Der Wohlstand der Nationen Adam Smith Adam Smith Der Wohlstand der Nationen Adam Smith, geb. am 5. Juni 1723 zu Kirkaldy in Schottland, gest. zu Edinburgh im Jahre 1790, kam vierzehnjährig auf die Universität Glasgow, drei Jahre später nach Oxford. Seine Mutter – der Vater war schon vor der Geburt Adams gestorben – hatte ihn zum Geistlichen bestimmt, doch beschäftigte er sich bereits auf der Universität mit ganz anderen als theologischen Studien und kehrte nach siebenjährigem Aufenthalt in Oxford 1747 nach Schottland zurück, um lediglich den Wissenschaften zu leben. 1748 wandte er sich nach Edinburgh und hielt dort einige Jahre hindurch Vorlesungen über Rhetorik und schöne Wissenschaften. Hier wurde er mit Hume, dessen philosophische und ökonomische Werke großen Einfluss auf ihn übten, persönlich bekannt. 1731 wurde er Professor der Logik, 1752 Professor der Moralphilosophie in Glasgow. 1759 erschien seine »Theorie der sittlichen Empfindungen«, worin er nachzuweisen sucht, dass alle Moral ihre Grundlage in der Sympathie habe. Einige Jahre später legte er seine Professur nieder, um den jungen Herzog von Buccleugh auf Reisen zu begleiten (1764—66). Nach längerem Aufenthalt im südlichen Frankreich verweilte er mit seinem Zögling von Weihnachten 1765 bis zum Oktober 1766 in Paris, wo er mit Turgot, Quesnay, Necker und anderen ausgezeichneten Männern bekannt wurde. Nach der Rückkehr in sein Vaterland ging Smith wieder nach Kirkaldy, wo er die nächsten zehn Jahre lediglich mit Ausarbeitung seines epochemachenden Werkes über den Volkswohlstand beschäftigt war. Dieses Werk erschien im Jahre 1776. Einige Jahre darauf erhielt er auf Verwendung des Herzogs von Buccleugh die Stellung eines Zollkommissärs für Schottland, und lebte als solcher in Edinburgh, ohne für die Wissenschaft noch Erhebliches zu leisten. Einige kleinere Abhandlungen wurden nach seinem Tode veröffentlicht; den größten Teil seiner Handschriften aber verbrannte Smith einige Tage vor seinem Tode selbst. – Die erste Ausgabe des »Volkswohlstandes« wurde Ende des Jahres 1775 und anfangs des folgenden Jahres gedruckt. So oft daher vom »gegenwärtigen« Zustande der Dinge die Rede ist, hat man diese oder eine etwas frühere Zeit darunter zu verstehen. In der dritten Ausgabe sind verschiedene Zusätze gemacht, namentlich zu dem Kapitel über Rückzölle und Ausfuhrprämien; ferner ist ein neues Kapitel »über das Merkantilsystem« und zum Kapitel »über die Staatsausgaben« ein neuer Abschnitt hinzugekommen. So oft in diesen Zusätzen von dem »gegenwärtigen« Zustande der Dinge gesprochen wird, ist das Jahr 1783 und der Anfang des Jahres 178-4 darunter zu verstehen. Einleitung und Plan des Werkes Die jährliche Arbeit eines jeden Volkes ist der Fonds, welcher es ursprünglich mit allen Bedürfnissen und Annehmlichkeiten des Lebens versorgt, die es jährlich verbraucht, und die immer entweder in dem unmittelbaren Erzeugnis dieser Arbeit oder in demjenigen bestehen, was für dieses Erzeugnis von anderen Völkern gekauft wird. Je nachdem daher dieses Erzeugnis, oder das, was mit ihm gekauft wird, in einem größeren oder kleineren Verhältnis zu der Zahl derjenigen steht, welche es verbrauchen wollen, wird auch das Volk mit allen Bedürfnissen und Annehmlichkeiten besser oder schlechter versorgt sein. Dieses Verhältnis muss aber bei jedem Volke durch zwei verschiedene Umstände bestimmt werden; erstens durch die Geschicklichkeit, Fertigkeit und Einsicht, mit der seine Arbeit im Allgemeinen verrichtet wird; und zweitens durch das Verhältnis zwischen der Anzahl derer, die einer nützlichen Arbeit obliegen und derer, die dies nicht tun. Wie auch immer der Boden, das Klima oder der Gebietsumfang eines bestimmten Volkes beschaffen sein mag, der Überfluss oder die Unzulänglichkeit seines jährlichen Vorrats muss in dieser bestimmten Lage von jenen beiden Umständen abhängen. Der Überfluss oder die Unzulänglichkeit dieses Vorrats scheint übrigens mehr von dem ersten Umstande abzuhängen, als von dem zweiten. Unter den wilden Fischer- und Jägervölkern ist jedes arbeitsfähige Individuum mehr oder weniger mit nützlicher Arbeit beschäftigt und sucht nach Kräften die Bedürfnisse und Annehmlichkeiten des Lebens für sich selbst oder für solche Glieder seiner Familie oder seines Stammes herbeizuschaffen, die zu alt, zu jung oder zu schwach sind, um auf die Jagd und den Fischfang auszugehen. Solche Völkerschaften sind jedoch so jämmerlich arm, dass sie aus bloßem Mangel häufig gezwungen sind oder sich wenigstens für gezwungen halten, ihre Kinder, ihre Alten und die mit langwierigen Krankheiten Behafteten entweder umzubringen oder auszusetzen und dem Hungertode oder den wilden Tieren preiszugeben. Unter gesitteten und blühenden Völkern hingegen ist, obwohl oft eine große Menge Menschen gar nicht arbeiten und viele von ihnen das Produkt von zehn, ja hundert Mal mehr Arbeit verbrauchen, als der größere Teil der Arbeitenden, dennoch das Produkt der gesamten Arbeit der Gesellschaft so groß, dass alle oft reichlich versorgt sind und ein Arbeiter, selbst der niedrigsten und ärmsten Klasse, wenn er mäßig und fleißig ist, sich eines größeren Anteils an den Bedürfnissen und den Annehmlichkeiten des Lebens erfreuen kann, als ein Wilder sich je zu verschaffen imstande wäre. Die Ursache dieser Zunahme in den produktiven Kräften der Arbeit und die Ordnung, nach welcher ihr Erzeugnis sich naturgemäß unter die verschiedenen Stände und Klassen der Gesellschaft verteilt, macht den Gegenstand des ersten Buches dieser Untersuchung aus. Welches auch der wirkliche Zustand der Geschicklichkeit, Fertigkeit und Einsicht ist, womit die Arbeit in einem Volke verrichtet wird, der Überfluss oder die Unzulänglichkeit seines jährlichen Vorrats muss während der Dauer dieses Zustandes von dem Verhältnisse abhängen, in welchem die Zahl derer, die das Jahr hindurch mit nützlicher Arbeit beschäftigt sind, zur Zahl derjenigen steht, welche es nicht sind. Die Zahl der nützlichen und produktiven Arbeiter steht, wie sich später zeigen wird, überall im Verhältnis zu der Menge des Kapitalvorrats, welcher dazu verwendet wird, sie zu beschäftigen, und zu der besonderen Art, in welcher es dazu verwendet wird. Das zweite Buch handelt daher von der Natur des Kapitals, von der Art, wie es sich allmählich anhäuft, und von den verschiedenen Mengen der Arbeit, welche es je nach der verschiedenen Weise seiner Anwendung in Bewegung setzt. Völker, die es in der Geschicklichkeit, Fertigkeit und Einsicht bei Verrichtung der Arbeit ziemlich weit gebracht haben, folgten sehr verschiedenen Plänen in ihrer allgemeinen Leitung oder Richtung; und diese Pläne sind nicht alle der Größe des Arbeitserzeugnisses gleich günstig gewesen. Die Politik mancher Völker begünstigte vorzüglich den Ackerbau, die anderer den städtischen Gewerbfleiß. Kaum irgendein Volk hat jede Art des Gewerbfleißes gleich und unparteiisch behandelt. Seit dem Untergang des römischen Reiches ist die Politik in Europa den Künsten, den Gewerben und dem Handel – der Industrie der Städte – günstiger gewesen, als der Agrikultur – der Industrie des platten Landes. Die Umstände, welche diese Politik eingeführt und befestigt zu haben scheinen, sind im dritten Buche auseinandergesetzt. Obgleich diese verschiedenen Pläne vielleicht zuerst durch die privaten Interessen und Vorurteile einzelner Stände, ohne Rücksicht und Voraussicht der Folgen, welche sie für die allgemeine Wohlfahrt der Gesellschaft haben mussten, zur Geltung kamen, so haben sie doch zu sehr verschiedenen Theorien der politischen Ökonomie, von denen die einen die Wichtigkeit der städtischen, die anderen die der ländlichen Industrie preisen, Veranlassung gegeben. Diese Theorien haben nicht bloß auf die Meinungen der Gelehrten, sondern auch auf die Maßregeln der Fürsten und Staaten einen beträchtlichen Einfluss geübt. Ich habe mich im vierten Buche bemüht, diese verschiedenen Theorien und die hauptsächlichsten Wirkungen, die sie in verschiedenen Zeiten und bei verschiedenen Nationen geäußert haben, so vollständig und klar, als ich es vermag, auseinanderzusetzen. Zu erörtern, worin das Einkommen der großen Masse des Volkes, oder jene Fonds bestanden, welche zu verschiedenen Zeiten und unter verschiedenen Völkern ihnen den jährlichen Bedarf lieferten, ist der Gegenstand der vier ersten Bücher. Das fünfte und letzte Buch handelt von dem Einkommen des Souveräns oder des Gemeinwesens. In diesem Buche habe ich mich bemüht, zu zeigen, erstens, welches die notwendigen Ausgaben des Souveräns oder Gemeinwesens sind; welche dieser Ausgaben durch allgemeine Beisteuern der ganzen Gesellschaft bestritten, und welche nur von einem einzelnen Teile oder von einigen ihrer Glieder getragen werden sollten; zweitens, nach welchen verschiedenen Methoden die ganze Gesellschaft zur Bestreitung der ihr obliegenden Ausgaben herangezogen werden kann, und welche hauptsächlichen Vorteile und Nachteile jede dieser Methoden hat; drittens endlich, welche Gründe und Ursachen fast alle neueren Regierungen veranlasst haben, einen Teil dieses Einkommens zu verpfänden oder Schulden zu kontrahieren, und welche Wirkung diese Schulden auf den wahren Wohlstand: den jährlichen Ertrag des Bodens und der Arbeit der Gesellschaft, gehabt haben. Erstes Buch Von den Ursachen der Zunahme in der Ertragskraft der Arbeit und von den Regeln, nach welchen ihr Ertrag sich naturgemäß unter die verschiedenen Volksklassen verteilt Erstes Kapitel Teilung der Arbeit Die größte Zunahme in der Ertragskraft der Arbeit und der größere Teil der Geschicklichkeit, Fertigkeit und Einsicht, womit sie irgendwo geleitet oder verrichtet wird, scheint aus den Wirkungen der Arbeitsteilung hervorgegangen zu sein. Die Wirkungen der Arbeitsteilung in der allgemeinen Tätigkeit der Gesellschaft werden leichter zu verstehen sein, wenn man beachtet, in welcher Weise sie in einigen besonderen Gewerben wirkt. Man nimmt gewöhnlich an, dass sie in gewissen sehr unbedeutenden Gewerben am weitesten getrieben sei; und vielleicht wird sie in diesen wirklich weiter getrieben, als in anderen von größerem Belang; aber in den unbedeutenderen Gewerben, welche die wenig umfangreichen Bedürfnisse einer nur geringen Menschenzahl zu versorgen haben, muss die Zahl der Arbeiter notwendig gering sein; und die in den verschiedenen Zweigen der Arbeit Beschäftigten können oft in derselben Werkstatt beisammen sein und sämtlich von einem Beobachter mit einem Blick übersehen werden. In den großen Fabriken dagegen, welche die wichtigsten Bedürfnisse des ganzen Volks zu beschaffen haben, beschäftigt jeder einzelne Arbeitszweig eine so große Zahl von Arbeitern, dass es unmöglich ist, sie alle in derselben Werkstatt zu versammeln. Man sieht da selten zu gleicher Zeit mehr als diejenigen, welche in einem einzelnen Zweige tätig sind. Obgleich daher in solchen Fabriken die Arbeit in der Tat in viel mehr Abteilungen zerfallen kann, als in Gewerben geringfügigerer Art, so ist die Teilung doch nicht entfernt so augenfällig und deshalb auch weit weniger beobachtet worden. Nehmen wir also ein Beispiel von einem sehr unbedeutenden Betriebe, der jedoch sehr oft wegen der darin herrschenden Teilung der Arbeit angeführt worden, nämlich von dem Geschäfte des Nadlers, so könnte ein für dieses Geschäft, aus dem die Teilung der Arbeit ein eigenes Gewerbe gemacht hat, nicht angelernter Arbeiter, der mit dem Gebrauch der dazu verwendeten Maschinen, zu deren Erfindung wahrscheinlich erst die Teilung der Arbeit Veranlassung gegeben hat, nicht vertraut wäre, vielleicht mit dem äußersten Fleiße täglich kaum eine, gewiss aber keine zwanzig Nadeln machen. In der Art aber, wie dies Geschäft jetzt betrieben wird, ist nicht allein die ganze Verrichtung ein eigenes Gewerbe, sondern es ist noch in eine Anzahl von Zweigen eingeteilt, von denen die meisten ebenfalls eigene Gewerbe sind. Ein Mann zieht den Draht, ein anderer streckt ihn, ein Dritter schneidet ihn in Stücke, ein Vierter spitzt ihn zu, ein Fünfter schleift ihn am oberen Ende, wo der Kopf angesetzt wird; die Verfertigung des Kopfes erfordert zwei oder drei verschiedene Verrichtungen; sein Ansetzen ist ein eigenes Geschäft, die Nadeln weiß zu glühen ein anderes; sogar das Einstecken der Nadeln in Papier bildet eine Arbeit für sich. Und so ist das wichtige Gewerbe, Stecknadeln zu machen, in ungefähr achtzehn verschiedene Tätigkeiten geteilt, die in manchen Fabriken alle von verschiedenen Händen verrichtet werden, während in andern manchmal derselbe Mann zwei oder drei verrichtet. Ich habe eine kleine Fabrik dieser Art gesehen, in der nur zehn Menschen beschäftigt waren und manche daher zwei oder drei verschiedene Verrichtungen zu erfüllen hatten. Obgleich nun diese Leute sehr arm und darum nur notdürftig mit den erforderlichen Maschinen versehen waren, so konnten sie doch, wenn sie tüchtig arbeiteten, zusammen etwa zwölf Pfund Stecknadeln täglich liefern. Ein Pfund enthält über viertausend Nadeln von mittlerer Größe. Jene zehn Personen konnten mithin zusammen täglich über acht und vierzig Tausend Nadeln machen. Jeder einzelne kann daher, da er den zehnten Teil von acht und vierzig Tausend Nadeln machte, als Verfertiger von vier Tausend acht Hundert Nadeln an einem Tage angesehen werden. Hätten sie jedoch alle einzeln und unabhängig voneinander gearbeitet und wäre keiner für sein besonderes Geschäft angelernt worden, so hätte gewiss keiner zwanzig, vielleicht nicht eine Nadel täglich machen können, d. h. nicht den zweihundertvierzigsten, vielleicht nicht den viertausend achthundertsten Teil von dem, was sie jetzt infolge einer geeigneten Teilung und Verbindung ihrer verschiedenen Verrichtungen zu leisten imstande sind. In jeder andern Kunst und jedem anderen Gewerbe sind die Wirkungen der Arbeitsteilung ähnliche, wie in diesem sehr unbedeutenden Geschäft; obgleich in vielen von ihnen die Arbeit weder in so viele Unterabteilungen zerlegt, noch auf eine so große Einfachheit in der Verrichtung zurückgeführt werden kann, so veranlasst, doch die Arbeitsteilung in jedem Gewerbe eine dem Maße ihrer Durchführbarkeit entsprechende Steigerung der Ertragskraft der Arbeit. Die Trennung der verschiedenen Gewerbe und Beschäftigungen scheint infolge dieses Vorteils Platz gegriffen zu haben. Auch geht diese Trennung gewöhnlich in denjenigen Ländern am weitesten, welche sich der höchsten Entwickelung der Industrie und Kultur erfreuen; was in einem rohen Gesellschaftszustande das Werk eines einzigen Menschen ist, pflegt in einem vorgeschrittenen dasjenige mehrerer zu sein. In jeder vorgeschrittenen Gesellschaft ist der Landmann gewöhnlich nichts als Landmann, der Handwerker nichts als Handwerker. Auch die Arbeit, die zur Herstellung irgendeines vollständigen Fabrikats nötig ist, wird fast immer unter eine Menge von Händen verteilt. Wie viele verschiedene Gewerbe sind in jedem Zweige der Leinen- und Wollen-Manufaktur beschäftigt, von den Flachs- und Wollzüchtern bis zu den Bleichern und Mangern der Leinwand oder zu den Färbern und Appreteuren des Tuches! Die Natur der Landwirtschaft lässt nicht so viele Unterabteilungen der Arbeit noch eine so vollständige Trennung eines Geschäftes vom andern zu, als die Gewerbe. Es ist unmöglich, das Geschäft des Viehzüchters von dem des Kornbauers so gänzlich zu trennen, wie das Gewerbe des Zimmermanns von dem des Schmiedes gewöhnlich getrennt ist. Der Spinner ist fast immer eine vom Weber verschiedene Person; aber der Pflüger, der Egger, der Sämann und der Schnitter sind oft ein und dieselbe. Da die Anlässe zu diesen verschiedenen Arten der Arbeit mit den verschiedenen Jahreszeiten wiederkehren, so ist es unmöglich, dass ein Mann fortwährend mit einer von ihnen beschäftigt sein kann. Diese Unmöglichkeit einer so gänzlichen Trennung aller in der Landwirtschaft vorkommenden Arbeitszweige ist vielleicht der Grund, warum die Steigerung der Ertragskräfte der Arbeit in dieser Kunst nicht immer mit ihrer Steigerung in den Gewerben gleichen Schritt hält. Die reichsten Nationen übertreffen allerdings gewöhnlich alle ihre Nachbarn sowohl in der Landwirtschaft wie in den Gewerben; allein sie sind in der Regel mehr durch ihre Überlegenheit in den letzteren als in der ersteren ausgezeichnet. Ihre Ländereien sind im Allgemeinen besser kultiviert und bringen, da mehr Arbeit und Kosten darauf verwendet sind, im Verhältnis zur Ausdehnung und natürlichen Fruchtbarkeit des Bodens mehr hervor. Aber diese Überlegenheit der Produktion ist selten größer als der verhältnismäßige Mehraufwand an Arbeit und Kosten. In der Landwirtschaft ist die Arbeit des reichen Landes nicht immer viel produktiver als die des armen, oder wenigstens ist sie niemals in dem Grade produktiver, als dies gewöhnlich bei den Gewerben der Fall ist. Das Getreide des reichen Landes wird daher bei derselben Güte nicht immer wohlfeiler zu Markte kommen als das des armen. Das Getreide Polens ist bei derselben Güte ebenso wohlfeil, als dasjenige Frankreichs, trotz des höheren Reichtums und der höheren Kultur letzteren Landes. Das Getreide Frankreichs ist in den Kornprovinzen ebenso gut und hat in den meisten Jahren beinahe denselben Preis wie das Getreide Englands, obgleich Frankreich an Reichtum und Kultur vielleicht gegen England zurücksteht. Dennoch ist das englische Getreideland besser kultiviert als dasjenige Frankreichs, und das französische soll viel besser kultiviert sein als dasjenige Polens. Obgleich aber das arme Land, trotz des niederen Standes seiner Kultur, mit dem reichen bis auf einen gewissen Grad in der Wohlfeilheit und Güte seines Getreides zu wetteifern vermag, so kann es doch in seinen Gewerben auf keine solche Konkurrenz Anspruch machen, wenigstens dann nicht, wenn diese Gewerbe dem Boden, dem Klima und der Lage des reichen Landes angemessen sind. Die französischen Seidenwaren sind besser als die englischen, weil die Seidenmanufaktur, wenigstens unter den jetzigen hohen Zöllen auf die Einfuhr der Rohseide, für das englische Klima nicht so gut passt als für das französische. Aber die englischen Kurz- und groben Wollen waren sind ohne allen Vergleich besser als die französischen, und überdies bei gleicher Güte viel wohlfeiler. In Polen soll es kaum irgendwelche Gewerbe geben, ausgenommen wenige gröbere Hausindustrien, ohne die wohl kein Land bestehen kann. Diese große Zunahme in der Produktionsmenge, welche infolge der Arbeitsteilung die nämliche Anzahl von Leuten zu erzielen vermag, ist drei verschiedenen Umständen zu danken: erstens der gesteigerten Geschicklichkeit jedes einzelnen Arbeiters, zweitens der Ersparnis an Zeit, welche gewöhnlich bei dem Übergange von einer Arbeit zur andern verloren geht, und endlich der Erfindung zahlreicher Maschinen, welche die Arbeit erleichtern und abkürzen und einen Mann in Stand setzen, die Arbeit vieler zu verrichten. Erstens vergrößert die gesteigerte Geschicklichkeit des Arbeiters notwendig die Menge dessen, was er hervorbringen kann; und die Arbeitsteilung, indem sie jedermanns Geschäft auf eine einfache Verrichtung einschränkt und diese Verrichtung zur alleinigen Beschäftigung seines Lebens macht, steigert notwendig die Geschicklichkeit des Arbeiters in hohem Maße. Ein gewöhnlicher Schmied, der, wenn er auch den Hammer zu führen gewohnt ist, doch niemals Nägel zu machen pflegte, wird, wenn er es in einem besonderen Falle versuchen muss, sicherlich kaum imstande sein, über zwei- oder dreihundert Nägel des Tags zu verfertigen, und auch diese werden schlecht genug sein. Ein Schmied, der zwar Nägel zu machen pflegte, aber die Anfertigung von Nägeln nicht als alleiniges oder hauptsächliches Geschäft betrieb, kann bei äußerstem Fleiße selten mehr als achthundert bis tausend Nägel in einem Tage machen. Dagegen habe ich Burschen unter zwanzig Jahren gesehen, die nie etwas anderes getan hatten, als Nägel zu machen, und die, wenn sie sich anstrengten, je über zweitausend dreihundert Nägel an einem Tage machen konnten. Das Verfertigen eines Nagels ist jedoch keineswegs eine der einfachsten Verrichtungen. Ein und derselbe Mensch bläst die Bälge, schürt das Feuer oder legt gelegentlich Feuerung zu, glüht das Eisen und schmiedet jeden Teil des Nagels: beim Schmieden des Kopfes ist er sogar genötigt, die Werkzeuge zu wechseln. Die verschiedenen Operationen, in welche die Verfertigung einer Stecknadel oder eines Metallknopfes zerfällt, sind sämtlich viel einfacher, und die Fertigkeit desjenigen, der sein ganzes Leben kein anderes Geschäft als dieses getrieben hat, ist gewöhnlich weit größer. Die Geschwindigkeit, mit welcher einige Tätigkeiten dieser Gewerbe verrichtet werden, übertrifft alles, was derjenige, der es nie gesehen hat, der menschlichen Hand zugetraut haben würde. Zweitens ist der Vorteil, welcher durch Ersparung der im Übergange von einer Arbeit zur andern gewöhnlich verlorenen Zeit gewonnen wird, bei weitem größer, als wir es uns auf den ersten Blick denken mögen. Es ist unmöglich, sehr schnell von einer Art Arbeit zur andern überzugehen, wenn sie an einer andern Stelle und mit ganz anderen Werkzeugen ausgeführt wird. Ein Weber auf dem Lande, der ein kleines Gut bewirtschaftet, muss ein gut Teil Zeit damit verlieren, dass er von seinem Webstuhl aufs Feld und vom Felde zum Webstuhl geht. Wenn die beiden Geschäfte in derselben Werkstätte betrieben werden könnten, wäre der Zeitverlust ohne Zweifel weit geringer; doch ist er auch in diesem Falle sehr beträchtlich. In der Regel schlendert man ein wenig, wenn man seine Hand von einer Art der Beschäftigung auf eine andere wendet. Wenn man zuerst an die neue Arbeit geht, ist man selten recht rührig und herzhaft: der Geist ist, wie man zu sagen pflegt, noch nicht bei der Sache, und eine Zeit lang trödelt man mehr, als dass man die Zeit zu Rate hält. Die Gewohnheit des Schlenderns und des gleichgültigen, lässigen Arbeitens, welche natürlicher oder vielmehr notwendiger Weise jeder Dorfhandwerker annimmt, der seine Verrichtungen und Werkzeuge alle halben Stunden wechseln und jeden Tag seines Lebens seine Hände auf zwanzigerlei Art brauchen muss, macht ihn fast immer träge und lässig und jedes angestrengten Fleißes selbst in den dringendsten Fällen unfähig. Daher muss, abgesehen von seiner mangelhaften Fertigkeit, schon dieser Grund allein das Arbeitsquantum, das er herzustellen vermag, stets bedeutend reduzieren. Drittens und letztens muss jeder sehen, wie sehr die Arbeit durch Anwendung geeigneter Maschinen erleichtert und abgekürzt wird. Es ist unnötig, ein Beispiel anzuführen. Ich will daher nur bemerken, dass die Erfindung aller jener Maschinen, durch welche die Arbeit so sehr erleichtert und abgekürzt wird, ursprünglich, wie es scheint, der Teilung der Arbeit zu verdanken ist. Man entdeckt leichtere und bequemere Methoden zur Erreichung eines Zweckes viel eher, wenn die ganze Aufmerksamkeit auf diesen einzigen Gegenstand gerichtet ist, als wenn sie auf eine große Mannigfaltigkeit von Dingen zerstreut wird. Infolge der Arbeitsteilung aber wird jedermanns ganze Aufmerksamkeit natürlicherweise auf einen sehr einfachen Gegenstand gerichtet. Es ist daher selbstverständlich zu erwarten, dass einer oder der andere unter denen, welche je in einem besonderen Arbeitszweige beschäftigt sind, bald leichtere und bequemere Methoden, ihre besondere Arbeit zu verrichten, wenn anders ihre Natur eine solche Vervollkommnung zulässt, ausfindig machen werden. Ein großer Teil der in solchen Fabriken, in denen die Arbeit am meisten geteilt ist, im Gebrauch befindlichen Maschinen waren ursprünglich Erfindungen gemeiner Arbeitsleute, die, bei irgendeiner sehr einfachen Tätigkeit beschäftigt, natürlich ihre Gedanken darauf richteten, leichtere und bequemere Methoden der Herstellung zu ersinnen. Wer solche Fabriken viel zu besuchen pflegte, dem müssen oft sehr hübsche Maschinen gezeigt worden sein, die von Arbeitern erfunden waren, um ihren besonderen Teil der Arbeit zu erleichtern und zu beschleunigen. Bei den ersten Dampfmaschinen war ein Knabe fortwährend damit beschäftigt, die Kommunikation zwischen dem Kessel und Zylinder wechselweise zu öffnen und zu schließen, je nachdem der Kolben hinauf- oder hinunterging. Einer dieser Knaben, der gern mit seinen Kameraden spielte, bemerkte, dass, wenn man den Griff des diese Kommunikation öffnenden Ventils durch eine Schnur mit einem anderen Teil der Maschine verbände, das Ventil sich ohne sein Zutun öffnen und schließen und ihm Freiheit lassen würde, sich mit seinen Spielkameraden zu unterhalten. Eine der größten Vervollkommnungen, die an dieser Maschine seit ihrer Erfindung gemacht wurden, war auf diese Weise die Entdeckung eines Knaben, der sich die Arbeit ersparen wollte. Doch sind keineswegs alle Vervollkommnungen im Maschinenwesen Erfindungen derjenigen gewesen, welche sich mit den Maschinen zu beschäftigen hatten. Viele Fortschritte sind durch das Genie der Mechaniker gemacht worden, als der Maschinenbau ein eigenes Gewerbe wurde; und manche durch das Genie der sogenannten Denker oder Männer der Spekulation, deren Geschäft es ist, nicht etwas zu machen, sondern alles zu beobachten, und die deswegen oft imstande sind, die Kräfte der entferntesten und unähnlichsten Dinge miteinander zu kombinieren. Mit dem Fortschritt der Gesellschaft wird das Denken oder Spekulieren so gut wie jede andere Beschäftigung, das hauptsächliche oder einzige Geschäft und Beruf einer besonderen Klasse von Bürgern, und zerfällt, wie jede andere Beschäftigung, in eine große Anzahl verschiedener Zweige, deren jeder für eine besondere Gruppe oder Klasse von Denkern zum Beruf wird; und diese Arbeitsteilung steigert im Denkgeschäft so gut wie in jedem anderen Berufe, die Fertigkeit und erspart Zeit. Jeder einzelne wird dadurch in seinem besonderen Arbeitszweige erfahrener, es wird im Ganzen mehr ausgerichtet und die Menge des Wissens ansehnlich vermehrt. Die große durch die Arbeitsteilung herbeigeführte Vervielfältigung der Produkte aller verschiedenen Künste ist es, die in einer wohlregierten Gesellschaft jene allgemeine Wohlhabenheit hervorbringt, die sich bis auf die untersten Stände des Volkes erstreckt. Jeder Arbeiter hat eine große Menge seiner Arbeitsprodukte, außer denen, die er selbst braucht, zur Verfügung; und da jeder andere Arbeiter sich genau in derselben Lage befindet, so ist er imstande, einen großen Teil seiner eigenen Waren gegen eine große Menge, oder, was auf dasselbe hinauskommt, für den Preis einer großen Menge der ihrigen auszutauschen. Er versorgt sie reichlich mit dem, was sie brauchen, und sie versehen ihn ebenso vollkommen mit dem, dessen er bedarf, und ein allgemeiner Überfluss verbreitet sich durch alle verschiedenen Stände der Gesellschaft. Man betrachte die Habseligkeiten des gemeinsten Handwerkers oder Tagelöhners in einem zivilisierten und blühenden Lande, und man wird gewahr werden, dass die Zahl der Menschen, von deren Fleiß ein Teil, wiewohl nur ein kleiner Teil, dazu gebraucht wurde, ihm diese Sachen zu verschaffen, alle Berechnung übersteigt. Der wollene Rock z. B., der den Tagelöhner bekleidet, ist, so grob und gemein er auch aussehen mag, doch das Produkt der vereinigten Arbeit einer großen Menge von Arbeitern. Der Schäfer, der Woll- Sortierer, der Wollkämmer oder Krempler, der Färber, der Schrobbler, der Spinner, der Weber, der Walker, der Appreteur samt vielen anderen, sie alle müssen ihre verschiedenen Künste vereinigen, um auch nur dieses grobe Produkt herzustellen. Wie viele Kaufleute und Fuhrleute mussten außerdem mit dem Transport der Materialien von den einen Arbeitern zu den andern, die oft in einem sehr entfernten Teile des Landes wohnen, beschäftigt sein! Wie viel Handel und Schifffahrt, insbesondere wie viele Schiffbauer, Seeleute, Segelmacher, Seiler mussten tätig gewesen sein, um die vom Färber gebrauchten Drogen, die oft von den entlegensten Enden der Welt kommen, herbeizuschaffen! Welch’ eine Mannigfaltigkeit der Arbeit ist ferner nötig, um die Werkzeuge des geringsten unter diesen Arbeitern hervorzubringen! Um nichts zu sagen von so komplizierten Maschinen, wie ein Schiff, eine Walkmühle oder selbst ein Webstuhl ist, erwäge man nur, welch’ mannigfaltige Arbeit erforderlich ist, um jene sehr einfache Maschine herzustellen: die Schere, mit welcher der Schäfer die Wolle schert. Der Bergmann, der Erbauer des Hochofens, der Holzfäller, der Brenner der im Schmelzofen verwendeten Holzkohlen, der Ziegelstreicher, der Maurer, der Ofenheizer, der Mühlenbauer, der Hammerschmied, der Schmied müssen sämtlich ihre verschiedenen Künste zu ihrer Hervorbringung vereinigen. Wollten wir auf dieselbe Weise alle verschiedenen Teile seiner Kleidung und seines Hausrats untersuchen, das grobe Leinenhemde, das er auf dem Leibe trägt, die Schuhe, die seine Füße bedecken, das Bett, auf dem er liegt, und alle die verschiedenen Teile, aus denen es besteht, den Küchenherd, auf dem er seine Speisen zubereitet, die dazu gebrauchten Kohlen, die aus den Schächten gegraben und ihm vielleicht durch eine weite See- und Landreise zugeführt worden sind, alle anderen Gerätschaften seiner Küche, alles Tischgeschirr, die Messer und Gabeln, die irdenen oder zinnernen Teller, auf denen er seine Gerichte aufträgt und schneidet, die verschiedenen Hände, welche mit Bereitung seines Brots und Biers beschäftigt sind, die Glasfenster, welche Wärme und Licht hereinlassen und Wind und Regen abhalten, samt aller der Kenntnis und Kunst, welche diese schöne und glückliche Erfindung vorbereiten mussten: eine Erfindung, ohne welche diese nördlichen Teile der Erde kaum eine recht behagliche Wohnung hätten erhalten können; samt den Werkzeugen all’ der vielen mit der Hervorbringung so verschiedener Bedarfsgegenstände beschäftigten Arbeiter— wenn wir, sage ich, alle diese Dinge prüfen, und erwägen, welche Mannigfaltigkeit der Arbeit auf jedes von ihnen verwendet worden ist, so werden wir einsehen, dass ohne den Beistand und die Mitwirkung vieler Tausende nicht der allergeringste Einwohner eines zivilisierten Landes auch nur in der, wie wir sie uns fälschlich vorstellen, leichten und einfachen Art, in der er gewöhnlich ausgestattet ist, versorgt werden könnte. Verglichen freilich mit dem ausschweifenderen Luxus der Großen muss seine Ausstattung ohne Zweifel außerordentlich einfach und gering erscheinen; und dennoch ist es vielleicht wahr, dass der Komfort eines europäischen Fürsten nicht immer den eines fleißigen und mäßigen Bauern in dem Grade übertrifft, wie der Komfort des letzteren denjenigen manches afrikanischen Königs, des absoluten Herrn über Leben und Freiheit von zehntausend nackten Wilden. Zweites Kapitel Über den Trieb, der die Teilung der Arbeit veranlasst Diese Teilung der Arbeit, aus der so viele Vorteile gezogen werden, ist ursprünglich nicht das Werk menschlicher Weisheit, welche die allgemeine Wohlhabenheit, zu der es führt, vorhergesehen und bezweckt hätte. Sie ist die notwendige, obwohl sehr langsame und allmähliche Folge eines gewissen Hanges der menschlichen Natur, der keinen so ausgebreiteten Nutzen erstrebt: des Hanges zu tauschen, sich gegenseitig auszuhelfen und ein Ding gegen ein anderes zu verhandeln. Ob dieser Hang einer jener ursprünglichen Triebe in der menschlichen Natur ist, von denen sich weiter keine Rechenschaft geben lässt, oder ob er, was wahrscheinlicher ist, die notwendige Folge des Vernunft- und Sprachvermögens ist, das zu untersuchen gehört nicht hierher. Er ist allen Menschen gemeinsam und bei keiner anderen Gattung von Tieren zu finden, die weder diesen noch irgendeine andere Art von Verträgen zu kennen scheinen. Zwei Windhunde, die den nämlichen Hasen hetzen, erwecken zuweilen den Anschein, als handelten sie in einer Art von Einverständnis. Jeder treibt ihn seinem Gefährten zu, oder sucht ihn abzufangen, wenn sein Gefährte ihn ihm zutreibt. Dies ist jedoch nicht die Folge eines Vertrages, sondern der zufälligen Konkurrenz ihrer zu gleicher Zeit auf dasselbe Ziel gerichteten Leidenschaften. Niemand hat je einen Hund mit einem andern einen gütlichen und überlegten Tausch eines Knochens gegen einen andern machen sehen. Niemand hat je ein Tier durch seine Gebärden und Naturlaute einem anderen andeuten sehen: »dies ist mein, dies dein; ich bin willens, dies für jenes zu geben.« Wenn ein Tier entweder von einem Menschen oder einem anderen Tiere etwas erlangen will, so hat es keine anderen Mittel der Überredung, als die Gunst derer zu gewinnen, deren Dienst es begehrt. Ein Junges liebkost seine Alte, und ein Hund sucht durch tausend Bewegungen die Aufmerksamkeit seines bei Tische sitzenden Herrn zu erregen, wenn er von ihm etwas zu fressen haben will. Der Mensch bedient sich bisweilen derselben Künste seinen Mitmenschen gegenüber, und wenn er kein anderes Mittel hat, sie seinen Wünschen geneigt zu machen, so sucht er durch jede mögliche knechtische und schweifwedelnde Aufmerksamkeit ihre Willfährigkeit zu gewinnen. Er hat jedoch keine Zeit, dies bei jeder Gelegenheit zu tun. In einer zivilisierten Gesellschaft bedarf er allezeit der Mitwirkung und des Beistandes vieler Menschen, während sein ganzes Leben kaum hinreicht, die Freundschaft einiger weniger Personen zu gewinnen. In fast allen anderen Tiergattungen ist jedes einzelne Tier, wenn es zur Reife gelangt ist, ganz unabhängig und bedarf in seinem Naturzustande keines anderen lebenden Wesens Beistand. Der Mensch braucht die Hilfe seiner Mitmenschen fast immer, und würde diese vergeblich von ihrem Wohlwollen allein erwarten. Er wird viel leichter Erfolg haben, wenn er ihre Eigenliebe zu seinen Gunsten interessieren und ihnen zeigen kann, dass es ihr eigener Vorteil ist, für ihn zu tun, was er von ihnen fordert. Wer einem anderen einen Handel irgendeiner Art anträgt, verfährt auf diese Weise. Gib mir dies, was ich brauche, und du sollst das haben, was du brauchst – ist der Sinn jedes solchen Anerbietens; und auf diese Weise erhalten wir voneinander den bei weitem größten Teil der guten Dienste, deren wir benötigt sind. Nicht von dem Wohlwollen des Fleischers, Brauers oder Bäckers erwarten wir unsere Mahlzeit, sondern von ihrer Bedachtnahme auf ihr eigenes Interesse. Wir wenden uns nicht an ihre Humanität, sondern an ihre Eigenliebe, und sprechen ihnen nie von unseren Bedürfnissen, sondern stets von ihren Vorteilen. Nur ein Bettler will lieber ganz vom Wohlwollen seiner Mitbürger abhängen. Und selbst ein Bettler hängt nicht völlig davon ab. Die Mildtätigkeit gutherziger Leute verschafft ihm allerdings den ganzen Fonds seiner Unterhaltsmittel. Aber obgleich diese Triebfeder ihn schließlich mit allen seinen Lebensbedürfnissen versorgt, versieht sie ihn doch nicht und kann sie ihn nicht so damit versehen, wie es sein Bedürfnis erheischt. Der größere Teil seines gelegentlichen Bedarfs wird ebenso wie der anderer Leute beschafft, durch Übereinkommen, Tausch und Kauf. Mit dem Gelde, was ihm der eine gibt, kauft er Nahrung. Die alten Kleider, die ihm ein anderer schenkt, vertauscht, er gegen andere alte Kleider, die ihm besser passen, oder gegen Wohnung, Lebensmittel oder Geld, mit dem er je nach Bedarf ebenso wohl Lebensmittel, wie neue Kleider oder Wohnung kaufen kann. Wie wir durch Übereinkommen, Tausch und Kauf voneinander den größten Teil der gegenseitigen guten Dienste, deren wir bedürfen, gewinnen, so gibt dieselbe Neigung zum Tauschen ursprünglich Veranlassung zur Teilung der Arbeit. In einem Jäger- oder Hirtenstamm macht z. B. irgendeiner Bogen und Pfeile schneller und geschickter als ein anderer. Er vertauscht sie oft gegen zahmes Vieh oder Wildbret mit seinen Gefährten und findet schließlich, dass er auf diese Weise mehr Vieh und Wildbret gewinnen kann, als wenn er selbst auf die Jagd ginge. Aus Rücksicht auf sein eigenes Interesse macht er daher das Verfertigen von Bogen und Pfeilen zu seinem Hauptgeschäft, und wird eine Art Waffenschmied. Ein anderer zeichnet sich im Bau und in der Bedachung ihrer kleinen Hütten oder transportabel Häuser aus. Er pflegt auf diese Weise seinen Nachbarn nützlich zu sein, die ihn dafür ebenso mit Vieh und Wildbret belohnen, bis er es zuletzt in seinem Interesse findet, sich gänzlich dieser Beschäftigung zu widmen und eine Art Zimmermann zu werden. Auf dieselbe Art wird ein dritter ein Schmied oder Kupferschmied, ein vierter ein Gerber oder Zubereiter von Häuten oder Fellen, dem Hauptteil der Bekleidung wilder Völker. Und so spornt die Gewissheit, allen Überschuss seiner Arbeit, der über seinen eigenen Verbrauch hinausgeht, für solche Erzeugnisse anderer, wie er sie gerade braucht, austauschen zu können, einen jeden an, sich einer bestimmten Beschäftigung zu widmen und das Talent oder Genie, das er für diesen bestimmten Erwerbszweig besitzt, auszubilden und zur Vollkommenheit zu bringen. Die Verschiedenheit der natürlichen Talente bei den verschiedenen Menschen ist in Wahrheit viel geringer, als wir glauben, und der sehr verschiedene Geist, welcher, wenn er zur Reife gelangt ist, Leute von verschiedenem Beruf zu unterscheiden scheint, ist in vielen Fällen nicht sowohl der Grund als die Folge der Arbeitsteilung. Die Verschiedenheit zwischen den unähnlichen Charakteren, wie z. B. zwischen einem Philosophen und einem gemeinen Lastträger, scheint nicht sowohl ihrem Wesen, als der Gewöhnung und Erziehung zu entspringen. Als sie auf die Welt kamen, und in den ersten sechs bis acht Jahren ihres Daseins waren sie einander vielleicht sehr ähnlich, und weder ihre Eltern noch ihre Gespielen konnten eine merkliche Verschiedenheit gewahr werden. Etwa in diesem Alter oder bald darauf wurden sie zu sehr verschiedenen Beschäftigungen angehalten. Dann wird die Verschiedenheit ihrer Talente bemerkt und erweitert sich nach und nach, bis zuletzt die Eitelkeit des Philosophen kaum noch irgendeine Ähnlichkeit anzuerkennen bereit ist. Aber ohne den Hang zum Tausch und Handel würde sich jedermann die Notwendigkeiten und Annehmlichkeiten des Lebens selber haben verschaffen müssen. Alle hätten dieselben Obliegenheiten zu erfüllen und dasselbe zu tun gehabt, und es hätte keine solche Verschiedenheit der Beschäftigung eintreten können, wie sie allein eine irgend bedeutende Verschiedenheit der Talente herbeiführen konnte. Wie nun dieser Hang jene unter den Menschen verschiedenen Berufs so merkliche Verschiedenheit der Talente bildet, so ist es derselbe Hang, der jene Verschiedenheit nutzbringend macht. Viele Tierarten, die anerkannter Weise zu derselben Gattung gehören, haben von Natur weit verschiedenere Anlagen, als sie vor der Gewöhnung und Erziehung unter den Menschen platzzugreifen scheinen. Von Natur ist ein Philosoph an Anlagen und Neigungen nicht halb so sehr von einem Lastträger verschieden, als ein Bullenbeißer von einem Windhund, oder ein Windhund von einem Jagdhund, oder dieser von einem Schäferhunde. Gleichwohl sind diese verschiedenen Tierarten, obschon alle derselben Gattung angehören, einander kaum irgendwie nützlich. Die Stärke des Bullenbeißers wird nicht im Geringsten durch die Schnelligkeit des Windhundes oder die Spürkraft des Jagdhundes oder die Gelehrigkeit des Schäferhundes unterstützt. Da diese Tiere derjenigen Fähigkeiten oder Triebe ermangeln, die zum Tausch und zu gegenseitiger Aushilfe erforderlich sind, können die Erzeugnisse jener verschiedenen Anlagen und Talente nicht zu einem Gesamtvorrat vereinigt werden und tragen nicht das Geringste zur besseren Versorgung und zum höheren Komfort der Gattung bei. Jedes Tier ist gezwungen, sich abgesondert und unabhängig seinen Unterhalt zu verschaffen und sich selbst zu verteidigen, und hat keinerlei Vorteil von den mannigfaltigen Talenten, mit denen die Natur seine Genossen ausgestattet hat. Unter den Menschen sind im Gegenteil die unähnlichsten Anlagen einander von Nutzen, indem die verschiedenen Erzeugnisse ihrer bezüglichen Talente durch den allgemeinen Hang zum Tausch und zu gegenseitiger Aushilfe in einen Gesamtvorrat vereinigt werden, woraus jedermann den Teil des Erzeugnisses der Talente anderer Menschen kaufen kann, dessen er bedarf. Drittes Kapitel Die Teilung der Arbeit hat ihre Schranken an der Ausdehnung des Marktes Wie die Möglichkeit des Tauschens Anlass zur Teilung der Arbeit gibt, so muss das Maß dieser Teilung stets durch das Maß jener Möglichkeit, oder mit andern Worten, durch die Ausdehnung des Marktes begrenzt sein. Wenn der Markt sehr klein ist, kann niemand sich ermutigt finden, sich gänzlich einer Beschäftigung zu widmen, weil es an der Möglichkeit fehlt, den ganzen Überschuss des Erzeugnisses seiner Arbeit, der über seinen eigenen Verbrauch hinausgeht, für solche Teile der Erzeugnisse anderer, die er gerade braucht, auszutauschen. Es gibt einige Gewerbszweige, selbst der niedrigsten Art, die nirgendwo anders als in einer großen Stadt getrieben werden können. Ein Lastträger z. B. kann an keinem anderen Orte Beschäftigung und Unterhalt finden. Ein Dorf ist viel zu eng für ihn; selbst ein gewöhnlicher Marktflecken ist kaum groß genug, ihm fortwährend Beschäftigung zu geben. In den einzeln stehenden Häusern und sehr kleinen Dörfern, die in einem so öden Lande, wie die schottischen Hochlande es sind, zerstreut liegen, muss ein jeder Bauer, Fleischer, Bäcker und Brauer für seine eigene Familie sein. In solchen Gegenden kann man kaum erwarten, auch nur einen Schmied, Zimmermann oder Maurer in weniger als einem Umkreise von zwanzig Meilen zu finden. Die zerstreuten Familien, die acht oder zehn Meilen von dem nächsten Handwerker entfernt leben, müssen sehr viele kleine Sachen, welche sie in volkreicheren Gegenden von solchen Handwerkern machen lassen würden, selbst zu verfertigen lernen. Dorfhandwerker sind fast überall gezwungen, sich mit all’ den verschiedenen Gewerbszweigen zu befassen, die einander durch die Verwendung gleichen Materials verwandt sind. Ein Dorfzimmermann gibt sich mit jeder Art Holzarbeit ab, ein Dorfschmied mit jeder Art Eisenarbeit. Der erstere ist nicht bloß Zimmermann, sondern Schreiner, Kunsttischler und sogar Bildschnitzer, sowie Rad-, Pflug- und Stellmacher. Die Beschäftigungen des Schmieds sind noch mannigfacher. In den entlegenen inneren Teilen der schottischen Hochlande kann unmöglich selbst ein Gewerbe wie das des Nagelschmieds bestehen. Ein solcher Handwerker würde, nach dem Satze von Tausend Nägeln des Tages und bei dreihundert Arbeitstagen im Jahr, jährlich dreimal hunderttausend Nägel machen; allein an einem solchen Orte würde er jährlich kaum tausend, d. h. die Arbeit eines einzigen Tages, absetzen können. Da durch den Wassertransport für jede Art Industrie ein ausgedehnterer Markt eröffnet wird, als ihn der Landtransport allein gewähren kann, so sind es die Meeresküste und die Ufer schiffbarer Flüsse, wo der Gewerbfleiß jeder Art sich abzuteilen und zu vervollkommnen anfängt, und diese Vervollkommnung dehnt sich oft erst lange Zeit nachher auf die inneren Teile des Landes aus. Ein Frachtwagen, der von zwei Menschen begleitet und mit acht Pferden bespannt ist, fährt in etwa sechs Wochen mit Waren im Gewicht von ungefähr vier Tonnen zwischen London und Edinburgh hin und zurück. In etwa derselben Zeit führt ein Schiff, das mit sechs oder acht Menschen bemannt ist, und zwischen den Häfen von London und Leith segelt, oft Waren von zweihundert Tonnen an Gewicht hin und her. Sechs oder acht Mann können demnach mittelst Wassertransports in derselben Zeit dieselbe Menge Waren zwischen London und Edinburgh hin- und herfahren, wie fünfzig von hundert Menschen begleitete und von vierhundert Pferden gezogene Frachtwagen. Auf zweihundert Tonnen Waren, die mit der wohlfeilsten Landfracht von London nach Edinburgh gebracht werden, muss also der dreiwöchentliche Unterhalt von hundert Menschen und sowohl der Unterhalt, wie, was dem Unterhalt ziemlich gleichkommt, die Abnutzung von vierhundert Pferden und fünfzig Frachtwagen gerechnet werden; während bei derselben Warenmasse, wenn sie zu Wasser transportiert wird, nur der Unterhalt von sechs oder acht Menschen und die Abnutzung eines Schiffes von zweihundert Tonnen Gehalt, samt dem Werte des größeren Risikos oder des Unterschieds zwischen der Land- und Wasserversicherung gerechnet zu werden braucht. Gäbe es also keine andere Verbindung zwischen beiden Plätzen, als die durch Landtransport, so wären sie, da nur solche Waren von dem einen Ort zum andern gebracht werden könnten, deren Preis im Verhältnis zu ihrem Gewichte sehr hoch wäre, nur einen kleinen Teil des Verkehrs zu unterhalten imstande, der jetzt zwischen ihnen stattfindet, und mithin der beiderseitigen Industrie nur einen kleinen Teil der Aufmunterung zuteilwerden zu lassen, die sie jetzt einander gewähren. Zwischen den entfernten Teilen der Welt könnte nur wenig oder gar kein Verkehr stattfinden. Welche Waren vermöchten die Kosten des Landtransports zwischen London und Kalkutta zu ertragen? Oder, wenn einige so wertvoll wären, dass sie diese Kosten zu ertragen vermöchten, mit welcher Sicherheit könnten sie durch die Gebiete so vieler barbarischer Völkerschaften gebracht werden? Jetzt hingegen treiben diese beiden Städte einen sehr bedeutenden Handel miteinander und spornen, indem sie einander einen Markt bieten, die beiderseitige Industrie erheblich an. Bei diesem großen Vorteil des Wassertransports ist es natürlich, dass die ersten Fortschritte der Kunst und Industrie da gemacht wurden, wo diese günstige Gelegenheit die ganze Welt zu einem Markte für die Produkte jeglicher Art Arbeit eröffnet, und dass sie sich immer erst viel später auf die inneren Teile des Landes ausdehnen. Die inneren Teile des Landes können lange Zeit hindurch keinen anderen Markt für den größten Teil ihrer Waren haben, als die Landschaft, die sie umgibt und die sie von der Seeküste und den großen schiffbaren Flüssen trennt. Die Ausdehnung ihres Marktes hängt daher lange Zeit von dem Reichtum und der Bevölkerungsdichtigkeit jener Landschaft ab, und ihr Fortschritt muss folglich hinter dem dieser Landschaft einherhinken. In unseren nordamerikanischen Kolonien sind die Pflanzungen beständig der Seeküste oder den Ufern der schiffbaren Flüsse gefolgt und haben sich kaum irgendwo beträchtlich von beiden entfernt. Die Völker, welche nach den glaubwürdigsten Geschichtsschreibern am frühesten zivilisiert gewesen zu sein scheinen, waren diejenigen, die rund um die Küste des mittelländischen Meeres wohnten. Da dieses Meer, die bei weitem größte bekannte Bucht der Welt, keine Ebbe und Flut und mithin keine anderen Wellen hat, als die der Wind verursacht, so war es durch die Glätte seiner Oberfläche nicht minder wie durch die Menge seiner Inseln und die Nähe seiner Ufer der Schifffahrt in ihrer Kindheit außerordentlich günstig, als noch die Menschen, unbekannt mit dem Kompass, sich fürchteten, die Küste aus dem Gesicht zu verlieren, und wegen der Unvollkommenheit der Schiffbaukunst nicht wagten, sich den stürmischen Wogen des Ozeans zu überlassen. Über die Säulen des Herkules, d. h. durch die Meerenge von Gibraltar hinauszusegeln, wurde in der alten Welt lange als eine äußerst wunderbare und gefährliche Unternehmung der Schifffahrt betrachtet. Selbst die Phönizier und Karthager, die geschicktesten Seefahrer und Schiffbauer jener alten Zeiten, versuchten es erst spät und waren lange die einzigen Völker, die es wagten. Unter allen Ländern an der Küste des mittelländischen Meeres scheint Ägypten das erste gewesen zu sein, in welchem sowohl der Ackerbau wie die Gewerbe gepflegt und zu einer hohen Stufe entwickelt wurden. Oberägypten erstreckt sich nirgends über einige Meilen vom Nil, und in Unterägypten teilt sich dieser große Strom in viele Kanäle, welche durch einige künstliche Nachhilfe eine Wasserverbindung nicht nur zwischen allen großen Städten, sondern auch zwischen allen ansehnlichen Dörfern und sogar bis zu vielen Landgütern geführt zu haben scheinen, etwa in derselben Art, wie heute der Rhein und die Maas in Holland. Der Umfang und die Leichtigkeit dieser Binnenschifffahrt war wahrscheinlich eine der Hauptursachen der frühen Kultur Ägyptens. Ebenso scheinen in den Provinzen Bengalens in Ostindien und in einigen östlichen Provinzen Chinas die Fortschritte des Ackerbaus und der Gewerbe von sehr hohem Alter zu sein, obwohl dies Alter durch keine verlässlichen Geschichtsnachrichten, die es für diesen Teil der Welt nicht gibt, verbürgt ist. In Bengalen bilden der Ganges und einige andere große Ströme eine bedeutende Menge schiffbarer Kanäle, ganz so wie der Nil in Ägypten. In den östlichen Provinzen Chinas bilden gleichfalls einige große Flüsse durch ihre verschiedenen Arme eine Menge von Kanälen und gestatten durch Verbindung untereinander eine noch viel ausgedehntere Binnenschifffahrt als der Nil oder Ganges oder vielleicht beide zusammen. Es ist merkwürdig, dass weder die alten Ägypter, noch die Inder, noch die Chinesen den auswärtigen Handel ermunterten, sondern sämtlich ihren großen Reichtum aus dieser Binnenschifffahrt gezogen zu haben scheinen. Alle inneren Teile Afrikas und jener ganze Teil Asiens, der weit nördlich vom schwarzen und kaspischen Meere liegt, das alte Skythien, die moderne Tartarei, und Sibirien scheinen, so lange die Welt steht, in demselben barbarischen und unzivilisierten Zustande gewesen zu sein, in welchem wir sie noch heute finden. Das Meer der Tartarei ist das Eismeer, das keine Schifffahrt zulässt, und obgleich einige der größten Ströme der Welt durch dies Land fließen, so sind sie doch zu weit voneinander entfernt, um Handel und Verkehr durch den größeren Teil von ihm herbeizuführen. In Afrika gibt es keine so großen Buchten, wie das baltische und adriatische Meer in Europa, das mittelländische und Schwarze Meer in Europa und Asien, und den arabischen und persischen, indischen, bengalischen und siamesischen Meerbusen in Asien, um den Seehandel nach den inneren Teilen jenes großen Kontinents zu führen und die großen Flüsse Afrikas sind zu weit voneinander entfernt, um zu einer bedeutenderen Binnenschifffahrt Gelegenheit zu bieten. Überdies kann der Verkehr eines Volks auf einem Flusse, der sich nicht in eine große Menge von Armen oder Kanälen teilt, und der, ehe er das Meer erreicht, in ein anderes Gebiet fließt, niemals sehr bedeutend sein, weil die Völker, die jenes andere Gebiet besitzen, es stets in ihrer Macht haben, den Verkehr zwischen dem Oberlande und dem Meere zu hemmen. Die Donauschifffahrt ist für Bayern, Österreich und Ungarn von sehr geringem Nutzen, im Vergleich zu demjenigen, den sie haben könnte, wenn einer dieser Staaten den ganzen Lauf des Flusses bis zu seiner Mündung in das Schwarze Meer beherrschte. Viertes Kapitel Vom Ursprung und Gebrauch des Geldes Wenn die Teilung der Arbeit einmal durchweg eingeführt ist, so ist es nur ein sehr kleiner Teil der Bedürfnisse eines Menschen, der durch das Erzeugnis seiner eigenen Arbeit beschafft werden kann. Ihren bei weitem größten Teil verschafft er sich durch Austausch jenes Überschusses seines eignen Arbeitsertrags, der über seinen Verbrauch hinausgeht, gegen solche Erzeugnisse von anderer Leute Arbeit, die er gerade braucht. Jedermann lebt so durch Tausch, oder wird gewissermaßen ein Kaufmann, und die Gesellschaft selbst wächst zu einer eigentlichen Handelsgesellschaft heran. Als jedoch die Teilung der Arbeit zuerst Platz griff, muss die Möglichkeit zu tauschen häufig sehr ins Stocken geraten und gehemmt worden sein. Nehmen wir an, der eine habe mehr von einer Ware, als er selbst braucht, während ein anderer weniger hat. Der Erstere würde mithin froh sein, wenn er einen Teil dieses Überflusses loswerden, der Letztere, wenn er ihn kaufen könnte. Wenn aber dieser Letztere nichts hat, was der Erstere bedarf, so kann zwischen ihnen kein Tausch Zustandekommen. Der Fleischer hat mehr Fleisch in seinem Laden, als er selbst verzehren kann, und der Brauer und Bäcker würden jeder gern einen Teil davon kaufen. Allein sie haben nichts zum Tausch zu bieten als die verschiedenen Erzeugnisse ihrer bezüglichen Gewerbe, und der Fleischer ist schon mit allem Brot und Bier, das er augenblicklich braucht, versehen. In diesem Falle lässt sich kein Tausch zwischen ihnen machen. Er kann nicht ihr Kaufmann, noch sie seine Kunden sein, und alle drei leisten so einander weniger Dienste. Um den Übelstand einer solchen Lage zu vermeiden, muss jeder vorsichtige Mann zu allen Zeiten der Gesellschaft nach der ersten Einführung der Arbeitsteilung natürlich bemüht gewesen sein, seine Einrichtungen so zu treffen, dass er außer den besonderen Erzeugnissen seines eigenen Fleißes jederzeit noch eine gewisse Menge von einer oder der anderen Ware in Bereitschaft hatte, von der er voraussetzen konnte, dass wahrscheinlich wenige Leute sie in Tausch gegen das Erzeugnis ihres Fleißes zurückweisen würden. Zu diesem Zwecke sind im Laufe der Zeit wahrscheinlich viele Waren ausgedacht und verwendet worden. In den rohen Zeitaltern der Gesellschaft soll Vieh das gewöhnliche Werkzeug des Handels gewesen sein, und obwohl es ein sehr unbequemes sein musste, so finden wir doch in alten Zeiten häufig Dinge nach der Zahl des Viehs geschätzt, welches dagegen in Tausch gegeben wurde. Die Rüstung des Diomedes, sagt Homer, kostet nur neun Ochsen, die des Glaukus aber hundert. Salz soll das gewöhnliche Handels- und Tauschmittel in Abyssinien sein; eine Art Muscheln in einigen Küstenstrichen Indiens; Stockfisch in Neufundland; Tabak in Virginien; Zucker in einigen unserer westindischen Kolonien; Häute oder zugerichtetes Leder in anderen Ländern; und noch heutigen Tages gibt es ein Dorf in Schottland, wo es, wie man sagt, nichts Ungewöhnliches ist, dass ein Arbeiter statt des Geldes Nägel in den Bäckerladen oder ins Bierhaus bringt. In allen Ländern jedoch scheinen die Menschen zuletzt durch unwiderstehliche Gründe bestimmt worden zu sein, den Metallen zu diesem Zwecke vor allen anderen Waren den Vorzug zu geben. Metalle lassen sich nicht allein mit so wenig Verlust, wie nur irgendeine andere Ware, aufbewahren, da kaum irgendetwas anderes weniger als sie dem Verderben ausgesetzt ist, sondern sie können auch ohne Verlust in irgendeine Anzahl Teile zerlegt werden, da diese Teile durch Schmelzung sich leicht wieder vereinigen lassen: eine Eigenschaft, welche keine andere gleich dauerhafte Ware besitzt, und die mehr als irgendetwas anderes sie zum Verkehrs- und Umlaufsmittel geeignet macht. Wer z. B. Salz kaufen wollte und nur Vieh dagegen zu geben hatte, war gezwungen, Salz zum Werte eines ganzen Ochsen oder eines ganzen Schafes auf einmal zu kaufen. Selten konnte er weniger kaufen, weil dasjenige, was er dafür zu geben hatte, kaum je ohne Verlust geteilt werden konnte; und wenn er Lust hatte, mehr zu kaufen, so musste er aus denselben Gründen das Doppelte oder Dreifache kaufen, d. h. für den Wert von zwei oder drei Ochsen, von zwei oder drei Schafen. Hatte er hingegen statt der Schafe oder Ochsen Metalle in Tausch zu geben, so konnte er leicht die Menge des Metalls nach der genauen Menge der Ware, die er augenblicklich brauchte, abmessen. Verschiedene Metalle sind von den einzelnen Nationen zu diesem Zwecke angewandt worden. Eisen war das gewöhnliche Verkehrsmittel unter den alten Spartanern; Kupfer unter den alten Römern; und Gold und Silber unter allen reichen und handeltreibenden Nationen. Diese Metalle scheinen ursprünglich in rohen Barren ohne Gepräge oder Ausmünzung zu jenen Zwecken benutzt worden zu sein. So berichtet Plinius[1 - Plinius, Hist. Nat., lib. 33, cap. 3.] auf das Zeugnis des Timäus, eines alten Geschichtsschreibers, dass die Römer bis auf die Zeit des Servius Tullius kein gemünztes Geld hatten, und ungestempelte Kupferbarren beim Einkauf ihrer Bedürfnisse gebrauchten. Diese rohen Barren versahen also damals den Dienst des Geldes. Der Gebrauch der Metalle in diesem rohen Zustande war mit zwei sehr großen Übelständen verbunden: erstens mit der Umständlichkeit des Wägens und zweitens mit der des Probierens. Bei den edlen Metallen, wo ein geringer Unterschied in der Menge einen großen Unterschied im Werte ausmacht, erfordert schon das Geschäft des Wägens, wenn es mit der gehörigen Genauigkeit ausgeführt werden soll, wenigstens sehr genaue Gewichte und Waagen. Namentlich das Wägen des Goldes ist eine Handhabung von einiger Feinheit. Bei den gröberen Metallen, wo ein kleiner Irrtum von wenig Belang ist, wäre allerdings weniger Genauigkeit erforderlich. Man würde es jedoch außerordentlich beschwerlich finden, wenn ein armer Mann, so oft er für einen Dreier kaufen oder verkaufen will, den Dreier zu wiegen genötigt wäre. Die Tätigkeit des Probierens ist noch schwieriger und langweiliger, und wenn nicht ein Teil des Metalls mit geeigneten Auflösungsmitteln im Schmelztiegel ordentlich geschmolzen wird, äußerst unsicher bezüglich des Schlusses, der daraus zu ziehen ist. Gleichwohl mussten vor der Einführung des gemünzten Geldes die Leute stets den gröbsten Betrügereien und Täuschungen ausgesetzt sein, wenn sie diese langweilige und schwierige Arbeit nicht vornahmen, und konnten, statt eines Pfundes reinen Silbers oder reinen Kupfers, für ihre Waren leicht eine gefälschte Zusammensetzung aus den gröbsten und wohlfeilsten Rohstoffen erhalten, die jedoch in ihrem äußeren Ansehen jenen Metallen ähnlich erschien. Um solchen Missbräuchen zuvorzukommen, die Tausche zu erleichtern, und dadurch alle Arten der Industrie und des Handels zu ermutigen, sah man sich in allen Ländern, die beträchtliche Fortschritte in der Kultur gemacht hatten, genötigt, gewisse Mengen solcher Metalle, die daselbst gewöhnlich als Tauschmittel benutzt wurden, von Staatswegen mit einem Stempel zu versehen. Dies ist der Ursprung des gemünzten Geldes und jener öffentlichen Anstalten, die Münzen heißen; Einrichtungen genau von derselben Art, wie die der Schau- und Stempelmeister für die Wollen- und Leinenwaren. Sie haben alle die gleiche Bestimmung, durch einen öffentlichen Stempel die Menge und gleichförmige Güte dieser verschiedenen Waren, wenn sie zu Markt gebracht werden, zu verbürgen. Die ersten öffentlichen Stempel dieser Art, die auf die umlaufenden Metalle gedrückt wurden, scheinen in vielen Fällen bestimmt gewesen zu sein, das zu verbürgen, was zu verbürgen sowohl am schwierigsten, wie am wichtigsten ist, nämlich die Güte und Feinheit des Metalls, und scheinen der Sterling-Marke ähnlich gewesen zu sein, die man jetzt auf Silbergeschirr und Silberbarren prägt, oder der spanischen Marke, die zuweilen auf Goldstangen gesetzt wird und, da sie nur auf einer Seite des Stückes steht und nicht die ganze Oberfläche bedeckt, zwar die Feinheit, aber nicht das Gewicht des Metalles verbürgt. Abraham wiegt dem Ephron die vierhundert Seckel Silber zu, welche er ihm für das Feld von Machpelah zu zahlen versprochen hatte. Sie sollen die Kurantmünzen des Kaufmanns gewesen sein, und dennoch wurden sie zugewogen, nicht zugezählt, gerade wie es mit den Goldstangen und Silberbarren noch heute geschieht. Die Einkünfte der alten sächsischen Könige Englands sollen nicht in Geld sondern in natura, d. h. in Lebensmitteln und Vorräten aller Art gezahlt worden sein. Wilhelm der Eroberer führte die Sitte ein, sie in Geld zu entrichten. Dieses Geld wurde jedoch lange Zeit bei der Schatzkammer nach dem Gewichte und nicht nach der Stückzahl in Empfang genommen. Die Unbequemlichkeit, und Schwierigkeit, jene Metalle mit Genauigkeit zu wägen, veranlasste die Einführung von Münzen, deren Stempel beide Seiten des Stückes und zuweilen auch die Ränder gänzlich bedeckte, und als genügende Sicherheit nicht nur für die Feinheit, sondern auch für das Gewicht des Metalls angesehen wurde. Solche Münzen wurden daher wie noch heute, ohne dass man sich die Mühe des Wägens machte, nach der Stückzahl angenommen. Die Namen dieser Münzen scheinen ursprünglich das Gewicht oder die in ihnen enthaltene Metallmenge ausgedrückt zu haben. Zur Zeit des Servius Tullius, der zuerst in Rom Geld münzen ließ, enthielt das römische As oder Pondo ein römisches Pfund guten Kupfers. Es war nach der Art des Troyes-Pfundes in zwölf Unzen geteilt, von denen jede eine wirkliche Unze guten Kupfers enthielt. Das englische Pfund Sterling enthielt zur Zeit Eduards I. nach Tower-Gewicht ein Pfund Silber von einem bekannten Feinheitsgrade. Das Tower-Pfund scheint etwas mehr, als das römische Pfund gewesen zu sein, und etwas weniger als das Troyes-Pfund. Dieses letztere wurde erst im achtzehnten Regierungsjahre Heinrichs VIII. in der englischen Münze eingeführt. Das französische Pfund (livre) enthielt zur Zeit Karls des Großen nach Troyes-Gewicht ein Pfund Silber von bekanntem Feinheitsgrade. Die Messe von Troyes in der Champagne wurde zu jener Zeit von allen europäischen Völkern besucht, und die Gewichte und Maße eines so berühmten Marktes waren allgemein bekannt und geschätzt. Das schottische Geldpfund enthielt von Alexander dem Ersten an bis auf Robert Bruce ein Pfund Silber von demselben Schrot und Korn, wie das englische Pfund Sterling. Die englischen, französischen und schottischen Pence enthielten gleichfalls ursprünglich alle ein wirkliches Pennygewicht Silber, den zwanzigsten Teil einer Unze und den zweihundertundvierzigsten Teil eines Pfundes. Auch der Schilling scheint ursprünglich die Bezeichnung für ein Gewicht gewesen zu sein. »Wenn der Weizen zwölf Schilling das Quarter kostet«, sagt ein altes Statut Heinrichs III., »dann soll ein Farthing-Brot elf Schilling und vier Pence wiegen.« Doch scheint das Verhältnis zwischen dem Schilling und Penny einerseits oder dem Pfund andrerseits nicht so beständig und gleichförmig gewesen zu sein, als das zwischen dem Penny und dem Pfund. Während der Zeit des ersten französischen Königsgeschlechtes scheint der französische Sou oder Schilling bald fünf, bald zwölf, bald zwanzig, bald vierzig Pence enthalten zu haben. Unter den alten Sachsen scheint der Schilling zu einer gewissen Zeit nur fünf Pence enthalten zu haben, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass er bei ihnen ebenso veränderlich war, als bei ihren Nachbarn, den alten Franken. Seit der Zeit Karls des Großen unter den Franken, und Wilhelms des Eroberers unter den Engländern scheint das Verhältnis zwischen Pfund, Schilling und Penny stets dasselbe gewesen zu sein, wie noch heute, obgleich ihr Wert sehr verschieden war. Denn in allen Ländern der Welt haben, glaube ich, der Geiz und die Ungerechtigkeit der Fürsten und Staaten, das Vertrauen ihrer Untertanen missbrauchend, nach und nach den wirklichen Metallgehalt, der ursprünglich in ihren Münzen vorhanden war, verringert. Das römische As wurde in der letzten Zeit der Republik auf den vierundzwanzigsten Teil seines ursprünglichen Wertes verringert, so dass es statt eines Pfundes nur eine halbe Unze wog. Das englische Pfund und der Penny enthalten gegenwärtig etwa nur ein Drittel, das schottische Pfund und der Penny etwa ein Sechsunddreißigstel, und das französische Pfund und der Penny etwa ein Sechsundsechzigstel ihres ursprünglichen Wertes. Mittelst solcher Maßnahmen waren die Fürsten und Staaten, die sich ihrer bedienten, imstande, dem Scheine nach ihre Schulden zu bezahlen, und ihre Verpflichtungen mit einer geringeren Masse Silber, als sonst nötig gewesen wäre, zu erfüllen, allerdings nur dem Scheine nach; denn die Gläubiger waren in Wirklichkeit um einen Teil dessen, was ihnen zukam, betrogen. Allen anderen Schuldnern im Staate wurde dasselbe Privileg zuteil, und sie konnten, was sie in alter Münze geborgt hatten, mit derselben nominellen Summe der neuen und verschlechterten Münze bezahlen. Solche Maßregeln erwiesen sich daher stets günstig für den Schuldner und verderblich für den Gläubiger, und brachten zuweilen eine größere und allgemeinere Umwälzung im Vermögen der Privatpersonen hervor, als es durch die größte öffentliche Kalamität hätte geschehen können. Auf diese Weise ist das Geld bei allen zivilisierten Völkern das allgemeine Handelsinstrument geworden, durch dessen Vermittlung Waren aller Art gekauft und verkauft, oder gegeneinander ausgetauscht werden. Welche Regeln die Menschen beim Tausch der Waren gegen Geld oder gegen einander der Natur der Sache entsprechend beobachten, will ich nun untersuchen. Diese Regeln bestimmen das, was man den relativen oder Tauschwert der Waren nennen kann. Das Wort Wert hat, was zu beachten ist, zwei verschiedene Bedeutungen, und drückt bald die Brauchbarkeit einer Sache, bald die durch den Besitz dieser Sache gegebene Möglichkeit aus, andere Güter dafür zu kaufen. Das eine kann Gebrauchswert, das andere Tauschwert genannt werden. Die Dinge, die den größten Gebrauchswert haben, haben oft wenig oder gar keinen Tauschwert, und umgekehrt haben solche, die den größten Tauschwert haben, oft wenig oder gar keinen Gebrauchswert. Nichts ist nützlicher als Wasser, aber man kann selten etwas dafür kaufen, selten etwas dafür in Tausch erhalten. Dagegen hat ein Diamant kaum irgendeinen Gebrauchswert, aber man kann oft eine große Menge anderer Güter dafür im Tausch erhalten. Um die Grundsätze zu erforschen, welche den Tauschwert der Ware regeln, werde ich zu zeigen suchen: Erstens: Welches der wahre Maßstab dieses Tauschwertes ist, oder worin der wahre Preis aller Waren besteht; Zweitens: Aus welchen verschiedenen Bestandteilen dieser wahre Preis zusammengesetzt oder gebildet ist; Und endlich: Welche verschiedenen Umstände einige oder alle diese verschiedenen Bestandteile des Preises bald über, bald unter ihren natürlichen oder gewöhnlichen Satz treiben, oder welche Ursachen den Marktpreis, d. h. den wirklichen Preis der Waren hindern, genau mit dem, was man ihren natürlichen Preis nennen kann, zusammenzufallen. Ich werde mich bemühen, diese drei Gegenstände so vollständig und deutlich, als ich es vermag, in den drei folgenden Kapiteln auseinanderzusetzen, für welche ich mir die Geduld und Aufmerksamkeit des Lesers aufs Angelegentlichste erbitten muss: seine Geduld, um ein Detail zu prüfen, welches ihm vielleicht an vielen Stellen ohne Not weitschweifig zu sein scheint, und seine Aufmerksamkeit, um dasjenige zu fassen, was vielleicht nach der vollständigsten Auseinandersetzung, die ich zu geben imstande hin, doch immer noch ziemlich dunkel scheinen mag. Ich will stets lieber Gefahr laufen, weitschweifig zu sein, wenn ich nur sicher bin, klar zu bleiben, und, nachdem ich mir alle mögliche Mühe gegeben habe, klar zu sein, kann es noch immer scheinen, als ob über einen Gegenstand, der seiner Natur nach höchst abstrakt ist, einige Dunkelheit zurückgeblieben ist. Fünftes Kapitel Vom wahren und nominellen Preise der Waren, oder von ihrem Preise in Arbeit und ihrem Preise in Geld Jeder Mensch ist reich oder arm in dem Grade, wie er imstande ist, sich die Bedürfnisse, Annehmlichkeiten und Vergnügungen des menschlichen Lebens zu beschaffen. Nachdem aber einmal die Teilung der Arbeit überall Eingang gefunden hat, kann eines Menschen eigne Arbeit ihn nur mit einem sehr kleinen Teil dieser Dinge versorgen. Den bei weitem größeren Teil von ihnen muss er von der Arbeit anderer erwarten, und er muss reich oder arm sein, je nach der Menge von Arbeit, über die er verfügen oder die er kaufen kann. Der Wert einer Ware ist demnach für den, der sie besitzt und der sie nicht selbst zu gebrauchen oder zu verbrauchen, sondern gegen andere Waren umzutauschen gedenkt, gleich der Menge Arbeit, welche zu kaufen oder über welche zu verfügen sie ihm gestattet. Die Arbeit ist also der wahre Maßstab des Tauschwertes aller Waren. Der wahre Preis jedes Dinges, der Preis, den jedes Ding den Mann, der es sich verschaffen will, wirklich kostet, ist die Mühe und Beschwerde, die er hat anwenden müssen, um es sich zu verschaffen. Was jedes Ding dem Manne, der es sich verschafft hat und darüber verfügen oder es gegen etwas anderes vertauschen will, wirklich wert ist, das ist die Mühe und Beschwerde, welche er sich dadurch ersparen und auf andere Leute abwälzen kann. Was mit Geld oder Waren erkauft ist, wird ebenso wie das, was wir durch die Beschwerde des eignen Körpers erwerben, mit Arbeit erkauft. Jenes Geld oder jene Güter ersparen uns in der Tat diese Beschwerde. Sie enthalten den Wert einer gewissen Menge Arbeit, welche wir gegen etwas vertauschen, wovon wir zur Zeit glauben, dass es den Wert einer gleichen Menge enthalte. Die Arbeit war der erste Preis, das ursprüngliche Kaufgeld, welches für alle Dinge gezahlt wurde. Nicht mit Gold oder Silber, sondern mit Arbeit wurden alle Güter der Welt ursprünglich gekauft; und ihr Wert für die, welche sie besitzen und gegen neue Erzeugnisse vertauschen wollen, ist genau der Arbeitsmenge gleich, welche zu kaufen oder über welche zu verfügen sie dadurch instand gesetzt sind. Reichtum, sagt Hobbes, ist Macht. Wer jedoch ein großes Vermögen erwirbt oder ererbt, erwirbt oder ererbt damit nicht notwendig politische Macht, sei es im Zivil- oder Kriegsdienst. Sein Vermögen wird ihm vielleicht die Mittel bieten, beide zu erwerben, aber der bloße Besitz dieses Vermögens verschafft ihm nicht notwendig die eine oder die andere. Die Macht, die jener Besitz ihm unmittelbar und direkt verschafft, ist die Macht zu kaufen, d. h. eine gewisse Herrschaft über alle Arbeit oder alle Arbeitserzeugnisse, die sich auf dem Markte befinden. Sein Vermögen ist größer oder geringer genau im Verhältnis zum Umfange dieser Macht, oder zur Menge der Arbeit oder, was dasselbe ist, der Arbeitserzeugnisse anderer, welche zu kaufen oder über welche zu verfügen er dadurch instand gesetzt ist. Der Tauschwert eines jeden Dinges muss stets dem Umfange dieser Macht, die es seinem Besitzer verschafft, vollkommen gleich sein. Obwohl aber die Arbeit der wahre Maßstab des Tauschwertes aller Waren ist, so ist sie doch nicht der Maßstab, nach welchem ihr Wert gewöhnlich geschätzt wird. Es ist oft schwer, das Verhältnis zwischen zwei verschiedenen Arbeitsmengen genau zu bestimmen. Die Zeit, die auf zwei verschiedene Arten von Arbeit verwendet ist, wird allein dies Verhältnis nicht immer entscheiden. Die verschiedenen Grade von erduldeter Mühsal und von aufgewendetem Geist müssen ebenfalls in Rechnung gebracht werden. Es kann in der schweren Anstrengung einer Stunde mehr Arbeit stecken, als in zwei Stunden leichter Beschäftigung, und in der einstündigen Ausübung eines Geschäfts, dessen Erlernung zehn Jahre Arbeit kostete, mehr als in dem Fleiß eines ganzen Monats bei einer gewöhnlichen und alltäglichen Beschäftigung. Allein es ist nicht leicht, einen genauen Maßstab für die Mühsal wie für die Geisteskraft zu finden. Allerdings wird beim wechselseitigen Austausch der Erzeugnisse verschiedener Arbeitsgebiete auf beides einige Rücksicht genommen. Indessen wird das nicht nach einem genauen Maßstabe, sondern nach dem Dingen und Feilschen des Marktes ausgeglichen, jener rohen Ausgleichung gemäß, welche zwar nicht exakt ist, aber für die Geschäfte des gemeinen Lebens ausreicht. Überdies werden alle Waren häufiger gegeneinander, als gegen Arbeit vertauscht und damit verglichen. Es ist daher naturgemäßer, ihren Tauschwert nach der Menge einer anderen Ware zu schätzen, als nach der der Arbeit, die sie kaufen kann. Auch verstehen die meisten Leute besser, was mit der Menge einer bestimmten Ware, als was mit einer Menge Arbeit gemeint ist. Jenes ist ein einfacher handgreiflicher Gegenstand, dieses ein abstrakter Begriff, der sich zwar hinreichend deutlich machen lässt, aber doch nicht allen so natürlich und geläufig ist. Wenn aber der Tauschhandel aufhört, und das Geld zum gewöhnlichen Verkehrsinstrument geworden ist, dann werden alle Waren häufiger gegen Geld als gegen andere Waren vertauscht. Der Fleischer bringt selten sein Rind- oder Hammelfleisch zum Bäcker oder zum Brauer, um es gegen Brot oder Bier zu vertauschen, sondern er bringt es auf den Markt, wo er es gegen Geld verhandelt; und später vertauscht er dies Geld gegen Brot und Bier. Die Menge des Geldes, welches er dafür einnimmt, bestimmt auch die Menge des Brotes und Bieres, die er nachher kaufen kann. Es ist ihm daher natürlicher und geläufiger, ihren Wert nach der Menge des Geldes, der Ware, für welche er sie unmittelbar vertauscht, als nach der des Brotes und Bieres – Waren, gegen welche er sie nur durch Vermittlung einer anderen Ware vertauschen kann – zu schätzen und zu sagen, sein Fleisch sei das Pfund drei oder vier Pence wert, als es sei drei oder vier Pfund Brot, oder drei oder vier Quart Dünnbier wert. Daher kommt es, dass der Tauschwert aller Waren häufiger nach der Menge des Geldes als nach der Menge der Arbeit oder einer andern Ware, die dafür eingetauscht werden kann, geschätzt wird. Übrigens schwanken Gold und Silber, wie jede andere Ware, im Wert und sind bald wohlfeiler und bald teurer, bald leichter und bald schwerer zu kaufen. Die Menge Arbeit, die für eine bestimmte Menge Gold oder Silber zu kaufen ist oder zu Gebote steht, oder die Menge anderer Güter, welche dafür eingetauscht werden kann, hängt stets von der Ergiebigkeit oder Armut der Bergwerke ab, die man zur Zeit gerade kennt. Die Entdeckung der reichen Minen Amerikas setzte im sechzehnten Jahrhundert den Wert von Gold und Silber in Europa ungefähr auf den dritten Teil seines früheren herab. Da es weniger Arbeit kostete, jene Metalle aus den Minen auf den Markt zu bringen, so konnten sie auch, als sie auf den Markt kamen, weniger Arbeit kaufen oder über weniger verfügen; und diese Umwälzung in ihrem Werte, obwohl vielleicht die größte, ist doch keineswegs die einzige, von der die Geschichte berichtet. Wie aber ein Maßstab der Menge, welcher selbst stets veränderlich ist, wie z. B. der natürliche Fuß, die Armlänge oder die Handvoll, niemals einen genauen Maßstab für die Menge anderer Dinge abgeben kann, so kann auch eine Ware, die in ihrem eigenen Werte fortwährend veränderlich ist, niemals ein genauer Maßstab des Wertes anderer Waren sein. Gleiche Mengen Arbeit sind, wie man zu sagen berechtigt ist, zu allen Zeiten und an allen Orten für den Arbeiter von gleichem Werte. Bei einem durchschnittlichen Stande seiner Gesundheit, Kraft und Stimmung, bei dem gewöhnlichen Grade seiner Geschicklichkeit und Fertigkeit muss er stets denselben Teil seiner Muße, seiner Freiheit und seines Glückes dafür einsetzen. Der Preis, den er zahlt, bleibt immer der nämliche, wie groß auch die Menge der Güter sei, welche er als Ersatz dafür erhält. Allerdings kann seine Arbeit bald eine größere, bald eine geringere Menge von Waren kaufen; aber es ist ihr Wert, der schwankt, nicht der der Arbeit, die sie kauft. Immer und überall ist dasjenige teuer, was schwer zu beschaffen ist, oder dessen Erwerbung viel Arbeit kostet, und dasjenige wohlfeil, was leicht oder mit sehr wenig Arbeit zu haben ist. Einzig und allein nur die Arbeit, die in ihrem Werte niemals schwankt, ist mithin der letzte und wahre Preismaßstab, nach welchem der Wert aller Waren immer und überall geschätzt und verglichen werden kann. Sie ist ihr wahrer Preis; Geld nur ihr nomineller. Obwohl aber gleiche Mengen Arbeit für den Arbeiter immer gleichen Wert haben, so scheinen sie doch für den, der den Arbeiter beschäftigt, bald mehr, bald weniger wert zu sein. Er erkauft sie bald mit einer größeren, bald mit einer kleineren Menge von Gütern, und ihm scheint der Preis der Arbeit ebenso wie der aller andern Dinge zu schwanken. In dem einen Falle erscheint sie ihm teuer, in dem anderen wohlfeil. In Wahrheit jedoch sind es die Güter, die in dem einen Falle wohlfeil, und im andern teuer sind. In diesem volkstümlichen Sinne kann man daher sagen, die Arbeit habe gleich den Waren einen wirklichen und einen nominellen Preis. Ihr wirklicher, kann man sagen, besteht in der Menge von Bedürfnissen und Annehmlichkeiten des Lebens, welche dafür gegeben wird; ihr nomineller Preis in der Menge Geld. Der Arbeiter ist reich oder arm, gut oder schlecht belohnt, je nach dem wirklichen, nicht dem nominellen Preise seiner Arbeit. Die Unterscheidung zwischen dem wirklichen oder Sachpreise und dem nominellen Preise der Waren und der Arbeit ist nicht etwa nur eine Sache der bloßen Theorie, sondern kann bisweilen in der Praxis von großem Nutzen sein. Der gleiche Sachpreis hat immer den gleichen Wert; der nominelle Preis dagegen ist wegen der Schwankungen im Werte des Goldes und Silbers zuweilen von sehr verschiedenem Werte. Wenn daher ein Landgut unter dem Vorbehalt einer immerwährenden Rente verkauft wird, und die Rente stets denselben Wert haben soll, so ist es für die Familie, zu deren Gunsten dies ausgemacht wird, von Wichtigkeit, dass sie nicht in einer bestimmten Summe Geldes bestehe. In diesem Falle würde ihr Wert Schwankungen doppelter Art ausgesetzt sein; erstens der, welche aus den verschiedenen Mengen Goldes und Silbers, die zu verschiedenen Zeiten in Münzen von demselben Nennwert enthalten sind, entspringt, und zweitens der, welcher durch den verschiedenen Wert gleicher Mengen Goldes und Silbers zu verschiedenen Zeiten veranlasst wird. Fürsten und Republiken haben es oft für einen zeitweiligen Vorteil gehalten, die in ihren Münzen enthaltene Menge reinen Metalls zu vermindern; aber selten fanden sie es vorteilhaft, sie zu vermehren. Demgemäß hat, glaube ich, die Menge des in den Münzen aller Nationen enthaltenen Metalls sich fast beständig vermindert und kaum jemals zugenommen. Solche Veränderungen haben daher fast überall den Erfolg, den Wert einer Geldrente zu verringern. Die Entdeckung der amerikanischen Mineralschätze verminderte den Wert des Goldes und Silbers in Europa. Diese Verringerung geht, wie man gewöhnlich, obgleich nach meinem Dafürhalten ohne sichern Beweis annimmt, noch immer stufenweise fort und wird wahrscheinlich noch lange Zeit fortdauern. Ist diese Annahme richtig, so werden solche Veränderungen den Wert einer Geldrente eher vermindern als vermehren, selbst wenn ihre Zahlung nicht in einer bestimmten Summe einer so oder so benannten Münzsorte (z. B. in so und so viel Pfund Sterling), sondern in so und so viel Pfund reinen Silbers oder Silbers von einem gewissen Feingehalt ausbedungen wäre. Die in Getreide ausbedungenen Renten haben ihren Wert weit besser bewahrt, als die in Geld ausbedungenen, selbst wenn der Nennwert der Münze keine Änderung erlitten hatte. Durch eine Parlamentsakte aus dem achtzehnten Regierungsjahre Elisabeths wurde verordnet, dass der dritte Teil des Pachtzinses aller Universitätsgüter in Getreide ausbedungen werden solle, das entweder in natura oder nach dem Marktpreise zu entrichten sei. Das Geld, welches aus dieser Getreiderente einkommt, beträgt, obgleich ursprünglich nur ein Drittel des Ganzen, nach Dr. Blackstone gegenwärtig in der Regel beinahe das Doppelte der andern zwei Drittel. Die alten Geldrenten der Universitäten müssen hiernach beinahe auf den vierten Teil ihres früheren Wertes gesunken sein oder sie sind kaum mehr wert als den vierten Teil des Getreides, welches sie früher wert waren. Dennoch hat seit der Regierung Philipps und Marias der Nennwert der englischen Münze wenig oder keine Änderung erfahren, und dieselbe Zahl Pfunde, Schillinge und Pence hat immer fast dieselbe Menge reinen Silbers enthalten. Jene Entwertung der Geldrenten der Universitäten ist daher ausschließlich durch die Entwertung des Silbers entstanden. Wenn zur Entwertung des Silbers noch eine Verminderung seiner in den Münzen von gleicher Benennung enthaltenen Menge hinzutritt, so ist der Verlust oft noch größer. In Schottland, wo der Nennwert der Münze viel größere Veränderungen erlitten hat, als jemals in England, und in Frankreich, wo er noch größere erlitt, als jemals in Schottland, sind manche alte Renten, die ursprünglich einen ansehnlichen Wert hatten, auf diese Weise beinahe auf nichts herabgesunken. Gleiche Mengen Arbeit werden in entfernten Epochen mit annähernd gleichen Mengen Getreides, der Hauptnahrung der Arbeiter, weit weniger aber mit gleichen Mengen Goldes und Silbers, oder vielleicht auch aller anderen Waren erkauft. Gleiche Mengen Getreide werden also in verschiedenen Zeiten denselben Sachwert haben, oder den Besitzer befähigen, annähernd dieselbe Menge Arbeit anderer Leute damit zu erkaufen oder über sie zu verfügen. Sie werden dies, sage ich, eher tun, als gleiche Mengen fast aller anderen Waren; denn genau tun es selbst die gleichen Getreidemengen nicht. Die Unterhaltsmittel des Arbeiters oder der wirkliche Preis der Arbeit ist, wie ich später zeigen werde, unter verschiedenen Umständen sehr verschieden: reichlicher bemessen in einer zur Wohlhabenheit fortschreitenden, als in einer stillstehenden Gesellschaft, und reichlicher in einer stillstehenden, als in einer rückwärtsgehenden. Alle andern Waren jedoch werden zu einer gewissen Zeit eine größere oder kleinere Menge Arbeit erkaufen, je nach der Menge von Lebensmitteln, welche sie zu dieser Zeit kaufen können. Eine in Getreide ausbedungene Rente ist daher nur den Veränderungen in der Arbeitsmenge unterworfen, die eine bestimmte Getreidemenge kaufen kann. Eine in irgendeiner anderen Ware ausbedungene Rente ist dagegen nicht nur den Veränderungen der mit einer gewissen Getreidemenge erkaufbaren Arbeitsmenge, sondern auch den Veränderungen der mit einer bestimmten Menge jener Ware erkaufbaren Menge Getreide ausgesetzt. Man muss indes beachten, dass der Wert einer Getreiderente sich zwar von Jahrhundert zu Jahrhundert viel weniger verändert, als der einer Geldrente, dafür aber von Jahr zu Jahr desto mehr schwankt. Der Geldpreis der Arbeit schwankt nicht, wie ich später zu zeigen suchen werde, von Jahr zu Jahr mit dem Geldpreise des Getreides, sondern scheint sich überall nicht dem zeitweiligen oder gelegentlichen, sondern dem Durchschnitts- oder gewöhnlichen Preise dieses Lebensbedürfnisses anzupassen. Der Durchschnitts- oder gewöhnliche Preis des Getreides wird wiederum, wie ich gleichfalls später zeigen werde, durch den Wert des Silbers, durch die Ergiebigkeit oder Unergiebigkeit der den Markt mit diesem Metall versehenden Bergwerke oder durch die Arbeitsmenge, die aufgewendet und folglich des Getreides, das verzehrt werden muss, um eine bestimmte Menge Silbers aus den Bergwerken auf den Markt zu bringen, bestimmt. Der Wert des Silbers aber ändert sich zwar zuweilen beträchtlich von Jahrhundert zu Jahrhundert, doch selten bedeutend von Jahr zu Jahr; sondern er bleibt oft ein halbes oder ein ganzes Jahrhundert hindurch derselbe oder nahezu derselbe. Mithin kann auch der gewöhnliche oder durchschnittliche Geldpreis des Getreides während einer solchen Periode derselbe oder nahezu derselbe bleiben, und mit ihm auch der Geldpreis der Arbeit, vorausgesetzt natürlich, dass die Gesellschaft auch in anderer Beziehung in derselben oder nahezu derselben Lage verharrt. Mittlerweile kann der zeitweilige und gelegentliche Preis des Getreides oft in dem einen Jahre doppelt so hoch sein als im vorhergehenden, und z. B. der Quarter zwischen fünfundzwanzig und fünfzig Schilling schwanken. Wenn aber das Getreide auf letzterem Preise steht, so wird nicht nur der nominelle, sondern auch der Sachwert einer Getreiderente gegen die vorhergehende der doppelte sein oder man wird dafür die doppelte Menge Arbeit oder die doppelte Menge der meisten anderen Waren zur Verfügung haben, da der Geldpreis der Arbeit und mit ihm der der meisten anderen Dinge während all dieser Schwankungen unverändert bleibt. Es leuchtet also ein, dass die Arbeit sowohl das einzige allgemeine, als das einzige genaue Maß des Wertes oder der einzige Maßstab ist, nach welchem die Werte der verschiedenen Waren immer und überall verglichen werden können. Es ist einzuräumen, dass wir den wirklichen Wert verschiedener Waren nicht von Jahrhundert zu Jahrhundert nach den Mengen Silber, die dafür gegeben werden müssen, auch nicht von Jahr zu Jahr nach den Getreidemengen schätzen können. Aber nach den Arbeitsmengen kann man ihn mit der größten Genauigkeit sowohl von Jahrhundert zu Jahrhundert, als von Jahr zu Jahr schätzen. Von Jahrhundert zu Jahrhundert ist Getreide ein besserer Maßstab als Silber, weil von Jahrhundert zu Jahrhundert für gleiche Getreidemengen viel eher die nämliche Arbeitsmenge zu haben sein wird, als für gleiche Mengen Silber. Umgekehrt ist das Silber ein besserer Maßstab von Jahr zu Jahr als das Getreide, weil für gleiche Mengen Silber viel eher die nämliche Menge Arbeit zur Verfügung stehen wird. Obschon es aber bei Feststellung immerwährender Renten oder selbst bei Abschließung sehr langer Pachtverträge von Nutzen sein kann, zwischen dem wahren und dem nominellen Preis zu unterscheiden, so hat es doch keinen Nutzen beim Kauf und Verkauf, den gewöhnlicheren und häufigeren Geschäften des menschlichen Lebens. Zu derselben Zeit und an demselben Orte stehen der wirkliche und der nominelle Preis aller Waren in genauem Verhältnis zu einander. Je mehr oder weniger Geld man für eine Ware z. B. auf dem Londoner Markte erhält, desto mehr oder weniger Arbeit wird man zu dieser Zeit und an diesem Orte dafür kaufen und erhalten können. Zu derselben Zeit und an demselben Ort ist daher Geld der genaue Maßstab des wirklichen Tauschwerts aller Waren. Doch ist dies eben nur zu derselben Zeit und an demselben Ort der Fall. Obgleich an entfernten Plätzen kein geregeltes Verhältnis zwischen dem wirklichen und dem Geldpreise der Waren besteht, so hat doch der Kaufmann, der Güter von einem Ort zum andern bringt, nichts als ihren Geldpreis oder den Unterschied zwischen der Menge Silber, für die er sie kauft, und der, für die er sie wahrscheinlich verkaufen wird, zu beachten. Für eine halbe Unze Silber mag zu Canton in China mehr Arbeit und mehr an Lebens- und Genussmitteln zu haben sein, als für eine Unze in London. Eine Ware, die in Canton für eine halbe Unze Silber verkauft wird, kann mithin an diesem Ort in Wirklichkeit teurer und für ihren Besitzer von größerer Bedeutung sein, als es eine Ware, die in London für eine Unze verkauft wird, für ihren Besitzer in London ist. Wenn jedoch ein Londoner Kaufmann zu Canton für eine halbe Unze Silber eine Ware kaufen kann, die er hernach in London für eine Unze zu verkaufen imstande ist, so gewinnt er hundert Prozent bei dem Handel, gerade so viel, als wenn eine Unze Silber in London ganz denselben Wert hätte, als in Canton. Es kommt für ihn nicht in Betracht, dass er für eine halbe Unze Silber in Canton mehr Arbeit und eine größere Menge Lebens- und Genussmittel zur Verfügung haben würde, als für eine Unze in London. Eine Unze verschafft ihm auch in London doppelt so viel, als was ihm eine halbe Unze daselbst verschaffen könnte, und das ist es gerade, was er wünscht. Da es also der nominelle oder Geldpreis ist, der schließlich über die Vorsichtigkeit und Unvorsichtigkeit aller Käufe und Verkäufe entscheidet, und deshalb fast alle Geschäfte des täglichen Lebens, in denen es auf den Preis ankommt, regelt, so ist es kein Wunder, dass man auf ihn so viel mehr als auf den wirklichen Preis geachtet hat. In einem Werke jedoch, wie das gegenwärtige, kann es zuweilen nützlich sein, die wirklichen Werte einer Ware zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten, oder die verschiedenen Grade der Macht über die Arbeit anderer, die sie in verschiedenen Fällen ihren Besitzern verliehen haben kann, zu vergleichen. Wir müssen in diesem Falle nicht sowohl die verschiedenen Mengen Silber, für die die Ware gewöhnlich verkauft wurde, als die verschiedenen Mengen Arbeit, die für jene verschiedenen Mengen Silber zu kaufen waren, vergleichen. Allein die üblichen Preise der Arbeit in entlegenen Zeiten und Orten sind kaum jemals mit einiger Genauigkeit zu ermitteln. Die Getreidepreise sind, obwohl auch sie nur an wenigen Orten regelmäßig aufgezeichnet wurden, im Allgemeinen bekannt, und von Geschichtsschreibern und anderen Schriftstellern öfters erwähnt worden. Daher müssen wir uns im Allgemeinen an ihnen genügen lassen; nicht weil sie zu dem üblichen Preise der Arbeit immer genau in demselben Verhältnis ständen, sondern weil sie sich gewöhnlich diesem Verhältnis am meisten nähern. Ich werde künftig Gelegenheit haben, einige Vergleichungen dieser Art zu machen. Bei zunehmender Betriebsamkeit fanden es die handeltreibenden Nationen zweckmäßig, verschiedene Metalle zu Geld auszuprägen; Gold für größere Zahlungen, Silber für Käufe von mäßigem Werte, und Kupfer oder ein anderes unedles Metall für Käufe von noch geringerem Belang. Doch betrachteten sie stets eines dieser Metalle vorzugsweise als Maßstab des Wertes, und dieser Vorzug scheint im Allgemeinen demjenigen Metall gegeben worden zu sein, welches sie gerade zuerst als Tauschwerkzeug gebraucht hatten. Nachdem sie einmal angefangen hatten, es als ihren Maßstab zu benutzen (was sie tun mussten, so lange sie noch kein anderes Geld hatten), blieben sie gewöhnlich dabei, auch wenn die Nötigung nicht mehr die gleiche war. Die Römer sollen bis zum fünften Jahre vor dem ersten punischen Kriege[2 - Plinius lib. XXXI LI, c. 3.], wo sie zuerst Silber ausmünzten, nur Kupfergeld gehabt haben. Daher scheint Kupfer auch stets der Wertmaßstab in dieser Republik geblieben zu sein. In Rom scheinen alle Rechnungen und der Wert aller Grundstücke entweder nach Assen oder Sestertien aufgestellt worden zu sein. As war immer der Name einer Kupfermünze. Das Wort Sestertius bedeutet zwei und einen halben As. Obgleich also der Sestertius ursprünglich eine Silbermünze war, so wurde sein Wert doch in Kupfer angegeben. Von einem, der viel Geld schuldig war, sagte man in Rom, er habe viel von anderer Leute Kupfer. Die nordischen Völker, welche sich auf den Ruinen des Römischen Reiches festsetzten, scheinen gleich im Anfang ihrer Niederlassungen Silbergeld gehabt und noch lange Zeit danach weder Gold- noch Kupfermünzen gekannt zu haben. In England gab es zur Zeit der Sachsen Silbermünzen, Gold aber wurde bis zur Zeit Eduards III. nur wenig, und Kupfer bis auf Jakob I. von Großbritannien gar nicht gemünzt. Deshalb wurden in England, und aus dem gleichen Grunde wohl unter allen andern neueren Völkern Europas, alle Rechnungen und der Wert aller Waren und Grundstücke allgemein in Silber berechnet; und wenn wir die Summe eines Vermögens angeben wollen, so sprechen wir selten von der Anzahl Guineen, sondern gewöhnlich von der Zahl Pfunde Sterling, auf die wir es schätzen. Ursprünglich war, glaube ich, in allen Ländern nur die Münze aus demjenigen Metall, welches vorzugsweise als Wertmaßstab oder Wertmesser betrachtet wurde, gesetzliches Zahlungsmittel. In England sah man das Gold noch lange, nachdem es schon zu Geld gemünzt wurde, nicht als gesetzliches Zahlungsmittel an. Das Wertverhältnis zwischen dem Gold- und Silbergeld war nicht durch Gesetz oder Anordnung festgestellt, sondern seine Bestimmung war dem Markte überlassen. Wenn ein Schuldner Zahlung in Gold anbot, so konnte der Gläubiger eine solche Zahlung entweder ganz zurückweisen, oder sie nach einer mit dem Schuldner zu vereinbarenden Schätzung des Goldes annehmen. Kupfer ist gegenwärtig nur für die Verwechslung kleiner Silbermünzen gesetzliches Zahlungsmittel. In diesem Stadium war die Unterscheidung zwischen dem Währungsmetall und demjenigen, das dies nicht war, etwas mehr als eine bloß nominelle Unterscheidung. Im Verlauf der Zeit, und als die Leute mit dem Gebrauch der verschiedenen gemünzten Metalle allmählich vertrauter wurden und sich folglich an das Verhältnis zwischen ihren bezüglichen Werten besser gewöhnten, fand man es in den meisten Ländern, wie ich glaube, zweckmäßig, dies Verhältnis festzustellen, und durch Gesetz zu bestimmen, dass z. B. eine Guinee von dem und dem Schrot und Korn einundzwanzig Schilling gelten oder ein gesetzliches Zahlungsmittel für eine Schuld von diesem Betrage sein solle. In diesem Stadium und während der Dauer eines derartig geregelten Verhältnisses wird die Unterscheidung zwischen dem Währungsmetall und demjenigen, das dies nicht ist, wenig mehr als eine nominelle. Infolge einer Veränderung dieses geregelten Verhältnisses wird jedoch diese Unterscheidung wieder etwas mehr als eine bloß nominelle, oder scheint es wenigstens zu werden. Wenn z. B. der geregelte Wert einer Guinee entweder auf zwanzig Schilling vermindert oder auf zweiundzwanzig erhöht würde, so könnte, da alle Rechnungen in Silbergeld geführt und fast alle Schuldverschreibungen in diesem ausgedrückt sind, der größte Teil der Zahlungen zwar in beiden Fällen mit derselben Summe Silbergeldes, wie früher, geleistet werden, würde aber in Goldmünze eine sehr abweichende Summe erfordern: eine größere in dem einen, eine kleinere in dem anderen Falle. Das Silber würde in seinem Werte unveränderlicher erscheinen, als das Gold; es würde scheinen, dass das Silber den Wert des Goldes, nicht aber das Gold den des Silbers messe. Der Wort des Goldes würde von der Menge Silbers, gegen die es umtauschbar wäre, abhängig scheinen, und der Wert des Silbers würde von der Menge Gold, die dafür zu haben wäre, unabhängig scheinen. Dieser Unterschied hätte jedoch seinen Grund lediglich in der Gewohnheit, die Rechnungen lieber in Silber als in Gold zu führen und den Betrag aller großen und kleinen Summen in Silbergeld auszudrücken. Eine von Herrn Drummonds Noten über fünfundzwanzig oder fünfzig Guineen würde nach einer solchen Veränderung immer noch, wie früher, mit fünfundzwanzig oder fünfzig Guineen zu bezahlen sein. Sie wäre nach einer solchen Veränderung mit der nämlichen Menge Gold zu bezahlen, wie früher, aber mit sehr verschiedenen Mengen Silbers. Hat man eine solche Note zu zahlen, so würde das Gold in seinem Werte unveränderlicher zu sein scheinen, als das Silber. Gold würde den Wert des Silbers, nicht aber Silber den des Goldes zu messen scheinen. Wenn die Gewohnheit, Rechnungen und Zahlungsversprechen, so wie andere Schuldverschreibungen, in dieser Weise auszustellen, einmal allgemein werden sollte, so würde das Gold, und nicht das Silber als das Metall betrachtet werden, das vorzugsweise der Wertmaßstab oder Wertmesser wäre. In Wirklichkeit regelt während der Dauer eines zwischen den bezüglichen Werten der verschiedenen Münzmetalle festgesetzten Verhältnisses der Wert des kostbarsten Metalls den Wert des gesamten Geldes. Zwölf Kupferpence enthalten ein halbes Pfund (Sollgewicht) Kupfer nicht von der besten Qualität, welches, bevor es gemünzt ist, kaum sieben Pence an Silber wert ist. Da aber gesetzlich zwölf solche Pence einen Schilling gelten, so werden sie auf dem Markte als einen Schilling wert betrachtet und kann man zu jeder Zeit einen Schilling dafür erhalten. Vor der letzten Umprägung der britischen Goldmünzen war das Gold, wenigstens so viel davon in London und seiner Umgegend im Umlauf war, im Allgemeinen weit weniger als das meiste Silber, unter sein gesetzliches Gewicht gesunken. Dennoch wurden einundzwanzig abgenutzte und verwischte Schillinge als gleichwertig mit einer Guinee betrachtet, welche allerdings vielleicht auch abgenutzt und verwischt war, aber doch selten in solchem Grade. Die neueren Regelungen haben die Goldmünze ihrem Normalgewicht vielleicht so nahe gebracht, als dies überhaupt mit dem Kurantgeld eines Landes möglich ist, und die Verordnung, kein Gold bei den Staatskassen anders als nach dem Gewicht anzunehmen, wird dieses wahrscheinlich so lange vollwichtig erhalten, als jene Verordnung aufrechterhalten bleibt. Die Silbermünze ist noch immer in demselben abgenutzten und verschlechterten Zustande, wie vor der Umprägung der Goldmünze. Auf dem Markt jedoch werden einundzwanzig Schillinge dieser verschlechterten Silbermünze noch immer als dem Wert einer Guinee von dieser ausgezeichneten Goldmünze entsprechend betrachtet. Die Umprägung der Goldmünze hat offenbar den Wert der Silbermünze, die dagegen umgewechselt werden kann, gesteigert. In der englischen Münze wird ein Pfund Gold zu vierundvierzig einer halben Guinee ausgemünzt, was, die Guinee zu einundzwanzig Schilling gerechnet, sechsundvierzig Pfund Sterling, vierzehn Schilling und sechs Pence ausmacht. Die Unze gemünzten Goldes ist mithin £ 3 17 sh. 10 ½ d. in Silber wert. In England wird kein Aufschlag oder Schlagschatz für das Prägen gezahlt, und wer ein Pfund oder eine Unze vollwichtiges Goldbullion zur Münze bringt, bekommt ein Pfund oder eine Unze in gemünztem Golde ohne allen Abzug zurück. Drei Pfund, siebzehn Schilling und zehn und ein halber Penny die Unze, nennt man daher in England den Münzpreis des Goldes oder die Menge gemünzten Goldes, die die Münze für vollwichtiges Goldbullion zurückgibt. Vor der Umprägung der Goldmünze war der Marktpreis der Unze vollwichtigen Goldbullions viele Jahre hindurch über £ 3. 18 sh., manchmal £ 3. 19 sh. und sehr oft £ 4; diese Summe wahrscheinlich in der abgenutzten und verschlechterten Goldmünze, die selten mehr als eine Unze vollwichtigen Goldes enthielt. Seit der Umprägung der Goldmünze übersteigt der Marktpreis der Unze vollwichtigen Barrengoldes selten £ 3. 17 sh. 7 d. Vor der Umprägung stand der Marktpreis stets mehr oder weniger über dem Münzpreise; nach ihr hingegen beständig darunter. Doch ist dieser Marktpreis derselbe, gleichviel ob er in Gold- oder Silbermünze gezahlt wird. Die letzte Umprägung hat mithin nicht nur den Wert der Goldmünze, sondern gleicherweise den der Silbermünze im Verhältnis zum Goldbullion und wahrscheinlich auch im Verhältnis zu allen andern Waren erhöht, obgleich wegen des Einflusses, den so manche andere Umstände auf den Preis der meisten andern Waren haben, die Erhöhung des Wertes sowohl der Gold- wie der Silbermünzen, im Vergleich mit dem Warenpreise, nicht so deutlich und fühlbar sein kann. In der englischen Münze wird ein Pfund vollwichtigen Barrensilbers zu zweiundsechzig Schilling ausgemünzt, die ebenfalls ein richtiges Pfund vollwichtigen Silbers enthalten. Fünf Schilling und zwei Pence die Unze, heißt daher in England der Münzpreis des Silbers oder die Menge Silbermünze, die die Münze für vollwichtiges Barrensilber gibt. Vor der Umprägung der Goldmünze war der Marktpreis des vollwichtigen Barrensilbers nach Umständen fünf Schilling und vier Pence, fünf Schilling und fünf Pence, fünf Schilling und sechs Pence, fünf Schilling und sieben Pence, und sehr oft fünf Schilling und acht Pence die Unze. Doch scheint fünf Schilling und sieben Pence der gewöhnlichste Preis gewesen zu sein. Seit der Umprägung der Goldmünze ist der Marktpreis des vollwichtigen Barrensilbers gelegentlich auf fünf Schilling und drei Pence, fünf Schilling und vier Pence, und fünf Schilling und fünf Pence die Unze gefallen, welchen letzten Preis es kaum je überstiegen hat. Obgleich der Marktpreis des Barrensilbers seit der Umprägung der Goldmünze beträchtlich gefallen ist, so ist er doch nicht so tief gefallen wie der Münzpreis. Wie in dem Verhältnisse zwischen den verschiedenen Metallen der englischen Münzen das Kupfer weit über seinen wirklichen Wert angesetzt ist, so das Silber etwas unter ihm. Auf dem europäischen Markte, in den französischen und holländischen Münzen gilt eine Unze feinen Goldes etwa vierzehn Unzen feinen Silbers. Nach englischem Münzfuß gilt sie etwa fünfzehn Unzen, d. h. mehr Silber als sie nach der allgemeinen Schätzung Europas wert ist. So wenig aber der Preis des rohen Kupfers in England durch den hohen Preis des Kupfers in den englischen Münzen gestiegen ist, so wenig ist der Preis des Barrensilbers durch den niedrigen Satz des Silbers in den englischen Münzen gefallen. Barrensilber steht noch in seinem richtigen Verhältnis zum Golde, aus demselben Grunde, aus dem rohes Kupfer noch in seinem richtigen Verhältnis zum Silber steht. Nach der Umprägung der Silbermünze unter der Regierung Wilhelms III. blieb der Preis des Barrensilbers noch immer etwas über dem Münzpreise. Locke schrieb diesen hohen Preis dem Umstande zu, dass es wohl gestattet war, Barrensilber, aber nicht Silbermünze auszuführen. Jene Ausfuhrerlaubnis, sagt er, mache die Nachfrage nach Barrensilber größer als die nach Silbermünze. Allein die Zahl derer, die zum täglichen Gebrauch beim Kaufen und Verkaufen im Lande Silbermünze nötig haben, ist sicherlich weit größer, als die Zahl derer, welche zur Ausfuhr oder zu irgendeinem anderen Zweck Barrensilber brauchen. Es ist gegenwärtig auch gestattet, Goldbarren – und verboten, Goldmünzen auszuführen; und dennoch ist der Preis der Goldbarren unter den Münzpreis gefallen. Aber damals wurde ganz so wie jetzt, in den englischen Münzen das Silber im Verhältnis zum Golde zu niedrig ausgebracht, und die Goldmünze, von der man zu jener Zeit auch nicht glaubte, dass sie einer Umprägung bedürfe, regelte ebenso wie jetzt, den wahren Wert aller Münzen. Da die Umprägung der Silbermünze den Preis des Barrensilbers damals nicht auf den Münzpreis herabsetzte, so ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass eine ähnliche Umprägung dies jetzt bewirken würde. Wäre die Silbermünze ihrem Normalgewicht so nahe gebracht, wie das Gold, so würde man nach dem jetzigen Verhältnis für eine Guinee wahrscheinlich mehr Silber in Münze erhalten als in Barren. Enthielte das Silbergeld sein volles gesetzliches Gewicht, so würde es vorteilhaft sein, es einzuschmelzen, um es erst in Barren für Goldmünze zu verkaufen, und diese Goldmünze dann wieder gegen Silbergeld umzuwechseln, um dies gleichfalls einzuschmelzen. Eine Änderung im gegenwärtigen Verhältnis scheint das einzige Mittel zu sein, diesem Übelstande zu steuern. Der Übelstand wäre vielleicht geringer, wenn das Silber in den Münzen um eben so viel über seinem richtigen Verhältnis zum Golde ausgebracht würde, als jetzt unter ihm, vorausgesetzt, es werde zu gleicher Zeit verordnet, dass Silber nicht für mehr als eine Guinee gesetzliches Zahlungsmittel sein solle, gerade so, wie Kupfer nicht für mehr als einen Schilling gesetzliches Zahlungsmittel ist. In diesem Falle könnte kein Gläubiger durch die hohe Wertung des Silbers in den Münzen beeinträchtigt werden, so wenig jetzt ein Gläubiger durch die hohe Wertung des Kupfers verkürzt wird. Nur die Bankiers würden unter dieser Anordnung leiden. Wenn ein Andrang zu ihren Zahlstellen entsteht, so suchen sie zuweilen dadurch Zeit zu gewinnen, dass sie in Sixpence-Stücken zahlen; durch jene Anordnung aber würde ihnen dies schimpfliche Mittel, einer unmittelbaren Zahlung auszuweichen, abgeschnitten sein. Sie würden sich deshalb gezwungen sehen, stets eine größere Summe baren Geldes in ihren Kassen liegen zu haben als gegenwärtig und wenn dies auch ohne Zweifel eine große Unbequemlichkeit für sie sein könnte, so wäre es doch gleichzeitig für ihre Gläubiger eine große Sicherheit. Drei Pfund, siebzehn Schilling und zehn und ein halber Penny (der Münzpreis des Goldes) enthalten selbst in unserer dermaligen ausgezeichneten Goldmünze gewiss nicht mehr als eine Unze vollwichtigen Goldes, und sollten also, wie man denken könnte, auch nicht mehr in vollwichtigen Barren zu kaufen vermögen. Allein gemünztes Gold ist bequemer als Gold in Stangen, und obwohl in England das Prägen kostenfrei geschieht, so kann doch das in Stangen zur Münze gebrachte Gold dem Eigentümer selten früher als nach Verlauf einiger Wochen, gemünzt zurückgegeben werden. In dem jetzigen Geschäftsdrange der Münze könnte es erst nach Verlauf mehrerer Monate zurückgegeben werden. Dieser Verzug kommt einer kleinen Abgabe gleich und macht gemünztes Gold etwas wertvoller als eine gleiche Menge Stangengold. Wenn in den englischen Münzen das Silber nach seinem richtigen Verhältnis zum Golde ausgebracht würde, so würde der Preis des Barrensilbers wahrscheinlich schon ohne alle Umprägung der Silbermünzen unter den Münzpreis herabsinken, da sogar der Wert der jetzigen abgenutzten und verwischten Silbermünzen sich nach dem Werte der vortrefflichen Goldmünzen richtet, für die es umgetauscht werden kann. Ein kleiner Schlagschatz oder Aufschlag sowohl auf die Gold- wie auf die Silbermünzen würde wahrscheinlich die höhere Geltung dieser Metalle im gemünzten, als im ungeprägten Zustande noch steigern. Das Prägen würde in diesem Falle den Wert des gemünzten Metalls um diese kleine Gebühr erhöhen, aus demselben Grunde, aus dem die Façon den Wert eines Tafelgeschirrs um den Preis der Façon erhöht. Die höhere Geltung der Münzen als der Barren würde dem Einschmelzen der Münze verbeugen und von ihrer Ausfuhr abhalten. Wenn irgendein öffentliches Bedürfnis es nötig machen sollte, die Münzen auszuführen, so würde der größte Teil von ihnen bald von selbst wieder zurückkehren. Im Auslande könnte sie nur nach ihrem Barrengewicht verkauft werden; im Lande dagegen gilt sie mehr als dies Gewicht, und es wäre daher vorteilhaft, sie wieder nach Hause zu bringen. In Frankreich wird ein Schlagschatz von etwa acht Prozent vom Prägen erhoben, und die französische Münze soll, wenn sie ausgeführt war, von selbst ins Land zurückkehren. Die gelegentlichen Schwankungen im Marktpreise der Gold- und Silberbarren entstehen aus denselben Ursachen wie die gleichen Schwankungen im Preise aller andern Waren. Das häufige Verlorengehen dieser Metalle bei Unfällen zur See und zu Lande, ihr fortwährender Abgang durch Vergolden und Plattieren, in Borten und Stickereien, durch Abnutzung des Geldes und Geschirrs erfordert in allen Ländern, die keine eigenen Minen besitzen, zum Ersatz dieses Verlustes und Abganges eine beständige Einfuhr. Die Importeure werden, wie alle anderen Kaufleute, ihre gelegentlichen Einfuhren wahrscheinlich der mutmaßlichen Nachfrage anzupassen suchen. Doch tun sie darin trotz all ihrer Aufmerksamkeit manchmal zu viel und manchmal zu wenig. Wenn sie mehr Barren einführen, als begehrt werden, so verkaufen sie bisweilen, um nur nicht die Gefahr und Mühe der Wiederausfuhr zu haben, einen Teil von ihnen etwas unter dem gewöhnlichen oder Durchschnittspreise. Haben sie dagegen weniger eingeführt als gebraucht wird, so nehmen sie etwas mehr als diesen Preis. Hält aber unter all diesen zufälligen Schwankungen der Marktpreis der Gold- oder Silberbarren mehrere Jahre hindurch stetig und ununterbrochen sich entweder über oder unter dem Münzpreise, so können wir sicher sein, dass diese feste Beständigkeit des höheren oder niedrigeren Preises durch etwas in dem Zustande der Münze bewirkt sei, was dermalen einer bestimmten Münzmenge entweder mehr oder weniger Wert gibt als der genauen Menge Metall, die sie enthalten sollte. Die Beständigkeit und Stetigkeit der Wirkung setzt eine gleiche Beständigkeit und Stetigkeit in der Ursache voraus. Das Geld eines Landes ist zu bestimmter Zeit und an bestimmtem Orte ein mehr oder weniger genauer Wertmesser, je nachdem die umlaufenden Münzen mehr oder weniger vollwichtig sind, oder mehr oder weniger genau die Quantität reinen Goldes oder Silbers enthalten, die sie enthalten sollen. Enthielten z. B. in England vierundvierzig und eine halbe Guinee genau ein Pfund vollwichtigen Goldes, oder elf Unzen feines Gold und eine Unze Zusatz, so würde die englische Goldmünze ein so genauer Maßstab für den jeweiligen Wert der Waren sein als die Natur der Dinge dies überhaupt zulässt. Wenn aber vierundvierzig und eine halbe Guinee infolge der Abnutzung im Allgemeinen weniger als ein Pfund vollwichtiges Gold enthalten, wobei jedoch die Verminderung in einigen Stücken größer ist als in anderen, so unterliegt der Wertmesser demselben Lose der Unzuverlässigkeit, dem alle anderen Gewichte und Maße gewöhnlich ausgesetzt sind. Da diese selten genau mit ihrem Original übereinstimmen, so bestimmt der Kaufmann nicht nach dem, was diese Gewichte und Maße sein sollten, sondern nach dem, was sie nach seiner Erfahrung im Durchschnitt wirklich sind, so gut er kann, den Preis seiner Waren. Auf dieselbe Weise wird infolge einer gleichen Verwirrung in der Münze der Preis der Güter nicht nach der Menge reinen Goldes oder Silbers bestimmt, welche das Geld enthalten sollte, sondern nach der, die es erfahrungsmäßig im Durchschnitt wirklich enthält. Unter dem Geldpreise der Güter verstehe ich, was zu beachten ist, stets die Menge reinen Goldes oder Silbers, für welche sie verkauft werden, ohne alle Rücksicht auf die Benennung der Münze. Sechs Schillinge und acht Pence zur Zeit Eduards I. sehe ich z. B. als gleichwertig mit einem Pfund Sterling in unserer Zeit an, weil sie, soweit wir darüber urteilen können, dieselbe Menge reinen Silbers enthielten. Sechstes Kapitel Die Bestandteile des Warenpreises In dem ersten rohen Zustande der Gesellschaft, der der Kapitalanhäufung und Landaneignung vorhergeht, scheint das Verhältnis zwischen den Arbeitsmengen, die zur Erlangung der verschiedenen Gegenstände notwendig sind, der einzige Umstand zu sein, der einen Maßstab für den Tausch des einen gegen den anderen bilden kann. Wenn es z. B. unter einem Jägervolke in der Regel zweimal so viel Arbeit kostet, einen Biber zu erlegen als ein Reh, so müsste naturgemäß ein Biber zwei Rehe wert sein. Es ist begreiflich, dass das, was gewöhnlich das Produkt zweier Tage oder zweier Stunden Arbeit ist, doppelt so viel wert sein muss als das, was das Produkt von einer eintägigen oder einstündigen Arbeit zu sein pflegt. Ist die eine Art der Arbeit anstrengender als die andere, so wird natürlich eine Vergütung für die größere Mühe zugestanden werden, und das Produkt einer einstündigen schwereren Arbeit kann oft dem Produkt einer zweistündigen leichteren Arbeit im Tausch gleich gelten. Oder wenn die eine Art Arbeit einen ungewöhnlichen Grad von Geschicklichkeit und Talent erfordert, so wird die Achtung, die man für solche Talente hat, ihrem Produkte einen höheren Wert geben als den, der nur der aufgewendeten Zeit gebührt. Solche Talente können selten ohne langjährige Übung erworben werden, und der höhere Wert ihres Produkts kann oft nichts weiter sein als ein billiger Ersatz für die Zeit und Arbeit, welche ihrer Erwerbung gewidmet wurden. In dem vorgerückten Stande der Gesellschaft werden derartige Zugeständnisse für größere Mühe und Geschicklichkeit gewöhnlich im Arbeitslohn gemacht; und etwas Ähnliches muss wahrscheinlich auch im ersten rohen Gesellschaftszustande platzgegriffen haben. In diesem Stadium der Dinge gehört das ganze Arbeitsprodukt dem Arbeiter; und die zur Beschaffung oder Hervorbringung einer Ware gewöhnlich aufgewendete Arbeitsmenge ist der einzige Umstand, nach dem sich diejenige Arbeitsmenge richtet, für die man jene Ware gewöhnlich kaufen oder eintauschen muss. Sobald sich in den Händen einiger Personen Kapital gesammelt hat, wird bald einer oder der andere unter ihnen sein Kapital dazu verwenden, fleißige Leute zu beschäftigen und mit Rohstoffen und Lebensmitteln zu versorgen, um seinerseits aus dem Verkauf ihres Arbeitserzeugnisses, oder aus dem, was das Material durch ihre Arbeit an Wert gewinnt, Vorteil zu ziehen. Bei dem Austausch der fertigen Waren gegen Geld, Arbeit oder andere Güter muss über die Kosten des Rohstoffs und der Arbeit noch etwas für den Gewinn des Unternehmers herauskommen, der sein Kapital dabei aufs Spiel gesetzt hat. Der Wert, den die Arbeiter den Rohstoffen hinzufügen, löst sich daher in diesem Falle in zwei Teile auf, von denen der eine ihren Lohn, der andere den Gewinn des Arbeitgebers auf das ganze für Materialien und Lohn vorgeschossene Kapital bezahlt. Letzterer würde kein Interesse haben, Arbeiter zu beschäftigen, wenn er nicht aus dem Verkaufe ihrer Arbeit etwas mehr als den Ersatz seines Kapitals zu ziehen hoffte, und er würde kein Interesse haben, lieber ein großes als ein kleines Kapital anzulegen, wenn sein Gewinn sich nicht nach dem Umfange seines Kapitals richtete. Man könnte glauben, der Kapitalgewinn sei nur ein anderer Name für den Lohn einer besonderen Art Arbeit, derjenigen nämlich, die in der Aufsicht und Leitung besteht. Der Kapitalgewinn ist jedoch etwas ganz anderes, wird durch ganz andere Prinzipien bestimmt und steht zu der Menge, der Beschwerlichkeit und dem Talenterfordernis jener vorausgesetzten Arbeit der Aufsicht und Leitung in keinem Verhältnis. Er richtet sich lediglich nach dem Wert des aufgewendeten Kapitals, und ist je nach dem Umfange dieses Kapitals größer oder geringer. Nehmen wir z. B. an, dass an einem Orte, wo der gewöhnliche Jahresgewinn gewerblicher Anlagen zehn Prozent beträgt, zwei Fabriken sich befinden, in deren jeder zwanzig Arbeiter zu einem Lohn von je fünfzehn Pfund jährlich beschäftigt sind, die also im Ganzen je dreihundert Pfund Arbeitslohn zahlen. Nehmen wir ferner an, dass die groben Materialien, welche jährlich in der einen verarbeitet werden, nur siebenhundert Pfund kosten, während die feineren in der andern siebentausend kosten. Das in der einen jährlich aufgewendete Kapital wird in diesem Falle nur tausend Pfund betragen, wogegen das der andern siebentausend dreihundert Pfund beträgt. Nach dem Satze von zehn Prozent wird mithin der Unternehmer der einen nur auf einen jährlichen Gewinn von etwa hundert Pfund rechnen, während der Unternehmer der anderen auf etwa siebenhundert und dreißig Pfund rechnen wird. Obgleich aber ihr Gewinn so verschieden ist, kann doch ihre Arbeit der Aufsicht und Leitung ganz oder nahezu dieselbe sein. In manchen großen Fabriken wird fast die ganze Arbeit dieser Art einem Geschäftsführer übertragen. Sein Lohn drückt den Wert dieser Arbeit der Aufsicht und Leitung richtig aus. Obwohl bei Festsetzung seines Lohns gewöhnlich nicht nur auf seine Arbeit und Geschicklichkeit, sondern auch auf das in ihn gesetzte Vertrauen Rücksicht genommen wird, so steht dieser Lohn doch niemals in einem geregelten Verhältnis zu dem Kapital, dessen Verwaltung er beaufsichtigt: und obwohl der Eigentümer dieses Kapitals fast aller Arbeit enthoben ist, rechnet er doch darauf, dass sein Gewinn zu seinem Kapital in einem geregelten Verhältnis stehe. Mithin bildet im Preise der Waren der Kapitalgewinn einen vom Arbeitslohn durchaus verschiedenen und nach ganz anderen Grundsätzen geregelten Bestandteil. Unter diesen Umständen gehört nicht immer das ganze Produkt der Arbeit dem Arbeiter. Er muss es in den meisten Fällen mit dem Kapitalisten, welcher ihm Beschäftigung gibt, teilen. Auch ist die zur Erwerbung oder Hervorbringung einer Ware gewöhnlich erforderliche Arbeitsmenge nicht mehr das einzige, wonach sich die Menge, für welche man jene gewöhnlich kaufen oder eintauschen muss, richtet. Vielmehr muss offenbar eine weitere Menge als Gewinn für das den Lohn und die gelieferten Rohstoffe vorstreckende Kapital hinzukommen. Sobald aller Grund und Boden eines Landes Privateigentum geworden ist, möchten auch die Grundbesitzer, gleich allen anderen Menschen, da ernten, wo sie nicht gesät haben, und verlangen sogar für die freiwilligen Erzeugnisse des Bodens eine Rente. Das Holz des Waldes, das Gras der Wiese und alle von selbst wachsenden Früchte der Erde, die, so lange der Boden Gemeingut war, den Arbeiter nur die Mühe des Sammelns kosteten, werden nun auch für ihn mit einem Zuschlagspreise belegt. Er muss nun für die Erlaubnis, sie zu sammeln, bezahlen, und an den Grundbesitzer einen Teil dessen abgeben, was seine Arbeit einsammelt oder hervorbringt. Dieser Teil, oder (was auf dasselbe hinauskommt) der Preis dieses Teiles bildet die Grundrente, und macht in dem Preise der meisten Waren einen dritten Bestandteil aus. Der wirkliche Wert aller Bestandteile des Preises wird, wie zu beachten ist, nach der Arbeitsmenge gemessen, die für einen jeden von ihnen zu haben ist. Die Arbeit misst den Wert nicht nur desjenigen Teiles des Preises, der sich in Arbeit auflöst, sondern auch dessen, der sich in Rente, und dessen, der sich in Gewinn auflöst. In jeder Gesellschaft löst sich am Ende der Preis aller Waren in den einen oder andern, oder in alle dieser drei Teile auf; und in jeder zivilisierten Gesellschaft treten alle drei mehr oder weniger als Bestandteile in den Preis der bei Weitem meisten Waren ein. Im Getreidepreis z. B. zahlt der eine Teil die Rente des Grundbesitzers, der andere den Arbeitslohn oder Unterhalt der zur Getreideerzeugung verwendeten Arbeiter und Arbeitstiere, und der dritte zahlt den Gewinn des Pächters. Diese drei Teile scheinen entweder sogleich oder zuletzt den ganzen Getreidepreis auszumachen. Man könnte vielleicht meinen, es sei ein vierter Teil nötig, um das Kapital des Pächters wieder zu ersetzen, oder den Abgang an Zugvieh und Wirtschaftsgerät auszugleichen. Allein man muss bedenken, dass der Preis jedes Wirtschaftsstückes, wie etwa eines Arbeitspferdes, selbst aus den nämlichen drei Teilen besteht: der Rente von dem Lande, auf dem es großgezogen wird, der Arbeit es zu warten und aufzuziehen, und dem Gewinn des Pächters, der sowohl die Rente jenes Landes wie den Arbeitslohn vorschießt. Obschon daher im Getreidepreis sowohl der Preis wie der Unterhalt des Pferdes bezahlt werden kann, so löst sich doch der ganze Preis entweder sofort oder zuletzt in die nämlichen drei Teile der Rente, der Arbeit und des Gewinnes auf. Im Preise des Mehls muss man zum Getreidepreise den Gewinn des Müllers und den Arbeitslohn seiner Leute hinzurechnen; im Preise des Brotes den Gewinn des Bäckers und den Lohn seiner Leute; und im Preise beider die Arbeit, das Getreide von dem Pächter zum Müller, und von diesem zum Bäcker zu schaffen, so wie den Gewinn derer, die den Lohn für diese Arbeit vorschießen. Der Flachspreis löst sich in die nämlichen drei Teile, wie der Getreidepreis, auf. Im Preise der Leinwand muss man noch den Arbeitslohn des Zurichters, Spinners, Webers, Bleichers u. s. w. samt den Gewinnen ihrer bezüglichen Arbeitgeber hinzurechnen. Je mehr ein Stoff veredelt wird, desto größer wird der Teil des Preises, der sich in Arbeitslohn und Gewinn auflöst, im Verhältnis zu dem anderen Teil, der sich in Rente auflöst. Mit jedem neuen Arbeitsprozess wächst nicht nur die Zahl der Gewinne, sondern jeder folgende Gewinn ist auch größer als der vorhergehende, weil das Kapital, woraus er fließt, stets größer sein muss. So muss z. B. das Kapital, welches die Weber beschäftigt, größer sein als dasjenige, das die Spinner beschäftigt, weil es nicht nur das letztere samt seinen Gewinnen wieder erstattet, sondern außerdem auch den Arbeitslohn der Weber bezahlt; und der Gewinn muss stets dem Kapital entsprechen. Auch in den zivilisiertesten Gesellschaften gibt es jedoch einige Waren, deren Preis sich nur in zwei Teile, nämlich in den Arbeitslohn und Kapitalgewinn, auflöst, und eine noch kleinere Anzahl von Waren, deren Preis nur im Arbeitslohn besteht. Im Preise der Seefische z. B. deckt ein Teil die Arbeit der Fischer, und der andere den Gewinn des in der Fischerei angelegten Kapitals. Die Rente macht sehr selten einen Teil von ihm aus, obwohl es zuweilen vorkommt, wie ich später zeigen werde. Anders verhält es sich, wenigstens im größten Teile von Europa, mit der Flussfischerei. Für den Lachsfang wird eine Rente bezahlt, und die Rente, obwohl man sie nicht gut Grundrente nennen kann, macht ebenso wie Arbeitslohn und Gewinn einen Teil des Lachspreises aus. In einigen Teilen Schottlands machen einige arme Leute ein Gewerbe daraus, längs der Meeresküste jene bunten Steinchen zu sammeln, welche unter dem Namen der schottischen Kiesel allgemein bekannt sind. Der Preis, welcher ihnen vom Steinschneider dafür bezahlt wird, ist lediglich der Lohn für ihre Arbeit; weder Rente noch Gewinn machen einen Teil von ihm aus. Der Gesamtpreis jeder Ware muss sich jedoch schließlich in den einen oder andern, oder in alle drei dieser Teile auflösen, da jeder Teil davon, der nach Bezahlung der Grundrente und des Preises der gesamten auf Erzeugung, Verarbeitung und Markttransport verwendeten Arbeit übrig bleibt, notwendig der Gewinn irgendjemandes sein muss. Wie der Preis oder Tauschwert jeder Ware, für sich genommen, sich in den einen oder andern, oder in alle drei jener Bestandteile auflöst, so muss der Gesamtpreis aller Waren, die das ganze Jahreserzeugnis der Arbeit eines Landes bilden, sich gleichfalls in jene drei Teile auflösen, und sich unter die Bewohner des Landes als Arbeitslohn, Kapitalgewinn oder Grundrente verteilen. Die Gesamtheit dessen, was jährlich durch die Arbeit einer Gesellschaft gesammelt oder hervorgebracht wird, oder (was auf dasselbe hinauskommt) der Gesamtpreis dieses Ganzen wird auf diese Art ursprünglich unter die verschiedenen Gesellschaftsglieder verteilt. Arbeitslohn, Gewinn und Rente sind die drei ursprünglichen Quellen alles Einkommens wie aller Tauschwerte. Jedes andere Einkommen fließt zuletzt aus einer oder der anderen dieser Quellen. Wer sein Einkommen aus einem ihm als Eigentum zugehörigen Fonds bezieht, muss es entweder von seiner Arbeit, seinem Kapital, oder seinem Grund und Boden beziehen. Das aus Arbeit gezogene Einkommen wird Lohn genannt. Das aus der Verwaltung oder Beschäftigung von Kapital gezogene Einkommen heißt Gewinn. Dasjenige Einkommen aus Kapital aber, welches jemand bezieht, der das Kapital nicht selbst verwendet, sondern einem anderen leiht, heißt Zins. Zins ist die Vergütung, die der Borger dem Darleiher für den Gewinn zahlt, den er durch den Gebrauch des Geldes machen kann. Ein Teil dieses Gewinnes kommt natürlich dem Borgenden zu, der die Gefahr und die Geschäftslast übernimmt; ein Teil aber dem Darleiher, der jenem die Gelegenheit gibt, den Gewinn zu machen. Der Geldzins ist immer ein abgeleitetes Einkommen, das, wenn es nicht aus dem durch die Geldbenutzung erzielten Gewinn gezahlt wird, aus irgendeiner andern Einkommensquelle gezahlt werden muss, wenn anders der Borger nicht ein Verschwender ist, der eine zweite Schuld macht, um die Zinsen der ersten zu bezahlen. Das Einkommen, welches lediglich aus Grund und Boden gezogen wird, heißt Rente, und gehört dem Grundbesitzer. Das Einkommen des Pächters ist teilweise aus seiner Arbeit, teilweise aus seinem Kapital entnommen. Für ihn ist der Boden nur das Mittel, das ihn instand setzt, den Lohn dieser Arbeit zu ernten und Gewinn aus diesem Kapital zu ziehen. alle Steuern und alle auf diese gegründeten Einkünfte, alle Besoldungen, Ruhegehälter und Jahrgelder jeder Art entstammen schließlich einer oder der anderen jener drei ursprünglichen Einkommensquellen und werden unmittelbar oder mittelbar vom Arbeitslohn, vom Kapitalgewinn oder von der Grundrente gezahlt. Wenn diese drei Arten des Einkommens verschiedenen Personen gehören, so lassen sie sich leicht unterscheiden; gehören sie aber einer einzigen, so werden sie, wenigstens im Sprachgebrauch, zuweilen miteinander zusammengeworfen. Ein Mann, der einen Teil seines Gutes selbst bewirtschaftet, muss, nach Bezahlung der Wirtschaftskosten, sowohl die Rente des Gutsbesitzers als den Gewinn des Pächters erhalten. Allein er pflegt seinen ganzen Ertrag Gewinn zu nennen, und wirft so, wenigstens im gewöhnlichen Sprachgebrauch, die Rente mit dem Gewinn zusammen. Die meisten unserer nordamerikanischen und westindischen Pflanzer sind in dieser Lage. Sie bewirtschaften meistens ihre Güter selbst, und man hört daher selten etwas von der Rente einer Pflanzung, wohl aber häufig von dem Gewinn aus ihr. Gewöhnliche Pächter haben selten einen Aufseher zur Leitung der Wirtschaftsarbeiten. Auch arbeiten sie in der Regel vieles selbst, wie pflügen, eggen usw. Was daher nach Zahlung der Rente von der Einte übrig bleibt, muss ihnen nicht nur ihr auf den Anbau verwendetes Kapital samt den üblichen Zinsen wiedererstatten, sondern auch den Lohn bezahlen, welcher ihnen, ebenso als Arbeitern, wie als Aufsehern zukommt. Indessen heißt alles, was nach Zahlung der Rente und Erstattung des Kapitals übrig bleibt, Gewinn. Offenbar aber bildet der Lohn einen Teil davon. Wenn der Pächter diesen Lohn spart, muss er ihn notwendig gewinnen. Folglich wird in diesem Falle der Arbeitslohn mit dem Gewinn zusammengeworfen. Ein unabhängiger Gewerbtreibender, der Kapital genug besitzt, um Rohstoffe zu kaufen und sich so lange zu unterhalten, bis er seine Arbeit zu Markte bringen kann, muss sowohl den Lohn eines Gesellen, der unter einem Meister arbeitet, wie den vom Meister durch den Verkauf der Arbeit des Gesellen zu erzielenden Gewinn herausschlagen. Dennoch wird sein ganzer Erwerb gewöhnlich Gewinn genannt, und der Lohn ist auch in diesem Falle mit dem Gewinn zusammengeworfen. Ein Gärtner, der seinen Garten mit eigner Hand bestellt, vereinigt in seiner Person den dreifachen Charakter eines Grundbesitzers, Pächters und Arbeiters. Daher müsste ihm sein Produkt die Rente des ersten, den Gewinn des zweiten und den Lohn des dritten eintragen. Indessen wird das Ganze gewöhnlich als sein Arbeitserwerb angesehen. Sowohl Rente als Gewinn sind in diesem Falle mit dem Lohn zusammengeworfen. Da es in einem zivilisierten Lande nur wenige Waren gibt, deren Tauschwert allein der Arbeit entstammt, da Rente und Gewinn zum Tauschwerte der allermeisten Waren reichlich beitragen, so wird das jährliche Erzeugnis der Arbeit des Landes stets hinreichen, eine viel größere Menge Arbeit zu bezahlen als zur Erzeugung und Zubereitung jenes Produkts sowie zu seinem Transport auf den Markt aufgewendet wurde. Wenn die Gesellschaft jährlich die ganze Arbeit, die sie zu kaufen imstande ist, verwendete, so würde eben sowohl die Arbeitsmenge mit jedem Jahre mächtig wachsen, wie das Erzeugnis jedes folgenden Jahres von weit größerem Werte sein als das des vorhergehenden. Aber es gibt kein Land, in dem das ganze Jahresprodukt zum Unterhalt der Gewerbtätigen verwendet wird. Überall verzehren die Müßigen einen großen Teil von ihm; und je nach den verschiedenen Verhältnissen, in denen es jährlich unter diese beiden Volksklassen verteilt wird, muss sein gewöhnlicher oder durchschnittlicher Wort entweder zu- oder abnehmen, oder von Jahr zu Jahr gleich bleiben. Siebentes Kapitel Der natürliche Preis und der Marktpreis der Waren In jeder Gesellschaft oder Gegend gibt es einen gewöhnlichen oder Durchschnittssatz sowohl des Arbeitslohns wie des Gewinns in allen verschiedenen Verwendungen der Arbeit und des Kapitals. Dieser Satz wird, wie ich später zeigen will, auf natürliche Weise teils durch die allgemeine Lage der Gesellschaft, ihren Reichtum oder ihre Armut, ihr Fortschreiten, Stehenbleiben oder Zurückgehen, und teils durch die besondere Natur jedes Geschäfts bestimmt. Ebenso gibt es in jeder Gesellschaft oder Gegend einen gewöhnlichen oder Durchschnittssatz der Rente, welcher gleichfalls, wie ich später zeigen werde, teils durch die allgemeine Lage der Gesellschaft oder Gegend, in der der Boden gelegen ist, und teils durch die natürliche oder durch Kultur hervorgebrachte Fruchtbarkeit des Bodens bestimmt wird. Diese gewöhnlichen oder Durchschnittssätze kann man die natürlichen Sätze des Arbeitslohns, des Gewinns und der Rente nennen zu der Zeit und an dem Orte, wo sie herrschen. Wenn der Preis einer Ware weder höher noch niedriger ist als er sein muss, um die Grundrente, den Lohn der Arbeit und den Gewinn des Kapitals, die auf Erzeugung und Zubereitung sowie auf den Markttransporte der Ware verwendet wurden, nach ihrem natürlichen Satze zu bezahlen, so wird die Ware für den Preis verkauft, den man ihren natürlichen nennen kann. Die Ware wird dann genau für das verkauft, was sie wert ist, oder was sie den, der sie zu Markte bringt, wirklich kostet; denn obgleich im gewöhnlichen Sprachgebrauch der sogenannte Einkaufspreis einer Ware nicht den Gewinn des Wiederverkäufers mit einschließt, so ist doch dieser, wenn er sie zu einem Preise verkauft, der ihm nicht den in seiner Gegend gewöhnlichen Gewinnsatz gewährt, offenbar bei dem Handel im Verlust, da er durch eine andere Verwendung seines Kapitals diesen Gewinn hätte ziehen können. Überdies ist sein Gewinn sein Einkommen, die eigentliche Quelle seines Unterhalts. Während er die Waren zubereitet und zu Markte bringt, streckt er seinen Arbeitern ihren Lohn oder Unterhalt vor, und ebenso legt er für sich selbst den Unterhalt aus, der sich gewöhnlich nach dem Gewinn richtet, den er vernünftiger Weise vom Verkaufe seiner Waren erwarten kann. Wenn sie ihm nun also diesen Gewinn nicht einbringen, so erstatten sie ihm nicht, was sie ihn im eigentlichen Sinne wirklich gekostet haben. Obgleich nun der Preis, der ihm diesen Gewinn lässt, nicht immer der niedrigste ist, zu dem ein Kaufmann zuweilen seine Waren verkaufen kann, so ist er doch der niedrigste, zu dem er sie wahrscheinlich lange Zeit hindurch verkaufen kann; wenigstens da, wo vollkommene Freiheit herrscht, oder wo er sein Geschäft, so oft es ihm beliebt, wechseln kann. Der wirkliche Preis, zu welchem eine Ware gewöhnlich verkauft wird, heißt ihr Marktpreis. Er kann über dem natürlichen Preise oder unter ihm stehen, oder ihm völlig gleich sein. Der Marktpreis einer jeden Ware wird durch das Verhältnis zwischen der Menge, welche wirklich zu Markte gebracht wird, und der Nachfrage derer bestimmt, die den natürlichen Preis der Ware, d. h. den ganzen Wert der Rente, der Arbeit und des Gewinnes, die bis zu ihrer Feilbietung erforderlich waren, zu zahlen gewillt sind. Solche Leute kann man die wirksamen Nachfrager und ihre Nachfrage die wirksame Nachfrage nennen, insofern sie hinreichend sein kann, um zu bewirken, dass eben die Ware zu Markte kommt. Sie ist zu unterscheiden von der Nachfrage an sich. Auch von einem ganz armen Manne lässt sich in gewissem Sinne sagen, er habe ein Verlangen nach Kutsche und Pferden; er möchte sie gern haben; aber sein Verlangen ist keine wirkliche Nachfrage, da ihr Gegenstand niemals zu Markte gebracht werden kann, um es zu befriedigen. Wenn die Menge einer Ware, die zu Markte kommt, hinter der wirksamen Nachfrage zurückbleibt, so können alle die, die den ganzen Wert der Rente, der Löhne und Gewinne, der bis zur Feilbietung ausgelegt werden musste, zu bezahlen gewillt sind, nicht mit der Menge versorgt werden, deren sie bedürfen. Um sie nicht gänzlich zu entbehren, werden einige unter ihnen bereit sein, mehr zu geben. Sogleich beginnt ein Wettbewerb unter ihnen, und der Marktpreis wird mehr oder weniger über den natürlichen Preis steigen, je nach dem Grade des Bedürfnisses, oder je nachdem die Wohlhabenheit und der begehrliche Luxus der Konkurrenten die Hitze des Wettbewerbs mehr oder weniger entflammt. Unter Konkurrenten von gleicher Wohlhabenheit und gleichem Luxusbedarf wird dasselbe Verlangen gewöhnlich einen mehr oder weniger eifrigen Wettbewerb hervorrufen, je nachdem die Erwerbung der Ware für sie eine größere oder geringere Wichtigkeit hat. Hieraus erklärt sich der übermäßige Preis der Lebensmittel während einer Belagerung oder bei einer Hungersnot. Wenn die feilgebotene Menge die wirksame Nachfrage übersteigt, so kann nicht alles an die verkauft worden, welche den ganzen Wert der Rente, des Lohnes und des Gewinnes, der bis zur Feilbietung ausgelegt werden musste, zu bezahlen gewillt sind. Ein Teil der Ware muss an solche abgelassen werden, welche weniger zahlen wollen, und der niedrige Preis, den sie dafür geben, muss den Preis des Ganzen ermäßigen. Der Marktpreis wird mehr oder weniger unter den natürlichen Preis sinken, je nachdem der Umfang des Überflusses die Konkurrenz der Verkäufer mehr oder weniger steigert oder je nachdem es für sie mehr oder minder wichtig ist, die Ware auf der Stelle loszuwerden. Der gleiche Überschuss in der Zufuhr leicht verderbender Waren (wie z. B. Orangen) wird eine viel größere Konkurrenz veranlassen als derjenige dauerhafter Waren (wie z. B. alten Eisens). Wenn die feilgebotene Menge gerade hinreicht, um die wirksame Nachfrage zu befriedigen, und nicht mehr, so wird der Marktpreis natürlich entweder genau oder doch annähernd dem natürlichen Preise gleichkommen. Die ganze vorhandene Menge kann zu diesem Preise abgesetzt werden, aber auch nicht zu einem höheren. Der Wettbewerb der Verkäufer zwingt sie alle, diesen Preis anzunehmen, zwingt sie aber nicht, auf einen geringeren einzugehen. Die Menge jeder zu Markt gebrachten Ware richtet sich naturgemäß nach der wirksamen Nachfrage. Im Interesse aller derer, welche ihren Grund und Boden, ihre Arbeit oder ihr Kapital anwenden, um eine Ware auf den Markt zu bringen, liegt es, dass die Menge niemals die wirksame Nachfrage übersteigt; und im Interesse aller andern Leute liegt es, dass sie niemals hinter dieser Nachfrage zurückbleibt. Wenn sie irgendeinmal die wirksame Nachfrage übersteigt, so müssen gewisse Bestandteile ihres Preises unter ihrem natürlichen Satze bezahlt werden. Betrifft dies die Rente, so wird das Interesse der Grundbesitzer diese sogleich veranlassen, einen Teil ihres Bodens anders zu verwenden; betrifft es den Arbeitslohn oder den Gewinn, so wird das Interesse der Arbeiter in dem einen und das ihrer Arbeitgeber im andern Falle sie bewegen, einen Teil ihrer Arbeit oder ihres Kapitals dieser Verwendungsart zu entziehen. Dann wird die feilgebotene Menge bald nur noch hinreichend sein, um die wirksame Nachfrage zu befriedigen. Alle Teile des Warenpreises werden auf ihren natürlichen Satz, und der ganze Preis auf den natürlichen Preis der Ware steigen. Wenn dagegen die feilgebotene Menge irgendeinmal hinter der wirksamen Nachfrage zurückbleibt, so müssen einige Bestandteile ihres Preises über ihren natürlichen Satz steigen. Betrifft dies die Rente, so wird das Interesse aller übrigen Grundbesitzer sie naturgemäß bestimmen, mehr Land auf die Erzeugung dieser Ware zu verwenden; betrifft es den Arbeitslohn oder den Gewinn, so wird das Interesse aller übrigen Arbeiter und Geschäftsleute sie veranlassen, mehr Arbeit und Kapital auf die Herstellung der Ware und auf ihren Transport nach dem Markte zu verwenden. Dann wird die herbeigeschaffte Menge bald hinreichend sein, die wirksame Nachfrage zu befriedigen. Alle Teile ihres Preises werden bald auf ihren natürlichen Satz, und der ganze Preis auf den natürlichen Preis der Ware sinken. Der natürliche Preis ist daher, sozusagen, der Zentralpreis, gegen den die Preise aller Waren beständig gravitieren. Mancherlei Zufälle können sie zuweilen ein gut Teil über ihm erhalten, und sie zuweilen sogar etwas unter ihn herabdrücken. Welche Hindernisse sie aber auch abhalten mögen, sich in diesem Mittelpunkte der Ruhe und Beständigkeit festzusetzen, so streben sie doch beständig ihm zu. Die ganze Menge der jährlich darauf verwendeten Bemühungen, eine Ware auf den Markt zu bringen, richtet sich auf diese Weise naturgemäß nach der wirksamen Nachfrage. Der Gewerbfleiß strebt naturgemäß immer genau die Menge herbeizuschaffen, die die wirksame Nachfrage zu befriedigen, aber nur eben zu befriedigen, hinreicht. In manchen Gewerben bringt jedoch die gleiche Menge Arbeit in verschiedenen Jahren sehr verschiedene Warenmengen hervor, während sie in anderen stets die gleiche oder beinahe die gleiche Menge hervorbringt. Die gleiche Zahl landwirtschaftlicher Arbeiter wird in verschiedenen Jahren sehr verschiedene Mengen Getreide, Wein, Öl, Hopfen usw. hervorbringen, die gleiche Zahl Spinner und Weber hingegen jedes Jahr die nämliche oder beinahe die nämliche Menge Leinen- und Wollenstoffe. Bei der einen Art Gewerbe kann nur die durchschnittliche Erzeugung sich der wirksamen Nachfrage einigermaßen anpassen, und da ihre wirkliche Erzeugung oft viel größer, oft viel geringer ist als die durchschnittliche, so wird entweder die Menge der zu Markt gebrachten Waren die wirksame Nachfrage um ein gut Teil übersteigen, oder in andern Fällen erheblich hinter ihr zurückbleiben. Sollte daher auch jene Nachfrage immer die nämliche bleiben, so wird dennoch ihr Marktpreis großen Schwankungen unterworfen sein, und bald erheblich unter ihren natürlichen Preis fallen, bald erheblich über ihn steigen. Bei der andern Art Gewerbe kann die Erzeugung, da das Produkt gleicher Arbeitsmengen immer das nämliche oder beinahe das nämliche ist, der wirksamen Nachfrage genauer angepasst werden. So lange daher diese Nachfrage die gleiche bleibt, wird auch wahrscheinlich der Marktpreis der Waren sich gleich bleiben, und entweder völlig oder nahezu der gleiche sein, wie der natürliche Preis. Dass der Preis der Leinen- und Wollenzeuge weder so häufigen noch so großen Veränderungen unterworfen ist, wie der Getreidepreis, bestätigt die tägliche Erfahrung. Der Preis der einen Art Waren ändert sich nur mit den Veränderungen in der Nachfrage, der der andern Art schwankt nicht allein mit den Veränderungen in der Nachfrage, sondern auch mit den weit größeren und häufigeren Veränderungen in der Menge dessen, was zur Befriedigung der Nachfrage auf den Markt gebracht wird. Die gelegentlichen und zeitweiligen Schwankungen im Marktpreise einer Ware fallen hauptsächlich auf diejenigen Teile ihres Preises, die sich in Arbeitslohn und Gewinn auflösen. Der in die Rente sich auflösende Teil wird weniger davon betroffen. Eine in Geld festgesetzte Rente wird davon weder in ihrem Satz, noch in ihrem Werte auch nur im mindesten berührt. Eine Rente, welche in einem bestimmten Teile oder einer bestimmten Menge des Rohprodukts besteht, wird durch alle gelegentlichen und zeitweiligen Schwankungen im Marktpreise dieses Rohproduktes ohne Zweifel in ihrem jährlichen Werte, selten aber in ihrem jährlichen Satze berührt. Bei Festsetzung der Pachtbedingungen bemühen sich der Grundbesitzer und Pächter nach bestem Ermessen diesen Satz nicht nach dem zeitweiligen und gelegentlichen, sondern nach dem durchschnittlichen und gewöhnlichen Preise des Erzeugnisses festzusetzen. Solche Schwankungen treffen den Wert wie den Satz sowohl des Arbeitslohns als auch des Gewinns, je nachdem der Markt gerade mit Waren oder mit Arbeit, mit geleisteter oder noch zu leistender Arbeit überführt, oder unzulänglich versorgt ist. Eine allgemeine Landestrauer treibt den Preis schwarzer Zeuge, mit denen der Markt bei solchen Gelegenheiten niemals zureichend versorgt ist, in die Höhe, und steigert die Gewinne der Kaufleute, die eine beträchtliche Menge davon besitzen. Sie hat aber keinen Einfluss auf den Arbeitslohn der Weber. Der Markt leidet Mangel an Waren, nicht an Arbeit: an schon geleisteter, nicht an erst zu leistender Arbeit. Sie steigert dagegen den Arbeitslohn der Schneidergesellen. Hier ist der Markt mit Arbeit unzulänglich versorgt, und es ist eine wirksame Nachfrage nach mehr Arbeit, nach erst noch zu leistender Arbeit vorhanden. Den Preis farbiger Seiden- und Wollenzeuge erniedrigt die Trauer und schmälert hierdurch die Gewinne der Kaufleute, die davon eine ansehnliche Menge vorrätig haben. Gleicherweise erniedrigt sie auch die Löhne der Arbeiter, die mit Anfertigung solcher Waren, für die auf sechs, vielleicht auf zwölf Monate alle Nachfrage aufhört, beschäftigt sind. Hier ist der Markt ebenso mit Waren wie mit Arbeit überführt. Obgleich aber der Marktpreis jeder Ware auf diese Art beständig gegen den natürlichen Preis gravitiert, so können doch bald besondere Umstände, bald natürliche Ursachen, bald polizeiliche Anordnungen den Marktpreis vieler Waren lange Zeit hindurch erheblich über dem natürlichen Preise erhalten. Wenn durch ein Anwachsen der wirksamen Nachfrage der Marktpreis einer Ware beträchtlich über den natürlichen Preis steigt, so sind die, welche ihre Kapitalien in dem bezüglichen Geschäft angelegt haben, gewöhnlich bemüht, diese Veränderung zu verheimlichen. Würde sie allgemein bekannt, so würde ihr großer Nutzen so viele neue Mitwerber reizen, ihre Kapitalien in gleicher Weise anzulegen, dass die wirksame Nachfrage vollkommen befriedigt und der Marktpreis bald auf den natürlichen Preis, ja vielleicht eine Zeit lang selbst unter ihn zurückgeführt werden würde. Wenn der Markt weit von dem Wohnorte derer, die ihn versorgen, entfernt ist, so können sie manchmal das Geheimnis Jahre lang bewahren, und so lange Zeit ihre außerordentlichen Gewinne ohne alle neue Mitwerber genießen. Allein selten können solche Geheimnisse lange bewahrt werden, und der außergewöhnliche Gewinn kann nicht viel länger dauern als das Geheimnis bewahrt wird. Fabrikgeheimnisse lassen sich länger bewahren als Handelsgeheimnisse. Ein Färber, der ein Verfahren entdeckt hat, eine gewisse Farbe mit halb so teuren Materialien als den gewöhnlich gebrauchten herzustellen, kann bei gehöriger Vorsicht den Vorteil seiner Entdeckung sein ganzes Leben lang genießen, ja ihn als ein Vermächtnis seinen Nachkommen hinterlassen. Seine außergewöhnlichen Gewinne entspringen aus dem hohen Preise, der für seine geheim betriebene Arbeit gezahlt wird. Sie bestehen eigentlich ganz in dem hohen Lohn dieser Arbeit. Da sie sich jedoch auf jeden Teil seines Kapitals wiederholen, und da ihr Gesamtbetrag sonach in einem regelrechten Verhältnis dazu steht, so werden sie in der Regel als außergewöhnlicher Kapitalgewinn betrachtet. Solche Erhöhungen des Marktpreises sind offenbar Wirkungen besonderer Umstände, deren Einfluss jedoch bisweilen viele Jahre dauern kann. Manche Naturprodukte erfordern eine so eigentümliche Beschaffenheit des Bodens und der Lage, dass aller Grund und Boden in einem großen Lande, der zu ihrer Hervorbringung geeignet ist, nicht hinreicht, um die wirksame Nachfrage zu befriedigen. Daher kann die ganze zu Markt gebrachte Menge an Käufer abgesetzt werden, die mehr zu geben geneigt sind als zur Bezahlung der Rente des Landes, auf dem sie gezogen sind, sowie des Arbeitslohns und des Kapitalgewinns ihren natürlichen Sätzen entsprechend hinreichend wäre. Solche Waren können ganze Jahrhunderte hindurch zu diesem hohen Preise verkauft werden, und der Teil davon, welcher sich in die Grundrente auflöst, ist in diesem Falle der Teil, welcher im Allgemeinen über seinen natürlichen Satz bezahlt wird. Die Rente des Bodens, der so seltene und geschätzte Produkte hervorbringt, wie z. B. die Rente einiger französischer Weinberge von besonders glücklicher Bodenbeschaffenheit und Lage, steht zu der Rente anderen gleich fruchtbaren und gut angebauten Bodens der Umgegend in keinem geregelten Verhältnis. Dagegen übersteigen die Löhne der Arbeit und die Gewinne des Kapitals, die auf die Erzeugung und Herbeischaffung verwendet wurden, selten das natürliche Verhältnis zum Lohn und Gewinn der anderen Aufwendungen von Arbeit und Kapital in ihrer Umgegend. Solche Erhöhungen des Marktpreises sind offenbar Wirkungen natürlicher Ursachen, welche es verhindern können, dass der wirksamen Nachfrage stets völlig genügt werde, und welche deshalb auch dauernd fortwirken können. Ein einem einzelnen, oder einer Handelsgesellschaft verliehenes Monopol hat die nämliche Wirkung, wie ein Handels- oder Fabrikgeheimnis. Indem die Monopolisten den Markt nie vollständig versorgen und die wirksame Nachfrage nie völlig befriedigen, verkaufen sie ihre Waren weit über dem natürlichen Preise, und steigern ihre Vorteile, ob sie nun in Arbeitslohn oder Gewinn bestehen, weit über ihren natürlichen Satz. Der Monopolpreis ist jederzeit der höchste, der zu erreichen ist. Der natürliche Preis, oder der Preis des freien Wettbewerbs hingegen ist der niedrigste, der sich zwar nicht jedes Mal, aber doch im Durchschnitt einer längeren Zeit erzielen lässt. Der erstere ist jedes Mal der höchste, der von den Käufern erpresst werden kann, oder den sie mutmaßlich bewilligen werden; der andere ist der niedrigste, mit dem die Verkäufer im Allgemeinen auskommen können, ohne ihr Geschäft einstellen zu müssen. Die ausschließlichen Privilegien von Korporationen, die Bestimmungen über das Lehrverhältnis und alle die Gesetze, welche in gewissen Gewerben den Wettbewerb auf eine geringere Anzahl Mitwerber beschränken als sonst auftreten würden, haben, wenn auch in minderem Grade, die nämliche Neigung. Sie sind eine Art ausgedehnter Monopole und können oft Menschenalter hindurch in ganzen Klassen von Gewerben den Marktpreis einer Ware über dem natürlichen Preise erhalten, und sowohl den Arbeitslohn als den Kapitalgewinn etwas über ihren natürlichen Satz steigern. Solche Erhöhungen des Marktpreises können so lange dauern als die Verwaltungsmaßregeln, durch die sie veranlasst werden, aufrechterhalten bleiben. Der Marktpreis einer Ware kann sich zwar lange über dem natürlichen Preise halten, aber selten lange unter ihm stehen. Welcher Teil auch unter dem natürlichen Satze bezahlt würde, die dabei interessierten Personen würden doch immer den Verlust sogleich fühlen, und so viel Land, Arbeit oder Kapital aus dem Betriebe zurückziehen, dass die zu Markt gebrachte Ware bald nur noch hinreichen würde, die wirksame Nachfrage zu befriedigen. Mithin würde ihr Marktpreis bald auf den natürlichen Preis steigen. Wenigstens träte dieser Fall da ein, wo vollkommene Freiheit herrscht. Dieselben Bestimmungen über das Lehrlingsverhältnis und die anderen Zunftgesetze, welche den Arbeiter, so lange ein Gewerbszweig blüht, instand setzen, seinen Arbeitslohn weit über den natürlichen Satz zu steigern, nötigen ihn übrigens zuweilen auch, wenn das Gewerbe in Verfall gerät, den Lohn weit unter jenen Satz fallen zu lassen. Wie sie im ersteren Falle viele Leute von seinem Gewerbe ausschließen, so schließen sie im letzteren ihn von vielen anderen Gewerben aus. Doch ist die Wirkung solcher Verordnungen nicht entfernt so andauernd auf die Herabsetzung als auf die Steigerung des Arbeitslohns über seinen natürlichen Satz. In der ersteren Richtung kann ihr Einfluss Jahrhunderte dauern, in der anderen aber nicht länger als das Leben der Arbeiter währt, welche zu dem Geschäfte in der Zeit seiner Blüte erzogen wurden. Sind sie gestorben, so wird sich die Zahl derer, die später für dies Gewerbe erzogen werden, naturgemäß nach der wirksamen Nachfrage richten. Die Verwaltung müsste so tyrannisch sein, wie in Hindostan oder im alten Ägypten, wo jedermann durch religiöse Vorschriften gezwungen war, das Geschäft seines Vaters zu betreiben und wo es für den schrecklichsten Frevel galt, es mit einem andern zu vertauschen, wenn sie in einem Gewerbe mehrere Generationen hindurch den Arbeitslohn oder den Kapitalgewinn unter ihrem natürlichen Satze sollte erhalten können. Dies ist alles, was ich vorläufig über die gelegentlichen oder dauernden Abweichungen des Marktpreises der Waren vom natürlichen Preise bemerken zu müssen glaubte. Der natürliche Preis selbst schwankt mit dem natürlichen Satze jedes seiner Bestandteile, des Arbeitslohnes, des Gewinnes und der Rente; und in jeder Gesellschaft schwankt dieser Satz je nach ihrer Lage, ihrem Reichtum oder ihrer Armut, ihrem Fortschritt, Stillstande oder Rückgange. Die Ursachen dieser verschiedenen Schwankungen werde ich so vollständig und deutlich als ich es vermag, in den vier folgenden Kapiteln behandeln. Erstens werde ich auseinanderzusetzen suchen, welche Umstände naturgemäß den Satz des Arbeitslohns bestimmen, und in welcher Art diese Umstände durch den Reichtum oder die Armut, durch das Fortschreiten, den Stillstand oder den Rückgang der Gesellschaft berührt werden. Zweitens werde ich mich zu zeigen bemühen, welche Umstände naturgemäß den Satz des Kapitalgewinnes bestimmen, und in welcher Art auch diese Umstände durch die gleichen Veränderungen im Zustande der Gesellschaft berührt werden. Obgleich der Geldlohn und Geldgewinn in den verschiedenen Verwendungen von Arbeit und Kapital sehr verschieden sind, so scheint doch gewöhnlich sowohl zwischen den Löhnen in allen verschiedenen Verwendungen von Arbeit, wie zwischen den Gewinnen in allen verschiedenen Verwendungen von Kapital ein gewisses Verhältnis stattzufinden. Dies Verhältnis hängt, wie sich später zeigen wird, teils von der Natur der verschiedenen Anlagen, teils von den verschiedenen Gesetzen und der Politik der Gesellschaft ab, in der sie gemacht werden. Wenn dies Verhältnis aber auch in vieler Beziehung von den Gesetzen und der Politik abhängig ist, so scheint es doch wenig vom Reichtum oder der Armut jener Gesellschaft, von ihrem Fortschreiten, Stillstande oder Rückgange berührt zu werden, sondern in allen diesen Zuständen das nämliche oder beinahe das nämliche zu bleiben. Ich werde drittens alle die verschiedenen Umstände, die dies Verhältnis regeln, darzulegen suchen. Viertens und letztens werde ich zu zeigen suchen, welche Umstände die Grundrente regeln und den Sachpreis aller der Stoffe, welche das Land erzeugt, erhöhen oder erniedrigen. Achtes Kapitel Der Arbeitslohn Das Produkt der Arbeit bildet die natürliche Vergütung oder den Lohn der Arbeit. In jenem ursprünglichen Zustande, der sowohl der Bodenaneignung wie der Kapitalienansammlung vorhergeht, gehört das ganze Arbeitsprodukt dem Arbeiter. Er hat weder mit einem Grundbesitzer noch mit einem Meister zu teilen. Hätte dieser Zustand fortgedauert, so würde der Lohn der Arbeit mit all den Steigerungen ihrer produktiven Kräfte, welche durch die Arbeitsteilung herbeigeführt werden, zugleich gewachsen sein. Alle Dinge würden nach und nach wohlfeiler geworden sein. Sie würden durch eine geringere Menge Arbeit hervorgebracht, und, da bei diesem Zustande die durch gleiche Arbeitsmengen hervorgebrachten Waren natürlich gegen einander ausgetauscht würden, auch mit dem Erzeugnis einer kleineren Arbeitsmenge gekauft worden sein. Obschon aber in Wirklichkeit alle Dinge wohlfeiler geworden wären, so könnten doch dem Anscheine nach viele teurer als zuvor, oder gegen eine größere Menge anderer Waren vertauschbar geworden sein. Man nehme z. B. an, dass in den meisten Gewerben die Produktivkraft der Arbeit um das Zehnfache gewachsen wäre, oder dass eines Tages Arbeit zehnmal mehr als im Anfange hervorbringen könnte, dass aber in einem einzelnen Gewerbe sich jene Produktivkraft nur verdoppelt hätte, oder eines Tages Arbeit nur zweimal so viel als früher hervorbringen könnte. Beim Tausch des Produkts eines Tagewerks in den meisten Gewerben gegen das Produkt eines Tagewerks in diesem einzelnen Gewerbe würde also das Zehnfache der ursprünglichen Arbeitsmenge in jenen, aber nur das Doppelte der ursprünglichen Menge in diesem kaufen können. Eine bestimmte Menge davon, z. B. ein Pfund, würde mithin fünfmal teurer als früher zu sein scheinen. In Wirklichkeit wäre sie zweimal so wohlfeil. Denn obwohl ihr Ankauf eine fünfmal so große Menge andrer Waren erheischt, erfordert doch ihre Hervorbringung oder ihr Kauf nur eine halb so große Menge Arbeit. Ihre Erwerbung wäre mithin doppelt so leicht als früher. Allein dieser ursprüngliche Zustand, in welchem der Arbeiter das ganze Produkt seiner Arbeit genoss, konnte nicht länger dauern als bis die Bodenaneignung und Kapitalienansammlung eingetreten waren. Er war daher auch längst zu Ende, ehe die bedeutendsten Steigerungen in den Produktivkräften der Arbeit eintraten, und es wäre nutzlos, weiter nachzuforschen, welchen Einfluss er auf die Vergütung oder den Lohn der Arbeit gehabt haben würde. Sobald der Boden Privateigentum wird, fordert der Grundbesitzer einen Teil von fast allen Erzeugnissen, die der Arbeiter auf ihm hervorbringen oder sammeln kann. Seine Rente bildet den ersten Abzug von dem Erzeugnis der auf den Boden verwendeten Arbeit. Es kommt selten vor, dass derjenige, der das Land bestellt, die Mittel hat, sich bis zur Zeit der Ernte zu erhalten. Sein Unterhalt wird ihm gewöhnlich aus dem Kapital eines Herrn, des Pächters, der ihn beschäftigt, vorgeschossen, der kein Interesse haben würde, ihn zu beschäftigen, wenn er nicht von dein Erzeugnis seiner Arbeit einen Anteil erhielte, oder wenn sein Kapital ihm nicht mit Gewinn zurückerstattet würde. Dieser Gewinn bildet einen zweiten Abzug von dem Erzeugnis der auf den Boden verwendeten Arbeit. Das Erzeugnis fast aller anderen Arbeit ist dem gleichen Gewinnabzuge unterworfen. In allen Handwerken und Fabriken bedarf der größere Teil der Arbeiter jemandes, der ihnen das Arbeitsmaterial, ihren Lohn und ihren Unterhalt bis zur Vollendung ihrer Arbeit vorschießt. Er fordert von dem Erzeugnis ihrer Arbeit oder von dem Werte, den diese dem Material hinzufügt, einen Anteil, und in diesem Anteil besteht sein Gewinn. Manchmal kommt es freilich vor, dass ein einzelner unabhängiger Arbeiter genügend Kapital besitzt, um selbst die Rohstoffe zu kaufen und sich bis zur Vollendung der Arbeit zu unterhalten. Dann ist er Meister und Arbeiter zugleich, und genießt das ganze Produkt seiner Arbeit, oder den ganzen Wert, welchen diese dem Rohstoffe hinzufügt. Dies umfasst zweierlei gewöhnlich getrennt erscheinende, zwei verschiedenen Personen gehörende Einkommensarten, nämlich den Kapitalgewinn und den Arbeitslohn. Indes sind solche Fälle nicht sehr häufig, und in allen Teilen Europas dienen zwanzig Arbeiter unter einem Meister gegen einen, der unabhängig ist, und der Arbeitslohn wird überall als das verstanden, was er gewöhnlich ist, wenn der Arbeiter die eine und der Kapitalbesitzer, der ihn beschäftigt, eine andere Person ist. Der gebräuchliche Arbeitslohn hängt überall von dem zwischen jenen beiden Parteien, deren Interessen keineswegs die nämlichen sind, gewöhnlich geschlossenen Vertrage ab. Die Arbeiter wollen so viel als möglich erhalten, die Meister so wenig als möglich geben. Die ersteren sind zu Koalitionen geneigt, um den Arbeitslohn hinaufzutreiben, die letzteren, um ihn herunterzudrücken. Es ist indes nicht schwer vorauszusehen, welche der beiden Parteien unter den gewöhnlichen Umständen in diesem Streite die Oberhand behalten, und die andere zur Einwilligung in ihre Bedingungen zwingen wird. Die Meister können sich, da ihre Zahl geringer ist, leichter verbinden; und überdies gestattet das Gesetz ihre Koalitionen oder verbietet sie wenigstens nicht, während es die der Arbeiter verbietet. Wir haben keine Parlamentsakten gegen Verabredungen zur Herabsetzung des Arbeitspreises, wohl aber viele gegen Verabredungen zu seiner Erhöhung, In allen solchen Streitigkeiten können die Herren es viel länger aushalten. Ein Gutsbesitzer, ein Pächter, ein Handwerksmeister oder ein Kaufmann können, wenn sie auch keinen einzigen Arbeiter beschäftigen, doch im Allgemeinen ein oder zwei Jahre von den Kapitalien leben, die sie bereits erworben haben. Viele Arbeiter dagegen können nicht eine Woche, nur wenige einen Monat, und kaum einer ein Jahr ohne Beschäftigung bestehen. Auf die Dauer freilich kann der Arbeiter dem Meister ebenso notwendig werden, wie der Meister ihm; aber die Notwendigkeit ist keine so unmittelbare. Man hört, wird hierauf erwidert, von Koalitionen der Meister selten, häufig aber von solchen der Arbeiter. Wer sich aber darum einbildet, dass sich die Meister selten koalierten, kennt ebenso wenig die Welt, wie diesen Gegenstand. Die Meister stehen stets und überall in einer Art stillschweigender, aber fortwährender und gleichförmiger Übereinkunft, den Arbeitslohn nicht über seinen dermaligen Satz steigen zu lassen. Diese Übereinkunft zu verletzen, ist überall sehr missliebig und gilt für einen Meister unter seinen Nachbarn und Gewerbsgenossen als eine Art Schande. Man hört allerdings selten von dieser Übereinkunft, weil sie der gewöhnliche und, man darf sagen, natürliche Zustand der Dinge ist, von dem niemand etwas hört. Mitunter gehen die Meister auch besondere Verbindungen ein, um den Arbeitslohn sogar unter seinen Satz herunterzudrücken. Diese werden immer in äußerster Stille und ganz geheim betrieben, bis der Augenblick der Ausführung da ist, und wenn dann die Arbeiter, wie es zuweilen geschieht, ohne Widerstand nachgeben, so hören andere Leute nichts davon, so schmerzlich es jene auch empfinden. Oft jedoch stellt sich solchen Verbindungen eine abwehrende Verbindung der Arbeiter entgegen, die manchmal auch ohne eine solche Herausforderung sich zur Erhöhung des Preises ihrer Arbeit zusammentun. Ihre gewöhnlichen Vorwände sind bald der hohe Preis der Lebensmittel, bald der große Gewinn, den die Meister aus ihrer Arbeit ziehen. Mögen diese Verbindungen aber angreifender oder verteidigender Natur sein, ruchbar werden sie immer. Um die Sache zu einer schnellen Entscheidung zu bringen, nehmen sie immer zu lautestem Geschrei ihre Zuflucht und zuweilen zu den schlimmsten Gewalttätigkeiten und Misshandlungen. Sie sind verzweifelt und handeln mit der Torheit und Maßlosigkeit verwegener Menschen, die entweder verhungern oder ihre Meister durch Schrecken zu sofortiger Einwilligung in ihr Begehren bringen müssen. Die Meister ihrerseits erheben bei solchen Gelegenheiten nicht weniger Lärm, rufen unaufhörlich nach dem Beistande der Behörden und verlangen die strikte Ausführung der Gesetze, die mit so großer Härte gegen die Verbindungen der Dienstboten, Arbeiter und Gesellen gegeben sind. Demgemäß haben die Arbeiter sehr selten einen Nutzen von dem Ungestüm dieser lärmenden Verbindungen, die teils wegen des Einschreitens der Behörden, teils wegen der überlegenen Beharrlichkeit der Meister, teils weil der größere Teil der Arbeiter gezwungen ist, sich um des täglichen Unterhalts willen zu unterwerfen, gewöhnlich mit nichts anderem als der Bestrafung oder dem Untergange der Rädelsführer enden. Wenn aber auch die Meister bei Streitigkeiten mit ihren Arbeitern gewöhnlich im Vorteil sind, so gibt es doch einen bestimmten Satz, unter den der gewöhnliche Lohn selbst der geringsten Art von Arbeit nicht auf längere Zeit herabgedrückt werden zu können scheint. Ein Mensch muss stets von seiner Arbeit leben und sein Lohn muss wenigstens hinreichend sein, um ihm den Unterhalt zu verschaffen. In den meisten Fällen muss er sogar noch etwas höher sein; sonst wäre der Arbeiter nicht imstande, eine Familie zu gründen, und das Geschlecht solcher Arbeiter würde mit der ersten Generation aussterben. Aus diesem Grunde nimmt Cantillon an, dass die geringste Art gewöhnlicher Arbeiter immer wenigstens den doppelten Unterhalt verdienen muss, damit durchschnittlich jeder zwei Kinder ernähren kann, wobei die Arbeit der Frau wegen der notwendigen Pflege der Kinder nur als hinreichend angenommen wird, um sie selbst zu erhalten. Allein die Hälfte der Kinder stirbt, wie man berechnet hat, vor dem mannbaren Alter. Demgemäß müssen die ärmsten Arbeiter durchschnittlich wenigstens vier Kinder aufzuziehen suchen, wenn zwei davon Aussicht haben sollen, jenes Alter zu erleben. Der notwendige Unterhalt für vier Kinder wird aber ungefähr dem eines Mannes gleichgeschätzt. Die Arbeit eines kräftigen Sklaven ist, wie derselbe Schriftsteller hinzufügt als doppelt so viel wert zu betrachten, wie sein Unterhalt, und diejenige des geringsten Arbeiters, meint er, könne doch nicht weniger wert sein als die eines kräftigen Sklaven. So viel scheint allerdings gewiss zu sein, dass, um eine Familie zu ernähren, die Arbeit des Mannes und der Frau zusammen, selbst in den untersten Klassen gewöhnlicher Arbeiter, etwas mehr einbringen muss als gerade für ihren eigenen Unterhalt nötig ist; in welchem Verhältnis dies aber geschehen müsse, ob in dem oben erwähnten oder in einem anderen, das getraue ich mir nicht zu bestimmen. Es gibt jedoch gewisse Umstände, die den Arbeitern zuweilen einen Vorteil gewähren und sie instand setzen, ihren Lohn weit über jenen Satz zu erhöhen, welcher offenbar der niedrigste ist, der sich mit der gewöhnlichsten Menschlichkeit verträgt. Wenn in einem Lande die Nachfrage nach denen, die vom Lohn leben – Arbeiter, Gesellen, Dienstboten aller Art – andauernd wächst; wenn jedes Jahr für eine größere Anzahl von ihnen Beschäftigung liefert als das vorhergehende: so haben die Arbeiter keinen Anlass, sich zur Erhöhung des Lohnes zu verbinden. Der Mangel an Händen ruft einen Wettbewerb unter den Meistern hervor, die, um Arbeiter zu erhalten, einander überbieten und so freiwillig die natürliche Übereinkunft der Meister, den Lohn nicht zu steigern, durchbrechen. Die Nachfrage nach Lohnarbeitern kann offenbar nur im Verhältnis zur Zunahme der Fonds wachsen, welche zur Lohnzahlung bestimmt sind. Diese Fonds sind von zweierlei Art; sie bestehen erstens aus dem Einkommen, welches die Kosten des notwendigen Unterhalts, und zweitens aus dem Kapital, welches die Auslagen für die Beschäftigung ihrer Meister übersteigt. Wenn der Gutsbesitzer, Rentner oder Geldmann ein größeres Einkommen hat als ihm zum Unterhalt seiner Familie hinreichend erscheint, so verwendet er den ganzen Überschuss oder einen Teil davon dazu, einen oder mehrere Dienstboten zu halten. Nimmt dieser Überschuss zu, so wird er natürlich die Zahl der Dienerschaft vermehren. Wenn ein unabhängiger Handwerker, etwa ein Weber oder ein Schuhmacher, mehr Kapital erworben hat als er zum Kauf der für seine eigene Arbeit erforderlichen Rohstoffe und zu seinem Unterhalte bis zum Verkauf der Arbeit braucht, so beschäftigt er natürlich mit dem Überschuss einen oder mehrere Gesellen, um aus ihrer Arbeit Gewinn zu ziehen. Nimmt dieser Überschuss zu, so wird er natürlich auch die Zahl seiner Gesellen vermehren. Die Nachfrage nach Lohnarbeitern wächst also notwendig mit der Zunahme des Einkommens und Kapitals eines Landes; und kann unmöglich auch ohne diese wachsen. Die Zunahme des Einkommens und Kapitals ist die Zunahme des Nationalwohlstandes. Folglich wächst die Nachfrage nach Lohnarbeitern naturgemäß mit der Zunahme des Nationalwohlstandes und kann unmöglich ohne sie wachsen. Nicht die dermalige Größe des Nationalwohlstandes, sondern seine beständige Zunahme bringt ein Steigen des Arbeitslohns hervor. Demnach steht der Arbeitslohn nicht in den reichsten Ländern am höchsten, sondern in den aufblühenden oder am schnellsten reich werdenden. England ist gegenwärtig sicher ein viel reicheres Land als irgendein Teil von Nordamerika. Der Arbeitslohn steht aber in Nordamerika weit höher als in irgendeinem Teile Englands. In der Provinz New-York verdienen gewöhnliche Arbeiter[3 - Dies wurde im .Jahre 1778 vor dem Beginn der letzten Unruhen geschrieben.] täglich drei Schilling sechs Pence Papier, d. h. zwei Schilling Sterl.; Schiffszimmerleute zehn Schilling sechs Pence Papier nebst einer Pinte Rum, die einen halben Schilling Sterl. wert ist also im Ganzen sechs und einen halben Schilling Sterl.; andere Zimmerleute und Maurer acht Schilling Papier, d. h. vier und einen halben Schilling Sterl.; Schneidergesellen fünf Schilling Papier, d. h. etwa zwei Schilling zehn Pence Sterl. Diese Löhne sind insgesamt höher als die Londoner, und wie es heißt, steht der Arbeitslohn in den übrigen Kolonien ebenso hoch als in New-York. Der Preis der Nahrungsmittel ist in Nordamerika durchweg weit niedriger als in England. Eine Teuerung hat man dort nie gekannt. In den schlechtesten Jahren hatten sie immer noch genug für sich, wenn auch zu wenig zur Ausfuhr. Wenn also der Geldpreis der Arbeit dort höher ist als irgendwo im Mutterlande, so muss ihr Sachpreis, nämlich dasjenige, was dem Arbeiter dafür an Lebens- und Genussmitteln wirklich zu Gebote steht, noch weit höher sein. Obgleich nun Nordamerika noch nicht so reich als England ist, so ist es doch viel mehr im Aufblühen begriffen und schreitet weit rascher zu weiterer Erwerbung von Reichtümern fort. Das entscheidendste Kennzeichen des Gedeihens eines Landes ist die Zunahme seiner Einwohnerzahl. In Großbritannien und den meisten übrigen Ländern Europas verdoppelt sich diese Zahl, wie man annimmt, erst in fünfhundert Jahren. In den britischen Kolonien Nordamerikas hat man gefunden, dass sie sich in zwanzig oder fünfundzwanzig Jahren verdoppelt. Und gegenwärtig ist diese Zunahme nicht hauptsächlich der fortdauernden Einwanderung neuer Bewohner, sondern der großen Vermehrung der Rasse zuzuschreiben. Leute, die ein hohes Alter erreichen, sollen dort oft fünfzig bis hundert Menschen, ja manchmal noch mehr als Nachkommen um sich sehen. Die Arbeit wird dort so gut gelohnt, dass eine zahlreiche Familie, statt eine Last für die Eltern zu sein, vielmehr zu einer Quelle der Wohlhabenheit und des Gedeihens für sie wird. Man rechnet die Arbeit jedes Kindes, bevor es das elterliche Haus verlässt, auf hundert Pfund reinen Gewinn für die Eltern. Um eine junge Witwe mit vier oder fünf jungen Kindern, die in den mittleren oder unteren Ständen der Bewohner Europas nur wenig Aussicht auf einen zweiten Mann haben würde, wird dort oft als um eine glückliche Partie gefreit. Der Wert der Kinder ist die bei weitem größte aller Ermunterungen zur Heirat. Daher darf man sich auch nicht wundern, dass die Leute in Nordamerika gewöhnlich so jung heiraten. Dennoch wird dort trotz dieses durch solche frühzeitigen Heiraten bewirkten großen Zuwachses fortwährend über Mangel an Händen geklagt. Die Nachfrage nach Arbeitern und die zu ihrem Unterhalt bestimmten Fonds nehmen, wie es scheint, noch schneller zu als die Arbeiter, die Beschäftigung suchen. Mag der Reichtum eines Landes noch so groß sein, so darf man doch, wenn er lange Zeit stillstehend geblieben ist, keinen sehr hohen Arbeitslohn zu finden erwarten. Die zur Lohnzahlung bestimmten Fonds, das Einkommen und das Kapital seiner Einwohner mag noch so bedeutend sein; aber, wenn sie mehrere Jahrhunderte gleich oder nahezu gleich geblieben sind, könnte die Zahl der jedes Jahr beschäftigten Arbeiter leicht zureichen oder selbst mehr als zureichen, um die Nachfrage des folgenden Jahres zu bestreiten. Da kann selten ein Mangel an Händen eintreten, noch werden die Meister gezwungen sein, einander zu überbieten, um Arbeiter zu erhalten. Im Gegenteil würden in diesem Falle natürlich viele Hände unbeschäftigt sein. Es würde ein beständiger Mangel an Beschäftigung statthaben und die Arbeiter würden gezwungen sein, sich diese einander streitig zu machen. Wenn in einem solchen Lande der Arbeitslohn auch einmal mehr als hinreichend war, um den Arbeiter zu unterhalten und ihn zu befähigen, seine Familie zu ernähren, so wird doch der Wettbewerb der Arbeiter und das Interesse der Meister ihn bald auf den niedrigsten Satz reduzieren, der mit der gewöhnlichsten Menschlichkeit sich vereinigen lässt. China ist lange eines der reichsten, d. h. eines der fruchtbarsten, bestbebauten, gewerbfleißigsten und bevölkertsten Länder der Welt gewesen. Es scheint jedoch lange im Stillstande verharrt zu sein. Marco Polo, der es vor mehr als fünfhundert Jahren besuchte, beschreibt seine Bodenkultur, seinen Gewerbfleiß und seinen Volksreichtum fast mit denselben Ausdrücken, mit denen es von heutigen Reisenden geschieht. Es hatte vielleicht sogar schon lange vor seiner Zeit jene Fülle des Reichtums erlangt, welche die Natur seiner Gesetze und Institutionen ihm zu erreichen gestattete. Die Berichte aller Reisenden stimmen, so unzuverlässig sie auch in mancher anderen Beziehung sind, in Betreff des niedrigen Arbeitslohnes und der Schwierigkeit, welche ein Arbeiter findet, eine Familie in China zu ernähren, völlig überein. Wenn er sich durch Ackern den ganzen Tag über so viel erwerben kann, um abends eine kleine Portion Reis zu kaufen, so ist er zufrieden. Die Lage der Handwerker ist womöglich noch schlimmer. Statt, wie in Europa, ruhig in ihren Werkstätten die Bestellungen ihrer Kunden abzuwarten, ziehen sie mit ihren Werkzeugen unaufhörlich durch die Straßen, bieten ihre Dienste an und betteln sozusagen um Beschäftigung. Die Armut der niederen Stände in China übertrifft bei weitem die der bettelhaftesten Völker Europas. In der Umgegend von Kanton haben viele hundert, ja wie es allgemein heißt, viele tausend Familien keine Wohnung auf dem Lande, sondern leben beständig in kleinen Fischerkähnen auf den Flüssen und Kanälen. Der Unterhalt, den sie da finden, ist so kärglich, dass sie die ekelhaftesten Abfälle, welche von einem europäischen Schiffe über Bord geworfen werden, gierig auffischen. Jedes Aas, z. B. das eines verreckten Hundes oder einer Katze, wenn es auch halb faul und stinkend ist, ist ihnen so willkommen, wie den Leuten in andern Länder die gesündeste Nahrung. Die Ehe wird in China nicht durch die Einträglichkeit der Kinder, sondern durch die Freiheit, sie umzubringen, befördert. In allen großen Städten werden nächtlich mehrere in den Straßen ausgesetzt oder gleich jungen Hunden ertränkt. Die Besorgung dieses schrecklichen Geschäftes soll sogar ein zugestandener Erwerbszweig sein, durch den manche ihren Unterhalt verdienen. Obgleich indes China vielleicht stillsteht, so scheint es doch nicht rückwärts zu gehen. Seine Städte sind nirgends von ihren Einwohnern verlassen. Das einmal angebaute Land wird nirgends vernachlässigt. Daher muss immer noch die nämliche oder fast die nämliche jährliche Arbeit verrichtet werden, und die für ihren Unterhalt bestimmten Fonds müssen folglich noch nicht merkbar abgenommen haben. Die unterste Schicht der Arbeiter muss also ungeachtet ihrer kärglichen Existenz sich soweit forthelfen, um die Rasse fortzupflanzen und die gewöhnliche Volkszahl aufrecht zu halten. Anders würde es in einem Lande stehen, wo die für den Unterhalt der Arbeit bestimmten Fonds eine merkliche Abnahme erlitten. Da würde die Nachfrage nach Dienern und Arbeitern in allen Arten der Beschäftigung mit jedem Jahre geringer werden. Viele, die in den höheren Klassen aufgezogen waren, würden in ihrem eigentlichen Gewerbe keine Beschäftigung mehr finden und sie gern in dem niedrigsten suchen. Da nun aber die niedrigste Klasse nicht nur mit ihren eigenen Arbeitern, sondern auch mit den aus allen anderen Klassen einströmenden überfüllt wäre, so würde die Konkurrenz um Arbeit in ihr so groß werden, dass der Arbeitslohn auf den elendesten und kärglichsten Unterhalt des Arbeiters herabgedrückt würde. Selbst unter diesen harten Bedingungen würden viele keine Beschäftigung finden können, sondern entweder verhungern müssen oder sich genötigt sehen, durch Betteln oder durch Frevel der schlimmsten Art ihr Leben zu fristen. Mangel, Hunger und Sterblichkeit würde in dieser Klasse sofort um sich greifen und sich von da über alle höheren Klassen verbreiten, bis die Zahl der Einwohner so weit verringert wäre, um von dem Einkommen und Kapital, welches im Lande geblieben, und der Tyrannei oder dem Unglück, wodurch das Übrige zerstört wurde, entgangen ist, leicht erhalten werden könnte. Dies ist vielleicht so ziemlich der gegenwärtige Zustand Bengalens und einiger anderer Niederlassungen der Engländer in Ostindien. In einem fruchtbaren Lande, das zuvor sehr entvölkert gewesen war, wo mithin der Unterhalt nicht schwierig sein sollte, und wo dessen ungeachtet in einem Jahre drei bis viermal hunderttausend Menschen Hungers sterben, befinden sich, wie wir mit Sicherheit annehmen können, die für den Unterhalt der arbeitenden Armen bestimmten Fonds sehr in Abnahme. Der Unterschied zwischen dem Geiste der britischen Staatsverfassung, welche Nordamerika schützt und regiert, und demjenigen der Handelsgesellschaft, die Ostindien unterdrückt und beherrscht, kann vielleicht durch nichts besser ins Licht gestellt werden als durch den verschiedenen Zustand dieser Länder. Der reichliche Lohn der Arbeit ist demnach ebenso wohl die notwendige Wirkung, wie das natürliche Merkmal wachsenden Nationalreichtums. Der kärgliche Unterhalt der arbeitenden Armen andererseits ist das natürliche Merkmal, dass die Dinge im Stillstand, und ihre Not, dass sie gewaltig im Rückschritt begriffen sind. In Großbritannien scheint gegenwärtig der Arbeitslohn offenbar höher zu sein als gerade nötig ist, um eine Familie zu erhalten. Um uns über diesen Punkt zu vergewissern, wird es nicht nötig sein, eine weitläufige und zweifelhafte Berechnung der niedrigsten Summe, womit dies möglicherweise geschehen kann, anzustellen. Es sind viele klare Merkmale dafür vorhanden, dass der Arbeitslohn in diesem Lande nirgends nach seinem niedrigsten Satze, der sich mit gewöhnlicher Menschlichkeit verträgt, geregelt wird. Erstens besteht in fast allen Teilen Großbritanniens, selbst in den niedrigsten Arten der Arbeit, ein Unterschied zwischen dem Sommer- und Winterlohn. Im Sommer ist der Lohn immer am höchsten. Allein wegen der außerordentlichen Ausgabe für Brennmaterial ist der Unterhalt einer Familie im Winter am kostspieligsten. Da nun der Arbeitslohn am höchsten ist, wenn diese Ausgabe am niedrigsten, so scheint es klar, dass er sich nicht nach dem, was zu dieser Ausgabe erforderlich ist, sondern nach der Menge und dem mutmaßlichen Werte der Arbeit richtet. Ein Arbeiter sollte allerdings einen Teil seines Sommerlohnes sparen, um seine Winterausgaben damit zu bestreiten und man kann sagen, dass sein Lohn des ganzen Jahres nicht mehr als gerade hinlänglich sei, um seine Familie während des ganzen Jahres zu unterhalten. Ein Sklave hingegen oder ein in seinem Unterhalt von uns durchaus abhängiger Mensch würde nicht so behandelt werden. Seine täglichen Lebensmittel würden ihm nach seinem täglichen Bedarf zugemessen werden. Zweitens schwankt in Großbritannien der Arbeitslohn nicht zugleich mit dem Preise der Nahrungsmittel. Dieser ändert sich überall von Jahr zu Jahr, oft von Monat zu Monat. An vielen Orten hingegen bleibt der Geldpreis der Arbeit bisweilen ein halbes Jahrhundert hindurch sich gleich. Wenn daher der arbeitende Arme an diesen Orten seine Familie in teuren Jahren ernähren kann, so muss er in Zeiten mäßiger Fülle bequem und in Zeiten außerordentlicher Wohlfeilheit reichlich zu leben haben. Der hohe Preis der Lebensmittel während der letzten zehn Jahre war nur in wenigen Teilen des Königreichs von einer merklichen Steigerung des Geldpreises der Arbeit begleitet. In einigen Teilen war es allerdings der Fall, wahrscheinlich mehr infolge der wachsenden Nachfrage nach Arbeit als des teureren Preises der Lebensmittel. Drittens wechselt der Preis der Lebensmittel mehr als der Arbeitslohn von Jahr zu Jahr und andererseits wechselt der Arbeitslohn mehr als der Preis der Lebensmittel von Ort zu Ort. Die Brot- und Fleischpreise sind im größten Teile des vereinigten Königreichs so ziemlich die nämlichen. Diese und die meisten anderen Dinge, welche im Kleinen verkauft werden (die Art wie der arbeitende Arme alles kauft), sind gewöhnlich in großen Städten ebenso wohlfeil oder noch wohlfeiler als in abgelegenen Gegenden, aus Gründen, die ich später zu entwickeln Gelegenheit haben werde. Dagegen ist der Arbeitslohn in einer großen Stadt und ihrer Umgegend oft um ein Viertel oder ein Fünftel, zwanzig oder fünfundzwanzig Prozent höher als wenige Meilen davon. Achtzehn Pence täglich kann als gewöhnlicher Preis der Arbeit in London und seiner Umgegend angesehen werden, wenige Meilen davon fällt er auf vierzehn und fünfzehn Pence. Zehn Pence kann als ihr Preis in Edinburgh und Umgegend gerechnet werden. Wenige Meilen davon fällt er auf acht Pence, den gewöhnlichen Preis gemeiner Arbeit im größten Teile des schottischen Tieflands, wo er viel weniger wechselt als in England. Solch ein Unterschied der Preise, der anscheinend nicht immer hinreicht, um einen Menschen aus einem Kirchspiel in das andere zu überführen, würde notwendig eine so starke Versendung der massigsten Waren nicht nur von einem Kirchspiel ins andere, sondern von einem Ende des Königreichs zum anderen, ja beinahe von einem Ende der Welt zum anderen bewirken, dass die Preise bald ins Gleichgewicht kommen würden. Trotz allem, was von dem Leichtsinn und der Unbeständigkeit der menschlichen Natur gesagt worden ist, geht doch deutlich aus der Erfahrung hervor, dass keine Last so schwer von der Stelle zu bringen ist als der Mensch. Wenn also der arbeitende Arme seine Familie in den Teilen des Königreichs, in denen der Arbeitspreis am niedrigsten steht, ernähren kann, so muss er da, wo er am höchsten ist, reichlich leben können. Viertens entsprechen die Veränderungen im Preise der Arbeit nicht nur denen im Preise der Lebensmittel nicht, sei es im Ort oder in der Zeit, sondern sie sind oft durchaus entgegengesetzt. Das Korn, die Nahrung des gemeinen Volkes, ist in Schottland teurer als in England, woher Schottland fast alle Jahre sehr bedeutende Zufuhren erhält. Aber englisches Korn muss in Schottland, wohin es gebracht wird, teurer bezahlt werden als in England, woher es kommt; und im Verhältnis zu seiner Güte kann es in Schottland nicht teurer verkauft werden als das schottische Korn, welches mit ihm auf demselben Markte in Wettbewerb tritt. Die Güte des Korns hängt besonders von der Mehlmenge ab, die es auf der Mühle liefert, und in dieser Beziehung ist englisches Korn dem schottischen so überlegen, dass es, obwohl anscheinend oder im Verhältnis seines Maßes oft teurer, doch in Wirklichkeit oder im Verhältnis zu seiner Beschaffenheit, ja sogar zu seinem Gewicht gewöhnlich wohlfeiler ist. Der Preis der Arbeit ist hingegen in England teurer als in Schottland. Wenn demnach der arbeitende Arme in dem einen Teile des vereinigten Königreichs seine Familie ernähren kann, so muss er in dem anderen reichlich leben. Allerdings macht für die gemeinen Leute in Schottland Hafermehl den größten und besten Teil ihrer Nahrung aus, die überhaupt weit schlechter ist als die ihrer Nachbarn gleichen Standes in England. Doch ist dieser Unterschied in der Art ihres Lebensunterhalts nicht die Ursache, sondern die Wirkung des Unterschiedes in ihren Löhnen, obwohl ich ihn, durch ein befremdliches Missverständnis, oft als die Ursache habe angeben hören. Nicht deshalb, weil sich der eine Kutsche hält, während sein Nachbar zu Fuße geht, ist jener reich und dieser arm, sondern weil jener reich ist, darum hält er sich eine Kutsche, und weil der andere arm ist, darum geht er zu Fuße. Im Laufe des vorigen Jahrhunderts war, ein Jahr ins andere gerechnet, das Korn in beiden Teilen des vereinigten Königreichs teurer als in dem gegenwärtigen. Dies ist eine Tatsache, die sich vernünftiger Weise nicht bezweifeln lässt, und für die der Beweis hinsichtlich Schottlands womöglich noch entscheidender ist als hinsichtlich Englands. In Schottland wird er durch das Zeugnis der öffentlichen Fiars gefühlt, d. h. jährlicher Preislisten vereideter Sachverständiger über alle Getreidearten, welche auf die Märkte der verschiedenen schottischen Grafschaften kommen. Wenn solch ein direkter Beweis noch einer Ergänzung und Bestärkung bedürfte, so würde ich hinzufügen, dass jenes gleicherweise in Frankreich und wahrscheinlich auch in den meisten übrigen Teilen Europas der Fall gewesen ist. Bezüglich Frankreichs ist der klarste Nachweis vorhanden. So gewiss es aber ist, dass in beiden Teilen des vereinigten Königsreichs das Getreide im letzten Jahrhundert etwas teurer war als im gegenwärtigen, ebenso gewiss ist es, dass die Arbeit viel wohlfeiler war. Wenn daher die arbeitenden Armen ihre Familien damals ernähren konnten, so muss es ihnen jetzt umso leichter werden. Im vorigen Jahrhundert betrug der üblichste Tagelohn gemeiner Arbeit im größten Teile Schottlands sechs Pence im Sommer und fünf Pence im Winter. Drei Schilling die Woche, also so ziemlich dasselbe, wird noch heute in einigen Teilen der Hochlande und auf den westlichen Inseln bezahlt. Im größten Teile des Tieflandes ist der üblichste Lohn für gemeine Arbeit acht Pence täglich; zehn Pence, bisweilen einen Schilling, beträgt er um Edinburgh, in den an England grenzenden Grafschaften, wahrscheinlich wegen dieser Nachbarschaft, und an einigen wenigen Orten, wo sich jüngst eine beträchtliche Zunahme der Nachfrage nach Arbeit eingestellt hat, um Glasgow, Carron, Ayrshire usw. In England begannen die Fortschritte im Landbau, in den Gewerben und im Handel viel früher als in Schottland. Mit diesen Fortschritten musste notwendig die Nachfrage nach Arbeit und folglich ihr Preis steigen. Daher war sowohl im vorigen wie im jetzigen Jahrhundert der Arbeitslohn in England höher als in Schottland. Er ist seit jener Zeit noch beträchtlich gestiegen, obgleich wegen der größeren Schwankungen der Löhne je nach den verschiedenen Orten schwer zu bestimmen ist, wie sehr er stieg. Im Jahre 1614 war der Sold eines Fußsoldaten der nämliche, wie jetzt, nämlich acht Pence den Tag. Als er zuerst festgesetzt wurde, wurde er natürlich nach dem üblichen Lohn gemeiner Arbeiter bestimmt, d. h. desjenigen Standes, aus dem Fußsoldaten gewöhnlich genommen werden. Der Lord-Oberrichter Haies, der zur Zeit Karls II. schrieb, berechnet die notwendigen Ausgaben einer Arbeiterfamilie, die aus sechs Personen, dem Vater, der Mutter, zwei zu etwas Arbeit fähigen und zwei arbeitsunfähigen Kindern besteht, auf zehn Schilling die Woche oder sechsundzwanzig Pfund im Jahr. Wenn sie dies mit ihrer Arbeit nicht verdienen können, so müssen sie es nach seiner Meinung durch Betteln oder Stehlen aufbringen; und er scheint sehr sorgfältige Untersuchungen über diesen Gegenstand angestellt zu haben.[4 - Man sehe sein Scheme for the maintenance of the poor, in Burn’s History of the Poor-laws.] Im Jahre 1688 berechnete Gregory King, dessen statistisches Geschick von Doktor Davenant so sehr gerühmt wird, das gewöhnliche Einkommen der Arbeiter und Lohndiener auf jährlich fünfzehn Pfund für eine Familie, deren Bestand er im Durchschnitt zu drei und einer halben Person annahm. Seine Berechnung ist, obwohl scheinbar von der des Dichters Haies verschieden, im Grunde doch mit dieser ziemlich übereinstimmend. Beide nehmen die wöchentliche Ausgabe solcher Familien auf etwa zwanzig Pence für den Kopf an. Seit dieser Zeit sind sowohl die Einkünfte als die Ausgaben solcher Familien im größten Teile des Königreichs ansehnlich gewachsen; an dem einen Orte mehr, an einem anderen weniger, obgleich vielleicht nirgends so sehr, wie gewisse übertriebene Berechnungen des gegenwärtigen Arbeitslohns sie neuerdings dem Publikum darstellten. Der Preis der Arbeit kann, wie bemerkt werden muss, nirgends sehr genau festgestellt werden, da oft an demselben Orte und für dieselbe Sorte von Arbeit nicht bloß je nach der verschiedenen Geschicklichkeit der Arbeiter, sondern auch nach der Willigkeit oder Kargheit der Meister verschiedene Preise gezahlt werden. Wo der Arbeitslohn nicht gesetzlich geregelt ist, können wir nicht beanspruchen, etwas anderes festzustellen als welches der üblichste ist, und die Erfahrung scheint zu beweisen, dass Gesetze ihn niemals angemessen regeln, so oft sie auch mit diesem Anspruch auftraten. Die Sachvergütung der Arbeit, die wirkliche Menge von Lebens- und Genussmitteln, welche sie dem Arbeiter einbringt, nahm im Laufe des gegenwärtigen Jahrhunderts vielleicht in noch größerem Maße zu als ihr Geldpreis. Nicht nur das Getreide ist etwas wohlfeiler geworden, sondern auch viele andere Dinge, welche den fleißigen Armen eine angenehme und gesunde Abwechslung in den Nahrungsmitteln darbieten, sind um ein gut Teil billiger geworden. Die Kartoffeln z. B. kosten jetzt im größten Teil des Königreichs nur halb so viel als vor dreißig oder vierzig Jahren. Dasselbe lässt sich von den Rüben, dem Kohl, den Mohrrüben sagen, lauter Gewächse, die früher mit dem Spaten, jetzt aber gewöhnlich mittels des Pfluges bestellt werden. Auch alle Arten von Gartengewächsen sind wohlfeiler geworden. Die Äpfel und selbst die Zwiebeln kamen im vorigen Jahrhundert meist aus Flandern. Die großen Fortschritte in der Verfertigung der gröberen Leinen- und Wollenzeuge haben den Arbeitern billigere und bessere Kleidung und die Fortschritte in der Verfertigung der groben Metallwaren billigeres und besseres Handwerkzeug, sowie viele angenehme und bequeme Hausgeräte verschafft. Seile, Salz, Lichter, Leder und gegorene Getränke sind allerdings, hauptsächlich durch die darauf gelegten Steuern, viel teurer geworden. Allein die Menge, die der arbeitende Arme von diesen Dingen notwendig braucht, ist so gering, dass die Erhöhung ihres Preises der Verminderung des Preises so vieler anderer Dinge nicht gleichkommt. Die gewöhnliche Klage, dass der Luxus sich selbst bis auf die untersten Volksklassen erstreckt und die arbeitenden Armen jetzt nicht mehr mit der Nahrung, Kleidung und Wohnung zufrieden sein wollen, an der sie sich früher haben genügen lassen, kann uns überzeugen, dass nicht nur der Geldpreis der Arbeit, sondern auch ihre Sachvergütung gestiegen ist. Ist nun diese Verbesserung in den Umständen der niederen Volksklassen als ein Vorteil oder als ein Nachteil für die Gesellschaft anzusehen? Die Antwort scheint auf den ersten Blick außerordentlich einfach. Dienstboten, Tagelöhner und Arbeiter verschiedener Art machen den bei weitem größten Teil jeder großen politischen Gemeinschaft aus. Was immer aber die Umstände des größten Teils verbessert, kann niemals als ein Nachteil für das Ganze angesehen werden. Sicherlich kann keine Gesellschaft blühend und glücklich sein, deren meiste Glieder arm und elend sind. Überdies ist es nicht mehr als billig, dass die, die die gesamte Masse des Volkes mit Nahrung, Kleidung und Wohnung versorgen, einen solchen Anteil von dem Produkt ihrer eigenen Arbeit erhalten, um sich selbst erträglich nähren, kleiden und wohnen zu können. Die Armut ermutigt zwar nicht zur Ehe, verhindert aber auch sie nicht immer. Sie scheint sogar der Kindererzeugung günstig zu sein. Eine halbverhungerte Bergschottin bringt oft mehr als zwanzig Kinder zur Welt, während eine wohlgenährte schöne Dame oft unfähig ist, ein einziges zu gebären und im Allgemeinen höchstens zwei oder drei Niederkünfte abhält. Die unter vornehmen Frauen so häufige Unfruchtbarkeit ist unter den Frauen niederen Standes sehr selten. Während die Üppigkeit im schönen Geschlecht zwar vielleicht die Begierde nach Genuss entflammt, scheint sie stets die Zeugungskraft zu schwächen und oft ganz zu zerstören. Allein die Armut ist, obwohl sie die Kindererzeugung nicht hemmt, höchst ungünstig für die Kindererziehung. Die zarte Pflanze ist hervorgebracht, muss aber in so kaltem Boden und so rauem Klima bald welken und sterben. Es ist, wie man mir oft gesagt hat, in den schottischen Hochlanden nichts Ungewöhnliches, dass eine Mutter, die zwanzig Kinder geboren hat, nicht zwei am Leben behält. Einige sehr erfahrene Offiziere haben mich versichert, dass sie, weit entfernt, ihr Regiment damit rekrutieren zu können, niemals imstande waren, mit allen in ihm geborenen Soldatenkindern auch nur die Zahl der Trommler und Pfeifer voll zu machen. Dennoch sieht man selten irgendwo so viele hübsche Kinder als um eine Kaserne herum; aber sehr wenige von ihnen erreichen, wie es scheint, das vierzehnte oder fünfzehnte Jahr. An einigen Orten stirbt die Hälfte der Kinder vor dem vierten Jahre, an vielen vor dem siebenten, und fast überall vor dem neunten oder zehnten. Aber diese große Sterblichkeit findet sich überall hauptsächlich unter den Kindern des niederen Volkes, das sie nicht mit der Sorgfalt warten kann wie die besseren Stände. Obgleich ihre Ehen im Allgemeinen fruchtbarer sind als die der vornehmen Leute, so gelangen doch weniger Kinder aus jenen zur Reife. In Findelhäusern und unter den auf Kosten der Gemeinde verpflegten Kindern ist die Sterblichkeit noch größer als unter den Kindern der gewöhnlichen Leute. Jede Tiergattung vermehrt sich naturgemäß im Verhältnis zu den Mitteln ihres Unterhalts, und keine Gattung kann sich jemals darüber hinaus vermehren. Aber in einer zivilisierten Gesellschaft kann der Mangel an Nahrungsmitteln nur unter den unteren Volksklassen einer weiteren Vermehrung der Menschen Schranken setzen; und er kann dies nur dadurch, dass er einen großen Teil der Kinder, die ihre fruchtbaren Ehen hervorbringen, vernichtet. Die reichliche Belohnung der Arbeit, welche die niederen Volksklassen in Stand setzt, für ihre Kinder besser zu sorgen und also eine größere Anzahl von ihnen durchzubringen, bewirkt naturgemäß eine Erweiterung und Ausdehnung jener Schranken. Es verdient bemerkt zu werden, dass sie dies möglichst genau in dem Verhältnisse tut, welches die Nachfrage nach Arbeit erfordert. Wenn diese Nachfrage beständig wächst, so muss die Belohnung der Arbeit notwendig zur Ehe und zur Vermehrung der Arbeiter derart ermuntern, um sie instand zu setzen, jene stets wachsende Nachfrage durch eine stets zunehmende Volkszahl zu befriedigen. Wäre der Lohn einmal geringer als es zu diesem Zweck nötig ist, so würde der Mangel an Händen ihn bald in die Höhe treiben, und wäre er einmal größer, so würde die unmäßige Vermehrung der Hände ihn bald wieder auf seinen notwendigen Satz herunterbringen. Der Markt würde in dem einen Falle so schlecht mit Arbeit versorgt und in dem anderen so sehr damit überfüllt sein, dass ihr Preis bald auf den richtigen Satz zurückkäme, den die Verhältnisse der Gesellschaft erheischen. So regelt die Nachfrage nach Menschen, gleich der nach jeder anderen Ware, notwendig auch die Erzeugung der Menschen, beschleunigt sie, wenn sie zu langsam vor sich geht, und verzögert sie, wenn sie zu rasch fortschreitet. Es ist diese Nachfrage, die die Fortpflanzung in allen Ländern der Welt, in Nordamerika, in Europa und in China regelt und bestimmt, die sie zu einer reißend schnellen in dem ersten, zu einer langsamen und schrittweisen in dem zweiten, und zu einer völlig stillstehenden in dem letzten macht. Die Abnutzung eines Sklaven, hat man gesagt, geht auf Kosten seines Herrn, die eines freien Dieners auf seine eigenen Kosten. Allein die Abnutzung des letzteren geht in Wahrheit ebenso auf Kosten seines Herrn als die des ersteren. Der an Taglöhner und Dienstboten aller Art bezahlte Lohn muss diese im Ganzen genommen instand setzen, das Geschlecht der Tagelöhner und Dienstboten in dem Maße fortzupflanzen als es die wachsende, abnehmende oder sich gleichbleibende Nachfrage der Gesellschaft gerade verlangt. Wenn indes auch die Abnutzung eines freien Dieners gleichfalls auf Kosten seines Herrn geschieht, so kostet sie letzteren doch in der Regel weit weniger als die eines Sklaven. Der zum Ersatz oder so zu sagen zur Wiederherstellung eines abgenutzten Sklaven bestimmte Fonds wird gewöhnlich von einem nachlässigen Herrn oder einem sorglosen Aufseher verwaltet. Der zu demselben Zwecke für einen freien Mann bestimmte Fonds wird von dem freien Manne selbst verwaltet. Die Unordnung, welche gewöhnlich im Haushalt des Reichen herrscht, macht sich naturgemäß in der Beaufsichtigung des Ersteren geltend: die strikte Mäßigkeit und aufmerksame Sparsamkeit des Armen herrscht ebenso natürlich in der Beaufsichtigung des Letzteren. Unter so ungleicher Aufsicht muss derselbe Zweck sehr ungleiche Kosten verursachen. Und so lehrt, wie ich glaube, die Erfahrung aller Zeiten und Völker, dass die Arbeit freier Leute am Ende wohlfeiler ist als die der Sklaven. Dies findet sich sogar in Boston, New-York und Philadelphia bestätigt, wo doch der Lohn gemeiner Arbeit sehr hoch ist. Die reichliche Belohnung der Arbeit ist mithin ebenso wohl die Wirkung des zunehmenden Reichtums wie die Ursache der zunehmenden Volksmenge. Darüber klagen heißt über die notwendige Wirkung und Ursache der größten öffentlichen Wohlfahrt jammern. Es verdient vielleicht bemerkt zu werden, dass die Lage der arbeitenden Armen, der großen Masse des Volks, mehr in dem fortschreitenden Stadium, wo die Gesellschaft weiterem Erwerb zueilt als in dem, wo sie eine Fülle des Reichtums bereits erworben hat, am glücklichsten und behaglichsten zu sein scheint. Sie ist hart in dem Stadium des Stillstands und elend in dem des Verfalls. Der Zustand des Fortschritts ist in der Tat für alle Gesellschaftsklassen ein Zustand des Frohsinns und der Kraft. Der Stillstand macht träge, der Verfall traurig. Die reichliche Belohnung der Arbeit ermuntert ebenso wohl den gemeinen Mann zur Fortpflanzung, wie sie ihn zum Fleiße anspornt. Der Arbeitslohn ist die Aufmunterung zum Fleiße, der, wie jede andre menschliche Eigenschaft, in dem Grade zunimmt, wie er Aufmunterung erfährt. Reichliche Nahrung stärkt die Körperkräfte des Arbeiters, und die wohltuende Hoffnung, seine Lage zu verbessern und seine Tage vielleicht in Ruhe und Fülle zu beschließen, feuert ihn an, seine Kräfte aufs Äußerste anzustrengen. Wo der Arbeitslohn hoch ist, finden wir demnach stets die Arbeiter tätiger, fleißiger und flinker als da, wo er niedrig ist; in England z. B. mehr als in Schottland, in der Umgebung großer Städte mehr als an entlegenen Orten des platten Landes. Freilich werden manche Arbeiter, wenn sie in vier Tagen so viel verdienen können, um eine Woche davon zu leben, in den übrigen drei Tagen müßig gehen; aber dies ist durchaus nicht bei der Mehrzahl der Fall. Im Gegenteil sind die Arbeiter, wenn sie reichlich nach dem Stück bezahlt werden, sehr geneigt, sich zu überarbeiten, und in wenigen Jahren ihre Gesundheit und Körperbeschaffenheit zu ruinieren. Ein Zimmermann in London und einigen anderen Orten bleibt, wie man annimmt, nicht über acht Jahre bei vollen Kräften. Ähnlich verhält es sich in vielen anderen Gewerben, in denen der Arbeiter nach dem Stück bezahlt wird, wie dies allgemein in den Fabriken der Fall ist und selbst bei den Feldarbeiten überall, wo der Lohn höher als gewöhnlich ist. Beinahe jede Klasse von Handwerkern ist einer eigentümlichen Krankheit ausgesetzt, die durch übermäßige Anstrengung bei der besonderen Art ihrer Arbeit veranlasst wird. Ramuzzini, ein ausgezeichneter italienischer Arzt, hat über solche Krankheiten ein besonderes Buch geschrieben. Wir rechnen unsre Soldaten nicht gerade zu den fleißigsten Leuten unter uns. Wenn aber Soldaten zu gewissen Arbeiten gebraucht und reichlich nach dem Stück bezahlt wurden, mussten ihre Offiziere mit dem Unternehmer das Abkommen treffen, dass ihnen nicht gestattet sein solle, bei dem Satze, nach welchem sie bezahlt wurden, mehr als eine gewisse Summe täglich zu verdienen. Ehe dies ausgemacht worden war, reizte sie oft ihr gegenseitiger Wetteifer und das Verlangen nach größerem Gewinn, sich zu überarbeiten und ihrer Gesundheit durch übermäßige Anstrengung zu schaden. Der übertriebene Fleiß während vier Tagen der Woche ist oft die wirkliche Ursache jenes Müßigganges an den drei übrigen, über den so viele und so laute Klage geführt wird. Großer Anstrengung des Geistes oder des Körpers, mehrere Tage hintereinander fortgesetzt, folgt bei den meisten Menschen naturgemäß ein starkes Verlangen nach Erholung, das, wenn es nicht mit Gewalt oder durch herbe Not bezwungen wird, fast unwiderstehlich ist. Es ist der Ruf der Natur, die eine gewisse Schonung fordert, zuweilen durch bloße Ruhe, zuweilen auch durch Zerstreuung und Vergnügung. Wird ihm nicht nachgegeben, so sind die Folgen oft gefährlich und manchmal tödlich und fast immer so, dass sie früher oder später zu der dem Gewerbe eigentümlichen Krankheit führen. Wenn die Meister immer auf die Eingebungen der Vernunft und Menschlichkeit hörten, so würden sie oft Veranlassung haben, den Fleiß vieler ihrer Arbeiter eher zu mäßigen als anzufeuern. Es wird sich, wie ich glaube, bei jedem Gewerbe herausstellen, dass der Mann, der mit Maßen arbeitet, um auf die Dauer zur Arbeit tauglich zu sein, nicht nur seine Gesundheit am längsten erhält, sondern auch im Laufe eines Jahres die größte Menge Arbeit verrichtet. Man hat behauptet, dass die Arbeiter in wohlfeilen Jahren träger, und in teuren arbeitsamer als gewöhnlich zu sein pflegen, und man schloss daraus, dass reichliche Nahrung ihren Fleiß erschlaffe und kärgliche ihn ansporne. Dass eine etwas mehr als gewöhnliche Nahrungsfülle manche Arbeiter träge macht, lässt sich allerdings nicht leugnen; dass sie diese Wirkung aber bei der Mehrzahl haben sollte, oder dass die Leute im Allgemeinen besser arbeiten sollten, wenn sie schlecht als wenn sie gut genährt werden; besser, wenn sie entmutigt als wenn sie gut aufgelegt sind; besser, wenn sie oft krank als wenn sie fast immer gesund sind: ist nicht sehr wahrscheinlich. Jahre der Teuerung sind, was zu beachten ist, unter den gewöhnlichen Leuten in der Regel Jahre der Krankheit und Sterblichkeit, wodurch sich das Produkt ihres Fleißes notwendig vermindern muss. In Jahren der Fülle verlassen die Dienenden oft ihre Herren, und hoffen durch Fleiß ihren Unterhalt selbständig zu gewinnen. Aber dieselbe Wohlfeilheit der Lebensmittel spornt durch Vergrößerung des finden Unterhalt der Dienenden bestimmten Fonds auch die Herren, besonders die Pächter an, eine größere Arbeitermenge zu beschäftigen. Die Pächter erwarten in solchen Fällen von ihrem Getreide einen größeren Gewinn, wenn sie etwas mehr Dienstleute unterhalten als wenn sie es zu einem niedrigen Preise auf dem Markte verkaufen. Die Nachfrage nach Dienstleuten wächst, während die Anzahl derer, die sich anbieten, abnimmt. Daher geht der Preis der Arbeit in wohlfeilen Jahren oft in die Höhe. In Notjahren macht die Schwierigkeit und Unsicherheit des Unterhalts alle solche Leute begierig, in den Dienst zurückzukehren. Der hohe Preis der Lebensmittel aber, wodurch die für den Unterhalt der Dienenden bestimmten Fonds verringert werden, bewegt die Arbeitgeber eher, die Anzahl derer, die sie haben, zu vermindern als zu vergrößern. Auch verzehren oft in teuren Jahren arme unabhängige Handwerker das geringe Kapital, mit dem sie sich sonst ihr Arbeitsmaterial verschafften, und sehen sich gezwungen, Gesellen zu werden, um leben zu können. Dann verlangen mehr Leute Arbeit als zu bekommen ist; und viele sind bereit, sie unter schlechteren Bedingungen als gewöhnlich anzunehmen, und so geht der Arbeitslohn der Knechte und Gesellen in teuren Jahren oft herunter. Die Arbeitgeber aller Art machen deshalb oft in teuren Jahren an ihren Dienstleuten ein besseres Geschäft als in wohlfeilen, und finden sie in den ersteren demütiger und abhängiger als in den letzteren. Sie erklären also natürlicherweise die teuren Jahre als dem Gewerbfleiß günstiger. Gutsbesitzer und Pächter, die beiden größten Klassen von Arbeitgebern, haben überdies noch einen andern Grund, über teure Jahre froh zu sein. Die Renten des einen und die Gewinne des andern hängen gar sehr von dem Preise der Lebensmittel ab. Nichts kann jedoch alberner sein als sich einzubilden, dass die Menschen im Allgemeinen weniger arbeiten sollten, wenn sie für sich arbeiten als wenn sie für andere Leute arbeiten. Ein armer unabhängiger Handwerker wird gewöhnlich arbeitsamer sein als selbst ein Geselle, der nach dem Stück arbeitet. Der eine hat von dem Produkt seines Fleißes den vollen Genuss, der andere teilt ihn mit seinem Meister. Der eine ist in seiner abgesonderten, unabhängigen Stellung den Versuchungen schlechter Gesellschaft, die in großen Fabriken die Sitten des anderen so häufig verderben, weniger ausgesetzt. Die Überlegenheit unabhängiger Handwerker über die Arbeiter, welche monats- oder jahrweise gedungen werden, und deren Lohn und Unterhalt derselbe bleibt, ob sie viel oder wenig tun, ist wahrscheinlich noch weit größer. Wohlfeile Jahre erhöhen der Natur der Sache nach das Verhältnis unabhängiger Handwerker zu den Gesellen und Dienenden aller Art und teure Jahre erniedrigen es. Ein französischer Schriftsteller von vielem Wissen und Scharfsinn, Messance, Steuereinnehmer in dem Bezirk von St. Etienne, sucht zu zeigen, dass die Armen in wohlfeilen Jahren mehr arbeiten als in teuren, und vergleicht zu diesem Zwecke die Menge und den Wert der in diesen verschiedenen Fällen in drei Fabrikzweigen gefertigten Waren, nämlich in den Fabriken grober Wollenwaren zu Elbeuf, und in den Leinen- und Seidenfabriken, die sich über das ganze Gebiet von Rouen erstrecken. Aus seiner auf die amtlichen Berichte gestützten Rechnung ergibt sich, dass die Menge und der Wert der in allen drei Fabrikzweigen hergestellten Waren in wohlfeilen Jahren größer als in teuren, und dass sie in den wohlfeilsten stets am größten, in den teuersten am kleinsten war. Alle drei scheinen stillstehende, d. h. solche Industriezweige zu sein, die, wenn auch die Menge ihrer Erzeugnisse von einem Jahre zum anderen etwas schwanken mag, doch im Ganzen weder zurück noch vorwärts gehen. Die Leinenindustrie in Schottland und diejenige grober Wollenzeuge im westlichen Bezirk von Yorkshire sind zunehmende Industrien, deren Produkt im Allgemeinen, wenn auch mit gewissen Schwankungen, an Menge und Wert zunimmt. Bei Prüfung der über ihre jährliche Produktion veröffentlichten Berichte habe ich jedoch nicht bemerken können, dass ihre Schwankungen mit der Teuerung oder Wohlfeilheit der Jahre in merkbarem Zusammenhang ständen. Im Jahre 1740, in dem großer Mangel herrschte, scheinen allerdings beide Industriezweige sehr gedrückt gewesen zu sein. Im Jahre 1756 aber, in dem ebenfalls großer Mangel herrschte, machte die schottische Industrie außergewöhnliche Fortschritte. Die Yorkshirer Industrie nahm allerdings ab, und ihr Produkt stieg seit 1755 nicht mehr auf die Höhe dieses Jahres, bis 1766 die amerikanische Stempelakte abgeschafft wurde. In diesem und dem folgenden Jahre stieg ihr Produkt höher als zuvor, und sie hat seitdem immer größere Fortschritte gemacht. Die Produktion aller großen exportierenden Industriezweige muss notwendigerweise nicht sowohl von der Teuerung oder Wohlfeilheit der Jahre in den Ländern, wo sie betrieben werden als von den Umständen abhängen, welche die Nachfrage in den Ländern bestimmen, in denen sie verbraucht werden; von Frieden oder Krieg, vom Gedeihen oder Verfall anderer rivalisierender Industrien, und von der guten oder üblen Laune ihrer Hauptkunden. Überdies kommt ein großer Teil der in wohlfeilen Jahren wahrscheinlich verrichteten außergewöhnlichen Arbeit niemals in die öffentlichen Industrieregister. Die männlichen Arbeiter, welche ihre Arbeitgeber verlassen, werden Arbeiter auf eigene Rechnung, und die Arbeiterinnen kehren zu ihren Eltern zurück, und spinnen gewöhnlich für ihren eigenen und ihrer Familien Kleidungsbedarf. Selbst die unabhängigen Handwerker arbeiten nicht immer für den öffentlichen Verkauf, sondern werden von ihren Nachbarn für deren Hausbedarf beschäftigt. Daher fehlt ihr Arbeitsprodukt häufig in jenen öffentlichen Registern, deren Ergebnisse zuweilen mit so vielem Stolz veröffentlicht werden, und nach denen unsere Kaufleute und Fabrikanten das Gedeihen oder den Verfall der größten Reiche anzukündigen oft vergeblich beanspruchen würden. Obgleich die Veränderungen im Preise der Arbeit nicht immer mit denen im Preise der Lebensmittel übereinstimmen, ihnen vielmehr oft gerade entgegengesetzt sind, darf man darum doch nicht denken, dass der Preis der Lebensmittel auf den der Arbeit keinen Einfluss habe. Der Geldpreis der Arbeit wird notwendig durch zweierlei Umstände bestimmt, durch die Nachfrage nach Arbeit, und durch den Preis der Lebens- und Genussmittel. Je nachdem die Nachfrage nach Arbeit zunimmt, sich gleichbleibt oder abnimmt; je nachdem sie also eine zunehmende, sich gleichbleibende oder abnehmende Volkszahl erfordert, bestimmt sie die Menge von Lebens- und Genussmitteln, die dem Arbeiter zugebilligt werden muss; und der Geldpreis der Arbeit wird durch die Summe bestimmt, die zum Ankauf dieser Menge notwendig ist. Wenn daher auch der Geldpreis der Arbeit zuweilen hoch ist, während der Preis der Nahrungsmittel niedrig steht, so würde er doch, wenn die Nachfrage dieselbe bliebe, noch höher sein, falls der Preis der Nahrungsmittel hoch stände. Weil die Nachfrage nach Arbeit in Jahren plötzlicher und ungewöhnlicher Fülle zu-, in solchen plötzlichen und ungewöhnlichen Mangels dagegen abnimmt, steigt der Geldpreis der Arbeit in den einen und sinkt in den anderen. In einem Jahre plötzlicher und ungewöhnlicher Fülle befinden sich in den Händen vieler Arbeitgeber hinreichende Fonds, um eine größere Anzahl fleißiger Leute zu unterhalten und zu beschäftigen als im vorhergehenden Jahre beschäftigt worden sind; und diese ungewöhnliche Anzahl ist nicht immer gleich zu haben. Daher überbieten sich die Arbeitgeber, die Arbeiter brauchen, und infolgedessen steigt sowohl der Sach- wie der Geldpreis ihrer Arbeit. Das Gegenteil davon tritt in einem Jahre plötzlichen und ungewöhnlichen Mangels ein. Die zur Beschäftigung von Arbeitern bestimmten Fonds sind geringer als im vorhergehenden Jahre. Eine große Menge Leute werden beschäftigungslos, und diese bieten, um Arbeit zu erhalten, einander herunter, wodurch bisweilen sowohl der Sach- wie der Geldpreis der Arbeit sich erniedrigt. Im Jahre 1740, wo ungewöhnlicher Mangel herrschte, waren viele bereit, für die nackte Existenz zu arbeiten. In den darauf folgenden Jahren der Fülle war es schwerer, Arbeiter und Dienstboten zu bekommen. Der Mangel in einem teuren Jahre wirkt durch Verminderung der Nachfrage nach Arbeit naturgemäß auf Erniedrigung ihres Preises, während der hohe Preis der Nahrungsmittel auf seine Erhöhung wirkt. Die Fülle eines wohlfeilen Jahres wirkt hingegen durch Vermehrung der Nachfrage auf Erhöhung des Arbeitspreises, während die Wohlfeilheit der Nahrungsmittel auf seine Ermäßigung wirkt. Bei den gewöhnlichen Schwankungen der Nahrungsmittelpreise scheinen diese beiden entgegengesetzten Ursachen einander die Waage zu halten, was wahrscheinlich teilweise der Grund ist, warum der Arbeitslohn überall so viel stetiger und dauernder ist als der Preis der Nahrungsmittel. Das Steigen des Arbeitslohnes erhöht notwendig den Preis vieler Waren, weil es den Teil des Preises erhöht, der sich in Lohn auflöst, und insofern bewirkt es eine Verminderung im Verbrauch dieser Waren daheim und im Auslande. Dieselbe Ursache jedoch, die den Arbeitslohn steigert, die Zunahme des Kapitals nämlich, bewirkt eine Zunahme der erzeugenden Kräfte der Arbeit und die Herstellung eines größeren Arbeitsproduktes durch eine geringere Arbeitermenge. Der Kapitalist, der eine große Anzahl Arbeiter beschäftigt, ist notwendig um seines eigenen Vorteils willen bemüht, die Beschäftigung so angemessen zu verteilen, dass die Arbeiter eine größtmögliche Menge Waren hervorzubringen vermögen. Aus demselben Grunde bemüht er sich, ihnen die besten Maschinen zu verschaffen, die er oder sie kennen. Was aber unter den Arbeitern einer Werkstatt platzgreift, greift aus demselben Grunde auch unter denen einer großen Gesellschaft Platz. Je größer ihre Anzahl, desto mehr teilen sie sich naturgemäß in verschiedene Gattungen und Unterarten der Beschäftigung. Es sind mehr Köpfe beschäftigt, die geeignetsten Maschinen für jeden Produktionszweig zu erfinden, und desto mehr werden sie folglich erfinden. Es gibt mithin viele Waren, die infolge dieser Verbesserungen mit so viel weniger Arbeit als früher hervorgebracht werden, dass der erhöhte Preis der Arbeit durch die Verringerung der zu ihrer Herstellung nötigen Arbeit mehr als aufgewogen wird. Neuntes Kapitel Der Kapitalgewinn Das Steigen und Fallen im Kapitalgewinn hängt von denselben Ursachen ab, wie das Steigen und Fallen im Arbeitslohn, nämlich von dem wachsenden oder abnehmenden Reichtum der Gesellschaft; aber diese Ursachen berühren den einen ganz anders als den anderen. Das Wachsen des Kapitals, das den Lohn erhöht, wirkt auf Verminderung des Gewinns. Wenn die Kapitalien vieler reicher Kaufleute demselben Geschäftszweige zugewendet werden, so wirkt ihre gegenseitige Konkurrenz natürlich auf Verringerung des Gewinns; und wenn in all den verschiedenen Geschäftszweigen, die in derselben Gesellschaft betrieben werden, eine gleiche Kapitalien-Vermehrung stattfindet, so muss die Konkurrenz dieselbe Wirkung in ihnen allen äußern. Es ist, wie schon bemerkt worden, nicht leicht, den durchschnittlichen Arbeitslohn selbst eines bestimmten Orts und eines bestimmten Zeitpunktes festzustellen. Wir können auch in dieser Beschränkung selten etwas anderes feststellen als den üblichsten Arbeitslohn. Aber in Bezug auf den Kapitalgewinn kann auch dies nur selten geschehen. Der Gewinn ist so schwankend, dass der Geschäftstreibende selbst nicht immer sagen kann, wieviel sein mittlerer Jahresgewinn beträgt. Dieser wird nicht nur durch jede Preisveränderung der Waren, mit denen er handelt, beeinflusst, sondern auch durch das Glück oder Unglück seiner Mitbewerber und seiner Kunden, so wie durch tausend andere Zufälle, denen die Güter, ob sie nun zu Wasser oder zu Lande verschickt oder ob sie in einem Lagerhause aufbewahrt werden, unterworfen sind. Er schwankt daher nicht nur von Jahr zu Jahr, sondern von Tag zu Tag, und beinahe von Stunde zu Stunde. Den mittleren Gewinn aller verschiedenen Gewerbe eines großen Königreichs festzustellen, müsste noch viel schwieriger sein; und mit einiger Genauigkeit zu beurteilen, wie hoch er früher oder in längst verflossenen Zeiten gewesen ist, muss ganz unmöglich sein. Wenn es aber auch unmöglich ist, mit einiger Genauigkeit anzugeben, wieviel der mittlere Kapitalgewinn heute beträgt oder früher betragen hat, so kann man sich doch einen gewissen Begriff davon machen nach dem Geldzins. Es kann als Grundsatz gelten, dass, wo mit der Nutzung von Geld ein großes Geschäft gemacht werden kann, gewöhnlich auch für seine Nutzung viel bezahlt wird; und dass, wo nur ein geringes Geschäft damit gemacht werden kann, in der Regel auch weniger dafür bezahlt wird. Je nachdem also der übliche Zinsfuß in einem Lande sich ändert, kann man auch mit Gewissheit annehmen, dass der gewöhnliche Kapitalgewinn sich mit ihm ändert; sinkt, wenn jener sinkt, und steigt, wenn jener steigt. Die Entwicklung des Zinsfußes kann uns mithin zu einem Schlüsse auf die Entwicklung des Gewinnes leiten. Durch die Akte aus dem 37. Jahre Heinrichs VIII. wurde aller Zins über zehn Prozent für ungesetzlich erklärt. Früher, scheint es, hatte man bisweilen mehr genommen. Unter der Regierung Eduards VI. verbot der religiöse Eifer allen Zins. Dieses Verbot soll jedoch, gleich allen anderen dieser Art, keinen Erfolg gehabt haben und hat wahrscheinlich eher das Übel des Wuchers verschlimmert als ihm gesteuert. Das Statut Heinrichs VIII. wurde durch das Statut aus dem 13. Jahre Elisabeths, Kapitel 8, erneuert, und zehn Prozent blieb der gesetzliche Zinsfuß bis ins 21. Jahr Jakobs I., wo er auf acht ermäßigt wurde. Bald nach der Restauration wurde er auf sechs Prozent und im 12. Jahre der Königin Anna auf fünf herabgesetzt. Alle diese Verordnungen scheinen den Zeitverhältnissen sehr angemessen gewesen zu sein. Sie scheinen lediglich dem Zinsfuße des Marktes, oder dem, zu welchem Leute mit gutem Kredit Geld zu borgen pflegten, gefolgt zu sein. Seit der Zeit der Königin Anna scheinen fünf vom Hundert eher über als unter dem marktgängigen Zinsfuße gewesen zu sein. Vor dem letzten Kriege machte die Regierung ein Anlehen zu drei Prozent, und Leute mit gutem Kredit borgten in der Hauptstadt und an vielen anderen Orten des Königreichs zu drei und einhalb, vier, und vier und einhalb Prozent. Seit der Zeit Heinrichs VIII. hob sich der Reichtum und das Einkommen des Landes ohne Unterbrechung, und ihr Fortschritt scheint im weiteren Verlaufe eher beschleunigt als aufgehalten worden zu sein. Sie haben, wie es scheint, nicht nur zugenommen, vielmehr ist diese Zunahme schneller und schneller erfolgt. Der Arbeitslohn war während dieser Periode stets im Steigen, und der Kapitalgewinn war in den meisten Zweigen des Handels und Gewerbes im Fallen. Es erfordert in der Regel ein größeres Kapital, ein Geschäft in einer großen Stadt als in einem Landstädtchen zu betreiben. Die in Geschäften aller Art angelegten großen Kapitalien und die Menge der reichen Wettbewerber verringerten in der Regel den Gewinnsatz in der großen Stadt mehr als in der Landstadt. Der Arbeitslohn aber ist in einer großen Stadt gewöhnlich höher als in einem Landstädtchen. In einer lebhaften Stadt können diejenigen, die große Kapitalien anzulegen haben, oft nicht so viel Arbeiter erhalten als sie brauchen, und überbieten einander, um so viele als möglich zu erhalten: hierdurch steigt der Arbeitslohn und der Kapitalgewinn sinkt. In den entlegenen Teilen des Landes fehlt es häufig an Kapital, alle Leute zu beschäftigen, und diese unterbieten einander, um Arbeit zu erhalten, wodurch der Arbeitslohn sinkt und der Kapitalgewinn steigt. Obgleich in Schottland der gesetzliche Zinsfuß derselbe ist, wie in England, so ist doch der marktgängige etwas höher. Leute mit bestem Kredit erhalten dort selten Geld unter fünf Prozent. Selbst Privatbankiers in Edinburgh geben auf ihre trockenen Wechsel, deren Zahlung im Ganzen oder teilweise zu jeder beliebigen Zeit gefordert werden kann, vier Prozent. In London geben Privatbankiers keine Zinsen für das Geld, das bei ihnen niedergelegt wird. Es gibt nur wenige Gewerbe, die nicht in Schottland mit einem geringeren Kapital betrieben werden können als in England. Deshalb muss dort der gewöhnliche Gewinnsatz etwas größer sein. Der Arbeitslohn ist, wie schon bemerkt, in Schottland niedriger als in England. Auch ist das Land nicht nur viel ärmer, sondern der Fortschritt zu einem besseren Zustande – denn Fortschritte macht es offenbar – scheint auch weit langsamer und träger zu sein. Der gesetzliche Zinsfuß in Frankreich ist im Laufe des gegenwärtigen Jahrhunderts nicht immer nach dem marktgängigen geregelt worden[5 - Siehe Denisart, Article: Taux des lntérêts, tom. III. p. 18.]. Im Jahre 1720 wurde der Zins vom zwanzigsten auf den fünfzigsten Pfennig, oder von fünf auf zwei Prozent heruntergesetzt. 1724 wurde er auf den dreißigsten Pfennig oder 3 ⅓%, 1725 wieder auf den zwanzigsten Pfennig oder 5% gesteigert. 1766 unter Laverdys Administration wurde er auf den fünfundzwanzigsten Pfennig oder 4% herabgesetzt. Der Abbé Terray erhöhte ihn nachher auf den alten Satz von fünf vom Hundert. Der beabsichtigte Zweck vieler dieser gewaltsamen Zinsherabsetzungen war der, den Weg zu einer Zinsverminderung der Staatsschulden zu bahnen, ein Zweck, der zuweilen auch erreicht worden ist. Frankreich ist jetzt vielleicht kein so reiches Land als England, und obgleich der gesetzliche Zinsfuß dort oft niedriger war als in England, so war der Marktsatz doch in der Regel höher; denn, wie in andern Ländern, hat man dort sichere und leichte Mittel, das Gesetz zu umgehen. Der Gewerbsgewinn ist, wie mir britische Kaufleute, die in beiden Ländern Geschäfte trieben, versicherten, in Frankreich höher als in England, und hierin liegt ohne Zweifel der Grund, warum viele britische Untertanen es vorziehen, ihre Kapitalien in einem Lande anzulegen, wo der Handel verachtet wird, anstatt in einem Lande, wo er in hoher Achtung steht. Der Arbeitslohn ist in Frankreich niedriger als in England. Wenn man von Schottland nach England kommt, so deutet der Unterschied, den man zwischen der Kleidung und dem Aussehen der gewöhnlichen Leute in dem einen und in dem anderen Lande bemerkt, hinlänglich auf die Ungleichheit ihrer Lage hin. Aber der Gegensatz ist noch größer, wenn man aus Frankreich zurückkehrt. Frankreich, obwohl ohne Zweifel ein reicheres Land als Schottland, scheint nicht so schnell vorwärts zu schreiten. Es ist eine verbreitete und sogar populäre Meinung im Lande, dass es rückwärtsgehe; eine Meinung, die, wie ich glaube, selbst in Bezug auf Frankreich unbegründet ist, in Bezug auf Schottland aber unmöglich von jemand gehegt werden kann, der dieses Land jetzt sieht, und es vor zwanzig oder dreißig Jahren gesehen hat. Holland andrerseits ist nach Verhältnis seiner Gebietsausdehnung und Volkszahl ein reicheres Land als England. Die Regierung borgt dort zu zwei, und Privatleute mit gutem Kredit zu drei Prozent. Der Arbeitslohn soll in Holland höher als in England sein, und der Holländer handelt, wie bekannt, mit geringerem Gewinn als irgendjemand in Europa. Manche haben behauptet, dass Hollands Handel im Verfall sei, und von einigen Geschäftszweigen mag dies vielleicht richtig sein. Allein jene Symptome scheinen hinreichend dafür zu sprechen, dass der Verfall kein allgemeiner ist. Wenn der Gewinn sich verringert, so sind die Kaufleute sehr geneigt, über Verfall der Geschäfte zu klagen, obwohl die Verminderung des Gewinns die natürliche Folge ihres Gedeihens, oder einer umfangreicheren Kapitalienverwendung in den Geschäften ist. Im letzten Kriege gewannen die Holländer den ganzen Speditionshandel Frankreichs, und sie haben noch jetzt einen großen Teil davon in Händen. Ihr großer Besitz in französischen und englischen Staatspapieren – von den letzteren haben sie etwa vierzig Millionen, wie es heißt – wobei ich jedoch eine starke Übertreibung vermute, die großen Summen, welche sie in Ländern, wo der Zinsfuß höher als in dem ihrigen steht, an Privatpersonen ausleihen, sind Umstände, welche ohne Zweifel Überfluss an Kapital beweisen, indem dieses größer geworden ist, als dass sie es mit erträglichem Gewinn in den Geschäften ihres eigenen Landes anlegen könnten; aber sie beweisen nicht, dass diese Geschäfte abgenommen haben. Wie das Kapital eines Privatmannes, das bei einem Geschäfte gewonnen worden ist, für das Geschäft zu groß werden und das Geschäft sich doch vergrößern kann, so auch das Kapital einer großen Nation. In unseren nordamerikanischen und westindischen Kolonien ist nicht nur der Arbeitslohn, sondern auch der Geldzins, und folglich der Kapitalgewinn höher als in England. Sowohl der gesetzliche als der marktgängige Zinsfuß schwankt in den verschiedenen Kolonien zwischen sechs und acht Prozent. Hoher Arbeitslohn und hoher Kapitalgewinn sind indessen vielleicht Dinge, die sich selten zusammenfinden, außer unter den ganz besonderen Umständen in neuen Kolonien. Eine neue Kolonie muss immer eine Zeit lang im Verhältnis zu ihrer Gebietsausdehnung kapitalärmer und im Verhältnis zum Umfang ihrer Kapitalien dünner bevölkert sein als andere Länder. Man hat mehr Land, als Kapital vorhanden ist, es anzubauen. Was man hat, wird deshalb nur auf die Kultur des fruchtbarsten und günstigst gelegenen Landes, des Landes an der Seeküste und an den Ufern schiffbarer Flüsse, verwendet. Auch solches Land wird oft zu einem Preise verkauft, der selbst unter dem Werte seiner wildwachsenden Produkte steht. Das zum Kaufe und zur Verbesserung solchen Landes angewandte Kapital muss einen sehr reichen Gewinn abwerfen und dadurch ermöglichen, sehr hohe Zinsen zu zahlen. Seine rasche Anhäufung bei so gewinnreichen Anlagen macht es dem Pflanzer möglich, die Zahl der arbeitenden Hände rascher zu vermehren, als sie in einer neuen Niederlassung aufzutreiben sind. Deshalb werden die vorhandenen Arbeitskräfte sehr reichlich bezahlt. Wächst die Kolonie, so werden die Kapitalgewinne stufenweise geringer. Wenn die fruchtbarsten und bestgelegenen Ländereien alle in Besitz genommen sind, so lässt sich aus der Kultur der an Boden und Lage minder begünstigten nur ein geringerer Gewinn ziehen, und für das in ihnen angelegte Kapital kann nur geringerer Zins gezahlt werden. In den meisten unserer Kolonien ist deshalb der gesetzliche wie der marktgängige Zinsfuß während des gegenwärtigen Jahrhunderts viel niedriger geworden. Je mehr der Reichtum, die Kultur und die Bevölkerung zunahmen, desto mehr fiel der Zins. Der Arbeitslohn aber sinkt nicht mit dem Kapitalgewinn. Die Nachfrage nach Arbeit wächst mit der Vermehrung des Kapitals, welchen Gewinn dasselbe auch erzielen mag; und obgleich der letztere sinkt, kann das Kapital dennoch nicht nur ohne Unterbrechung, sondern sogar noch schneller zunehmen als vorher. Es ist mit fleißigen Völkern, die in der Erwerbung von Reichtümern fortschreiten, wie mit fleißigen Einzelwesen; ein großes Kapital mit geringen Gewinnen wächst in der Regel schneller als ein kleines Kapital mit großen Gewinnen. Geld, sagt das Sprichwort, macht Geld. Hat man erst etwas gewonnen, so ist es oft leicht, mehr zu gewinnen. Die große Schwierigkeit besteht darin, etwas zu gewinnen. Der Zusammenhang zwischen der Zunahme des Kapitals und der der Gewerbstätigkeit oder der Nachfrage nach nützlicher Arbeit ist zum Teil bereits erklärt worden, soll aber später bei der Besprechung der Kapitalanhäufung noch ausführlicher behandelt werden. Die Erwerbung eines neuen Gebietes, oder das Aufkommen neuer Geschäftszweige kann zuweilen den Kapitalgewinn und mit ihm den Geldzins selbst in einem Lande, welches im Erwerb von Reichtümern rasch fortschreitet, in die Höhe treiben. Da das Kapital des Landes dann für die hinzutretende Beschäftigung, die sich durch solchen Erwerb den verschiedensten Personen darbietet, nicht mehr hinreicht, so wird es nur in denjenigen Geschäftszweigen angelegt, die den größten Gewinn bringen. Ein Teil des Kapitals, das früher in anderen Gewerben angelegt war, wird diesen notwendig entzogen, um den neuen und gewinnreicheren zugewendet zu werden. In all jenen alten Gewerben wird mithin der Wettbewerb geringer und der Markt wird mit vielen Sorten von Gütern weniger vollständig versorgt. Ihr Preis steigt notwendig mehr oder weniger, und liefert denen, die damit handeln, einen größeren Gewinn, so dass sie auch zu höheren Zinsen borgen können. Nach Beendigung des letzten Krieges borgten nicht nur Privatleute mit bestem Kredit, sondern auch einige der größten Handelsgesellschaften in London gewöhnlich zu fünf Prozent, während sie früher nicht mehr als vier oder vier und ein halb vom Hundert zu geben pflegten. Es erklärt sich dies hinlänglich aus dem durch unsere Erwerbungen in Nordamerika und Westindien entstandenen großen Zuwachs von Gebiet und Handel, ohne dass man eine Verringerung des Gesellschaftskapitals anzunehmen braucht. Ein so starker Zuwachs neuer Geschäfte, die mit dem alten Kapital betrieben wurden, musste notwendig die in vielen Geschäftszweigen, in denen die Konkurrenz geringer und der Gewinn größer geworden war, angelegte Kapitalmenge vermindern. Ich werde später Gelegenheit haben, die Gründe anzugeben, die mich zu dem Glauben bestimmen, dass der Kapitalvorrat Großbritanniens sogar durch die enormen Ausgaben des letzten Krieges nicht verringert worden ist. Wie jedoch die Verringerung des Kapitalvorrats der Gesellschaft, oder der zur Erhaltung der Gewerbtätigkeit bestimmten Fonds den Arbeitslohn ermäßigt, so steigert sie den Kapitalgewinn und dadurch den Geldzins. Infolge der Ermäßigung des Arbeitslohns können die Eigentümer der in der Gesellschaft verbliebenen Kapitalien ihre Waren mit geringeren Kosten als früher auf den Markt bringen, und da zugleich weniger Kapital auf die Versorgung des Marktes verwendet wird als zuvor, so können sie sie teurer verkaufen. Ihre Waren kosten sie weniger, und sie erhalten mehr dafür. Da ihr Gewinn sich auf beiden Seiten vermehrt, kann er auch hohe Zinsen zahlen. Die in Bengalen und den übrigen britischen Niederlassungen in Ostindien so schnell und leicht erworbenen großen Reichtümer können uns davon überzeugen, dass in diesen zugrunde gerichteten Ländern der Arbeitslohn ebenso niedrig ist, wie der Kapitalgewinn hoch. Der Geldzins ist es verhältnismäßig ebenso. In Bengalen leihen die Pächter oft zu vierzig, fünfzig und sechzig Prozent Geld, und für die Rückzahlung wird die Ernte des nächsten Jahres verpfändet. Wie die Gewinne, die einen solchen Zins abwerfen können, fast die ganze Rente des Grundbesitzers aufzehren müssen, so muss auch ein so unmäßiger Wucher den größten Teil jener Gewinne verschlingen. Vor dem Untergange der römischen Republik scheint ein wucherischer Zins derselben Art in den Provinzen unter der verderblichen Verwaltung ihrer Prokonsuln etwas Gewöhnliches gewesen zu sein. Der tugendhafte Brutus verlieh, wie wir aus Ciceros Briefen erfahren, in Cypern Geld zu achtundvierzig Prozent. In einem Lande, das den vollen Reichtum erworben hat, den es vermöge der Natur seines Bodens und Klimas und vermöge seiner Lage gegen andere Länder erwerben kann, das also nicht weiter fortschreitet, aber auch keine Rückschritte macht, würde wahrscheinlich sowohl der Arbeitslohn wie der Kapitalgewinn sehr niedrig sein. In einem im Verhältnis zu seinem Gebiet und seinen Kapitalien sehr dicht bevölkerten Lande wird die Konkurrenz um Arbeit notwendiger Weise so groß sein, um den Arbeitslohn auf das Niveau zu drücken, wo er gerade noch hinreicht, die bisherige Anzahl von Arbeitern zu erhalten; und diese Anzahl kann, da das Land schon vollkommen bevölkert ist, sich nicht weiter vermehren. In einem im Verhältnis zu all seinen Geschäften vollkommen mit Kapital versehenen Lande wird gerade so viel Kapital in jedem Gewerbszweige angelegt werden als seine Natur und Ausdehnung zulässt, und es wird der Wettbewerb so groß und folglich der Gewinn so niedrig wie möglich sein. Doch ist vielleicht bis jetzt noch kein Land zu diesem Grade der Wohlhabenheit gelangt. China scheint lange auf ein und demselben Punkte stehen geblieben zu sein, und hatte wahrscheinlich schon längst das volle Maß des Reichtums erreicht, das sich mit der Natur seiner Gesetze und Einrichtungen verträgt. Allein dieses Maß dürfte weit geringer sein als es die Natur seines Bodens, seines Klimas und seiner Lage unter anderen Gesetzen und Einrichtungen wohl zuließe. Wenn ein Land den auswärtigen Handel vernachlässigt oder verschmäht, und die Schiffe fremder Nationen nur in einen oder zwei seiner Häfen einlaufen lässt, so kann es nicht ebenso viele Geschäfte machen, als es unter anderen Gesetzen und Einrichtungen machen könnte. In einem Lande ferner, in dem zwar die Reichen oder Eigentümer großer Kapitalien große Sicherheit genießen, die Armen aber oder die Eigentümer kleiner Kapitalien fast gar keine, vielmehr jederzeit unter Vorwänden der Rechtspflege den Plünderungen und Räubereien der niederen Mandarinen ausgesetzt sind, kann die in den verschiedenen Geschäftszweigen angelegte Kapitalmenge niemals so groß sein als die Natur und Ausdehnung der Geschäfte es erlaubt. In jedem Geschäft muss die Unterdrückung des Armen das Monopol des Reichen begründen, der das ganze Geschäft an sich reißt und dadurch sehr große Gewinne machen kann. Zwölf Prozent soll demgemäß der übliche Geldzins in China sein, und der gewöhnliche Kapitalgewinn muss groß genug sein, um diesen hohen Zinsfuß möglich zu machen. Ein Fehler im Gesetze kann bisweilen den Zinsfuß weit über das Maß erhöhen, das der Zustand des Landes, sein Reichtum oder seine Armut erfordert. Wenn das Gesetz die Erfüllung von Verträgen nicht erzwingt, so setzt es alle Borger so ziemlich auf denselben Fuß mit Bankerottierern oder Leuten von zweifelhaftem Kredit in besser verwalteten Ländern. Die Ungewissheit, sein Geld wieder zu bekommen, veranlasst den Darleiher, denselben Wucherzins zu fordern, der von Bankerottierern genommen zu werden pflegt. Unter den Barbaren, die die westlichen Provinzen des römischen Reichs überschwemmten, war die Erfüllung der Verträge lange Zeit hindurch der Ehrlichkeit der kontrahierenden Teile überlassen. Die Gerichte ihrer Könige mischten sich nur selten ein. Diesem Umstande mag wohl zum Teil der hohe Zinsfuß beizumessen sein, der in jenen alten Zeiten gewöhnlich war. Verbietet das Gesetz den Zins völlig, so beseitigt es ihn damit nicht. Viele Menschen müssen borgen, und niemand wird etwas verleihen, ohne eine Vergütung für die Nutzung seines Geldes, wie sie nicht nur dem Dienste, den es leisten kann, sondern auch der Schwierigkeit und Gefahr, welche die Gesetzesumgehung verursacht, entspricht. Den hohen Zinsfuß bei allen muhamedanischen Völkern schreibt Montesquieu nicht ihrer Armut, sondern teils jener Gefahr, und teils der Schwierigkeit zu, Geld wieder zu bekommen. Der niedrigste übliche Gewinnsatz muss immer etwas größer sein als zur Ausgleichung der zufälligen Verluste, denen jede Kapitalanlage ausgesetzt ist, erfordert wird. Nur dieser Überschuss ist reiner oder Nettogewinn. Was Bruttogewinn genannt wird, schließt oft nicht nur diesen Überschuss, sondern auch die zur Ausgleichung solcher außergewöhnlichen Verluste zurückgelegte Summe in sich ein. Der Zins, den der Borger zahlen kann, richtet sich nur nach dem reinen Gewinn. Der niedrigste übliche Zinsfuß muss in gleicher Weise etwas höher sein als zur Ausgleichung der zufälligen Verluste, denen das Darleihen selbst bei gehöriger Vorsicht ausgesetzt ist, erfordert wird. Wäre er nicht höher, so könnte mir Mildtätigkeit oder Freundschaft zum Darleihen bewegen. In einem Lande, das sein volles Maß des Reichtums erworben hätte, und in dem in jedem Geschäftszweige die größte Kapitalmenge steckte, die darin angelegt werden könnte, würde sowohl der gewöhnliche Satz des reinen Gewinnes als auch der marktgängige Zinsfuß, der von jenem Gewinn bestritten werden muss, so niedrig stehen, dass es nur den reichsten Leuten möglich wäre, von den Zinsen ihres Geldes zu leben. Wer nur ein kleines oder mittelmäßiges Vermögen besäße, sähe sich genötigt, die Beschäftigung seiner Kapitalien selbst zu übernehmen; fast jeder müsste ein Geschäftsmann sein, oder irgendein Gewerbe treiben. Holland scheint sich diesem Zustand zu nähern. Es ist dort gegen den guten Ton, nicht ein Geschäftsmann zu sein. Die Notwendigkeit macht es fast jedem zur Gewohnheit, und die Gewohnheit bestimmt überall den guten Ton. Wie es lächerlich ist, sich nicht wie die anderen Leute zu kleiden, so ist es gewissermaßen lächerlich, nicht wie sie beschäftigt zu sein. Wie ein Mann, der ein bürgerliches Gewerbe treibt, in einem Lager oder einer Garnison eine schlechte Figur macht, und sogar Gefahr läuft, verlacht zu werden, so geschieht es einem Müßiggänger unter geschäftstätigen Leuten. Der höchste übliche Gewinnsatz kann ein solcher sein, dass er in dem Preise der meisten Waren alles verschlingt, was der Grundrente zufallen sollte, und nur so viel übrig lässt als zur Bezahlung der Arbeit, durch welche die Waren hergerichtet und auf den Markt gebracht werden, erforderlich ist, und zwar zu so geringer Bezahlung, wie irgend möglich, nämlich wobei nur die nackte Existenz des Arbeiters bestritten wird. Der Arbeiter muss stets auf die eine oder andere Art so lange ernährt werden, wie er bei der Arbeit ist; aber der Grundbesitzer braucht nicht immer seine Rente zu erhalten. Die Gewinne der Geschäfte, welche die Bediensteten der ostindischen Kompagnie in Bengalen treiben, dürften nicht weit von diesem Satze entfernt sein. Das Verhältnis, in welchem der marktgängige Zinsfuß zu dem gewöhnlichen Satz des Reingewinns stehen muss, ändert sich notwendig je nach dem Steigen oder Fallen des Gewinns. Doppelte Zinsen werden von den Kaufleuten in Großbritannien als ein guter, mäßiger, billiger Gewinn angesehen, – Ausdrücke, mit denen man nur einen gewöhnlichen und üblichen Gewinn meint. In einem Lande, wo der gewöhnliche Satz des Reingewinns acht bis zehn Prozent beträgt, mag es billig sein, dass bei Geschäften, die mit erborgtem Gelde getrieben werden, die Hälfte des Reingewinns als Zins abgeht. Das Risiko der Kapitalseinlage trägt der Borger, der es dem Darleiher sozusagen versichert; und vier oder fünf Prozent können in den meisten Geschäften ein hinlänglicher Gewinn für die Gefahr dieser Versicherung, sowie eine ausreichende Entschädigung für die Mühe der Beschäftigung des Kapitals sein. Indessen kann das Verhältnis zwischen den Zinsen und dem Reingewinn in Ländern, wo der gewöhnliche Gewinnsatz entweder viel niedriger oder viel höher ist, nicht das Nämliche sein. Ist er viel niedriger, so kann für den Zins vielleicht nicht die Hälfte des Reingewinns bewilligt werden; ist er viel höher, so kann weit mehr gegeben werden. In Ländern, die schnell zu Reichtum gelangen, kann der niedrige Gewinnsatz dem hohen Arbeitslohn in dem Preise vieler Waren das Gegengewicht halten, und diese Länder instand setzen, ebenso wohlfeil zu verkaufen als ihre weniger aufblühenden Nachbarn, bei denen der Arbeitslohn niedriger ist. In der Tat tragen hohe Gewinne viel mehr zur Erhöhung des Warenpreises bei als hoher Arbeitslohn. Wenn z. B. in der Leinenmanufaktur der Lohn der verschiedenen Arbeiter, der Flachszurichter, der Spinner, der Weber usw. um 2 Pence täglich erhöht wird, so braucht der Preis eines Stückes Leinwand nur so vielmal um zwei Pence erhöht zu werden als die Zahl der damit beschäftigten Leute, multipliziert mit der Zahl der dabei zugebrachten Tage beträgt. Derjenige Teil des Warenpreises, welcher sich in Arbeitslohn auflöst, würde durch alle Stufen der Bearbeitung nur nach arithmetischem Verhältnis zu jener Lohnerhöhung steigen. Wenn dagegen die Gewinne aller Arbeitgeber um fünf Prozent steigen sollten, würde derjenige Teil des Warenpreises, der sich in Gewinn auflöst, durch alle Stufen der Bearbeitung im geometrischen Verhältnis zu jener Gewinnerhöhung steigen. Der Arbeitgeber der Flachszurichter würde beim Verkauf seines Flachses einen weiteren Gewinn von fünf Prozent auf den ganzen Wert des Materials und des den Arbeitern vorgeschossenen Lohns fordern. Der Arbeitgeber der Spinner würde sowohl auf den vorgeschossenen Preis des Flachses, wie auf den Lohn der Spinner weitere fünf Prozent, und der Arbeitgeber der Weber auf den vorgeschossenen Preis des Leinengarns und den Lohn der Weber ebenfalls fünf Prozent haben wollen. Das Steigen des Arbeitslohns wirkt auf die Erhöhung des Warenpreises ebenso, wie einfache Zinsen auf die Anhäufung einer Schuld; das Steigen des Gewinnes aber wirkt wie Zinseszins. Unsere Kaufleute und Fabrikherren klagen viel über die schlimmen Wirkungen der hohen Löhne auf die Erhöhung der Preise und die daraus folgende Verminderung des Absatzes im In- und Auslande. Sie sagen aber nichts von den schlimmen Wirkungen hohen Kapitalgewinns. Von den verderblichen Folgen der Vorteile, die ihnen zufließen, schweigen sie und klagen nur über die, die anderen zufallen. Zehntes Kapitel Lohn und Gewinn in den verschiedenen Verwendungen der Arbeit und des Kapitals Im Ganzen müssen die Vorteile oder Nachteile bei den verschiedenen Verwendungen der Arbeit und des Kapitals in der nämlichen Gegend entweder ganz gleich sein, oder doch beständig nach Ausgleichung streben. Wäre in der nämlichen Gegend irgendeine Verwendung offenbar mit mehr oder weniger Vorteil verknüpft als die übrigen Verwendungen, so würden in dem einen Falle sich so viele Leute dazu drängen, und in dem andern so viele sie aufgeben, dass ihre Vorteile bald auf das Niveau der übrigen kämen. Dies würde wenigstens in einer Gesellschaft der Fall sein, wo man den Dingen ihren natürlichen Lauf ließe, wo vollkommene Freiheit waltete, und wo es jedermann frei stände, sowohl seine Beschäftigung nach Belieben zu wählen, wie sie so oft zu wechseln als es ihm gut dünkt. Jeden würde sein Interesse bestimmen, vorteilhafte Geschäfte zu suchen und unvorteilhafte zu meiden. Geldlohn und Geldgewinn sind freilich in Europa überall je nach den verschiedenen Verwendungen von Arbeit und Kapital äußerst verschieden. Allein diese Verschiedenheit rührt teils von gewissen Umständen in den Verwendungen selbst her, die entweder wirklich oder wenigstens in der Einbildung der Einzelnen bei den einen den geringen Geldgewinn ersetzen, und bei den anderen einen großen Geldgewinn aufwiegen; teils von der Politik Europas, die nirgends den Dingen vollständige Freiheit lässt. Die gesonderte Betrachtung dieser Umstände und jener Politik scheidet dieses Kapitel in zwei Abteilungen. Erste Abteilung Verschiedenheiten, die aus der Natur der Verwendungen selbst entspringen Die folgenden fünf Umstände sind es, soweit ich beobachten konnte, hauptsächlich, die einen geringen Geldgewinn in einigen Geschäften ersetzen, und einen großen in anderen auf wiegen: erstens die Annehmlichkeit oder Unannehmlichkeit der Geschäfte selbst; zweitens die Leichtigkeit und Wohlfeilheit, oder die Schwierigkeit und Kostspieligkeit, sie zu erlernen; drittens die Beständigkeit oder Unbeständigkeit der Arbeit in ihnen; viertens das geringe oder große Vertrauen, welches man auf die Leute setzen muss, die das Geschäft ausüben, und fünftens die Wahrscheinlichkeit oder Unwahrscheinlichkeit eines Erfolgs in ihnen. Erstens, der Arbeitslohn schwankt, je nachdem das Geschäft leicht oder schwer, reinlich oder unreinlich, ehrenvoll oder verachtet ist. So verdient an den meisten Orten ein Schneidergeselle im ganzen Jahre weniger als ein Webergeselle: weil seine Arbeit leichter ist. Ein Webergeselle verdient weniger als ein Schmiedegeselle: weil seine Arbeit zwar nicht immer leichter, aber viel reinlicher ist. Ein Schmiedegeselle, obgleich ein gelernter Handwerker, verdient in zwölf Stunden kaum so viel, wie ein Bergmann, der nur ein Tagelöhner ist, in acht: weil seine Arbeit nicht ganz so schmutzig und weniger gefährlich ist, auch bei Tageslicht und über der Erde verrichtet wird. Die Ehre macht bei allen ehrenvollen Gewerben ein gut Teil der Belohnung aus. Vom Gesichtspunkte des Geldgewinns werden sie, wie ich gleich zeigen werde, im Allgemeinen zu schlecht bezahlt. Die Anrüchigkeit hat eine entgegengesetzte Wirkung. Das Gewerbe eines Fleischers hat etwas Rohes und Abstoßendes; aber es ist an den meisten Orten gewinnbringender als die meisten anderen Geschäfte. Das abscheulichste von allen Geschäften, das des Scharfrichters, wird im Verhältnis zu der Arbeitsmenge, die es erfordert, besser bezahlt als irgendein anderes gewöhnliches Geschäft. Jagd und Fischfang, die wichtigsten Beschäftigungen der Menschen im rohen Zustande der Gesellschaft, werden im zivilisierten Zustande ihre angenehmsten Vergnügungen, und sie treiben dann zum Zeitvertreib, was sie früher aus Not taten. Im gesitteten Zustande der Gesellschaft sind es deshalb nur Arme, die aus dem, was anderen zum Zeitvertreib dient, ein Gewerbe machen. Die Fischer waren arm seit der Zeit Theokrits.[6 - S. Idylle 21.] Ein Wildschütz in Großbritannien ist stets ein ganz armer Mann. In allen Ländern, wo die Strenge der Gesetze keine Wildschützen duldet, befindet sich der berechtigte Jäger in keiner viel besseren Lage. Aus natürlicher Lust an diesen Beschäftigungen widmen sich ihnen mehr Menschen, als bequem davon leben können, und das Produkt ihrer Arbeit kommt im Verhältnis zu ihrer Menge immer zu wohlfeil zu Markte, um den Arbeitern mehr als das kärglichste Auskommen zu verschaffen. Widerwärtigkeit und Anrüchigkeit des Geschäfts berührt den Kapitalgewinn ebenso, wie den Arbeitslohn. Der Inhaber einer Schenke oder Kneipe, der nie Herr in seinem eigenen Hause und der Brutalität jedes Trunkenbolds ausgesetzt ist, treibt weder ein sehr angenehmes, noch ein sehr geachtetes Geschäft. Aber es gibt kaum ein gewöhnliches Gewerbe, bei dem ein kleines Kapital so großen Gewinn abwirft. Zweitens, der Arbeitslohn schwankt je nach der Leichtigkeit und Wohlfeilheit, oder der Schwierigkeit und Kostspieligkeit, das Geschäft zu erlernen. Wenn eine kostspielige Maschine errichtet ist, wird die durch sie gelieferte ungemein umfangreiche Arbeit das für ihre Herstellung bis zu ihrer Abnutzung ausgelegte Kapital wenigstens mit den gewöhnlichen Gewinnen wieder ersetzen müssen. Ein Mensch, der mit viel Arbeit und Zeit zu einem der Geschäfte erzogen wurde, die ungewöhnliche Fertigkeit und Geschicklichkeit erfordern, kann mit einer solchen kostspieligen Maschine verglichen werden. Die erlernte Arbeit wird, wie zu erwarten ist, ihm über den üblichen Lohn für gemeine Arbeit alle Kosten seiner Erziehung wenigstens mit dem gewöhnlichen Gewinn eines gleich wertvollen Kapitals wieder ersetzen. Auch muss dies in Anbetracht der höchst ungewissen Dauer des menschlichen Lebens, wie der gewisseren Dauer einer Maschine, in angemessener Zeit geschehen. Der Unterschied zwischen den Löhnen erlernter und gewöhnlicher Arbeit beruht auf diesem Grundsatze. Die europäische Gewerbepolitik betrachtet die Arbeit aller Künstler, Handwerker und Fabrikarbeiter als gelernte Arbeit, und die der ländlichen Arbeiter als gemeine Arbeit. Hierbei scheint vorausgesetzt zu werden, dass die Arbeit der Ersteren eigener und feiner sei als die der Letzteren, In manchen Fällen mag es so sein, in den meisten aber ist es, wie ich sogleich zeigen werde, ganz anders. Die europäischen Gesetze und Gewohnheiten legen daher, um jemanden zur Ausübung der einen Art von Arbeit zu befähigen, ihm den Zwang einer Lehrzeit auf, obwohl nicht überall mit gleicher Strenge. Die andere Art Arbeit lassen sie für jedermann frei und offen. Während der Dauer der Lehrzeit gehört die ganze Arbeit des Lehrlings dem Meister. Häufig muss er auch von seinen Eltern oder Verwandten beköstigt, und fast immer von ihnen gekleidet werden. Auch wird dem Meister gewöhnlich eine Geldsumme dafür bezahlt, dass er ihn sein Gewerbe lehrt. Wer kein Geld geben kann, gibt Zeit, d. h. er bindet sich auf mehr als die gewöhnliche Zahl von Jahren – ein Abkommen, das zwar wegen der gewöhnlichen Trägheit der Lehrlinge für den Meister nicht immer von Vorteil, für den Lehrling aber stets von Nachteil ist. In der ländlichen Arbeit erlernt dagegen der Arbeiter, während er mit den leichteren Teilen des Geschäfts zu tun hat, seine schwereren Teile und verdient auf allen Stufen seiner Beschäftigung durch eigene Arbeit seinen Unterhalt. Darum ist es auch billig, dass in Europa der Lohn der Künstler, Handwerker und Fabrikarbeiter etwas höher sei als der der gemeinen Arbeiter. Er ist es auch in der Tat, und wegen ihres größeren Gewinnes sieht man die städtischen Arbeiter vielfach als eine höhere Volksklasse an. Doch ist der Vorrang gewöhnlich sehr gering; der tägliche oder wöchentliche Verdienst eines Gesellen in den gewöhnlichen Gewerbszweigen, wie z. B. in den Fabriken der groben Leinen- und Wollenzeuge, beträgt an den meisten Orten durchschnittlich wenig mehr als der Tagelohn gemeiner Arbeiter. Freilich ist ihre Beschäftigung stetiger und gleichmäßiger, und die Summe ihres Verdienstes mag, das ganze Jahr zusammengenommen, etwas größer sein. Aber höher scheint sie sich offenbar nicht zu belaufen als dass sie gerade die höheren Kosten der Ausbildung deckt. In den freien Künsten und gelehrten Berufsarten ist die Erziehung noch langwieriger und kostspieliger. Die Belohnung der Maler und Bildhauer, der Juristen und Ärzte in Geld muss deshalb eine viel reichlichere sein, und ist es in der Tat. Der Gewinn des Kapitals scheint durch die Leichtigkeit oder Schwierigkeit der Erlernung des Geschäfts, in das Kapital gesteckt wird, nur sehr wenig berührt zu werden. Die verschiedenen Arten, wie Kapital in großen Städten gewöhnlich angelegt wird, scheinen in der Tat fast gleich leicht oder gleich schwer zu erlernen. Der eine Zweig des auswärtigen oder inneren Handels kann nicht wohl ein verwickelteres Geschäft sein als der andere. Drittens, der Arbeitslohn in den verschiedenen Beschäftigungen schwankt je nach der Beständigkeit oder Unbeständigkeit der Beschäftigung. Die Beschäftigung ist in einem Gewerbe viel beständiger als in anderen. In den meisten Gewerben kann ein Geselle fast sicher sein, alle Tage des Jahres Beschäftigung zu finden, wenn er arbeitsfähig ist. Ein Maurer dagegen kann weder bei hartem Frost, noch bei schlechtem Wetter arbeiten, und seine Beschäftigung hängt zu allen andern Zeiten von den zufälligen Bestellungen seiner Kunden ab; er ist folglich oft der Gefahr ausgesetzt, ohne Arbeit zu sein. Sein Verdienst, so lange er beschäftigt ist, muss ihm daher nicht nur für die Zeit, in der er nichts zu tun hat, den Unterhalt verschaffen, sondern ihn auch einigermaßen für jene Augenblicke der Angst und des Kleinmuts schadlos halten, die der Gedanke an eine so prekäre Lage bisweilen in ihm erwecken muss. Während demgemäß der Gesamtverdienst der meisten industriellen Arbeiter auf den Tag berechnet nicht viel mehr als den Tagelohn gemeiner Arbeit beträgt, ist der Lohn der Maurer gewöhnlich anderthalb oder noch einmal so hoch. Wo gemeine Arbeiter vier oder fünf Schilling die Woche verdienen, verdienen Maurer oft sieben bis acht; wo die ersteren sechs, da verdienen die letzteren oft neun bis zehn, und wo die ersteren neun bis zehn verdienen, wie in London, verdienen die letzteren in der Regel fünfzehn bis achtzehn. Dennoch scheint keine Art gelernter Arbeit leichter zu erlernen als die der Maurer. In London sollen zuweilen die Sänftenträger während des Sommers als Maurer beschäftigt sein. Mithin ist der hohe Lohn dieser Arbeiter nicht sowohl eine Belohnung für ihre Geschicklichkeit als eine Entschädigung für die Unbeständigkeit ihres Erwerbs. Ein Zimmermann scheint noch eher ein eigneres und künstlicheres Gewerbe zu treiben als ein Maurer. Dennoch ist sein Tagelohn an den meisten Orten etwas niedriger. Seine Beschäftigung hängt zwar auch stark von den zufälligen Bestellungen seiner Kunden ab, aber doch nicht so völlig, und ist der Gefahr nicht ausgesetzt, durch das Wetter unterbrochen zu werden. Wenn Gewerbe, die in der Regel unausgesetzte Beschäftigung bieten, dies an bestimmten Orten nicht tun, so steigt der Lohn der Arbeiter immer ein gut Teil über ihr gewöhnliches Verhältnis zum Lohn gemeiner Arbeit. In London können fast alle Handwerksgesellen gerade so wie Tagelöhner an anderen Orten, von ihren Meistern von Tag zu Tag oder von Woche zu Woche angenommen oder entlassen werden. Die niedrigste Klasse der Handwerker, die Schneidergesellen, verdienen demgemäß dort eine halbe Krone (2 ½ Schilling) täglich, während als Tagelohn für gemeine Arbeit nur achtzehn Pence gerechnet werden. In kleinen Städten und auf dem Lande kommt der Lohn der Schneidergesellen oft kaum dem für gemeine Arbeit gleich; in London aber sind sie oft viele Wochen ohne Beschäftigung, besonders im Sommer. Wenn zu der Unbeständigkeit der Beschäftigung noch die Schwierigkeit, Unannehmlichkeit und Unreinlichkeit der Arbeit kommt, so erhöht dies bisweilen den Lohn der gemeinsten Arbeit über den der geschicktesten Handwerker. Ein Bergmann, der im Gedinge arbeitet, soll in Newcastle gewöhnlich doppelt, und in manchen Teilen Schottlands dreimal so viel verdienen als der Tagelohn für gemeine. Arbeit beträgt. Sein hoher Lohn entspringt aus der Schwierigkeit, Unannehmlichkeit und Unreinlichkeit seiner Arbeit zugleich. Die Dauer seiner Beschäftigung hängt dagegen fast ganz von ihm selbst ab. Die Kohlenträger in London treiben ein Geschäft, das an Schwierigkeit, Schmutz und Unannehmlichkeit dem der Bergleute fast gleichkommt, und ihre Beschäftigung ist wegen der unvermeidlichen Unregelmäßigkeit im Anlangen der Kohlenschiffe meist sehr unbeständig. Wenn daher die Bergleute doppelt und dreimal so viel verdienen als für gemeine Arbeit bezahlt wird, so dürfte es nicht unbillig erscheinen, dass Kohlenträger zu Zeiten vier bis fünfmal so viel verdienen. In der Untersuchung, welche man vor einigen Jahren über ihre Lage anstellte, ergab sich, dass sie nach dem Satze, nach welchem sie damals bezahlt wurden, sechs bis zehn Schilling des Tages verdienen konnten. Sechs Schilling sind etwa viermal so viel, wie der Lohn für gemeine Arbeit in London, und in jedem Geschäft kann der niedrigste gewöhnliche Verdienst stets als der der Mehrzahl angesehen werden. So übermäßig jener Verdienst auch erscheinen mag, so würde doch, wenn er mehr als hinreichend wäre, um alle die unangenehmen Umstände des Geschäfts auszugleichen, in einem Gewerbe, das kein ausschließliches Privilegium hat, bald ein so großer Zufluss von Mitbewerbern eintreten, dass der Verdienst bald auf einen niedrigeren Satz zurückschnellen würde. Die Beständigkeit oder Unbeständigkeit der Beschäftigung kann auf den gewöhnlichen Kapitalgewinn in einem Geschäftszweige keinen Einfluss üben. Ob das Kapital beständig verwendet wird oder nicht, hängt nicht vom Geschäft, sondern vom Geschäftstreibenden ab. Viertens, der Arbeitslohn schwankt je nach dem größeren oder geringeren Vertrauen, das in den Arbeiter gesetzt werden muss. Der Lohn der Goldschmiede und Juweliere ist überall höher als der vieler anderer Arbeiter, nicht allein von gleicher, sondern von weit höherer Begabung: nämlich wegen der kostbaren Materialien, die ihnen an vertraut werden. Dem Arzte vertrauen wir unsere Gesundheit, dem Sachwalter und Advokaten unser Vermögen und mitunter unser Leben und unsern guten Ruf an. Ein solches Vertrauen könnte man nicht mit Sicherheit auf Leute setzen, die sich in einer sehr mittelmäßigen oder schlechten Lage befinden. Darum muss ihre Belohnung der Art sein, dass sie ihnen den gesellschaftlichen Rang verschafft, den ein so großes Vertrauen erfordert. Wird zu diesem Umstande noch die lange Zeit und die Kostspieligkeit ihrer Erziehung gerechnet, so muss dies notwendig den Preis ihrer Arbeit noch mehr erhöhen. Legt jemand nur sein eigenes Kapital in einem Geschäfte an, so kann von einem in ihn gesetzten Vertrauen keine Rede sein, und der Kredit, den er bei anderen Leuten findet, hängt nicht von der Natur seines Geschäfts, sondern von der Meinung ab, welche sie von seinem Glück, seiner Rechtschaffenheit und Klugheit hegen. Die verschiedenen Gewinnsätze in den verschiedenen Geschäftszweigen können also nicht aus den verschiedenen Graden des Vertrauens entspringen, das man auf die Geschäftstreibenden setzt. Fünftens, der Arbeitslohn in den mancherlei Beschäftigungen schwankt je nach der Wahrscheinlichkeit oder Unwahrscheinlichkeit des Erfolgs in ihnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass jeder zu dem Geschäft, das er erlernt hat, sich auch befähigt zeigen werde, ist in den verschiedenen Erwerbszweigen sehr verschieden. Bei den meisten Handwerkern ist der Erfolg fast sicher; äußerst unsicher hingegen ist er in den freien Berufsarten. Gib deinen Sohn zu einem Schuhmacher in die Lehre, und es unterliegt kaum einem Zweifel, dass er ein Paar Schuhe machen lernen wird; lass ihn aber die Rechte studieren, und es steht zwanzig gegen eins, ob er so weit kommen wird, von seinem Beruf leben zu können. In einer ganz ehrlichen Lotterie müssten die, welche die Treffer ziehen, den ganzen Verlust derer, auf die die Nieten fallen, gewinnen. In einer Berufsart, wo zwanzig ihr Ziel verfehlen, während nur einer es erreicht, müsste dieser eine alles gewinnen, was die verunglückten Zwanzig gewonnen haben sollten. Der Anwalt, der vielleicht erst im vierzigsten Jahre anfängt, aus seinem Beruf einigen Erwerb zu ziehen, würde die Vergütung nicht allein für seine eigene so langwierige und kostspielige Erziehung, sondern auch für die der zwanzig andern erhalten müssen, die wahrscheinlich niemals durch ihren Beruf etwas erwerben werden. So übermäßig auch die Gebühren des Anwalts zuweilen erscheinen mögen, so erreicht ihre wirkliche Bezahlung doch niemals diese Höhe. Man berechne für einen bestimmten Ort, wie viel die Arbeiter in einem gewöhnlichen Geschäft, z. B. in dem Schuhmacher- oder Weberhandwerk jährlich ungefähr gewinnen, und wie viel sie jährlich ausgeben, so wird man finden, dass die erstere Summe gewöhnlich größer ist als die letztere. Man mache aber dieselbe Berechnung bei allen Anwälten und denen, die es werden wollen, und man wird finden, dass ihre jährlichen Gewinne zu ihren jährlichen Ausgaben in umgekehrtem Verhältnis stehen, auch wenn man die ersteren so hoch und die letzteren so niedrig als möglich anschlägt. Folglich ist die Lotterie der Juristerei sehr weit davon entfernt, eine ganz ehrliche Lotterie zu sein; und dieser wie viele andere freie und ehrenvolle Berufe werden vom Gesichtspunkte des Geldgewinns aus offenbar zu schlecht bezahlt. Diese Berufsarten halten gleichwohl den übrigen die Waage, und die besten und strebsamsten Köpfe drängen sich trotz dieser entmutigenden Umstände mit Eifer zu ihnen. Zu ihrer Empfehlung dient zweierlei: erstens das Verlangen nach dem Ansehen, welches denen zu Teil wird, die es in ihrem Beruf zu etwas Hervorragendem bringen, und zweitens das natürliche Vertrauen, das jeder mehr oder weniger auf seine Fähigkeiten und sein gutes Glück setzt. In einem Berufe hervorzuragen, in welchem es nur wenige zur Mittelmäßigkeit bringen, ist der entscheidendste Beweis von dem, was man Genie oder höhere Talente nennt. Die allgemeine Bewunderung, die so hervorragenden Fähigkeiten zuteilwird, macht immer, je nach dem Grade des Ansehens, einen größeren oder kleineren Teil ihrer Belohnung aus. Einen erheblichen Teil der Belohnung bildet sie in dem Berufe eines Arztes; einen noch größeren vielleicht in dem eines Anwalts; beinahe die ganze Belohnung aber macht sie bei Dichtern und Philosophen aus. Es gibt einige höchst angenehme und schöne Talente, die ihrem Besitzer eine gewisse Bewunderung eintragen, deren Ausübung für Geld aber, sei es mit Recht oder aus Vorurteil, für eine Art von öffentlicher Selbstentwürdigung angesehen wird. Darum muss der Geldlohn derjenigen, die von ihnen in dieser Weise Gebrauch machen, groß genug sein, um sie nicht bloß für die auf die Ausbildung ihrer Talente verwendete Zeit, Arbeit und Kosten, sondern auch für die Geringschätzung, welche mit ihrer Verwertung als Unterhaltsmittel verknüpft ist, schadlos zu halten. Die übermäßigen Gehalte der Schauspieler, Opernsänger, Operntänzer u. s. w. beruhen auf diesen beiden Gründen: auf der Seltenheit und Schönheit ihrer Talente, und auf der Geringschätzung, mit der man ihre Verwertung betrachtet. Es scheint beim ersten Anblick abgeschmackt, dass wir ihre Personen verachten und ihre Talente doch mit der verschwenderischsten Freigebigkeit belohnen. Aber gerade, weil wir das eine tun, müssen wir notwendig auch das andere tun. Sollte sich einmal die öffentliche Meinung oder das Vorurteil über diese Erwerbsarten ändern, so würde sich ihre Geldbelohnung bald verringern. Es würden sich dann mehr Leute darauf legen, und der Wettbewerb würde den Preis der Arbeit schnell herunterdrücken. Denn wenn solche Talente auch durchaus nicht gewöhnlich sind, so sind sie doch keineswegs so selten als man es denkt. Viele, die es verschmähen, davon Gebrauch zu machen, besitzen sie in großer Vollkommenheit, und viele andere würden fähig sein, sie zu erwerben, wenn sich daraus mit Ehren etwas erzielen ließe. Der übertriebene Begriff der meisten Menschen von ihren Fähigkeiten ist ein altes Übel, auf das von den Denkern und Sittenlehrern aller Zeiten hingewiesen wird. Ihre alberne Einbildung auf ihr gutes Glück hat man weniger beachtet, und doch ist diese womöglich noch allgemeiner. Es gibt keinen Menschen, der, so lange er leidlich gesund und wohlauf ist, nicht seinen Teil davon hätte. Die Aussicht auf Gewinn wird von jedermann mehr oder weniger überschätzt, die Chance des Verlustes aber von den meisten zu gering und kaum von irgendjemandem, so lange er leidlich gesund und wohlgemut ist, nach ihrem wahren Wert angeschlagen. Dass die Aussicht auf Gewinn überschätzt wird, kann man aus dem allgemeinen Erfolg der Lotterien ersehen. Eine vollkommen ehrliche Lotterie, wobei der ganze Gewinn dem ganzen Verlust gleichkommt, ist nie dagewesen und wird nie vorkommen, sonst hätte der Unternehmer keinen Vorteil davon. In den Staatslotterien sind die Lose tatsächlich den Preis nicht wert, den die Abnehmer dafür zahlen, und dennoch werden sie im Handel gewöhnlich noch mit einem Aufschlag von zwanzig, dreißig und mitunter vierzig Prozent verkauft. Die eitle Hoffnung, einen der großen Gewinne zu treffen, ist die alleinige Ursache dieser Nachfrage. Selbst die nüchternsten Leute sehen darin selten eine Torheit, eine kleine Summe für die Aussicht zu bezahlen, dass man zehn oder zwanzig tausend Pfund gewinnen kann, und doch weiß man, dass auch die kleine Summe vielleicht zwanzig bis dreißig Prozent mehr beträgt als die Gewinnwahrscheinlichkeit wert ist. In einer Lotterie, in welcher kein Gewinn mehr als zwanzig Pfund betrüge, würde, auch wenn sie in anderer Hinsicht einer vollkommen ehrlichen weit näher käme als die gewöhnlichen Staatslotterien, doch nicht eine gleiche Nachfrage nach Losen stattfinden. Um mehr Aussicht auf einen der großen Gewinne zu haben, kaufen Manche mehrere Lose und andere kleine Anteile an vielen Losen. Und doch gibt es keinen gewisseren mathematischen Satz als den, dass die Wahrscheinlichkeit zu verlieren, umso größer ist, auf je mehr Lose man setzt. Besetze alle Lose in der Lotterie, und du wirst gewiss verlieren; und je größer die Zahl deiner Lose ist, desto näher kommst du der Sicherheit des Verlustes. Dass die Verlust-Wahrscheinlichkeit oft zu gering und fast nie so hoch angeschlagen wird als sie es verdient, ersieht man aus dem sehr mäßigen Gewinne der Versicherer. Soll das Versichern gegen Feuers- oder Seegefahr überhaupt ein Geschäft sein, so muss die gewöhnliche Prämie hinreichen, die gewöhnlichen Verluste zu decken, die Kosten der Verwaltung zu tragen und einen solchen Gewinn zu liefern, wie ihn ein in jedem andern Geschäft angelegtes gleiches Kapital abwerfen müsste. Wer nicht mehr als dies bezahlt, bezahlt offenbar nur den wirklichen Wert der Gefahr, oder den niedrigsten Preis, zu welchem diese zu versichern er billiger Weise erwarten kann. Wenn nun aber auch viele durch Versicherung einiges Geld gewonnen haben, so haben doch nur sehr wenige ein großes Vermögen damit gemacht; und schon aus diesem Umstande ergibt sich klar genug, dass die gewöhnliche Bilanz von Gewinn und Verlust in diesem Geschäft nicht vorteilhafter ist als in anderen gewöhnlichen Gewerben, durch die so viele Leute Vermögen erworben. So mäßig auch die Versicherungsprämie gewöhnlich ist, so schätzen doch viele die Gefahr zu gering, als dass sie Lust hätten, sie zu bezahlen. Im ganzen Königreich sind durchschnittlich unter zwanzig Häusern neunzehn, oder vielleicht unter hundert neunundneunzig gegen Feuersgefahr nicht versichert. Die Seegefahr ist für die meisten Leute beunruhigender, und das Verhältnis der versicherten zu den unversicherten Schiffen ist weit größer. Dennoch gehen zu allen Jahreszeiten und selbst in Kriegszeiten viele ohne Versicherung in See. Mitunter geschieht dies vielleicht nicht aus Unvorsichtigkeit. Wenn eine große Gesellschaft oder auch ein reicher Kaufmann zwanzig oder dreißig Schiffe auf dem Meere hat, so versichert sozusagen eines das andere. Die auf alle gesparte Prämie kann Verluste, wie sie im gewöhnlichen Laufe der Dinge wahrscheinlich eintreten, reichlich ausgleichen. Aber in den meisten Fällen ist die Vernachlässigung der Versicherung der Schiffe, gleich der der Häuser, nicht der Effekt einer so feinen Berechnung, sondern lediglich gedankenlose oder vermessene Verachtung der Gefahr. Die Verachtung der Gefahr und die vermessene Hoffnung auf Erfolg sind in keiner Periode des Lebens reger als in dem Alter, in welchem junge Leute ihren Beruf wählen. Wie wenig dann die Furcht vor Missgeschick imstande ist, der Hoffnung auf gutes Glück die Waage zu halten, zeigt sich noch klarer in der Bereitwilligkeit gewöhnlicher Leute, sich als Soldaten oder zum Seedienst einschreiben zu lassen, als in dem Eifer junger Leute besseren Standes, in die sogenannten freien Berufsarten einzutreten. Was ein gemeiner Soldat verlieren kann, ist deutlich genug. Dennoch lassen sich junge Freiwillige, ohne der Gefahr zu achten, zu keiner Zeit so gern anwerben als beim Beginn eines neuen Krieges; und obgleich sie kaum irgendwelche Aussicht auf Beförderung haben, spiegeln sie sich in ihrer jugendlichen Phantasie doch tausend Gelegenheiten, Ehre und Auszeichnung zu gewinnen, vor, die niemals eintreffen. Diese romantischen Hoffnungen sind der ganze Preis, für den sie ihr Blut verkaufen. Ihr Sold ist geringer als der Lohn gewöhnlicher Arbeiter, und im aktiven Dienst sind ihre Beschwerden weit größer. Die Lotterie der Marine ist nicht ganz so unvorteilhaft als die des Landdienstes. Der Sohn eines geachteten Arbeiters oder Handwerkers geht oft mit väterlicher Einwilligung zur See; lässt er sich aber als Soldat an werben, so geschieht es immer ohne sie. Auch andere Leute sehen einige Möglichkeit, im ersten Beruf Glück zu machen; im andern sieht keiner als allein der Betreffende eine solche Chance. Der große Admiral ist weniger ein Gegenstand öffentlicher Bewunderung als der große General, und der glücklichste Erfolg im Seedienst verspricht ein weniger glänzendes Vermögen und Ansehen als ein gleicher Erfolg auf dem Lande. Derselbe Unterschied zieht sich durch alle unteren Rangstufen beider Dienste. Nach den Ranglisten steht ein Kapitän in der Flotte einem Obersten in der Armee gleich; aber in der gemeinen Schätzung steht er ihm nicht gleich. Da die großen Gewinne in der Lotterie geringer sind, müssen die kleineren desto zahlreicher sein. Daher gewinnen auch gemeine Matrosen öfter einiges Vermögen und Beförderung als gemeine Soldaten; und die Hoffnung auf diese Gewinne ist es, was dieses Gewerbe hauptsächlich empfiehlt. Obgleich die Geschicklichkeit und Fertigkeit der gemeinen Matrosen weit größer ist als die fast jedes Handwerkers, und obgleich ihr ganzes Leben eine fortlaufende Reihe von Mühseligkeiten und Gefahren ist, erhalten sie doch, so lange sie gemeine Matrosen bleiben, für alle diese Geschicklichkeit und Fertigkeit, für alle diese Mühseligkeiten und Gefahren kaum eine andere Belohnung als das Vergnügen, jene üben und diese überwinden zu können. Ihr Lohn ist nicht größer als der gemeiner Arbeiter an dem Hafen, in dem der Lohn des Matrosen bedungen wird. Da sie beständig von Hafen zu Hafen gehen, so gleichen die monatlichen Löhne derer, welche aus allen Häfen Großbritanniens absegeln, einander viel mehr als der Lohn anderer Arbeiter an diesen verschiedenen Orten; und der Lohnsatz des Hafenplatzes, von und nach welchem die meisten segeln, d. h. des Hafens von London, bestimmt den Satz für alle übrigen. In London beträgt der Lohn der meisten Arbeiterklassen etwa das Doppelte des Lohns, den sie in Edinburgh erhalten. Aber die Matrosen, die aus dem Hafen von London segeln, verdienen selten über drei oder vier Schilling monatlich mehr als die, welche aus dem Hafen von Leith abfahren, und oft ist der Unterschied nicht einmal so groß. In Friedenszeiten und in der Handelsmarine schwankt der Londoner Preis zwischen einer Guinee und etwa siebenundzwanzig Schilling für den Kalendermonat. Ein gemeiner Arbeiter kann in London, nach dem Satze von neun oder zehn Schilling die Woche, zwischen vierzig und fünfundvierzig Schilling im Kalendermonat verdienen. Freilich erhält der Matrose außer seinem Lohn noch Kost; aber ihr Wert wird wohl nicht immer den Unterschied zwischen seiner Bezahlung und der gemeiner Arbeiter übersteigen, und wenn es mitunter der Fall, ist dieses Mehr doch für den Matrosen kein reiner Gewinn, weil er es nicht mit Weib und Kind teilen kann, die er daheim von seinem Lohne erhalten muss. Die dem Abenteurerleben so eigenen Gefahren und Errettungen bei eines Haares Breite scheinen, anstatt die jungen Leute zu entmutigen, ihnen vielmehr oft ein Gewerbe reizvoll zu machen. Eine zärtliche Mutter aus den unteren Volksklassen fürchtet oft schon, ihren Sohn in einer Hafenstadt zur Schule zu schicken, aus Besorgnis, dass der Anblick der Schiffe und die Gespräche und Abenteuer der Matrosen ihn zum Seedienst verlocken möchten. Die entfernte Aussicht auf Gefahren, aus denen wir durch Mut und Gewandtheit uns zu befreien hoffen können, ist uns nicht unangenehm, und steigert den Arbeitslohn in keinem Geschäfte. Anders verhält es sich mit Gefahren, gegen die Mut und Gewandtheit nichts nützen. In Gewerben, die als sehr ungesund bekannt sind, ist der Arbeitslohn immer ziemlich hoch. Ungesundheit ist eine Widerwärtigkeit, und ihr Einfluss auf den Arbeitslohn ist unter diese allgemeine Rubrik einzureihen. Bei allen Kapitalanlagen schwankt der gewöhnliche Gewinnsatz mehr oder weniger, je nach der Gewissheit oder Ungewissheit des Wiedereingangs. Dieser ist im Allgemeinen im inneren Handel weniger ungewiss als im auswärtigen, und in einigen Zweigen des auswärtigen weniger als in anderen: so z. B. in dem Handel nach Nordamerika weniger als in dem nach Jamaika. Der gewöhnliche Gewinnsatz steigt stets mehr oder weniger mit der Gefahr; doch scheint er nicht in genauem Verhältnis mit ihr oder so, dass er sie völlig ausgleicht, zu steigen. Bankrotte sind in den gefährlichsten Handelszweigen am häufigsten. Das gefährlichste aller Gewerbe, das eines Schmugglers, führt, obgleich es im Falle des Gelingens wahrscheinlich das gewinnreichste ist, ganz sicher zum Bankrott. Die vermessene Hoffnung auf Erfolg scheint hier ebenso zu wirken, wie in allen anderen Fällen, und in diese gefährlichen Gewerbe so viele Abenteurer zu verlocken, dass der Wettbewerb ihren Gewinn tiefer drückt als zur Ausgleichung der Gefahr geschehen dürfte. Um sie vollständig auszugleichen, müsste der gewöhnliche Ertrag außer dem üblichen Kapitalgewinn nicht nur alle zufälligen Einbußen decken, sondern den Abenteurern auch eine Art Versicherungsprämie als Überschuss abwerfen. Wäre der gewöhnliche Ertrag für dies alles zureichend, so würden Bankrotte in diesem Gewerbe nicht häufiger sein als in anderen. Von den fünf Umständen, welche den Arbeitslohn verschieden gestalten, berühren also nur zwei den Kapitalgewinn: nämlich die Annehmlichkeit oder Unannehmlichkeit des Geschäfts und die Gefahr oder Sicherheit, welche mit ihm verbunden ist. Was die Annehmlichkeit oder Unannehmlichkeit betrifft, so ist der Unterschied in dem bei weitem größeren Teile der Kapitalanlagen gering oder fällt ganz fort, ist aber beträchtlich in den verschiedenen Arbeitszweigen; und wenn der übliche Kapitalgewinn auch mit der Gefahr steigt, so scheint er doch nicht immer genau im Verhältnis zu ihr zu steigen. Aus allem diesem dürfte folgen, dass in ein und derselben Gesellschaft oder Gegend der Durchschnittssatz des Gewinnes in den verschiedenen Kapitalanlagen eher auf die gleiche Höhe kommen müsste als der Geldlohn der verschiedenen Sorten von Arbeit. Und so ist es auch. Der Unterschied zwischen dem Verdienst eines gewöhnlichen Arbeiters und dem eines vielbeschäftigten Anwalts oder Arztes ist offenbar weit größer als die Differenz zwischen dem üblichen Kapitalgewinn in zwei verschiedenen Gewerbszweigen. Überdies ist der scheinbare Unterschied in dem Gewinn verschiedener Geschäfte gewöhnlich eine Täuschung, die daraus entspringt, dass man nicht immer das, was als Lohn betrachtet werden sollte, von dem unterscheidet, was als Gewinn zu betrachten ist. Apothekergewinn ist zum Sprichwort geworden, um etwas besonders Übermäßiges zu bezeichnen. Der scheinbar hohe Gewinn ist gleichwohl oft nur ein billiger Arbeitslohn. Die Geschicklichkeit eines Apothekers ist viel eigenerer und zarterer Natur als die eines Handwerkers, welcher es auch sei, und das Vertrauen, welches man auf ihn setzt, ist von weit größerer Wichtigkeit. Er ist der Arzt der Armen in allen Fällen, und der Reichen, wenn das Leiden oder die Gefahr nicht sehr groß ist. Darum muss sein Lohn dieser Geschicklichkeit und diesem Vertrauen angemessen sein, und er ergibt sich gewöhnlich aus dem Preise, zu dem er seine Waren verkauft. Aber die sämtlichen Waren, die der beschäftigtste Apotheker in einer großen Stadt in einem Jahr verkauft, kosten ihn vielleicht nicht mehr als dreißig oder vierzig Pfund. Verkauft er sie nun auch mit drei- oder vierhundert oder tausend Prozent Gewinn, so mag das oft doch nicht mehr sein als der billige Lohn für seine Arbeit, den er auf nichts anderes schlagen kann als auf den Preis seiner Waren. Der größere Teil des scheinbaren Gewinnes ist in der Tat Arbeitslohn, in der Maske eines Gewinns. In einer unbedeutenden Hafenstadt kann ein kleiner Krämer vierzig oder fünfzig Prozent auf ein Kapital von einem einzigen Hundert Pfund gewinnen, während ein bedeutender Großhändler an demselben Platze auf ein Kapital von zehntausend Pfund kaum acht bis zehn Prozent macht. Das Geschäft des Krämers kann für die Bequemlichkeit der Einwohner nötig sein, und die Beschränktheit des Marktes eine größere Kapitalanlage in dem Geschäfte nicht zulassen. Allein der Mann muss nicht nur von seinem Handel leben, sondern auch den Fähigkeiten, die man bei ihm voraussetzt, angemessen leben. Abgesehen davon, dass er ein kleines Kapital nötig hat, muss er auch lesen, schreiben und rechnen können, und vielleicht fünfzig bis sechzig verschiedene Arten von Waren, ihre Preise, ihre Qualität und die Märkte, wo sie am wohlfeilsten zu haben sind, leidlich kennen. Kurz, er muss alle die Kenntnisse besitzen, die einem Großhändler nötig sind, und es hindert ihn nichts als der Mangel eines hinreichenden Kapitals, selbst ein Großhändler zu werden. Dreißig oder vierzig Pfund jährlich können nicht als eine zu große Belohnung für die Arbeit eines solchen Mannes betrachtet werden. Man ziehe dies von dem anscheinend großen Gewinn seines Kapitals ab, und es wird vielleicht kaum mehr übrig bleiben als der übliche Kapitalgewinn. Auch in diesem Falle ist der größte Teil des scheinbaren Gewinnes wirklicher Arbeitslohn. Der Unterschied zwischen dem scheinbaren Gewinn des Klein- und des Großhandels ist in der Hauptstadt weit geringer als in kleinen Städten. Wo zehntausend Pfund im Kramhandel angelegt werden können, macht der Lohn für des Krämers Arbeit nur einen sehr gelingen Zusatz zu dem wirklichen Gewinn eines so großen Kapitals aus. Der scheinbare Gewinn des großen Kleinhändlers kommt daher hier dem Gewinn des Großhändlers weit näher. Aus diesem Grunde sind auch Waren, die im Einzelnen verkauft werden, in der Hauptstadt im Allgemeinen ebenso wohlfeil und oft noch wohlfeiler als in kleinen Städten und Flecken. Materialwaren z. B. sind im Allgemeinen viel wohlfeiler; Brot und Fleisch oft ebenso wohlfeil. Es kostet nicht mehr, die Materialwaren in eine große Stadt als in einen Marktflecken zu bringen, aber es kostet viel mehr, Korn und Vieh dahin zu bringen, da dies meistenteils aus einer viel größeren Entfernung herbeigeschafft werden muss. Da der Einkaufspreis der Materialwaren an beiden Orten derselbe ist, so sind sie da am wohlfeilsten, wo der geringste Gewinn darauf geschlagen wird. Der Einkaufspreis von Brot und Fleisch ist in der großen Stadt höher als in dem Landorte, und obgleich der Gewinn geringer ist, so sind sie dort zwar nicht immer wohlfeiler, aber oft ebenso wohlfeil. Bei solchen Artikeln, wie Brot und Fleisch, erhöht derselbe Grund, der den scheinbaren Gewinn verringert, den Einkaufspreis. Der Umfang des Marktes verringert durch Gestattung größerer Kapitalanlagen den scheinbaren Gewinn; die Notwendigkeit jedoch, ihn aus größerer Entfernung zu versorgen, erhöht den Einkaufspreis. Diese Verringerung des einen und Erhöhung des andern scheint in den meisten Fällen einander ziemlich aufzuwiegen, und dies ist wahrscheinlich der Grund, warum die Brot- und Fleischpreise im größten Teile des Königreiches so ziemlich die nämlichen sind, obgleich die Korn- und Viehpreise in den verschiedenen Teilen des Landes gewöhnlich sehr verschieden sind. Obgleich der Kapitalgewinn sowohl beim Groß- wie beim Kleinhandel in der Hauptstadt gewöhnlich geringer ist als in kleinen Städten und Flecken, so wird doch in der ersteren aus kleinen Anfängen oft ein großes Vermögen erworben, was in den letzteren fast nie der Fall ist. In kleinen Städten und Flecken kann wegen der Beschränktheit des Marktes der Handel nicht immer so ausgedehnt werden, wie das Kapital sich vergrößert. Daher kann an solchen Orten, selbst wenn der Gewinnsatz eines einzelnen sehr hoch ist, doch die Summe des Gewinns und folglich auch des jährlich zurückgelegten Kapitals nie sehr groß sein. In großen Städten kann das Geschäft sich mit dem Kapital vergrößern, und der Kredit eines sparsamen und emporkommenden Mannes wächst noch schneller als sein Kapital. Sein Geschäft dehnt sich nach Verhältnis beider aus, die Summe seines Gewinns richtet sich nach der Ausdehnung seines Geschäfts, und die Summe des jährlich zurückgelegten Kapitals nach dem Betrage seines Gewinns. Doch werden auch in großen Städten selten in einem regelmäßigen, altbegründeten und wohlbekannten Geschäftszweige große Vermögen erworben, außer durch ein langes Leben voll Fleiß, Sparsamkeit und Rührigkeit. Schnell werden zuweilen an solchen Orten Reichtümer im sogenannten Spekulationshandel erworben. Der Spekulant betreibt keinen regelmäßigen, altbegründeten oder wohlbekannten Geschäftszweig. Er ist in dem einen Jahre Kornhändler, im anderen Weinhändler, und im folgenden Zucker-, Tabak- oder Teehändler. Er ergreift jedes Geschäft, wenn er erwartet, es werde ungewöhnlich gewinnreich sein, und er gibt es wieder auf, wenn er voraussieht, dass sein Gewinn wahrscheinlich auf das Niveau der anderen Geschäftszweige zurückgeht. Seine Gewinne und Verluste können daher in keinem regelmäßigen Verhältnis zu denen eines soliden und wohlbekannten Geschäftszweiges stehen. Ein kühner Wagehals kann zuweilen durch zwei oder drei glückliche Spekulationen ein bedeutendes Vermögen erwerben; aber ebenso wahrscheinlich kann er durch zwei oder drei unglückliche es verlieren. Ein solches Geschäft kann nur in großen Städten getrieben werden. Nur an Orten des ausgedehntesten Verkehrs und der vielseitigsten Verbindungen sind die dazu erforderlichen Nachrichten einzuziehen. Die fünf oben erwähnten Umstände verursachen zwar erhebliche Ungleichheiten im Arbeitslohn und Kapitalgewinn, aber keine in der Gesamtheit der wirklichen oder eingebildeten Vorteile und Nachteile der einen Kapitals- oder Arbeitsverwendung vor der andern. Jene Umstände sind der Art, dass sie in einigen für den kleinen Gewinn schadlos halten und in anderen einen großen auf wiegen. Damit indes diese Gleichheit in der Gesamtheit ihrer Vorteile und Nachteile platzgreifen könne, sind selbst da, wo die vollkommenste Freiheit herrscht, drei Dinge nötig. Erstens müssen die Gewerbe in der Umgebung wohlbekannt und altbegründet sein; zweitens müssen sie in ihrem gewöhnlichen oder sozusagen natürlichen Zustande sein; und drittens müssen sie das einzige oder hauptsächlichste Geschäft derer sein, die sich damit befassen. Erstens, diese Gleichheit kann nur in solchen Gewerben stattfinden, die in ihrer Umgebung wohlbekannt und seit langer Zeit begründet sind. Unter sonst gleichen Umständen ist der Arbeitslohn in neuen Gewerben in der Regel höher als in alten. Wenn ein Unternehmer einen neuen Fabrikzweig einzuführen sucht, muss er zuerst die nötigen Arbeiter durch einen höheren Lohn als den, den sie in ihrem eigenen Gewerbe verdienen können, oder den sein neues Gewerbe eigentlich bieten kann, aus anderen Geschäften weglocken, und er muss eine geraume Zeit verstreichen lassen, ehe er es wagen darf, sie auf das gewöhnliche Maß herabzusetzen. Manufakturen, für welche die Nachfrage durchaus von der Mode und Phantasie abhängt, wechseln beständig und dauern selten lange genug, um als altbegründete Manufakturen angesehen werden zu können. Solche hingegen, deren Nachfrage aus dem täglichen Gebrauch und Bedarf entspringt, sind der Veränderung weniger unterworfen, und dieselbe Form und dasselbe Fabrikat kann Jahrhunderte lang gesucht werden. Der Arbeitslohn in Manufakturen der ersteren Art ist daher wahrscheinlich höher als in denen der letzteren Art. Birmingham hat besonders Manufakturen der ersteren, Sheffield der letzteren Art; und der Arbeitslohn an diesen beiden Orten soll jenem Unterschiede im Wesen ihrer Manufakturen angemessen sein. Die Einführung einer neuen Manufaktur, eines neuen Handelszweiges oder einer neuen Landwirtschaftsmethode ist immer eine Spekulation, von der sich der Unternehmer außergewöhnliche Gewinne verspricht. Diese Gewinne sind zuweilen sehr groß; manchmal aber, vielleicht sogar am häufigsten, gerade das Gegenteil davon: aber im Allgemeinen stehen sie zu den Gewinnen anderer alten Geschäfte der Umgegend in keinem regelmäßigen Verhältnis. Gelingt das Unternehmen, so ist der Gewinn im Anfang gewöhnlich sehr hoch. Wird das Gewerbe oder die Praxis aber erst einmal überall eingeführt und wohlbekannt, so führt der Wettbewerb den Gewinn auf das Niveau der übrigen Gewerbe zurück. Zweitens, jene Gleichheit in der Gesamtheit der Vorteile und Nachteile der verschiedenen Arbeits- und Kapitalanlagen kann nur in ihrem gewöhnlichen, oder sozusagen natürlichen Zustande platzgreifen. Die Nachfrage nach fast allen Arten von Arbeit ist einmal größer und ein andermal geringer als gewöhnlich. In dein einen Falle steigen die Vorteile des Geschäftes über, in dem anderen fallen sie unter das gewöhnliche Maß. Die Nachfrage nach ländlicher Arbeit ist zur Zeit des Mähens und der Ernte größer als während des übrigen Jahres, und der Lohn steigt mit der Nachfrage. Im Kriege, wo vierzig oder fünfzig tausend Matrosen aus dem Kauffahrteidienst für den Dienst des Königs ausgehoben werden, steigt notwendig die Nachfrage nach Matrosen für die Handelsmarine mit ihrer Seltenheit, und ihr Lohn steigt in solchen Fällen gewöhnlich von einer Guinee und siebenundzwanzig Schilling monatlich bis zu vierzig Schilling und drei Pfund hinauf. In einem verfallenden Gewerbszweige dagegen begnügen sich viele Arbeiter lieber mit einem geringeren Lohn, als er sonst der Natur ihres Geschäfts angemessen wäre, als dass sie ihr altes Gewerbe aufgäben. Der Kapitalgewinn schwankt mit dem Preise der Waren, in denen das Kapital angelegt ist. Steigt der Preis einer Ware über seinen gewöhnlichen oder Durchschnittssatz, so steigt auch der Gewinn wenigstens eines Teils vom Kapital, der im Markttransport Verwendung findet, über sein gehöriges Maß, und fällt der Preis, so sinkt auch der Gewinn darunter. Alle Waren sind Preisveränderungen ausgesetzt, aber die einen mehr, die anderen weniger. Bei allen Waren, welche durch menschlichen Fleiß hervorgebracht werden, wird die Menge des jährlich aufgewendeten Fleißes notwendig durch die jährliche Nachfrage bestimmt, und zwar so, dass das durchschnittliche Jahreserzeugnis dem durchschnittlichen Jahresverbrauch so nahe als möglich kommt. In einigen Gewerben wird, wie bereits bemerkt, mit der nämlichen Arbeitsmenge stets die nämliche oder doch beinahe die nämliche Warenmenge hervorgebracht. So wird in der Leinen- und Wollenmanufaktur eine gleiche Zahl von Händen jährlich so ziemlich die gleiche Menge Leinen- und Wollenzeuge herstellen. Die Veränderungen im Marktpreise solcher Waren können daher nur aus einer zufälligen Veränderung in der Nachfrage entspringen. Eine Landestrauer steigert den Preis der schwarzen Zeuge. Aber wie die Nachfrage nach den meisten Sorten glatter Leinen- und Wollenzeuge sich ziemlich gleich bleibt, so auch ihr Preis. Doch gibt es andere Gewerbe, in denen die gleiche Arbeitsmenge nicht immer die gleiche Warenmenge herstellen wird. So wird dieselbe Arbeitsmenge in verschiedenen Jahren sehr verschiedene Mengen Korn, Wein, Hopfen, Zucker, Tabak u. dgl. hervorbringen. Der Preis solcher Waren ändert sich mithin nicht bloß nach den Schwankungen der Nachfrage, sondern auch nach den weit größeren und häufigeren Schwankungen der Menge und ist folglich äußerst veränderlich. Der Gewinn der Händler aber muss notwendig mit dem Preise der Waren schwanken. Die Tätigkeit des Spekulanten wendet sich hauptsächlich solchen Waren zu. Er sucht sie aufzukaufen, wenn er voraussieht, dass ihr Preis wahrscheinlich steigen wird, und zu verkaufen, wenn er zu fallen droht. Drittens, diese Gleichheit in der Gesamtheit der Vorteile und Nachteile der verschiedenen Arbeits- und Kapitalanlagen kann nur in solchen Gewerben stattfinden, die das einzige oder doch hauptsächlichste Geschäft derer sind, welche sich damit befassen. Wenn jemand seinen Unterhalt aus einem Geschäft zieht, das nicht seine volle Zeit in Anspruch nimmt, so ist er oft in Stunden der Muße bereit, in einem anderen für einen geringeren Lohn zu arbeiten, als es sonst die Natur des Geschäfts erlauben würde. In vielen Teilen Schottlands kommen noch eine Art Leute vor, Cotters oder Cottagers (Häusler) genannt, die allerdings vor einigen Jahren noch häufiger waren als jetzt. Sie sind eine Art außer dem Hause beschäftigter Dienstleute der Grundherren und Pächter. Der übliche Lohn, den sie von ihren Herren empfangen, besteht in einem Hause, einem kleinen Gemüsegarten, Gras, um eine Kuh zu halten, und etwa einem oder zwei Morgen schlechten Ackerlandes. Hat der Herr ihre Arbeit nötig, so gibt er ihnen außerdem noch zwei Peck (etwas mehr als einen Scheffel) Hafermehl die Woche, im Werte von etwa sechzehn Pence. Während eines großen Teils des Jahres hat er wenig oder gar keine Arbeit für sie, und die Bestellung ihrer eigenen kleinen Besitzung ist nicht hinreichend, ihre verfügbare Zeit auszufüllen. Als diese Häusler noch zahlreicher waren als jetzt, sollen sie ihre erübrigte Zeit gern jedem für einen geringen Entgelt hingegeben und für weniger Lohn gedient haben als andere Arbeiter. In alten Zeiten scheinen sie über ganz Europa verbreitet gewesen zu sein. In schlecht kultivierten und spärlich bewohnten Ländern konnten die meisten Gutsbesitzer und Pächter sich die ungewöhnliche Zahl Hände, welche der Landbau zu gewissen Zeiten erheischt, auf keine andere Weise verschaffen. Der Tag- oder Wochenlohn, den solche Arbeiter gelegentlich von ihren Herren erhielten, war offenbar nicht der ganze Preis ihrer Arbeit. Ihre kleine Stelle machte einen beträchtlichen Teil davon aus. Doch scheint dieser Tag- oder Wochenlohn von vielen Schriftstellern, welche die Preise der Arbeit und der Lebensmittel in alten Zeiten gesammelt und beide als wunderbar niedrig darzustellen beliebt haben, als der ganze Lohn angesehen worden zu sein. Das Produkt solcher Arbeit kommt oft wohlfeiler zu Markt, als es sonst angemessen wäre. Strümpfe werden in vielen Teilen Schottlands weit billiger gestrickt, als sie anderwärts auf dem Stuhl gewirkt werden können. Sie sind die Arbeit von Dienstboten und Arbeitern, die ihren Hauptverdienst aus einer anderen Beschäftigung ziehen. Mehr als tausend Paar Strümpfe werden jährlich von den Shetlandsinseln nach Leith gebracht, deren Preis fünf bis sieben Pence das Paar beträgt. In Learwick, der kleinen Hauptstadt der Shetlandsinseln, sind, wie man mir versichert, zehn Pence täglich der gewöhnliche Preis für gemeine Arbeit. Auf denselben Inseln strickt man wollene Strümpfe zum Werte von einer Guinee das Paar und darüber. Das Spinnen des Leinengarns wird in Schottland fast ebenso wie das Stricken der Strümpfe von Dienstboten betrieben, die hauptsächlich zu anderen Zwecken gemietet werden. Wer mit dem einen oder anderen dieser Geschäfte seinen ganzen Lebensunterhalt gewinnen wollte, dürfte kaum das liebe Brot verdienen. In den meisten Teilen Schottlands ist die eine gute Spinnerin, die in der Woche zwanzig Pence verdienen kann. In reichen Ländern ist der Markt in der Regel so ausgedehnt, dass jedes Gewerbe hinreichend ist, die Arbeit und das Kapital derer, welche sich ihm widmen, ganz in Anspruch zu nehmen. Beispiele davon, dass Leute von einem Geschäfte leben und daneben aus einem anderen einen kleinen Gewinn ziehen, kommen hauptsächlich in armen Ländern vor. Folgenden ganz ähnlichen Fall jedoch findet man in der Hauptstadt eines der reichsten Länder. Ich glaube, es gibt keine Stadt in Europa, in welcher der Hauszins teurer wäre als in London, und doch kenne ich keine Hauptstadt, in der ein möbliertes Zimmer so wohlfeil zu mieten ist. Ein Zimmer in London ist nicht nur viel wohlfeiler als in Paris, sondern auch viel wohlfeiler als in Edinburgh, und zwar bei derselben Ausstattung, und befremdlicher Weise ist gerade die Höhe des Hauszinses der Grund jener Wohlfeilheit der möblierten Zimmer. Die Höhe des Hauszinses in London rührt nicht nur von den Ursachen her, die ihn in allen großen Hauptstädten teuer machen, – von der teuren Arbeit, den teuren Baumaterialien, die gewöhnlich aus weiter Ferne herbeigebracht werden müssen, und vor allem von der hohen Grundrente, da jeder Grundeigentümer als Monopolist verfährt, und oft für einen einzigen Morgen schlechten Bodens in der Stadt eine höhere Rente fordert als man für hundert Morgen des besten Bodens auf dem Lande erhalten kann, – sondern sie entspringt zum Teil aus den besonderen Gebräuchen und Gewohnheiten der Bewohner, wonach jeder Hausvater ein ganzes Haus von oben bis unten mieten muss. Eine »Wohnung« in England heißt so viel, wie alles, was unter demselben Dache enthalten ist. In Frankreich, Schottland und vielen anderen Teilen Europas bedeutet es oft nicht mehr als ein einzelnes Stockwerk. Ein Gewerbsmann in London ist genötigt, in dem Stadtteile, in dem seine Kunden wohnen, ein ganzes Haus zu mieten. Sein Laden ist zur ebenen Erde; er selbst aber schläft mit seiner Familie unter dem Dache, und sucht einen Teil seines Hauszinses dadurch zu bezahlen, dass er die beiden mittleren Stockwerke an Aftermieter ablässt. Den Unterhalt seiner Familie hofft er durch sein Gewerbe, nicht durch seine Mieter zu bestreiten, wohingegen Leute, welche in Paris und Edinburgh Zimmer vermieten, gewöhnlich keine anderen Unterhaltsmittel haben, und der Preis der Zimmer nicht nur den Hauszins, sondern die ganzen Ausgaben der Familie bestreiten muss. Zweite Abteilung Ungleichheiten, welche durch die europäische Wirtschaftspolitik veranlasst sind Dies sind die in der Gesamtheit der Vorteile und Nachteile bei den verschiedenen Arbeits- und Kapitalanlagen vorkommenden Ungleichheiten, welche die Abwesenheit eines der drei oben erwähnten Erfordernisse auch da veranlasst, wo die vollkommenste Freiheit herrscht. Aber andere viel bedeutendere Ungleichheiten veranlasst die europäische Wirtschaftspolitik dadurch, dass sie den Dingen nicht ihre volle Freiheit lässt. Dies geschieht vornehmlich auf dreierlei Weise. Erstens dadurch, dass in gewissen Gewerben die Konkurrenz auf eine geringere Anzahl von Mitwerbern beschränkt wird als sich sonst damit befassen würden; zweitens dadurch, dass in anderen die Mitwerber über das natürliche Maß vermehrt werden und drittens dadurch, dass die freie Bewegung von Arbeit und Kapital, sowohl von Gewerbe zu Gewerbe als von Ort zu Ort gehemmt wird. Erstens, die europäische Wirtschaftspolitik veranlasst eine sehr bedeutende Ungleichheit in der Gesamtheit der Vorteile und Nachteile bei den verschiedenen Arbeits- und Kapitalanlagen dadurch, dass sie in gewissen Gewerben die Konkurrenz auf eine geringere Anzahl von Mitwerbern beschränkt, als sich sonst damit befassen würden. Die ausschließlichen Zunftprivilegien sind das hauptsächlichste Mittel, dessen sie sich zu diesem Zwecke bedient. Das ausschließliche Privilegium eines zünftigen Gewerbes schränkt notwendig in der Stadt, in der es betrieben wird, den Wettbewerb auf diejenigen ein, die zur Zunft gehören. Das notwendige Erfordernis zur Erlangung des Zunftrechts besteht gewöhnlich darin, dass man in der Stadt unter einem gehörig qualifizierten Meister gelernt hat. Die Zunftordnungen bestimmen öfters die Zahl der Lehrlinge, welche einem Meister zu halten gestattet ist, und fast immer die Zahl der Jahre, die ein Lehrling dienen muss. Die Absicht dieser beiden Bestimmungen geht dahin, die Konkurrenz auf eine geringere Anzahl einzuschränken als sich sonst auf das Geschäft einlassen würden. Die Beschränkung der Zahl der Lehrlinge beschränkt den Wettbewerb direkt; eine lange Lehrzeit tut es mehr indirekt, aber ebenso wirksam durch die vermehrten Kosten der Ausbildung. In Sheffield kann zufolge eines Ortsstatuts der Zunft kein Messerschmidt zu gleicher Zeit mehr als einen Lehrling halten. In Norfolk und Norwich kann kein Webermeister, bei Strafe von fünf Pfund monatlich, mehr als zwei Lehrlinge haben. In ganz England und den englischen Kolonien darf ein Hutmacher nicht mehr als zwei Lehrlinge haben, bei Strafe von fünf Pfund monatlich, die halb dem Fiskus und halb dem Angeber zufallen. Diese beiden Bestimmungen sind, obgleich sie durch ein allgemeines Staatsgesetz bestätigt sind, offenbar von demselben Zunftgeiste diktiert, der die Sheffielder Verordnung eingegeben hat. Kaum waren die Seidenwirker in London ein Jahr lang eine Zunft als sie auch schon eine Verordnung erließen, die jedem Meister untersagte, mehr als zwei Lehrlinge zu gleicher Zeit zu haben. Es bedurfte einer eigenen Parlamentsakte, um dieses Ortsstatut umzustoßen. In früherer Zeit scheinen sieben Jahre in ganz Europa der übliche Zeitraum gewesen zu sein, der für die Dauer der Lehrjahre in den meisten zünftigen Gewerben festgesetzt war. Alle diese Zünfte wurden früher Universitäten genannt, was in der Tat der eigentliche lateinische Name für jede Körperschaft ist. Die Universität der Schmiede, die Universität der Schneider usw. sind Ausdrücke, denen man in den vergilbten Dokumenten alter Städte oft begegnet. Als jene besonderen Korporationen, die man noch jetzt Universitäten nennt, gegründet wurden, hat man augenscheinlich die Anzahl der Jahre, die man studieren musste, um den Grad eines Magisters der freien Künste zu erlangen, von den Feststellungen der Lehrzeit in den gewöhnlichen Gewerben, deren Vereinigungen viel älter waren, kopiert. Wie man sieben Jahre unter einem gehörig qualifizierten Meister gearbeitet haben musste, wenn man in einem gewöhnlichen Gewerbe die Berechtigung, Meister zu werden und selber Lehrlinge zu halten erwerben wollte, so musste man auch sieben Jahre unter einem gehörig qualifizierten Meister studiert haben, um das Recht zu erwerben, in den freien Künsten Magister, Lehrer oder Doktor (früherhin gleichbedeutende Wörter) zu werden, und Schüler oder Lehrlinge (ursprünglich ebenfalls gleichbedeutende Ausdrücke) zu haben, die unter dem Meister studierten. Durch ein Statut ans dem fünften Jahre Elisabeths, gewöhnlich das Lehrzeitstatut genannt, wurde bestimmt, dass in Zukunft niemand ein zu jener Zeit in England betriebenes Handwerk, Gewerbe oder Geschäft treiben sollte, wenn er nicht zuvor darin wenigstens sieben Lehrjahre bestanden hätte; und was früher bloßes Ortsstatut einzelner Zünfte gewesen war, wurde nun in England allgemeines Staatsgesetz für alle in Marktstädten betriebenen Geschäfte. Die Worte des Statuts lauten zwar ganz allgemein, und scheinen das ganze Königreich zu umfassen, doch ist seine Wirkung durch Auslegung auf die Marktstädte beschränkt worden, weil man dafür hielt, dass auf dem Lande dieselbe Person verschiedene Gewerbe müsse treiben können, auch ohne in jedem sieben Jahre gelernt zu haben, da Handwerker für den Bedarf der Einwohner nötig, und diese doch nicht immer zahlreich genug sind, um einen Mann, der nur sein Handwerk betreibt, zu ernähren. Ferner ist durch eine strenge Auslegung der Worte die Wirkung dieses Statuts auf die Gewerbe beschränkt worden, welche in England vor dem fünften Regierungsjahre Elisabeths bestanden haben, und niemals auf solche ausgedehnt worden, die seit jener Zeit erst eingeführt worden sind. Diese Beschränkung hat zu einigen Unterscheidungen Anlass gegeben, die als Maßregeln der Wirtschaftspolitik betrachtet, so töricht als möglich erscheinen. So ist z. B. entschieden worden, dass ein Wagner seine Wagenräder weder selbst machen, noch durch Gesellen machen lassen darf, sondern sie von einem Radmachermeister kaufen muss, weil letzteres Handwerk schon vor dem fünften Regierungsjahre Elisabeths existiert hat. Dagegen kann ein Radmacher, wenn er auch niemals bei einem Wagner in der Lehre gewesen ist, selbst Wagen machen oder von Gesellen machen lassen, weil das Gewerbe eines Wagners in dem Statut nicht inbegriffen ist, da es in England zur Zeit, als jenes erlassen worden ist, noch nicht bestanden hat. Viele Gewerbe zu Manchester, Birmingham und Wolverhampton sind dem Statut ebenfalls nicht unterworfen, weil sie vor dem fünften Regierungsjahre Elisabeths in England nicht betrieben worden sind. In Frankreich ist die Dauer der Lehrjahre in verschiedenen Städten und Gewerben verschieden. In Paris sind bei vielen fünf Jahre der vorgeschriebene Zeitraum; ehe jemand jedoch das Recht erhält, das Gewerbe als Meister zu treiben, muss er in vielen Gewerben noch fünf Jahre als Gehilfe gearbeitet haben. In dieser Zeit heißt er der Geselle seines Meisters, und die Zeit selbst heißt seine Gesellenschaft. In Schottland gibt es kein allgemeines Gesetz, das die Dauer der Lehrjahre überhaupt bestimmte; die Zeit ist in den einzelnen Zünften verschieden. Wo sie lang ist, kann in der Regel ein Teil von ihr durch eine kleine Geldsumme abgelöst werden. Auch ist in den meisten Städten eine sehr mäßige Summe hinreichend, um die Zunftgerechtigkeit zu erkaufen. Die Weber von leinenen und hänfenen Zeugen – das Hauptgewerbe des Landes – sowie alle die für sie beschäftigten Handwerker, wie die Verfertiger der Spinnräder, Haspeln usw., können ihr Gewerbe in jeder korporierten Stadt treiben, ohne etwas dafür zu zahlen. In allen korporierten Städten steht es jedermann frei, an einem vom Gesetz bestimmten Wochentage Fleisch zu verkaufen. Drei Jahre sind in Schottland die gewöhnliche Zeit der Lehrjahre selbst in manchen recht schwierigen Gewerben; und im Allgemeinen kenne ich kein Land in Europa, in dem die Zunftgesetze so wenig drückend wären. Wie das Eigentum, das jeder an seiner Arbeit hat, die ursprüngliche Grundlage alles anderen Eigentums ist, so ist es auch die heiligste und unverletzlichste. Das Erbteil eines armen Mannes liegt in der Kraft und Geschicklichkeit seiner Hände: ihn zu hindern, diese Kraft und Geschicklichkeit so anzuwenden, wie er es passend findet, ohne dadurch seinen Nächsten zu schädigen, ist eine klare Verletzung dieses heiligsten Eigentums. Es ist ein offenbarer Eingriff in die rechtmäßige Freiheit sowohl des Arbeiters, wie derer, die ihn beschäftigen wollen. Wie es den einen hindert, das zu arbeiten, wozu er sich am geschicktesten weiß, so hindert es die anderen, solche zu beschäftigen, die ihnen geeignet erscheinen. Das Urteil darüber, ob jemand sich für die Arbeit eignet, kann sicherlich den Arbeitgebern überlassen werden, deren Interesse es so nahe angeht. Die erheuchelte Ängstlichkeit des Gesetzgebers, sie könnten einen ungeeigneten Menschen beschäftigen, ist offenbar ebenso ungehörig wie lästig. Die Anordnung einer langen Lehrzeit kann keine Sicherheit gewähren, dass nicht oft mangelhafte Arbeit zum Verkauf komme. Wenn dies geschieht, so ist gewöhnlich Betrug und nicht Ungeschicklichkeit daran schuld; gegen Betrug aber kann auch die längste Lehrzeit keinen Schutz bieten. Zur Abstellung dieses Missbrauchs sind ganz andere Vorkehrungen erforderlich. Die Marke auf Geschirr von Gold und Silber und die Stempel auf Leinen- und Wollenzeug geben dem Käufer eine weit größere Sicherheit als irgendein Lehrlingsstatut. Auf jene sieht er in der Regel, aber niemals hält er es der Mühe wert, zu untersuchen, ob der Arbeiter eine siebenjährige Lehrzeit bestanden habe. Die Anordnung einer langen Lehrzeit hat nicht den Erfolg, die jungen Leute an Fleiß zu gewöhnen. Ein Geselle, der nach dem Stück arbeitet, wird wahrscheinlich fleißig sein, weil er von seinem Fleiße Vorteil hat; ein Lehrling wird voraussichtlich faul sein, und ist es fast immer, weil er kein unmittelbares Interesse hat fleißig zu sein. In den niedrigeren Geschäften besteht der Reiz der Arbeit durchaus nur in ihrem Lohn. Wer am frühesten in der Lage ist, die Früchte der Arbeit zu genießen, wird auch am schnellsten Geschmack daran finden und sich frühzeitig an Fleiß gewöhnen. Ein junger Mensch fasst natürlich eine Art Abneigung gegen die Arbeit, wenn er lange Zeit keinen Gewinn aus ihr zieht. Die Knaben, welche auf Kosten der öffentlichen Armenpflege in die Lehre gegeben werden, müssen in der Regel eine längere Reihe von Jahren als sonst üblich, darin bleiben, und werden gewöhnlich Faulenzer und Taugenichtse. Bei den Alten war das Lehrlingswesen ganz unbekannt. Dagegen machen die gegenseitigen Pflichten des Meisters und Lehrlings in jedem modernen Gesetzbuch einen starken Artikel aus. Das römische Recht schweigt darüber gänzlich, und ich kenne kein griechisches oder lateinisches Wort, und ich darf wohl behaupten, es gibt keines, welches den Begriff ausdrückt, den wir heute mit dem Worte Lehrling verbinden, nämlich einen Dienenden, der in einem bestimmten Gewerbe eine Reihe von Jahren hindurch zum Vorteil eines Meisters zu arbeiten verpflichtet ist unter der Bedingung, dass der Meister ihn dies Gewerbe lehrt. Eine lange Lehrzeit ist durchaus unnötig. Künste, die weit höher stehen, als gewöhnliche Handwerke, wie z. B. die Uhrmacherkunst, enthalten keine Geheimnisse, die einen langen Unterrichtskursus erforderten. Die erste Erfindung so schöner Maschinen, und auch die Erfindung einiger zu ihrer Verfertigung nötigen Werkzeuge musste allerdings das Ergebnis eines tiefen Nachdenkens und langer Zeit sein, und kann mit Recht zu den glücklichsten Früchten des menschlichen Geistes gezählt werden. Aber nachdem sie einmal erfunden und vollkommen bekannt sind, kann es kaum den Unterricht einiger Wochen erfordern, einen jungen Menschen mit der Handhabung der Werkzeuge und dem Bau der Maschinen vertraut zu machen. Vielleicht reichen schon ein paar Tage dazu hin, und in den gewöhnlichen Handwerken ist dies sicher der Fall. Die Fertigkeit der Hand kann allerdings selbst in gewöhnlichen Handwerken nicht ohne viele Übung und Erfahrung erworben werden. Aber ein junger Mensch würde viel fleißiger und aufmerksamer sein, wenn er von Anfang an als Geselle arbeitete und nach Verhältnis seiner geringen Leistungen bezahlt würde, seinerseits aber die Rohstoffe bezahlte, die er etwa aus Ungeschicklichkeit und Unerfahrenheit zuweilen verdirbt. Seine Ausbildung würde auf diese Weise gewöhnlich erfolgreicher und stets weniger langwierig und kostspielig sein. Der Meister würde dabei allerdings verlieren. Er würde den Lohn des Lehrlings, den er jetzt spart, volle sieben Jahre hindurch verlieren. Am Ende wäre vielleicht auch der Lehrbursche selbst im Verluste: denn er würde in einem so leicht erlernten Gewerbe mehr Konkurrenten haben, und sein Lohn würde, sobald er ein ausgelernter Handwerker geworden, viel geringer sein als jetzt. Dieselbe Zunahme des Wettbewerbs würde ebenso den Gewinn der Meister wie den Lohn der Arbeiter vermindern. Die Geschäfte, die Gewerbe, die Geheimnisse würden alle dabei verlieren. Aber das Publikum würde dabei gewinnen, da alle Handwerkserzeugnisse viel wohlfeiler zu Markte kämen. Gerade um dieses Sinken des Preises und folgeweise des Lohnes und Gewinnes durch Hemmung der freien Konkurrenz, die zu einem solchen führen würde, zu verhindern, sind alle Zünfte und die meisten Zunftgesetze eingeführt worden. Zur Errichtung einer Zunft bedurfte es in früheren Zeiten an vielen Orten Europas keiner anderen Genehmigung als der der korporierten Stadt, in welcher sie eingeführt wurde. In England war zwar auch ein Privilegium des Königs nötig; aber dieses Vorrecht der Krone scheint mehr den Zweck gehabt zu haben, Geld von dem Untertanen zu erpressen als die allgemeine Freiheit gegen drückende Monopole zu schützen. Wenn dem Könige eine Geldsumme gezahlt wurde, scheint das Privilegium in der Pegel gern bewilligt worden zu sein, und wenn eine Klasse von Gewerbsleuten es für angemessen hielt, ohne ein Privilegium als Zunft aufzutreten, so wurden solche unechte Gilden, wie man sie nannte, nicht immer ihrer Vorrechte beraubt, sondern nur genötigt, für die Erlaubnis, ihre usurpierten Rechte auszuüben, jährlich eine Geldsumme an den König zu entrichten. Die unmittelbare Aufsicht über alle Zünfte und über die Ortsstatuten, welche sie behufs ihrer Verwaltung zu erlassen für gut fanden, hatte die korporierte Stadt, in der sie sich befanden, zu führen; und die Disziplin, in der sie gehalten wurden, ging in der Regel nicht von der Regierung, sondern von der größeren Körperschaft aus, deren untergeordnete Teile oder Glieder sie waren. Die Regierung der korporierten Städte war durchaus in den Händen der Geschäftsleute und Handwerker, und es lag offenbar im Interesse jeder Klasse, zu verhindern, dass der Markt, wie sie sich auszudrücken pflegten, mit den Produkten ihres besonderen Gewerbszweiges überführt wurde, was in Wirklichkeit nichts anderes heißt als dass er niemals vollständig versorgt wurde. Jede Klasse war beeifert, zu diesem Zweck geeignete Verordnungen zu erlassen, und war, was ihr erlaubt wurde, gern bereit, auch den andern Klassen zu gestatten. Durch solche Verordnungen wurde freilich jede Klasse gezwungen, die Waren, die sie brauchte, von einer anderen Klasse in der Stadt etwas teurer zu kaufen als es sonst nötig gewesen wäre. Zum Ersatz konnte sie aber auch die ihrigen um so viel teurer verkaufen, so dass es, wie man zu sagen pflegt, so lang wie breit war, und in dem Handel der verschiedenen Klassen innerhalb der Stadt keine durch jene Verordnungen etwas verlor. Aus dem Verkehr mit dem Lande dagegen zogen sie großen Gewinn, und in diesem Verkehr besteht das ganze Geschäft, das jede Stadt aufrecht erhält und bereichert. Jede Stadt bezieht ihren ganzen Unterhalt und alle Rohstoffe für ihren Gewerbfleiß von dem Lande. Sie bezahlt dafür besonders auf zweierlei Art: erstens dadurch, dass sie einen Teil dieser Rohstoffe verarbeitet und nach dem Lande zurückschickt, in welchem Falle ihr Preis durch den Lohn der Arbeiter und den Gewinn ihrer Meister oder unmittelbaren Arbeitgeber vermehrt wird, und zweitens dadurch, dass sie einen Teil sowohl der rohen wie der verarbeiteten Produkte anderer Länder oder entfernter Gegenden desselben Landes in die Stadt einführt und wieder nach dem platten Lande ausführt, in welchem Falle gleichfalls der ursprüngliche Preis dieser Güter um den Lohn der Fuhrleute oder Schiffer, und um den Gewinn der Kaufleute, die letztere beschäftigen, erhöht wird. In den Gewinnen aus dem ersteren dieser Handelszweige besteht der Vorteil, den die Stadt von ihren Gewerben hat, und in den Gewinnen aus dem letzteren besteht der Vorteil des in- und ausländischen Handels. Der Lohn der Arbeiter und der Gewinn der verschiedenen Arbeitgeber ist alles, was in beiden Fällen gewonnen wird. Daher dienen alle Verordnungen, welche diesen Lohn und diesen Gewinn über ihren sonstigen Stand zu erhöhen bezwecken, nur dazu, dass die Stadt mit weniger Arbeit das Produkt einer größeren Arbeit des platten Landes kaufen kann. Sie geben den Geschäftsleuten und Handwerkern der Stadt ein Übergewicht über die Gutsbesitzer, Pächter und Arbeiter des platten Landes, und heben die natürliche Gleichheit auf, welche sonst in dem zwischen ihnen stattfindenden Verkehr Platz greifen würde. Das ganze Jahresprodukt der Arbeit der Gesellschaft verteilt sich jährlich unter diese beiden Klassen der Bevölkerung, und durch jene Verordnungen erhalten die Städter einen größeren und die Landbewohner einen kleineren Anteil als er ihnen sonst zufallen würde. Der Preis, den die Stadt für die Jahr für Jahr eingeführten Lebensmittel und Rohstoffe wirklich bezahlt, besteht in der Menge der Industrieerzeugnisse und anderen Waren, die jährlich von ihr ausgeführt wird. Je teurer die letzteren verkauft werden, desto wohlfeiler werden die ersteren gekauft, und der städtische Gewerbfleiß wird desto gewinnbringender, je weniger es der ländliche ist. Dass der städtische Gewerbfleiß in ganz Europa einträglicher ist als der ländliche, davon kann man sich, ohne auf sehr genaue Berechnungen einzugehen, leicht durch eine einfache, in die Augen fallende Beobachtung überzeugen. In jedem Lande Europas findet man wenigstens hundert Leute, die in Handel und Gewerbe, den eigentlich städtischen Beschäftigungen, klein angefangen haben und dabei reich geworden sind, gegen einen, der durch Landwirtschaft, d. h. Vermehrung der Rohprodukte durch Verbesserung und Kultur des Bodens dazu gelangte. Es muss also in dem einen Falle offenbar der Fleiß besser belohnt und der Arbeitslohn und Kapitalgewinn größer sein als in dem anderen. Da aber Kapital und Arbeit naturgemäß die einträglichste Beschäftigung suchen, so ziehen sie sich so viel als möglich nach der Stadt, und verlassen das Land. Die Städter können vermöge ihres nahen Beisammenwohnens sich leicht miteinander vereinbaren. Selbst die unbedeutendsten Gewerbe sind daher hier oder dort zu Zünften zusammengetreten, und wo sie keine Zunft bildeten, war doch der Zunftgeist, die Eifersucht gegen Fremde, die Abneigung, Lehrlinge anzunehmen, oder ihr Gewerbsgeheimnis mitzuteilen, im Allgemeinen unter ihnen stark, und lehrte sie oft, durch freiwillige Verbindungen und Übereinkünfte den freien Wettbewerb, den sie nicht durch Verordnungen verbieten konnten, zu hemmen. Gewerbe, die nur wenige Hände beschäftigen, treffen solche Verabredungen am leichtesten. Ein halbes Dutzend Wollkämmer reicht wohl hin, um tausend Spinnern und Webern das Material zu liefern. Wenn sie übereinkommen, keine Lehrlinge zu nehmen, so können sie nicht nur das ganze Geschäft an sich reißen, sondern auch die gesamte Manufaktur in eine Art von sklavischer Abhängigkeit bringen, und den Preis ihrer Arbeit weit höher treiben als er ihrer Natur nach wäre. Die Bewohner des platten Landes können in ihrer Zerstreuung über verschiedene Orte nicht leicht derartige Vereinigungen zustande bringen. Sie haben nicht nur niemals eine Zunft gebildet, sondern der Zunftgeist ist auch niemals unter ihnen herrschend geworden. Nie hat man Lehrjahre zur Erlernung der Landwirtschaft, des großen ländlichen Gewerbes, für nötig gehalten. Und doch gibt es nächst den schönen Künsten und freien Berufsarten. vielleicht kein Gewerbe, das eine solche Mannigfaltigkeit von Kenntnissen und Erfahrungen voraussetzt. Die zahllosen Bücher, die darüber in allen Sprachen geschrieben worden sind, können uns den Beweis liefern, dass die Landwirtschaft unter den weisesten und unterrichtetsten Nationen niemals für eine ganz leicht zu begreifende Sache gehalten worden ist. Und in allen diesen Büchern würde man vergebens jene Kenntnis der mancherlei zusammengesetzten Handgriffe suchen, die jeder gewöhnliche Landmann zu besitzen pflegt, so affektiert hochmütig auch die verächtlichen Verfasser einiger dieser Bücher von ihnen sprechen. Dagegen gibt es kaum irgendein gewöhnliches Handwerk, dessen Fertigkeiten sich nicht in einem Büchlein von wenigen Seiten so vollständig und deutlich darstellen ließen als es durch Wort und Zeichnung überhaupt möglich ist. In der Geschichte der Gewerbe (Histoire des Arts et Métiers), welche jetzt von der französischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben wird, sind einige von ihnen auf diese Art beschrieben worden. Überdies erfordert die Leitung diejenigen Tätigkeiten, die sich nach jedem Wetterwechsel und anderen Zufällen richten müssen, viel mehr Urteil und Vorsichtigkeit als bei immer ganz oder beinahe gleichbleibenden Handlungen erforderlich ist. Aber nicht nur die Kunst des Landwirts: die allgemeine Leitung der landwirtschaftlichen Operationen, sondern auch viele untergeordnete Zweige der ländlichen Arbeit erfordern viel mehr Geschicklichkeit und Erfahrung als die meisten Handwerke. Der Mann, der Messing und Eisen bearbeitet, arbeitet mit Werkzeugen und Rohstoffen, deren Beschaffenheit sich immer völlig oder beinahe gleichbleibt. Der Mann dagegen, der den Boden mit einem Gespann Pferden oder Ochsen pflügt, arbeitet mit Werkzeugen, deren Gesundheit, Kraft und Temperament in verschiedenen Fällen sehr verschieden sind. Die Beschaffenheit der Stoffe, die er bearbeitet, ist ebenso verschieden, wie es seine Werkzeuge sind, und beide müssen mit vielem Urteil und großer Vorsicht behandelt werden. Der gewöhnliche Bauer, der in der Regel als ein Muster von Einfalt und Dummheit angesehen wird, ermangelt dieses Urteils und dieser Vorsicht nur selten. Allerdings ist er weniger an geselligen Umgang gewöhnt als der in der Stadt lebende Handwerker: seine Stimme und Sprache ist rauer und für den, der nicht daran gewöhnt ist, schwerer zu verstehen; aber sein Verstand, der sich täglich mit einer größeren Mannigfaltigkeit von Gegenständen beschäftigen muss, ist in der Regel dem der anderen, deren ganze Aufmerksamkeit vom Morgen bis zum Abend an eine oder zwei höchst einfache Verrichtungen gefesselt ist, weit überlegen. Wie sehr in der Tat die niederen Volksklassen auf dem Lande denen in der Stadt überlegen sind, weiß jeder, der durch Geschäfte oder Neugierde veranlasst war, viel mit beiden zu verkehren. Darum sollen auch in China und Hindostan der Rang und die Löhne der Landleute höher sein als die der meisten Handwerker. Verhinderten dies nicht die Zunftgesetze und der Zunftgeist, so wäre es wahrscheinlich allerorten so. Die Überlegenheit, welche der städtische Gewerbfleiß in ganz Europa über den ländlichen behauptet, hat freilich ihren Grund nicht ausschließlich in den Zünften und Zunftgesetzen; sie wird auch durch andere Maßregeln aufrechterhalten. Die hohen Steuern auf fremde Industrieerzeugnisse und alle von auswärtigen Kaufleuten eingeführten Waren haben denselben Zweck. Die Zunftgesetze ermöglichen es den Städtern, ihre Preise zu erhöhen, ohne befürchten zu müssen, durch die freie Konkurrenz ihrer eignen Landsleute bedrängt zu werden; jene andern Maßregeln sichern sie gleicher Weise gegen die Konkurrenz der Fremden. Diese doppelte Preiserhöhung muss am Ende von den Gutsbesitzern, Pächtern und Bauern bezahlt werden, die sich selten der Errichtung solcher Monopole widersetzt haben. Sie haben gewöhnlich weder Neigung noch Geschick, Vereinigungen zu bilden und lassen sich leicht durch das Geschrei und die Sophisterei der Kaufleute und Gewerbetreibenden überreden, dass das Privatinteresse eines Teils, und noch dazu eines untergeordneten Teils der Gesellschaft, das allgemeine Interesse des Ganzen sei. In Großbritannien scheint die Überlegenheit des städtischen Gewerbfleißes über den ländlichen früher viel größer gewesen zu sein als jetzt. Der Lohn der ländlichen Arbeit kommt jetzt dem der gewerblichen, und der Gewinn der auf den Landbau verwendeten Kapitalien dem in Gewerben angelegten näher als es im vorigen Jahrhundert oder im Anfang des gegenwärtigen der Fall gewesen sein soll. Dieser Umschwung kann als die notwendige, wenn auch sehr späte Folge des außerordentlichen Sporns angesehen werden, den man der städtischen Industrie zuteilwerden ließ. Das in den Städten aufgehäufte Kapital wird mit der Zeit so groß, dass es sich nicht länger mit dem alten Gewinn in den eigentlich städtischen Industriezweigen anlegen lässt. Der städtische Gewerbfleiß hat wie alles andere seine Grenzen, und das Anwachsen der Kapitalien steigert den Mitbewerb und ermäßigt dadurch notwendig den Gewinn. Das Sinken des Gewinnes in der Stadt treibt das Kapital aufs Land hinaus, wo es eine neue Nachfrage nach ländlicher Arbeit hervorruft und dadurch notwendig ihren Lohn erhöht. Dann verstreut es sich sozusagen über das flache Land und wird durch seine Anlegung im Ackerbau dem Lande, auf dessen Kosten es sich ursprünglich in der Stadt bedeutend angesammelt hatte, zum Teil wieder erstattet. Dass überall in Europa die grüßten Verbesserungen des Landes solchen Ergießungen des ursprünglich in den Städten aufgehäuften Kapitals beizumessen sind, werde ich später zeigen, und ich werde dann auch dartun, dass, obschon einige Länder auf diesem Wege einen hohen Grad von Reichtum erlangt haben, dieser Weg selbst doch notwendig langsam, ungewiss, unzähligen störenden und unterbrechenden Zufällen ausgesetzt und der natürlichen und vernünftigen Ordnung in jeder Beziehung entgegengesetzt ist. Die Interessen, Vorurteile, Gesetze und Gewohnheiten, die dazu Veranlassung geben, werde ich im dritten und vierten Buche dieser Untersuchung, so vollständig und klar ich es vermag, auseinandersetzen. Leute desselben Gewerbes kommen, selbst auch nur zur Erholung und zum Vergnügen selten zusammen, ohne dass ihre Unterhaltung mit einer Verschwörung gegen das Publikum oder einem Plane zur Erhöhung der Preise endigt. Es ist allerdings nicht möglich, solchen Zusammenkünften durch ein Gesetz vorzubeugen, das ausführbar oder mit Freiheit und Gerechtigkeit verträglich wäre. Wenn aber das Gesetz Leute desselben Gewerbes nicht hindern kann, zuweilen zusammenzukommen, so sollte es wenigstens nichts tun, diese Zusammenkünfte zu erleichtern, geschweige denn, sie zu fordern. Eine Verordnung, welche alle Angehörigen desselben Gewerbes in einer Stadt verpflichtet, ihre Namen und Wohnungen in ein öffentliches Register eintragen zu lassen, erleichtert jene Zusammenkünfte. Sie bringt Individuen in Berührung miteinander, die ohne dies vielleicht niemals miteinander bekannt geworden wären, und gibt jedem die Richtung an, wo er seinesgleichen finden kann. Eine Verordnung, die die Angehörigen eines Gewerbes ermächtigt, sich selbst Steuern aufzulegen, um für ihre Armen, Kranken, Witwen und Waisen zu sorgen, zeitigt ein gemeinsames Interesse an der Verwaltung und macht dadurch jene Zusammenkünfte erforderlich. Eine Zunft aber macht sie nicht allein notwendig, sondern gibt auch den Beschlüssen der Mehrheit eine bindende Kraft für das Ganze. In einem freien Gewerbe kann eine wirksame Verbindung nur durch die einmütige Zustimmung aller einzelnen Gewerbtreibenden zustande kommen, und kann nicht länger dauern als alle eines Sinnes bleiben. Die Mehrheit einer Zunft aber kann Statuten mit Strafandrohungen begleiten, wodurch die Konkurrenz wirksamer und dauernder eingeschränkt wird als durch irgendeine freiwillige Verbindung. Das Vorgeben, dass Zünfte zur besseren Leitung des Gewerbes notwendig seien, entbehrt aller Begründung. Die wahre und wirksame Aufsicht, die über einen Arbeiter geführt wird, geht nicht von seiner Zunft, sondern von seinen Kunden aus. Die Furcht, seine Arbeit zu verlieren, hält ihn vom Betruge ab, und zügelt seine Nachlässigkeit. Ein Zunftmonopol schwächt notwendig die Kraft dieser Aufsicht. Eine bestimmte Klasse von Arbeitern muss dann beschäftigt werden, mögen sie ihre Sache gut oder schlecht machen. Dies ist der Grund, warum in mancher großen korporierten Stadt selbst in den notwendigsten Gewerbszweigen keine erträglichen Arbeiter aufzutreiben sind. Will man eine Arbeit ordentlich ausgeführt sehen, so muss man sie in den Vorstädten machen lassen, wo die Arbeiter kein ausschließliches Privilegium haben, sondern nur auf ihren Ruf angewiesen sind, und man muss sie dann, so gut es geht, in die Stadt einschmuggeln. Auf diese Weise führt die europäische Wirtschaftspolitik durch die Einschränkung der Konkurrenz auf eine geringere Zahl von Mitwerbern, als sich sonst einzustellen geneigt finden würde, zu einer sehr bedeutenden Ungleichheit in der Gesamtheit der Vorteile und Nachteile bei den verschiedenen Arbeits- und Kapitalsanlagen. Zweitens, die europäische Wirtschaftspolitik bringt durch Steigerung der Konkurrenz in einigen Geschäften über ihr natürliches Maß, eine andere gerade entgegengesetzte Ungleichheit in der Gesamtheit der Vorteile und Nachteile bei den verschiedenen Arbeits- und Kapitalsanlagen hervor. Man hat es für so wichtig gehalten, eine gehörige Zahl junger Leute für bestimmte Berufsarten auszubilden, dass bald die Behörden, bald der fromme Sinn mildtätiger Privatleute eine Menge von Stipendien, Kostgeldern, Stiftungen usw. zu diesem Zwecke gegründet hat, die viel mehr junge Leute zu diesen Berufsarten heranbilden, als sich sonst dazu drängen würden. In allen christlichen Ländern, glaube ich, wird die Ausbildung der meisten Geistlichen auf diese Weise bestritten. Nur sehr wenige werden ganz auf ihre eigenen Kosten gebildet. Letzteren verschafft daher ihre lange, mühselige und kostspielige Erziehung nicht immer eine angemessene Belohnung, da der geistliche Stand mit Leuten überfüllt ist, die, um nur eine Anstellung zu bekommen, gern ein viel geringeres Gehalt annehmen, als eine derartige Ausbildung sonst fordern könnte; und die Konkurrenz der Armen nimmt auf diese Weise den Reichen ihren Lohn weg. Es wäre ungehörig, einen Pfarrverweser oder Kaplan mit dem Gesellen in einem gemeinen Handwerk zu vergleichen. Ein wesentlicher Unterschied in der Bezahlung eines Pfarrverwesers oder Kaplans und dem Lohne eines Gesellen besteht jedoch nicht. Sie werden alle drei für ihre Arbeit nach Maßgabe des Vertrages bezahlt, den sie mit ihren Vorgesetzten gemacht haben. Bis nach der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts waren in England fünf Mark, die ungefähr so viel Silber enthielten als zehn Pfund unseres jetzigen Geldes, das übliche Gehalt eines Pfarrverwesers oder eines besoldeten Gemeindepfarrers, wie es in den Dekreten verschiedener Landeskonzilien festgesetzt ist. Zu dieser Zeit wurden fünf Pence, die so viel Silber enthielten als unser jetziger Schilling als Tagelohn eines Maurermeisters, und drei Pence, d. h. neun Pence unseres jetzigen Geldes als der eines Maurergesellen erklärt[7 - S. das Arbeitergesetz aus dem fünfundzwanzigsten Regierungsjahre Eduards III.]. Der Lohn dieser beiden Handwerker wird also, unter der Voraussetzung, dass Letztere den dritten Teil des Jahres keine Beschäftigung haben, einem Pfarrverwesergehalt vollständig gleich gekommen sein. Durch ein Statut aus dem zwölften Regierungsjahre der Königin Anna, Kapitel 12, wird verordnet: »dass da aus Mangel an genügendem Unterhalt und hinlänglicher Aufmunterung für die Pfarrverweser an manchen Orten die Pfarren nicht besetzt sind, der Bischof ermächtigt ist, durch ein mit seiner Unterschrift und seinem Siegel versehenes Dokument ein hinreichendes festes Gehalt anzuweisen, das nicht mehr als fünfzig und nicht weniger als zwanzig Pfund des Jahres betragen darf.« Vierzig Pfund werden gegenwärtig für ein sehr gutes Pfarrverwesergehalt angesehen, und es gibt trotz jener Parlamentsakte noch manche Pfarrverweserstellen unter zwanzig Pfund Jahrgehalt. Schuhmachergesellen in London verdienen jährlich bis zu vierzig Pfund, und es wird sich schwerlich ein Handwerker irgendeiner Art in dieser Hauptstadt finden, der nicht mehr als zwanzig verdiente. Die letztere Summe übersteigt in der Tat nicht den Verdienst gewöhnlicher Arbeiter in manchen Landgemeinden. So oft das Gesetz versucht, den Lohn der Arbeiter zu regeln, hat es ihn stets eher erniedrigt als erhöht. Dagegen hat das Gesetz bei vielen Gelegenheiten das Gehalt der Pfarrverweser zu erhöhen und um der Würde der Kirche willen die Rektoren der Kirchspiele zu verpflichten gesucht, ihnen mehr als den elenden Unterhalt zu geben, den sie anzunehmen bereit waren. In beiden Fällen aber scheint das Gesetz gleich unwirksam geblieben zu sein, und hat nie weder das Gehalt der Pfarrverweser auf das beabsichtigte Maß zu erhöhen, noch den Lohn der Arbeiter so weit herunterzudrücken vermocht, weil es jene nicht hindern konnte, sich bei der Dürftigkeit ihrer Lage und der Menge ihrer Mitbewerber mit einem geringeren als dem gesetzlichen Jahrgehalt zu begnügen, und weil es andrerseits diese nicht hindern konnte, mehr als den gesetzlichen Lohn zu nehmen, da ihnen der Wettbewerb derer, die sich von ihrer Arbeit Gewinn versprachen, gern mehr bewilligte. Die großen Pfründen und sonstigen geistlichen Ehrenstellen halten die Ehre der Kirche trotz der ärmlichen Umstände einiger ihrer niederen Glieder aufrecht. Auch bietet die dem Stande gezollte Achtung letzteren für die Ärmlichkeit ihrer Geldbelohnung einigen Ersatz. In England und in allen römisch-katholischen Ländern ist das Los der Kirche in der Tat weit günstiger als es nötig wäre. Das Beispiel der schottischen, Genfer und einiger anderen protestantischen Kirchen kann uns überzeugen, dass in einem geachteten Berufe, in welchem die Ausbildung so wohlfeil erworben wird, schon die Hoffnung auf weit geringere Pfründen dem geistlichen Stande eine hinlängliche Zahl von gelehrten, anständigen und achtbaren Leuten zuführen wird. Wenn für Berufsarten, in denen es keine Pfründen gibt, z. B. die Jurisprudenz und Medizin, eine gleiche Zahl Leute auf öffentliche Kosten ausgebildet würde, so würde die Konkurrenz bald so groß werden, dass der Geldlohn sich bedeutend niedriger stellen müsste. Es würde dann nicht der Mühe lohnen, seinen Sohn auf eigene Kosten zu einem solchen Stande erziehen zu lassen, der vielmehr gänzlich denen überlassen würde, die ihre Erziehung öffentlichen Stiftungen verdankten und wegen ihrer Menge und Dürftigkeit sich im Allgemeinen mit recht elendem Lohn begnügen müssten, zum Schaden der jetzt so achtbaren Stände des Rechtsgelehrten und Arztes. Die wenig glückliche Klasse von Leuten, die man gewöhnlich Literaten nennt, befindet sich ziemlich genau in der Lage, in welcher Rechtsgelehrte und Ärzte sich wahrscheinlich unter der obigen Voraussetzung befinden würden. In allen europäischen Ländern sind die meisten von ihnen für den Kirchendienst erzogen worden, aber durch verschiedene Gründe verhindert, in den geistlichen Stand zu treten. Sie haben also ihre Bildung in der Regel auf öffentliche Kosten erhalten, und ihre Menge ist überall so groß, dass dadurch der Preis ihrer Arbeit auf eine höchst klägliche Belohnung zusammenzuschrumpfen pflegt. Vor der Erfindung der Buchdruckerkunst bestand die einzige Arbeit, durch die ein Literat mit seinem Talente etwas erwerben konnte, darin, dass er öffentlicher oder Privatlehrer wurde, d. h. anderen Leuten die wissenswerten und nützlichen Kenntnisse mitteilte, die er sich erworben hatte. Und dies ist sicherlich noch ein ehrenwerteres, nützlicheres und in der Regel auch einträglicheres Geschäft als die Schriftstellerei für einen Buchhändler, wozu die Buchdruckerkunst Veranlassung gegeben hat. Es sind wenigstens ebenso viel Zeit, Studium, Geist, Kenntnisse und Fleiß dazu erforderlich, ein ausgezeichneter Lehrer der Wissenschaften als ein hervorragender Arzt oder Rechtsgelehrter zu werden. Doch steht der übliche Lohn eines tüchtigen Lehrers in keinem Verhältnis zu dem eines Rechtsgelehrten oder Arztes, weil das Geschäft des einen mit dürftigen Leuten, die auf öffentliche Kosten ausgebildet wurden, überfüllt ist, während in die beiden anderen Geschäfte sich nur wenige eindrängen, die nicht auf eigene Kosten studiert haben. So gering aber auch der übliche Lohn öffentlicher und Privatlehrer erscheint, so würde er doch ohne Zweifel noch geringer sein, wenn nicht die Konkurrenz der noch dürftigeren Gelehrten abginge, die fürs Brot schreiben. Vor der Erfindung der Buchdruckerkunst scheinen Schüler und Bettler so ziemlich gleichbedeutende Ausdrücke gewesen zu sein. Die Rektoren der Universitäten stellten vor dieser Zeit ihren Studenten oft Erlaubnisscheine zum Betteln aus. Im Altertum, wo keine Stiftungen der erwähnten Art dürftige Leute zu gelehrten Berufsarten ausbilden ließen, war anscheinend die Bezahlung tüchtiger Lehrer viel beträchtlicher. Isokrates wirft in seiner sogenannten Rede gegen die Sophisten den Lehrern seiner Zeit einen Widerspruch vor. »Sie machen«, sagt er, »ihren Schülern die glänzendsten Versprechungen und wollen sie lehren, weise, glücklich und gerecht zu sein, verlangen aber für einen so wichtigen Dienst nur einen lumpigen Lohn von vier oder fünf Minen. Wer Weisheit lehrt« – fährt er fort – »sollte doch selbst weise sein; wenn aber einer einen solchen Handel für solch einen Preis abschließt, so beweist er augenscheinlichste Torheit.« An dieser Stelle wird er gewiss den Lohn nicht größer gemacht haben als er wirklich war. Vier Minen sind aber so viel, wie dreizehn Pfund, sechs Schilling und acht Pence; fünf Minen sind sechzehn Pfund, dreizehn Schilling und vier Pence. Es wurde also damals den hervorragendsten Lehrern in Athen eine Summe gezahlt, die wenig hinter dem größeren Betrage zurückgeblieben sein wird. Isokrates selbst verlangte zehn Minen, oder dreiunddreißig Pfund, sechs Schilling und acht Pence von jedem seiner Schüler. Bei seinen Vorträgen in Athen soll er hundert Zuhörer gehabt haben. Ich verstehe dies von der Anzahl, denen er gleichzeitig Vorträge hielt, oder die, wie wir das nennen, einen Kursus bei ihm hörten, und diese Anzahl wird in einer so großen Stadt bei einem so berühmten Lehrer, der noch dazu eine Wissenschaft, die Rhetorik, vortrug, die damals eine Modewissenschaft war, durchaus nicht ungewöhnlich groß erscheinen. Er muss mithin in jedem Kursus tausend Minen oder £ 3333, 6 sh. 8 d. eingenommen haben. Auch von Plutarch wird an einer Stelle angegeben, dass tausend Minen sein Didaktron oder gewöhnliches Honorar gewesen sei. Viele andere berühmte Lehrer jener Zeit scheinen ein großes Vermögen erworben zu haben. Gorgias schenkte dem Tempel von Delphi seine eigene Statue aus gediegenem Golde. Wir brauchen allerdings nicht anzunehmen, dass sie lebensgroß gewesen sei. Der Fuß, auf dem er, sowie Hippias und Protagoras, zwei andere ausgezeichnete Lehrer jener Zeit, lebten, war nach Plato glänzend bis zur Prahlerei. Plato selbst soll großen Aufwand gemacht haben. Nachdem Aristoteles Erzieher des Alexander gewesen und sowohl von diesem als von seinem Vater Philipp, wie alle Zeugnisse bekunden, aufs Glänzendste belohnt worden war, hielt er es doch noch der Mühe für wert, nach Athen zurückzukehren, um seine Vorträge wieder aufzunehmen. Lehrer der Wissenschaften waren zu jener Zeit anscheinend weniger häufig als ein oder zwei Menschenalter später, wo der Wettbewerb wahrscheinlich sowohl den Preis ihrer Arbeit als auch die Bewunderung für ihre Person etwas ermäßigt hatte. Doch scheinen die hervorragendsten unter ihnen noch immer einen Grad von Achtung genossen zu haben, wie ihn heutigen Tages kein Mann gleichen Standes irgendwo erreicht. Die Athener betrauten den Akademiker Karneades und den Stoiker Diogenes mit einer feierlichen Gesandtschaft nach Rom, und wenn ihre Stadt damals auch schon von ihrer früheren Größe herabgesunken war, so war sie doch immer noch eine unabhängige und ansehnliche Republik. Überdies war Karneades ein Babylonier von Geburt, und da niemals ein Volk eifersüchtiger als die Athener darüber wachte, keine Fremden zu öffentlichen Würden zuzulassen, so muss ihre Achtung für ihn sehr groß gewesen sein. Im Ganzen ist übrigens dieser Umschwung für das Publikum vielleicht eher vorteilhaft als schädlich. Der Stand eines öffentlichen Lehrers ist dadurch etwas herabgesetzt worden; aber die Wohlfeilheit der gelehrten Erziehung ist sicherlich ein Vorteil, der diesen kleinen Übelstand weit überwiegt. Auch würde davon das Publikum noch viel größeren Gewinn haben, wenn die Einrichtungen der gelehrten Schulen und Universitäten vernünftiger wären als sie es jetzt durchweg in Europa sind. Drittens, die europäische Wirtschaftspolitik bringt durch Hemmung der freien Bewegung der Arbeit und des Kapitals sowohl von Geschäft zu Geschäft als von Ort zu Ort, in manchen Fällen eine sehr schädliche Ungleichheit in der Gesamtheit der Vorteile und Nachteile ihrer Anlagen hervor. Das Lehrlingsgesetz hemmt die freie Arbeitsbewegung von einem Geschäft zum anderen sogar an ein und demselben Orte. Die ausschließenden Zunftprivilegien hemmen sie von einem Orte zum anderen sogar in ein und demselben Geschäfte. Es kommt häufig vor, dass, während den Arbeitern in dem einen Gewerbe hoher Lohn gegeben wird, sie in einem anderen mit der nackten Existenz vorlieb nehmen müssen. Das eine gedeiht und hat einen steten Begehr nach frischen Arbeitskräften; das andere hingegen verfällt und der Überfluss an Arbeitskräften nimmt stets zu. Zwei solche Gewerbe können bald in einer und derselben Stadt, bald in einer und derselben Gegend sein, ohne dass sie imstande wären, einander nur die geringste Hilfe zu leisten. In dem einen Falle, ist das Lehrlingsgesetz hinderlich und in dem anderen sowohl dieses als die ausschließende Zunft. Gleichwohl sind in vielen Gewerben die Operationen einander so ähnlich, dass die Arbeiter leicht aus dem einen in das andere übertreten könnten, wenn jene abgeschmackten Gesetze es nicht verhinderten. Das Weben glatter Leinenzeuge und glatter Seidenzeuge ist z. B. fast ganz dasselbe. Das Weben glatter Wollenwaren ist etwas anderes, aber der Unterschied ist so unbedeutend, dass ein Seiden- oder Leinweber in wenigen Tagen ein ganz guter Tuchweber werden könnte. Geriete nun eines dieser drei Hauptgewerbe in Verfall, so könnten die Arbeiter leicht in einem der beiden anderen, deren Lage glücklicher ist, Zuflucht finden, und ihr Lohn würde weder in dem blühenden Gewerbe zu hoch, noch in dem verfallenden zu niedrig werden. Die Leinweberei steht zwar in England laut einem besonderen Statut jedermann offen; da sie aber in den meisten Gegenden des Landes wenig betrieben wird, so kann sie den Arbeitern anderer verfallender Gewerbe keine allgemeine Zuflucht bieten, und diese haben überall, wo das Lehrlingsgesetz in Geltung ist, keine andere Wahl als entweder dem Kirchspiel zur Last zu fallen, oder sich als Tagelöhner zu verdingen, wozu sie sich vermöge ihrer bisherigen Gewohnheiten weit weniger schicken als zu irgendeinem anderen Gewerbszweige, der mit dem ihrigen einige Ähnlichkeit hat. Darum ziehen sie es denn auch in der Regel vor, dem Kirchspiel zur Last zu fallen. Alles, was die freie Bewegung der Arbeit von einem Geschäfte zum andern hemmt, hemmt auch die des Kapitals, da die Größe des Kapitals, das in einem Geschäftszweige angelegt werden kann, sehr von der Menge der Arbeit abhängt, die in ihm aufgewendet wird. Doch legen Zunftgesetze dem freien Umlauf des Kapitals von einem Orte zum anderen weniger Hindernisse in den Weg als der Arbeit. Für einen reichen Kaufmann ist es überall leichter, in einer korporierten Stadt ein Handelsprivilegium zu erlangen als für einen armen Handwerker die Erlaubnis, in ihr arbeiten zu dürfen. Die Hemmung, die Zunftgesetze der freien Bewegung der Arbeit auflegen, ist, glaube ich, allen Teilen Europas gemein; diejenige aber, welche durch die Armengesetze bewirkt wird, ist, soviel ich weiß, nur England eigentümlich. Sie besteht in der Schwierigkeit für einen armen Mann, sich in einem andern Kirchspiel als dem, zu welchem er gehört, niederlassen oder auch nur sein Geschäft treiben zu dürfen. Durch Zunftgesetze wird nur die freie Bewegung der Arbeit der Handwerker und industriellen Arbeiter gehemmt; die Erschwerung der Niederlassung aber hemmt auch die der gemeinen Arbeit. Es ist der Mühe wert, den Ursprung, Fortschritt und gegenwärtigen Zustand dieses Übels, vielleicht des größten der englischen Wirtschaftspolizei, kurz zu berichten. Als durch die Aufhebung der Klöster die Armen der Unterstützung dieser frommen Häuser beraubt worden waren, wurde nach einigen anderen fruchtlosen Versuchen zu ihren Gunsten durch ein Gesetz aus dem 43. Jahre Elisabeths, Kapitel 2, verordnet, dass jedes Kirchspiel für seine Armen zu sorgen verpflichtet sein, und jährlich Armenaufseher bestellt werden sollten, die in Gemeinschaft mit den Kirchenvorstehern eine diesem Zwecke angemessene Summe durch eine Kirchspielsteuer zu erheben hätten. Dieses Gesetz legte jedem Kirchspiel die unerlässliche Pflicht auf, für seine Armen zu sorgen. Es entstand dadurch die wichtige Frage, wer denn als Armer eines Kirchspiels zu betrachten sei. Diese Frage wurde nach einigem Schwanken endlich durch Statut aus dem 13. und 14. Regierungsjahre Karls II. entschieden, in dem verordnet war, dass vierzig Tage eines ungestörten Aufenthalts jedem die Ansässigkeit in einem Kirchspiel erwerben sollten; doch sollte innerhalb dieser Zeit zwei Friedensrichtern das Recht zustehen, auf Klage seitens der Kirchenvorsteher oder Armenaufseher, jeden neuen Einwohner in das Kirchspiel, in dem er zuletzt rechtmäßig ansässig gewesen, zu verweisen, wenn er nicht entweder eine Pachtung von zehn Pfund jährlicher Pacht übernehmen oder dem Kirchspiel eine ausreichende Bürgschaft stellen könne, dass er ihm nicht zur Last fallen werde. Dieses Gesetz soll manche Betrügereien veranlasst haben. Kirchspielbeamte bestachen mitunter ihre eigenen Armen, heimlich in ein anderes Kirchspiel auszuwandern, und hielten sie vierzig Tage lang daselbst verborgen, damit sie die Ansässigkeit gewönnen, um das Kirchspiel, dem sie eigentlich angehörten, von ihnen zu befreien. Darum verordnete ein Statut aus dem ersten Regierungsjahre Jakobs II., dass die vierzig Tage ungestörten Aufenthalts, die zur Erwerbung der Ansässigkeit erforderlich waren, erst von dem Augenblick an gerechnet werden sollten, an dem jemand einem der Vorsteher oder Armenaufseher des Kirchspiels, in dem er künftig wohnen wollte, schriftlich seinen Wohnort und die Stärke seiner Familie angemeldet hätte. Indes waren die Kirchspielsbeamten gegen ihr eigenes Kirchspiel nicht immer ehrlicher als sie es gegen fremde gewesen waren, und drückten hie und da bei solchen Einnistungen die Augen zu, indem sie zwar die Anmeldung in Empfang nahmen, aber nicht die erforderlichen Schritte taten. Da man annahm, dass jeder Einwohner eines Kirchspiels ein Interesse daran haben müsse, der Belastung durch solche Eindringlinge so viel als möglich vorzubeugen, so wurde im dritten Regierungsjahre Wilhelms III. ferner verordnet, dass die vierzig Aufenthaltstage erst von dem Tage an gerechnet werden sollten, an dem die schriftliche Anmeldung Sonntags in der Kirche unmittelbar nach dem Gottesdienste öffentlich verlesen worden sei. »Am Ende«, sagt Dr. Burn, »wurde diese Art der Ansässigkeit, die man erst durch einen vierzigtägigen Aufenthalt nach der öffentlichen Verlesung der schriftlichen Anmeldung erwerben konnte, nur sehr selten erlangt, und der Zweck dieser Anordnungen ist nicht sowohl der, jemand die Ansässigkeit zu erleichtern als vielmehr die Ansässigkeit von Leuten, die heimlich in das Kirchspiel kommen, zu hintertreiben; denn sich anmelden heißt nur, das Kirchspiel nötigen, sie wieder wegzuschaffen. Ist aber die Lage jemandes der Art, dass es zweifelhaft bleibt, ob er wirklich zurückgeschickt werden dürfe oder nicht, so wird er durch seine Anmeldung das Kirchspiel nötigen, ihm entweder dadurch, dass es ihn vierzig Tage bleiben lässt, eine unbestrittene Ansässigkeit zu bewilligen, oder dadurch, dass es ihn wegschafft, die Sache vor den Richter zu bringen.« Dieses Statut machte es also für einen armen Mann fast unmöglich, auf die frühere Weise durch vierzigtägigen Aufenthalt einen festen Wohnsitz zu gewinnen. Damit es aber nicht den Anschein habe, als sollten die gewöhnlichen Leute gänzlich von der Ansiedelung in einem anderen Kirchspiel ausgeschlossen werden, wurden vier andere Arten festgesetzt, wie ohne eine abgegebene oder öffentlich verlesene Anmeldung die Ansässigkeit gewonnen werden könne. Erstens konnte man sie erwerben, wenn man zu den Kirchspielsabgaben zugezogen wurde und sie bezahlte; zweitens, wenn man auf ein Jahr zu einem Kirchspielsamte gewählt wurde und es diese Zeit über versah; drittens, wenn man im Kirchspiel seine Lehrzeit bestand; viertens endlich, wenn man dort auf ein Jahr in Dienst genommen wurde und ein ganzes Jahr lang in diesem Dienste verblieb. Auf eine der beiden ersteren Arten ist indessen die Ansässigkeit nur durch einen öffentlichen Akt des ganzen Kirchspiels zu erlangen, das dabei wohl auf die Folgen Acht gibt, die daraus hervorgehen, wenn es einen neuen Ankömmling, der keine anderen Unterhaltsmittel als seine Arbeit hat, durch Zuziehung zu den Abgaben oder durch Wahl zu einem Amte bei sich aufnimmt. Auf eine der beiden letzteren Arten kann hingegen kein Verheirateter Ansässigkeit erwerben. Ein Lehrling ist schwerlich jemals verheiratet, und es ist ausdrücklich bestimmt, dass kein verheirateter Dienstbote durch Anstellung auf ein Jahr Ansässigkeit erwerben solle. Die Hauptwirkung, welche die Einführung einer durch Dienst zu erlangenden Ansässigkeit gehabt hat, hat namentlich darin bestanden, dass die alte Gewohnheit, auf ein Jahr zu mieten, die früher in England so herkömmlich war, dass noch bis auf den heutigen Tag das Gesetz in jedem Falle, wo kein bestimmter Zeitraum ausgemacht worden, annimmt, dass der Dienstbote auf ein Jahr gemietet sei, großenteils außer Übung gekommen ist. Die Arbeitgeber sind nicht immer willens, ihren Dienstboten durch Mieten auf ein Jahr die Ansässigkeit zu verschaffen, und die Dienstboten mögen sich nicht immer so vermieten, weil sie, da stets der letzte Wohnsitz die früheren aufhebt, die ursprüngliche Ansässigkeit in ihrer Heimat, wo ihre Eltern und Verwandten wohnen, dadurch einbüßen könnten. Ein selbständiger Arbeiter, sei er Tagelöhner oder Handwerker, wird offenbar nicht leicht eine neue Ansässigkeit durch Lehr- oder Dienstjahre erwerben. Wendet sich eine solche Person mit ihrem Gewerbe in ein neues Kirchspiel, so setzt sie sich, wie gesund und fleißig sie auch sein mag, der Gefahr aus, nach der Laune eines Kirchenvorstehers oder Armenaufsehers wieder entfernt zu werden, wenn sie nicht entweder für zehn Pfund im Jahre eine Pachtung übernimmt – was für jemanden, der nur von seiner Arbeit lebt, unmöglich ist – oder eine zwei Friedensrichtern genügend erscheinende Bürgschaft bietet, dass sie dem Kirchspiel nicht zur Last fallen werde. Welche Sicherheit sie fordern wollen, ist freilich ganz ihrem Gutdünken überlassen; aber sie können nicht wohl weniger als dreißig Pfund verlangen, da eine Verordnung vorhanden ist, nach der sogar der Kauf eines Freigutes von weniger als dreißig Pfund Wert kein Ansässigkeitsrecht geben soll, weil es nicht hinreichend sei, das Kirchspiel vor der Armenbelastung zu sichern. Diese Bürgschaft wird aber jemand, der von seiner Arbeit lebt, kaum je geben können, und doch wird oft noch eine viel größere gefordert. Um jedoch einigermaßen die freie Bewegung der Arbeit, die durch jene verschiedenen Gesetze fast gänzlich aufgehoben war, wiederherzustellen, ist man auf die sogenannten Zertifikate verfallen. Im achten und neunten Regierungsjahre Wilhelms III. wurde festgesetzt, dass, wenn jemand aus dem Kirchspiel, in dem er zuletzt rechtmäßig ansässig war, ein von den Kirchenvorstehern und Armenaufsehern unterschriebenes und von zwei Friedensrichtern bestätigtes Zertifikat mitbringt, jedes andere Kirchspiel ihn aufzunehmen verbunden ist; dass er nicht schon darum, weil er wahrscheinlich später zur Last fallen würde, sondern nur, wenn er wirklich zur Last fällt, entfernt werden darf; und dass dann das Kirchspiel, welches das Zertifikat ausstellte, verpflichtet sein soll, die Kosten des Unterhalts und der Fortschaffung zu tragen. Um aber dem Kirchspiel, wohin ein mit einem Zertifikat ausgestatteter Mann sich wendet, die ausreichendste Bürgschaft zu geben, wurde durch dasselbe Gesetz ferner verordnet, dass der Mann das Niederlassungsrecht nur dann erhalten solle, wenn er eine Pachtung für zehn Pfund jährlich übernehme, oder unentgeltlich ein Jahr lang ein Kirchspielamt verwalte. Er konnte mithin weder durch Anmeldung, noch durch Dienst, Lehrlingschaft oder Zahlung der Kirchspielabgaben dazu gelangen. Auch wurde im zwölften Regierungsjahre der Königin Anna (Stat. I. c. 18.) noch verordnet, dass weder die Dienstboten noch die Lehrlinge solcher auf Grund von Zertifikaten zugelassener Leute in dem Kirchspiel Ansässigkeit erwerben können. Inwiefern diese Erfindung die freie Bewegung der Arbeit, die durch die früheren Statute fast gänzlich aufgehoben war, wiederhergestellt habe, ersieht man aus der folgenden sehr verständigen Bemerkung des Dr. Burn. »Offenbar«, sagt er, »liegen verschiedene gute Gründe vor, von Personen, die sich an einem Orte niederlassen wollen, Zertifikate zu verlangen, namentlich damit die Inhaber nicht durch Lehrlingsschaft, Dienst, Anmeldung, oder Zahlung der Kirchspielsteuern ansässig werden; damit sie weder Lehrlinge, noch Dienstboten ansässig machen können, damit man ferner, sobald sie dem Kirchspiel zur Last fallen, genau weiß, wohin man sie zu bringen und an wen man sich wegen der Fortschaffungs- und Unterhaltskosten in dieser Zeit zu halten hat; und damit endlich, wenn sie krank werden und nicht fortgeschafft werden können, das Kirchspiel, von dem das Zertifikat ausgestellt ist, den Unterhalt erstattet – was alles ohne ein Zertifikat nicht geschehen kann. Aber diese Gründe sind ebenso viele Gründe für die Kirchspiele, in gewöhnlichen Fällen keine Zertifikate auszustellen; denn es ist nur zu wahrscheinlich, dass sie ihre Inhaber zurückerhalten werden, und dies noch dazu in einer schlechteren Lage.« Die Moral dieser Bemerkung scheint zu sein, dass das Kirchspiel, in dem ein Armer sich niederlassen will, stets Zertifikate fordert, dass aber von dem, welches er zu verlassen gedenkt, nur sehr selten solche bewilligt werden. »Es liegt hierin«, sagt derselbe einsichtsvolle Schriftsteller in seiner Geschichte der Armengesetze, »eine große Härte, indem es in die Macht eines Kirchspielbeamten gestellt ist, einen Menschen gewissermaßen für sein ganzes Leben gefangen zu halten, mag es für ihn auch noch so nachteilig sein, an dem Orte bleiben zu müssen, an dem er das Unglück hatte, sogenannte Ansässigkeit zu erwerben, oder mag er sich die größten Vorteile von einem Aufenthalte am fremden Orte versprechen.« Obgleich ein Zertifikat kein Zeugnis des guten Betragens enthält und nur bescheinigt, dass sein Inhaber dem oder dem Kirchspiel angehöre, so steht es doch ganz im Belieben der Kirchspielsbeamten, es zu verweigern oder zu gewähren. Es sind, erzählt Dr. Burn, einmal gerichtliche Schritte getan worden, um die Kirchenvorsteher und Armenaufseher zur Ausstellung eines Zertifikats zu nötigen, aber der Gerichtshof der King’s Bench hat den Antrag verworfen. Der sehr ungleiche Arbeitspreis, den wir häufig in England an gar nicht weit voneinander liegenden Orten finden, hat seinen Grund wahrscheinlich in den Hindernissen, welche das Ansässigkeitsgesetz einem Armen, der ohne Zertifikat mit seinem Gewerbe von einem Kirchspiel in das andere wandern möchte, entgegenstellt. Ein einzelner, gesunder und fleißiger Mann wird zwar hie und da ohne ein Zertifikat geduldet; aber wenn ein Mann mit Weib und Kind es versuchen wollte, würde er sicher in den meisten Kirchspielen entfernt werden, und selbst der einzelne Mann würde, wenn er sich später verheiratete, in der Regel ausgewiesen werden. Daher kann dem Mangel an Arbeitern in dem einen Kirchspiel nicht immer durch den Überfluss in einem anderen abgeholfen werden, wie das in Schottland und wohl in allen anderen Ländern, in denen die Ansässigkeit keine Schwierigkeiten bietet, so unablässig geschieht. Wenn auch in solchen Ländern zuweilen der Lohn in der Nähe einer großen Stadt, oder wo sonst eine außergewöhnliche Nachfrage nach Arbeit besteht, ein wenig steigt, und umgekehrt je nach der größeren Entfernung von solchen Plätzen sinkt, bis er wieder den gewöhnlichen Satz des Landes erreicht, so begegnet man doch niemals so plötzlichen, unerklärlichen Verschiedenheiten im Arbeitslohn benachbarter Orte, wie bisweilen in England, wo es oft für einen Armen schwieriger ist, die künstlichen Schranken eines Kirchspiels zu überschreiten als einen Meeresarm oder hohen Gebirgsrücken, d. h. natürliche Grenzen, die in anderen Ländern zuweilen die Lohnsätze sehr deutlich voneinander scheiden. Einen Mann, der sich nichts hat zu Schulden kommen lassen, aus dem Kirchspiel, in dem er wohnen will, zu entfernen, ist eine offenbare Verletzung natürlicher Freiheit und Gerechtigkeit. Dennoch hat das gemeine Volk Englands, das auf seine Freiheit so eifersüchtig ist, aber gleich dem gemeinen Volke der meisten anderen Länder nie recht weiß, worin sie besteht, diesen Druck, dem es hilflos erliegt, jetzt schon länger als ein Jahrhundert ruhig ertragen. Haben auch zuweilen denkende Männer das Ansässigkeitsgesetz als ein öffentliches Unglück beklagt, so hat es doch niemals einen so allgemeinen Schrei des Unwillens hervorgerufen, wie die generellen Verhaftsbefehle, die ohne Zweifel auch ein Missbrauch sind, aber doch nicht leicht einen so allgemeinen Druck zur Folge hatten. Ich wage zu behaupten, dass es in England kaum einen einzigen armen Mann von vierzig Jahren gibt, der nicht zu irgendeiner Zeit seines Lebens durch dies unselige Ansässigkeitsgesetz sich grausam bedrückt gefühlt hätte. Ich schließe dieses lange Kapitel mit der Bemerkung, dass es zwar vor alters üblich war, den Lohn festzusetzen und zwar anfänglich durch allgemeine für das ganze Königreich gültige Gesetze und später durch besondere Anordnungen der Friedensrichter in jeder Grafschaft, – dass diese beiden Gewohnheiten aber jetzt gänzlich abgekommen sind. »Nach der Erfahrung von mehr als vierhundert Jahren,« sagt Dr. Burn, »scheint es endlich Zeit zu sein, alle Versuche, unter feste Regeln zu bringen, was seiner Natur nach jeder genauen Begrenzung unfähig scheint, aufzugeben; denn wenn alle Arbeiter in einem Gewerbe gleichen Lohn erhalten, hört der Wetteifer auf, und für Fleiß und Talent wäre kein Raum mehr.« Dennoch wird zuweilen noch versucht, durch besondere Parlamentsakte den Lohn für bestimmte Gewerbe und Orte festzustellen. So verbietet eine Akte aus dem 8. Regierungsjahre Georgs III. unter schwerer Geldstrafe allen Schneidermeistern in London und fünf Meilen im Umkreise, mehr als zwei Schilling, sieben und einen halben Pence täglich an Arbeitslohn zu zahlen, es sei denn zur Zeit einer allgemeinen Landestrauer, – und ebenso den Gesellen, mehr als diesen Lohn anzunehmen. So oft die Gesetzgebung sich dazu herbei lässt, die Unstimmigkeiten zwischen den Meistern und ihren Arbeitern auszugleichen, ist sie stets von den Meistern beraten. Wenn daher die Bestimmung zu Gunsten der Arbeiter ausfällt, so ist sie stets gerecht und billig; öfters aber, wenn sie zugunsten der Meister ausfällt, ist sie es nicht. So ist das Gesetz, welches in einigen Gewerben die Meister verpflichtet, ihre Arbeiter in Geld und nicht in Waren zu bezahlen, ganz gerecht und billig; denn es legt den Meistern keine wirkliche Last auf, sondern nötigt sie nur, den Geldwert zu bezahlen, den sie in Waren bezahlen zu wollen vorgaben, aber nicht immer wirklich bezahlten. Dieses Gesetz ist zugunsten der Arbeiter; dagegen die Akte aus dem achten Regierungsjahre Georgs III. zugunsten der Meister. Wenn die Meister sich zusammentun, um den Lohn ihrer Arbeiter herabzusetzen, so schließen sie gewöhnlich privatim einen Bund oder eine Übereinkunft, bei Strafe nicht mehr als einen bestimmten Lohn zu geben. Wollten die Arbeiter eine entgegengesetzte Übereinkunft derselben Art schließen, bei Strafe jenen Lohn nicht anzunehmen, so würde sie das Gesetz sehr strenge bestrafen. Verführe es wirklich unparteiisch, so müsste es gegen die Meister ebenso handeln. Aber die Akte aus dem achten Regierungsjahre Georgs III. erteilt gerade der Regel, welche die Meister durch derartige Verbindungen zuweilen einzuführen suchen, gesetzliche Kraft. Die Klage der Arbeiter, dass dadurch der geschickteste und fleißigste Arbeiter mit dem mittelmäßigen auf eine gleiche Stufe gesetzt werde, scheint durchaus wohlbegründet. In früheren Zeiten war es auch üblich, den Gewinn der Kaufleute und anderer Händler durch Festsetzung des Preises für Lebensmittel und andere Waren zu regeln. Die Brottaxe ist, soviel ich weiß, der letzte Rest dieses alten Brauchs. Wo es eine geschlossene Zunft gibt, da mag es gut sein, den Preis der ersten Lebensbedürfnisse festzusetzen; wo dies aber nicht der Fall ist, wird die Konkurrenz ihn weit besser regeln als irgendeine Taxe. Die durch ein Gesetz aus dem 31. Regierungsjahre Georgs II. eingeführte Methode, eine Brottaxe festzusetzen, konnte in Schottland wegen eines Mangels im Gesetze nicht zur Ausführung gebracht werden, insofern die Vollziehung auf dem Amte eines Marktschreibers ruhte, das in Schottland nicht vorhanden ist. Dieser Mangel wurde erst im dritten Regierungsjahre Georgs III. gehoben. Inzwischen stiftete der Mangel einer Taxe keinen merklichen Schaden, und ihre Einführung hat an den wenigen Orten, an denen sie bestand, keinen merklichen Vorteil gewährt. In den meisten schottischen Städten gibt es jedoch eine Bäckerzunft, die ausschließliche Berechtigungen in Anspruch nimmt, ohne dass diese jedoch strenge gewahrt würden. Das Verhältnis zwischen den verschiedenen Lohn- und Gewinnsätzen in den einzelnen Arbeits- und Kapitalanlagen erleidet, wie schon bemerkt wurde, durch den Reichtum oder die Armut, durch einen fortschreitenden, stillstehenden oder zurückgehenden Zustand der Gesellschaft keine großen Veränderungen. Obwohl solche Revolutionen in der öffentlichen Wohlfahrt den Lohn- und Gewinnsatz im Ganzen treffen, so müssen sie ihn am Ende doch in allen verschiedenen Anlagearten gleichmäßig treffen. Das Verhältnis zwischen ihnen muss daher das nämliche bleiben, und kann durch solche Umwälzungen wenigstens nicht für lange Zeit gestört werden. Elftes Kapitel Die Grundrente Die Rente als der für die Nutzung des Bodens gezahlte Preis betrachtet, ist naturgemäß der höchste, den der Pächter nach der jeweiligen Bodenbeschaffenheit zu zahlen vermag. Bei der Feststellung der Pachtbedingungen sucht der Grundherr dem Pächter keinen größeren Anteil am Ertrage zu lassen, als zur Erhaltung des Kapitals, von dem er die Aussaat bestreitet, die Arbeit bezahlt und das Vieh nebst anderem Wirtschaftsinventar kauft und unterhält, sowie zur Gewährung des gewöhnlichen Gewinnes landwirtschaftlicher Kapitalanlagen in der Gegend, ausreicht. Dies ist offenbar der kleinste Anteil, an dem sich der Pächter genügen lassen kann, wenn er nicht geradezu verlieren will; der Grundherr aber ist selten bereit, ihm mehr als diesen Anteil zu lassen. Was von dem Ertrage, oder mit andern Worten von dem Preise des Ertrags nach Abzug jenes Anteils übrig bleibt, sucht der Besitzer natürlich für sich als Grundrente zu reservieren – und dies ist offenbar das höchste, was der Pächter nach der jeweiligen Bodenbeschaffenheit zu zahlen vermag. Manchmal nimmt der Grundherr aus Freigebigkeit, öfters aus Unkenntnis etwas weniger; manchmal zahlt auch der Pächter, obgleich dieser Fall seltener ist, aus Unkenntnis etwas mehr, d. h. er begnügt sich mit einem geringeren als dem in der Gegend üblichen Gewinn landwirtschaftlichen Kapitals. Dieser Teil jedoch kann noch als die natürliche oder als die Grundrente angesehen werden, für welche Ländereien dieser Art gewöhnlich verpachtet werden. Man könnte glauben, die Grundrente sei oft nichts weiter als ein billiger Gewinn oder Zins für das vom Grundherrn auf die Bodenverbesserung verausgabte Kapital. Das kann unter Umständen allerdings teilweise der Fall sein; aber eben auch nur teilweise. Der Grundeigentümer verlangt sogar für unangebautes Land eine Rente, und der vermeinte Zins oder Gewinn auf die Verbesserungskosten sind gewöhnlich nur ein Zusatz zur ursprünglichen Rente. Überdies werden die Verbesserungen nicht immer vom Kapital des Grundeigentümers, sondern manchmal von dem des Pächters gemacht. Kommt aber die Zeit, wo der Pachtkontrakt erneuert werden soll, so fordert der Grundeigentümer gewöhnlich dieselbe Erhöhung der Rente als wenn er die Verbesserungen aus eigenen Mitteln bewirkt hätte. Zuweilen verlangt er eine Rente für Dinge, die der Verbesserung durch Menschenhand durchaus unfähig sind. Kelp ist eine Art Seegras, das verbrannt ein alkalisches Salz liefert, das zur Bereitung von Glas, Seife und zu anderen Zwecken dient. Es wächst an einigen Orten Großbritanniens, namentlich in Schottland, nur auf solchen Felsen, die innerhalb der Flutgrenze liegen und täglich zweimal vom Wasser bedeckt werden, so dass es unmöglich durch menschlichen Fleiß vermehrt werden kann. Dennoch wird ein Grundeigentümer, dessen Gut von einem Kelpufer eingeschlossen ist, ebenso gut von diesem, wie von seinen Kornfeldern, eine Rente verlangen. Das Meer in der Umgebung der Shetlandsinseln ist vorzugsweise reich an Fischen, die ein Hauptnahrungsmittel ihrer Bewohner ausmachen. Um aber von diesem Produkt des Wassers Nutzen zu ziehen, müssen sie ihre Wohnung am anstoßenden Lande haben. Die Rente des Grundeigentümers richtet sich hier nicht bloß danach, was der Pächter aus dem Lande ziehen kann, sondern danach, was ihm beide, Land und Wasser, einbringen. Sie wird zum Teil in Seefischen bezahlt, und es tritt hier einer von den sehr seltenen Fällen ein, in dem die Rente einen Teil des Preises dieser Ware ausmacht. Die Grundrente ist daher als der für die Benutzung des Bodens bezahlte Preis, natürlich ein Monopolpreis. Er richtet sich durchaus nicht nach dem, was der Grundeigentümer für die Verbesserung des Landes verausgabt hat, oder woran er sich genügen lassen könnte, sondern nach dem, was der Pächter zu geben imstande ist. In der Regel können nur solche Bodenprodukte zu Markte gebracht werden, deren gewöhnlicher Preis hoch genug ist, um das darauf verwendete Kapital samt dem gewöhnlichen Kapitalgewinn wieder einzubringen. Beträgt der gewöhnliche Preis mehr, so wird der Überschuss natürlich auf die Grundrente fallen; beträgt er weniger, so kann die Ware zwar zu Markte gebracht werden, dem Grundeigentümer aber keine Rente abwerfen. Ob der Preis höher oder niedriger ist, hängt von der Nachfrage ab. Es gibt gewisse Bodenprodukte, nach denen stets eine derartige Nachfrage sein muss, dass die Gewährung eines höheren Preises als hinreichend ist, sie auf den Markt zu bringen, gesichert ist; und es gibt andere, bei denen es einmal der Fall ist, ein anderes Mal aber nicht. Die ersteren müssen dem Grundeigentümer immer eine Rente gewähren; die letzteren hingegen tun dies nach Umständen. Die Rente tritt daher, wie zu beachten ist, auf eine andere Weise in die Zusammensetzung des Warenpreises ein als der Lohn und der Gewinn. Hoher oder niedriger Lohn und Gewinn sind die Ursachen eines hohen oder niedrigen Preises; hohe oder niedrige Rente ist seine Wirkung. Weil hoher oder niedriger Lohn und Gewinn gezahlt werden muss, damit eine bestimmte Ware zu Markte komme, ist ihr Preis hoch oder niedrig. Aber ob eine hohe, niedrige oder gar keine Rente gezahlt wird, hängt davon ab, ob der Preis der Ware hoch oder niedrig ist, d. h. ob er viel mehr oder etwas mehr oder gar nicht mehr beträgt als zur Bezahlung des Lohns und Gewinns erforderlich ist. Die gesonderte Betrachtung erstens derjenigen Teile des Bodenertrags, die stets eine Rente gewähren; zweitens derjenigen, die bald eine gewähren und bald nicht; und drittens der Schwankungen, welche in den verschiedenen Perioden der Kultur in dem relativen Werte dieser beiden Arten roher Produkte naturgemäß eintreten, ob man sie untereinander oder mit den Industrieerzeugnissen vergleicht, – lässt dieses Kapitel in drei Abteilungen zerfallen. Erste Abteilung Bodenerzeugnisse, die immer eine Rente abwerfen Da die Menschen gleich allen anderen lebenden Wesen sich natürlich nach dem Maße der vorhandenen Unterhaltsmittel vermehren, so ist nach Nahrungsmitteln allezeit mehr oder weniger Nachfrage. Gegen Nahrungsmittel steht stets eine größere oder kleinere Menge Arbeit zu Gebote, und es finden sich immer Menschen, die etwas zu tun bereit sind, um sie zu erhalten. Die Menge Arbeit, welche gegen Nahrungsmittel gekauft werden kann, ist wegen der hohen Löhne, die zuweilen für Arbeit gezahlt werden, zwar nicht immer nur genau so groß als zum Unterhalt der Arbeiter erforderlich wäre, wenn die Nahrungsmittel aufs Sparsamste zugemessen würden. Aber stets ist so viel Arbeit dafür zu haben, als die Nahrungsmittel je nach dem Satze unterhalten können, zu welchem diese Art von Arbeit in der Umgegend gewöhnlich unterhalten wird. Der Boden bringt jedoch fast in jeder Lage mehr Nahrung hervor, als zum reichlichsten Unterhalt aller der Arbeiter, deren es bedarf, um sie auf den Markt zu bringen, erforderlich ist. Auch ist der Überschuss stets mehr als hinreichend, um das in die Arbeit gesteckte Kapital mit Zinsen wieder zu erstatten. Etwas bleibt mithin stets als Rente für den Grundeigentümer übrig. Die ödesten Moore Norwegens und Schottlands bringen etwas Weide für das Vieh hervor, dessen Milch und Nachwuchs stets mehr als hinreichend ist, nicht nur die zur Wartung des Viehes erforderlichen Arbeiter zu ernähren, und dem Pächter oder Eigentümer der Herden den gewöhnlichen Kapitalgewinn zu verschaffen, sondern auch für den Grundherrn eine kleine Rente abzuwerfen. Diese Rente steigt mit der Güte des Weidelandes. Ein ebenso großes Stück Land ernährt zuweilen nicht allein eine größere Menge Vieh, sondern erfordert auch, da es auf kleinerem Raume beisammen ist, weniger Arbeit zu seiner Wartung und zur Einsammlung des Milchertrags. Der Grundeigentümer gewinnt doppelt: durch die Zunahme des Ertrags und durch die Verminderung der Arbeit, die aus ihm unterhalten wird. Die Grundrente ist nicht nur je nach der Fruchtbarkeit, welcher Art die Produkte auch sein mögen, sondern auch bei gleicher Fruchtbarkeit, je nach der Lage verschieden. Land in der Nähe einer Stadt wirft eine größere Rente ab als gleich fruchtbares Land in einer entlegenen Gegend. Kostet der Anbau des einen auch nicht mehr als der des anderen, so muss es doch immer mehr Kosten verursachen, die Produkte eines entlegenen Grundstücks auf den Markt zu bringen. Da mithin eine größere Menge Arbeit davon bezahlt werden muss, so wird notwendig der Überschuss, aus dem der Gewinn des Pächters und die Rente des Grundeigentümers gezogen wird, geringer werden. Aber in entlegenen Gegenden ist, wie schon gezeigt wurde, der Gewinnsatz gewöhnlich höher als in der Nähe einer großen Stadt und es muss daher dem Grundeigentümer ein kleinerer Anteil an diesem verringerten Überschuss zufallen. Gute Wege, Kanäle und schiffbare Flüsse ermäßigen die Frachtkosten und stellen dadurch die entlegenen Teile eines Landes mit der Umgegend einer Stadt ziemlich auf denselben Fuß. Sie sind deswegen der größte aller Fortschritte. Sie ermuntern den Anbau der entlegenen Gegenden eines Landes, die stets am umfangreichsten sind. Sie sind vorteilhaft für die Stadt, indem sie das Monopol des platten Landes der Umgegend aufheben; sie nützen aber auch dieser Umgegend selbst. Obwohl sie konkurrierende Waren auf ihren früheren Markt bringen, öffnen sie doch auch ihren Erzeugnissen manche neuen Märkte. Überdies ist das Monopol ein großer Feind guter Wirtschaft, die nur infolge jenes freien und allgemeinen Wettbewerbs, der jedermann um seiner eigenen Selbstverteidigung willen zwingt, sein Geschäft ordentlich zu treiben, sich allgemein verbreiten kann. Es ist kaum fünfzig Jahre her, dass einige Grafschaften in der Nähe von London bei dem Parlament gegen die Ausdehnung der Chausseen bis in die entfernteren Gegenden des Landes vorstellig wurden. Diese entlegeneren Gegenden, behaupteten sie, würden sich durch die Wohlfeilheit ihrer Arbeit instand gesetzt sehen, Heu und Getreide auf dem Londoner Markte wohlfeiler als sie zu verkaufen, und dadurch ihre Renten vermindern und ihren Landbau zugrunde richten. Ihre Renten sind jedoch seitdem gestiegen und ihr Bodenanbau hat sich verbessert. Ein Getreidefeld von mäßiger Fruchtbarkeit bringt viel mehr Nahrungsmittel für die Menschen hervor als der beste Weideplatz von gleichem Umfang. Erfordert seine Bestellung auch weit mehr Arbeit, so ist doch der nach Abzug der Saat und des Unterhalts der Arbeiter übrig bleibende Ertrag gleichfalls weit größer. Wäre mithin ein Pfund Fleisch zu keiner Zeit mehr wert gewesen als ein Pfund Brot, so würde jener größere Überschuss auch immer von größerem Werte sein, und sowohl den Gewinn des Pächters wie die Rente des Grundherrn erhöhen. Und so scheint es wirklich in den rohen Anfängen der Bodenkultur allgemein der Fall gewesen zu sein. Aber der relative Wert dieser verschiedenen Nahrungsmittel, des Brotes und des Fleisches, ist in den verschiedenen Zeiten der Landwirtschaft sehr ungleich. In ihren rohen Anfängen werden die nicht urbar gemachten Wildnisse, die zu dieser Zeit den bei weitem größten Teil des Landes einnehmen, samt und sonders dem Vieh überlassen. Es gibt dann mehr Fleisch als Brot, und folglich ist das Brot dasjenige Nahrungsmittel, für das die größte Konkurrenz vorhanden ist, und das darum auch höher im Preis steht. In Buenos-Aires waren, wie Ulloa erzählt, noch vor vierzig oder fünfzig Jahren vier Realen (2 ½ Pence) der gewöhnliche Preis eines aus einer Herde von zwei oder drei hundert Stück ausgesuchten Rindes. Vom Preise des Brotes redet Ulloa nicht, wahrscheinlich weil er nichts Auffallendes daran fand. Ein Rind, sagt er, kostet dort wenig mehr als die Arbeit, es zu fangen. Dagegen kann Getreide nicht ohne viele Arbeit gezogen werden, und in einem Lande, das am La Plata liegt, damals der direkten Straße von Europa nach den Silberminen von Potosi, konnte der Geldpreis der Arbeit nicht sehr wohlfeil sein. Anders verhält sich die Sache, wenn der Anbau sich schon über den größten Teil des Landes ausgedehnt hat. Dann gibt es mehr Brot als Fleisch, der Wettbewerb ändert seine Richtung, und der Preis des Fleisches wird höher als der des Brotes. Durch die Ausdehnung der Bodenkultur wird ohnehin das unbebaute Weideland unzureichend, der Nachfrage nach Fleisch zu genügen. Dann muss ein großer Teil des bestellten Landes zur Zucht und Mast des Viehs hergegeben werden, und der Preis des letzteren muss also hoch genug sein, um nicht nur die zur Viehzucht nötige Arbeit, sondern auch die Rente, welche der Grundeigentümer, und den Gewinn, den der Pächter aus solchem Lande zog, so lange es als Ackerland benutzt wurde, zu bezahlen. Das Vieh, das auf völlig unbebautem Heideland aufwächst, erzielt auf dem Markte je nach dem Gewicht oder der Güte denselben Preis wie das auf den besten Ländereien aufgezogene. Die Eigentümer solcher Heiden gewinnen dabei, und steigern die Rente ihres Landes nach dem Verhältnis des Viehpreises. Noch vor einem Jahrhundert war in vielen Gegenden der schottischen Hochlande Fleisch ebenso wohlfeil, oder noch wohlfeiler als Haferbrot. Nachdem aber die Vereinigung der beiden Königreiche dem Vieh des Hochlandes den englischen Markt geöffnet hat, ist der gewöhnliche Preis dreimal so hoch als am Anfang des Jahrhunderts, und die Renten vieler hochländischen Güter haben sich in derselben Zeit verdrei- und vervierfacht. Fast durchweg ist heute in Großbritannien ein Pfund des besten Fleisches mehr wert als zwei Pfund des besten Weizenbrots; und in Jahren reicher Ernten ist es mitunter drei oder vier Pfund Weizenbrot wert. So wird bei fortschreitender Kultur die Rente und der Gewinn unangebauten Weidelandes in einem gewissen Grade durch die Rente und den Gewinn des angebauten Landes und diese ihrerseits werden durch die Rente und den Gewinn des Getreides bedingt. Getreide erntet man Jahr aus, Jahr ein, Fleisch hingegen braucht vier oder fünf Jahre, um zum Verbrauch des Menschen reif zu werden. Bringt nun ein Morgen viel weniger von dem einen als von dem andern Nahrungsmittel hervor, so muss die geringere Menge durch den höheren Preis ausgeglichen werden. Würde sie mehr als ausgeglichen, so würde man mehr Getreideland in Weideplätze verwandeln; wäre dies nicht der Fall, so würde man einen Teil der Weideplätze wieder zum Getreidebau verwenden. Man muss jedoch festhalten, dass diese Gleichheit zwischen Rente und Gewinn von Gras, d. h. von einem Boden, dessen unmittelbares Erzeugnis Nahrung für Vieh, und einem andern, dessen unmittelbares Erzeugnis Nahrung für Menschen ist, nur durchschnittlich vom größten Teil des kultivierten Bodens eines großen Landes gilt. Gewisse örtliche Lagen aber können dies ändern, und Rente und Gewinn vom Grasland sind dort weit höher als vom Getreideland. So bewirkt oft in der Nähe einer großen Stadt die Nachfrage nach Milch und Pferdefutter, so wie der hohe Preis des Fleisches eine Steigerung des Werts von Grasland über sein so zu sagen natürliches Verhältnis zum Getreideland. Dieser örtliche Vorteil kann jedoch offenbar entfernteren Ländereien nicht zugutekommen. Manche Länder sind durch besondere Umstände so volkreich geworden, dass ihr ganzes Gebiet in ähnlicher Weise, wie die Ländereien in der Nähe einer großen Stadt, unzureichend geworden ist, um das für den Bedarf der Einwohner nötige Getreide und das Viehfutter zu liefern. Ihr Boden wird deshalb hauptsächlich zum Ziehen von Futterpflanzen benutzt, die wegen ihrer Massigkeit nicht so leicht aus weiter Ferne herbeigeschafft werden können, wohingegen das Getreide, das Nahrungsmittel der großen Masse des Volks, meist aus fremden Ländern eingeführt wird. Gegenwärtig befindet sich Holland in dieser Lage, und in der Blütezeit der Römer scheint es mit einem großen Teil des alten Italiens ebenso gewesen zu sein. Eine gute Viehzucht, sagte nach Ciceros Bericht der ältere Cato, ist das erste und gewinnreichste in der Landwirtschaft, leidliche Viehzucht das zweite, und schlechte das dritte. Der Feldwirtschaft wies er erst den vierten Platz im Gewinn und Vorteil an. In der Tat muss die Feldwirtschaft in der Umgegend Roms durch die häufigen Verteilungen von Getreide an das Volk, entweder umsonst oder zu sehr niedrigem Preise, damals außerordentlich entmutigt worden sein. Dies Getreide wurde aus den eroberten Provinzen gebracht, von denen manche dem Staate an Stelle von Steuern den zehnten Teil ihrer Bodenerzeugnisse zu einem festgesetzten Preis, etwa sechs Pence für das Peck, liefern mussten. Der niedrige Preis, zu dem dies Getreide an das Volk verteilt wurde, musste notwendig den Preis des aus Latium, dem alten Gebiete Roms, zu Markt kommenden, drücken und vom Getreidebau abschrecken. In einer waldlosen Gegend, deren Haupterzeugnis Getreide ist, wird ebenfalls ein wohlgehegtes Weideland oft besser rentieren als ein benachbartes Getreidefeld. Es dient zum Unterhalt des für den Ackerbau nötigen Viehs, und seine Rente wird in diesem Falle nicht sowohl von dem Werte seines eignen Erzeugnisses als von dem des Getreidelandes gezahlt, das als Weide dient. Die Rente würde wahrscheinlich sinken, wenn die benachbarten Ländereien alle zu Weide gemacht würden. Die gegenwärtige hohe Rente eingehegter Weiden in Schottland scheint von ihrer Seltenheit herzurühren, und wird wahrscheinlich nur so lange dauern, wie diese Seltenheit. Der Vorteil des Einhegens ist für die Weide größer als für das Getreide, da hierdurch die Arbeit des Hüters erspart wird, und das Vieh auch viel besser gedeiht, wenn es nicht von dem Hirten und seinem Hunde beunruhigt wird. Wo sich aber kein ähnlicher örtlicher Vorteil findet, muss natürlich die Rente und der Gewinn, die das Getreide, oder was sonst die gewöhnliche Pflanzennahrung des Volkes bildet, auf den dazu geeigneten Ackern ergibt, die Rente und den Gewinn der Weiden bestimmen. Es wäre zu erwarten, dass die Einführung der künstlichen Futterkräuter, der Rüben, der Möhren, des Kohls und anderer Auskunftsmittel, auf die man gekommen ist, um auf einem gleich großen Stück Land eine größere Anzahl Vieh zu ziehen, als es mit dem wildwachsenden Gras tunlich ist, den höheren Preis des Fleisches gegen das Brot etwas ermäßigte. In der Tat scheint es auch so zu sein, und man hat einigen Grund zu glauben, dass wenigstens auf dem Londoner Markte der Preis des Fleisches im Verhältnis zu dem des Brotes in neuerer Zeit viel niedriger ist als er es im Anfang des vorigen Jahrhunderts war. In dem Anhange zum Leben des Prinzen Heinrich hat uns Doktor Birch ein Verzeichnis der im Haushalt dieses Prinzen gewöhnlich gezahlten Fleischpreise gegeben. Es heißt dort, dass die vier Viertel eines Ochsen von 600 Pfd. ihn gewöhnlich ungefähr £ 9. 10 sh. gekostet haben; das macht 31 sh. 8 d. für 100 Pfund. Prinz Heinrich starb am 6. November 1612, in seinem neunzehnten Jahre. Im März 1764 wurde vom Parlament eine Untersuchung über die Ursachen der dermaligen hohen Lebensmittelpreise angeordnet. Unter anderem wurde von einem Reeder festgestellt, dass er im März 1763 für die Verproviantierung seiner Schiffe Rindfleisch mit 24 oder 25 Schilling für 100 Pfund bezahlt habe, was seiner Ansicht nach der gewöhnliche Preis war, während er in diesem teuren Jahre 27 sh. habe zahlen müssen. Gleichwohl ist dieser hohe Preis des Jahres 1764 um 4 sh. 8 d. wohlfeiler als der vom Prinzen Heinrich gezahlte gewöhnliche Preis, und nur das beste Rindfleisch eignet sich zum Einsalzen für weite Reisen. Der vom Prinzen Heinrich bezahlte Preis beträgt 3 4/5 Pence auf das Pfund vom ganzen Ochsen, gute und schlechte Stücke zusammen; folglich konnten nach diesem Satze ausgesuchte Stücke im Detailverkauf nicht unter 4 1/2 —5 d. das Pfund abgelassen werden. Bei der erwähnten Enquete von 1764 gaben die Zeugen an, dass ausgesuchte Stücke vom besten Rindfleisch den Verbraucher auf 4 und 4 ½ d. das Pfund und ordinäre Stücke im Allgemeinen auf 7 Farthing (1 ¾ d.) bis zu 2 ½ und 2 3/4 d. zu stehen kommen; ein Preis, der nach ihrer Aussage im Ganzen um einen halben Penny höher ist als der, für den dieselben Stücke im März verkauft zu werden pflegten. Dennoch ist auch dieser hohe Preis noch viel wohlfeiler als der gewöhnliche Detailpreis zur Zeit des Prinzen Heinrich sein musste. Während der ersten zwölf Jahre des vorigen Jahrhunderts war der Durchschnittspreis des besten Weizens auf dem Markte zu Windsor £ 1. 18 sh. 3 1/6 d. der Quarter à neun Winchester Bushels. Dagegen war in den zwölf Jahren vor 1764, letzteres Jahr mit inbegriffen, der Durchschnittspreis derselben Quantität Weizens auf dem nämlichen Markte £ 2. 1 sh. 9 ½ d. Hieraus geht hervor, dass in den zwölf ersten Jahren des vorigen Jahrhunderts der Weizen viel wohlfeiler und das Fleisch viel teurer war als in den zwölf Jahren vor 1764, mit Einschluss des letzteren Jahres. In allen großen Ländern wird der größte Teil des angebauten Bodens zur Erzeugung von Nahrung für Menschen oder Vieh verwendet. Rente und Gewinn dieses Teiles regeln die Rente und den Gewinn alles anderen angebauten Landes. Bringt irgendein Produkt weniger ein, so wird man den Boden bald in Kornfeld oder Weide verwandeln; bringt es mehr ein, so wird man einen Teil des Getreide- und Weidelandes auf das entsprechende Produkt verwenden. Produkte, die entweder größere Ausgaben beim ersten Anbau, oder einen größeren jährlichen Zuschuss für ihre weitere Kultur erfordern, scheinen zwar gewöhnlich eine größere Rente oder aber einen größeren Gewinn abzuwerfen als Getreide oder Futterkräuter; selten aber wird dieser Mehrertrag einen billigen Zins oder Ersatz für die Mehrkosten übersteigen. Bei einem Hopfen-, Obst- oder Gemüsegarten pflegt die Rente des Grundeigentümers und der Gewinn des Pächters höher zu sein als bei einem Getreidefeld oder Weideland. Aber es erfordert auch mehr Kosten, den Boden dazu herzurichten, und muss deshalb dem Grundeigentümer eine höhere Rente bringen. Andererseits erfordert solches Land eine aufmerksamere und geschicktere Behandlung: deshalb gebührt dem Pächter ein größerer Gewinn. Auch ist die Ernte, wenigstens der Hopfen- und Obstgärten, ungewisser, und der Preis muss deshalb außer dem Ersatz gelegentlicher Verluste auch noch eine Art Versicherungsprämie liefern. Die in der Regel ärmlichen, immer aber nur mäßigen Vermögensumstände der Gärtner, beweisen hinlänglich, dass ihre große Geschicklichkeit in der Regel nicht zu gut belohnt wird. Ihre angenehme Kunst wird von so vielen reichen Leuten zum Zeitvertreib ausgeübt, dass die, welche davon leben wollen, nur wenig Vorteil daraus ziehen können, weil die Leute, die eigentlich ihre besten Kunden sein sollten, sich mit ihren kostbarsten Produkten selber versorgen. Der Vorteil, den der Grundeigentümer aus solchen Anlagen zieht, scheint zu keiner Zeit größer gewesen zu sein als zum Ersatz der ursprünglichen Bestellungskosten hinreichend war. In der Landwirtschaft des Altertums scheint nächst dem Weinberge ein gutbewässerter Gemüsegarten derjenige Teil des Gutes gewesen zu sein, den man für den einträglichsten hielt. Doch meinte Demokrit, der ungefähr vor zweitausend Jahren über Landwirtschaft geschrieben hat, und bei den Alten als einer der Väter dieser Kunst galt, es sei nicht vorteilhaft, einen Gemüsegarten einzuhegen. Sein Gewinn, sagte er, ersetze die Kosten einer Steinmauer nicht und Ziegel – er verstand darunter, wie ich glaube, an der Sonne gebackene Ziegel – verwitterten durch Regen und raue Winde und bedürften beständiger Ausbesserung. Columella, der dies Urteil Demokrits mitteilt, widerspricht ihm nicht, sondern rät nur zu einer sehr wohlfeilen Einhegungsart, nämlich einem Zaune aus Brombeersträuchern und Dornen, der, wie er aus eigener Erfahrung wisse, sehr haltbar und undurchdringlich sei, zur Zeit Demokrits aber wenig bekannt gewesen zu sein scheint. Palladius tritt der Meinung Columellas, die auch Varro bestätigt hatte, bei. Nach dem Urteil dieser alten Schriftsteller war, wie es scheint, der Ertrag eines Gemüsegarten kaum mehr als hinreichend, um die ungemeine Pflege und die Kosten der Bewässerung bezahlt zu machen; denn damals, wie noch heute, erachtete man es in so heißen Ländern für notwendig, ein fließendes Wasser zu haben, das auf jedes Gartenbeet geleitet werden konnte. Auch jetzt noch hält man im größten Teil Europas einen Gemüsegarten nicht für einträglich genug, um einen besseren Zaun als den von Columella empfohlenen, zu verdienen. In Großbritannien und mehreren anderen nördlichen Ländern können die feineren Früchte nur unter dem Schutze einer Mauer zur Reife gebracht werden. In solchen Ländern muss daher der Preis des Obstes hoch genug sein, um die Kosten des Baues und Unterhalts der unentbehrlichen Einfriedigung zu bestreiten. Die Mauer des Obstgartens schließt oft auch den Gemüsegarten ein, dem dadurch der Vorteil einer Einhegung zuteilwird, die aus seinem Ertrage nicht hätte bezahlt werden können. Dass ein gut gehaltener und zur Vollkommenheit gebrachter Weinberg der wertvollste Teil eines Gutes sei, scheint in der Landwirtschaft der Alten ein unbezweifelter Grundsatz gewesen zu sein, wie er es heute noch in allen Weinländern ist. Ob es aber vorteilhaft sei, einen neuen Weinberg anzulegen, war, wie man aus Columella ersieht, unter den alten italienischen Landwirten eine Streitfrage. Er selbst entscheidet sich als ein wahrer Liebhaber aller sorgfältigen Kultur zugunsten des Weinbergs und sucht durch einen Vergleich des Gewinnes mit den Kosten zu beweisen, dass der Weinbau eine sehr vorteilhafte Kultur sei. Vergleiche zwischen Gewinn und Kosten sind jedoch bei neuen Produkten in der Pegel höchst trügerisch, am allermeisten aber in der Landwirtschaft. Wäre der aus solchen Pflanzungen sich ergebende Gewinn in der Pegel so groß gewesen, wie Columella annahm, so hätte kein Streit darüber bestehen können. Der nämliche Punkt ist auch heute noch in Weinländern oft streitig. Die dortigen Schriftsteller über Landwirtschaft scheinen wie Columella als Freunde und Beförderer einer hohen Kultur, allerdings im Allgemeinen geneigt sich zu Gunsten des Weinbaues zu erklären. Auch scheint in Frankreich der Eifer, mit dem die Eigentümer alter Weinberge die Anlagen neuer zu hintertreiben suchen, für ihre Meinung zu sprechen und darauf hinzudeuten, dass diejenigen, bei denen die nötige Erfahrung vorausgesetzt werden kann, diesen Kulturzweig vorläufig für vorteilhafter halten als jeden andern im Lande. Es scheint jedoch gleichzeitig auch darauf hinzudeuten, dass der höhere Gewinn nicht länger dauern kann als die Gesetze, welche gegenwärtig den freien Anbau des Weins einschränken. Im Jahre 1731 wurde ein Ministerialbefehl erwirkt, der sowohl die Anlegung neuer Weinberge als auch die Wiederherstellung derer, deren Bebauung zwei Jahre lang unterblieben war, verbot, es sei denn, dass, auf Bericht des Intendanten der Provinz, dass das Land untersucht und zu jeder anderen Kultur untauglich befunden sei, der König eine ausdrückliche Erlaubnis hierzu gebe. Den Vorwand zu diesem Erlass gab der Mangel an Getreide und Viehfutter und der Überfluss an Wein. Wäre dieser Überfluss aber wirklich festgestellt worden, so würde er auch ohne einen Ministerialerlass die Anlegung neuer Weinberge dadurch verhindert haben, dass er den Gewinn dieses Kulturzweiges unter sein natürliches Verhältnis zu dem Gewinn vom Getreide und Viehfutter heruntergebracht hätte. Was den Kornmangel betrifft, der durch die Vermehrung der Weinberge angeblich verursacht sein soll, so wird in ganz Frankreich nirgends so sorgfältig Getreide gebaut, wie gerade, soweit der Boden sich dazu eignet, in den Weinprovinzen, wie in Burgund, Guyenne und Ober-Languedoc. Die vielen Arbeiter, die in dem einen Kulturzweige gebraucht werden, muntern notwendig zu dem andern auf, indem sie für die Produkte des letzteren einen nahen Markt schaffen. Die Zahl der zahlungsfähigen Verbraucher zu verringern, ist gewiss ein höchst ungeeignetes Mittel, den Getreidebau zu fördern. Es ist das eine ähnliche Wirtschaftspolitik, wie die, welche den Landbau dadurch fördern will, dass sie die Industrie schwächt. Rente und Gewinn von den Erzeugnissen, die entweder größere anfängliche Kosten zur Herrichtung des Landes, oder größere jährliche Kosten erfordern, sind also zwar oft weit höher als die von Getreide und Weideland, werden aber, wenn sie nur diese außergewöhnlichen Kosten wieder erstatten, in Wahrheit durch die Rente und den Gewinn dieser gewöhnlichen Ernten bestimmt. Allerdings kommt es zuweilen vor, dass das Stück Landes, welches für ein bestimmtes Produkt eingerichtet werden kann, zu klein ist, um die wirksame Nachfrage zu befriedigen. Der gesamte Ertrag kann an solche Abnehmer verkauft werden, die etwas mehr zu geben bereit sind als die Bezahlung der Rente, des Gewinns und Lohns nach ihren natürlichen oder in den meisten Teilen des übrigen kultivierten Landes bewilligten Sätzen zusammen erfordert. Der Rest des Preises, der nach Bezahlung der gesamten Anlage- und Kulturkosten übrig bleibt, mag in diesem Falle, aber auch nur in diesem, gewöhnlich in keinem regelmäßigen Verhältnis zu dem gleichen Überschuss von Getreide und Viehfutter stehen, sondern es in beliebigem Maße überschreiten, und das meiste von diesem Überschuss kommt dem Grundeigentümer als Rente zugute. Das gewöhnliche und natürliche Verhältnis, z. B. zwischen der Rente und dem Gewinn des Weins und denen des Getreides und Futters, kann man nur bei denjenigen Weinbergen anzutreffen erwarten, die bloß die gewöhnlichen guten Weine hervorbringen, d. h. solche, die fast überall auf jedem leichten Kies- oder Sandboden wachsen und sich nur durch ihre Stärke und Zuträglichkeit empfehlen. Nur mit solchen Weinbergen kann der gewöhnliche Boden des Landes in Wettbewerb treten; dass er es mit denen von ausgezeichneter Qualität nicht kann, ist von selbst klar. Der Wein wird durch die Verschiedenheit des Bodens mehr beeinflusst als jede andere Frucht. Mancher Boden erteilt ihm eine Blume, die, wie man annimmt, weder Kultur noch Behandlung ihm auf einem anderen Boden geben kann. Diese wirkliche oder eingebildete Blume ist zuweilen dem Produkte einiger weniger Weinberge eigen, bald erstreckt sie sich über die meisten Weinberge eines kleinen Gebiets, bald endlich über einen beträchtlichen Teil einer großen Provinz. Die ganze auf den Markt gebrachte Quantität solcher Weine bleibt hinter der wirksamen Nachfrage d. h. der Nachfrage derer, die Rente, Gewinn und Lohn nach den üblichen oder für gewöhnliche Weinberge geltenden Sätzen vollauf zu bezahlen bereit sind, zurück. Die ganze Quantität kann mithin an Leute verkauft werden, die mehr zu zahlen bereit sind, und hierdurch steigt der Preis notwendig über den des gewöhnlichen Weins. Die Differenz ist größer oder kleiner, je nachdem die Mode und der geringe Vorrat den Wettbewerb der Käufer mehr oder weniger anfeuert. Stets aber fällt das meiste davon der Rente des Grundeigentümers zu. Denn obschon solche Weinberge gewöhnlich sorgfältiger bestellt werden als die meisten übrigen, so scheint doch der hohe Preis des Weines nicht sowohl eine Wirkung als die Ursache dieser sorgfältigen Kultur zu sein. Bei einem so wertvollen Produkte ist ein durch Nachlässigkeit herbeigeführter Verlust groß genug, um auch den Fahrlässigsten zur Aufmerksamkeit zu nötigen. Demnach ist ein kleiner Teil des hohen Preises hinreichend, den Lohn für die ungewöhnlich große Arbeit und den Gewinn für das mehr als gewöhnliche Kapital zu erstatten. Die Zuckerpflanzungen, die die europäischen Nationen in Westindien besitzen, lassen sich mit diesen edlen Weinbergen vergleichen. Ihr gesamtes Erträgnis bleibt hinter der wirksamen Nachfrage von Seiten Europas zurück und lässt sich an Abnehmer verkaufen, die mehr zu geben bereit sind als zur Deckung der Rente, des Gewinnes und Lohnes nach den Sätzen hinreicht, zu welchen sie durch andere Produkte bezahlt zu werden pflegen. In Cochinchina pflegt nach der Angabe Poivres[8 - Voyage d’un philosophe.] eines sehr sorgfältigen Beobachters der Landwirtschaft dieses Landes, der Zentner vom feinsten weißen Zucker für drei Piaster also etwa 13 sh. 6 d. unseres Geldes, verkauft zu werden. Der dortige Zentner wiegt zwischen 150—200, oder in einer Durchschnittszahl 175 Pariser Pfund, was den Preis eines englischen Zentners von hundert Pfund auf etwa 8 sh. stellt also nicht den vierten Teil dessen, was gewöhnlich für den aus unseren Kolonien eingeführten braunen Zucker (Muskovade) gezahlt wird, und nicht den sechsten Teil dessen, was der feinste weiße Zucker kostet. Auf dem größten Teil des kultivierten Landes in Cochinchina werden Getreide und Reis, die Nahrungsmittel der Volksmassen, gebaut. Die Preise des Getreides, Reises und Zuckers stehen dort wahrscheinlich in ihrem natürlichen Verhältnis zueinander, d. h. in demjenigen, welches naturgemäß zwischen den verschiedenen Erzeugnissen des meisten kultivierten Landes platzgreift und sowohl den Grundeigentümer wie den Pächter für die anfänglichen Kosten der Anlage und die jährlichen Kosten der Bebauung ungefähr entschädigt. Dagegen steht der Preis des Zuckers in unseren Zuckerpflanzungen zu dem des Reises und Getreides in Europa und Amerika in keinem solchen Verhältnis. Man sagt, dass nach den Erwartungen der Zuckerpflanzer Rum und Sirup alle Kosten der Pflanzung decken müssen, der Zucker selbst aber als reiner Gewinn übrig bleibt. Wenn dies wahr ist, was ich dahingestellt sein lasse, so wäre es ungefähr dasselbe als wenn ein Getreidepächter für alle seine Kosten durch Streu und Stroh entschädigt zu werden erwartete, um das Korn als reinen Gewinn übrig zu behalten. In London und anderen Handelsstädten sieht man oft Handelsgesellschaften wüste Ländereien in unseren Zuckerkolonien kaufen, um sie durch Faktoren und Verwalter mit Gewinn anbauen und kultivieren zu lassen, trotz der weiten Entfernung und trotzdem, dass bei der mangelhaften Rechtspflege in jenen Ländern die Wiedererstattung des Kapitals höchst unsicher ist. Niemandem fällt es dagegen ein, selbst die fruchtbarsten Ländereien Schottlands und Irlands, oder die Kornprovinzen Nordamerikas durch Agenten und Verwalter bewirtschaften zu lassen, obwohl sich wegen der geordneteren Rechtspflege dieser Länder von dorther eine regelmäßigere Wiedererstattung erwarten lässt. In Virginien und Maryland wird der Tabaksbau dem Getreidebau als einträglicher vorgezogen. Der Tabak könnte in den meisten europäischen Ländern mit Vorteil gebaut werden, ist aber fast überall eines der hauptsächlichsten Steuerobjekte geworden, und man denkt, es werde schwieriger sein, die Steuer von jedem einzelnen Gute, auf dem diese Pflanze gezogen würde, einzutreiben, als sie am Zollhause bei der Einfuhr zu erheben. Aus diesem Grunde verbot man törichter Weise den Tabaksbau in den meisten europäischen Ländern, und verschaffte dadurch notwendig den Ländern, in denen er erlaubt ist, eine Art Monopol; und da Virginien und Maryland die größte Menge Tabak hervorbringen, so haben sie, obgleich nicht ganz ohne Konkurrenten, reiche Vorteile von diesem Monopol. Indes scheint der Tabaksbau doch nicht so vorteilhaft zu sein als der Bau des Zuckers. Ich habe nie von einer Tabakspflanzung gehört, die durch das Kapital in Großbritannien wohnender Kaufleute angelegt und kultiviert wäre, und unsere Tabakskolonien schicken uns keine so reich gewordenen Pflanzer nach Hause, wie wir sie oft aus unseren Zuckerinseln anlangen sehen. Obwohl nach dem Vorzug, den man in jenen Kolonien dem Tabaksbau vor dem Getreidebau gibt, geschlossen werden zu müssen scheint, dass die wirksame europäische Nachfrage nach Tabak nicht vollständig befriedigt wird, so ist es doch wahrscheinlich mehr der Fall als beim Zucker; und obwohl der jetzige Preis des Tabaks wahrscheinlich mehr als hinreichend ist, Ernte, Lohn und Gewinn nach den Sätzen, die in Getreideländern bezahlt zu werden pflegen, zu decken, so kann er doch nicht um so vieles höher sein als es der gegenwärtige Preis des Zuckers ist. Darum haben auch unsere Tabakspflanzer dieselbe Furcht vor einem Überfluss an Tabak an den Tag gelegt, wie die Eigentümer alter Weinberge in Frankreich vor einem Überfluss an Wem. Durch gesetzliche Akte schränken sie den Tabaksbau auf sechstausend Pflanzen (die etwa tausend Pfund Tabak liefern) für jeden Neger zwischen sechzehn und sechzig Jahren ein. Ein Neger kann, wie man rechnet, außer dieser Menge Tabak noch vier Acres Mais besorgen. Um den Markt vor Überführung zu bewahren, soll man, wie Dr. Douglas[9 - Douglas, Summary. Vol. II, p. 372, 373.] – wohl nach unzuverlässigen Quellen – berichtet, zuweilen in ertragreichen Jahren eine bestimmte Menge Tabak, im Verhältnis zur Zahl der Neger, verbrannt haben, wie es auch die Holländer angeblich mit ihren Gewürzen machen. Wenn ein so gewaltsames Verfahren nötig ist, um den gegenwärtigen Preis des Tabaks aufrecht zu erhalten, so wird der etwaige größere Vorteil, den der Tabaksbau vor dem Getreidebau voraushat, wahrlich nicht mehr von langer Dauer sein. Auf diese Weise also bestimmt die Ernte des mit menschlichen Nahrungsmitteln angebauten Landes, die Rente des meisten übrigen angebauten Landes. Sein Produkt kann lange Zeit hindurch weniger abwerfen, weil sonst der Boden sogleich zu einem anderen Gebrauche eingerichtet würde; wenn aber ein Produkt für gewöhnlich mehr abwirft, so hat das seinen Grund darin, dass die Menge Landes, welches dazu gebraucht werden kann, zu klein ist, um die wirksame Nachfrage zu befriedigen. In Europa ist das Getreide das hauptsächlichste unmittelbar zur Nahrung der Menschen dienende Erzeugnis des Bodens. Daher bestimmt hier auch mit Ausnahme weniger Fälle die Rente des Getreidelandes die alles anderen angebauten Landes. Britannien braucht weder Frankreich um seine Weinberge, noch Italien um seine Olivenhaine zu beneiden. Mit wenigen Ausnahmen wird ihr Wert durch den des Getreides bestimmt, und in diesem steht Britannien keinem der beiden Länder an Fruchtbarkeit viel nach. Wenn in irgendeinem Lande das allgemeinste und beliebteste pflanzliche Nahrungsmittel des Volkes in einer Pflanze bestände, von der der gewöhnlichste Boden bei gleicher oder fast gleicher Kultur eine weit größere Menge hervorbrächte als der fruchtbarste Getreideboden, so würde die Rente des Grundeigentümers oder der Überschuss, der ihm nach Bezahlung der Arbeit und Wiedererstattung des Kapitals samt üblichem Gewinn übrig bliebe, notwendig viel größer sein. Wie hoch auch der gewöhnliche Unterhalt der Arbeiter in diesem Lande zu stehen käme, so könnte doch jener Überschuss stets eine größere Zahl von ihnen unterhalten und folglich den Grundeigentümer instand setzen, über die größere Anzahl zu verfügen. Der wahre Wert seiner Rente, seine wahre Macht und Autorität, seine Verfügungskraft über die Bedürfnisse und Genussmittel des Lebens, die er durch anderer Arbeit erlangen könnte, würde notwendig viel größer sein. Ein Reisfeld bringt eine weit größere Menge Nahrung hervor als das fruchtbarste Kornfeld. Zwei Ernten des Jahres, von dreißig bis sechzig Bushel jede, sollen der gewöhnliche Ertrag eines Acre sein. Obgleich nun der Reisbau mehr Arbeit erfordert, so bleibt doch nach Abzug des Unterhalts aller Arbeiter ein weit größerer Überschuss zurück. Daher muss in den Reisländern, wo der Reis die allgemein beliebte pflanzliche Nahrung des Volkes ist, und wo die Landarbeiter selbst fast ihren ganzen Unterhalt damit bestreiten, von diesem größeren Überschuss auch dem Grundeigentümer ein größerer Anteil zugutekommen als in den Getreideländern. In Carolina, wo die Pflanzer, wie in anderen britischen Kolonien, zugleich Pächter und Grundeigentümer sind, und wo deshalb die Rente mit dem Gewinn zusammenfällt, findet man den Reisbau einträglicher als den Getreidebau, obgleich die Felder nur eine Ernte im Jahre geben, und der Reis wegen der vorherrschenden europäischen Lebensart nicht das allgemein beliebte Nahrungsmittel des Volkes ist. Ein gutes Reisfeld bildet das ganze Jahr hindurch einen Sumpf, und in einer Jahreszeit einen mit Wasser bedeckten Sumpf. Es eignet sich weder für Getreide- noch für Futterbau noch für Weinbau, oder überhaupt für irgendeine Nutzpflanze; und Ländereien, die sich zu diesen Zwecken eignen, sind nicht tauglich zum Reisbau. Daher kann auch selbst in Reisländern die Rente der Reisfelder nicht die Rente des übrigen angebauten Bodens bestimmen, da dieser niemals zum Reisbau gebraucht werden kann. Die auf einem Kartoffelfelde erzeugte Nahrung steht dem Produkte eines Reisfeldes an Menge nicht nach, und übertrifft den Ertrag eines Weizenfeldes bei weitem. Zwölftausend Pfund Kartoffeln von einem Acre Land ist im Verhältnis nicht mehr als zweitausend Pfund Weizen. Zwar steht der solide Nahrungsstoff, der aus jeder dieser beiden Pflanzen gewonnen werden kann, in keinem Verhältnis zu ihrem Gewichte, da die Kartoffeln viel Wasser enthalten; aber auch zugegeben, das halbe Gewicht dieser Wurzel werde zu Wasser – in Wahrheit ist es nicht so viel —, so bringt doch ein Kartoffelfeld sechstausend Pfund soliden Nahrungsstoffes also dreimal so viel als ein gleich großer Weizenacker hervor. Ein Kartoffelfeld lässt sich mit weniger Kosten bestellen als ein Weizenfeld, da die Brache, die gewöhnlich der Aussaat des Weizens vorhergeht, das Hacken und die übrige Arbeit, deren die Kartoffel bedarf, mehr als aufwiegt. Sollte diese Wurzel jemals in einem europäischen Lande ebenso wie der Reis in manchen Reisländern zum allgemein beliebten pflanzlichen Nahrungsmittel des Volkes werden, so dass ihr eben so viel Boden gewidmet würde als man jetzt für Weizen und andere Getreidearten bestimmt, so würde eine gleiche Menge Landes eine weit größere Menschenmenge ernähren, und da die Arbeiter allgemein von Kartoffeln lebten, würde nach Wiedererstattung des Kapitals und des Unterhalts aller zur Bodenkultur nötigen Arbeit ein größerer Überschuss bleiben. Auch der Anteil des Grundbesitzers an diesem Überschuss würde größer werden. Die Bevölkerung würde wachsen, und die Renten würden weit höher steigen als sie gegenwärtig stehen. Ein Boden, der sich zum Kartoffelbau eignet, ist zu fast allen anderen Nutzpflanzen tauglich. Nähmen die Kartoffeln eben so viel bebautes Land ein als jetzt das Getreide, so würden sie gerade so wie dieses die Rente des meisten übrigen bebauten Landes bestimmen. In einigen Gegenden von Lancashire behauptet man, wie man mir gesagt hat, dass Haferbrot eine kräftigere Nahrung für Arbeiter sei als Weizenbrot; und dieselbe Ansicht habe ich in Schottland oft aufstellen hören. Ich hege indes einigen Zweifel an ihrer Dichtigkeit. Die unteren Volksklassen in Schottland, die von Hafermehl leben, sind im Allgemeinen weder so stark noch so hübsch als dieselben Volksklassen in England, wo sie Weizenbrot essen. Die Schotten arbeiten weder so gut, noch sehen sie so gut aus, und da unter den besseren Klassen der beiden Länder kein solcher Unterschied besteht, so scheint die Erfahrung zu lehren, dass die Nahrung der unteren Volksklassen in Schottland dem menschlichen Körper nicht so zuträglich ist als die der nämlichen Volksklassen in England. Anders verhält sich die Sache bei den Kartoffeln. Die Londoner Sänften-, Last- und Kohlenträger sind vielleicht die kräftigsten Männer, und jene unglücklichen Weiber, die von der Prostitution leben, die schönsten Frauen im ganzen britischen Gebiete, und doch sollen sie größtenteils der untersten Volksklasse Irlands angehören, die fast nur von jener Wurzel lebt. Einen sprechenderen Beweis seiner Nahrhaftigkeit und Zuträglichkeit für den menschlichen Körper hat kein anderes Nahrungsmittel aufzuweisen. Es hält schwer, die Kartoffeln ein Jahr lang, und ist unmöglich, sie wie das Getreide zwei oder drei Jahre aufzubewahren. Die Furcht, sie nicht verkaufen zu können, ehe sie faulen, hält von ihrem Anbau ab, und ist vielleicht das hauptsächlichste Hindernis, warum sie nicht, gleich dem Brot, in großen Ländern das vegetabilische Hauptnahrungsmittel für alle Klassen des Volkes werden. Zweite Abteilung Bodenerzeugnisse, die zuweilen Rente geben, zuweilen nicht Menschliche Nahrungsmittel scheinen das einzige Bodenerzeugnis zu sein, das stets und notwendig dem Grundeigentümer eine Rente ab wirft. Andere Arten von Produkten geben unter Umständen Rente, unter anderen aber auch keine. Nächst der Nahrung sind Kleidung und Wohnung die beiden großen Bedürfnisse der Menschen. Der Boden in seinem natürlichen rohen Zustande kann für viel mehr Menschen Stoffe zu Kleidung und Wohnung als zur Nahrung gewähren; im Kulturzustande dagegen kann er zuweilen weit mehr Menschen mit Nahrung als mit jenen Stoffen versorgen, wenigstens mit solchen, wie sie sie wünschen und zu bezahlen bereit sind. In dem ersteren Zustande ist daher immer ein Überfluss an diesen Stoffen vorhanden, die deswegen oft nur von geringem oder gar keinem Werte sind. Im anderen dagegen tritt oft ein Mangel ein, der ihren Wert notwendig steigert. In dem einen Zustande wird ein großer Teil von ihnen als nutzlos weggeworfen, und der Preis der benutzten Stoffe nicht höher angeschlagen als zum Werte der Arbeit und der Kosten der Nutzbarmachung, so dass also für den Grundeigentümer keine Rente verbleibt; in dem anderen dagegen wird alles gebraucht und oft mehr verlangt als zu haben ist. Irgendjemand ist stets bereit, für einen oder den anderen dieser Stoffe mehr zu geben als zur Deckung der Kosten, welche sie bis zum Verkauf verursachen, nötig ist. Der Preis kann mithin stets eine Rente für den Grundeigentümer abwerfen. Die ursprünglichen Kleidungsstoffe waren die Häute der größeren Tiere. Unter Jäger- und Hirtenvölkern, deren Nahrung hauptsächlich in dem Fleisch dieser Tiere besteht, versorgt sich mithin jeder zugleich mit Nahrung und den Stoffen zur Kleidung in größerer Menge als er selbst verwenden kann. Gäbe es keinen auswärtigen Handel, so würde das Meiste als wertlos weggeworfen werden. So geschah es wahrscheinlich bei den Hirtenvölkern Nordamerikas zu der Zeit als ihr Land noch nicht von den Europäern entdeckt war, mit denen sie jetzt ihr überflüssiges Pelzwerk gegen wollene Decken, Feuergewehre und Branntwein vertauschen, wodurch das Pelzwerk einen Wert erhält. Unter den gegenwärtigen Handelsverhältnissen der bekannten Welt haben wohl die rohesten Völker, bei denen das Eigentum an Grund und Boden eingeführt ist, einen auswärtigen Handel dieser Art, und finden unter ihren wohlhabenderen Nachbarn eine solche Nachfrage nach allen Stoffen zur Bekleidung, die ihr Land hervorbringt, und die sie weder verarbeiten noch verbrauchen können, dass ihr Preis die Kosten übersteigt, die die Versendung an diese wohlhabenderen Nachbarn verursacht. Mithin werfen sie für den Grundeigentümer eine Rente ab. Als das Vieh der Hochlande noch größtenteils auf den eigenen Bergen verzehrt wurde, machte die Ausfuhr der Häute den bedeutendsten Handelsartikel des Landes aus, und der Preis, den man dafür in Tausch erhielt, gewährte einen Zuschuss zur Rente der Güter in den Hochlanden. Die englische Wolle, die in früheren Zeiten im Lande weder verbraucht noch verarbeitet werden konnte, fand in dem damals reicheren und gewerbfleißigeren Flandern einen Markt, und ihr Preis lieferte zu der Rente des Bodens, auf dem sie hervorgebracht wurde, einen Beitrag. In Ländern, die nicht besser kultiviert sind als England es damals war, oder die schottischen Hochlande jetzt, und die keinen auswärtigen Handel haben, werden die Bekleidungsstoffe offenbar in einem solchen Überfluss vorhanden sein, dass sie großenteils als nutzlos weggeworfen und dem Grundeigentümer keine Rente liefern werden. Die Baumaterialien können nicht immer so weit verschickt werden, wie die Bekleidungsstoffe, und werden nicht so leicht ein Gegenstand des auswärtigen Handels. Sind sie in dem Erzeugungslande im Überfluss vorhanden, so ist selbst bei dem gegenwärtigen Stande des Welthandels der Fall nicht selten, dass sie für den Grundeigentümer wertlos sind. Ein guter Steinbruch in der Nähe von London würde eine ansehnliche Rente abwerfen; in vielen Gegenden von Schottland und Wales bringt er gar keine. Bauholz hat in einem bevölkerten und wohlbebauten Lande großen Wert, und der Boden, auf dem es wächst, gewährt eine ziemlich hohe Rente. Dagegen würde in vielen Gegenden Nordamerikas der Grundeigentümer jedem zu Dank verpflichtet sein, der ihm seine großen Baumstämme fortfahren wollte. In einigen Teilen der schottischen Hochlande ist wegen mangelnder Land- und Wasserfracht die Rinde der einzige Teil des Holzes, der zu Markte gebracht werden kann; das Bauholz lässt man auf dem Boden verfaulen. Sind Baumaterialien in solchem Überfluss vorhanden, so ist der Teil von ihnen, den man nutzt, nur die Arbeit und die Kosten der Nutzbarmachung wert. Er bringt dem Grundeigentümer, der in der Regel jedem, der um die Erlaubnis nachsucht, die Benutzung gestattet, keine Rente. Doch setzt ihn zuweilen die Nachfrage reicherer Nationen instand, eine Rente daraus zu ziehen. Die Straßenpflasterung in London gewährte den Eigentümern einiger kahler Felsen an der schottischen Küste die Möglichkeit, eine Rente aus einem Gegenstände zu ziehen, der früher niemals eine geliefert hatte. Die Wälder in Norwegen und an den Küsten des Baltischen Meeres finden in vielen Gegenden Großbritanniens einen Markt, den sie zu Hause nicht finden konnten, und verschaffen dadurch ihren Eigentümern eine Rente. Der Volksreichtum eines Landes hängt nicht von der Zahl von Leuten ab, denen es ihre Kleidung und Wohnung verschaffen kann, sondern davon, wie viele Menschen es zu ernähren vermag. Ist Nahrung vorhanden, so fällt es nicht schwer, die nötige Kleidung und Wohnung zu finden; aber nicht immer, wenn diese vorhanden sind, ist es leicht Nahrung zu finden. Selbst in einigen Gegenden des britischen Reichs gibt es menschliche Wohnungen, die von einem einzigen Manne an einem Tage hergestellt werden können. Etwas, aber nicht viel mehr Arbeit erfordert die Herstellung der einfachsten Art der Bekleidung aus Tierhäuten. Bei wilden und rohen Völkern reicht der hundertste oder etwas mehr als der hundertste Teil der Jahresarbeit hin, das geringe Kleidungs- und Wohnungsbedürfnis zu befriedigen, die übrigen neunundneunzig Teile dagegen aber oft kaum, sich die Nahrungsmittel zu verschaffen. Aber wenn vermöge der fortschreitenden Kultur des Landes die Arbeit einer Familie für zwei Familien Nahrung hervorbringt, dann bedarf es nur der Arbeit der halben Bevölkerung, um die ganze mit Nahrungsmitteln zu versehen. Die andere Hälfte oder wenigstens ihr größter Teil kann sich nun mit der Herstellung anderer Dinge beschäftigen, oder mit der Befriedigung anderer wirklicher und eingebildeter Bedürfnisse der Menschen. Kleidung und Wohnung, Hausgerät und sonstige Ausstattungen bilden die Hauptgegenstände unter diesen wirklichen und eingebildeten Bedürfnissen. Der Reiche verzehrt nicht mehr Nahrung als sein armer Nächster. An Qualität mag sie eine andere sein, und es mag mehr Arbeit und Kunst erfordern, sie zu bereiten; aber die Quantität bleibt so ziemlich die nämliche. Man vergleiche jedoch den geräumigen Palast und die große Garderobe des einen mit der Hütte und den wenigen Lumpen des Anderen, und man wird merken, dass der Unterschied zwischen ihrer Kleidung, Wohnung und ihrem Hausgerät der Menge nach fast ebenso groß ist, wie der Beschaffenheit nach. Das Verlangen nach Nahrung ist bei jedem Menschen durch die Verdauungsfähigkeit des Magens beschränkt; aber das Verlangen nach Bequemlichkeiten und Schmuck in Gebäuden, im Anzug, in der ganzen Ausstattung scheint ohne Grenzen und bestimmte Schranken zu sein. Darum sind diejenigen, denen mehr Nahrung zu Gebote steht als sie selbst verzehren können, immer gern bereit, ihren Überschuss oder, was auf dasselbe hinauskommt, den Preis dafür gegen Genüsse jener Art zu vertauschen. Was nach Befriedigung des begrenzten Verlangens übrig bleibt, wird zur Erfüllung derjenigen Wünsche verwendet, denen nie genug getan werden kann, sondern die endlos zu sein scheinen. Der Arme müht sich, um Nahrung zu erhalten, ab, die eingebildeten Bedürfnisse des Reichen zu befriedigen, und um jene sicherer zu erhalten, überbieten sie einander in der Wohlfeilheit und Vollendung ihrer Arbeit. Die Zahl der Arbeiter wächst mit der zunehmenden Menge von Nahrungsmitteln oder mit der steigenden Kultur des Bodens; und da die Natur ihres Geschäfts die äußerste Arbeitsteilung zulässt, so nimmt die Menge der Stoffe, die sie verarbeiten können, in einem weit größeren Maßstabe zu als ihre Anzahl. Daraus entspringt eine Nachfrage nach allen Arten von Stoffen, die der erfinderische Geist der Menschen entweder zum Nutzen oder als Zierrat an Gebäuden, an der Kleidung, an Möbeln und anderem Gerät zu verwenden weiß; also eine Nachfrage nach den im Inneren der Erde verborgenen Fossilien und Mineralien, nach edlen Metallen und Edelsteinen. So sind also die Nahrungsmittel nicht nur die ursprüngliche Quelle der Rente, sondern auch jedes andere Bodenprodukt, das später Rente abwirft, leitet diesen Teil seines Werts von den durch die steigende Bodenkultur vervollkommneten Kräften der auf Nahrungserzeugung verwendeten Arbeit ab. Doch werfen jene anderen Bodenprodukte, die später eine Rente liefern, sie nicht immer ab. Selbst in wohlbebauten Ländern ist die Nachfrage nach ihnen nicht immer so groß, dass sie einen Preis zuwege brächten, der mehr als hinreichend wäre, die Arbeit bezahlt zu machen und das Kapital, welches zu ihrer Herstellung gebraucht wurde, samt seinem gewöhnlichen Gewinn wiederzuerstatten. Ob dies geschieht oder nicht, hängt von verschiedenen Umständen ab. Ob z. B. eine Kohlengrube eine Rente geben kann, hängt zum Teil von ihrer Ergiebigkeit, zum Teil von ihrer Lage ab. Ein Bergwerk wird als ergiebig oder geringhaltig betrachtet, je nachdem die Menge an Erzen, die sich durch eine bestimmte Menge Arbeit daraus gewinnen lässt, größer oder kleiner ist als die, welche durch eine gleiche Arbeit aus den meisten ähnlichen Bergwerken gezogen werden kann. Manche vorteilhaft gelegenen Kohlenlager können wegen ihrer Geringhaltigkeit nicht erschlossen werden: ihr Produkt deckt die Kosten nicht, und sie können weder Gewinn noch Rente bringen. Manche gibt es, deren Ertrag eben hinreicht, die Arbeit bezahlt zu machen und das in ihren Betrieb gesteckte Kapital samt dem gewöhnlichen Gewinn wiederzuerstatten. Dem Unternehmer des Betriebs bringen sie einigen Gewinn, für den Grundeigentümer aber werfen sie keine Rente ab. Sie können daher nur vom Grundeigentümer mit Vorteil abgebaut werden, der, wenn er selbst Unternehmer ist, den gewöhnlichen Gewinn des hineingesteckten Kapitals bezieht. Viele schottische Kohlengruben werden auf diese Weise abgebaut, und könnten sonst nicht benutzt werden. Der Grundeigentümer wird niemandem gestatten, sie ohne Zahlung einer Rente zu bearbeiten, und doch kann niemand eine Rente zahlen. Andere Kohlengruben desselben Landes, die ergiebig genug sind, können wegen ihrer Lage nicht ausgebeutet werden. Zwar könnten durch die gewöhnliche Arbeitsmenge genug Kohlen gefördert werden, um die Betriebskosten zu decken, aber die geförderte Menge ließe sich in dem spärlich bewohnten und weder mit Land- noch Wasserstraßen versehenen Binnenlande nicht verkaufen. Kohlen sind ein weniger angenehmes Brennmaterial als Holz und sollen auch weniger zuträglich sein. Darum müssen die Kosten der Kohlen an dem Verbrauchsorte im Allgemeinen etwas geringer sein als die des Holzes. Der Preis des Holzes seinerseits ändert sich je nach dem Stande der Landwirtschaft, und zwar so ziemlich in derselben Art und genau aus denselben Gründen, wie der des Viehs. In ihren ersten rohen Anfängen ist der größte Teil jedes Landes mit Holz bedeckt, das für den Grundeigentümer eine reine Last ohne allen Wert ist und gern dem ersten Besten gegeben würde, der es schlagen wollte. Bei steigender Kultur werden die Wälder teils durch die Fortschritte des Feldbaus gelichtet, teils durch die wachsende Menge des Viehs verringert. Das Vieh vermehrt sich zwar nicht in demselben Maße, wie das Getreide, das gänzlich eine Frucht des menschlichen Fleißes ist, aber seine Vermehrung wird doch durch die Pflege und den Schutz der Menschen begünstigt, die in der Zeit der Fülle so viel aufspeichern, um in der des Mangels den Unterhalt des Viehs zu bestreiten und ihm das ganze Jahr hindurch mehr Futter zu geben als es in einer Wildnis finden könnte, und die ihm den freien Genuss der Lebensbedürfnisse dadurch sichern, dass sie seine Feinde töten und ausrotten. Zahlreiche Herden, denen man durch die Wälder zu streifen gestattet, vernichten zwar nicht die alten Bäume, lassen aber den jungen Nachwuchs nicht aufkommen, so dass im Laufe von einem oder zwei Jahrhunderten der ganze Forst zugrunde geht. Dann steigert der Mangel an Holz seinen Preis; es liefert eine gute Rente und der Grundeigentümer kann zuweilen seine besten Ländereien nicht vorteilhafter benutzen als wenn er Zimmerholz darauf zieht, bei dem die Größe des Gewinns oft die Verspätung der Erträge aufwiegt. Dies scheint ungefähr der jetzige Stand der Dinge in einigen Teilen Großbritanniens zu sein, wo man bei der Holzzucht einen ebenso großen Gewinn findet als beim Getreide- oder Futterbau. Der Vorteil, den der Grundeigentümer von der Holzzucht hat, kann nirgends, wenigstens nicht auf lange Zeit, die Rente übersteigen, welche ihm der Getreide- und Futterbau gewähren würde, und wird in einem hochkultivierten Binnenland auch nicht weit hinter dieser Rente zurückbleiben. An der Meeresküste eines gutbebauten Landes, mag es freilich, wenn man Kohlen zur Feuerung leicht haben kann, zuweilen billiger sein, Zimmerholz aus weniger kultivierten fremden Ländern kommen zu lassen, als es im Lande zu ziehen. In der jetzt innerhalb weniger Jahre erbauten Neustadt von Edinburgh ist vielleicht nicht ein einziges Stück schottischen Bauholzes zu finden. Welches auch der Preis des Holzes sein mag: wenn der der Kohlen so hoch ist, dass die Kosten der Kohlenfeuerung denen der Holzfeuerung ziemlich gleichkommen, kann man sich versichert halten, dass der Kohlenpreis an diesem Orte und unter diesen Umständen der höchstmögliche ist. Dies scheint in einigen Gegenden im Innern Englands, besonders in Oxfordshire, der Fall zu sein, wo es selbst bei den unteren Klassen üblich ist, zur Feuerung Kohlen und Holz zu mischen, und wo also der Unterschied in den Kosten dieser beiden Brennstoffe nicht sehr groß sein kann. In den Kohlengegenden stehen die Kohlen überall weit unter diesem höchsten Preise. Wäre das nicht so, so könnten sie die Kosten einer weiten Land- oder Wasserfracht nicht tragen. Es könnte nur eine geringe Menge verkauft werden; die Unternehmer und Besitzer von Kohlenbergwerken finden es aber mehr in ihrem Interesse, eine große Menge etwas über dem niedrigsten Preise als eine kleine zum höchsten Preise zu verkaufen. Überdies bestimmt die ergiebigste Kohlengrube den Preis der Kohlen für alle anderen benachbarten Gruben. Der Eigentümer sowohl als der Unternehmer des Werkes finden, dass, wenn sie etwas wohlfeiler verkaufen als ihre Nachbarn, jener eine größere Rente, und dieser einen größeren Gewinn ziehen kann. Bald sehen sich ihre Nachbarn gezwungen, zu demselben Preise zu verkaufen, obgleich sie es nicht so gut ertragen können und stets ihre Rente und ihren Gewinn dadurch verringern, ja oft verlieren. Manche Gruben werden dann gänzlich verlassen; andere können keine Rente mehr liefern, und nur noch vom Eigentümer ausgebeutet werden. Der niedrigste Preis, zu welchem für längere Zeit Kohlen verkauft werden können, ist, wie bei allen anderen Waren, der Preis, der gerade hinreicht, das bis zum Markttransport verwendete Kapital samt seinem gewöhnlichen Gewinn wiedereinzubringen. Bei einer Kohlengrube, von der der Eigentümer keine Rente ziehen kann, und die er entweder selbst in Gang erhalten oder ganz aufgeben muss, wird der Kohlenpreis im Allgemeinen etwa diese Höhe haben. Werfen aber auch Kohlen wirklich eine Rente ab, so bildet diese doch gewöhnlich in ihrem Preise einen kleineren Teil als in dem der meisten anderen Rohprodukte des Bodens. Die Rente eines Grundstücks über der Erde beläuft sich gewöhnlich auf etwa den dritten Teil des Rohertrags, und ist im Ganzen sicher und von den zufälligen Schwankungen der Ernte unabhängig. Bei Kohlengruben ist ein Fünftel des Rohertrags eine sehr große Rente, und ein Zehntel die gewöhnliche; überdies aber ist diese Rente selten sicher, sondern hängt von den zufälligen Schwankungen des Ertrags ab. Diese Schwankungen sind so groß, dass in einem Lande, wo der Ertrag dreißigfach kapitalisiert als ein mäßiger Preis für ländliche Grundstücke betrachtet wird, ein zehnfach kapitalisierter Ertrag als ein guter Preis für Kohlengruben gilt. Der Wert, den eine Kohlengrube für ihren Eigentümer hat, hängt oft ebenso sehr von ihrer Lage als von ihrer Ergiebigkeit ab. Der Wert eines Metallbergwerks hängt mehr von seiner Ergiebigkeit und weniger von seiner Lage ab. Die Metalle, besonders die edlen, sind, nachdem sie aus den Erzen geschieden worden, so wertvoll, dass sie gewöhnlich die Kosten einer sehr langen Land- und der entferntesten Seereise tragen können. Ihr Markt ist nicht auf die umliegenden Gegenden beschränkt, sondern erstreckt sich über die ganze Welt. Das japanische Kupfer macht in Europa, das spanische Eisen in Chili und Peru einen Handelsartikel aus, und das peruanische Silber findet nicht nur nach Europa, sondern von Europa wieder nach China seinen Weg. Die Kohlenpreise in Westmoreland oder Shropshire können nur wenig, und der Preis im Lyonnais kann gar keinen Einfluss auf den Preis zu Newcastle haben. Die Erzeugnisse so weit entfernter Kohlengruben können niemals mit einander in Wettbewerb geraten, dagegen können es die Erzeugnisse der entferntesten Metallbergwerke oft, und tun es tatsächlich fast immer. Daher muss notwendig der Preis, den Metalle, und besonders die edlen, an den ergiebigsten Minen der Welt haben, mehr oder weniger auf den Preis an allen anderen Minen wirken. Der Preis des Kupfers in Japan muss auf den Preis bei den europäischen Kupferminen Einfluss haben. Der Preis des Silbers in Peru, oder die Menge von Arbeit oder Waren, welche dort dafür zu kaufen ist, muss auf den Silberpreis nicht nur bei den europäischen, sondern auch bei den chinesischen Bergwerken Einfluss haben. Nach der Entdeckung der peruanischen Minen wurden die europäischen Silberbergwerke größtenteils aufgegeben. Der Wert des Silbers sank so sehr, dass ihr Ertrag nicht mehr die Kosten der Ausbeutung decken, oder die bei ihr verbrauchte Nahrung, Kleidung, Wohnung und sonstigen Bedürfnisse mit Gewinn wiedererstatten konnte. Der gleiche Fall trat auch bei den Bergwerken von Kuba und St. Domingo, und selbst bei den alten Minen Perus nach Entdeckung der Minen von Potosi ein. Da mithin der Preis jedes Metalls bei jedem Bergwerk in gewissem Maße durch seinen Preis bei der ergiebigsten Mine der Welt bestimmt wird, so kann er bei den meisten Minen wenig mehr als die Kosten des Betriebs decken, und für den Eigentümer nur selten eine hohe Rente ab werfen. Die Rente scheint demgemäß bei den meisten Minen nur einen geringen Teil vom Preise der unedlen, und einen noch geringeren von dem der edlen Metalle auszumachen. Arbeit und Gewinn bilden den größeren Teil bei beiden. Bei den Zinnbergwerken von Cornwall, den ergiebigsten, die man kennt, rechnet man nach der Angabe ihres Vizedirektors Borlace, ein Sechstel des Rohertrags als durchschnittliche Rente. Einige, sagt er, werfen mehr, andere nicht so viel ab. Den sechsten Teil des Bruttoertrages beträgt die Rente auch bei einigen sehr ergiebigen Bleiminen in Schottland. In den Silberminen Perus verlangt der Eigentümer, wie Frezier und Ulloa berichten, von dem Unternehmer des Baues oft weiter nichts als dass er das Erz auf seiner Mühle mahlt, und ihm dafür das gewöhnliche Mahl- oder Pochgeld zahlt. Bis 1736 belief sich freilich die Abgabe an den König von Spanien auf ein Fünftel des feinen Silbers, und dies konnte bis dahin als die wahre Rente der meisten peruanischen Silberminen, der reichsten, die man kennt, angesehen werden. Ohne diese Abgabe würde jenes Fünftel natürlich dem Grundeigentümer gehört haben, und viele Minen konnten in Angriff genommen werden, die man, so lange die Abgabe bestand, unbenutzt lassen musste. Die Steuer des Herzogs von Cornwall auf Zinn soll sich auf mehr als fünf Prozent oder den zwanzigsten Teil vom Wert belaufen; wie dem aber auch sei, sie würde natürlich dem Eigentümer des Bergwerks zufallen, wenn das Zinn steuerfrei wäre. Fügt man ein Zwanzigstel zu einem Sechstel, so findet man, dass die ganze bezahlte Durchschnittsrente der Cornwaller Zinngruben sich zu der der peruanischen Silberminen wie dreizehn zu zwölf verhält. Doch sind jetzt die peruanischen Silberbergwerke nicht imstande, auch nur diese niedrige Rente zu zahlen, und die Abgabe auf Silber wurde 1736 von einem Fünftel auf ein Zehntel herabgesetzt. Aber auch diese Abgabe auf Silber verführt immer weit mehr zum Schmuggel als die Abgabe von einem Zwanzigstel auf Zinn, denn der Schmuggel ist bei einer kostbaren Ware viel leichter als bei einer massigen. Daher soll auch die Taxe des Königs von Spanien sehr schlecht, die des Herzogs von Cornwall sehr gut eingehen. Sonach macht wahrscheinlich die Rente einen größeren Teil des Zinnpreises an den ergiebigsten Zinnminen als des Silberpreises an den ergiebigsten Silberminen der Welt aus. Nach Wiedererstattung des im Betriebe dieser verschiedenen Minen angelegten Kapitals samt üblichem Gewinn scheint der für den Eigentümer übrig bleibende Rest bei dem unedlen Metall größer zu sein als bei dem edlen. Auch die Gewinne der Unternehmer des Bergbaus auf Silber sind in Peru gewöhnlich nicht sehr groß. Dieselben achtungswerten und wohlunterrichteten Schriftsteller berichten uns, dass, wer in Peru eine neue Mine in Betrieb setzte, allgemein als ein Mann, dem ein sicherer Bankrott und Untergang bevorstehe, angesehen und deshalb von jedermann gemieden wurde. Der Bergbau wird dort ebenso, wie bei uns als eine Lotterie betrachtet, in welcher die Gewinne den Nieten nicht gleichkommen, obgleich die Größe einiger Gewinne manchen Glücksritter reizt, in so ungedeihlichen Projekten sein Vermögen fortzuwerfen. Da der Souverän jedoch einen großen Teil seines Einkommens aus dem Ertrag der Silberminen bezieht, so gibt in Peru das Gesetz alle mögliche Aufmunterung zur Entdeckung und zum Bau neuer Minen. Wer eine neue Mine entdeckt, ist berechtigt, in der Richtung, in welcher er die Ader vermutet, zweihundert und sechsundvierzig Fuß in der Länge und halb so viel in der Breite abzumessen. Dieser Teil der Mine wird sein Eigentum und er darf ihn bearbeiten, ohne dem Grundherrn eine Abgabe dafür zu entrichten. Den Herzog von Cornwall veranlasste sein Interesse zu einer ganz ähnlichen Verordnung in diesem früheren Herzogtum. Auf wüstem und uneingezäuntem Boden darf jeder, der eine Zinnmine entdeckt, ihre Grenzen in einem gewissen Umfang abstecken, was man eine Mine umgrenzen nennt. Der Abgrenzende wird der wirkliche Eigentümer der Grube, und kann ihren Betrieb entweder selbst übernehmen, oder sie einem anderen in Pacht geben, ohne dass er dazu die Zustimmung des Grundeigentümers braucht, dem jedoch für die Arbeiten auf der Oberfläche eine kleine Abgabe zu entrichten ist. In beiden Verordnungen werden die heiligsten Rechte des Privateigentums dem vorausgesetzten Interesse der Staatseinnahmen geopfert. Die nämliche Aufmunterung lässt man in Peru der Entdeckung und Bearbeitung neuer Goldminen zuteilwerden. Beim Golde beläuft sich die königliche Taxe nur auf den zwanzigsten Teil des reinen Metalls. Früher war es ein Fünftel und dann ein Zehntel, wie beim Silber; aber man fand, dass der Bau auch nicht die kleinere dieser beiden Abgaben tragen konnte. Wenn es aber, sagen dieselben Schriftsteller, Frezier und Ulloa, etwas seltenes ist, jemand zu finden, der durch eine Silbermine reich geworden wäre, so ist es noch weit seltener, jemand zu finden, der durch eine Goldmine großes Vermögen erworben hätte. Jener zwanzigste Teil scheint die ganze Rente zu sein, die von den meisten Goldminen in Chili und Peru aufgebracht wird. Auch ist das Gold dem Schmuggel viel leichter ausgesetzt als selbst das Silber, nicht bloß wegen seines höheren Wertes im Verhältnis zu seiner Masse, sondern auch wegen der besonderen Art, wie es in der Natur vorkommt. Das Silber wird sehr selten in gediegenem Zustande gefunden, sondern kommt, wie die meisten übrigen Metalle gewöhnlich in Verbindung mit anderen Metallen vor, aus denen es in solchen Mengen, dass die Kosten gedeckt werden, nur durch ein sehr mühsames und langwieriges Verfahren geschieden werden kann, ein Verfahren, das nur in besonderen zu diesem Zwecke eingerichteten Hüttenwerken ausgeführt, und aus diesem Grunde der Aufsicht der königlichen Beamten nicht entzogen werden kann. Dagegen findet sich das Gold fast überall gediegen vor. Manchmal findet es sich in Stücken von ziemlicher Größe; wenn es aber auch in kleinen, kaum bemerkbaren Teilchen mit Sand, Erde oder anderen fremden Körpern vermischt ist, lässt es sich doch durch ein wenig zeitraubendes und einfaches Vorfahren, das in jedem Privathause von jedem, der etwas Quecksilber besitzt, vorgenommen werden kann, von ihnen scheiden. Geht also schon die königliche Taxe auf Silber schlecht ein, so wird dies bei Gold wahrscheinlich noch mehr der Fall sein, und die Rente muss in dem Preise des Goldes einen weit geringeren Teil ausmachen als in dem des Silbers. Der niedrigste Preis, zu dem die edlen Metalle verkauft werden können, oder die kleinste Menge anderer Waren, gegen die man sie für längere Zeit vertauschen kann, wird durch dieselben Grundsätze bestimmt, die den niedrigsten gewöhnlichen Preis aller anderen Waren regeln. Er wird bestimmt durch das Kapital, das zu diesem Behuf gewöhnlich angelegt werden muss, sowie die Nahrung, Kleidung und Wohnung, die verbraucht werden, bis die Metalle aus dem Bergwerk auf den Markt kommen. Er muss wenigstens hinreichend sein, um jenes Kapital samt den gewöhnlichen Gewinnen wieder einzubringen. Ihr höchster Preis hingegen scheint nicht notwendig durch etwas anderes als durch die jeweilige Seltenheit oder Häufigkeit dieser Metalle selbst bestimmt zu werden. Er wird nicht durch den Preis einer anderen Ware bestimmt, wie der Preis der Kohlen durch den des Holzes, über den hinaus kein Mangel ihn steigern kann. Steigt der Mangel an Gold bis auf einen gewissen Grad, so kann sein kleinstes Stückchen kostbarer werden und im Tausch eine größere Menge anderer Waren gelten als ein Diamant. Die Nachfrage nach diesen edlen Metallen entspringt teils aus ihrer Nützlichkeit, teils aus ihrer Schönheit. Mit Ausnahme des Eisens sind sie nutzbarer als vielleicht jedes andere Metall. Da sie dem Rosten und der Verunzierung weniger ausgesetzt sind, können sie leichter rein gehalten werden, und das aus diesen Metallen verfertigte Tafel- und Küchengerät ist darum angenehmer. Ein silberner Kessel ist reinlicher als ein bleierner, kupferner oder zinnerner, und ein goldener würde noch besser sein. Ihr Hauptvorzug jedoch ist ihre Schönheit, die sie besonders zu Zierraten der Kleidung und Gerätschaften geeignet macht. Keine Farbe gibt einen solchen Glanz, wie die Vergoldung. Der Vorzug ihrer Schönheit wird durch ihre Seltenheit noch bedeutend gehoben. Bei den meisten reichen Leuten besteht der Hauptgenuss, den sie von ihrem Reichtum haben, in seiner Schaustellung, die in ihren Augen nie so vollständig ist als wenn sie jene entscheidenden Zeichen des Überflusses besitzen, die außer ihnen niemand besitzen kann. In ihren Augen wird der Vorzug eines Gegenstandes, der in irgendeinem Grade nützlich oder schön ist, bedeutend erhöht durch seine Seltenheit, d. h. durch die große Arbeit, die es erfordert, eine beträchtliche Menge davon zu sammeln, eine Arbeit, welche außer ihnen niemand bezahlen kann. Solche Gegenstände kaufen sie gern zu einem höheren Preise als viel schönere und nützlichere, aber gewöhnlichere Dinge. Diese Eigenschaften der Nützlichkeit, Schönheit und Seltenheit sind der ursprüngliche Grund des hohen Preises dieser Metalle, oder der großen Menge anderer Waren, gegen die sie überall ausgetauscht werden können. Dieser Wert ging ihrer Verwendung zu Münzen voran, und war unabhängig davon; er war vielmehr die Eigenschaft, die sie zu seiner Verwendung geeignet machte. Doch mag diese Verwendung dadurch, dass sie eine neue Nachfrage verursachte, und die zu anderen Zwecken verwendbare Menge beschränkte, später dazu beigetragen haben, ihren Wert aufrecht zu erhalten oder zu erhöhen. Die Nachfrage nach Edelsteinen beruht allein auf ihrer Schönheit. Sie werden zu nichts anderem gebraucht als zum Schmuck und der Vorzug ihrer Schönheit wird noch durch ihre Seltenheit, d. h. durch die Schwierigkeit und die Kosten ihrer Gewinnung bedeutend vermehrt. Arbeitslohn und Gewinn machen demgemäß in den meisten Fällen fast die Gesamtheit ihres hohen Preises aus. Die Rente hat nur einen sehr kleinen, oft gar keinen Anteil daran, und nur die ergiebigsten Minen liefern eine bedeutendere Rente. Als der Juwelier Tavernier die Diamantengruben von Golkonda und Visapur besuchte, sagte man ihm, dass der Herrscher des Landes, für dessen Rechnung sie ausgebeutet wurden, alle Gruben, bis auf die, welche die größten und schönsten Steine lieferten, hatte schließen lassen. Es scheint also, dass die übrigen für den Eigentümer den Betrieb nicht lohnten. Da der Preis sowohl der edlen Metalle wie der Edelsteine überall in der Welt durch ihren Preis an den ergiebigsten Minen bestimmt wird, so richtet sich die Rente, die eine derartige Mine für ihren Eigentümer abwerfen kann, nicht nach ihrer absoluten, sondern nach ihrer relativen Ergiebigkeit, d. h. nach ihrer Überlegenheit über andere Minen derselben Art. Würden neue Minen entdeckt, die die potosischen um ebenso viel überträfen als diese die europäischen übertroffen haben, so würde der Wert des Silbers so sehr sinken, dass selbst die Minen von Potosi den Betrieb nicht mehr verlohnten. Vor der Entdeckung des spanischen Westindiens mögen die gehaltreichsten Minen in Europa ihren Eigentümern eine ebenso große Rente geliefert haben als die reichsten Minen von Peru gegenwärtig den ihrigen gewähren. War auch die Menge des gewonnenen Silbers weit geringer, so konnte man doch ebenso viele andere Waren damit eintauschen und der Eigentümer konnte für seinen Anteil eine gleiche Menge Arbeit oder Waren damit kaufen. Der Wert sowohl der Ausbeute wie der Rente, das wirkliche Einkommen, das sie sowohl dem Staate wie dem Eigentümer brachten, mag ähnlich gewesen sein. Aber die reichsten Minen sowohl der Metalle wie der Edelsteine können dem Reichtum der Welt nur wenig hinzufügen. Ein Erzeugnis, dessen Wert hauptsächlich seiner Seltenheit zuzuschreiben ist, wird notwendig durch seinen Überfluss entwertet. Ein Tafelgeschirr und der übrige eitle Tand in Kleidung und Gerätschaften würde im letzteren Falle für eine geringere Menge Arbeit oder für eine geringere Menge Waren gekauft werden, und hierin würde der ganze Vorteil bestehen, den die Welt aus jenem Überfluss zöge. Anders ist es mit Grundstücken über der Erde. Der Wert sowohl ihrer Produkte wie ihrer Rente richtet sich nach ihrer absoluten und nicht nach ihrer relativen Fruchtbarkeit. Das Land, das eine gewisse Quantität Nahrung, Kleidung und Wohnungsbedürfnisse hervorbringt, kann stets eine gewisse Zahl Menschen nähren, kleiden und mit Wohnung versorgen: und welchen Anteil davon auch der Grundherr bezieht, stets wird er ihm eine verhältnismäßige Verfügung über die Arbeit dieser Leute und über die Waren geben, mit welchen diese Arbeit ihn versehen kann. Der Wert der unfruchtbarsten Ländereien wird durch die Nachbarschaft der fruchtbarsten nicht verringert; er wird im Gegenteil gewöhnlich dadurch erhöht. Die große Menge Menschen, die auf dem fruchtbaren Lande ihre Nahrung findet, bietet für viele Produkte des unfruchtbaren einen Markt, den sie unter den Leuten, die seine eigene Produktion zu erhalten vermochte, niemals hätte finden können. Alles, was die Fruchtbarkeit des Bodens derart vermehrt, dass er mehr Nahrungsmittel hervorbringt, erhöht nicht nur den Wert der Ländereien, denen die Verbesserung zu Teil wird, sondern trägt auch dazu bei, den Wert vieler anderer Ländereien dadurch zu steigern, dass es für ihre Produkte eine neue Nachfrage schafft. Der Überschuss an Nahrungsmitteln, der infolge der Bodenverbesserung vielen Leuten über ihren eigenen Bedarf noch etwas abwirft, ist die wirkliche Ursache der Nachfrage nach edlen Metallen und Edelsteinen, sowie nach allen anderen Gegenständen der Bequemlichkeit und des Zierrats an Kleidung, ‘Wohnung, Haushalt usw. Die Nahrungsmittel bilden nicht nur den Hauptteil alles Reichtums in der Welt, sondern ihr Überfluss gibt auch vielen anderen Gütern erst ihren hauptsächlichen Wert. Bei der Entdeckung von Cuba und St. Domingo durch die Spanier hatten die armen Eingebornen die Gewohnheit, kleine Stückchen Gold als Zierrat im Haar und an manchen Stellen ihres Anzugs zu tragen. Sie schienen sie ebenso zu schätzen, wie wir etwa kleine Kieselsteine von etwas mehr als gewöhnlicher Schönheit schätzen, und hielten sie allenfalls des Aufhebens wert, aber nicht für kostbar genug, um sie dem, der sie darum bat, zu verweigern. Sie gaben sie ihren neuen Gästen auf ihren ersten Wunsch und schienen nicht zu glauben, dass sie ihnen ein besonders wertvolles Geschenk gemacht hätten. Mit Erstaunen bemerkten sie die Gier der Spanier nach ihrem Besitze und begriffen nicht, wie es ein Land geben konnte, wo viele Leute über einen solchen Überfluss an Nahrungsmitteln, die bei ihnen so unzureichend waren, verfügen konnten, dass sie für eine geringe Menge jenes glitzernden Flitters gern so viel Nahrungsmittel, wie eine ganze Familie auf mehrere Jahre braucht, hergaben. Hätte ihnen dies begreiflich gemacht werden können, so würde sie die Leidenschaft der Spanier nicht mehr befremdet haben. Dritte Abteilung Die Veränderung in dem Verhältnis zwischen dem Werte derjenigen Art von Produkten, welche immer eine Rente bringen, und dem Werte derer, die zuweilen eine Rente gewähren und zuweilen keine Der infolge zunehmender Kultur wachsende Überfluss von Nahrungsmitteln muss notwendig auch die Nachfrage nach den anderen Bodenprodukten, die nicht Nahrungsmittel sind, sondern zu anderem Gebrauch oder zur Zierde dienen, vermehren. Man sollte demnach erwarten, dass im gesamten Fortschritt der Kultur nur eine einzige Veränderung in dem Wertverhältnis dieser beiden Arten von Produkten eintreten und der Wert derjenigen Art von Produkten, die zuweilen eine Rente abwirft und zuweilen nicht, stets gerade so zunehmen würde, wie der Wert derjenigen, welche stets eine Rente geben. In dem Maße, wie Künste und Gewerbe fortschreiten, müssten auch die Stoffe für Kleidung und Wohnung, die nützlichen Fossilien und Mineralien der Erde, und die edlen Metalle und Edelsteine allmählich mehr und mehr im Begehr steigen, sich allmählich gegen eine immer größere Menge von Nahrungsmitteln vertauschen lassen, mit anderen Worten allmählich immer teurer werden. Dies ist auch beim größten Teil dieser Dinge meist der Fall, und würde dies unter allen Umständen sein, wenn nicht besondere Umstände in manchen Fällen das Angebot noch höher gesteigert hätten als die Nachfrage. Der Wert eines Steinbruchs z. B. wird notwendig mit der zunehmenden Kultur und Bevölkerung der Umgegend steigen, namentlich wenn er der einzige in der ganzen Gegend ist. Dagegen steigt der Wert einer Silbermine, wenn auch innerhalb tausend Meilen keine andere vorhanden wäre, durchaus nicht notwendig mit der Kultur des Landes, in dem sie sich befindet. Der Markt für das Produkt eines Steinbruchs kann sich selten weiter als auf einige Meilen in der Runde erstrecken, und die Nachfrage danach wird sich im Ganzen nach der Kultur und Bevölkerung dieses kleinen Umkreises richten. Der Markt für das Produkt einer Silbermine hingegen kann sich über die ganze bekannte Welt ausdehnen. Wenn daher nicht die Welt im Ganzen an Kultur und Bevölkerung zunimmt, braucht die Nachfrage nach Silber infolge der fortschreitenden Kultur selbst eines großen Landes in der Nähe der Mine keineswegs zu steigen. Selbst wenn die Welt im Ganzen an Kultur zunähme, gleichzeitig aber neue Minen von weit größerer Ergiebigkeit als die bisher bekannten, entdeckt würden, so würde trotz der notwendig wachsenden Nachfrage nach Silber sein Angebot doch so bedeutend steigen, dass der Sachpreis dieses Metalls nach und nach sinken müsste, d. h. dass eine bestimmte Menge von ihm etwa ein Pfund, nach und nach eine immer geringere Menge von Arbeit kaufen könnte, oder sich nur gegen eine immer kleiner werdende Menge Getreides, des Hauptlebensmittels der Arbeiter, vertauschen ließe. Der große Markt für Silber ist der handeltreibende und zivilisierte Teil der Welt. Wenn durch den allgemeinen Fortschritt die Nachfrage dieses Marktes wüchse, während zu gleicher Zeit das Angebot nicht in demselben Verhältnis zunähme, so würde der Wert des Silbers allmählich im Verhältnis zu dem des Getreides steigen. Eine gegebene Menge Silber würde im Tausch eine immer größere Menge Getreide gelten, oder mit anderen Worten, der durchschnittliche Geldpreis des Getreides würde allmählich immer niedriger werden. Wenn umgekehrt zufällig das Angebot viele Jahre hindurch in größerem Maße wächst als die Nachfrage, so würde jenes Metall allmählich immer wohlfeiler werden, oder mit anderen Worten, der durchschnittliche Geldpreis des Getreides würde trotz aller Fortschritte der Kultur allmählich immer höher werden. Stiege jedoch andererseits das Angebot des Metalls fast in demselben Maße, wie die Nachfrage, so würde man auch ferner fast dieselbe Menge Getreide dafür kaufen können, und der durchschnittliche Geldpreis des Getreides würde trotz aller Kulturfortschritte ungefähr der nämliche bleiben. Diese drei Fälle scheinen alle möglichen Eventualitäten, die sich im Fortschritt der Kultur ereignen können, zu erschöpfen, und im Laufe der letzten vier Jahrhunderte ereigneten sich, soweit man nach den Vorgängen in Frankreich und Großbritannien urteilen kann, alle drei Fälle auf dem europäischen Markt, und zwar so ziemlich in derselben Reihenfolge, in der ich sie hier aufgeführt habe. Abschweifung Über die Schwankungen des Silberwerts während der letzten vier Jahrhunderte Erste Periode Um das Jahr 1350 scheint der Durchschnittspreis des Quarters Weizen in England nicht weniger als vier Unzen Silber Towergewicht, etwa gleich zwanzig Schilling unsres jetzigen Geldes, gekostet zu haben. Von diesem Preise scheint er allmählich bis auf zwei Unzen Silber also etwa zehn Schilling unsres Geldes gefallen zu sein, zu welchem Preise wir ihn am Anfang des sechzehnten Jahrhunderts veranschlagt finden, und den er bis ungefähr 1570 behalten haben mag. Im Jahre 1350, dem fünfundzwanzigsten Eduards III., wurde das sogenannte Arbeiterstatut erlassen. Im Eingange dazu wird über die Ungebührlichkeit der Dienstboten geklagt, die ihren Herrschaften einen höheren Lohn abzunötigen suchen. Deshalb wird verordnet, dass alle Dienstboten und Arbeiter in Zukunft sich mit den nämlichen Löhnen und Livreen (Livery bedeutete damals nicht bloß Kleidung, sondern auch Beköstigung) begnügen sollten, die sie im zwanzigsten Regierungsjahre des Königs und in den vier vorhergehenden zu erhalten pflegten; dass deshalb die Lieferung von Weizen an sie niemals höher angeschlagen werden solle als 10 d. für den Bushel, und dass den Meistern stets die Wahl bleiben solle, Weizen oder Geld zu geben. 10 d. für den Bushel sah man also im fünfundzwanzigsten Regierungsjahre Eduards III. als einen sehr mäßigen Preis des Weizens an, da es eines besonderen Gesetzes bedurfte, die Dienstboten zu seiner Annahme anstatt ihrer üblichen Beköstigung zu nötigen; und schon zehn Jahre früher, im sechzehnten Regierungsjahre des Königs, auf welchen Zeitpunkt das Gesetz zurückgeht, wurde es für einen billigen Preis gehalten. Im sechzehnten Regierungsjahre Eduards III. enthielten aber 10 d. ungefähr eine halbe Unze Silber Towergewicht, und waren etwa so viel als eine halbe Krone (2 ½ sh.) unsres heutigen Geldes. Vier Unzen Silber Towergewicht also 6 sh. 8 d. im Gelde jener Zeit, oder beinahe 20 sh. des jetzigen Geldes, galten als ein mäßiger Preis für den Quarter von acht Bushel. Dies Gesetz beweist sicherlich besser, was zu jener Zeit als ein mäßiger Preis des Getreides galt als die von Geschichtsschreibern und anderen Schriftstellern gewöhnlich aufgezeichneten Preise einzelner besonders teurer oder wohlfeiler Jahre, nach denen man sich eben deshalb kein sicheres Urteil über den Durchschnittspreis bilden kann. Es gibt indessen noch andere Gründe, die es glaubhaft machen, dass zu Anfang des vierzehnten Jahrhunderts und etwas früher der gewöhnliche Preis des Weizens nicht unter vier Unzen Silber der Quarter betrug, und der Preis der übrigen Getreidearten im Verhältnis dazu stand. 1309 gab Ralph de Born, Prior des Augustinerklosters zu Canterbury, am Tage seiner Einsetzung ein Fest, von dem uns William Thorn nicht nur den Speisezettel selbst, sondern auch die Preise vieler Einzelheiten aufbewahrt hat. Bei diesem Feste wurden verzehrt: 1) 53 Quarter Weizen, die zusammen neunzehn Pfund, oder 7 sh. 2 d. der Quarter, d. h. 21 sh. 6 d. jetzigen Geldes kosteten. 2) 58 Quarter Malz, die zusammen 17 £ 10 sh., oder 6 sh. der Quarter, d. h. 18 sh. unseres Geldes kosteten. 3) 20 Quarter Hafer, welche zusammen 4 £, oder 4 sh. der Quarter, d. h. 12 sh. unseres Geldes kosteten. Die Preise von Malz und Hafer scheinen hier höher zu sein als nach ihrem gewöhnlichen Verhältnis zum Preise des Weizens anzunehmen wäre. Die Preise wurden nicht wegen ihrer außergewöhnlichen Höhe oder Wohlfeilheit aufgezeichnet, sondern nur zufällig als die Preise großer Getreidemengen, die bei einem durch seine Pracht berühmten Feste verbraucht wurden, erwähnt. Im Jahre 1262, dem 51sten Heinrichs III., wurde ein altes Gesetz, die sogenannte Brot- und Biertaxe, das, wie der König im Eingange sagt, in den Zeiten seiner Voreltern, unter denen einige Könige von England, gegeben worden, wieder erneuert. Es fällt demnach wahrscheinlich in die Zeit seines Großvaters, Heinrichs II., oder kann auch bis in die Zeit der Eroberung zurückreichen. Das Gesetz regelt den Preis des Brotes nach den jedesmaligen Weizenpreisen, die von einem bis zu zwanzig sh. damaligen Geldes der Quarter schwankten. Gesetze dieser Art pflegen aber ihre Fürsorge auf alle Abweichungen vom mittleren Preise also sowohl die unter als die über ihm zu erstrecken. Unter dieser Voraussetzung müssen 10 sh. oder sechs Unzen Silber Towergewicht, gleich 30 sh. unseres jetzigen Geldes als der mittlere Preis des Quarters Weizen zu der Zeit als jenes Gesetz zuerst gegeben wurde, angesehen worden und es auch bis in das 51ste Jahr Heinrichs III. geblieben sein. Wir werden daher kaum irregehen, wenn wir annehmen, dass der Mittelpreis nicht weniger als ein Drittel des von jenem Gesetze für den Brotpreis festgesetzten höchsten Preises betrug, d. h. 6 sh. 8 d. damaligen Geldes oder vier Unzen Silber Towergewicht. Diese verschiedenen Tatsachen berechtigen wohl zu dem Schlusse, dass um die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts und ziemlich lange vorher der Durchschnittspreis des Quarters Weizen nicht unter vier Unzen Silber Towergewicht betrug. Ungefähr von der Mitte des vierzehnten bis zum Anfang des sechszehnten Jahrhunderts scheint dieser als billig und mäßig, d. h. als der Durchschnittspreis angesehene Preis allmählich auf etwa die Hälfte gesunken zu sein, so dass er zuletzt bis auf zwei Unzen Silber Towergewicht oder etwa 10 sh. unseres Geldes fiel. Auf diesem Satze verblieb er bis gegen 1570. In dem Haushaltungsbuche Heinrichs, des fünften Grafen von Northumberland, für 1512 finden sich zweierlei Schätzungen des Weizens. Nach der einen wird der Quarter zu 6 sh. 8 d., nach der anderen nur zu 5 sh. 8 d. berechnet. 1512 enthielten aber 6 sh. 8 d. nur zwei Unzen Silber Towergewicht und betrugen nach heutigem Gelde etwa 10 sh. Vom 25. Regierungsjahre Eduards III. bis in den Anfang der Regierung Elisabeths, in einem Zeitraum von mehr als zweihundert Jahren, blieben, wie man aus verschiedenen Gesetzen ersieht, sechs Schilling und acht Pence der Durchschnittspreis des Weizens. Die in dieser nominellen Summe enthaltene Silbermenge nahm jedoch im Laufe dieser Zeit infolge einiger Münzveränderungen beständig ab; allein der gleichzeitig steigende Wert des Silbers scheint die Verminderung der in der gleichnamigen Summe enthaltenen Silbermenge soweit ausgeglichen zu haben, dass die Gesetzgebung es nicht für nötig erachtete, diesen Umstand zu berücksichtigen. So wurde 1436 bestimmt, dass der Weizen in dem Falle ohne besondere Erlaubnis ausgeführt worden dürfe, wenn sein Preis bis auf 6 sh. 8 d. gefallen wäre, und 1463 wurde bestimmt, dass, wenn der Preis des Quarters nicht über 6 sh. 8 d. stände, kein Weizen eingeführt werden solle. Der Gesetzgeber war also der Meinung, dass die Ausfuhr bei so niedrigem Preise keinen Schaden bringe, dass aber, sobald der Preis höher steige, die Einfuhr aus Vorsicht zu gestatten sei. Mithin galten 6 sh. 8 d., die ungefähr die nämliche Menge Silber enthielten, wie jetzt 13 sh. 4 d. (ein Drittel weniger als die gleichnamige Summe zur Zeit Eduards III. enthielt), damals für einen mäßigen und billigen Preis des Weizens. Im Jahre 1554 unter Philipp und Maria, und im Jahre 1558, dem ersten Regierungsjahre Elisabeths, wurde die Ausfuhr des Weizens gleicherweise für den Fall verboten, dass der Preis des Quarters nicht 6 sh. 8 d. übersteige, eine Summe die damals kaum für 2 d. mehr Silber enthielt als die gleiche Summe in unserer Zeit. Indessen fand man bald, dass diese Beschränkung der Weizenausfuhr in der Tat einem völligen Verbote gleichkomme. Deshalb wurde 1562, im fünften Jahre Elisabeths, die Ausfuhr des Weizens aus gewissen Häfen für den Fall gestattet, dass der Preis des Quarters nicht mehr als 10 sh., die ungefähr dasselbe Silberquantum enthielten wie jetzt, betrage. Mithin galt dieser Preis damals als ein mäßiger und billiger. Es stimmt dies mit der Schätzung des Buches Northumberlands vom Jahre 1512 ziemlich überein. Dass auch in Frankreich der Durchschnittspreis des Getreides um das Ende des 15. und im Anfang des 16. Jahrhunderts viel billiger war als in den beiden vorhergehenden Jahrhunderten, ist sowohl von Dupré de St. Maur als auch von dem eleganten Verfasser des Versuchs über die Getreidepolitik beobachtet worden. Und wahrscheinlich war in den meisten Ländern Europas während jener Periode der Getreidepreis ebenso gesunken. Das Steigen des Silberwertes im Verhältnis zum Werte des Getreides konnte seinen Grund haben entweder ausschließlich in der wachsenden Nachfrage nach diesem Metall infolge der zunehmenden Kultur, bei gleichbleibendem Angebot; oder in der allmählichen Verminderung des Angebots bei gleichbleibender Nachfrage, indem die meisten damals bekannten Bergwerke sehr erschöpft waren, und größere Betriebskosten verursachten; oder endlich teils in dem einen, teils in dem anderen dieser beiden Umstände. Gegen das Ende des 15. und zu Anfang des 16. Jahrhunderts bildete sich in den meisten europäischen Ländern allmählich eine festere Regierungsform heraus als man seit verschiedenen Menschenaltern sich ihrer erfreut hatte. Die zunehmende Sicherheit musste natürlich auch den Gewerbfleiß und die Bodenkultur heben, und die Nachfrage nach den edlen Metallen, gleich wie nach allen anderen Luxus- und Schmuckgegenständen musste mit dem wachsenden Reichtum gleichen Schritt halten. Ein größeres Jahresprodukt erforderte eine größere Menge Geld zum Umlauf und eine größere Zahl reicher Leute brauchte mehr silberne Gerätschaften und Schmucksachen. Auch muss man annehmen, dass die meisten Bergwerke, die damals den europäischen Markt mit Silber versorgten, sehr erschöpft waren, und höhere Betriebskosten erheischten. Viele unter ihnen waren seit der Römerzeit abgebaut worden. Die meisten Schriftsteller über die Warenpreise in früheren Zeiten sind der Meinung, dass der Wert des Silbers seit der Eroberung, vielleicht sogar schon seit dem Einfalle Julius Cäsars, bis zur Entdeckung Amerikas beständig gesunken sei. Zu dieser Ansicht scheinen sie teils durch die Beobachtungen über die Preise des Getreides und anderer Bodenprodukte, teils durch die populäre Meinung verleitet worden zu sein, dass, wie in jedem Lande mit dem zunehmenden Wohlstande naturgemäß auch die Silbermenge wächst, ebenso sein Wert abnimmt, je mehr die Menge zunimmt. In ihren Betrachtungen über die Getreidepreise scheinen dreierlei Umstände sie oft irregeleitet zu haben. Erstens, in früheren Zeiten wurden fast alle Renten in natura entrichtet, in einer bestimmten Menge Getreide, Vieh, Geflügel usw. Mitunter kam es jedoch vor, dass der Grundeigentümer sich die freie Wahl vorbehielt, vom Pächter die jährliche Zahlung entweder in natura oder in einer bestimmten Geldsumme zu fordern. Der Preis, zu welchem die Naturallieferung in eine gewisse Geldsumme verwandelt wurde, heißt in Schottland der Konversionspreis. Stellt nun stets dem Grundeigentümer die Wahl zu, so erfordert die Sicherheit des Pächters, dass der Konversionspreis eher unter als über dem mittleren Marktpreise stehe. Er beträgt demnach auch an vielen Orten nicht viel mehr als die Hälfte von diesem. In Bezug auf Geflügel besteht diese Gewohnheit noch in dem größeren Teile Schottlands, in Bezug auf Vieh noch hie und da. Sie würde wahrscheinlich auch für Getreide fortbestanden haben, wenn nicht die Einrichtung der öffentlichen Fiars dem ein Ende gemacht hätte. Dies sind jährliche, nach richterlichem Ermessen vorgenommene Schätzungen des mittleren Preises aller Getreidearten und ihrer verschiedenen Sorten, nach Maßgabe des wirklichen Marktpreises in den verschiedenen Grafschaften. Diese Einrichtung machte es für den Pächter hinreichend sicher und für den Grundeigentümer bequemer, die Getreiderente lieber in jedem Jahre nach dem Preise der Fiars als nach einem festen Preise umzuwandeln. Die Schriftsteller aber, die die Getreidepreise früherer Zeiten sammelten, scheinen oft irrtümlich den in Schottland sogenannten Konversionspreis für den wirklichen Marktpreis genommen zu haben. Fleetwood räumt an einer Stelle ein, dass er diesen Irrtum begangen habe. Da er jedoch sein Buch zu einem besonderen Zwecke schrieb, hielt er es nicht für nötig, dieses Geständnis abzulegen als nachdem er jenen Konversionspreis fünfzehnmal abgeschrieben hatte. Der Preis ist 8 sh. der Quarter Weizen. Diese Summe enthielt im Jahre 1423, mit dem er beginnt, ebenso viel Silber als jetzt 16 sh.; dagegen enthielt sie 1562, mit welchem Jahre er schließt, nicht mehr als die heutige gleichnamige Summe darstellt. Zweitens: sie ließen sich durch die Nachlässigkeit irreleiten, womit manche alte Taxordnungen von unaufmerksamen Abschreibern kopiert und zuweilen vielleicht von der Behörde selbst verfasst waren. Die alten Taxordnungen scheinen stets mit der Bestimmung begonnen zu haben, wie hoch der Preis des Brotes und Bieres sein solle, wenn der Weizen- und Gerstenpreis am niedrigsten stand, und scheinen dann allmählich zu den Bestimmungen vorgeschritten zu sein, wie hoch der Preis sein soll, wenn die Preise jener beiden Getreidearten sich über ihren niedrigsten Satz erheben. Allein die Abschreiber scheinen es oft für hinreichend gehalten zu haben, die Taxordnung bis auf die drei oder vier ersten und niedrigsten Preise fortzuführen; sie ersparten sich auf diese Weise Arbeit, und dachten wahrscheinlich, dies genüge, um das Verhältnis nachzuweisen, das bei den höheren Preisen eintreten sollte. So wurde in der Brot- und Bierordnung aus dem 51. Regierungsjahre Heinrichs III. der Brotpreis nach den zwischen einem und zwanzig Schillingen damaligen Geldes der Quarter schwankenden Weizenpreisen geregelt. In den Handschriften aber, nach welchen die verschiedenen Ausgaben der Statuten, bis auf die Ruffheadschen, gedruckt wurden, waren die Abschreiber nie über den Preis von 12 sh. hinausgegangen. Durch diese mangelhafte Art des Abschreibens sind viele Schriftsteller irregeleitet worden, und haben ganz natürlich geschlossen, dass der in der Mitte liegende Preis also 6 sh. der Quarter, oder etwa 18 sh. unseres Geldes, zu jener Zeit der gewöhnliche oder Durchschnittspreis des Weizens gewesen ist. In dem Tumbrel- und Pillory-Statut[10 - Tumbrel, Richtkarren, Pillory, Pranger. Auf dem ersteren wurden die Brauer, an dem andern die Bäcker, die sich gegen die Taxen vergingen, der öffentlichen Schande preisgegeben.], das um dieselbe Zeit gegeben wurde, wird der Preis des Bieres nach dem Steigen des Gerstenpreises, von 2 sh. bis auf 4 sh. der Quarter und zwar von sechs zu sechs Pence, geregelt. Dass jedoch 4 sh. nicht als der höchste Preis betrachtet wurde, auf den die Gerste steigen konnte, und dass diese Preise nur als ein Beispiel für das Verhältnis, das bei höheren oder niedrigeren Preisen beobachtet werden sollte, aufgestellt worden sind, lässt sich aus den letzten Worten des Statuts schließen: et sic deinceps crescetur vel diminuetur per sex denarios. Der Ausdruck ist sehr nachlässig, aber der Sinn ist deutlich genug, nämlich »dass der Preis des Bieres steigen oder fallen soll, je nachdem der Preis der Gerste um 6 d. steigt oder fällt.« Der Gesetzgeber scheint bei der Abfassung dieses Statuts ebenso nachlässig gewesen zu sein als es die Abschreiber bei der Abschrift anderer waren. In einer alten Handschrift des »Regiam Majestatem«, eines alten schottischen Gesetzbuches, findet sich eine Taxordnung, in welcher der Preis des Brotes nach den verschiedenen Preisen des Weizens von 10 d. an bis zu 3 sh. für den schottischen Boll, (etwa ein halber englischer Quarter) geregelt ist. Drei schottische Schillinge waren zur Zeit dieser Taxordnung etwa so viel wie neun Schilling Sterling unseres Geldes. Ruddiman[11 - S. dessen Vorrede zu Andersons Diplomata Scotiae.] scheint hieraus zu schließen, dass drei Schilling der höchste Preis war, den der Weizen zu jener Zeit überhaupt erreichte, und dass zehn Pence, bzw. ein Schilling, oder höchstens zwei Schilling der gewöhnliche Preis war. Befragt man die Handschrift selbst, so ersieht man deutlich, dass alle diese Preise nur als Beispiele des Verhältnisses aufgestellt wurden, das zwischen den Preisen des Weizens und des Brotes festgehalten werden sollte. Die letzten Worte des Statuts lauten: »reliqua judicabis secundum praescripta habendo respectum ad pretium bladi« – »die übrigen Fälle sind nach Obigem mit Rücksicht auf den Preis des Getreides zu beurteilen.« Drittens scheint man sich auch durch den sehr niedrigen Preis, zu dem der Weizen zuweilen in der frühesten Zeit verkauft wurde, zu dem Glauben haben verleiten zu lassen, dass, da der niedrigste Preis damals niedriger war als in späterer Zeit, der gewöhnliche Preis gleichfalls niedriger gewesen sein müsse. Man hätte jedoch wissen können, dass damals der höchste Preis weit über dem späteren, und der niedrigste weit unter ihm stand. So gibt uns Fleetwood für das Jahr 1270 zwei Preise des Quarters Weizen. Der eine ist £ 4. 16 sh. im Gelde jener Zeit, d. h. £ 14. 8 sh. im unsrigen, der andere £ 6. 8 sh., d. h. £ 19. 4 sh. unsres Geldes. Am Ende des fünfzehnten oder zu Anfang des sechzehnten Jahrhunderts ist kein Preis zu finden, der diesem übertriebenen Satze nahe käme. Der Preis des Getreides, obwohl er stets Schwankungen unterworfen ist, schwankt am auffallendsten doch in jenen unruhigen und ungeordneten Gesellschaften, in denen die Unterbrechung alles Handels und aller Verbindungen den Überfluss des einen Landesteils hindert, dem Mangel des andern zu Hilfe zu kommen. In dem verwirrten Zustande Englands unter den Plantagenets, die das Land von der Mitte des zwölften bis gegen das Ende des fünfzehnten Jahrhunderts beherrschten, konnte der eine Bezirk Überfluss haben, während ein anderer benachbarter seine Ernte entweder durch Zufälle der Witterung oder durch den Einfall eines benachbarten Barons zerstört sah und alle Schrecken einer Hungersnot zu ertragen hatte; denn wenn die Ländereien eines feindlichen Lords dazwischen lagen, konnte der eine dem andern nicht den geringsten Beistand leisten. Unter der kräftigen Regierung der Tudors, die seit der zweiten Hälfte des fünfzehnten und das ganze sechzehnte Jahrhundert hindurch in England herrschten, war kein Baron mächtig genug, um es wagen zu können, die öffentliche Sicherheit zu stören. Am Ende dieses Kapitels wird der Leser alle von Fleetwood gesammelten Weizenpreise finden, von 1202 bis 1597, auf unser heutiges Geld zu rückgeführt, und nach der Zeitfolge in sieben Perioden von je zwölf Jahren geordnet. Auch findet er am Ende jeder Periode den Durchschnittspreis der zwölf Jahre, aus denen sie besteht. Für den ganzen langen Zeitraum hat Fleetwood nur die Preise von achtzig Jahren zusammenzubringen vermocht, so dass vier Jahre fehlen, um das letzte Dutzend vollzumachen. Ich habe daher aus den Rechnungen des Eton College die Preise von 1598, 1599, 1600 und 1601 hinzugesetzt, ohne mehr hinzuzufügen. Der Leser wird ersehen, dass vom Anfang des dreizehnten bis nach der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts der Durchschnittspreis von je zwölf Jahren allmählich immer niedriger wird, um sich gegen das Ende des sechzehnten Jahrhunderts wieder zu heben. Freilich scheinen die Preise, welche Fleetwood zusammenzubringen vermochte, vorzugsweise solche zu sein, die wegen ungewöhnlicher Teuerung oder Wohlfeilheit merkwürdig waren, und ich behaupte nicht, dass sich sichere Schlüsse daraus ziehen lassen. Soweit sie jedoch überhaupt etwas beweisen, bestätigen sie das, was ich nachzuweisen suchte. Fleetwood selbst scheint hingegen, wie die meisten anderen Schriftsteller, geglaubt zu haben, dass während dieser ganzen Periode der Wert des Silbers sich infolge des steigenden Überflusses stetig verringert habe. Allein die Getreidepreise, die er selber gesammelt hat, unterstützen diese Meinung gewiss nicht. Dagegen stimmen sie vortrefflich mit der Ansicht des Herrn Dupré de St. Maur und der von mir entwickelten überein. Bischof Fleetwood und Dupré de St. Maur sind die beiden Schriftsteller, die mit der größten Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit die Preise früherer Zeiten gesammelt haben, und merkwürdigerweise treffen, trotz ihrer verschiedenen Ansichten, doch die von beiden festgestellten Tatsachen, wenigstens soweit sie sich auf die Getreidepreise beziehen, sehr genau zusammen. Es sind indessen nicht sowohl die niedrigen Preise des Getreides als die mancher anderen Bodenprodukte, aus denen die urteilfähigsten Schriftsteller den hohen Wert des Silbers in jenen früheren Zeiten gefolgert haben. Getreide, hat man gesagt, ist eine Art Fabrikat, und in jenen rohen Zeiten verhältnismäßig weit teurer als die meisten andern Waren, worunter man vermutlich die meisten ohne Mitwirkung menschlicher Arbeit entstandenen Dinge, wie Vieh, Geflügel, Wildbret aller Art usw. versteht. Dass diese in Zeiten der Armut und Barbarei verhältnismäßig viel wohlfeiler als Korn waren, ist unzweifelhaft richtig. Allein diese Wohlfeilheit war nicht die Wirkung des hohen Silberwertes, sondern die des niedrigen Wertes jener Waren. Sie rührte nicht daher, dass das Silber in solchen Zeiten eine größere Menge Arbeit kauft oder darstellt, sondern daher, dass solche Waren eine weit geringere Menge Arbeit kaufen oder darstellen als in Zeiten größerer Wohlhabenheit und Kultur. Das Silber muss sicherlich im spanischen Amerika wohlfeiler sein als in Europa, in dem Erzeugungslande wohlfeiler als in dem Lande, wohin es mit den Kosten einer langen Land- und Wasserfracht und der Versicherung gebracht wird. Gleichwohl betrug, nach Ulloa, noch vor nicht langer Zeit in Buenos-Ayres der Preis eines ausgesuchten Ochsen nur 2 ½ d. und 16 sh. ist nach Byron der Preis eines guten Pferdes in der Hauptstadt von Chili. In einem von Natur fruchtbaren Lande, dessen größter Teil jedoch durchaus unkultiviert ist, kann man Vieh, Geflügel, Wildbret aller Art usw. mit einer sehr geringen Arbeitsmenge erwerben, und man kann sich daher auch nur eine sehr geringe Arbeitsmenge dafür verschaffen. Der niedrige Geldpreis, zu dem sie verkauft werden, ist kein Beweis, dass der Sachwert des Silbers dort sehr hoch, sondern nur, dass der Sachwert jener Waren sehr niedrig ist. Die Arbeit und nicht irgendeine Ware oder Gattung von Waren ist, wie man festhalten muss, das wahre Wertmaß sowohl des Silbers als aller anderen Waren. Da in fast noch unangebauten oder nur dünn bevölkerten Ländern Vieh, Geflügel, Wildbret aller Art usw. freiwillige Erzeugnisse der Natur sind, so bringt diese sie oft in weit größeren Mengen hervor als die Einwohner verbrauchen können. Unter solchen Umständen übersteigt das Angebot gewöhnlich die Nachfrage. In verschiedenen Zuständen der Gesellschaft, auf verschiedenen Stufen der Kultur werden daher solche Waren sehr verschiedene Mengen von Arbeit darstellen oder aufwiegen. Getreide aber ist in jedem Zustande der Gesellschaft, auf jeder Stufe der Kultur das Erzeugnis menschlichen Fleißes. Die durchschnittliche Produktion jeder Art von Gewerbfleiß passt sich nun immer mehr oder weniger dem durchschnittlichen Verbrauch, das durchschnittliche Angebot der durchschnittlichen Nachfrage an. Überdies erfordert die Erzeugung gleicher Getreidemengen in demselben Boden und Klima auf jeder Stufe der Kultur durchschnittlich fast gleiche Arbeitsmengen, oder, was auf dasselbe hinausläuft, den Preis gleicher Arbeitsmengen, denn die beständige Zunahme in den produktiven Kräften der Arbeit wird bei fortschreitender Kultur mehr oder weniger durch den beständig steigenden Preis des Viehs, des hauptsächlichsten Werkzeuges des Ackerbaues, aufgewogen. Aus allen diesen Gründen darf man annehmen, dass gleiche Getreidemengen in jedem Zustande der Gesellschaft, auf jeder Stufe der Kultur weit eher gleiche Arbeitsmengen darstellen oder aufwiegen werden, als gleiche Mengen anderer Bodenerzeugnisse. Mithin ist das Getreide wie bereits bemerkt, auf allen Stufen des Reichtums und der Kultur ein genaueres Wertmaß als jede andere Ware oder Gattung von Waren. Auf allen diesen Stufen werden wir daher den Sachwert des Silbers weit besser durch einen Vergleich mit Getreide als mit irgendeiner anderen Ware oder Gattung von Waren beurteilen. Überdies macht Getreide oder was sonst das gewöhnliche und allgemein beliebte pflanzliche Nahrungsmittel des Volks ist, in jedem zivilisiertem Lande den Hauptteil der Lebensmittel des Arbeiters aus. Infolge der Ausdehnung des Ackerbaus bringt der Boden eines jeden Landes eine viel größere Menge pflanzlicher als tierischer Nahrung hervor, und der Arbeiter lebt überall vorzugsweise von demjenigen gesunden Nahrungsmittel, welches das wohlfeilste und reichlichste ist. Fleisch bildet, außer in den blühendsten Ländern, in denen die Arbeit am höchsten bezahlt wird, nur einen unbedeutenden Teil seiner Nahrungsmittel; Geflügel einen noch kleineren Teil von ihnen und Wildbret gar keinen. In Frankreich, und selbst in Schottland, wo die Arbeit etwas besser als in Frankreich bezahlt wird, genießt der ärmere Arbeiter, außer an Feiertagen und bei anderen außerordentlichen Gelegenheiten, selten Fleisch. Daher hängt der Geldpreis der Arbeit weit mehr von dem durchschnittlichen Geldwert des Getreides, des Nahrungsmittels der Arbeiter als von dem des Fleisches oder irgendeines anderen Bodenproduktes ab. Mithin hängt auch der Sachwert des Goldes und Silbers, beziehungsweise die Arbeitsmenge, welche damit erkauft werden kann, weit mehr von der Getreidemenge, die dafür zu haben ist als von der Menge Fleisch oder anderer Bodenprodukte ab. So nachlässige Beobachtungen über die Preise des Getreides oder anderer Waren würden wahrscheinlich nicht so viele einsichtige Schriftsteller irregeleitet haben, wenn sie nicht gleichzeitig durch die volkstümliche Meinung beeinflusst worden wären, dass in dem Maße, in dem die Menge des Silbers naturgemäß in jedem Lande mit der Zunahme des Reichtums wächst, auch sein Wert sich vermindere. Diese Meinung scheint aber durchaus grundlos zu sein. Die Menge der edlen Metalle kann in jedem Lande aus zweierlei Ursachen zunehmen: erstens infolge steigender Ergiebigkeit der Bergwerke, die sie liefern; zweitens infolge zunehmenden Reichtums des Volks, zunehmenden Ertrags seiner Arbeit. Die erste dieser Ursachen ist ohne Zweifel mit der Verringerung im Werte der edlen Metalle notwendig verknüpft; die andere nicht. Wenn ergiebigere Bergwerke entdeckt werden, kommt eine größere Menge edler Metalle auf den Markt, und wenn die Menge der Lebens- und Genussmittel, für welche sie vertauscht werden, die nämliche bleibt, so müssen gleiche Metallmengen gegen geringere Warenmengen vertauscht werden. Sofern also die zunehmende Menge der edlen Metalle in einem Lande aus der zunehmenden Ergiebigkeit der Bergwerke entspringt, ist sie notwendig mit einer Verringerung in ihrem Werte verknüpft. Wenn hingegen der Reichtum eines Landes wächst, und der jährliche Ertrag seiner Arbeit allmählich immer größer wird, so wird für den Umlauf einer größeren Warenmenge eine größere Menge gemünzten Geldes nötig; und da die Leute mehr Mittel besitzen und mehr Waren dafür zu geben haben, so werden sie auch immer mehr Gerät von edlem Metall kaufen. Ihre Geldmenge wird mit dem Bedürfnis wachsen, die des Geräts mit ihrer Eitelkeit und Prunksucht aus demselben Grunde, aus welchem auch die Zahl schöner Statuen, Gemälde und anderer Gegenstände des Luxus und der Liebhaberei unter ihnen wahrscheinlich zunehmen wird. Wie aber Bildhauer und Maler in Zeiten des Reichtums und Glückes schwerlich schlechter bezahlt werden als in den Zeiten der Armut und Not, so wird auch Gold und Silber wohl nicht schlechter bezahlt werden. Wie der Preis von Gold und Silber, wenn er nicht durch die zufällige Entdeckung ergiebigerer Bergwerke nieder gehalten wird, mit dem Reichtum jedes Landes naturgemäß steigt, so ist er, der Stand der Bergwerke sei welcher er wolle, allezeit in einem reichen Lande naturgemäß höher als in einem armen. Gold und Silber suchen, wie alle anderen Waren den Markt auf, auf dem der beste Preis für sie bezahlt wird, und der beste Preis pflegt für jede Sache in dem Lande bewilligt zu werden, das ihn am leichtesten zu geben imstande ist. Die Arbeit ist, wie man festhalten muss, der letzte Preis, der für alle Dinge bezahlt wird, und in Ländern, wo die Arbeit gleich gut bezahlt wird, richtet sich der Geldpreis der Arbeit nach dem der Lebensmittel des Arbeiters. Nun wird für Gold und Silber in einem reichen Lande natürlich eine größere Menge von Lebensmitteln zu haben sein als in einem armen, d. h. in einem Lande, das an Lebensmitteln Überfluss hat, eine größere als in einem Lande, das nur mäßig damit versorgt ist. Sind die beiden Länder weit voneinander entfernt, so kann der Unterschied sehr groß sein, weil, obschon die Metalle von selbst von dem schlechteren zu dem besseren Markte gehen, es doch .schwierig kann, sie in solchen Mengen dahin zu bringen, um ihren Preis an beiden Orten ins Gleichgewicht zu setzen. Liegen die Länder dagegen nahe bei einander, so wird der Unterschied geringer und manchmal kaum merkbar sein, weil die Versendung in diesem Falle leicht ist. China ist ein weit reicheres Land als irgendein europäisches, und der Unterschied im Preise der Lebensmittel zwischen China und Europa ist sehr groß: der Reis ist in China viel wohlfeiler als der Weizen irgendwo in Europa. England ist ein viel reicheres Land als Schottland, aber der Unterschied in dem Geldpreise des Getreides ist in diesen beiden Ländern weit geringer und kaum bemerkbar. Der Menge oder dem Maße nach scheint das schottische Getreide zwar um vieles wohlfeiler zu sein als das englische; aber der Beschaffenheit nach ist es gewiss etwas teurer. Schottland erhält fast alle Jahre starke Zufuhren aus England, und jede Ware muss in dem Lande, wohin sie gebracht wird, etwas teurer sein als in demjenigen, aus dem sie kommt. Daher muss das englische Getreide in Schottland teurer sein als in England, und kann seiner Beschaffenheit nach, oder entsprechend der Menge und Güte des Mehls, das aus ihm bereitet wird, in der Regel dort nicht teurer verkauft werden als das schottische Getreide, das mit ihm in Wettbewerb tritt. Der Unterschied zwischen dem Geldpreise der Arbeit in China und in Europa ist noch größer als der zwischen dem Geldpreise der Lebensmittel, weil der wirkliche Lohn der Arbeit in Europa höher ist als in China; denn der größte Teil Europas ist im Fortschreiten begriffen, während China still zu stehen scheint. In Schottland ist der Geldpreis der Arbeit niedriger als in England, weil der wirkliche Lohn der Arbeit weit niedriger ist; denn wenn Schottland auch fortschreitet, so schreitet es doch langsamer fort als England. Die Häufigkeit der Auswanderung aus Schottland und ihre Seltenheit aus England beweist deutlich, dass die Nachfrage nach Arbeit in beiden Ländern sehr verschieden ist. Das Verhältnis zwischen dem wirklichen Lohn der Arbeit in verschiedenen Ländern richtet sich, wie festzuhalten ist, nicht nach ihrer dermaligen Wohlhabenheit oder Armut, sondern darnach, ob sie fortschreiten, still stehen oder zurückgehen. Wie Gold und Silber unter den reichsten Nationen naturgemäß den größten Wert haben, so unter den ärmsten den geringsten. Unter den Wilden, den ärmsten der Menschen, haben sie fast gar keinen Wert. In großen Städten ist das Getreide stets teurer als in entfernten Teilen des Landes. Dies ist jedoch nicht die Folge der tatsächlichen Wohlfeilheit des Silbers, sondern der tatsächlichen Teuerung des Getreides. Es kostet nicht weniger Arbeit, das Silber in die große Stadt als in die entfernten Teile des Landes zu schaffen: aber es kostet viel mehr Arbeit, Getreide dahin zu schaffen. In einigen sehr reichen Handelsstaaten, wie in Holland und dem Gebiete von Genua, ist das Getreide aus demselben Grunde teurer als in großen Städten. Sie bringen nicht genug für den Unterhalt ihrer Bewohner hervor. Sie sind reich an Fleiß und Geschick ihrer Künstler und Handwerker, reich an jeder Art von Maschinen, die die Arbeit erleichtern und abkürzen, reich an Schiffen und allen anderen Werkzeugen und Mitteln des Transports und Handels; aber sie sind arm an Getreide, das, da es aus fernen Ländern dahin gebracht werden muss, durch einen Aufschlag auf seinen Preis die Fracht zu zahlen hat. Es kostet nicht weniger Arbeit, Silber nach Amsterdam als nach Danzig zu bringen, aber es kostet bedeutend mehr, Getreide dahin zu bringen. Die wirklichen Kosten des Silbers müssen an beiden Orten fast die nämlichen, die des Getreides aber sehr verschieden sein. Minderte sich der wirkliche Reichtum Hollands oder Genuas, während gleichzeitig die Zahl ihrer Einwohner dieselbe bliebe, minderte sich ihre Fähigkeit, sich aus fernen Ländern zu versorgen: so würde der Preis des Getreides mit dieser Verringerung in der Menge ihres Silbers, die jene Abnahme notwendig entweder als Ursache oder als Wirkung begleiten muss, nicht sinken, sondern vielmehr bis zu Hungersnotpreisen steigen. Fehlt uns das Notwendige, so müssen wir uns der überflüssigen Dinge entschlagen, deren Wert in Zeiten des Reichtums und Glücks steigt und ebenso in Zeiten der Not und Armut sinkt. Anders ist es mit den notwendigen Dingen. Ihr Sachpreis, die Arbeitsmenge, welche dafür zu haben ist, steigt in Zeiten der Armut und Not, und fällt in Zeiten des Reichtums und Gedeihens, die stets Zeiten großen Überflusses sind, da sie sonst nicht Zeiten des Reichtums und Gedeihens sein könnten. Getreide ist etwas Notwendiges, Silber etwas Überflüssiges. Wie groß also auch die Zunahme in der Menge der edlen Metalle gewesen sein mag, die zwischen der Mitte des II. und der des 16. Jahrhunderts aus der Zunahme des Reichtums und der Kultur hervorging, so konnte sie dennoch weder in Großbritannien noch in einem anderen Teile Europas ihren Wert verringern. Hatten daher die Schriftsteller über die Preise früherer Zeiten keinen Grund, aus Beobachtungen über die Preise des Getreides und anderer Waren die Verringerung des Silberwertes zu folgern, so hatten sie noch weniger Grund, sie aus einer vorausgesetzten Zunahme des Reichtums und der Kultur herzuleiten. Zweite Periode So verschieden die Meinungen der Gelehrten über das Fortschreiten des Silberwerts während der ersten Periode waren, so einstimmig sind sie in dieser Hinsicht während der zweiten Periode. Etwa von 1570 bis 1640, während eines Zeitraums von ungefähr 70 Jahren, nahm die Änderung in dem Wertverhältnis des Silbers zum Getreide eine ganz entgegengesetzte Richtung. Das Silber sank in seinem Sachwerte, d. h. es konnte nur gegen eine geringere Arbeitsmenge als früher vertauscht werden, das Getreide dagegen stieg in seinem Nominalpreise, und wurde mit der Zeit, statt für etwa zwei Unzen Silber der Quarter, oder etwa zehn Schilling unseres heutigen Geldes, für sechs bis acht Unzen Silber oder etwa dreißig bis vierzig Schilling unseres Geldes verkauft. Die Entdeckung der reichen amerikanischen Minen scheint die einzige Ursache der Abnahme des Verhältnisses zwischen Silber und Getreide gewesen zu sein. So wird die Sache von jedermann erklärt, und es erhob sich weder über die Tatsache selbst, noch über seine Ursache jemals ein Streit. Der größte Teil Europas schritt in diesem Zeiträume im Gewerbfleiß und in der Bodenkultur fort, und die Nachfrage nach Silber musste daher stets zunehmen; allein die Zunahme des Angebots überstieg allem Anschein nach die Nachfrage so sehr, dass der Wert jenes Metalls bedeutend fiel. Die Entdeckung der amerikanischen Minen scheint, was beachtenswert ist, auf die Preise der Dinge in England bis nach 1570 nicht merklich eingewirkt zu haben, obgleich selbst die Minen von Potosi mehr als zwanzig Jahre früher entdeckt worden waren. Von 1595 bis 1620 einschließlich war der Durchschnittspreis des Quarters von neun Bushel des besten Weizens, wie aus den Rechnungen des Eton College hervorgeht, auf dem Markte zu Windsor £ 2. 1 sh. 6 9/13 d. Lässt man von dieser Summe den Bruch weg, und zieht ein Neuntel oder 4 sh. 7 1/3 d. ab, so kommt für den Quarter von 8 Bushel der Preis von £ 16 sh. 10 2/3 d. heraus. Lässt man von dieser Summe ebenfalls den Bruch wog, und zieht ein Neuntel oder 4 sh. 1 1/9 d. für den Unterschied zwischen dem Preise des besten Weizens und dem des Mittelweizens ab, so kommt finden Preis des Mittelweizens heraus £ 1. 12 sh. 8 8/9 d., oder etwa sechs und ein Drittel Unzen Silbers. Von 1621 bis 1636 einschließlich war nach denselben Rechnungen der Durchschnittspreis des gleichen Maßes vom besten Weizen auf demselben Markte £ 2. 10 sh. Macht man hiervon die nämlichen Abzüge, wie im vorigen Falle, so kommt für den Durchschnittspreis des Quarters von acht Bushel Mittelweizen £ 1. 19 sh. 6 d., oder etwa sieben und zwei Drittel Unzen Silbers heraus. Dritte Periode Zwischen 1630 und 1640, oder um 1636, scheint die Wirkung der Entdeckung der amerikanischen Minen auf die Entwertung des Silbers ihr Ende gefunden zu haben und das Wertverhältnis zwischen diesem Metall und dem Getreide niemals tiefer gesunken zu sein als um diese Zeit. Im Laufe des gegenwärtigen Jahrhunderts dürfte es sich etwas gehoben haben, und hatte damit wahrscheinlich schon einige Zeit vor dem Ende des vorigen angefangen. Von 1637 bis 1700 einschließlich also in den 64 letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts, war nach denselben Rechnungen der Durchschnittspreis des Quarters von neun Bushel vom besten Weizen auf dem Markte zu Windsor £ 2. 11 sh. 1/3 d., nur 1 sh. 1/3 d. teurer als während der vorhergehenden sechzehn Jahre. Aber im Laufe dieser vierundsechzig Jahre traten zwei Ereignisse ein, die einen weit größeren Mangel an Getreide verursachen mussten als durch den bloßen Einfluss der Witterung zu erklären wäre, und die, auch ohne die Annahme eines weiteren Rückganges im Silberwerte, jene kleine Erhöhung des Preises vollständig erklären. Das erste dieser Ereignisse war der Bürgerkrieg, der durch Entmutigung des Ackerbaues und Unterbrechung des Handels den Preis des Getreides höher hinauftrieb, als er durch den Einfluss von Missernten hätte steigen können. Diese Wirkung musste mehr oder weniger auf allen Märkten des Reichs eintreten, insbesondere aber auf denen in der Nähe von London, die sich ihren Vorrat aus der größten Entfernung verschaffen müssen. Der Preis des besten Weizens betrug demgemäß 1648 auf dem Markte zu Windsor £4. 5 sh., und 1649 £ 4 für den Quarter von 9 Bushel. Dies übersteigt den Durchschnittspreis der sechzehn Jahre vor 1687, der £ 2. 10 sh. betrug, um £ 3. 5 sh., was, über die vierundsechzig letzten Jahre des vorigen Jahrhunderts verteilt, schon allein jene kleine Preiserhöhung erklärt, die während dieser Periode stattgefunden zu haben scheint. Diese Preise sind übrigens zwar die höchsten, doch keineswegs die einzigen hohen Preise, die durch die Bürgerkriege verursacht worden sind. Das zweite Ereignis war die im Jahre 1688 bewilligte Prämie auf die Ausfuhr von Getreide. Nach der Annahme vieler hat diese Prämie dadurch, dass sie den Ackerbau ermutigte, lange Jahre hindurch einen größeren Überfluss und folglich eine größere Wohlfeilheit des Getreides auf dem heimischen Markte hervorgebracht als ohne sie eingetreten wäre. Inwiefern die Prämie jemals diese Wirkung haben kann, werde ich später untersuchen; für jetzt will ich nur bemerken, dass sie zwischen 1688 und 1700 keine Zeit hatte, eine solche Wirkung hervorzubringen. In diesem kurzen Zeitraume konnte ihre Wirkung nur die sein, dass sie zur Ausfuhr des jährlichen Überschusses aufmunterte, eine Ausgleichung des Überflusses eines Jahres und des Mangels eines anderen verhinderte und dadurch den Preis auf dein heimischen Markte hinauftrieb. Der Mangel, welcher in England von 1693 bis 1699 einschließlich beider Jahre herrschte, konnte, obwohl er ohne Zweifel vorzugsweise den Einflüssen des Wetters zuzuschreiben ist und sich darum auch über einen großen Teil von Europa erstreckte, durch die Prämie nur vergrößert werden. Daher wurde auch 1699 die Getreideausfuhr auf neun Monate verboten. Noch ein drittes Ereignis trat in demselben Zeitraume ein, das, wenn es auch keinen Getreidemangel erzeugen, noch die tatsächliche für Getreide zu zahlende Silbermenge vermehren konnte, doch notwendig eine nominelle Erhöhung des Silberwerts veranlassen musste. Dies war die große Verschlechterung der Silbermünzen durch Beschneiden und Abnutzung. Dieses Übel hatte unter der Regierung Karls des Zweiten begonnen, und dauerte ununterbrochen bis 1695 fort, zu welcher Zeit, wie wir von Lowndes erfahren, das Silberkurant durchschnittlich fast fünfundzwanzig Prozent unter seinem Normalwert stand. Nun wird die nominelle Summe, welche den Marktpreis der Waren ausmacht, nicht sowohl durch die Silbermenge bestimmt, die nach dem Münzfuße in ihr enthalten sein sollte als durch diejenige, die erfahrungsmäßig wirklich in ihr enthalten ist. Diese nominelle Summe ist daher notwendig höher, wenn die Münze durch Beschneiden und Abnutzung sehr verschlechtert ist als wenn sie ihrem gesetzlichen Werte nahekommt. Im Laufe des gegenwärtigen Jahrhunderts ist die Silbermünze nie tiefer unter ihrem gesetzlichen Gewicht gewesen als jetzt. So verunstaltet sie aber auch ist, so wurde doch ihr Wert durch den der mit ihr vertauschbaren Goldmünze aufrechterhalten; denn wenn auch die Goldmünze vor der letzten Umprägung ebenfalls sehr entwertet war, so war sie es doch weniger als das Silber. Im Jahre 1695 dagegen wurde der Wert des Silbergeldes nicht durch den der Goldmünzen aufrechterhalten; eine Guinee wurde damals gewöhnlich für dreißig Schillinge des abgenutzten und beschnittenen Silbers gewechselt. Vor der letzten Umprägung des Goldes war der Preis des Barrensilbers selten höher als 5 sh. 7 d. die Unze, was nur fünf Pence über den Münzpreis ist. Im Jahre 1695 aber war der gewöhnliche Preis des Barrensilbers 6 sh. 5 d. die Unze, was fünfzehn Pence mehr ist als der Münzpreis[12 - Lowndes, essay on the Silver Coin, p. 68]. Selbst vor der letzten Umprägung des Goldes wurde sowohl die Gold- wie die Silbermünze im Vergleich zum Barrensilber als kaum acht Prozent unter ihrem gesetzlichen Wert stehend betrachtet. 1695 dagegen wurde sie als beinahe fünfundzwanzig Prozent niedriger angesehen. Zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts, d. h. unmittelbar nach der großen Umprägung zu König Wilhelms Zeit, muss das meiste Silberkurant seinem gesetzlichen Gewicht noch näher gekommen sein als jetzt. Auch hat im gegenwärtigen Jahrhundert kein großes öffentliches Unglück wie etwa ein Bürgerkrieg, den Ackerbau gestört, oder den inneren Handel des Landes unterbrochen. Und obgleich die Prämie, die fast das ganze Jahrhundert hindurch bewilligt wurde, den Preis des Getreides stets etwas höher hinauf treiben musste als er sonst bei dem dermaligen Stande der Landwirtschaft gewesen wäre, so lässt sich doch, da die Prämie während dieses Jahrhunderts Zeit genug hatte, alle die ihr gewöhnlich zugeschriebenen guten Wirkungen zu offenbaren also zum Ackerbau aufzumuntern und die Getreidemenge auf dem heimischen Markte zu vermehren, nach den Grundsätzen eines Systems, das ich später erklären und prüfen werde, annehmen, dass sie den Preis dieser Ware auf die eine Weise etwas zu verringern, wie auf die andere Weise ihn etwas zu erhöhen beitrug. Viele schlagen ihren Einfluss höher an. In den ersten vierundsechzig Jahren des gegenwärtigen Jahrhunderts war der Durchschnittspreis des Quarters von neun Bushel des besten Weizens auf dem Markte zu Windsor nach den Rechnungen des Eton College £ 2. 6 19/32 d., 10 sh. 6 d. oder fünfundzwanzig Prozent wohlfeiler als während der letzten vierundsechzig Jahre des vorigen Jahrhunderts; 9 sh. 6 d. wohlfeiler als in den sechzehn Jahren vor 1636, wo die Entdeckung der reichen amerikanischen Minen vermutlich ihre volle Wirkung geäußert hatte; und 1 sh. wohlfeiler als in den sechsundzwanzig Jahren vor 1620, ehe jene Entdeckung ihre volle Wirkung äußern konnte. Nach dieser Rechnung stellt sich der Durchschnittspreis des Mittelweizens in den ersten vierundsechzig Jahren dieses Jahrhunderts auf etwa 32 sh. für den Quarter von acht Bushel. Der Wert des Silbers scheint sonach im Verhältnis zum Werte des Getreides im gegenwärtigen Jahrhundert etwas gestiegen zu sein, und hatte wahrscheinlich schon einige Zeit vor dem Ende des vorigen Jahrhunderts zu steigen angefangen. Im Jahre 1687 betrug der Preis des Quarters von neun Bushel vom besten Weizen auf dem Markte zu Windsor £ 1. 5 sh. 2 d., was der niedrigste Preis ist, den er seit 1595 jemals gehabt hat. Im Jahre 1688 schätzte Gregory King, eine Autorität in diesen Dingen, den Durchschnittspreis des Weizens, wie er in Jahren einer Mittelernte den Produzenten zu stehen komme, auf 3 sh. 6 d. den Bushel, oder 28 sh. den Quarter. Unter dem Produzentenpreis verstehe ich das, was man zuweilen den Kontraktpreis nennt, oder den Preis, zu dem ein Pächter sich verpflichtet, mehrere Jahre hintereinander dem Händler eine bestimmte Menge Getreide zu liefern. Da ein solcher Vertrag dem Pächter die Kosten und Mühe des Markttransports erspart, so ist der Kontraktpreis gewöhnlich niedriger als der durchschnittliche Marktpreis. King nahm an, dass in Jahren einer Mittelernte 28 sh. für den Quarter zu jener Zeit der gewöhnliche Kontraktpreis war. Vor dem durch die jüngste Reihe ungewöhnlich schlechter Jahre verursachten Mangel war dies, wie man mir versichert, der übliche Kontraktpreis in allen gewöhnlichen Jahren. 1688 bewilligte das Parlament die schon erwähnte Prämie auf die Getreideausfuhr. Die Landedelleute, die damals einen größeren Teil der gesetzgebenden Versammlung ausmachten als jetzt, hatten gemerkt, dass der Geldpreis des Getreides fiel. Die Prämie war ein Mittel, es künstlich auf den hohen Preis zu bringen, zu dem es zu den Zeiten Karls I. und II. oft verkauft worden war. Sie sollte daher so lange gegeben werden, bis der Weizen auf 48 sh. für den Quarter gestiegen wäre, d. h. bis er 20 sh. oder um fünf Siebentel teurer war als King in demselben Jahre den Produzentenpreis in Mitteljahren berechnet hatte. Wenn seine Berechnungen den guten Ruf einigermaßen verdienen, den sie allgemein haben, so waren 48 sh. für den Quarter ein Preis, der ohne ein Mittel wie die Prämie zu jener Zeit sich nur in Jahren ungewöhnlichen Mangels erwarten ließ. allein die Regierung König Wilhelms war damals noch nicht fest gegründet. Sie war nicht in der Lage, den Landedelleuten, von denen sie gerade damals die Festsetzung der jährlichen Grundsteuer forderte, etwas abschlagen zu können. Der Wert des Silbers ist daher im Verhältnis zu dem des Getreides vor dem Ende des letzten Jahrhunderts etwas gestiegen, und scheint es bei diesem Steigen während des größten Teils des jetzigen Jahrhunderts geblieben zu sein, obgleich die Wirkung der Prämie das Steigen nicht so fühlbar werden ließ als es sonst bei dem jetzigen Stande der Landwirtschaft gewesen sein würde. In Jahren des Überflusses erhöht die Prämie durch Veranlassung einer ungewöhnlichen Ausfuhr den Preis des Getreides mehr als es sonst in solchen Jahren der Fall sein würde. Es war ja auch der ausgesprochene Zweck der Maßregel, der Landwirtschaft dadurch, dass der Preis des Getreides selbst in Jahren des größten Überflusses gehalten würde, eine Aufmunterung zuteilwerden zu lassen. In Jahren großen Mangels wurde allerdings die Prämie gewöhnlich beseitigt. Sie musste jedoch auch auf die Preise mancher dieser Jahre Einfluss haben; denn die bedeutende Ausfuhr, die sie in Jahren der Fülle verursachte, musste die Ausgleichung der Fülle des einen Jahres gegen den Mangel des andern oft verhindern. Daher steigert die Prämie in Jahren sowohl der Fülle als des Mangels den Preis des Getreides über den Punkt hinaus, den er bei dem dermaligen Stande der Landwirtschaft ohne künstliche Hilfe erreichen würde. Wenn mithin der Durchschnittspreis in den ersten vierundsechzig Jahren des gegenwärtigen Jahrhunderts niedriger gewesen ist als in den letzten vierundsechzig Jahren des vorigen, so hätte er bei dem nämlichen Stande des Ackerbaus noch weit niedriger sein müssen, wenn die Prämie nicht auf ihn eingewirkt hätte. Aber, kann man sagen, ohne die Prämie würde der Zustand des Ackerbaus nicht der nämliche gewesen sein. Welche Wirkungen jene Maßregel auf die Landwirtschaft des Landes gehabt haben kann, werde ich später aufzuklären suchen, wenn ich von den Prämien besonders handle; für jetzt will ich nur bemerken, dass dieses Steigen des Silberwerts im Verhältnis zum Getreide England nicht allein betroffen hat. In Frankreich hat sich, nach den Beobachtungen dreier sehr glaubwürdiger, sorgfältiger und fleißiger Forscher, Dupré de St. Maur, Messance und des Verfassers des Versuchs über die Getreidepolitik, dieselbe Erscheinung in dem nämlichen Zeitraume und beinahe in dem nämlichen Verhältnis ebenfalls geltend gemacht. In Frankreich aber war bis 1764 die Ausfuhr des Getreides verboten, und es ist einigermaßen schwer zu glauben, dass fast dieselbe Verringerung des Preises, die in dem einen Lande trotz dieses Verbots eintrat, in dem anderen der ungewöhnlichen Aufmunterung zur Ausfuhr zuzuschreiben sei. Es würde vielleicht richtiger sein, diese Änderung in dem durchschnittlichen Geldpreise des Getreides als die Wirkung eines allmählichen Steigens im Sachwerte des Silbers auf dem europäischen Markte anzusehen, statt als die Wirkung des Sinkens im durchschnittlichen Sachwerte des Getreides. Das Getreide ist, wie bereits bemerkt, für längere Zeiträume ein genaueres Wertmaß als Silber oder vielleicht jede andere Ware. Als nach der Entdeckung der ergiebigen amerikanischen Minen das Getreide einen drei bis vier Mal höheren Geldpreis erreichte, schrieb man diesen Umschwung ganz allgemein nicht einem Steigen im Sachwerte des Getreides, sondern dem Sinken im Sachwerte des Silbers zu. Wenn daher in den ersten vierundsechzig Jahren des gegenwärtigen Jahrhunderts der durchschnittliche Geldpreis des Getreides etwas niedriger geworden ist als er in den meisten Jahren des vorigen Jahrhunderts gewesen ist, so sollte man diesen Umschwung gleichfalls nicht dem Sinken im Sachwerte des Getreides, sondern dem Steigen im Sachwerte des Silbers auf dem europäischen Markte zuschreiben. Der hohe Preis des Getreides während der letzten zehn oder zwölf Jahre hat allerdings die Vermutung erregt, dass der Sachwert des Silbers auf dem europäischen Markte noch immer sinke. Indessen scheint dieser hohe Preis des Getreides in Wahrheit durch die ungewöhnlich schlechten Wetterverhältnisse verursacht zu sein, und kann daher nicht als dauernd, sondern nur als vorübergehend und zufällig betrachtet werden. Die Witterungsverhältnisse waren in diesen zehn oder zwölf Jahren fast in ganz Europa ungünstig, und die Unruhen in Polen haben den Mangel in all’ den Ländern vermehrt, die sich in teuren Jahren von dort her zu versorgen pflegten. Eine so lange anhaltende Ungunst der Witterung ist zwar keine sehr gewöhnliche, aber auch keineswegs eine unerhörte Erscheinung, und wer sich viel mit der Geschichte der Getreidepreise in früheren Zeiten beschäftigt hat, dem wird unschwer manches ähnliche Beispiel einfallen. Auch sind zehn Jahre außerordentlichen Mangels nichts Wunderbareres als zehn Jahre außerordentlicher Fülle. Der niedrige Getreidepreis von 1741 bis 1750, einschließlich beider Jahre, kann sehr wohl dem hohen Preise in den letzten acht oder zehn Jahren entgegengestellt werden. Von 1741 bis 1750 war, wie aus den Rechnungen des Eton College hervorgeht, der Durchschnittspreis des Quarters von neun Bushel des besten Weizens auf dem Markte zu Windsor nur £ 1. 13 sh. 9 4/5 d., beinahe 6 sh. 3 d. unter dem Durchschnittspreise der ersten 64 Jahre des laufenden Jahrhunderts. Hiernach stellte sich der Durchschnittspreis des Quarters von acht Bushel Mittelweizen in jenen zehn Jahren nur auf £ 1. 6 sh. 8 d. Zwischen 1741 und 1750 verhinderte aber die Prämie, dass der Preis des Getreides auf dem heimischen Markte so tief fiel als er der Natur der Sache nach hätte fallen müssen. Während dieser zehn Jahre betrug, nach den Zollregistern, die Menge aller Sorten ausgeführten Getreides nicht weniger als 8,029,156 Quarter und 1 Bushel. Die dafür bezahlte Prämie belief sich auf £ 1,514,962. 17 sh. 4 ½ d. Daher bemerkte 1749 der damalige Premierminister Pelham im Unterhause, dass in den drei letzten Jahren eine ganz außerordentliche Summe als Prämie für Getreideausfuhr bezahlt worden sei. Er hatte guten Grund, diese Bemerkung zu machen und hätte im folgenden Jahre noch einen besseren gehabt. In diesem einzigen Jahre belief sich die Prämie auf nicht weniger als £ 324,176. 10 sh. 6 d.[13 - Siehe Tracts on the Corn Trade: Tract 3d.]. Es bedarf nicht der Bemerkung, wie sehr diese forcierte Ausfuhr den Getreidepreis über den Stand hinauftreiben musste, den er sonst auf dem heimischen Markte gehabt haben würde. Am Schlüsse der diesem Kapitel beigefügten Tabellen wird der Leser die Tabelle für diese zehn Jahre von den übrigen getrennt finden; ebenso die Tabelle über die vorhergehenden zehn Jahre, deren Durchschnitt wahrscheinlich etwas, wenn auch nicht viel niedriger ist als der Durchschnitt der ersten vierundsechzig Jahre des Jahrhunderts. Das Jahr 1740 war aber ein Jahr ungewöhnlichen Mangels. Die zwanzig Jahre vor 1750 können also sehr wohl den zwanzig Jahren vor 1770 entgegengestellt werden. Wie die ersteren mit Ausnahme von einem oder zwei teureren Jahren weit unter dem allgemeinen Durchschnitt des Jahrhunderts blieben, so die letzteren mit Ausnahme von einem oder zwei wohlfeilen Jahren, z. B. 1759, weit über ihm. Sind die ersteren nicht ebenso weit unter dem allgemeinen Durchschnitt zurückgeblieben als die letzteren ihn überschritten haben, so ist dies wahrscheinlich der Prämie zuzuschreiben. Der Wechsel ist auch offenbar ein zu plötzlicher gewesen als dass man ihn der stets langsamen und allmählichen Wertveränderung des Silbers hätte zuschreiben können. Die Plötzlichkeit der Wirkung kann nur aus einer Ursache, die plötzlich wirkt, nämlich aus den zufälligen Schwankungen der Witterung, erklärt werden. Der Geldpreis der Arbeit ist im Laufe dieses Jahrhunderts in Großbritannien allerdings gestiegen; doch scheint dies nicht sowohl die Folge einer Entwertung des Silbers auf dem europäischen Markte als der zunehmenden Nachfrage nach Arbeit in Großbritannien gewesen zu sein, die aus der großen und fast allgemeinen Wohlfahrt des Landes hervorging. In Frankreich, das Großbritannien im Wohlstande nachsteht, ist der Geldpreis der Arbeit, wie man beobachtet hat, seit Mitte des vorigen Jahrhunderts allmählich mit dem durchschnittlichen Geldpreise des Getreides gesunken. Sowohl im vorigen wie in diesem Jahrhundert soll der Tagelohn gemeiner Arbeit fast unverändert etwa den zwanzigsten Teil des durchschnittlichen Preises eines Septier Weizen (etwas mehr als vier Winchester Bushels) betragen haben. In Großbritannien hat, wie bereits gezeigt worden, der Sachpreis der Arbeit, haben die wirklichen Mengen von Lebens- und Genussmitteln, die dem Arbeiter gegeben werden, im Laufe dieses Jahrhunderts beträchtlich zugenommen. Das Steigen des Geldpreises der Arbeit scheint nicht von einer Entwertung des Silbers auf dem allgemeinen europäischen Markte, sondern vom Steigen des Sachpreises der Arbeit auf den einzelnen Märkten Großbritanniens, das dem besonders glücklichen Zustande des Landes zu verdanken ist, herzurühren. Eine Zeitlang nach der Entdeckung Amerikas wurde das Silber immer noch zu seinem früheren Preise, oder nicht viel darunter, verkauft. Die Gewinne der Bergwerke waren eine Zeitlang sehr groß, und weit über ihrem natürlichen Satze. Indessen fanden diejenigen, die Silber einführten, bald, dass die ganze jährliche Einfuhr nicht zu diesem hohen Preise abgesetzt werden könne. Das Silber wurde allmählich gegen eine immer geringere Warenmenge vertauscht. Sein Preis sank tiefer und tiefer, bis er auf seinen natürlichen Satz, d. h. auf den Betrag fiel, der gerade hinreichend war, um den Arbeitslohn, den Kapitalgewinn und die Grundrente, die für Ausbringung und Markttransport gezahlt werden müssen, nach ihrem natürlichen Satze aufzubringen. In den meisten Silberbergwerken von Peru verschlingt, wie bereits bemerkt, die Abgabe an den König von Spanien, die sich auf ein Zehntel des Rohertrages beläuft, die ganze Grundrente. Diese Abgabe bestand ursprünglich in der Hälfte; bald fiel sie auf ein Fünftel, und zuletzt auf ein Zehntel, auf dem sie noch steht. Dies ist anscheinend alles, was in den meisten peruanischen Silberbergwerken nach Wiedererstattung des Unternehmerkapitals samt seinem üblichen Gewinn übrigbleibt; und dieser Gewinn, der einst sehr hoch war, ist anerkanntermaßen jetzt so niedrig, wie es sich überhaupt noch mit der Weiterführung der Werke verträgt. Die Abgabe an den König von Spanien wurde 1504[14 - Solorzano, Vol. II.], einundvierzig Jahre vor 1545, dem Jahre der Entdeckung der Minen von Potosi, auf den fünften Teil des produzierten Silbers herabgesetzt. Im Laufe von neunzig Jahren, bis 1636, hatten diese Bergwerke, die ergiebigsten in ganz Amerika, Zeit genug, ihre volle Wirkung zu üben, oder den Wert des Silbers auf dem europäischen Markte so weit herabzusetzen als er eben fallen konnte, so lange jene Abgabe an den König von Spanien noch entrichtet wurde. Neunzig Jahre sind eine hinlängliche Zeit, um eine Ware, die kein Monopol hat, auf ihren natürlichen, d. h. den niedrigsten Preis herunterzubringen, zu welchem sie, so lange eine Abgabe darauf ruht, längere Zeit hindurch verkauft werden kann. Der Preis des Silbers hätte vielleicht auf dem europäischen Markte noch tiefer fallen und es hätte nötig werden können, entweder die Abgabe darauf nicht bloß auf ein Zehntel wie im Jahre 1736, sondern wie beim Golde auf ein Zwanzigstel herabzusetzen, oder den größten Teil der amerikanischen Minen, die gegenwärtig abgebaut werden, still zu legen. Wahrscheinlich ist die allmähliche Zunahme der Nachfrage nach Silber, oder die allmähliche Erweiterung des Marktes für das Produkt der amerikanischen Silberminen der Grund, der dies verhinderte und den Wert des Silbers auf dem europäischen Markte nicht nur auf seiner Höhe erhielt, sondern vielleicht sogar noch etwas höher steigerte als er um die Mitte des vorigen Jahrhunderts gestanden hatte. Seit der Entdeckung Amerikas hat der Markt für das Produkt seiner Silberminen allmählich immer größere Ausdehnung gewonnen. Erstens: der europäische Markt hat sich allmählich immer mehr ausgedehnt. Seit der Entdeckung Amerikas hat der größte Teil Europas an Kultur sehr zugenommen. England, Holland, Frankreich und Deutschland, selbst Schweden, Dänemark und Russland haben im Ackerbau und den Gewerben bedeutende Fortschritte gemacht. Italien scheint wenigstens nicht zurückgegangen zu sein. Vor der Eroberung von Peru war Italien im Verfall; seitdem scheint es sich eher etwas erholt zu haben. Spanien und Portugal werden allerdings als zurückgekommen betrachtet. Indessen ist Portugal nur ein kleiner Teil von Europa, und der Verfall Spaniens ist vielleicht nicht so groß als man gewöhnlich annimmt. Am Anfange des sechzehnten Jahrhunderts war Spanien selbst im Vergleich mit Frankreich, das seit jener Zeit so bedeutend fortgeschritten ist, ein sehr armes Land. Kaiser Karl der Fünfte, der so oft durch beide Länder gereist war, machte die bekannte Bemerkung, dass in Frankreich an allen Dingen Überfluss, in Spanien an allen Dingen Mangel sei. Das zunehmende Produkt des Ackerbaus und der Gewerbe in Europa musste notwendig einen allmählichen Zugang an Silbermünzen erfordern, um es in Umlauf zu setzen; und die wachsende Zahl reicher Leute musste eine gleiche Zunahme an silbernem Gerät und anderen Schmuckgegenständen zur Folge haben. Zweitens: Amerika selbst ist für das Produkt seiner Silberminen ein neuer Markt, und da es im Ackerbau, in der Industrie und an Volkszahl weit schnellere Fortschritte macht als die blühendsten europäischen Länder, so muss sein Bedarf noch weit schneller zunehmen. Die englischen Kolonien sind ein durchaus neuer Markt, der teils für Münze, teils für Geräte eine stets wachsende Silberzufuhr für einen ganzen Erdteil, in dem früher nie eine Nachfrage darnach bestanden hatte, nötig macht. Auch die meisten spanischen und portugiesischen Kolonien sind ganz neue Märkte. Neu-Granada, Yucatan, Paraguay und Brasilien waren, ehe sie von den Europäern entdeckt wurden, von wilden Völkerschaften bewohnt, die weder Künste noch Ackerbau kannten. Seitdem sind diese Länder erheblich kultiviert worden. Selbst Mexiko und Peru, wenn sie auch nicht als durchaus neue Märkte betrachtet werden können, sind doch gewiss jetzt weit bedeutendere Märkte als je zuvor. Wer nach all’ den wunderbaren Geschichten, die über den glänzenden Zustand dieser Länder in früheren Zeiten geschrieben worden sind, mit einiger Nüchternheit die Geschichte ihrer Entdeckung und Eroberung liest, wird bald erkennen, dass ihre Bewohner von Gewerben, Ackerbau und Handel weit weniger wussten als heutzutage die Tartaren der Ukraine. Selbst die Peruaner, das zivilisierteste der beiden Völker bedienten sich zwar des Goldes und Silbers zum Schmuck, kannten aber keinerlei gemünztes Geld. Ihr ganzer Handel war ein Tauschhandel, und es gab deshalb auch kaum irgendeine Arbeitsteilung unter ihnen. Wer den Boden bestellte, musste sich auch sein Haus selbst bauen, seine Möbel, Kleider, Schuhe und sein Ackergerät selbst verfertigen. Die wenigen Handwerker unter ihnen sollen von dem König, den Adeligen und Priestern gehalten worden sein und waren wahrscheinlich ihre Diener oder Sklaven. alle die früheren Gewerbe Mexikos und Perus haben niemals auch nur ein einziges Fabrikat nach Europa geliefert. Die spanischen Heere fanden, obwohl sie kaum jemals über fünfhundert Mann und oft kaum halb so stark waren, es dennoch fast überall sehr schwer, sich Lebensmittel zu verschaffen. Die Hungersnot, die sie fast überall, wohin sie kamen, selbst in Gegenden, die als sehr bevölkert und wohlangebaut geschildert werden, verursacht haben sollen, beweist hinlänglich, dass das Märchen von diesem Volksreichtum und dieser hohen Kultur meist auf Dichtung beruht. Die spanischen Kolonien stehen unter einer Regierung, die in vielen Beziehungen dem Ackerbau, der Kultur und Bevölkerungszunahme weniger günstig ist als die der englischen Kolonien. Gleichwohl scheinen sie in all’ dem weit schnellere Fortschritte zu machen als irgendein europäisches Land. Auf einem fruchtbaren Boden und unter einem glücklichen Klima scheint der große Überfluss und die Wohlfeilheit von Grund und Boden, ein Umstand, der allen neuen Kolonien gemeinsam ist, ein so großer Vorteil zu sein, dass er viele Mängel der bürgerlichen Regierung wieder gut macht. Nach Frezier, der Peru 1713 besuchte, soll Lima zwischen 25,000 und 28,000 Einwohner haben; Ulloa, der sich dort zwischen 1740 und 1746 aufhielt, gibt die Einwohnerzahl auf etwa 50,000 an. Der Unterschied in ihren Schätzungen der Einwohnerzahl verschiedener anderer größerer Städte in Chili und Peru ist ziemlich eben so groß, und da kein Grund vorliegt, sie für schlecht unterrichtet zu halten, so deutet dies auf eine kaum geringere Zunahme als die in den englischen Kolonien. Amerika ist mithin für das Produkt seiner eigenen Silberminen ein neuer Markt, dessen Nachfrage weit schneller zunehmen muss als die der blühendsten europäischen Länder. Drittens: ein fernerer Markt für das Produkt der amerikanischen Silberminen ist Ostindien, und zwar ein Markt, der seit der Entdeckung jener Minen ununterbrochen eine immer größere Menge Silber aufnahm. Seit jener Zeit hat der direkte Handel zwischen Amerika und Ostindien, der auf den Acapulco-Schiffen getrieben wird, beständig zugenommen, und der indirekte Verkehr über Europa ist in noch weit höherem Maße gestiegen. Im sechszehnten Jahrhundert waren die Portugiesen die einzigen Europäer, die einen regelmäßigen Handel nach Ostindien trieben. In den letzten Jahren dieses Jahrhunderts begannen die Holländer dieses Monopol anzugreifen, und vertrieben jene innerhalb weniger Jahre aus ihren bedeutendsten Besitzungen in Indien. Während der größeren Hälfte des vorigen Jahrhunderts teilten sich diese beiden Nationen in den größten Teil des ostindischen Handels, wobei der holländische Handel in noch größerem Maße zunahm als der portugiesische sank. Die Engländer und Franzosen trieben schon im vorigen Jahrhundert einigen Handel mit Indien, aber erst im Laufe des jetzigen wurde er bedeutend. Der ostindische Handel der Schweden und Dänen begann im Laufe des jetzigen Jahrhunderts. Selbst die Moskowiter haben jetzt einen regelmäßigen Verkehr mit China mittelst einer Art von Karawanen, die über Land durch Sibirien und die Tartarei nach Peking ziehen. Der ostindische Handel aller dieser Nationen war, bis auf den der Franzosen, den der letzte Krieg fast ganz vernichtet hatte, in fast ununterbrochener Zunahme. Der steigende Verbrauch ostindischer Waren in Europa ist anscheinend groß genug, um allen diesen Nationen eine stets wachsende Beschäftigung zu gewähren. Tee z. B. war ein Artikel, der vor der Mitte des vorigen Jahrhunderts nur wenig gebraucht wurde. Gegenwärtig beläuft sich der Wert des von der englisch-ostindischen Compagnie alle Jahre zum Gebrauch ihrer Landsleute eingeführten Tees auf mehr als anderthalb Millionen, und selbst das reicht nicht hin, da aus den Häfen Hollands, von Gothenburg in Schweden und auch von den Küsten Frankreichs, wenigstens so lange die französisch-ostindische Compagnie in Blüte war, fortwährend eine große Menge in das Land eingeschmuggelt wird. Beinahe in gleichem Verhältnis ist der Gebrauch des chinesischen Porzellans, der Gewürze von den Molukken, der bengalischen Stückgüter und unzähliger anderer Artikel gewachsen. Der Tonnengehalt aller im Ostindienhandel beschäftigten europäischen Schiffe war demgemäß im vorigen Jahrhundert wohl nie größer als allein der der Schiffe der englisch-ostindischen Compagnie vor der neuerdings erfolgten Beschränkung ihrer Schiffszahl. Der Wert der Metalle aber war in Ostindien, besonders in China und Hindostan als die Europäer zuerst mit diesen Ländern Handel zu treiben anfingen, weit höher als in Europa, und er ist es noch heute. In Reisländern, die gewöhnlich zwei, zuweilen drei Ernten im Jahre liefern, deren jede reichlicher ist als eine gewöhnliche Getreideernte, muss der Überschuss an Nahrungsmitteln weit größer sein als in irgendeinem Getreidelande von gleicher Ausdehnung. Solche Länder sind daher auch weit mehr bevölkert. Da hier den Reichen ein größerer Überschuss von Nahrungsmitteln über ihren eigenen Verbrauch zu Gebote steht, so können sie eine weit größere Menge Arbeit anderer Leute kaufen. Das Gefolge eines chinesischen oder hindostanischen Großen ist demgemäß, nach allen Berichten, weit zahlreicher und glänzender als das der reichsten nichtfürstlichen Personen in Europa. Derselbe Überfluss an verfügbaren Nahrungsmitteln setzt sie in den Stand, eine größere Menge von ihnen für alle jene eigenartigen und seltenen Erzeugnisse zu geben, die die Natur nur in sehr geringen Mengen liefert, wie die edlen Metalle und Edelsteine, um die unter den Reichen so viel Wettbewerb besteht. Wären daher auch die Bergwerke, die den indischen Markt versorgten, ebenso ergiebig gewesen als die, die den europäischen Markt ergänzten, so würden jene Waren doch in Indien eine größere Menge Nahrungsmittel austauschen als in Europa. Nun scheinen aber die Bergwerke, welche den indischen Markt mit edlen Metallen versorgten, viel weniger ergiebig, dagegen die, welche ihn mit Edelsteinen versahen, viel ergiebiger gewesen zu sein als die europäischen, und die edlen Metalle gelten deshalb in Indien eine etwas größere Menge von Edelsteinen und eine noch weit größere Menge von Nahrungsmitteln als in Europa. Der Geldpreis der Diamanten, dieses überflüssigsten aller Dinge, wird in dem einen Lande etwas geringer, und der der Nahrungsmittel, des ersten aller Bedürfnisse, viel geringer sein als in dem anderen. Aber der Sachpreis der Arbeit, die wirkliche Menge von Lebensbedürfnissen, die die Arbeiter erhalten, ist, wie bereits bemerkt, sowohl in China wie in Hindostan, den beiden großen Märkten des Orients, niedriger als in den meisten Teilen Europas. Der Lohn des Arbeiters wird dort eine geringere Menge von Nahrungsmitteln kaufen, und da der Geldpreis der Nahrungsmittel in Indien weit geringer ist als in Europa, so ist der Geldpreis der Arbeit dort in doppelter Hinsicht niedriger, einerseits wegen der geringen Menge von Nahrungsmitteln, die dafür zu haben ist, und andererseits wegen ihres geringen Preises. Doch wird in Ländern von gleicher gewerblicher Entwicklung der Geldpreis der meisten Fabrikate sich nach dem Geldpreise der Arbeit richten, und wenn auch China und Hindostan in dieser Beziehung nicht ganz an Europa heranreichen, so stehen sie doch nicht erheblich zurück. Der Geldpreis der meisten Industrieerzeugnisse wird daher natürlich in diesen großen Reichen viel niedriger sein als irgendwo in Europa. In den meisten Gegenden Europas vermehren auch die Kosten der Landfracht sowohl den Sach- wie den Nominalpreis der Industrieerzeugnisse beträchtlich. Es kostet hier mehr Arbeit, und darum auch mehr Geld, zuerst das Material und dann die fertige Ware auf den Markt zu bringen. In China und Hindostan wird durch die weitverzweigte Binnenschifffahrt der größte Teil dieser Arbeit und folglich dieses Geldes erspart, und sowohl der Sach- wie der Nominalwert der meisten Industrieerzeugnisse stellt sich dadurch noch niedriger. Aus allen diesen Gründen war es jederzeit äußerst vorteilhaft, die edlen Metalle von Europa nach Indien zu verführen, und ist es noch heute. Es gibt schwerlich eine Ware, die dort einen besseren Preis ergibt oder nach Verhältnis der Menge von Arbeit und Waren, die sie in Europa kostet, eine größere Menge von Arbeit und Waren in Indien zu kaufen vermag. Es ist auch vorteilhafter, Silber als Gold dahin zu führen, weil das Verhältnis zwischen Feinsilber und Feingold in China und auf den meisten anderen orientalischen Märkten nur wie zehn oder höchstens wie zwölf zu eins steht, während es in Europa wie vierzehn oder fünfzehn zu eins ist. In China und auf den meisten anderen orientalischen Märkten kauft man für zehn oder höchstens zwölf Unzen Silber eine Unze Gold; in Europa braucht man vierzehn bis fünfzehn Unzen dazu. Deshalb macht das Silber in den meisten europäischen Schiffen, die nach Indien segeln, gewöhnlich den wertvollsten Bestandteil der Ladung aus; ebenso wie bei den Acapulcoschiffen, die nach Manila segeln. So scheint das Silber des neuen Kontinents eine der hauptsächlichsten Waren zu sein, die den Handel zwischen den beiden äußersten Enden des alten Festlandes vermitteln, und großenteils durch seine Dazwischenkunft werden jene so weit voneinander entfernten Teile mit einander verknüpft. Um einen so weit ausgedehnten Markt zu versorgen, muss die jährlich aus den Bergwerken gewonnene Silbermenge nicht nur groß genug sein, um jenen beständigen Zugang an gemünztem Gelde und an Gerät, der in allen blühenden Ländern erforderlich ist, zu unterhalten, sondern auch die beständige Abnutzung des Silbers zu ersetzen, die überall vorkommt, wo dies Metall im Gebrauch ist. Der beständige Abgang der edlen Metalle durch die Abnutzung der Münzen und Geräte ist sehr bedeutend, und würde allein schon bei Waren, die so allgemein angewendet werden, eine sehr große jährliche Zufuhr erfordern. Der Abgang dieser Metalle in einigen Gewerben ist zwar vielleicht im Ganzen nicht größer als jener allmähliche Abgang; aber merklicher, weil viel schneller. In den Manufakturen von Birmingham allein soll die Menge des jährlich zum Vergolden und Plattieren verwendeten Goldes und Silbers, das niemals wieder in der Gestalt dieser Metalle erscheinen kann, sich auf mehr als fünfzig tausend Pfund belaufen. Danach kann man sich einen Begriff machen, wie groß der jährliche Verbrauch in allen Teilen der Welt sein muss, sei es für ähnliche Waren wie die von Birmingham, sei es für Tressen, Stickereien, Gold- und Silberstoffe, Vergoldungen an Büchern und Möbeln usw. Eine bedeutende Menge dieser Metalle muss jährlich auch beim See- und Landtransport verloren gehen. Die in den meisten asiatischen Ländern herrschende Sitte, Schätze zu vergraben, von denen die Kenntnis oft mit der Person, die sie vergraben hat, stirbt, muss einen noch weit größeren Verlust verursachen. Die Menge des nach Cádiz und Lissabon eingeführten Goldes und Silbers – einschließlich des eingeschmuggelten – beläuft sich nach den besten Schätzungen auf etwa sechs Millionen £ im Jahr. Nach Meggens[15 - Nachschrift zu dem Universal Merchant p. 15, 16. Diese Nachschrift wurde erst 1756, drei Jahre nach der Herausgabe des Buches, das niemals eine zweite Auflage erlebte, gedruckt. Diese Nachschrift findet sich daher nur in wenigen Exemplaren; sie berichtigt einige Irrtümer des Buches.] betrug die jährliche Einfuhr der edlen Metalle nach Spanien in einem Durchschnitt von sechs Jahren, nämlich von 1748 bis 1753, und die nach Portugal in einem Durchschnitt von sieben Jahren, nämlich von 1747 bis 1753, an Silber 1,101,107 Pfund und an Gold 49,940 Pfund. Das Silber, zu 62 sh. das Troy-Pfund, beträgt £ 3,413,431. 10 sh. Sterling. Das Gold, zu 441/a Guineen das Troy-Pfund, beträgt £ 2,333,446. 14 sh. Sterling. Beide zusammen betragen £ 5,746,878. 4 sh. Die Angaben über das, was unter Register eingeführt worden ist, erklärt er für ganz zuverlässig. Über die Herkunftsorte und die Mengen beider Metalle, die die einzelnen Plätze den Registern zufolge lieferten, erhalten wir umständliche Auskunft, und von der Menge der als eingeschmuggelt angenommenen edlen Metalle möglichst sorgfältige Schätzungen. Die große Erfahrung dieses verständigen Kaufmanns gibt seinen Ansichten ein bedeutendes Gewicht. Nach dem beredten und zuweilen wohl unterrichteten Verfasser der »Philosophischen und politischen Geschichte der Niederlassung der Europäer in beiden Indien« betrug die jährliche Einfuhr des registrierten Goldes und Silbers nach Spanien im Durchschnitt von elf Jahren, nämlich von 1754 bis 1764, 13,984,185 3/5 Piaster von zehn Realen. Mit Hinzurechnung dessen, was eingeschmuggelt sein mag, nimmt er jedoch den Betrag der gesamten jährlichen Einfuhr zu 17,000,000 Piaster an, was, den Piaster zu 4 sh. 6 d. gerechnet, eine Summe von £ 3,825,000 ergibt. Er führt ebenfalls die Herkunftsorte und die Mengen jedes Metalls an, welche den Registern zufolge die einzelnen Plätze lieferten. Die jährlich von Brasilien nach Lissabon eingeführte Menge Goldes, nach dem Betrage der an den König von Portugal entrichteten Auflage geschätzt, die anscheinend ein Fünftel des reinen Metalls ausmacht, schlägt er auf 18,000,000 Cruzados oder 45,000,000 französische Livres also etwa £ 2,000,000. Für eingeschmuggelte Ware noch ein Achtel oder £ 250,000 hinzugerechnet, würde nach diesem Gewährsmann das Ganze sich auf £ 2,250,000 belaufen. Nach dieser Rechnung beträgt mithin die jährliche Gesamteinfuhr edler Metalle nach Spanien und Portugal etwa £ 6,075,000. Einige andere sehr gut beglaubigte, obwohl nur handschriftliche, Schätzungen stimmen, wie man mir sagt, damit überein, indem sie den Betrag der gesamten jährlichen Einfuhr im Durchschnitt auf etwa £ 6,000,000 angeben. Die jährliche Einfuhr der edlen Metalle nach Cádiz und Lissabon kommt freilich dem gesamten Jahresprodukt der amerikanischen Bergwerke nicht gleich. Einiges geht jährlich auf den Acapulco-Schiffen nach Manila, einiges wird in dem Schleichhandel der spanischen Kolonien mit den Kolonien andrer europäischer Völker verwendet, und einiges bleibt ohne Zweifel im Erzeugungslande. Außerdem sind die amerikanischen Bergwerke keineswegs die einzigen Gold- und Silberminen in der Welt. allein sie sind bei Weitem am ergiebigsten. Der Ertrag aller anderen bekannten Minen ist anerkanntermaßen im Vergleich mit den amerikanischen unbedeutend; auch wird der bei Weitem größte Teil des Ertrags ebenso unbestritten nach Cádiz und Lissabon gebracht. Nun beträgt der Verbrauch Birminghams allein nach dem Maßstabe von 50,000 Pfund im Jahr den hundertundzwanzigsten Teil jener jährlichen Einfuhr von sechs Millionen. Der gesamte jährliche Verbrauch von Gold und Silber in allen Ländern der Welt, wo man diese Metalle benutzt, kann daher dem gesamten Jahresprodukt ziemlich nahekommen. Der Rest wird wohl kaum hinreichen, die wachsende Nachfrage aller blühenden Länder zu befriedigen; ja vielleicht bleibt er so weit dahinter zurück, dass er den Preis dieser Metalle auf dem europäischen Markte etwas in die Höhe treibt. Die jährlich aus den Bergwerken auf den Markt gebrachte Menge Kupfer und Eisen ist unverhältnismäßig größer als die von Gold und Silber. Doch glauben wir deswegen nicht, dass diese gröberen Metalle sich über den Bedarf hinaus vermehren, d. h. allmählich immer wohlfeiler werden. Warum sollten wir daher glauben, dass dies bei den edlen Metallen der Fall sein werde? Die unedlen Metalle werden freilich, obwohl sie härter sind, stärker abgenutzt und ihres geringeren Werts wegen weniger sorgfältig aufbewahrt; aber die edlen Metalle sind nicht unvergänglicher als jene und gleichfalls dem Verlorengehen, der Abnutzung und dem Verbrauch auf tausenderlei Weise ausgesetzt. Der Preis aller Metalle ist jenen langsamen und allmählichen Veränderungen unterworfen, schwankt aber weniger von Jahr zu Jahr als der anderer Rohprodukte des Bodens; auch ist der Preis der edlen Metalle plötzlichen Veränderungen weniger ausgesetzt als der der unedlen. Der Grund dieser außerordentlichen Stetigkeit des Preises liegt in der Dauerhaftigkeit der Metalle. Das jährlich zu Markt gebrachte Getreide ist vor Ende des folgenden Jahres ganz oder beinahe ganz verbraucht; dagegen kann Eisen, das vor zwei- oder dreihundert Jahren, und Gold, das vor zwei- oder dreitausend Jahren aus den Minen gefördert wurde, noch heute im Gebrauch sein. Die Massen Getreides, die in verschiedenen Jahren den Verbrauch der Welt decken müssen, werden stets dem Ertrage dieser Jahre ziemlich nahekommen; dagegen wird das Verhältnis zwischen den verschiedenen Massen Eisens, die in zwei verschiedenen Jahren gebraucht werden, durch eine zufällige Verschiedenheit in der Eisenerzeugung dieser beiden Jahre sehr wenig berührt, und das Verhältnis der Massen Goldes durch eine solche Verschiedenheit in der Goldproduktion noch weniger. Obgleich daher der Ertrag der meisten Metallbergwerke von Jahr zu Jahr vielleicht noch mehr wechselt als der der meisten Getreidefelder, so haben diese Veränderungen doch nicht denselben Einfluss auf den Preis der einen Art Ware, wie auf den der andern. Veränderungen in dem Wertverhältnis zwischen Gold und Silber Vor der Entdeckung der amerikanischen Minen wurde das Wertverhältnis zwischen Feingold und Feinsilber in den verschiedenen europäischen Münzen auf 1:10 oder 1:12 festgestellt, d. h. eine Unze Feingold zehn oder zwölf Unzen Feinsilber gleich geachtet. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde es auf 1:14 oder 1:15 festgestellt, d. h. eine Unze Feingold 14 bis 15 Unzen Feinsilber wert geachtet. Das Gold stieg in seinem Nominalwerte, d. h. es wurde eine größere Menge Silber dafür gegeben. Beide Metalle aber sanken in ihrem wirklichen Werte, d. h. in der Arbeitsmenge, die man dafür kaufen konnte; doch sank das Silber mehr als das Gold. Obgleich sowohl die Gold- wie die Silberminen Amerikas alle anderen bis dahin bekannten an Ergiebigkeit übertrafen, scheint doch die Ergiebigkeit der Silberminen verhältnismäßig noch größer gewesen zu sein als die der Goldminen. Die großen jährlich von Europa nach Indien gebrachten Silbermengen haben in einigen englischen Niederlassungen den Wert dieses Metalls gegen den des Goldes allmählich verringert. In der Münze von Calcutta gilt eine Unze Feingold 15 Unzen Feinsilber, ganz wie in Europa, doch wird es in der Münze nach dem Werte, den es auf dem bengalischen Markte hat, vielleicht zu hoch angeschlagen. In China ist das Verhältnis des Goldes zum Silber noch 1:10 oder 1:12. In Japan soll es wie 1:8 sein. Das Verhältnis zwischen den Gold- und Silbermengen, die jährlich nach Europa kommen, ist nach Meggens’ Berechnung beinahe wie 1:22, d. h. für 1 Unze Gold werden etwas mehr als 22 Unzen Silber eingeführt, und die große Silbermenge, die jährlich nach Ostindien geschickt wird, führt nach seiner Ansicht die in Europa bleibenden Gold- und Silbermengen auf das Verhältnis von 1:14 oder 1:15 zurück – ihr Wertverhältnis. Er scheint zu glauben, dass ihr Wertverhältnis notwendig dasselbe sein müsse, wie das ihrer Mengen, und mithin wie 1:20 stehen würde, wenn jene größere Silberausfuhr nicht stattfände. Allein das gewöhnliche Verhältnis zwischen dem Wert zweier Waren ist nicht notwendig das gleiche, wie das zwischen seinen in der Regel auf dem Markte befindlichen Mengen. Der Preis eines Ochsen, zu zehn Guineen gerechnet, ist etwa sechzigmal so groß als der Preis eines Lammes, zu 3 sh. 6 d. gerechnet. Es wäre aber töricht, daraus zu schließen, dass in der Regel ein Schock Lämmer für einen Ochsen auf dem Markte wären, und ebenso töricht würde es sein zu schließen, dass, weil eine Unze Gold gewöhnlich 14 oder 15 Unzen Silber gilt, auch vierzehn oder fünfzehnmal mehr Silber als Gold auf dem Markte vorhanden sei. Die auf dem Markte gewöhnlich vorhandene Menge Silber ist im Verhältnis zum Gold wahrscheinlich weit größer als nach ihrem Wertverhältnis vorauszusetzen wäre. Die Gesamtmenge einer an den Markt gebrachten wohlfeilen Ware ist in der Regel nicht nur größer, sondern auch von größerem Wert als die Gesamtmenge einer teuren. Die Gesamtmenge des jährlich an den Markt gebrachten Brotes ist nicht nur größer, sondern auch von größerem Werte als die Gesamtmenge des Fleisches; die des Fleisches größer und von größerem Werte als die des zahmen Geflügels; und die Gesamtmenge des zahmen Geflügels größer und von größerem Werte als die des wilden Geflügels. Es gibt so viele Käufer mehr für die wohlfeile als für die teure Ware, dass gewöhnlich nicht nur eine größere Menge, sondern auch ein größerer Wert von ihr verkauft werden kann. Daher muss die Gesamtmenge der billigen Ware im Verhältnis zu der der teuren größer sein als der Wert einer gewissen Menge der teuren im Verhältnis zum Wert einer gleichen Menge der wohlfeilen. Vergleicht man die edlen Metalle miteinander, so ist das Silber eine wohlfeile, das Gold eine teure Ware. Es ist daher auch zu erwarten, dass auf dem Markte stets nicht nur eine größere Menge, sondern auch ein größerer Wert an Silber als an Gold vorhanden ist. Wer von beiden etwas hat, vergleiche sein Silber- mit seinem Goldgerät, und er wird wahrscheinlich finden, dass nicht nur die Menge, sondern auch der Wert des ersteren weit größer ist als die Menge und der Wert des letzteren. Viele haben wohl Silbersachen, aber keine Goldsachen, und letztere sind auch bei denen, die sie haben, im Allgemeinen auf Uhrgehäuse, Tabaksdosen und ähnliche Kleinigkeiten beschränkt, deren ganzer Betrag selten von großem Wert ist. In den britischen Münzen überwiegt allerdings der Wert des Goldes bei Weitem, aber in allen anderen Ländern ist es nicht der Fall. In den Münzen einiger Länder ist der Wert ziemlich gleich. In den schottischen Münzen überwog, wie man aus den Münzrechnungen ersieht, vor der Union mit England das Gold ein wenig.[16 - Siehe Ruddimans Vorrede zu Andersens Diplomata Scotiae.] In den Münzen vieler Länder überwiegt das Silber. In Frankreich werden die größten Summen gewöhnlich in diesem Metall gezahlt, und es ist dort schwer, sich mehr Gold zu verschaffen als man in der Tasche bei sich führen muss. Doch dürfte der in allen Ländern anerkannt höhere Wert des Silbergeräts das hier und da sich findende Über wiegen der Goldmünzen über die Silbermünzen mehr als ausgleichen. Obgleich in einem gewissen Sinne des Worts Silber immer viel wohlfeiler gewesen ist und wahrscheinlich auch stets viel wohlfeiler bleiben wird als Gold, so kann man doch in einem anderen Sinne vielleicht sagen, dass das Gold bei dem jetzigen Zustande des spanischen Marktes etwas wohlfeiler ist als das Silber. Man kann eine Ware nicht nur nach der absoluten Höhe oder Niedrigkeit ihres üblichen Preises teuer oder wohlfeil nennen, sondern auch, je nachdem dieser Preis mehr oder weniger über dem niedrigsten Preise steht, zu dem sie sich eine längere Zeit hindurch auf den Markt bringen lässt. Dieser niedrigste Preis ist derjenige, der nur eben mit mäßigem Gewinn das Kapital wieder ersetzt, das man dazu verwendete, sie dahin zu bringen. Es ist der Preis, der für den Grundbesitzer nichts abwirft, von dem die Rente keinen Bestandteil ausmacht, sondern der nur in Arbeitslohn und Gewinn besteht. Nun ist bei dem jetzigen Zustande des spanischen Marktes das Gold gewiss diesem niedrigen Preise etwas näher als das Silber. Die Abgabe an den König von Spanien macht beim Gold den zwanzigsten Teil vom reinen Metall oder fünf Prozent, beim Silber aber den zehnten Teil oder zehn Prozent aus. Auch besteht, wie bereits bemerkt, in diesen Abgaben die ganze Rente der meisten Gold- und Silberminen des spanischen Amerikas, und die Abgabe für Gold geht noch schlechter ein als die für Silber. Nicht minder dürften die Gewinne der Unternehmer von Goldminen, die weit seltener viel dabei verdienen, in der Regel noch mäßiger sein als die der Unternehmer von Silberbergwerken. Mithin muss der Preis des spanischen Goldes, dass sowohl weniger Rente wie weniger Gewinn abwirft, auf dem spanischen Markte dem niedrigsten Preise, zu dem es dahin geschafft werden kann, etwas näher stehen als der Preis des spanischen Silbers. Rechnet man alle Kosten zusammen, so kann anscheinend die Gesamtmenge des ersteren Metalls dort nicht so vorteilhaft abgesetzt werden als die Gesamtmenge des anderen. Die Abgabe auf das brasilianische Gold an den König von Portugal beträgt ebenso viel wie die frühere Abgabe auf das mexikanische und peruanische Silber an den König von Spanien, d. h. den fünften Teil des reinen Metalls. Man kann daher bezweifeln, ob die ganze Masse des amerikanischen Goldes zu einer dem niedrigsten näher stehenden Preise auf den allgemeinen europäischen Markt kommt als die ganze Masse des amerikanischen Silbers. Der Preis der Diamanten und anderer Edelsteine kommt vielleicht dem niedrigstmöglichen noch näher als der Preis des Goldes. Obgleich es nicht sehr wahrscheinlich ist, dass von einer Abgabe, die nicht nur ein sehr geeignetes Steuerobjekt, nämlich eine Sache lediglich des Luxus und Überflusses trifft, sondern auch eine so bedeutende Einnahme gewährt, wie die Abgabe auf Silber, etwas nachgelassen werden wird, so lange sie überhaupt bezahlt werden kann – so kann doch die gleiche Unmöglichkeit, sie zu zahlen, die 1736 zur Herabsetzung von einem Fünftel auf ein Zehntel nötigte, mit der Zeit noch weitere Minderungen erzwingen, gerade so, wie man die Abgabe für Gold auf ein Zwanzigstel herabsetzen musste. Dass der Abbau der Silberminen des spanischen Amerika, wie der aller anderen Minen, durch die Notwendigkeit, die Schachte immer tiefer zu führen, und wegen der größeren Kosten, das Wasser aus den Tiefen heraus- und frische Luft hineinzubringen, immer teurer wird, ist von allen anerkannt, die den Zustand jener Minen kennen. Diese Ursachen, die einer zunehmenden Seltenheit des Silbers gleichkommen (denn eine Ware wird seltener, wenn es schwieriger und kostspieliger wird, eine gewisse Menge von ihr zusammen zu bringen), müssen mit der Zeit zu einer der drei nachstehenden Eventualitäten führen. Die Erhöhung der Kosten muss entweder, erstens durch eine verhältnismäßige Erhöhung im Preise des Metalls, oder zweitens durch eine verhältnismäßige Verringerung der Abgabe auf Silber, oder drittens teils durch das eine, teils durch das andere dieser beiden Auskunftsmittel vollständig ausgeglichen werden. Diese dritte Folge hat die größte Wahrscheinlichkeit für sich. Wie der Goldpreis im Verhältnis zum Silberpreis trotz der großen Verringerung der Abgabe auf Gold stieg, so kann der Silberpreis im Verhältnis zu Arbeit und Waren trotz einer gleichen Verringerung der Abgabe auf Silber steigen. Solche allmählichen Ermäßigungen der Abgabe können zwar das Steigen des Silberwertes auf dem europäischen Markte nicht gänzlich verhindern, aber jedenfalls es mehr oder weniger verzögern. Infolge dieser Ermäßigungen können manche Minen in Angriff genommen werden, die früher wegen der hohen Steuer nicht abgebaut werden konnten, und die Menge des jährlich auf den Markt gebrachten Silbers wird dann etwas größer, und daher auch der Wert einer gegebenen Menge etwas geringer sein als es sonst der Fall sein würde. Infolge der Steuerermäßigung im Jahre 1736 ist der Wert des Silbers auf dem europäischen Markte, wenn auch nicht niedriger als vorher, doch wahrscheinlich um zehn Prozent niedriger als er sein würde, wenn der spanische Hof die frühere Abgabe weiter erhoben hätte. Конец ознакомительного фрагмента. Текст предоставлен ООО «ЛитРес». Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию (https://www.litres.ru/pages/biblio_book/?art=48632252) на ЛитРес. 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Auf dem ersteren wurden die Brauer, an dem andern die Bäcker, die sich gegen die Taxen vergingen, der öffentlichen Schande preisgegeben. 11 S. dessen Vorrede zu Andersons Diplomata Scotiae. 12 Lowndes, essay on the Silver Coin, p. 68 13 Siehe Tracts on the Corn Trade: Tract 3d. 14 Solorzano, Vol. II. 15 Nachschrift zu dem Universal Merchant p. 15, 16. Diese Nachschrift wurde erst 1756, drei Jahre nach der Herausgabe des Buches, das niemals eine zweite Auflage erlebte, gedruckt. Diese Nachschrift findet sich daher nur in wenigen Exemplaren; sie berichtigt einige Irrtümer des Buches. 16 Siehe Ruddimans Vorrede zu Andersens Diplomata Scotiae.