Eine Liebe in Paris Sophie Love Die Liebe auf Reisen #3 DAS FESTIVAL DER LIEBE erschafft eine Welt voll Emotionen und Aufregung. Wir tauchen ein in die Gedanken einer jungen Frau (Keira) und ihre Bemühungen, Karriere und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Sophie Love hat eine natürliche Begabung fürs Geschichten erzählen. DAS FESTIVAL DER LIEBE ist sehr gut erzählt und ich kann es nur jedem empfehlen, der sich ein Wochenende lang von einer Romanze verzaubern lassen will. Books and Movie Reviews (Roberto Mattos) EINE LIEBE IN PARIS (Die Liebe auf Reisen – Band #3) ist der dritte Band der neuen Romantikserie von Bestseller-Autorin Sophie Love. Die Serie beginnt mit DAS FESTIVAL DER LIEBE (Buch #1) . Keira Swanson, 28, kehrt nach New York zurück, dieses Mal in Begleitung von Cristiano. Ihn bei sich in New York zu haben, ihn ihrer Familie vorzustellen, das erweist sich als Kulturschock für sie beide. Schon bald erhält Keira einen neuen Auftrag, der noch wichtiger ist als alle zuvor. 30 Tage in Paris, gemeinsam mit Cristiano. Sie soll herausfinden, ob ihre Liebe in einem fremden Land bestehen kann, wenn sie sich beide auf unbekanntem Terrain befinden. Keira und Cristiano machen sich auf die romantische Reise nach Paris und müssen feststellen, dass ihre Liebe auf unerwartete Weise auf die Probe gestellt wird. Durch eine plötzliche Wendung ändert sich auf einmal alles. Kann ihre Liebe das aushalten?Eine turbulente und humorvolle Romanze, mit Tiefgang und Witz, das ist EINE LIEBE IN PARIS, Band 3 der bezaubernden neuen Serie, die dich zum Lachen und Weinen bringen wird, mit der du dir die Nächte um die Ohren schlägst und die dich mit ihrer Romantik die Liebe neu entdecken lässt. Band 4 ist in Vorbereitung. Sophie Loves Fähigkeit, bei ihren Lesern Magie zu bewirken, zeigt sich in ihrem höchst inspirierenden Ausdruck und den lebendigen Beschreibungen… ist der perfekte Liebes- oder Strandroman, der sich von anderen abhebt: seine mitreißende Begeisterung und die wunderschönen Beschreibungen machen deutlich, wie komplex die Liebe und auch die Gedanken der Menschen sein können. Dieses Buch ist perfekt geeignet für Leser, die nach einem Liebesroman mit Tiefgang suchen. Midwest Book Review (Diane Donovan über Für jetzt und für immer) L'AMOUR IN PARIS (DIE LIEBE AUF REISEN – BUCH 3) SOPHIE LOVE Sophie Love #1 Bestseller-Autorin Sophie Love ist die Schöpferin der romantischen Comedy-Reihe, DIE PENSION IN SUNSET HARBOR, die bisher aus 3 Bänden besteht, weitere sind in Arbeit. Band 1 ist unter dem Titel FÜR JETZT UND FÜR IMMER (DIE PENSION IN SUNSET HARBOR – BUCH 1). Sophie Love ist außerdem die Autorin einer neuen humorvollen Romance-Reihe, DIE LIEBE AUF REISEN, die mit DAS FESTIVAL DER LIEBE (DIE LIEBE AUF REISEN – BUCH 1) beginnt. Sophie würde sehr gern von Dir hören, also besuche sie doch auf ihrer Webseite: www.sophieloveauthor.com. Schreibe ihr eine E-Mail oder trage Dich in den E-Mail-Verteiler ein, um kostenlose E-Books zu erhalten, neueste Informationen zu bekommen und in Kontakt zu bleiben! Copyright © 2017 by Sophie Love. Alle Rechte vorbehalten. Außer, wie gemäß dem U.S. Copyright Gesetz von 1976 ausdrücklich erlaubt, darf kein Teil dieser Veröffentlichung ohne vorherige Erlaubnis der Autorin vervielfältigt, verbreitet oder in irgendeiner Weise oder in irgendeiner Form übertragen, in einer Datenbank oder in einem Datenabfragesystem gespeichert werden. Dieses E-Book ist nur für den persönlichen Gebrauch zugelassen. Dieses E-Book darf nicht weiterverkauft oder an andere Personen weitergegeben werden. 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BÜCHER VON SOPHIE LOVE DIE PENSION IN SUNSET HARBOR DIE PENSION IN SUNSET HARBOR FÜR JETZT UND FÜR IMMER (Buch 1) FÜR IMMER UND EWIG (Buch 2) FÜR IMMER MIT DIR (Buch 3) WENN ES DOCH NUR FÜR IMMER WÄRE (Buch 4) FÜR IMMER UND EINEN TAG (Buch 5) FÜR IMMER UND NOCH EIN TAG (Buch 6) DIE LIEBE AUF REISEN DAS FESTIVAL DER LIEBE (BUCH #1) ITALIENISCHE NÄCHTE (BUCH #2) L'AMOUR IN PARIS (BUCH #3) Inhalt KAPITEL EINS (#uc5e8a9a1-e718-5deb-a94b-d56723c64361) KAPITEL ZWEI (#ub992ebd4-b677-5156-8640-04e775ce77a7) KAPITEL DREI (#ud480d8fd-1727-5fe2-95bd-a759ec2d0813) KAPITEL VIER (#u45dac6ca-cbdf-51cc-af69-8c5dc7a0224f) KAPITEL FÜNF (#u4cf53539-70b3-5827-ae2a-5ed0889e753f) KAPITEL SECHS (#ueebae8bd-8e2d-5943-97a2-25ab30af7076) KAPITEL SIEBEN (#ua384c4bd-f957-5508-8036-663f1d3ba73c) KAPITEL ACHT (#litres_trial_promo) KAPITEL NEUN (#litres_trial_promo) KAPITEL ZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL ELF (#litres_trial_promo) KAPITEL ZWÖLF (#litres_trial_promo) KAPITEL DREIZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL VIERZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL FÜNFZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL SECHZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL SIEBZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL ACHTZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL NEUNZEHN (#litres_trial_promo) KAPITEL ZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL EINUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL DREIUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL VIERUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL SECHSUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL ACHTUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL NEUNUNDZWANZIG (#litres_trial_promo) KAPITEL DREIßIG (#litres_trial_promo) EPILOG (#litres_trial_promo) KAPITEL EINS Keira blickte zu Cristiano auf dem Platz neben ihr. Trotz des langen und ermüdenden Flugs sah er attraktiv aus wie immer, mit seinen dunklen Augen, dem südländischen Teint und dem energischen Unterkiefer. Streng genommen fand Keira, dass er noch besser aussah als sonst, falls das überhaupt möglich war. Seine Augen glänzten vor Aufregung. Unter ihnen konnte man die Lichter von New York bei Nacht erkennen. „Die Straßen sind alle so gerade“, murmelte Cristiano erstaunt. „Wie ein Gitter. Aber was ist die Lücke da?“ Sie blickte hinunter auf das dunkle Rechteck, das er meinte. „Das ist der Central Park.“ Cristiano war beeindruckt. „Ah, verstehe. Central. Weil er im Zentrum ist.“ Keira lachte über sein kindliches Staunen. „So ungefähr.“ Während das Flugzeug immer tiefer sank, blickte Cristiano neugierig aus dem Fenster. „Die Häuser sind alle so hoch“, murmelte er. Keira kicherte und strich mit dem Daumen über seinen Handrücken. Sie hatten sich den ganzen Flug über an der Hand gehalten, von Verona in Italien bis nach New York. Keira hatte nicht die Absicht, so bald wieder loszulassen. Der Blick auf die großartige Stadt unter ihnen wurde mit jedem Augenblick besser, je näher sie der Landung kamen. Man konnte immer mehr Details erkennen, die vielen Taxis auf den Straßen, das gelbe Licht der Straßenlaternen, dann schließlich die hellen Lichter des Flughafens. Mit quietschenden Reifen setzte das Flugzeug endlich auf der Landebahn auf, verlangsamte und rollte bis zum Terminal. „Wir sind da.“ Keira strahlte Cristiano an. Er nickte mit aufgeregter Miene. „Ich kann es immer noch nicht ganz glauben.“ „Liebling, das geht mir ganz genauso“, antwortete Keira. Ihre spontane Entscheidung in buchstäblich letzter Sekunde, Cristiano einzuladen, mit ihr nach New York zu kommen, war streng genommen etwas albern gewesen. Aber zu keinem Zeitpunkt während des Flugs hatte sie das Gefühl gehabt, eine falsche Entscheidung getroffen oder übereilt gehandelt zu haben. Cristiano neben ihr sitzen zu sehen, fühlte sich richtig an. Endlich kam das Flugzeug zum Stehen und sie durften sich abschnallen. Sie standen auf, Cristiano holte seine kleine Ledertasche unter dem Sitz hervor, mehr hatte er nicht mitgebracht. Keira nahm ihre Handtasche, dann gingen sie mit den anderen Passagieren von Bord. Keira genoss es, endlich die Gliedmaßen wieder strecken zu können, nach so vielen Stunden des Sitzens. In letzter Zeit hatte sie viel zu viel Zeit in Flugzeugen verbracht. Allerdings würde sie deshalb noch lange nicht ihren Job an den Nagel hängen. Eine Menge Leute würden töten, um drei Wochen beruflich durch Italien reisen zu können. Sie war dankbar für ihren Job als Reisejournalistin und Viatorum, das Magazin, für das sie schrieb, war mehr als nur ein Arbeitsplatz für sie. Sie hatte Freunde da, so wie Nina, ihre Redakteurin. Oder Elliot, ihren Boss. Außerdem hatte sie eine richtige Aufgabe da. Die Chance, die Viatorum ihr bot, war wie ein Traum, der wahr wurde. Aber ihre letzte Reise durch Italien hatte ihr mehr eingebracht als nur einen Artikel, der unter ihrem Namen veröffentlicht worden war. Sie hatte die Liebe gefunden. Mit Cristiano. Während sie darauf warteten, dass ihr Gepäck übergeben wurde, konnte sie Cristianos Eifer erkennen, endlich aus dem Flughafen herauszukommen und die Stadt zu erkunden. Sie konnte diese Ungeduld sehr gut nachvollziehen, es ging ihr nicht anders. Endlich erschien ihr Gepäck auf dem Karussell. Cristiano, immer ganz der Gentleman, sammelte alles ein und bestand darauf, es für sie nach draußen zu schieben. Sie verließen eilig den Flughafen, voller Aufregung, was sie erwartete. Sie nahmen die U-Bahn in das Stadtviertel, in dem Bryns Wohnung lag, eilten aus dem Ausgang hinauf in die Kälte. Ein eisiger Wind empfing sie. Cristiano schleppte ihren Koffer die Treppe hinauf, blieb dann auf dem Gehweg stehen und stellte den Koffer neben ihr ab. Keira freute sich geradezu darauf, alles auszupacken und Wäsche zu waschen. Die Gehwege waren voll mit Menschen, die eilig unterwegs waren, beschäftigt mit ihrem eigenen Leben. Cristiano wirkte amüsiert darüber, dass alle es so eilig hatten, was ihm unverständlich schien. Während sie das letzte Stück zu ihrer Wohnung zurücklegten, schaute sich Cristiano erstaunt um. Keira fand sein kindliches Staunen charmant und fragte sich, ob sie auf ihrer Rundreise durch Italien auch so ausgesehen hatte. „Es gibt so viel zu sehen“, sagte er. „So viele Häuser. Es ist überwältigend.“ Aber dann fing er an zu bibbern und mit den Zähnen zu klappern. „Ist es hier immer so kalt?“ Cristiano trug einen dieser italienischen Anzüge, die zwar sexy aussahen aber unpraktisch waren. Er rieb sich über die Arme. Sie tat das ebenfalls und half ihm, etwas wärmer zu werden in dem dünnen Anzug. „Nur um diese Jahreszeit“, erklärte sie. „Wir müssen dir einen anderen Mantel kaufen.“ Sie deutete auf das nächste Bekleidungsgeschäft. Es war ein großer Outlet Store, preisgünstig. Da würden sie etwas Passendes finden. Aber Cristianos Reaktion war alles andere als begeistert. „Ich würde lieber warten und in ein besseres Geschäft gehen“, meinte er. „Ich halte die Kälte schon noch ein bisschen aus bis dahin.“ „Du frierst lieber als nur für einen Moment nicht perfekt angezogen zu sein?“, spottete Keira. „Natürlich.“ Cristiano schmunzelte. Aber er hatte es noch nicht ganz ausgesprochen, als der scharfe Novemberwind sie voll erwischte. Keira zitterte, umschlang ihren Oberkörper mit den Armen und blickte Cristiano an. „Armer Kerl“, sagte sie lachend. „Du bist nicht mehr in Italien.“ Cristiano gab nach und sie eilten in das große, hell erleuchtete Geschäft. Er ging eine Reihe grell bunter Windjacken durch und sah dabei unbegeistert aus. Die Zeiten, da sie italienische Designer-Klamotten gekauft hatten, waren vorbei. Endlich fand er einen schwarzen Mantel, eine billige Kopie von etwas, das ein modebewusster Italiener vielleicht tragen würde, und kaufte ihn. „Zehn Dollar“, sagte er kopfschüttelnd. „Er wird binnen einer Woche auseinanderfallen.“ „Er muss ja nur halten, bis wir das nächste Gucci-Geschäft gefunden haben“, witzelte sie. Sie bogen in die Straße ein, wo Bryn wohnte und blieben vor dem etwas heruntergekommen aussehenden Backsteinhaus stehen. Ein frisches Graffiti war dran geschmiert, ein Geländer war abgebrochen und die Pflanzen in den Kästen waren tot. „Das ist es also?“ Cristiano blickte an der Fassade hinauf. Zu sagen, er wirkte unbeeindruckt, war untertrieben. Seine Erwartungen mussten von der schäbigen Wohngegend einen ziemlichen Dämpfer erhalten haben. Er musste sich in etwa so fühlen wie sie, als sie das erste Mal Neapel gesehen hatte. Sie hoffte, er war nicht zu enttäuscht, denn es würde ja nicht besser werden. „Meine Schwester ist … etwas … nun, sagen wir, verrückt“, warnte sie ihn. „Besser, du stellst dich darauf ein.“ Cristiano lachte. Offenbar dachte er, sie machte einen ihrer Scherze. Armer Kerl, dachte Keira. Er hatte ja keine Ahnung, was auf ihn zukam. KAPITEL ZWEI Bryn hatte offenbar komplett vergessen, dass Keira heute zurückkam. Das wurde deutlich, sobald sie das Apartment betreten hatten. Es sah verheerend aus. Kleidung und Schuhe lagen überall herum, auf der Anrichte in der Küche standen eine Reihe benutzter Weingläser. Auf dem Couchtisch, der voller Krümel war, lagen außerdem leere Chipstüten und eingetrocknete Schalen mit Dips. Keira verzog bei dem Anblick das Gesicht. Was sollte Cristiano denn nun denken? Um das Bild vom totalen Chaos abzurunden, entdeckten sie die schnarchende Bryn auf dem Sofa, das Make-up auf dem Gesicht verschmiert. Das Glitzerkleid verhüllte ihren Körper nur sehr begrenzt. Ihr rot bemalter Mund stand offen. Keira runzelte die Stirn und blickte auf die Uhr. Es war gar so spät. Bryn hatte wohl einen ihrer Samstags-Marathons absolviert, bei dem sie Mittags schon anfing zu trinken, dann von Bar zu Bar hüpfte und dann beizeiten auf der heimischen Couch umfiel. Keira spürte, wie Cristiano hinter ihr zögerte. Sie schämte sich zu sehr, um ihn anzuschauen. Sie mochte ihn zwar gewarnt haben, aber das hier war deutlich schlimmer als sie selbst erwartet hatte. Keira warf ihre Tasche beiseite und Bryn schrak hoch von dem Geräusch Sie setzte sich mit einem lauten Schnarchen auf. Sie schwankte und hielt sich mit einer Hand den Kopf. Dann blickte sie Keira aus schmalen Augen an. „Du bist zu Hause?“, fragte sie. „So sieht's aus“, antwortete Keira angespannt. „Du hast es vergessen, dass ich heute ankomme, richtig? Und du hast auch vergessen, dass ich einen Gast mitbringe“, quetschte sie zwischen den Zähnen hervor. Bryn hatte bisher offenbar nicht einmal bemerkt, dass sie nicht alleine waren. Bryn blickte mit verkniffenem Gesicht an Keira vorbei zu Cristiano. Sie blinzelte einige Male ungläubig, dann war sie plötzlich hellwach. „Oh, hi!“ Sie klang wach und aufmerksam. „Ich bin Bryn. Du musst Cristiano sein.“ Seit sie das Apartment betreten hatten, drehte sich Keira zum ersten Mal um, damit sie seine Reaktion sehen konnte. Aber Cristiano schien von dem ganzen Chaos um sie herum eher amüsiert zu sein. Auch als Bryn zu Keiras Entsetzen auf wackeligen Beinen auf Cristiano zuging, schien er das eher von der humorvollen Seite zu sehen. „Wow, du bist der Hammer“, sagte Bryn und umarmte Cristiano. „Ich dachte, Keira übertreibt, um mich eifersüchtig zu machen.“ Keira wurde von einer Wolke aus Alkohol und Parfüm eingehüllt. „Vielen Dank, nehme ich an.“ Cristiano klang etwas unsicher, kicherte aber. „Du und deine Schwester, ihr habt sehr schöne Gene geerbt.“ Bryn blicke Keira mit hochgezogenen Augenbrauen und machte gar nicht erst den Versuch, ihre Schwärmerei zu verbergen. Keira bekam plötzlich Angst. In den Augen der meisten Leute war ihre Schwester die attraktivere von ihnen beiden. Und sie flirtete hemmungslos. Was, wenn Cristiano ihrem Charme verfiel? Wenn er eher auf ihre überschwängliche Persönlichkeit stand? Es war unmöglich zu sagen, was er wirklich dachte, denn er verhielt sich Bryn gegenüber wie jeder anderen schönen Frau, der er begegnete. „Wollt ihr was trinken?“, fragte Bryn und musterte Cristianos schönes Gesicht. „Bier, Wein, Prosecco?“ „Hältst du das für eine so gute Idee?“ Keira betrachtete die aufgelöste Erscheinung ihrer Schwester. Bryn rollte mit den Augen und sah Cristiano an. „War sie in Italien auch die ganze Zeit so? Keira kann eine echte Spielverderberin sein.“ „Hey!“, protestierte Keira. „Ganz und gar nicht“, sagte Cristiano. Er nahm offenbar alles mit Humor, auch wenn es Keira alles ziemlich peinlich war. „Wir haben an so manchem Abend guten Wein getrunken, nicht wahr, meine Liebe?“ Er strahle Keira mit seinen schönen Augen an, was ihr sogleich das Gefühl vermittelte, die einzige Frau auf der Welt zu sein. „Ja“, murmelte sie verträumt. Bryn unterbrach sie auf ihre übliche rüde Art. „Dann musst du wohl auf sie abgefärbt haben, Cris. Normalerweise verlässt sie kaum das Haus, ohne dass man Himmel und Hölle in Bewegung setzen muss.“ Keira schüttelte über ihre Schwester den Kopf. „Schütte einfach die Drinks ein“, murmelte sie. Bryn grinste boshaft. Sie genoss es, Keira auf die Palme zu bringen. Dann lächelte sie Cristiano lieblich an. „Was möchtest du, Cris?“ Keira verzog das Gesicht. Sie hasste es schon jetzt, dass ihre Schwester ihm sofort einen Spitznamen gegeben hatte. Das war viel zu vertraut. Sie selbst hatte ihn bisher nie anders als Cristiano genannt. Wenn ihm jemand einen Spitznamen gab, dann sollte sie das doch wohl sein! „Wein, rot“, antwortete Cristiano. „Einen Shiraz aus Neuseeland, wenn du den hast.“ Bryn kicherte laut, wie sie es beim Flirten immer tat. „Ich werde sehen, was sich machen lässt“, schnurrte sie. Dann blickte zu Keira. „Kannst du ein wenig aufräumen?“ Sie wedelte mit der Hand in Richtung des Durcheinanders. Keira biss die Zähne zusammen. Sie spürte den Zorn in sich aufwallen. Während sie den ganzen Müll einsammelte, konnte sie hören, wie sich Bryn und Cristiano an der Küchenzeile unterhielten. „Wie lange wirst du in der Stadt bleiben, Cris?“, fragte Bryn. Keira hielt mit ihrer Arbeit inne und warf einen Blick über die Schulter. Sie und Cristiano hatten darüber noch nicht gesprochen. Ihre Beziehung war von Anfang an so stürmisch gewesen, dass sie überhaupt noch nichts geplant hatten. Sie hatten auch nicht besprochen, dass es in Bryns Apartment nur ein einziges Bett gab. Wo würden sie schlafen? „Ich weiß es noch nicht“, antwortete Cristiano. „Wir leben für den Augenblick. Nehmen jede Minute so, wie sie kommt.“ Keira atmete aus. Das war eine beruhigende Antwort. Sie beendete schnell das Aufräumen und gesellte sich zu den beiden anderen. Bryn schenkte auch ihr ein Glas Wein ein. „Ich denke, ihr beide solltet im Bett schlafen“, meinte sie und schob das Weinglas über den Tresen. „Auf die Couch passt ihr beide wohl nicht.“ „Im Ernst?“ Keira wunderte sich über diese großzügige Geste. So war Bryn eigentlich nicht. „Was wird mit dir?“ Bryn deutete Richtung Couch. „Ich schlafe sowieso meistens vor dem Fernseher ein. Wenn ich überhaupt zu Hause bin.“ Sie wackelte vielsagend mit den Augenbrauen. Keira stöhnte auf. Der Gedanke an Bryns zahlreiche Eroberungen bereitete ihr Unbehagen. „Das ist sehr nett von dir“, sagte Cristiano. Offenbar hatte er den Unterton nicht mitbekommen. „Eine eigene Wohnung zu finden, steht ganz oben auf meiner Liste“, erklärte Keira. „Ich verspreche, wir verschwinden so schnell wie möglich aus deiner Wohnung.“ Neben ihr versteifte sich Cristiano plötzlich. Er nippte an seinem Wein und hielt seinen Blick gesenkt. Warum verspannte er sich? Hatte sie etwas Falsches gesagt? Dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Dachte er etwa, sie würden sich eine gemeinsame Wohnung nehmen? Wie peinlich konnte es denn noch werden? Keira kauerte sich auf ihrem Sitz zusammen. Das hatte sie damit ganz und gar nicht sagen wollen! Es wäre dumm, anzunehmen, Cristiano würde nach so kurzer Bekanntschaft mit ihr zusammenziehen wollen. Zumal sie nie über dergleichen geredet hatten. Sie wusste nicht einmal, wie lange sie ihn um sich haben wollte. Zwischen heute und für immer gab es ein sehr weites Feld. Auf einmal erschien es ihr doch ein wenig übereilt, dass sie spontan gemeinsam ins Flugzeug gestiegen waren. Im Flieger hatte es sich noch gut angefühlt. Aber hier war sie zu Hause und alles fühlte sich ganz anders an. Dies war die Realität. Früher oder später würde sie ihren ganzen Mut zusammennehmen und mit ihm reden müssen, über all das, was eine Beziehung eine so große Distanz mit sich brachte. Aber sie wollte ihn eben auch nicht vergraulen. Keira schwieg, ganz in Gedanken versunken, und nippte an ihrem Wein. Sie nahm an dem Gespräch der beiden nicht mehr Teil, beobachtete nur noch, wie Bryn kicherte und Bemerkungen über Cristianos wunderbaren Akzent machte, während sie ihn anhimmelte. Erst als sie ihre Hand ausstreckte, um über seinen Arm zu streichen, war Keira wieder hellwach. Zeit, dieses Schauspiel zu beenden. Sie gähnte laut. Bryn zuckte überrascht zusammen, als hätte sie vollkommen vergessen, dass Keira auch noch da war. „Bist du müde?“, fragte sie. „Du musst nicht meinetwegen aufbleiben. Immerhin bleibt dir nur ein Tag, um dich wieder zu akklimatisieren, bevor du wieder zur Arbeit musst.“ Normalerweise irritierte es Keira, wenn sie von ihrer Schwester so bemuttert wurde, aber gerade kam es ihr sehr gelegen. Und es war die beste Möglichkeit, Bryn loszuwerden. Sie stand auf. „Tut mir leid, der Flug hat mich total erschöpft. Morgen können wir ausgiebig quatschen. Ich habe außerdem ein Geschenk für dich.“ Bryn grinste. „Großartig. Ich kann es kaum erwarten.“ Sie stand ebenfalls auf und sie umarmten sich. Dann schaute Keira Cristiano an, der noch immer saß. „Kommst du?“, fragte sie. Er sah überrascht aus, als hätte er nicht damit gerechnet, dass Keira ihn mit ins Bett nehmen wollte. „Äh, ja, sicher“, stammelte er. „Du musst nicht“, beeilte sich Bryn zu erklären, „wenn du noch nicht müde bist. Wir können uns gern weiter unterhalten. Ich habe noch mehr Wein aus Neuseeland.“ Keira blickte Bryn finster an. Cristianos Blick huschte zwischen ihnen hin und her, als verstehe er nicht genau, wo er da reingeraten war. Schließlich stand er auf und schloss sich Keira an. Sie nickte zufrieden über ihren kleinen Sieg. „Morgen“, sagte Cristiano zu Bryn. „Danke für den Wein.“ Keira fiel auf, dass er nicht ausgetrunken hatte. Sie hatte ein schlechtes Gewissen, ihn quasi mitzuschleifen, aber sie kannte ihre Schwester eben besser als er. Sie mit ihm allein zu lassen, barg ein nicht unerhebliches Risiko. „Gute Nacht“, rief Keira Bryn zu und zerrte ihren Koffer ins Schlafzimmer. Cristiano folgte ihr. Sobald sie beide im Schlafzimmer waren, schloss Keira die Tür hinter ihnen. Sie lehnte sich dagegen und atmete tief durch. „Tut mir leid“, sagte sie und deutete durch die geschlossene Tür. Cristiano wirkte amüsiert. „Verstehe ich nicht. Sie schien doch ganz nett.“ „Sie hat mit dir geflirtet.“ Keira schüttelte empört den Kopf. Cristiano schien das nicht zu stören. „Es macht mir nichts aus.“ „Aber mir“, sagte Keira. „Sie ist meine Schwester. So etwas macht man nicht.“ Cristiano zuckte mit den Schultern. Er kam zu ihr und nahm sie in den Arm. „Du weißt doch, dass ich nur Augen für dich habe.“ Er hielt sie fest umschlungen. „Ich mache mir auch keine Sorgen über dich“, antwortete Keira und entspannte sich ein wenig. „Sondern über all die anderen heißblütigen Frauen in der Welt.“ Ein Gedanke traf sie wie ein Keulenschlag. In Italien war Cristiano, auch wenn er sehr gut aussah, nur einer von vielen gewesen. Hier in New York war er eine exotische Kreatur, ein echter Italiener, ein Model, direkt dem Cover eines Modemagazins entsprungen. Ihre Heimatstadt barg eine Menge neuer Gefahren für ihre Beziehung, an die sie bisher gar nicht gedacht hatte. Es gab dafür nur eine Lösung. Sie würde Cristiano von morgens bis abends beschäftigen, ihn ganztägig im Auge behalten müssen. „Wir sollten morgen beizeiten aufstehen“, sagte sie und löste sich aus seiner Umarmung. Dann machte sie sich für die Nacht fertig. „Mir bleibt nur ein freier Tag bevor ich wieder arbeiten muss. Das wird eine anstrengende Sightseeing-Tour.“ Cristiano grinste. „Ich kann es kaum erwarten. Aber gehen jetzt nicht sofort schlafen, oder?“ Er blickte sie vielsagend an. „Ich war den ganzen Tag in einem engen Flugzeug eingepfercht. Ich habe eine Menge angestauter Energie.“ Keira grinste ebenfalls und griff nach dem Lichtschalter. „Was immer du wünschst“, murmelte sie, schaltete das Licht aus und tauchte das Zimmer in Dunkelheit. KAPITEL DREI Keira erwachte vom schrillen Klang ihres Weckers. 7 Uhr. Aber wegen des Jetlags und der Tatsache, dass sie und Cristiano nicht wirklich viel Zeit mit Schlafen im Bett verbracht hatten, fühlte es sich an, als sei es noch mitten in der Nacht. Nach einem Nickerchen tagsüber fühlte sie sich meist ähnlich neben der Spur. Aber auch wenn sie körperlich etwas durchhing, war sie geistig doch hellwach und freute sich auf den Tag. Sie sprang aus dem Bett, voller Erwartung und mit reichlich Adrenalin. Sie sah auf Cristiano herab, der noch fest schlief. „Aufwachen“, sagte sie, beugte sich über ihn und küsste ihn auf die Stirn. Er öffnete die Augen. „Muss ich?“, fragte er gähnend. „Der lange Flug hat mich sehr erschöpft.“ „So so, der lange Flug war das also, ja?“ Keira zwinkerte ihm vielsagend zu. Aber Cristiano war schon wieder eingeschlafen. Sie entschied sich, ihn noch schlafen zu lassen, während sie sich für den Tag fertig machte. Sie schlich ins Wohnzimmer, wo Bryn noch schnarchend auf dem Sofa lag. So leise wie möglich, um die schlafende Bestie nicht zu wecken, schlich Keira an ihrer Schwester vorbei und sprang schnell unter die Dusche, um die Anstrengungen der Reise und einen letzten Rest Italien abzuspülen. Als sie zurück ins Schlafzimmer kam, schlief Cristiano noch immer tief und friedlich. Sie seufzte und beschloss, erst einmal ihre Schmutzwäsche in den Waschsalon an der Ecke zu bringen. Besser, sie verschwendete keine Zeit, wenn sie morgen wieder arbeiten musste. Sie kippte ihren Koffer aus, packte die Sachen, die von letzter Nacht verstreut im Zimmer lagen, dazu, und eilte damit aus der Wohnung, die Treppe hinunter, auf die Straße. Es war ein ziemlich kalter Morgen und sie fühlte sich beinahe nostalgisch. In den letzten beiden Monaten war sie so gut wie gar nicht in New York gewesen und es fühlte sich gut an, wieder daheim zu sein, all die vertrauten Geräusche, den Verkehr, die Gerüche, die Abgase zu erleben. Sie dachte mit Freude daran, dass bald Thanksgiving war, ihr liebster Feiertag. Dieses Jahr würde sie den mit Cristiano feiern können, was es zu etwas Besonderem machte. Vorausgesetzt, er blieb so lange. Im Waschsalon war nichts los und Keira stopfte die Wäsche von mehreren Wochen in die Maschine, füllte Waschmittel ein und warf ein paar Münzen in den Schlitz. Sie hatte nicht viel Kleingeld dabei, weil sich keine Gelegenheit ergeben hatte, Geld zu wechseln, aber eine halbe Stunde war besser als nichts für die Wäsche. Sobald die Maschine lief, kehrte Keira ins Apartment zurück. Sie wollte Cristiano wecken und ihn aus der Wohnung locken, weg von Bryns Klauen. Aber zurück im Schlafzimmer sah sie, dass Cristiano immer noch fest schlief. Sie küsste ihn erneut und versuchte ihn zu wecken. „Hey, schlafende Schönheit“, sagte sie fröhlich und laut. „Wir müssten langsam mal los.“ Cristiano stöhnte. „Können wir nicht einen faulen Tag im Bett verbringen? Wir sind wochenlang unterwegs gewesen. Wir haben uns einen entspannten Vormittag verdient, oder nicht?“ Keira schüttelte den Kopf, denn sie dachte an Bryn im anderen Zimmer. Sie mussten weg sein, bevor sie erwachte. „Nein. New York erwartet uns!“ Cristiano gähnte und wandte sich von ihrer lauten Stimme ab. „Und es wird auch am Nachmittag noch da sein.“ „Aber morgens macht es mehr Spaß“, beharrte Keira und zog ihm die Decke weg. „Glaube mir, ich weiß Bescheid.“ Cristiano gab nach und stand frierend auf. „Warum hast du es so eilig?“, stöhnte er. „Weil es viel zu entdecken gibt.“ Sie zog schnell ein Paar Winterstiefel von Bryn an. Ihre eigenen Sachen waren irgendwo in einer Kiste verstaut, ihre Sachen aus Zachs Wohnung waren über mehrere Wohnungen verteilt, inklusive der ihrer Mutter, Shelbys Dachboden und Bryns Schrank. Selbst unter ihrem Schreibtisch bei Viatorum stand eine Kiste. „Kann ich wenigstens vorher noch duschen?“, fragte Cristiano. Keira kaute auf ihrer Unterlippe. Jede Minute, die sie hier vertrödelten, bedeutete, dass Bryn aufwachen und ihre Klauen in Cristiano schlagen könnte. Aber Keira konnte ihm wohl kaum die notwendigen menschlichen Bedürfnisse untersagen. „Natürlich“, sagte sie übertrieben fröhlich. Sie ging an Bryns Schrank und holte ein flauschiges Handtuch heraus. „Hier“, sagte sie und reichte es ihm, zusammen mit Shampoo und Duschgel aus ihrem Koffer. „Die Dusche ist am Ende vom Flur.“ Er küsste sie und verließ das Zimmer. Keira ließ sich auf das Bett sinken. Sie war jetzt schon erschöpft. Das würde nicht leicht werden. Sie musste so schnell wie möglich eine eigene Wohnung finden. Möglichst gestern schon. Aber dazu musste sie von Zach erst einmal die Kaution für ihre gemeinsame Wohnung zurückbekommen. Sie hatte nicht die geringste Lust, Kontakt mit ihm aufzunehmen, aber es war in dieser Situation das geringere Übel. Sie schnappte sich ihr Handy und schickte ihm eine Nachricht. Gibt es was Neues wegen der Kaution? K Wider besseres Wissen fügte sie am Ende ein Kuss-X hinzu. Sich bei Zachary einzuschmeicheln passte ihr zwar nicht, aber wenn sie dadurch schneller an ihr Geld kam, sollte es ihr recht sein. Sie lugte durch die Tür ins Wohnzimmer. Die Jalousien waren noch runter gelassen und das Zimmer lag im Dunkeln. Man hörte die Dusche am Ende des Flurs und Bryns Schnarchen. Zum Glück hatte Cristiano sie nicht aufgeweckt, als er hier durch gegangen war. Keira wurde langsam ungeduldig. Cristiano ließ sich ganz schön viel Zeit. Sie sah auf die Uhr. Ihre Wäsche wäre gleich schon fertig. Sie wollte im Waschsalon sein, bevor der Waschgang zu Ende war und die Maschine automatisch aufging. Man musste es den Gelegenheitsdieben in der Gegend nicht noch extra leicht machen. Auch Sonntagmorgen um halb acht konnte man nicht vorsichtig genug sein. Sie verließ erneut die Wohnung und eilte zum Waschsalon. Jetzt waren ein paar Leute da, Frauen mittleren Alters, die dem späteren Ansturm zuvorkommen wollten. Keira sammelte die warme, feuchte Wäsche wieder ein. Sie hatte nicht genug Kleingeld für den Trockner, daher würde sie die Sachen in der Wohnung aufhängen. Sie machte sich auf den Rückweg. Es fühlte sich gut an, normale Dinge des Alltags zu tun, wie ein ganz normaler Mensch. Nicht die Reisejournalistin in einem aufregenden fremden Land zu sein. Auch von so tollen Dingen konnte man offenbar zu viel bekommen. Ihr Handy vibrierte in der Tasche, gerade als sie die Treppe zum Apartment hinaufging. Zach hatte geantwortet. Mit nicht unerheblicher Anspannung las sie seine Antwort. Bon jour, Keira! Ich bin beruflich in Frankreich. Morgen fängt eine Konferenz an und dauert eine Woche. Können wir über das Geld reden, wenn ich wieder da bin? Sie seufzte frustriert. Sie verstand nicht einmal, was es da noch zu reden geben sollte, und dann musste sie auch noch eine Woche darauf warten? Er musste es ihr doch einfach nur überweisen. Aber natürlich würde er es ihr nicht so leicht machen. Den Blick noch auf das Handy gerichtet, betrat sie Bryns Apartment und wurde überrascht von dem Gelächter, dass sie hörte. Erstaunt blickte sie auf. Alles war verändert. Die Jalousien waren hochgezogen, das Licht war an, die Kaffeemaschine blubberte. Bryn stand in der Küche und wirkte sehr wach für jemanden, der die Nacht durchzecht hatte. Cristiano lehnte mit dem Rücken an der Anrichte, von seinem nackten Oberkörper liefen noch Wassertropfen, um die Hüfte hatte er ein kleines Handtuch geschlungen, mehr nicht. „Was geht hier vor?“, fragte Keira irritiert. Bryn blickte sie an und runzelte angesichts von Keiras paranoidem Tonfall amüsiert die Stirn. „Ich mache Kaffee. Wo warst du denn?“ „Ich war im Waschsalon.“ Sie hielt das feuchte Bündel Wäsche hoch. „Ich war nur zwei Minuten weg.“ Zwei Minuten hatten offenbar ausgereicht, damit Bryn mehr als nur ein Auge auf Cristianos Adonis-Körper werfen konnte. „Schatz“, sagte Keira betont deutlich an ihn gewandt. „Wir sollten uns anziehen. Wir müssen los.“ „Aber wir haben doch sicher noch Zeit für einen Kaffee, oder nicht? Während du die Wäsche zum Trocknen aufhängst?“ Keira ließ die Tasche einfach auf den Boden fallen und bemühte sich um einen lockeren Ton, während sie ihn an den Schultern packte und Richtung Schlafzimmer schob. „Aber ich möchte dich ins beste Kaffee von New York ausführen“, sagte sie. „Frisch gemahlener Kaffee, um Längen besser als das Zeug aus Bryns Maschine.“ „Oh … okay …“ Cristiano leistete keinen Widerstand. „Aber … deine Sachen?“ Während sie Cristiano ins Schlafzimmer schob, warf Keira ihrer Schwester über die Schulter einen Blick zu. Sie war offenbar amüsiert von der Szene gerade. Keira blickte sie streng an, eine Warnung, die Finger von Cristiano zu lassen. „Ich kann deine Sachen aufhängen“, bot sie mit süßem, wissendem Lächeln an. „Danke“, erwiderte Keira knapp. Sie wollte die Tür schließen, aber Bryn war noch nicht fertig. „Schätzchen, wenn du meinst, ich wäre schlimm, dann warte, bis ihr da draußen seid.“ Sie deutete vage Richtung Fenster. „Da wird es noch viel schlimmer werden, glaube mir.“ Keira war inzwischen total unentspannt und schloss die Tür. KAPITEL VIER Als erstes legten sie einen Stopp an der Upper West Side ein, wo sie Kaffee und Bagels für unterwegs mitnahmen. Das war etwas ganz anderes als ihre ausgedehnten Mahlzeiten in Italien, aber Keira wollte Cristiano eben vermitteln, wie sich das Leben in New York anfühlte. „Das ist also der beste Kaffee in New York, ja?“, fragte Cristiano und trank einen Schluck aus dem Pappbecher. Er sah nicht überzeugt aus. „Oh ja, der beste.“ Sie hatte gelogen, aber das würde sie nicht zugeben. Der Kaffee war ziemlich gut, aber nicht das, was sie versprochen hatte. „Zumindest ist das meine Meinung.“ Cristiano zuckte einfach mit den Schultern. Sie spazierten Hand in Hand Richtung Hudson River. Keira war sich sehr bewusst, wie oft Cristiano angestarrt wurde. Es war ihr sehr bewusst, dass er von ihnen beiden der deutlich Attraktivere war, aber so wie jetzt, fühlte sie sich noch mehr wie eine Landpomeranze. Cristiano war eine seltene Schönheit hier in New York. Bryn hatte vollkommen recht gehabt. Es gab weitaus schlimmere Frauen in New York als ihre Schwester. Es würde sehr anstrengend werden, ihn hier zu haben. „Was hältst du von meiner Schwester?“, fragte sie. Cristiano lachte. „Sie ist interessant.“ „Inwiefern?“ Cristiano überlegte offenbar sehr genau, welche Worte er benutzte. „Pazza“, sagte er schließlich. „Was heißt das?“ Keira ging im Geiste durch, was es bedeuten konnte: schön, wunderbar, verführerisch, hypnotisierend. „Verrückt“, sagte er. Keira lachte. Es war eine Erleichterung, das zu hören. Wenn er nicht heimlich auf verrückt stand, war sie wohl auf der sicheren Seite. Zumindest, was Bryn anging. Blieb nur noch der Rest der weiblichen Bevölkerung von New York als Konkurrenz. Die spazierten durch den Riverside Park, schauten auf den Fluss und gingen dann zum Central Park. Da Cristiano den schon aus dem Flugzeug heraus gesehen hatte, nahm sie an, dass er ihn auch aus der Nähe erkunden wollte. „Das ist toll“, sagte er mit einem Blick auf die Wolkenkratzer um sie herum. „Es sieht unwirklich aus.“ Keira lächelte. Etwas ähnliches hatte sie in Italien empfunden. Es war schön zu sehen, wie er sich über ihre Heimatstadt freute, die Dinge bewunderte, die sie inzwischen als so normal betrachtete. Sie gingen nach Osten, zum Metropolitan Museum of Art. Die Kunst in Italien war hinreißend gewesen, aber Keira wetteiferte gern und wollte nicht, dass Cristiano dachte, sein antikes europäisches Land hätte mehr zu bieten als New York. Aber es gab so vieles zu entdecken, dass sie schon nach einer Stunde das Museum wieder verließen, weil Cristiano mehr von der Stadt sehen wollte. Sie fuhren mit der Bahn zur 5th Avenue, weil Keira ihm den Times Square zeigen wollte. Von da aus ging es zur 11th Avenue, denn von da aus konnte man die Skyline von Manhattan besonders gut sehen. Am Nachmittag kehrten sie zum Essen in eines der zahlreichen Cafés in SoHo ein. Cristiano schien dieser Teil der Stadt besonders zu gefallen, vor allem die Modegeschäfte. Er passte mit seinem italienischen Anzug perfekt hierher. Er kaufte sich einen Mantel, der zwar genauso aussah wie der billige vom Vortag, aber statt zehn nun fünfzig Dollar kostete. Während sie aßen, klingelte Keiras Handy. Zuerst dachte sie, es wäre Bryn, die sie zurück in ihr Apartment locken wollte. Aber es war ihre Mutter. Sie nahm den Anruf an. „Liebling, ich habe gerade mit deiner Schwester gesprochen. Du musst mit Cristiano heute Abend zum Essen vorbeikommen.“ „Nein, Mom. Wir möchten den Tag nur zu zweit verbringen. Wir haben schon alles verplant.“ „Aber ich habe schon eingekauft“, jammerte ihre Mutter. „Ich wollte Lasagne machen.“ „Warum?“, zischte Keira. „Du hast mich nicht einmal vorher gefragt.“ Sie wusste, warum. Hätte sie vorher gefragt, gäbe es nichts, was sie benutzen konnte, um Keira ein schlechtes Gewissen zu machen. Auf diese Weise hatte sie die Oberhand, denn Keiras Ablehnen ließ sie undankbar erscheinen. Cristiano blickte sie besorgt an. „Alles in Ordnung?“, fragte er. Keira nickte und bemühte sich, cool zu wirken. „Mom, ich muss los. Wir verschieben es auf ein anderes Mal.“ Ihre Mutter seufzte laut. „Hast du Cristiano überhaupt gefragt, ob er mich kennenlernen möchte? Es hört sich nämlich nicht danach an, als ob du ihm eine Wahl lassen würdest.“ Keira presste die Lippen aufeinander, rollte mit den Augen und wandte sich an Cristiano. „Meine Mutter möchte, dass wir heute Abend zum Essen kommen. Aber wir haben ja schon einen Tisch in einem Restaurant für uns beide reserviert, nicht wahr? Also versuche ich ihr gerade zu vermitteln, dass wir ein anderes Mal zu ihr kommen.“ Aber Keira bekam leider nicht die Reaktion von ihm, die sie erhofft hatte. Offenbar war Cristiano begeistert von der Vorstellung, ihre Mutter kennenzulernen. „Wir können doch immer noch ins Restaurant gehen“, sagte er achselzuckend. „Wenn deine Mutter für uns kochen möchte, sollten wir das annehmen. Ich würde sie gern kennenlernen.“ Keira ließ ihren Kopf in die Hände sinken. Mit einem Seufzen gab sie auf. „Na gut“, sagte sie ins Telefon. „Du hast gewonnen, Mom. Wir kommen so gegen acht.“ „Sieben“, widersprach die Mutter. „Sieben“, wiederholte Keira dröge. „Oh, wie wunderbar“, flötete ihre Mutter. Aber Keira hatte schon aufgelegt, bevor sie sich noch mehr Gesäusel anhören musste. Sie sah Cristiano an. „Du musst nicht höflich sein, weißt du?“ Er lachte. „Es geht mir nicht um Höflichkeit, Keira. Ich würde deine Mutter wirklich gern kennenlernen.“ „Sie macht Lasagne“, fügte Keira trocken hinzu. „Wahrscheinlich, weil du Italiener bist.“ „Das klingt perfekt“, meinte er. „Denn ich liebe Lasagne.“ Keira seufzte. Cristiano mochte bereit sein, noch mehr Mitglieder ihrer pazza Familie zu treffen, aber Keira war es nicht. Mit jeder Sekunde, die er länger hier war, wurde es nur noch anstrengender. KAPITEL FÜNF Mallory Swanson lebte noch immer in dem Haus, in dem sie ihre beiden Töchter aufgezogen hatte. Wann immer Keira hierher kam empfand sie eine merkwürdige Art von Nostalgie. Obwohl ihre Kindheit voller Liebe und Heiterkeit gewesen war, blieb die Abwesenheit ihres Vaters stets präsent. Dass er auch hier gewohnt hatte, mit Bryn und der Mutter, vor Keiras Geburt, war schwer zu erfassen, da er kurz nach ihrer Geburt die Familie verlassen hatte. Als sie aufwuchs, hatte sie immer das Gefühl gehabt, sein Schatten lauere irgendwo in den Ecken, als seien die Dinge einfach nicht ganz so, wie sie hätten sein sollen. Sie und Cristiano nahmen ein Taxi aus der Stadt, ohne vorher noch einmal in Bryns Wohnung zurückzukehren. Keira hatte keine Lust gehabt, zu dritt im Auto eingepfercht zu sein, daher hatte sie der Schwester mitgeteilt, man werde sich bei der Mutter treffen. Und da Bryn notorisch unpünktlich war, würde man dann wenigstens ein wenig Zeit haben, um durchzuschnaufen. Sie gingen die Stufen zum roten Backsteingebäude hinauf. In der Kellerwohnung darunter wohnte noch immer die alte Frau, die schon hier gelebt hatte, als Keira noch klein war. Ihre zahlreichen Katzen lungerten auf dem Bürgersteig und dem Geländer herum und miauten sie bei ihrer Ankunft an. Keira klingelte und einen Moment später erschien ihrer Mutter an der Tür. Sie trug eine fleckige Schürze über ihrer Kleidung und ihre Frisur war außer Form geraten. „Da ist sie! Meine nomadische Tochter!“, rief Mallory. Sie umarmte Keira und drückte sie energisch. Dann ließ sie sie los und schaute Cristiano an. „Was für ein schöner Mann“, säuselte sie und umarmte ihn ebenfalls. „Kommt schnell rein, ich habe die Lasagne im Ofen und möchte nicht, dass sie anbrennt.“ Sie schob sie ins Haus. Keira ging die schäbige Treppe hinauf in den ersten Stock, Sie erschien ihr schmaler als früher, das dunkle Grün der Wände war fleckig geworden. Es half auch nicht, dass die meisten Lampen im Treppenhaus kaputt waren. Es tauchte den Flur in ein schummriges Licht, wie in einem Horrorfilm. Sie betraten die Wohnung und wurden sofort von der Hitze des Ofens empfangen. Der Geruch von Käse waberte ihnen entgegen. „Hier bist du also aufgewachsen?“, fragte Cristiano und schaute sich höflich in Mallorys bescheidener Unterkunft um. Keira nickte. Das war ein krasser Unterschied zur schicken Villa von seinen Eltern in den Hügeln von Florenz. Nicht ein einziges Möbelstück hier sah so aus, als könnte es einem Designermagazin entstammen. Man konnte das Haus nicht einmal als schäbig-chic bezeichnen. Es war einfach schäbig. Keira schämte sich dafür. Sie hatte fleißig gelernt, in der Schule und am College, um genau dem hier zu entkommen. Sie befürchtete, dass er einen völlig anderen Eindruck bekommen würde. Sicher waren seine Erwartungen ganz andere gewesen, als er zu ihr ins Flugzeug gestiegen war. Das hier passte nicht zu der erfolgreichen Journalistin. Ihre bescheidenen Anfänge waren nicht mehr zu verleugnen. Keira deutete auf den Tisch. Ihre Mutter hatte eine Plastiktischdecke aufgelegt. Cristiano setzte sich auf einen der Stühle. Keira bemerkte, dass er wackelte, aber natürlich war Cristiano zu höflich, um dazu etwas zu sagen. Mallory kam mit einer dampfenden Schale zu ihnen und platzierte sie auf dem Tisch. Die Lasagne war nicht schön anzuschauen, die Tomatensauce blubberte unter den Nudelplatten, an den Rändern war der Käse verbrannt. Das war Welten entfernt von dem, was Cristiano aus Italien gewohnt war. „Was ist das?“, fragte Keira und deutete auf ein paar kleine runde Kugeln oben drauf. „Haselnüsse“, sagte Mallory. „Auf einer Lasagne?“, fragte Keira ungläubig. „Das habe ich in einer Zeitschrift gelesen“, erwiderte Mallory zögernd. Keira fühlte sich zunehmend unwohler. „Sollten wir nicht auf Bryn warten?“ „Ich habe sieben Uhr gesagt. Sie kann die Uhr lesen. Sie ist selber Schuld, wenn sie zu spät kommt.“ Sie grinste Cristiano an und schenkte ihm ein Glas Wein ein. „Ich hoffe, du magst Rosé.“ Keira sank auf ihrem Stuhl noch ein wenig tiefer, denn sie erinnerte sich daran, was für ein Weinkenner Cristiano war, der genau wusste, welcher Wein zu welchem Gericht passte. Man musste aber kein Connoisseur sein, um zu wissen, dass Rosé zu gar nichts passte. Höflich nahm er das Glas entgegen. „Auf unseren gut aussehenden Gast“, verkündete Mallory, als sie alle miteinander anstießen. Keira wäre am liebsten vor Scham im Boden versunken. Die Tür ging auf und Bryn rauschte herein. Von einem Kater war bei ihr nichts mehr zu sehen. Ihre Augen strahlten, ihr Haar glänzte und sie hatte sich extra schick gemacht. Keira konnte die Eifersucht, die sie manchmal ihrer Schwester gegenüber empfand, nicht unterdrücken. Über die Jahre hatte es genügend Jungs gegeben, die Bryn ihr vorgezogen hatten. Der einzige kleine Trost war die Tatsache, dass ihre Schwester etwas unbeständig war. Man sah es ihr bloß nicht an. Wann man sie anschaute, sah man eher ein Supermodel, elegant und selbstbewusst. Bryn setzte sich schwungvoll zu ihnen an den Tisch und füllte sich selbst eine große Portion Lasagne auf. „Ich habe heute anderthalb Stunden im Fitnessstudio verbracht“, prahlte sie. „Da darf ich mir das ruhig mal gönnen.“ Keira konnte sich nicht mehr daran erinnern, wann sie selbst das letzte Mal in einem Fitnessstudio gewesen war. In den letzten beiden Monaten hatte sie praktisch nichts getan außer essen und trinken. Irland gab es Guinness und das vor Fett triefende Frühstück, in Italien jede Menge Nudelgerichte und Eis. Es wunderte sie ein wenig, dass sie nicht längst fett geworden war. Es mussten die vielen Spaziergänge gewesen sein, die sie einigermaßen in Form gehalten hatten. „Trainierst du oft?“, fragte Cristiano Bryn. Er klang eher interessiert als anzüglich, was Keira ziemlich erleichterte, wobei sie nicht verstand, warum es ihn überhaupt interessierte. Bryn nickte. Spinning und Klettern sind meine Favoriten. In meinem Fitnessstudio gibt es eine großartige Kletterwand.“ Cristiano schien hocherfreut. „Ich klettere total gerne!“ „Im Ernst?“, fragte Keira überrascht. Irgendwie hatte er versäumt, das je zuvor mal zu erwähnen. „Ja“, sagte er und nickte aufgeregt, bevor er sich wieder Bryn zuwandte. „Du musst mich mal mitnehmen.“ „Liebend gern“, erwiderte Bryn. Keira verzog das Gesicht. Das ganze Gespräch machte sie irre. Sie wollte so viel Distanz wie möglich zwischen Cristiano und ihre Schwester bringen. Mallory war von Cristianos Aussage ebenfalls schwer beeindruckt. „Was machst du denn sonst noch so?“, fragte sie. „Für das körperliche Training?“ „Mom“, stöhnte Keira. „Was ist denn das für eine Frage?“ „Ich schwimme gern“, antwortete Cristiano. Mit einem Zwinkern in Keiras Richtung fügte er hinzu: „Und die Nacht durch tanzen.“ „Wirklich?“, fragte Mallory. „Tanzt du Flamenco?“ „Das ist spanisch, Mom“, rief Keira. Cristiano brach in Gelächter aus. Bryn kicherte ebenfalls. Selbst Mallory schien ihren Schnitzer eher amüsant zu finden. Keira war die einzige, die das nicht lustig fand. Vielleicht hatte Bryn recht damit, dass sie zu zugeknöpft war. „Wie war denn nun dein italienisches Abenteuer?“, fragte Mallory an Keira gewandt. Sie beugte sich über den Tisch und tätschelte ihrer Tochter die Hand. „Ebenfalls ein Erfolg?“ Ihr Blick huschte kurz zu Cristiano. Keira spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht schoss. „Es war wundervoll“, sagte sie, bemüht, das Gespräch von der Tatsache wegzuführen, dass sie sich auch dieses Mal wieder in eine Reisebekanntschaft verliebt hatte, hin zu dem Land an sich. „Die Landschaft ist atemberaubend. Das Essen ist unglaublich. Und die Kultur!“ „Nicht zu vergessen, die Männer“, fügte Bryn hinzu und wackelte übertrieben mit den Augenbrauen. Keira schaute sie finster an. „Ja, die Menschen sind auch wunderbar dort. Ich habe Cristianos Eltern in Florenz kennengelernt. Sie waren sehr freundlich.“ Mallory schaute Cristiano beeindruckt an. „Du stehst deiner Familie sehr nahe?“ Er lächelte und nickte. „Sehr. Wenn ich nicht gerade außerhalb der Stadt arbeite, dann sehen wir uns mindestens einmal die Woche.“ „Das ist nett“, sagte Mallory und schaute gedankenverloren auf ihre Lasagne. „Meine Töchter sind immer zu beschäftigt, um mich zu besuchen. Ich bin nur eine Taxifahrt entfernt, aber ich könnte ebenso gut auch in Kanada leben.“ Bryn rollte mit den Augen. „Wir sind moderne Frauen, Mom. Wir arbeiten.“ „Ich bin in den letzten zwei Monaten gerade einmal 48 Stunden in New York gewesen“, protestierte Keira. Mallory zuckte nur mit den Schultern und reizte den verletzten Gesichtsausdruck ganz aus. Bryn schien dagegen immun zu sein, aber Keira ärgerte so etwas. Sie fand eigentlich, dass sie eine ganz gute Beziehung zu ihrer Mutter hatte. Sie telefonierten oft, sie besuchte sie regelmäßig. Und Mallory war keine einsame alte Frau, die den ganzen Tag allein zu Hause hockte. Sie war Rentnerin, aber sie hatte eine Menge Freunde und Hobbys, mit denen sie sich die Zeit vertrieb. „Wie schmeckt dir die Lasagne?“, fragte Mallory Cristiano. „Ich nehme an, gegen die von deiner Mutter kommt sie wohl nicht an, oder?“ Bryn lachte über den betrübten Ton ihrer Mutter. Keira war nicht in der Stimmung, um sie jetzt zu beschwichtigen. Sie antwortete, noch bevor Cristiano überhaupt eine Chance dazu hatte und sich zu einer höflichen Lüge gezwungen sah. „Natürlich nicht“, sagte sie. „Unser Essen ist total anders. Alles ist importiert. In Italien ist immer alles frisch und nahrhaft.“ Sie stocherte mit ihrer Gabel in der gummiartigen Pasta. „Selbst die Tomaten schmecken anders in Italien.“ „Aber amerikanisches Essen schmeckt auch“, fügte Cristiano diplomatisch hinzu. „Keira und ich hatten heute Morgen Bagels zum Frühstück. Das war aufregend.“ Bryn zeigte deutlich, dass sie seine Bemerkung über den Bagel niedlich fand. Keira konnte es nicht ertragen, dass sie ihn behandelte wie einen niedlichen Hundemischling. „Und wie lange wirst du in New York bleiben?“, fragte Mallory. 'Toll', dachte Keira. 'Schon wieder diese Frage.' „Das weiß ich noch nicht“, erwiderte Cristiano. „Ich habe es allerdings nicht eilig.“ Auf Mallorys Stirn bildete sich eine steile Falte. „Nein? Hast du denn keinen Job in Italien, der auf dich wartet?“ Cristiano schüttelte gelassen den Kopf. „Ich arbeite nur hin und wieder, meistens im Sommer. Als Führer für Touristen. Als Kellner. So was eben.“ Keira entging nicht, dass die Falte auf der Stirn ihrer Mutter sich noch vertiefte. „Gelegenheitsjobs?“, wiederholte sie. Ihr Ton verriet deutlich ihr Missfallen. „Drüben ist alles eben etwas anders“, erklärte Keira. „Die Kultur ist eine andere. Man giert nicht ständig nach Beförderungen wie hier.“ „Aber er ist kein Kind mehr“, sagte Mallory mit Nachdruck. „Sollte er da nicht wissen, was er mit seinem Leben anfangen will?“ „Mom!“, rief Keira. Cristiano lachte nur. Er fand das offenbar lustig. „Eines Tages finde ich schon meinen Weg, Mallory. Ich habe es nur eben nicht eilig damit.“ Er blickte hinunter auf seine Lasagne. Unbemerkt warf Mallory Keira einen vielsagenden Blick zu. Wenn sie schon dachte, dass Keira sich verdammt viel Zeit damit ließ, sich niederzulassen und Kinder in die Welt zu setzen, was musste sie dann erst von Cristiano denken, der nicht mal an eine Karriere dachte? Als sie aufgegessen hatten, brachte die Mutter die Nachspeise. Eiscreme. Keira hatte in Italien so viel Eis mit Cristiano gegessen, dass es jetzt das Letzte war, was sie wollte, vor allem, wenn es das billige amerikanische Zeug war, das ihre Mutter gekauft hatte. Aber Cristiano blieb weiterhin höflich und machte gute Miene zum bösen Spiel. „Quetscht ihr euch alle drei derzeit in Bryns Wohnung?“, fragte Mallory. „Ich habe ihnen das Bett überlassen“, sagte Bryn. Sie wirkte tatsächlich stolz darauf, mal etwas Selbstloses getan zu haben. „Warum wohnt ihr nicht hier?“, schlug Mallory vor. „Keira hat hier immer noch ein Zimmer.“ „Hast du?“, fragte Cristiano. Er schien verwundert, dass sie die Couch ihrer Schwester einem eigenen Zimmer vorgezogen hatte. Keira schüttelte den Kopf. „Das ist keine gute Idee“, sagte sie ihm leise. „Der Weg in die Stadt jeden Tag wäre zu lang.“ „Was sagt sie?“, fragte Mallory laut. „Lass mich raten. Der lange Weg. Es ist immer die lange Pendelstrecke. Als sie bei Zach ausgezogen ist, ist sie direkt zu Bryn gezogen. Als ob ich gar nicht existierte. Und wenn ich frage, warum, dann ist es der lange Weg.“ „Mom, es dauert über eine Stunde von hier zu meiner Arbeit“, sagte Keira zum gefühlt tausendsten Mal. „Eine Stunde ist normal“, warf Bryn ein. „Du hattest vorher einfach Glück mit dem Apartment. Und Zach hat den Großteil der Miete gezahlt.“ „Bryn!“, fuhr Keira ihre Schwester an. Dann verschränkte sie schmollend die Arme vor der Brust. „Die Wohnung gehört seinem Cousin. Wir hatten beide weniger Kosten.“ Cristiano blickte verwirrt von einer zur anderen Schwester. „Wer ist Zach?“ „Niemand“, erwiderte Keira. Sie warf ihrer Mutter und Bryn flehende Blicke zu, sie mochten doch bitte einmal den Mund halten. Mallory lächelte Cristiano an. „Du würdest lieber hier bleiben für eine kleine Weile, nicht wahr? Ich kann dir morgen die Gegend zeigen.“ Keiras Augen weiteten sich. „Auf keinen Fall, Mom. Cristiano hat mit seiner Zeit sicher was anderes vor.“ Der Gedanke, er würde sich den ganzen Tag in der Gesellschaft ihrer Mutter aufhalten, behagte ihr ganz und gar nicht. „Was denn zum Beispiel?“, fragte Bryn lachend. „Irgendjemand muss ihm doch ein bisschen was zeigen, ihn unterhalten. Du weißt, ich könnte das jederzeit tun.“ Sie schlug ihre langen Beine übereinander. „Nein!“, fuhr Keira auf. Sie traute beiden nicht über den Weg, wenn es um Cristiano ging. „Um ehrlich zu sein, würde ich lieber allein die Stadt erkunden“, erklärte Cristiano schließlich, als man ihn endlich einmal zu Wort kommen ließ. „Das mache ich gern, wenn ich in eine fremde Stadt komme. Ist das okay, Mallory?“ „Aber natürlich“, kicherte sie. Dann fügte sie mit einem Grinsen an niemand direkt gerichtet hinzu: „Er ist so höflich.“ „Aber ich würde gern dein Angebot annehmen und hier wohnen“, fügte er hinzu. „Keira hat mein Zuhause kennengelernt und ich würde nun gern ihr altes Zuhause sehen.“ Keira vergrub ihren Kopf in den Händen. Das war das Letzte, was sie wollte. Andererseits hatten sie bei Bryn nicht die geringste Privatsphäre. Die Wohnung war viel zu klein für drei Personen. Mal abgesehen von dem Lärm und der Unordnung. Hier würden sie ein wenig Zeit für sich haben, wenn Mallory früh zu Bett ging. „Na gut“, meinte Keira schließlich. Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie zuletzt hier übernachtet hatte. Dank Cristiano würde es nach vielen Jahren wieder dazu kommen. „Wir bleiben.“ „Großartig!“, rief Mallory und schenkte jedem noch einmal billigen rosa Wein nach. * Keira, Cristiano und Bryn nahmen gemeinsam ein Taxi zurück, um ihre Sachen zu holen. Cristiano stopfte seine wenigen Dinge in seine Tasche, Keira packte Kulturartikel, Unterwäsche, Make-up, Parfüm und Kleidung für die Arbeit ein, inklusive hochhackiger Schuhe. Die hatte sie während ihrer Zeit in Italien überhaupt nicht getragen. Als sie gingen, war Keira froh, endlich mal wieder nur zu zweit zu sein. „Tut mir leid wegen heute“, sagte sie, als sie neben ihm im Taxi saß. „Leid? Weswegen?“ „Wegen meiner Familie. Sie sind alle verrückt.“ Er lachte. „Ich mag sie ehrlich gesagt.“ Keira grübelte, ob er Bryn wirklich nur mochte, verdrängte den Gedanken aber schnell wieder. „Und du kommst morgen wirklich allein klar? Ich könnte einen meiner Freunde fragen, ob sie Zeit haben, dir etwas zu zeigen.“ Sie dachte an Shelby, die frisch verlobt war. Aber die musste mit Sicherheit arbeiten. Maxine hätte vielleicht Zeit, war aber Single. Keira traute ihrer Beziehung noch nicht so sehr, um die Zügel locker zu lassen. „Ich bin sicher“, sagte Cristiano mit Nachdruck. „Ich sagte doch, ich erkunde gern alles allein. Das ist immerhin mein Job, nicht wahr?“ „Stimmt. Aber New York ist anders als Italien.“ Cristiano legte eine Hand auf sein Herz. „Ich bin ein großer Junge. Ich kann auf mich aufpassen. Selbst in New York.“ Er küsste sie flüchtig. Sie kamen bei Mallorys Wohnung an, bezahlten das Taxi und gingen hinauf. Sie machten es sich vor dem Fernseher bequem und wie erwartet ging Mallory gegen neun bereits zu Bett. Das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit konnte Keira sich ein wenig entspannen. Seit sie wieder daheim war, hatte sie sich unter ständiger Anspannung befunden. Ihre verrückte Schwester, die nicht weniger anstrengende Mutter, die Tour durch die Stadt, das alles hatte ihr das Gefühl vermittelt, sie sei kaum zu Atem gekommen. Endlich konnte sie mal einen Gedanken daran verschwenden, dass Cristiano mit ihr um den halben Globus gereist war, um mit ihr zusammen zu sein. Sie küsste ihn, genoss sein Aroma. Ihre Küsse waren anders, intensiver. Seit sie daheim war, erschien ihr die Beziehung realer. Er hatte sich zu ihr bekannt, das machte es besser. „Ich nehme an, du möchtest beizeiten mein altes Zimmer sehen?“, fragte sie mit anzüglicher Stimme. Cristiano ging sofort darauf ein und hob erwartungsvoll die Augenbrauen. „Das ist richtig.“ Sie stand auf und reichte ihm die Hand. „Dann komm mal mit“, schnurrte sie. Cristiano strahlte wie ein Honigkuchenpferd und tat genau das. KAPITEL SECHS Keira erwachte am nächsten Morgen mit einem schweren Kopf. Aber sobald sie sich umdrehte und Cristianos wunderbares Gesicht erblickte, seufzte sie zufrieden. Die letzte Nacht war hinreißend gewesen und hatte all ihre Bedenken ausgeräumt. Es war ein Jammer, dass sie zur Arbeit musste und er allein zurückblieb. Sie schlüpfte aus dem Bett, darauf bedacht, ihn nicht zu wecken, und betrat den Flur. Alles war noch dunkel, als sie Richtung Bad schlurfte. Bei ihrer Mutter zu duschen, fühlte sich merkwürdig an. Keira konnte sich nicht erinnern, wann sie das letzte Mal hier übernachtet hatte. Jedenfalls nicht innerhalb der letzten zwei Jahre, denn da lebte sie mit Zachary zusammen. Während sie das warme Wasser auf der Haut genoss, fragte sie sich, ob ihre Mutter vielleicht recht hatte. Vielleicht kümmerte sie sich nicht so sehr um sie, wie sie sollte. Cristianos Beziehung zu seinen Eltern war bewundernswert. Aber Keira hatte ihre Karriere immer über alles andere gestellt, und die Beziehung zu ihrer Mutter daher vernachlässigt. Sie konnte einiges von ihm lernen, stellte sie fest. Sie beendete schnell das Duschen und schlang sich eines der Handtücher ihrer Mutter um, bevor sie den Flur betrat. Auf dem Weg zurück zum Zimmer hörte sie Geräusche aus der Küche. Neugierig lugte sie durch die Tür. „Mom?“ Ihre Mutter stand da, im Bademantel, und gähnte. „Guten Morgen, mein Liebling. Kaffee?“ Keira lächelte ihre Mutter an. „Bist du extra früh aufgestanden, um mir Kaffee zu machen?“ Sie war gerührt. Sie hatte sich innerlich darauf eingestellt, unterwegs etwas auf die Hand zu nehmen. „Ich bekomme schließlich nicht jeden Tag die Gelegenheit dazu“, erwiderte Mallory. Keira betrat die Küche und küsste ihre Mutter auf die Wange. „Danke, das ist wirklich nett von dir.“ Mallory wirkte überrascht. „Ich glaube, Cristiano hat einen sehr guten Einfluss auf dich.“ „Der Gedanke ist mir auch schon gekommen.“ Sie kehrte zurück in ihr Zimmer und zog sich in der Dunkelheit an, während Kaffeeduft sich im ganzen Apartment ausbreitete. Als sie aus dem Zimmer trat, wurde es draußen gerade hell. „Schläft er noch?“, fragte Mallory, als Keira in die Küche zurückkehrte. „Ja.“ Sie nahm den Kaffee, den die Mutter ihr reichte, und nippte daran. Er war etwas bitter, aber so früh am Morgen konnte sie von ihrer Mutter wohl kaum einen perfekten Kaffee erwarten. „Du wirst ihn nicht mit Fragen bombardieren, sobald er aufgestanden ist, oder?“ Mallory machte ein tadelndes Geräusch. „Liebling, wir müssen doch wissen, wer er ist. Du kannst nicht einfach jeden Monat deine Liebe für einen Anderen verkünden und nicht erwarten, dass wir ein bisschen misstrauisch werden.“ Keira seufzte schicksalsergeben. „Na gut, Mom. Das verstehe ich. Ich benehme mich in letzter Zeit etwas verrückt. Vergraule ihn aber bitte nicht.“ Sie trank den Kaffee aus und küsste ihre Mutter erneut auf die Wange. „Ich habe dich lieb. Danke für das Essen.“ Dann beeilte sie sich, die U-Bahn zur Arbeit zu erwischen. * Eine ganze Stunde in der U-Bahn zu verbringen, war keine gute Art, den Tag zu beginnen. Als Keira endlich ausstieg, fühlte sie sich schmuddelig, als hätte sie nicht am Morgen schon geduscht. Und ihre Kleidung war verknittert. Kein guter Eindruck am ersten Tag zurück im Büro. Aber als sie durch die großen Glastüren das Büro von Viatorum betrat, machte sie sich um ihre Erscheinung keine Sorgen mehr. Ihre Kollegen sprangen von ihren Stühlen und kamen eilig auf sie zu. „Keira!“, rief Denise und umarmte sie stürmisch. „Du hast es geschafft!“ „Was geschafft?“ „Unser aller Jobs gerettet!“, erklärte Denise. „Jetzt machen wir gute Gewinne. Lance meint, wir müssten dann auch nicht alles umkrempeln. Keine Ratgeberkolumne oder Rezepte.“ Sie verzog das Gesicht. „Das ist doch großartig“, erwiderte Keira lächelnd. Sie konnte nicht recht glauben, dass allein ihr Artikel das bewirkt haben sollte. „Wann lernen wir ihn denn kennen?“, fragte Denise ganz aufgeregt. „Ihn?“ „Cristiano!“ Keira entging nicht der schwärmerische Unterton ihrer Kollegin. „Nun, ich hatte eigentlich nicht vor, ihn mit ins Büro zu bringen“, gab sie zurück. Denise runzelte die Stirn. „Aber du musst. Du kannst nicht erst dafür sorgen, dass wir uns alle in ihn verlieben, und ihn uns dann vorenthalten! Ich meine, allein von deiner Beschreibung her klingt er einfach umwerfend. Ist er umwerfend?“ Nun, also … schon, aber …“, fing Keira an. „Dann musst du ihn mitbringen. Bitte, Keira.“ Keira gefiel das nicht. Cristiano war doch kein Souvenir aus dem Urlaub. Er war ihr Lover. Denise verwechselte da offenbar Fiktion und Fakten. Hatte Keira etwa aus Versehen aus Cristiano einen romantischen Protagonisten gemacht? Ihr Blick fiel auf Nina, die an ihrem Tisch saß und ihr kurz zuwinkte, dann aber weiter tippte. Sie erledigte, was sie zu tun hatte und kam dann ebenfalls zu ihr herüber. Sie umarmten sich. „Gute Arbeit bei dem Artikel, Keira. Wie gewohnt.“ Keira wurde rot. „Danke.“ „Schön, dass du wieder da bist.“ „Ja, finde ich auch.“ Keira grinste. „Es ist so lange her, dass ich sogar Spaß dran hatte, meine Wäsche zu waschen.“ Sie ging in die Richtung ihres Büros, aber Nina hielt sie am Arm fest. Keira blieb stehen. „Nicht so schnell. Elliot will dich sehen.“ „Oh?“ Keira blickte zur der offenen Tür zu seinem Büro. Sie konnte eine leichte Nervosität nicht unterdrücken. Auch wenn sie mit Elliot gut auskam, war er dennoch eine beeindruckende Persönlichkeit, was auch an seiner Größe lag. „Jetzt sofort?“ „Jap.“ Nina lächelte. Da war etwas in ihrem Blick. Sie verbarg etwas vor Keira. Das machte Keiras Unbehagen nur noch größer. Sie atmete tief durch, änderte die Richtung und ging zu Elliots Büro. Als sie eintrat, blickte er auf. Zu Keiras Erstaunen stand er auf und breitete die Arme aus, um sie zu umarmen. Keira ließ es irritiert geschehen. Es fühlte sich an, wie bei einem Kind, das einen entfernten Onkel umarmte. Diese Vertraulichkeit passte nicht zu ihm. „Meine Heldin ist wieder da“, sagte er und setzte sich wieder. „Ich nehme an, du hast die Neuigkeiten schon vernommen?“ „Was genau?“ „Die aktuelle Zahl unserer Abonnenten.“ „Nein“, gab Keira zu. „Sie steigt unaufhörlich. Lance ist begeistert. Er meint, solange das so bleibt, muss er keine Veränderungen am Magazin vornehmen. Alles kann so bleiben, wie es immer war. Solange du tust, was du tust.“ Keira wusste nicht genau, wie sie das verstehen sollte. „In welcher Hinsicht?“ „Die Artikel über die Liebe. Der Romantik-Guru.“ Keira spürte plötzlich eine Enge in der Brust. Hatte Elliot ihren letzten Artikel überhaupt gelesen? Sie war verliebt. Echt verliebt in einen realen Menschen, der mit ihr zusammen sein wollte. Nicht wie Shane, der andere Prioritäten gehabt hatte. Cristiano war wirklich mit ihr um die halbe Welt gereist, hatte seine Heimat, seine Familie, seine Arbeit und sein Land zurückgelassen. Es gab keinen Romantik-Guru mehr. Jedenfalls nicht, wenn man von ihr erwartete, sich in jemand anderes zu verlieben. „Tut mir leid“, sagte sie. „Soll ich demzufolge einen weiteren Artikel als Romantik-Guru verfassen?“ „Natürlich“, erwiderte Elliot verwirrt. „Das ist, was alle wollen. Unsere Leser. Sie lieben es. Können gar nicht genug davon bekommen. Unersättlich. Wir müssen da am Ball bleiben. Daher schicken wir dich umgehend wieder auf die Reise.“ Keiras Unbehagen wurde zur ausgewachsenen Panik. „Nein“, japste sie. „Das geht nicht. „Ich bin erst seit zwei Tagen wieder da!“ Wie lange würde Bryn wohl brauchen, um ihre Klauen in Cristiano zu schlagen? Oder Maxine? Ihre Mutter würde ihn vergraulen. Sie konnte nicht einfach wieder abreisen! Elliot wirkte aufrichtig verwirrt. „Keira, es ist alles bereits geplant“, sagte er rundheraus. „Heather hat den Flug schon gebucht. Paris, Keira. PARIS. Das ist bisher der beste Auftrag und wir servieren ihn dir auf dem Silbertablett. Die anderen da draußen würden töten für diesen Auftrag.“ „Tut mir leid“, stammelte Keira. „Aber ich kann nicht. Ich liebe Cristiano aufrichtig. Das ist kein Spiel für mich. Ich möchte ihn nicht zurücklassen. Und ich möchte nicht verreisen und versuchen, jemand anderes für die Liebe zu finden.“ Sie holte tief Luft. „Wenn es das ist, was man von mir erwartet, dann kündige ich lieber.“ Elliot schüttelte den Kopf und hielt den Blick gesenkt. Zu ihrem Erstaunen bebten seine Schultern. Weinte er etwa? Wie wusste, wie eng es um das Magazin gestanden hatte, und wie viel er für Viatorum aufs Spiel gesetzt hatte, wie viel das Magazin ihm bedeutete. Aber es ging hier auch um ihr eigenes Leben. Sicher konnte jemand anderes die Rolle des Romantik-Gurus übernehmen? Sie konnten sogar so tun, als sie es gewesen, das war ihr egal. Was kümmerte es die Leser schon, wer dahinter steckte? Aber dann bemerkte sie, dass er nicht weinte, sondern lachte. Sie bekam schlechte Laune, da sie nicht verstand, was so lustig war. „Keira“, sagte Elliot schließlich. „Ich verlange doch nicht, dass du Cristiano verlässt. Ich möchte, dass ihr das beide gemeinsam macht!“ Keira hielt inne, vollkommen aus der Bahn geworfen. „Gemeinsam?“ „Ja!“, rief Elliot. „Unsere Leser lieben ihn. Sie malen Bilder von ihm und posten sie online! Alle reden über ihn im Forum.“ „Forum?“, wiederholte Keira. Sie konnte nicht glauben, was er da sagte. Hatte sie wirklich ein so wunderbares Bild von ihrem italienischen Reiseführer gezeichnet, dass er dadurch zu einer Art Held geworden war? „Ich verstehe es nicht“, sagte sie. „Wir sollen wirklich gemeinsam verreisen?“ „Eure Liebesgeschichte ist ein Hit, Keira. Die Leute wollen wissen, wie es weitergeht. Hashtag Team Shane oder Hashtag Team Cristiano. Wen wird sie heiraten?“ „HEIRATEN?“, rief Keira. „Was geht denn da ab? Ich glaube, ihr seid da alle etwas voreilig. Ich kenne Cristiano doch erst seit ein paar Wochen. Ich denke nicht ans Heiraten. Und er auch nicht!“ Sie verschränkte die Arme abwehrend vor der Brust. Sie war doch kein Spektakel! Elliots Stimme wurde sanfter, offenbar erkannte er, dass sie nicht so begeistert war, wie er sich das vorgestellt hatte. „Keira, wir wollen einfach mehr von euch beiden sehen. Wie wird es in Paris für euch sein? Kann die Liebe an einem neuen Ort bestehen? In seiner Heimat Italien funktionierte es natürlich. Und hier, in deiner vertrauten Umgebung natürlich auch. Aber an einem für euch beide fremden Ort? Sozusagen auf neutralem Boden? Kann die Liebe da bestehen?“ Keira war vollkommen verblüfft. „Du möchtest meine Beziehung einem Stresstest unterziehen, um zu sehen, ob sie hält?“ Elliot legte den Kopf schief. Offenbar hatte er es von dieser Seite noch nicht betrachtet. „Nun, ich gehe natürlich nicht davon aus, dass die Beziehung daran zerbricht. Ich bin nur neugierig.“ „Neugierig“, wiederholte Keira. Sie war inzwischen ziemlich wütend. „Das ist mein Leben, Elliot. Mein echtes, reales, tatsächliches Leben. Ich bin keine Laborratte.“ Elliot schüttelte den Kopf. „Ich kann mich nicht gut ausdrücken. Schau, es geht doch nur darum, dass du mit dem Mann einen Monat in Paris verbringst. Ihr reist herum, seid verliebt. Du schreibst alles auf. Die Leser sind glücklich. Ihr beide seid glücklich. Ich bin glücklich. Punkt. Ende.“ „Aber es ist nicht das Ende, nicht wahr?“, hakte Keira nach. „Weil du nämlich auf einen Konflikt lauerst. Du willst die Latte höher legen.“ „Es ist einfach der ideale Blickwinkel“, sagte Elliot ruhig. „Um zu sehen, ob ihr beide gestärkt in eurer Liebe daraus hervorgeht.“ Keira bezweifelte nicht, dass ihre Beziehung einen Monat in Paris überstehen würde. Sie war sicher, dass sie bestehen würde. Was sie störte, war die Art und Weise, wie Elliot darüber redete. Als sei sie Teil eines Experiments oder eines Drehbuchs, anstatt eine reale Person mit echten Gefühlen. Elliot stützte sich mit den Armen auf den Tisch. „Keira, wie sieht denn dein Leben in New York aktuell aus? Du hast nicht mal eine Wohnung, wohnst bei deiner Mutter.“ „Woher weißt du das?“, stammelte sie. „Ich habe meine Quellen“, antwortete er achselzuckend. Sie erinnerte sich daran, wie ihre Mutter sie in Italien angerufen hatte, um sie zu überzeugen, nicht zu kündigen. Elliot hatte diesen Anruf veranlasst. „Hast du mit meiner Mutter gesprochen?“, fragte sie misstrauisch. Er sah schuldbewusst drein, tat aber ganz unschuldig. „Mallory und ich reden hin und wieder.“ Keira sog scharf die Luft ein. Wieso mischte sich ihre Mutter so sehr in ihr Leben ein? „Also“, fuhr Elliot fort und wischte das Thema damit vom Tisch. „Eine Reise nach Paris würde dir viel mehr Privatsphäre geben. Nur ihr beide, einen ganzen Monat lang. Keine Schwester, eine Mutter, die sich einmischen.“ Es klang gut, dachte Keira. Was machte es schon für einen Unterschied, ob sie ihre Beziehung in New York oder in Paris auslebten? Abgesehen von all den Menschen hier, die Cristiano unbedingt treffen wollten. In Paris hätten sie ihre Ruhe. Sie wären geradezu anonym unterwegs. „Nach diesem Artikel kann ich die Zügel bei Viatorum vielleicht etwas lockern und dich befördern. Dann kannst du dir deine eigenen Aufträge aussuchen. Wenn es läuft und wir den richtigen Ton treffen für den Romantik-Guru, dann überlasse ich dir die Kontrolle über das ganze Projekt. Keine Sachen mehr auf den letzten Drücker, kein Antonio mehr.“ Keira verzog das Gesicht, als sie an ihren ersten Reiseführer in Italien dachte. Der übergewichtige, nach Käse stinkende, schlecht gelaunte Antonio. „Meinst du das im Ernst?“, fragte sie. „Nur noch diesen einen Auftrag mit Cristiano und dann kann ich selbst entscheiden, welche Richtung der Romantik-Guru nimmt?“ „Wenn du auch weiterhin um die Welt reist und Artikel schreibst, ist mir egal, wohin.“ Keira wollte ihn auf die Probe stellen. „Australien?“ „Wieso nicht?“ „China?“ „Wenn du das willst.“ „Antarktis?“ „Solange du verliebt bist, während du da bist, kümmert mich alles andere nicht. Oder unsere Leser. Am Ende können wir aus all deinen Artikeln vielleicht sogar ein Buch machen.“ Keira lehnte sich zurück und überdachte die Aussichten gründlich. Wenn sie es richtig anstellte, würde sich vieles für sie verbessern. Nur noch einen Artikel unter Elliots Kontrolle, dann wäre sie unabhängiger. Und Autorin eines Buches zu werden, war ein echter Anreiz. Sie und Cristiano könnten die ganze Welt bereisen. Keine Spielereien mehr über Kuppelei und Liebestests. Sie könnte ihre eigene Liebesgeschichte schreiben. Außerdem war es in New York derzeit wirklich etwas anstrengend. Bryns Couch oder ihr altes Kinderzimmer. Daran war nichts Romantisches. Aber Paris. Paris! Zum ersten Mal spürte sie das aufgeregte Kribbeln bei dem Gedanken, gemeinsam mit Cristiano die Stadt der Liebe zu erkunden. Küsse unterm Eiffelturm, verregnete Gehwege, Croissants in antiken Cafés, der Blick über die Seine, Museen, Kunst, Kultur, Architektur. Und dann drängte sich ihr ein anderes Bild hartnäckig auf: Cristiano auf einem Knie, mit einem glänzenden Ring in der Hand. Sie hatte nicht an Heirat gedacht, bis Elliot es erwähnt hatte. Aber was, wenn ein Monat in Paris mit einem Ring endete? Es konnte sicherlich nicht schaden. „Okay“, sagte sie schließlich. „Ich mache es.“ KAPITEL SIEBEN Sobald ihre Besprechung mit Elliot beendet war, schnappte sich Keira ihr Handy und eilte nach draußen, um Cristiano anzurufen. Die Straßen waren verstopft mit Autos und Menschen wie eh und je. Der Gedanke, das zurückzulassen, erfüllte Keira mit Aufregung. Sie wählte seine Nummer und er ging nach einem kurzen Moment dran. „Ich habe Neuigkeiten“, sagte sie. „Oh, du bist aber nicht schwanger, oder?“ „Nein!“, rief Keira lachend. „Wir reisen nach Paris!“ „Tun wir das?“ Er klang begeistert. „Jap. Mein neuer Auftrag. Sieht so aus, als würden unsere Leser dich lieben und wollen, dass du mitkommst. Was meinst du dazu?“ „Das ist fantastisch. Ich kann es kaum erwarten. Wann geht es los?“ „Morgen.“ Sie biss sich auf die Lippen, weil sie nicht wusste, wie er das aufnehmen würde. Aber sie hätte sich keine Sorgen machen müssen. „Wow. Das ist der Wahnsinn!“ Im Hintergrund hörte sie Hupen und Sirenen. „Wie läuft deine Erkundungstour durch New York?“, fragte sie. „Großartig“, rief er mit kindlichem Enthusiasmus. „Ich bin mit der U-Bahn herumgefahren, in ein paar Parks spazieren gegangen, jetzt bin ich an einem Ort, der nennt sich Teardrop Park.“ Keira war erstaunt. „Das ist gleich um die Ecke von meinem Büro.“ „Ach ja?“ Cristiano schien ebenso überrascht. „Ja. Dann komm doch vorbei und besuche mich.“ Sie dachte daran, wie sehr ihn alle hier kennenlernen wollten. „Ich kann dich ein paar Leuten vorstellen.“ „Das wäre toll.“ Keira erklärte ihm den kurzen Weg zum Büro. Ein paar Minuten später sah sie ihn um die Ecke biegen. Seine Schönheit machte sie wie immer sprachlos und ließ ihren Puls beschleunigen. Als er bei ihr ankam, warf sie ihm die Arme um den Hals und küsste ihn. Dann nahm sie ihn bei der Hand und führte ihn hinein. „Leute, das ist Cristiano“, verkündete sie. Alle kamen herüber, um ihn zu begrüßen. Denise sah aus, als treffe sie einen Promi. Lisa war kurz vor einer Ohnmacht. Keira spürte zum ersten Mal die Erregung, mit jemandem zusammen zu sein, der von allen bewundert wurde, anstatt die Angst, jemand könnte ihn ihr wegnehmen. Elliot kam aus seinem Büro und musterte Cristiano von oben bis unten. Offenbar gefiel ihm, was er sah und er schüttelte Cristianos Hand. „Hat Keira dir schon die Neuigkeiten mitgeteilt?“, fragte er. „Wegen Paris? Ja, und ich kann es nicht erwarten. Danke, dass ich mitkommen darf. Das ist ein Traum, der wahr wird. Ich darf mit der Frau, die ich liebe, um die Welt reisen.“ Er legte seinen Arm um Keira. Denise und Lisa gerieten sichtlich ins Schwärmen. Nina kam ebenfalls, um ihn zu begrüßen. Immerhin besaß sie genug Anstand, um nicht gleich zu sabbern bei seinem Anblick. Sie schüttelte ihm einfach herzlich die Hand. Aber in ihrem Blick lag ein Glanz, der Keira misstrauisch machte. „Wusstest du, dass Stelle heute ins Büro kommt?“, fragte Nina. „Stella, die Cover-Designerin? Nein, wieso?“ Ninas Blick war komplett auf Cristiano gerichtet, als würde sie seine Maße nehmen. „Ich überlege, ob wir von euch beiden ein Foto machen sollten. Das würde sich gut im Magazin in der Seitenspalte des Artikels machen.“ Keira zögerte. Im Augenblick war es ihr Bild, das die Artikel zierte. Sie war immerhin die Autorin. Es waren ihre Worte, nicht die von Cristiano. „Ich weiß nicht“, sagte sie ein wenig eingeschnappt. „Du hast recht.“ Nina nickte. „Die Seitenspalte ist zu klein. Ihr beide solltet auf dem Cover sein.“ Elliot klatschte begeistert in die Hände. „Einen Moment mal“, rief Keira schockiert. Sie sah Cristiano an. „Wir können nicht auf das Cover.“ Offenbar fand Cristiano den Gedanken aber weniger abschreckend als Keira. Nina und Elliot ignorierten ihren Protest, besprachen bereits die Details und betrachteten Cristiano, als sei er eines der Star-Models, die Stella für ihre Shootings anheuerte. „Leute!“, rief Keira. „Wir werden das nicht machen.“ Elliot schaute sie irritiert an. „Deine Artikel sind besonders gefragt. Sie bringen uns derzeit die meisten neuen Abonnenten.“ Es klang aus seinem Mund furchtbar einfach und logisch. „Nina, vielleicht sollten wir ihr die letzte Marktanalyse zeigen?“, schlug er vor. „Ich brauche keine Statistik, um das zu entscheiden“, erklärte Keira. „Ich will nicht auf das Cover, Punkt. Ich sehe nicht danach aus. Es gibt einen Grund, warum sich manche Leute lieber hinter einem Laptop verstecken.“ „Sei nicht albern, Keira“, rief Cristiano. „Du bist wunderschön. Du erkennst das nur einfach nicht. Ein professionelles Foto-Shooting wäre genau das Richtige, um deinem Ego ein wenig unter die Arme zu greifen.“ Keira schüttelte stumm den Kopf. Das konnte doch nicht wahr sein. Ihr Alptraum war im Begriff Wirklichkeit zu werden. Sie dachte an Bryn, die wirklich gut aussah. Sie sähe neben Cristiano nicht so farblos aus. In diesem Moment öffneten sich die Türen und Stella kam herein, die große, schwarze Kameratasche über der Schulter. Das allein schüchterte Keira schon ein. Nina winkte sie zu sich. „Wir haben gerade mit Keira und Cristiano über ein Cover gesprochen. Hättest du heute Zeit dafür?“ „Absolut“, sagte Stella und schaute Cristiano wohlwollend an. Keira fühlte sich noch elender. Es ging allen nur um ihn, nicht um sie. Sie würde die Bilder ruinieren. „Komm schon, Liebling“, sagte Cristiano sanft. „Das ist doch spaßig. Daran können wir uns später immer erinnern. Etwas, das wir unseren Eltern zeigen können. Und eines Tages unseren Kindern.“ Keira ließ sich von seinen sanften Worten einlullen. Wenn Cristiano von ihren zukünftigen Kindern sprach, hieß das immerhin, dass er plante, langfristig zu bleiben. Vielleicht war es wirklich ganz nett, Fotos zu haben, auf denen sie noch jung und faltenfrei waren. „Was muss ich denn machen?“, fragte sie Stella und gab ein Stück weit nach. „Es geht um Frankreich, also dachte ich an ein romantisches Film-Szenario in schwarz-weiß. Dächer, die Skyline, im Hintergrund der Eiffelturm. Ein schickes Kleid, ein romantischer Kuss.“ „Ein Kuss?“, stöhnte Keira. Die Anspannung kehrte zurück. „Aber in schwarz-weiß“, sagte Cristiano grinsend. „Jeder sieht perfekt aus in schwarz und weiß.“ Er nahm ihre Hand und zog sie sanft mit sich, hinüber zu der Zone, die für die Fotos vorbereitet war. Helle Lampen beleuchteten einen weißen Hintergrund, links und rechts standen ebenfalls weiße Wände. Eine Frau für das Make-up war ebenfalls da, die bereits an ein anderes Model Hand anlegte. Außerdem gab es eine gut gefüllte Kleiderstange. „Oh mein Gott“, murmelte Keira. Stella sprach kurz mit der Make-up-Künstlerin. Keira konnte nicht hören, worüber sie sprachen, aber dann blickten beide zu ihr. Natürlich müsste man bei ihr einiges machen, bevor man sie fotografieren konnte. Nicht so bei Cristiano, der schon kamerafein aus dem Bett stieg. Nach einem kurzen Gespräch der Make-up-Künstlerin mit dem Model, stand dieses auf, ging zu einer Couch und setzte sich schmollend. Offenbar gefiel es ihr nicht, mitten im Schminkprozess unterbrochen zu werden. Keira blickte ihr nach, sah ihren perfekten Körper und die langen Beine. Sie war so groß, im Gegensatz zu Keira, die noch unter dem Durchschnitt lag. Stella kam herüber und nahm Keira bei der Hand. „Ein gratis professionelles Makeover“, sagte Cristiano achselzuckend. „Allein das ist es mir schon wert.“ Keira biss die Zähne zusammen und folgte Stella zum einem Stuhl. „Ich muss nicht viel machen“, erklärte die Make-up-Künstlerin. „Wir wollen den Classic Look. Schwarz-weißer Movie-Style. Nur ein wenig Mascara und ein bisschen Lippenstift.“ Keira hatte keine Wahl, sie spielte mit. Nachdem sie mit dem Make-up und der Frisur durch waren, zog sie ein hübsches blaues Kleid mit Spitzenbordüren an. „Es ist zu lang“, sagte Keira und schaute auf den Stoff zu ihren Füßen. „Das geht schon“, erklärte Stella. „Du stellst dich einfach hier drauf.“ Keira blickte zur Seite und sah einen gebastelten Schornstein inmitten eines gebastelten Daches. Sie würden sich also über den Dächern von Paris küssen für dieses Foto. Das schüchterte Keira noch mehr ein. Sie wurde zu Cristiano zurückgebracht, der inzwischen dunkle Hosen und ein gestreiftes Hemd trug, das Haar wie in einem alten Film zur Seite frisiert. Er sah umwerfend aus, wie üblich. Wenn es überhaupt irgendetwas Positives an dieser ganzen Sache gab, dann war es dieser Anblick. Sie betraten das Set und hörten Stellas Anweisungen zu. Keira sollte auf dem Schornstein stehen, ein Bein gebeugt, und Cristiano küssen. Es war entwürdigend. Sie fühlte sich so unwohl in dieser unnatürlichen Haltung und sollte dann auch noch auf Kommando küssen. Cristiano hingegen schien Spaß an der Sache zu haben. „Wie kann dir das gefallen?“, fragte sie ihn. „Ich darf dich wieder und wieder küssen“, meinte er. „Was sollte mir daran nicht gefallen?“ Eine ganze Gruppe weiblicher Zuschauer stand hingerissen in der Nähe und schaute zu. Sie konnte die Stadt gar nicht schnell genug verlassen, dachte Keira. Sie wollte, dass alles wieder so war wie anfangs, als sie nur zu zweit waren, anstatt dass jeder ein Stück von Cristiano haben wollte. Endlich hörte das Blitzlicht auf. „Ich denke, wir haben es“, verkündete Stella. Cristiano half ihr von dem Schornstein runter und sie gingen zu Stella, um sich das Ergebnis anzuschauen. „Denkt euch die Skyline von Paris. Die fügen wir nachträglich ein.“ Wäre Keira nicht in den Bildern gewesen, hätten sie ihr wahrscheinlich gefallen. Sie waren romantisch und die Chemie zwischen ihr und Cristiano war echt. Auch wenn es ihr die ganze Zeit nur peinlich gewesen war, hatte Stella es dennoch geschafft, diesen besonderen Moment einzufangen. Aber es war eben immer noch sie in diesem Bild. Nicht nur Cristiano, der aussah, wie ein französischer Filmstar. „Ist es nicht wunderbar gelungen?“, fragte Stella. „Ihr werdet in Kürze Celebrities sein.“ Cristiano vielleicht, dachte Keira. Er war eindeutig der Star in dem Foto. Und der Star des Artikels, wie es aussah. Was, wenn er durch all das hier jemand Besseres fand? Sie fragte sich, was passieren würde, wenn sie sich trennten. Diese Bilder wären eine furchtbare Erinnerung. Und peinlich. Auf einem Cover zu sein, ihre Liebe zu einem Mann zu gestehen, der sie für jemand Besseres verlassen hatte. Elliot zog Keira an die Seite. „Ich habe darüber nachgedacht, was du eben in meinem Büro gesagt hast. Dass das hier dein Leben ist. Vielleicht haben wir dich zeitlich zu sehr unter Druck gesetzt. Wie wäre es, wenn du den Rest des Tages frei nimmst? Hier im Büro brauchen wir dich heute nicht mehr und dann hättest du genug Zeit, um alles in die Wege zu leiten, dich von der Familie zu verabschieden, so was.“ „Du hast doch einfach nur Angst, dass ich wieder Heimweh kriege und kündigen will.“ Keira durchschaute seine Absichten sofort. „Ich will, dass du glücklich und entspannt bist“, sagte er wenig überzeugend. Aber Keira wollte das nicht diskutieren. Sie hatte längst genug davon, dass alle um Cristiano herumscharwenzelten. Sie ging zu ihm herüber, wo eine Gruppe von Schreiberlingen von den gelungenen Bildern schwärmten. Sie nahm ihn am Arm. „Wir haben den Rest des Tages für uns“, sagte sie. „Lass uns gehen.“ „Okay.“ Cristiano ließ sich bereitwillig von ihr fortziehen. Er winkte den Mitarbeitern zum Abschied zu. „Ich schätze, wir sehen uns mal wieder. War nett, euch alle kennenzulernen. Ciao.“ Sie ließen ihn nicht aus den Augen, bis er durch die Tür war. Sobald sie draußen auf der Straße standen, atmete Keira tief durch. Das war alles derart anstrengend gewesen, dass sie wirklich den Rest des Tages zur Erholung brauchte. Sie gingen zur U-Bahn. Aber sie waren noch nicht die Straße runter, da bekam Keira die erste von einer ganzen Reihe von E-Mails von Nina, dann von Elliot, von Heather, mit dem Zeitplan für Paris, Flugzeiten, Hoteldetails. Von wegen, den Rest des Tages frei haben. Sie waren gerade auf dem Weg die Treppen runter zur U-Bahn-Station, als Keiras Handy schon wieder summte. Aber dieses Mal war es eine Textnachricht. Zu ihrer Überraschung von Zachary. Einen Moment lang hoffte sie, es wäre endlich die Bestätigung, dass sie ihr Geld zurück bekommen würde, aber das erledigte sich sofort, als sie die Nachricht las. Hey K. Schlechte Neuigkeiten. Mein Cousin meint, es müsste eine Menge renoviert werden in unserem alten Apartment. Daher behält er die Kautionssumme. Tut mir leid. Lass uns mal auf einen Drink treffen, wenn ich wieder in New York bin, ja? Keira kochte vor Wut, als sie das las. Was für eine Frechheit! Sie brauchte das Geld, um eine neue Wohnung zu mieten und Zach wusste das ganz genau. Es war undenkbar, dass sie im Apartment Schäden im Gegenwert von tausenden von Dollar hinterlassen haben sollten. Entweder log Zach oder der Cousin steckte mit ihm unter einer Decke. Allein die Art, wie er ihr beiläufig mitteilte, dass sie es nicht wiederkriegen würde. Als sei es nur eine kleine Unbequemlichkeit. Und sie dann noch zum Drink einzuladen! Конец ознакомительного фрагмента. Текст предоставлен ООО «ЛитРес». Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию (https://www.litres.ru/pages/biblio_book/?art=43697799) на ЛитРес. Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.