Ehe Er Sündigt Blake Pierce Ein Mackenzie White Krimi #7 Von Blake Pierce, Bestselling Auto von VERSCHWUNDEN (a#1 Bestseller mit über 900 Fünf Sterne Bewertungen) kommt Buch #7 der spannenden Mackenzie White Mysterie Reihen. In EHE ER SÜNDIGT (ein Mackenzie White Mystery – Buch 7) werden Pastoren getötet, ihre Leichen werden an Kirchentüren gekreuzigt, in ganz Washington DC gefunden. Kann dies eine Art Racheakt sein? Kann es ein Kirchenmitglied sein, das außer Kontrolle greaten ist? Oder ein Serienmörder, der mit einem weit aus teuflischeren Motiv Priester jagt?Das FBI wendet sich an Agentin Mackenzie White, da der Fall Ähnlichkeiten mit den religiösen Andeutungen ihres ersten Falles, dem Scarecrow Mörder hatte. Eingetaucht in die Subkultur des Priestertums, kämpft Mackenzie darum, mehr über die Rituale und die antiken Schriften zu lernen, um sich in den Kopf des Mörders zu versetzen. Aber Mackenzie ist auch damit beschäftigt, die Jagd nach dem Mörder ihres Vaters fortzusetzen, dieses Mal will sie ihn finden. Aber dieser neue Mörder ist teuflischer als die meisten und zieht sie in sein tötliches Katz-und Mausspiel, bis zum Rand ihres eigenen Verstands. Ein dunkler Psychothriller mit spannender Ungewissheit, EHE ER SÜNDIGT ist Buch #7 in einer fesselnden neuen Reihe – mit einem liebenswerten neuen Charakter – der Sie bis spät abends lesen lässt. Auch verfügbar von Blake Pierce ist VERSCHWUNDEN (ein Riley Paige Mystery – Buch #1), ein #1 Bestseller mit über 900 Fünf Sterne Bewertungen – und einem kostenlosen Download! BEVOR ER SÜNDIGT (EIN MACKENZIE WHITE MYSTERY—BUCH 7) B L A K E P I E R C E Blake Pierce Blake Pierce ist Autor der Bestseller RILEY PAGE Mysterie Reihen, die elf Bücher (aufwärts) enthält. Blake Pierce ist ebenfalls Autor der MACKENZIE WHITE Mysterie Reihen, die aus acht Büchern (aufwärts) besteht; der AVERY BLACK Mysterie Reihen, die aus fünf Büchern besteht; und der neuen KERI LOCKE Mysterie Reihen, die aus fünf Büchern (aufwärts besteht). Als treuer Leser und lebenslanger Fan des Mysterie und Thriller Genres, hört Blake gerne von Ihnen, also besuchen Sie die Seite www.blakepierceauthor.com (http://www.blakepierceauthor.com), um mehr zu lernen und in Kontakt zu bleiben. Copyright © 2017 durch Blake Pierce. Alle Rechte vorbehalten. Außer wie im US-amerikanischen Urheberrechtsgesetz von 1976 erlaubt, darf kein Teil dieser Veröffentlichung in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen Mitteln reproduziert, verteilt oder übertragen werden oder in einer Datenbank oder einem Abfragesystem ohne die vorherige Genehmigung des Autors gespeichert werden. Dieses eBook ist nur für Ihren persönlichen Genuss lizenziert. Dieses eBook darf nicht weiterverkauft oder an andere Personen weitergegeben werden. Wenn Sie dieses Buch für eine andere Person freigeben möchten, erwerben Sie bitte für jeden Empfänger eine zusätzliche Kopie. Wenn Sie dieses Buch lesen und es nicht gekauft haben oder es nicht für Ihre Verwendung erworben wurde, geben Sie es bitte zurück und kaufen Sie Ihre eigene Kopie. Danke, dass Sie die harte Arbeit dieses Autors respektieren. Dieses Buch ist reine Fiktion. Namen, Charaktere, Geschäfte, Organisationen, Orte, Ereignisse und Ereignisse sind entweder das Produkt der Fantasie des Autors oder werden fiktiv verwendet. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen lebenden oder toten Personen ist völlig zufällig. Buchumschlagsbild Copyright CRStudio, mit Lizenz von Shutterstock.com BÜCHER VON BLAKE PIERCE RILEY PAIGE KRIMI SERIE VERSCHWUNDEN (Band #1) GEFESSELT (Band #2) ERSEHNT (Band #3) GEKÖDERT (Band #4) GEJAGT (Band #5) VERZEHRT (Band #6) VERLASSEN (Band #7) ERKALTET (Band #8) MACKENZIE WHITE KRIMI SERIE BEVOR ER TÖTET (Band #1) BEVOR ER SIEHT (Band #2) BEVOR ER BEGEHRT (Band #3) BEVOR ER NIMMT (Band #4) BEVOR ER BRAUCHT (Band #5) EHE ER FÜHLT (Band #6) BEVOR ER SÜNDIGT (Band #7) BEVOR ER JAGT (Band #8) AVERY BLACK KRIMI SERIE GRUND ZU TÖTEN (Band #1) GRUND ZU FLÜCHTEN (Band #2) GRUND ZU VERSTECKEN (Band #3) GRUND ZU FÜRCHTEN (Band #4) KERI LOCKE KRIMI SERIE EINE SPUR VON TOD (Band #1) EINE SPUR VON MORD (Band #2) EINE SPUR VON LASTER (Band #3) INHALTE PROLOG (#ucf6ba678-007d-55ca-9f84-859330c38657) KAPITEL EINS (#ub2462c21-d8d6-5c44-a752-4e1bdf0a3bc7) KAPITEL ZWEI (#u6a41c153-622b-587f-9307-6ae991c034e5) KAPITEL DREI (#ubbd588b3-f12d-5ff6-94d2-6c8727260b53) KAPITEL VIER (#ue14cbc86-5df5-5570-99bb-172c9bffec83) KAPITEL FÜNF (#u1c4a3b42-ead4-5980-a2ae-62c3ac5c5990) KAPITEL SECHS (#u86dc0e5a-5dda-5dc7-8bd9-2c5a7aa10d61) KAPITEL SIEBEN (#ud7592dee-cfe2-541d-ae92-e196447ce914) KAPITEL ACHT (#ue9e85443-8867-5cd9-9bba-dfc7d2d0dfc6) KAPITEL NEUN (#ue18403f5-c68d-507a-8a89-df4c5c9861d2) KAPITEL ZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL ELF (#litres_trial_promo) KAPITEL ELF (#litres_trial_promo) KAPITEL DREIZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL VIERZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL FÜNFZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL SECHZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL SIEBZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL ACHTZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL NEUNZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL ZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL EINUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL DREIUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL VIERUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL ACHTUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL NEUNUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL DREIßIG (#litres_trial_promo) KAPITEL EINUNDDREIßIG (#litres_trial_promo) KAPITEL ZWEIUNDDREIßIG (#litres_trial_promo) KAPITEL DREIUNDREIßIG (#litres_trial_promo) KAPITEL VIERUNDDREIßIG (#litres_trial_promo) PROLOG Die Sonne brach am Horizont, aber hatte noch nicht die letzte Kühle der Nacht verbrannt – Christy’s liebste Zeit des Tages. Zu sehen, wie die Sonne sich über die Stadt erhob, war eine große Erinnerung für sie daran, dass jede Nacht ein Ende hatte, etwas was sie wissen musste, da sie sich immer weiter und weiter von Gott entfernt fühlte. Zu sehen, wie die Sonne über den Gebäuden von Washington DC aufging und die Nacht beiseiteschob, erinnerte sie an den Text eines Verehrungsliedes: Obwohl es Schmerz in der Nacht gibt, kommt die Sonne morgens… Sie zitierte diesen Vers immer und immer wieder, während sie die Straße zur Kirche hinunterging. Sie hatte bereits seit Wochen versucht, sich dazu durchzuringen. Ihr Glaube hatte sich verändert, sie hatte Sünde und Versuchung nachgegeben. Der Gedanke der Beichte war ihr sofort gekommen, aber es war auch schwer. Es war nie leicht, seine Sünden zu beichten. Aber sie wusste, dass sie es tun musste. Je länger eine Sünde zwischen ihr und Gott existierte, umso schwerer würde es sein, dieses Ungleichgewicht auszugleichen. Je eher sie diese Sünde beichten konnte, umso besser die Chance, dass sie wieder auf die Füße kam und ihren Glauben wieder erlangte – ein Glaube, der ihr Leben seit sie zehn war, bestimmte. Als sie die Umrisse der Kirche vor sich sah, sank ihr Herz. Kann ich das wirklich tun? Kann ich beichten? Die bekannten Ecken und Formen der katholischen Blessed Heart Kirche schienen ihr zu sagen, ja, du kannst. Christy begann zu zittern. Sie war sich nicht sicher, ob sie das was sie getan hatte, als eine Affäre bezeichnen konnte oder nicht. Sie hatte den Mann nur einmal geküsst und hatte es dann dabei belassen. Aber sie hatte ihn weiterhin getroffen, hatte sich weiterhin von seinen Worten des Lobes und der Bewunderung aufmuntern lassen – Worte, die ihr eigener Mann ihr seit Jahren nicht mehr sagte. Sie konnte schon fast spüren, wie die Sünde in ihr abebbte, als die Sonne höher über den Himmel stieg, und goldene und weiche orangenfarbene Töne um den Umriss der Blessed Heart Kirche machte. Wenn sie noch weitere Zeichen brauchte, dass sie ihre Sünden einem Priester, an diesem bestimmten Morgen beichten sollten, dann war es das. Mit dem Gewicht auf den Schultern kam sie zu den Stufen der Blessed Heart Kirche. Aber sie wusste, dass das Gewicht innerhalb von Momenten weg sein würde. Sie könnte nach Hause gehen, ihre Sünden gebeichtet, ihr Herz frei und ihr Verstand – Als sie die Vordertüren erreichte, schrie Christy. KAPITEL EINS Nach ihrem letzten Fall hatte Mackenzie White etwas getan, was sie noch nie zuvor in einem Arbeitsverhältnis getan hatte: Sie hatte nach Urlaub gefragt. Sie hatte aus mehreren Gründen einen zweiwöchigen Urlaub beantragt und innerhalb eines einzelnen Tages wusste sie, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatte. Sie hatte keine Zeit verschwendet sich ihren Ruf aufzubauen, als sie zum FBI gekommen war. Ohne eigenes Zutun hatte sie am Ende hochkarätige Fälle behandelt, die nach ihr zu suchen schienen. Und nicht nur dass, sie war auch erfolgreich dabei gewesen und hatte alle richtigen Leute in Quantico und DC beeindruckt. Nachdem sie erfolgreich zahlreiche Fälle abgeschlossen und ihr Leben monatlich bis an die Grenze gebracht hatte, dachte sie zwei Wochen bezahlter Urlaub wären nicht zu viel verlangt. Ihre Vorgesetzten hatten zugestimmt – und das sogar ermutigt. Sie war sich sicher, dass sie ihren Spaß hätten, wenn sie wüssten, dass sie die meiste Zeit damit verbrachte, in zahlreichen Sportstudios und Trainingseinrichtungen, ihren Körper in bessere Form zu bekommen und ihre Instinkte und Fähigkeiten zu schärfen. Sie hatte eine solide Basis für all die wichtigen Dinge. Sie war geschickt im Nahkampf. Sie war unheimlich gut mit einer Schusswaffe. Sie war stärker als die meisten anderen Frauen, mit denen sie zur Akademie gegangen war. Aber Mackenzie White wollte sich immer noch weiter verbessern. Deswegen trainierte sie schon acht Tage in ihrem zweiwöchigen Urlaub in einem privaten Sportstudio. Sie drängte sich von der Ecke von einem der mehreren Boxringen weg und nickte ihrem Sparringpartner zu. Sie trat in eine zweite Übungsrunde und ging völlig davon aus besiegt zu werden. Und das war okay. Sie trainierte erst seit über einem Monat im Muay Thai. Sie war gut genug darin geworden, sodass sie sich gut dabei fühlte, einen weiteren weniger bekannten Kampfstil darin einzubringen. Mithilfe eines Privatlehrers und viel Entschlossenheit hatte Mackenzie ebenfalls begonnen in Yaw-Yan zu trainieren, einem philippinischen Kickbox Stil. Die beiden zu vermischen war eher unorthodox, aber sie und ihr Trainer arbeiteten an einem Weg, beide zu nutzen. Es brachte Mackenzie körperlich an einen Punkt, wo ihre Schultern und ihre Waden sich wie Steinplatten anfühlten. Sie fühlte diese Muskeln antworten, als sie zu ihrem Partner trat. Sie berührte die Handschuhe und nahm ihr Training wieder auf. Sie wich sofort einem Stoß aus und konterte mit einem tiefen Schlag. Es war ein wenig, als wenn sie einen neuen Tanzstil lernte. Mackenzie hatte als Mädchen Tanzstunden gehabt und hatte nie die Wichtigkeit von Fußarbeit und Konzentration vergessen. Das waren Disziplinen, die sie bei ihrem ersten Job als Straßenpolizistin mitnahm, dann in ihrem Job als Detektivin draußen in Nebraska. Diese Grunddisziplin hatte ihr auch immens als FBI-Agentin geholfen und ihr Leben mehr als einmal gerettet. Sie kam auch zurück, als sie kämpfte. Sie probierte ihre neuen Bewegungen und Anleitungen aus, nutzte eine Reihe von unteren Kicks und Ellbogen Angriffe, die mit mehr traditionellen Kickboxing Angriffen kombiniert wurden. Sie nutzte den überraschten Ausdruck bei ihrem Kampfpartner als Treibstoff, der sie motivierte. Klar es war nur Training, aber sie fühlte den Drang, auch hier erfolgreich zu sein. Es half auch dabei, ihre Gedanken zu ordnen. Sie assoziierte jeden Schlag, Tritt oder Ellbogenschlag mit etwas aus ihrer Vergangenheit. Ein linker Schlag war für die Jahre der Verleugnung bei der Nebraska PD. Ein Rückhandangriff mit ihrer rechten zerschlug die Angst, die der Scarecrow Killer Fall in ihr aufgewühlt hatte. Ein Dreh- und Angelpunkt war ein Schlag auf das Herz des endlosen Stroms von Geheimnissen, die aus dem alten Fall ihres Vaters kamen. Wenn sie ehrlich mit sich selbst war, war es der Fall, der sie dazu gebracht hatte, diese neuen Kampfdisziplinen zu erlernen – um sicherzugehen, dass sie sich als Kämpferin weiter entwickelte. Sie hatte eine Nachricht von jemandem bekommen der involviert war … jemand im Hintergrund, der anscheinend wusste, wer sie war. Sie sah die Nachricht immer noch vor sich, während sie kämpfte. Hör auf zu suchen … Natürlich versuchte sie genau das Gegenteil zu tun. Und deswegen war sie gerade im Ring, ihr Blick fokussiert und ihre Muskeln so straff wie Violinstränge. Als sie einen Schlag auf den Solarplexus ihres Gegners landete und dann einen Ellbogenschlag in die Rippen ihres Partners, wurde das Training von der Seite des Rings beendet. Der Schiedsrichter lächelte und nickte während er leise applaudierte. “Okay, Mac”, sagte er. “Mach mal ne Pause okay? Du bist heute schon eineinhalb Stunden dabei.” Mackenzie nickte, ging aus ihrer Haltung und schlug sich mit ihrem Trainingspartner ab – ein fünfundzwanzigjähriger Mann, der den Körperbau eines MMA Kämpfer hatte. Er gab ihr ein schnelles Grinsen über seinem Mundstück und kletterte schnell durch die Seile. Mackenzie dankte dem Schiedsrichter und ging dann zur Umkleide. Ihre Muskeln taten weh, sodass sie fast zitterten, aber sie genoss es. Es hieß, das sie sich selbst antrieb und sich an neue Grenzen brachte. Während sie duschte und anschließend in das stieg, was Ellington als ihr Sport Outfit bezeichnete (ein Muskelshirt und ein paar schwarzer dri-fit Leggings), erinnerte sie sich selbst daran, dass sie noch ein weiteres Training für heute hatte. Sie hoffte ihre Arme würden dann nicht mehr zittern. Sicherlich würde Ellington ihr helfen, aber sie musste mehrere schwere Kisten heute Nachmittag umhertragen. Während sie die letzten zwei Tage praktisch in Ellingtons Wohnung gelebt hatte, würde sie heute tatsächlich umziehen. Es war dennoch ein weiterer der vielen Gründe, warum sie nach einem zweiwöchigen Urlaub gefragt hatte. Der Gedanke an einem Wochenende umzuziehen war ihr nicht gerade angenehm erschienen. Außerdem nahm sie an, war das noch ein weiterer Weg an dem sie wuchs, und sich entwickelte. Jemandem so zu vertrauen, dass man mit ihm einen Wohnhort - und so kitschig das auch schien- sein Herz teilte, war etwas, zu dem sie noch vor ein paar Monaten nicht in der Lage gewesen wäre. Sobald sie in ihre Kleidung gestiegen war merkte sie, dass sie es kaum abwarten konnte, einzuziehen. Muskelkater hin oder her, sie ging ein wenig schneller auf dem Weg zum Parkplatz. *** Der Vorteil keine materialistische Person zu sein, wenn es darum ging umzuziehen, war das es wenig einzupacken gab. Eine einzige Fahrt in Ellingtons Pickup Truck und ein gemieteter Anhänger und das Ganze war erledigt. Der Umzug selber dauerte nicht mehr als zwei Stunden, dank des Aufzugs in Ellingtons Wohngebäude und am Ende musste sie nicht so viele Kisten tragen. Sie feierten den Einzug mit chinesischem Essen und einer Flasche Wein. Mackenzie war müde, hatte Muskelkater aber war unglaublich glücklich. Sie hatte erwartet nervös zu sein und vielleicht sogar ein wenig Reue über den Einzug erwartet, aber als sie begann, die Kisten beim Abendessen auszupacken spürte sie, dass sie diesem nächsten Abschnitt in ihrem Leben aufgeregt entgegen sah. “Hier ist das Angebot”, sagte Ellington, während er mit einem Kartonschneider an einem Verpackungsband entlang der Oberseite einer der Schachteln entlangfuhr. “Du musst mir jetzt sagen, ob ich irgendwelche peinlichen Filme oder CDs in diesen Kisten finde.” “Ich glaube die peinlichste CD, die du finden wirst, ist der Soundtrack zu diesem schrecklichen neunziger Remake von Romeo und Julia. Aber was soll ich dazu sagen? Ich mag den Radiohead Song.” “Es sei dir verziehen”, sagte er und schnitt das Band durch. “Was ist mit dir?”, fragte sie. “Irgendwelche peinlichen Medien, die hier rumliegen?” “Naja ich bin alle meine CDs und DVDs losgeworden. Alles ist digital. Ich musste Platz schaffen. Fast so, als wenn ich eine leise Ahnung gehabt hätte, dass diese sexy FBI-Lady in diesen Tagen mit mir zusammenziehen wird.” “Guter Instinkt”, antwortete sie. Sie ging zu ihm hin und legte ihre Hände in seine. “Okay … das ist deine letzte Chance. Du kannst noch zurück, ehe wir die Dinge aus den Kisten nehmen.” “Zurück? Bist du verrückt?” “Du wirst hier ein Mädchen mit dir leben haben”, sagte sie und zog ihn nahe zu sich. “Ein Mädchen, dass es gerne ordentlich hat. Ein Mädchen, das ein wenig neurotisch werden kann.” “Oh, ich weiß”, sagte er. “Ich freu mich drauf.” “Auch auf all die Frauenkleider? Willst du deinen Kleiderschrank teilen?” “Ich habe nicht viel Kleidung”, sagte er und lehnte sich näher an sie. Ihre Nasen berührten sich fast und eine Hitze, an die sie sich gewöhnt hatte, baute sich zwischen ihnen auf. “Du kannst den ganzen Kleiderschrank haben, wenn du willst.” “Make-Up und Tampons, das Bett teilen und eine weitere Person, die Geschirr dreckig macht. Bist du sicher, dass du dafür bereit bist?” “Ja. Aber ich hab trotzdem eine Frage.” “Was denn?”, sagte sie. Ihre Hände liefen von seinen Händen bis zu seinem Arm. Sie wusste, worauf das hinauflief und jeder kaputte Muskel in ihrem Körper war bereit. “Die ganzen Frauenkleider”, sagte er. “Du kannst sie nicht immer auf den Boden schmeißen. “Hm, das hatte ich auch nicht vor”, antwortete sie. “Oh, ich weiß”, sagte er. Dann griff er nach hinten und zog ihr das Trägerhemd aus. Er verschwendete keine Zeit damit, dasselbe mit ihrem Sport BH darunter zu machen. “Aber ich werde es vielleicht tun”, fügte er hinzu und schmiss beides auf den Boden. Er küsste sie und obwohl er versuchte sie ins Schlafzimmer zu bugsieren, hatten ihre Körper nicht die Geduld dafür. Sie endeten auf dem Läufer im Wohnzimmer, und obwohl Mackenzies müde Muskeln bei dem harten Boden unter ihrem Rücken protestierten, gewannen andere Teile ihres Körpers die Oberhand. *** Als ihr Handy um 4:47 Uhr am Morgen klingelte, ging ein einziger Gedanke durch Mackenzies schläfrigen Kopf, während sie auf den Nachttisch griff. Ein Anruf zu dieser Zeit … Ich glaube, mein Urlaub ist vorbei. “Ja”, fragte sie und hielt sich nicht mit Formalitäten auf, da sie praktisch noch im Urlaub war. “White?” Auf merkwürdige Art hatte sie McGrath schon fast vermisst in den letzten neun Tagen. Trotzdem war der Klang seiner Stimme wie eine schnelle und harte Rückkehr in die Realität. “Ja, ich bin dran.” “Tut mir leid für den frühen Anruf”, sagte er. Und ehe er noch etwas Weiteres hinzufügen konnte, hörte Mackenzie Ellingtons Handy von der anderen Seite des Bettes klingeln. Etwas Großes dachte sie. Etwas Schlechtes. “Hören Sie, ich weiß, dass Sie zwei Wochen Urlaub haben”, sagte McGrath. “Aber wir haben hier zu viel zu tun und ich brauche Sie dabei. Sie und Ellington. Kommen Sie so schnell Sie können in mein Büro.” Das war keine Frage, sondern ein Befehl. Und ohne sich irgendwie zu verabschieden, legte McGrath auf. Mackenzie seufzte und schaute zu Ellington, der eben seinen Anruf beendete. “Sieht so aus, als wenn dein Urlaub vorbei wäre”, sagte er mit einem dünnen Lächeln. “Das ist in Ordnung”, sagte sie. “Es ist ja mit einem Paukenschlag geendet.” Und dann, wie ein altes verheiratetes Ehepaar, küssten sie sich und stiegen aus dem Bett, um zur Arbeit zu gehen. KAPITEL ZWEI Das J. Edgar Hoover Gebäude war leer, als Mackenzie und Ellington hineingingen. Sie waren beide schon zu jeglicher nächtlicher Uhrzeit hier gewesen, es war also nichts Ungewöhnliches. Trotzdem war es nie gut, zu solch einer Zeit ins Büro gerufen zu werden. Es bedeutete normalerweise, dass etwas wirklich Schreckliches sie erwartete. Als sie McGraths Büro erreichten, fanden sie die Tür offen stehend. Er saß an einem kleinen Konferenztisch hinten in seinem Büro und sah sich eine Auswahl von Akten an. Da war noch eine weitere Agentin bei ihm, eine Frau, die Mackenzie schon einmal gesehen hatte. Ihr Name war Agentin Yardley, eine ruhige Frau, die manchmal Agent Harrisson half. Sie nickte und warf ihr ein roboterartiges Lächeln zu, als sie den Raum betraten und zum Konferenztisch gingen. Sie schaute wieder auf ihren Laptop und konzentrierte sich darauf, was auf dem Bildschirm zu sehen war. Als McGrath Mackenzie ansah, kam sie nicht umhin die Erleichterung in seinen Augen zu sehen. Es war eine schöne Art, auf der Arbeit begrüßt zu werden, nachdem ihr Urlaub abgebrochen worden war. “White, Ellington”, sagte McGrath. “Sie kennen Agentin Yardley?” “Ja”, sagte Mackenzie und nickte der Agentin anerkennend zu. “Sie kommt gerade von einem Tatort, der mit einem weiteren verbunden ist, den wir vor fünf Tagen hatten. Ich hatte ihr den Fall zugeteilt, aber als ich daran gedacht habe, dass wir es eventuell mit einem Serienmörder zu tun haben, habe ich sie darum gebeten, alles zur Verfügung zu stellen, was sie hat, sodass ich es Ihnen beiden übergeben kann. Wir haben einen Mord … der zweite dieser Art in fünf Tagen. White, ich habe Sie angerufen, weil ich Sie an dem Fall will wegen ihrer Vorgeschichte – um genau zu sein, wegen dem Scarecrow Mörder.” “Was ist los?”, fragte Mackenzie. Yardley drehte ihren Laptop in ihre Richtung. Mackenzie ging zum nächsten Stuhl und setzte sich. Sie betrachtete das Bild auf dem Bildschirm mit einer abgestumpften Art von Stille, die sie gut kennengelernt hatte - die Fähigkeit, ein Bild von etwas Groteskem als Teil ihrer Arbeit zu studieren, aber mit dem resignierten Mitgefühl, dass die meisten Menschen bei einem so tragischen Tod fühlen würden. Sie sah einen älteren Mann, mit fast grauem Haar und Bart, der von der Tür einer Kirche baumelte. Seine Arme waren ausgebreitet und sein Kopf war nach unten gebeugt und in einer Art Kreuzigung dargestellt. Seine Brust war teilweise aufgeschlitzt worden und eine große Schnittwunde prangte auf seiner Stirn. Seine Unterwäsche war heruntergezogen worden, sodass sich eine große Menge Blut, die von seiner Augenbraue und Brust tropfte dort angesammelt hatte. Von dem was sie auf den Fotos sehen konnte, war sie sich sicher, dass seine Hände wortwörtlich an die Tür genagelt worden waren. Die Füße waren jedoch einfach nur zusammengebunden. “Das ist das zweite Opfer”, sagte Yardley. “Pastor Ned Tuttle, fünfundfünfzig Jahre alt. Er wurde von einer alten Frau entdeckt, die früh zur Kirche gegangen war, um Blumen auf das Grab ihres Mannes zu legen. Die Spurensicherung ist am Tatort. Es scheint, dass der Körper dort vor weniger als vier Stunden abgelegt wurde. Wir haben bereits Agenten, die mit der Familie sprechen, um sie zu benachrichtigen.” Eine Frau, die gerne Verantwortung übernimmt und die Dinge erledigt, dachte Mackenzie. Vielleicht arbeiten sie und ich gut zusammen. “Was haben wir über das erste Opfer?”, fragte Mackenzie. McGrath schob ihr eine Akte herüber. Während sie sie öffnete und sich den Inhalt anschaute, gab McGrath ihr die Infos. “Vater Costas, von der katholischen Blessed Heart Kirche. Er wurde genauso vorgefunden, an die Türen seiner Kirche genagelt, vor fünf Tagen. Ich bin ehrlich überrascht, dass Sie noch nichts davon in den Nachrichten gesehen haben.” “Ich schaue mit Absicht keine Nachrichten in meinem Urlaub”, sagte sie und schnitt McGrath eine Grimasse, die komisch sein sollte, die aber komplett ungeachtet blieb. “Ich erinnere mich daran, etwas darüber in der Kaffeeküche gehört zu haben”, sagte Ellington. “Die Frau, die den Körper entdeckt hatte, war eine Weile in einem Schockzustand, richtig?” “Richtig”, erwiderte McGrath. “Und basierend darauf, was die Spurensicherung gefunden hat”, fügte Yardley hinzu, “wurde Vater Costas vor nicht länger als zwei Stunden dort angenagelt.” Mackenzie sah durch die Akten. Die Bilder darin zeigten Vater Costas in derselben Position wie Pastor Tuttle. Alles sah recht identisch aus, bis hin zu der länglichen Wunde über der Stirn. Sie schloss die Akte und schob sie wieder zu McGrath. “Wo ist die Kirche?”, fragte Mackenzie und zeigte auf den Laptop Bildschirm. “Außerhalb der Stadt. Eine ganz ansehnliche presbyterianische Kirche. “Schicken Sie mir die Adressen”, sagte Mackenzie und stand bereits auf. “Ich würde mir das gerne Selbst ansehen.” Anscheinend hatte sie die Arbeit in den letzten acht Tagen mehr vermisst, als sie zugeben wollte. *** Es war noch dunkel, als Mackenzie und Ellington an der Kirche ankamen. Die Spurensicherung war gerade fertig geworden. Der Körper von Pastor Tuttle war von der Tür entfernt worden, aber das war okay für Mackenzie. Basierend auf den beiden Fotos, die sie von Vater Costas und Pastor Tuttle gesehen hatte, hatte sie alles gesehen, was sie sehen musste. Zwei Morde im Kreuzigungsstil, beide an den Vordertüren der Kirche. Die getöteten Männer waren mutmaßlich Vorstände dieser Kirchen. Es war recht klar, dass jemand einen großen Groll gegen die Kirche hegte. Und wer immer das war, er war nicht spezifisch bei einer bestimmten Religion. Sie und Ellington näherten sich der Kirche, als das Spurensicherungsteam die Sachen packte. Links in der Nähe der kleinen Plakette mit dem Namen der Kirche, stand eine kleine Gruppe von Menschen. Ein paar von ihnen beteten, während sie sich umarmten. Andere weinten ganz offen. Kirchenmitglieder nahm Mackenzie mit überwältigender Traurigkeit an. Sie näherten sich der Kirche und das Bild wurde nur noch schlimmer. Es gab Schmieren von Blut und zwei große Löcher, wo die Nägel drin gesteckt hatten. Sie suchte den Bereich nach ein paar weiteren religiösen Bilddeutungen ab, sah aber nichts. Da war nur Blut und Dreck und Schweiß. So eine kühne Tat dachte sie. Da muss eine Art Symbolik dahinter stecken. Warum eine Kirche? Warum die Türen einer Kirche? Einmal wäre Zufall. Aber zwei Mal hintereinander, beide an die Türen genagelt, - das ist Absicht. Sie fand es schon fast beleidigend, dass jemand so etwas an einem Kircheneingang machte. Und vielleicht war das der Punkt. Man konnte es nicht genau wissen. Während Mackenzie keine große Gläubige in Religionen oder Götter oder die Wirkungen des Glaubens war, respektierte sie das Recht der Menschen, die in dem Glauben lebten. Manchmal wünschte sie sich, sie wäre so eine Art Person. Vielleicht fand sie deswegen diese Tat so bedauernswert; den Tod von Jesus am Eingang der Kirche zu verspotten, wo die Menschen sich sammelten, um in seinem Namen Trost und Zuflucht zu suchen, war abscheulich. “Selbst wenn das der erste Mord war”, begann Ellington, “solch ein Anblick lässt mich sofort glauben, dass da noch mehr kommt. Das ist … ekelhaft.” “Ist es”, stimmte Mackenzie zu. “Aber ich bin mir nicht sicher, warum ich mich so fühle.” “Weil Kirchen sichere Orte sind. Du erwartest es nicht, große Nagellöcher und nasses Blut an den Türen zu sehen. Das hier ist richtiger Scheiß aus dem alten Testament.” Mackenzie hatte nicht viel mit der Bibel am Hut, aber sie erinnerte sich an die Bibelgeschichten aus ihrer Kindheit – etwas über den Todesengel, der durch die Stadt fuhr und die Erstgeborenen jeder Familie mitnahm, wenn es keine bestimmte Markierung über ihren Türen gab. Ein Schauer durchfuhr sie. Sie unterdrückte ihn und wandte sich an die Spurensicherung. Mit einem kleinen Winken bekam sie die Aufmerksamkeit eines Teammitglieds. Er kam hinüber, offensichtlich ein wenig verstört von dem, was er und der Rest des Teams gesehen hatten. “Agentin White”, sagte er. “Ist das jetzt Ihr Fall?” “Scheint so. Ich hab mich gefragt, ob ihr noch die Nägel habt, mit denen er dort befestigt wurde.” “Na klar”, sagte er. Er winkte einem weiteren Teammitglied hinzu und schaute dann zur Tür. “Und der Mann, der das getan hat … war entweder stark wie sonst was oder hatte alle Zeit der Welt, das zu tun.” “Das bezweifel ich”, sagte Mackenzie. Sie nickte zum Kirchenparkplatz hinüber und die Straße dahinter. “Selbst wenn der Täter das gegen zwei oder drei Uhr morgens getan hat, die Chance, dass ein vorüberfahrendes Auto auf der Browning Street ihn gesehen hat, sind dünn bis gar nicht.” “Außer der Mörder hat die Gegend vorher überprüft und kannte die Ruhezeiten des Verkehrs nach Mitternacht”, schlug Ellington vor. “Irgendwelche Chancen auf einen Videoausschnitt?”, fragte sie. “Keine. Wir haben das überprüft. Agentin Yardley hat sogar ein paar Personen angerufen – Besitzer der Gebäude in der Nähe. Aber nur eins hat Sicherheitskameras und die sind nicht auf die Kirche gerichtet. Es gibt also keine Spur.” Ein weiterer Mitarbeiter der Spurensicherung kam herüber. Er trug eine mittelgroße Plastiktüte, die zwei große Eisenspitzen enthielt und etwas, das wie ein Faden aus Draht aussah. Die Spitzen waren blutdurchtränkt, was sich auf das klare Innere der Tüte abgeschmiert hatte. “Sind das Eisenbahnnägel?”, fragte Mackenzie. “Wahrscheinlich”, sagte der Mann von der Spurensicherung. “Aber wenn dann sind es Miniaturausgaben. Vielleicht solche die Menschen für Hühnerställe oder Viehweidenzäune nutzen.” “Wie lange wird es dauern, bis Sie Ergebnisse davon haben?”, fragte sie. Der Mann zuckte die Achseln. “Einen halben Tag vielleicht? Sagen Sie mir doch, nach was genau Sie suchen und ich versuche, die Ergebnisse schneller zu bekommen.” “Schauen Sie, ob Sie herausfinden können, was der Mörder genutzt hat, um die Nägel einzuschlagen. Können Sie das anhand der jüngsten Abnutzung an den Spitzenköpfen sehen?” “Ja, das sollten wir herausfinden können. Von unserer Seite war es das. Die Leiche ist noch bei uns; sie wird erst nach unserer Freigabe an den Gerichtsvollzieher übergeben. Die Türen und die Treppe wurden nach Abdrücken untersucht. Wir lassen Sie wissen, wenn wir etwas gefunden haben.” “Danke”, sagte Mackenzie. “Tut mir leid, dass ich die Leiche entfernen musste. Aber die Sonne ging auf und wir wollten das wirklich nicht heute in der Zeitung stehen haben. Oder in der Morgigen. “Nein, das ist in Ordnung. Das verstehe ich.” Damit drehte Mackenzie sich zurück zur Doppeltür und entließ die Spurensicherung ohne ein weiteres Wort. Sie versuchte sich vorzustellen, wie jemand mitten in der Nacht einen Körper quer über den kleinen Rasen und dann die Treppen hochschleppte. Die Lage der Sicherheitsbeleuchtung auf den Straßen ließen die Vorderseite der Kirche dunkel erscheinen. Es gab kein Licht entlang der Vorderseite der Kirche, es hatte also alles in kompletter Dunkelheit stattgefunden. Vielleicht wäre es eher möglicher gewesen, als ich ursprünglich dachte, dass der Mörder sich alle Zeit, die er braucht dazu genommen hat, um das hier zu bewerkstelligen, dachte sie. “Das hört sich nach einer merkwürdigen Bitte an”, sagte Ellington. “Was denkst du?” “Ich weiß es noch nicht. Aber ich weiß, dass es eine Menge Stärke und Entschlossenheit braucht, alleine zu arbeiten, um jemanden vom Boden zu heben und die Hände an diese Türen zu nageln. Falls ein Vorschlaghammer benutzt wurde, um die Nägel einzuschlagen, dann bedeutet das, dass es mehr als einen Mörder geben muss – einer der das Opfer festhält und den Arm ausstreckt und ein weiterer, der die Nägel einschlägt.” “Gibt ein ziemlich schreckliches Bild, oder?”, fragte Ellington. Mackenzie nickte, während sie mit ihrem Handy Fotos vom Tatort machte. Dabei kam ihr der Gedanke der Kreuzigung erneut. Es ließ sie an den ersten Fall denken, an dem sie je gearbeitet hatte, wo Kreuzigungsthemen benutzt wurden – ein Fall damals in Nebraska, der sie schließlich dazu geführt hatte, mit dem Büro zu verkehren. Der Scarecrow Mörder dachte sie. Gott, werde ich das jemals in meinen Erinnerungen vergraben können? Hinter ihr ging die Sonne auf, die ersten Sonnenstrahlen des Tages. Als ihr Schatten langsam auf die Kirchentreppe geworfen wurde, versuchte sie die Tatsache zu ignorieren, dass es fast wie ein Kreuz aussah. Wieder kamen ihr Erinnerungen an den Scarecrow Fall ins Gedächtnis. Vielleicht ist es das, dachte sie hoffnungsvoll. Wenn ich diesen Fall abschließe, werden mich vielleicht die Erinnerungen an diese gekreuzigten Menschen auf den Kornfeldern endlich nicht mehr verfolgen. Aber als sie zurück auf die blutgetränkten Türen der presbyterianischen Cornerstone schaute, hatte sie Angst, dass das nichts mehr als Wunschdenken war. KAPITEL DREI Mackenzie lernte in der nächsten halben Stunde jede Menge über Pastor Ned Tuttle. Erst einmal hatte er zwei Söhne und eine Schwester hinterlassen. Seine Frau hatte sich vor acht Jahren von ihm getrennt und war nach Austin, Texas gezogen, mit einem Mann, mit dem sie über ein Jahr lang eine Affäre gehabt hatte, ehe es rausgekommen war. Beide Söhne lebten in der Georgetown Gegend und das führte Mackenzie und Ellington zu ihrem ersten Halt des Tages. Es war gerade 6:30 Uhr als Mackenzie das Auto am Bordstein vor Brian Tuttle’s Wohnung parkte. Laut dem Agenten, der die Neuigkeiten überbracht hatte, waren beide Brüder da und warteten darauf, um zu tun, was sie konnten, um die Fragen über den Tod ihres Vaters zu beantworten. Als Mackenzie in Brian Tuttles Wohnung trat, war sie ein wenig überrascht. Sie hatte erwartet zwei Söhne in tiefer Trauer zu sehen, zerrissen von dem Verlust ihres religiösen Vaters. Stattdessen sah sie, wie sie an einem kleinen Esstisch in der Küche saßen. Sie tranken beide Kaffee. Brian Tuttle, zweiundzwanzig Jahre alt, aß eine Schüssel Cornflakes, während Eddie Tuttle, neunzehn, abwesend eine Eggo Waffel in einen Siruptopf tunkte. “Ich weiß nicht, was genau wir Ihnen sagen können”, sagte Brian. “Wir hatten nicht das beste Verhältnis zu unserem Vater.” “Darf ich fragen warum?”, fragte Mackenzie. “Weil wir aufgehört haben, uns mit ihm abzugeben, als er sich ganz der Kirche gewidmet hat.” “Sind Sie nicht gläubig?”, fragte Ellington. “Ich weiß nicht”, sagte Brian. “Ich glaube, ich bin Agnostiker.” “Ich bin gläubig”, sagte Eddie. “Aber mein Vater … er hat das Ganze auf ein ganz neues Level gehoben. Als er herausgefunden hat, dass meine Mutter ihn betrügt, hat er nichts unternommen. Nachdem er zwei Tage damit gehadert hat, hat er ihr vergeben und dem Typen, mit dem sie ihn betrogen hatte, ebenso. Er sagte, er vergibt ihnen, weil christliche Menschen das tun. Und er hat sich geweigert, über eine Scheidung zu sprechen.” “Ja”, sagte Brian. “Und Mama hat gesehen, dass Papa es scheißegal war – es hat ihn nicht gekümmert, dass sie ihn betrogen hatte. Also ist sie gegangen. Und er hat nicht viel getan, um sie aufzuhalten.” “Hat euer Vater je versucht, mit euch zu sprechen? Seit eure Mutter gegangen ist?” “Oh ja”, sagte Brian. “Ungefähr jeden Samstagabend hat er uns gebeten, in die Kirche zu kommen.” “Und außerdem”, fügte Eddie hinzu, “war er zu beschäftigt unter der Woche, auch wenn wir ihn sehen wollten. Er war immer in der Kirche oder bei Charity Veranstaltungen oder bei Krankenbesuchen im Krankenhaus.” “Wann war das letzte Mal, dass einer von Ihnen länger mit ihm gesprochen hat?”, fragte Mackenzie. Die Brüder sahen sich einen Moment an und rechneten nach. “Ich bin mir nicht sicher”, sagte Brian. “Vielleicht vor einem Monat. Und das war auch nicht viel. Er hat dieselben Fragen gestellt: Wie die Arbeit lief, ob ich eine Freundin habe, solche Sachen.” “Man kann also mit Sicherheit sagen, dass Sie ein zerstrittenes Verhältnis mit Ihrem Vater hatten?” “Ja”, sagte Eddie. Er sah einen Moment auf den Tisch, als die Reue einsetzte. Mackenzie hatte diese Art von Reaktion schon früher gesehen; wenn sie hätte Wetten müssen, wäre sie sicher gewesen, dass wenigstens einer dieser Männer innerhalb von einer Stunde ein schluchzendes Häufchen Elend wäre, wenn er erkannte, dass alles verloren war, hinsichtlich des Vaters, den sie nie richtig gekannt hatten. “Wissen Sie, wer ihn gut kannte?”, fragte Mackenzie. “Hatte er irgendwelche engen Freunde?” “Nur der Priester oder Pastor oder was auch immer in der Kirche”, sagte Eddie. “Derjenige, dem die Kirche gehört.” “Ihr Vater war nicht der leitende Pastor?”, fragte Mackenzie. “Nein. Er war ein Hilfspastor oder so etwas”, antwortete Brian. “Es gab noch einen Mann, der über ihm stand. Jerry Levins, glaube ich.” Mackenzie bemerkte, wie die jungen Männer die Begriffe verwechselten. Pfarrer, Pastor, Priester…. Es war alles ziemlich verwirrend. Mackenzie kannte nicht einmal den Unterschied, sie nahm an, es hatte etwas mit den Unterschieden im Glauben zwischen den Konfessionen zu tun. “Und ihr Vater hat viel Zeit mit ihm verbracht?” “Oh ja”, sagte Brian, ein wenig wütend. “Seine ganze verdammte Zeit, glaube ich. Wenn Sie etwas über meinen Vater wissen wollen, sollten sie ihn fragen.” Mackenzie nickte, wohl wissend, dass sie keine nützlichen Informationen von den beiden jungen Männern erhalten würde. Trotzdem wünschte sie sich, dass sie mehr Zeit hätte, um mit ihnen zu sprechen. Es gab klar ungeklärte Spannung und Verlust zwischen ihnen. Vielleicht würden sie mehr zu bieten haben, wenn sie die emotionalen Mauern durchbrachen, die sie so ruhig bleiben ließen. Schließlich drehte sie sich um und dankte ihnen. Sie und Ellington verließen still die Wohnung. Als sie Seite an Seite die Stufen heruntergingen, nahm er ihre Hand. “Alles okay?”, fragte er. “Ja”, sagte sie verwirrt. “Warum?” “Zwei Kinder … ihr Vater ist gerade gestorben und sie wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Mit all den Spekulationen über den alten Fall deines Vaters in der letzten Zeit … frage ich mich das eben.” Sie lächelte ihn an und genoss die aufmunternde Art, wie ihr Herz sich in diesen Momenten fühlte. Gott, er kann so süß sein… Als sie zusammen in den Morgen hinausgingen, erkannte sie auch, dass er recht hatte: Der Grund, warum sie bleiben und weiter reden wollte, war, weil sie den Tuttle Brüdern helfen wollte, Probleme zu lösen, die sie mit ihrem Vater gehabt hatten. Anscheinend verfolgte sie der Geist des kürzlich wieder eröffneten Falles ihres Vaters mehr als sie sich eingestanden hatte. *** Die presbyterianische Cornerstone Kirche im Morgenlicht zu sehen war unwirklich. Mackenzie fuhr auf dem Weg zu ihrem Besuch bei Pastor Jerry Levins daran vorbei. Levins wohnte in einem Haus, das nur einen halben Block von der Kirche entfernt war. So etwas hatte Mackenzie oft in ihrer Zeit in Nebraska gesehen, wo die Vorstände von kleineren Kirchen dazu neigten, in unmittelbarer Nähe ihres Gotteshauses zu leben. Als sie an Levins Haus ankamen, waren zahlreiche Autos entlang des Bürgersteigs sowie auch auf der Einfahrt geparkt. Sie nahm an, dass das wahrscheinlich Mitglieder von Cornerstone waren, die vorbeikommen waren, um Trost zu suchen oder Pastor Levins Trost zu spenden. Als Mackenzie an die Vordertür des bescheidenen kleinen Ziegelhauses klopfte, wurde sofort geöffnet. Die Frau an der Tür hatte offensichtlich geweint. Sie sah Mackenzie und Ellington argwöhnisch an, bis Mackenzie ihr Abzeichen hochhob. “Wir sind Agenten White und Ellington vom FBI”, sagte sie. “Wir würden gerne mit Pastor Levins sprechen, wenn er da ist.” Die Frau öffnete ihnen die Tür und sie traten in ein Haus, das mit schluchzen und schniefen gefüllt war. Irgendwo im Haus konnte Mackenzie Gebete murmeln hören. “Ich rufe ihn für Sie”, sagte die Frau. “Bitte warten Sie hier.” Mackenzie sah zu, wie die Frau zurück ins Haus ging, sie ging in ein kleines Wohnzimmer, wo ein paar Menschen in der Tür standen. Nach ein paar geflüsterten Worten kam ein großer, kahlköpfiger Mann in ihre Richtung. Wie die Frau, die die Tür geöffnet hatte, hatte er ebenfalls geweint. “Agenten”, sagte Levins. “Kann ich Ihnen helfen?” “Ja, ich weiß, dass das eine sehr angespannte und traurige Zeit für sie ist”, sagte Mackenzie, “aber wir hoffen, dass sie uns Informationen über Pastor Tuttle geben können. Je eher wir Hinweise bekommen, umso schneller können wir denjenigen erwischen, der das getan hat.” “Glauben Sie, dass sein Tod mit dem von dem armen Priester am Anfang der Woche in Verbindung steht?”, fragte Levins. “Das können wir noch nicht mit Sicherheit sagen”, erwiderte Mackenzie, obwohl sie bereits sicher war, dass es so war. “Deswegen hofften wir, dass wir mit Ihnen sprechen könnten.” “Natürlich”, erwiderte Levins. “Draußen auf den Treppen. Ich möchte nicht die Gebete hier unterbrechen.” Er führte sie zurück in die Morgensonne, wo sie auf den Betonstufen Platz nahmen. “Ich muss sagen, ich bin mir nicht sicher, was Sie über Ned finden werden”, sagte Levins. “Er war ein Steh-auf Gläubiger. Abgesehen von den Problemen mit seiner Familie wüsste ich nicht, dass er irgendetwas wie eine Art Feind hatte.” “Hatte er Freunde innerhalb der Kirche, bei denen Sie vielleicht zweifeln, dass sie moralisch oder aufrichtig sind?”, fragte Ellington. “Jeder war mit Ned Tuttle befreundet”, sagte Levins und wischte sich eine Träne aus seinem Auge. “Der Mann war einem Heiligen so nah, wie es nur ging. Er gab regelmäßig mindestens fünfundzwanzig Prozent seines Gehalts zurück an die Kirche. Er war immer in der Stadt, hat geholfen, die Armen zu speisen und zu kleiden. Er hat Rasen für Senioren gemäht, Sachen für Witwen repariert, drei Missionsreisen nach Kenia gemacht und jedes Jahr beim medizinischen Dienst geholfen.” “Wissen Sie etwas über seine Vergangenheit, dass vielleicht fragwürdig sein könnte?”, fragte Mackenzie. “Nein und das sagt viel aus, weil ich viel über seine Vergangenheit weiß. Er und ich, wir haben viele Geschichten über unsere Kämpfe ausgetauscht. Und ich kann Ihnen im Vertrauen sagen, dass es unter den wenigen Sünden, die er in seiner Vergangenheit erlebt hat, nichts gab, was darauf hindeuten würde, so behandelt zu werden, wie letzte Nacht.” “Was ist mit Menschen in der Kirche?”, fragte Mackenzie. “Gab es Mitglieder der Kirche, die sich vielleicht von etwas beleidigt fühlten, was Pastor Tuttle gesagt oder getan hat?” Levins dachte einen Moment nach, ehe er seinen Kopf schüttelte. “Nein. Wenn es irgendein Problem gäbe, dann hat Ned mir das nicht erzählt und ich weiß nichts davon. Aber … ich kann Ihnen mit großer Sicherheit sagen, dass er keine Feinde hatte, von denen ich wusste.” “Wissen Sie, ob –“, begann Ellington. Aber Levins hielt seine Hand hoch, als wenn er den Kommentar vertreiben wollte. “Es tut mir sehr leid”, sagte er. “Aber ich bin recht traurig über den Verlust meines guten Freundes und ich habe viele trauernde Mitglieder meiner Kirche hier drinnen. Ich werde Ihnen jegliche Fragen beantworten, die sie vielleicht in den kommenden Tagen haben, aber ich muss mich jetzt bei Gott und meiner Gemeinde melden.” “Natürlich”, sagte Mackenzie. “Das verstehe ich. Und es tut mir wirklich leid für Ihren Verlust.” Levins schaffte es zu lächeln, während er aufstand. Neue Tränen liefen über sein Gesicht. “Ich meine, was ich gesagt habe”, flüsterte er, und gab sich Mühe nicht vor ihnen zusammenzubrechen. “Geben Sie mir einen Tag oder so. Wenn es noch Weiteres gibt, was Sie fragen wollen, lassen Sie es mich wissen. Ich würde gerne mithelfen, denjenigen, wer immer das getan hat, zur Rechenschaft zu ziehen.” Damit ging er wieder hinein. Mackenzie und Ellington gingen zurück zum Auto, als die Sonne endlich ihren richtigen Platz am Himmel gefunden hatte. Es war schwer zu glauben, dass es erst 8.11 Uhr war. “Was kommt als Nächstes?”, fragte Mackenzie. “Irgendwelche Ideen?” “Naja … Ich bin jetzt seit fast vier Stunden wach und ich hatte noch keinen Kaffee heute. Das scheint ein guter Ort zum Beginnen zu sein.” *** Zwanzig Minuten später saßen Mackenzie und Ellington sich in einem kleinen Coffee Shop gegenüber. Während sie ihren Kaffee tranken, sahen sie sich die Akten von Vater Costas an, die sie aus McGraths Büro mitgenommen hatten, sowie die digitalen Ordner von Pastor Tuttle, die Mackenzie auf ihr Handy gemailt bekommen hatte. Neben dem Studium der Fotos gab es nicht wirklich viel anzuschauen. Sogar in dem Fall von Vater Costas, wo es Papierkram gab, gab es nicht viel zu sagen. Er war entweder von den Stichwunden in seiner Lunge oder einer tieferen Schnittwunde hinten an seinem Nacken gestorben, die tief genug war, um das weiße Glimmern seiner Wirbelsäule zu zeigen. “Also laut diesem Bericht”, sagte Mackenzie, “waren es die Wunden von Vater Costas Körper, die ihn getötet haben. Er war wahrscheinlich schon tot, ehe er gekreuzigt wurde.” “Und das bedeutet etwas?”, fragte Ellington. “Ich glaube schon. Es ist klar, dass es hier eine Art religiösen Zusammenhang gibt. Das bloße Thema der Kreuzigung unterstützt das. Aber es gibt einen riesigen Unterschied zwischen der Nutzung des Aktes der Kreuzigung als eine Nachricht und der Nutzung der Symbolik der Kreuzigung.” “Ich glaube, ich kann folgen”, sagte Ellington. “Aber du kannst gerne weiter erklären.” “Für Christen wäre das Bild der Kreuzigung wirklich nur eine Art der Darstellung. In unserem Fall scheint der Tod als Ergebnis der Kreuzigung nicht das Ziel zu sein. Wenn das der Fall wäre, wären die Körper wahrscheinlich frei von Verletzungen. Denk mal darüber nach … das ganze Christentum wäre anders, wenn Jesus bereits tot gewesen wäre, als er ans Kreuz genagelt wurde.” “Glaubst du also, der Mörder kreuzigt diese Männer nur zur Show?” “Es ist zu früh, um das zu sagen”, sagte Mackenzie. Sie machte lang genug Pause, um einen ordentlichen Schluck von ihrem Kaffee zu nehmen. “Ich neige aber dennoch zu einem Nein. Beide Männer waren Geistliche … Vorstände einer Kirche, auf die eine oder andere Art. Sie so darzustellen, wie die christliche Figur, um die sich die Kirche dreht, ist auf jeden Fall ein Zeichen. Es gibt eine Art Motiv hinter all dem.” “Du hast Jesus Christus als eine christliche Figur bezeichnet. Ich dachte, du glaubst an Gott.” “Das tue ich”, sagte Mackenzie. “Aber nicht mit der Strenge und Überzeugung wie jemand wie Ned Tuttle. Und wenn es um Bibelgeschichten geht – die sprechende Schlange, die Arche, die Kreuzigung – Ich glaube, der Glaube muss sich hinten anstellen und sich auf etwas verlassen was eher dem blinden Glauben näherkommt. Und das ist nicht so angenehm für mich.” “Wow”, sagte Ellington mit einem Lächeln. “Das ist tiefsinnig. Ich … ich bevorzuge lieber die Ich weiß nicht Antwort. Also … wegen des Motivs, das du erwähnt hast. Wie finden wir das?”, fragte Ellington. “Gute Frage. Ich plane, mit der Familie von Vater Costas zu beginnen. Es steht nicht viel in den Berichten. Also ich glaube –“ Das Klingeln von Ellingtons Handy unterbrach sie. Er griff schnell danach und runzelte die Stirn, als er auf das Display schaute. “Es ist McGrath”, sagte er, ehe er antwortete. Mackenzie hörte sich Ellingtons Gespräch an und konnte nicht zusammensetzen, worum es ging. Nach weniger als einer Minute beendete Ellington den Anruf und schob sein Handy wieder zurück in die Tasche. “Also”, sagte er. “Es sieht so aus, als wenn du die Costas Familie alleine besuchen musst. McGrath braucht mich im Büro. Einige Detailarbeiten an einem Fall, über den er ziemlich geheimnisvoll ist.” “Das heißt wahrscheinlich Routinearbeit”, sagte Mackenzie. “Du Glücklicher.” “Trotzdem … es ist ein wenig komisch, dass er mich schon so schnell abzieht, wenn wir noch gar keine Hinweise haben. Er muss ganz plötzlich ein großes Vertrauen in dich haben.” “Und du hast das nicht?” “Du weißt, was ich meine”, sagte Ellington lächelnd. Mackenzie nahm einen weiteren Schluck von ihrem Kaffee, ein wenig verstimmt, als sie merkte, dass er schon leer war. Sie warf die Tasse in den Müll und sammelte die Akten und ihr Handy ein, bereit für ihren nächsten Halt. Zuerst jedoch ging sie zur Theke, um einen weiteren Kaffee zu bestellen. Es sah aus, als wenn es ein langer Tag werden würde. Und ohne Ellington, der sie auf Trab hielt, brauchte sie definitiv Kaffee. Aber lange Tage ergaben auch immer Hinweise – in Produktivität. Und wenn Mackenzie es auf ihre Art machen konnte, würde sie den Mörder finden, ehe er Zeit hatte einen weiteren Mord zu planen. KAPITEL VIER Nachdem sie Ellington in der Parkgarage des FBI-Büros abgesetzt hatte (und einen schnellen, aber leidenschaftlichen Kuss bekommen hatte, ehe sie weiterfuhr), fuhr Mackenzie zur katholischen Blessed Heart Kirche. Sie hatte nicht erwartet etwas zu finden, also war sie nicht enttäuscht, als genau das passierte. Die Türen waren ersetzt worden, aber sahen genau wie Repliken von denen aus, die sie auf den Fotos des Tatorts gesehen hatte. Sie stieg die Stufen zu den neuen Türen hoch, die hier viel schicker und verzierter waren, als die in der presbyterianischen Cornerstone. Sie drehte sich dann mit dem Rücken zu den Türen und schaute auf die Straße. Sie konnte nicht anders als sich zu fragen, ob es noch irgendwelche weitere Symbolik bei der Kreuzigung der Männer an den Vordertüren gab. Vielleicht sollten sie nach etwas schauen, dachte Mackenzie. Aber alles was sie sah waren geparkte Autos, ein paar Fußgänger und Straßenschilder. Sie sah auf ihre Füße und entlang der Kanten des Türrahmens. Es gab kleine gespachtelte Formen, die alles sein konnten. Aber sie hatte diese Farbe schon einmal gesehen – die Farbe von Blut, sobald es auf dem hellen Beton getrocknet war. Sie sah die Treppen herunter und versuchte sich einen Mann vorzustellen, der dort eine Leiche hochtrug. Das wäre eine Aufgabe, das war sicher. Natürlich wusste sie nicht sicher, dass Costas bereits tot gewesen war, als er an die Tür genagelt wurde, dennoch schien das aber die funktionierende Hypothese zu sein. Während sie an den Doppeltüren stand und sich umsah, ging sie die Fakten, die sie aus den Akten wusste durch. Dieselbe Art von Nagel wurden sowohl hier, als auch am Tuttle Tatort genutzt. Die einzige gemeinsame Verletzung an den beiden Leichen war eine große Wunde, längs an ihrer Stirn – vielleicht eine Anspielung auf die Christi Dornenkrone. Sich solch einen grausamen Anblick auf den Stufen vorzustellen, auf denen sie stand, war schwer. Menschen dachten typischerweise nicht an Tod und Aufspießung, wenn sie vor den Türen einer Kirche standen. Und vielleicht ist das der Punkt. Vielleicht ist das eine Verbindung zum Motiv des Mörders. Mit dem Gefühl, das sie an etwas dran war, ging Mackenzie die Stufen zur Straße herunter. Es fühlte sich merkwürdig an, sich in so einem Tempo ohne Ellington an ihrer Seite zu bewegen, aber als sie im Auto war und losfuhr, waren ihre Gedanken nur noch bei dem Fall. *** Zum zweiten Mal am Tag ging Mackenzie in ein überfülltes Zuhause. Vater Costas hatte in einem schönen Zuhause, einem zweistöckigen Ziegelhaus, direkt in den Außenbezirken der Innenstadt Region gewohnt. Sie wurde von einer Frau empfangen, die sich selbst als Gemeindemitglied von Blessed Heart vorstellte. Sie führte Mackenzie in den Wartebereich, wo sie gebeten wurde, einen Moment zu warten. Innerhalb von Sekunden betrat eine ältere Frau den Raum. Sie sah erschöpft und zutiefst traurig aus, als sie in einem Lehnsessel Mackenzie gegenüber, die sich auf ein verziertes Sofa gesetzt hatte, Platz nahm. “Es tut mir leid Sie zu stören”, sage Mackenzie. “Ich hatte keine Ahnung, dass Sie so viel Besuch haben.” “Ja, ich hatte auch keine Ahnung”, antwortete die Frau. “Aber die Beerdigung ist heute Abend und plötzlich tauchten all diese Menschen auf. Familienmitglieder, Bekannte, Anhänger von der Kirche.” Sie grinste müde und fügte hinzu: “Ich bin Nancy Allensworth, die Kirchensekretärin. Mir wurde gesagt, dass Sie vom FBI sind?” “Ja Ma’am. Auch wenn ich sie noch weiterhin aufrege, heute Morgen wurde eine weitere Leiche entdeckt, die auf dieselbe Art wie Vater Costas getötet wurde. Dieser hier war Pastor in einer kleinen presbyterianischen Kirche in der Nähe von Georgetown.” Nancy Allensworth legte ihre Hand an den Mund in einer dramatischen Oh nein Gestik. “Meine Güte”, sagte sie. Dann durch Tränen und zusammengebissenen Zähnen zischte sie, “Was ist nur aus dieser Welt geworden?” Mackenzie gab sich Mühe weiterzumachen. “Natürlich haben wir Annahme zu glauben, dass es erneut passieren kann, wenn es bereits zwei Mal passiert ist. Zeit ist also wichtig. Ich hoffte, Sie können mir ein paar Fragen beantworten.” “Ich kann es versuchen”, sagte sie. Dennoch war klar, dass sie damit kämpfte, ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten. “Weil Blessed Heart eine relativ große Kirche ist, habe ich mich gefragt, ob es vielleicht jemanden innerhalb der Gemeinde gibt, der vielleicht kürzlich mit Vater Costas Probleme hatte oder sich beschwert hat.” “Nicht dass ich wüsste. Natürlich müssen Sie bedenken, dass viele Menschen ihn im Vertrauen aufsuchen, um Sünden zu beichten oder spirituelle Unruhen in ihrem Leben auszuarbeiten.” “Gibt es irgendetwas im Laufe der letzten Jahre von dem sie glauben, dass das jemanden in den falschen Hals bekommen hat? Irgendetwas dass jemanden aufgeregt hat, der vielleicht vorher mit Ehrfurcht zu Vater Costas hochgeschaut hat?” Nancy schaute auf ihre Hände. Sie spielte nervös mit ihren Händen auf ihrem Schoß, versuchte sie davon abzuhalten, zu zittern. “Ich nehme an, die gab es, aber das war bevor ich hier angefangen habe zu arbeiten. Es gab eine Geschichte, die sich vor zehn Jahren abgespielt hat, ein Bericht, den einer der einheimischen Zeitungen gebracht hat. Einer der Teenager Jungen, der eine Jugendgruppe führte, behauptete, dass Vater Costas ihn sexuell missbraucht hatte. Es war ziemlich heikel. Es gab nie Beweise und um ehrlich zu sein, Vater Costas würde so etwas niemals tun. Aber wenn so eine Nachricht erst mal jemanden in der katholischen Kirche betrifft, wird es als die Wahrheit betrachtet.” “Was waren die Folgen nach der Geschichte?” “Soviel ich weiß, hat er Morddrohungen bekommen. Die Besucher in der Kirche sind auf fünfzehn Prozent zurückgegangen. Er hat unerwünschte E-Mails bekommen mit homosexueller Pornografie.” “Hat er diese Mails aufbewahrt?”, fragte Mackenzie. “Eine Weile schon”, erwiderte Nancy. “Er sagte, die Polizei hat darauf gesetzt, aber sie konnte nie eine Verbindung herstellen. Nach dem klar war, dass man nichts machen konnte, hat er sie alle gelöscht. Ich persönlich habe sie nie gesehen.” “Und was ist mit dem Teenager, der die Anschuldigungen gemacht hat? Wenn Sie uns seinen Namen geben könnten, könnten wir ihn einmal aufsuchen.” Nancy schüttelte ihren Kopf, neue Tränen flossen. “Er hat sich später im selben Jahr das Leben genommen. Es gab eine Nachricht neben der Leiche, in der er beichtete, schwul zu sein. Das war ein weiterer Schlag gegen Vater Costas. Es machte die Geschichte noch plausibler.” Mackenzie nickte und versuchte, an andere zugängliche Wege zu denken. Sie wusste natürlich, dass es schwierig werden würde, irgendeine Art von Informationen aus einer trauernden Mitarbeitern zu bekommen. Und wenn dann noch eine Geschichte aus der Vergangenheit hinzukam, die vielleicht oder auch nicht irgendwelche Wahrheiten in sich trug, dann wurde das Ganze nur noch schlimmer. Sie nahm an, sie könnte nach mehr Informationen über den jungen Mann drängen, der eine Beschwerde angezettelt und sich dann selbst getötet hatte. Aber sie konnte auch ganz einfach selbst die Informationen finden, indem sie diese arme Frau verließ, damit sie sich für Vater Costas Beerdigung fertigmachen konnte. “Okay, Ms Allensworth, vielen Dank für ihre Zeit”, sagte Mackenzie und stand auf. “Mein allerherzlichstes Beileid für Ihren Verlust.” “Gott segne Sie, meine Liebe”, sagte Nancy. Sie stand ebenfalls auf und führte Mackenzie zurück durch das Haus zur Eingangstür. An der Tür gab Mackenzie Nancy ihre Visitenkarte mit ihrem Namen und ihrer Nummer darauf. “Ich verstehe, dass Sie gerade viel zu tun haben”, sagte Mackenzie. “Aber wenn Ihnen in den nächsten Tagen noch irgendwas einfällt, dann rufen Sie mich bitte an.” Nancy nahm die Karte ohne ein weiteres Wort und ließ sie in ihre Tasche gleiten. Sie drehte sich um, kämpfte offensichtlich mit einem großen Schwall an Tränen und schloss die Tür. Mackenzie ging zurück ihrem Auto und zog ihr Handy heraus. Sie wählte die Nummer von Agent Harrison, der sofort antwortete. “Läuft alles gut?”, fragte er. “Ich weiß noch nicht”, sagte sie. “Kannst du mir einen Gefallen tun und zehn Jahre zurückschauen, und sehen, ob du etwas über Vater Costas finden kannst und über die Anschuldigung des sexuellen Missbrauchs von einem männlichen Leiter einer Jugendgruppe? Ich hätte gerne so viel Details über den Fall, wie du bekommen kannst.” “Sicherlich. Glaubst du, es könnte ein Hinweis dabei herauskommen?” “Ich weiß es nicht”, sagte sie. “Aber ich glaube, ein Teenie der behauptet von einem Priester sexuell missbraucht worden zu sein, der an die Türen seiner Kirche genagelt wurde, das ist wohl eine Anschauung wert.” “Okay, guter Punkt”, sagte Harrison. Sie beendete den Anruf und wieder wurde sie von Bildern des Scarecrow Mörders und Nebraska verfolgt. Sie hatte offensichtlich schon mit Mördern, die aus einem religiösen Kontext handeln, zu tun gehabt. Und wenn sie eins über sie wusste, war es, dass sie unvorhersehbar und sehr angetrieben waren. Sie würde kein Risiko eingehen und daher würde sie keinen Stein umgedreht lassen. Als sie sich wieder in ihr Auto setzte, erkannte sie, dass ein sexuell missbrauchter Junge sich wirklich wie ein solider Hinweis anfühlte. Außerdem war abgesehen von ihm, das Einzige was ihr blieb, zum FBI-Büro zurückzukehren und zu sehen, was sie aus den Akten zutage fördern konnte. Außerdem hoffte sie darauf, dass die Spurensicherung vielleicht mit etwas Neuem kam. Und sie wusste, wenn sie träge herumsaß und auf den Durchbruch in dem Fall wartete, konnte der Mörder dort draußen schon seinen nächsten Schritt planen. KAPITEL FÜNF Es war 15:08 Uhr auf dem Auto Armaturenbrett, als der Pfarrer aus der Kirche kam. Er beobachtete den Pfarrer in sicherer Entfernung durch die Windschutzscheibe. Er wusste, dass der Mann heilig war. Sein Ruf war herausragend und seine Kirche war heilig. Trotzdem war es eher enttäuschend. Manchmal dachte er, dass heilige Männer vom Rest der Welt ausgesondert werden sollten, sodass man sie eher identifizieren konnte. Vielleicht so wie diese alten religiösen Gemälde, wo Jesus einen großen, goldenen Kreis um seinen Kopf hatte. Er kicherte bei dem Gedanken daran, während er beobachtete, wie der Pfarrer sich mit einem weiteren Mann vor einem Auto an der Kirche traf. Dieser andere Mann war eine Art Assistent. Er hatte diesen Assistenten schon vorher gesehen, aber machte sich keine großen Sorgen um ihn. Er war ziemlich unten in der Rangkette der Kirche. Er schloss seine Augen, während die zwei Männer sich unterhielten. In der Stille seines Autos begann er zu beten. Er wusste, dass er überall beten konnte und Gott ihn hören würde. Er wusste schon seit einiger Zeit, dass Gott es egal war, wo man war, wenn man betete oder seine Sünden beichtete. Man musste nicht in einem großen und bunt dekorierten Gebäude sein. Tatsächlich zeigte die Bibel, dass solche aufwendigen Behausungen eine Beleidigung für Gott waren. Als sein Gebet zu Ende war, dachte er über dieses Schriftstück nach. Er murmelte es laut vor sich hin, seine Stimme war leise und entschlossen. “Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler. Denn sie beten gern in den Synagogen und in den Winkeln der Straßen, damit sie von den Menschen gesehen werden.” Er schaute wieder zum Pastor, der sich gerade von dem Mann entfernte und zu einem weiteren Auto ging. “Heuchler”, sagte er. Seine Stimme war eine Mischung aus Gehässigkeit und Traurigkeit. Er wusste auch, dass die Bibel in der Endzeit vor einer Plage falscher Propheten warnte. Das war immerhin der Grund, warum er sich diese aktuelle Aufgabe gesetzt hatte. Die falschen Propheten, die Männer die von der Verherrlichung Gottes sprachen, während sie die Kollekte beobachteten, die umherging – dieselben priesen Heiligung und Reinheit, während sie junge Männer mit lustvollen Augen anstarrten – das waren die schlimmsten. Sie waren schlimmer als Drogenhändler und Mörder. Sie waren schlimmer als Vergewaltiger und die bedauernswertesten Abweichler auf den Straßen. Jeder wusste es. Aber niemand tat etwas dagegen. Bis jetzt. Bis er Gott zu ihm sprechen hatte hören, der ihm sagte, das richtigzustellen. Es war seine Aufgabe die Welt von den falschen Propheten zu befreien. Es war blutige Arbeit, es war Gottes Arbeit. Und das war alles, was er wissen musste. Er schaute zurück zum Pastor, der in sein Auto stieg und das Kirchengelände verließ. Nach einer Weile fuhr er ebenfalls auf die Straße. Er folgte dem Pastor nicht nah, sondern in einem sicheren Abstand. Als er an eine Ampel kam, konnte er das klingende Geräusch aus seinem Kofferraum kaum hören, als mehrere Nägel in ihrer Box klangen. KAPITEL SECHS Sie ging in Richtung Kirche, der blutige Mond warf den Schatten ihres Körpers auf den Bürgersteig, der aussah wie ein ausgestrecktes Insekt – eine Gottesanbeterin oder ein Tausendfüßler vielleicht. Eine Glocke läutet, eine große Glocke über der Kathedrale, die alle ruft zum Verehren und singen und beten. Aber Mackenzie konnte nicht in die Kirche hineinkommen. Es gab eine Menge an Menschen auf den Vorderstufen, die sich an der Vordertür versammelt hatten. Sie sah Ellington dort, sowie McGrath, Harrison, ihre entfremdete Mutter und Schwester, sogar ihren alten Partner Bryers und einige der Männer, mit denen sie gearbeitet hatte, als sie noch Detektivin in Nebraska war. “Was macht ihr alle hier?”, fragte sie. Ellington dreht sich zu ihr um. Seine Augen sind geschlossen. Er ist in einem schönen Anzug gekleidet, unterstrichen von einer blutroten Krawatte. Er lächelt sie an, die Augen noch geschlossen und hält eine Hand an seine Lippen. Neben ihm zeigt ihre Mutter auf die Vordertüren der Kirche. Ihr Vater ist da. Aufgehängt, gekreuzigt. Er trägt eine Dornenkrone und eine Wunde an seiner Seite lässt etwas auslaufen, was wie Motoröl aussieht. Er sieht sie direkt an, seine Augen weit und wahnsinnig. Er ist verrückt. Sie kann es in seinen Augen und in der Leere seines Grinsen sehen. “Bist du gekommen, um dich selbst zu retten?”, fragte er sie. “Nein”, sagte sie. “Naja, du bist garantiert nicht gekommen, um mich zu retten. Zu spät dafür. Jetzt verbeuge dich. Anbetung. Finde deinen Frieden in mir.” Und als wenn jemand sie von innen entzweigebrochen hat, kniet Mackenzie sich hin. Sie kniet sich hin, scheuert ihre Knie auf dem Beton. Alle in der Gemeinde um sie herum, beginnen zu singen. Sie öffnet ihren Mund und formlose Wörter kommen heraus, sie singt mit. Sie sieht zurück zu ihrem Vater und ein Feuerring umringt seinen Kopf. Er ist jetzt tot, seine Augen weiß und ausdruckslos und sein Mund zieht eine Blutlache hinter sich her. Da ist das Klingeln einer Glocke, das sich immer und immer wieder wiederholt. Es klingelt... Etwas klingelte. Etwas klingelte. Ihr Handy. Mit einem Ruck wachte Mackenzie auf. Sie registrierte kaum die Uhr auf ihrem Nachttisch, die 2:10 Uhr anzeigte. Sie beantwortete den Anruf, versuchte die Spuren des Albtraums aus ihrem Kopf zu verbannen. “Hier ist White”, sagte sie. “Guten Morgen”, klang Harrisons Stimme. Sie war heimlich enttäuscht. Sie hatte gehofft, von Ellington zu hören. Er war von McGrath für ein paar Aufgaben abgezogen worden, deren Details bestenfalls lückenhaft waren. Er hatte versprochen anzurufen, aber bis jetzt hatte sie nichts von ihm gehört. Harrison, dachte sie erschöpft. Was zum Teufel will er? “Es ist zu früh dafür, Harrison”, sagte sie. “Ich weiß”, sagte Harrison. “Tut mir leid, aber ich rufe im Auftrag von McGrath an. Es gab einen weiteren Mord.” *** Durch eine Reihe von Texten, sammelte Mackenzie alles zusammen, was sie wissen musste. Ein rebellisches Paar hatte sich in den Schatten eines bekannten Kirchenparkplatzes verzogen, um Sex zu haben. Gerade als die Dinge heiß waren, hatte das Mädchen etwas Merkwürdiges an der Tür gesehen. Es hatte sie genug verängstigt, um ihren geplanten nächtlichen Aktivitäten ein Ende zu machen. Sichtlich angepisst ging der Mann der seines Exhibitionismus beraubt worden war, zur Vordertür und fand einen nackten Körper an die Tür genagelt. Die fragliche Kirche war eine recht bekannte: die Living Word Gemeinde Kirche, eine der größten in der Stadt. Sie war oft in den Nachrichten zusehen, da der Präsident häufig die Messe dort besucht hatte. Mackenzie war nie drin gewesen (sie war in keiner Kirche gewesen, seit einem schulderfüllten Wochenende im College) aber die Größe und der Umfang des Ortes überwältigte sie, als sie ihr Auto in die Parklücke fuhr. Sie war die Erste am Tatort. Das CSI-Team war da und näherte sich dem Haupteingang der Kirche. Eine einzelne Agentin stieg aus dem Auto, anscheinend hatte sie auf sie gewartet. Sie war nicht überrascht zu sehen, dass es Yardley war, die Agentin, die den ersten Fall mit Vater Costas geleitet hatte. Yardley wartete auf dem Bürgersteig auf sie und führte sie zum Haupteingang. Sie sah müde aus, aber auch aufgeregt, auf eine Art, die nur andere Agenten identifizieren und sich damit verbinden konnten. “Agentin White”, sagte Yardley. “Vielen Dank, dass Sie so schnell gekommen sind.” “Natürlich. Waren Sie die Erste am Tatort?” “War ich. Ich wurde vor fünfzehn Minuten hingeschickt. Harrison hat angerufen und mich geschickt.” Mackenzie kommentierte das fast, aber ließ es dann. Merkwürdig, dass ich nicht zuerst angerufen wurde, dachte sie. Vielleicht war sie Ersatz für Ellington. Es machte Sinn, da sie die Erste war, die den Costa Tatort betreut hatte. “Haben Sie die Leiche schon gesehen?”, fragte Mackenzie, als sie zur Vordertür gingen, direkt hinter dem CSI-Team. “Ja. In ein wenig Entfernung. Es sieht genauso aus wie die anderen.” Nach wenigen Schritten konnte Mackenzie es selbst sehen. Sie blieb ein wenig zurück, ließ das CSI und die Spurensicherung ihren Job machen. Das Team spürte, dass sie zwei Agentinnen hinter sich hatten, die warteten und so arbeitete das Team schnell aber effektiv und sicherte dabei, den beiden Agentinnen Raum zu lassen, um ihre eigenen Beobachtungen zu machen. Yardley hatte recht. Der Tatort war derselbe, bis zur länglichen Markierung über der Stirn. Der einzige Unterschied war, dass die Unterwäsche dieses Mannes anscheinend heruntergezogen wurde – oder mit Absicht an seinen Zeh gehängt wurde. Einer der Männer aus dem CSI-Team sah sie an. Er sah ein wenig verstimmt aus und vielleicht auch ein wenig traurig. “Der Verstorbene ist Robert Woodall. Er ist der Hauptpfarrer hier.” “Sind Sie sicher?”, fragte Mackenzie. “Eindeutig. Meine Familie besucht diese Kirche. Ich habe diesen Mann mindestens fünfzig Mal predigen hören.” Mackenzie trat näher an die Leiche heran. Die Türen zu Living Word waren nicht verziert und dekorativ wie diejenigen in der presbyterianischen Cornerstone und Blessed Heart Kirche. Diese waren mehr modern, hergestellt aus schwerfälligem Holz, das entworfen wurde, um einer Scheunentür ähnlich zu sein. Wie die anderen war Pastor Wooddall durch die Hände angenagelt und seine Zehen waren mit Draht angebunden. Sie sah sich seine ausgestellten Genitalien an und fragte sich, ob seine ganze Nacktheit eine Entscheidung des Mörders war, der die Leiche aufgebahrt hatte. Sie konnte nichts Außergewöhnliches sehen und entschied, dass die Unterwäsche selbst heruntergerutscht war, vielleicht wegen dem Gewicht des Blutes, das sich dort gesammelt hatte. Die Wunden die das Blut herausgelassen hatte waren zahlreich. Es gab ein paar Kratzer auf seiner Brust. Und obwohl man seinen Rücken nicht sehen konnte, zeigten die Blutspuren um seine Hüfte und das, was seine Beine heruntergelaufen war, dass es dort ebenfalls ein paar Wunden gab. Mackenzie sah eine weitere Wunde – eine dünne, die das höllische Bild ihres Albtraums zurückbrachte. Es gab einen Schlitz an Woodalls rechter Seite. Er war gering, aber klar sichtbar. Da war etwas Präzises daran, schon fast unverdorben. Sie schaute genauer hin und zeigte darauf. “Nach was sieht das für Sie aus”, fragte sie das CSI-Team. “Das ist mir auch aufgefallen”, sagte der Mann, der Pastor Woodall erkannt hatte. “Sieht aus wie eine Art Einschnitt. Vielleicht eine Art von Schnitzmesser – ein Schablonenmesser oder so etwas.” “Aber diese anderen Schnitte und Stichwunden”, sagte Mackenzie. “Sie wurden mit einer Standard Klinge gemacht, stimmts? Die Winkel und Kanten…” “Ja. Sind Sie eine religiöse Frau?”, fragte der Mann. “Das scheint eine aufkommende Frage seit gestern zu sein”, sagte sie. “Trotz der Antwort verstehe ich die Relevanz eines Schnitts an der Seite. Dort wurde Jesus aufgespießt, während er am Kreuz hing.” “Ja”, sagte Yeardly hinter ihr. “Aber da war kein Blut, oder?” “Richtig”, antwortete Mackenzie. “Laut der Schrift kam Wasser aus seiner Wunde.” Also warum hat der Mörder entschieden, diese Wunde herausstehen zu lassen?, fragte sie sich. Und warum nicht bei den anderen? Sie hielt sich im Hintergrund und beobachtete die Szene, während Yardley sich mit ein paar CSI und Spurensicherungsmitarbeitern unterhielt. Der Fall entmutigte sie ein wenig, aber diese zufällige Wunde an Woodalls Seite machte ihr Sorgen, dass etwas Schlimmeres vor sich ging. Es gab Symbolik, aber dann gab es noch geschichtete Symbolik. Der Mörder hatte offensichtlich die Dinge gut überdacht, dachte sie. Er hatte einen Plan und er ging methodisch dabei vor. Noch mehr, der Zusatz dieses ganz genauen Schnitts an der Seite zeigt, dass er nicht nur tötet, um zu töten – er versuchte, auch eine Nachricht zu übermitteln. “Aber welche Nachricht?”, fragte sie sich leise. In der dunkelsten Stunde der Nacht stand sie am Eingang zur Living Word Gemeinde Kirche und versuchte die Nachricht zu finden, auf dem Leinentuch der Leiche des Pfarrers. KAPITEL SIEBEN Während Mackenzie Living Word verlassen hatte und zum J. Edgar Hoover Gebäude gefahren war, hatten die Medien irgendwie von dem neusten Mordfall erfahren. Während der Mordfall von Vater Costas es in die Nachrichten geschafft hatte, hatte der Tod von Ned Tuttle das nicht geschafft. Aber mit dem Hauptpfarrer einer Kirche mit Status wie Living Word, sprengte der Fall die Schlagzeilen. Es war 16:10 Uhr als Mackenzie am FBI-Büro ankam und hochging, um McGrath zu sehen. Sie nahm an, dass die Einzelheiten von Pastor Woodall und der Fall als Ganzes der Hauptinteressenpunkt der lokalen Morgennachrichten sein würde – und mittags der der ganzen Nation. Sie konnte den großen Druck bei dem allen spüren, als sie in McGraths Büro trat. Er saß an seinem kleinen Konferenztisch und telefonierte mit jemandem. Agent Harrison war bei ihm und las etwas auf dem Laptop. Yardley war ebenso da, sie war ein paar Minuten vor Mackenzie angekommen. Sie saß dort, hörte McGrath beim Telefonieren zu und wartete dem Anschein nach auf Anweisungen. Wenn sie die beiden hier so um McGrath herumschwirren sah, wünschte sie sich, dass Ellington da wäre. Es erinnerte sie daran, dass sie immer noch im Dunkeln darüber tappte, wohin McGrath ihn geschickt hatte. Sie fragte sich, ob es etwas mit dem Fall zu tun hatte – aber wenn, warum war sie nicht über seinen Verbleib informiert worden? Als McGrath endlich fertig mit Telefonieren war, schaute er die drei versammelten Agenten an und seufzte. “Das war Assistent Direktor Kirsch”, sagte er. “Er holt noch drei weitere Agenten, um den Fall zum Ende zu bringen. Sobald die Medien davon Wind bekommen, sind wir geliefert. Das wird zu groß und es wird zu schnell gehen.” “Irgendein besonderer Grund?”, fragte Harrison. “Living Word ist eine sehr bekannte Kirche. Der Präsident geht dorthin. Ein paar weitere Politiker gehen dort ebenfalls regelmäßig hin. Ihr Podcast erreicht jede Woche über fünftausend Zuhörer. Woodall war kein Star oder so etwas, aber er war gut bekannt. Und wenn es eine Kirche ist, die sogar der Präsident besucht …” “Verstanden”, sagte Harrison. McGrath sah Mackenzie und Yardley an. “Irgendetwas von Bedeutung am Tatort?” “Ja, vielleicht”, sagte Mackenzie. Sie ging dann ins Detail über den eigenartigen und präzisen Schnitt auf Woodalls rechter Seite. Sie ging jedoch nicht in eine Art symbolischer Geste, die sie aus ihrer Bedeutung zu entschlüsseln versuchte. Sie hatte keine handfesten Theorien und wollte keine Zeit mit Spekulation verschwenden. McGrath jedenfalls war in Panik. Er streckte seine Hände auf dem Tisch aus und nickte zu den Stühlen um den Tisch. “Setzen Sie sich. Lassen Sie uns durchgehen, was wir haben. Ich will Kirsch dieselben Informationen geben, die wir haben. Inklusive Sie drei, haben wir jetzt sechs Agenten, die sich diesem Fall widmen. Wenn wir zusammenarbeiten, mit denselben Details gewappnet sind, können wir diesen Mann vielleicht erwischen, ehe er wieder zuschlägt.” “Naja”, sagte Yardley, “er bleibt nicht bei einer Religion. Das wissen wir sicher. Wenn überhaupt scheint es, als wenn er das zu vermeiden versucht. Bis jetzt haben wir die katholische Kirche, eine presbyterianische Kirche und jetzt eine nicht konfessionsgebundene Gemeindekirche.” “Und eine weitere Sache, die wir bedenken müssen”, sagte Mackenzie, “ist, dass wir nicht sicher sein können, ob er die Position der Kreuzigung als seine bevorzugte Bestrafung und Symbolik nutzt oder ob er es als Verspottung macht.” “Wo ist da der Unterschied?”, fragte Harrison. “Solange wir nicht wissen, welcher Grund dahinter liegt, können wir das Motiv nicht einschränken”, sagte Mackenzie. “Wenn er es als Verspottung macht, dann ist er wohl kein Gläubiger – vielleicht eine Art sehr wütender Atheist oder ein ehemaliger Gläubiger. Wenn er es aber als eine bevorzugte Bedeutung von Symbolik tut, dann kann er ein sehr hingebungsvoller Gläubiger sein, wenn auch mit einigen sehr merkwürdigen Wegen, seinen Glauben zu bekunden." “Und dieser dünne Schnitt an Woodalls Seite”, fragte McGrath. “Der war nicht an einer der anderen Leichen?” “Nein”, sagte Mackenzie. “Das war neu. Das führt mich dazu zu glauben, dass es eine Bedeutung hat. Als wenn der Mörder uns etwas damit sagen will. Oder es geht noch weit darüber hinaus.” McGrath stand auf und schaute auf die Wand, als wenn er dort nach Antworten suchte. “Ich bin nicht blind”, sagte er. “Ich weiß, das es null Hinweise gibt und keine echte Spur, die man verfolgen könnte. Aber wenn ich nichts habe, was irgendwie einen Hinweis darstellt, bis dieser Scheiß innerhalb von ein paar Stunden über das ganze nationale Nachrichtenprogramm gegangen ist, dann werden die Dinge hier ziemlich schlimm. Kirsch sagt, er hat bereits einen Anruf von einer Kongressabgeordneten bekommen, die Living Word besucht und die gefragt hat, warum wir nicht in der Lage sind, das aufzuklären, seit Costas getötet wurde. Sie drei müssen mir also etwas liefern. Wenn ich bis heute Nachmittag nichts habe, muss ich es weiter öffnen … mehr Ressourcen, mehr Personal und das will ich wirklich nicht.” “Ich kann noch mal mit der Spurensicherung reden”, bot Yardley an. “Arbeiten Sie mit ihnen zusammen, das ist mir wichtig”, sagte McGrath. “Ich werde anrufen und das geht in Ordnung. Ich will, dass Sie dort sind, sobald etwas an diesen Leichen entdeckt wird.” “Das kann eine Nadel im Heuhaufen sein“, sagte Harrison, “aber ich kann damit anfangen bei Eisenwarengeschäften vor Ort zu schauen, ob sie Aufzeichnungen und Quittungen von jedem haben, der diese Nägel eingekauft hat, die der Mann in den letzten Monaten genutzt hat. Soweit ich weiß, sind diese nicht unbedingt gewöhnlich.” McGrath nickte. Das war eine Idee klar, aber der Blick auf seinem Gesicht machte es klar, wie viel Zeit das in Anspruch nehmen würde. “Und Sie, White?”, fragte er. “Ich werde zu den Familien und Mitarbeitern gehen”, sagte sie. “In einer Kirche mit der Größe von Living Word, muss es jemanden geben, der ein wenig Einblick hat, warum das mit Woodall passiert ist.” McGrath klatschte laut in seine Hände und setzte sich gerade hin. “Hört sich gut an”, sagte er. “Also los. Und melden Sie sich stündlich bei mir. Verstanden?” Yardley und Harrison nickten. Harrison schloss seinen Laptop, als er vom Tisch aufstand. Als sie hinausgingen, hing Mackenzie zurück. Als Yardley die Tür hinter ihnen schloss und nur noch Mackenzie und McGrath in Zimmer zurückblieben, drehte sie sich zu ihm. “Ah Himmel, was ist los?”, fragte McGrath. “Ich bin neugierig”, sagte sie. “Agent Ellington wäre ein wertvoller Gewinn für diesen Fall. Wo haben Sie ihn hingeschickt?” McGrath rutschte unbehaglich auf seinem Stuhl hin und her und schaute kurz aus dem Fenster seines Büros in die frühe morgendliche Dunkelheit. “Also ehe ich ihn mit dem anderen Fall betraut habe, hatte ich natürlich keine Ahnung, dass dieser Fall so schlimm werden würde. Und wo er jetzt im Moment arbeitet, bei allem Respekt, das geht Sie nichts an.” “Mit demselben Respekt”, antwortete sie und tat ihr Bestes sich nicht zu abwehrend anzuhören, “Sie haben einen Partner abgezogen, mit dem ich gut arbeite und mich damit allein mit diesem Fall gelassen.” “Sie sind nicht alleine”, sagte McGrath. “Harrison und Yardley sind mehr als effektiv. Jetzt … bitte Agentin White. Gehen Sie an die Arbeit.” Sie wollte das Thema weiter vertiefen, sah aber keinen Sinn. Das Letzte was sie brauchte, war, das McGrath sauer auf sie war. Der Druck war bereits da und es war zu früh am Tag, um mit einem ungehaltenen Chef zu arbeiten. Sie gab ein höfliches Nicken und ging. Trotzdem zog, sie als sie in Richtung Fahrstuhl ging, ihr Handy heraus. Es war zu früh, um Ellington anzurufen, also schickte sie einen Text. Ich wollte mal nachfragen, tippte sie. Ruf mich an oder texte, wenn du kannst. Sie schickte den Text ab, während sie in den Fahrstuhl stieg. Sie fuhr in die Garage, wo ihr Auto wartete. Draußen war der Morgen noch dunkel – die Art von dunkler Dunkelheit, die in der Lage schien, jedes Geheimnis verstecken zu können. KAPITEL ACHT Nachdem sie sich einen Becher Kaffee geholt hatte, fuhr Mackenzie zurück zu Living Word. Sie wusste, dass es eine große Kirche war und daher würde der Versuch jegliche Informationen vom Personal oder der Gemeinde ewig dauern. Sie nahm an, dass wenn die Nachricht bekannt wurde und Handyanrufe die Runde machten, es eine gute Chance gab, dass die, die Pfarrer Woodall nahe standen, in der Kirche waren – vielleicht stellten sie schon Erinnerungen auf oder kamen zur Kirche, um Gott näher zu sein, während sie trauerten. Ihre Eingebung zahlte sich wieder aus. Als sie am Tatort ankam, war Woodall von den Türen entfernt worden. Und obwohl noch mehrere einheimische Polizisten und Mitarbeiter des Büros anwesend waren, waren auch andere Menschen hier und da verstreut, nur zurückgehalten von dem gelben Absperrband, das an den Rand des Betonweges grenzte, das zu den Vordertüren führte. Einige von ihnen weinten offen. Mehrere standen in Umarmungen mit anderen Anhängern. Sie bemerkte einen Mann, der alleine stand, sein Kopf war von der Szene weggedreht. Sein Kopf war gesenkt und sein Mund bewegte sich nur leicht, als wenn er Gebete sprach. Mackenzie gab ihm respektvoll ein wenig Zeit, damit er sein Gebet beenden konnte, und näherte sich ihm. Als sie sich näherte, sah sie etwas, was wie ein Ausdruck der Wut auf seinem Gesicht aussah. Entschuldigung, Sir”, sagte sie. “Haben Sie einen Moment?” Sie beendete ihre Frage, indem sie ihren Ausweis zeigte und sich selbst vorstellte. “Ja”, sagte der Mann. Er blinzelte und rieb seine Augen, als wenn er versuchen würde, die letzten Überreste des Schlafes oder eines schlechten Traumes wegzuwischen. Dann bot er seine Hand und sagte “Ich bin übrigens Dave Wylerman. Ich bin der Chef der Musikabteilung hier bei Living Word.” “Es gibt eine Musikabteilung?” “Ja. Wir haben ein rotierendes Ensemble mit über vierzehn Musikern die drei Verehrungsbands bilden.” “Also haben Sie eng mit Pastor Woodall in der Vergangenheit gearbeitet?” “Oh absolut. Ich bin mindestens zwei Mal die Woche mit ihm in Meetings gewesen. Abgesehen davon ist er in dem letzten Jahrzehnt ein wirklich guter Freund für meine Frau, meine Kinder und mich geworden.” “Können Sie sich irgendjemanden vorstellen, der so etwas tun könnte? Irgendjemand, der vielleicht eine Art Groll oder Misstand gegen Pastor Woodall hegt?” “Naja, es ist eine große Kirche. Ich glaube nicht, dass es hier eine einzelne Person gibt die hier arbeitet und die jeden kennt, der die Messe besucht. Aber wenn es um mich geht, nein, ich kann an niemanden denken, der sauer genug auf ihn war, um das zu tun …” Die frühe Morgendunkelheit hatte Dave Wylermans Tränen bis jetzt versteckt, aber als er ihr in die Augen sah, war es recht klar. Er sah aufgelöst aus, als wenn er Schwierigkeiten damit hätte, wie er es sagen sollte. “Haben Sie einen Moment um unter vier Augen zu sprechen?”, fragte Mackenzie. “Ja.” Sie winkte ihm, ihr zu folgen. Sie trat von dem betonierten Eingang zur Kirche weg und ging zurück zu ihrem Auto. Sie öffnete die Beifahrertür für ihn, dachte es wäre vielleicht gut, wenn er sich hinsetzte und sich entspannt fühlte. Sie setzte sich auf den Fahrersitz, und als sie die Tür schloss, konnte sie sehen, das Wylerman damit kämpfte, die Fassung zu bewahren. “Wurde der Rest des Kirchenkörpers informiert?”, fragte Mackenzie. “Nein, nur die Kirchväter, ich und ein paar, die Pastor Woodall nahe standen. Aber die Anrufe werden gemacht. Jeder wird es innerhalb von einer Stunde oder so wissen, denke ich mir.” Gut, dachte Mackenzie. Sie werden die Nachrichten persönlich von jemandem erhalten, den sie kennen, anstatt es in den Nachrichten zu hören. “Korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege”, sagte sie, “aber es sieht ein wenig aus, als wenn Sie mit etwas zu kämpfen hatten in der Kirche. Gibt es etwas, dass Sie mir sagen wollen, dass Sie nicht vor all den anderen sagen wollten?” “Naja, wie Sie wissen, ist es eine große Kirche. An jedem Sonntag, wenn Sie beide Messen zählen, die wir halten, gibt es zwischen fünftausend und siebentausend Menschen, die den Gottesdienst besuchen. Und bei einer so großen Gruppe brauchen wir mehrere Älteste, um das Geschäft und die Anliegen der Kirche zu bewältigen. Hier bei Living Word, haben wir sechs – naja wir hatten sechs. Einer von ihnen hatte begonnen, einige Bedenken unter den anderen zu wecken, ehe er gegangen ist. Ich glaube nicht, dass er so etwas tun würde … aber ich weiß nicht. Einige Dinge, die er angedeutet hat … es hat wirklich jeden überrascht. Andere Ältere … Angestellte …” “Wie heißt er?” “Eric Crouse.” “Und welche Art von Dinge?”, fragte Mackenzie. “Er hat immer so Dinge von sich gegeben, das Dinge, die im Dunkeln gelassen wurden ans Licht kommen würde und wie das Licht blenden konnte. Das vielleicht vom Licht verbrennen zu werden, genau das ist, was Living Word brauchte.” “Und wie lange hat er sich schon so verhalten?” “Über einen Monat oder so, würde ich sagen. Soweit ich weiß, ist er auf eigenen Wunsch gegangen, vor ungefähr zwei Wochen, aber es gab Gerede davor unter den Kirchenältesten und Pastor Woodall darüber, ihn zu entlassen. Aber das Ding daran ist, das alles was Eric sagte, schriftgemäß genau war. Dinge, die Jesus sagte, Dinge, die die meisten Menschen die Living World besuchen, glauben. Aber … und ich weiß, das hört sich dumm an … es war die Art, wie er die Dinge sagt. Wissen Sie? Als wenn er einen versteckten Kontext darin hat. Noch mehr, er hat noch nie so gesprochen vorher. Er war ein Kirchenältester, sicher, aber nie einer, der einfach die Bibel zitierte oder anfing, diese Höllenfeuer-und-Schwefel-Gespräche von sich zu geben.” “Wenn Sie also nicht glauben, dass er in der Lage ist, einen Mord durchzuführen, warum erwähnen Sie ihn dann? War es nur die plötzliche Persönlichkeitsveränderung die jeden alarmiert hat?” Wylermann zuckte zusammen. “Nein. Einige Menschen begannen zu bemerken, dass Eric alles tat, was er konnte, um Meetings oder kleine Gruppen zu vermeiden, wo Pastor Woodall dabei sein würde. Sie waren nie beste Freunde gewesen, aber waren immer miteinander ausgekommen. Dann ganz plötzlich als er begann über all dieses Licht im Dunkeln zu reden, schien es, als wenn er sich selbst von Pastor Woodall distanzierte.” “Und Sie sagen, er hat die Kirche vor zwei Wochen verlassen?” “Ja, mehr oder weniger vor ein paar Tagen. Ich weiß nicht, ob er jetzt irgendwo anders hingeht oder so. Und was noch merkwürdiger ist, ist dass es schon fast so scheint, als wenn Eric Pastor Woodalls Arbeitsplan kannte. Er war gerade erst aus seinem Zufluchtsort vor ein paar Tagen zurückgekommen.” “Ein Zufluchtsort?” “Ja, es ist sein kleiner Zufluchtsort, den er zwei Mal im Jahr besucht. Es ist eine ruhige kleine Insel vor der Küste Floridas.” “Und seit wann ist er wieder da?”, fragte Mackenzie. “Er und seine Frau sind vor fünf Tagen zurückgekommen.” Mackenzie dachte darüber einen Moment nach und katalogisierte das in ihrem Gedächtnis. Dann kam sie wieder auf den Mann den Wylerman erwähnt hatte – den ehemaligen Kirchenältesten, Eric Crouse - zu sprechen. “Wissen Sie vielleicht, wo Crouses leben?”, fragte sie. “Ja. Ich war mehrere Male bei ihm Zuhause für kleinere Gruppentreffen und Gebete.” Mackenzie war sich nicht sicher warum, aber etwas daran, machte ihr Angst. Die Zeit als Eric Crouse Living Word verließ, war beinahe perfekt für die Art von Opfer, das sie suchte. Sich vorzustellen, wie dieser trauernde Mann die betenden Hände zusammen mit einem Mann umklammerte, der in den letzten Tagen für drei Todesfälle verantwortlich gewesen sein könnte, war beunruhigend. “Können Sie mir sagen wo?” “Werde ich”, sagte Wylerman, “aber ich wäre froh, wenn Sie ihm nicht sagen würden, dass Sie die Information von mir haben … oder von jemand anderem bei Living Word.” “Natürlich nicht”, sagte sie. Ein wenig widerwillig gab Wylerman ihr die Adresse von Eric Crouses Haus. Mackenzie tippte sie in ihr Handy und bemerkte, dass während Wylerman mit ihr gesprochen hatte, seine Gedanken immer noch bei seinen trauernden Freunden draußen an der Kirche waren. Er sah jetzt in die Richtung, wischte sich Tränen aus den Augen, während er sie durch das Fenster der Beifahrerseite beobachtete. “Danke für Ihre Zeit, Herr Wylermann”, sagte Mackenzie. Wylermann nickte, ohne etwas Weiteres zu sagen. Er stieg aus dem Auto. Er ließ seinen Kopf hängen, noch ehe er die kleine Menschenmenge erreicht hatte. Sie konnte ihn zittern sehen. Sie hatte noch nie verstanden, wie Menschen so viel Glauben an einen unsichtbaren Gott haben konnten, aber sie respektierte den Sinn der Gemeinde, der spürbar war unter denen, die einen gleichen Glauben teilten. Sie fühlte sich schlecht für Dave Wylermann in dem Moment, sowie auch für diejenigen die Living World besuchten und für die Leere, die sie am Sonntag spüren würden. Mit dem Sinn an Sympathie fuhr Mackenzie aus der Parklücke bei Living Word und fuhr nach Westen, dorthin was wie die erste solide Spur aussah, die dieser Fall aufgewirbelt hatte. KAPITEL NEUN Es war 6:40 Uhr, als sie vor Eric Crouses Zuhause zum Stehen kam. Es lag in einer wohlhabenden Nachbarschaft, wo die Häuser noch wichtiger als die Gärten waren, jedes Haus war eng gegen das andere gedrückt. Die Garage war geschlossen, so konnte man unglaublich wissen, ob jemand zuhause war – aber wegen der frühen Stunde, nahm sie an, dass jemand da wäre, um aufzumachen. Während sie zur Tür ging, wünschte Mackenzie sich, dass sie sich einen weiteren Kaffee unterwegs geholt hätte. Es war schwer zu glauben, dass es noch nicht sieben Uhr war. Sie gab sich Mühe den Rest des Schlafes aus ihrem Gesicht zu schütteln, während sie bei der Crouse Residenz klingelte. Sofort konnte sie Fußschritte hinter der Tür hören. Sekunden später öffnete sich die Tür einen Spalt und eine Frau schaute hinaus. “Kann ich Ihnen helfen?”, fragte die Frau argwöhnisch. “Ja”, sagte Mackenzie. “Ich entschuldige mich für die frühe Stunde, aber es ist dringend. Ich bin Agentin Mackenzie White vom FBI. Ich suche nach Eric Crouse.” Die Frau öffnete langsam die Tür. “Das ist mein Ehemann. Er ist … naja, er hat heute Morgen eine schlimme Nachricht erhalten. Ich nehme an, deswegen sind Sie hier? Wegen des Mords heute Morgen?” “Das stimmt”, sagte sie.”Also wenn ich mit ihm sprechen könnte …” “Natürlich”, sagte die Frau. “Kommen Sie rein, kommen Sie.” Mackenzie wurde hineingebeten, wo es nach gekochtem Schinken und frisch aufgebrühtem Kaffee roch. Das Crouse Heim war nicht so schön. Es gab hohe Wände, Kronenformen, Hartholzböden und Granittheken und einen Barraum in der Küche. In der Küche führte die Frau sie zu einem großen Esszimmertisch; dies war die Art von Küche, die auch als Esszimmer diente. Ein Mann und ein Junge von ungefähr zehn Jahren saßen am Tisch. Der Junge aß eine Schüssel Cornflakes, während der Mann an einer Tasse Kaffee nippte und etwas auf seinem Laptop las. “Diese Dame kommt vom FBI”, sagte Crouses Ehefrau. Crouse schaute hoch und blinzelte in einer was ist los Art. Dann stand er auf und kam auf Mackenzie zu. Er lächelte sie müde an und sie konnte in seinem Gesicht sehen, dass er wie Dave Wylerman seinen gerechten Anteil im Weinen heute Morgen geleistet hatte. Crouse streckte Mackenzie seine Hand zur Begrüßung hin und sie nahm sie. Sie beobachtete die ganze Zeit sein Gesicht, suchte nach einem Makel, was entweder eine große Verkleidung an Emotionen oder Heuchelei war, um sie hereinzulegen. Sie konnte beides nicht sehen und daher nicht entscheiden, ob er irgendeine Schuld versteckte. “Ich nehme an, es geht um Pastor Woodall?”, fragte Eric. “Ja”, sagte Mackenzie. “Können wir uns irgendwo in Ruhe unterhalten?” “Hm, ja”, sagte Eric. Er schaute seinen Sohn an und klopfte ihm auf die Schulter. “Kannst du mit Mama ins Bad gehen und dich für die Schule fertigmachen? Putz dir gut die Zähne, okay?” Der Junge schaute auf seine Cornflakes, er war noch nicht fertig, gehorchte aber seinem Vater. Genauso wie seine Frau, die ihren Sohn aus der Küche bugsierte und in Richtung Flur führte, der rechts abging. Als sie außer Sichtweite waren, sah Eric auf die Kaffeekanne auf der Theke und fragte: Kaffee?” Конец ознакомительного фрагмента. Текст предоставлен ООО «ЛитРес». Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию (https://www.litres.ru/pages/biblio_book/?art=43692743) на ЛитРес. Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.