Nur den Tapferen
Morgan Rice


„Morgan Rice hat es wieder geschafft! Mit den neuen starken Charakteren hat die Autorin eine neue magische Welt geschaffen. EHRE WEM EHRE GEBÜHRT ist voll von Intrigen, Verrat, unerwarteten Freundschaften und all den anderen wichtigen Bestandteilen, die jede Seite zu einem Genuss machen. Vollgeladen mit Action werden Sie dieses Buch wie auf heißen Kohlen sitzend lesen.“ -Book and Movie Reviews, Roberto Mattos

Von der Bestsellerautorin von DER RING DER ZAUBEREI Morgan Rice erscheint eine neue fesselnde Fantasy-Reihe.

In NUR DEN TAPFEREN (Der Weg des Stahls – Buch Zwei) ist der 17-jährige auf der Flucht, denn nur so kann er frei werden. Er überzeugt die Bauern, sich ihm anzuschließen, um seine Brüder zu befreien und ein neues Leben in Freiheit zu beginnen.

Genoveva erfährt unterdessen von einem furchtbaren Geheimnis, das den Rest ihres Lebens beeinflussen wird. Sie muss sich entscheiden, ob sie ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen will, um Royce zu retten – auch wenn dieser glaubt, dass sie ihn hintergangen hat.

Der Adel macht sich auf eine Schlacht gegen die Bauern bereit, und nur Royce kann die Bauern noch retten. Doch Royce einzige Hoffnung liegt in seinen geheimen Kräften verborgen – Kräfte von denen er nicht einmal sicher ist, sie zu besitzen.

NUR DEN TAPFEREN webt die epische Geschichte von Freundschaft und Liebsten, von Rittern und Ehre, von Verrat, Schicksal und Liebe. Als eine Geschichte von Tapferkeit zieht sie uns in eine Fantasy-Welt hinein, in die wir uns verlieben werden und die allen Generationen unabhängig welchen Geschlechts gefallen wird.

Buch 3 der Serie – NUR DEN ERWÄHLTEN – kann ebenso bereits vorbestellt werden.





Morgan Rice

Nur den Tapferen



Copyright © 2016 durch Morgan Rice. Alle Rechte vorbehalten. Außer wie gemäß unter dem US Urheberrecht von 1976 ausdrücklich gestattet, darf kein Teil dieser Veröffentlichung auf irgendwelche Weise oder in irgendeiner Form sei es elektronisch oder mechanisch kopiert, reproduziert, verteilt oder angezeigt werden ohne die ausdrückliche Erlaubnis des Autoren eingeholt zu haben. Dieses Ebook ist nur für den persönlichen Gebrauch bestimmt. Dieses Ebook darf kein zweites Mal verkauft oder an andere Personen weitergegeben werden. Wenn Sie dieses Buch an andere Personen weitergeben wollen, so erwerben Sie bitte für jeden Rezipienten ein zusätzliches Exemplar. Wenn Sie dieses Buch lesen ohne es käuflich erworben zu haben oder es nicht für Ihren alleinigen Gebrauch erworben wurde, so geben Sie es bitte zurück und erwerben Sie Ihr eigenes Exemplar. Vielen Dank, dass Sie die harte Arbeit des Autors respektieren. Es handelt sich um eine fiktive Handlung. Namen, Charaktere, Geschäftsangelegenheiten, Organisationen, Orte, Ereignisse und Zwischenfälle entspringen der Fantasie der Autorin oder werden fiktional benutzt. Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Personen, ob tot oder lebendig, sind zufälliger Natur. Die Bildrechte des Bildbandes liegen bei Dmitrijs Bindemanis und werden unter der Lizenz Shutterstock.com verwendet.



Morgan Rice

Als Autorin von Fantasy-Epen wie der siebzehn-bändigen Reihe DER RING DER ZAUBEREI; der zwölf-bändigen Bestseller Serie DER WEG DER VAMPIRE; der bisher zwei-bändigen post-apokalyptischen Bestseller Serie DIE TRILOGIE DES ÜBERLEBENS; der sechs-bändigen epischen Fantasy Serie VON KÖNIGEN UND ZAUBERERN und dem neuen Fanatsy-Epos Serie FÜR RUHM UND KRONE gehört Morgan Rice zu den Bestsellern in ihrem Genre. Morgans Bücher sind als Hör- und Printbücher in mehr als 25 Sprachen erhältlich.

Morgan würde sich freuen von Ihnen zu hören. Besuchen Sie deshalb gerne ihre Homepage www.morganricebooks.com (http://www.morganricebooks.com/) und registrieren Sie sich für ihre E-Mail-Liste. Sie erhalten dafür ein kostenloses Buch und Extra. Downloaden Sie auch die kostenlose App und erhalten Sie die neusten Neuigkeiten über Facebook und Twitter!


Ausgewählte Kritiken zu Morgan Rice



„Wenn Sie geglaubt haben nach dem Ende von DER RING DER ZAUBEREI nicht weiterleben zu können, dann haben Sie sich geirrt. Mit DER AUFSTAND DER DRACHEN hat Morgan Rice eine brillante neue Serie geschaffen, die uns in das Reich von Trollen und Drachen, von Ehre, Mut und Magie entführen wird. Morgan ist es gelungen eine neue Generation von Charakteren zu schaffen, die uns auf jeder Seite in Atem halten wird… Eine Empfehlung für alle Leser, die gut geschriebene Fantasy zu schätzen wissen.“

    – Books and Movie Reviews
    Roberto Mattos



„Ein Action-geladenes Fantasy Abenteuer das nicht nur allen Morgan Rice Fans gefallen wird sondern auch Anhängern von Christopher Paolinis DAS VERMÄCHTNIS DER DRACHENREITER… Fans von Fiction für Jugendliche werden dieses Werk von Rice verschlingen und um eine Fortsetzung betteln.“

    – The Wanderer, A Literary Journal (bezugnehmend auf Der Aufstand der Drachen)



„Ein lebhaftes Fantasy-Abenteuer das auch durch seine mysteriösen Elemente und sein Intrigenspiel besticht. In QUESTE DER HELDEN geht es um Mut und darum einen Sinn im Leben zu finden. Die Helden und Heldinnen reifen, wachsen über sich hinaus und leisten dabei Außergewöhnliches… Alle die ein bissiges Fantasy-Abenteuer suchen, werden bei diesen Protagonisten und dieser Action fündig werden. Vor einer lebhaften Kulisse wächst das verträumte Kind Thor zu einem jungen Erwachsenen heran, das es mit lebensbedrohlichen Herausforderungen aufnehmen muss… Dieser Band verspricht der Anfang einer epischen Serie für Jugendliche zu werden.“

    – Midwest Book Review (D. Donovan, eBook Reviewer)



„DER RING DER ZAUBEREI hat alle Zutaten für einen Bestseller: die Handlung, die Gegenhandlung, viel Geheimnisvolles, wackere Ritter und sich entfaltende Beziehungen voll von Herzschmerz, Betrug und Täuschung. Es wird Ihnen sicherlich keine Minute langweilig sein. Für jedes Alter geeignet, darf es in keiner Fantasy-Buchsammlung fehlen.“

    – Books and Movie Reviews, Roberto Mattos



„In diesem Action-geladenen ersten Buch der epischen Fantasy-Reihe Der Ring der Zauberei – die momentan 14 Bände umfasst – stellt Rice ihren Lesern den 14-jährigen Thorgin „Thor“ McLeod vor, dessen Traum es ist in die silberne Legion – der Eliteritter-Einheit des Königs – aufgenommen zu werden… Rices Schreibstil ist solide und ihre Handlung faszinierend.“

    – Publishers Weekly


Bücher von Morgan Rice

DIE INVASIONSCHRONIKEN

ÜBERMITTLUNG (Buch #1)

ANKUNFT (Buch #2)

STEIGFLUG (Buch #3)



DER WEG DES STAHLS

EHRE WEM EHRE GEBÜHRT (Buch 1)

NUR DEN TAPFEREN (Buch 2)

NUR DEN ERWÄHLTEN (Buch 3)



EIN THRON FÜR SCHWESTERN

EIN THRON FÜR SCHWESTERN (Buch #1)

EIN GERICHT FÜR DIEBE (Buch #2)

EIN LIED FÜR WAISEN (Buch #3)

EIN KLAGELIED FÜR PRINZEN (Buch #4)

EIN JUWEL FÜR KÖNIGE (Buch #5)

EIN KUSS FÜR KÖNIGINNEN (Buch #6)



FÜR RUHM UND KRONE

SLAVIN, KRIEGERIN, KÖNIGIN (Buch 1)

SCHURKIN, GEFANGENE, PRINZESSIN (Buch 2)

RITTER, THRONFOLGER, PRINZ (Buch 3)

REBELL, SCHACHFIGUR, KÖNIG (Buch 4)

SOLDAT, BRUDER, ZAUBERER (Buch 5)

HELD, VERRÄTER, TOCHTER (Buch 6)

HERRSCHER, RIVALE, VERBANNTE (Buch 7)

SIEGER, BESIEGTER, SOHN (Buch 8)



VON KÖNIGEN UND ZAUBERERN

DER AUFSTAND DER DRACHEN (Buch 1)

DER AUFSTAND DER TAPFEREN (Buch 2)

DAS GEWICHT DER EHRE (Buch 3)

DIE SCHMIEDE DES MUTS (Buch 4)

EIN REICH DER SCHATTEN (Buch 5)

DIE NACHT DER VERWEGENEN (Buch 6)



DER RING DER ZAUBEREI

QUESTE DER HELDEN (Buch 1)

MARSCH DER KÖNIGE (Buch 2)

FESTMAHL DER DRACHEN (Buch 3)

KAMPF DER EHRE (Buch 4)

SCHWUR DES RUHMS (Buch 5)

ANGRIFF DER TAPFERKEIT (Buch 6)

RITUS DER SCHWERTER (Buch 7)

GEWÄHR DER WAFFEN (Buch 8)

HIMMEL DER ZAUBER (Buch 9)

MEER DER SCHILDE (Buch 10)

REGENTSCHAFT DES STAHLS (Buch 11)

LAND DES FEUERS (Buch 12)

DIE HERRSCHAFT DER KÖNIGINNEN (Buch 13)

DER EID DER BRÜDER (Buch 14)

DER TRAUM DER STERBLICHEN (Buch 15)

DAS TOURNIER DER RITTER (Buch 16)

DAS GESCHENK DER SCHLACHT (Buch 17)



DIE TRILOGIE DES ÜBERLEBENS

ARENA EINS: DIE SKLAVENTREIBER (Buch 1)

ARENA ZWEI (Buch 2)

ARENA DREI (Buch 3)



GEFALLENE VAMPIRE

VOR DEM MORGENGRAUEN (Buch 1)



DER WEG DER VAMPIRE

GEWANDELT (Buch 1)

VERGÖTTERT (Buch 2)

VERRATEN (Buch 3)

BESTIMMT (Buch 4)

BEGEHRT (Buch 5)

VERMÄHLT (Buch 6)

GELOBT (Buch 7)

GEFUNDEN (Buch 8)

ERWECKT (Buch 9)

ERSEHNT (Buch 10)

BERUFEN (Buch 11)

BESESSEN (Buch 12)



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Kapitel eins


Royce schnappte sich das erste Pferd, das er finden konnte und ritt davon. Die Rufe hinter ihm waren ihm egal. Kam ein Pfeil in seine Richtung geflogen, duckte er sich auf dem Rücken des Pferdes tief nach unten. Beim Gedanken an den Adligen, den er gerade mit einem Speer getötet hatte, rasten seine Gedanken beinahe so schnell wie sein Pferd.

Schlimmer waren jedoch die Bilder von Genoveva, die dort über dem Graben stand, mit dem Mann, für den sie ihn verlassen hatte. Diese Bilder konnte er nicht loswerden. Diese Gedanken waren so mächtig, dass er beinahe angehalten hätte, um den Männern hinter ihm die Chance zu geben, ihn einzuholen. Nur seine Wut trieb ihn jetzt noch an, und so gab er seinem Pferd die Sporen, sodass es noch schneller galoppierte.

Weitere Pfeile kamen von hinten geschossen. Sie prallten an den Steinwänden der umliegenden Gebäude ab oder bohrten sich in die Lehmfassaden der Fachwerkhäuschen. Die Menschen brachten sich vor dem galoppierenden Pferd in Sicherheit, und Royce tat sein Bestes, ihnen so gut er konnte auszuweichen. Das bedeutete einen Kampf mit den Zügeln. Er riss den Kopf des Pferdes in die eine Richtung, dann in die andere während die Hufe des Pferdes über das Kopfsteinpflaster donnerten.

Als die Reiter erschienen, die Royce verfolgten, mischte sich weiteres Hufgetrappel unter den Staccato-Chor. Einige von ihnen mochten Ritter sein, doch der Großteil von ihnen waren Wächter, die für den Adel den Kopf hinhielten während dieser aus sicherer Entfernung zusah.

„Ihm nach!“ schrie einer. „Tötet den Mörder!“

Royce wusste, dass es zu keiner friedlichen Einigung kommen würde, wenn sie ihn einmal gefangen hatten. Auf Mord stand bereits die Todesstrafe, und er hatte vor den Augen aller ihren Herzog abgeschlachtet. Sie würden erst aufgeben, wenn sie ihn gefasst hatten oder wenn sie sicher sein konnten, dass er ihnen durch die Lappen gegangen war.

So blieb ihm nichts anderes übrig, als seinem gestohlenen Pferd zu vertrauen und durch riskante Manöver und Richtungsänderungen zu hoffen, weiterhin vorne zu bleiben ohne dabei vom Pferd zu fallen. Royce umklammerte das Kristallschwert in seiner Hand. Auch nicht nur für den Bruchteil einer Sekunde durfte er seinen Griff lockern.

Einer der Reiter hatte ihn fast eingeholt und machte sich bereit, einen Speer auf ihn zu schleudern. Royce hackte den Kopf der Waffe ab und schlug dann nach dem Mann, der ihn in der Hand hielt. Sein Verfolger fiel vom Pferd, und Royce setzte seine Flucht fort.

Doch viel zu viele waren ihm noch immer auf den Fersen. Seiner Stärke und seinen Fähigkeiten zum Trotz hatte Royce Zweifel, ob er es mit so vielen Männern auf einmal aufnehmen konnte. So setzte er seine Flucht auf dem gestohlenen Pferd fort, während er darüber nachdachte, wie er seine Verfolger jemals würde abhängen können.

Er floh aus der Stadt. Je länger Royce mit seinem Pferd in das offene Land ritt und durch die Täler und über die Kämme der weiten Fläche jagte, desto weiter rückte das Fort über ihm in immer größere Ferne. Kleine Stromschnellen lagen in den Tälern, und Royce suchte stets nach den schmalsten Stellen, sodass sein Pferd hinüber springen konnte anstatt jedes Mal durch das Wasser waten zu müssen. Jeder Schritt, den er verlor, machte die Reitergruppe – seine Verfolger – gut.

Er ritt nun auf die Umgrenzung eines Feldes zu. Sein Pferd sprang mühelos über den trockenen Stein, ohne ihn auch nur zu streifen. Als er einen Blick zurück warf, sah er, wie das Pferd eines Verfolgers an der Mauer hängenblieb, ins Straucheln geriet und seinen Reiter abwarf. Doch das war nicht genug.

Ein anderer Reiter hatte Royce eingeholt. Er warf sich halb zu Royce hinüber als hoffte er, auf diesem Wege Royce aus dem Sattel zu reißen. Doch Royce klammerte sich eisern an sein Pferd; es war schiere Stärke, die ihn ihm Sattel hielt, während der Soldat versuchte, ihn mit Ellbogen und seinem Kopf anzugreifen. Er sah einen Dolch aufblitzen und ahnte, dass der Mann versuchen würde, ihn von hinten zu erstechen. Royce drehte sich herum, nahm seine ganze Kraft zusammen und verpasste dem Mann einen ordentlichen Stoß.

Der Wächter fiel von seinem galoppierenden Pferd, fiel krachend zu Boden und blieb bewegungslos auf dem Boden liegen. Royce drängte sein Pferd weiter voran, doch die Lücke zwischen ihm und seinen Verfolgern war kleiner geworden.

Royce wusste, dass er nicht darauf hoffen durfte, den Männern einfach davonreiten zu können. Sie waren viel zu entschlossen, und er hatte keine Ahnung, ob sein Pferd länger durchhalten würde als die seiner Gegner. Doch selbst wenn es so wäre, so war es nur eine Frage der Zeit, bis der Pfeil eines Jagdbogens sein Pferd so schwer verwunden würde, dass es nicht weiterlaufen konnte.

Er musste sich etwas anderes einfallen lassen.

Vor ihm erblickte er nun eine Schlucht, über die eine kleine Brücke führte. Royce ließ die Brücke links liegen und ritt auf eine Stelle zu, an der der Stamm eines mächtigen Baums über die Schlucht führte. Als er ein Kind gewesen war, waren er und seine Brüder immer über den Stamm gelaufen, um zu einem kleinen Stück Weideland, das auf der anderen Seite lag, zu gelangen. Royce wusste nicht, ob sein Pferd es schaffen würde.

Doch würde er eine bessere Gelegenheit wahrscheinlich nicht bekommen, und so führte er das Tier in Richtung des Baumstamms und zwang es, ohne Geschwindigkeit einzubüßen, diesen Weg einzuschlagen. Royce spürte, wie eines seiner Hufe abrutschte, und einen Moment lang stockte ihm der Atem, doch dann gelang es ihm, sein Pferd zurück auf das teilweise bereits morsche Holz zurückzuziehen.

Kaum hatten sie den festen Boden erreicht, zischten schon weitere Pfeile in ihre Richtung. Royce drehte sich herum und sah, dass die ihm nachjagenden Pferde scheuten als man sie zwingen wollte, das Holz zu überqueren. Royce hackte mit seinem Kristallschwert auf den Stamm ein, er spürte, dass er nachgab, und schließlich stürzte der Stamm hinab in den dort wartenden Fluss.

„Das wird sie nicht lange aufhalten“, flüsterte Royce seinem Pferd zu. Er drängte es, wieder Fahrt aufzunehmen während die Männer auf der anderen Seite kehrtmachten und auf die Stelle zustürmten, wo sich die kleine Brücke befand.

Zumindest ein oder zwei Minuten sollte ihm diese Aktion eingebracht haben, und Royce wusste, dass er diese Chance so gut er konnte nutzen musste, um sich davonzumachen. Gleichzeitig wusste er, dass er nicht einfach davonlaufen konnte. Das Davonlaufen hatte keinen Sinn. Es änderte nichts.

Er steuerte bei voller Geschwindigkeit auf einen kleinen Wald zu. Während er sich duckte, um den tiefhängenden Ästen auszuweichen und so außer Blickweite zu kommen, versuchte er, nachzudenken. Für kleinere Tiere und zwitschernde Vögel, für Stromschnellen und das Rauschen der Bäume waren die Wälder ein sicherer Ort. In unweiter Entfernung konnte er das Spiel der Zinnflöte eines Weidmanns hören. Royce hoffte, dass er die Soldaten nicht zu ihm führen würde. Er wollte niemandem Ärger bereiten.

Dieser Gedanke ließ ihn zwischen den Bäumen anhalten. Die Männer würden ihn bis in sein Dorf verfolgen, wenn er dorthin floh, doch wenn er nicht dorthin ritt, dann würde er keine Hilfstruppe zusammentrommeln können. Schlimmer wäre es jedoch, wenn die Männer des Herzogs trotzdem dorthin ritten und alle diejenigen mit großer Entschlusskraft bestraften, die mit dem Jungen, der den Tod des Herzogs zu verantworten hatte, in Verbindung standen.

Er musste einen Weg finden, sich Zeit zu kaufen, um alles Notwendige in die Wege leiten zu können und die Männer des Herzogs von seinem Dorf fernzuhalten.

Wieder drang der Klang der Zinnflöte an Royces Ohr. Er führte sein Pferd zwischen den Bäumen entlang in Richtung der Musik. Royce drängte es so schnell wie die Umgebung es zuließ voran. Ihm war nur allzu bewusst, wie wenig Zeit ihm das Wegfallen der Baumbrücke gebracht hatte, und so hatte er jetzt das Gefühl, dass er jede Sekunde brauchte, die er nur kriegen konnte.

Wenige Sekunden später entdeckte er ein Schwein, das im Dreck des Waldbodens herumschnüffelte und nach Obst oder Pilzen oder sonstigem suchte. Es befand sich in etwa auf Royces Hüfthöhe, wenn dieser nicht auf einem Pferd gesessen hätte, und schnüffelte als würde es Royces Gegenwart gar nicht bemerken.

Weitere Schweine tauchten zwischen den Bäumen auf. Sie schnüffelten und jagten nach allem, was sie irgendwie fressen könnten. Auf ihrer Haut prangten die Brandmale mehrerer Höfen. Die Musik der Zinnflöte war jetzt ganz nah, und durch das Erlendickicht konnte Royce nun die Umrisse eines jungen Mannes erkennen, der auf dem Stumpf einer gefällten Eiche saß.

„Grüß dich“, rief der junge Mann als er Royce erblickte. Er winkte ihm mit der Hand, welche die Flöte hielt, zu. „Reite nicht zu geschwind durch den Wald. Die Schweine sind unbekümmerte Wesen, doch wenn du sie erschreckst, sind sie durchaus in der Lage, dein Pferd anzugreifen und ins Stolpern zu bringen.“

„Männer sind auf dem Weg hierher“, sagte Royce, denn er vermutete, dass Direktheit an dieser Stelle der beste Weg war. Einem jungen Mann würde es ganz und gar nicht gefallen, wenn man versuchte, ihn hinters Licht zu führen. „Männer, die mich tot oder gefangen sehen wollen.“

Der Schweinehirte blickte bei diesen Worten etwas besorgt drein. „Und was hat das mit mir zu tun?“ fragte er. „Ich hüte hier draußen nur meine Schweine.“

„Glaubst du, dass das solche Männer interessieren wird?“ fragte Royce. Jeder Bauer wusste, zu was die Männer des Herzogs im Stande waren und wie gefährlich es war, ihnen im Weg zu stehen, wenn sie gerade ein Ziel verfolgten.

„Nein“, sagte der Hirte. Er blickte zu Royce. „Warum jagen sie dich denn?“

Royce vermutete, dass dem Hirten die Wahrheit zu viel sein könnte. Doch was sollte er tun? Er konnte ja nicht so tun als wäre er ein Wilderer.

„Ich bin… ich habe den Herzog getötet“, sagte Royce, denn er wusste nicht, was er sonst hätte sagen sollen. Er würde nicht um das bitten können, was er wollte, wenn er dem Jungen nicht erst die Wahrheit sagte. „Seine Männer jagen mich, und wenn sie mich kriegen, dann werden sie mich töten.“

„Also wirst du sie zu meinen Schweinen führen?“ fragte der Schweinehirte. „Und was passiert mit mir, wenn ich noch hier bin, wenn sie kommen?“

„Ich habe eine Idee“, sagte Royce. Er sprang von seinem Pferd und reichte dem Jungen seine Zügel. „Nimm mein Pferd. Reite weg von hier. Einen besseren Ausweg für uns zwei gibt es nicht.“

„Du willst, dass ich so tue als wäre ich du?“ fragte der Schweinehirte. „Nach dem was du getan hast? Das halbe Königreich würde nach mir suchen.“

Royce nickte. Die beiden sahen einander kaum ähnlich; Royce war viel größer und hatte eine stärker ausgeprägte Muskulatur, und selbst wenn sie beide blondes Haar hatten, das ihnen bis zur Schulter reichte, sah es sich keineswegs zum Verwechseln ähnlich. Auch ihre Gesichtszüge unterschieden sich: wo der Schweinehirte rund und unscheinbar war, hatte die erlebte Gewalt Royces Züge geprägt und kantig gemacht.

„Nicht lange. Du kannst reiten, oder?“

„Ja, mein Vater hat darauf bestanden, dass ich es lerne. Ich habe den Pferdewagen immer über das Feld gekantert.“

„Dieses Pferd ist weitaus schneller als ein Kanter“, versprach Royce, der ihm immer noch die Zügel entgegenstreckte. „Nimm das Pferd und reite eine Weile vor ihnen her. Steig irgendwann ab, wenn sie dich nicht sehen können. Sie werden niemals vermuten, dass du es warst, der auf dem Pferd saß, und sie werden weiter nach mir Ausschau halten.“

Royce war sich sicher, dass sein Plan aufgehen würde. Wenn der Schweinehirte es schaffte, sich nicht von den Feinden einholen zu lassen, dann wäre er in Sicherheit sobald er aus ihrem Blickfeld entschwunden wäre.

„Und mehr müsste ich nicht tun?“ fragte der Schweinehirte. Royce konnte sehen, dass er es sich tatsächlich überlegte.

„Halte sie nur von den Dörfern fern“, sagte er. „Ich muss in meines zurückkehren, und du kannst in deines zurücklaufen sobald du sie abgehängt hast.“

„Du suchst also nach einem Weg, um mit einem Mord davonzukommen?“ fragte der Junge.

Royce wusste, was er damit meinte. Der Schweinehirte wollte sich nicht zum Komplizen einer solch kaltblütigen Straftat machen. Doch das war nur ein Teil der Geschichte. Das war es schon in dem Moment gewesen als er den Speer geworfen hatte.

„Sie unterdrücken uns, wo sie nur können“, sagte Royce. „Sie nehmen und nehmen, und sie geben uns im Gegenzug nie etwas zurück. Der Herzog hat mir die Frau, die ich liebte, genommen und sie seinem Sohn gegeben. Er hat mich auf eine Insel verschleppt, wo ich mitansehen musste, wie Jungen in meinem Alter abgeschlachtet wurden. Ich musste im Graben um mein Leben kämpfen. Es ist Zeit, dass wir etwas daran ändern. Es ist Zeit, dass sich die Dinge zum Guten verändern.“

Er konnte sehen, dass der Junge mit der Entscheidung rang.

„Wenn ich es nicht in mein Dorf zurückschaffe, werden viele Menschen sterben“, sagte Royce. „Doch wenn ich es schaffe und sie mir folgen, dann wird daraus eine Bewegung. Ich brauche dazu deine Hilfe.“

Der Schweinehirte tat einen Schritt auf ihn zu. „Werde ich dafür bezahlt?“

Royce breitete seine Arme aus. Er trug nichts bei sich. „Wenn ich dich später wiederfinden kann, dann werde ich einen Weg finden, dir etwas zurückzuzahlen. Wie kann ich dich finden?“

„Ich bin Berwick aus Upper Lesham.“

Royce nickte, und das war dem Schweinehirten offenbar Versicherung genug. Er nahm Royces Pferd, stieg auf, gab ihm die Sporen und verschwand zwischen den Bäumen in eine Richtung, in der keines der Dörfer lag, die Royce kannte. Royce atmete erleichtert auf.

Doch die Erleichterung währte nicht lange. Er musste schließlich immer noch ein Versteck finden. Er zog sich in das Dickicht zurück und fand im Schatten eines Stammes eine Stelle im Laub, wo Farne wuchsen, die ihn verstecken würden.

Unbewegt hockte er dort und wartete. Er wagte kaum zu atmen. Die Schweine um ihn setzten weiter ihre Futtersuche fort, und eines von ihnen trappelte in seine Nähe und schnüffelte an dem Laub, in dem er saß.

„Weg mit dir“, flüsterte Royce, denn er wollte, dass das Tier weiterzog. Er schwieg als er das Geräusch herannahender Hufe vernahm.

Männer tauchten auf. Sie alle trugen Rüstung und Waffen und sahen nun noch wütender aus als im ersten Teil ihrer Verfolgungsjagd. Royce hoffte aufrichtig, dass er den Schweinehirten in keine allzu große Gefahr gebracht hatte, indem er ihn zum Komplizen seiner Flucht gemacht hatte.

Das Schwein hatte sich nicht beirren lassen und schnüffelte immer noch vor seiner Nase herum. Royce glaubte, dass er sehen konnte, wie einer der Männer zu ihm blickte, und er erstarrte, sodass er nicht einmal mehr zu blinzeln wagte. Wenn das Schwein auf seine Gegenwart in irgendeiner Weise reagierte, dann würden die Männer über ihn herfallen und ihn töten, da war er sich sicher.

Dann wandte der Mann seinen Blick ab, und die Soldaten setzten ihre Verfolgung fort.

„Schnell jetzt!“ rief einer von ihnen. „Er kann nicht weit gekommen sein!“

Die Soldaten donnerten davon in Richtung des Weges, den der Schweinehirte eingeschlagen hatte und dessen Spuren sie vermutlich jetzt folgten. Auch nachdem sie aus seinem Blickfeld verschwunden waren, blieb Royce still in seinem Versteck sitzen und umklammerte den Griff seines Schwerts, denn er wollte sicher sein, dass es sich nicht um eine Falle handelte, die ihn aus seinem Versteck locken sollte.

Schließlich traute er sich hinaus und trat auf die Lichtung. Er schob die Schweine beiseite und nahm sich einen Augenblick Zeit, um sich umzublicken. Er versuchte, herauszufinden, in welcher Richtung sein Dorf lag. Sein Täuschungsversuch hatte ihm einige Zeit gekauft und dennoch musste er jetzt schnell handeln.

Er musste es in sein Dorf schaffen bevor die Männer des Herzogs alle Bauern dort töteten.




Kapitel zwei


Genoveva blieb nichts anderes übrig, als im großen Saal des Schlosses den Wutausbruch ihres Mannes still mitanzusehen. In den Momenten, in denen er nicht wütend war, war Altfor mit seinen längeren, gewellten braunen Haaren, den dinarischen Zügen und tiefdunklen Augen eigentlich ein gutaussehender Mann. Doch für Genoveva blieb er der rotgesichtige und tobende Mann, als hätte er keine andere Seite als diese.

Sie wagte es nicht, sich zu rühren oder seinen Zorn auf sich zu ziehen, und da war sie gewiss nicht die einzige. Er war umringt von den einstigen Dienern und Anhängern des Herzogs, die allesamt schwiegen und von denen niemand der erste sein wollte, Altfors Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Selbst Moira schien sich zurückzuhalten, auch wenn sie gut sichtbar in größerer Nähe zu Genovevas Ehemann stand als Genoveva selbst, und das in jeglicher Hinsicht.

„Mein Vater ist tot!“ schrie Altfor als hätten nicht alle Anwesenden bereits erfahren, was in dem Kampfgraben geschehen war. „Erst mein Bruder und jetzt mein Vater, ermordet von einem Verräter und keiner von euch hat Antworten für mich.“

Diese Wut fühlte sich für Genoveva gefährlich an, denn zu heftig und wirr versuchte sie, anstelle von Royce einen anderen Sündenbock zu finden. Sie wünschte, dass Royce jetzt hier gewesen wäre und gleichzeitig war sie froh, dass er es nicht war.

Ihr Herz war erfüllt von Schmerz, weil er nicht da war, und sie wünschte, dass sie etwas anderes hätte tun können als neben ihrem Ehemann zu stehen und ihm vom Rand des Grabens aus beim Kämpfen zuzusehen. Ein Teil von ihr sehnte sich danach, jetzt bei Royce zu sein, und Genoveva wusste, dass sie diesen Teil Altfor auf keinen Fall sehen lassen durfte. Altfor war viel zu wütend, und sie hatte sehr klar gespürt, wie sich dieser Ärger ganz leicht gegen sie richten konnte.

„Wird in dieser Situation niemand etwas unternehmen?“ fragte Altfor.

„Genau das wollte ich gerade fragen, Neffe“, sprach er harte Stimme.

Der Mann der jetzt in den Raum trat, schürte in Genoveva den gleichen Drang, sich zurückziehen zu wollen, wie ihn Altfor hervorrief. In Altfors Fall wollte sie sich der Hitze seiner Wut entziehen, doch von diesem Mann ging eine Kälte aus, die so kalt wie Eis zu sein schien. Er war etwa zwanzig Jahre älter als Altfor und hatte lichtes Haar und eine schlanke Gestalt. Er bewegte sich mit etwas fort, das auf den ersten Blick wie ein Stock aussah. Doch dann erblickte Genoveva den Griff, der aus der Hülle ragte und erkannte, dass es sich dabei um ein noch in seiner Scheide steckendes Langschwert handelte. Etwas an der Art, wie er sich darauf stützte sagte Genoveva, dass es eine Verletzung und nicht sein Alter sein musste, die ihn dazu zwang.

„Onkel Alistair“, sagte Altfor. „Wir hatten… mit dir hatten wir nicht gerechnet.“

Die Ankunft des Neulings schien auch in ihm ein gewisses Unbehagen auszulösen, und das überraschte Genoveva. Er schien stets alles ganz und gar unter Kontrolle zu haben, doch die Gegenwart dieses Mannes schien ihn komplett aus der Fassung zu bringen.

„Sicherlich nicht“, sagte der schlanke Mann. Seine Hand streifte über das Langschwert, auf dem er lehnte. „Da du mich nicht zu deiner Hochzeit eingeladen hast, hast du wahrscheinlich geglaubt, dass ich auf meinem Gutshof bleiben und die Stadt meiden würde, damit du unbehelligt nach dem Tod meines Bruders dein Unwesen treiben kannst.“ Er blickte zu Genoveva. Als hätte er die Augen eines Habichts, schien sein Blick sie sofort in der Menge auszumachen. „Glückwunsch zur Eheschließung, Mädchen. Es ist nicht zu übersehen, dass mein Neffe einen Sinn für das Stumpfsinnige hat.“

„Ich… so sprichst du nicht mit mir“, sagte Altfor. Er schien sich erst dann daran zu erinnern, dass er auch für Genoveva sprechen sollte. „Oder meiner Frau. Ich bin der Herzog!“

Alistair trat vor Genoveva, und jetzt zog er das Schwert aus der Scheide. Es sah ganz leicht in seinen Händen aus, breit und messerscharf. Genoveva erstarrte und wagte es kaum zu atmen als Altfors Onkel die Klinge in gefährliche Nähe zu ihrem Hals hob.

„Ich könnte diesem Mädchen den Hals durchschneiden und keiner deiner Männer würde mich daran hindern“, sagte Alistair. „Und du erst recht nicht.“

Genoveva brauchte gar nicht erst zu Altfor zu blicken, um zu wissen, dass er die Wahrheit sprach. Er gehörte nicht zu der Sorte Ehemann, die sich genug um ihre Frau scherte, um sie zu verteidigen. Keiner der Höflinge würde ihr helfen, und Moira… Moira blickte sie an als würde sie halb hoffen, dass Alistair seine Drohung wahr machte.

Genoveva musste sich selbst retten. „Warum würdet ihr mich umbringen wollen, mein Lord?“ fragte sie.

„Warum sollte ich das nicht?“ fragte er. „Ich meine ja, du bist hübsch: blondes Haar, grüne Augen, schlanke Gestalt, welcher Mann würde das nicht wollen? Doch sind Bauernmädchen nun wirklich nicht gerade schwer zu ersetzen.“

„Ich hatte geglaubt, dass meine Ehe mich über den Bauernstand gehoben hat“, sagte Genoveva mit fester Stimme trotz der Klinge vor ihrem Hals. „Habe ich etwas getan, dass Euch erzürnt hat?“

„Ich weiß es nicht, Mädchen, hast du das?“ fragte er, und seine Augen schienen in Genovevas nach einer Antwort zu suchen. „Eine Nachricht wurde auf den Weg gebracht. Sie sollte Auskunft darüber geben, welche Richtung der Junge, der meinen Bruder ermordet hat, eingeschlagen hat. Doch hat sie weder mich noch irgendjemand anderen erreicht bevor es zu spät war. Kannst du mir irgendetwas dazu sagen?“

Genoveva wusste genau, was geschehen war, denn sie selbst war es gewesen, die die Nachricht mit Verspätung weitergeleitet hatte. Das war alles gewesen, was sie hatte tun können, und dennoch fühlte es sich nicht genug an angesichts dessen, was sie für Royce empfand. Sie schaffte es, sich nichts anmerken zu lassen und tat unschuldig, denn das war die einzige Verteidigung, die ihr jetzt blieb.

„Mein Lord, ich verstehe nicht, was Ihr meint“, sagte sie. „Ihr habt selbst gesagt, dass ich nur ein Bauernmädchen sei; wie sollte ich eine solche Nachricht abfangen können?“

Sie fiel instinktiv auf die Knie, langsam, sodass sie sicherstellte, sich nicht selbst aufzuspießen.

„Eure Familie hat mir die Ehre gegeben“, sagte sie. „Euer Neffe, der Herzog, hat mich erwählt. Ich bin zu seiner Frau geworden und habe einen höheren Rang erworben. Ich führe ein Leben, das ich mir niemals hätte träumen lassen. Warum würde ich das in Gefahr bringen? Wenn Ihr wahrhaftig glaubt, dass ich eine Verräterin bin, dann schlagt zu mein Lord. Schlagt zu.“

Genoveva trug ihre Unschuld wie ein Schutzschild, und sie hoffte, dass es genügen würde, den Schwerthieb abzuwenden, der andernfalls gleich folgen würde. Sie hoffte es und hoffte es nicht, denn ein Stich ins Herz wäre wohl all dem gleichgekommen, was sie angesichts dessen, was mit Royce schiefgelaufen war, empfand. Sie hob den Kopf und blickte Altfors Onkel direkt in die Augen. Sie würde den Blick nicht senken und ihm nicht den kleinsten Hinweis auf das, was sie getan hatte, geben. Er zog das Schwert zurück als wollte er zum finalen Hieb ausholen… dann senkte er die Klinge.

„Es scheint mir, Altfor, dass deine Frau mehr Mumm hat als du.“

Genoveva konnte endlich aufatmen. Sie erhob sich während ihr Mann auf sie zu schritt.

„Onkel, genug mit den Spielchen. Ich bin der Herzog hier, und mein Vater – “

„Mein Bruder war dumm genug, dir seine Ländereien zu vermachen, doch glaubst du doch nicht ernsthaft, dass dich das zu einem wahren Herzog macht“, sagte Alistair. „Das braucht Führungskraft, Disziplin und den Respekt deiner Männer. Nichts davon besitzt du.“

„Ich könnte meinen Männern befehlen, dich in den Kerker zu werfen“, zischte Altfor.

„Das könnte ich auch“, erwiderte Alistair. „Wem glaubst du, werden sie gehorchen? Dem verhassten Sohn meines Bruders oder dem Bruder, der Armeen angeführt hat? Demjenigen, der die Spur des Mörders verloren hat oder demjenigen, der die Todesfront bei Haldermark gehalten hat? Einem Jungen oder einem Mann?“

Genoveva konnte die Antwort auf diese Frage erraten, und ihr gefiel nicht, welche Wendung das Ganze zu nehmen drohte. Ob sie es mochte oder nicht, sie war Altfors Frau, und wenn sein Onkel entschied, sich von seinem Neffen zu trennen, dann machte sie sich keine Illusionen über ihr eigenes Schicksal. Sie trat rasch zu ihrem Ehemann und legte ihre Hand auf seinen Arm. Was nach außen wie eine Geste der Unterstützung aussah, sollte ihn eigentlich davon abhalten, überstürzt zu handeln.

„Dieses Herzogtum geht den Bach runter“, sagte Alistair. „Mein Bruder hat Fehler gemacht, und solange diese nicht behoben sind, werde ich dafür sorgen, dass alles seine Ordnung hat. Erhebt irgendjemand unter den hier anwesenden Männern Einspruch gegen diesen Anspruch?“

Genoveva bemerkte die Klinge in seiner Hand, die offensichtlich darauf wartete, dass der erste Mann den Mund auftat. Das musste natürlich Altfor sein.

„Ich soll dir Gefolgschaft schwören?“ fragte Altfor. „Du erwartest, dass ich vor dir niederknie nachdem mein Vater mich zum Herzog gemacht hat?“

„Man kann auf zwei Arten Herzog werden“, zischte Alistair. „Auf Befehl des Herrschenden oder durch eigene Kraft. Trifft eines davon auf dich zu, Neffe? Oder wirst du niederknien?“

Genoveva kniete sich noch vor ihrem Ehemann nieder. Sie zog an seinem Arm, um ihn nach unten neben sich zu ziehen. Sie sorgte sich nicht um Altfors Wohlergehen, nicht nach allem, was er getan hatte, doch gerade hing ihr eigenes Wohlergehen von seinem ab.

„Nun gut, Onkel“, sagte Altfor, wenn auch mit zusammengebissenen Zähnen. „Ich werde gehorchen. Es sieht so aus, als hätte ich keine Wahl.“

„Nein“, stimmte Alistair zu. „Die hast du nicht.“

Sein Blick streifte durch den Raum, und alle anderen knieten nacheinander nieder. Genoveva sah, wie Höflinge und Diener auf die Knie gingen. Sie sah, wie selbst Moira auf die Knie fiel, und ein kleiner, wütender Teil von ihr fragte sich, ob ihre sogenannte Freundin ihr Glück versuchen würde, Altfors Onkel zu verführen, so wie sie es in Altfors Fall getan hatte.

„Schon besser“, sagte Lord Alistair. „Jetzt will ich, dass sich weitere Männer auf den Weg machen, den Mörder meines Bruders zu finden. Wir werden ein Exempel statuieren. Keine Spielchen dieses Mal, bringt ihm einfach den Tod, den er verdient.“

Ein Bote in der Tracht des Hauses kam hereingerannt. Genoveva konnte sehen, wie er zwischen Altfor und Lord Alistair hin und her blickte und offenbar Schwierigkeiten hatte, zu entscheiden, wem der beiden er seine Nachricht überbringen sollte. Schließlich traf er die für Genoveva offensichtliche Entscheidung und wandte sich an Altfors Onkel.

„Mein Lord, vergebt mir“, sagte er, „aber in den Straßen unten gibt es Aufstände. Die Menschen in den Ländereien des alten Herzogs erheben sich. Wir brauchen Euch.“

„Um Bauern abzuschlachten?“ fragte Lord Alistair mit einem Schnauben. „Na gut. Versammle die Männer, die wir bei der Suche entbehren können, und sag ihnen, dass sie mich im Hof treffen sollen. Wir werden diesem Pack zeigen, wozu ein echter Herzog im Stande ist!“

Er marschierte sich auf sein in der Hülle steckendes Langschwert stützend aus dem Raum hinaus. Genoveva wagte es, erleichtert aufzuatmen als er fort war. Doch ihre Erleichterung war voreilig. Altfor war dabei, wieder aufzustehen, und seine Wut war greifbar.

„Raus mich euch, alle raus!“ schrie er dem versammelten Hof entgegen. „Raus, und helft meinem Onkel, diese Revolte niederzuschlagen oder helft bei der Suche nach diesem Verräter, aber steht nicht hier herum und lasst euch von mir noch einmal bitten!“

Sie machten sich daran, hinauszugehen, und Genoveva erhob sich, um sich ihnen anzuschließen, doch da spürte die Altfors Hand auf ihrer Schulter, die sie zurückhielt.

„Du nicht, Frau.“

Während Genoveva wartete, leerte sich der Saal und ließ neben ihr nur ein paar Wachen und schlimmer noch Moira zurück. Diese stand in einer Ecke, und ihr Blick versuchte nicht einmal, Mitgefühl auszudrücken.

„Du“, sagte Altfor, „sag mit sofort, welche Rolle du in Royces Verschwinden gespielt hast.“

„Ich… ich weiß nicht, wovon du sprichst“, sagte Genoveva. „Ich war die ganze Zeit hier. Wie hätte ich – “

„Halt den Mund“, unterbrach Altfor sie. „Wenn ich dabei nicht wie ein Mann aussehen würde, der seine Frau nicht unter Kontrolle hat, würde ich dir eine Tracht Prügel dafür verpassen, dass du mich für so dumm hältst. Natürlich hast du etwas damit zu tun; niemand sonst hier steht dem Verräter so nah wie du.“

„Die Straße ist voll von Menschen, die das Gegenteil beweisen“, sagte Genoveva und sprang auf die Beine. Vor Altfor hatte sie weniger Angst als vor dessen Onkel.

Nein, das entsprach nicht der Wahrheit. Sie hatte Angst vor ihm, aber es war eine andere Art der Angst. Von Altfor fürchtete sie einen plötzlichen Ausbruch an Gewalt und Grausamkeit, doch klein beizugeben würde einen solchen Ausbruch auch nicht abwenden.

„Die Straße?“ fragte Altfor. „Willst du mich nun auch noch mit dem Mob verhöhnen? Ich dachte, du hättest deine Lektion gelernt, doch das ist offenbar nicht der Fall.“

Jetzt packte Genoveva tatsächlich die Angst, denn Altfors Augen versprachen, dass ihr etwas noch schlimmeres als Gewalt drohte.

„Du wähnst dich in Sicherheit, weil du glaubst, dass ich meiner Frau nichts antun werde“, sagte Altfor. „Doch habe ich dir bereits klargemacht, was geschehen wird, wenn du dich mir widersetzt. Deinen geliebten Royce wird man finden, und dann wir man ihn töten. Wenn es nach mir geht, wird es ein langsamer Tod werden, viel langsamer als alles, was mein Onkel sich vorstellt.“

Dieser Teil macht Genoveva keine Angst, auch wenn der Gedanke, dass Royce ein Leid getan wurde, sie wie ein physischer Schlag traf. Dass er sich Altfors Einfluss hatte entziehen können, dafür hatte sie gesorgt. Er oder Lord Alistair hatten keine Chance, ihn zu kriegen.

„Dann sind da noch seine Brüder“, sagte Altfor und Genoveva stockte der Atem.

„Du hast mir gesagt, dass du sie verschonen würdest, wenn ich dich heirate“, sagte sie.

„Aber jetzt bist du meine Frau, und zwar eine widerspenstige“, konterte Altfor. „Die drei sind sowieso schon auf dem Weg zu ihrer Hinrichtung. Sie werden auf dem Todeshügel in kleinen Käfigen aufgehängt und ausgehungert werden bis man sie den Ungeheuren zum Fraß vorwirft.“

„Nein“, sagte Genoveva. „Du hast es versprochen.“

„Und du hast versprochen, eine folgsame Frau zu sein!“ rief Altfor ihr entgegen. „Doch was tust du? Du hilfst dem Jungen, den du schon lange hättest vergessen sollen!“

„Du… ich habe gar nichts getan“, insistierte Genoveva, denn es zuzugeben, hätte ihre Lage nur noch verschlimmert. Altfor war Teil des Adels, und er konnte ihr ohne Beweise und Gerichtsprozess nicht einfach etwas antun.

„Oh, du willst weiterhin dieses Spielchen spielen“, sagte Altfor. „Dann wird sich der Preis, den du dafür zahlst, noch erhöhen. Du interessierst dich viel zu sehr für das, was dort draußen in der Welt vor sich geht, also werde ich dir die Subjekte deines Interesse nehmen.“

„Was… was soll das heißen?“ fragte Genoveva.

„Deine Schwester war eine kurze nette Unterhaltung als du mir das erste Mal nicht gehorcht hast. Jetzt wird sie für das, was du getan hast, mit dem Leben bezahlen. Genauso wie deine Eltern und jeder andere in der Hütte, die du Zuhause nennst.“

„Nein!“ schrie Genoveva und griff nach dem kleinen Messer, das sie bei sich trug. Angesichts der schrecklichen Dinge, die ihr Mann vorhatte zu tun, fiel in diesem Moment alle Zurückhaltung und Vorsicht von ihr ab. Sie würde alles tun, um ihre Schwester zu beschützen. Alles.

Doch Altfor war schnell, seine Hand schloss sich über der ihren und schleuderte das Messer zu Boden. Er stieß sie grob zurück, sodass sie auf dem Boden landete während er über ihr thronte. Er blickte finster zu ihr hinab, und nur die Hand Moiras, die ihn zurückzog, hielt ihn davon ab, schlimmeres zu tun.

„Vergesst nicht, dass sie zum Adel gehört solange sie Eure Frau ist“, flüsterte Moira. „Wenn Ihr ihr etwas antut, dann wird man Euch wie einen Kriminellen behandeln.“

„Glaube nicht, dass du mir sagen kannst, was ich tun soll“, sagte Altfor zu Moira, die sich nun noch näher zu ihm beugte.

„Ich sage Euch nicht, was Ihr tun sollt, ich gebe Euch nur einen Rat, mein Lord, mein Herzog. Mit einer Frau und irgendwann einem Erben und dem Recht auf Eurer Seite könnt Ihr viel mehr erreichen.“

„Und warum sollte das für dich eine Rolle spielen?“ fragte Altfor und blickte zu ihr.

Wenn Moira diese Frage verletzte, dann zeigte sie es nicht. Der Blick, den sie der noch immer auf dem Boden liegenden Genoveva zuwarf, war vielmehr triumphierend.

„Weil Euer Bruder, mein Ehemann, fort ist, und ich lieber die Liebhaberin eines mächtigen Mannes bin als eine Frau ohne Macht“, sagte Moira. „Und Ihr… Ihr seid der mächtigste Mann, den ich jemals getroffen habe.“

„Und deshalb sollte ich dich meiner Frau vorziehen?“ fragte Altfor. „Warum sollte ich einen Ableger meines Bruders wollen?“

Selbst Genoveva kam das wie ein grausames Spiel vor nachdem sie ihn bereits mit Moira erwischt hatte.

Doch was immer Moira wirklich empfand, versteckte sie sorgfältig.

„Komm mit mir“, schlug sie vor, „und ich werde deiner Erinnerung auf die Sprünge helfen während deine Männer alle jene töten, die es verdient haben. Deine Männer, nicht die deines Onkels.“

Das räumte den letzten Zweifel aus, und Altfor zog sie zu sich, um sie zu küssen, auch wenn Genoveva und zwei weitere Wachen ihnen dabei zusahen. Er griff Moiras Arm und zog sie in Richtung des Ausgangs der großen Halle. Genoveva sah, wie Moira einen letzten Blick zurück warf, und die Grausamkeit in ihrem Lächeln schickte einen kalten Schauer über Genovevas Rücken.

Doch Genoveva war das in diesem Moment egal. Es war ihr egal, dass Altfor sie gleich auf eine Weise betrügen würde, wie er sie schon viele Male betrogen haben musste. Ihr war es egal, dass sein Onkel sie beinahe getötet hatte oder dass die beiden sie als Unannehmlichkeit empfanden.

Das einzige, worum sie sich jetzt sorgte, war die Sicherheit ihrer Schwester, und sie musste einen Weg finden, ihr zu helfen bevor es zu spät war. Altfor hatte vor, sie zu töten, und sie hatte keine Ahnung, wann genau es geschehen würde.




Kapitel drei


Royce rannte durch den Wald und spürte, wie die Äste unter seinen Füßen knackten. Er hielt die Hülle seines Schwertes an seiner Seite umklammert, sodass es nicht gegen einen der Bäume schlug. Ohne das Pferd, das er gestohlen hatte, war er nicht schnell genug. Aber musste er schneller sein.

Angetrieben von Gedanken an die Menschen, die ihm am Herzen lagen, rannte er noch schneller. Die Rote Insel hatte ihn gelehrt, weiter zu rennen egal wie schnell das Herz in seiner Brust hämmerte oder seine Beine schmerzten. Er hatte den Hürdenlauf auf der Insel überlebt. Sich selbst dazu zu zwingen, schneller und weiter zu rennen, war dagegen ein Klacks.

Die Schnelligkeit und Stärke, die er besaß, halfen ihm dabei. Bäume sausten auf beiden Seiten an ihm vorbei, Äste schrammten über seine Arme, doch Royce ignorierte all das. Er hörte, wie die Tiere des Waldes vor dem etwas, das da durch ihr Territorium rannte, davonhuschten, und er wusste, dass er einen anderen Weg finden musste, schneller voranzukommen. Wenn er weiterhin so viel Lärm machte, dann würde er jeden Soldaten des Herzogtums auf den Plan rufen.

„Lass sie nur kommen“, flüsterte Royce sich selbst zu. „Ich werde sie alle töten.“

Ein Teil von ihm wollte genau das und noch mehr tun. Ihm war es gelungen, den Herzog zu töten, der ihn und seine Freunde in den Kampfgraben geschickt hatte; er hatte es geschafft, die Wachen zu töten, die ihn angegriffen hatten… doch wusste er auch, dass er es unmöglich mit einem ganzen Land aus Feinden aufnehmen konnte. Selbst die stärksten, schnellsten und gefährlichsten Männer konnten es allein nicht mit mehr als ein paar Feinden gleichzeitig aufnehmen, denn es gab schlicht zu viele Winkel, durch die die feindlichen Klingen zu ihnen dringen konnten.

„Ich werde einen Weg finden, etwas zu unternehmen“, sagte Royce. Er wurde etwas langsamer und bewegte sich jetzt mit mehr Vorsicht durch den Wald. Er versuchte, die Ruhe des Waldes auf diesem Wege so wenig wie möglich zu stören. Er konnte nun die Vögel und Tiere hören. Was ihm zuvor wie eine riesige leere Stille vorgekommen war, entpuppte sich jetzt als eine Landschaft aus Geräuschen, die alles auszufüllen schienen.

Was konnte er tun? Sein erster Instinkt war es gewesen, so schnell wie möglich loszulaufen, dorthin, wo kein Mensch mehr lebte und das Reich der Picti begann. Er hatte darüber nachgedacht, zu verschwinden, einfach zu verschwinden, denn was hielt ihn noch in dieser Welt?

Seine Gedanken flogen kurz zu Genoveva und dem Moment, in dem sie vom Rand des Grabens scheinbar vollkommen gleichgültig zu ihm hinabgestarrt hatte. Er drängte dieses Bild zur Seite, denn er wollte jetzt nicht an Genoveva denken. Was sie getan hatte, schmerzte zu sehr. Warum sollte er also nicht dorthin verschwinden, wo kein Mensch mehr lebte?

Ein Grund war Mark. Sein Freund war im Graben verwundet worden, doch ob Mark tatsächlich tot war, hatte Royce nicht feststellen können. Ein Teil von ihm wollte glauben, dass Mark irgendwie überlebt hatte, schließlich hatte man die Spiele ziemlich abrupt abgebrochen. Würde der Adel nicht einen weiteren Kampf mit ihm sehen wollen, wenn dies möglich war? Würden sie seinen Freund nicht so lange wie möglich zu ihrer eigenen Vergnügung ausbeuten wollen?

„Er muss noch am Leben sein“, sagte Royce, „er muss es einfach.“

Selbst in seinen eigenen Ohren klang das so, als wollte er sich damit selbst überzeugen. Royce schüttelte den Kopf, und während er versuchte, sich zu orientieren, setzte er seinen Weg durch den Wald fort. Er hatte das Gefühl erst etwas unternehmen zu können, wenn er zuhause angekommen war. Er würde das Dorf finden, und dann, wenn er einmal in Sicherheit war, würde er einen Plan machen. Er würde entscheiden, ob er die Flucht ergreifen, Mark finden oder eine Armee, die es mit der des Herzogs aufnehmen konnte, zusammenstellen sollte.

„Vielleicht denke ich mir auch einfach irgendwas aus“, sagte Royce während er weiter rannte. Er bewegte sich jetzt mit der Geschwindigkeit eines flüchtenden Tieres fort. Dabei lief er leicht gebückt und hielt sich an das dicke Blattwerk der Bäume ohne dabei Geschwindigkeit einzubüßen.

Er kannte den Wald und all die Pfade, denn er hatte mehr Zeit als genug mit seinen Brüdern hier verbracht. Sie hatten einander durch den Wald getrieben und kleine Tiere gejagt. Jetzt war er der einzige, der getrieben und gejagt wurde und versuchte, einen Weg zu finden, sich aus seiner Lage zu befreien. Er war sich ziemlich sicher, dass er sich in der Nähe eines Jagdreviers befand, das ihn an der Hütte eines Köhlers vorbei zu einem kleinen Fluss und schließlich zu seinem Dorf führen würde.

Royce schlug diese Route durch das Unterholz ein und wurde durch ein entferntes Geräusch aus seinen Gedanken gerissen. Es war nicht laut, aber es war da: das Geräusch von Füßen, die sich mühelos über den unebenen Boden bewegten. Ihm wäre das gar nicht aufgefallen, wenn er nicht mit seinen Brüdern so viel Zeit in diesen Wäldern verbracht hätte oder auf der Roten Insel gelernt hätte, dass überall Gefahren lauern konnten.

„Warte ich hier oder soll ich mich verstecken?“ fragte er sich selbst. Er konnte nur eine einzige Person hören, und diese klang nicht einmal wie ein Soldat. Die Schritte eines Soldaten wurden vom Klacken ihrer Stiefel begleitet, dem Klappern der Rüstung und dem Schaben von Speergriffen über den Boden. Diese Schritte waren jedoch ganz anders. Wahrscheinlich war es nur ein Bauer oder Weidmann.

Dennoch verließ Royce den Pfad und hockte sich in den Schatten eines Baumes, dorthin, wo Wurzeln eine Art natürlichen Schild bildeten, der wahrscheinlich Tieren beim Einbruch der Nacht Schutz bot. Einige der Äste hingen so tief, dass Royce sie zu sich herabziehen konnte, um so die Sicht auf ihn zu blockieren während er selbst den Weg im Auge behalten konnte. Er ging in die Hocke und stellte sich mucksmäuschenstill ohne dabei seine Hand zu weit vom Griff seines Schwertes zu entfernen.

Als Royce die Person erblickte, die sich ihm über den Pfad näherte, wäre er beinahe aus seinem Versteck getreten. Der Mann schien weder bewaffnet zu sein noch eine Rüstung zu tragen. Die dunkelgraue Seide, in die er gehüllt war, verschleierte jegliche Körperkontur. Auch seine Füße steckten in grauen Sandalen, deren Schnüre ihm bis über die Knöchel reichten. Doch etwas hielt ihn zurück, und als der Mann noch näher kam, konnte Royce sehen, dass seine von violetten und roten Kreisen und Symbolen überzogene tätowierte Haut ebenso grau war, so als hätte jemand keine andere Unterlage zur Verfügung gehabt, einen verrückten Text niederzuschreiben.

Royce hatte keine Ahnung, was all diese Zeichen zu bedeuten hatten, doch etwas an diesem Mann erschien ihm auf eine nicht zu bestimmende Art gefährlich. Plötzlich war er froh, dass er sein Versteck nicht verlassen hatte. Er hatte das Gefühl, dass, wenn er auf dem Pfad geblieben wäre, ein Konflikt nicht ausgeblieben wäre.

Er spürte, wie seine Hand den Griff des Schwertes fester umfasste, der Drang zurück auf den Pfad zu springen war ungebrochen. Royce zwang sich, seine Hand locker zu lassen und erinnerte sich an die tödlichen Fallen auf der Roten Insel. Diejenigen Jungen, die gedankenlos losgerannt waren, hatten ihr Leben verloren, noch bevor Royce hatte versuchen können, sie in Sicherheit zu bringen. Das hier fühlte sich genauso an. Er hatte keine Angst, doch gleichzeitig konnte er spüren, dass dieser Mann alles andere als harmlos war.

Das Klügste, was er jetzt tun konnte, war, weiter still im Dickicht sitzen zu bleiben und die Luft anzuhalten.

Doch da blieb der Mann stehen und legte den Kopf schief, als hätte er etwas gehört. Royce sah, wie der Fremde sich hinkniete und die Stirn runzelte nachdem er mehrere Gegenstände aus seiner Tasche gezogen und sie auf den Boden geworfen hatte.

„Du hast Glück gehabt“, sagte der Fremde ohne dabei aufzusehen. „Ich töte nur jene, die das Schicksal mir aufträgt, zu töten, und die Runen sagen mir, dass die Zeit für unseren Kampf jetzt noch nicht gekommen ist, Fremder.“

Royce schwieg weiterhin während der Fremde seine Steine wieder einsammelte.

„Es gibt einen Jungen, der sterben muss, weil das Schicksal es verfügt hat“, sagte der Mann. „Dennoch sollst du meinen Namen erfahren und wissen, dass uns das Schicksal letzten Endes alle holt. Ich bin Dust, ein Angarthim von den Todesorten. Du solltest jetzt gehen. Die Runen sagen, dass viel Tod deinen Weg begleiten wird. Oh, und lauf nicht auf diesem Wege zum Dorf“, fügte er wie einen nachträglichen Gedanken hinzu. „Ein großer Trupp Soldaten war gerade auf dem Weg dorthin als ich aufbrach.“

Er stand auf, klopfte sich ab und ließ Royce, der noch immer in seinem Versteck hockte, zurück. Royce atmete schwer, auch wenn er nichts weiter getan hatte, als sich zu verstecken. Diese Fremde hatte etwas an sich, das ihm über die Haut zu kriechen schien, etwas stimmte mit ihm nicht, doch war Royce nicht im Stande zu sagen, was genau.

Wenn er mehr Zeit gehabt hätte, hätte Royce wohl noch länger dort gehockt, um sicherzugehen, dass von dem Mann keine weitere Gefahr ausging. Doch in dieser Situation hatten die Worte des Fremden mehr Gewicht. Wenn Soldaten auf dem Weg zu seinem Dorf waren, dann konnte das nur eines bedeuten…

Er rannte wieder los, schneller als je zuvor. Zu seiner Rechten tauchte nun die Hütte des Köhlers auf. Rauch stieg hinter der Hütte auf, sodass davon auszugehen war, dass er bei der Arbeit war. Ein Pferd, das so aussah als wäre es gewohnt, einen Karren zu ziehen und nicht geritten zu werden, stand an einem kleinen Pfahl angebunden vor dem Haus. Im Haus war es still, und an jedem anderen Tag hätte Royce sich vielleicht darüber gewundert oder hätte nach dem Köhler gerufen, um ihn zu überzeugen, ihm sein Pferd zu leihen.

Doch heute hatte er dafür keine Zeit. Er durchschnitt den Strick, sprang auf und gab dem Pferd die Sporen. Es kam ihm beinahe wie ein Wunder vor, dass das Tier wusste, was von ihm erwartet wurde. Es galoppierte los während Royce sich an seinen Hals klammerte und hoffte, dass es noch nicht zu spät sei.


* * *

Die Sonne war schon fast untergegangen als Royce den Waldesrand erreichte. Die Abendröte des Himmels schien wie mit einer blutigen Hand nach der Welt greifen zu wollen. Einen Moment lang blendete das Rot der untergehenden Sonne Royce so sehr, dass es so aussah als würde der Boden vor ihm in Flammen stehen.

Dann erkannte er, dass das Flammenrot kein Streich der Sonne war. Sein Dorf brannte.

Teile des Dorfes brannten lichterloh, Strohdächer wurden von den Flammen verschlungen, sodass der gesamte Horizont zu brennen schien. Der Rest des Dorfes war bereits ausgebrannt und qualmte. Die verkohlten Holzbalken sahen aus als wären sie die traurigen Skelette verlorener Gebäude. Eines begann vor Royces Augen zu wanken, zu ächzen und schließlich geräuschvoll in sich zusammen zu fallen.

„Nein“, murmelte er. Er stieg ab und führte das gestohlene Pferd weiter durch das Dorf. „Nein, ich darf nicht zu spät gekommen sein.“

Doch das war er. Die Feuer dort mussten schon eine ganze Weile brennen, denn nur die größten Gebäude, wo die Flammen am längsten wütend konnten, hatten sie jetzt noch in ihrem Griff. Der Rest des Dorfes lag in Schutt und Asche, sodass klar war, dass der Zeitpunkt, an dem Royce noch etwas gegen die Flammen hätte ausrichten können, viel zu weit in der Vergangenheit lag als dass er bereits hätte hier sein können. Der Mann im Wald hatte gesagt, dass die Soldaten gekommen waren als er sich gerade auf den Weg gemacht hat, doch hatte Royce nicht bedacht, wie große die Entfernung war, die der Mann bereits zurückgelegt haben musste und wie viel Zeit seit seinem Aufbruch aus dem Dorf vergangen war.

Schließlich konnte er das Unausweichliche nicht länger vermeiden und blickte auf den Boden zu den Leichen. Dort lagen so viele von ihnen: Männer und Frauen, jung und alt, getötet ohne Gnade und ohne Rücksicht auf ihr Geschlecht. Einige Körper lagen in den Ruinen und waren genauso schwarz, wie das Holz, das sie umgab; andere lagen mit klaffenden Wunden, die davon zeugten, wie sie gestorben waren, in den Straßen. Royce sah, wie einige von ihnen von vorne angegriffen worden waren als sie zu kämpfen versucht hatten, andere hatte man von hinter erschlagen als sie davonlaufen wollten. Er sah, wie mehrere ermordete junge Frauen auf der einen Seite lagen. Hatten sie bis zu dem Moment, in dem jemand ihnen die Hälse durchgeschnitten hatte, geglaubt, dass dies nur ein weiterer Raubzug des Adels war, der sich holte, was immer er wollte?

Schmerz ergriff Royce, und Wut, und hundert andere Gefühle, die sich wie ein Knoten in ihm zusammenballten und sein Herz drohten, entzwei zu reißen. Er taumelte durch das Dorf, von Leiche zu Leiche, und konnte nicht fassen, dass, Menschen, wenn sie auch die Männer des Herzogs waren, zu so etwas im Stande waren.

Doch das waren sie gewesen, und es gab keine Möglichkeit, es ungeschehen zu machen.

„Mutter!“ rief Royce. „Vater!“

Er wagte es trotz des Schreckens, der ihn umgab, zu hoffen. Ein paar der Dorfeinwohner mussten es doch geschafft haben, sich in Sicherheit zu bringen. Plündernde Soldaten nahmen es für gewöhnlich nicht so genau, und so konnten einige Menschen stets entkommen, war es nicht so?

Royce erblickte einen weiteren Berg aus Leichen auf dem Boden. Diese sahen anders aus, denn keiner der Körper wies irgendwelche Schwertwunden auf. Sie sahen so aus als wären sie einfach… gestorben, mit bloßen Händen erwürgt vielleicht, doch schon auf der Roten Insel hatte er gelernt, welch schwieriges Unterfangen das war. Royce war das gerade egal, denn auch wenn er diese Menschen gekannt hatte, waren sie nicht die, die er versuchte, zu finden. Sie waren nicht seine Eltern.

„Mutter!“ rief Royce abermals. „Vater!“

Er wusste, dass Soldaten ihn so vielleicht hören konnten, wenn sie noch hier waren, doch das war ihm egal. Ein Teil von ihm hätte es sogar gutgeheißen, wenn sie noch hier gewesen wären, denn so hätte er die Gelegenheit bekommen, sie zu töten und Rache zu nehmen.

„Seid ihr da?“ rief Royce, und eine Gestalt, ganz ausgemergelt und von Asche bedeckt, stolperte aus einem der Gebäude. Royces Herzschlag setzte für den Bruchteil einer Sekunde aus, denn er dachte, dass seine Mutter ihn vielleicht gehört hatte, doch dann verstand er, dass es nicht sie war. Er erkannte in der Gestalt die Alte Lori wieder, die die Kinder immer mit ihren Schauermärchen erschreckt hatte und die manchmal behauptet hatte, seherische Fähigkeiten zu besitzen.

„Deine Eltern sind tot, Junge“, sagte sie, und in diesem Moment schien die Welt für Royce zusammenzubrechen. Die Zeit schien stillzustehen, gefangen in dem Moment zwischen zwei Herzschlägen.

„Das darf nicht wahr sein“, sagte Royce und schüttelte ungläubig den Kopf, denn er wollte nicht glauben, dass dies die Wahrheit war. „Das darf nicht sein.“

„Sie sind tot.“ Lori ließ sich vor den Überresten einer kleinen Mauer nieder. „So tot wie auch ich es bald sein werde.“

Als sie das ausgesprochen hatte, sah Royce das Blut auf ihrem grobgewebten Kleid, das Loch in ihrer Seite, im das ein Schwert gefahren war.

„Lass mich dir helfen“, sagte er, und trotz des frischen Schmerzes, der in ihm aufstieg nach dem, was sie ihm über seine Eltern gesagt hatte, lief er auf sie zu. Sich auf sie zu konzentrieren, erschien ihm der einzige Weg, den Schmerz in diesem Moment nicht zu spüren.

„Fass mich bloß nicht an!“ sagte sie und deutete mit dem Finger auf ihn. „Glaubst du, dass ich die Dunkelheit, die sich wie ein Umhang um dich legt, nicht sehen kann? Glaubst du, ich sehe nicht, wie Tod und Zerstörung alles heimsuchen, was du berührst?“

„Aber du stirbst“, sagte Royce in einem Versuch, sie doch noch zu überzeugen.

Die Alte Lori zuckte die Schultern. „Alles stirbt… nun, fast alles“, sagte sie. „Auch du wirst irgendwann sterben, auch wenn du davor die Welt auf den Kopf stellen wirst. Wie viele Menschen werden noch für deine Träume sterben müssen?“

„Ich will nicht, dass irgendjemand stirbt“, sagte Royce.

„Und doch werden sie es“, erwiderte die alte Frau. „Deine Eltern sind gestorben.“

Frische Wut ergriff von Royce Besitz. „Die Soldaten. Ich werde – “

„Nicht die Soldaten, nicht im Fall deiner Eltern. Es scheint, als würde nicht nur ich die Gefahr sehen, die dir folgt, Junge. Ein Mann ist hierher gekommen, und ich habe den Tod an ihm so stark gespürt, dass ich mich vor ihm versteckt habe. Er tötete mühelos einige starke Männer, und als er in dein Haus ging…“

Royce konnte sich den Rest denken. Er verstand in diesem Moment etwas anderes, und die ganze furchtbare Wahrheit traf ihn wie ein Schlag.

„Ich habe ihn gesehen. Ich habe ihn auf dem Weg gesehen“, sagte Royce. Seine Hand umklammerte sein Schwert. „Ich hätte es mit ihm aufnehmen sollen. Ich hätte ihn an Ort und Stelle töten sollen.“

„Ich habe gesehen, was er getan hat“, sagte die Alte Lori. „Er hätte dich so sicher umgebracht, wie du uns just durch deine Geburt umgebracht hast. Ich werde dir einen Rat geben, Junge. Lauf. Lauf dorthin, wo niemand ist. Zeig niemandem jemals wieder dein Gesicht. Versteck dich wie ich mich einst versteckte bevor ich zu dem wurde, was ich heute bin.“

„Nach all dem?“ fragte Royce, und die Wut ergriff ihn abermals. Er spürte jetzt, wie heiße Tränen ihm über die Wangen liefen, und er wusste nicht, ob sie dem Kummer oder der Wut oder etwas anderem galten. „Du denkst, dass ich nach all dem hier weglaufe?“

Die alte Frau schloss ihre Augen und seufzte. „Nein, nein, das glaube ich nicht. Ich sehe… ich sehe, wie sich das gesamte Land bewegt, ein König sich erhebt, ein König stürzt. Ich kann Tod sehen und noch mehr Tod, nur weil du niemand anderes sein kannst als du selbst.“

„Lass mich dir helfen“, sagte Royce noch einmal. Er streckte seine Hand aus, um die Wunde in Loris Seite zusammenzudrücken. Etwas flackerte auf. Es glich dem unangenehmen Gefühl von Wolle, die man in die falsche Richtung strich. Lori keuchte.

„Was hast du getan?“ fragte sie. „Geh, Junge. Geh! Überlass eine alte Frau ihrem Tod. Ich bin zu müde. Jeder Schritt deines Weges wird noch voll von Toten sein.“

Dann schwieg sie und für einen Moment dachte Royce, dass sie sich vielleicht ein wenig ausruhen wollte, doch dafür war sie zu still geworden. Das Dorf um ihn war wieder totenstill. In dieser Stille erhob sich Royce wieder. Er hatte keine Ahnung, was er jetzt tun sollte.

Dann fiel es ihm ein, und er machte sich auf den Weg zu den Überresten seines elterlichen Zuhauses.




Kapitel vier


Raymond stöhnte bei jedem Ruck des Karrens, der ihn und seine Brüder zur Stätte ihrer Hinrichtung bringen sollte. Er konnte fühlen, wie jedes Rütteln und Schütteln des Wagens die Blutergüsse, die seinen Körper bedeckten, erschütterten. Er konnte das Rasseln seiner Ketten hören, die gegen das Holz des Wagens geworfen wurden.

Er konnte seine Angst spüren, auch wenn diese irgendwo jenseits des Schmerzes zu liegen schien; der Wächter hatte ihn so sehr geschlagen, dass sich sein Körper wie ein zerbrochenes Etwas mit scharfen Kanten anfühlte. Er hatte Mühe, sich im Angesicht des Todes auf irgendetwas zu konzentrieren.

Die Angst, die er jetzt spürte, galt hauptsächlich seinen Brüdern.

„Wie lange noch, was glaubst du?“ fragte Garet. Raymonds jüngstem Bruder war es gelungen, sich in dem Karren aufzusetzen, und so konnte Raymond die Blutergüsse in seinem Gesicht sehen.

Lofen brauchte mehr Zeit, sich aufzusetzen. Er war nach der Zeit im Kerker ganz ausgemergelt. „Wie lange es auch dauern mag, es wird nicht lang genug dauern.“

„Wo glaubt ihr werden sie uns hinbringen?“ fragte Garet.

Raymond konnte verstehen, warum sein kleiner Bruder das wissen wollte. Die Vorstellung, hingerichtet zu werden, war schon schlimm genug, doch nicht zu wissen, wie das Ganze genau vonstatten ging, wo es geschehen würde oder wie, war noch viel schlimmer.

„Ich weiß es nicht“, brachte Raymond heraus. Selbst das Sprechen bereitete ihm Schmerzen. „Wir müssen tapfer sein, Garet.“

Er sah seinen Bruder nicken. Er sah entschlossen aus ungeachtet der Lage, in der die drei sich befanden. Um sie herum zog auf beiden Seiten die Landschaft mitsamt ihren Höfen und Feldern an ihnen vorbei. In der Ferne stand der Wald. Sie kamen auch an einigen Hügeln und Häuschen vorbei, die Stadt schien jetzt in weiter Ferne zu sein. Ihr Karren wurde von einem Wächter gefahren während ein zweiter mit Armbrust bei Fuß neben diesem saß. Zwei weitere ritten neben ihrem Karren. Sie blickten sich um, als würden sie jeden Moment mit Ärger rechnen.

„Klappe halten da hinten!“ schrie derjenige mit der Armbrust ihnen zu.

„Was habt ihr mit uns vor?“ fragte Lofen. „Mehr als nur hinrichten?“

„Eure Großmäuler haben euch wahrscheinlich diese Spezialbehandlung eingebracht“, sagte der Wächter. „Die meisten Kerkerinsassen erledigen wir gleich an Ort und Stelle, so wie der Herzog das will, kein Problem. Ihr seid allerdings gerade auf dem Weg dorthin, wo man diejenigen hinbringt, die ihn wirklich verärgert haben.“

„Und wo soll das sein?“ fragte Raymond.

Der Wächter grinste widerlich als er antwortete. „Hört ihr das, Jungs?“ sagte er. „Sie wollen wissen, wo sie hinfahren.“

„Das werden sie noch früh genug erfahren“, sagte der Fahrer und ließ die Zügel schnalzen, um das Pferd ein wenig schneller voranzutreiben. „Ich wüsste nicht, warum wir Kriminellen irgendetwas sagen sollten, außer dass sie all das kriegen, was sie verdient haben.“

„Verdienen?“ fragte Garet vom hinteren Teil des Karrens. „Wir verdienen das hier sicherlich nicht. Wir haben nichts Falsches getan!“

Raymond hörte seinen Bruder aufschreien, als die Peitsche eines der Reiter neben ihnen seine Schultern traf.

„Denkst du irgendjemand will hören, was du zu sagen hast?“ knurrte der Mann. „Stell dir vor, jeder den wir auf diesen Weg geschickt haben, hat versucht, seine Unschuld zu beteuern. Der Herzog hat euch zu Verrätern erklärt, also werdet ihr den Tod eines Verräter sterben!“

Raymond wollte nachsehen, ob es seinem Bruder gut ging, doch die Ketten ließen das nicht zu. Er dachte darüber nach, ob er einfach weiter darauf bestehen sollte, dass sie nichts weiter getan hatten als sich gegen ein Regime zu stellen, das versuchte, ihnen alles zu nehmen. Doch genau das war der Punkt. Der Herzog und sein Adel taten, was immer ihnen beliebte; das hatten sie immer schon. Natürlich konnte der Herzog sie hinrichten lassen, denn genau so liefen die Dinge hier.

Bei diesem Gedanken zerrte Raymond an seinen Ketten als wäre es möglich, sich mit bloßer Kraft von ihnen loszureißen. Das Metall hielt seinen Versuchen mühelos stand und nahm ihm das letzte bisschen Kraft, das ihm noch geblieben war. Schließlich brach er auf dem Holzkarren zusammen.

„Schaut euch den an. Er versucht, sich zu befreien“, sagte der Mann mit Armbrust lachend.

Raymond sah, wie der Fahrer die Schultern zuckte. „Besser sie wehren sich jetzt als nachher, wenn die Zeit gekommen ist.“

Raymond wollte fragen, was der Mann damit meinte, doch er wusste, dass er keine Antwort kriegen würde höchstens ein paar Schläge so wie sein Bruder. Ihm blieb nichts anderes übrig als still dazusitzen, während der Wagen seine wacklige Fahrt über die schlammige Straße fortsetzte. Das, so vermutete er, war bereits Teil der Folter: das Nicht-Wissen und das Bewusstsein für die eigene Hilflosigkeit sowie die vollständige Unfähigkeit, irgendetwas zu unternehmen oder herauszufinden, wohin sie fuhren oder gar den Karren von seinem Kurs abzubringen.

Er fuhr durch die Felder, an Bäumen und stillen Dörfern vorbei. Der Weg schien jetzt anzusteigen. Sie fuhren hinauf in Richtung eines Forts, das auf einem Hügel thronte und das beinahe so alt wie das Königreich selbst sein musste. Seine Ruinen ragten wie das Testament eines längst vergangenen Königreichs in den Himmel.

„Wir sind gleich da, Jungs“, sagte der Karrenfahrer mit einem Grinsen, das verriet, wie sehr er das gerade genoss. „Seid ihr bereit, zu sehen, was sich Herzog Altfor für euch ausgedacht hat?“

„Herzog Altfor?“ fragte Raymond ungläubig.

„Euer Bruder hat den alten Herzog getötet“, sagte der Mann mit Armbrust. „Hat dem Herzog im Graben einen Speer ins Herz gejagt und ist dann wie der Feigling, der er nun einmal ist, davongerannt. Jetzt werdet ihr für seine Tat büßen.“

Nachdem er das gesagt hatte begannen Raymonds Gefühle und Gedanken zu rasen. Wenn Royce das wirklich getan hatte, dann hatte ihr Bruder etwas Großes für die Freiheit aller erreicht, und er war ihnen entkommen; beide Tatsachen waren ein Grund zum Feiern. Gleichzeitig konnte Raymond sich leibhaftig vorstellen, was der Sohn des ehemaligen Herzogs tun würde, um Rache zu nehmen, und da Royce ihnen entwischt war, waren sie das nächste logische Ziel.

Er verfluchte Genoveva dafür. Wenn sein Bruder sie nie kennengelernt hätte, dann wäre nichts von alldem geschehen, und schließlich war Royce ihr offenbar ja vollkommen egal, oder?

„Aha“, sagte der Mann mit Armbrust. „Ich glaube, sie fangen an, es zu verstehen.“

Die Pferde, die den Karren zogen, trabten weiter. Sie bewegten sich mit der Gleichmütigkeit von Tieren, die eins mit ihrer Aufgabe geworden waren und die wussten, dass sie zumindest dorthin zurückkehren würden, wo sie hergekommen waren.

Sie fuhren den Hügel hinauf, und Raymond konnte spüren, wie die Anspannung unter seinen Brüdern zunahm. Garet wippte vor und zurück als würde er so einen Weg finden, sich von seinen Ketten zu befreien und vom Wagen zu springen. Sollte ihm das gelingen, so hoffte Raymond, dass er seine Chance nutzen und davonlaufen würde ohne sich noch einmal umzublicken, auch wenn die Wachen ihn wahrscheinlich niedermetzeln würden noch bevor er die ersten zehn Schritte getan hatte. Lofen ballte seine Hände zusammen und ließ sie dann wieder locker. Er flüsterte etwas, das wie ein Gebet klang. Raymond bezweifelte, dass das irgendetwas ausrichten würde.

Schließlich erreichten sie den Kamm des kleinen Berges, und Raymond erblickte nun das, was sie dort erwartete. Es war genug, als dass er in dem Wagen zurückwich und wie angewurzelt sitzen blieb.

Auf dem Kamm des Berges hatte man zahllose Käfige aufgehängt, die im Schatten der Turmruine an Ketten baumelnd im Wind quietschten. Körper befanden sich in ihnen. Von einigen war kaum mehr als das Skelett übrig, andere waren unversehrt genug, dass Raymond die schrecklichen Wunden und Bisse erkennen konnte, die ihre Körper überzogen und die Verbrennungen und Stellen, an denen die Haut wohl mit langen Messern weggeschnitten worden war. Zeichen waren in das Fleisch geschnitten worden, und Raymond erkannte unter ihnen eine Frau wieder, die man zuvor aus ihrem Kerker gezerrt hatte und der man Kreise und Runen in die Haut geritzt hatte.

„Picti“, flüsterte Lofen entsetzt, doch konnte Raymond sehen, dass das längst nicht das schlimmste war. Die Menschen in den Käfigen wiesen Wunden auf, die darauf hindeuteten, dass sie gefoltert und ermordet worden waren und dass sie dem Zorn irgendwelcher Völker, die vielleicht zufällig hier vorbeigekommen waren, ausgesetzt worden waren. Doch das, was auf dem Stein in der Mitte der Bergkuppe lag war schlimmer, weitaus schlimmer.

Der Stein selbst war eine Platte, die sowohl die Symbole eines fremden Volkes enthielt als auch Zeichen, die man magisch genannt hätte, wenn derlei Dinge in ihrer Zeit noch irgendeine Rolle gespielt hätten. Die Überreste eines Mannes lagen angekettet auf der Platte, und das schlimmste, das schlimmste daran war die Tatsache, dass er stöhnte als litt er Todesqualen, auch wenn er kein Recht dazu hatte. Sein Körper war mit Schnitten und Brandmalen, Bisswunden und tiefen Kratzern übersät, und doch war er noch am Leben.

„Sie nennen es Lebensstein“, sagte der Fahrer mit einem Grinsen, das besagte, dass er genau wusste, wie Raymond jetzt zumute sein musste. „Man sagt, dass früher Heiler sie benutzt haben, um Menschen am Leben zu halten während sie sie nähten oder operierten. Wir haben einen besseren Nutzen für den hier gefunden.“

„Besser?“ fragte Raymond. „Das ist…“ Er hatte nicht einmal Worte für das, was er da vor sich sah. Böse würde es nicht ausreichend beschreiben. Das hier war kein Verbrechen gegen die menschlichen Gesetze, sondern etwas, das im Gegensatz zu dem stand, was es schon immer in der Natur gegeben hatte. Es war falsch, weil es gegen alles war, das Leben, Verstand und Ordnung bedeutete.

„Das blüht Verrätern, außer sie haben Glück und sterben sofort“, sagte der Fahrer. Er nickte den beiden Wachen zu, die ihren Karren flankiert hatten. „Macht den Käfig dort leer. Was immer er getan hat, jetzt ist er nicht mehr sein Käfig. Lasst seinen Körper für die Tiere auf dem Boden liegen.“

Die zwei Wächter machten sich murrend an die Arbeit. Raymond hätte in diesem Moment davonrennen können, wenn er dazu in der Lage gewesen wäre. Doch seine Ketten waren zu stark. Er konnte sich kaum über den Rand des Karrens beugen geschweige denn sich darüber hinweg ziehen. Die Wachen schienen das zu wissen. Sie bewegten sich lässig von Käfig zu Käfig und zogen die Leichen von Männern und Frauen aus ihnen hinaus, um sie auf den Boden fallen zu lassen. Einige zerbarsten sobald sie auf den Boden trafen. Einzelne Körperteile verteilten sich so über den Boden des Berges, bereit, von was auch immer da kommen mochte, verschlungen zu werden.

Als sie die Leiche der Frau, mit der sie im Kerker gesessen hatten, davonschleppten, streifte diese die Steinplatte in der Mitte der Bergkuppe. Beim Kontakt mit der Platte riss die Frau ihre Augen weit auf und stieß einen Schrei aus, der so markerschütternd und voll von Schmerzen war, dass Raymond nur vermuten konnte, welche Höllenqualen sie erlitten haben musste. Er war sich sicher, dass dieser Schrei ihn bis zum Ende seines Lebens verfolgen würde.

„Sie muss noch gelebt haben“, sagte derjenige mit der Armbrust während die anderen sie von der Steinplatte zogen. Sie verstummte augenblicklich als der Körper die Platte nicht mehr berührte, und, nur um ganz sicher zu sein, feuerte der Armbrustmann einen Pfeil in ihre Brust bevor sie sie zur Seite schafften.

Sie zerrten den Mann von der Steinplatte, und für Raymond war das schlimmste daran, dass der Mann ihnen dankte als sie das taten. Er danke ihnen, dass sie ihn sterben ließen. Raymond sah, wie aus dem kämpfenden und schreienden Mann ein lebloser Fleischklumpen wurde sobald der Körper des Mannes keinen Kontakt mehr mit der Platte hatte. Sein Körper war so leblos, dass es ihm beinahe überflüssig erschien, dass die Wachen ihm den Hals durchschnitten, nur um sicher zu sein, dass er wirklich tot war.

Auf dem Berg war es jetzt ganz still geworden, nur der Ruf der Aasvögel und das Rascheln größerer Raubtiere weiter draußen waren zu hören. Vielleicht gab es dort draußen auch menschliche Jäger, die sie beobachteten, denn Raymond hatte gehört, dass zivilisierte Menschen die Picti in ihrer natürlichen Umgebung nicht sehen konnten, wenn diese nicht gesehen werden wollten. Das Nicht-Wissen machte es jedoch fast noch schlimmer.

„Der Herzog sagt, dass ihr sterben sollt“, sagte der Fahrer, „doch hat er nicht gesagt, wie ihr sterben sollt. Mit Verrätern spielen wir immer ein kleines Spiel. Ihr wandert in die Käfige, und vielleicht überlebt ihr sie, vielleicht aber auch nicht. In ein oder zwei Tagen kommen wir dann zurück und wählen einen von euch für den Stein aus.“

Er blickte geradewegs zu Raymond. „Vielleicht wählen wir sich aus. Dann kannst du deinen Brüdern beim Sterben zusehen während ein paar Tiere an dir knabbern oder die Picti etwas in dein Fleisch ritzen. Sie hassen das Volk des Königreichs. Sie können die Stadt nicht angreifen, aber du… du wärest Freiwild.“

Er lachte daraufhin. Die Wachen lösten Raymonds Ketten von der Halterung in dem Wagen und zerrten ihn gewaltsam hinunter. Sie liefen kurz in Richtung der Steinplatte, und Raymond wollte sie schon anflehen, ihn nicht dorthin zu schaffen, weil er dachte, dass sie es sich anders überlegt hatten und ihn gleich dorthin bringen wollten. Doch dann führten sie ihn zu einem der in der Luft baumelnden Käfige und warfen ihn hinein. Sie schlossen die Tür hinter ihm mit einem Schloss ab, für das man Hammer und Meißel geraucht hätte, um es zu brechen.

In dem Käfig war es eng, sodass Raymond kaum richtig sitzen geschweige denn liegen konnte. Der Käfig quietschte und schwang mit jeder Bewegung des Windes so laut, dass allein das schon einer Folterstrafe gleichkam. Unfähig irgendetwas dagegen zu unternehmen, blieb Raymond nichts anderes übrig, als dort hocken zu bleiben und dabei zuzusehen, wie die Männer seine Brüder in zwei andere Käfige sperrten.

Garet wehrte sich, weil Garet sich immer wehrte. Er erntete einen Schlag in den Magen bevor sie ihn hochhoben und ihn in einen der Käfige stopften als wäre er ein Schaf, das sich weigerte, von seinem Bauern in sein Gehege gesperrt zu werden. Ohne große Anstrengung warfen sie daraufhin auch Lofen in einen der Käfige. Umgeben vom Gestank des Todes, den die anderen auf dem Berg zurückgelassenen Leichen verströmten, hingen sie so nun in ihren Käfigen.

„Wie konntet ihr drei nur jemals glauben, dass ihr es mit dem Herzog aufnehmen könntet?“ fragte der Fahrer. „Herzog Altfor hat gesagt, dass ihr für die Tat eures Bruders bezahlen werdet, und das werdet ihr. Ihr bleibt hier und könnt jetzt darüber nachdenken, und leiden. Wir kommen zurück.“

Ohne ein weiteres Wort drehte der Karren um und fuhr von dannen. Raymond und seine Brüder blieben in ihren in der Luft hängenden Käfigen zurück.

„Wenn ich nur…“ sagte Garet und versuchte, das Schloss an seinem Käfig zu erreichen.

„Du hast doch keine Ahnung, wie man so ein Schloss knackt“, sagte Lofen.

„Ich kann es zumindest probieren, oder?“ schoss Garet zurück. „Irgendetwas müssen wir doch tun. Wir müssen – “

„Wir können nichts tun“, sagte Lofen. „Vielleicht schaffen wir es, die Wachen zu töten, wenn sie zurückkommen, aber die Schlösser aufzubrechen, das können wir vergessen.“

Raymond schüttelte den Kopf. „Es reicht“, sagte er. „Jetzt ist nicht die Zeit zu streiten. Wir können nirgends hin, wir können nichts machen, also lasst uns wenigstens nicht streiten.“

Er wusste, was solche Orte bedeuteten, und das es eigentlich keine Chance gab, zu entkommen.

„Nicht mehr lange“, sagte er, „und es werden Tiere hierher kommen, oder schlimmeres. Vielleicht werde ich dann nicht mehr mit euch sprechen können. Vielleicht werde ich… vielleicht werde ich dann tot sein.“

„Nein“, sagte Garet und schüttelte den Kopf. „Nein, nein, nein.“

„Doch“, sagte Raymond. „Darauf haben wir keinen Einfluss, aber wir können unserem Tod mit erhobenem Haupt entgegensehen. Wir können ihnen zeigen, wie aufrichtige Menschen sterben. Wir können uns weigern, ihnen die Angst zu geben, die sie in uns sehen wollen.“

Er sah, wie Garet erbleichte und dann nickte.

„In Ordnung“, sagte sein Bruder. „Das kann ich tun.“

„Ich weiß, dass du das kannst“, sagte Raymond. „Ihr könnt alles schaffen, beide von euch. Ich will damit sagen…“ Wie konnte er all das nur in Worte fassen? „Ich liebe euch beide, und ich bin so dankbar, euer Bruder zu sein. Falls ich sterben muss, dann bin ich froh, es zumindest mit den besten Menschen in dieser Welt zu tun.“

„Falls“, sagte Lofen. „Noch ist es nicht so weit.“

„Falls“, stimmte Raymond zu, „doch sollte es so weit kommen, dann will ich, dass ihr das wisst.“

„Ja“, sagte Lofen. „So geht es mir auch.“

„Mir auch“, sagte Garet.

Raymond saß in seinem Käfig und versuchte, tapfer dreinzuschauen, für seine Bruder und all jene, die ihnen zusahen, denn, da war er sich sicher, es musste etwas oder jemanden geben, der sie von den Ruinen des Turms aus beobachtete. Er versuchte, nicht an die Wahrheit zu denken: Es gab kein „falls“ hier. Raymond konnte schon jetzt sehen, wie die ersten Aasgeier sich in den Bäumen sammelten. Sie würden sterben. Es war nur die Frage, wie lange es dauern würde und wie schrecklich dazu.




Kapitel fünf


Royce kniete in der Asche des Hauses seiner Eltern. Verkohlte Holzteilchen bröckelten aus dem übriggebliebenen Gerippe wie die Tränen, die sich in reinigenden Bahnen ihren Weg über Royces Wangen und Hals wuschen. Sie bildeten kleine Rinnsale, die sich durch die Asche und den Dreck, die sein Gesicht nun bedeckten, gruben und Streifen hinterließen, die ihn seltsam aussehen ließen. Doch all das war Royce egal.

Alles was jetzt zählte war, dass seine Eltern tot waren.

Kummer erfüllte Royce als er hinab zu den Leichen seiner Eltern blickte. Sie lagen ungewöhnlich friedlich da trotz der Flammen, die hier gewütet haben mussten. Er wollte die Welt entzweien so wie er die zunehmend aschigen Strähnen seines Haares mit den Fingern entzweite. Er wollte einen Weg der Wiedergutmachung finden, doch nichts konnte wiedergutgemacht werden, und so schrie Royce seine Wut und seinen Kummer dem Himmel entgegen.

Er hatte den Mann gesehen, der ihm all das angetan hatte. Royce hatte ihn nach seiner Tat auf der Straße gesehen, so ruhig als wäre nichts geschehen. Der Mann hatte ihn sogar unbewusst vor den Soldaten, die auf dem Weg in sein Dorf gewesen waren, gewarnt. Welcher Mörder tat so etwas? Welcher Mörder tötete und postierte seine Opfer dann so als machte er sie für ein ehrenhaftes Begräbnis bereit?

Doch das hier war kein Grab, und so lief Royce zur Rückseite des Hofes und fand Dechsel und Schippe. Er begann zu graben, denn er wollte das Fleisch seiner Eltern nicht den nächsten Raubvögeln überlassen. Der Boden war teilweise sehr dicht und verbrannt, sodass seine Muskeln von der Arbeit zu schmerzen begannen. Doch hatte Royce das Gefühl, dass er diesen Schmerz und diese Qual verdiente. Die Alte Lori hatte Recht gehabt… all das war nur seinetwegen geschehen.

Er grub das Grab so tief er konnte und legte dann die Körper seiner Eltern hinein. Dann stand er am Rand der Grube und suchte nach den richtigen Worten. Doch ihm fiel nichts ein, das seinen Eltern auf dem Weg in den Himmel geholfen hätte. Er war kein Priester und wusste nichts von dem, was den Göttern gefiel. Er war auch kein wandernder Geschichtenerzähler, der immer die richtigen Worte fand ob nun bei einem wilden Fest oder im Fall des Todes.

„Ich liebe euch beide so sehr“, sagte er anstatt. „Ich… ich wünschte, ich könnte noch etwas anderes sagen, aber alles würde letztlich darauf hinauslaufen.“

Er begrub sie so fürsorglich er konnte, doch jede Schippe Erde, die auf ihren Leichen landete, war wie ein Hammerschlag. Royce konnte über sich den Schrei eines Habichts hören, und er scheuchte ihn davon. Es kümmerte ihn nicht, ob sich Krähen und Dohlen im restlichen Dorf an den dortigen Leichen vergingen. Das hier waren seine Eltern.

Doch kaum hatte er das ausgedacht, da wusste Royce, dass es nicht genügen würde, nur sie zu begraben. Die Männer der Herzogs waren seinetwegen hierher gekommen; er konnte auch alle anderen nicht einfach den Raubvögeln überlassen. Er wusste auch, dass er keine Grube graben konnte, die tief und groß genug für alle Leichen gewesen wäre.

Ihm würde nichts anderes übrigbleiben, als ein großes Feuer zu machen, das vollenden würde, was mit den Gebäuden begonnen hatte. So fing Royce an, durch das Dorf zu laufen und Holz zu sammeln. Er holte es aus einstigen Winterlagern und zog es aus den Überresten der Häuser. Die Balken waren am schwersten, doch hatte er genügend Kraft, sie zumindest über den Boden zu ziehen. Er stellte sie so auf, dass sie einander gegenseitig stützten und so den Grundstock seines Feuers bildeten.

Es war schon vollkommen dunkel geworden, als Royce mit seiner Arbeit fertig war. Doch in einem Dorf voller Toter zu schlafen, war für ihn unvorstellbar. So suchte er vor den Häusern nach einer Laterne und fand schließlich, was er suchte. Die Hitze hatte sie nur ein wenig verbogen. Er zündete sie an, und im Schein der Laterne fing er an, die Toten zusammenzutragen.

Er ließ keinen und keine außen vor, auch wenn es ihm das Herz brach. Jung und alt, Frauen und Männer, alle trug er sie zusammen. Er schleppte die schwersten und trug die leichtesten unter ihnen herbei und legte sie an ihren Platz in der Feuerstätte, denn er hoffte, dass sie zumindest so gemeinsam in das Jenseits eintreten konnten, wie auch immer diese Welt aussehen mochte.

Er war beinahe bereit, das Feuer mit seiner Laterne zu entzünden als er sich an die Alte Lori erinnerte; er hatte sie bei seiner düsteren Arbeit übersehen, auch wenn er an der Mauer, an der sie zuletzt gelehnt hatte, mehr als ein dutzend Mal vorbeigekommen war. Vielleicht war sie doch noch nicht gestorben. Vielleicht war sie davongekrochen, um so zu sterben, wie sie es wollte oder Royce hatte sie schlichtweg nicht gesehen. Es erschien ihm falsch, sie von den anderen zu trennen, also machte er sich auf den Weg, ihre Überreste zu finden. Er kehrte zu der Stelle zurück, wo sie gelegen hatte und suchte im Lampenlicht den umliegenden Boden ab.

„Suchst du irgendjemanden?“ fragte eine Stimme und Royce wirbelte herum. Seine Hand schnellte zu seinem Schwert bevor er eine Sekunde später die Stimme wiedererkannte.

Es war Loris Stimme, und dann auch wieder nicht. Die Stimme war weniger brüchig und dünn als zuvor, weniger alt und ausgelaugt. Als sie in den Schein seiner Laterne trat bestätigte sich Royces Vermutung und noch viel mehr. Als er sie das letzte Mal gesehen hatte, war sie eine alte, ausgebrannte Frau gewesen. Die Frau, die jetzt vor ihm stand, wirkte beinahe schon jung. Ihr Haar war voll, ihre Augen stechend und ihre Haut weich.

„Was bist du?“ fragte Royce, und seine Hände griffen wieder nach seinem Schwert.

„Ich bin, was ich schon immer gewesen bin“, sagte Lori. „Jemand, der beobachtet und lernt.“ Royce sah, wie sie an sich hinabblickte. „Ich habe dir doch gesagt, mich nicht zu berühren, Junge, mich einfach in Frieden sterben zu lassen. Hättest du nicht einfach auf mich hören können? Warum nur können alle Männer in deiner Familie nicht zuhören?“

„Du glaubst, ich hätte das getan?“ fragte Royce. Dachte diese Frau – in der er immer noch Mühe hatte, Lori zu erkennen —, dass er eine Art Zauberer war?

„Nein, du dummer Junge“, sagte Lori. „Ich habe das getan, in einem Körper, der mich nicht sterben lassen wollte. Die Berührung von dir, der du das Blut in dir trägst, genügte, um die Verwandlung in Gang zu bringen. Ich hätte wissen sollen, dass so etwas geschehen würde nachdem du als Baby vom Fluss angespült wurdest und in dieses Dorf kamst. Ich hätte diesen Ort verlassen sollen anstatt dir dabei zuzusehen, wie du aufwächst.“

„Du erinnerst dich daran, wie ich hier im Dorf angekommen bin?“ fragte Royce. „Weißt du, wer mein Vater ist?“

Er dachte an den Ritter in der weißen Rüstung aus seinen Träumen und an seinen Lehrer von der Roten Insel, der ihm erzählt hatte, dass der Mann, der Royce gezeugt hatte, ihm das Leben gerettet hat. Royce wusste nichts von ihm, nur dass das in seine Hand gebrannte Symbol das seines Vaters sein musste.

„Ich weiß genug“, sagte Lori. „Dein Vater war ein großer Mann, in dem Sinne wie Männer sich eben selbst „groß“ nennen. Er hat viel gekämpft, er hat oft gesiegt. Vermutlich könnte man auch sagen, dass er in anderen Bereichen Größe besaß: er versuchte, den Menschen zu helfen, wo er nur konnte, und er stellte sicher, dass die ihm Anvertrauten, in Sicherheit waren. Dein Feuer hier… das hätte er wahrscheinlich auch so gemacht, tapfer und rechtschaffend und so überaus töricht.“

„Es ist doch nicht töricht, die eigenen Freunde vor den Krähen schützen zu wollen“, wandte Royce ein und warf Lori einen entschlossenen Blick zu.

„Freunde?“ Sie dachte einen oder zwei Momente lang nach. „Ich nehme an, dass nach all den Jahren ein paar von ihnen Freunde gewesen sind. Allerdings ist es schwer für mich, Freundschaften zu schließen, denn ich weiß, wie schnell der Tod sie holen kann. Auch dich wird er holen, wenn du dieses Leuchtfeuer anzündest, denn so wird jeder von hier bis zur Küste sehen können, dass die Männer des Herzogs ihr Werk nicht vollendet haben.“

Das hatte Royce nicht bedacht. Er hatte nur an das gedacht, was für die Menschen aus seinem Dorf das Beste war oder was er ihnen schuldete nachdem er ihnen all das hier eingebrockt hatte.

„Das ist mir egal“, sagte er. „Lass sie nur kommen.“

„Ja, ganz der Sohn des Vaters“, sagte Lori.

„Du weißt, wer mein Vater war?“ fragte Royce. „Erzähl mir von ihm. Bitte, erzähl.“

Lori schüttelte den Kopf. „Du glaubst doch nicht, dass ich willentlich und überstürzt die Dinge beschleunigen will. Es wird schon so genug Tote geben. Hör zu, sieh dir einfach das Zeichen auf deinem Arm an. Wirst du also einer alten Frau einen Vorsprung geben bevor du etwas so dummes tust, wie zum Beispiel dieses Feuer anzuzünden?“

Aus dem tiefsitzenden Kummer rollte eine Welle der Wut über Royce hinweg. „Sind dir denn all diese Menschen vollkommen egal? Du haust einfach ab bevor das ist hier ganz vorbei ist?“

„Es ist vorbei“, konterte Lori. „Tot ist tot. Und wage es bloß nicht, mir vorzuwerfen, dass es mir egal wäre. Ich habe Dinge gesehen, die… verflucht worum geht es hier eigentlich?“

Sie machte eine Bewegung mit der Hand in Richtung des Feuers, das Royce gebaut hatte, und murmelte Worte in einer Sprache, die ihm vom bloßen Zuhören in den Ohren wehtaten. Rauch begann aus dem Holz zu steigen, dann wurden die ersten kleinen Flammen sichtbar.

„So, geht es dir jetzt besser?“ fragte sie. „Lange habe ich mich von diesen Dingen fernhalten können, sogar nachdem ein Mann mir sein Schwert in die Seite rammte. Ich wollte sterben, nicht dass ich in meinem Alter die Kraft besessen hätte, großartig etwas daran zu ändern. Jetzt hast du mich dazu gebracht, in fünf Minuten all das zu tun, zur Hölle mit dir!“

Royce musste zugeben, dass ihre Wut recht beeindruckend war. Etwas beinahe ursprüngliches lag in ihr. Dennoch musste er ihr noch eine Frage stellen.

„Hattest du… hättest du die Macht gehabt, einige Menschen hier zu retten, Lori?“

„Jetzt willst du mir dafür die Schuld geben?“ fragte sie. Sie nickte zu der Stelle, wo das Holz gerade Feuer fing. „In der Magie geht es nicht darum, ein Feuer zu entfachen oder Blitze vom Himmel herab zu beschwören, Royce. Mit einem entsprechend langen Ritus kann ich vielleicht ein paar Dinge tun, die dich beeindrucken würden, doch ein Funke wie dieser ist so ziemlich das Erstaunlichste, zu dem ich einfach so aus dem Stand fähig bin. Ich werde jetzt gehen, und versuch bloß nicht, mich aufzuhalten. Du wirst mir sowieso schon genug Ärger einbringen.“

Sie drehte sich um, und für einen Augenblick wollte Royce ihren Arm greifen, doch etwas hielt ihn zurück. So starrte er sie einfach nur an während das Feuer langsam das Dunkel der Nacht zu erleuchten begann. Je größer es wurde, desto genauer konnte er die Funken und Flämmchen erkennen, und schon bald war es zu etwas angewachsen, das den gesamten Himmel mit seiner Hitze zu verschlingen schien.

Royce versuchte, stillzustehen und an all die Menschen zu denken, die er dem Feuer anvertraut hatte und denen er die letzte Ehre erweisen wollte, indem er dabei zusah, wie ihre Körper in diesen letzten Momenten zu Asche zerfielen. Die Flammen brannten und brannten, stiegen in die Höhe und fielen mit dem Wind und dem Treibstoff weiter unten wieder in sich zusammen, sodass die Flammen Royce beinahe wie eine aus dem Feuer geborene Symphonie vorkamen.

Da kam etwas anderes aus dem Feuer geflogen. Seine Gestalt zeichnete sich dunkel gegen die Flammen ab und flatterte so leicht zwischen ihnen hindurch als würde sie sie gar nicht spüren. Royce erkannte in ihr die Gestalt eines großen Falken von der Art, die normalerweise in den nahegelegenen Seen nach Beute tauchten. Doch das hier war kein normaler Vogel. Dort, wo das Feuer sein Federkleid hätte schwärzen oder gar verbrennen sollen, hatte es das Rot der Flammen angenommen. Etwas allzu Intelligentes lag in dem Blick, den er Royce zuwarf als er im Schein der Glut über diesem zu kreisen begann.

Royce streckte instinktiv einen Arm aus, denn das hatte er bei anderen Besitzern von Falken gesehen. Der Vogel ließ sich schwer auf seinem Unterarm nieder, lief dann bis zu seiner Schulter hinauf und begann sich schließlich dort zu putzen. Da begann er mit Loris Stimme zu sprechen.

„Dieser Vogel ist ein Geschenk, nur die Götter wissen, warum ich das tue. Ich werde sehen, was er sieht und dir berichten, was ich dir berichten kann. Möge er zu deinen Augen werden und einiges von dem, was dir bevorsteht, zum besseren wenden.“

„Was?“ fragte Royce. „Was meinst du damit?“

Doch er bekam keine Antwort, nur den schrillen Schrei des Falken als dieser sich in die Lüfte erhob. Vor Royces Augen flackerte kurz das Bild des Feuers unter ihm auf, die tanzenden Flammen erschienen winzig von so weit oben…

Dann kam er mit einem Zucken wieder zu sich und machte seinen Arm für den Vogel bereit. Er landete so selbstverständlich auf seinem Arm als wäre nichts geschehen. Royce starrte ihn an. Das Flackern einer Flamme in seinem Auge verriet ihm, dass er hier keinen normalen Falken auf dem Arm trug.

„Ember“, sagte Royce. „Du sollst Ember heißen.“


* * *

Royce behielt Ember die ganze Nacht lang auf seinem Arm. Er ignorierte den Schmerz in seinen Beinen und den Wunsch sich zu rühren. Sie wachten über das Feuer während es brannte. Der Falke flatterte immer wieder über das Feuer und die Stichflammen, die in regelmäßigen Abständen in die Höhe schossen.

Er bewegte sich nicht, denn er hatte das Gefühl, dass er den Toten das schuldete.

Schließlich ging die Sonne über dem Horizont auf, und Royce erblickte die Männer und Frauen, die an den Waldrändern in der Nähe des Dorfes standen. Er wandte sich ihnen zu und stolperte ihnen entgegen, denn seine Beine wollten ihm nach so langem Stillstehen nicht recht gehorchen. Wenn dies die Leute des Herzogs waren, dann war er so wie Lori es vorhergesehen hatte so gut wie tot.

Starke Hände griffen nach ihm, und jetzt erkannte Royce einige von ihnen wieder. Unter ihnen waren Freunde aus dem Dorf und Bewohner anderer Dörfer, die weiter im Inneren des Herzogtums lagen. Sie waren alle ungefähr so alt wie er. Einige trugen die Kleidung von Weidmännern, andere sahen so aus als trugen sie, was immer sie gerade hatten finden können. Sie alle hielten Waffen in den Händen.

Royce erkannte einen der Jungen wieder, der ihn festhielt. Ein junger, großer Mann… er hieß Hendrik, oder?

„Was macht ihr hier?“ fragte Royce sie. Er blickte zu einigen derjenigen, die seinem Dorf angehört hatten. „Ich dachte…“

„Einige sind entkommen“, sagte Hendrik. Er war einen Kopf größer als Royce, und einige hatten immer Witze darüber gemacht, dass er von Trollen abstammen musste, um so groß zu sein. „Wir haben gehört, was hier passiert ist, und als wir das Feuer sahen, haben wir uns auf den Weg gemacht.“

„Was du getan hast, das Feuer zu bauen und dort zu stehen“, sagte ein Mädchen mit kurzen roten Haaren, Royce glaubte, dass sie Mathilde hieß, „das war irgendwie richtig, weiß du?“

Royce nickte, denn er verstand, was sie meinte. Er konnte jetzt ohne Hilfe stehen und ließ seinen Blick über die Gesichter in der Runde gleiten.

„Aber was macht ihr alle hier?“ fragte er.

„Wir sind gekommen, um dir zu helfen“, sagte Hendrik als wäre es das Selbstverständlichste in der Welt.

„Mir helfen?“ fragte Royce. „Was zu tun?“

„Den Herzog zu stürzen“, sagte Mathilde. „Wir haben von dem gehört, was du im Graben getan hast. Es gibt jetzt eine ganze Rebellion im Herzogtum. Wir wollen Teil davon sein. Wir wollen helfen.“

Royce schüttelte seinen Kopf. Er wollte ihnen sagen, dass er keine Absicht hatte, eine Rebellion zu beginnen und dass er nicht vorhatte, den Herzog zu töten, wer auch immer dieser gerade war. Dann dachte er an all die Menschen, die in dem Dorf gestorben waren, und an diejenigen, die diese Männer geschickt hatten, damit sie die Dorfbewohner töteten. Und da wusste er, dass es nicht wahr war. Er wollte den Herzog tot sehen, genauso wie er den Mann tot sehen wollte, der erst seine Eltern getötet hatte und dann an ihm vorbeigegangen war, als wäre nichts geschehen.

„Es wird gefährlich werden“, sagte Royce. „Die meisten von euch sind keine Krieger.“

„Gefährlicher als zu Hause auf irgendeinen Adligen zu warten, der plötzlich Lust hat, mich zu vergewaltigen?“ fragte Mathilde.

„Gefährlicher als keine Stimme zu haben, wenn sie kommen, um unsere Häuser zu plündern?“ fügte Hendrik hinzu. „Wir werden lernen, wie man kämpft. Du kannst es uns beibringen. Und dann…“

Und dann wären sie mehr als nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, das wusste Royce. Sie würden genau das, was er brauchte, um Altfor und seine Männer wirklich zu schlagen. Sie würden eine Armee.




Kapitel sechs


Dust verfolgte seine Beute durch die Nacht. Seine Augen hatten sich an die Dunkelheit gewöhnt, sodass ihm das Licht der Sterne genügte, um die Zeichen zu entdecken, welche die Welt ihm in ihrer vollkommenen Gleichmütigkeit darbot. Ein falsch herum gesponnenes Spinnweben ließ ihn den Weg verlassen. Ein Baum, dessen Äste wie das alte Gaath Zeichen für Wanderung aussahen, zeigte ihm an, dass er sich auf dem richtigen Weg befand.




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