Für Immer und Ewig 
Sophie Love


Die Pension in Sunset Harbor #2
Sophie Loves Fähigkeit, bei ihren Lesern Magie zu bewirken, zeigt sich in ihrem höchst inspirierenden Ausdruck und den gedankenanregenden Beschreibungen…FÜR JETZT UND FÜR IMMER ist der perfekte Liebes- oder Strandroman, der sich von anderen abhebt: seine mitreißende Begeisterung und die wunderschönen Beschreibungen machen deutlich, wie komplex die Liebe und auch die Gedanken der Menschen sein können. Dieses Buch ist perfekt geeignet für Leser, die nach einem Liebesroman mit Tiefgang suchen. Midwest Book Review (Diane Donovan zu Für jetzt und für immer) Ein sehr gut geschriebener Roman, in dem es um die inneren Kämpfe geht, die eine Frau (Emily) durchstehen muss, um ihr wahres Ich zu finden. Der Autorin gelang die Ausarbeitung der Charaktere und die Beschreibung der Handlung wunderbar. Romantik ist zwar Teil der Geschichte, doch sie ist nicht erdrückend. Ein Lob an die Autorin für diesen wunderbaren Auftakt einer Reihe, die verspricht, äußerst unterhaltsam zu werden. Books and Movies Reviews, Roberto Mattos (zu Für jetzt und Für immer) FÜR IMMER MIT DIR ist das dritte Buch in der Romanreihe DIE PENSION IN SUNSET HARBOR, die mit dem Buch FÜR JETZT UND FÜR IMMER beginnt, welches Ihnen kostenlos zum Download zur Verfügung steht! Die fünfunddreißigjährige Emily Mitchell kündigte ihren Job und ließ sowohl ihre Wohnung als auch ihren Ex-Freund in New York City zurück, um in das verlassene Haus ihres Vaters an der Küste Maines zu fliehen, denn sie brauchte dringend eine Veränderung in ihrem Leben. Während sie ihre gesamten Ersparnisse in die Renovierung des historischen Hauses steckt und sich zwischen ihr und dem Grundstücksverwalter Daniel eine romantische Beziehung entwickelt, bereitet sich Emily darauf vor, die Pension am Memorial Day zu eröffnen. Doch es läuft nicht wie geplant. Emily muss schnell erkennen, dass sie eigentlich keine Ahnung hat, wie man eine Pension führt. Im Haus stehen, trotz ihrer Bemühungen, dringende Reparaturen an, die sie sich nicht leisten kann. Und auch ihr gieriger Nachbar ist immer noch darauf versessen, ihr das Leben schwer zu machen. Doch das Schlimmste kommt erst noch. Gerade als ihre Beziehung zu Daniel aufblüht, kommt ein Geheimnis ans Licht, dass alles verändern wird. Emily muss eine schwierige Entscheidung treffen, denn ihre Freunde drängen sie dazu, nach New York City zurückzukehren, und auch ihr Ex-Freund möchte sie wiederhaben. Wird sie im Haus ihres Vaters in Sunset Harbor bleiben und sich in das Kleinstadtleben stürzen? Oder wird sie ihren neuen Freunden, Nachbarn und ihrem Leben dort den Rücken zukehren – genau wie dem Mann, in den sie sich verliebt hat?FÜR IMMER MIT DIR ist das dritte Buch einer aufregenden Romanreihe, das Sie zum Lachen und Weinen bringen wird. Sie werden das Buch die ganze Nacht nicht aus der Hand legen können und sich noch einmal neu in die Romantik verlieben. Buch 4 erscheint bald.







F Ü R I M M E R U N D E W I G



(DIE PENSION IN SUNSET HARBOR—BUCH 2)



S O P H I E L O V E


Sophie Love



Sophie Love ist seit jeher ein Fan von Liebesromanen, weshalb sie sich sehr freut, ihre erste Reihe an Liebesbüchern: FÜR JETZT UND FÜR IMMER (DIE PENSION IN SUNSET HARBOR – BUCH 1) zu veröffentlichen.

Sophie würde gerne von Ihnen hören. Besuchen Sie deshalb bitte ihre Webseite www.sophieloveauthor.com (http://www.sophieloveauthor.com), um ihr eine E-Mail zu schreiben, in den E-Mail-Verteiler aufgenommen zu werden, kostenlose E-Books sowie die neuesten Nachrichten zu erhalten und um mit ihr in Kontakt zu bleiben!



Copyright © 2016 by Sophie Love. Alle Rechte vorbehalten. Außer, wie gemäß dem U.S Copyright Gesetz von 1976 ausdrücklich erlaubt, darf kein Teil dieser Veröffentlichung ohne vorherige Erlaubnis der Autorin vervielfältigt, verbreitet oder in irgendeiner Weise oder in irgendeiner Form übertragen, in einer Datenbank oder in einem Datenabfragesystem gespeichert werden. Dieses E-Book ist nur für den persönlichen Gebrauch zugelassen. Dieses E-Book darf nicht weiterverkauft oder an andere Menschen weitergegeben werden. Wenn Sie sich dieses E-Book mit einer anderen Person teilen möchten, kaufen Sie sich bitte eine zusätzliche Kopie für jeden weiteren Empfänger. Wenn Sie dieses Buch lesen, es jedoch nicht selbst gekauft haben und es auch nicht für ausschließlich Ihren Gebrauch gekauft wurde, dann geben Sie es bitte zurück und erwerben eine eigene Kopie. Vielen Dank für Ihren Respekt für die harte Arbeit dieser Autorin. Bei diesem Buch handelt es sich um Fiktion. Namen, Charaktere, Unternehmen, Organisationen, Orte, Veranstaltungen und Vorkommnisse sind entweder das Produkt der Fantasie des Autors oder sind fiktiv eingesetzt. Jede Ähnlichkeit mit reellen Personen, lebend oder tot, ist reiner Zufall. Buchumschlagabbildung Copyright STILLFX, unter Lizenz von Stutterstock.com.


BÜCHER VON SOPHIE LOVE



DIE PENSION IN SUNSET HARBOR

FÜR JETZT UND FÜR IMMER (Buch #1)

FÜR IMMER UND EWIG (Buch #2)

FÜR IMMER MIT DIR (Buch #3)


INHALT



KAPITEL EINS (#u99c672f7-02a2-5404-935f-212d97ee578e)

KAPITEL ZWEI (#ud3d052bb-68e1-541a-8fee-1372682152fc)

KAPITEL DREI (#u5886adf8-9d2e-5b81-a26b-ffa01f026e79)

KAPITEL VIER (#u3af5e50c-7f08-553f-a15e-018f26a2b500)

KAPITEL FÜNF (#u91ef60dc-a5e4-52ff-9abc-6662808bd964)

KAPITEL SECHS (#u4b5791ee-c855-58f2-a8c4-180cf5932a1f)

KAPITEL SIEBEN (#u477639b8-87dd-5589-a9dd-d778fbbd7b01)

KAPITEL ACHT (#ue0bc9ada-7b5e-5c3e-acc8-69b746531d5a)

KAPITEL NEUN (#litres_trial_promo)

KAPITEL ZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL ELF (#litres_trial_promo)

KAPITEL ZWÖLF (#litres_trial_promo)

KAPITEL DREIZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL VIERZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL FÜNFZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL SECHZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL SIEBZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL ACHTZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL NEUNZEHN (#litres_trial_promo)

KAPITEL ZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL EINUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL DREIUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL VIERUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL SECHSUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL ACHTUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL NEUNUNDZWANZIG (#litres_trial_promo)

KAPITEL DREISSIG (#litres_trial_promo)




KAPITEL EINS


&bdquo;Guten Morgen.“

Emily rührte sich und öffnete die Augen. Der Anblick vor ihr war das schönste, was sie sich vorstellen konnte: Daniel lag inmitten der weißen Bettlaken und die Morgensonne zeichnete einen Heiligenschein um sein zerzaustes Haar. Sie holte tief und zufrieden Luft und fragte sich, wie ihr Leben so perfekt geworden war. Nach so vielen Jahren voller Probleme fühlte es sich so an, als ob ihr das Schicksal endlich eine Pause gönnen würde.

&bdquo;Guten Morgen.“ Sie erwiderte sein Lächeln, dann musste sie gähnen.

Sie kuschelte sich zurück unter die Decke, wobei ihr so gemütlich war und sie sich so warm und entspannt fühlte wie noch nie zuvor. Die stille Ruhe eines Morgens in Sunset Harbor stellte solch einen starken Kontrast zu dem geschäftigen Treiben ihres alten Lebens in New York City dar. Daran könnte sich Emily gewöhnen – an das Geräusch der sich brechenden Wellen in der Ferne, den Geruch des Meeres und an den wunderbaren Mann, der neben ihr im Bett lag.

Sie stand auf und ging zu den großen französischen Türen, die auf einen Balkon hinausführten, welche sie öffnete, damit sie den warmen Sonnenschein auf ihrer Haut spüren konnte. Das Meer glitzerte in der Ferne und Sonnenstrahlen erleuchteten das große Schlafzimmer hinter ihr. Als Emily vor sechs Monaten angekommen war, war es noch eine staubige Ruine gewesen. Nun jedoch war es mit seinen weißen Wänden und der hellen Bettwäsche, dem weichen Teppich, dem wunderschönen Himmelbett und den sorgsam restaurierten Antiquitäten auf den Nachtischschränkchen ein wunderbarer Hafen der Ruhe. Während die Sonne so auf ihr Gesicht schien, hatte Emily zum ersten Mal das Gefühl, dass alles perfekt wäre.

&bdquo;Bist du bereit für deinen großen Tag?“, fragte Daniel vom Bett aus.

Emily zog die Augenbrauen zusammen, ihre Gedanken waren vom Schlaf immer noch zu benebelt, um zu verstehen, was er meinte.

&bdquo;Mein großer Tag?“

Daniel grinste.

&bdquo;Dein erster Kunde. Erinnerst du dich nicht mehr?“

Emily brauchte einen Moment, um ihre Gedanken zu ordnen. Doch dann erinnerte sie sich daran, dass ihr erster Gast, Mr. Kapowski, im Zimmer am Ende des Korridors schlief. Das Haus, das sie seit sechs Monaten renovierte, war von einem Familienheim in ein Unternehmen umgewandelt worden, was bedeutete, dass sie Frühstück richten musste.

&bdquo;Wie spät ist es?“, wollte sie wissen.

&bdquo;Acht“, antwortete Daniel.

Emily versteifte sich.

&bdquo;Acht?“

&bdquo;Ja.“

&bdquo;Oh Nein! Ich habe verschlafen!“, schrie Emily und rannte wieder vom Balkon in das Schlafzimmer. Sie schnappte sich den Wecker und schüttelte ihn wütend. &bdquo;Du hättest mich um sechs Uhr aufwecken sollen, du dummes Ding!“

Sie stellte ihn kraftvoll auf das Nachttischschränkchen zurück, dann stürmte sie zu der Kommode, um sich Kleidung zu holen, wobei sie Oberteile und Hosen im ganzen Raum verteilte. Nichts davon sah professionell genug aus. Sie hatte ihre gesamte Bürokleidung aus ihrem alten Leben in New York weggeworfen, und jetzt besaß sie nur noch praktische Kleidungsstücke.

&bdquo;Beruhige dich“, gluckste Daniel im Bett. &bdquo;Es ist alles in Ordnung.“

&bdquo;Wie sollte es bitte alles in Ordnung sein?“, schrie Emily, während sie mit einem Bein in der Hose herumhüpfte. &bdquo;Frühstück gibt es ab sieben Uhr!“

&bdquo;Und es dauert nur fünf Minuten, ein Ei zu pochieren“, entgegnete Daniel.

Emily verharrte auf der Stelle, halb angezogen und mit einem Gesichtsausdruck, als ob sie ein Gespenst gesehen hätte. &bdquo;Glaubst du, er möchte ein pochiertes Ei? Ich habe keine Ahnung, wie man ein Ei pochiert!“

Anstatt sie zu beruhigen, versetzten Daniels Worte sie nur noch mehr in Panik. Sie zog einen zerknitterten, fliederfarbenen Pullover aus der Kommode und über ihren Kopf, wobei sich ihre Haare statisch aufluden und in alle Richtungen abstanden.

&bdquo;Wo ist mein Mascara?“, schrie Emily, während sie im Zimmer umherrannte. &bdquo;Und hör endlich auf, mich auszulachen!“, fügte sie mit einem finsteren Blick in Daniels Richtung hinzu. &bdquo;Das ist nicht witzig. Ich habe einen Gast. Einen zahlenden Gast! Und keine anderen Schuhe als Sneakers. Warum habe nur all meine High Heels weggeworfen?“

Daniel konnte sein Lachen nicht mehr länger unterdrücken.

&bdquo;Ich lache dich nicht aus“, brachte er schließlich hervor. &bdquo;Ich lache, weil ich glücklich bin. Weil es mich glücklich macht, mit dir zusammen zu sein.“

Emily hielt inne, denn seine Worte zogen an ihrem Herzen. Sie schaute zu ihm hinüber, wo er träge wie ein Gott in ihrem Bett lag. Doch sein Gesichtsausdruck machte es ihr unmöglich, lange auf ihn sauer zu sein.

Daniel wandte den Blick ab. Obwohl Emily mittlerweile daran gewohnt war, dass sich Daniel verschloss, wenn es um seine Gefühle ging, störte es sie immer noch. Ihre eigenen Gefühle waren so offensichtlich, als ob sie transparent wären. Emily zweifelte nicht daran, dass sie ihr Herz auf der Zunge trug.

Aber manchmal wusste sie nicht so genau, woran sie bei ihm war. Sie konnte sich bei ihm nie sicher sein, was sie fast schon schmerzhaft an ihre vorherigen Beziehungen erinnerte, an die Unsicherheit, die sie damals empfunden hatte, als ob sie auf dem Deck eines schaukelnden Schiffes auf hoher See stünde und sich niemals an die Wellen gewöhnen würde. Sie wollte nicht, dass sich die Geschichte mit Daniel wiederholte. Sie wollte, dass es mit ihm anders war. Aber die Erfahrung hatte ihr gelehrt, dass man im Leben nur selten das bekam, was man wollte.

Sie drehte sich, nun ganz still, wieder zu ihrer Kommode und steckte sich zwei silberne Ohrringe an.

&bdquo;Das muss reichen“, sagte sie, wobei ihr Blick von Daniels Spiegelbild zu ihrem eigenen zuckte. Jetzt sah sie nicht mehr wie ein in Panik geratenes Mädchen, sondern vielmehr wie eine zielstrebige Geschäftsfrau aus.

Entschlossenen Schrittes trat Emily zur Tür hinaus und stellte fest, dass alles still war. Der Flur im oberen Stockwerk war einfach atemberaubend, die schönen Wandleuchten und der tolle Kronleuchter fingen das Morgenlicht ein, brachen die Strahlen und verteilten sie im gesamten Flur. Der Dielenboden war zur Perfektion poliert worden und verlieh dem ganzen einen rustikalen und doch glamourösen Touch.

Emily schaute den Flur entlang zu dem Zimmer, das einmal ihr und Charlotte gehört hatte. Es zu renovieren war ihr am schwersten gefallen, weil sie das Gefühl gehabt hatte, die Erinnerung an ihre Schwester auszulöschen. Aber all die Dinge, die Charlotte gehört hatten, hatte sie an einem besonderen Platz auf dem Dachboden verstaut, und Emilys Freundin Serena, eine Künstlerin aus der Umgebung, hatte aus den Kleidern ihrer Schwester ein einzigartiges Kunstwerk geschaffen. Trotzdem war ihr nicht ganz wohl bei dem Gedanken, dass jetzt ein Fremder auf der anderen Seite der Tür schlief, ein Fremder, dem sie jetzt das Frühstück zubereiten musste. Bei all ihren Träumereien, das Haus in eine Pension umzuwandeln, hatte sie sich nie vorgestellt, wie es eigentlich sein, ausschauen oder sich anfühlen würde. Plötzlich kam sie sich schrecklich unvorbereitet vor, wie ein Kind, das vorgab, erwachsen zu sein.

So leise wie möglich schlich Emily den Flur entlang zur Treppe. Der neue, cremefarbene Teppich fühlte sich unter ihren Füßen himmlisch an und sie kam nicht umhin, ihn mit bewunderndem Blick zu betrachten. Die Umwandlung des Hauses war ein echtes Wunder. Es gab zwar immer noch Arbeit – das zweite Obergeschoss war noch ein komplettes Chaos, dort hatte sie noch keinen einzigen Raum betreten, ganz zu schweigen von den Außengebäuden, in denen es einen vernachlässigten Pool und eine Unmenge an Kartons gab, die durchgeschaut werden mussten. Aber sie war immer noch begeistert, was sie bisher mit ein wenig Hilfe der freundlichen Einwohner Sunset Harbors geschafft hatte. Das Haus fühlte sich jetzt viel freundlicher an, auch wenn es immer noch Geheimnisse in sich barg. Insbesondere ein bestimmter Schlüssel war ihr ein Rätsel. So sehr sie sich auch bemühte, sie konnte das entsprechende Schloss nicht finden. Sie hatte alle Schubladen des Schreibtisches und alle Schranktüren überprüft, doch bis jetzt war sie noch nicht fündig geworden.

Emily ging die lange Treppe hinunter, dessen poliertes Geländer nun glänzte. Der weiche Teppich sah prächtig aus und die Messingstäbe, die ihn an die Stufen drückten, passten perfekt zu dem Farbschema. Doch als sie den Boden betrachtete, fiel ihr ein Fleck auf dem Teppich auf – ein schmieriger, schlammiger Fußabdruck, der eindeutig von einem Männerstiefel stammte.

Emily hielt auf der untersten Stufe inne. Daniel sollte vorsichtiger sein, wenn er herumstapfte, dachte sie.

Doch dann erkannte sie, dass der Fußabdruck in die andere Richtung, nämlich zur Eingangstür, zeigte, was bedeutete, dass jemand hinuntergegangen sein musste. Aber wenn Daniel noch im Bett lag, dann konnte der Fußabdruck nur von ihrem Gast, Mr. Kapowski, stammen.

Emily rannte zur Eingangstür und riss sie auf. Gerade erst am Tag zuvor war Mr. Kapowski mit seinem Kombi die neue Einfahrt hinaufgefahren und hatte hier geparkt. Doch jetzt war sein Auto weg.

Sie konnte es nicht glauben.

Er war einfach abgehauen.




KAPITEL ZWEI


Panisch rannte Emily zurück ins Haus.

&bdquo;Daniel!“, rief sie die Treppe hinauf. &bdquo;Mr. Kapowski ist verschwunden! Er ist gegangen, weil ich nicht rechtzeitig aufgestanden bin, um ihm das Frühstück zu richten!“

Daniel tauchte, nur mit seiner Schlafanzughose bekleidet, am oberen Ende der Treppe auf, seine breiten Schultern und seine muskulöse Brust waren unbedeckt. Sein Haar war ein einziges Durcheinander und ließ ihn wie einen gehetzten Schuljungen aussehen.

&bdquo;Er ist wahrscheinlich nur zu Joe’s gegangen“, meinte er, während er die Stufen zu ihr hinunterstapfte. &bdquo;Immerhin hast du ihm sehr ausführlich geschildert, wie gut die Waffeln dort sind, erinnerst du dich nicht mehr?“

&bdquo;Aber ich sollte ihm doch eigentlich Frühstück richten!“, rief Emily. &bdquo;Es ist schließlich ein Bed and Breakfast, nicht nur ein Bed!“

Daniel erreichte das Ende der Treppe und nahm Emily in die Arme, die er sanft um ihre Hüfte legte. &bdquo;Vielleicht wusste er nicht, wofür das zweite B steht. Vielleicht dachte er, es heißt Bad. Oder Bananen“, scherzte er. Dann drückte er einen Kuss in ihren Nacken, doch Emily schob ihn weg und löste sich aus seinen Armen.

&bdquo;Daniel, hör auf, Scherze zu machen!“, schrie sie. &bdquo;Das ist eine ernste Angelegenheit. Er ist mein allererster Gast und ich war nicht rechtzeitig wach, um ihm das Frühstück zu richten.“

Daniel schüttelte den Kopf und verdrehte die Augen zugleich voller Liebe und Schalk.

&bdquo;Das ist doch keine große Sache. Jetzt isst er sein Frühstück stattdessen unten am Meer. Er ist schließlich im Urlaub, nicht wahr?“

&bdquo;Aber von meiner Veranda aus hat man auch Meerblick“, stammelte Emily mit dünner werdender Stimme. Sie ließ sich auf die unterste Stufe niedersinken und fühlte sich klein, wie ein Kind, das man dazu verdonnert hatte, auf der stillen Treppe zu sitzen. Dann legte sie ihren Kopf in die Hände. &bdquo;Ich bin eine schreckliche Gastgeberin.“

Daniel rieb ihre Schultern. &bdquo;Das stimmt nicht. Du bist einfach noch nicht so sicher auf den Beinen. Alles ist fremd und neu. Aber du machst das gut. Okay?“

Das letzte Wort sprach er mit einer gewissen, fast schon väterlichen Strenge aus, die Emily sofort tröstete. Sie schaute zu ihm auf.

&bdquo;Soll ich dir wenigstens ein Ei kochen?“, fragte sie.

&bdquo;Das wäre wunderbar.“ Daniel lächelte. Er legte seine Hände an ihre Wangen und drückte ihr einen Kuss auf die Lippen.

Zusammen gingen sie in die Küche. Das Geräusch der sich öffnenden Eingangstür weckte die Hündin Mogsy und ihren Welpen Rain, die im Handwerksraum auf der anderen Seite der Stalltür schliefen, auf. Emily wusste, dass sie die Hunde nicht in die Küche oder die anderen Bereiche des Hauses lassen durfte, die sie für ihre Pension brauchte. Bei diesem Punkt ließ sich nicht verhandeln, wenn sie nicht umgehend aus Gesundheits- und Sicherheitsgründen schließen wollte, doch trotzdem hatte sie ein schlechtes Gewissen, die Hunde in einem so kleinen Teil des Hauses einzusperren. Sie erinnerte sich daran, dass es nur eine Zwischenlösung war. Sie hatte es geschafft, unter ihren Freunden in der Stadt für vier von Mogsys fünf Welpen ein Zuhause zu finden, doch Rain, das schwache Nesthäkchen, ließ sich nicht so einfach verkaufen und niemand schien auch nur das geringste Interesse daran zu haben, die Mutter bei sich aufzunehmen, die, um ehrlich zu sein, ganz schön hässlich war.

Sobald die Hunde rausgelassen und gefüttert worden waren, ging Emily zurück in die Küche. In der Zwischenzeit war Daniel in den Garten gegangen, um frische Eier von den beiden Hennen Lola und Lolly zu holen, und hatte bereits eine Kanne Kaffee gekocht. Emily nahm dankbar eine Tasse entgegen und sog das Aroma ein. Anschließend ging sie zu dem großen Aga-Herd – ein weiteres Relikt ihres Vaters, das sie restauriert hatte – und machte sich daran, die Eier zu pochieren.

Unter allen Zimmern im Haus mochte Emily die Küche am liebsten. Bei ihrer Ankunft war der arme Raum von der Zeit und der Vernachlässigung schwer gezeichnet gewesen, dann war ein Sturm hindurchgefegt und hatte weiteren Schaden verursacht, und anschließend war der Toaster explodiert und hatte ein Feuer ausgelöst. Der Schaden, der durch den Rauch entstanden war, hatte eine größere Zerstörungskraft besessen als das eigentliche Feuer, welches lediglich ein Regal beschädigt und mehrere Kochbücher zerfressen hatte, wohingegen der Rauch in jeden Spalt gedrungen war und schwarze Schlieren sowie den Geruch verbrannten Plastiks zurückgelassen hatte.

In gerade einmal sechs Monaten war dem Raum alles, was nur schiefgehen konnte, zugestoßen. Doch sie hatte sich ein paar zermürbende Nächte lang abgerackert, um alles zu erneuern, und nun strahlte die Küche mit ihrem Retro-Kühlschrank und dem originalgetreuen, weißen, im Viktorianisch-Belfast Stil gehaltenen Spülbecken sowie den marmornen Arbeitsflächen einen gewissen Charme aus.

&bdquo;Anscheinend“, bemerkte Emily, während sie ihren fünften Versuch eines pochierten Eies auf Daniels Teller plumpsen ließ, &bdquo;bin ich wohl doch keine so abgrundtief schlechte Köchin.“

&bdquo;Siehst du?“, entgegnete Daniel, als er in die weiße Haut eines Eies stach, wodurch sich das goldene Eigelb auf seinem Toast verteilte. &bdquo;Ich habe es dir doch gesagt. Du solltest mir öfter zuhören.“

Emily seufzte und genoss Daniels sanften Humor. Ihr Exfreund Ben hatte sie nie auf die gleiche Weise zum Lachen gebracht wie Daniel. Er hatte sie in panischen Momenten auch nicht beruhigen können. Mit Daniel erschien es ihr, als ob sie alles schaffen könnte. Egal, ob es sich um einen Sturm oder ein Feuer handelte, er gab ihr immer das Gefühl, dass alles in Ordnung und kontrollierbar war. Seine Standfestigkeit war einer der Gründe, warum sie sich so zu ihm hinzogen fühlte. Er konnte sie auf die gleiche Weise beruhigen und trösten wie es ein Blick auf das Meer vermochte. Ihr kam ihre Beziehung wie eine reißende Flut vor, die sie nicht kontrollieren konnten, selbst wenn sie es wollten.

&bdquo;Also“, sagte Daniel, während er fröhlich sein Frühstück verdrückte, &bdquo;wenn wir hier fertig sind, sollten wir uns wohl besser fertigmachen.“

&bdquo;Für was denn?“, fragte Emily, die an ihrer zweiten Tasse dampfend heißem, schwarzem Kaffee nippte.

&bdquo;Heute findet die Memorial Day Parade statt“, erklärte Daniel.

Emily erinnerte sich vage daran, sich als Kind die Parade angesehen zu haben und wollte sie sich eigentlich wieder anschauen, doch sie hatte heute schon genug vermasselt, um sich einen Ausflug zu gönnen.

&bdquo;Ich habe hier zu viel zu tun. Ich muss das Gästezimmer richten.“

&bdquo;Das ist bereits erledigt“, erwiderte Daniel. &bdquo;Ich habe den Raum aufgeräumt, während du bei den Hunden warst.“

&bdquo;Wirklich?“, hakte Emily argwöhnisch nach. &bdquo;Hast du auch die Handtücher gewechselt?“

Daniel nickte.

&bdquo;Und die Mini-Shampoo-Fläschchen?“

&bdquo;Jap.“

&bdquo;Was ist mit den kleinen Beutelchen Kaffee und Zucker?“

Daniel zog eine Augenbraue hoch. &bdquo;Ich habe alles ausgetauscht, was ausgetauscht werden musste. Ich habe das Bett gemacht – und bevor du fragst, ja, ich weiß, wie man ein Bett macht, immerhin habe ich jahrelang alleine gelebt. Alles ist bereit für deinen Gast, wenn er zurückkommt. Gehst du nun also mit zu der Parade?“

Emily schüttelte den Kopf. &bdquo;Ich muss hier sein, wenn Mr. Kapowski zurückkommt.“

&bdquo;Du musst nicht wie eine Nanny auf ihn aufpassen.“

Emily kaute auf ihrer Lippe herum. Sie war nervös wegen ihres ersten Gastes und wollte unbedingt gute Arbeit leisten. Wenn das hier nicht funktionierte, dann müsste sie mit eingezogenem Schwanz nach New York zurückkehren, wo sie wahrscheinlich auf Amys Couch, oder sogar noch schlimmer, im Gästezimmer ihrer Mutter schlafen würde.

&bdquo;Aber was ist, wenn er etwas braucht? Mehr Kissen? Oder – “

&bdquo; – mehr Bananen?“, unterbrach Daniel sie mit einem Grinsen.

Emily seufzte und gab sich geschlagen. Daniel hatte Recht. Mr. Kapowski würde nicht von ihr erwarten, dass sie ihn auf Schritt und Tritt bediente. Wenn überhaupt, dann würde er es wahrscheinlich vorziehen, dass sie sich nicht zu sehr einmischte. Immerhin war er ja im Urlaub. Die meisten Menschen wollten in solchen Momenten einfach nur ihre Ruhe.

&bdquo;Komm schon“, drängte Daniel. &bdquo;Es wird bestimmt lustig.“

&bdquo;Na gut“, sagte Emily schließlich. &bdquo;Ich werde mitkommen.“



*



Emily sah Flaggen der USA so weit das Auge reichte. Ihr Blick war zu einer Art Kaleidoskop aus Sternen und Streifen geworden, was sie in Erstaunen versetzte. Die Flaggen hingen in jedem Schaufenster und in Form von gestrickten Girlanden von jedem Laternenmast. Es waren sogar welche an der Rückseite von Bänken befestigt. Doch all das war nichts im Vergleich zu der Anzahl an Flaggen, die von vorbeilaufenden Passanten geschwungen wurden. Jeder, der auf dem Gehsteig lief, schien eine zu besitzen.

&bdquo;Daddy“, sagte Emily und schaute zu ihrem Vater auf. &bdquo;Kann ich auch eine Flagge haben?“

Der große Mann lächelte zu ihr hinunter. &bdquo;Natürlich kannst du das, Emily Jane.“

&bdquo;Ich auch, ich auch!“, ertönte eine kleine Stimme.

Emily drehte sich um und entdeckte ihre Schwester Charlotte, um deren Hals ein grell-violetter Schal hing, der überhaupt nicht zu ihren Marienkäfer-Stiefeln passte. Sie war gerade einmal ein Kleinkind, das kaum aufrecht stehen konnte.

Die beiden Mädchen folgten ihrem Vater Hand in Hand über die Straße und in einen kleinen Laden, der hausgemachte Essiggurken und Soßen in Gläsern verkaufte.

&bdquo;Hallo Roy.“ Die Dame hinter der Ladentheke strahlte. Dann lächelte sie die zwei kleinen Mädchen an. &bdquo;Seid ihr bereit für den Feiertag?“

&bdquo;Niemand begeht den Memorial Day wie Sunset Harbor“, sagte ihr Vater mit seiner lockeren Freundlichkeit. &bdquo;Ich hätte gerne zwei Flaggen für die Mädchen, Karen.“

Die Dame holte ein paar Fahnen hinter der Theke hervor. &bdquo;Warum nehmt ihr nicht gleich drei davon?“, meinte sie. &bdquo;Dann hast du auch eine!“

&bdquo;Warum nicht vier Fahnen?“, wollte Emily wissen. &bdquo;Wir sollten Mami auch eine mitbringen.“

Roys Kiefer spannte sich an und Emily wusste sofort, dass sie etwas Falsches gesagt hatte. Mami würde keine Fahne wollen. Mami war für den Wochenendtrip nicht einmal mit ihnen nach Sunset Harbor gekommen. Sie waren nur zu dritt. Wieder einmal. In letzter Zeit schienen sie immer häufiger nur zu dritt zu sein.

&bdquo;Zwei genügen völlig“, beschloss ihr Vater mit leicht angespannter Stimme. &bdquo;Sie sind nur für die Kinder.“

Die Frau hinter der Ladentheke gab den Mädchen je eine Flagge, doch ihre Freundlichkeit wurde durch eine peinliche Unbehaglichkeit ersetzt, als sie erkannte, dass sie versehentlich eine unausgesprochene, unsichtbare Linie überkreuzt hatte.

Emily beobachtete, wie ihr Vater die Frau bezahlte und ihr dankte, wobei ihr sein gezwungenes Lächeln und seine angespannte Körperhaltung auffielen. Sie wünschte, sie hätte Mami nicht erwähnt. Sie schaute auf die Flagge in ihrer Hand, die in einem Handschuh steckte, und hatte plötzlich keine Lust mehr zu feiern.

Emily schnappte nach Luft, sie befand sich wieder auf der High Street Sunset Harbors, doch diesmal mit Daniel an ihrer Seite. Sie schüttelte den Kopf, um die herumschwirrenden Gedanken zu vertreiben. Das war nicht das erste Mal, dass sie eine verlorene Erinnerung plötzlich wiedererlangte, doch die Erfahrung erschütterte sie immer noch zutiefst.

&bdquo;Geht es dir gut?“, fragte Daniel, der sie mit besorgter Miene sanft am Arm berührte.

&bdquo;Ja“, antwortete Emily mit schwacher Stimme. Sie versuchte zu lächeln, doch schaffte es gerade einmal, ihre Mundwinkel leicht anzuheben. Sie hatte Daniel nichts davon erzählt, dass ihre Kindheitserinnerungen Stück für Stück zurückkehrten, denn sie wollte ihn nicht verschrecken.

Entschlossen, sich durch die aufdringlichen Erinnerungen nicht die Freude des Tages vermiesen zu lassen, stürzte sich Emily in die Feierlichkeiten. Seit sie diesen Tag zum letzten Mal hier verbracht hatte, waren schon viele Jahre vergangen, doch trotzdem war Emily von dem Spektakel fasziniert. Sie war verwundert, was diese Kleinstadt aus einer Feierlichkeit machen konnte. Die Traditionen der Stadt gehörte zu den Dingen, die sie mittlerweile an Sunset Harbor zu lieben gelernt hatte. Sie ahnte, dass der Memorial Day zu einem weiteren ihrer Lieblings-Feiertage werden würde.

&bdquo;Hi, Emily!“, rief Raj Patel von der anderen Straßenseite aus. Er und seine Frau Dr. Sunita Patel, die Emily mittlerweile als gute Freunde ansah, spazierten die Straße entlang.

Emily winkte ihnen zu, bevor sie sich an Daniel wandte: &bdquo;Oh, schau nur. Da sind Birk und Bertha. Und liegt da nicht Baby Katy in dem Kinderwagen von Jason und Vanessa?“ Dabei deutete sie auf den Besitzer der Tankstelle und seine behinderte Frau. Neben ihnen stand ihr Sohn, der Feuerwehrmann, der Emilys Küche vor einem Inferno gerettet hatte. Er und seine Frau hatten vor kurzem ihr erstes Kind, ein Mädchen namens Katy, bekommen und einen von Emilys Welpen als Geschenk für ihre Tochter bei sich aufgenommen. &bdquo;Wir sollten zu ihnen hinübergehen und hallo sagen“, meinte Emily, die mit ihren Freunden sprechen wollte.

&bdquo;Gleich“, erwiderte Daniel und stieß sie mit seiner Schulter an. &bdquo;Die Parade beginnt.“

Emily schaute die Straße hinunter, wo sich die Blaskapelle der High School formierte, um mit dem Festzug zu beginnen. Nun wurde die Trommel geschlagen und gleich darauf setzten die Blechblasinstrumente mit dem Lied &bdquo;When the Saints Go Marching In“ ein. Emily sah verzückt zu, wie die Band an ihr vorbeizog. Hinter ihnen liefen Cheerleader, die passende rot-weiß-blaue Kostüme trugen. Sie machten Rückwärts-Saltos und schmissen ihre Beine in die Luft, während sie der Band folgten.

Als nächstes kam eine Gruppe Kindergartenkinder, deren Gesichter bemalt waren. Sie hatten dicke Wangen und schauten engelhaft aus. Bei ihrem Anblick verspürte Emily einen kleinen Stich. Kinder zu bekommen war für sie nie besonders wichtig gewesen – in Anbetracht der Tatsache, wie angespannt das Verhältnis zu ihrer eigenen Mutter war, hatte sie es nicht eilig, selber eine zu werden – doch nun, als sie die Kinder während der Parade sah, erkannte Emily, dass sich etwas in ihr verändert hatte. Jetzt brannte ein neues, ziehendes Verlangen in ihr. Sie schaute zu Daniel und fragte sich, ob er wohl genauso empfand, ob der Anblick der liebenswürdigen Kleinkinder den gleichen Effekt auf ihn hatte, doch wie immer war sein Ausdruck schwer zu lesen.

Die Parade ging weiter. Als nächstes kam eine Gruppe abgehärtet aussehender Frauen vom ortsansässigen Skate-Club. Sie sprangen mit ihren Skateboards umher und rasten den Weg entlang. Ihnen folgten ein paar Stelzenläufer sowie ein großes Floß, auf dem sich eine aus Karton geformte Statue Abraham Lincolns befand.

&bdquo;Emily, Daniel“, ertönte eine Stimme hinter ihnen. Es war Bürgermeister Hansen, an dessen Seite Marcella stand, die mehr als nur ein wenig gestresst aussah. &bdquo;Gefallen Ihnen die Festlichkeiten?“, fragte Bürgermeister Hansen. &bdquo;Es mag zwar nicht das erste Mal sein, dass Sie die Parade sehen, aber vielleicht das erste, an das Sie sich erinnern werden.“

Er gluckste unschuldig, doch Emily wand sich innerlich. Sie versuchte, nach außen hin ruhig und fröhlich zu wirken.

&bdquo;Sie haben Recht. Leider erinnere ich mich nicht mehr daran, als Kind hierhergekommen zu sein, aber es gefällt mir sehr gut. Was ist mit Ihnen, Marcella?“, fügte sie hinzu, um die Aufmerksamkeit von sich abzulenken. &bdquo;Sind Sie zum ersten Mal hier?“

Marcella nickte nur kurz und entschieden, dann konzentrierte sie sich wieder auf ihr Klemmbrett.

&bdquo;Beachten Sie sie gar nicht.“ Bürgermeister Hanson gluckste. &bdquo;Sie ist ein Workaholic.“

Marcella schaute kurz auf, doch Emily genügte der Moment, um die Frustration in ihren Augen zu sehen. Es war offensichtlich, dass sie von der entspannten Einstellung des Bürgermeisters genervt war. Emily konnte mit Marcella mitfühlen. Vor sechs Monaten war sie genauso gewesen: zu ernst, zu gestresst, sie hatte sich nur mit Kaffee auf den Beinen halten können und hatte Angst davor gehabt, zu versagen. Marcella anzusehen war, wie ein Spiegelbild ihres jüngeren Selbst vor Augen zu haben. Emily hoffte nur, dass sie schnell lernen würde, sich zu entspannen, und dass Sunset Harbor ihr dabei helfen würde, ihre eng gespannten Nerven zu lockern, wenn auch nur ein kleines bisschen.

&bdquo;Wie dem auch sei“, meinte Hansen, &bdquo;lassen Sie uns zum Punkt kommen. Ich muss Medaillen verteilen, nicht wahr, Marcella? Es findet eine Preisverleihung für so ein Ei-und-Löffel-Rennen statt.“

&bdquo;Es sind Olympische Spiele für unter Fünfjährige“, verbesserte ihn Marcella mit einem tiefen Seufzer.

&bdquo;Genau, das meinte ich“, entgegnete Bürgermeister Hansen und die beiden verschwanden wieder in der Menge.

Daniel lächelte. &bdquo;Es ist einfach unmöglich, sich nicht in diese verrückte Stadt zu verlieben“, sagte er, während er seinen Arm um Emily legte.

Sie kuschelte sich an ihn, denn dort fühlte sie sich sicher und beschützt. Zusammen beobachteten sie, wie eine Conga-Gruppe vorbeizog, und winkten ihren Freuden, als diese vorbeikamen: Cynthia aus dem Buchladen, deren Kleidung sich mit ihrem grell orangenen Haar biss, Charles und Barbara Bradshaw aus dem Fischladen, Parker vom Bio-Obst- und Gemüseverkauf.

Dann entdeckte Emily jemanden in der Menge, der ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ. Mit einer karierten Golfhose und einem limonengrünen Pullover bekleidet, der seinen großen Bauch kaum verdeckte, stand Trevor Mann inmitten der Leute.

&bdquo;Schau nicht hin“, murmelte sie und griff nach Daniels Hand, um sich sicher zu fühlen, &bdquo;aber unser verächtlicher Nachbar ist aufgekreuzt.“

Natürlich sah Daniel sofort zu ihm. Als ob Trevor einen sechsten Sinn hätte, bemerkte er es sogleich. Als er die beiden ansah, begannen seinen Augen gleich vor Unheil zu glänzen.

Emily verzog das Gesicht. &bdquo;Ich habe dir doch gesagt, dass du nicht hinschauen sollst!“, schimpfte sie Daniel, während sich Trevor seinen Weg zu ihnen bahnte.

&bdquo;Du weißt, dass es ein ungeschriebenes Gesetz gibt“, zischte Daniel zurück. &bdquo;Es besagt, dass jemand immer hinschaut, wenn ihm gesagt wird, er solle nicht hinschauen.“

Für eine Flucht war es zu spät. Trevor Mann war schon bei ihnen, er trat durch die Masse wie ein furchtbares, mit Schnäuzer versehendes Biest.

&bdquo;Oh nein“, stöhnte sie.

&bdquo;Emily“, sagte Trevor mit vorgespielter Höflichkeit &bdquo;Sie haben doch wohl nicht die Steuern, die Sie für das Haus noch zahlen müssen, nicht vergessen, oder? Ich nämlich nicht.“

&bdquo;Der Bürgermeister hat mir eine Verlängerung gewährt“, erwiderte Emily. &bdquo;Sie waren bei dem Treffen ebenfalls anwesend, Trevor. Es überrascht mich, dass Sie das nicht mitbekommen haben.“

&bdquo;Es ist mir egal, ob Bürgermeister Hansen meinte, dass die Rückzahlung nicht sofort stattfinden müsse, denn das liegt nicht in seiner Hand, sondern im Ermessen der Bank. Und ich habe mich schon mit ihr in Verbindung gesetzt und ihr von den illegalen Bewohnen des Hauses und dem illegalen Geschäft erzählt, dass sie nun darin betreiben.“

&bdquo;Sie sind ein Idiot“, sagte Daniel, der sich Trevor beschützerisch in den Weg stellte.

&bdquo;Lass es sein“, meinte Emily, die ihm eine Hand auf den Arm legte. Das letzte, was sie jetzt brauchte, war, dass Daniel die Beherrschung verlor.

Trevor grinste spöttisch. &bdquo;Die Verlängerung, die Bürgermeister Hanson Ihnen gewährt hat, wird nicht ewig dauern und würde vor einem Gericht auf keinen Fall bestehen. Und ich werde alles dafür tun, um sicherzustellen, dass Ihre Pension untergeht und nie wieder an die Wasseroberfläche kommt.“




KAPITEL DREI


Emily beobachtete, wie Trevor wieder in der Masse verschwand.

Sobald er nicht mehr zu sehen war, wandte sich Daniel mit sehr besorgtem Gesichtsausdruck an Emily. &bdquo;Geht es dir gut?“

Emily konnte sich nicht beherrschen. Sie ließ sich gegen seine breite Brust fallen und drückte ihr Gesicht in sein Hemd. &bdquo;Was soll ich nur tun?“, stöhnte sie. &bdquo;Die Steuern werden mein Geschäft ruinieren, bevor es überhaupt in Fahrt gekommen ist.“

&bdquo;Auf keinen Fall“, widersprach Daniel. &bdquo;Das werde ich nicht zulassen. Bis du hier aufgetaucht bist und dein Grundstück in etwas Begehrenswertes verwandelt hast, hat sich Trevor Mann nie dafür interessiert. Er ist einfach nur neidisch, dass dein Haus so viel besser ist als seines.“

Emily versuchte bei seinem Witz zu lachen, doch brachte nur ein schwaches Glucksen heraus. Der Gedanke daran, Daniel zu verlassen und als Versagerin zurück nach New York zu ziehen, bedrückten sie sehr.

&bdquo;Aber er hat Recht“, sagte Emily. &bdquo;Diese Pension wird niemals funktionieren.“

&bdquo;Sag das nicht“, konterte Daniel. &bdquo;Alles wird gut. Ich glaube an dich.“

&bdquo;Wirklich?“, fragte Emily. &bdquo;Denn ich glaube kaum an mich selbst.“

&bdquo;Dann ist vielleicht jetzt der richtige Moment, um damit anzufangen.“

Emily schaute in Daniels Augen. Sein ernster Ausdruck gab ihr das Gefühl, es vielleicht wirklich schaffen zu können.

&bdquo;Hey“, sagte Daniel, dessen Augen plötzlich verschmitzt glänzten. &bdquo;Ich will dir etwas zeigen.“

Daniel schien sich von ihrer düsteren Stimmung nicht beeindrucken zu lassen. Er nahm ihre Hand und zog sie durch die Menschenmenge in Richtung des Hafens. Zusammen gingen sie zu den Bootsanlegestellen.

&bdquo;Tada!“, rief Daniel und deutete auf das wunderschön restaurierte Boot, das sich im Wasser hin und her bewegte.

Als Emily das Boot das letzte Mal gesehen hatte, war es kaum seetüchtig gewesen. Nun glänzte es, als wäre es brandneu.

&bdquo;Das ist ja unglaublich“, stammelte sie. &bdquo;Du hast das Boot restauriert?“

Daniel nickte. &bdquo;Ja. Das hat mich viel Mühe und Anstrengung gekostet.“

&bdquo;Das glaube ich“, erwiderte Emily.

Sie erinnerte sich daran, wie Daniel ihr erzählt hatte, dass er bei der Restaurierung des Bootes an eine Art geistige Grenze gestoßen war, und dass er aus irgendeinem Grund nicht daran arbeiten konnte. Es jetzt zu sehen machte Emily unglaublich stolz und zwar nicht nur, weil er es so wunderschön restauriert hatte, sondern auch weil er es geschafft hatte, über das, was ihn zurückgehalten hatte, hinwegzukommen. Sie erwiderte sein Lächeln, wobei das Glück in ihr aufloderte.

Zur gleichen Zeit überkam sie eine Traurigkeit, denn nun gab es noch ein weiteres Transportmittel, das ihn ihr wegnehmen konnte. Daniel war immer in Bewegung. Entweder er fuhr mit dem Motorrad an den Klippen entlang, oder mit seinem Truck in die benachbarten Städte. Dass er die Welt sehen und sie entdecken wollte, war für sie offensichtlich. Sie wusste, dass Daniel früher oder später Sunset Harbor verlassen würde. Emily wusste noch nicht, ob sie, wenn die Zeit kam, mit ihm gehen würde.

Daniel stupste sie schüchtern an. &bdquo;Ich sollte mich bei dir bedanken.“

&bdquo;Wofür denn?“, wollte Emily wissen.

Sie war diejenige gewesen, die ihm den neuen Motor als Dankeschön für seine Hilfe bei der Renovierung der Pension gekauft hatte. Außerdem hatte sie ihn damit anstoßen wollen, das Boot wieder in Schuss zu bringen.

&bdquo;Kein Problem“, entgegnete Emily, die sich gerade fragte, ob sich das Geschenk nun gegen sie richten würde, ob Daniels Verlangen zu gehen nun durch die Restaurierung des Bootes angeschürt worden war.

&bdquo;Nun ja“, meinte Daniel, während er auf das Boot deutete, &bdquo;als Dankeschön fände ich es nur angebracht, wenn du mich auf der Jungfernfahrt begleiten würdest.“

&bdquo;Oh!“, brachte Emily, von seinem Vorschlag überrascht, hervor. &bdquo;Du willst mit dem Boot hinausfahren? Jetzt?“ Sie wollte eigentlich nicht so schockiert klingen.

&bdquo;Außer, du möchtest das nicht“, erwiderte Daniel, der seinen Nacken verlegen rieb. &bdquo;Ich dachte mir nur, dass wir vielleicht ein Date daraus machen könnten.“

&bdquo;Ja, sehr gerne“, sagte Emily.

Daniel sprang in das Boot und hielt ihr seine Hand entgegen, die Emily ergriff und sich von ihm in das Boot ziehen ließ, welches unter ihr wackelte und sie ein wenig ins Straucheln brachte.

Daniel startete den Motor und steuerte das Boot aus dem Hafen hinaus. Dann fuhren sie über das glitzernde Meer. Emily atmete die Meeresluft tief ein, während sie zusah, wie Daniel das Boot über das Wasser lenkte. Dabei sah er so natürlich aus, genauso wie auf dem Motorrad, das eine Verlängerung seines Körpers zu sein schien. Daniel gehörte zu der Art Mann, der immer in Bewegung sein musste, und als sie ihn nun beobachtete, sah Emily, wie lebendig und glücklich er plötzlich wirkte, wenn er einem Abenteuer hinterherjagte.

Dieser Gedanke verstärkte ihre Melancholie nur noch. Daniels Verlangen, die Welt zu erkunden, war mehr als nur ein Traum, es war ein Bedürfnis. Er würde Sunset Harbor bald verlassen, daran gab es keinen Zweifel. Sie hatte sich auch noch nicht entschieden, wie lange sie hierbleiben würde. Vielleicht war ihre Beziehung zum Scheitern verurteilt. Vielleicht war es nie mehr als eine flüchtige Affäre gewesen, ein perfekter Moment für eine kurze Zeit. Bei dem Gedanken drehte sich Emilys Magen vor Verzweiflung um.

&bdquo;Was ist los?“, fragte Daniel. &bdquo;Du bist doch nicht seekrank, oder?“

&bdquo;Vielleicht ein wenig“, log Emily.

&bdquo;Na ja, wir sind gleich da“, meinte er und zeigte nach vorne.

Emily sah auf und sah, dass sie direkt auf eine kleine Insel zusteuerten, auf der es nichts außer ein paar Bäumen und einem verlassenen Leuchtturm gab. Emily setzte sich in ihrer plötzlichen Überraschung auf.

&bdquo;OH MEIN GOTT!“, schrie sie.

&bdquo;Was ist los?“, wollte Daniel mit panikerfüllter Stimme wissen.

&bdquo;Mein Vater hatte in unserem Haus in New York ein Gemälde dieser Insel!“

&bdquo;Bist du dir sicher?“

&bdquo;Zu einhundert Prozent! Das ist ja unglaublich! Ich wusste gar nicht, dass der Ort auf dem Gemälde wirklich existiert!“

Daniels Augen weiteten sich. Er schien von dem Zufall genauso überrascht zu sein wie sie.

Ihre Sorgen wurden von dieser unerwarteten Überraschung weggeschwemmt. Schnell zog sich Emily ihre Turnschuhe und Socken und sprang, kaum, dass das Boot auf Grund gelaufen war, über Bord. Wellen schlugen gegen ihre Schienbeine. Obwohl das Wasser kalt war, spürte sie die Kälte kaum. Sie rannte durch das Wasser, auf den nassen Sandstrand und noch ein Stückchen weiter. Dann blieb sie stehen und hob die Hände, die sie mit ihren Daumen und Zeigefingern zu einem Rechteck geformt hatte, hoch und kniff ein Auge zu. Sie drehte sich ein wenig, sodass sich der Leuchtturm zu ihrer Rechten befand, die Sonne daneben schien und sich der weite Ozean auf der anderen Seite befand. Das war er! Der genaue Winkel des Gemäldes, das in ihrem Elternhaus hing!

Es überraschte Emily nicht, dass ihr Vater ein solches Gemälde besaß. Er war von Antiquitäten besessen – dazu gehörten auch Kunststücke – doch was Emily überraschte, war die Tatsache, dass es das Gemälde in ihr Elternhaus geschafft hatte. Ihre Mutter war immer sehr gut darin gewesen, ihr Leben in Sunset Harbor von dem in New York zu trennen, so als ob sie das verrückte Hobby ihres Mannes nur zwei Wochen im Jahr aushalten könnte und auch nur so lange es nicht zu sehen war und ihr lupenreines Heim nicht in Anspruch nahm. Wie um alles auf der Welt hatte er dann ihre Zustimmung erlangt, das Gemälde des Leuchtturms in ihrem Elternhaus aufzuhängen? Vielleicht hatte er vorgegeben, dass es sich um einen imaginären Ort handelte, und ihre Mutter hatte nie erfahren, dass das Gemälde in Wirklichkeit einen Teil Sunset Harbors darstellte? Emily lächelte in sich hinein, als sie sich fragte, ob ihr Vater wirklich so gerissen gewesen war.

&bdquo;Hey“, sagte Daniel, womit er sie wieder ins Hier und Jetzt zurückholte. Als sie sich zu ihm umdrehte, sah sie, dass er einen Korb über den nassen Sand zu ihr hinüberschleppte. &bdquo;Du bist einfach so davongerannt!“

&bdquo;Tut mir leid“, erwiderte Emily, die ihm sofort entgegeneilte, um ihm zu helfen. &bdquo;Was ist denn da drinnen? Der wiegt ja eine Tonne.“

Zusammen brachten sie den Korb an eine geeignete Stelle auf dem Strand, wo Daniel die Schlösser öffnete, die den Deckel zuhielten. Anschließend zog er eine karierte Decke heraus, die er auf dem Sand ausbreitete.

&bdquo;Meine Dame“, sagte er.

Emily lachte und setzte sich auf die Decke. Daniel begann, verschiedene Nahrungsmittel, unter anderem auch Käse und Obst, aus dem Korb auszuladen, dann zog er eine große Flasche Champagner und zwei Sektgläser heraus.

&bdquo;Champagner!“, rief Emily. &bdquo;Aus welchem Anlass?“

Daniel zuckte mit den Schultern. &bdquo;Es gibt keinen besonderen Anlass. Ich dachte nur, dass wir deinen ersten Gast feiern sollten.“

&bdquo;Erinnere mich nicht daran“, stöhnte Emily auf.

Daniel löste den Korken und füllte beide Gläser.

&bdquo;Auf Mr. Kapowski.“

Emily stieß mit ihm an und verzog die Lippen zu einem Lächeln. &bdquo;Mr. Kapowski.“ Sie nahm einen Schluck und ließ die Blasen auf ihrer Zunge zerplatzen.

&bdquo;Du bist dir der ganzen Sache immer noch nicht sicher, nicht wahr?“, fragte Daniel.

Emily zuckte mit den Schultern, ihre Augen waren starr auf die Flüssigkeit in ihrem Glas gerichtet. Sie schwenkte es umher und beobachtete den Weg, den die Blasen in der Flüssigkeit nahmen, bevor sie sich wieder beruhigten. &bdquo;Ich habe einfach nicht sonderlich viel Selbstvertrauen“, sagte sie schließlich mit einem tiefen Seufzen. &bdquo;Ich habe zuvor ja noch nie irgendetwas erreicht.“

&bdquo;Was ist mit deinem Job in New York?“

&bdquo;Ich meine, nichts, dass ich wirklich wollte.“

Daniel wackelte mit den Augenbrauen. &bdquo;Was ist mit mir?“

Emily konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. &bdquo;Ich sehe dich nicht so sehr als eine Errungenschaft…“

&bdquo;Das solltest du aber“, unterbrach er sie heiter. &bdquo;Solch ein stoischer Mann wie ich. Es ist nicht gerade einfach, sich mit mir zu unterhalten.“

Emily lachte, dann gab sie ihm einen langen, ausgiebigen Kuss.

&bdquo;Wofür war das denn?“, wollte er wissen, nachdem sie sich von ihm gelöst hatte.

&bdquo;Das war ein Dankeschön. Hierfür.“ Dabei nickte sie auf das kleine Picknick vor ihnen. &bdquo;Dafür, dass du da bist.“

Daniel schien zu zögern und Emily erkannte auch warum: Daniel würde nicht in der Lage sein, immer hier zu bleiben. Das Reisen lag in seinem Blut. Und irgendwann würde er wieder aufbrechen müssen.

Aber was war mit ihr? Sie hatte auch keine festen Pläne, in Sunset Harbor zu bleiben. Sie war bereits seit sechs Monaten hier – eine lange Zeit, in der sie weder New York, noch ihre Mutter oder ihre Freunde gesehen hatte. Und doch, während die Sonne in der Ferne unterging und den Himmel mit orangenen und rosa Streifen übersäte, konnte sie sich keinen Ort vorstellen, an dem sie lieber wäre. In genau diesem Moment, an diesem Ort war alles perfekt. Sie hatte das Gefühl, im Paradies zu leben. Vielleicht könnte Sunset Harbor wirklich zu ihrem Zuhause werden. Vielleicht würde sich Daniel mit ihr niederlassen wollen. Niemand konnte die Zukunft voraussehen, sie würde einfach jeden Tag so nehmen müssen wie er kam. Immerhin konnte sie hierbleiben, bis ihr das Geld ausging. Und wenn sie hart genug arbeitete und es schaffte, dass sich die Pension selbst trug, dann würde dieser Tag noch lange nicht kommen.

&bdquo;Woran denkst du?“, fragte Daniel.

&bdquo;An die Zukunft, schätze ich“, antwortete Emily.

&bdquo;Ah“, entgegnete Daniel, der auf seinen Schoß hinabblickte.

&bdquo;Kein gutes Gesprächsthema?“, wollte Emily wissen.

Daniel zuckte mit den Schultern. &bdquo;Nicht immer. Ist es nicht besser, das Hier und Jetzt zu genießen?“

Emily war sich nicht sicher, wie sie diesen Kommentar auffassen sollte. Offenbarte er dadurch sein Verlangen, die Gegend zu verlassen? Hielt er die Zukunft wohl deshalb für kein gutes Gesprächsthema hielt, weil er Liebeskummer voraussah?

&bdquo;Kann schon sein“, erwiderte sie leise. &bdquo;Aber manchmal ist es unmöglich, nicht nach vorne zu schauen. Denkst du nicht auch, dass es in Ordnung ist, Pläne zu schmieden?“ Sie versuchte, Daniel sanft aus der Reserve zu locken, ein paar winzige Informationen aus ihm herauszubekommen, irgendetwas, das ihr in ihrer Beziehung mehr Sicherheit gab.

&bdquo;Nicht wirklich“, sagte er. &bdquo;Ich bemühe mich wirklich sehr, mit den Gedanken in der Gegenwart zu bleiben. Man sollte sich nicht über die Zukunft sorgen und nicht in der Vergangenheit verweilen.“

Emily gefiel die Vorstellung nicht, dass er sich um ihre Zukunft sorgen könnte, und musste sich zusammenreißen, ihn nicht zu fragen, was für beunruhigende Ereignisse er voraussah. Stattdessen meinte sie: &bdquo;Gibt es in der Vergangenheit denn vieles, bei dem man verweilen könnte?“

Daniel hatte ihr nicht viel von seiner Vergangenheit erzählt. Sie wusste, dass er oft umgezogen war, seine Eltern geschieden waren, sein Vater Alkoholprobleme hatte und dass er es ihrem eigenen Vater hoch anrechnete, ihm eine Zukunft geschenkt zu haben.

&bdquo;Oh ja“, entgegnete Daniel. &bdquo;Sehr vieles.“

Dann verstummte er wieder. Emily wollte noch mehr wissen, doch wusste auch, dass er nichts weiter dazu sagen würde. Sie fragte sich, ob er überhaupt wusste, wie sehr sie sich danach sehnte, dass er sich ihr öffnete.

Doch bei Daniel brauchte man viel Geduld. Er würde reden, wenn er bereit dazu war, wenn dieser Tag denn jemals kommen würde.

Und sie hoffte, immer noch an seiner Seite zu sein, wenn er denn schließlich kam.




KAPITEL VIER


Am nächsten Morgen wachte Emily früh auf, entschlossen, die Frühstücksschicht nicht wieder zu verpassen. Um punkt sieben Uhr hörte sie, wie die Gästezimmertür leise geöffnet und wieder geschlossen wurde, dann erklang das Klappern von Mr. Kapowskis Schritten, als er die Treppe hinunterkam. Emily trat von der Stelle im Flur, wo sie auf ihn gewartet hatte, hervor und stellte sich ans Fußende der Treppe, von wo aus sie ihm entgegenblickte.

&bdquo;Guten Morgen, Herr Kapowski“, sagte sie selbstbewusst und mit einem netten Lächeln auf dem Gesicht.

Dieser erschrak.

&bdquo;Oh. Guten Morgen. Sie sind schon wach.“

&bdquo;Ja“, erwiderte Emily mit weiterhin selbstbewusster Stimme, auch wenn sie sich überhaupt nicht so fühlte. &bdquo;Ich wollte mich für gestern entschuldigen, dass ich Ihnen kein Frühstück richten konnte. Haben Sie gut geschlafen?“ Sie bemerkte die Ringe unter seinen Augen.

Mr. Kapowski zögerte für einen Augenblick. Dann steckte er nervös die Hände in die Taschen seines zerknitterten Anzugs.

&bdquo;Äh…nicht wirklich“, antwortete er schließlich.

&bdquo;Oh nein“, meinte Emily besorgt. &bdquo;Doch nicht etwa wegen des Schlafzimmers, oder?“

Mr. Kapowski trat unbehaglich von einem Bein aufs andere und rieb sich den Nacken, als ob er etwas loswerden wollte, aber nicht wusste, wie.

&bdquo;Also um ehrlich zu sein“, brachte er schließlich heraus, &bdquo;war das Kissen ziemlich klumpig.“

&bdquo;Das tut mir leid“, erwiderte Emily, die sich ärgerte, es zuvor nicht selbst ausprobiert zu haben.

&bdquo;Und, nun ja…die Handtücher sind kratzig.“

&bdquo;Sind sie das?“, fragte Emily besorgt. &bdquo;Warum kommen Sie nicht mit ins Esszimmer“, schlug sie vor, wobei sie sich beherrschen musste, um sich ihre Panik nicht in der Stimme anmerken zu lassen. &bdquo;Dort können Sie mir erzählen, was Sie bedrückt.“

Sie führte ihn in das ausladende Esszimmer und zog die Vorhänge auf, um das blasse Morgenlicht in den Raum zu lassen. Auf diese Weise kam das neue Lilienarrangement von Raj zur Geltung, dessen Duft den Raum erfüllte. Die Oberfläche des langen Mahagonitisches glänzte. Emily liebte diesen Raum, er war so ausladend, schick und verziert. Es war der perfekte Raum, um das antike Geschirr ihres Vaters auszustellen, das in Vitrinen stand, welche aus demselben dunklen Mahagoniholz gefertigt waren wie der Tisch.

&bdquo;Das ist schon besser“, sagte sie mit fröhlicher und leichter Stimme. &bdquo;Was möchten Sie mir über Ihr Zimmer sagen, damit wir es richten können?“

Mr. Kapowski schien sich unwohl zu fühlen, so als ob er eigentlich gar nichts mehr sagen wollte.

&bdquo;Es ist nichts. Nur das Kissen und die Handtücher. Außerdem war die Matratze etwas hart und, äh…etwas dünn.“

Emily nickte und tat so, als ob seine Worte sie nicht treffen würden.

&bdquo;Aber das ist in Ordnung, wirklich“, fügte Mr. Kapowski hinzu. &bdquo;Ich wache schnell auf.“

&bdquo;Oh, okay“, sagte Emily, die erkannte, dass es für ihn wohl schlimmer war, ihn zum Reden zu bewegen, als ihn unzufrieden mit seinem Zimmer zurückzulassen. &bdquo;Was kann ich Ihnen denn zum Frühstück bringen?“

&bdquo;Eier und Speck, bitte, wenn es keine Umstände macht“, antwortete Mr. Kapowski. &bdquo;Gebraten. Und Toast mit Pilzen und Tomaten.“

&bdquo;Kein Problem“, erwiderte Emily, obwohl sie sich darum sorgte, dass sie nicht alle aufgezählten Lebensmittel im Haus haben könnte.

Sie eilte in die Küche, womit sie Mogsy und Rain sofort aufweckte. Beide Hunde begannen, um ihr Frühstück zu winseln, doch Emily ignorierte sie, während sie zum Kühlschrank hastete, um zu sehen, was sie vorrätig hatte. Sie war erleichtert, dass noch Schinken da war, auch wenn es keine Pilze oder Tomaten gab. Immerhin befand sich noch etwas Brot im Brotkorb. Es war ein Geschenk von Karen aus dem kleinen Supermarkt gewesen, das sie vor ein paar Tagen vorbeigebracht hatte. Außerdem gab es dank Lola und Lolly Eier.

Als Emily zur Hintertür hinauseilte und über das Gras zum Hühnerstall ging, bereute sie ihre Schuhwahl. Lola und Lolly stolzierten in ihrem Gehege umher und legten bei dem Geräusch von sich nähernden Schritten den Kopf auf die Seite, denn sie erwarteten, mit frischem Mais gefüttert zu werden.

&bdquo;Noch nicht, meine Süßen“, sagte sie. &bdquo;Zuerst ist Mr. Kapowski dran.“

Sie verliehen ihrem Unmut Ausdruck, während Emily zum Hühnerhaus ging, in das sie ihre Eier legten.

&bdquo;Das gibt es doch nicht“, murmelte sie, als sie nichts fand. Dann drehte sie sich zu den Hühnern um und stemmte ihre Hände in die Hüfte. &bdquo;Musstet ihr denn ausgerechnet heute keine Eier legen?!“

Dann erinnerte sie sich an ihre gestrige Übungsstunde im Pochieren. Sie musste dabei mindestens fünf Eier verbraucht haben! Sie schmiss ihre Hände in die Luft. Warum habe ich mir von Daniel nur einreden lassen, das Pochieren von Eiern üben zu müssen?, dachte sie frustriert.

Emily ging wieder nach drinnen, enttäuscht, dass sie Mr. Kapowski auch nicht das gewünschte Frühstück servieren konnte, und begann damit, den Schinken anzubraten. Ob es nun an ihrer Aufregung oder der mangelnden Erfahrung lag, Emily schien nicht in der Lage zu sein, auch nur die einfachsten Aufgaben zu erledigen. Sie schüttete Kaffee über die ganze Arbeitsfläche, dann holte sie den Speck nicht rechtzeitig aus der Pfanne, sodass er am Rand hart und schwarz war. Der neue Toaster – ein Ersatz für denjenigen, der explodiert war und die Küche ruiniert hatte – schien viel feinere Einstellungen zu haben als sein Vorgänger, weshalb sie es ebenfalls schaffte, den Toast zu verbrennen.

Als sie sich das fertige Produkt auf dem Teller ansah, war Emily kein bisschen zufrieden. Das konnte sie doch niemandem servieren. Deshalb ging sie in die Abstellkammer, wo sie das Ganze in die Hundenäpfe leerte. Immerhin hatte sie somit schon die Hunde gefüttert.

Zurück in der Küche versuchte Emily erneut, das von Mr. Kapowski georderte Frühstück zuzubereiten. Diesmal gelang es ihr besser. Der Speck war nicht schwarz und der Toast war nicht verbrannt. Sie hoffte einfach, dass er ihr die fehlenden Zutaten nachsah.

Als sie einen Blick auf die Uhr warf, stellte sie fest, dass sie fast dreißig Minuten gebraucht hatte, was ihr Herz zum Rasen brachte.

Schnell eilte sie ins Esszimmer.

&bdquo;Bitteschön, Mr. Kapowski“, sagte Emily, während sie, mit einem Tablett beladen, das Esszimmer betrat. &bdquo;Es tut mir leid, dass Sie so lange warten mussten.“

Als sie an den Tisch herantrat, bemerkte sie, dass Mr. Kapowski eingeschlafen war. Weil sie nicht wusste, ob sie darüber erleichtert oder verärgert sein sollte, stellte Emily das Tablett ab und begann, sich leise zurückzuziehen.

Plötzlich sprang Mr. Kapowski auf. &bdquo;Ah“, meinte er mit einem Blick auf das Tablett. &bdquo;Frühstück. Vielen Dank.“

&bdquo;Es tut mir leid, aber heute habe ich weder Eier, noch Tomaten oder Pilze“, erklärte sie.

Mr. Kapowski schien enttäuscht zu sein.

Emily ging in den Flur hinaus und holte ein paar Mal tief Luft. Der Morgen war bisher schon sehr arbeitsintensiv gewesen, wenn man bedachte, wie viel sie in letzter Zeit für ihre Mühen verdiente. Wenn sie wollte, dass sich das Unternehmen rentierte, dann müsste sie ein bisschen effizienter werden. Und sie brauchte einen Notfallplan für den Fall, dass Lola und Lolly wieder einmal keine Eier legten.

Kurz darauf kam Mr. Kapowski aus dem Esszimmer. Seit er sein Essen erhalten hatte, war weniger als eine Minute vergangen.

&bdquo;Ist alles in Ordnung?“, fragte Emily. &bdquo;Brauchen Sie etwas?“

Wieder einmal schien Mr. Kapowski nur zögerlich mit der Sprache herauszurücken.

&bdquo;Äh…das Essen ist etwas kalt.“

&bdquo;Oh“, entgegnete Emily, die leicht in Panik verfiel. &bdquo;Ich werde es für Sie aufwärmen.“

&bdquo;Nein, es ist schon in Ordnung“, sagte Mr. Kapowski. &bdquo;Ich muss jetzt wirklich los.“

&bdquo;Okay“, meinte Emily ernüchtert. &bdquo;Haben Sie heute noch etwas Schönes vor?“ Sie versuchte, mehr wie die Besitzerin einer Pension und weniger wie ein in Panik verfallendes Mädchen zu klingen, auch wenn sie sich eher wie letzteres fühlte.

&bdquo;Oh nein, ich meinte, dass ich nach Hause gehen sollte“, korrigierte sich Mr. Kapowski.

&bdquo;Sie meinen, Sie möchten auschecken?“, fragte Emily überrascht.

Sie spürte eine Kälte, die sich in ihrem gesamten Körper ausbreitete.

&bdquo;Aber Sie hatten doch für drei Nächte reserviert.“

Mr. Kapowski sah man sein Unwohlsein an.

&bdquo;Ich, äh, muss einfach zurück. Ich werde natürlich den vollen Preis bezahlen.“

Er schien es eilig zu haben, wegzukommen, und sogar als Emily vorschlug, den Preis für die zwei Frühstücke abzuziehen, bestand er darauf, den vollen Preis zu zahlen und sofort abzureisen. Als Emily an der Tür stand und ihm dabei zusah, wie er die Einfahrt entlangfuhr, fühlte sie sich wie eine vollkommene Versagerin.

Sie wusste nicht, wie lange sie dort gestanden und über die Katastrophe, zu der sich die erste Übernachtung entwickelt hatte, nachdachte, doch sie wurde erst wieder von dem Klingeln ihres Handys aus den Gedanken gerissen. Aufgrund des schlechten Empfanges im Haus, befand sich der einzige Ort, an dem sie ein Signal bekam, bei der Eingangstür. Sie hatte sogar einen extra Tisch im Flur, nur für ihr Handy. Es war ein wunderschöner, antiker Tisch, den sie in einem der verschlossenen Schlafzimmer des Hauses gefunden hatte. Nun ging sie zu ihm hinüber, während sie sich innerlich für das, was wohl kommen mochte, wappnete.

Es gab nicht viele gute Möglichkeiten. Ihre Mutter hatte sich seit jenem nächtlichen, höchst emotionalen Anruf nicht mehr bei ihr gemeldet, bei dem sie über Charlottes Tod und Emilys Rolle – wohl besser der fehlenden Rolle – dabei geredet hatten. Auch Amy hatte seit ihrem ehrenwerten Versuch, Emily aus ihrem neuen Leben zu &bdquo;retten“, trotz ihrer Aussöhnung, nichts von sich hören lassen. Ben hingegen, Emilys Ex-Freund, hatte sie seit ihrer überstürzten Abreise oft angerufen, doch Emily hatte keinen einzigen seiner Anrufe beantwortet, und mittlerweile schien er sich immer seltener zu melden.

Als sie auf den Bildschirm sah, wappnete sie sich. Der Name, der dort aufblinkte, war eine vollkommene Überraschung. Es war Jayne, eine alte Schulfreundin aus New York. Sie kannte Jayne schon seit Kindertagen und zwischen ihnen hatte sich im Laufe der Jahre eine Art Freundschaft entwickelt, bei der auch schon einmal ein paar Monate vergehen konnten, bevor sie wieder miteinander sprachen, doch sobald sie wieder zusammen waren, schien es, als lägen keine fünf Minuten dazwischen. Jayne hatte wahrscheinlich von Amy oder einer anderen Quelle der Buschtrommel von Emilys neuem Leben erfahren und rief sie nun an, um mit ihr über die plötzliche und abrupte Veränderung zu sprechen.

Emily ging ran.

&bdquo;Em?“, fragte Jayne mit unruhiger Stimme und abgehacktem Atem. &bdquo;Ich habe gerade Amy bei meiner Jogging-Tour getroffen. Sie erzählte mir, dass du New York verlassen hättest!“

Emily blinzelte, ihr Gehirn war mittlerweile nicht mehr an die schnelle Redensart gewöhnt, die alle ihre Freunde aus New York beherrschten. Der Gedanke daran, beim Joggen zu telefonieren, kam Emily plötzlich fremd vor.

&bdquo;Ja, schon vor einer Weile“, antwortete sie.

&bdquo;Von welcher Zeitspanne reden wir hier?“, wollte Jayne wissen. Im Hintergrund konnte man das Geräusch ihrer Schritte hören.

Emilys Stimme hatte einen kleinlauten und entschuldigenden Tonfall angenommen. &bdquo;Äh, von etwa sechs Monaten.“

&bdquo;Oh verdammt, ich sollte dich wirklich häufiger anrufen!“, keuchte Jayne.

Emily konnte im Hintergrund den Verkehr hören sowie hupende Autos und den dumpfen Aufprall von Jaynes Turnschuhen auf dem Gehweg. Das alles ließ in Emilys Kopf ein bekanntes Bild erscheinen. Noch vor wenigen Monaten war die ebenfalls so ein Mensch gewesen, der immer beschäftigt war, niemals zur Ruhe kam und dessen Handy praktisch am Ohr angewachsen war.

&bdquo;Was gibt es Neues?“, fragte Jayne. &bdquo;Erzähl mir alles. Ich schätze, Ben ist aus deinem Leben verschwunden?“

Jayne, wie alle von Emilys Freunden und Familienmitgliedern, hatten Ben nie gemocht. Sie hatten die ganze Zeit gesehen, was Emily sieben Jahre lang nicht erkannt hatte, nämlich, dass er nicht der Richtige für sie war.

&bdquo;Definitiv“, bestätigte Emily.

&bdquo;Und gibt es jemand Neuen in deinem Leben?“, wollte Jayne wissen.

&bdquo;Vielleicht…“, antworte Emily verschmitzt. &bdquo;Aber es ist noch alles ganz frisch und nicht ganz fest, weshalb ich es lieber nicht verderben möchte, indem ich darüber spreche.“

&bdquo;Aber ich will doch alles wissen!“, quengelte Jayne. &bdquo;Oh, warte kurz. Ich bekomme gerade noch einen Anruf.“

Emily wartete, während die Verbindung stumm blieb. Ein paar Augenblicke später erfüllten wieder die Geräusche eines Morgens in New York City ihre Ohren, als sich Jayne wieder mit ihr verband.

&bdquo;Tut mir leid, Süße“, sagte sie. &bdquo;Ich musste rangehen. Arbeit und so. Also, Amy meinte, dass du dort eine Art Pension führst?“

&bdquo;Mhm“, erwiderte Emily. Bei dem Thema war sie ein wenig angespannt, seit Amy es so lautstark als schlechte Idee betitelt hatte, ganz zu schweigen von der Wende in Emilys Leben, die Amys Meinung nach schlecht durchdacht war.

&bdquo;Hast du gerade ein paar Zimmer frei?“, fragte Jayne.

Das überraschte Emily. Mit dieser Frage hatte sie nicht gerechnet. &bdquo;Ja“, antwortete sie und ihre Gedanken schweiften zu Mr. Kapowskis nun leerem Zimmer. &bdquo;Warum?“

&bdquo;Ich will vorbeikommen!“, rief Jayne. &bdquo;Immerhin ist es das Wochenende des Memorial Day. Und ich muss dringend einmal aus der Stadt rauskommen. Kann ich ein Zimmer reservieren?“

Emily zögerte. &bdquo;Das musst du nicht tun, das weißt du doch, oder? Du kannst auch einfach so vorbeikommen und mich besuchen.“

&bdquo;Auf keinen Fall“, widersprach Jayne. &bdquo;Ich will das volle Programm. Jeden Morgen frische Handtücher. Speck und Eier zum Frühstück. Ich will dich in Aktion sehen.“

Emily lachte. Von all den Menschen, mit denen sie bisher über ihr neues Unternehmen gesprochen hatte, war Jaynes Reaktion die beste.

&bdquo;Okay, dann buche ich dich offiziell ein“, sagte Emily. &bdquo;Wie lange willst du denn bleiben?“

&bdquo;Keine Ahnung, eine Woche vielleicht?“

&bdquo;Wunderbar“, erwiderte Emily, deren Bauch vor Freude kribbelte. &bdquo;Und wann möchtest du ankommen?“

&bdquo;Morgen früh“, sagte Jayne. &bdquo;So gegen zehn.“

Ihre Freude wurde immer größer. &bdquo;Okay, warte kurz, während ich dich einbuche.“

Ganz aufgeregt legte Emily ihr Handy beiseite und rannte hinüber zu dem Computer an der Rezeption, wo sie sich in das Reservierungssystem einloggte und Jaynes Details eintrug. Sie war stolz auf sich, weil sie es seit der Eröffnung theoretisch geschafft hatte, jeden Tag einen Gast in ihrer Pension zu haben, und das, obwohl sie vor gerade einmal zwei Tagen eröffnet hatte…

Schnell eilte sie zu ihrem Handy zurück und drückte es wieder an ihr Ohr. &bdquo;Okay, du bist für eine Woche eingebucht.“

&bdquo;Sehr gut“, entgegnete Jayne. &bdquo;Du hörst dich sehr professionell an.“

&bdquo;Danke“, erwiderte Emily. &bdquo;Ich muss mich immer noch an alles gewöhnen. Mein letzter Gast war eine komplette Katastrophe.“

&bdquo;Davon kannst du mir morgen alles erzählen“, meinte Jayne. &bdquo;Jetzt sollte ich besser Schluss machen. Ich bin bei meiner zehnten Meile angekommen, weshalb ich mir den Atem gut einteilen muss. Bis morgen.“

&bdquo;Ich kann es kaum erwarten“, sagte Emily.

Sie legte auf und Emily konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Vor dem Gespräch war ihr gar nicht aufgefallen, wie sehr sie ihre alte Freundin vermisst hatte. Jayne morgen zu sehen würde ein wunderbares Gegenmittel für die Katastrophe sein, als die sich Mr. Kapowskis Aufenthalt herausgestellt hatte.




KAPITEL FÜNF


Von ihrem langen, katastrophalen Morgen erschöpft verfiel Emily in einen Zustand der Unzufriedenheit. Wo immer sie auch hinsah, entdeckte sie nur Probleme und Fehler: eine unsauber gestrichene Wand, ein schlecht repariertes Licht, ein Möbelstück, das nicht zum Rest der Einrichtung passte. Zuvor hatte sie all das als liebenswerte Eigenheiten angesehen, doch nun störten sie sie.

Emily wusste, dass sie professionelle Hilfe und Ratschläge brauchte. Mit der Annahme, dass sie einfach so eine Pension leiten konnte, hatte sie sich heillos überschätzt.

Deshalb beschloss sie, Cynthia, die Besitzerin des Buchladens, anzurufen, die in ihrer Jugend ebenfalls eine Pension geleitet hatte, und sie um Hilfe zu bitten.

&bdquo;Emily“, ertönte Cynthias Stimme, als sie sich am Telefon meldete. &bdquo;Wie geht es dir, meine Liebe?“

&bdquo;Schrecklich“, erwiderte Emily. &bdquo;Ich habe gerade den schlechtesten Tag meines Lebens.“

&bdquo;Oh, aber es ist doch gerade einmal halb acht!“, rief Cynthia. &bdquo;Wie schlecht kann er denn jetzt schon sein?“

&bdquo;Sehr, sehr schlecht“, antwortete Emily. &bdquo;Mein erster Gast ist gerade abgereist. Am ersten Tag verpasste ich es, ihm das Frühstück zu richten, und dann am zweiten Tag hatte ich nicht genügend Lebensmittel und er meinte, dass das Essen kalt gewesen wäre. Außerdem mochte er weder das Kissen noch die Handtücher. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Kannst du mir helfen?“

&bdquo;Ich bin gleich da“, erwiderte Cynthia, die es anscheinend kaum abwarten konnte, einen Teil ihrer Weisheit weiterzugeben.

Emily ging hinaus, um auf Cynthia zu warten, und setzte sich, in der Hoffnung, dass der Sonnenschein, oder zumindest die Dosis Vitamin D sie aufmuntern würden, auf die Veranda. Ihr Kopf fühlte sich so schwer an, dass sie ihn einfach in ihre Hände fallen ließ.

Als sie das Geräusch von knirschendem Kiesel hörte, schaute sie auf und sah, dass Cynthia mit ihrem Fahrrad auf sie zukam.

Cynthias rostiges Fahrrad sah man in der Stadt sehr häufig und der Anblick war auf gewisse Weise unvergesslich, denn die Frau, die darauf saß, hatte ihre Haare grell orange gefärbt und trug stets Kleider, die absolut nicht zusammenpassten. Noch bizarrer wurde das Ganze durch den Weidenkorb, den Cynthia vor kurzem vorne an ihrem Fahrrad befestigt hatte. Darin transportierte sie Storm, einen von Mogsys Welpen, den sie adoptiert hatte. Auf gewisse Weise war Cynthia Jones selbst schon eine Touristenattraktion.

Emily war froh, sie zu sehen, auch wenn Cynthias großer, roter Hut, der mit weißen Punkten übersät war, ihre müden Augen sehr herausforderte. Sie winkte ihrer Freundin zu und wartete darauf, dass die Frau das Haus erreichte.

Nachdem sie hineingegangen waren, kam Cynthia direkt zur Sache. Während sie die Treppe hinaufstiegen, löcherte sie Emily mit Fragen über den Wasserdruck, ob sie Bio-Lebensmittel servierte und wo sie ihre Produkte herbekam. Als sie das Gästezimmer erreicht hatten, drehte sich Emilys Kopf bereits.

Sie zog Cynthia in den Raum hinein, den Emily für wunderschön hielt. An einem Ende gab es eine Art Podest, auf dem ein gemütliches Ledersofa stand, auf dem die Gäste sitzen und den Blick auf das Meer genießen konnten. Der Raum war hauptsächlich in Weiß gehalten, hatte jedoch auch blaue Akzente, einen Schaffell-Teppich und antik wirkende Kiefermöbel.

&bdquo;Das Bett ist zu klein“, bemerkte Cynthia sofort. &bdquo;Es muss wie in einem Palast wirken!“ Sie lief in dem Raum umher und berührte die zerknitterte Bettwäsche. &bdquo;Zu kratzig“, stellte sie fest. &bdquo;Deine Gäste verdienen es, in einem Bett zu schlafen, das sich wie Seide an ihrer Haut anfühlt.“ Sie ging zum Fenster. &bdquo;Diese Vorhänge sind zu dunkel.“

&bdquo;Oh“, meinte Emily. &bdquo;Sonst noch etwas?“

&bdquo;Wie viele Zimmer hast du eigentlich?“

&bdquo;Nun ja, das hier ist das einzige, das komplett fertig ist. Es gibt noch zwei weitere, in denen jedoch noch ein paar Möbelstücke fehlen. Außerdem gibt es noch eine Unmenge an anderen Räumen, die ich aber noch gar nicht geschafft habe, auszuräumen. Und auch das gesamte dritte Stockwerk könnte in Gästezimmer umgewandelt werden.

Cynthia nickte und tippte an ihr Kinn. Sie schien wohl ein paar Ideen zu haben und Emily fragte sich, ob es große Pläne für die Pension waren, die sie unmöglich erfüllen konnte.

&bdquo;Zeig mir das Esszimmer“, verlangte Cynthia.

&bdquo;Äh…okay…“

Während sie nach unten gingen, verstärkte sich Emilys Nervosität mit jedem Schritt. So langsam bereute sie es, Cynthia um Hilfe gebeten zu haben. Während Mr. Kapowski ihr zerbrechliches Ego nur eingedellt hatte, zerschlug Cynthia es nun mit einem großen Vorschlaghammer.

&bdquo;Nein, nein, nein, nein, nein“, sagte Cynthia, während sie im Esszimmer auf und abging.

&bdquo;Ich dachte, du liebst diesen Raum“, meinte Emily verwirrt. Cynthia hatte das Fünf-Gänge-Menü und die Cocktails bei ihrem letzten Besuch definitiv genossen – natürlich war Emily für alle Kosten aufgekommen.

&bdquo;Das tue ich auch. Für Dinner-Partys!“, rief Cynthia. &bdquo;Aber du musst es jetzt in ein Esszimmer verwandeln, das einer Pension angemessen ist. Du brauchst kleine Tische, damit die Gäste alleine essen können. Du kannst sie nicht einfach alle an einen großen Tisch wie den hier setzen!“

&bdquo;Ich dachte, dadurch würde eine Art Gemeinschaftsgefühl entstehen“, stotterte Emily zu ihrer Verteidigung. &bdquo;Ich versuchte doch nur, etwas anders zu machen als alle anderen.“

&bdquo;Meine Liebe“, begann Cynthia, &bdquo;denk erst gar nicht daran. Nicht jetzt. Vielleicht in zehn Jahren, wenn dein Geschäft gut läuft und du etwas Geld zurückgelegt hast, dann kannst du anfangen, herumzuexperimentieren. Aber jetzt hast du keine andere Wahl, als die Erwartungen deiner Gäste zu erfüllen. Verstehst du das?“

Emily nickte niedergeschlagen. Sie wusste nicht einmal, ob es die Pension in zehn Jahren noch geben würde. Sie hatte im Hinblick auf die Pension immer nur auf kurze Sicht geplant und nun hatte es den Anschein, als wollte Cynthia, dass sie ernsthaft in dieses Haus investierte und es in etwas Dauerhaftes und Nachhaltiges verwandelte. So langsam hörten sich die Vorschläge teuer an und teuer war nichts, dass sich Emily leisten konnte. Trotzdem hörte sie Cynthia geduldig zu, während sie mit ihrer Kritik fortfuhr.

&bdquo;Stell hier keine Lilien auf. Sie erinnern die Menschen an Beerdigungen. Und, um Gottes Willen, das hier muss woanders hin.“ Cynthia schaute aus dem Fenster direkt auf das Hühnergehege. &bdquo;Jeder liebt Eier von Hühnern aus Freilandhaltung, aber niemand mag es, die dreckigen kleinen Viecher zu sehen, die diese Eier produzieren!“

Als Cynthia endlich ging, fühlte sich Emily so schlecht wie seit langem nicht mehr. Sie ging wieder hinaus, um sich auf die Veranda zu setzen und sich die To-Do-Liste anzusehen, die Cynthia ihr gegeben hatte. In dem Moment kam Daniel nach Hause und schlenderte ihr auf dem Kiesweg entgegen.

&bdquo;Oh Mann, bin ich froh, dich zu sehen“, sagte Emily, als sie zu ihm aufblickte. &bdquo;Mein Tag war von der ersten Minute an total beschissen.“

Daniel setzte sich neben sie auf die Veranda. &bdquo;Was ist denn los?“

Emily berichtete ihm von dem Vorfall mit Mr. Kapowski, dass Lola und Lolly ihre einzige Aufgabe nicht erfüllt hatten, dass sie ein paar schöne Schuhe im Hühnergehege ruiniert und danach den Speck angebrannt hatte, dass Mr. Kapowski gegangen war und was Cynthia alles kritisiert hatte.

&bdquo;Hol erst einmal tief Luft“, sagte Daniel mit einem Grinsen auf dem Gesicht, nachdem sie ihre Geschichte beendet hatte.

&bdquo;Lach mich nicht aus.“ Emily schmollte. &bdquo;Es war ein wirklich anstrengender Tag und ich könnte deine Unterstützung gebrauchen.“

Daniel gluckste. &bdquo;Eines Tages wirst du zurückblicken und die lustige Seite daran erkennen. Das heißt, sobald all das hinter dir liegt und du die erfolgreichste Pension in Maine führst.“

&bdquo;Ich bezweifle, dass das geschehen wird“, erwiderte Emily, die in ihrer schlechten Stimmung noch weiter versank. Sie konnte sich gar nicht vorstellen, mit der Pension jemals erfolgreich zu sein. Sie war sich nicht einmal sicher, ob sie diese in der nahen Zukunft überhaupt noch finanzieren konnte. &bdquo;Das Schlimmste ist ja, dass ich genau weiß, dass die beiden Recht haben“, fügte sie hinzu. &bdquo;Ich bin nicht gut genug. Ich muss besser werden. Und ich muss all die Veränderungen durchführen, die Cynthia vorgeschlagen hat. Die Pension, die sie früher einmal geführt hatte, war eine der besten in ganz Maine. Es wäre töricht, ihre Vorschläge nicht anzunehmen.“

&bdquo;Was glaubst du, wie viel Arbeit noch ansteht?“, fragte Daniel.

&bdquo;Ganz schön viel. Cynthia meinte, dass die anderen beiden Zimmer so schnell wie möglich hergerichtet werden müssen. Sie sollten in anderen Farbmustern gehalten sein und sich in den Übernachtungskosten unterscheiden, um den Gästen das Gefühl zu geben, dass sie die Wahl und die Kontrolle haben. Sie sagte, dass sich die meisten Menschen für das Zimmer mit dem mittleren Preis entscheiden werden, denn sie wollen vor ihrem Partner nicht geizig erschienen, aber es wird immer wieder Leute geben, die zur günstigsten Option tendieren, genauso wie es immer welche geben wird, die nur das teuerste nehmen.“

&bdquo;Wow“, entgegnete Daniel. &bdquo;Ich wusste gar nicht, dass man so viel bedenken muss.“

&bdquo;Ich auch nicht“, erwiderte Emily. &bdquo;Ich bin die ganze Sache blind und naiv angegangen. Aber ich will, dass es funktioniert, das will ich wirklich.“

&bdquo;Was musst du also verändern? Und wie lange wird das dauern?“

&bdquo;So ziemlich alles“, gab Emily niedergeschlagen zu. &bdquo;Und es muss so schnell wie möglich geschehen. Das wird den Rest meiner Ersparnisse auffressen. Ich habe ausgerechnet, dass ich die Pension mit meinen Ersparnissen nur noch bis zum vierten Juli am Laufen halten. Das heißt, noch einen Monat.“

Sofort bemerkte sie die Veränderung in Daniels Körpersprache, denn er rückte kaum merklich von ihr ab. Sie war sich durchaus bewusst, dass sie ihrer Beziehung eine Art Zeitlimit gesetzt hatte, genau wie ihrem Unternehmen, und es schien, als ob sich Daniel bereits jetzt schon von ihr distanzierte, wenn auch nur um ein paar Zentimeter.

&bdquo;Was wirst du also tun?“, wollte er wissen.

&bdquo;Ich werde alles auf eine Karte setzen“, antwortete sie entschlossen.

Daniel lächelte und nickte. &bdquo;Warum sollte man eine Sache nur halb angehen?“, stimmte er zu.

Dann legte er seinen Arm um ihre Schulten und Emily lehnte sich an ihn, erleichtert, dass er den Abstand zwischen ihnen wieder geschlossen hatte. Doch die Veränderung in ihm würde sie so schnell nicht vergessen.

Sie hatte ihrer Beziehung einen Countdown gestellt, der nun langsam ablief.




KAPITEL SECHS


&bdquo;Diese Kommode würde perfekt in den kleineren Raum passen“, bemerkte Emily, während sie mit den Fingern über die Oberseite der aus Kiefernholz gefertigten Kommode strich und zu Daniel hinüberschaute.

Ihr Herzschlag beschleunigte sich wie immer, wenn sie sich in Ricos Antiquitätenladen in ein verstecktes Schmuckstück verliebte. Sie konnte sehen, dass auch Daniel begeistert war, als er es betrachtete; es war ein zusätzliches Plus, dass sie ihre Dates am liebsten hier verbrachten.

Die beiden genossen den Nervenkitzel, etwas Seltenes und Exotisches für die Pension zu entdecken, doch sie genossen auch die Unterhaltung, die der alte, vergessliche Mann ihnen bot. Während Ricos Kurzzeitgedächtnis kein Stück verlässlich war, konnte er sich so gut wie kein anderer an lang zurückliegende Ereignisse erinnern, und häufig erzählte er ganz unerwartet Anekdoten über die Bewohner der Stadt oder erteile Geschichtsunterricht über Sunset Harbor. Außerdem trafen sie dort häufig Serena, die Emily mittlerweile als gute Freundin betrachtete, auch wenn diese fünfzehn Jahre jünger war als sie selber.

Dann schaute Emily auf und entdeckte einen reizenden Frisierspiegel mit Goldrand.

&bdquo;Oh, und der hier wäre ebenfalls perfekt.“

Sie huschte durch den Laden, Daniel war ihr dicht auf den Fersen, während sie von einer Kommode zur nächsten sprang. Dabei schrieb sie die Preise und Produktnummern der Gegenstände, an denen sie interessiert war, auf, sodass sie am Ende Rico einfach nur die Liste geben musste. Immerhin würde sie mehrere Gegenstände kaufen und es war nicht sonderlich ratsam, den armen Mann zu verwirren.

&bdquo;Was ist mit dem hier?“, fragte Emily Daniel, während sie ein großes Himmelbett betrachtete. &bdquo;Cynthia meinte, dass das Bett größer sein müsste und dass sich meine Gäste wie Mitglieder eines Königshauses fühlen sollten.“

Daniel kam von der Stelle, an dem er ein paar Vogelbäder aus Stein untersucht hatte, zu ihr hinüber und blieb neben ihr stehen.

&bdquo;Wow. Ich meine, ja, deine Gäste werden sich definitiv königlich fühlen, wenn sie in diesem Teil schlafen. Es ist riesig. Meinst du, das passt auch wirklich ins Zimmer?“

Emily holte ein Metermaß hervor und begann, das Bett abzumessen. Anschließend überprüfte sie die Daten auf dem Diagramm in ihrer Tasche. Sie hatte die Raumabmessungen aufgeschrieben, um sicherzugehen, dass sie nur Möbel kaufte, die auch wirklich in die Zimmer passten. Ihr Plan sah vor, die anderen beiden Hauptzimmer zu renovieren und all ihre finanziellen Mittel auszuschöpfen, um sie so perfekt wie möglich zu gestalten. Dann, sobald die ersten drei Zimmer genügend Geld eingebracht hatten, wollte sie schnell auf zwanzig Räume aufstocken, die sie zu einem günstigen Preis vermieten würde.

&bdquo;Es würde auf jeden Fall in die Hochzeitssuite passen!“ Emily strahlte. Sie war von dem wunderschönen Bettgestell so begeistert, dass schon allein der Gedanke daran, es zu besitzen und in eines der Schlafzimmer zu stellen, ausreichte, um ihr einen gewissen Kick zu geben.

Daniel griff nach dem Preisschild und sah es sich an. &bdquo;Hast du gesehen, wie teuer es ist?“

Emily beugte sich vor und las das Schildchen. &bdquo;Es gehörte einem norwegischen Adligen aus dem fünfzehnten Jahrhundert“, las sie vor. &bdquo;Natürlich wird es teuer sein.“

Daniel warf ihr einen verwirrten Blick zu. &bdquo;Warum bist du so ruhig? Die Emily, die ich kenne, würde jetzt schon hyperventilieren.“

&bdquo;Ha, ha“, entgegnete Emily trocken, obwohl sie wusste, dass er Recht hatte. Sie war eine von denen, die sich immer um alles Sorgen machten, doch diesmal war es anders. Vielleicht lag es an der tickenden Uhr, der läutenden Glocke oder dem Sand, der durch die Sanduhr ihrer Beziehung rieselte. Etwas an dieser Endgültigkeit ließ sie alle Vorsicht in den Wind schießen. &bdquo;Man muss schließlich auch Geld ausgeben, um Geld einzunehmen, nicht wahr?“, bemerkte sie mutig. &bdquo;Wenn ich jetzt spare, werde ich es später bereuen. Die Pension würde in sich zusammenbrechen.“

&bdquo;Das klingt zwar ein bisschen dramatisch“, entgegnete Daniel mit einem Lachen. &bdquo;Aber ich weiß, was du meinst. Du musst jetzt investieren, um eine Grundlage zu schaffen.“

Emily atmete tief durch.

&bdquo;Okay, gut. Jetzt, da du auf meiner Seite bist, bin ich bereit, die Sache anzupacken.“

Der Gedanke, ihre ganzen Ersparnisse auszugeben und finanziell gesehen kurz vor dem Ruin zu stehen, ließ Emily nicht in einen Freudentanz ausbrechen. Sie war normalerweise vorsichtig und überdachte ihre Entscheidungen gut, sie wog stets die Vorteile mit den Nachteilen ab, bevor sie sich auf etwas einließ – zumindest hatte sie das, bis sie ihren Job überstürzt gekündigt und ihren Freund in New York verlassen hatte und nach Maine geflüchtet war. Vielleicht war sie ja impulsiver als bisher angenommen. War Cynthia deshalb so exzentrisch geworden? Immerhin fügte sie ihrer Garderobe mit jedem Jahr, das verging, eine weitere leuchtende Farbe hinzu und färbte ihr Haar in einem anderen Farbton. So sehr Emily ihre liebe Freundin auch mochte, so erzitterte sie doch bei dem Gedanken, wie sie zu werden.

Emily zwang sich, sich nicht mehr mit der älteren Frau zu vergleichen, sondern sich auf die Aufgabe vor ihr zu konzentrieren.

&bdquo;Ich glaube, ich werde es kaufen“, sagte sie zu Daniel, wobei sie fast schon darauf hoffte, dass er nein sagte und ihr einen guten Grund nannte, es nicht zu tun.

Er erwiderte jedoch nur: &bdquo;Cool.“

In diesem Moment trat Rico zu ihnen. &bdquo;Ellie.“ Er strahlte. &bdquo;Es ist ja so schön, dich zu sehen.“ Der ältere Mann hatte immer Schwierigkeiten, sich an Emilys Namen zu erinnern.

&bdquo;Hi Rico“, sagte sie. &bdquo;Hast du noch mehr Himmelbetten wie dieses hier?“ Sie erinnerte sich an den geheimen Raum, den Rico ihr gezeigt hatte, einen Ort, an dem er die größeren und oft auch teureren Gegenstände lagerte, die man nicht so einfach bewegen konnte. In ihm verbargen sich Unmengen an Schätzen, sogar noch mehr als in dem ausladenden Haus ihres Vaters.

&bdquo;Natürlich“, erwiderte Rico, während er eine runzelige Hand auf ihren Arm legte. &bdquo;Sie sind hinten. Weißt du, wo es hingeht?“

Emily nickte. Rico hatte ihr und Daniel vor ein paar Tagen den geheimen Raum am Ende des Korridors gezeigt.

&bdquo;Wenn das so ist, dann schau dich einfach um“, meinte Rico. &bdquo;Ich vertraue dir.“

Emily lächelte in sich hinein und fragte sich, wie er ihr überhaupt vertrauen konnte, wenn er sich nicht einmal an ihren Namen erinnerte. Dann gingen sie und Daniel den dunklen, unbeleuchteten und gewundenen Flur entlang und betraten schließlich den großen Raum im hinteren Bereich des Ladens. Genau wie bei ihrem letzten Besuch fröstelte Emily schnell und war von der unglaublichen Größe des Raumes überwältigt. Es fühlte sich so an, als würde man eine Höhle betreten. Sie zitterte und schlang die Arme um ihren Oberkörper. Daniel bemerkte ihr Zittern, weshalb er sie dicht an sich zog. Die Wärme, die er abstrahlte, tröstete Emily.

Sie drangen tiefer in den Raum vor, wobei sie an kleinen Schränken und Kommoden, Schreibtischen und Kleiderschränken vorbeikamen.

&bdquo;Narnia, ich komme“, scherzte Emily, als sie die besonders verzierte Tür eines Holzschrankes öffnete. Dann schrieb sie den Preis und die Artikelnummer auf ihre Einkaufsliste.

Schließlich erreichten sie die Stelle, an der alle Betten gelagert wurden.

&bdquo;Hier“, sagte Emily mit einem Blick auf einen antiken, aus dunklem Holz gefertigten Rahmen eines Himmelbettes. Die vier senkrechten Balken sahen genau wie die Baumstämme aus, aus denen sie geschnitzt worden waren. Es hatte schon fast etwas Magisches an sich. &bdquo;Das ist genau das, was ich brauche. Noch so eines und die teuren Zimmer werden einen ziemlich luxuriösen Flair verstrahlen, findest du nicht?“

Daniel schien von diesem Bett besonders beeindruckt zu sein. &bdquo;Es ist unglaublich gut gebaut. Ich meine, das erkennt man an der Tatsache, wie gut es die Zeit überstanden hat, aber auch an dem Lack, der Art, wie er dem Holz eine natürliche Farbe verleiht.“ Er schien sich in das Bett verliebt zu haben, doch gleich nachdem er die Worte ausgesprochen hatte, wurde er sofort von einem anderen Bett abgelenkt. &bdquo;Emily, schau dir das hier an, schnell!“

Emily lachte, als er sie an der Hand zu einem weiteren, verzierten Bettrahmen zog. Dieser war in einem blasseren Lack gestrichen und machte fast schon den Anschein, als stammte es aus einer Isländischen Holzhütte. In das Kopf- und Fußteil waren Muster geschnitzt worden. Es war wunderbar und der Anblick raubte ihr den Atem.

&bdquo;Das ist eine absolute Seltenheit, Emily!“, rief Daniel begeistert. &bdquo;Es wurde per Hand geschnitzt. Wunderbare Holzarbeit. Wenn du das hier kaufst, könntest du die Pension direkt schon auf einer Landkarte vermerken!“

In Emily breitete sich Wärme aus. Es stimmte. Die Betten, die sie in Ricos Laden gefunden hatte, waren wunderschön und einzigartig. Jetzt verstand sie, was Cynthia ihr sagen wollte, als sie ihr erzählt hatte, dass sich die Gäste wie Könige fühlen sollten. Sie würde sich auf jeden Fall wie eine Prinzessin fühlen, wenn sie in einem von ihnen schlief.

&bdquo;Also“, sagte Emily, während sie mit den Fingern über das Holz eines senkrechten Balkens strich. &bdquo;Wir können die Betten aber nur unter einer Bedingung kaufen.“

&bdquo;Oh?“, meinte Daniel mit gerunzelter Stirn.

Emily spitzte die Lippen und zog eine Augenbraue hoch. &bdquo;Wir müssen jedes einzelne davon testen. Um die Qualität zu überprüfen, natürlich.“

&bdquo;Du meinst…Oh!“ Daniel verstand, was Emily auf so zweideutige Weise vermitteln wollte, weshalb er mit den Augenbrauen wackelte. Plötzlich erschien die Vorstellung, die Betten zu kaufen, sogar noch reizvoller. &bdquo;Oh, also, natürlich…“, murmelte er, während er seine Arme um Emily schlang und sie in eine Umarmung zog. &bdquo;Du könntest nicht ruhig schlafen, ohne selbst ausgetestet zu haben, wofür deine Gäste zahlen.“

Er drückte verführerische Küsse in ihren Nacken und Emily musste lachen.

&bdquo;Ich werde Rico meine Liste geben“, sagte sie, bevor sie sich aus seiner Umarmung löste. &bdquo;Und mich von all meinem Geld verabschieden.“

Daniel pfiff durch die Zähne. &bdquo;Darüber wird er sehr glücklich sein. An diesem einen Einkauf verdient er wahrscheinlich genauso viel wie sonst in einem ganzen Monat!“

Sie ließ Daniel in dem großen Raum zurück und machte sich auf die Suche nach Rico.

&bdquo;Evie“, begrüßte er sie, als sie wieder in den Verkaufsraum trat. &bdquo;Hast du gefunden, was du wolltest?“

&bdquo;Das habe ich“, erwiderte Emily. &bdquo;Ich würde gerne drei Kleiderschränke, einen Frisiertisch, zwei Schreibtische, sechs Nachttischschränkchen, eine hohe Kommode, zwei normale Kommoden, drei Teppiche und drei antike Betten kaufen.“

&bdquo;Oh“, brachte Rico hervor, der ein wenig überrascht wirkte, als sie ihm die Liste mit den Artikeln und Preisen überreichte. &bdquo;Das sind aber ganz schön viele.“ Er begann, alles mit seiner antiken Kasse zusammenzuzählen.

&bdquo;Ich richte zwei weitere Räume in der Pension ein und gestalte einen um.“

&bdquo;Ah ja, du bist die junge Frau mit der Pension“, sagte Rico nickend. &bdquo;Dein Vater wäre sehr stolz auf das, was du erreicht hast.“

Emily trat unruhig von einem Fuß auf den anderen. Obwohl sie seine netten Worte schätzte, fühlte sie sich unwohl dabei, an ihren Vater zu denken.

&bdquo;Danke“, erwiderte sie leise.

&bdquo;Also“, sagte Rico mit trockener Stimme, &bdquo;da du eine geschätzte Kundin bist und etwas tust, von dem die ganze Stadt profitieren wird, gebe ich dir einen Rabatt.“ Er drückte ein paar Knöpfe und eine neue Zahl erschien auf der staubigen Anzeige.

Emily verengte die Augen, das konnte doch nicht stimmen. &bdquo;Aber Rico, das ist ein Rabatt von fünfzig Prozent.“ Sie war sich nicht sicher, ob sich der ältere Mann nicht vertippt hatte; sie wollte ihn auf keinen Fall prellen.

&bdquo;Das stimmt. Du bekommst einen besonderen Sunset Harbour-Memorial-Wochenendrabatt.“ Er zwinkerte.

Emily brachte kein Wort heraus, weshalb sie ihm einfach ihre Kreditkarte gab. Sie konnte kaum glauben, dass er so großzügig war.

&bdquo;Bist du dir sicher?“

Rico winkte nur ab, um sie zum Verstummen zu bringen. Dann fuhr er mit dem Verkauf fort, doch Emily konnte nur stumm und leicht benommen herumstehen.

&bdquo;Vielen Dank, Rico“, sagte sie atemlos. Dann drückte sie dem alten Mann einen Kuss auf die Wange. &bdquo;Ich weiß gar nicht, wie ich dir danken soll.“

Sein Lächeln wurde größer und sagte schon alles.

Als sie zurück durch den Antiquitätenladen lief, um Daniel zu finden, war sie so aufgeregt wie ein kleines Kind.

&bdquo;Rico hat mir die Hälfte des Preises nachgelassen!“, rief sie, als sie ihn erreichte.

Er hatte einen überraschten Ausdruck auf dem Gesicht.

&bdquo;Das ist ja wunderbar“, erwiderte Daniel.

&bdquo;Komm schon“, meinte Emily, die plötzlich ungeduldig war. &bdquo;Lass uns das Zeug hier rausholen und dann damit beginnen, die Pension auf den neuesten Stand zu bringen.“

Daniel lachte. &bdquo;Ich habe noch nie erlebt, dass sich jemand so sehr auf das Ende eines Dates gefreut hat.“

&bdquo;Tut mir leid“, sagte Emily mit hochrotem Kopf. &bdquo;Es ist nur so, dass es so viel zu tun und vorzubereiten gibt, bist Jayne ankommt.“

&bdquo;Wer ist Jayne?“, wollte Daniel wissen. &bdquo;Du hast mir gar nicht gesagt, dass du noch einen Gast erwartest.“ Er schien sich für sie zu freuen, machte aber auch einen leicht überraschten Eindruck.

Emily lachte. &bdquo;Oh, so ist das nicht. Jayne ist meine älteste Freundin aus New York.“

Plötzlich schien sich Daniel unwohl zu fühlen. Bei Amys Besuch war er das Gefühl nicht losgeworden, dass sie ihn abschätzig betrachtete, weshalb er nur ungern weitere Freundinnen von Emily treffen wollte.

&bdquo;Okay“, murmelte er fast schon.

&bdquo;Sie ist sehr nett“, versicherte ihm Emily. &bdquo;Und sie wird dich lieben.“ Sie drückte ihm einen Kuss auf die Wange.

&bdquo;Das kannst du doch gar nicht wissen, widersprach Daniel. &bdquo;Man weiß nie – manchmal kommen Menschen einfach nicht miteinander klar. Und ich bin nicht gerade der umgänglichste Mann auf der Welt.“

Emily schlang ihre Arme um seinen Hals und drückte ihren Kopf an seine Brust. &bdquo;Ich verspreche es dir. Sie wird dich leiben, weil ich dich liebe. So funktioniert das nun einmal bei besten Freundinnen.“

Nachdem ihr die Worte entschlüpft waren, erkannte Emily, dass sie das L-Wort gesagt hatte. Sie hatte Daniel ihre Liebe gestanden, doch der Gedanke jagte ihr keine Angst ein. Es auszusprechen hatte sich sogar wie das Natürlichste auf der Welt angefühlt. Ihr fiel jedoch auf, dass Daniel ihre Worte nicht erwidert hatte, weshalb sie sich fragte, ob sie diese Grenze wohl zu früh überschritten hatte.

Die beiden standen eine Weile lang einfach nur in dem alten Antiquitätenladen und umarmten sich stumm. Doch die ganze Zeit über dachte Emily darüber nach, was Daniels Schweigen wohl bedeuten mochte.



*



Als sie die schweren Himmelbetten aus Daniels Truck ausluden und sie in die jeweiligen Zimmer trugen, dämmerte es bereits. Die nächsten paar Stunden verbrachten sie damit, die Möbelstücke aufzustellen und sie im Raum zu platzieren, wobei keiner von ihnen über die Worte sprach, die im Hinterzimmer von Ricos Laden zwischen ihnen gefallen waren.

Während der Himmel draußen immer dunkler wurde, hatte Emily das Gefühl, dass das Haus nun immer mehr wie eine echte Pension aussah, als ob sie sich noch weiter auf die Vorstellung eingelassen hätte. Auf mehr als nur eine Art und Weise hatte sie einen Punkt erreicht, von dem aus sie nicht mehr umkehren konnte, und zwar nicht nur mit ihrer Pension, sondern auch mit ihren Gefühlen für Daniel. Sie liebte ihn. Sie liebte die Pension. Und an keinem der beiden zweifelte sie.

&bdquo;Ich denke, wir sollten die Nacht in meinem Cottage verbringen“, verkündete Daniel, als es gerade Mitternacht schlug.

&bdquo;Okay“, antwortete Emily leicht überrascht. Sie hatte noch nie in Daniels Kutscherhaus übernachtet und fragte sich, ob es wohl seine Art war, ihr zu zeigen, dass er es mit ihrer Beziehung ernst meinte, nachdem er ihr zuvor schon nicht die drei kleinen Worte hatte sagen können.

Sie schlossen die Pension ab und überquerten den Rasen bis sie an dem Ort ankamen, an dem Daniels kleines Kutscherhaus in der Dunkelheit stand. Er öffnete die Tür und ließ Emily eintreten.

Sie fühlte sich immer so viel jünger, wenn sie sein Haus betrat. Etwas an seiner großen Sammlung an CDs und Büchern schüchterte sie leicht ein. Nun ließ Emily ihren Blick über die Regale wandern und überflog die Titel aller akademischen Werke, die Daniel besaß. Psychologie. Fotografie. Er besaß so viele Bücher zu so vielen unterschiedlichen Themen. Und zu Emilys Erheiterung befanden sich zwischen all diesen einschüchternd aussehenden, akademischen Texten auch kommerzielle Krimiromane.

&bdquo;Das glaube ich ja nicht!“, rief sie. &bdquo;Du liest Agatha Christie?“

Daniel zuckte nur mit den Schultern. &bdquo;Es ist nichts Verwerfliches dabei, hin und wieder etwas von Agatha zu lesen. Sie kann sehr gut erzählen.“

&bdquo;Aber richten sich ihre Bücher nicht an Frauen mittleren Alters?“

&bdquo;Warum liest du dann nicht eines und sagst es mir dann?“, entgegnete er verschmitzt.

Emily schlug ihn mit einem Kissen. &bdquo;Wie kannst du es wagen? Fünfunddreißig gehört wohl kaum zum mittleren Alter!“

Sie lachten, während Daniel Emily auf die Couch drückte. Dann kitzelte er sie gnadenlos durch, womit er sie zum Kreischen brachte, und sie schlug mit ihren Fäusten auf seinen Rücken ein. Anschließend brachen sie, erschöpft von ihrem gespielten Kampf, aufeinander zusammen. Langsam verebbte Emilys Lachen. Sie keuchte in dem Versuch, zu Atem zu kommen, schlang ihre Arme um Daniels Nacken und fuhr mit den Fingern durch sein Haar. Die spielerische Stimmung zwischen den beiden verblasste und wurde wieder ernst.

Daniel löste sich so weit von ihr, dass er ihr Gesicht sehen konnte. &bdquo;Du bist wunderschön, weißt du das?“, sagte er. &bdquo;Ich bin mir nicht sicher, ob ich es dir oft genug sage.“

Emily wusste, was er ihr mit seinen Worten eigentlich vermitteln wollte. Er bezog sich auf vorhin, auf die Tatsache, dass er ihr nicht gesagt hatte, dass er sie auch liebte. Er versuchte, es jetzt wieder gut zu machen, indem er sie mit Komplimenten überhäufte. Das war zwar nicht wirklich das Gleiche, aber sie war trotzdem froh, das zu hören.

&bdquo;Danke“, murmelte sie. &bdquo;Du bist auch nicht so schlecht.“

Daniel verzog seinen Mund zu seinem typischen Grinsen, das Emily so sehr liebte.

&bdquo;Ich bin so froh, dass ich dich getroffen habe“, fuhr er fort. &bdquo;Im Vergleich dazu, wie mein Leben vor dir war, ist es nun fast schon unglaublich. Du hast alles auf den Kopf gestellt.“

&bdquo;Ich hoffe, auf gute Weise“, meinte Emily.

&bdquo;Auf die beste Weise“, versicherte ihr Daniel.

Emily spürte, wie sich ihre Wangen röteten. So sehr sie es auch genoss, diese Worte aus Daniels Mund zu hören, war sie dennoch schüchtern und immer noch etwas unsicher, wo genau sie bei ihm stand. Zudem wusste sie nicht, wie sehr sie sich auf ihn einlassen sollte, wenn man einmal bedachte, wie angespannt die Lage mit der Pension gerade war.

Daniel schien sich bei den nächsten Worten schwer zu tun, weshalb Emily ihn geduldig und mit aufmunterndem Blick ansah.

&bdquo;Wenn du weggehen würdest, dann wüsste ich nicht, was ich tun sollte“, sagte Daniel. &bdquo;Nein, ich weiß es. Ich würde nach New York fahren, um wieder mit dir zusammen zu sein.“ Er nahm ihre Hand. &bdquo;Ich will damit sagen, bleib bei mir. Okay? Wo auch immer wir schließlich landen werden, bitte verlass mich nicht.“

Daniels Worte berührten Emily tief. In ihnen lag so eine Ernsthaftigkeit, so eine Zärtlichkeit. Er vermittelte ihr nicht seine Liebe, sondern etwas Anderes, etwas Ähnliches oder zumindest Bedeutendes. Es war sein Verlangen, mit ihr zusammen zu sein, egal, was mit der Pension geschah. Er schob die tickende Uhr beiseite, indem er ihr erklärte, dass es ihm egal war, ob sie es bis zu vierten Juli schaffte, denn er würde immer bei ihr sein.

&bdquo;Das werde ich“, versprach Emily, während sie mit bewundernd zu ihm aufblickte. &bdquo;Wir können zusammenbleiben. Egal, was passiert.“

Daniel beugte sich vor und küsste Emily hart. Sie spürte, sie sich ihr Körper daraufhin aufheizte und sich die Hitze zwischen ihnen intensivierte. Dann stand Daniel auf und streckte ihr seine Hand entgegen. Sie biss sich auf die Lippe, ergriff seine Hand und folgte ihm in eifriger Erwartung ins Schlafzimmer.




KAPITEL SIEBEN


Das Date war genau das gewesen, was sowohl Emily als auch Daniel gebraucht hatten. Manchmal wurden sie von all der Arbeit in der Pension so erdrückt, dass sie alles andere schleifen ließen. Deshalb war es keine Überraschung, dass beide den Wecker überhörten, der um acht Uhr klingelte. Vor allem Emily musste viel Schlaf aufholen.

Als die beiden schließlich aufwachten – um 9 Uhr, was für sie mittlerweile unglaublich spät war – beschlossen sie, ihre Zeit im Bett noch ein wenig länger zu genießen, da sie in der Nacht zuvor so viel Spaß zusammen zwischen den Laken gehabt hatten.

Letztendlich standen sie gegen zehn Uhr auf, doch auch danach genossen sie ein langes und gemütliches Frühstück, bevor sie sich schließlich eingestanden, dass sie zurück ins Haupthaus gehen und mit der Renovierung der neuen Räume weitermachen mussten.

&bdquo;Hey, schau mal“, meinte Daniel, als er die Tür des Kutscherhauses hinter ihnen zuzog und abschloss. &bdquo;In der Einfahrt steht ein Auto.“

&bdquo;Noch ein Gast?“, fragte sich Emily.

Sie begannen gemeinsam, Hand in Hand, den Kiesweg entlangzugehen. Emily richtete ihren Blick auf das Haus, wo sie eine Frau mit glänzend schwarzem Haar auf der Veranda sehen konnte. Neben ihr lagen mehrere Taschen auf dem Boden und sie betätigte unaufhörlich die Klingel.

&bdquo;Ich glaube, du hast Recht“, sagte Daniel.

Emily schnappte nach Luft, als sie plötzlich erkannte, wer dort stand.

&bdquo;Oh nein, ich habe Jayne vergessen!“, schrie sie. Dann warf sie einen schnellen Blick auf ihre Armbanduhr. Es war elf Uhr. Jayne hatte gesagt, dass sie so gegen zehn ankommen würde. Sie hoffte, dass ihre Freundin nicht schon seit einer Stunde dastand und an der Tür klingelte.

&bdquo;Jayne!“, rief sie, während sie den Kiesweg entlangrannte. &bdquo;Es tut mir so leid! Ich bin hier!“

Jayne wirbelte herum, als sie ihren Namen hörte. &bdquo;Em!“, schrie sie und winkte. Als sie Daniel bemerkte, der ein paar Schritte hinter Emily lief, zog sie die Augenbrauen hoch, als ob sie damit sagen wollte: &bdquo;Wer ist dieser Kerl?“

Emily erreichte sie und zog ihre Freundin in eine Umarmung.

&bdquo;Wartest du schon seit einer ganzen Stunde hier?“, wollte Emily besorgt wissen.

&bdquo;Als ob, Emily. Wie gut kennst du mich denn bitte? Natürlich war ich nicht rechtzeitig hier. Ich kam etwa eine dreiviertel Stunde zu spät!“

&bdquo;Aber trotzdem“, sagte Emily mit entschuldigendem Tonfall. &bdquo;Fünfzehn Minuten sind eine lange Zeit, wenn man alleine auf einer fremden Veranda steht.“

Jayne ging auf der Veranda auf und ab. &bdquo;Es ist eine robuste, kräftige Veranda. Sie hat es ausgehalten.“

Emily lachte und in diesem Moment kam auch endlich Daniel an.

&bdquo;Jayne, das ist Daniel“, sagte Emily schnell, denn sie wusste, dass sie um seine Vorstellung nicht herumkam.

Daniel schüttelte höflich Jaynes Hand, auch wenn er sie dabei beäugte wie ein Stück Fleisch.

&bdquo;Schön, dich kennenzulernen“, meinte er. &bdquo;Emily hat mir schon so viel von erzählt.“

&bdquo;Wirklich?“, fragte Jayne, wobei sie ihre Augenbrauen weit hochzog. &bdquo;Denn sie hat mir absolut nichts von dir erzählt. Du bist ein gut gehütetes Geheimnis, Daniel.“

Emily wurde unwillkürlich rot. Jayne war nicht für ihre feinfühlige Art bekannt oder dafür, ihren Mund zu halten, wenn es besser wäre. Emily konnte nur hoffen, dass Daniel in ihren Worten keine unterschwellige Bedeutung gelesen und Schlüsse gezogen hatte, die nicht der Wahrheit entsprachen.

&bdquo;Soll ich dir mit deinen Taschen helfen?“, fragte er.

&bdquo;Ja, bitte“, erwiderte Jayne.

Sobald sich Daniel hinabbeugte, um ihre Taschen aufzuheben, verrenkte diese sich den Nacken, um seinen Hintern zu betrachten. Dann sah sie Emily in die Augen und gab ihre Zustimmung nickend preis, wobei sich Emily jedoch innerlich krümmte.

&bdquo;Ich nehme die schon“, sagte Emily schnell, schob Daniel aus dem Weg und schnappte sich die Taschen. &bdquo;Wow, Jayne, die sind ja richtig schwer! Was hast du denn alles eingepackt?“

&bdquo;Oh, das Übliche“, entgegnete diese. &bdquo;Zwei Outfits pro Tag – für den Tag und für die Nacht – plus etwas Formelles für den Abend, man weiß ja nie. Und natürlich schöne Unterwäsche. Gesichtsmasken und Feuchtigkeitscremes, meinen Make-up-Beutel und meine Bürsten, Nagellack, ein Glätteisen sowie einen Lockenstab –“

&bdquo;Hast du wirklich ein Glätteisen und einen Lockenstab dabei?“, fragte Emily nach, während sie die Taschen über die Türschwelle in den Flur schleppte.

&bdquo;– und ein Welleneisen“, fügte Jayne hinzu. &bdquo;Man weiß ja nie, auf was man gerade Lust hat.“ Dabei grinste sie Emily verschmitzt an.

&bdquo;Emily“, warf Daniel ein, &bdquo;die Taschen sind viel zu schwer für dich. Warum lässt du sie mich nicht in Jaynes Zimmer tragen?“

&bdquo;Danke, Daniel“, sagte Emily, wobei sie darauf achtete, Daniels Hinterteil vor Jaynes Augen zu schützen, während dieser sich hinabbückte. &bdquo;Könntest du sie bitte in Raum Eins bringen?“

Das ursprüngliche Gästezimmer wurde von Emily und Daniel liebevoll &bdquo;Mr. Kapowskis Zimmer“ genannt, doch im Moment hatte Emily keine Lust darauf, diese Geschichte zu erklären. Sie wusste, dass es seltsam steif und formell klang, Daniel zu bitten, die Taschen in Zimmer Eins zu tragen, aber das war ihr gerade egal. Ihr Hauptaugenmerk lag darauf, Daniel so schnell es ging vor Jayne in Sicherheit zu bringen, und am besten ohne, dass sie ihm auf den Hintern starrte, während er die Treppe hinaufging. Der von hier am weitesten entfernte Raum schien dafür perfekt zu sein.

Emily wandte sich an Jayne. &bdquo;Komm, ich führe dich herum.“ Dann lotste sie sie in das Wohnzimmer.

&bdquo;Oh mein Gott!“, kreischte Jayne, noch bevor sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte. &bdquo;Ist das der neue Mann in deinem Leben? Sag bitte nein! Also wirklich? Wie konntest du das so lange geheim halten? Warum rufst du nicht jeden, den du jemals getroffen hast – und damit meine ich auch deine Kindergärtnerin und den Postboten – an, um allen zu erzählen, dass du mit einem heißen Holzfäller zusammen bist?“

Jayne sprach unglaublich schnell und laut, sodass normalerweise jeder Kopfschmerzen bekäme, wenn er ihr länger als fünf Minuten zuhörte.

&bdquo;Er ist kein Holzfäller“, flüsterte Emily, der die Situation leicht peinlich war. Wie hatte sie nur Jaynes brüske Art vergessen können? Warum um alles auf der Welt hatte sie es für eine gute Idee gehalten, ihre älteste Freundin in ihre Pension einzuladen, wenn dadurch nur ihre Beziehung auf den Prüfstand gestellt würde? Sie wollte Daniel nicht verschrecken, das hatte sie gestern bereits selber geschafft, als sie ihm ihre Liebe gestanden hatte.

&bdquo;Aber Schätzchen“, fuhr Jayne fort, &bdquo;er ist unglaublich heiß. Das ist dir schon klar, oder? Ich meine, ich weiß ja, dass sich dein Geschmack in den letzten Monaten komplett verändert hat, aber du erkennst doch wohl immer noch einen heißen Mann, wenn er vor dir steht, nicht wahr?“

&bdquo;Ja“, flüsterte Emily und verdrehte die Augen. &bdquo;Bitte verhalte dich in seiner Gegenwart nicht so seltsam. Es ist alles noch ganz neu. So richtig neu.“

&bdquo;Was meinst du mit seltsam?“

&bdquo;Ich meine damit, dass du kein Wort über Babys oder das Heiraten verlieren sollst. Und erwähne bloß nicht Ben oder einen meiner anderen Ex-Freunde. Und bitte, oh Gott bitte, erzähle ihm nicht, wie absolut verrückt meine Mutter ist.“

Jayne lachte. &bdquo;Du magst diesen Kerl wirklich, nicht wahr? So nervös habe ich dich schon lange nicht mehr gesehen.“

Emily krümmte sich innerlich. &bdquo;Also, ja, das tue ich wirklich. Ich glaube, ich habe mich in ihn verliebt.“

&bdquo;Auf keinen Fall!“, schrie Jayne, deren Stimmvolumen sich noch einmal ein Stücken anhob. &bdquo;Du bist verliebt?“

Genau in diesem Moment betrat Daniel den Raum. Emily erstarrte und Jaynes Augen weiteten sich vor Schock. Dann presste sie ihre Lippen aufeinander.

&bdquo;Ups“, sagte sie laut, während sie beschämt von einem Gesicht zum anderen blickte. &bdquo;Also, Daniel“, sprach sie weiter, um die Spannung zu vertreiben, die so dick war, dass man sie schon fast schneiden konnte, &bdquo;erzähl mir mehr von dir.“

Daniel schaute von Emily zu Jayne und schluckte schwer. &bdquo;Äh, also, ich glaube, ich sollte euch Damen alleine lassen. Die Hunde müssen ausgeführt werden.“ Mit diesen Worten zog er sich eilig aus dem Raum zurück.

Emily seufzte und spürte, wie sie in sich zusammenfiel. Daniels Reaktion auf ihre Liebe zu ihm tat ihr weh. Dann wandte sie sich an Jayne.

&bdquo;Können wir für eine Weile hier rausgehen? Ich könnte dir Sunset Harbor zeigen. Du bist das erste Mal hier und das ist der Ort, an dem ich als Kind die meisten Sommer verbrachte, weshalb ich mich freuen würde, dir die Sehenswürdigkeiten zu zeigen.“

&bdquo;Schätzchen, sag mir, welche Schuhe ich anziehen soll, dann bin ich voll dabei. Brauchen wir Wanderstiefel? Turnschuhe?“

Es war typisch Jayne, für jede mögliche Situation das richtige Paar Schuhe einzupacken.

&bdquo;Weißt du, seit ich New York verließ, war ich nicht mehr richtig joggen“, bemerkte Emily. &bdquo;Es würde bestimmt Spaß machen, eine Runde zu drehen. Der Tag ist zu schön, um ihn in einem Auto zu verbringen und auf diese Weise können wir auf jeden Fall mehr sehen als wenn wir nur gemütlich spazieren. Wir könnten den Weg am Meer entlang nehmen.“

&bdquo;Hört sich gut an“, erwiderte Jayne. &bdquo;Nach unserem Telefonat gestern bekam ich so viele Anrufe, dass ich meinen zwölf-Meilen-Lauf abbrechen musste. Eine richtige Jogging-Runde würde mir guttun.“

Emily schluckte. Eine richtige Jogging-Runde hatte für sie nie mehr als fünf Meilen umfasst. Und jetzt, nachdem sie in dieser Hinsicht sechs Monate lang faul gewesen war, würde sie sich freuen, überhaupt noch zwei Meilen zu schaffen.

&bdquo;Ich ziehe mich schnell um“, sagte sie.

Dann rannte sie die Treppe hinauf und ließ die Pension in der Obhut ihrer Freundin zurück. In ihrem Schlafzimmer angekommen, sah sie, dass Daniel auf dem Bett lag und zur Decke hinaufschaute.

&bdquo;Geht es dir gut?“, fragte sie vorsichtig. &bdquo;Ich dachte, du wolltest mit den Hunden Gassi gehen?“

&bdquo;Ich musste einfach nur aus diesem Zimmer raus“, antwortete Daniel.

&bdquo;Oh“, erwiderte Emily niedergeschlagen. Hatte ihn die Vorstellung, dass sie ihn liebte, so angewidert, dass er wegrennen musste?

Daniel setzte sich auf, wobei er einen leicht verwirrten Eindruck machte. &bdquo;Ich meine, warum muss sie so schnell reden? Und so laut? Und warum muss sie fünf Worte verwenden, wenn ein einziges doch genügen würde?“

Emily erkannte, dass Daniel nicht wegen ihr so schnell verschwunden war, sondern wegen Jayne und ihrer hektischen New Yorker Sprechweise. Sie lachte, womit sich ein Teil der Spannung verflüchtigte, die sich in ihr aufgestaut hatte.

&bdquo;Du weißt schon, dass ich auch einmal so war wie sie.“

Daniel schüttelte den Kopf. &bdquo;Auf keinen Fall. Das glaube ich nicht.“

&bdquo;Oh doch“, beharrte Emily. &bdquo;Warte nur ab. Nach fünf Tagen wirst du uns nicht mehr auseinanderhalten können.“

&bdquo;Oh mein Gott“, erwiderte Daniel nur, der sich zurück auf die Matratze fallen ließ.




KAPITEL ACHT


Jayne sah mit ihrem wehenden Haar und den langen und durchtrainierten Gliedern aus wie ein Supermodel, während sie neben den glitzernden Wellen her joggte. Im Gegensatz zu Emily schwitzte sie auch kaum. Alle, an denen sie vorbeikamen, sahen ihr nach, verblüfft von ihrer Schönheit und der Tatsache, eine so unglaublich attraktive Frau in ihrer ruhigen, verschlafenen Stadt zu sehen.

&bdquo;Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal das Meer gesehen habe“, sagte Jayne. &bdquo;Ich meine, außer auf der Fahrt hierher. Manchmal vergisst man in New York, dass es in der Welt noch mehr als Straßen und Hochhäuser gibt.“

&bdquo;Das stimmt“, erwiderte Emily keuchend, denn es fiel ihr schwer, sogar kurze Sätze zu formulieren.

Raj stellte gerade ein paar Topfpflanzen vor seinen Laden, als sie vorbeikamen.

&bdquo;Hi, Emily!“, rief er.

Als Antwort winkte sie ihm nur zu, denn sie wollte sich den Atem sparen. Dann sah sie Parker Black in seinem Großhandels-Van. Parker war ein junger Mann von gerade einmal dreiundzwanzig oder vierundzwanzig Jahren, dessen blonde, lockige Haare sich auf seinem Kopf türmten. Er hatte den Großhandel nach dem Tod seines Vaters schon mit sechzehn Jahren geerbt und tat seitdem sein Bestes, um den Laden am Laufen zu halten. Beim Eröffnen ihrer Pension hatte Emily sofort gewusst, dass Parker ihr Großhändler sein würde.




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