohne Ceres hatte vorstellen können.

Es war nicht so, dass er Stephania nicht liebte; das tat er. Mit der Zeit war die Liebe gekommen. Nur wollte er Ceres nicht vergessen. So hegte er die Liebe für beide in seinem Herzen. Das erschloss sich ihm nicht vollends. Warum war Ceres in sein Leben getreten, wenn sie ihn so schnell wieder verlassen hatte? Warum war Stephania in dem Moment da gewesen, als ihm Ceres verloren ging? War Ceres nur ein Wegweiser hin zu Stephania gewesen? Oder hatten die Beiden eigentlich gar nichts miteinander zu tun?

Musik ertönte. Thanos drehte sich um und ihm schlug das Herz bis zum Hals, als er Stephania zum Klang der Lyra auf ihn zukommen sah. Die Adligen erhoben sich und sein Herz schlug schneller als sie in Begleitung ihrer Zofen, die Rosenblätter warfen und Glöckchen schellten um damit das Böse zu verjagen, näherkam. Ihr Kleid war von einem reinen und eleganten Weiß, dem sich auch der Raum zu unterwerfen schien. Auf ihrem goldenen Haar trug sie ein diamantenbesetztes Netz, in das mit anmutiger Geschicklichkeit Blumen eingeflochten worden waren. Die Fäden des ihr Gesicht verhüllenden Schleiers schimmerten silbern und kleine Saphire deuteten auf die Stellen der darunterliegenden Augen.

Thanos spürte, wie seine Angst hinwegschmolz.

Er sah, wie sie über den Boden schwebend in Richtung des Altars auf ihn zukam. Dann stand sie vor ihm und Thanos lüftete den Schleier von ihrem Gesicht.

Es verschlug ihm die Sprache. Sie hatte immer schon zauberhaft ausgesehen, doch heute sah sie so perfekt aus, dass Thanos kaum glauben konnte, dass sie kein Traum war. Er war so von ihr eingenommen, dass er kaum wahrnahm, wie der Priester mit der Zeremonie begann.

&bdquo;Die Götter haben uns zahlreiche Feste und Zeremonien gegeben, in denen wir sie rühmen dürfen“, stimmte der Hohepriester an. &bdquo;Unter ihnen ist die Ehe die heiligste, denn ohne sie, würde das Menschengeschlecht nicht fortbestehen. Die heutige Eheschließung ist eine besonders ruhmvolle Verbindung zwischen zwei der wichtigsten Adligen des Reiches. Doch ist sie auch eine Verbindung zwischen einem jungen Mann und einer jungen Frau, die sich innig lieben und deren Glück unser aller Anliegen sein möge.“

Er machte eine Pause, um dem Gesagten Nachdruck zu verleihen.

&bdquo;Prinz Thanos, reichen Sie dieser Frau für alle Zeiten Ihren Arm? Um sie zu lieben, sie zu ehren bis die Götter Euch wieder scheiden und um eure Familien zu einen?“

Zuvor hätte er gezögert, doch jetzt war er sich sicher. Er streckte seinen Arm mit der Handinnenfläche nach oben aus. &bdquo;Das werde ich.“

&bdquo;Und Lady Stephania“, fuhr der Hohepriester fort, &bdquo;werden Sie diesem Mann für alle Zeiten Ihren Arm reichen? Um ihn zu lieben und zu ehren bis die Götter Euch wieder scheiden und um eure Familien zu einen?“

Stephanias Lächeln war das schönste was Thanos jemals gesehen hatte. Sie lege ihre Hand in die seine. &bdquo;Das werde ich.“

Der Hohepriester wickelte ein Stück weißen Stoffs, der sowohl traditionell wie auch elegant war, um ihre Arme.

&bdquo;In der Ehe vereinigt, sind sie nun ein Fleisch, eine Seele, eine Familie“, sagte der Hohepriester. &bdquo;Mögen sie für immer glücklich sein. Sie dürfen sich jetzt küssen.“

Das brauchte er Thanos nicht zwei Mal sagen. Es war seltsam, so zusammengebunden zu sein, doch das war schon immer der tückischste Teil der Hochzeitsfeier gewesen und doch schafften sie es schließlich. Thanos schmeckte Stephanias Lippen an den seinen, wurde eins mit ihr und zumindest für einen Moment konnte er all seine Sorgen über Bord werfen und ganz bei ihr sein. Sogar die Gedanken an Ceres traten unter den Berührungen Stephanias in den Hintergrund.

Natürlich war es Lucious, der die Magie des Augenblicks störte.

&bdquo;Gut, ich bin froh, dass wir das geschafft hätten“, dröhnte er über die schweigende Menge. &bdquo;Können wir jetzt mit der Feier beginnen? Ich brauche ein Glas!“



***



Wenn die Hochzeitszeremonie pompös gewesen war, so war die darauffolgende Feier so spektakulär, dass sich Thanos unweigerlich fragen musste, wie viel sie gekostet haben musste. Es sah aus, als wäre die Hälfte aller Einkünfte aus den letzten Plünderungen aufgewendet worden. Keine Kosten und Mühen waren gescheut worden. Er wusste, dass der König und die Königin dafür aufkamen, denn die Feier war ein Weg ihrer Freude über seine Hochzeit Ausdruck zu verleihen und doch, wie viele Familien der Stadt hätte man mit diesem Geld satt bekommen können?

Um sich erblickte er Trinkbecher und Tänzerinnen, Musikanten und Jongleure zur Unterhaltung des Adels. Sie tanzten gemeinsam in wirbelnden Kreisen während ihnen, wie Thanos schien, kleine Berge aus Pasteten und Konfekt, Austern und reichhaltige Desserts gereicht wurden.

Es gab natürlich ausreichend Wein, so dass die immer wilder werdenden Festlichkeiten fortgesetzt werden konnten. Die Tänze wurden schneller, und Thanos konnte die sich von einem Tanzpartner zum nächsten drehenden Menschen kaum noch auseinanderhalten. Der König und die Königin sowie einige andere hatten sich bereits zurückgezogen. Das ließ die Hochzeitsgäste auch noch die letzte Zurückhaltung vergessen.

Stephania tanzte wirbelnd den traditionellen Abschiedstanz, in dem sich die Braut schnell zwischen den im Raum befindlichen Junggesellen umherbewegt bevor sie am Ende in die Arme ihres Bräutigams zurückfindet. Es war für die Braut traditionell eine Gelegenheit zu zeigen, dass sie die anderen Männer zurückwies und glücklich mit der von ihr getroffenen Wahl war. Darüberhinaus gab sie den jungen Männern die Chance, den jungen adligen Frauen, die zusahen, zu gefallen.

Zu Thanos’ Überraschung beteiligte sich Lucious nicht an dem Tanz. Er hätte vom Prinzen eigentlich etwas Dummes, wie etwa einen Versuch von der Braut einen Kuss zu stehlen, erwartet. Im Vergleich zu seinem Mordversuch an Thanos zu töten, wäre das allerdings harmlos gewesen.

Doch der Prinz stolzierte auf ihn zu während der Tanz noch in vollem Gange war. Er drängelte sich mit gewohnter Arroganz und einem Kristallkelch gefüllt mit bestem Wein durch die Menge. Thanos blickte ihn an und suchte nach Ähnlichkeiten zwischen ihnen. Sie beide waren direkte Nachkommen des Königs, doch konnte sich Thanos nicht vorstellen, auch nur im Entferntesten so wie Lucious zu sein.

&bdquo;Eine schöne Hochzeit“, sagte Lucious zu ihm. “Es fehlt an nichts: gutes Essen, ordentlicher Wein, unzählige Dienerinnen für später.“

&bdquo;Pass bloß auf, Lucious“, sagte Thanos.

&bdquo;Ich habe eine noch bessere Idee“, konterte Lucious. &bdquo;Warum schauen wir uns nicht ein wenig gemeinsam deine bezaubernde Braut an, die zwischen so vielen Männern umhertanzt? Und da es sich um Stephania handelt, könnten wir eine kleine Wette abschließen, mit welchen von ihnen sie geschlafen hat.“

Thanos’ Hände ballten sich zu Fäusten. &bdquo;Bist du hier, um Ärger zu machen? Sollte das der Fall sein, dann kannst du jetzt gehen.“

Lucious’ Grinsen wurde noch breiter. &bdquo;Und wie würde das aussehen, wenn du den Thronerben von deiner Hochzeitsfeier entfernen ließest? Das würde nicht gut aussehen.“

&bdquo;Nicht für dich.“

&bdquo;Denk an deinen Platz, Thanos“, schnappte Lucious zurück.

&bdquo;Oh, ich kenne meinen Platz“, sagte Thanos mit drohender Stimme. &bdquo;Wir beide kennen ihn, nicht wahr?“

Ein kaum wahrzunehmendes Zucken huschte über Lucious Gesicht. Selbst wenn Thanos es nicht gewusst hätte, wäre es ihm Bestätigung genug gewesen: Lucious kannte die Umstände von Thanos’ Geburt. Er wusste, dass sie Halbbrüder waren.

&bdquo;Verflucht seist du und deine Ehe“, sagte Lucious.

&bdquo;Du bist nur neidisch“, konterte Thanos. &bdquo;Ich weiß, dass du Stephania für dich haben wolltest und nun bin ich derjenige, der sie heiratet. Ich bin derjenige, der nicht aus dem Stadion geflüchtet ist. Ich bin derjenige, der in Haylon gekämpft hat. Wir beide wissen genau, was ich darüberhinaus auch noch bin. Was bleibt also noch für dich, Lucious? Du bist nichts als ein Rüpel, vor dem man die Menschen von Delos beschützen muss.“

Thanos hörte, wie sich die Hand, mit der Lucious den Kristallkelch hielt, verkrampfte bis er unter dem Druck zerbarst.

&bdquo;Du machst es dir gerne so einfach, oder?“ sagte Lucious. &bdquo;Nun, dann denk doch mal über folgendes nach: während du deine Hochzeit geplant hast, habe ich in ein paar Dörfern aufgeräumt. Und damit werde ich weitermachen. Morgen früh, wenn du nach deiner Hochzeitsnacht erwachst, werde ich schon auf dem Weg sein, um ein paar Bauern die Leviten zu lesen. Und du wirst mich nicht davon abhalten können, wer auch immer du zu sein glaubst.“

Thanos hätte Lucious gerne eine verpasst. Er wollte ihn schlagen und nicht aufhören bis er blutverschmiert auf dem Marmorboden lag. Das einzige was ihn davon abhielt, war Stephania, deren Tanz sich dem Ende näherte und die ihre Hand auf seinen Arm gelegt hatte.

&bdquo;Oh, Lucious, du hast deinen Wein verkippt“, sagte sie mit einem Lächeln, das Thanos gerne im Stande gewesen wäre zu imitieren. &bdquo;Mach dir nichts draus. Erlaube mir, dass einer meiner Diener dir ein neues Glas holt.“

&bdquo;Ich hole es mir selbst“, antwortete Lucious ungeniert. &bdquo;Sie haben mir diesen hier gebracht und sieh, was damit geschehen ist.“

Er stampfte davon und nur Stephanias Hand auf Thanos’ Arm hielt diesen davon ab, ihm zu folgen.

&bdquo;Mach dir nichts draus“, sagte Stephania. &bdquo;Ich habe dir doch gesagt, dass viele Wege zum Ziel führen. Vertrau mir.“

&bdquo;Nach allem, was er getan hat, darf er einfach nicht so davonkommen“, beharrte Thanos.

&bdquo;Das wird er auch nicht. Sieh es doch einmal so“, sagte sie, &bdquo;mit wem würdest du lieber den Abend verbringen? Mir Lucious oder mit mir?“

Das zauberte ein Lächeln auf Thanos’ Lippen. &bdquo;Mit dir. Definitiv mit dir.“

Stephania küsste ihn. &bdquo;Gute Antwort.“

Thanos spürte, wie ihre Hand die seine ergriff und ihn Richtung der Türen zog. Die dort stehenden Adligen ließen sie passierten und tuschelten vereinzelt amüsiert über das, was nun folgen würde. Thanos folgte Stephania auf dem Weg in Richtung seines Zimmers. Sie stieß die Türen auf und lief auf das Schlafgemach zu. Dort drehte sie sich zu ihm um, warf ihm die Arme um den Hals und küsste ihn leidenschaftlich.

&bdquo;Bereust du irgendetwas?“ fragte Stephania und trat einen Schritt zurück. &bdquo;Bist du glücklich, dass du mich geheiratet hast?“

&bdquo;Ich bin sehr glücklich“, versicherte ihr Thanos. &bdquo;Wie geht es dir?“

&bdquo;Ich habe nie etwas anderes gewollt“, sagte Stephania. &bdquo;Und weißt du, was ich jetzt will?“

&bdquo;Was ist es?“

Thanos sah, wie sie das Kleid über ihren Kopf streifte und es in Wellen von ihr abfiel.

&bdquo;Dich.“



***



Thanos erwachte bei den ersten Sonnenstrahlen, die durch die Fenster fielen. Neben ihm konnte er den warmen Körper Stephanias spüren. Sie hatte einen ihrer Arme in der Nacht um ihn geschlungen und sich an ihn geschmiegt. Thanos spürte lächelnd wie Liebe in ihm aufwallte. Er hatte sich schon lange nicht mehr so glücklich gefühlt.

Wenn er das Klicken von Zaumzeug und das Wiehern von Pferden nicht gehört hätte, so hätte er sich vielleicht wieder an Stephania geschmiegt und wäre wieder eingeschlafen oder hätte sie mit einem Kuss geweckt. Doch so stand er auf und trat an eines der Fenster.

Gerade konnte er noch sehen, wie Lucious eine Gruppe Soldaten anführend reitend das Schloss verließ. Fähnchen wehten im Wind, so als wäre er ein fahrender Ritter und nicht ein Schlächter auf dem Weg, ein wehrloses Dorf anzugreifen. Thanos blickte ihm nach, dann zu der noch immer schlafenden Stephania.

Leise begann er sich anzukleiden.

Er konnte nicht dabei zusehen. Er konnte es einfach nicht, nicht einmal für Stephania. Sie hatte von anderen Mitteln und Wegen gesprochen mit Lucious umzugehen, doch wie sollte das genau aussehen? Höflichkeit und ein Glas Wein? Nein, Lucious musste Einhalt geboten werden, jetzt und sogleich und es gab nur einen einzigen Weg, das zu tun.

Geräuschlos und darauf bedacht Stephania nicht zu wecken, schlüpfte er aus dem Gemach. Im Freien angelangt rannte er auf die Ställe zu und wies einen Bediensteten an, ihm seine Rüstung zu bringen.

Es war Zeit, dass Gerechtigkeit einzog.




KAPITEL ZWEI


Berin war von Aufregung erfüllt. Die Luft war gespannt seitdem er die Tunnel betreten hatte. Er bahnte sich seinen Weg durch den Untergrund und folgte mit Sartes an seiner Seite Anka. Sie kamen an Wächtern vorbei, die ihnen respektvoll zunickten und an Rebellen, die überall umherwuselten. Er lief durch den Wächtertor und spürte, dass sich die Sache zum Wohle der Rebellion gewendet hatte.

Jetzt hatten sie vielleicht eine Chance.

&bdquo;Hier entlang“, sagte Anka und winkte sie zu einem Beobachtungsposten. &bdquo;Die anderen erwarten uns bereits.“

Sie liefen durch steinerne Korridore, die aussahen als existierten sie schon immer. Die Ruinen von Delos, tief unter der Erde. Berin streifte bewundernd und mit der für einen Schmied typischen Eigenart über den weichen Stein, und er fragte sich, wie lange sie wohl hier schon standen und wer sie erbaut haben musste. Vielleicht hatten sie schon zu Zeiten der Uralten gestanden, zu einer Zeit an die sich schon lange niemand mehr erinnern konnte.

Und das rief die schmerzvolle Erinnerung an seine Tochter, die er verloren hatte, wach.

Ceres.

Als sie an einer Öffnung vorbeikamen, wurde Berin durch das Geräusch von Metallhämmern und der plötzlichen Hitze von Schmiedeeisen aus seinen Gedanken gerissen. Er erblickte ein dutzend Männer, die sich abmühten, Brustschilder und kurze Schwerte zu schmieden. Der Ort erinnerte ihn an seine alte Schmiede und jene Tage, an denen seine Familie vereint gewesen war.

Auch Sartes schien in ihre Richtung zu stieren.

&bdquo;Alles klar?“ fragte Berin.

Er nickte.

&bdquo;Ich vermisse sie auch“, antwortete Berin und legte eine Hand auf seine Schulter, denn er wusste, dass er gerade an Ceres dachte, die viel Zeit in der Schmiede verbracht hatte.

&bdquo;Das tun wir alle“, stimmte Anka mit ein.

Die drei standen still einen Moment andächtig da, und Berin verstand, wie viel Ceres ihnen allen bedeutet hatte.

Er hörte Anka seufzen.

&bdquo;Wir können nur kämpfen“, fügte sie hinzu, &bdquo;und weiter Waffen schmieden. Wir brauchen dich, Berin.“

Er versuchte sich zu konzentrieren.

&bdquo;Machen sie alles so, wie ich es ihnen gesagt habe?“ fragte er. &bdquo;Erhitzen sie das Metall genug bevor sie es abkühlen? Anderenfalls wird es nicht hart werden.“

Anka grinste.

&bdquo;Das kannst du nach dem Treffen gerne selbst überprüfen.“

Berin nickte. Wenigstens war er ein wenig von nutzen.



***



Sartes lief neben seinem Vater, der wiederum Anka folgte, als sie ihren Weg an der Schmiede vorbei und tiefer in das Tunnelsystem hinein fortsetzten. Hier liefen mehr Menschen herum, als er sich hätte träumen lassen. Männer und Frauen kümmerten sich um den Nachschub, übten sich in der Waffenkunst und rannten die Gänge auf und ab. Sartes erkannte unter ihnen einige ehemalige Rekruten, die sie aus den Fängen der Armee befreit hatten.

Schließlich gelangten sie zu einer Art Höhle mit einigen Steinsockeln, auf denen einmal Statuen gestanden haben mussten. Im flackernden Kerzenschein konnte Sartes die Anführer der Rebellion erkennen. Sie hatten sie bereits erwartet. Hannah, die sich gegen den Überfall ausgesprochen hatte, sah jetzt so glücklich aus, als hätte sie ihn selbst angeordnet. Die schlanke Statur Oreths, der jetzt einer von Ankas wichtigsten Vertretern war, lehnte grinsend an der Wand. Sartes machte auch die massige Erscheinung des ehemaligen Hafenarbeiters Edrin am Rande des Kerzenscheins aus während Jeralds Juwelen das Licht der Kerzen einfingen und der Kaufmannssohn unter den anderen, die lachten und Witze rissen, fast fehl am Platz schien.

Sie verstummten als die drei sich näherten und Sartes spürte jetzt eine deutliche Veränderung. Hatten sie Anka zuvor eher widerwillig zugehört, so zollten sie ihr jetzt nach dem Hinterhalt Respekt, als sie auf sie zukam. Sie hatte in Sartes’ Augen jetzt auch mehr die Ausstrahlung einer Anführerin, lief aufrechter und wirkte selbstbewusster.

&bdquo;Anka, Anka, Anka!“ begann Oreth und schnell stimmten auch die anderen in die Rufe mit ein, so wie es die Rebellen nach der Schlacht getan hatten.

Sartes stimmte mit ein und hörte, wie der Name der Anführerin im Gewölbe widerhallte. Er hielt erst inne, als Anka mit einer Geste um Ruhe bat.

&bdquo;Wir haben uns gut geschlagen“, sagte Anka mit einem eigentümlichen Lächeln. Es war eines der ersten, die Sartes seit Ende der Schlacht gesehen hatte. Sie war zu sehr damit beschäftigt gewesen, die Gefallenen sicher vom Schlachtfeld zu bergen. Sie hatte ein Auge für die Kleinigkeiten, die die Menschen in der Rebellion zählten.

&bdquo;Gut?“, fragte Edrin. &bdquo;Wir haben sie zermalmt.“

Sartes hörte, wie die Faust des Mannes zur Verdeutlichung in seine Handinnenfläche schlug.

&bdquo;Wir haben sie zerstört“, stimmte Jerald zu, &bdquo;dank deiner Führung.“

Anka schüttelte den Kopf. &bdquo;Wir haben sie gemeinsam geschlagen. Wir haben sie besiegt, weil jeder das seine getan hat. Und weil Sartes uns die Pläne besorgt hatte.“

Sartes wurde von seinem Vater nach vorne geschoben. Das hatte er nicht erwartet.

&bdquo;Anka hat Recht“, sagte Oreth. &bdquo;Wir schulden Sartes unseren Dank. Er hat uns die Pläne gebracht, und er war derjenige, der die Rekruten überzeugt hat, nicht zu kämpfen. Die Rebellion hat dank ihm nun mehr Anhänger.“

&bdquo;Halbausgebildete Rekruten“, setzte Hannah hinzu. &bdquo;Keine richtigen Soldaten.“

Sartes drehte sich zu ihr um. Sie war dagegen gewesen, dass er an der Sache hatte teilnehmen dürfen. Er mochte sie nicht, aber darum ging es in der Rebellion nicht. Sie alle gehörten einer Sache an, die größer war, als jeder einzelne von ihnen.

&bdquo;Wir haben sie geschlagen“, sagte Anka. &bdquo;Wir haben eine Schlacht gewonnen, doch das sollten wir nicht mit einem Sieg über das Reich verwechseln. Vor uns liegt noch ein langer Weg.“

&bdquo;Und sie haben nach wie vor viele Soldaten“, sagte Jerald. &bdquo;Ein langwieriger Krieg gegen sie, könnte uns teuer zu stehen kommen.“

&bdquo;Kalkulierst du etwa die Kosten?“ konterte Oreth. &bdquo;Das hier ist keine Geschäftsinvestition, in der du dir erst die Bücher ansiehst, bevor du kaufst.“

Sartes konnte hören, dass er genervt war. Als er zuerst zu den Rebellen gestoßen war, hatte er geglaubt, dass sie eine große, geschlossene Einheit wären, dass sie an nichts anderes denken konnten, als daran, das Reich zu besiegen. Doch dann hatte er herausgefunden, dass sie in vielerlei Hinsicht ganz einfache Leute waren, alle mit ihren eigenen Träumen und Hoffnungen, Wünschen und Bedürfnissen. Das machte Ankas Leistung sie nach Rexus’ Tod zusammenzuhalten noch eindrucksvoller.

&bdquo;Es ist die größte Investition, die es gibt “, sagte Jerald. &bdquo;Wir werfen alles was wir haben in eine Schale. Wir riskieren unser Leben für die Hoffnung, dass sich die Dinge zum besseren verändern werden. Ich bin genauso in Gefahr, wie jeder andere hier, wenn unser Anliegen misslingt.“

&bdquo;Es wird nicht misslingen“, sagte Edrin. &bdquo;Wir haben sie einmal geschlagen. Wir werden sie wieder schlagen. Wir wissen, wo sie angreifen werden und wann. Wir können sie jedes Mal abpassen.“

&bdquo;Wir können mehr als nur das“, sagte Hannah. &bdquo;Wir haben den Menschen gezeigt, dass wir sie schlagen können, warum holen wir uns dann nicht ein paar Sachen von ihnen zurück?“

&bdquo;Woran genau hast du gedacht?“ fragte Anka. Sartes sah, dass sie nachdachte.

&bdquo;Wir erobern ein Dorf nach dem anderen zurück“, sagte Hannah. &bdquo;Wir töten die dortigen Reichssoldaten noch bevor Lucious auch nur in ihre Nähe kommt. Wir zeigen den Leuten dort, was möglich ist und er wird sein blaues Wunder erleben, wenn sie sich dann gegen ihn erheben.“

&bdquo;Und wenn Lucious und seine Männer sie dann deshalb töten?“ wandte Oreth ein. &bdquo;Was dann?“

&bdquo;Dann zeigt das nur, wie grausam er ist“, insistierte Hannah.

&bdquo;Oder die Menschen sehen, dass wir sie nicht beschützen können.“

Sartes blickte sich um und erkannte erstaunt, dass sie ernsthaft über die Idee nachdachten.

&bdquo;Wir könnten einige von uns in den Dörfern stationieren, so dass sie auf der sicheren Seite sind“, schlug Jerald vor. &bdquo;Wir haben schließlich jetzt die Rekruten.“

&bdquo;Sie werden die Armee nicht lange aufhalten können, wenn sie einmal im Anmarsch ist“, schoss Oreth zurück. &bdquo;Sie würden zusammen mit den Dörflern sterben.“

Sartes wusste, dass er Recht hatte. Die Ausbildung der Rekruten war nicht mit derjenigen der stärksten Armeesoldaten zu vergleichen. Schlimmer noch hatten viele von ihnen in den Klauen der Armee so sehr gelitten, dass sie wahrscheinlich selbst große Angst haben würden.

Er sah, dass Anka mit einer Geste um Ruhe bat. Dieses Mal dauerte es ein wenig länger bis sie ihr gewährt wurde.

&bdquo;Oreth hat nicht ganz Unrecht“, sagte sie.

&bdquo;Natürlich stehst du auf seiner Seite“, antwortete Hannah sogleich.

&bdquo;Ich stimme ihm zu, weil er Recht hat“, sagte Anka. &bdquo;Wir können nicht einfach in die Dörfer gehen, sie zu Freien erklären und auf das Beste hoffen. Selbst mit den Rekruten sind wir einfach zu wenige Kämpfer. Wenn wir alle zusammen angreifen, dann liefern wir dem Reich die Gelegenheit uns auszulöschen. Und wenn wir alle Dörfer befreien wollen, dann werden sie uns Stück für Stück auseinandernehmen.“

&bdquo;Wenn wir genügend Dörfer überzeugen, sich zu erheben und ich meinen Vater dazu bringe einige Söldner anzustellen...“ schlug Jerald vor. Sartes bemerkte, dass er den Gedanken nicht zu Ende brachte. Der Sohn des Händlers hatte keine wirkliche Antwort parat.

&bdquo;Und dann was?“ fragte Anka. &bdquo;Sind wir ihnen zahlenmäßig gewachsen? Wenn es so einfach wäre, dann hätten wir das Reich schon vor Jahren besiegt.“

&bdquo;Dank Berin sind unsere Waffen jetzt viel besser“, hob Edrin hervor. &bdquo;Dank Sartes kennen wir ihre Pläne. Wir haben einen Vorteil! Sag es ihr, Berin. Erzähl ihr von den Klingen, die du angefertigt hast.“

Sartes blickte sich zu seinem Vater um, der mit den Schultern zuckte.

&bdquo;Es stimmt, ich habe gute Schwerter geschmiedet. Hinzu kommen noch zahlreiche passable Schwerter, die die anderen geschmiedet haben. Es ist wahr, dass einige von euch Rüstung haben werden und nicht einfach niedergemetzelt werden können. Aber ich sage euch eines, ein gutes Schwert alleine genügt nicht. Wichtiger ist die Hand, die es führt. Eine Armee ist wie eine Klinge. Sie kann groß sein, doch ohne im Kern aus gutem Stahl gemacht, wird sie im ersten Moment ihrer Erprobung brechen.“

Vielleicht hätten die anderen besser verstanden, wie ernst es seinem Vater war, wenn sie selbst einmal versucht hätten, ein Schwert zu schmieden. So konnte Sartes sehen, dass seine Worte sie nicht überzeugt hatten.

&bdquo;Was können wir sonst noch tun?“ fragte Edrin. &bdquo;Wir dürfen unseren Vorteil nicht einfach verstreichen lassen und uns zurücklehnen und warten. Ich würde vorschlagen, dass wir eine Liste mit allen den Dörfern aufstellen, die wir befreien können. Außer du hast einen besseren Vorschlag, Anka?“

&bdquo;Ich habe einen“, sagte Sartes.

Seine Stimme war leiser als er gewollt hatte. Er trat mit klopfendem Herzen und noch immer überrascht, dass er es gewagt hatte zu sprechen, nach vorne. Ihm war bewusst, dass er wesentlich jünger war als alle anderen hier. Er hatte seinen Teil zur Schlacht beigetragen, sogar einen Mann getötet, und doch riet ihm noch immer ein Teil seiner Selbst besser zu schweigen.

&bdquo;Es ist also ausgemacht“, begann Hannah. &bdquo;Wir – “

&bdquo;Ich sagte, ich habe eine bessere Idee“, sagte Sartes dieses Mal mit fester Stimme.

Die anderen blickten zu ihm.

&bdquo;Hört, was mein Sohn zu sagen hat“, sagte sein Vater. &bdquo;Ihr habt selbst gesagt, dass er dazu beigetragen hat, den Sieg zu erringen. Vielleicht hat er auch dieses Mal die rettende Lösung.“

&bdquo;Was für eine Idee hast du, Sartes?“ fragte Anka.

Alle Blicke richteten sich auf ihn. Sartes musste sich zwingen, mit fester Stimme zu sprechen. Er stellte sich vor, wie Ceres zu ihnen gesprochen hätte und welches Selbstbewusstsein Anka zuvor an den Tag gelegt hatte.

&bdquo;Wir können nicht in die Dörfer gehen“, sagte Sartes. &bdquo;Genau damit würden sie rechnen. Und wir können uns nicht allein auf die Karten verlassen, die ich mitgebracht habe, denn selbst wenn sie noch nicht wissen, dass wir ihre Bewegungen kennen, so werden sie es doch bald. Sie versuchen uns in die Falle zu locken.“

&bdquo;Das wissen wir bereits“, sagte Jerald. &bdquo;Ich dachte, du hättest einen Plan.“

Sartes gab nicht auf.

&bdquo;Was wäre, wenn es eine Möglichkeit gäbe, das Reich dort zu treffen, wo sie es am wenigsten erwarteten und wir obendrein noch ein paar gute Kämpfer für unsere Sache gewinnen könnten? Was wäre, wenn wir die Menschen für einen symbolischen Sieg, der größer wäre als der Schutz eines einzelnen Dorfes, mobilisieren könnten?“

&bdquo;Woran hast du gedacht?“ fragte Anka.

&bdquo;Wir befreien die Kampfherren aus dem Stadion“, sagte Sartes.

Eine lange, fassungslose Stille folgte. Die anderen starrten ihn an. Er konnte den Zweifel in ihren Gesichtern sehen und Sartes wusste, dass er weitersprechen musste.

&bdquo;Denkt nach“, sagte er. &bdquo;Fast alle Kampfherren sind Sklaven. Der Adel benutzt sie als wären sie ihr Spielzeug. Viele von ihnen wären dankbar, wenn man ihnen einen Ausweg anbieten würde und sie können besser kämpfen als jeder Soldat.“

&bdquo;Das ist krank“, sagte Hannah. &bdquo;Das Herz der Stadt so anzugreifen. Überall wären Wachen.“

&bdquo;Mir gefällt die Idee“, sagte Anka.

Die anderen blickten zu ihr und Sartes spürte Dankbarkeit für ihren Rückhalt.

&bdquo;Damit würden sie nicht rechnen“, fügte sie hinzu.

Wieder breitete sich Schweigen im Raum aus.

&bdquo;Wir bräuchten keine Söldner“, stimmte Jerald schließlich zu während er sich das Kinn rieb.

&bdquo;Die Menschen würden nicht aufbegehren“, setzte Edrin hinzu.

&bdquo;Wir müssten warten bis die Tötungen wieder beginnen“, hob Oreth hervor. &bdquo;Dann wären alle Kampfherren an einem Ort und es gäbe genug Menschen, die zusähen.“

&bdquo;Vor dem Blutmondfestival wird es keine weiteren Tötungen geben“, sagte sein Vater. &bdquo;Sechs Wochen. In sechs Wochen kann ich jede Menge Waffen schmieden.“

Dieses Mal war es Hannah, die schwieg, vielleicht weil sie merkte, dass sich das Blatt wendete.

&bdquo;Wir sind uns also einig?“ fragte Anka. &bdquo;Wir befreien die Kampfherren während des Blutmondfestivals?“

Sartes sah, wie einer nach dem anderen nickte. Selbst Hannah stimmte schließlich zu. Er spürte die Hand seines Vaters auf seiner Schulter. Er sah die Anerkennung in seinen Augen und die bedeutete ihm alles.

Er betete, dass sein Plan sie nun nicht alle das Leben kosten würde.




KAPITEL DREI


Ceres träumte und in ihren Träumen sah sie Armeen einander bekämpfen. Sie sah sich selbst in einer in der Sonne glänzenden Rüstung gekleidet an ihrer Spitze kämpfen. Sie sah sich selbst eine große Nation anführen und einen Krieg kämpfen, der das Schicksal der Menschheit bestimmen würde.

Doch sah sie auch, wie sie währenddessen die Augen zusammenkniff und nach ihrer Mutter suchte. Sie griff nach einem Schwert und blickte hinab, um zu erkennen, dass es dort keines gab.

Ceres schreckte auf. Es war Nacht und die endlose See vor ihr schimmerte im Mondlicht. Während sie in ihrem kleinen Boot dahintrieb, konnte sie kein Land erkennen. Nur die Sterne boten ihr die Gewissheit mit ihrem kleinen Gefährt auf dem richtigen Kurs zu sein.

Die vertrauten Sternkonstellationen schienen über ihr. Dort stand der Drachenschwanz am Himmel unter dem Mond, dort das Alte Auge, das sich in der Dunkelheit um einen der hellsten Sterne formierte. Das Schiff welches das Waldvolk halb gebaut, halb herangezogen hatte, schien nicht von dem von Ceres gewählten Kurs abzuweichen, selbst wenn sie sich ausruhte oder aß.

Hinter der Steuerbordseite des Bootes konnte Ceres im Wasser Lichter sehen. Leuchtquallen schwammen wie Unterwasserwolken an ihr vorüber. Ceres sah unter ihnen den Schatten einiger Fische die wie Dartpfeile durch den Schwarm hindurchschossen, nach den Quallen schnappend huschten sie schnell davon bevor einer der Tentakel sie erwischen konnte. Ceres sah ihnen nach bis sie die Tiefen vollkommen verschluckt hatten.

Sie aß eine der süßen Kakteenfrüchte, mit denen die Inselbewohner ihr Boot beladen hatte. Als sie sich auf die Reise begeben hatte, war es ihr so vorgekommen, als würde der Vorrat viele Wochen reichen. Jetzt sah es allerdings anders aus. Sie musste an den Anführer des Waldvolkes denken. Auf seine eigene asymmetrische Art war es so gutaussehend gewesen mit seiner Haut, die der Fluch mit Stellen rauer Rinde und grünem Moos überzogen hatte. War er jetzt auf der Insel, spielte seine sonderbare Musik und dachte an sie?

Über dem Wasser um sie zog Nebel auf. Noch immer drangen Strahlen des Mondlichts durch die dicker werdende Nebelwand, die ihr den Blick in den Himmel über ihr versperrte. Er wirbelte und waberte über das Boot hinweg und schien wie Finger nach ihr zu greifen. Die Gedanken an Eoin führten sie unweigerlich zu Thanos. Thanos der an den Ufern von Haylon getötet worden war bevor Ceres ihm sagen konnte, dass sie die Dinge, die sie ihm vorgeworfen hatte, bevor er aufgebrochen war, nicht so gemeint hatte. Hier auf dem Boot und so ganz allein kam Ceres nicht umhin, sich einzugestehen, wie sehr sie ihn vermisste. Die Liebe, die sie für ihn empfunden hatte, zog sie wie ein Band zurück nach Delos, auch wenn Thanos dort nicht mehr war.

Der Gedanke an Thanos schmerzte sie. Die Erinnerung klaffte wie eine offene Wunde, die sich nie wieder vollends schließen würde. So viele unerledigte Dinge lagen vor ihr, doch nichts davon würde Thanos zurückbringen. Sie hätte ihm noch so vieles sagen wollen, wenn er noch da gewesen wäre, doch das war er nicht mehr. Jetzt gab es nur noch die Leere des Nebels.

Der Nebel umströmte noch immer das Boot und jetzt konnte Ceres die Spitzen von Felsen aus dem Wasser ragen sehen. Einige der Felsen waren aus klingenscharfem schwarzen Basalt während andere in den Farben des Regenbogens inmitten des Ozeanblaus schimmerten und wie riesige Edelsteine aussahen. Auf einigen prangten verschnörkelte Zeichen und Ceres war sich nicht sicher, ob sie natürlich oder vor langer Zeit in den Stein gemeißelt worden waren.

Würde ihre Mutter irgendwo jenseits der Felsen auf sie warten?

Bei diesem Gedanken machte sich Aufregung in Ceres breit. Sie stieg in ihr auf wie der Nebel, der um das Boot floss. Sie würde ihre Mutter sehen. Ihre wahre Mutter, nicht diejenige, die sie gehasst hatte und die sie bei erster Gelegenheit an einen Sklavenhalter verkauft hatte. Ceres hatte keine Ahnung, wie diese Frau sein würde, doch allein die Chance sie kennenzulernen erfüllte sie mit großer Vorfreude, während sie das kleine Boot an den Felsen vorbeisteuerte.

Starke Stromschnellen zogen an dem Boot und drohten ihr das Ruder aus der Hand zu reißen. Wenn sie nicht auf die Stärke in ihr hätte trauen können, dann wäre sich Ceres nicht sicher gewesen, ob sie das Ruder hätte halten können. Sie zog das Ruder zur Seite und ihr kleines Boot fügte sich beinahe anmutig und glitt so nah an den Felsen vorbei, dass sie sie beinahe hätte berühren können.

Sie segelte weiter durch die Felsenlandschaft hindurch und sie spürte, dass sie mit jedem Stein, an dem sie vorbeikam, ihrer Mutter näherkam. Was für eine Frau war sie? In ihrer Vision hatte sie sie nur verschwommen wahrgenommen, doch Ceres hegte eine ahnungsvolle Hoffnung. Vielleicht war sie herzlich und sanft und liebevoll; all das, was ihre angebliche Mutter in Delos nicht gewesen war.

Was würde ihre Mutter von ihr halten? Dieser Gedanke beschäftigte Ceres als sie das Boot weiter durch den Nebel steuerte. Sie wusste nicht, was da vor ihr lag. Vielleicht würde ihre Mutter sie ansehen und in ihr nur die Person sehen, die nicht in der Lage gewesen war, im Stadion zu siegen, die im Reich nichts als eine Sklavin gewesen war und die den Menschen, den sie am meisten geliebt hatte, verloren hatte. Was würde, wenn ihre Mutter sie zurückwies? Was wenn sie kalt oder grausam oder vergebungslos war?

Oder vielleicht aber nur vielleicht würde sie auch stolz auf sie sein.

Ceres durchbrach die Nebelwand so plötzlich als würde ein Schleier gelüftet. Jetzt lag die See ruhig und ohne die aus dem Wasser ragenden Felsen vor ihr. Sofort konnte sie sehen, dass sich etwas verändert hatte. Das Licht des Mondes erschien ihr jetzt irgendwie heller und um sie türmten sich farbenfrohe Nebelstreifen in der Nacht. Selbst die Sterne schienen verändert, sodass Ceres sich nicht wie zuvor an den vertrauten Konstellationen der Gestirne orientieren konnte. Ein Komet zog seine Bahn über den Horizont, sein feuriges Rot gemischt mit Gelb und anderen Farben schienen nicht von dieser Welt.

Noch seltsamer war die Kraft, deren Puls Ceres in sich spürte, so als würde sie auf die neue Umgebung reagieren. Sie schien sich in ihr auszubreiten, sich zu öffnen und ihr diesen neuen Ort auf hundert neue, nie zuvor erfahrene Wege zu erschließen.

Ceres sah, wie sich aus dem Wasser eine Gestalt erhob, ein langer Serpentinenhals tauchte auf und verschwand mit einem Platschen und unter Wasserspritzern gleich wieder in den Wogen. Noch einmal erschien die Kreatur kurz und Ceres hatte den Eindruck, dass etwas Gigantisches an ihr im Wasser vorbeischwamm. Dann war es fort. Im Mondlicht flatterten Wesen, die wie Vögel aussahen, und erst als Ceres näher kam, sah sie, dass es silberne Motten waren, größer als ihr Kopf.

Plötzlich befiel ein schwerer Schlaf ihre Lider und Ceres schob den Ruderstock zur Seite, legte sich nieder und ließ sich vom Schlaf entführen.



***



Ceres erwachte vom Vogelgezänk. Das Sonnenlicht blendete sie und sie setzte sich auf. Sie sah, dass es gar keine Vögeln waren. Zwei Kreaturen mit katzengleichen Körpern zogen wie Adler über ihr ihre Bahnen. Ihre Raubtierschnäbel waren zum Schreien geöffnet. Doch schienen sie sich nicht zu nähern, umkreisten nur das Boot und flogen schließlich davon.

Ceres’ Blick folgte ihnen und fiel am Ende des Horizonts auf einen kleinen Fleck, eine Insel, auf die sie zuflogen. Ceres setzte so schnell sie konnte wieder das kleine Segel und versuchte so den Wind zu fangen, der blies und sie in Richtung der Insel tragen würde.

Der Fleck wurde größer und etwas, das erneut nach Felsen aussah, ragte immer größer werdend aus dem Ozean je näher Ceres kam. Doch diese Felsen waren anders als diejenigen, auf die sie zuvor im Nebel gestoßen war. Diese waren quaderförmig und aus regenbogenfarbigem Marmor gefertigt. Einige sahen aus wir die Türme von großen schon lange von den Wellen verschluckten Gebäuden.

Ein halber Steinbogen ragte aus dem Wasser. Er war so riesig, dass Ceres sich die unter Wasser liegenden Gesamtausmaße des Gebäudes kaum vorstellen konnte. Sie blickte über den Rand ihres Bootes und das Wasser war so klar, dass sie bis auf den Grund sehen konnte. Es war nicht besonders tief und Ceres konnte die Überreste eines alten Gebäudes dort unten ausmachen. Sie waren so nah, dass sie mit angehaltenem Atem zu ihnen hinab hätte schwimmen können. Dass sie es nicht tat, lag zum einen an dem was dort im Wasser lauerte und an dem was dort vor ihr lag.

Hier lag sie. Die Insel auf der sie Antworten bekommen würde, auf der sie mehr über ihre Kräfte lernen würde.

Wo sie endlich ihre Mutter treffen würde.




KAPITEL VIER


Lucious schwenkte sein Schwert herum und erfreute sich daran, wie es im Morgengrauen funkelte bevor er es in dem alten Mann, der ihm in die Quere gekommen war, versenkte. Um ihn herum sorgten seine Männer dafür, dass sowohl diejenigen die es wagten, sich zu widersetzen als auch jene, die so dumm waren zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, mit ihrem Leben bezahlen mussten.

Er grinste als sich die Schreie um ihn erhoben. Es gefiel ihm, wenn die Bauern versuchten zu kämpfen, denn es gab seinen Männern die Gelegenheit ihnen zu zeigen, wie schwach sie mit ihnen verglichen wirklich waren. Wie viele hatte er bereits in Plünderungen wie dieser umgebracht? Er hatte sich nicht die Mühe gemacht, mitzuzählen. Warum sollte er diesem Pack über das notwendige Maß hinaus auch nur die geringste Aufmerksamkeit schenken?

Lucious sah, wie die Bauern begannen davonzurennen und gestikulierte in Richtung einiger seiner Männer. Diese rannten ihnen nach. Rennen war fast noch besser als kämpfen, denn darin lag die Herausforderung sie wie Beute, die sie schließlich waren, einzufangen.

&bdquo;Euer Pferd, Hoheit?“ fragte einer der Männer, der Lucious’ Hengst zu ihm führte.

Lucious schüttelte seinen Kopf. &bdquo;Ich denke, ich brauche meinen Bogen.“

Der Mann nickte und reichte Lucious einen eleganten in Silber gefassten Recurvebogen aus Weißesche und Horn. Er spannte einen Bogen ein, zog die Sehne und ließ los. In der Ferne ging einer der flüchtenden Bauern zu Boden.

Niemand kämpfte mehr, aber das hieß nicht, dass sie hier fertig waren. Noch lange nicht. Bauern die versucht hatten sich zu verstecken, konnten genauso unterhaltsam sein, wie jene die davonliefen oder kämpften. Es gab unzählige Wege einerseits die zu quälen, die so aussahen als besäßen sie Gold und andererseits die zu töten, die für die Rebellen Sympathien hegten. Das brennende Rad, der Galgen, die Schlinge... was würde ihm heute gefallen?

Lucious gab einigen seiner Männer ein Zeichen, die Türen einzutreten. Gelegentlich mochte er es auch, die Häuser einfach in Brand zu setzen, um diejenigen, die sich darin versteckten, herauszulocken. Doch waren die Häuser wertvoller als die Bauern. Eine Frau kam herausgerannt. Lucious fing sie ab und schleuderte sie in Richtung einer der Sklavenhalter, die sich ihnen wie Möwen, die einem Fischerboot folgten, angeschlossen hatten.

Er stolzierte in den Tempel des Dorfes. Der Priester lag bereits auf dem Boden und hielt sich seine gebrochene Nase während Lucious’ Männer Gold und Silber in einen Sack stopften. Eine Frau im Gewand einer Priesterin kümmerte sich um ihn. Lucious bemerkte die blonde Strähne, die unter ihrer Kutte hervorguckte. Die Ähnlichkeit ihrer feinen Züge ließ ihn einen Moment stutzen.

&bdquo;Das könnt ihr nicht machen“, beharrte die Frau. &bdquo;Wir sind ein Tempel!“

Lucious griff nach ihr und streifte ihr die Kapuze vom Kopf um sie sich genauer anzusehen. Sie war keine Doppelgängerin von Stephania – keiner Frau von niederer Herkunft wäre das gelungen – aber sie war ihr ähnlich genug, um sie eine Weile zu behalten. Zumindest bis ihm langweilig wurde.

&bdquo;Ich wurde vom König gesandt“, sagte Lucious. &bdquo;Sag mir nicht, was ich nicht tun könnte!“

Zu viele Menschen in seinem Leben hatten das versucht. Sie hatten versucht ihn in seine Schranken zu weisen, wenn er doch die einzige Person des Reichs war, dem alles offen stand. Seine Eltern hatten es versucht, doch er würde schließlich eines Tages König sein. Er würde König sein, was auch immer er in der Bibliothek gefunden hatte als der alte Cosmas geglaubt hatte, er sei zu dumm, um zu verstehen. Thanos würde lernen, wo sein Platz war.

Lucious griff fester nach dem Haar der Priesterin. Auch Stephania würde lernen, wohin sie gehörte. Wie konnte sie es wagen, Thanos zu heiraten, als wäre er der begehrte Prinz? Nein, Lucious würde einen Weg finden, um das richtigzustellen. Er würde einen Keil zwischen Thanos und Stephania treiben, so wie er die Häupter von allen seinen Widersachern gespalten hatte. Er würde sich Stephania zur Frau nehmen, schließlich gehörte sie nicht nur Thanos, sondern war auch das perfekte Beiwerk für jemanden seines Ranges. Er würde es genießen und bis dahin würde ihm die Priesterin, die er sich hier geangelt hatte, als Ersatz dienen.

Er warf sie einem seiner Männer zur Obhut zu und setzte seine Suche nach weiterer Unterhaltung im Dorf fort. Als er nach draußen trat sah er, wie zwei seiner Männer einen Dorfbewohner, der versucht hatte davonzulaufen, mit ausgebreiteten Armen festbanden.

&bdquo;Warum habt ihr den am Leben gelassen?“ fragte Lucious.

Einer von ihnen grinste. &bdquo;Tor hier hat mir von etwas erzählt, das sie Nordmänner tun. Sie nennen es den Blutadler.“

Das gefiel Lucious. Er war schon drauf und dran nachzufragen, worum es sich genau handelte, als er den Ruf einer seiner Späher, die nach Rebellen Ausschau halten sollten, vernahm. Lucious wandte sich um, doch anstatt eine näherkommende Horde Abschaum zu erblicken, sah er eine einzelne Person auf einem Pferd, das in seiner Größen seinem eigenen entsprach, näherkommen. Lucious erkannte augenblicklich die Rüstung.

&bdquo;Thanos“, sagte er. Er schnipste mit den Fingern. &bdquo;Nun, es sieht so aus, als würde der heutige Tag interessanter werden als ich angenommen hatte. Bring mir noch einmal meinen Bogen.“



***



Thanos trieb sein Pferd voran als er sah, was sein Halbbruder im Zuge war zu tun. Jeder noch verbliebende Zweifel Stephania zurückgelassen zu haben, verpuffte in der Hitze seiner Wut beim Anblick der toten Bauern, der Sklavenhalter und des an den Baum gefesselten Mannes.

Er sah, wie Lucious nach vorne trat und seinen Bogen hob. Für einen Augenblick konnte Thanos nicht glauben, dass er das tun würde, aber warum auch nicht? Lucious hatte schon zuvor versucht ihn umzubringen.

Er sah, wie der Pfeil von der Sehne pfiff und hob gerade noch rechtzeitig sein Schild. Der Kopf des Pfeils traf das Metall seines Schilds bevor er daran abprallte. Ein zweiter Pfeil folgte sogleich und dieses Mal bohrte er sich hindurch und blieb nur wenige Zentimeter von Thanos’ Gesicht im Holz stecken.

Thanos drängte sein Pferd nach vorne als ein dritter Pfeil an ihm vorbeisauste. Er sah, wie Lucious und seine Männer aus dem Weg sprangen als er über die Stelle, wo sie gestanden hatten, hinwegraste. Er drehte und zog in dem Moment sein Schwert als Lucious wieder auf die Füße kam.

&bdquo;Thanos, so schnell. Jeder hier würde annehmen, dass du erfreut bist, mich wiederzusehen.“

Thanos richtete sein Schwert auf Lucious’ Herz. &bdquo;Das hört jetzt auf, Lucious. Ich werde nicht zulassen, dass du auch nur noch einen einzigen mehr aus unserem Volk tötest.“

&bdquo;Unserem Volk?“ konterte Lucious. &bdquo;Es ist mein Volk, Thanos. Meines, mit dem ich anstellen kann, was ich will. Darf ich es dir demonstrieren.“

Thanos sah, wie er sein Schwert zog und auf den am Baum festgebundenen Mann zulief. Thanos erkannte, was sein Halbbruder vorhatte und setzte sein Pferd erneut in Gang.

&bdquo;Haltet ihn still“, ordnete Lucious an.

Seine Männer sprangen gehorsam auf. Einer trat auf Thanos zu und hielt ihm einen Speer vor sein Gesicht. Thanos wehrte ihn mit seinem Schild ab, hieb die Spitze der Waffe mit seiner Klinge ab und trat nach dem Mann, sodass er rücklings zu Boden ging. Er stach einen anderen nieder, der auf ihn zu gerannt kam, indem er sein Schwert kurz durch das Kettenhemd des Mannes in dessen Schulter rammte.

Er drängte unter dem Druck seiner Widersacher nach vorne. Lucious lief immer noch auf das von ihm ausgewählte Opfer zu. Thanos schwang sein Schwert gegen einen von Lucious’ Gaunern und eilte auf Lucious zu, der nun auch sein Schwert zog. Thanos schaffte es gerade noch sein Schild dazwischen zu heben, als schon der Schlag kam und das Geräusch von Metall auf Metall hörbar wurde.

Lucious griff nach seinem Schild.

&bdquo;Du bist vorhersehbar, Thanos“, sagte er. &bdquo;Mitgefühl war schon immer deine Schwäche.“

Er übte einen solchen Druck aus, dass Thanos vom Sattel gerissen wurde. Er rollte sich rechtzeitig herum, um einem Schwerthieb auszuweichen. Er befreite seinen Arm aus der Halterung seines Schilds und griff sein Schwert mit beiden Händen als Lucious’ Männer wieder auf ihn zukamen. Er sah, dass sein Pferd davongaloppierte, doch das bedeutete lediglich, dass er nun den Höhenvorteil nicht mehr haben würde.

&bdquo;Tötet ihn“, sagte Lucious. &bdquo;Wir werden es den Rebellen anhängen.“

&bdquo;Darin bist du gut, oder?“ schoss Thanos zurück. &bdquo;Es ist schade, dass du nicht ihm Stande bist, irgendetwas fertigzubringen.“

Einer von Lucious’ Männern rannte auf ihn zu und schwenkte eine Keule mit Dornen. Als er die Keule schon halb geschwungen hatte, versetzte Thanos ihr einen diagonalen Schnitt, wirbelte dann mit seinem Schwert herum, um so die anderen auf Abstand zu halten.

Sie zögerten nicht lange, als hätten sie gewusst, dass ihre Hoffnung, Thanos im Alleingang zu besiegen, aussichtslos war. Thanos wich zurück bis er mit dem Rücken an der nächstgelegenen Hauswand stand, denn so konnten seine Gegner ihn nicht umzingeln. Drei Männer waren nun in seiner Nähe, einer mit einer Axt, einer mit einem kurzen Schwert und einer mit einer gebogenen sichelähnlichen Klinge.

Thanos hielt sein Schwert nahe bei sich und beobachtete sie, denn er wollte keinem der Söldner die Chance geben, seine Klinge lange genug in einen Kampf zu verwickeln, dass er sich für die anderen angreifbar machte.

Derjenige mit dem kurzen Schwert zu Thanos’ Rechten versuchte sein Glück. Thanos wehrte ihn halb ab und hörte das Klappern seiner Rüstung. Ein Instinkt riet ihm sich umzudrehen und sich zu ducken, gerade rechtzeitig um der Axt in der linken Hand des Mannes auszuweichen. Thanos brachte den Lumpen mit einigen Hieben auf Knöchelhöhe zu Fall. Dann zog er sein Schwert zurück und schlug rücklings zu. Er hörte einen Schrei als der erste Mann in seine Klinge lief.

Der mit der gebogenen Klinge griff mit mehr Vorsicht an.

&bdquo;Greif ihn an! Töte ihn!“ forderte Lucious mit offenkundiger Ungeduld. &bdquo;Oh, ich werde mich selbst darum kümmern!“

Thanos wehrte den Schlag des hinzukommenden Prinzen ab. Er bezweifelte, dass Lucious diesen Schritt gewagt hätte, wenn nicht noch ein zweiter Mann zu seiner Hilfe dagewesen wäre und vielleicht waren auch schon mehr auf dem Weg. Alles was Lucious eigentlich tun musste, war, ihn hinzuhalten und Thanos würde sich mit einer ungeheuren Anzahl von Kämpfern konfrontiert sehen.

Thanos würde also keine Sekunde vergeuden. Er griff an. Es folgte ein Schlag auf den anderen, immer im rhythmischen Wechselspiel zwischen Lucious und dem Gauner, den Lucious mitgebracht hatte. Dann hielt er plötzlich inne. Der Sichelkämpfer schnitt ins Leere. Thanos schlug in den entstandenen Freiraum und der Kopf des Mannes flog von dannen.

Sofort ging er auf Lucious los, heftete seine Klinge an die seine. Lucious trat nach ihm, doch Thanos wich den Tritten aus und griff über den Metallschutz von Lucious’ Schwert nach dessen Knauf. Thanos riss es nach oben, befreite die Klinge aus Lucious’ Hand und schmiss sie neben ihn. Seine Klinge prallte gegen Lucious’ Bruststück. Lucious zog einen Dolch und Thanos änderte den Griff um sein Schwert, so dass er das Ende seines Hefts senkte und so mit der Parierstange Lucious’ Knie zu fassen bekam.

Er zog und Lucious ging zu Fall. Thanos trat mit voller Kraft den Dolch aus seiner Hand.

&bdquo;Sag mir noch einmal, dass Mitgefühl meine Schwäche sei“, sagte Thanos und hob die Spitze seines Schwertes an Lucious’ Hals.

&bdquo;Das wagst du nicht“, sagte Lucious. &bdquo;Du willst mir doch nur Angst machen.“

&bdquo;Dir Angst machen?“ sagte Thanos. &bdquo;Wenn ich glauben würde, dass es genügen würde, dir Angst zu machen, dann hätte ich dich schon vor Jahren zu Tode erschreckt. Nein, ich werde das zu Ende bringen.“

&bdquo;Zu Ende bringen?“ sagte Lucious. &bdquo;Es wird nicht enden, Thanos. Nicht bis ich gewonnen habe.“

&bdquo;Darauf kannst du lange warten“, versicherte ihm Thanos.

Er hob sein Schwert. Ich musste es tun. Lucious musste aufgehalten werden.

&bdquo;Thanos!“

Thanos blickte in die Richtung, aus der Stephanias Stimme gekommen war. Zu seiner Überraschung sah er sie auf ihn zureiten, allein und in vollem Galopp. Sie trug ein Reitkostüm, das sich sehr von der eleganten Kleidung unterschied, die sie normalerweise trug. So wie es aussah, hatte sie sich in großer Eile angezogen.

&bdquo;Thanos, nicht!“ schrie sie als sie näher kam.

Thanos umklammerte das Schwert noch energischer. &bdquo;Nach allem was er getan hat, glaubst du etwa nicht, dass er es verdient?“

&bdquo;Es geht nicht um das, was er verdient“, sagte Stephania und stieg von ihrem Pferd. &bdquo;Es geht darum, was du verdienst. Wenn du ihn tötest, dann werden sie dich dafür umbringen. So wird es sein und ich will dich nicht auf diese Art verlieren.“

&bdquo;Hör auf sie, Thanos“, sagte Lucious, der auf dem Boden lag.

&bdquo;Sei still“, fauchte Stephania. &bdquo;Oder willst du ihn ermutigen, dich umzubringen?“

&bdquo;Er muss aufgehalten werden“, sagte Thanos.

&bdquo;Nicht so“, beharrte Stephania. Thanos spürte, wie ihre Hand auf seinem Arm das Schwert zur Seite drehte. &bdquo;Nicht auf einem Weg, der auch dich tötet. Du hast mir versprochen, dass du mir den Rest unserer Leben gehörst. Willst du, dass es so schnell vorbei ist?“

&bdquo;Stephania – “ begann Thanos, doch sie ließ ihn nicht aussprechen.

&bdquo;Und was ist mit mir?“ fragte sie. &bdquo;In was für eine Gefahr bringst du mich, wenn mein Mann den Thronerben tötet? Nein, Thanos. Lass es sein. Tu es für mich.“

Hätte ihn jemand anderes darum gebeten, so hätte Thanos nicht auf ihn gehört. Es stand zu viel auf dem Spiel. Doch er durfte Stephania nicht in Gefahr bringen. Er schlug sein Schwert nur wenige Zentimeter an Lucious’ Kopf vorbei in den Schlamm. Lucious rollte sich bereits zur Seite und rannte auf sein Pferd zu.

&bdquo;Das wirst du bereuen!“ rief Lucious zurück. &bdquo;Ich verspreche dir, dass du es bereuen wirst!“




KAPITEL FÜNF


Als er und Stephania zurückkehrten, sah Thanos, wie die Wachen ihn bereits an der langen Brücke des Stadttores erwarteten. Er hob sein Kinn und setzte seinen Ritt fort. Er hatte es icht anders erwartet. Und er würde nicht davor davonlaufen.

Stephania sah sie offenbar auch. Thanos sah, wie sich ihr Körper im Sattel anspannte, wie ihr entspannter Körper innerhalb einer Sekunde eine überkorrekte Haltung annahm. Es war als würde sie eine Maske aufsetzen, und Thanos streckte automatisch seine Hand aus, um sie auf die ihren, die die Zügel hielten, zu legen.

Die Wache kreuzte ihre Helmbarten, um ihnen den Weg zu versperren als sie sich näherten. Thanos brachte sein Pferd zum Stehen. Er stellte sich zwischen Stephania und die Wachen nur für den Fall, Lucious hatte sie bezahlt, ihn anzugreifen. Er sah, wie sich ein Offizier aus der Gruppe von Wachmännern löste und salutierte.

&bdquo;Prinz Thanos, willkommen zurück in Delos. Meinen Männern und mir wurde aufgetragen Euch zum König zu eskortieren.“

&bdquo;Und wenn mein Mann sich weigert Folge zu leisten?“ fragte Stephania in einem Ton, dem das gesamte Reich gefolgt wäre.

&bdquo;Vergebt mir, Gnädige Frau“, sagte der Offizier, &bdquo;doch der König hat uns klare Anweisungen gegeben.“

Thanos hob eine Hand bevor Stephania einen Diskussion anzetteln konnte.

&bdquo;Ich verstehe“, sagte er. &bdquo;Ich werde mitkommen.“

Die Wächter gingen voraus und man musste ihnen zugute halten, dass es ihnen tatsächlich gelang, es wie eine Eskorte aussehen zu lassen. Sie führten ihn durch Delos, und Thanos bemerkte, dass die von ihnen gewählte Route, durch die von Bäumen und herrschaftlichen Häusern gesäumten Straßen, sie durch die schönsten Teile der Stadt führte und die schlimmsten Stadtteile vermied, auch wenn sie einen unmittelbareren Weg geboten hätten. Vielleicht versuchten sie sich schlicht an die sicheren Viertel zu halten. Doch vielleicht dachten sie auch, dass Adlige wie Thanos und Stephania die Misere, die es andernorts gab, nicht sehen wollten.

Schon bald thronten die Mauern des Schlosses vor ihnen. Die Wache führte ihnen den Weg durch die Tore, und Burschen nahmen sich ihren Pferden an. Der Weg durch das Schloss fühlte sich durch die vielen Wachen, die sie in der Enge der Schlossgänge umgaben, bereits feindseliger als gewöhnlich an. Stephania nahm Thanos’ Hand und er drückte sie sanft und in Zusicherung.

Als sie die königlichen Gemächer erreicht hatten, versperrte ihnen die vor der Tür postierte königliche Leibgarde den Weg.

&bdquo;Der König wünscht Prinz Thanos allein zu sprechen“, sagte einer.

&bdquo;Ich bin seine Frau“, sagte Stephania in einem derart kalten Tonfall, der, so vermutete Thanos, die meisten Leute sofort zur Seite hätte weichen lassen.

Doch die königliche Leibgarde schien gänzlich unbeeindruckt. &bdquo;Das tut nichts zur Sache.“

&bdquo;Es ist schon gut“, sagte Thanos.

Als er eintrat, wartete der König bereits auf ihn. König Claudius stand auf ein Schwert, dessen Heft die Tentakel eines sich windenden Kraken bildeten, gelehnt da. Es reichte ihm beinahe bis zur Brust, und Thanos war sich sicher, dass die Klinge überaus scharf war. Thanos hörte, wie die Tür hinter ihm zuschlug.

&bdquo;Lucious hat mir erzählt, was du getan hast“, sagte der König.

&bdquo;Ich bin sicher, dass er sofort zu dir gerannt ist“, antwortete Thanos. &bdquo;Hat er dir auch erzählt, was er in jenem Moment gerade vorhatte?“

&bdquo;Er tat, was ihm befohlen worden war“, polterte der König, &bdquo;der Rebellion entgegenzuwirken. Doch du bist losgezogen und hast ihn angegriffen. Du hast seine Männer getötet. Er sagt, dass du ihn nur durch eine List besiegt hast und dass du ihn getötet hättest, wenn Stephania nicht dazwischen gegangen wäre.“

&bdquo;Wie kann das Schlachten von Dorfbewohnern die Rebellion aufhalten?“ konterte Thanos.

&bdquo;Dich interessieren die Bauern mehr als dein eigenes Verhalten“, sagte König Claudius. Er hob das Schwert, das er hielt, als würde er es wiegen. &bdquo;Es ist Verrat, den Sohn des Königs anzugreifen.“

&bdquo;Ich bin des Königs Sohn“, erinnerte ihn Thanos. &bdquo;Du hast Lucious nicht hinrichten lassen, nachdem er versucht hatte mich zu töten.“

&bdquo;Deine Geburt ist der einzige Grund, weshalb du noch am Leben bist“, antwortete König Claudius. &bdquo;Du bist mein Sohn, doch gleiches gilt auch für Lucious. Du hast nicht das Recht, ihn zu bedrohen.“

Wut stieg in Thanos auf. &bdquo;Ich bekomme nichts Greifbares. Nicht einmal die Anerkennung meiner Person.“

In einer Ecke des Raumes standen Statuen, die berühmte Ahnen des Königshauses darstellten. Sie fielen nicht sofort ins Auge, waren fast versteckt, als wollte der König nicht an sie erinnert werden. Dennoch deutete Thanos auf sie.

&bdquo;Lucious kann sich auf diese dort berufen und seine rechtmäßige Macht, die bis zu den Gründungstagen des Reiches zurückreicht, einfordern“, sagte er. &bdquo;Er kann sich auf die Rechte all jener berufen, die den Thron bestiegen haben, nachdem die Uralten Delos verlassen hatten. Und was habe ich? Vage Vermutungen über meine Geburt? Verschwommene Bilder von Eltern, die vielleicht nicht einmal wirklich gelebt haben?“

König Claudius schritt durch den Raum auf seinen großen Stuhl zu. Er setzte sich und legte das Schwert, das er hielt, auf seine Knie.

&bdquo;Du hast einen ehrhaften Platz am Hof“, sagte er.

&bdquo;Einen ehrhaften Platz am Hof?“, antwortete Thanos. &bdquo;Ich bin der Ersatzprinz, den niemand wirklich will. Lucious war vielleicht derjenige, der versucht hat, mich auf Haylon zu töten, aber du warst derjenige, der mich erst dorthin gesandt hatte.“

&bdquo;Die Rebellion muss zerschlagen werden, wo auch immer sie aufkeimt“, erwiderte der König. Thanos sah, wie er mit seinem Daumen die Klinge des Schwertes entlangfuhr. &bdquo;Das musstest du lernen.“

&bdquo;Oh, das habe ich“, sagte Thanos und bewegte sich nach vorne bis er vor seinem Vater stand. &bdquo;Ich habe gelernt, dass du mich lieber los sein würdest als mich anzuerkennen. Ich bin dein ältester Sohn. Kraft der Gesetze des Reichs sollte ich der Thronerbe sein. Der älteste Sohn ist seit den ersten Tagen von Delos der rechtmäßige Thronerbe.“

&bdquo;Der älteste überlebende Sohn“, sagte der König leise. &bdquo;Denkst du, du hättest überlebt, wenn die Leute es gewusst hätten?“

&bdquo;Tu nicht so, als hättest du mich beschützt“, antwortete Thanos. &bdquo;Du hast dich selbst geschützt.“

&bdquo;Besser als Zeit damit zu vergeuden, für Menschen zu kämpfen, die es nicht verdient haben“, sagte der König. &bdquo;Weißt du eigentlich, wie das aussieht, wenn du umherziehst und Bauern beschützt, die ihren Platz kennen sollten?“

&bdquo;Es sieht nach jemandem aus, der sich um sie kümmert!“ rief Thanos. Er konnte seine Stimme nicht länger gesenkt halten, denn es erschien ihm der einzige Weg, seinen Vater überhaupt noch zu erreichen. Vielleicht konnte er ihn zur Vernunft bringen und das Reich zu einem besseren Ort machen. &bdquo;Es sieht so aus, als wären ihre Herrscher nicht auch ihre Feinde, die sie töten wollten, sondern Menschen die sie respektieren. Es sieht so aus, als würden uns ihre Leben etwas bedeuten und wären nicht etwas das wir auf einer unserer pompösen Feste einfach beiseite werfen!“

Der König schwieg eine lange Weile. Thanos konnte den Zorn in seinen Augen sehen. Es machte ihm nichts aus. Es entsprach der Wut, die Thanos selbst spürte.

&bdquo;Knie dich hin“, sagte König Claudius schließlich.

Thanos zögerte, nur für eine Sekunde, doch es war anscheinend lange genug.

&bdquo;Knie dich hin!“ bellte der König. &bdquo;Oder willst du, dass ich dich dazu bringe? Ich bin noch immer der König hier!“

Thanos kniete sich auf den harten Steinboden vor den Stuhl des Königs. Er sah, wie der König mit großer Mühe das Schwert hob, so als wäre es lange her seitdem er dies das letzte Mal getan hatte.

Thanos’ Gedanken wanderten zu dem Schwert, das er an seiner Seite trug. Er bezweifelte nicht, dass es als Gewinner hervorgehen würde, wenn es zu einem Kampf zwischen ihm und dem König käme. Er war jünger, stärker und hatte mit den Besten, die das Stadion zu bieten hatte, gekämpft. Aber das hieße, seinen eigenen Vater zu töten. Mehr als das, wäre es wirklich Vaterlandsverrat.

&bdquo;Ich habe in meinem Leben vielerlei gelernt“, sagte der König mit noch immer erhobenem Schwert. &bdquo;Als ich so alt war wie du, war ich genauso wie du. Ich war jung, ich war stark. Ich kämpfte und ich kämpfte gut. Ich habe Männer in der Schlacht getötet und in Duellen im Stadion. Ich habe für all das gekämpft, was ich für richtig erachtete.“

&bdquo;Was ist mit dir geschehen?“ fragte Thanos.

Die Lippen des Königs verzogen sich höhnisch. &bdquo;Ich habe dazugelernt. Ich habe lernen müssen, dass, wenn man den Menschen eine Chance gibt, sie dir nicht gleichermaßen entgegenkommen. Sie versuchen anstatt dich zu stürzen. Ich habe versucht, Mitgefühl zu zeigen und die Wahrheit ist, dass es nichts als Dummheit ist. Wenn sich ein Mann gegen dich auflehnt, dann musst du ihn zerstören, denn wenn du es nicht tust, wird er dich zerstören.“

&bdquo;Oder du machst ihn zum Freund“, sagte Thanos, &bdquo;und er hilft dir, die Dinge zum besseren zu wenden.“

&bdquo;Freunde?“ König Claudius hob sein Schwert noch höher. &bdquo;Männer die Macht haben, haben keine Freunde. Sie haben Verbündete, Bedienstete und Mitläufer, aber glaube nicht, dass sie sich im nächsten Augenblick nicht gegen dich wenden. Ein aufmerksamer Mann hält sie an ihrem Platz oder er wird zusehen müssen, wie sie sich gegen ihn erheben.“

&bdquo;Die Menschen verdienen etwas besseres“, beharrte Thanos.

&bdquo;Du glaubst, dass Menschen das bekommen, was sie verdienen?“ polterte König Claudius. &bdquo;Die nehmen, was sie kriegen! Du sprichst so, als wären diese Menschen uns gleichgestellt. Das sind sie nicht. Wir werden von Geburt an darauf vorbereitet zu herrschen. Wir sind gebildeter, stärker, besser in jeglicher Hinsicht. Du willst Schweinehirten neben dir am Hof haben während ich ihnen zeigen will, wo ihr Schweinestall ist. Lucious versteht das.“

&bdquo;Lucious versteht nichts als Grausamkeit“, sagte Thanos.

&bdquo;Genau diese Grausamkeit braucht man um zu herrschen!“

Thanos sah, wie der König das Schwert schwang. Vielleicht hätte er sich ducken können. Vielleicht hätte er sogar nach seiner eigenen Klinge greifen können. Doch er blieb dort knien und sah, wie das Schwert einen Bogen schlug und auf seinen Hals zukam.

Es blieb kurz vor seinem Hals stehen, doch nicht weit von ihm entfernt. Thanos spürte das Brennen, als die Klinge sein Fleisch berührte, doch er reagierte nicht, wie sehr er es auch gewollt hätte.

&bdquo;Du hast nicht gezuckt“, sagte König Claudius. &bdquo;Du hast kaum geblinzelt. Lucious hätte es. Er hätte wahrscheinlich um sein Leben gebettelt. Das ist seine Schwäche. Doch hat Lucious das Vermögen, das zu tun, was notwendig ist, um unsere Herrschaft zu sichern. Deshalb ist er mein Erbe. Bis du dir diese Schwäche aus dem Herzen gewrungen hast, werde ich dich nicht anerkennen. Ich werde dich nicht mein nennen. Und wenn du meinem anerkannten Sohn noch einmal drohen solltest, dann wirst du mit deinem Kopf dafür bezahlen. Hast du das verstanden?“

Thanos stand auf. Er hatte es satt, vor diesem Mann zu knien. &bdquo;Ich habe es verstanden, Vater. Ich habe dich bestens verstanden.“

Er drehte sich um und lief auf die Türen zu ohne auf eine Erlaubnis zu warten. Was konnte sein Vater schon tun? Es würde ihn schwach aussehen lassen, wenn er ihn zurückriefe. Thanos trat durch die Tür, wo Stephania auf ihn wartete. Es sah so aus, als hätte sie ihre Selbstbeherrschung zum Wohle der Leibgarde bewahrt, doch in dem Moment als Thanos durch die Tür kam, lief sie auf ihn zu.

&bdquo;Geht es dir gut?“ fragte Stephania und hob eine Hand an seine Wange. Sie ließ sie weiter nach unten fahren und Thanos sah, dass Blut an ihrer Hand haftete als sie sie zurückzog. &bdquo;Thanos, du blutest!“

&bdquo;Es ist nur ein Kratzer“, versicherte Thanos ihr. &bdquo;Das muss noch von dem Kampf vorhin sein,“

&bdquo;Was ist dort drinnen geschehen?“, fragte sie.

Thanos zwang sich zu einem Lächeln, aber es gelang ihm nicht recht. &bdquo;Seine Majestät hat sich dazu entschlossen, mich daran zu erinnern, dass Lucious, obwohl wir beide Prinzen sind, ihm wichtiger ist als ich.“

Stephania legte ihre Hände auf seine Schultern. &bdquo;Ich habe dir gesagt, Thanos. Es war nicht der richtige Zeitpunkt. Du darfst dich nicht so in Gefahr bringen. Du musst mir versprechen, mir zu vertrauen und nie wieder so etwas Dummes zu tun. Versprich es mir.“

Er nickte.

&bdquo;Weil du es bist, meine Liebe, werde ich es dir versprechen.“

Sein Versprechen war aufrichtig. Lucious so offen anzugreifen war nicht die richtige Strategie, denn es erzielte nicht die gewünschte Wirkung. Lucious war gar nicht das Problem. Das gesamte Reich war das Problem. Für einen kurzen Augenblick hatte er geglaubt, den König überzeugen zu können, die Dinge anders anzugehen, doch in Wahrheit wollte sein Vater gar nicht, dass sie sich änderten.

Nein, der einzig wahre Weg der ihm jetzt noch blieb, war, die Rebellion zu unterstützen. Nicht nur die Rebellen auf Haylon, alle von ihnen. Allein konnte Thanos nicht viel bewirken, doch zusammen, könnte es ihnen gelingen, das Reich zu stürzen.




KAPITEL SECHS


Wo sie auch hinsah, überall erblickte Ceres auf der Insel jenseits des Nebels Dinge von einer seltsamen Schönheit, die sie innehalten und staunen ließen. Falken, deren Federn in allen Regenbogenfarben schimmerten, kreisten auf der Suche nach Beute über ihr und waren doch gleichzeitig die Gejagten einer beflügelten Schlange, die sich schließlich auf einem Türmchen aus weißem Marmor niederließ.

Sie lief über das smaragdgrüne Gras der Insel und es kam ihr vor, als wüsste sie genau, wohin sie gehen musste. Sie hatte sich selbst in der Vision gesehen, dort auf dem Hügel in der Ferne, wo regenbogenfarbene Türme wie die Stacheln eines großen Ungeheuers in die Höhe ragten.

Blumen wuchsen auf dem Hang und Ceres griff nach ihnen, um sie zu berühren. Doch als ihre Finger sie streiften, waren ihre Blätter aus papierdünnem Stein. Hatte jemand sie so fein gemeißelt oder lebte der Stein etwa? Die Tatsache, dass sie sich so etwas vorstellen konnte, zeigte bereits, wie seltsam dieser Ort war.

Ceres lief weiter auf die Stelle zu, von der sie wusste oder hoffte, dass ihre Mutter dort wartete.

Sie erreichte den Fuß des Hügels und begann hinaufzusteigen. Die Insel um sie war voller Leben. Bienen summten im niedrigen Gras. Eine rehgleiche Kreatur, die Kristallzacken hatte wo man Fühler vermutet hätte, blickte Ceres lange an bevor sie davonsprang.

Doch hatte sie trotz der Häuser, die wie Punkte die Landschaft schmückten, noch immer keine Menschen gesehen. Die Häuser, die Ceres am nächsten waren, wirkten leer und unberührt, wie ein Raum, der nur vor wenigen Augenblicken verlassen worden war. Ceres ging weiter gen Spitze des Hügels, dorthin, wo die Türme auf einem großen Rasen einen Kreis bildeten. Sie konnte zwischen ihnen hindurch über die ganze restliche Insel blicken.

Doch sie blickte nicht in diese Richtung. Ceres starrte vielmehr auf die Mitte des Kreises, wo eine Figur in einem Kleid aus reinem Weiß stand. Die Figur war nicht wie in ihrer Vision verschwommen oder verwackelt. Sie war dort, so klar und echt wie sie selbst hier war. Ceres ging auf die Person zu. Es konnte nur sie sein.

&bdquo;Mutter?“

&bdquo;Ceres.“

Die Figur in weiß warf sich im selben Moment wie Ceres nach vorne und sie trafen sich in einer gewaltigen Umarmung, die für Ceres all die Dinge ausdrückte, die sie nicht zu sagen vermochte: wie sehr sie sich nach diesem Moment gesehnt hatte, wie viel Liebe dort in ihr war, wie unglaublich es war, diese Frau zu treffen, die sie nur einmal in einer Vision gesehen hatte.

&bdquo;Ich wusste, dass du kommen würdest“, sagte die Frau, ihre Mutter als sie sich voneinander lösten, &bdquo;aber es zu wissen unterscheidet sich dann doch sehr davon, dich wirklich zu sehen.“

Sie zog die Kapuze ihres Kleides zurück und Ceres musste sich verblüfft fragen, wie diese Frau ihre Mutter sein konnte. Ihre Schwester vielleicht, denn sie hatten das gleiche Haar und die gleichen Gesichtszüge. Es war für Ceres beinahe wie ein Blick in den Spiegel. Doch schien sie zu jung, um Ceres’ Mutter sein zu können.

&bdquo;Ich verstehe nicht“, sagte Ceres. &bdquo;Du bist meine Mutter?“

&bdquo;Das bin ich.“ Sie beugte sich nach vorne, um sie erneut zu umarmen. &bdquo;Ich weiß, dass es dir seltsam erscheinen muss, aber es ist wahr. Meine Art kann eine lange Zeit leben. Ich bin Lycine.“

Ein Name. Endlich kannte Ceres den Namen ihrer Mutter. Das bedeutete ihr mehr als alles zusammengenommen. Das allein war es wert, diese Reise unternommen zu haben. Sie wollte einfach nur dastehen und ihre Mutter für immer anstarren. Auch wenn sie Fragen hatte. So viele, dass sie nur so aus ihr heraussprudelten.

&bdquo;Was ist dieser Ort?“ fragte sie. &bdquo;Warum bist du allein hier? Und warte, was meinst du mit ‚deiner Art’?“

Lycine lächelte und setzte sich in das Gras. Ceres setzte sich zu ihr und als sie das tat, bemerkte sie, dass es nicht einfach nur Gras war. Sie konnte die in einem Mosaik angeordneten Steinfragmente unter dem Gras sehen. Sie mussten schon lange von der Wiese bedeckt sein.

&bdquo;Es ist nicht einfach, alle deine Frage zu beantworten“, sagte Lycine. &bdquo;Vor allem, wenn ich selbst so viele Fragen habe, zu dir, deinem Leben. Alles, Ceres. Aber ich werde es versuchen. Sollen wir es auf die alte Art versuchen? Jeder eine Frage abwechselnd?“

Ceres wusste nicht, was sie darauf sagen sollte, doch ihre Mutter schien noch nicht fertig zu sein.

&bdquo;Erzählen sie dort draußen immer noch die Geschichten der Uralten?“

&bdquo;Ja“, sagte Ceres. Sie hatten den Geschichten über die Kampfherrn und ihre Unternehmungen im Stadion immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt, doch wusste sie dennoch einiges über das, was man über die Uralten sagte: diejenigen, die schon vor Anbeginn der Menschheit existiert hatten, die manchmal wie Menschen aussahen und manchmal doch so anders. Die so viel aufgebaut hatten und es dann verloren hatten. &bdquo;Warte, meinst du damit, dass du – “

&bdquo;Eine der Uralten bist, ja“, antwortete Lycine. &bdquo;Das hier war einst eine unserer Stätten bevor... nun, es gibt noch immer Dinge, über die man besser nicht sprechen sollte. Außerdem schuldest du mir eine Antwort. Erzähl mir, wie dein Leben ausgesehen hat. Ich konnte nicht da sein, aber ich habe viel Zeit damit verbracht, es mir vorzustellen.“

Ceres wollte es versuchen, wenn sie auch nicht wusste, wo sie anfangen sollte. Sie erzählte Lycine von der Schmiede ihres Vaters, in der sie aufgewachsen war und von ihren Brüdern. Sie sprach von der Rebellion und vom Stadion. Sie schaffte es sogar über Rexus und Thanos zu berichten, auch wenn ihr die Worte nur heiser und bruchstückhaft über die Lippen kamen.

&bdquo;Mein Liebling“, sagte ihre Mutter und legte eine Hand auf die ihre. &bdquo;Ich wünschte, ich hätte dir diesen Schmerz ersparen können. Ich wünschte, ich hätte für dich da sein können.“

&bdquo;Warum konntest du das nicht?“ fragte Ceres. &bdquo;Bist du die ganze Zeit hier gewesen?“

&bdquo;Das bin ich“, sagte Lycine. &bdquo;Das war einmal eine der Stätten meines Volkes, früher. Die anderen haben die zurückgelassen. Auch ich habe das, zumindest für eine gewisse Zeit, getan, doch in den letzten Jahren war dieser Ort eine Art Zufluchtsstätte. Und ein Ort um zu warten natürlich.“

&bdquo;Zu warten?“ fraget Ceres. &bdquo;Du meinst auf mich?“

Sie sah, wie ihre Mutter nickte.

&bdquo;Die Menschen sprechen über das Schicksal, als wäre es ein Geschenk“, sagte Lycine, &bdquo;doch es ist auch eine Art Gefängnis. Verstehe, was geschehen muss und du verlierst die Wahlmöglichkeiten, die dir bereitstehen, wenn du es nicht gekannt hättest, egal wie sehr du es dir auch wünschtest...“ Ihre Mutter schüttelte den Kopf und Ceres konnte die Traurigkeit darin sehen. &bdquo;Jetzt ist nicht die Zeit, etwas zu bereuen. Meine Tochter ist hier und uns steht nur eine gewisse Zeit zur Verfügung, in der du das lernen kannst, für das du gekommen bist.“

Sie lächelte und nahm Ceres’ Hand.

&bdquo;Geh mit mir ein Stück.“



***



Ceres hatte das Gefühl, dass sie und ihre Mutter schon seit Tagen die magische Insel erkundeten. Die Aussicht war atemberaubend genauso wie das Zusammensein mit ihrer Mutter. Es fühlte sich wie ein Traum an.

Auf dem Weg sprachen sie die meiste Zeit über die Kraft. Ihre Mutter versuchte sie ihr zu erklären und Ceres versuchte es zu verstehen. Das seltsame war, dass, während ihre Mutter sprach, Ceres das Gefühl hatte, dass ihre Worte ihre Kraft noch verstärkten.

Selbst jetzt, als sie liefen, fühlte Ceres die Wallungen, die wie Rauch in ihr aufstiegen, wenn ihre Mutter ihre Schulter berührte. Sie musste lernen, sie zu kontrollieren, sie war hierher gekommen, um genau das zu lernen, doch schien es verglichen mit der Möglichkeit ihre Mutter endlich kennenzulernen, so unwichtig.

&bdquo;Unser Blut hat dir die Kraft verliehen“, sagte Lycine. &bdquo;Die Inselbewohner haben versucht sie freizusetzen, oder?“

Ceres dachte an Eoin und an die seltsamen Übungen, die sie hatte machen müssen. &bdquo;Ja.“

&bdquo;Dafür dass sie nicht Menschen unseres Blutes sind, verstehen sie die Welt recht gut“, sagte ihre Mutter. &bdquo;Doch gibt es Dinge, die selbst sie dir nicht zeigen können. Hast du Dinge zu Stein werden lassen? Das zählt zu meinen Gaben, ich würde also vermuten, dass auch du diese Fähigkeit besitzt.“

&bdquo;Zu Stein werden lassen?“ fragte Ceres. Sie verstand nicht ganz. &bdquo;Bisher habe ich Dinge in Bewegung versetzt. Ich war schneller und stärker. Und – “

Sie wollte den Satz nicht zu Ende bringen. Sie wollte nicht, dass ihre Mutter schlecht von ihr dachte.

&bdquo;Und deine Kraft hat getötet, wenn du in Gefahr schwebtest?“ sagte Lycine.

Ceres nickte.

&bdquo;Schäme dich nicht dafür, Tochter. Ich kenne dich erst ein kleines bisschen, doch weiß ich, wozu du bestimmt worden bist. Du bist ein guter Mensch. Alles was ich mir erhofft hatte. Und was das Versteinern anbelangt...“

Sie hielten auf einer Wiese mit feinen seidenen Blütenblättern. Durch den Kontakt mit ihrer Mutter spürte sie die Kraft in sich wallen, sie fühlte sich vertraut an, doch war auch zielgerichteter, konzentrierter, gesammelter.

Stein breitete sich über der Blume aus wie Frost über einem Fenster, doch nicht nur oberflächlich. Eine Sekunde später war es getan und ihre Mutter hielt eine jener Steinblumen in der Hand, die Ceres weiter unten auf de Insel gesehen hatte.

&bdquo;Hast du es gespürt?“ fragte Lycine.

Ceres nickte. &bdquo;Aber wie hast du das gemacht?“

&bdquo;Spüre es noch einmal.“ Sie pflückte eine weitere Blume und dieses Mal vollzog sie die Verwandlung der Blätter zu Marmor und des Stiels zu Granit unglaublich langsam. Ceres versuchte die Bewegung der Kraft in ihre nachzuvollziehen und es kam ihr so vor, als würde ihre eigene Kraft darauf antworten und es ihr gleichtun.

&bdquo;Gut“, sagte Lycine. &bdquo;Dein Blut weiß es. Jetzt versuch es selbst.“

Sie hielt Ceres eine Blume entgegen. Ceres griff nach ihr, konzentrierte sich die Kraft in ihr zu fassen zu bekommen und ihr die Gestalt zu geben, die sie bei ihrer Mutter gespürt hatte.

Die Blume explodierte.

&bdquo;Gut“, sagte Lycine mit einem Lachen, &bdquo;das hätte ich nicht erwartet.“

Ihre Reaktion war so anders als die der Mutter, mit der sie aufgewachsen war. Sie hatte Ceres für jeden noch so kleinen Fehler geschlagen. Lycine reichte ihr einfach eine neue Blume.

&bdquo;Atme tief durch“, sagte sie. &bdquo;Du weißt bereits, wie es sich anfühlen muss. Dringe zu dem Gefühl durch. Stell es dir vor. Lass es geschehen.“

Ceres versuchte es noch einmal und dachte an das, was sie gespürt hatte, als ihre Mutter ihre Blume verwandelt hatte. Sie nahm das Gefühl und füllte es mit ihrer Kraft so wie ihr Vater eine Form in der Schmiede mit flüssigem Eisen gefüllt hätte.

&bdquo;Öffne deine Augen, Ceres“, sagte Lycine.

Ceres hatte nicht einmal bemerkt, dass sie sie geschlossen hatte bis ihre Mutter es erwähnte. Sie zwang sich die Augen zu öffnen, auch wenn sie in diesem Moment Angst hatte. Als sie die Augen schließlich geöffnet hatte, starrte sie ungläubig auf das, was sie dort vor sich sah. Sie hielt eine perfekt geformte, versteinerte Blüte, die sie mit ihrer Kraft in etwas Basaltartiges verwandelt hatte, in der Hand.

&bdquo;Ich habe das getan?“ fragte Ceres. Selbst im Bewusstsein der Fähigkeiten, zu denen sie imstande war, erschien es ihr immer noch beinahe unmöglich.

&bdquo;Das hast du getan“, sagte ihre Mutter und Ceres konnte den Stolz darin hören. &bdquo;Jetzt müssen wir es nur noch schaffen, dass es dir auch mit geöffneten Augen gelingt.“

Das brauchte länger und wesentlich mehr Versuchsblumen. Doch Ceres fand Gefallen an der Übung. Mehr als nur das, jedes Mal wenn ihre Mutter sich über ihre Versuche freute, spürte Ceres, wie sich ein wohliges Gefühl in ihr ausbreitete. Selbst als die Minuten zu Stunden wurden, gab sie nicht auf.

&bdquo;Ja“, sagte ihre Mutter schließlich, &bdquo;besser geht es nicht.“

Nicht nur das; es fiel ihr leicht. Es fiel ihr leicht, nach einer Blume zu greifen und die Kräfte in ihr zu erwecken. Sie zu bündeln. Es war leicht, eine makellose steinerne Blume zu kreieren. Erst als ihre Energie langsam nachließ, merkte sie, wie müde sie war.

&bdquo;Es reicht“, sagte ihre Mutter und nahm ihre Hand. &bdquo;Deine Kraft zehrt Energie und Mühe. Selbst die stärksten unter uns könnten nicht mehr schaffen.“ Sie lächelte. &bdquo;Doch deine Kraft weiß nun, wie es funktioniert. Sie wird erwachen, wenn dich jemand bedroht oder wenn du sie erweckst. Sie wird auch noch mehr als das tun können.“

Ceres spürte einen Funken der Kraft ihrer Mutter und sie erkannte das volle Ausmaß ihrer Kraft. Sie sah die Steingebäude und Gärten in einem neuen Licht, als Dinge die mit dieser Kraft auf eine den Menschen fremde Art und Weise geschaffen worden waren. Sie war erfüllt. Vollständig.

Ein wenig Freude schien aus dem Gesicht ihrer Mutter zu weichen. Ceres hörte sie seufzen.

&bdquo;Was ist?“ fragte Ceres.

&bdquo;Ich wünschte nur, wir hätten mehr Zeit füreinander“, sagte Lycine. &bdquo;Ich würde dir gerne die Türme hier zeigen und dir die Geschichte meines Volkes erzählen. Ich würde gerne mehr von diesem Thanos erfahren, den du so sehr geliebt hast und dir die Gärten zeigen, deren Bäume nie ein Sonnenstrahl berührt hat.“

&bdquo;Dann mach das doch“, sagte Ceres. Sie hatte das Gefühl, für immer hier bleiben zu wollen. &bdquo;Zeig mir alles. Erzähl mir von der Vergangenheit. Erzähl mir von meinem Vater und was geschehen ist, als ich geboren wurde.“

Doch ihre Mutter schüttelte nur den Kopf.

&bdquo;Du bist noch nicht bereit dafür. Wie ich bereits sagte, das Schicksal kann zu einem Gefängnis werden, Liebling, und dich erwartet ein größeres Schicksal als die meisten Menschen.“

&bdquo;Ich habe Teile davon gesehen“, gab Ceres zu und dachte an die Träume, die sie auf dem Boot immer wieder heimgesucht hatten.

&bdquo;Dann weiß du auch, warum wir nicht zusammenbleiben und eine Familie sein können, wie sehr wir uns das auch wünschten“, sagte ihre Mutter. &bdquo;Doch vielleicht hält die Zukunft solch eine Zeit für uns bereit. Das und noch mehr.“

&bdquo;Doch zunächst muss ich zurück, oder?“ sagte Ceres.

Ihre Mutter nickte.

&bdquo;Das musst du“, sagte sie. &bdquo;Du musst zurückkehren, Ceres. Zurückkehren und Delos aus den Fängen des Reichs befreien, so wie es für dich bestimmt worden ist.“




KAPITEL SIEBEN


Stephania konnte kaum glauben, dass sie bereits seit sechs Wochen mit Thanos vermählt war. Doch die nahende Feier des Blutmondes bedeutete genau das. Sechs Wochen Glückseligkeit, jede davon so wunderbar, wie sie es sich erhofft hatte.

&bdquo;Du siehst fantastisch aus“, sagte sie, als sie Thanos in den Gemächern des Schlosses, die sie nun teilten, musterte. In der tiefroten Seide und dem roten Gold und Rubinen war er ein Bild für die Götter. An manchen Tagen konnte sie kaum glauben, dass er jetzt ihr gehörte. &bdquo;Rot steht dir.“

&bdquo;Es sieht aus, als hätte ich in Blut gebadet“, antwortete Thanos.

&bdquo;Genau darum geht es doch beim Blutmond“, hob Stephania hervor. Sie lehnte sich nach vorne, um ihn zu küssen. Sie mochte es, dass sie das tun konnte, wann immer es ihr gefiel. Wenn sie Zeit gehabt hätten, hätte sie vielleicht noch ganz andere Dinge versucht.

&bdquo;Es spielt eigentlich keine Rolle, was ich anhabe“, sagte Thanos. &bdquo;Niemand wird mir Beachtung schenken, wenn du an meiner Seite bist.“

Ein anderer Mann hätte dieses Kompliment vielleicht besser verpacken, doch Thanos’ unvermittelte Art hatte auch etwas für sich, das Stephania mehr bedeutete als die formvollendetesten Gedichte dieser Welt.

Außerdem hatte sie sich tatsächlich alle Mühe gegeben, das schönste Kleid Delos’ auszusuchen. Es schimmerte in verschiedenen Rottönen wie Flammen, die sie einhüllten. Sie hatte sogar einen Schneider bestochen, um sicherzustellen, dass das Original einer Kleinadligen aus der Stadt hoffnungslos zu spät fertig werden würde.

Stephania hielt Thanos ihren Arm entgegen und er nahm ihn und geleitete sie in Richtung der großen Festhalle, wo sie auch ihre Hochzeit gefeiert hatten. Was er schon sechs Wochen her, dass sie geheiratet hatten? Sechs Wochen des Glücks, die sich Stephania kaum schöner hätte vorstellen können und die sie gemeinsam in den speziell für sie von der Königin bereitgestellten Gemächern im Schloss verbracht hatten. Es gab sogar Gerüchte, dass der König Thanos ein neues Gebäude unweit der Stadt vermachen wollte. Seit sechs Wochen waren sie das begehrteste Paar der Stadt, das, wo auch immer sie hinkamen, bejubelt wurde. Das hatte Stephania sehr genossen.

&bdquo;Denk daran, Lucious nicht zu schlagen, wenn du ihn siehst“, sagte Stephania.

&bdquo;Das ist mir bisher ganz gut gelungen“, antwortete Thanos. &bdquo;Keine Sorge.“

Stephania machte sich jedoch Sorgen. Sie wollte es nicht riskieren, Thanos jetzt zu verlieren, da sie ihn endlich zum Manne hatte. Sie wollte nicht, dass er für einen Angriff auf den Thronerben hingerichtete würde und nicht nur, weil es sie in eine unmögliche Lage brächte. Auch wenn sie ihn zunächst aus Prestigegründen geheiratet hatte, so musste sie doch jetzt überrascht feststellen, dass sie ihn liebte.

&bdquo;Prinz Thanos mit Gattin Lady Stephania!“ verkündete der Zeremonienmeister und Stephania lächelte und legte ihren Kopf auf Thanos’ Schulter. Sie hörte das immer wieder gerne.

Sie blickte sich im Raum um. Zu ihrer Hochzeit war der Raum in Weiß gekleidet gewesen, doch jetzt strahlte er in Rot und Schwarz. Der Wein in den Gläsern war von der Farbe dicken Blutes, das Fleisch auf den Festtischen war noch halb blutig und jeder Adlige hier trug die Farben des sich verändernden Mondes.

Stephania lief an Thanos’ Arm, analysierte die Beziehungen der Anwesenden und brachte sich auf den neusten Stand der kursierenden Gerüche während sie es schlicht genoss, gesehen zu werden. War das dort Lady Christina, die im Schatten verschwand, um mit einem königlichen Kaufmann von den Fernen Inseln zu tuscheln? Trug Isoldes Tochter etwa weniger Juwelen als gewöhnlich?

Natürlich sah sie auch, wie Lucious zu viel trank, zu viel aß und den Frauen nachstierte. Stephania glaubte, dass er auch sie kurz mit einem Blick bedachte, der ihm mit Sicherheit einen Kampf mit Thanos eingehandelt hätte, wenn dieser ihn gesehen hätte. Es war in der Tat schade, dass er ihrem Versuch ihn auf der Hochzeit zu vergiften so jäh entgangen war. Wenn Thanos ihn nicht so sehr zur Weißglut getrieben hätte, dass er sein Weinglas zerbrechen musste, dann wäre Lucious in dieser Nacht eingeschlafen und nie wieder aufgewacht. Es wäre vorbei gewesen.

Seitdem hatte sich ihr keine Gelegenheit geboten, sich um ihn zu kümmern. Die Leute die sie normalerweise gefragt hätte, waren vorsichtiger geworden, jetzt, da derjenige, der sich um Thanos hatte kümmern sollen, verschwunden war. In Sachen Mord ging es nie um den Akt an sich; es ging darum, dass niemand Verdacht schöpfte. Es hatte schlichtweg keine Gelegenheit gegeben, sich Lucious zu nähern, ohne dass es auffällig gewesen wäre.




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