   Die verlorengegangene Grossmutter
  


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   Die verlorengegangene Grossmutter



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Es war einmal eine alte Frau, die lebte in einem ruhigen Dorf an einem breiten Fluss, der in einen grossen See m?ndete, am Rande eines tiefen Waldes, ?ber dem ein wundersch?ner Berg in all seiner Sch?nheit erstrahlte. Ihr ganzes Leben hatte sie mit dem Sammeln von Kr?utern verbracht und allen Menschen geholfen, die in ihre bescheidene H?tte kamen.



Eines fr?hen Morgens, als sie gerade wieder Kr?uter sammelte, h?rte sie auf einmal ein fr?hliches Lachen. Sie schaute sich nach allen Seiten um, konnte jedoch niemanden entdecken. Das Lachen ?hnelte dem lichtvollen Klang eines Gl?ckchens. Pl?tzlich mischte sich in diesen Klang eine sehr weiche und liebevolle Stimme. Sie wandte sich zu der Stimme um. Mit Bewunderung erkannte sie eine hochgewachsene, weiss schimmernde Birke, die zu ihr sprach. Noch nie zuvor hatte ein Baum mit ihr gesprochen.

Geh hinunter zum Fluss in die Richtung, aus der die Sonne scheint, und du wirst sehen.

Die alte Frau nahm ihren Korb, der mit verschiedenen Kr?utern halbgef?llt war, auf und ging durch B?ume und Str?ucher und ?ber eine Blumenwiese zum Fluss hinunter.

In der angegebenen Richtung sah sie auf dem Fluss in einem Kreis aus zw?lf grossen Wasserlilien eine Wiege, in der ein Kind lag, das in den Himmel blickte und voller Freude die Sonne anlachte. Eine weisse Taube erschien ?ber dem Kopfende der Wiege, hielt in der Luft an und flatterte auf der Stelle. Die Stimme der schlanken Birke ert?nte aus dem Wald her?ber: Dieses Kind wurde dir gesandt. Nimm es mit nach Hause und in deinem Herzen auf, als w?re es dein eigenes.

Die alte Frau watete ins Wasser, hob das Kind behutsam aus der Wiege und legte es in ihren Korb auf die wohlduftenden Kr?uter. Dann machte sie sich mit dem Kind auf den Weg zur?ck durch den Wald zu ihrer heimeligen H?tte.



Tagein tagaus vom fr?hen Morgen bis zum sp?ten Abend k?mmerte sie sich nun liebevoll um dieses sonnenhafte Wesen. Das Kind wuchs zu einem fr?hlichen und kr?ftigen Knaben heran.








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Die alte Frau war f?r ihn wie eine Grossmutter und er nannte sie z?rtlich Nonna, was Oma bedeutet. Sie tat alles, damit es ihrem Sonnenwesen stets gut ging und er keine Sorgen hatte. Sie nannte ihn nach der Sonne, die er bei ihrer ersten Begegnung angelacht hatte, Solis. Sie brachte ihm mit ihrer Liebe und F?rsorge den Himmel auf die Erde.



Im Sommer ging sie oft mit ihm in den Wald. Dort sammelten sie zusammen die verschiedensten Kr?uter. Sobald Solis zusprechen anfing, sprach er nicht nur mit seiner lieben Omi, sondern auch mit jedem Kr?utlein, das er sammelte. Alle Tiere des Waldes und alle V?gel, denen sie begegneten, begr?sste er und unterhielt sich mit ihnen, sie waren seine Freunde und ihm wie Br?der und Schwestern.



Die Grossmutter lehrte ihn viel ?ber alle Pflanzen und Kr?utlein und ?ber alles Leben in der Natur. Im Sommer liebte Solis auch, gegen die Flussstr?mung zu schwimmen und tief zu tauchen. Mit Begeisterung berichtete er danach seiner Omi von der geheimnisvollen Welt und den zauberhaften Wesen in den Tiefen des Flusses und des Sees.

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Ein andermal kletterte er bis in die Wipfel der B?ume und flog in Gedanken mit den Vogelschw?rmen in weite Fernen und erz?hlte seiner Nonna von Reisen in die wundersamen Gegenden sichtbarer und unsichtbarer Welten.



In Fr?hling und Herbst wanderten die beiden oft ?ber Berg und Tal und bewunderten jeweils die bl?hende, welkende und immerw?hrende Sch?nheit ringsum. Alles war f?r die beiden lebendig und beseelt.



So wuchs Solis in Frieden und Geborgenheit auf. Er sp?rte die grosse G?te seiner Grossmutter, sch?tzte diese sehr, war ihr stets dankbar und f?hlte und strahlte eine tiefe Zuneigung ihr gegen?ber aus, eine unendliche Verbundenheit. Auf diese Weise verging ein Tag nach dem anderen, ein Monat nach dem anderen, ein Jahr nach dem anderen.



Ganz besonders liebte Solis die Zeit im Jahr, wenn es sich dem Ende zuneigte. Die Grossmutter nannte diese Zeit den Abend des Jahres. Das Jahr ging langsam zu Ende und versenkte sich in eine tiefe Ruhe. Es wurde immer fr?her und l?nger dunkler und es kehrte mit dieser Dunkelheit eine ganz wundersame Seelenruhe ein.








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