Krone der Drachen Morgan Rice Das Making of Riley Paige #5 „Hat alle Zutaten für sofortigen Erfolg: Verschwörungen, Gegenkomplotte, Geheimnisse, tapfere Ritter und jung erblühende Beziehungen voller gebrochener Herzen, Täuschung und Verrat. Es wird Ihnen stundenlange Unterhaltung verschaffen und alle Altersgruppen begeistern. Eine Bereicherung für die Bibliothek aller Fantasy-Leser.“. – Books and Movie Reviews, Roberto Mattos (zu Ring der Zauberer). „Dies ist der Beginn von etwas Bemerkenswertem“. – San Francisco Book Review (zu Queste der Helden). Von der #1 Bestseller-Autorin Morgan Rice, Autorin von Queste der Helden (über 1.300 5-Sterne-Bewertungen) kommt eine packende neue Fantasy-Serie: . KRONE DER DRACHEN ist Buch 5 in Morgan Rices neuer epischer Fantasy-Serie Das Zeitalter der Magier, die mit Buch 1 (THRON DER DRACHEN) beginnt, einem #1 Bestseller mit Dutzenden von Fünf-Sterne-Bewertungen – und einem kostenlosen Download!In KRONE DER DRACHEN (Zeitalter der Magier – Buch 5) hat Ravin endlich die vollständige Kontrolle über die Hauptstadt übernommen, alle niedergeschlagen, die ihm im Weg standen, und seine Bürger Sklaverei und Brutalität ausgesetzt.. Doch nicht jeder ist unter Ravins Kontrolle: Lenore, die durch den Tod ihrer Mutter endgültig aus ihrer Verzweiflung gerissen wurde, erkennt, dass es Zeit ist, ihr Schicksal zu erfüllen. Sie erkennt, dass anstatt sich zu erlauben, Ravins Spielzeug zu werden, sie eine Armee herbeirufen muss, um ihn zu besiegen.. Aber kann sie es?. Devin nähert sich der Fertigstellung des unvollendeten Schwertes und kann rechtzeitig in die Hauptstadt zurückkehren, um sie zu retten. Wird er es schaffen?. Aber wird irgendetwas davon noch von Bedeutung sein, wenn Nerra sich erhebt und ihre Drachen sie alle zerstören?. DAS ZEITALTER DER MAGIER erzählt eine epische Saga über ein Netz von Liebe, Leidenschaft und Geschwisterrivalität; von Schurken und verborgenen Schätzen; von Geheimnissen; von Mönchen und Kriegern; von Ehre und Verrat, Schicksal und Bestimmung. Es ist eine Geschichte, die Sie bis in die frühen Morgenstunden fesseln wird. Sie wird Sie in eine andere Welt entführen und Sie werden Figuren erleben, die Sie nie vergessen werden. Es ist großartige Unterhaltung, geschlechter- und generationenübergreifend für alle, die eine gute Fantasy-Saga zu schätzen wissen. Buch #6 wird bald verfügbar sein… „Eine temperamentvolle Fantasy-Saga … Nur der Beginn einer epischen Serie für junge Erwachsene.“. – Midwest Book Review (zu Queste der Helden). „Aktionsgeladen … Rices Stil ist wasserdicht und die Prämisse faszinierend.“. – Publishers Weekly (zu Queste der Helden) Morgan Rice KRONE DER DRACHEN KRONE DER DRACHEN (DAS ZEITALTER DER MAGIER – BUCH FÜNF) MORGAN RICE INS DEUTSCHE ÜBERSETZT VON ANGELA LESSENIG Morgan Rice Morgan Rice ist #1 Bestseller-Autor und USA Today-Bestsellerautor der epischen Fantasy-Serie RING DER ZAUBEREI, die siebzehn Bücher umfasst; der Bestseller-Serie WEG DER VAMPIRE, bestehend aus zwölf Büchern; der Bestseller-Serie TRILOGIE DES ÜBERLEBENS, einem postapokalyptischen Thriller mit drei Büchern; der epischen Fantasy-Serie VON KÖNIGEN UND ZAUBERERN, bestehend aus sechs Büchern; der epischen Fantasy-Serie FÜR RUHM UND KRONE, bestehend aus acht Büchern; der epischen Fantasy-Serie EIN THRON FÜR SCHWESTERN, bestehend aus acht Büchern; der neuen Science-Fiction-Serie CHRONIK DER INVASION mit vier Büchern; der Fantasy-Serie OLIVER BLUE UND DIE SCHULE FÜR SEHER, bestehend aus vier Büchern; der Fantasy-Serie DER WEG DES STAHLS, bestehend aus vier Büchern; und der neuen Fantasy-Serie DAS ZEITALTER DER MAGIER. Morgans Bücher sind in Audio- und Printausgaben erhältlich, und Übersetzungen sind in über 25 Sprachen erhältlich. Morgan freut sich, von Ihnen zu hören. Besuchen Sie also www.morganricebooks.com (http://www.morganricebooks.com/), um sich in die E-Mail-Liste einzutragen, ein kostenloses Buch und kostenlose Werbegeschenke zu erhalten, die kostenlose App herunterzuladen, die neuesten exklusiven Nachrichten zu erhalten und sich auf Facebook und Twitter zu verbinden. Und bleiben Sie in Kontakt! BÜCHER VON MORGAN RICE DAS ZEITALTER DER MAGIER REICH DER DRACHEN (BUCH #1) THRON DER DRACHEN (BUCH #2) VON DRACHEN GEBOREN (BUCH #3) RING DER DRACHEN (BUCH #4) KRONE DER DRACHEN (BUCH #5) OLIVER BLUE UND DIE SCHULE FÜR SEHER DIE ZAUBERFABRIK (BUCH #1) DIE KUGEL VON KANDRA (BUCH #2) DIE OBSIDIANE (BUCH #3) DAS FEUERZEPTER (BUCH #4) DIE INVASIONSCHRONIKEN ÜBERMITTLUNG (BUCH #1) ANKUNFT (BUCH #2) DER WEG DES STAHLS EHRE WEM EHRE GEBÜHRT (BUCH #1) NUR DEN TAPFEREN (BUCH #2) NUR DEN AUSERWÄHLTEN (BUCH #3) EIN THRON FÜR SCHWESTERN EIN THRON FÜR SCHWESTERN (BUCH #1) EIN GERICHT FÜR DIEBE (BUCH #2) EIN LIED FÜR WAISEN (BUCH #3) EIN KLAGELIED FÜR DIE PRINZESSIN (BUCH #4) EIN JUWEL FÜR KÖNIGE (BUCH #5) EIN KUSS FÜR KÖNIGINNEN (BUCH #6) EINE KRONE FÜR MÖRDER (BUCH #7) EIN HÄNDEDRUCK FÜR THRONERBEN (BUCH #8) FÜR RUHM UND KRONE SKLAVIN, KRIEGERIN, KÖNIGIN (BUCH #1) SCHURKIN, GEFANGENE, PRINZESSIN (BUCH #2) RITTER, THRONERBE, PRINZ (BUCH #3) REBELL, SCHACHFIGUR, KÖNIG (BUCH #4) SOLDAT, BRUDER, ZAUBERER (BUCH #5) HELD, VERRÄTER, TOCHTER (BUCH #6) HERRSCHER, RIVALE, VERBANNTE (BUCH #7) SIEGER, BESIEGTER, SOHN (BUCH #8) VON KÖNIGEN UND ZAUBERERN DER AUFSTAND DER DRACHEN (BUCH #1) DER AUFSTAND DER TAPFEREN (BUCH #2) DAS GEWICHT DER EHRE (BUCH #3) DIE SCHMIEDE DES MUTS (BUCH #4) EIN REICH DER SCHATTEN (BUCH #5) DIE NACHT DER VERWEGENEN (BUCH #6) VON KÖNIGEN UND ZAUBERERN: EINE KURZGESCHICHTE DER RING DER ZAUBEREI QUESTE DER HELDEN (BUCH #1) MARSCH DER KÖNIGE (BUCH #2) FESTMAHL DER DRACHEN (BUCH #3) KAMPF DER EHRE (BAND #4) DER SCHWUR DES RUHMS (BAND #5) ANGRIFF DER TAPFERKEIT (BAND #6) RITUS DER SCHWERTER (BAND #7) GEWÄHR DER WAFFEN (BAND #8) HIMMEL DER ZAUBER (BAND #9) MEER DER SCHILDE (BAND #10) REGENTSCHAFT DES STAHLS (BAND #11) LAND DES FEUERS (BAND #12) DIE HERRSCHAFT DER KÖNIGINNEN (BAND #13) DER EID DER BRÜDER (BAND #14) DER TRAUM DER STERBLICHEN (BAND #15) DAS TOURNIER DER RITTER (BAND #16) DAS GESCHENK DER SCHLACHT (BAND #17) DIE TRILOGIE DES ÜBERLEBENS ARENA EINS: DIE SKLAVENTREIBER (BAND #1) ARENA ZWEI (BAND #2) DER WEG DER VAMPIRE GEWANDELT (BAND #1) VERGÖTTERT (BAND #2) VERRATEN (BAND #3) BESTIMMT (BAND #4) BEGEHRT (BAND #5) VERMÄHLT (BAND #6) GELOBT (BAND #7) GEFUNDEN (BAND #8) ERWECKT (BAND #9) ERSEHNT (BAND #10) BERUFEN (BAND #11) BESESSEN (BAND #12) GEFALLENE VAMPIRE VOR DEM MORGENGRAUEN (BUCH #1) Ausgewähltes Kritikerlob für Morgan Rice "Wenn Sie glaubten, dass es nach dem Ende der Serie RING DER ZAUBEREI keinen Grund mehr zum Leben gäbe, haben Sie sich geirrt. Mit DER AUFSTAND DER DRACHEN hat Morgan Rice eine weitere brillante Serie entwickelt, die uns in eine Fantasy-Welt von Trollen und Drachen, von Tapferkeit, Ehre, Mut, Magie und Schicksal entführt. Morgan hat es wieder geschafft, starke Figuren zu kreieren, mit denen wir auf jeder Seite mitfiebern. Eine Bereicherung für die Bibliothek aller Leser, die eine gut geschriebene Fantasystory lieben.“     – Books and Movie Reviews, Roberto Mattos "Eine actiongeladene Fantasystory, die Fans von Morgan Rices früheren Romanen und Fans von Werken wie DIE ERAGON-TETRALOGIE von Christopher Paolini begeistern wird. Fans von Fiktion für junge Erwachsene werden diese neueste Arbeit von Rice verschlingen und um mehr bitten.“     – The Wanderer, A Literary Journal (zu Der Aufstand der Drachen) „Eine temperamentvolle Fantasy-Erzählung, die Elemente von Geheimnis und Intrige in ihre Handlung einbindet. Bei Queste der Helden geht es darum, den Mut zu finden, seiner Bestimmung zu folgen, die zu Wachstum, Reife und Brillanz führt. Wer kraftvolle Fantasy-Abenteuer sucht, wird von den Protagonisten und Aktionen dieser Erzählung mit packenden Begegnungen belohnt. Thors Entwicklung von einem verträumten Kind zu einem jungen Erwachsenen mit unmöglichen Überlebenschancen findet vor diesem mitreißenden Hintergrund statt. Der Beginn einer epischen Serie für junge Erwachsene.“     – Midwest Book Review (D. Donovan, eBook-Rezensent) “Der Ring der Zauberei hat alle Zutaten für einen umgehenden Erfolg: Komplotte, Gegenkomplotte, Geheimnisse, tapfere Ritter und junge, erblühende Beziehungen voller gebrochener Herzen, Täuschung und Verrat. Es wird Ihnen stundenlange Unterhaltung verschaffen und alle Altersgruppen begeistern. Eine Bereicherung für die Bibliothek aller Fantasy-Leser.“     – Books and Movie Reviews, Roberto Mattos „In diesem actiongeladenen ersten Buch der epischen Fantasy-Reihe Ring der Zauberei (die derzeit 14 Bücher umfasst) stellt Rice den Lesern den 14-jährigen Thorgrin "Thor" McLeod vor, dessen Traum es ist, sich der Silberlegion anzuschließen, den Elite-Rittern des Königs. Rices Stil ist wasserdicht und die Prämisse faszinierend. “     – Publishers Weekly Wussten Sie, dass ich mehrere Serien geschrieben hat? Wenn Sie noch nicht alle kennen, klicken Sie einfach auf einen der Titel und holen Sie sich den Serienauftakt! Freuen Sie sich über Sie kostenlose Bücher? Setzten Sie Ihren Namen auf die E-Mail Liste von Morgan Rice und erhalten Sie vier kostenlose Bücher, drei kostenlose Karten, eine kostenlose App, ein kostenloses Spiel, einen kostenlosen illustrierten Roman, sowie exklusive Werbegeschenke! Zum Abo geht es hier: www.morganricebooks.com (http://www.morganricebooks.com/) Copyright © 2020 by Morgan Rice. Alle Rechte vorbehalten. Außer mit Genehmigung unter dem U.S. Copyright Act von 1976 darf kein Teil dieser Veröffentlichung vervielfältigt, weitergegeben oder in jedweder Form durch jegliche Mittel übertragen oder in einer Datenbank oder einem Speichersystem gespeichert werden, ohne ausdrückliche Genehmigung des Autors. Dieses eBook ist rein für Ihre persönliche Unterhaltung lizenziert.  Dieses eBook darf nicht weiterverkauft oder an andere Leser weitergegeben werden. Wenn Sie dieses Buch gerne mit anderen Personen teilen möchten, erwerben Sie bitte eine weitere Kopie für jeden weiteren Leser. Wenn Sie dieses eBook lesen ohne eine eigene Kopie erworben zu haben, geben Sie es bitte zurück und erwerben Sie eine eigene Kopie. Vielen Dank, dass Sie die harte Arbeit des Autors respektieren. Dieses Buch beruht auf Fiktion. Namen, Charaktere, Unternehmen, Organisationen, Orte, Ereignisse und Gegebenheiten sind entweder vom Autor ausgedacht oder fiktional verwendet. Jede Ähnlichkeit zu real existierenden Personen, lebend oder verstorben, ist absolut zufällig. Coverbild Copyright  Zeferli, lizenziert durch Shutterstock.com. KAPITEL EINS Vars tauchte auf den Straßen von Royalsport wieder auf und nach, was ihm wie eine Ewigkeit unter der Erde schien, sog er an der Oberfläche gierig die Luft ein. Er hatte bis zur Dunkelheit gewartet, um sicher zu sein, dass ihn niemand sehen würde, und das Warten hatte wie ein enormes Gewicht auf seiner Brust gelegen. Die Angst hatte ihn fast erstickt. Er sah sich instinktiv um, war sich sicher, dass ihn jemand sehen und erkennen würde, wer er war. Wer sonst hatte denn noch solche edlen Gesichtszüge, auch wenn sie jetzt mit dem Schmutz des Tunnels verdunkelt waren? Ja, sein Körperbau war durchschnittlich, sein Haar ein mattes Braun, das jeder Bauer haben könnte, und ja, er trug das Rot und Purpur der Männer Ravins, aber trotzdem war er sich sicher, dass das Königliche in ihm, eine gewisse Klasse, durchscheinen würde. Vars wollte nicht darauf warten, dass das geschah, und machte sich auf den Weg in die Stadt. Um ihn herum war die Stadt weniger still, als er es bei einer besetzten Stadt erwartet hätte. Die Feuer der Schmieden des Hauses der Waffen glühten schwach in der Ferne, wo sie vermutlich mehr Waffen für Ravins Streitkräfte herstellten, während das Haus der Seufzer wie mitten in einem Fest in einer Vielzahl von Farben beleuchtet wurde. Vermutlich brauchten Ravins Männer jetzt Unterhaltung. Sogar in den Türmen des Hauses der Gelehrten zeigten vereinzelte Lichtquellen, dass Aktivität herrschte. Vielleicht ließ der neue Imperator sie nach neuen Kriegsmethoden forschen. Imperator? Der Gedanke daran brachte Vars dazu, auf das Kopfsteinpflaster der Straße zu spucken. Er war König des Nordreichs, nicht Ravin. Oder er war es gewesen, bis Ravin sich über ihn lustig gemacht hatte. Die Flucht war die einzige Option für ihn gewesen. Vars ging in die Stadt hinunter, vorsichtig lief er an jeder Gestalt vorbei, die ihm entgegenkam. Seine Ängste spielten ihm hundert Möglichkeiten vor, wie er sterben könnte, seine Kehle in einer Gasse aufgeschlitzt oder von einer Soldatenklinge erstochen. Er musste sich zwingen, nicht zu schleichen, sondern an der Pracht der Häuser des Adelsviertels vorbeizuschreiten. Er war auf dem Weg zum Stadtrand oder zumindest hoffte er, dass er das war. In Wahrheit war sich Vars nicht sicher, ob er sich im Dunkeln durch die ganze Stadt bewegen konnte. Aber nein, natürlich konnte er das. Er war viele Male mitten in der Nacht im Haus der Seufzer gewesen und hatte sich nie verlaufen. Nun, zumindest nicht oft. Er war Herrscher über all das gewesen. Natürlich würde er den Weg finden. Er kam zu einem der Bäche zwischen den Inseln der Stadt. Das Wasser stand niedrig, also eilte Vars hinüber, denn er wollte es nicht riskieren, über eine der Brücken zu laufen. Er betrat den nächsten Bezirk, lief auf leisen Sohlen und wollte keine Aufmerksamkeit erregen. Er sah die Augen einiger Leute in der Dunkelheit flackern und wollte sich instinktiv weiter in die Schatten zurückziehen. Nein, erkannte Vars dann, das war nicht der richtige Weg, nicht in dieser Uniform. Stattdessen ging er mit großen Schritten weiter, denn so würde ein Mann Ravins durch die Straßen laufen. Jetzt waren es die Gestalten im Schatten, die sich zurückzogen und sich von ihm fernhielten, und das gefiel Vars. Er war es gewohnt, dass Leute ihn mit Respekt ansahen, und das … das war Respekt. So stolzierte er durch die Straßen der Stadt auf die Stadtmauern zu und genoss die Art und Weise, wie die Leute in der Nacht ihn beobachteten – als ob er sie aus einer Laune heraus töten könnte. Kurz erinnerte er sich daran, wie es gewesen war, ein Prinz, ein König zu sein. Vielleicht könnte er es wieder sein. Vielleicht konnte Vars, sobald er die Stadt verlassen hatte, zu den Adligen gehen, sich zum wahren König erklären, sie einen Aufstand ausführen lassen und zurückerobern, was ihm gehörte. Alles, was er dafür tun musste, war, zu enthüllen, wer er war, und die Leute würden zu ihm strömen. Er würde es jedoch nicht wie Aethe tun. Sie war dumm gewesen, hatte den Putsch anführen und in einem Schlag zu Ende bringen wollen. Es hatte sie und ihre Anhänger das Leben gekostet. Es war besser, die Dinge aus sicherer Entfernung in Bewegung zu setzen. Vor sich sah Vars eine Arbeitsgruppe, die im Licht flackernder Fackeln arbeitete und von zwei Wachen beaufsichtigt wurde. Vars konnte keinen Weg daran vorbei erkennen und die Angst flammte kurz in ihm auf, doch er fasste schnell wieder Zuversicht. Er schritt vorbei und wagte sogar, zu grüßen, denn er war sich sicher, dass ein Wachkollege dies tun würde. Sie erwiderten Vars' Gruß. „Allein draußen, Bruder?“, rief ihm einer von ihnen zu. „Patrouillen laufen normalerweise paarweise.“ „Ich habe eine Nachricht vom Imperator selbst“, sagte Vars. Das schien sicherer als jede andere Lüge. Die Menschen machten den Königen Platz, schneller noch als den Uniformen. „Dann solltet Ihr Euch beeilen, sie auszuliefern“, begann der andere, „Bevor … Moment, ist das Blut?“ Er sah im Licht der Fackel auf Vars' Hemd hinunter und Vars erkannte, dass das Rot der Uniform zwar Blutflecken verbarg, wenn man aus der Entfernung schaute, die dunkleren Flecken unter dem flackernden Licht jedoch hervorgehoben wurden und nun genau zu sehen war, wo er den Mann erstochen hatte, dem er die Uniform gestohlen hatte. „Ich hatte neulich eine unangenehme Begegnung mit einigen Rebellen“, sagte Vars und versuchte, sich herauszulügen. „Wurde verwundet, aber es ist nichts Schlimmes.“ „Mit einer Wunde an dieser Stelle würdet Ihr am nächsten Tag nicht mehr laufen“, sagte der Mann. Der andere Wachmann starrte Vars jetzt an, sein Gesichtsausdruck zunehmend verwirrter. „Ich kenne Euch“, sagte er. „Wahrscheinlich aus der Kaserne“, sagte Vars und breitete die Hände aus. Er wollte sich zurückziehen. „Nein, ich kenne Euch.“ „Nein, tut Ihr nicht“, beharrte Vars. Er trat einen weiteren Schritt zurück und wollte so viel Abstand wie möglich zwischen sich und die Wachen bringen. „Ich habe Euch gesehen, als ich in der Burg Wache gehalten habe. Ihr seid die Witzfigur, die der Imperator vor allen aus Euch gemacht hat. Ihr seid König Vars!“ Er sagte es mit einem Lachen, aber trotzdem näherte er sich Vars. „Was würde der hier draußen tun?“, fragte Vars. „Wollt Ihr damit sagen, dass ich ihm ähnlich sehe … ernsthaft?“ „Ihr seht ihm nicht nur ähnlich“, sagte der Wachmann. Er sah zu seinem Landsmann hinüber. „Er ist es, ich würde schwören, dass er es ist.“ „König Vars aus der Burg?“, fragte der andere. Es schien einen Moment zu dauern, bis die Erkenntnis durchsickerte. „Schnappt ihn Euch!“ Vars rannte bereits und die Angst trieb ihn in Windeseile von den beiden weg, die ihn ergreifen wollten. Seine Füße schlugen hart auf das Kopfsteinpflaster und trugen ihn die Straße entlang um eine Kurve herum, dann eine andere. „Haltet an!“, rief eine der Wachen hinter ihm her. War jemand jemals dumm genug, anzuhalten, wenn ein Wachmann das rief? Vielleicht hätte Rodry sich umgedreht, um zu versuchen, sie zu bekämpfen, aber Vars rannte einfach weiter in die Stadt, in Sicherheit. Theoretisch hätte es einfach sein sollen. Dies war seine Stadt im Herzen seines Königreichs. Jede Straße in Royalsport war seine eigene gewesen, daher hätte es für Vars leicht sein müssen, seine Verfolger im Dunkeln abzuschütteln und Haken zu schlagen, bis sie ihm einfach nicht mehr folgen konnten. Es gab jedoch ein Problem damit, denn es stellte sich heraus, dass es nicht bedeutete, dass er die Straßen der Stadt kannte, weil er stets die gleichen Wege zu den Adelshäusern sogenannter Freunde oder zum Haus der Seufzer entlang gegangen war. Vars musste raten und versuchte instinktiv, den Weg zum Stadtrand zu finden. Um ihn herum sahen die Häuser immer ärmer aus. Irgendwann während der Verfolgungsjagd sprintete er kopflos über einen weiteren Bach in einen anderen Bezirk. Das Geschrei hinter ihm verriet ihm, dass die Wachen ihre Verfolgungsjagd nicht aufgaben. Vars schaute nicht zurück. Dummköpfe schauten zurück und Dummköpfe stolperten oder bogen falsch ab. Es gab nichts, was Vars dazu hätte antreiben können, noch schneller zu rennen, denn die Angst durchströmte ihn bereits mit jedem Schlag seines Herzens. Er stürzte weiter vorwärts und versuchte einen Ausweg zu finden. Wenn dies das edle Viertel gewesen wäre, hätte er sich vielleicht ausgekannt, aber hier war es unmöglich, und bald geriet Vars in ein Gewirr von Straßen. Schlimmer noch, die Wachen gewannen an Boden und näherten sich ihm. Er bog um eine weitere Ecke. Es war eine Sackgasse, blockiert von Karren, die darauf warteten, geladen zu werden. Vars drehte sich um und versuchte, herauszufinden, welchen Weg er gehen sollte. Könnte er auf einen der Karren klettern? Könnte er - Eine Frau trat aus einer Tür. Blondes, geflochtenes Haar fiel auf ihren Rücken, ihr Gesicht war herzförmig und überraschend schön. Sie war die Art von Frau, die Vars hätte bewundern können, wenn er nicht gerade um sein Leben gerannt wäre. Ihre Hand griff nach Vars und riss ihn fast in die Tür, durch die sie gerade herausgetreten war. „Schnell, hier rein!“ KAPITEL ZWEI Meredith vom Haus der Seufzer lag auf ihrem Rücken in Ravins Bett, die Haare zerzaust, ein Laken bedeckte ihren Körper. Sie beobachtete ihn, wie er mit dem Rücken zu ihr stand, in die lila Gewänder des Amtes gekleidet, und mit seinem Zweihandschwert übte. Wie so oft in den Tagen seit Königin Aethes Tod schien er sie völlig zu ignorieren, jetzt, wo er seinen Spaß mit ihr gehabt hatte. Meredith hasste ihn in diesem Moment, aber sie ließ es nicht zu, dass ihr Gesicht ihre Gefühle widerspiegelte, obwohl er ihr den Rücken zukehrte. Sie wusste, was für ein gefährlicher Mann Ravin war und wie prekär ihre Situation hier sein konnte. Wenn er nur einen Blick zurück warf und etwas anderes als die sanfte und gehorsame Kurtisane sah, dann würde er diese Klinge wahrscheinlich durch ihr Herz treiben. Kurtisane? Meredith hielt den Drang zurück, bitter zu lachen. Ravin hatte sie wie die niedrigste Hure behandelt; er hatte es mit Absicht getan, selbst jetzt, wo er jede Frau des Königreichs nach Lust und Laune haben konnte. Sie hatte die blauen Flecken, um es zu beweisen, dass es alles Teil seines Spiels war, die Herrin des Hauses der Seufzer verstehen zu lassen, wo ihr Platz in seinem Königreich war. Das Schlimmste war, dass sie ihn vielleicht sogar gemocht hätte, wenn er unter anderen Umständen zu ihr gekommen wäre. Ravin war attraktiv, mit dunklem Bart und muskulös, sein Kopf rasiert, seine Augen strahlend vor Intelligenz. Er war ein starker, intelligenter und überzeugender Mann. Meredith konnte sehen, wie ein Mann wie er ein Reich hatte erobern können. Aber er war auch grausam. Meredith hatte das am eigenen Leib gespürt, hörte es aber auch in den Berichten bei den Gelegenheiten, wenn sie es zurück ins Haus schaffte, von Menschen, die verhungerten, von Menschen, die auf der Straße wegen Ungehorsams getötet wurden. Ravin wurde still, legte die Spitze seines Schwertes auf den Boden und schaute nicht einmal in Merediths Richtung. Dennoch waren die Worte eindeutig für sie bestimmt, als er sprach. „Sagt mir“, sagte er. „Wenn Ihr könntet, würdet Ihr mich töten?“ „Selbstverständlich nicht, mein Imperator“, sagte Meredith in ihrem geschmeidigsten Ton. „Ich lebe, um Euch zu dienen, wie wir alle.“ Er drehte sich um und jetzt, da diese Augen wieder auf sie gerichtet waren, verspürte Meredith einen kurzen Nervenkitzel. „Natürlich wird eine wie Ihr das sagen, von dem sie glaubt, dass ich es hören will.“ „Ja, mein Imperator“, sagte Meredith und senkte ihren Blick. „Aber trotzdem würde ich Euch nicht töten.“ Nicht, dass sie nicht darüber nachgedacht hätte. In der Privatsphäre ihrer Gemächer im Haus hatte eines ihrer Mädchen sogar angeboten, es zu tun, und Meredith war gezwungen gewesen, zu erklären, warum dies eine Katastrophe sein würde, und nicht nur für die, die die Tat ausführte. Es wäre einfach genug. Meredith könnte ihm im Schlaf die Kehle durchschneiden oder ein Gift in sein Getränk schütten, aber was dann? Es gab niemanden, der sich erheben konnte, um den Thron zu besteigen, und so würde es mehr Krieg geben, wobei Ravins Armeen entschlossen wären, Rache zu üben, selbst wenn verschiedene Fraktionen um die Kontrolle kämpfen würden. Zumindest für den Moment war der Imperator das, was zwischen ihnen und dem noch schlimmeren Chaos stand. Sie wagte es, aufzuschauen, und sah Ravins Augen immer noch auf sie gerichtet, hart und intelligent, als könnten sie jeden Gedanken erraten. „Wie ich sagte“, sagte sie, „Mein Haus ist da, um Euch zu dienen.“ Er lächelte breit und legte sein Schwert beiseite. „Ich glaube Euch. Wenn ich nicht wäre, wärt Ihr schon tot.“ Meredith vermutete, dass dies genauso viel mit all den Geheimnissen zu tun hatte, die sie kannte, wie mit dem, was Ravin über ihre Loyalität dachte. Es war ein heikler Balanceakt: Er musste wissen, dass sie gehorchen würde, solange es die beste Option für das Königreich zu sein schien, aber dass sie auch daran arbeiten würde, den Menschen so viel wie möglich zu helfen. Er hatte es offensichtlich gemacht, dass er sie demütigen und ihr den Platz zeigen wollte, den sie in dieser neuen Rangfolge innehatte, aber gleichzeitig war sie zu wertvoll, um sie zu töten. Es war schwierig und gefährlich und bedeutete, dass alles, was Meredith tat, unauffällig geschehen musste. Sie hatte Ideen, die nichts mit einem Messer im Dunkeln zu tun hatten, Ideen, die ausreichen könnten, um Dinge zu ändern und sogar Leute wie den Imperator zu Fall zu bringen, aber es wäre eine heikle Arbeit und gefährlich. „Jetzt“, sagte Ravin, „denke ich, ist es Zeit für Euch, mir noch einmal zu zeigen, warum Euer Haus so viel Anerkennung bekommt.“ Als er sich dem Bett näherte, zwang Meredith ihr schönstes Lächeln auf ihre Lippen. „Selbstverständlich, mein Imperator. Ich existiere, um Euch zu dienen.“ Zumindest tat sie das, bis sie einen Weg finden konnte, ihn zu töten, ohne dass das Königreich um sie herum einstürzte. * Als er schließlich mit ihr fertig war, starrte Ravin amüsiert auf Merediths schlafende Gestalt hinunter. Er musste zugeben, dass sie reizvoll war, aber natürlich waren viele Frauen reizvoll. Sogar in diesem Moment würden seine Männer einige der besten Pflanzen für ihn pflücken, um ihn zu unterhalten, wenn er nicht mit der Herrin des Hauses der Seufzer zusammen war. Was diese Sache interessant machte, war, dass beide wussten, was sie war und was ihr Haus wirklich bedeutete. Sie war eine Frau, die aus Gerüchten etwas Scharfes, Gefährliches machen konnte. Leute, die so gut ausgebildet waren wie jeder Stille Mann, erledigten für sie die Aufträge. Diese Frau in der Hand zu haben, bedeutete einen großen Teil der Spannung für Ravin. Vielleicht würde er mit der Zeit mehr tun, als sie in regelmäßigen Abständen zu holen, um sie in sein Bett zu befehlen. Vorher wollte er jedoch sicherstellen, dass an ihrem Verständnis ihrer Position kein Zweifel bestand und dass sie mit Haut und Haaren ihm gehörte und niemand anderem. Nicht, dass es jetzt noch irgendjemanden gab. Das hatte alles an dem Tag ein Ende genommen, an dem Königin Aethe hingerichtet worden war. Die Möchtegernrebellen unter den Adligen waren ausgedünnt worden und abgesehen davon hatten sie jetzt so oder so keinen Anführer mehr. Oh, der Feigling Vars war zwar geflohen, aber wer würde so einem Mann folgen? Die Töchter der Königin wurden ebenfalls vermisst, aber das bedeutete einfach, dass seine Stillen Männer ihre Arbeit mit der üblichen Perfektion erledigt hatten. So würde Lady Meredith schließlich erkennen, dass Ravin die einzige Hoffnung war, die dieses Königreich auf Stärke und Einheit hatte. Vielleicht hatte sie es schon getan, denn sie war alles andere als dumm. Dann würde ihm die beste Spionin der drei Königreiche zur Verfügung stehen, um alles zu erfahren, was er über seine Feinde und seine Untertanen wissen wollte. Wo er bis jetzt durch offenkundige Angst regiert hatte, konnte er das Haus nutzen, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, weil er im Voraus wusste, welche Schritte die Leute machen könnten. Das war allerdings für später. Im Moment langweilte sich Ravin mit ihr. „Wacht auf und geht“, befahl er ihr und schüttelte sie wach. „Jetzt.“ Sie drückte ihr Kleid an sich, als sie aus dem Raum floh, zurück zu dem Ort, von dem sie gekommen war. Als sie ging, trat einer von Ravins Stillen Männern ein und wartete nicht einmal auf Erlaubnis, bevor er nach vorne kam und sich verbeugte. Der Mann war bis auf eine Narbe unter seinem linken Auge absolut unscheinbar. Er trug einfache Höflingskleidung in Rot und seine Gesichtszüge waren langweilig und nicht erinnernswert. Ravin stand auf und warf seine Robe um seine Schultern. „Es sollte einen guten Grund für diese Unterbrechung geben“, sagte er. „Den gibt es, Imperator Ravin“, sagte der Mann. „Das werde ich beurteilen“, sagte Ravin. „Wie ist Euer Name?“ „Quail, mein Imperator.“ Der Mann verneigte sich erneut. „Es wurden drei Körper gefunden, die mehrere Tage schon tot sind.“ „Leichen …“ Ravin zuckte die Achseln. „Prinzessin Lenore und die anderen? Wenn dies ein Bericht über den Erfolg Eurer Truppe sein soll, ist dies nicht der richtige Weg.“ Der Stille Mann schüttelte den Kopf. „Bedauerlicherweise sind die Leichen … diejenigen, die geschickt wurden, um die Prinzessin auf Euren Befehl zu töten.“ „Was?“ Ravin brüllte. „Und niemand hat es bemerkt? Niemand hat gesehen, dass die Stillen Männer nicht dort waren, wo sie sein sollten?“ „Letztendlich“, sagte Quail, „haben wir die Männer gesucht und gefunden. Aber als die Prinzessinnen an der Hinrichtung teilnahmen, wurde angenommen, dass sie abwarten und danach zuschlagen wollten. Es wurde angenommen, dass sie sich … Zeit nehmen.“ „Selbstverständlich habt Ihr das“, sagte Ravin. „Vergebt uns, Imperator“, sagte Quail und fiel diesmal auf die Knie. „Wir sprechen selten offen über unsere Aufgaben, auch nicht miteinander.“ Ravin unterdrückte seinen Zorn. Selbstverständlich taten sie das nicht, denn so bevorzugte er die Dinge. Die Stillen Männer operierten in kleinen Gruppen, damit sie nicht zu mächtig wurden oder seine Anweisungen ignorierten. In diesem Fall bedeutete dies jedoch, dass die Prinzessinnen überlebt hatten, und der Ärger darüber brachte ihn dazu, dem Narren vor ihm den Kopf abschneiden zu wollen. Das würde aber nichts nützen. Im Moment war der Stille Mann lebend nützlicher. „Ihr glaubt, dass ich Euch töten werde, nicht wahr?“, fragte Ravin. „Die … Möglichkeit wurde angesprochen“, sagte Quail. In seiner Stimme lag ein Zögern, aber keine echte Angst. Den Stillen Männern wurden solche Dinge in ihrer Ausbildung auf eine Weise abgewöhnt, die selbst Ravin als grausam betrachtete. „Und Ihr wart derjenige, den sie geschickt haben, obwohl es ein anderer hätte sein können“, vermutete Ravin. Quail nickte nur. „Dann werdet Ihr derjenige sein, der die Chance auf Wiedergutmachung für den Misserfolg anführt“, sagte Ravin. Jetzt sah der Stille Mann verwirrt aus. „Mein Imperator?“ „Die Prinzessin muss gefunden werden. Sie muss sterben“, sagte Ravin. Er dachte einen Moment nach. „Beide Prinzessinnen und der Ritter, der an ihrer Seite steht. Sie sind alle zu gefährlich, um leben zu dürfen.“ Der Stille Mann zögerte eine Sekunde. „Stimmt Ihr nicht zu?“, fragte Ravin. „Sie sind zwei unbedeutende Mädchen und ein Verrückter“, sagte Quail. „Es gibt einige … unter uns, die nicht verstehen konnten, warum Ihr unsere Leute geschickt habt, um Prinzessin Lenore zu ermorden, wenn Ihr sie hättet beanspruchen oder durch Lord Finnal kontrollieren lassen können.“ Ravin schnappte sich sein Schwert und führte es in einem Schwung, bis es direkt unter dem rechten Auge des Stillen Mannes ruhte. „Möchtet Ihr eine weitere Narbe, die zu Eurer ersten passt?“, fragte er. Der Stille Mann blieb ruhig. „Wie Ihr wünscht, Imperator Ravin.“ „Und das wünsche ich auch. Das sollte Euch genügen.“ Ravin erklärte sich seinen Männern gewöhnlich nicht, aber jetzt würde es vielleicht helfen. „Prinzessin Lenore war immer eine potenzielle Bedrohung, während sie hier war. In meinem Jagdschloss wäre sie keine Gefahr gewesen, nur eine Trophäe. Hier im Königreich jedoch hätten sich Menschen um sie versammeln können und sie könnten es immer noch tun, solange sie lebt. Sie muss sterben. Niemand darf wissen, dass sie überlebt hat.“ Der Stille Mann nickte. „Wie Ihr befehlt.“ Er stand auf und drehte sich um, um zu gehen. „Und, Quail?“, fragte Ravin und hielt ihn kurz auf. „Denkt daran, dass ich jetzt das Haus der Seufzer habe. Wenn meine Stillen Männer wieder versagen, werden vielleicht einige von Euch ersetzt.“ KAPITEL DREI Die Sonne brannte auf Lenore herunter, während sie und die anderen weiterliefen. Um sie herum lagen Weizen- und Gerstenfelder, die sich sanft im Wind bewegten, Trockenmauern, die sie trennten, und Viehtreiberpfade, die ihnen den Weg von einem Ort zum anderen wiesen. Hier und da stand eine Vogelscheuche auf den Feldern oder eine kleine Anzahl Bäume unterbrach die Monotonie der Landschaft. Sie waren jetzt seit Tagen unterwegs, bewegten sich mit Vorsicht und hielten sich an die kleineren Wege zwischen den Feldern. Ihre Beine schmerzten vor Anstrengung, aber sie wusste, dass sie sich nicht beschweren sollte. Sie hatten das Glück, jetzt nicht tot zu sein. Im Vergleich dazu war ein wenig Unbehagen nichts. „Geht es Euch gut, Prinzessin?“, fragte Odd. Er war besorgt um Lenores Wohlergehen, seit sie die Stadt verlassen hatten und aufs Land gegangen waren. Er sah in edlen Kleidern immer noch seltsam aus, sein geschorenes Haar passte nicht dazu und er hielt seinen Umhang um sich, als wäre er ein Ersatz für seine Mönchsrobe. „Mir geht es gut“, sagte Lenore. In Wahrheit war sie hungrig und müde und verängstigt, aber sie würde stark sein. Sie wusste, wie sie jetzt aussehen musste. Ihre Kleidung war fleckig und an den Rändern zerrissen, weil sie sich an Brombeerhecken verfangen hatte, durch die sie sich hatten durchkämpfen müssen. Ihr dunkles Haar war zurückgebunden, um es aus ihrem Gesicht zu halten, und das Sonnenlicht blendete sie. Erin ging voran und stützte sich auf den Stock, der ihren kurzen Speer tarnte. Sie war schmutziger als beide von ihnen, weil sie immer die erste war, die durch Bäche oder über niedrige Mauern stürzte. Jedes Mal, wenn sie sich bewegte, schimmerte ihre Rüstung, und ihre Gesichtszüge unter ihrem kurzen Haar sahen entschlossen aus, die Schmerzen, die sie fühlen musste, nicht  zu zeigen. Sie hielt nach Bedrohungen Ausschau und betrachtete jeden Busch, Baum und jedes mit Weizen gefüllte Feld misstrauisch. Sie war in den letzten Tagen recht still gewesen und Lenore wusste nicht, ob es ihre anhaltende Wut auf sie war, dass sie nicht geblieben waren, um zu kämpfen, oder die Trauer über den Tod ihrer Mutter. Lenore teilte diesen Kummer und auch den Zorn, der damit einherging. Wenn sie die Augen schloss, konnte Lenore immer noch den Moment sehen, in dem Ravin sein Schwert vor ihrer Mutter erhoben hatte, die hilflos an einen Hinrichtungspfahl gebunden war. Sie konnte sich dem Anblick dieser Klinge nicht entziehen, die in ihre Mutter eintauchte und sah den Moment, in dem sie gestorben war, immer und immer wieder. Warum sollte es für Erin anders sein? „Könnt Ihr etwas vor Euch sehen, Erin?“, fragte Odd. Erin antwortete nicht. „Erin?“, fragte Lenore. „Ist der Weg frei?“ „Es ist alles frei“, antwortete Erin. Sie sah sich um und warf Odd einen harten Blick zu, bevor sie antwortete. „Ich denke, dass vor uns ein Dorf liegt, hinter diesen Bäumen. Ich kann Schornsteinrauch sehen.“ Lenore schaute in die Ferne und konnte Rauch sehen, genau wie ihre Schwester sagte. Sie hoffte, dass es Schornsteinrauch war. Es gab zu viele schlimmere Dinge, die man so kurz nach einer Invasion erwarten könnte. „Wir sollten vorsichtig vorgehen“, sagte Odd, als würde er dasselbe denken. „Was ist los mit Euch?“, schoss Erin zurück. „Angst?“ Lenore hielt einen Seufzer zurück. Es war so gewesen, seit sie losgegangen waren. Zuvor schienen Erin und Odd trotz der Seltsamkeit des ehemaligen Mönchs eine perfekte Ergänzung zu sein. Nun … gab es Spannungen zwischen ihnen. Sie übten kaum miteinander und Erin nahm nicht an Odds Morgenmeditationen teil. Mit Lenore schien keiner ein Problem zu haben, aber die Spannung zwischen den beiden war spürbar. „Wir werden es uns genauer ansehen, wenn wir näher herankommen“, sagte Lenore. „Wenn es ausgebrannt ist, müssen wir weitergehen, aber ich glaube nicht, dass es so sein wird.“ Ravin glaubt, er kann das Land beherrschen, also will er nicht alles verbrennen.“ Nur seinen Namen zu sagen, ließ Lenore ihre Hände zu Fäusten ballen. „Dort könnten Wachen sein“, sagte Odd. „Dann töten wir sie“, schoss Erin zurück. Lenore ging weiter. „Wir müssen es riskieren. Wir brauchen mehr Vorräte.“ Diese erwiesen sich als kostspielig. Weil sie für diesen Moment vorgeplant hatten, hatten sie Geld und Schmuck mitnehmen können, der bei Bedarf verkauft werden konnte, aber trotzdem war Lenore besorgt, dass sie nicht genug mitgebracht hatten. „Wir können nicht für immer davonlaufen“, sagte Erin. „Ich könnte einen sicheren Ort für uns finden“, sagte Odd. „Irgendwo jenseits des Königreichs.“ Lenore blieb auf der Strecke stehen. Sie hatte keine Zeit, dieses Problem jetzt zu lösen, aber sie wollte etwas klarstellen. Sie starrte die anderen an und ihr Gesichtsausdruck verriet ihre Entschlossenheit. „Hier geht es nicht ums Davonlaufen“, sagte sie. „Wir sind aus der Stadt geflohen, aber ich werde nicht mein ganzes Leben damit verbringen, wegzulaufen. Ravin wird das nicht gewinnen, nicht nach allem, was er getan hat. Streitet euch über alles andere, wenn ihr wollt, aber wir werden dieses Königreich zurückerobern.“ Sie sahen sie erst überrascht an, aber dann mit einem Hauch von Respekt. Lenore ging jedoch schon wieder weiter. Sie hatte nicht genug Zeit, um das Problem zu schlichten, das die beiden hatten. In diesem Moment fühlte es sich an, als hätte sie bereits zu viel Zeit verschwendet. Sie hatte sie damit verschwendet, die Prinzessin zu sein, die alle erwartet hatten. Sie hatte sie damit verschwendet, sanftmütig, gehorsam und passiv zu sein. Das würde sie jetzt nicht mehr tun. Für Lenore fühlte es sich an, als würde irgendwo in ihr ein Feuer brennen, angeheizt von all dem Verlust, den sie in den letzten Monaten empfunden hatte, all den Arten, wie sie betrogen oder verletzt worden war oder die von ihr gehen zu sehen, die sie geliebt hatte. Den Tod ihrer Mutter mitanzusehen, war das schlimmste gewesen, aber es war nicht das einzige. Ihr Bruder Rodry war tot und auch ihr Vater. Ihre Schwester Nerra war fort und Lenore wusste nicht, ob sie lebte oder tot war. Greave fehlte ebenfalls und er war auch nicht dafür geeignet, in einen Krieg verwickelt zu werden. Lenore war es auch nicht gewesen, aber es fühlte sich an, als würde dieses Feuer in ihr etwas in ihr verhärten, wie die Hitze von Devins Schmiede. An ihn zu denken, brachte eine Welle anderer Emotionen mit sich und sie wünschte, er wäre da – dass er sie finden würde. Lenore wusste jedoch, dass sie sich konzentrieren musste. Sie durfte nicht abgelenkt werden, auch nicht von dem Gedanken an Devin. Sie liefen weiter und bald lag ein Dorf vor ihnen, eingebettet zwischen Bäumen auf der einen Seite und offenen Feldern auf der anderen Seite. Es sah klein und verschlafen aus, mit Strohdächern und ruhigen Gärten zwischen den Häusern. Es gab eine Schmiede, ein Gasthaus, einen Getreidespeicher und einen kleinen offenen Platz mit ein paar Leuten, die ihren Angelegenheiten nachgingen, aber darüber hinaus gab es wenig zu sehen. Lenore ging ins Dorf, die anderen blieben hinter ihr. Die Leute starrten sie an und versuchten offensichtlich herauszufinden, wer sie waren und ob sie irgendeine Bedrohung darstellten. Lenore sah sich um und versuchte zu erraten, ob unter ihnen Stille Männer sein könnten. Das war der schwierige Teil bei dem, was sie tun würde: In dem Moment, als sie begann, Unterstützung zu suchen, bestand die Gefahr, dass Ravin davon erfuhr und zurückschlug. Trotzdem musste sie es tun, also ging sie in die Mitte des Dorfplatzes und stellte sich dort hin, während Erin ihre Hand fest auf ihrem Speer hielt und Odd sich nach möglichen Bedrohungen umsah. „Wer ist in diesem Dorf verantwortlich?“, fragte Lenore und bemerkte dann, dass sie zu leise sprach, um gehört zu werden. Sie konnte sich ihre Mutter dort vorstellen, die ihr sagte, sie solle lauter sprechen, damit ihre Stimme durch die Halle zu jedem einzelnen Lord getragen würde. „Wer führt die Dinge hier?“ Ein Mann trat vor, vielleicht vierzig, mit dem wettergegerbten Aussehen, dass man nur bei der Arbeit auf dem Feld oder auf See erhält. „Ich bin Harris, der Müller“, sagte er. Er nickte einem anderen Mann zu, der zehn Jahre älter sein musste als er, mit einem graumelierten Bart. „Und das ins Lans, unser Amtmann. Davon abgesehen sind dies jedoch einige von Lord Carricks Ländereien. Wer seid Ihr, meine Dame?“ Lenore holte Luft, blickte von Erin zu Odd, um Unterstützung zu finden, und fühlte sich so nervös wie vor einem höfischen Tanz oder schlimmer. Sie wusste, wie viele Gefahren es in diesem Moment geben könnte, all die feindlichen Beobachter, die lauern könnten, all die Bedrohungen, die sich aus dem ergeben könnten, was sie sagen wollte. Trotzdem musste sie es sagen. „Ich bin Lenore, Tochter von Königin Aethe und König Godwin dem Dritten. Ich bin aus Royalsport gekommen, um mit Euch allen zu sprechen – um Unterstützung zu holen und den Schaden, den König Ravin angerichtet hat, rückgängig zu machen.“ Der ältere Mann, Lans, sah Lenore einen Moment an, bevor er den Kopf schüttelte. „Was für ein Scherz ist das?“, forderte er. „Seid Ihr hier, um von uns zu stehlen oder um unsere Loyalität zu testen? Warum lügt Ihr uns an, Mädchen?“ „Nein“, sagte Lenore. „Es ist keine Lüge. Ich bin Prinzessin Lenore.“ „Prinzessin Lenore ist tot“, sagte Lans. „Jeder weiß das. Herolde kamen hierher, um es zusammen mit dem Tod der Königin zu verkünden.“ Er drehte sich um und schüttelte den Kopf. Der Müller wollte mit ihm gehen, aber Lenore trat vor und packte ihn am Arm. Er wollte sie abschütteln und schob sie zurück und Lenore sah, wie Erin auf ihn zuging. Erin packte den großen Mann und drehte seinen Arm auf eine Weise hinter seinem Rücken, die schmerzhaft aussah. Das war nicht das Klügste in diesem Moment. Sie hob eine Hand, um ihre Schwester zurückzuhalten. „Erin, lass ihn gehen“, sagte sie. Sie konnte sehen, wie einige der Dorfbewohner um sie herum unruhig wurden, und sie konnte sehen, wie Odds Hand zu seinem Schwert fuhr und er nach Drohungen Ausschau hielt. „Aber er will nicht zuhören“, antwortete Erin. „Er wird zuhören“, sagte Lenore. „Aber nicht, wenn der einzige Grund, warum er es tut, darin besteht, dass wir ihn verletzen. Lass ihn gehen.“ Sie tat es und Lenore atmete erleichtert auf. Sie sah, wie der Müller sein Handgelenk rieb, wo Erin ihn gepackt hatte, und wusste, dass sie nur einen kurzen Moment Zeit hatte, um seine Meinung über sie zu ändern. „Wenn Ihr gehört habt, dass ich tot bin“, sagte Lenore, „solltet Ihr vielleicht überlegen, warum sie das sagen. Vielleicht liegt es daran, dass sie wissen, dass wir eine Bedrohung für sie sind. Vielleicht liegt es daran, dass wir die einzige Chance sind, uns gegen all das zu wehren, was passiert ist. Ich weiß, es ist schwer zu glauben, aber ich bin Prinzessin Lenore, und das ist meine Schwester, Prinzessin Erin. Ihr habt gehört, dass sie bei den Rittern des Sporns gelernt hat? Glaubt Ihr, jemand von so kleiner Statur, der nicht von Rittern ausgebildet wurde, könnte Euch das so leicht antun?“ Der Müller sah Erin an. „Ja, vielleicht.“ „Und das ist Odd“, sagte Lenore und deutete auf die Stelle, an der der ehemalige Ritter noch immer mit der Hand am Griff seines Schwertes bereitstand. „Er war früher Sir Oderick der Verrückte.“ Sie sah, wie der Müller Odd in offensichtlicher Angst anstarrte. „Würde jemand darüber lügen? Würde sich jemand trauen, es zu behaupten, wenn er wüsste, wie viel Ärger es bringen würde? Allein dadurch, dass ich Euch sage, wer ich bin, habe ich mich und meine Schwester in Gefahr gebracht.“ „Möglich …“, sagte Harris der Müller. Lenore wusste, dass sie jetzt mit Nachdruck vorgehen musste, sonst würde sie ihn nie überzeugen. „Wir sind nicht hier, um Euch anzulügen oder von Euch zu stehlen, sondern, um eine Armee aufzubauen. Versammelt die Leute und lasst sie mir zuhören. Danach habt Ihr die Wahl, was Ihr tun wollt und ob Ihr mir glaubt. Bitte.“ „In Ordnung“, sagte er. „Heute Abend im Gasthaus, aber ich kann nicht versprechen, dass sie zuhören werden.“ „Sie werden zuhören“, sagte Lenore. „Ich werde sie dazu bringen, dass sie zuhören.“ KAPITEL VIER Nerra stand auf der Terrasse des Tempels der Insel der Hoffnung und beobachtete, wie die Menschen der Insel nacheinander auf den Brunnen zukamen. Nerra stand daneben und versuchte, ihnen Zuversicht zu geben, als sie gingen, um ihr Schicksal zu erfüllen. Oben auf den Hängen saßen die Drachen, ihre kollektive Präsenz konzentrierte sich auf den Teich und löschte die letzte Magie des Fluches aus. Shadr war in ihrem Herzen größer als jeder von ihnen, von einem Schwarz, das so tief war, als würde man in den Nachthimmel schauen. Die anderen Vollkommenen nahmen Schöpflöffel und Tassen, Becher und alle anderen Behälter, die sie finden konnten, und gaben das Wasser an diejenigen mit der Drachenkrankheit weiter. Nerra nahm ihrerseits eine Tasse, tauchte sie in den Brunnen und gab sie an eine junge Frau weiter, die aussah, als wäre sie erst vor kurzem auf der Insel angekommen, weil die Schuppenflecken auf ihrer Haut noch nicht auffällig waren. Nach menschlichen Maßstäben war sie zierlich gebaut und hübsch und sie biss sich auf die Lippe und starrte die Tasse an, die Nerra ihr gab. „Ich habe Angst“, sagte das Mädchen. „Das musst du nicht“, beruhigte Nerra sie. „Das wird dir helfen. Es wird dich das sein lassen, was du immer sein solltest. Ich hatte auch Angst, als ich hierherkam.“ „Werde ich so sein wie du?“, fragte sie. Wie sie. Nerra brauchte einen Moment, um sich daran zu erinnern, was sie war. Sie blickte auf die blauen Schuppen, die ihre Arme bedeckten, spürte, wie sich die Krallen nach Belieben ausdehnten, und schmeckte die Luft mit Sinnen, die sie nie zuvor gehabt hatte. „Du wirst etwas Großartiges werden. Trinkt alle, trinkt.“ Sie tranken auf einmal, einige tranken einen kleinen, andere einen großen Schluck. Für einen Moment passierte nichts, aber Nerra wusste es besser, als  jetzt noch zu glauben, dass es nur Wasser war. Sie hörte den ersten von ihnen schreien, sah den ersten von ihnen zusammenbrechen und für eine Sekunde erfasste sie Angst. Was wäre, wenn etwas schiefgelaufen wäre? Was wäre, wenn der Fluch nicht wirklich aufgehoben worden wäre? Vertraue uns, Nerra, sagte Shadr zu ihr. Vertraue mir. Sie verändern sich und sterben nicht. Während die Schreie um sie herum aufstiegen, konnte Nerra den Prozess beobachten. Die Körper begannen sich zu dehnen und neu zu formen, und die Schreie wurden gutturaler und bestialischer, als sich die Menschen dort zu verwandeln begannen. Wie viele würden vollkommen werden und wie viele würden als die Geringeren übrig bleiben? Was auch immer es sein würde, sie würden immer noch mehr als menschliche Dinge sein. Nerra schluckte, wissend, dass es wahr war, und hasste es dennoch, zu sehen, wie sich Knochen streckten und brachen, die Haut riss und sich verzerrte und sich reformierte. Komm, Nerra, drang Shadrs Stimme beruhigend in ihre Gedanken. Flieg mit mir. Die Drachenkönigin senkte ihren Hals und erlaubte Nerra, hinaufzuklettern. Ihre Krallenhände fanden Halt auf den aufgerauten Schuppen an den Schultern des Drachen. Shadr breitete die Flügel so weit aus wie die Segel eines großen Schiffes und stieg mit wenigen Flügelschlägen in die Luft. Innerhalb von Sekunden war die Insel der Hoffnung weit unter ihnen. Die Ruinen des Dorfes schwelten immer noch. Es ist schwer für dich, ihren Schmerz zu beobachten, sagte Shadr, als sie über der Insel waren. Aber dieser Schmerz ist ein notwendiger Teil der Dinge, die sich ändern. Sie werden mehr, viel mehr sein, wenn es vollzogen ist. „Ich weiß“, sagte Nerra. Der Wind peitschte ihr die Worte von den Lippen, aber sie wusste, dass der Drache sie hören würde. „Es tut dennoch weh, sie zu sehen.“ Du bist gütig, sagte Shadr zu ihr. Du musst aber auch stark sein. In den kommenden Schlachten musst du es sein. „Das werde ich“, versicherte Nerra ihr. „Wann werden wir dorthin fliegen?“ Demnächst. Bald wird die Welt wieder so sein wie sie war. Wie sie sein muss. Nerra hatte gesehen, was diese Welt sein würde und was sie gewesen war. Es war wunderschön gewesen, als die Drachen herrschten und die Vollkommenen als Verbindungen zwischen ihnen und der Masse der Menschen dienten. Ja, es gab immer noch einen Teil von ihr, der einen winzigen nagenden Zweifel zu haben schien, aber Nerra ignorierte ihn, weil es keinen Sinn ergab. Dies hier war das, was geschehen musste. Es gibt jedoch etwas, das zuerst passieren muss. Shadr ruderte auf den Boden zu und landete auf einem leeren Strand. Nerra rutschte von ihrem Rücken herunter und starrte sie dann an. „Was? Was muss passieren? “ Es gibt eine Bedrohung, die in den Erinnerungen unserer Art an die Rebellion der menschlichen Dinge groß ist, ein Objekt, das die Chancen für sie ausgeglichen, und Brutverwandte gegeneinander aufgebracht hat. Sie konnten uns nicht aus eigener Kraft bekämpfen und entwickelten einen Trick, um uns zu überwältigen. Nerra konnte kaum glauben, dass irgendetwas die Drachen aufhalten konnte, aber wenn es wahr war und so etwas da draußen war, war es eine große Gefahr. „Zeig es mir“, sagte sie. Shadr neigte leicht ihren großen Kopf und Bilder überfluteten Nerras Gehirn. Sie sah zu, wie Menschen gegen die Drachenmassen marschierten. Sie sah einige von ihnen brennen, einige von ihnen von Krallen oder Schwanzschlägen zerrissen zu Boden fallen. Sie sah Blitze und Feuer und mehr über sie strömen. Sie sah, wie die Reihen der Geringeren ein Feld überfluteten, das so groß war, dass es sich bis zum Horizont zu erstrecken schien. Für einen Moment schien es, als würde die Rebellion niedergeschlagen und die natürliche Ordnung der Dinge wieder aufgenommen. Dann trat ein Mann vor, er hielt etwas mit beiden Händen fest, als wäre es zu kostbar, um das Risiko eines Sturzes einzugehen. Es leuchtete mit Juwelen in den verschiedenen Farben der Drachenverwandten und in seiner Mitte lag eine Schuppe, die sich im Licht der Drachenflamme spiegelte. Nerra wusste, ohne dass es ihr gesagt wurde, dass es von einem der mächtigsten ihrer Art stammte, von einer ehemaligen Drachenkönigin, eingesammelt von eifrigen Händen, als die Schuppe in einem Kampf gefallen war. Nerra sah den Moment, als der Erste der Geringeren vor diesem Amulett zurückwich. Sie sah jedoch schlimmeres, denn die Drachen selbst stockten in ihrem Flug und nun fielen ihre tödlichen Flammen auf die Geringeren und sogar die Vollkommenen. Dann begannen sie, ihre eigene Art anzugreifen. In Nerras Gedanken blitzten jetzt Bilder und Momente, wo Drachen aufeinander zuflogen, nicht nur in der Schlacht, sondern immer wieder darüber hinaus. Sie sah, wie sie sich vom blauen Himmel herunterstürzten, so wie Falken auf wartende Tauben stürzten, und mit Krallen, die zu scharf waren, um Widerstand zu leisten, an ledrigen Flügeln rissen. Manchmal fielen die angreifenden Drachen, aber die Menschen kümmerten sich nicht darum. Es war nur ein weiterer toter Drache für sie. Der Schrecken ging weiter. Nerra sah Drachen in schrecklichen Verwicklungen am Himmel kämpfen, sah die Luft voller Feuer, Gift und Eis. Sie sah, wie die jungen Drachen von älteren getötet wurden, und sah, wie Drachen menschliche Jäger zu den Verwundeten führten, um sie zu töten. Nerra schrie auf, sie wollte nicht mehr zuschauen, konnte das Blut und den Tod von Kreaturen nicht ertragen, die so schön und mächtig waren. Wie konnten die menschlichen Dinge etwas so Böses tun, um sie zu töten, wenn sie im Vergleich zu den Drachen solch schwache, grausame Dinge waren? Nerra kehrte mit einem Atemzug der Angst in die Gegenwart zurück. Sie lag am Strand, Shadr stand über ihr, Mitgefühl floss vom Drachen zu ihr. „Wie … wie konnten sie das tun?“ sie forderte. „Sie müssen aufgehalten werden!“ Das werden sie. Die Dinge werden wiederhergestellt, aber dafür muss das Amulett zerstört werden. Und dafür mussten sie es finden. „Es ist nicht im Freien“, sagte Nerra. „Es ist nichts, worüber mir bisher irgendjemand etwas erzählt hat.“ Ich weiß, sagte Shadr. Selbstverständlich wusste sie es, da die beiden so stark verbunden waren. Aber du kennst die Königreiche der menschlichen Dinge. Wo würden sie ein Objekt von solcher Macht verstecken? Nerra versuchte nachzudenken, aber die schiere Anzahl von Möglichkeiten war überwältigend. So etwas könnte nach so langer Zeit überall versteckt sein. Ein Adliger könnte es als Schmuckstück haben oder es könnte im Laufe der Generationen hundertmal gestohlen und wieder gestohlen worden sein. Menschenleben vergingen so schnell, dass es in eine Kiste gelegt und vergessen, begraben und verloren worden sein könnte. Wenn es verloren ist, ist es keine Bedrohung, betonte Shadr. Aber es wird nicht verloren sein. „Ein Großteil des Wissens über die Drachen war verloren“, sagte Nerra. „Die Menschen wissen, dass sie existieren oder existierten, aber sie behandeln sie so, als wären sie etwas sehr Fernes. Sie behandeln sie fast wie Mythen.“ Es gibt die, die es wissen, beharrte Shadr. Der Wächter auf dieser Insel wurde aus einem bestimmten Grund hierher gebracht, und es gibt diejenigen, die dafür gesorgt hätten, dass das Wissen nicht verloren ging. Dies ist eine zu mächtige Magie, um sie zu vergessen. „Sammler von magischen Dingen könnten es haben“, sagte Nerra. „Außer dem königlichen Magier gibt es immer jene, die mit der Magie arbeiten. Jeder von ihnen könnte es in seinem Besitz haben.“ Vielleicht. Das fühlte sich jedoch nicht richtig an und selbst ohne Shadrs Aufforderung wusste Nerra, dass sie so nicht weiterkamen. Sie versuchte sich in die Denkweise der Menschen von vor so langer Zeit zu versetzen. Wie hätten sie gedacht? Was hätten sie getan? „Diejenigen, die den Krieg gewonnen haben, wären die neuen Herrscher gewesen“, sagte Nerra. Ich kann mich nicht erinnern, weil keiner von uns dort war, um es zu sehen, antwortete Shadr. „Nein, das wären sie gewesen, ganz sicher. Und die Leute, die herrschten, hätten gewusst, wie wichtig eine solche Waffe ist. Sie hätten daran festgehalten – bei einem Gegenstand mit solch machtvoller Magie hätten sie es jedoch sicher denen gegeben, die damit umgehen könnten.“ Plötzlich schien die Zahl der Möglichkeiten geschrumpft zu sein. Wer würde das Wissen der Drachen aufrechterhalten? Wer würde das Wissen über magische Dinge bewahren und bereit sein, wenn der König sie rief? Nerra konnte sich nur zwei Möglichkeiten vorstellen. „Entweder hat es der Magier des Königs oder das Haus der Gelehrten“, sagte sie. „Wenn es der Magus ist, wird er es in seinem Turm in Royalsport haben. Wenn es die Gelehrten sind … sie haben auch ein Haus in Royalsport, aber so einen Gegenstand … Ich denke, sie würden ihn in ihrer Bibliothek in Astare verstecken. Greave sprach oft über die Bibliothek. Er wollte eines Tages dorthin gehen.“ Es war seltsam, so an ihren Bruder zu denken, jetzt, wo sie so weit über alles Menschliche hinaus war. Wir müssen uns entscheiden, wo wir suchen wollen, sagte Shadr. Mir gefällt der Gedanke nicht, zuerst in den Turm des Magiers oder zum Ort der Könige zu gehen. Das birgt zu viel Risiko. „Dann fliegen wir nach Astare?“, fragte Nerra. Der Drache blies einen Hauch von Schatten in den Himmel. Wir fliegen nach Astare und holen uns das eine, was uns aufhalten könnte. KAPITEL FÜNF Greave starrte gespannt hinaus, als die Küste des Nordreichs in Sicht kam. Er vermutete, dass er ein anderer Mann war als bei seiner Abreise, und nicht nur, weil seine zarten Gesichtszüge jetzt von einem dunklen Bart überschattet wurden, sein dunkles Haar vom Wind zerzaust oder sein schlanker Körper durch die körperlichen Anstrengungen der Reise muskulöser geworden war. Er vermutete, dass selbst seine eigene Familie ihn nicht erkennen würde, obwohl der Seemann hinter ihm es schließlich getan hatte. Er hatte nie gedacht, dass er beim Anblick der Heimat so viel Freude und gleichzeitig solche Sorge empfinden würde. Wenn man dem Seemann glauben sollte, der ihn nach Hause steuerte, hatte sich seit seiner Abreise so viel geändert. Er hatte den Beginn der Invasion in Astare selbst gesehen. Wenn in Royalsport das Gleiche geschehen war … , dann musste er etwas dagegen tun. Er hatte sich auf den Weg gemacht, um seine Schwester zu retten, und er hatte immer noch die Mittel dazu in einer Phiole an seinem Gürtel. Jetzt gab es jedoch mehr Menschen, die gerettet werden mussten, und Greave war sich nicht sicher, ob er die Fähigkeiten dazu hatte. „Wie lange dauert es, bis wir Land erreichen?“, fragte Greave den Mann, der mit entschlossener Hand an der Pinne stand. „Nicht mehr lange. Seid Ihr sicher, dass Ihr nicht einfach zurück auf die Insel wollt?“ Greave wollte nicht so tun, als wäre er nicht versucht. Auf der Insel, auf der er mit seinem provisorischen Floß angespült worden war, gab es mehr als genug Nahrung, Wasser und Unterkunft, um auf unbestimmte Zeit zu überleben. Es wäre einfach und sicher gewesen, einfach dort zu bleiben und den Krieg abzuwarten und erst dann zurückzukehren, wenn alles vorbei war. Das würde bedeuten, jeden zu verlassen, den er liebte. Seine Schwestern. Aurelle … Ihr Name schlich sich in seine Gedanken, ohne dass er es wollte. Trotz allem, was sie getan hatte, um ihn zu verraten, trotz der Tatsache, dass sie geschickt worden war, um ihn zu töten, konnte er nicht anders, als an sie zu denken. Nein, er würde sich auf die anderen konzentrieren, auf seine Familie. Greave starrte hinaus, als die Küste näher kam. Der Seemann brachte sie in eine abgelegene Bucht, von der ein grob behauener Pfad nach oben zu führen schien. Greave spürte das Kratzen des Bootes auf den Steinen und sprang hinunter, dankbar, wieder Boden unter seinen Füßen zu spüren. Er drehte sich um und legte seine Hände auf das Boot, bereit zu helfen, es abzustoßen. „Danke dafür“, sagte er zu dem Seemann. „Danke, dass Ihr mich nach Hause gebracht habt.“ „Dankt mir nicht“, sagte der andere Mann. „Ich habe Euch wahrscheinlich in Euren Tod gebracht.“ „Trotzdem“, sagte Greave. „Wenn wir beide das durchstehen, sucht mich auf und ich werde sehen, dass Ihr für Eure Hilfe belohnt werdet. Ich halte meine Versprechen und helfe denen, die mir helfen.“ „Ihr seid jetzt nicht weit von Royalsport entfernt“, sagte der Seemann. „Geht ins Landesinnere und Ihr werdet bald auf eine Straße stoßen. Dann geht nach Süden und Ihr werdet in ein oder zwei Tagen dort sein.“ Greave nickte. Er half, das Boot vom Ufer des Slate zurückzuschieben, und der Seemann ruderte es so weit zurück, bis er das Segel wieder benutzen konnte. Greave sah ihm nach und drehte sich dann um, um vor Einbruch der Dunkelheit so weit wie möglich in Richtung Royalsport zu kommen. Er kletterte den kleinen Pfad vom Ufer hinauf und befand sich auf grasbewachsenem Hochland, als er die Spitze einer kleinen Klippe erreichte. In der Ferne sah er von Bäumen umrahmte Felder und etwas, das wie ein Karrenpfad aussah und in die Richtung der Felder führte. Greave folgte dem Pfad und sagte sich, dass dies wahrscheinlich der beste Weg war, eine größere Straße und dann einen Weg nach Royalsport und zu seiner Familie zu finden. Er war sich nicht sicher, was er tun würde, wenn er dort ankam, also begann Greave, seine Gedanken auf das Problem zu richten. Sein Verstand war immer sein größtes Kapital gewesen; er hatte es geschafft, auf einer Insel ohne Ressourcen ein Heilmittel gegen die Drachenkrankheit zu schaffen. Wenn er das geschafft hatte, könnte er es dann nicht auch schaffen, dieses Problem zu lösen? Es war jedoch kein Problem, es war ein Krieg, eine Invasion. Nein, sagte sich Greave, das war egal. Oder besser gesagt, es war zu groß, zu überwältigend, um den Gedanken daran zuzulassen. Wenn er an die überwältigenden Auswirkungen eines Krieges, an den Tod, an die Angst dachte, dann würde er sich nicht mehr konzentrieren können, um zu entscheiden, was als Nächstes zu tun war. Greave wusste, wie man mit Problemen umging. Der Philosoph Araxon hatte gesagt, dass der geeignete Weg, um mit einem Problem umzugehen, darin bestünde, es in eine Reihe kleinerer Probleme aufzuteilen, sie zu teilen und wieder zu teilen, bis man es in Schritte unterteilt hatte, die klein genug für einen Menschen waren. Sein Rivale Xero hatte selbstverständlich geschrieben, dass die wahre Komplexität der Probleme nur in ihrer Gesamtheit verstanden werden könne, aber Greave hielt dies im Moment nicht für hilfreich. Was den Krieg betraf, so war darüber genauso viel geschrieben worden wie über fast jedes andere Thema in der Geschichte der Menschheit. Greave hatte die Werke der großen Taktiker gelesen und die Prinzipien verstanden, denen er folgen musste. Er hatte Werke über Politik und Staatskunst gelesen, Geschichten der Herrscher, die früher gelebt hatten. Er hoffte, dass ein Teil davon ihm die Antworten geben würde, die er brauchte. Im Moment ging er weiter und versuchte den richtigen Weg zu finden. Er dachte weiter nach, ging weiter auf das große Problem ein, das sie alle zu töten drohte. Was war das Erste, was er tun musste? Greave wusste die Antwort darauf instinktiv: Er hatte nicht genug Informationen. Er verstand nicht den vollen Umfang des Geschehens, wusste nicht genug über die Details, um zu entscheiden, was zu tun war. Er musste herausfinden, wo seine Familie war und was mit ihnen passiert war. Er konnte nichts tun, um sie zu retten, wenn er nicht einmal wusste, wo sie waren. Das war das Erste, aber andere Schritte breiteten sich in einer scheinbar unmöglichen Kaskade danach aus. Er würde wissen müssen, was all die verschiedenen Gruppen im Königreich waren, wer wo regierte, welche loyalen Kräfte verblieben waren … Greave dachte immer noch darüber nach, als der kleine Pfad, auf dem er sich befand, einer größeren Straße wich, die durch einen bewaldeten Abschnitt führte. Reisende kamen jetzt auf der Straße an ihm vorbei, einige schleppten Säcke voller Habseligkeiten, andere trugen Waffen. Sie alle sahen Greave misstrauisch an und hielten sich von ihm fern. Zuerst zuckte er zusammen und glaubte, dass sie erkannt hätten, wer er war, aber dann erkannte er, dass es mehr damit zu tun hatte, wie wild er aussah, zerzaust und wahrscheinlich gefährlich. „Bin ich auf dem richtigen Weg nach Royalsport?“, rief er einem von ihnen zu, einem Mann, der unter dem Gewicht aller Habseligkeiten, die er hatte zusammenklauben können, zu kämpfen hatte. Er war etwas größer und breiter als Greave und trug einfache, aber gut geschnittene Kleidung. „Ganz genau“, sagte der Mann und nickte in die Richtung, in die Greave ging. Greave war dafür dankbar, denn zumindest bedeutete dies, dass er auf dem richtigen Weg war. „Danke“, sagte Greave. „Ihr wart sehr hilfreich.“ Als er es sagte, sah er, wie der andere Mann ihn anstarrte „Ich kenne diese Stimme“, sagte er. Greave begann, sich leicht zurückzuziehen, und Unbehagen wallte in ihm auf. Er wollte nicht erkannt werden, nicht hier, nicht jetzt. Er starrte den anderen Mann an und versuchte herauszufinden, woher er ihn möglicherweise kennen konnte. „Ich dachte, Ihr schient vertraut, als ich Euch sah, aber die Stimme kenne ich ganz sicher. Ich habe in der Burg gearbeitet und Euch einmal gehört, als Ihr in den Gärten Gedichte rezitiert habt.“ Diese Worte trafen viel zu genau die Wahrheit. „Ihr irrt Euch“, sagte Greave. „Ihr kennt mich nicht.“ Der andere Mann trat einen Schritt vor. „Das tue ich doch. Ihr seid Prinz Greave.“ Im Moment des Erkennens blitzte Angst durch Greave, aber er unterdrückte sie. Er konnte diesem Mann gegenüber keine Reaktion zeigen. „Ihr irrt Euch“, wiederholte er. „Was würde Prinz Greave auf einer Straße wie dieser tun?“ „Ich irre mich nicht“, sagte der Mann. Er starrte Greave jetzt scharf an. „Eure Kleidung ist zu edel für einen Bauern und Euer Gesicht ist trotz dieses Bartes das Gleiche.“ Die Angst begann sich in Greave zu etwas anderem zu verhärten. Er konnte nicht gefunden werden, nicht jetzt, noch nicht. Er brauchte Zeit, um herauszufinden, was er tun würde, und um zu seiner Familie zu gelangen. Wenn dieser Mann jemandem erzählte, was er gesehen hatte, wenn er es der falschen Person gegenüber erwähnte, war Greave in großer Gefahr. „Es ist wichtig, dass Ihr niemandem davon erzählt“, sagte Greave und wusste, dass es keinen Sinn mehr hatte, es zu leugnen. Der andere Mann hatte sich entschieden, und nichts würde ihn vom Gegenteil überzeugen. Was blieb noch? Ein Appell an seine Loyalität? „Wenn Euch dieses Königreich etwas bedeutet …“ „Welches Königreich?“, schoss der andere Mann zurück. „Es ist alles Ravin zugefallen. Sogar der Rest der Königsfamilie wurde von ihm getötet.“ Bei diesen Worten schoss der Schmerz scharf und plötzlich durch Greave und schien alles andere zu betäuben. Er wusste nicht, wie er in diesem Moment reagieren sollte, wusste nicht, was er sagen oder tun sollte. „Nein, das kann nicht wahr sein“, sagte er. Er konnte es nicht akzeptieren, würde es nicht akzeptieren. „Ich habe Königin Aethes Hinrichtung mit eigenen Augen gesehen und sie haben einen Tag später den Tod von Prinzessin Lenore und Prinzessin Erin verkündet. Braucht kein Genie, um herauszufinden, was dort passiert war. Stille Männer.“ „Nein, Ihr liegt falsch, Ihr lügt“, sagte Greave, weil der Schmerz seines Verlustes zu groß war. Er vermischte sich mit einer Wut, die ihn überraschte und die sich die ganze Zeit in ihm aufgebaut haben musste. Er ging auf den anderen Mann zu, und jetzt hatte er ein Messer in der Hand. „Ich lüge nicht. Jetzt seid nur noch Ihr da, Prinz Greave. Zumindest bis jemand den Stillen Männern sagt, wo Ihr seid.“ Er wusste, wie gefährlich diese Situation für ihn war und er konnte fast Aurelles Stimme hören, die ihm sagte, was die offensichtliche Lösung war und ihm den einzigen Ausweg aus all dem gab. Er musste diesen Mann töten, bevor er es jemandem erzählte. Greave sah, wie der Mann sich zurückzog, aber er war immer noch nahe genug, dass Greave leicht nach vorne springen und eine Klinge in ihn stoßen konnte. Aurelle hätte es getan, aber Greave … er konnte es nicht tun. Es gab noch bessere Möglichkeiten, damit umzugehen. Er konnte dem Mann Geld anbieten, mit ihm reden, seinen Weg aus dieser Situation heraus denken. Er war kein Mörder. In der Sekunde, in der Greave zögerte, rannte der andere Mann los und lief in den Schutz der Bäume. Greave starrte ihm schockiert nach und ging dann einfach weiter, weil er nicht wusste, was er sonst tun sollte. KAPITEL SECHS Lenore wartete im Gasthaus, während Odd es vorsichtig betrachtete und anscheinend versuchte, alle Möglichkeiten ausfindig zu machen, wie jemand sie dort verletzen könnte. Lenore war sich nicht sicher, wie viele es gab. Es war ein großer, offener Raum mit ein paar Tischen und Bänken, ein paar Fässern an einem Ende und enthielt ansonsten wenig. Währenddessen saß Erin bei ihr, trank ein kleines Bier und pflückte an einem Stück Brot und Käse. Gelegentlich sah sie zu Odd hinüber und der Blick war nicht freundlich. „Was ist los zwischen euch beiden?“, fragte Lenore. Erin sah weg und antwortete nicht. „Erin …“ „Du kannst mir nicht befehlen, Lenore“, schnappte sie. Lenore legte ihre Hand auf die ihrer Schwester. „Nein, du bist meine Schwester und ich sorge mich um dich. Ich sorge mich um dich.“ „Du musst dir keine Sorgen um mich machen“, sagte Erin. „Nur über die Leute, die mir in die Quere kommen.“ Lenore seufzte. Sie wusste nicht, was sie zu der Wut sagen sollte, die in ihrer Schwester brodelte und die jetzt so oft an die Oberfläche kam. Sie hatte eine Spur der gleichen Wut, aber es war nicht dieses lodernde Ding, das drohte, alles um Erin herum zu konsumieren. Sie wusste nicht, was sie sagen oder tun könnte, um zu helfen. Vielleicht würde es ausreichen, wenn es ihnen gelingen würde, das Königreich zurückzugewinnen, aber Lenore wusste, wie lange das dauern konnte, und sie wusste, dass sie Erins Hand nicht den ganzen Weg halten konnte. Sie konnte nur hoffen, dass es ausreichen würde, für sie da zu sein. Im Moment kamen Leute in das Gasthaus, Männer und Frauen traten zu zweit ein. Es waren nicht viele, weil es kein großes Dorf war, aber es waren immer noch genug, sodass sich das Gasthaus langsam füllte, dicht gepackt, wie der große Saal des Schlosses für ein Publikum gewesen sein könnte. Die Leute sahen zu Lenore und ihrer Schwester hinüber, offensichtlich, nachdem sie gehört hatten, wer sie waren, und kamen, um zu sehen, was passieren würde, auch wenn sie es nicht ganz glaubten. In einem Dorf wie diesem war es einfach, Leute an diesem Ort zusammenzubringen. Lenore war sehenswert, vielleicht etwas, worüber man später sprechen konnte. Der schwierige Teil war, wie sie dieses Momentum nutzen konnte. Das war, als würde man Zündelholz in Brand setzen, und jetzt würde es zu einem Feuer wachsen oder ins Leere verpuffen. Das machte die Dinge, die Lenore sagen wollte, wichtiger als alles, was sie in ihrem Leben gesagt hatte. Tatsächlich wurde ihr langsam klar, dass die meisten Dinge, die sie zuvor gesagt oder getan hatte, nicht sehr wichtig waren. Das war eine harte Erkenntnis. Für so lange Zeit ihres Lebens hatte sie gedacht, dass sie die Verantwortungsbewusste war, die das Richtige tat, indem sie die Prinzessin war, die jeder von ihr erwartete, aber wie viel Gutes hatte das wirklich in der Welt getan? Sie war ein hübsches Schmuckstück am Hof gewesen mit dem Zweck, so schnell wie möglich zu heiraten, um die Bindungen zwischen der Krone und einem ihrer wichtigsten Herzöge zu stärken. Sie war dort gewesen, um höflich und hübsch zu sein, aber nichts, was sie gesagt hatte, war für die meisten Menschen um sie herum je wirklich von Bedeutung gewesen. Nicht für ihren Ehemann, nicht für die Höflinge, nicht einmal für ihre Mutter. Nun, die Dinge, die sie nun sagen würde, würden ihre Mission in Bewegung bringen oder zerstören, bevor sie begonnen hatte. Erin bot ihr einen Schluck von ihrem Getränk an, aber dafür war Lenore zu nervös. Außerdem musste sie einen vollkommen klaren Kopf behalten. Sie musste sicher und selbstbewusst klingen, musste von Kopf bis Fuß die Herrscherin sein, die die Leute sehen mussten, damit dies funktionieren konnte. „Du schaffst das“, flüsterte Erin ihr zu, als das Gasthaus fast voll war. Lenore nickte und versuchte, es zu glauben. Sie stand auf und kletterte dann auf den Tisch, damit jeder sie sehen konnte. Die Zeit war gekommen. „Danke, dass Ihr gekommen seid“, sagte sie und hob ihre Stimme. „Ich heiße Lenore. Ich bin die Tochter von König Godwin dem Dritten.“ Sie hielt einen Moment inne, um das sinken zu lassen, und hörte das eine oder andere Keuchen aus dem Raum. Doch nur wenige waren überrascht, denn es schien, als hätten genug Leute sie bereits auf dem Dorfplatz gehört, sodass sich die Nachricht verbreitet hatte. „Mein Vater ist tot“, sagte sie und hielt den Kummer zurück, den sie fühlte. „Meine Mutter ist tot und mein ältester Bruder.“ „Wir haben gehört, Ihr seid auch tot!“, rief jemand aus der Menge. „Das ist das Gerücht, das König Ravin verbreitet hat“, sagte Lenore. „Und warum? Weil ich und meine Schwester Erin die Letzten sind, um die sich seine Opposition versammeln könnte. Meine Schwester Nerra und mein Bruder Greave werden vermisst. Vars, mein anderer Bruder, ist ein Feigling, der seinen eigenen Vater ermordet hat und als Ravins Marionette dient.“ Das rief eine Reaktion hervor und ein Murmeln lief durch die Menge. Der Mann, der zuvor gerufen hatte, war jedoch noch nicht fertig. „Woher wissen wir, dass Ihr die seid, die Ihr behauptet zu sein?“, forderte er sie heraus. „Glaubt Ihr, jemand würde sich wirklich als ich ausgeben?“, schoss Lenore mit einem bitteren Lachen zurück. „Warum dann nicht eher einen Mann finden und Rodry von den Toten auferstehen lassen? Ich bin Lenore, und jeder, der am Hof war, wird es wissen. Ihr werdet es alle bald mit Sicherheit wissen.“ Sie sah über sie hinaus. „Im Moment möchte ich Euch das Leiden ins Gedächtnis rufen, das Ravins Herrschaft mit sich bringt.“ „Hier draußen ändert sich nicht viel“, rief der Mann in der Menge zurück. Lenore konnte ihn jetzt erkennen: einen Mann mit Wieselgesicht und einem unterernährten Blick. „Ich sage, das alles betrifft nur das Stadtvolk! “ „Und werdet Ihr das auch sagen, wenn sie hierherkommen?“, fragte Lenore und hob ihre Stimme. „Wollt Ihr das sagen, wenn Ravins Soldaten Eure Ernte verlangen, um seine Armeen zu ernähren, während Ihr verhungert? Wollt Ihr das sagen, wenn seine Gesetze harte Strafen für jeden bedeuten, der gegen seine Herrschaft verstößt? Wenn Stille Männer durch die Straßen stapfen, nach Verrätern Ausschau halten und jemanden mitnehmen, nur weil er die falschen Worte flüstert? Wenn sie Eure Töchter als Ravins Spielzeug nehmen?“ „So wie sie Euch entführt hatten, meint Ihr?“, schrie der Mann zurück. Jetzt konnte Lenore sehen, wie ihre Schwester sich durch die Menge auf ihn zu drängte. Sie konnte die Gefahr erkennen, wollte ihre Schwester zurückrufen, aber sie konnte nicht aufhören, konnte den Schwung ihrer Rede nicht verlieren. „Dieser ganze Krieg ist Euretwegen“, schrie der Mann. „Ja, ich wurde entführt“, sagte Lenore. „Aber wenn Ihr glaubt, Ravin hätte keinen anderen Weg gefunden, irrt Ihr Euch. Er ist ein grausamer Mann, der nicht aufhören wird, bis er Euer aller Leben in der Hand hält oder bis wir ihn aufhalten.“ „Was können wir hoffen, zu tun?“ Das war nicht von dem Mann, der zuvor gesprochen hatte, sondern von einer Frau in der Menge, die scheinbar mit ihrem Mann und ihren Kindern gekommen war. Lenore lächelte darüber. „Ihr glaubt, Ihr seid zu schwach, um Euch einer Armee zu stellen, nicht wahr? Ihr glaubt, dass Ravin Euch mit einer Handbewegung vernichten könnte. Ich dachte das auch, als sie mich entführten, aber es ist nicht wahr. Wir sind alle, jeder von uns, stärker als wir glauben.“ Sie gab ihnen einen Moment Zeit, das zu verarbeiten. „Es gibt mehr Menschen in diesem Königreich, als selbst Ravin bekämpfen könnte, und sein Griff um die Macht in diesem Königreich ist bestenfalls schwach. Diejenigen, die auf seiner Seite stehen, tun es, weil sie glauben, dass es keine andere Wahl gibt. Nun, wir werden ihnen eine Wahl geben. Wir werden diese andere Wahl sein. Wir werden zusammen eine Armee aufbauen und dieses Königreich von denen zurücknehmen, die es gestohlen haben!“ „Unsinn!“, schrie der Mann, der sie belästigt hatte, in dem stillen Moment, in dem Lenore halb gehofft hatte, dass die Leute jubeln würden. „Schaut sie an. Nur ein Mädchen. Selbst wenn sie die Prinzessin ist, was ist sie dann schon? Eine Adlige mit leerem Kopf, die sich nie um einen von uns geschert hat und die sich mit dem Mann ins Bett geworfen hat, der Ravin am nächsten steht …“ „Redet nicht so über meine Schwester!“, schrie Erin als sie ihn erreichte. „Erin, nicht!“, schrie Lenore, aber es war zu spät. Sie sah Erins Faust gegen den Kiefer des Mannes krachen, ihr Knie hob sich in seinen Bauch. Er ging zu Boden und dann trat Erin ihn immer wieder, bis Odd sie von ihm wegzog. Jetzt starrten die Leute entsetzt auf die brutale Szene, die sich gerade abgespielt hatte. Lenore konnte praktisch spüren, wie der gute Wille um sie herum verschwand, und die Leute begannen wieder, sich von ihr zu entfernen und verließen das Gasthaus, einige von ihnen sahen sie angewidert an. „Nicht besser als die Invasoren“, sagte die Frau, die zuvor gesprochen hatte, als sie und ihre Familie sich umdrehten, um das Gasthaus zu verlassen. Lenore stand nur da und wusste nicht, was sie tun konnte, um ihre Meinung zu ändern. Sie konnte nur dort stehen und starren. Sie starrte immer noch, als Harris, der Müller, durch die sich zerstreuende Menge ging. Er hatte eine kräftig gebaute Frau bei sich, von der Lenore vermutete, dass sie seine Frau war, und er streckte eine Hand aus und half Lenore vom Tisch herunter. „Es tut mir leid“, sagte er. „Ich weiß, dass das nicht so gelaufen ist, wie Ihr es wolltet. Ich und Tess hier waren beeindruckt. Und Nevis kann manchmal einfach nicht den Mund halten.“ „Nein“, sagte Lenore. „Ich hätte das kommen sehen sollen. Ich hätte meine Schwester aufhalten sollen.“ „Die Leute sind nur schockiert“, sagte die Frau mit ihm. „Wenn sie beginnen, über die Dinge nachzudenken, die Ihr gesagt habt, werden sie erkennen, dass Ihr recht hattet.“ „Ich hoffe es“, sagte Lenore. „Das müsst Ihr“, sagte Tess. „Sonst wird es schlimmer. Oh, die Leute haben sich unter dem alten König, Eurem Vater, über Steuern und dergleichen beschwert, aber zumindest war er immer fair. Diese Südländer werden einfach alles nehmen.“ Lenore nickte. Sie hatten bereits zu viele der Menschen, die sie liebte, von ihr genommen. „Ich hoffe, sie erkennen es bald“, sagte sie. „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich hier viel ausrichte.“ „Ihr habt unsere Meinung geändert“, sagte Harris. „Und ich hätte nicht gedacht, dass Ihr das schaffen würdet, nach dem, was am Platz vorhin geschehen war. Hört zu, Tess und ich haben uns unterhalten und … habt Ihr drei eine Unterkunft?“ Lenore schüttelte den Kopf. Sie hatte geplant, im Gasthaus zu bleiben oder wieder auf die Straße zu gehen. „Dann bleibt Ihr bei uns“, sagte Tess. „Alle drei. Und wenn die Leute Zeit zum Nachdenken hatten, ändern sie vielleicht ihre Meinung.“ Lenore hoffte es. Wenn sie es nicht taten, war ihr Kampf gegen Ravins Armee vorbei, bevor er überhaupt begonnen hatte. KAPITEL SIEBEN „Was macht das Wasser, Vars?“ Vars fluchte, als er sich bemühte, den Kübel zu heben, und stöhnte, als er begann, ihn von der Pumpe hinter Bethes Haus zum Haus hinüberzutragen. Sie wartete drinnen auf ihn und arbeitete in der Küche, wo sie Brot backte. Vars wurde klar, dass es etwas war, das er noch nie zuvor gesehen hatte. Es war eine Sache, die Diener in der Küche taten, weit weg von den Augen anderer. Die Küche selbst … nun, es war nicht nur eine Küche, denn ihr Haus hatte wirklich nur zwei Zimmer, dieses und das hinten zum Schlafen. Beide waren spärlich mit Holzmöbeln eingerichtet, die offensichtlich alle von derselben Hand gefertigt worden waren. Im Schlafzimmer gab es ein großes Bett, eine Truhe für Kleidung und einen Kleiderschrank. Bethe hatte Vars ausgelacht, als er angedeutet hatte, dass er das Bett bekommen oder es zumindest mit ihr teilen sollte. „Kommt, helft mir, diesen Teig zu kneten, sagte Bethe, und Vars sträubte sich ein wenig. „Ich war ein König, das wisst Ihr“, sagte er und Ärger wallte in ihm auf. „Ich weiß“, sagte Bethe mit einem schwachen Lächeln, „und wenn Ihr es noch lauter sagt, werden es auch alle meine Nachbarn wissen. Jetzt kommt und macht Euch nützlich.“ In den letzten Tagen war es fast ständig das Gleiche gewesen. Vars hatte versucht, sie daran zu erinnern, dass er wichtig war, jemand, den man respektieren sollte, und jedes Mal hatte sie so reagiert, als hätte er etwas Amüsantes und Liebenswertes gesagt. Vars wusste nicht, wie er damit umgehen sollte. Ein Teil von ihm sagte, dass er ihr eine Art Lektion erteilen sollte, dass er sie schlagen sollte, um sie daran zu erinnern, dass er immer noch mehr war, als jemand wie sie jemals sein könnte. Er wusste jedoch, dass es besser war, nicht die eine Person zu verärgern, die seine Freiheit in ihren Händen hielt. Also knetete er den Teig. Es war eine seltsame Erfahrung, auf den Teig einzuschlagen und so hart daran zu arbeiten, um etwas so Einfaches wie Brot zu produzieren. Die Anstrengung dieser Arbeit ließ ihn tatsächlich schwer atmen, und Vars sehnte sich nach weichen Betten und Wein. „Warum … nicht … einfach … Brot kaufen?“, fragte er sie. Wer machte sich diese ganze Arbeit? „Glaubt Ihr, ich habe das Geld dafür übrig?“, antwortete Bethe. „Außerdem verdiene ich ein wenig  Geld mit dem Verkauf von Kuchen und Gebäck. Wenn die Leute hörten, dass ich nicht einmal mein eigenes Brot backe, glaubt Ihr, sie würden etwas von mir kaufen?“ Vars kam es seltsam vor, dass ein paar Backwaren hier und da das Leben eines Menschen verändern könnten. Wie konnte jemand so arm sein? Es war jedoch nicht zu leugnen, dass Bethe arm war und nur von einem Tag zum nächsten überlebte. Trotzdem hatte sie Vars aufgenommen und ihn vor Leuten gerettet, die sie sicherlich töten würden, wenn sie es herausfänden. Vars wusste nicht, ob er sich über die Großzügigkeit, die darin lag, wundern oder sie als etwas unbeschreiblich dummes betrachten sollte. Zu seiner Überraschung stellte ein Teil von ihm fest, dass er die einfache Frau sehr mochte. Er brachte ein Lächeln zustande. „Ich nehme an, es könnte ein bisschen mehr Geld einbringen, wenn die Leute wüssten, dass ich geholfen habe. Ihr könntet sagen, dass Euer Brot nach königlichem Rezept gebacken wurde.“ Bethe lachte darüber und Vars musste zugeben, dass sie schön war, wenn sie lachte. Und nett war sie sowieso, obwohl sie zu Vars' Überraschung und Ärger kein Interesse an ihm gezeigt hatte. Er war es gewohnt, dass Frauen ihn zumindest mit Respekt betrachteten, wenn nicht sogar mehr, einfach, weil er derjenige war, der er war. Das war natürlich das Problem; er war nicht mehr diese Person. Selbst der Versuch, es zu sein, würde ihn in Gefahr bringen. Dies war einer der Gründe, warum er dieser Frau nicht die Lektion erteilen konnte, die sie verdient hatte. Nachdem der Teig geknetet war, schob er ihn beiseite. „Kann ich mich jetzt ausruhen“, forderte er, „oder werdet Ihr Euch eine neue Folter für mich ausdenken?“ „Glaubt Ihr, wir sind für heute schon fertig?“, konterte Bethe. Vars wusste aus Erfahrung, dass dies nicht der Fall war. Jeden Tag schien es tausend irritierende, erschöpfende Dinge zu geben und nie genug Zeit, um sie alle zu erledigen. Sein Körper schmerzte von der Arbeit des Putzens und Kochens, Holens und Tragens. Er seufzte mit der Vorahnung auf alles, was wahrscheinlich kommen würde. „Oh, seid nicht so“, sagte Bethe. „Ich scherze nur mit Euch. Ruht Euch einen Moment aus, trinkt  etwas Wasser. Dann muss ich einen Ausflug zum Markt machen, um zu sehen, ob die Soldaten etwas Essen für den Rest von uns hinterlassen haben. Schade, dass Ihr nicht mit mir kommen könnt. Ich könnte ein zusätzliches Paar Hände gebrauchen, um Dinge zu tragen.“ Beide kannten die Gründe, warum er es nicht konnte. Sogar jetzt, Tage nach seiner Flucht aus der Burg, könnten Leute nach ihm suchen. Wenn sie ihn fanden, würden Vars getötet werden, und die Angst davor hatte ausgereicht, um ihn im Haus und seiner Umgebung zu halten, obwohl ein Teil von ihm begann, es als Gefängnis und nicht als sicheren Hafen zu betrachten. Er wollte weiterziehen. Der gesunde Menschenverstand sagte ihm, dass es das Beste sei, wegzulaufen, die Stadt zu verlassen, in die am weitesten entfernten Gebiete des Königreichs zu fahren oder sogar ein Boot über das Meer zu einer der kleineren Inseln zu nehmen. Selbst wenn er in das südliche Königreich ging, könnte er sicherer sein als hier. Die Leute dort mochten vielleicht sehen, dass er ein Nordländer war, aber sie würden Vars nicht als den erkennen, der er wirklich war. Dazu müsste er allerdings die Stadt verlassen. Jedes Mal, wenn Vars das Haus verließ, hatte er das Gefühl, als würden ihn aus jedem Fenster Augen beobachten, obwohl das etwas mit der Uniform zu tun haben könnte, die immer noch seine einzige Kleidung darstellte. Er war sich nicht sicher, ob die Uniform hilfreich oder ein Nachteil war. Für jeden, der nicht speziell nach ihm suchte, bedeutete dies wahrscheinlich, dass man ihn besser in Ruhe ließ, zumindest, solange die Uniform sauber genug blieb, dass er als dienender Soldat durchgehen konnte. Sie wurde jedoch von Tag zu Tag schmuddeliger und das bedeutete, dass Vars immer mehr wie ein Deserteur oder ein Dieb aussah, der von König Ravins Männern gestohlen hatte. Selbst wenn ihn niemand erkannte, könnte sich das als tödlich erweisen. „Ich brauche Kleidung“, sagte er. „Und wo bekomme ich die?“ Bethe sagte. „Wenn Ihr Münze bei Euch habt, könnte ich Euch Kleidung vom Markt holen.“ Vars schüttelte den Kopf. Er hatte kein Geld. Wenn er Geld gehabt hätte, hätte er zumindest schon einmal etwas Wein kaufen können. „Dann …“ Es klopfte an der Tür und Vars sah, wie sich Bethes Gesichtsausdruck veränderte. „Schnell, nach hinten!“ Vars eilte bereits zur Tür, die ins Hinterzimmer führte. Er hatte es in den letzten Tagen oft genug getan und war immer dort hineingerannt, wenn jemand zur Tür gekommen war. Im Hinterzimmer gab es ein einfaches Bett, einen Kleiderschrank aus einfacher Eiche und eine weitere Truhe aus hellem Holz, die mit Eisen gebunden und verschlossen war. Es gab einen kleinen Stuhl, aber Vars widerstand dem Drang, sich daraufzusetzen, und wartete und lauschte an der Tür. In dem kleinen Haus konnte er jedes einzelne Wort leicht hören. „Das ist in Ordnung, Moira. Ich werde es morgen für Euch machen lassen.“ „Ich habe Gerüchte gehört, dass Ihr einen neuen Mann habt, Bethe. Sie reden von einem Soldaten.“ Vars fühlte sich krank, als er die Worte hörte und sich sicher war, dass die ganze Stadt von ihm wissen musste. Er wollte rennen, aus dem hinteren Teil der Wohnung in die Stadt fliehen. „Die Leute klatschen über die falschen Dinge“, antwortete Bethe. „Das ist mein Vetter vom Dorf, der mir bei ein paar Dingen hilft. Ich weiß nicht, woher sie diese Geschichte mit dem 'Soldaten' haben. Ich meine, er besitzt ein rotes Hemd …“ Vars war überrascht, wie leicht die Frau gelogen hatte und dass sie bereit war, es für ihn zu tun. „Oh, kann ich ihn kennenlernen?“, fragte Moira. Vars verspürte einen neuen Nervenkitzel. Warum wollte diese Frau nicht einfach gehen? „Nun, er ist gerade nicht hier, er ist draußen auf dem Markt.“ „Er sollte besser vorsichtig sein, da draußen Rot zu tragen“, sagte Moira. „Die Leute könnten denken, er ist einer von ihnen. Hmm … sieht er gut aus?“ „Moira!“ Vars konnte den Schock dort hören. „Ihr seid eine verheiratete Frau. Und wenn ich Vetter sage, meine ich … nicht genau ein Vetter.“ „Nun, wenn er schon versprochen ist.“ Vars runzelte leicht die Stirn. Bethe war ja nett genug zu ihm gewesen, aber sie schien darüber hinaus nicht interessiert zu sein. Zum Glück ging der Besuch schnell und Vars konnte erleichtert aufatmen. Er trat von der Tür zurück und erreichte den Stuhl, bevor Bethe durchkam und er erwartungsvoll zu ihr aufblickte. „Ich weiß nicht, warum Ihr das tut“, sagte sie. „Ich bin sowieso sicher, dass Ihr zuhört.“ „Ich … könnte“, sagte Vars. Er wollte es nicht zu schnell zugeben, weil er nicht riskieren wollte, dass Bethe wütend auf ihn wurde und ihn gehen ließ. „Nun, ich würde es auch tun, wenn ich auf der Flucht wäre. Aber die Sache mit dem Hemd … Ich habe schon seit ein, zwei Tagen darüber nachgedacht.“ „Über was nachgedacht?“, fragte Vars. Würde sie ihm sagen, dass er gehen musste? Wohin würde er gehen? Was würde er tun? Bethe ging zur Truhe und holte einen großen Eisenschlüssel heraus, den sie in das Schloss steckte. Vars hörte das Klicken, als sie es drehte. Sie öffnete die Truhe, griff hinein und zog eine helle Bauerntunika, dunkle Hosen und einen breiten Ledergürtel heraus. Vars starrte sie überrascht an, als sie sie herausnahm. „Diese Dinge gehörten meinem Mann“, sagte Bethe. „Er war ein gütiger Mann, er hat mit Holz gearbeitet. Er war draußen auf der Straße, als die Soldaten in die Stadt kamen, und sie …“ „Es tut mir so leid“, sagte Vars und er war überrascht, dass er Mitgefühl für Bethe empfand. Normalerweise hätte ihm das Schicksal eines einfachen Mannes nicht viel bedeutet, aber jetzt konnte er den Schmerz sehen, den es der Frau vor ihm verursachte, den Kummer, der einen Schatten über ihr Gesicht warf. „Edric hätte gewollt, dass Ihr seine Kleider habt“, sagte Bethe. „Er hätte es gewollt, dass er dazu beitrug, jemanden in Sicherheit zu bringen. Er war immer so ein großzügiger Mann.“ Er klang wie das Gegenteil von allem, was Vars war, und für einen Moment fühlte sich Vars schuldig, dass er Teil des Grundes gewesen war, warum so viel Schrecken über die Stadt gekommen war. Es war jedoch nur ein kurzer Augenblick, denn in Wahrheit, was hätte irgendjemand anderes tun können, außer zu sterben? „Ich bin dankbar“, sagte Vars und nahm Bethe sanft die Kleidung ab. Er zog seine gestohlene Uniform aus und es war ihm egal, dass das Hemd etwas zu groß für ihn war oder dass die Bäuerin noch vor ihm stand, während er sich umzog. „Ihr seht besser aus“, sagte Bethe, als er fertig war. „Jetzt sollten wir wahrscheinlich diese Uniform verbrennen.“ Vars nickte. Für einen Moment, nachdem er sich angezogen hatte, fühlte er sich sicher, weit entfernt von irgendetwas in seinem früheren Leben, aber Bethes Worte waren eine Erinnerung daran, dass er immer noch in Gefahr war, dass er jederzeit in dieser Hütte gefunden und getötet werden konnte. Warum, fragte er sich, fühlte er sich trotzdem zufrieden? KAPITEL ACHT Erin saß draußen und beobachtete die Blätter der Windmühle mit ihrem Speer über dem Knie. Daneben stand ein Haus, das am Rande eines kleinen Bauernhofs lag, der ebenfalls Harris und seiner Frau gehörte. Das bedeutete, dass sie zumindest für den Moment genug Platz hatte, um allein sein zu können. Das war gut; je weniger Zeit sie gerade mit Odd verbrachte, desto besser. Sie war zu ihm gegangen, um sich von ihm unterrichten zu lassen, aber dann hatte er es gewagt, sie auf dem Platz zurückzuhalten, auf dem Ravin ihre Mutter ermordet hatte. Wenn Odd sie nicht zurückgehalten hätte, wäre Erin über diesen Platz gelaufen. Sie könnte es dort rechtzeitig geschafft haben, um ihre Mutter zu retten. Sie hätte zumindest Ravin für das, was er getan hatte, ermorden können. Die Tatsache, dass sie nicht …, dass sie dort untätig stehen musste …, brachte Erins Blut zum Kochen. Es war jedoch nicht genug. Der ganze Ärger auf der Welt würde nicht ausreichen, um den Kummer zurückzuhalten, der dahinter aufstieg. Tränen drohten, aus ihren Augen zu fließen, aber selbst hier, so weit weg von allen anderen, weigerte sich Erin, sie fallen zu lassen. Stattdessen ballte sie ihren Kummer zusammen, vergrub ihn in ihrem Zorn und benutzte ihn, um ihre Wut zu schüren. Sie nahm die Haube vom Kopf ihres Speers und stand auf, sie begann, sich damit zu bewegen und übte die Schläge und Paraden, die sie im Kampf mit einem echten Gegner ausführen würde. Während sie sich bewegte, stellte Erin sich diesen Gegner vor, sah, wie er sich bewegte, und stellte sich jede Bewegung vor, die er machen könnte. Anfangs war dieser Gegner eine amorphe, formlose Sache, nur eine anonyme Gestalt, die ein Schwert hielt. Das war jedoch genug, um Erin dazu zu bringen, sich schnell zu bewegen und den Ärger zu verarbeiten, der in ihrem Kopf aufstieg, während sie sich duckte und sprang, aufschlitzte und stach. Langsam nahm ihr imaginär Gegner die Züge von König Ravin an und Erin beschleunigte und dachte über alle Möglichkeiten nach, wie sie ihn angreifen könnte. In ihren Gedanken tötete sie ihn hundertmal, stach ihn in das Herz oder den Hals und schlug die Klinge ihrer Waffe über die Arterien des Arms oder des Beins. Ihr Speer schlug vor der Windmühle durch die Luft und drehte sich in einer Imitation der Mühlenblätter. Erin stellte sich vor, wie der Kampf verlaufen könnte, wie sie den Mann stürzen könnte, der ihrer Familie so viel Elend bereitet hatte. Langsam veränderte sich das Gesicht ihres Gegners wieder und Erin sah sich dem Bild von Odd gegenüber, der mit seiner unerschütterlichen Ruhe da stand, diesem Blick, der ihre Bemühungen wie die eines Kindes anzusehen schien. Erin beschleunigte wieder, schlug zu und verteidigte sich, jetzt rasend schnell, sie sprang und spannte und stieß gerade ihren Speer auf das Gesicht zu, als sich jemand näherte. Erin hielt die Waffe gerade rechtzeitig zurück, um zu verhindern, dass sie Tess, die Frau des Müllers, tötete. Erin senkte den Speer und starrte die Frau an, die ein Tablett in den Händen hielt, auf dem eine Schüssel Eintopf und etwas Brot standen. „Ich dachte … ich dachte, Ihr würdet etwas essen wollen“, sagte sie. Sie klang ein wenig ängstlich, als ob sie sich Sorgen machen würde, dass die Wut in Erin über sie hereinbrechen würde, um sie zu verzehren. „Danke“, sagte Erin. Sie steckte die lange Klinge ihres halben Speers in die Scheide. „Das ist eine ungewöhnliche Waffe“, sagte die andere Frau. „Ein Schwertmeister hat den Speer für mich ausgesucht“, antwortete Erin. „Er sagte, er passt besser zu mir als ein Langschwert. Ich werde ihn eines Tages in Ravins Herz stoßen.“ Sie erwähnte nicht die andere Gestalt, an die sie in ihrem imaginären Kampf gedacht hatte. Sie aß stattdessen und Tess blieb bei ihr, während sie es tat. „Ihre Schwester hat das Glück, dass Ihr sie beschützt“, sagte Tess. Erin zuckte mit den Schultern. „Was sie wirklich braucht, ist eine Armee.“ „Nun, zumindest in dieser Sache könnte es einen Anfang geben“, sagte Tess. „Die anderen wollten, dass ich Euch zurück zum Haus hole. Ich dachte nur, ich würde Euch Zeit geben, Euer Essen zuerst zu beenden.“ „Was meint Ihr mit ‘Anfang’?“, fragte Erin. „Kommt und seht selbst“, sagte Tess. Sie schritt voran zurück zum Bauernhaus, und Erin fand Lenore und Odd davor stehen. Lenore stand da wie ein General, der eine Armee befehligte, während Odd die Roben seines Mönchs mitgebracht zu haben schien, denn er trug sie jetzt wieder und stützte sich auf sein Schwert in der Scheide, seine edlen Kleider waren verschwunden. Bei ihnen standen ungefähr ein halbes Dutzend Männer. Ein paar hatten Schwerter, die offensichtlich von ihrem eigenen Militärdienst oder dem ihrer Väter übrig geblieben waren, während die anderen landwirtschaftliche Geräte, Äxte und Sicheln besaßen, sogar eine Sense war dabei. „Erin!“, rief Lenore als sie näher kam. Sie sah in diesem Moment so glücklich aus, dass jemand gekommen war, jemand hatte auf ihre Rede reagiert. Erin freute sich für sie, aber gleichzeitig konnte sie sehen, was für ein kleiner Anfang es war. Armeen brauchten Tausende von Männern, nicht sechs. „Sie kamen, weil sie mich im Gasthaus gehört haben“, erklärte Lenore. „Thom und Kurt haben schon früher als Soldaten gedient und die anderen sind bereit, zu lernen.“ „Sie werden viel zu lernen haben“, sagte Odd und Erin warf ihm einen harten Blick zu, obwohl es mehr oder weniger das war, was sie gedacht hatte. „Es ist ein Anfang“, sagte sie. „Und wir werden mehr bekommen“, sagte Lenore. „Harris und Tess werden uns ihren Hof für alle nutzen lassen, die zu mir kommen. Wir werden hier ausbilden und eine Truppe erstellen, die imstande sein wird, Ravin tatsächlich anzugreifen.“ Erin versuchte, sich diese Männer gegen die Soldaten des Südkönigreichs vorzustellen. Sie würden viel Übung brauchen. Lenore winkte Erin und Odd zur Seite und ging ins Bauernhaus, weg von den Männern, die gerade anfingen, mit ihren Waffen zu üben. Harris und Tess gingen mit ihnen. „Da gibt es noch etwas“, sagte Lenore, als sie sicher drinnen waren und sich vor ein Feuer setzten, das die große Küche mit ihren Steinmauern erwärmte. „Diese Männer sind ein Anfang und es wird noch mehr geben, aber wenn wir gewinnen wollen, brauchen wir ausgebildete Kämpfer auf unserer Seite. Wir brauchen die Adligen.“ „Ich bin nicht sicher, ob Ihr Lord Carrick wollt“, sagte Harris. „Er ist … ein harter Mann. Ein Grund, warum die Leute nicht auf Eure Rede über den neuen Imperator reagiert haben, der die Dinge noch schlimmer macht, ist, dass Lord Carrick uns bereits hart besteuert.“ „Lässt den Leuten kaum genug zu leben“, stimmte Tess zu. „Ist er der Lord hier?“, fragte Lenore. „Ich glaube, ich habe gehört, wie Ihr seinen Namen auf dem Dorfplatz genannt habt.“ „Das ist er“, sagte Harris. „Lebt in der großen Burg südöstlich von hier. Er schickt seine Männer raus, um Diebe aufzuhängen und sicherzustellen, dass jeder weiß, wem dieser Ort gehört.“ Für Erin klang er nicht anders als die Hälfte der Lords im Königreich. Ihr Vater hatte versucht, sicherzustellen, dass er gute Männer um sich hatte, aber niemand hielt an seinem Land fest, es sei denn, er war hart genug, um mit Banditen oder Aufständen fertig zu werden. Trotzdem konnte sie sehen, wie Lenore darüber nachdachte. Doch Erin hatte ihre eigenen Gedanken. „Ich glaube, ich habe von diesem Carrick gehört“, sagte Odd. „Er ist, wie man sagt, ein harter Mann, vielleicht sogar ein grausamer. Aber er war der Krone treu, als ich … na ja, bevor ich das hier war.“ Schämte er sich so dafür, wer er gewesen war? Hatte er solche Angst vor dem Zorn, der in ihm gewesen war? Für Erin war die Wut das einzige, was sie gerade in Bewegung hielt. Lenore traf eine Entscheidung. „Dann müssen wir reisen, um ihn zu sehen“, sagte sie. „Ich werde mit ihm sprechen und alles tun, um seine Unterstützung zu gewinnen. Wenn ich ihn an seine Loyalität erinnern kann, haben wir vielleicht seine Männer zur Verfügung.“ „Es wird immer noch nur ein Lord sein“, sagte Erin. Ihre Schwester nickte. „Ich weiß, aber wir müssen irgendwo mit den Lords anfangen, genauso, wie wir es mit dem Zusammenstellen einer Armee tun. Sobald wir einen Lord haben, werden andere folgen.“ „Niemand will der Erste sein, der etwas tut“, stimmte Odd zu. „Der Abt pflegte zu sagen, dass ein Damm jahrelang makellos stehen wird, aber sobald das erste Rinnsal auftritt, ist es nur eine Frage der Zeit bis zur Flut.“ Erin war sich nicht sicher, ob das als Weisheit gelten sollte, aber für sie war es einfach irritierend. Odd mochte vielleicht die Robe eines Mönchs tragen, aber an ihm war nichts Heiliges, was auch immer er vorgab. „Während wir fort sind, können die Leute weiterhin hierherkommen“, sagte Lenore. „Es wird ihnen einen Ort geben, an dem sie sich versammeln können und an dem sie anfangen können, zu trainieren.“ Sie sah zu Harris und Tess hinüber. „Wenn das für Euch beide in Ordnung ist? Ich möchte Euch nicht in Gefahr bringen.“ „Wir hätten es nicht angeboten, wenn wir nicht bereit wären, das Risiko einzugehen“, sagte Tess. „Wir werden die Leute sich hier versammeln lassen und sie können die Felder zum Üben nutzen, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie wissen, was zu tun ist, wenn es nur wenige echte Soldaten gibt.“ Erin sah ihre Chance. „Ich werde bleiben.“ Lenore sah zu ihr hinüber. „Du willst nicht mitkommen?“ „Du wirst Odd bei dir haben, um dich zu beschützen“, sagte Erin. Sie hoffte, dass sie ihm vertrauen konnte, dass er mindestens so viel tat. Er war ein guter Kämpfer, was auch immer er sonst war. „Und ich muss nicht dabei sein und einen Adligen um seine Gunst bitten.“ Sie konnte sehen, wie Lenore darüber nachdachte, und Erin wusste warum. Sie dachte wahrscheinlich darüber nach, wie viel einfacher eine andere Rede sein würde, ohne dass Erin mittendrin jemanden angriff. „Ich könnte anfangen, Leute zu trainieren, wenn sie kommen“, sagte Erin. „Ich weiß, dass die Ritter des Sporns mich hinausgeworfen haben, aber ich habe trotzdem bei ihnen gelernt.“ Конец ознакомительного фрагмента. Текст предоставлен ООО «ЛитРес». Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию (https://www.litres.ru/pages/biblio_book/?art=63590536) на ЛитРес. Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.